Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#147# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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[5. Anhänger von Smith' Auffassungen der produktiven Arbeit. Zur
Geschichte des Gegenstandes]
[a) Ricardo und Sismondi - Anhänger von Smith' erster Erklärung
der produktiven Arbeit]
Es ist nicht der Mühe wert, auf die Fadaisen 1*) von G. Garnier
(Smiths Übersetzer), Earl of Lauderdale, Brougham, Say, Storch,
später Senior, Rossi usw. - bezüglich dieses Punkts - einzugehn.
Es sollen nur ein paar charakteristische Stellen zitiert werden.
Vorher noch eine Stelle von Ricardo, worin dieser nachweist, daß
den "produktiven Arbeitern" es viel nützlicher ist, wenn die Ei-
gentümer des Mehrwerts (Profit, Grundrente) selbigen aufessen in
"unproduktiven Arbeitern" (as menial servants f.i. 2*)), denn in
den von den "produktiven Arbeitern" produzierten Luxusprodukten.
{Sismondi: "Nouv. princ.", t. I, p. 148, akzeptiert die richtige
Erklärung des Smithschen Unterschiedes (wie dies auch bei Ricardo
als selbstverständlich): Der reelle Unterschied der produktiven
und unproduktiven Klassen ist:
"Die eine tauscht ihre Arbeit immer gegen das Kapital einer Na-
tion aus; die andere tauscht es immer aus gegen einen Teil der
nationalen Revenue."
Sismondi - ebenfalls nach A. Smith - über den Mehrwert:
"Obgleich der Arbeiter durch seine tägliche Arbeit viel mehr als
seine täglichen Kosten hervorgebracht hat, ist es seiten, daß
nach Teilung mit Grundbesitzer und Kapitalist ihm etwas Erkleck-
liches über das unbedingt Notwendige übrigbleiben." (Sismondi, t.
I, "N. P. etc.", p. 87.)}
Ricardo sagt:
"Wenn ein Grundeigentümer oder ein Kapitalist seine Revenue nach
Art eines mittelalterlichen Barons ausgibt, nämlich für den Un-
terhalt einer großen Zahl von Gefolgsleuten oder Hauspersonal,
wird er Verwendung für viel mehr Arbeit schaffen, als wenn er sie
für wertvolle Kleidung oder eine bessere Einrichtung, für Kut-
schen, Pferde oder den Kauf irgendwelchen anderen Luxuswaren ver-
ausgabt. In beiden Fällen ist die Nettorevenue ebenso wie die
Bruttorevenue die gleiche, jedoch wird die erstere in verschie-
dene Waren umgesetzt. Wenn meine Revenue 10 000 l. beträgt, so
wird die gleiche Menge produktiver Arbeit verwendet, ob ich sie
nun in wertvolle Kleidung und teure Möbel usw. oder in eine Menge
Nahrungsmittel und Kleidung von gleichem Wert umsetze. Wenn ich
aber meine Revenue in Waren der ersten Art
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1*) Gemeinplätze - 2*) wie z.B. Dienstboten
#148# Viertes Kapitel
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umsetzte, so wird keine Arbeit mehr beschäftigt, - ich wurde mich
meiner Kleider und meiner Möbel erfreuen und damit ist die Ange-
legenheit beendet. Wenn ich aber meine Revenue in Nahrungsmittel
und Kleider umsetze und es ist mein Wunsch, Dienstpersonal zu be-
schäftigen, so werden alle jene, die ich so mit meiner Revenue
von 10 000 l. oder mit den von mir gekauften Nahrungsmitteln und
Kleidungsstücken beschäftigen kann, der f r ü h e r e n
N a c h f r a g e n a c h A r b e i t h i n z u g e f ü g t,
und diese Vermehrung tritt lediglich ein, weil ich diese Art der
Verausgabung meiner Revenue gewählt habe. Da die Arbeiter also an
der N a c h f r a g e n a c h A r b e i t interessiert sind,
müssen sie offensichtlich wünschen, daß soviel wie möglich von
der Revenue von den Ausgaben für Luxuswaren abgezogen wird, um
für den Unterhalt von Dienstpersonal verwendet zu werden."
(Ricardo, "Princ." 3 ed., 1821, p. 475, 476.)
[b) F Versuche, zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit zu
unterscheiden (D'Avenant, Petty)]
D'Avenant zitiert aus einem alten Statistiker, Gregory King, eine
Liste, entitled 1*) "Scheme of the Income and Expense of the se-
veral Families of England, calculated for the year 1688". Hier
teilt studiosus King die Gesamtheit des Volks in zwei Hauptklas-
sen: "i n c r e a s i n g the wealth of the Kingdom, 2 675 520
heads" und "d e c r e a s i n g the wealth of the Kingdom,
2 825 000 heads" 2*) ; also die erstre "produktive", die zweite
"unproduktive"; die "p r o d u k t i v e" Klasse besteht aus
Lords, Baronets, Knights, Esquires, Gentlemen, Persons in Offices
und Places, Kaufleuten im Seehandel, Persons in the Law,
clergymen, freeholders, farmers, persons in liberal arts and
sciences, shopkeepers and tradesmen, artisans and handicrafts,
Naval Officers, Military Officers 4*). Dagegen die
"u n p r o d u k t i v e" Klasse: Matrosen (common seamen), la-
bouring people and out servants (dies sind Ackerbauarbeiter und
Manufakturtaglöhner), cottagers 5*) (noch 1/5 der ganzen engli-
schen Bevölkerung zu D'Avenants Zeiten), ¦¦317¦ common soldiers,
paupers, gipsies, thieves, beggars und vagrants generally 5*).
D'Avenant erklärt diese Rangliste des studiosus King so:
"Er meint hiermit, daß die erste Volksklasse vom Boden, den Kün-
sten und dem Gewerbefleiß sich selbst erhält und jedes Jahr etwas
zum nationalen Kapital hinzufügt;
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1*) betitelt - "die den Reichtum des Königreichs v e r-
m e h r t, 2 675 520 Köpfe", und "die den Reichtum des König-
reichs v e r m i n d e r t, 2 825 000 Köpfe" - 3*) Lords, Baro-
nen, Rittern, Hochwohlgeborenen, Leuten von Stand, Ober- und
Unterbeamten - 4*) Juristen, Geistlichen, Freisassen, Pächtern,
in den freien Künsten und Wissenschaften tätigen Personen, Krä-
mern und Händlern, Handwerkern, Marineoffizieren, Armeeoffizieren
- 5*) Häusler - 6*) gemeine Soldaten, Paupers, Zigeuner, Diebe,
Bettler und überhaupt Vagabunden
#149# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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und abgesehn hiervon kontribuiert von ihrem Überfluß jedes Jahr
soundso viel zur Erhaltung anderer. Die von der zweiten Klasse
halten sich teilweise selbst durch Arbeit, aber der Rest, wie die
Weiber und Kinder dieser, sind auf Kosten der andern genährt;
jährliche Last für das Publikum, indem sie jährlich soviel ver-
zehren, als sonst hinzugefügt wurde zum Generalstock der Nation."
(D'Avenant, "An Essay upon the probable methods of making a peo-
ple gainers in the balance of trade", London 1699, p. 23 und p.
50.)
Übrigens für Vorstellungen der Merkantilisten vom Mehrwert die
folgende Stelle von D'Avenant nicht uncharakteristisch:
"Die Exportation unsres eignen Produkts muß England reich machen;
Gewinner zu sein in der Handelsbilanz, müssen wir unser eignes
Produkt ausfahren; damit kaufen wir die für unseren eigenen Kon-
sum notwendigen Dinge ausländischer Herkunft, wobei uns ein
Ü b e r s c h u ß bleibt entweder in Edelmetall oder in Waren,
die wir in andere Länder verkaufen können; d i e s e r
Ü b e r s c h u ß ist der P r o f i t, d e n e i n e
N a t i o n a u s d e m H a n d e l z i e h t und der größer
oder kleiner ist in Abhängigkeit von der natürlichen Frugalität
des exportierenden Volkes" (eine Frugalität, die die Holländer,
aber nicht die Engländer besitzen - l.c.p. 46, 47) oder von dem
niedrigen Preis der Arbeit und der Manufakturwaren, der ihnen er-
laubt, die Waren billig und zu einem Preis zu verkaufen, d e r
a u f f r e m d e n M ä r k t e n n i c h t u n t e r b o-
t e n w e r d e n k a n n." (D'Avenant, l.c.p. 45, 46.)
{"Bei dem, was im Inland konsumiert wird, verliert der eine nur
das, was der andere gewinnt, und die Nation im allgemeinen ist um
nichts reicher; aber alles, was im Ausland konsumiert wird, ist
ein klarer und sicherer Profit." ("An Essay on the East India
Trade etc.", Lond. 1697, [p. 31].)}
{Diese, einer Schrift D'Avenants b e i g e d r u c k t e
Schrift, die er zu verteidigen 1*) sucht [63], ist nicht dieselbe
wie die von McCulloch angeführten "Considerations on the East In-
dia Trade", 1701.}
Übrigens muß man sich diese Merkantilisten nicht so dumm vorstel-
len, wie sie dargestellt werden von den spätem Vulgär-Free-
traders. In vol. II seiner "Discourses on the publick revenues,
and on ihe trade of England etc.", London 1698, sagt Davenant
u.a.:
"Gold und Silber sind in der Tat das Maß des Handels, aber die
Quelle und der Ursprung davon ist bei allen Nationen das natürli-
che oder künstliche Produkt des Landes, d.h., was ihr Land oder
was ihre Arbeit und Industrie produzieren. Und dies ist so wahr,
daß eine Nation durch irgendeinen Umstand jeder Art von Geld ver-
lustig gehn kann, wenn das Volk zahlreich ist, industriell, ge-
wandt im Handel, geschickt in der Seefahrt; mit guten Häfen ver-
sehn, mit einem Boden, fruchtbar an verschiedenen Artikeln, wird
solch ein Volk Handel haben und bald eine Menge von Silber und
Gold. So daß der reelle und effektive Reichtum eines Landes das
einheimische Produkt ist." (l.c.p. 15.) "Gold und Silber sind so
weit entfernt, die einzigen Dinge zu sein, die den
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1*) In der Handschrift: widerlegen
#150# Viertes Kapitel
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Namen von Schatz oder Reichtum einer Nation verdienen, daß in
Wahrheit Gold im Grunde nicht mehr ist als die Rechenpfennige,
womit Menschen in ihrem Geschäftsverkehr gewohnt worden sind zu
rechnen." (l.c.p. 16.) "Wir verstehn das unter Reichtum, was den
Fürsten und die große Masse seines Volkes in Überfluß, Wohlstand
und Sicherheit erhält; ebenso ist Schatz, was zum Gebrauch des
Menschen verwandelt" (converted) "worden ist für Gold und Silber
in Gebäude und Verbesserungen des Landes; ebenso auch andere
Dinge, die gegen diese Metalle eintauschbar sind, wie die Früchte
der Erde, Manufakturwaren oder ausländische Waren und Schiffsvor-
rat... Ja, selbst verderbliche Güter können als Reichtum einer
Nation angesehen werden, wenn sie k o n v e r t i b e l, ob-
gleich nicht e i n g e t a u s c h t sind in Gold und Silber;
und wir halten sie nicht nur für Reichtum zwischen Individuum und
Individuum, sondern zwischen einem Land und einem andren."
(l.c.p. 60, etc.) "Das gemeine Volk ist der Magen des Staatskör-
pers. Dieser Magen" nahm in Spanien das Geld nicht gehörig auf,
¦¦318¦ verdaute es nicht... "Handel und Manufakturen sind die
einzigen Media, wodurch solch eine Digestion und Distribution von
Gold und Silber gemacht werden kann, die dem Staatskörper Nahrung
zuführt." (l.c.p. 62, 63.)
Übrigens bei Petty auch schon die produktiven Arbeiter (nur
schließen sie noch Soldaten ein):
"Landbauer, Seeleute, Soldaten, Handwerker und Kaufleute sind die
wahren Grundpfeiler jedes Gemeinwesens; alle andern großen Berufe
e n t s t e h e n a u s d e n S c h w ä c h e n u n d
F e h l e r n d i e s e r; nun ist der Seemann drei von diesen
vier" (navigator, merchant, soldier 1*)) ([Petty.] "Polit. Arith-
metick etc.", London 1699, p. 177). Die Arbeit des Seemanns und
Fracht der Schiffe ist stets von der Natur einer exportierten
Ware, ihr Ü b e r s c h u ß über die Einfuhr bringt Geld ins
Land etc." (l.c.p. 179.)
Bei der Gelegenheit entwickelt Petty auch wieder die Vorteile der
Teilung der Arbeit:
"Die, welche den Seehandel kommandieren, können zu wohlfeilerer
Fracht mit mehr Profit arbeiten als andre zu größerer (teurerer
Fracht); denn wie das Kleid wohlfeiler gemacht wird, wenn der
eine etc., der andre etc. tut, so können die, welche den Schiffs-
handel kommandieren, verschiedne Arten von Schiffen zu verschied-
nen Zwecken bauen, Seeschiffe, Fluß-, Handels-, Kriegs- etc.
-schiffe, und dies ein Hauptgrund der wohlfeileren Fracht [der
Holländer] als ihrer Nachbarn, weil sie eine besondere Art von
Schillen für jeden einzelnen Handelszweig zur Verfügung stellen
können." (l.c.p. 179, 180.)
Hier kommt übrigens bei Petty ganz das A. Smithsche, wenn er wei-
ter sagt:
Nimmt die Steuer von den Industriellen etc., um zu geben denen,
die sich überhaupt in einer Art beschäftigen, "die kein
m a t e r i e l l e s D i n g oder Dinge von wirklichem
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1*) Seemann, Kaufmann, Soldat
#151# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Nutzen und Wert für das G e m e i n w e s e n produzieren - in
diesem Fall wird der Reichtum publici 1*) vermindert: Anders als
solche Beschäftigungen sind Erholungen und Erfrischungen des Gei-
stes anzusehen, die, mäßig angewendet, Menschen zu Dingen fähig
und geneigt machen, die an sich wichtiger sind." (l.c.p. 198.)
"Nachdem man berechnet, wieviel Volk zur industriellen Arbeit nö-
tig, kann der Rest weidlich und ohne Schaden für die Gemeinheit
verwandt werden in den Künsten und Übungen, die dem Vergnügen und
der Verschönerung dienen und v o n d e n e n d i e
g r ö ß t e d e r F o r t s c h r i t t d e r N a t u r e r-
k e n n t n i s i s t." (l.c.p. 199.) "Es ist mehr zu gewinnen
durch Manufaktur als Landwirtschaft und mehr durch Handel als
Manufaktur." (l.c.p. 172.) "Ein Seemann ist 3 Bauern wert." (p.
178.) ¦VII-318¦¦
¦¦VIII-346¦ Petty, Mehrwert. In einer Stelle von Petty kann eine
Ahnung von der Natur des M e h r w e r t s gesehen werden, ob-
gleich er ihn nur in der Form der Grundrente behandelt. Nament-
lich wenn sie zusammengestellt wird mit folgender Stelle, worin
er den relativen Wert von Silber und Korn bestimmt durch die re-
lativen Quantitäten derselben, die in derselben Arbeitszeit pro-
duziert werden können.
"Wenn jemand eine Unze Silber aus dem Innern der Erde Perus in
derselben Zeit nach London bringen kann, die er zur Produktion
eines Bushel Korn brauchen würde, dann ist das eine der natürli-
che Preis des anderen, wenn er nun durch Abbau neuer und ergiebi-
gerer Bergwerke statt der einen zwei Unzen Silber mit dem glei-
chen Aufwand gewinnen kann, wird das Korn bei einem Preis von 10
Shilling pro Bushel ebenso billig sein wie vorher bei einem Preis
von 5 Shilling, caeteris paribus 2*)." Man lasse hundert Mann
zehn Jahre lang arbeiten, um Korn zu ernten, und diesselbe Zahl
Leute die gleiche Zeit, um Silber zu gewinnen, und ich sage, daß
der Reinertrag an Silber der Preis des gesamten Reinertrags an
Korn sein wird und gleiche Teile des einen den Preis gleicher
Teile des andern bilden werden." "Korn wird zweimal teurer sein,
wenn in der gleichen Zeit zweihundert Landleute das gleiche tun,
was hundert leisten könnten." ("On Taxes and Contributions",
1662) (ed. 1679, p. 31, 24, 67.)
Die Stellen, auf die ich oben anspiele, sind folgende:
"Wenn die Gewerbe und schönen Künste wachsen, muß die Landwirt-
schaft zurückgehen, oder das Arbeitseinkommen der Landleute muß
steigen und i n f o l g e d e s s e n müssen die Renten des
Landes fallen." (p. 193.) Wenn in England Gewerbe und Manufaktur
zugenommen haben..., wenn sich ihnen ein größerer Teil der Bevöl-
kerung widmet als früher, und wenn der Preis des Kerns heute
nicht höher ist als damals, da es mehr Landleute und weniger im
Handel und Gewerbe Beschäftigte gab, dann müssen schon aus diesem
Grunde... die Renten des Landes fallen: Z.B. unterstelle den Wei-
zenpreis zu 5 sh. oder 60 d. per Bushel; und wenn die Rente des
Landes, worauf es wächst, die dritte Garbe" (i.e. part, share
3*)) ist; dann ist von den 60 d.
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1*) der Gesellschaft - 2*) unter sonst gleichen Umständen - 3*)
d.h. Teil, Anteil
#152# Viertes Kapitel
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20 d. für das Land und 40d. für den Landmann; aber wenn der Lohn
des Landmanns sich um 1/8 erheben sollte oder von 8 zu 9 d. per
Tag, dann erhebt sich der Anteil des Landmannes am Bushel Weizen
von 40 d. auf 45 d., und infolgedessen muß die Rente des Landes
von 20 d. auf 15 d. fallen, denn wir nehmen an, daß d e r
W e i z e n p r e i s d e r s e l b e b l e i b t, um so mehr,
d a w i r i h n n i c h t e r h ö h e n k ö n n e n, denn
wenn wir es versuchten, würde ¦¦347¦ zu uns (wie nach Holland)
Korn vom Auslande gebracht werden, wo die Lage der Landwirtschaft
sich nicht änderte." ("Polit. Arithmetick", etc., edit. Lond.
1699, p. 193, 194.) ¦VIII-347¦¦
¦¦VIII-364¦ Petty. Mit der oben angeführten Stelle Pettys ist
folgende zusammenzustellen, wo Rente überhaupt ein surplus value,
produit net 1*) ist:
"Nehmen wir an, ein Mann bebaute mit eigener Hand eine bestimmte
Fläche Land mit Korn, das heißt, er pflügt es um, sät, eggt, ern-
tet, fährt das Korn ein, drischt es, mit einem Wort, er tut al-
les, was der Ackerbau erfordert. Ich behaupte - wenn dieser Mann
sein Saatgut abgezogen hat sowie alles das, was er selbst ver-
zehrt oder im Austausch für Kleidung oder für sonstige natürliche
Bedürfnisse an andere gegeben hat - daß das, was an Korn übrig-
bleibt, die wirkliche Bodenrente für dieses Jahr ist; und der
D u r c h s c h n i t t von sieben Jahren oder vielmehr die Zahl
von Jahren, in denen Mißernte und gute Ernte ihren Kreislauf
durchmachen, gibt die gewöhnliche Rente des mit Korn bestellten
Bodens. Aber eine weitere, wenn auch verwandte Frage ist die:
Wieviel Geld ist dieses Korn oder diese Rente wert? Ich erwidere,
es ist soviel wert, wie bei einer anderen Person übrigbleibt, die
i h r e b e s t e Z e i t dazu verwendet, um ins Land der Erz-
bergwerke zu gehen, Metall zu fördern, es zu reinigen, Münzen zu
prägen und es dorthin zu bringen, wo die andere Person gesät und
das Korn geerntet hat. Die Summe, die dieser Person nach Abzug
aller ihrer Ausgaben übrigbleibt, wird dem Wert nach völlig
gleich sein der Menge Korn, die dem Landmann verbleibt." ("Traité
des taxes" [64], p. 23, 24.)} ¦VIII-364¦¦
[c) John Stuart Mill - Anhänger von Smith' zweiter Erklärung der
produktiven Arbeit]
¦¦VII-318¦ Herr J. St. Mill, in "Essays on some unsettled questi-
ons of polit. econ.", London 1844, plagt sich auch mit der pro-
duktiven und unproduktiven Arbeit ab; wo in der Tat zu der Smith-
schen (zweiten) Erklärung nichts hinzukommt, als daß auch die Ar-
beiten produktiv, die das Arbeitsvermögen selbst produzieren.
"Q u e l l e n d e s G e n u s s e s können akkumuliert und
aufgehäuft werden; Genuß selbst nicht. Der Reichtum eines Landes
besteht aus der Totalsumme der in ihm enthaltenen dauernden Quel-
len des Genusses, seien sie materiell oder immateriell; und Ar-
beit oder
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1*) Mehrwert, Nettoprodukt
#153# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Ausgabe, welche strebt zu vermehren oder diese dauernden Quellen
zu erhalten, ist p r o d u k t i v zu nennen." (l.c.p. 82.)
"Was der Mechaniker oder Spinner verzehren, während sie ihren
Dreck lernen, ist produktiv konsumiert, d.h. seine Konsumtion
strebt nicht zu vermindern, sondern zu vermehren die dauernden
Quellen des Genusses im Lande, indem sie die Neuschöpfung dieser
Quellen bewirken, was den Betrag der Konsumtion mehr als wett-
macht". (l.c.p. 83.)
Wir wollen nun kurz durchgehn den Kohl gegen A. Smith über pro-
duktive und unproduktive Arbeit.
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