Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#272# Viertes Kapitel
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[19. Schlußbemekungen über Smith und seine Unterscheidung von
produktiver und unproduktiver Arbeit]
¦¦417¦ Ehe wir nun mit A. Smith abschließen, wollen wir noch zwei
Stellen zitieren, die erste, worin er seinem Haß gegen das unpro-
duktive government 8*) Luft macht, die zweite, worin er zu ent-
wickeln sucht, warum Fortschritt der Industrie etc. freie Arbeit
voraussetzt. Über S m i t h s H a ß g e g e n d i e P f a f-
f e n? 9*)
Die erste Stelle lautet:
"Es ist daher die größte Unverschämtheit und Anmaßung, wenn Kö-
nige und Minister den Anspruch erheben, über die Sparsamkeit der
Privatleute zu wachen und
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8*) Regierung - 9*) vgl. dazu Band 23 unserer Ausgabe, S. 644-646
(Note 75)
#273# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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ihre Ausgaben durch Aufwandgesetze oder durch ein Einfuhrverbot
ausländischer Luxuswaren einzuschränken. Sie sind selbst stets
und ohne Ausnahme die größten Verschwender in der Gesellschaft.
Laßt sie nur gut auf ihren eigenen Aufwand achthaben, und sie
können den Privatleuten getrost den ihrigen überlassen. Wenn ihre
eigenen Extravaganzen den Staat nicht ruinieren, werden es die
ihrer Untertanen niemals tun." (t. II, l. II, ch. III, ed.
McC[ulloch], p. 122.)
Und noch einmal die folgende Stelle 1*):
"Die Arbeit einiger der angesehensten Stände der Gesellschaft
ist, ebenso wie die der D i e n s t b o t e n, n i c h t
w e r t b i l d e n d"
{sie hat value, kostet daher ein Äquivalent, aber sie produziert
keine value}
"und fixiert oder realisiert sich nicht in einem dauerhaften Ge-
genstand oder einer verkäuflichen Ware... So sind zum Beispiel
der Souverain mit allen seinen Justizbeamten und Offizieren, die
ihm unterstehen, die ganze Armee und Flotte u n p r o d u k-
t i v e A r b e i t e r. Sie sind die D i e n e r der
Gesellschaft und werden von einem Teil des Jährlichen Produkts
des F l e i ß e s a n d e r e r L e u t e erhalten... In
d i e g l e i c h e K l a s s e gehören... Geistliche, Juri-
sten, Ärzte, Literaten und Gelehrte aller Art; Schauspieler,
Possenreißer, Musiker, Opernsänger, Ballettänzer usw." (l.c.p.
94, 95.)
Dies ist die Sprache der noch revolutionären Bourgeoisie, die
sich die ganze Gesellschaft, Staat etc., noch nicht unterworfen
hat. Diese transzendenten Beschäftigungen, altehrwürdig, Sou-
verain, Richter, Offiziere, Pfaffen etc., die Gesamtheit der al-
ten ideologischen Stände, die sie erzeugen, ihre Gelehrten, Magi-
ster und Pfaffen werden ökonomisch gleichgestellt dem Schwarm ih-
rer eignen Lakaien und Lustigmacher, wie sie und die richesse oi-
sive 2*), Grundadel und capitalistes oisifs 3*), sie unterhalten.
Sie sind bloße servants des public 4*), wie die andren ihre ser-
vants sind. Sie leben von dem produce of o t h e r people's
i n d u s t r y 5*), müssen also auf das unvermeidliche Maß re-
duziert werden. Staat, Kirche etc. bloß berechtigt, soweit sie
Ausschüsse zur Verwaltung oder Handhabung der gemeinschaftlichen
Interessen der produktiven Bourgeois sind; und ihre Kosten, da
sie an und für sich zu den faux frais de production 6*) gehören,
müssen auf das unentbehrliche Minimum reduziert werden. Diese An-
sicht [hat] historisches Interesse in ihrem scharfen Gegensatz
teils zur Ansicht des antiken Altertums, worin die materiell pro-
duktive Arbeit das Brandmal der Sklaverei trägt und bloß als Pie-
destal für den citoyen oisif 7*) betrachtet wird, teils zu der
Ansicht der aus der Auflösung des Mittelalters hervorgehenden ab-
soluten
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1*) Siehe vorl. Band, S. 130 und 236/237 - 2*) der müßige Reich-
tum - 3*) müßige Kapitalisten - 4*) Diener der Gesellschaft - 5*)
Produkt von anderer Leute Fleiß - 6*) Nebenkosten der Produktion
- 7*) müßigen Bürger
#274# Viertes Kapitel
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oder aristokratisch-konstitutionellen Monarchie, wie Montesquieu,
selbst noch in ihr befangen, sie so naiv in folgendem Satz aus-
spricht (l. VII, ch. IV "Esprit des lois"):
"Wenn die Reichen nicht viel ausgeben, werdens die Armen Hungers
sterben."
Sobald die Bourgeoisie dagegen das Terrain erobert hat, teils
selbst des Staats sich bemächtigt, teils ein Kompromiß mit seinen
alten Inhabern gemacht, ditto die ideologischen Stände als
Fleisch von ihrem Fleisch erkannt und sie überall in ihre Funk-
tionäre, sich gemäß, umgewandelt hat; sobald sie selbst nicht
mehr als Repräsentant der produktiven Arbeit diesen gegenüber-
steht, sondern sich ihr gegenüber die eigentlichen produktiven
Arbeiter erheben und ihr ebenfalls sagen, daß sie von other peo-
ple's industry lebt; sobald sie gebildet genug ist, nicht ganz in
der Produktion aufzugehn, sondern auch "gebildet" konsumieren zu
wollen; sobald mehr und mehr die geistigen Arbeiten selbst in ih-
rem D i e n s t sich vollziehn, in den Dienst der kapitalisti-
schen Produktion treten, wendet sich das Blatt, und sie sucht
"ökonomisch" von ihrem eignen Standpunkt aus zu rechtfertigen,
was sie früher kritisch bekämpfte. Ihre Wortführer und Gewissens-
beschöniger in dieser line sind die Garniers etc. Es kommt hinzu
der Eifer dieser Ökonomen, die selbst Pfaffen, Professoren etc.
sind, ihre "produktive" Nützlichkeit zu beweisen, ihre Salaire
"ökonomisch" zu rechtfertigen.
¦¦418¦ Die zweite, auf die Sklaverei bezügliche Stelle lautet
(l.c., t. III, l. IV, ch. IX, p. 549-551, éd. Garnier):
"Solche Beschäftigungen" (d'artisan et de manufacturier 1*))
"wurden" (in plusieurs anciens états 2*)) als nur Sklaven gezie-
mend betrachtet, und den Bürgern war ihre Ausübung verboten.
Selbst in Staaten, wo dieses Verbot nicht galt, wie in Athen und
Rom, war tatsächlich das Volk von all den Beschäftigungen ausge-
schlossen, die heute gewöhnlich die unterste Klasse der städti-
schen Bevölkerung ausübt. Diese Beschäftigungen wurden in Athen
und Rom von Sklaven der Reichen ausgeführt, die sie auf Rechnung
ihrer Herren betrieben; und der Reichtum, die Macht und die Pro-
tektion der letzteren machten es einem armen Freien fast unmög-
lich, für sein Arbeitsprodukt Absatz zu finden, wenn dieses Ar-
beitsprodukt mit dem der Sklaven des Reichen zu konkurrieren
hatte. Aber Sklaven sind seiten erfinderisch, und die über die
Produktion vorteilhaftesten Verbesserungen, die die Arbeit er-
leichtern und abkürzen, sei es durch Maschinen, sei es durch bes-
sere Anordnung oder Verteilung der Arbeit, sind alle von Freien
erfunden worden. Wenn gar ein Sklave sich einfallen ließ, eine
derartige Verbesserung vorzuschlagen, so war sein Herr geneigt,
seinen Vorschlag als eine Eingebung der Faulheit und des Wunsches
zu betrachten, auf Kosten des Herrn die eigene Mühe zu sparen.
Der arme Sklave hatte wahrscheinlich statt einer Belohnung bloß
eine sehr schlechte
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1*) des Handwerkers und des Manufakturisten - 2*) mehreren
antiken Staaten
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Aufnahme zu erwarten, vielleicht sogar eine Züchtigung. In den
Manufakturen, die mit Sklaven betrieben werden, muß folglich in
der Regel, um dieselbe Menge Produkte hervorzubringen, mehr
Arbeit angewendet werden als in denen, die mit Freien betrieben
werden. Aus diesem Grunde ist das Arbeitsprodukt der Manufakturen
der ersten Art in der Regel teurer als das der zweiten. Herr
Montesquieu bemerkt, daß die ungarischen Bergwerke, obwohl nicht
ergiebiger als die türkischen in ihrer Nachbarschaft, stets mit
geringeren Kosten und daher mit größerem Profit ausgebeutet
wurden. Die türkischen Bergwerke werden von Sklaven ausgebeutet,
und die A r m e e d i e s e r S k l a v e n s i n d d i e
e i n z i g e n M a s c h i n e n, an deren Anwendung d i e
T ü r k e n jemals dachten. Die ungarischen Bergwerke werden von
Freien ausgebeutet, die, um ihre Arbeit zu erleichtern und abzu-
kürzen, zahlreiche Maschinerie anwenden. Nach dem wenigen, was
wir aber die Preise der Manufakturprodukte in der Zeit der Grie-
chen und Römer wissen, scheint es, daß die von feinster Qualität
äußerst teuer waren."
A. Smith sagt selbst, (l.c., t. III. l. IV, ch. I, p. 5 [86]:
"Herr Locke bemerkt, daß ein Unterschied zwischen dem Geld und
den anderen beweglichen Gütern zu machen ist. Alle anderen beweg-
lichen Güter, meint er, sind von s o v e r g ä n g l i c h e r
N a t u r, daß man nicht sehr auf einen Reichtum bauen kann, der
aus dieser Art von Gütern besteht... Geld dagegen ist ein wirkli-
cher Freund etc."
Und weiter, l.c.p. 24, 25:
"Die konsumablen Waren, sagt man, sind bald vermachtet, während
Gold und Silber von d a u e r h a f t e r e r N a t u r sind.
Würden sie nicht beständig exportiert, so könnten diese Metalle
sich mehrere Jahrhunderte lang akkumulieren, so daß der wirkliche
Reichtum eines Landes unglaublich anwachsen würde."
Der Mann des Monetarsystems schwärmt für Gold, Silber, weil sie
Geld sind, selbständiges Dasein, greifbares Dasein des Tausch-
werts, und unzerstörbares, ewig dauerndes Dasein desselben, so-
weit ihnen nicht erlaubt wird, Zirkulationsmittel zu werden, bloß
verschwindende Form des Tauschwerts der Waren. Akkumulation der-
selben, Aufhäufen, Schatzbildung daher seine Art, sich zu berei-
chern. Und wie ich im Zitat von Petty gezeigt [87], [werden] die
andren Waren selbst geschätzt in dem Grade, worin sie mehr oder
minder dauerhaft sind, also Tauschwert bleiben.
Nun wiederholt A. Smith erstens dieselbe Betrachtung über die re-
lativ größre oder geringre Dauerhaftigkeit der Waren in dem Ab-
schnitt, wo er von der mehr oder minder der Bildung des Reichtums
nützlichen Konsumtion spricht, je nachdem sie sich in minder oder
mehr vergänglichen Konsumtionsartikeln vollzieht. [88] Also hier
blickt das Monetarsystem durch; und notwendig so, da selbst bei
der direkten Konsumtion der Hinterhalt bleibt, daß der ¦¦419¦
Konsumtionsartikel R e i c h t u m bleibt, Ware, also
#276# Viertes Kapitel
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Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert, und letztres hängt von
dem Grad ab, wie der Gebrauchswert dauerhaft ist, die Konsumtion
also nur langsam seine Möglichkeit, W a r e zu sein oder Träger
des Tauschwerts, aufhebt.
Zweitens. In seiner zweiten Unterscheidung zwischen produktiver
und unproduktiver labour kommt er ganz - in breiterer Form - auf
die Unterscheidung des Monetarsystems zurück.
Die produktive labour
"fixiert und realisiert sich in einem besonderen Gegenstand oder
einer verkäuflichen Ware, d i e w e n i g s t e n s n o c h
e i n e z e i t l a n g f o r t b e s t e h t, n a c h d e m
d i e A r b e i t b e e n d e t i s t. Es wird gewissermaßen
eine bestimmte Menge Arbeit gesammelt und gespeichert, um später,
wenn notwendig, verwendet zu werden."
Dagegen die improductive labour's Resultate oder services
"vergehen gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung und
hinterlassen seiten eine Spur oder einen W e r t, für den
später eine gleiche Menge von Dienstleistungen beschafft werden
könnte." (v. II, b. II, ch. III, ed. McCulloch, p. 94.)
Also denselben Unterschied, den das Monetarsystem zwischen Gold
und Silber und den andren Waren, macht Smith mit den Waren und
den services. Auch hier ist es die Akkumulation, aber nicht mehr
in der Form der Schatzbildung, sondern der reellen, der Reproduk-
tion. Die Ware vergeht in der Konsumtion, aber dann erzeugt sie
Ware von höherem Wert wieder, oder, wenn so nicht angewandt, ist
sie selbst Wert, womit andre Ware gekauft werden kann. Es ist die
Eigenschaft des Produkts der Arbeit, daß es in einem plus ou
moins 1*) dauerhaften und darum wieder veräußerbarn Gebrauchswert
stiert, in einem Gebrauchswert, worin es vendible commodity 2*),
Träger des Tauschwerts, selbst W a r e ist - oder in der Tat,
worin es G e l d ist. Die services der travailleurs improduc-
tifs werden nicht wieder G e l d. Ich kann keine Schulden zah-
len noch Ware kaufen, noch Surpluswert zeugende Arbeit kaufen mit
den Diensten, die ich dem Advokat, Arzt, Pfaffen, Musiker etc.,
Staatsmann, Soldat etc. zahle. Sie sind vergangen wie vergängli-
che Konsumtionsartikel.
Also au fond 3*) sagt Smith dasselbe wie das Monetarsystem. Bei
ihnen nur die Arbeit produktiv, die G e l d, Gold und Silber,
zeugt. Bei Smith nur die Arbeit produktiv, die ihrem Käufer Geld
produziert, nur daß er den Geldcharakter in allen Waren trotz ih-
rer Verhüllung erblickt, während das Monetarsystem ihn nur in der
Ware erblickt, die das selbständige Dasein des Tauschwerts.
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1*) mehr oder weniger - 2*) verkaufte Ware - 3*) im Grunde
#277# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Diese Unterscheidung gründet sich auf das Wesen der bürgerlichen
Produktion selbst, da der Reichtum nicht gleich Gebrauchswert
ist, sondern nur die W a r e Reichtum ist, der Gebrauchswert
als Träger des Tauschwerts, als Geld. Was das Monetarsystem nicht
begriff, wie dies Geld gemacht wird und vermehrt wird durch den
Konsum der Waren, nicht durch ihre Verwandlung in Gold und Sil-
ber, worin sie als selbständiger Tauschwert kristallisiert sind,
aber nicht nur den Gebrauchswert verlieren, sondern ihre
W e r t g r ö ß e nicht verändern.
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