Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       #144# Viertes Kapitel
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       [4. Vulgarisierung  der bürgerlichen  politischen Ökonomie in der
       Bestimmung der produktiven Arbeit]
       
       Was die  Polemik gegen  A. Smiths  Unterscheidung von produktiver
       und unproduktiver Arbeit besonders hervorrief - eine Polemik, die
       jedoch hauptsächlich  auf die  dii minorum  gentium 5*)  sich be-
       schränkt (von denen Storch noch der bedeutendste), indem sie sich
       bei keinem bedeutenden
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       5*) niederen Götter
       
       #145# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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       Ökonomen ¦¦315¦  findet, bei  niemand, von  dem man sagen könnte,
       daß er irgendeine Entdeckung in der politischen Ökonomie gemacht;
       sie ist  dagegen das Steckenpferd der second-rate fellows 1*) und
       ganz speziell  der schulmeisterlichen  Kompilatoren  und  Kompen-
       dienschreiber, auch  schönschreibender Dilettanten und Vulgarisa-
       teurs auf diesem Gebiet -, sind folgende Umstände.
       Der großen Masse sog. "höherer" Arbeiter - wie der Staatsbeamten,
       Militärs, Virtuosen,  Ärzte, Pfaffen,  Richter, Advokaten usw. -,
       die zum  Teil nicht  nur nicht produktiv sind, sondern wesentlich
       destruktiv, aber  sehr großen  Teil des  "materiellen"  Reichtums
       teils durch  Verkauf ihrer "immateriellen" Waren, teils durch ge-
       waltsame Aufdrängung  derselben sich  anzueignen wissen,  war  es
       keineswegs angenehm,  ökonomisch in  dieselbe Klasse mit den buf-
       loons und  menial servants  2*) verwiesen  zu werden und bloß als
       Mitkonsumenten,  Parasiten  der  eigentlichen  Produzenten  (oder
       vielmehr Produktionsagenten) zu erscheinen. Es war dies eine son-
       derbare Entheiligung  grade der  Funktionen, die bisher mit einem
       Heiligenschein umgeben  waren, abergläubische Verehrung genossen.
       Die politische  Ökonomie in  ihrer klassischen  Periode, ganz wie
       die Bourgeoisie  selbst in  ihrer  Parvenuperiode,  verhält  sich
       streng und  kritisch zu  der Staatsmaschinerie  etc. Später sieht
       sie ein und - zeigt sich auch praktisch - lernt sie durch die Er-
       fahrung, daß  aus ihrer eignen Organisation die Notwendigkeit der
       ererbten Gesellschaftskombination  aller dieser zum Teil ganz un-
       produktiven Klassen hervorwächst.
       Soweit jene  "unproduktiven Arbeiter"  nicht Genüsse schaffen und
       ihr Kauf daher ganz abhängt von der Art, wie der Produktionsagent
       sein Salair  oder seinen  Profit verausgaben  will -  sofern  sie
       vielmehr teils  durch physische  Gebrechen (wie  Ärzte) oder gei-
       stige Schwächen  (wie Pfaffen)  oder durch  den Konflikt der Pri-
       vatinteressen und  der Nationalinteressen  (wie Staatsleute, alle
       lawyers 3*),  Polizisten, Soldaten) nötig werden oder sich selbst
       nötig machen,  erscheinen sie  dem A. Smith wie dem industriellen
       Kapitalisten selbst und der Arbeiterklasse als faux frais de pro-
       duction, die also möglichst auf das notwendigste Minimum zu redu-
       zieren und  möglichst wohlfeil herzustellen sind. Die bürgerliche
       Gesellschaft produziert  alles das  in ihrer  eignen Form wieder,
       was sie  in feudaler  oder absolutistischer  Form bekämpft hatte.
       Zunächst also  für die  Sykophanten dieser Gesellschaft, speziell
       der höhern  Stände, ein  Hauptgeschäft, selbst den bloß parasiti-
       schen Teil dieser "unproduktiven Arbeiter" theoretisch zu restau-
       rieren oder  auch die  übertriebnen Ansprüche des unentbehrlichen
       Teils derselben
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       1*) zweitrangigen  Burschen - 2*) Possenreißern und Dienstboten -
       3*) Juristen
       
       #146# Viertes Kapitel
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       nachzuweisen. Es war in der Tat die  A b h ä n g i g k e i t  der
       ideologischen etc. Klassen von den  K a p i t a l i s t e n  pro-
       klamiert.
       Zweitens aber  wurde ein Teil der Produktionsagenten (der materi-
       ellen Produktion selbst) bald von diesen, bald von jenen Ökonomen
       als "unproduktiv"  nachgewiesen. Z.B. der Grundeigentümer von dem
       Teil  der   Ökonomen,  die  das  industrielle  Kapital  vertreten
       (Ricardo). Andre  (z.B. Carey) erklärten den eigentlichen commer-
       cant 1*)  für  einen  "unproduktiven"  Arbeiter.  Nun  kamen  gar
       Dritte, die  den "Kapitalisten"  selbst für unproduktiv erklärten
       oder wenigstens  seine Ansprüche  an den materiellen Reichtum auf
       "Salair", d.h.  auf den Lohn eines "produktiven Arbeiters", redu-
       zieren wollten.  Viele der  geistigen  Arbeiter  schienen  dieser
       Skepsis sich anzuschließen. Es war also Zeit, Kompromiß zu machen
       und die  "Produktivität" aller nicht direkt unter die Agenten der
       materiellen  Produktion  eingeschlossenen  Klassen  anzuerkennen.
       Eine Hand  wäscht die  andre, und  wie in der "fable of the bees"
       [61] war  nachzuweisen, daß  auch vom "produktiven", ökonomischen
       Standpunkt aus  die bürgerliche Welt mit allen den "unproduktiven
       Arbeitern" die  beste aller  Welten  ist;  um  so  mehr,  da  die
       "unproduktiven Arbeiter"  ihrerseits kritische Betrachtungen über
       die Produktivität  der Klassen  anstellten, die überhaupt "fruges
       consumere nati" [62] - oder auch über die Produktionsagenten, wie
       Grundeigentümer,  die   gar   nichts   tun,   usw.   Sowohl   die
       N i c h t s t u e r   als ihre   P a r a s i t e n   mußten ihren
       Platz in der besten Weltordnung finden.
       Drittens: Wie sich die Herrschaft des Kapitals entwickelte und in
       der Tat  auch die  nicht direkt  auf  Schöpfung  des  materiellen
       Reichtums bezüglichen  Produktionssphären immer  mehr von ihm ab-
       hängig  wurden   -  namentlich   die   positiven   Wissenschaften
       (Naturwissenschaften)  als   Mittel  der  materiellen  Produktion
       dienstbar gemacht wurden -, ¦¦316¦ glaubten sykophantische under-
       lings 2*)  der politischen  Ökonomie jede  Wirkungssphäre dadurch
       verherrlichen zu  müssen und rechtfertigen, daß sie selbe "im Zu-
       sammenhang" mit  der Produktion  des materiellen  Reichtums  dar-
       stellten als Mittel für denselben - und jeden damit beehrten, daß
       sie ihn zum "produktiven Arbeiter" im "ersten" Sinn machten, näm-
       lich zu  einem labourer,  der im Dienst des Kapitals arbeite, ihm
       in der  einen oder  andren Weise  in seiner Bereicherung nützlich
       sei, etc.
       Da sind  noch solche Leute wie Malthus vorzuziehn, die direkt die
       Notwendigkeit  und   Nützlichkeit      "u n p r o d u k t i v e r
       Arbeiter" und bloßer Parasiten verteidigen.
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       1*) Händler - 2*) Schranzen

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