Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#125# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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[3. Zwieschlächtigkeit in der Smithschen Auffassung der produkti-
ven Arbeit]
[a) Erklärung der produktiven Arbeit als Arbeit, die sich gegen
Kapital austauscht]
Die zweite, verkehrte Ansicht, die Smith von produktiver Arbeit
entwickelt, ist so verflochten mit der richtigen, daß sie sich in
demselben Passus Schlag auf Schlag einander folgen. Wir müssen
daher zur Illustration der ersten Ansicht die Zitate stückweis
auseinanderreißen.
(b. II, ch. III - vol. II, ed. McCulloch -, p. 93 sq.) "Es gibt
eine Art von Arbeit, die den Wert des Gegenstands, auf den sie
verwendet wird, erhöht; es gibt eine andere, die keine solche
Wirkung hat. Die erstere kann, da s i e e i n e n W e r t
p r o d u z i e r t, a l s p r o d u k t i v e, die letztere
a l s u n p r o d u k t i v e A r b e i t bezeichnet werden.
So f ü g t die Arbeit eines Manufakturarbeiters in der Regel
dem Wert des von ihm verarbeiteten Materials noch den Wert
s e i n e s e i g e n e n U n t e r h a l t s u n d d e n
P r o f i t s e i n e s H e r r n h i n z u. Dagegen fügt die
Arbeit eines Dienstboten keinen Wert hinzu. Obwohl der Manufak-
tutarbeiter seinen Lohn von seinem Herrn
v o r g e s c h o s s e n erhält, k o s t e t er i h m i n
W i r k l i c h k e i t n i c h t s, da der Wert dieses Lohns
gewöhnlich z u s a m m e n m i t e i n e m P r o f i t durch
den erhöhten Wert des Gegenstands, auf den er seine Arbeit ver-
wendet hat, zurückerstattet wird. Aber der Unterhalt eines
Dienstboten wird nie zurückerstattet. Ein Mann w i r d
r e i c h durch die Beschäftigung einer Vielzahl von Manufaktu-
risten; er wird arm durch den Unterhalt einer Vielzahl von
Dienstboten."
#126# Viertes Kapitel
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In dieser Stelle - und in ihrem Fortgang, der später zu zitieren,
laufen die widersprechenden Bestimmungen noch mehr zusammen - ist
hauptsächlich, éminement 1*) unter productive labour 2*) die ver-
standen, die einen Mehrwert - "its master's profit" 3*) - produ-
ziert, außer der Reproduktion of the value "of his" (the labou-
rer's) "own maintenance" 4*). Auch könnte der manufacturer nicht
grow r i c h by employing a multitude of manufacturers"
(working men) 5*), wenn diese außer der value, die ihre eigne
maintenance kostet, nicht auch eine surplus value hinzufügten.
Zweitens aber versteht A. Smith hier unter productive labour eine
solche, die überhaupt "produces a value" 6*) Diese ¦¦303¦ letztre
Erklärung einstweilen außer acht lassend, wollen wir zunächst an-
dre Stellen zitieren, worin die erste Ansicht teils wiederholt,
teils schärfer formuliert, namentlich aber auch weiterentwickelt
wird.
"Wenn die Menge an Lebensmitteln und Kleidung, die... von den un-
produktiven konsumiert wurden, unter die produktiven Arbeiter
verteilt worden wäre, hätten sie den vollen Wert ihres Konsums
z u s a m m e n m i t e i n e m P r o f i t reproduziert."
(l.c.p. 109; l. II, ch. III.)
Hier ganz ausdrücklich productive labourer 7*) der, der dem Kapi-
talisten nicht nur die full value 8*) der im Salair enthaltnen
Lebensmittel reproduziert, sondern sie ihm reproduziert "with a
profit" 9*).
Nur die Arbeit, die Kapital produziert, ist produktive Arbeit.
Kapital aber wird Ware oder Geld dadurch, daß sie direkt gegen
Arbeitsvermögen ausgetauscht wird und nur ausgetauscht wird, um
durch mehr Arbeit, als in ihr selbst enthalten ist, ersetzt zu
werden. Denn der Gebrauchswert des Arbeitsvermögens besteht für
den Kapitalisten als solchen nicht in seinem 10*) w i r k-
l i c h e n Gebrauchswert, in der Nützlichkeit dieser besondren
konkreten Arbeit, daß sie Spinnarbeit, Wertarbeit usw., sowenig
wie ihm an dem Gebrauchswert des Produkts dieser Arbeit als
solchem liegt, indem das Produkt für ihn Ware (und zwar vor ihrer
ersten Metamorphose), nicht Konsumtionsartikel ist. Was ihn an
der Ware interessiert, ist, daß sie mehr Tauschwert besitzt, als
er für sie zahlte, und so ist der Gebrauchswert der Arbeit für
ihn, daß er ein größres Quantum Arbeitszeit zurückerhält, als er
in der Form des Salairs gezahlt hat. Unter diese produktiven
Arbeiter gehören natürlich alle, die zur Produktion der Ware
d'une manire ou d'une autre 11*)
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1*) in hervorragender Weise - 2*) produktiver Arbeit - 3*) den
Profit seines Herrn - 4*) des Werts seines (des Arbeiters) eige-
nen Unterhalts - 5*) Manufaktur ist nicht r e i c h werden
"durch die Beschäftigung einer Vielzahl von Manufakturisten"
(Arbeitern) - 6*) "einen Wert produziert" - 7*) produktiver Ar-
beiter - 8*) den vollen Wert - 9*) "mit einem Profit" - 10*) in
der Handschrift: ihrem - 11*) auf die eine oder andere Weise
#127# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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mitarbeiten, vom eigentlichen Handarbeiter bis zum manager, engi-
neer (als unterschieden vorn Kapitalisten). Und so zählt auch der
letzte englische offizielle Report über die factories
"a u s d r ü c k l i c h" alle in der Fabrik und den zugehörigen
Comptoirs angewandten Personen, mit Ausnahme der Fabrikanten
selbst, unter der Kategorie der beschäftigten Lohnarbeiter auf.
(Sieh vor Schluß dieser Scheiße die Worte des report.)
Die produktive Arbeit wird hier bestimmt vom Standpunkt der kapi-
talistischen Produktion aus, und A. Smith hat die Sache selbst
begrifflich erschöpft, den Nagel auf den Kopf getroffen - es ist
dies eines seiner größten wissenschaftlichen Verdienste (es
bleibt, wie Malthus richtig bemerkt hat [58], die Grundlage der
ganzen bürgerlichen Ökonomie, diese kritische Unterscheidung zwi-
schen produktiver und unproduktiver Arbeit), daß er die produk-
tive Arbeit als Arbeit bestimmt, d i e s i c h u n m i t-
t e l b a r m i t d e m K a p i t a l a u s t a u s c h t,
d.h. durch Austausch, womit die Produktionsbedingungen der Arbeit
und Wert überhaupt, Geld oder Ware, sich erst in Kapital
verwandeln (und die Arbeit in Lohnarbeit im wissenschaftlichen
Sinn).
Damit ist auch absolut festgesetzt, was u n p r o d u k t i v e
A r b e i t ist. Es ist Arbeit, die sich nicht gegen Kapital,
sondern u n m i t t e l b a r gegen Revenue austauscht, also
gegen Salair oder Profit (natürlich auch gegen die verschiednen
Rubriken, die als copartners 1*) am Profit des Kapitalisten par-
tizipieren, wie Zins und Renten). Wo alle Arbeit teilweis sich
noch selbst bezahlt (wie die Agrikulturarbeit des Fronbauern
z.B.), teilweis sich direkt gegen die Revenue austauscht (wie die
Manufakturarbeit der Städte in Asien), existiert kein Kapital und
keine Lohnarbeit im Sinne der bürgerlichen Ökonomie. Diese Be-
stimmungen sind also nicht genommen aus der stofflichen Bestim-
mung der Arbeit (weder der Natur ihres Produkts noch der Be-
stimmtheit der Arbeit als konkreter Arbeit), sondern aus der be-
stimmten gesellschaftlichen Form, den gesellschaftlichen Produk-
tionsverhältnissen, worin sie sich verwirklicht. Ein Schauspieler
z.B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter,
wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet (des entrepreneur
2*)), dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Sa-
lairs von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Ka-
pitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ihm einen
bloßen Gebrauchswert schafft, ein unproduktiver Arbeiter ist. Die
Arbeit des erstren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zwei-
ten gegen Revenue. Die erstre schafft einen Mehrwert; in der
zweiten verzehrt sich eine Revenue.
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1*) Teilhaber - 2*) Unternehmers
#128# Viertes Kapitel
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Produktive und unproduktive Arbeit hier immer vom
S t a n d p u n k t des Geldbesitzers, des Kapitalisten aus,
nicht des A r b e i t e r s, und daher der Blödsinn bei Ganilh
etc., die so wenig die Sache verstehn, daß sie fragen, ob Arbeit
oder Dienst oder Funktion der Hure, Lakai etc. Geld einbringt.
¦303¦¦
¦¦304¦ Ein Schriftsteller ist ein produktiver Arbeiter, nicht
insofern er Ideen produziert, sondern insofern er den Buchhändler
bereichert, der den Verlag seiner Schriften betreibt, oder sofern
er der Lohnarbeiter eines Kapitalisten ist. Der Gebrauchswert der
Ware, worin sich die Arbeit eines produktiven Arbeiters verkör-
pert, mag von der futilsten 1*) Art sein. Diese stoffliche Be-
stimmung hängt mit dieser ihrer Eigenschaft gar nicht zusammen,
die viel mehr nur ein bestimmtes gesellschaftliches Produktions-
verhältnis ausdrückt. Es ist eine Bestimmung der Arbeit, die
nicht aus ihrem Inhalt oder ihrem Resultat, sondern aus ihrer be-
stimmten gesellschaftlichen Form stammt.
Andrerseits, vorausgesetzt, daß das Kapital sich der ganzen Pro-
duktion bemächtigt hat - daß also W a r e (zu unterscheiden von
bloßem Gebrauchswert) nicht mehr produziert wird von irgendeinem
Arbeiter, der die Produktionsbedingungen zur Produktion dieser
Ware selbst besitzt -, daß also nur noch der Kapitalist Produzent
von W a r e n ist (die einzige Ware, das Arbeitsvermögen, aus-
genommen), so muß sich die Revenue austauschen a u t gegen Wa-
ren, die das Kapital allein produziert und verkauft, a u t 2*)
gegen Arbeiten, die ebenso wie jene Waren gekauft werden, um kon-
sumiert zu werden, also bloß ihrer stofflichen Bestimmtheit,
ihres Gebrauchswerts halber, der D i e n s t e halber, die sie
in ihrer stofflichen Bestimmtheit ihrem Käufer und Konsumenten
leisten. Für den Produzenten dieser Dienste sind diese Dienstlei-
stungen Waren. Sie haben einen bestimmten Gebrauchswert
(eingebildeten oder wirklichen) und einen bestimmten Tauschwert.
Für den Käufer aber sind diese Dienste bloße Gebrauchswerte, Ge-
genstände, worin ¦¦305¦ er seine Revenue konsumiert. Diese unpro-
duktiven Arbeiter erhalten ihren Anteil an der Revenue (den Sa-
lairen und Profiten) nicht umsonst, ihre copartnership 3*) an den
von der produktiven Arbeit produzierten Waren; sie müssen ihren
share 4*) an denselben kaufen; aber sie haben mit der Produktion
derselben nichts zu tun.
Es ist aber unter allen Umständen klar: Je mehr von der Revenue
(Salair und Profit) in den von dem Kapital produzierten Waren
verausgabt wird, desto weniger davon kann in den Dienstleistungen
der unproduktiven Arbeiter verausgabt werden, und umgekehrt.
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1*) nichtigsten - 2 entweder oder - 3*) Teilhaberschaft - 4*) An-
teil
#129# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit und daher ihres Produkts
hat an und für sich nichts mit dieser Unterscheidung zwischen
produktiver und unproduktiver Arbeit zu tun. Z.B. die Köche und
waiters 1*) in einem öffentlichen Hotel sind produktive Arbeiter,
sofern ihre Arbeit sich in Kapital für den Hotelbesitzer verwan-
delt. Dieselben Personen sind unproduktive Arbeiter als menial
servants 2*), insofern ich in ihrem Dienst nicht Kapital mache,
sondern Revenue verausgabe. In der Tat sind aber auch dieselben
Personen für mich, den Konsumenten, unproduktive Arbeiter in dem
Hotel.
"Der Teil des jährlichen Produkts von Boden und Arbeit
i r g e n d e i n e s L a n d e s, d e r e i n K a p i t a l
e r s e t z t, w i r d u n m i t t e l b a r nur für den Un-
terhalt produktiver Arbeiter angewendet. Er z a h l t nur
d i e L ö h n e d e r p r o d u k t i v e n A r b e i t. Der
Teil, der u n m i t t e l b a r für die Bildung einer Revenue
bestimmt ist, sei es als Profit oder als Rente, kann in gleicher
Weise sowohl zum Unterhalt produktiver als auch unproduktiver Ar-
beiter dienen." (l.c.p. 98.) "Welchen Teil seines Fonds jemand
auch als Kapital anlegen mag, er erwartet immer, daß er ihm mit
einem Profit wieder ersetzt werde. Er verwendet ihn deshalb aus-
schließlich für den Unterhalt produktiver Arbeiter; und nachdem
er ihm in der Funktion als Kapital gedient hat, bildet er für
diese letzteren eine Revenue. Sobald er einen Teil davon z u m
U n t e r h a l t u n p r o d u k t i v e r A r b e i t e r
irgendeiner Art verwendet, ist vom gleichen Augenblick an seinem
Kapital dieser Teil entzogen und in seinen Fonds übergegangen,
der der unmittelbaren Konsumtion vorbehalten ist." (l.c.)
In demselben Umfang, wie sich das Kapital der ganzen Produktion
bemächtigt, also die häusliche und kleine, kurz, auf den Selbst-
verzehr gerichtete, nicht Waren produzierende Form der Industrie
verschwindet, ist es klar, daß die unproduktiven Arbeiter, die,
deren Dienste direkt gegen Revenue ausgetauscht werden, zum größ-
ten Teil nur noch p e r s ö n l i c h e Dienste verrichten wer-
den, und nur der geringste Teil derselben (wie Koch, Nähterin,
Flickschneider usw.) sachliche Gebrauchswerte produzieren werden.
Daß sie keine W a r e n produzieren, liegt in der Natur der Sa-
che. Denn die Ware als solche ist nie unmittelbar Gegenstand des
Konsums, sondern Träger des Tauschwerts. Ein nur ganz unbedeuten-
der Teil dieser unproduktiven Arbeiter kann daher bei entwickel-
ter kapitalistischer Produktionsweise unmittelbar an der materi-
ellen Produktion beteiligt sein. Nur durch Austausch seiner
Dienste gegen die Revenue nimmt er Anteil an derselben. Es hin-
dert dies nicht, wie A. Smith bemerkt, daß der Wert der Dienste
dieser unproduktiven Arbeiter in derselben (oder analogen) Weise
bestimmt wird und bestimmbar ist wie der der produktiven Arbei-
ter. Nämlich durch die Produktionskosten, die die Erhaltung oder
Produktion derselben kostet.
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1*) Kellner - 2*) Dienstboten
#130# Viertes Kapitel
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Es kommen hier noch andre Umstände hinzu, deren Betrachtung nicht
hierher gehört.
¦¦306¦ Das Arbeitsvermögen 1*) des produktiven Arbeiters ist eine
Ware für ihn selbst. So ist das des unproduktiven Arbeiters. Aber
der produktive Arbeiter produziert Ware für den Käufer seines Ar-
beitsvermögens. Der unproduktive Arbeiter produziert ihm einen
bloßen Gebrauchswert, keine Ware, einen eingebildeten oder wirk-
lichen Gebrauchswert. Daß der unproduktive Arbeiter keine Ware
für seinen Käufer produziert, wohl aber Ware von ihm erhält, ist
charakteristisch für ihn.
"Die Arbeit einiger der angesehensten Stände der Gesellschaft
ist, ebenso wie die der Dienstboten, nicht wertbildend... So sind
zum Beispiel der Souverän mit allen seinen Justizbeamten und Of-
fizieren, die unter ihm dienen, die ganze Armee und Flotte unpro-
duktive Arbeiter. Sie sind die Diener der Gesellschaft und werden
von einem Teil des jährlichen Produkts des Fleißes anderer Leute
erhalten... In die gleiche Klasse gehören... Geistliche, Juri-
sten, Ärzte, Literaten und Gelehrte aller Art; Schauspieler Pos-
senreißer, Musiker, Opernsänger, Ballettänzer usw. (l.c.p. 94,
95.)
An und für sich hat, wie gesagt, diese Unterscheidung zwischen
produktiver und unproduktiver Arbeit nichts zu schaffen weder mit
der besondren Spezialität der Arbeit noch mit dem besondren Ge-
brauchswert, worin sich diese Spezialität verkörpert. In dem
einen Fall tauscht sich die Arbeit mit Kapital aus, in dem andren
mit Revenue. In dem einen Fall verwandelt sich die Arbeit in Ka-
pital und schafft dem Kapitalisten einen Profit, in dem andren
Fall ist sie eine Ausgabe, einer der Artikel, worin die Revenue
verzehrt wird. Z.B. der Arbeiter eines Klaviermachers ist ein
produktiver Arbeiter. Seine Arbeit ersetzt nicht nur das Salair,
das er verzehrt, sondern in dem Produkt, dem Klavier, der Ware,
die der Klaviermacher verkauft, ist ein Surpluswert über den Wert
des Salairs hinaus enthalten. Setze dagegen, ich kaufe alles Ma-
terial, das zu einem Klavier nötig ist (oder meinetwegen mag es
auch der Arbeiter selbst besitzen), und lasse mir, statt das Kla-
vier im Laden zu kaufen, es in meinem Hause machen. Der Klavier-
macher ist jetzt unproduktiver Arbeiter, weil seine Arbeit sich
direkt gegen meine Revenue austauscht.
[b) Erklärung der produktiven Arbeit als Arbeit, die sich in Ware
realisiert]
Es ist indes klar, daß in demselben Maß, wie das Kapital sich die
gesamte Produktion unterwirft - also alle Ware für den Handel und
nicht für den
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1*) In der Handschrift: Produktionsvermögen; Marx hat "Arbeits-"
darübergeschrieben und beides stehenlassen
#131# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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unmittelbaren Konsum produziert wird, und in diesem Maße entwic-
kelt sich die Produktivität der Arbeit -, auch mehr und mehr ein
stofflicher Unterschied zwischen den produktiven und unprodukti-
ven Arbeitern eintreten wird, indem die erstren, geringe Ausnah-
men abgerechnet, ausschließlich W a r e n produzieren werden,
während die letztren, mit geringen Ausnahmen, nur persönliche
Dienstleistungen verrichten. Die erste Klasse wird daher den un-
mittelbaren, materiellen, aus W a r e n bestehenden Reichtum
produzieren, alle Waren, soweit sie nicht aus dem Arbeitsvermögen
selbst bestehn. Dies ist einer der Gesichtspunkte, die den A.
Smith bestimmen, außer der ersten und prinzipiell bestimmenden
differentia specifica 1*) andre hinzuzufügen.
So, durch verschiedne Ideenassoziationen durch, heißt es:
"Die Arbeit eines Dienstboten" (im Unterschied zu der des ma-
nufacturer) "... f ü g t k e i n e n W e r t h i n z u... der
Unterhalt eines Dienstboten w i r d n i e
z u r ü c k e r s t a t t e t. Ein Mann wird reich durch die Be-
schäftigung einer Vielzahl von Manufakturarbeitern; er wird arm
durch den Unterhalt einer Vielzahl von Dienstboten. D i e
A r b e i t d e r l e t z t e r e n h a t jedoch i h r e n
W e r t und verdient ihren Lohn ebenso wie die der ersteren.
Aber die Arbeit des Manufakturarbeiters f i x i e r t u n d
r e a l i s i e r t s i c h i n e i n e m b e s o n d e r e n
G e g e n s t a n d o d e r e i n e r v e r k ä u f l i-
c h e n W a r e, d i e w e n i g s t e n s n o c h e i n e
z e i t l a n g f o r t b e s t e h t, n a c h d e m d i e
A r b e i t b e e n d e t i s t. Es wird gewissermaßen eine
bestimmte Menge Arbeit gesammelt und gespeichert, um später, wenn
notwendig, verwendet zu werden. Dieser Gegenstand, oder was
dasselbe ist, der Preis dieses Gegenstandes, kann später, wenn
notwendig, die gleiche Menge Arbeit in Bewegung setzen, die
ursprünglich zu seiner Produktion erforderlich war. Die Arbeit
des Dienstboten ¦¦307¦ dagegen f i x i e r t o d e r r e a-
l i s i e r t s i c h n i c h t i n e i n e m b e s o n-
d e r e n G e g e n s t a n d o d e r e i n e r v e r-
k ä u f l i c h e n W a r e. Seine D i e n s t e v e r g e-
h e n g e w ö h n l i c h i m A u g e n b l i c k i h r e r
L e i s t u n g u n d h i n t e r l a s s e n s e l t e n
e i n e S p u r o d e r e i n e n W e r t, für den
s p ä t e r eine gleiche Menge von Dienstleistungen beschafft
werden könnte... Die Arbeit einiger der angesehensten Stände der
Gesellschaft ist, ebenso wie die der Dienstboten, n i c h t
w e r t b i l d e n d u n d f i x i e r t o d e r r e a l i-
s i e r t s i c h n i c h t i n e i n e m d a u e r-
h a f t e n G e g e n s t a n d o d e r e i n e r v e r-
k ä u f l i c h e n W a r e." (l.c.p. 93, 94 passim.)
Zur Bestimmung des unproduktiven Arbeiters haben wir hier fol-
gende Bestimmungen, die zugleich die Glieder des innern Gedanken-
gangs A. Smiths aussprechen:
"Sie" (die labour des unproductive labourer 2*)) "unproduktiv,
nicht wertbildend", "fügt keinen Wert hinzu", "der Unterhalt" (of
the unproductive labourer) "wird nie zurückerstattet", "sie
f i x i e r t o d e r r e a l i s i e r t s i c h n i c h t
i n e i n e m G e g e n s t a n d o d e r e i n e r
v e r k ä u f l i c h e n W a r e". Vielmehr: "Seine Dienste
vergehen gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung und hinterlassen
selten eine Spur oder einen Wert, für den s p ä t e r
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1*) Unterscheidungsmerkmal - 2*) Arbeit des unproduktiven Arbei-
ters
#132# Viertes Kapitel
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eine gleiche Menge von Dienstleistungen beschafft werden könnte."
Schließlich: "Sie fixiert oder realisiert sich nicht i n
e i n e m d a u e r h a f t e n G e g e n s t a n d oder
e i n e r v e r k ä u f l i c h e n W a r e."
In dieser Auffassung ist das "productive of value" 1*) oder
"unproductive of value" 2*) in einem andren Sinn genommen als ur-
sprünglich. Es bezieht sich nicht mehr auf Produktion eines Mehr-
werts, welche an und für sich Reproduktion eines Äquivalents für
den konsumierten Wert einschließt. Sondern die Arbeit eines Ar-
beiters heißt hiernach produktiv, soweit er an die Stelle des
konsumierten Werts ein Äquivalent setzt, indem er durch seine Ar-
beit irgendeinem Material ein gleiches Quantum Wert hinzufügt,
als in seinem Salair enthalten war. Hier fallen wir aus der Form-
bestimmung, aus der Bestimmung der produktiven und unproduktiven
Arbeiter durch ihr Verhältnis zur kapitalistischen Produktion
heraus. Aus dem 9. Kapitel des 4ten Buchs (worin A. Smith die
Lehre der Physiokraten kritisiert) ersieht man, daß A. Smith zu
dieser Aberration 3*) kam, teils im Gegensatz zu, teils aus Ab-
hängigkeit von den Physiokraten. Wenn ein Arbeiter bloß jährlich
ersetzt das Äquivalent seines Salairs, so ist er kein produktiver
Arbeiter für den Kapitalisten. Er ersetzt ihm zwar das Salair,
den Kaufpreis seiner Arbeit. Es ist aber ganz dieselbe Transak-
tion, als wenn dieser Kapitalist die Ware, die dieser Arbeiter
produziert, gekauft hätte. Er zahlt die in ihrem capital constant
und im Salair enthaltne Arbeit. Er besitzt dasselbe Quantum Ar-
beit in der Form der Ware, das er früher in der Form des Geldes
besaß. Sein Geld wird dadurch nicht in Kapital verwandelt. In
diesem Falle ist es dasselbe, als wenn der Arbeiter selbst der
Besitzer seiner Produktionsbedingungen. Von dem Wert seines jähr-
lichen Produkts muß er jährlich den Wert der Produktionsbedingun-
gen abziehn, um sie zu ersetzen. Was er jährlich verzehrte oder
verzehren könnte, wäre gleich dem Wertteil seines Produkts,
gleich der jährlich seinem capital constant zugefügten neuen Ar-
beit. In diesem Falle fände also keine kapitalistische Produktion
statt.
Der erste Grund, warum A. Smith diese Art Arbeit "produktiv"
nennt, ist, weil die Physiokraten sie "stérile" und "non produc-
tive" nennen.
Smith sagt uns nämlich in dem angeführten Kapitel:
"Erstens erkennen sie an, daß diese Klasse" (nämlich die indu-
striellen Klassen, die keine Agrikultur treiben) "j ä h r-
l i c h den W e r t ihrer eigenen jährlichen Konsumtion r e-
p r o d u z i e r t u n d m i n d e s t e n s d i e E x i-
s t e n z d e s F o n d s o d e r K a p i t a l s f o r t-
e r h ä l t, d e r i h r e B e s c h ä f t i g u n g u n d
i h r e n L e b e n s u n t e r h a l t g a r a n t i e r t...
Pächter und Landarbeiter
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1*) "produktiv, wertbildend" - 2*) "unproduktiv, nicht wertbil-
dend" - 3*) Abirrung
#133# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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reproduzieren allerdings außer dem Kapital, das ihre Arbeit und
ihren Lebensunterhalt ermöglicht, noch jährlich ein N e t t o-
p r o d u k t, eine überschüssige Rente für den Grundeigen-
tümer... die Arbeit der Pächter und Landarbeiter ist sicher
produktiver als die der Kaufleute, Handwerker und Manufakturar-
beiter. Aber das höhere Produkt der einen Klasse macht die andere
nicht s t e r i l und u n p r o d u k t i v." (l.c., t. III,
p. 530 [Garnier].)
Hier fällt also A.Smith in die physiokratische ¦¦308¦ Ansicht zu-
rück. Die eigentlich "produktive Arbeit", die einen Mehrwert und
darum "un produit net" 1*) produziert, ist die Agrikulturarbeit.
Er gibt seine eigne Ansicht vom Mehrwert auf und akzeptiert die
der Physiokraten. Zugleich macht er gegen sie geltend, daß die
Manufaktur- (und bei ihm auch kommerzielle) -arbeit doch auch
produktiv sei, wenn auch nicht in diesem eminenten Sinn des
Worts. Er fällt also aus der Formbestimmung heraus, aus der Be-
stimmung dessen, was ein "produktiver Arbeiter" vom Standpunkt
der kapitalistischen Produktion ist; macht geltend gegen die Phy-
siokraten, daß die non agricultural, industrial class 2*) ihr
eignes Salair reproduziert, also doch einen Wert produziert
gleich dem, den sie verzehrt, und dadurch
"mindestens die Existenz des Fonds oder Kapitals forterhält, der
ihre Beschäftigung garantiert".
So entsteht, in der Abhängigkeit von und im Gegensatz zu den Phy-
siokraten, seine zweite Bestimmung von dem, was "produktive Ar-
beit" ist.
"Zweitens", sagt A. Smith, "wäre es in diesem Zusammenhang ganz
falsch, die Handwerker, Manufakturarbeiter und Kaufleute unter
demselben Gesichtspunkt zu betrachten wie die einfachen Dienstbo-
ten. D i e A r b e i t e i n e s D i e n s t b o t e n e r-
h ä l t k e i n e s w e g s d e n F o n d s f o r t, d e r
s e i n e B e s c h ä f t i g u n g u n d s e i n e n L e-
b e n s u n t e r h a l t g a r a n t i e r t. D e r
D i e n s t b o t e w i r d i n l e t z t e r I n s t a n z
a u f K o s t e n s e i n e s H e r r n b e s c h ä f t i g t
u n d e r h a l t e n, und s e i n e A r b e i t i s t
n i c h t d e r a r t, d a ß s i e d i e s e K o s t e n
e r s e t z e n k ö n n t e. Seine Arbeit besteht in D i e n-
s t e n, d i e g e w ö h n l i c h i m A u g e n b l i c k
i h r e r L e i s t u n g v e r g e h e n u n d v e r-
s c h w i n d e n und s i c h n i c h t i n e i n e r
W a r e f i x i e r e n u n d r e a l i s i e r e n, s o
d a ß m a n s i e k a u f e n u n d d a d u r c h d e n
W e r t i h r e s U n t e r h a l t s u n d i h r e s
L o h n s e r s e t z e n k ö n n t e. Dagegen f i x i e r t
u n d r e a l i s i e r t s i c h die Arbeit der Handwerker,
Kaufleute und Manufakturarbeiter n a t u r g e m ä ß i n
e i n e r v e r k ä u f l i c h e n u n d a u s t a u s c h-
b a r e n S a c h e. Aus diesem Grunde habe ich in dem Kapitel,
das von p r o d u k t i v e r u n d u n p r o d u k t i v e r
A r b e i t handelt, Handwerker, Manufakturarbeiter und Kauf-
leute unter die p r o d u k t i v e n und die Dienstboten unter
die s t e r i l e n und u n p r o d u k t i v e n Arbeiter
gerechnet." (l.c.p. 531.)
Sobald das Kapital sich der ganzen Produktion bemächtigt hat,
wird sich die Revenue, soweit sie sich überhaupt gegen Arbeit
austauscht, nicht
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1*) "ein Nettoprodukt" - 2*) nicht Ackerbau treibende, industri-
elle Klasse
#134# Viertes Kapitel
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direkt gegen Arbeit austauschen, die W a r e n produziert, son-
dern gegen bloße D i e n s t l e i s t u n g e n. Sie tauscht
sich zum Teil gegen Waren aus, die als Gebrauchswerte dienen sol-
len, zum Teil gegen s e r v i c e s, Dienstleistungen, die als
solche als Gebrauchswerte konsumiert werden.
W a r e - im Unterschied zum Arbeitsvermögen selbst - ist ein
dem Menschen stofflich gegenüberstehendes Ding von gewisser Nütz-
lichkeit für ihn, worin ein bestimmtes Quantum Arbeit fixiert,
materialisiert ist. Wir kommen also zu der schon sub I der Sache
nach enthaltnen Bestimmung: Produktiver Arbeiter ist der, dessen
Arbeit W a r e n p r o d u z i e r t, und zwar verzehrt dieser
Arbeiter nicht mehr Waren, als er produziert, als seine Arbeit
kostet. Seine Arbeit fixiert sich und realisiert sich
"i n e i n e r v e r k ä u f l i c h e n u n d a u s-
t a u s c h b a r e n S a c h e", "i n e i n e r W a r e,
s o d a ß m a n s i e v e r k a u f e n u n d d a d u r c h
d e n W e r t i h r e s U n t e r h a l t s u n d i h r e s
L o h n s e r s e t z e n k ö n n t e"
(nämlich der Arbeiter, die diese Waren produzierten). Dadurch,
daß er Waren produziert, reproduziert der produktive Arbeiter be-
ständig das variable Kapital, das er in der Form des Salairs be-
ständig verzehrt. Er produziert beständig den Fonds, der ihn
zahlt, der seine Beschäftigung und seinen Lebensunterhalt garan-
tiert".
Erstens schließt A. Smith natürlich ein in den travail, qui se
fixe et [se]l réalise in a venal and exchangeable commodity 1*),
alle intellektuellen Arbeiten, die direkt in der materiellen Pro-
duktion konsumiert werden. Nicht nur der direkte Handarbeiter
oder Maschinenarbeiter, sondern overlooker 2*), ingenieur, mana-
ger, commis etc., kurz, die Arbeit des ganzen Personals, das in
einer bestimmten Sphäre der materiellen Produktion erheischt ist,
um eine bestimmte Ware zu produzieren, dessen concours 3*) von
Arbeiten (Kooperation) notwendig zur Herstellung der Waren ist.
In der Tat fügen sie dem capital constant ihre Gesamtarbeit hinzu
und erhöhen den Wert des Produkts um diesen Betrag. (Wieweit dies
von Bankiers etc. gilt? [59])
¦¦309¦ Zweitens sagt A.Smith, daß dies im ganzen, "generally",
nicht mit der Arbeit der unproduktiven Arbeiter der Fall ist.
Wenn auch das Kapital sich der materiellen Produktion bemächtigt
hat, also im großen und ganzen die häusliche Industrie verschwun-
den ist oder die des kleinen Handwerkers, der unmittelbar im
Hause des Konsumenten ihm die Gebrauchswerte schafft, so weiß A.
Smith sehr wohl, daß eine Nähterin, die ich ins Haus kommen
lasse, um Hemden zu nähen, oder die Arbeiter, die Möbel reparie-
ren, oder der Dienstbote, der das Haus wäscht, reinigt etc., oder
die
-----
1*) die Arbeit, die sich fixiert und sich realisiert in einer
käuflichen und austauschbaren Ware - 2*) Aufseher - 3*) Zusammen-
wirken
#135# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
Köchin, die dem Fleisch etc. die genießbare Form gibt, ganz
ebenso ihre Arbeit in einem Ding fixieren und in der Tat den Wert
dieser Dinge erhöhen als die Nähterin, die in der Fabrik näht,
der Maschinist, der die Maschine repariert, die Arbeiter, die die
Maschine reinigen, die Köchin, die in einem Hotel kocht als Lohn-
arbeiterin eines Kapitalisten. Der Möglichkeit nach sind diese
Gebrauchswerte auch Waren; die Hemden können ins Pfandhaus ge-
schickt werden, das Haus wieder verkauft, die Möbel versteigert
werden usw. Also der Möglichkeit nach haben diese Personen auch
Waren produziert und den Gegenständen ihrer Arbeit Wert zugefügt.
Dies ist aber eine sehr geringe Kategorie unter den unproduktiven
Arbeitern und gilt weder von der Masse der menial servants 1*)
[noch von] Pfaffen, Regierungsleuten, Soldaten, Musikanten usw.
Aber wie groß oder klein die Anzahl dieser "unproduktiven Arbei-
ter" sei, so viel stellt sich jedenfalls heraus und ist admitted
2*) durch dies beschränkende
"seine Dienste vergehen g e w ö h n l i c h im Augenblick ihrer
Leistung etc.",
daß es weder notwendig die Spezialität der Arbeit noch die Er-
scheinungsform ihres Produkts ist, die sie "produktiv" oder
"unproduktiv" machen. Dieselbe Arbeit kann produktiv sein, wenn
ich sie als Kapitalist, als Produzent kaufe, um sie zu verwerten,
und unproduktiv, wenn ich sie als Konsument, Ausgeber von Revenue
kaufe, um ihren Gebrauchswert zu verzehren, sei es, daß dieser
Gebrauchswert mit der Tätigkeit des Arbeitsvermögens selbst ver-
schwindet oder sich in einem Ding materialisiert, fixiert. Die
Köchin im Hotel produziert für den, der ihre Arbeit als Kapita-
list gekauft hat, den Hotelbesitzer, eine Ware; der Konsument der
muttonchops 3*) hat ihre Arbeit zu zahlen, und sie ersetzt dem
Hotelbesitzer (von Profit abgesehn) den Fonds, woraus er fort-
fährt, die Köchin zu zahlen. Dagegen kaufe ich die Arbeit einer
Köchin, damit sie mir das Fleisch etc. kocht, nicht um sie zu
verwerten als Arbeit überhaupt, sondern sie zu genießen, zu ge-
brauchen als diese bestimmte konkrete Arbeit, so ist ihre Arbeit
unproduktiv; obgleich diese Arbeit sich fixiert in einem materi-
ellen Produkt und ebensogut verkäufliche Ware sein könnte (in ih-
rem Resultat), wie sie es in der Tat für den Hotelbesitzer ist.
Der große Unterschied bleibt aber (der begriffliche): Die Köchin
ersetzt mir (dem Privaten) nicht den Fonds, aus dem ich sie
zahle, weil ich ihre Arbeit nicht als wertbildendes
-----
1*) Dienstboten - 2*) zugegeben - 3*) Hammelkoteletts
#136# Viertes Kapitel
-----
Element kaufe, sondern bloß ihres Gebrauchswerts halber. Ihre Ar-
beit ersetzt mir ebensowenig den Fonds, womit ich sie zahle, d.h.
ihr Salair, wie mich etwa das Diner, das ich im Hotel esse, als
solches noch befähigt, dasselbe Diner zum zweitenmal zu kaufen
und daher zu essen. Dieser Unterschied findet aber auch zwischen
den Waren statt. Die Ware, die der Kapitalist kauft, um sein ca-
pital constant zu ersetzen (z.B. Baumwollzeug, wenn er Kattun-
drucker ist), ersetzt ihren Wert im gedruckten Kattun. Kauft er
sie dagegen, um den Kattun selbst zu verzehren, so ersetzt ihm
die Ware nicht seine Auslage.
Die größte Masse der Gesellschaft, d.h. die Arbeiterklasse, muß
sich übrigens diese Art Arbeit selbst verrichten; kann sie sich
aber nur verrichten, wenn sie "produktiv" gearbeitet hat. Sie
kann sich das Fleisch nur kochen, wenn sie ein Salair produziert
hat, womit Fleisch zahlen, und ihre Möbel und Wohnung nur rein
halten, ihre Stiefel nur putzen, wenn sie den Wert von Möbel,
Hausmiete, Stiefel produziert hat. Bei dieser Klasse der produk-
tiven Arbeiter selbst erscheint also als "unproduktive Arbeit"
die, die sie für sich selbst verrichten. Diese unproduktive Ar-
beit befähigt sie niemals, ¦¦310¦ dieselbe unproduktive Arbeit
von neuem zu wiederholen, wenn sie nicht vorher produktiv gear-
beitet haben.
Drittens. Andrerseits: Ein entrepreneur von Schauspielhäusern,
Konzerten, Bordellen usw. kauft die temporäre Verfügung über das
Arbeitsvermögen der Schauspieler, Musikanten, Huren etc. - in
fact auf einem Umweg, der nur ökonomisch-formelles Interesse hat;
für das Resultat die Bewegung dieselbe -; er kauft diese sog.
"unproduktive Arbeit", deren "Dienste im Augenblick ihrer Lei-
stung vergehen" und sich nicht fixieren oder realisieren in
"einem dauernden" (particular 1*) heißt es auch) "Gegenstand oder
einer verkäuflichen Ware" (außer ihnen selbst). Der Verkauf der-
selben an das Publikum erstattet ihm Salair und Profit. Und diese
services, die er so gekauft hat, befähigen ihn, sie wieder zu
kaufen, d.h., durch sie selbst wird der fonds erneuert, aus dem
sie bezahlt werden. Dasselbe gilt z.B. von der Arbeit der clercs
2*), die ein advocat auf seinem bureau anwendet, außerdem daß
diese services sich noch in sehr bulky "particular subjects" 3*),
in der Form von ungeheuren Aktenstößen, meist verkörpern.
Es ist wahr, daß dem entrepreneur selbst diese services aus der
Revenue des Publikums bezahlt werden. Aber es ist nicht minder
wahr, daß dies von allen Produkten gilt, soweit sie in die indi-
viduelle Konsumtion eingehn. Das Land kann zwar diese Dienste als
solche nicht exportieren; aber es kann die
-----
1*) besonderen - 2*) Schreiber - 3*) umfangreichen "besonderen
Gegenständen"
#137# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
Dienstverrichter exportieren. So exportiert Frankreich Tanzmei-
ster, Köche usw. und Deutschland Schulmeister. Allerdings mit dem
Export des Tanzmeisters und Schulmeisters wird auch seine Revenue
exportiert, während der Export von Tanzschuhen und Büchern einen
Return 1*) ins Land bringt.
Wenn also einerseits ein Teil der sog. unproduktiven Arbeit sich
in materiellen Gebrauchswerten verkörpert, die ebensogut Waren
sein könnten (vendible commodities 2*)), so kann andrerseits ein
Teil der bloßen Dienste, die keine objektive Gestalt annehmen -
nicht als Sache getrenntes Dasein von den Dienstleistenden erhal-
ten, auch nicht als Wertbestandteil in eine Ware eingehn -, gek-
auft werden mit Kapital (von dem u n m i t t e l b a r e n Käu-
fer der Arbeit), ihr eignes Salair ersetzen und einen Profit ab-
werfen. Kurz, die Produktion dieser Dienste kann teilweise eben-
sowohl unter das Kapital subsumiert werden wie ein Teil der Ar-
beit, die sich in nützlichen Dingen verkörpert, direkt von der
Revenue gekauft und nicht unter die kapitalistische Produktion
subsumiert wird.
Viertens. Die ganze Welt der "Waren" kann in 2 große Partien ge-
teilt werden. Erstens das Arbeitsvermögen - zweitens die von dem
Arbeitsvermögen selbst unterschiednen Waren. Der Ankauf solcher
Dienste nun, die das Arbeitsvermögen bilden, erhalten, modifizie-
ren etc. kurz, ihm eine Spezialität geben oder es auch nur erhal-
ten, also z.B. der Dienst des Schulmeisters, soweit er "indu-
striell nötig" oder nützlich, der Dienst des Arztes, soweit er
die Gesundheit erhält, also die Quelle aller Werte, das Ar-
beitsvermögen selbst, konserviert usw., sind also Dienste, die an
ihre Stelle setzen "une marchandise qui puisse se vendre etc."
3*), nämlich das Arbeitsvermögen selbst, in dessen Produktions-
oder Reproduktionskosten diese Dienste eingehn. Indes wußte A.
Smith, wie wenig "education" 4*) in die Produktionskosten der
Masse der working men eingeht. Und unter allen Umständen gehören
die Dienste des Arztes zu den faux frais de production. 5*) Man
kann sie zu den Reparierkosten der Arbeitsvermögen rechnen. Ge-
setzt, daß Salair und Profit zusammenfielen, aus irgendwelchem
Grund, ihrem Gesamtwert nach, z.B., weil die Nation fauler gewor-
den, und zugleich ihrem Gebrauchswert nach, weil die Arbeit un-
produktiver geworden infolge von Mißernten etc., kurz, der Teil
des Produkts, dessen Wert gleich der Revenue, nehme ab, weil we-
niger neue Arbeit in dem letzten Jahr zugesetzt worden und weil
die zugesetzte Arbeit unproduktiver. Wollten Kapitalist und Ar-
beiter nun nach wie vor dieselbe Wertsumme in materiellen Dingen
verzehren, so könnten sie weniger Dienste des Arztes, Schul-
meisters
-----
1*) Gegenwert - 2*) verkäufliche Waren - 3*) eine Ware, die man
verkaufen kann etc. - 4*) Bildung - 5*) Nebenkosten der Produk-
tion
#138# Viertes Kapitel
-----
etc. kaufen. Wären sie gezwungen, dieselbe Ausgabe für beide
fortzusetzen, so müßten sie ihren Konsum in andren Dingen
einschränken. Also klar, daß die Arbeit von Arzt und Schulmeister
nicht unmittelbar den fonds schaffen, aus dem sie bezahlt werden,
obgleich ihre Arbeiten in die Produktionskosten des Fonds ein-
gehn, der überhaupt alle Werte schafft, nämlich in die Produkti-
onskosten des Arbeitsvermögens.
¦¦311¦ A. Smith fährt fort:
"Drittens scheint es unter jeder Voraussetzung falsch zu sein, zu
sagen, die Arbeit der Handwerker, Manufakturarbeiter und Kauf-
leute vergrößere nicht die reale Revenue der Gesellschaft. Selbst
wenn wir zum Beispiel annehmen, wie es in diesem System ge-
schieht, daß der Wert des täglichen, monatlichen und jährlichen
Konsums dieser Klasse genau gleich sei dem Wert ihrer täglichen,
monatlichen und jährlichen Produktion, so würde daraus doch kei-
neswegs folgen, daß ihre Arbeit nichts zur realen Revenue der Ge-
sellschaft hinzufügt, zu dem realen Wert des jährlichen Produkts
des Bodens und der Arbeit des Landes. Ein Handwerker zum Bei-
spiel, der in den ersten sechs Monaten nach der Ernte eine Arbeit
im Werte von 10 Livres ausführt, wird auch dann, wenn er in der
gleichen Zeit für 10 Livres Korn und andere lebensnotwendige Pro-
dukte verzehrt, dem Jahresprodukt des Bodens und der Arbeit der
Gesellschaft einen Wert von 10 Livres hinzufügen. Während er eine
Halbjahrsrevenue von 10 Livres in Korn und anderen lebensnotwen-
digen Produkten konsumierte, produzierte seine Arbeit zur selben
Zeit einen gleichen Wert, mit dem er für sich oder einen anderen
eine ebensolche Halbjahrsrevenue kaufen kann. Folglich ist der
Wert dessen, was in diesen sechs Monaten sowohl konsumiert als
auch produziert wurde, nicht gleich 10, sondern 20 Livres. Aller-
dings ist es möglich, daß von diesem Wert in jedem beliebigen Au-
genblick niemals mehr als 10 Livres auf einmal vorhanden waren.
Wären aber das Korn und die anderen lebensnotwendigen Produkte im
Werte von 10 Livres, die der Handwerker konsumierte, von einem
Soldaten oder Dienstboten verzehrt worden, dann wäre der Wertteil
des Jahresprodukts, der am Ende der sechs Monate vorhanden war,
um 10 Livres geringer, als er infolge der Arbeit des Handwerkers
war. Selbst wenn man annimmt, daß der von dem Handwerker produ-
zierte Wert in jedem beliebigen Moment nicht größer ist als der
von ihm konsumierte Wert, so ist doch der Gesamtwert der jedesmal
wirklich auf dem Markt vorhandenen Waren infolge seiner Arbeit
größer, als er ohne ihn wäre." (l.c., t. III, p. 531-533
[Garnier].)
Ist nicht der Wert der jedesmal auf dem Markt befindlichen Waren
infolge der "unproduktiven Arbeit" größer, als er es ohne die-
selbe sein würde? Befinden sich nicht in jedem Augenblick auf dem
Markt neben Weizen und Fleisch etc. auch Huren, Advokaten, Pre-
digten, Konzerte, Theater, Soldaten, Politiker etc.? Diese Bur-
schen oder Burschinnen erhalten das blé et autres denrées de né-
cessité 1*) oder d'agrément 2*) nicht umsonst.
-----
1*) Korn und andere Lebensmittel - 2*) Vergnügen
#139# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
Sie geben dafür oder dringen dafür auf ihre Dienste, die als sol-
che Dienste einen Gebrauchswert und infolge ihrer Produktionsko-
sten auch einen Tauschwert haben. In consommablen articles ge-
rechnet besteht jeden Augenblick, neben den in den denrées 1*)
existierenden consommablen Artikeln, ein Quantum als services
consommabler Artikel. Die Gesamtsumme der consommablen Artikel
ist so in jedem Augenblick größer, als sie ohne die consommablen
services wäre. Zweitens aber ist auch der Wert größer; denn er
ist gleich dem Wert der Waren, die diese services erhalten, und
ist gleich dem Wert der services selbst, indem hier, wie bei je-
dem Austausch von Ware gegen Ware, Äquivalent für Äquivalent ge-
geben wird, also derselbe Wert doppelt vorhanden ist, einmal auf
der Seite des Käufers und einmal auf der Seite des Verkäufers.
{A. Smith fährt fort, mit Bezug auf die Physiokraten zu sagen:
"Wenn die Vertreter dieses Systems sagen, die K o n s u m-
t i o n der Handwerker, Manufakturarbeiter und Kaufleute sei
g l e i c h d e m W e r t d e s s e n, w a s s i e p r o-
d u z i e r e n, so meinen sie damit wahrscheinlich nichts
weiter, als daß die Revenue dieser Arbeiter oder der f ü r
i h r e n U n t e r h a l t b e s t i m m t e F o n d s
g l e i c h d i e s e m W e r t i s t" {viz: la valeur de ce
qu'ils produisent 2*)}, (l.c.p. 533.)
Darin hatten die Physiokraten recht mit Bezug auf ouvriers und
maitres 3*) zusammengenommen, von deren letztren Profit die Rente
nur eine besondre Rubrik bildet.}
¦¦312¦ {A. Smith bemerkt bei derselben Gelegenheit, d.h. seiner
Kritik der Physiokraten, l. IV, ch. IX (edit. Garnier, t. III):
"Das jährliche Produkt des Bodens und der Arbeit einer Gesell-
schaft kann nur auf zwei Arten vermehrt werden: entweder erstens
durch eine V e r v o l l k o m m n u n g d e s p r o d u k-
t i v e n V e r m ö g e n s d e r n ü t z l i c h e n A r-
b e i t, die jeweils in dieser Gesellschaft betrieben wird, oder
zweitens d u r c h e i n e V e r m e h r u n g d e r
Q u a n t i t ä t d i e s e r A r b e i t. Damit irgendeine
Vervollkommnung oder ein Anwachsen der Kraft des produktiven
Vermögens der nützlichen Arbeit eintrete, muß s i c h
e n t w e d e r d i e G e s c h i c k l i c h k e i t d e s
A r b e i t e r s v e r v o l l k o m m n e n o d e r m u ß
m a n d i e M a s c h i n e n v e r v o l l k o m m n e n,
m i t d e n e n e r a r b e i t e t... D i e
V e r m e h r u n g d e r Q u a n t i t ä t
n ü t z l i c h e r A r b e i t, d i e j e w e i l s i n
e i n e r G e s e l l s c h a f t angewendet wird, hängt
ausschließlich v o n d e r V e r m e h r u n g d e s
K a p i t a l s a b, d a s s i c h i n T ä t i g k e i t
h ä l t; und d i e V e r m e h r u n g d i e s e s K a p i-
t a l s m u ß ihrerseits w i e d e r g e n a u g l e i c h
d e m B e t r a g d e r E r s p a r n i s s e aus ihren
Revenuen sein, die entweder diejenigen machen, die dieses Kapital
leiten und verwalten, oder andere, die es ihnen leihen." (p. 534,
535.)
Hier ein doppelter cercle vicieux 4*). Erstens: Das jährliche
Produkt wird vermehrt durch größre Produktivität der Arbeit. Alle
Mittel, um diese
-----
1*) Gegenständen - 2*) nämlich: dem Wert dessen, was sie produ-
zieren - 3*) Arbeiter und Unternehmer - 4*) Zirkelschluß
#140# Viertes Kapitel
-----
Produktivität zu vergrößern {soweit nicht durch Naturzufälle wie
besonders günstige Saison etc.}, erfordern Vergrößrung des Kapi-
tals. Aber um das Kapital zu vergrößern, muß das jährliche Pro-
dukt der Arbeit vergrößert werden. Erster cercle. Zweitens: Das
jährliche Produkt kann vermehrt werden durch Vermehrung in der
Quantität der angewandten Arbeit. Die Quantität der angewandten
Arbeit kann aber nur vermehrt werden, wenn vorher das Kapital
vermehrt ist qui le tient (le travail) en activité 1*). Zweiter
cercle. Smith hilft sich aus beiden Kreisläufen durch das éparg-
ner 2*). Unter diesem Ausdruck versteht er nämlich die Verwand-
lung von revenue in capital.
An und für sich schon falsch, den ganzen profit als "Revenue" des
Kapitalisten aufzufassen. Das Gesetz der kapitalistischen Produk-
tion erheischt vielmehr, daß ein Teil der Surplusarbeit, der un-
bezahlten Arbeit, die der Arbeiter verrichtet, in Kapital verwan-
delt wird. Handelt der einzelne Kapitalist als Kapitalist, d.h.
als Funktionär des Kapitals, so mag dies ihm selbst als épargner
erscheinen; es stellt sich aber ihm selbst unter der Notwendig-
keit eines Reservefonds dar. Die Vermehrung des Arbeitsquantums
hängt aber nicht nur von der Zahl der Arbeiter ab, sondern von
der Länge des Arbeitstags. Das Quantum der Arbeit kann also ver-
mehrt werden, ohne daß der Teil des Kapitals, der sich in Ar-
beitslohn auflöst, vermehrt wird. Ebenso braucht unter dieser
Voraussetzung die Maschinerie etc. nicht vermehrt zu werden
(obgleich sie sich schneller abnützen würde. Dies ändert aber
nichts an der Sache). Das einzige, was vermehrt werden müßte, ist
der Teil des Rohstoffs, der sich in Samen auflöst etc. Und das
bleibt richtig, daß, ein Land gegeben (vom auswärtigen Handel ab-
strahiert), die Mehrarbeit zunächst auf die Agrikultur geworfen
werden muß, bevor sie in den Industrien, die von ihr die matière
brute 3*) erhalten, möglich ist. Ein Teil dieser matière brute,
wie Kohle, Eisen, Holz, Fische etc. (letztre z.B. als Dünger),
kurz, alle nicht animalischen Düngemittel können durch bloß ver-
mehrte Arbeit (bei gleichbleibender Arbeiterzahl) beschafft wer-
den. Daran kann es also nicht fehlen. Andrerseits früher nachge-
wiesen, daß die Vermehrung der Produktivität ursprünglich stets
bloß Konzentration von Kapital, nicht Akkumulation desselben vor-
aussetzt. [60] Später aber ergänzen sich beide Prozesse.}
{Der Grund, warum die Physiokraten für laissez faire, laisser
passer [19], kurz, freie Konkurrenz predigten, richtig enthalten
in den folgenden Sätzen von Smith:
-----
1*) das sie (die Arbeit) in Tätigkeit hält 2*) Sparen - 3*) den
Rohstoff
#141# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
"Der Handel zwischen diesen beiden verschiedenen Klassen des Vol-
kes" (campagne und ville 1*)) "besteht in letzter Instanz im Aus-
tausch einer gewissen Menge von Rohprodukten gegen eine gewisse
Menge von Manufakturprodukten. je teurer folglich die letzteren
sind, um so wohlfeiler werden die ersteren sein; und alles, was
in einem Lande den Preis der Manufakturprodukte erhöht, fährt zu
einer Senkung des Preises der Rohprodukte der Erde und folglich
zu einer Lähmung der Agrikultur."
Nun aber alle entraves, gênes aux manufactures et au commerce
étranger 2*) machen die Manufakturwaren etc. teurer. Ergo 3*)
etc. (Smith, l.c.p. 554.)}
¦¦313¦ Smiths zweite oder vielmehr mit seiner andren durchlau-
fende Ansicht von "produktiver" und "unproduktiver Arbeit" läuft
also darauf hinaus, daß die erste Arbeit ist, die Ware produ-
ziert, die zweite solche, die "keine Ware" produziert. Er leugnet
nicht, daß die eine Art Arbeit so gut wie die andre W a r e
i s t. Sieh oben 4:
"Die Arbeit der letzteren hat... ihren Wert und verdient ihren
Lohn ebenso wie die der ersteren"
(nämlich ökonomisch; von moralischen etc. Standpunkten handelt es
sich weder bei der einen noch bei der andren Art der Arbeit). Der
Begriff der Ware schließt aber ein, daß sich die Arbeit verkör-
pert, materialisiert, realisiert in ihrem Produkt. Die Arbeit
selbst in ihrem unmittelbaren Dasein, in ihrer lebendigen Exi-
stenz, kann nicht unmittelbar als Ware gefaßt werden, sondern nur
das Arbeitsvermögen, dessen temporäre Äußerung die Arbeit selbst
ist. Wie die eigentliche Lohnarbeit nur in dieser Weise entwic-
kelt werden kann, so die "unproduktive Arbeit", die A. Smith
überall bestimmt durch die Produktionskosten, die erheischt sind,
um den "unproduktiven Arbeiter" zu produzieren. Ware muß also als
unterschiedne Existenz von der Arbeit selbst aufgefaßt werden.
Dann aber zerfällt die Welt der Waren in zwei große Kategorien:
auf der einen Seite die Arbeitsvermögen;
auf der andren Seite die Waren selbst.
Das Materialisieren etc. der Arbeit ist jedoch nicht so schot-
tisch zu nehmen, wie A. Smith es faßt. Sprechen wir von der Ware
als Materiatur der Arbeit - in dem Sinne ihres Tauschwerts -, so
ist dies selbst nur eine eingebildete, d.h. bloß soziale Exi-
stenzweise der Ware, die mit ihrer körperlichen Realität nichts
zu schaffen hat; sie wird vorgestellt als bestimmtes Quantum
gesellschaftlicher Arbeit oder Geld. Es ist möglich, daß die
-----
1*) Land und Stadt - 2*) Fesseln, Beschränkungen, die den Manu-
fakturen und dem Außenhandel auferlegt sind - 3*) Folglich - 4*)
siehe vorl. Band, S. 131
#142# Viertes Kapitel
-----
konkrete Arbeit, deren Resultat sie ist, keine Spur an ihr zu-
rückläßt. Bei der Manufakturware bleibt diese Spur in der Form,
die dem Rohmaterial äußerlich bleibt. In dem Ackerbau etc., wenn
die Form, die die Ware, z.B. Weizen, Ochs usw., erhalten haben,
auch Produkt menschlicher Arbeit, und zwar von Generation zu Ge-
neration vererbter und sich ergänzender Arbeit ist, so ist das
dem Produkt nicht anzusehn. Bei andrer industrieller Arbeit liegt
es gar nicht im Zweck der Arbeit, die Form des Dings zu ändern,
sondern nur seine Ortsbestimmung. Z.B., wenn eine Ware von China
nach England gebracht wird etc., so ist die Spur der Arbeit an
dem Ding selbst nicht zu erkennen (außer bei denen, die sich er-
innern, daß das Ding kein englisches Produkt ist). Also in der
Art wäre das Materiallsieren der Arbeit in der Ware nicht zu ver-
stehn. (Hier kommt die Täuschung daher, daß sich ein gesell-
schaftliches Verhältnis in der Form eines Dings darstellt.)
Wohl aber bleibt richtig, daß die Ware als vergangne, vergegen-
ständlichte Arbeit erscheint, also, wenn sie nicht in der Form
eines Dings erscheint, nur in der Form des Arbeitsvermögens
selbst erscheinen kann; aber nie unmittelbar (sondern auf einem
Umweg, der praktisch gleichgültig scheint, jedoch es nicht ist in
der Bestimmung der verschiednen Arbeitslöhne) als lebendige Ar-
beit selbst. Produktive Arbeit wäre also solche, die Waren produ-
ziert oder das Arbeitsvermögen selbst direkt produziert, bildet,
entwickelt, erhält, reproduziert. Letztre schließt A. Smith von
seiner Rubrik der produktiven Arbeit aus; willkürlich, aber mit
einem gewissen richtigen Instinkt, daß, wenn er sie einschloß, er
Tor und Tür öffnete für false pretensions 1*) produktiver Arbeit.
Soweit also von dem Arbeitsvermögen selbst abstrahiert wird, löst
sich produktive Arbeit in solche auf, die Waren produziert, mate-
rielle Produkte, deren Herstellung ein bestimmtes Quantum Arbeit
oder Arbeitszeit gekostet hat. Unter diesen materiellen Produkten
sind alle Produkte der Kunst und Wissenschaft, Bücher, Gemälde,
Statuen usw. eingeschlossen, soweit sie sich dinglich darstellen.
Ferner aber muß das Produkt der Arbeit Ware sein, in dem Sinne,
daß es "a vendible commodity" 2*), d.h. Ware in ihrer ersten
Form, die erst ihre Metamorphose zu durchlaufen hat. (Ein Fabri-
kant mag sich selbst eine Maschine bauen, wenn er sie sonst nir-
gend gebaut bekommen kann, nicht um sie zu verkaufen, sondern als
Gebrauchswert zu vernutzen. Indes vernutzt er sie dann als Teil
seines konstanten Kapitals, verkauft sie also stückweis in der
Form des Produkts, zu dessen Herstellung sie konkurriert hat.)
-----
1*) unbegründete Ansprüche - 2*) "eine verkäufliche Ware"
#143# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
¦¦314¦ Also gewisse Arbeiten von menial servants 1*) mögen sich
ebensogut in W a r e n (potentia 2*)) darstellen, und sogar in
denselben Gebrauchswerten, stofflich betrachtet. Sie sind aber
nicht produktive Arbeit, weil sie in der Tat nicht "Waren", son-
dern unmittelbar "G e b r a u c h s w e r t e" produzieren. Was
aber Arbeiten betrifft, die für ihren Käufer oder employer 3*)
selbst produktiv sind, wie z.B. die Arbeit des Schauspielers für
den Theaterentrepreneur, so würde sie sich dadurch als unproduk-
tive Arbeit ausweisen, daß ihr Käufer sie nicht in der Form der
Ware, sondern nur in der Form der Tätigkeit selbst dem Publikum
verkaufen kann.
Abgesehn von diesem, ist produktive Arbeit solche, die W a r e n
produziert, und u n p r o d u k t i v e A r b e i t solche,
die persönliche Dienste produziert. Die erstre Arbeit stellt sich
in einem verkaufbaren Ding dar; die letztre muß während ihrer
Operation verzehrt werden. Die erstre schließt (mit Ausnahme der
das Arbeitsvermögen selbst bildenden Arbeit) allen in dinglicher
Form existierenden materiellen und intellektuellen Reichtum,
Fleisch sowohl wie Bücher [ein]; die zweite begreift alle Arbei-
ten ein, die irgendein eingebildetes oder wirkliches Bedürfnis
des Individuums befriedigen oder auch dem Individuum wider seinen
Willen sich aufdrängen.
W a r e ist die elementarischste Form des bürgerlichen Reich-
tums. Die Erklärung von produktiver "Arbeit" dahin, daß sie Ar-
beit ist, die "Ware" produziert, entspricht also auch einem viel
mehr elementarischen Standpunkt als die, die erklärt, daß produk-
tive Arbeit solche ist, die Kapital produziert.
Die Gegner A. Smiths haben seine erste sachgemäße Erklärung außer
acht gelassen, dagegen sich an die zweite gehalten und die hier
unvermeidlichen Widersprüche und Inkonsequenzen hervorgehoben.
Hier wieder dadurch sich die Polemik erleichtert, daß auf den
stofflichen Inhalt der Arbeit eingegangen und namentlich auf die
Bestimmung, daß die Arbeit sich in einem mehr oder minder
d a u e r h a f t e n Produkt fixieren muß. Was aber die Polemik
besonders hervorgerufen, werden wir gleich sehn.
Vorher noch dies. A. Smith sagt vom physiokratischen System, daß
es sein großes Verdienst sei, zu haben represented 4*),
"der Reichtum der Nationen bestehe nicht in dem nicht konsumier-
baren Gold und Silber, sondern in den konsumierbaren Gütern, die
alljährlich durch die Arbeit der Gesellschaft reproduziert wer-
den". (v. III, l. IV, ch. IX, p. 538 [Garnier].)
Hier haben wir die Ableitung seiner zweiten Definition of produc-
tive 5*) labour. Die Bestimmung des Mehrwerts hing natürlich ab
von der Form,
-----
1*) Dienstboten - 2*) der Möglichkeit nach - 3*) Anwender - 4*)
dargestellt - 5*) in der Handschrift: distinctive
#144# Viertes Kapitel
-----
worin der Wert selbst gefaßt wurde. Im Monetar- und Merkantilsy-
stem stellt er sich daher als G e l d dar; bei den Physiokraten
als Produkt der Erde, als Agrikulturprodukt; endlich bei A. Smith
als W a r e schlechthin. Soweit die P h y s i o k r a t e n
a u f d i e S u b s t a n z d e s W e r t s k o m m e n,
l ö s t e r s i c h i h n e n g a n z s o i n b l o ß e n
G e b r a u c h s w e r t a u f (M a t e r i e, S t o f f)
w i e d e n M e r k a n t i l i s t e n i n d i e b l o ß e
W e r t f o r m 1*), Form, worin das Produkt als allgemeine ge-
sellschaftliche Arbeit erscheint, Geld, bei A. Smith sind die
beiden Bedingungen der Ware, Gebrauchswert und Tauschwert, zusam-
mengefaßt; und so ist jede Arbeit produktiv, die sich in irgend-
einem Gebrauchswert darstellt, in nützlichem Produkt. Daß sie es
ist, die sich darin darstellt, schließt schon ein, daß dies Pro-
dukt zugleich gleich bestimmtem Quantum allgemein gesellschaftli-
cher Arbeit. A. Smith, den Physiokraten gegenüber, stellt den
Wert des Produkts als das Essentielle für den bürgerlichen Reich-
tum wieder her, streift aber andrerseits die bloß phantastische
Form ab - die von Gold und Silber -, worin den Merkantilisten der
Wert erscheint. Jede Ware ist an s i c h Geld. Daß A. Smith da-
mit zugleich auch plus ou moins 2*) in die merkantilistische Vor-
stellung von der "Dauerhaftigkeit", in fact inconsommabilité 3*),
zurückfällt, ist unverkennbar. Man erinnere sich der Stelle bei
Petty (sieh mein Heft I, p 109 4*), wo zitiert Petty, "Polit.
Arith."), wo der Reichtum geschätzt wird nach den Graden, worin
er unvergänglich ist, mehr oder minder dauerhaft ist, und
schließlich Gold und Silber "als unvergänglicher Reichtum" an die
Spitze gestellt werden.
"Indem er" (sagt Blanqui, A. "Histoire de l'écon. polit.", Bru-
xelles 1839, p. 152) "die Eigenschaft des R e i c h t u m s
ausschließlich auf jene Werte beschränkte, die in materiellen
Stoffen verkörpert sind, löschte er aus dem Buche der Produktion
die ganze unbegrenzte Masse der immaterieilen Werte aus, der
Töchter des m o r a l i s c h e n K a p i t a l s der zivili-
sierten Nationen" etc.
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1*) In der Handschrift ist die hier kursiv gegebene Textstelle
mit Bleistift unterstrichen - 2*) mehr oder weniger - 3*)
tatsächlich der Nichtverzehrbarkeit - 4*) siehe Band 13 unserer
Ausgabe, S. 107
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