Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#174# Viertes Kapitel
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[7.] Ch. Ganilh
[a) Merkantilistische Auffassung vom Austausch und Tauschwert]
¦¦VIII-358¦ Ein sehr schlechtes und oberflächliches Machwerk ist
das von Ch. Ganilh: "Des systèmes d'écon. polit." Erste Ausgabe
Paris 1809. Zweite 1821. (Nach der letztren wird zitiert.) Sein
Kohl schließt sich unmittelbar an Garnier an, gegen den er pole-
misiert.
{Canard in "Principes d'iconomie politique" [69] definiert "la
richesse, une accumulation de travail superflu" 1*). Hätte er ge-
sagt, daß sie der travail ist, der überflüssig ist, um den Arbei-
ter als Arbeiter am Leben zu erhalten, so wäre die Definition
richtig.}
Das Elementarische, daß die Ware das Element des bürgerlichen
Reichtums, also die Arbeit, um Reichtum zu produzieren, Ware pro-
duzieren muß, sich selbst oder ihr Produkt v e r k a u f e n
muß, ist der Ausgangspunkt des Herrn Ganilh.
"Bei dem heutigen Stand der Zivilisation kennen wir nur die durch
den Austausch vermittelte Arbeit." (t. I., l.c.p. 79.) "Arbeit
ohne Austausch kann keinen Reichtum produzieren." (l.c.p. 81.)
Davon jumps 2*) Herr Ganilh sofort ins Merkantilsystem. Weil die
Arbeit ohne Austausch keinen bürgerlichen Reichtum schafft,
"stammt der Reichtum ausschließlich aus dem Handel". (l.c.p. 84).
Oder, wie er später sagt:
"Nur der Tausch oder der Handel gibt den Dingen den Wert" (l.c.p.
98). Auf diesem Prinzip der Identität von Werten und Reichtum...
beruht die Lehre von der Fruchtbarkeit der allgemeinen Arbeit."
l.c.p. 93.)
Ganilh erklärt selbst, daß das ¦¦359¦ "système commercial" 3*),
das er selbst eine bloße "modification" des systeme monétaire 4*)
nennt,
"den privaten und den allgemeinen Reichtum von den Tauschwerten
der Arbeit ableitet, mögen diese Werte in materiellen, dauernden
und beständigen Gegenständen fixiert sein oder nicht" (l.c.p.
95).
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1*) "Reichtum, eine Akkumulation überflüssiger Arbeit" - 2*)
springt - 3*) "Handelssystem" - 4*) "Modifikation" des Monetarsy-
stems
#175# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Er fällt also in das Merkantilsystem, wie Garnier in das physio-
kratische. Sein Schund, if good for nothing else 1*), ist daher
nicht übel zur Charakteristik dieses Systems und seiner Ansichten
über den "Mehrwert", namentlich da er diese Ansichten gegen
Smith, Ricardo usw. geltend macht.
Reichtum ist "valeur échangeable 2*); jede Arbeit, die eine va-
leur échangeable produziert oder selbst eine valeur échangeable
hat, produziert daher Reichtum. Das einzige Wort, wodurch Ganilh
als vertiefter Merkantilist sich zeigt, ist das Wort travail
g é n é r a l 3*). Die Arbeit des einzelnen, oder vielmehr ihr
Produkt, muß die Form der allgemeinen Arbeit annehmen. Nur so ist
es Tauschwert, G e l d. In fact kommt Ganilh darauf zurück, daß
Reichtum gleich Geld ist; nur nicht mehr bloß Gold und Silber,
sondern die Ware selbst, soweit sie G e l d. Er sagt:
"H a n d e l s s y s t e m oder der Austausch der Werte d e r
a l l g e m e i n e n A r b e i t." (l.c.p. 98.)
Der Blödsinn: Das produit ist valeur als Dasein, als incarnation
du travail général 4*), aber nicht als "v a l e u r du travail
général" 5*), was gleich valeur de la valeur 6*) wäre. Aber vor-
ausgesetzt, die Ware ist als valeur konstituiert, hat meinetwegen
selbst die Form des Gelds. Ist metamorphosiert. Sie ist jetzt va-
leur échangeable. Aber wie groß ist ihr Wert? Valeur échangeable
sind alle Waren. Dadurch unterscheiden sie sich nicht. Was macht
aber die valeur échangeable einer bestimmten Ware? Hier bleibt
Ganilh bei der rohsten Erscheinung stehn. A ist großer Tausch-
wert, wenn es sich gegen viel B, C, D etc. austauscht.
Ganilh hat ganz recht gegen Ricardo und die meisten Ökonomen,
wenn er sagt, sie betrachten den travail sans l'échange 7*), ob-
gleich ihr System, wie das ganze bürgerliche System, auf dem
Tauschwert ruht. Dies kömmt aber nur daher, daß ihnen die
F o r m des Produkts als Ware als selbstverständlich erscheint
und sie daher nur die W e r t g r ö ß e betrachten. Im Aus-
tausch bewähren sich die Produkte der einzelnen erst als Produkte
der allgemeinen Arbeit, indem sie sich als Geld darstellen. Diese
Relativität liegt aber schon darin, daß sie sich als Dasein der
allgemeinen Arbeit darstellen müssen und nur auf es als relative,
nur quantitativ verschiedne Ausdrücke der gesellschaftlichen Ar-
beit reduziert werden. Aber der Austausch selbst gibt ihnen nicht
die W e r t g r ö ß e. In ihm werden sie als allgemein gesell-
schaftliche Arbeit dargestellt; und wieweit sie sich als solche
darstellen können, hängt selbst vom Umfang ab, worin sie sich als
gesellschaftliche Arbeit darstellen können,
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1*) wenn er auch sonst nichts taugt - 2*) Tauschwert - 3*)
a l l g e m e i n e A r b e i t - 4*) Verkörperung der allge-
meinen Arbeit - 5*) "W e r t der allgemeinen Arbeit" - 6*) Wert
des Werts - 7*) die Arbeit ohne den Austausch
#176# Viertes Kapitel
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also vom Umfang der Waren, wogegen sie sich austauschen können,
also von der Ausdehnung des Markts, des Handels, von der Reihe
der Waren, worin sie sich als Tauschwert ausdrucken. Z.B., würden
nur 4 verschiedne Produktionszweige existieren, so würde jeder
der 4 Produzenten einen großen Teil seiner Produkte für sich
selbst produzieren. Existieren 1000de, so kann der einzelne sein
ganzes Produkt als Ware produzieren. Es kann ganz in den Aus-
tausch eingehn. Aber Ganilh bildet sich mit den Merkantilisten
ein, daß d i e W e r t g r ö ß e s e l b s t d a s P r o-
d u k t d e s A u s t a u s c h s ist, während es doch nur die
Form des Werts ist oder die Form der Ware, die das Produkt durch
den Austausch erhält.
"Der Austausch gibt den Dingen einen Wert, den sie ohne ihn nicht
bitten." (p. 102.)
Wenn dies heißen soll, die c h o s e s 1*), Gebrauchswerte,
werden nur valeur, erhalten diese Form als relative Ausdrücke der
gesellschaftlichen Arbeit, so ist es eine Tautologie. Wenn es
heißen soll, sie erhalten durch den Austausch une plus grande va-
leur qu'elles n'auraient en sans lui 2*), so ist es offenbar
Blödsinn, denn der échange kann die Wertgröße von A nur erhöhn,
indem er die von B erniedrigt. Soweit er A einen größeren Wert
gibt, als es vor dem Austausch hat, gibt er B einen kleinren. A +
B a l s o v o r w i e n a c h d e m A u s t a u s c h
d e r s e l b e W e r t.
"Die nützlichsten Produkte können keinen Wert haben, wenn ihnen
der Austausch ihn nicht gibt."
(D'abord 3*), wenn diese choses "produits" sind, sind sie von
vornherein Produkte der Arbeit, nicht allgemein elementarische
Natürlichkeiten wie Luft etc.; wenn sie "les plus utiles" 4*)
sind, sind sie Gebrauchswerte im eminenten Sinn, Gebrauchswerte,
deren jeder bedarf; wenn der échange ihnen keine valeur gibt,
dies nur möglich, wenn jeder sie selbst produziert für sich
selbst; dies widerspricht ¦¦360¦ aber der Voraussetzung, daß sie
für den échange produziert werden; also die ganze Voraussetzung
Blödsinn.)
"Und die nutzlosesten Produkte können sehr großen Wert haben,
wenn der Austausch ihnen günstig ist." (p. 104.)
Der "echange" scheint Herrn G[anilh] eine mystische Person. Wenn
die "produits les plus inutiles" 5*) zu nichts nütze sind, keinen
Gebrauchswert haben, wer wird sie kaufen? Für den Käufer müssen
sie also jedenfalls eine
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1*) Dinge - 2*) einen größeren Wert, den sie ohne ihn nicht hät-
ten - 3*) Zunächst - 4*) "die nützlichsten" - 5*) "nutzlosesten
Produkte"
#177# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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eingebildete "utilité" 1*) haben. Und wenn er kein Narr ist,
warum er soll sie teurer bezahlen? Ihre Teuerkeit muß also von
einem Umstand herrühren, der jedenfalls nicht aus ihrer
"inutilité" 2*) stammt. Ihre "Seltenheit", rareté? Aber Ganilh
nennt sie "les p r o d u i t s les plus inutiles" 3*). Da sie
also Produkt sind, warum werden sie nicht massenhafter produ-
ziert, trotz ihres großer "valeur échangeable"? War vorhin der
Käufer ein Narr, der viel Geld gab für etwas, was für ihn selbst
weder einen wirklichen noch einen eingebildeten Gebrauchswert
hat, so ist es jetzt der Verkäufer, der diese trifles 4*) von
großem Tauschwert nicht produziert, statt der utilités von klei-
nem. Daß ihr Tauschwert groß, trotz ihres geringen Gebrauchswerts
(der Gebrauchswert nach den Naturbedürfnissen der Menschen be-
stimmt), muß also aus einem Umstand herrühren, der nicht von dem
Herrn échange, sondern von dem produit selbst herstammt. S e i n
h o h e r T a u s c h w e r t i s t a l s o n i c h t d a s
P r o d u k t d e s é c h a n g e, s o n d e r n e r-
s c h e i n t n u r i n d e m s e l b e n.
"Der ausgetauschte Wert der Dinge und nicht ihr austauschbarer
Wert bestimmt den w a h r e n W e r t, jenen, der gleichbedeu-
tend ist mit dem Reichtum." (l.c.p. 104.)
Aber die valeur échangeable ist ein Verhältnis der chose zu den
andren choses, mit denen sie ausgetauscht werden kann. {Es liegt
das Richtige zu Grund; was die Verwandlung der Ware in Geld er-
zwingt, ist, daß sie als valeut échangeahle in den Austausch ein-
gehn soll, als solcher aber erst sein Resultat ist.} Dagegen die
valeur échangée 5*) von A ist ein bestimmtes Quantum Produkte B,
C, D etc. Also nicht mehr valeur (nach Herrn G[anilh]), sondern
chose sans échange 6*). B, C, D etc. waren keine "Werte". A ist
es geworden, indem an seine Stelle (als valeur échangée) diese
Nichtwerte getreten sind. Durch den bloßen Stellenwechsel sind
diese choses, nachdem sie aus dem Austausch herausgetreten, sich
in derselben Position wie früher befinden, valeurs geworden.
"Es ist also weder der wirkliche Nutzen der Dinge noch ihr inne-
rer Wert, der sie zu Reichtum macht; es ist der Austausch, der
ihren Wert fixiert und determiniert, und es ist dieser Wert, der
sie dem Reichtum gleichmacht." (l.c.p. 105.)
Der Herr échange fixiert und determiniert etwas, was da war oder
nicht da war. Macht er erst die valeur des choses 7*), so hört
diese valeur, dies sein Produkt, auf, sobald er selbst aufhört.
Was er also macht, entmacht er ebensosehr. Ich tausche A gegen B
+ C + D aus. Im Akt dieses Austauschs bekommt A valeur. Sobald
der Akt vorüber ist, steht B + C + D auf der Seite
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1*) Nützlichkeit - 2*) "Nutzlosigkeit" - 3*) "die nutzlosesten
P r o d u k t e" - 4*) nutzlosen Gegenstände - 5*) der ausge-
tauschte Wert - 6*) Ding ohne Austausch - 7*) den Wert der Dinge
#178# Viertes Kapitel
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von A und A auf der Seite von B + C + D. Und zwar stehn sie jedes
für sich, außerhalb des Herrn échange, der bloß in diesem Stel-
lenwechsel bestand. B + C + D sind jetzt choses, keine valeurs.
So ist [es auch mit] A. Oder der echange "fixiert und determi-
niert" im eigentlichen Sinn. Ein Kraftmesser determiniert und fi-
xiert den Kraftgrad meiner Muskeln, macht sie nicht. Dann ist die
valeur nicht durch den échange produziert.
"Es gibt in Wirklichkeit keinen Reichtum für die einzelnen und
für die Völker, außer wenn jeder für alle arbeitet" (d.h., wenn
seine Arbeit sich als a l l g e m e i n e
g e s e l l s c h a f t l i c h e A r b e i t darstellt, denn
sonst wäre dies Unsinn; da ein Eisenfabrikant sonst, von dieser
Form abgesehn, nicht für tous 1*), sondern nur für Eisenkonsumen-
ten arbeitet) "und alle für jeden" (was wieder Unsinn ist, wenn
vom Gebrauchswert die Rede, denn die Produkte der tous sind lau-
ter besondre Produkte, und chacun 2*) braucht nur besondre Pro-
dukte; es heißt also wieder nichts, als daß jedes besondre Pro-
dukt eine Form annimmt, worin es für j e d e n
e x i s t i e r t, und so existiert es nur, nicht insofern es
als besondres Produkt sich von dem Produkt des chacun unterschei-
det, sondern mit ihm identisch ist; wieder die Form der gesell-
schaftlichen Arbeit, wie sie auf Grundlage der Warenproduktion
sich darstellt) (l.c.p. 108).
¦¦361¦ Aus dieser Bestimmung - Tauschwert gleich der Darstellung
der Arbeit des isoliert einzelnen als allgemeine gesellschaftli-
che Arbeit - fällt G[anilh] wieder in die rohste Vorstellung:
Tauschwert gleich dem Verhältnis, worin Ware A sich gegen Ware B,
C, D etc. austauscht. A hat großen Tauschwert, wenn sich viel B,
C, D dafür gibt; aber dann gibt sich wenig A für B, C, D. Der
Reichtum besteht aus Tauschwert. Der Tauschwert besteht aus der
relativen Proportion, worin die Produkte sich gegeneinander aus-
tauschen. Die Gesamtsumme der Produkte hat also keinen Tausch-
wert, denn sie tauscht sich gegen nichts aus. Also hat die Ge-
sellschaft, deren Reichtum aus Tauschwerten besteht, keinen
Reichtum. Es folgt daher nicht nur, wie G[anilh] selbst schließt,
daß der "Nationalreichtum, der sich aus den Tauschwerten der Ar-
beit zusammensetzt" (p. 108), nie wachsen und nie fallen kann im
Tauschwert (also k e i n M e h r w e r t), sondern daß er
überhaupt keinen Tauschwert hat, also kein richesse 3*) ist, da
der richesse nur aus valeurs échangeables besteht.
"Wenn der Überfluß an Korn dessen W e r t s i n k e n läßt,
werden die Landwirte weniger reich sein, weil sie weniger Tausch-
werte besitzen, um sich die Dinge zu verschaffen, die zum Leben
notwendig, nützlich oder angenehm sind; aber die
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1*) alle - 2*) jeder - 3*) Reichtum
#179# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Konsumenten des Korns werden ebensoviel profitieren, wie die
Landwirte verlieren werden: Der Verlust der einen wird aufgewogen
durch den Gewinn der anderen, und der allgemeine Reichtum wird
keine Veränderung erleiden." (p. 108, 109.)
Pardon! Die consommateurs du blê 1*) verzehren den blê und nicht
die valeur échangeable du blê 2*). Sie sind reicher an Nahrungs-
mitteln, aber nicht an valeur échangeable. Sie haben wenig von
ihren Produkten - die einen großen Tauschwert haben wegen ihrer
relativen Wenigkeit, verglichen zur Masse des blê, wogegen sie
sich austauschen - gegen den blê ausgetauscht. Die cultivateurs
3*) haben nun den h o h e n T a u s c h w e r t erhalten und
die consommateurs den vielen blê von geringrem Tauschwert, so daß
nun sie die Armen und die cultivateurs die Reichen sind.
Ferner verliert die Summe (die gesellschaftliche Summe der
Tauschwerte) ihre Natur, Tauschwert zu sein, im selben Grad, wie
sie Summe von Tauschwerten wird. A, B, C, D, E, F haben Tausch-
wert, soweit sie sich gegeneinander austauschen. Sind sie ausge-
tauscht, so sind sie alle Produkte für ihre Konsumenten, ihre
Käufer. Durch den Wechsel der Hände haben sie aufgehört, Tausch-
wert zu sein. Damit ist der Reichtum der Gesellschaft, qui se
compose des valeurs échangeables 4*), verschwunden. Der Wert von
A ist relativ; er ist sein Austauschverhältnis gegen B, C etc. A
+ B haben weniger Tauschwert, weil ihr Tauschwert nur noch im
Verhältnis zu C, D, E, F besteht. Aber die Summe A, B, C, D, E, F
hat gar keinen Tauschwert, weil sie kein Verhältnis ausdrückt.
Die Summe der Waren tauscht sich nicht aus gegen andre Ware. Also
der Reichtum der Gesellschaft, der aus Tauschwerten besteht, hat
keinen Tauschwert und ist daher kein Reichtum.
"Daher kommt es, daß es schwierig und vielleicht unmöglich für
ein Land ist, sich durch den Binnenhandel zu bereichern; etwas
anders verhält es sich mit den Völkern, die Außenhandel treiben."
(l.c.p. 109.)
Dies das alte Merkantilsystem. Der Wert besteht darin, daß ich
kein Äquivalent, sondern mehr als das Äquivalent bekomme.
Zugleich gibt es aber kein Äquivalent, denn dies setzte voraus,
daß der Wert von A und der Wert von B bestimmt sind nicht durch
das Verhältnis von A in B oder von B in A, sondern durch ein
Drittes, worin A und B identisch. Gibt es aber kein Äquivalent,
so gibt es auch keinen Überschuß über das Äquivalent. Ich bekomme
weniger Gold für Eisen als Eisen für Gold. Jetzt habe ich mehr
Eisen, wofür ich weniger Gold bekomme. Gewinne ich also
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1*) Konsumenten des Korns - 2*) den Tauschwert des Korns - 3*)
Landwirte - 4*) der sich aus Tauschwerten zusammensetzt
#180# Viertes Kapitel
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ursprünglich, weil weniger Gold gleich mehr Eisen 1*), so ver-
liere ich jetzt ebensoviel, weil mehr Eisen gleich weniger Gold.
[b) Einordnung jeglicher bezahlten Arbeit unter produktive Ar-
beit]
"Jede Arbeit, welches immer ihre Natur sei, produziert Reichtum,
vorausgesetzt, daß sie einen Tauschwert hat." (l.c.p. 119.) "Der
Austausch nimmt Rücksicht weder auf die Quantität noch auf den
Stoff, noch auf die Dauer der Produkte." (l.c.p. 121.) "Alle"
(les travaux 2*)) "sind e b e n s o p r o d u k t i v, wie die
S u m m e beträgt, gegen die sie ausgetauscht wurden." (p. 121,
122.)
Erst sind sie également productifs de la s o m m e 3*), nämlich
der P r e i s, womit sie gezahlt werden (der W e r t ihres
Salairs). Aber gleich geht G[anilh] noch einen Schritt weiter.
Die immaterielle Arbeit produziert das materielle Produkt, woge-
gen sie sich austauscht, so daß es scheint, daß die materielle
Arbeit das Produkt der immateriellen produziert.
¦¦362¦ "Es gibt keinen Unterschied zwischen der Arbeit eines Ar-
beiters, der eine Kommode herstellt, deren Austausch ihm einen
Scheffel Korn einbringt, und der Arbeit eines Musikanten, die ihm
einen Scheffel Korn einbringt. Beide Male wurde ein Scheffel Korn
produziert, ein Scheffel, um die Kommode zu bezahlen, und ein
Scheffel, um das Vergnügen zu bezahlen, das der Musikant bereitet
hat. Allerdings, wenn der Tischler seinen Scheffel Korn verzehrt
hat, bleibt die Kommode, und wenn der Musikant seinen Scheffel
Korn verzehrt hat, bleibt nichts; aber mit wie vielen Arbeiten,
die als produktiv gelten, ist das gleiche der Fall!... nicht nach
dem, was nach dem Konsum bleibt, kann man beurteilen, ob eine Ar-
beit produktiv oder steril ist, sondern nach d e m
A u s t a u s c h o d e r n a c h d e r P r o d u k t i o n,
d i e v o n i h r h e r v o r g e r u f e n w i r d. Da nun
die Arbeit des Musikanten ebensogut wie die des Tischlers d i e
U r s a c h e d e r P r o d u k t i o n e i n e s S c h e f-
f e l s K o r n i s t, p r o d u z i e r e n b e i d e i n
g l e i c h e r W e i s e e i n e n S c h e f f e l K o r n,
obwohl die eine nach ihrer Vollendung sich in keinem dauernden
Gegenstand fixiert und realisiert und die andere sich in einem
dauernden Gegenstand fixiert und realisiert." (l.c.p. 122, 123.)
"A. Smith machte die Zahl der Arbeiter verringern, die keine
nützliche Arbeit leisten, um die Zahl der Arbeiter zu vermehren,
die mit nützlicher Arbeit beschäftigt sind; aber man hat nicht
beachtet, daß, wenn dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, je-
der Reichtum unmöglich wäre, da den Produzenten die Konsumenten
fehlen würden und die nicht konsumierten Überschüsse nicht repro-
duziert werden könnten. Die produktiven Klassen geben die Pro-
dukte ihrer Arbeiten d e n K l a s s e n, d e r e n A r-
b e i t k e i n e m a t e r i e l l e n P r o d u k t e
l i e f e r t, nicht umsonst" (hier unterscheidet er also doch
selbst travaux qui donnent des produits matériels et travaux qui
n'en donnent point 4*); "sie
1*) In der Handschrift: weil mehr Gold = weniger Eisen - 2*) die
Arbeiten - 3*) ebenso produktiv wie die Summe - 4*) Arbeiten, die
materielle Produkte liefern, und Arbeiten, die keine liefern
#181# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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geben sie ihnen im Austausch für Bequemlichkeiten, Vergnügungen
oder Genüsse, die sie von ihnen erhalten, und, u m s i e
i h n e n g e b e n z u k ö n n e n, s i n d s i e g e-
z w u n g e n, s i e z u p r o d u z i e r e n. Wenn die
materiellen Produkte der Arbeit nicht verwendet wurden, die Ar-
beiten zu entlohnen, die keine materiellen Produkte liefern, fän-
den sie keine Konsumenten und ihre Reproduktion hörte auf. Die
Arbeiten, die Vergnügen produzieren, t r a g e n d a h e r
e b e n s o w i r k s a m z u r P r o d u k t i o n b e i
wie die Arbeit, die für die produktivste gilt." (l.c.p. 123,
124.)
"Die Bequemlichkeiten, die Vergnügungen oder die Genüsse, nach
denen sie" (les peuples 1*)) "verlangen, f o l g e n fast immer
d e n P r o d u k t e n, m i t d e n e n s i e z u
b e z a h l e n s i n d, und g e h e n i h n e n n i c h t
v o r a u s." (l.c.p. 125.) (Scheinen also viel mehr Wirkung als
Ursache der produits zu sein qui doivent les acquitter 2*).)
"Anders steht die Sache, wenn die dem Vergnügen, dem Luxus und
dem Prunk gewidmeten Arbeiten v o n d e n p r o d u k t i-
v e n K l a s s e n n i c h t v e r l a n g t w e r d e n"
(hier macht er also selbst den Unterschied) und sie trotzdem
gezwungen sind, diese zu bezahlen und ihre Bedürfnisse um diesen
Betrag einzuschränken. Dann kann es vorkommen, daß diese
erzwungene Bezahlung keinen Zuwachs an Produkten hervorruft."
(l.c.p. 125.) Außer in diesem Falle... ist Jede Arbeit
notwendigerweise produktiv und trägt mehr oder minder wirksam zur
Bildung und zum Wachstum des allgemeinen Reichtums bei, weil sie
n o t w e n d i g e r w e i s e d i e P r o d u k t e h e r-
v o r r u f t, m i t d e n e n s i e b e z a h l t w i r d."
(l.c.p. 126.)
{Also hiernach die "unproduktiven Arbeiten" produktiv, weder weil
sie kosten, d.h. ihres Tauschwerts wegen, noch wegen des speziel-
len Genusses, den sie produzieren, d.h. ihres Gebrauchswerts we-
gen, sondern weil sie produktive Arbeit produzieren.}
{Wenn nach A. Smith die Arbeit produktiv, die sich direkt gegen
Kapital austauscht, so kommen außer der Form auch noch die
stofflichen Bestandteile des Kapitals, das sich gegen Arbeit aus-
tauscht, in Betracht. Es löst sich in die notwendigen Lebensmit-
tel auf; also meist in Waren, materielle Dinge. Was der Arbeiter
von diesem Salair an Staat und Kirche zu zahlen hat, Abzug [für]
Dienste, die ihm aufgedrungen werden; was er für die Erziehung
ausgibt, verflucht wenig; wo er es tut, produktiv, denn sie pro-
duziert Arbeitsvermögen; was er für die Dienste von Ärzten, Advo-
katen, Pfagen ausgibt, ist ein Pech; bleiben sehr wenige unpro-
duktive Arbeiten oder Dienste, worin sich das Salair des Arbei-
ters auflöst, namentlich da er seine Konsumtionskosten (Kochen,
Reinhalten des Hauses, meist sogar Reparaturen) selbst besorgt.}
Höchst charakteristisch ist die folgende Phrase G[anilh]s:
"Wenn der Austausch der Arbeit des Bedienten einen Wert von 1000
Franks gibt, während er dagegen der Arbeit des Agrikulturarbei-
ters oder des Manufakturarbeiters
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1*) die Völker - 2*) mit denen sie zu bezahlen sind
#182# Viertes Kapitel
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nur einen Wert von 500 Franks gibt, so muß man daraus schließen,
daß die Arbeit des Bedienten zu der P r o d u k t i o n des
Reichtums zweimal soviel beiträgt wie die des Agrikulturarbeiters
und des Manufakturarbeiters; und das kann gar nicht anders sein,
solange die Arbeit der Bedienten mit zweimal soviel materiellen
Produkten bezahlt wird wie die der Agrikulturarbeiter und der Ma-
nufakturarbeiter. Wie kann man denn glauben, daß der Reichtum aus
der Arbeit entsteht, die den geringsten Tauschwert hat und darum
am niedrigsten bezahlt wird!" (l.c.p. 293, 294.)
¦¦363¦ Wenn das Salair des Manufaktur- oder Agrikulturarbeiters
500, der von ihm geschaffne Mehrwert (Profit und Rente) = 40
p.c., so wäre das produit net 1*) auf ihn = 200, und 5 solche Ar-
beiter wären nötig, um das Salair für den Bedienten = 1000 frs.
zu produzieren. Wollte Herr échange statt des Bedienten eine Mai-
tresse für 10 000 frs. jährlich kaufen, so wäre das produit net
von 50 solchen produktiven Arbeitern erforderlich. Weil nun für
die Maitresse ihre unproduktive Arbeit 20mal so großen Tausch-
wert, Salair, einbringt als das Salair der produktiven Arbeiter,
fügt diese Person 20mal soviel zu "à la production des richesses"
2*), und ein Land produziert, um so mehr Reichtum, je höher es
Bedienten und Maitressen zahlt. Herr G[anilh] vergißt, daß nur
die Produktivität der Manufaktur- und Agrikulturarbeit, nur das
von den produktiven Arbeitern geschaffne, aber ihnen nicht
bezahlte Surplus überhaupt einen Fonds liefert, von dem die
unproduktiven Arbeiter bezahlt werden. Aber er rechnet so: 1000
frs. Lohn und Bedienten- oder Maitressenarbeit als Äquivalent
dafür, macht zusammen 2000 frs. Der Wert von Bedienten und
Maitressen, i.e. ihre Produktionskosten, hängen ganz ab vom
produit net der produktiven Arbeiter. Ja, ihre Existenz als
besondres genre hängt davon ab. Ihr Preis und ihr Wert haben
wenig miteinander gemein.
Aber selbst gesetzt, der Wert (die Produktionskosten) eines Be-
dienten kosteten 2mal soviel als die eines produktiven Arbeiters.
So ist zu bemerken, daß die Produktivität eines Arbeiters (wie
einer Maschine) und sein Wert ganz verschiedne Dinge sind, die
sogar im umgekehrten Verhältnis stehn. Der Wert, den eine Ma-
schine kostet, ist stets ein Minus ihrer Produktivität.
"Vergeblich wendet man ein: Wenn die Arbeit der Bedienten ebenso
produktiv ist wie die der Agrikulturarbeiter und der Manufaktur-
arbeiter, dann sei nicht einzusehen, warum die allgemeinen Er-
sparnisse eines Landes nicht zu ihrer Erhaltung angewendet werden
sollten, nicht bloß ohne Verschwendung, sondern bei ständiger
Vermehrung des Werts, Diese Betrachtung ist nur eine scheinbare,
denn sie setzt voraus, die Fruchtbarkeit jeder Arbeit röhre von
ihrem M i t w i r k e n a n d e r P r o d u k t i o n d e r
m a t e r i e l l e n G e g e n s t ä n d e
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1*) Nettoprodukt - 2*) "der Produktion des Reichtums"
#183# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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h e r, d i e m a t e r i e l l e P r o d u k t i o n s e i
d i e B i l d n e r i n d e s R e i c h t u m s, und
P r o d u k t i o n u n d R e i c h t ü m e r s e i e n
v ö l l i g i d e n t i s c h. Man vergißt, daß j e d e
P r o d u k t i o n n u r R e i c h t u m w i r d d u r c h
d i e M i t w i r k u n g d e r K o n s u m t i o n d e s
K o n s u m s *) und daß der Austausch determiniert, bis zu wel-
cher Höhe sie z u r B i l d u n g d e s R e i c h t u m s
b e i t r ä g t. Wenn man sich erinnert, daß alle Arbeiten di-
rekt oder indirekt zur Gesamtproduktion jedes Landes beitragen,
daß der Austausch dadurch, daß er den Wert jeder Arbeit fixiert,
den Anteil determiniert, den sie an der Produktion hatte, daß die
K o n s u m t i o n d e r P r o d u k t i o n den Wert reali-
siert, den ihr der Austausch verliehen, und daß der Überschuß
oder das Defizit der Produktion über die Konsumtion die Höhe des
Reichtums öder des Elends der Völker bestimmt, dann wird man be-
merken, wie inkonsequent es ist, jede Arbeit zu isolieren und
ihre Ergiebigkeit und Fruchtbarkeit nach ihrer Mitwirkung an der
materiellen Produktion abzumessen, ohne Rücksicht auf die ¦¦364¦
K o n s u m t i o n d i e i h r a l l e i n e i n e n
W e r t v e r l e i h t, einen Wert, ohne den Reichtum nicht
bestehen könnte." (l.c.p. 294, 295.)
Einerseits läßt der Bursche den Reichtum vom Überschuß der Pro-
duktion über die Konsumtion abhängen, andrerseits gibt die Kon-
sumtion allein Wert. Und ein Bedienter, der 1000 frs. verzehrt,
trägt daher doppelt soviel zur Wertgebung bei als ein Bauer, der
500 frs. verzehrt.
Erstens gibt er zu, daß diese unproduktiven Arbeiten nicht direkt
an der Bildung des materiellen Reichtums teilnehmen. Mehr be-
hauptet Smith nicht. Andrerseits bemüht er sich nachzuweisen, daß
sie umgekehrt ebenso den materiellen Reichtum schaffen, wie sie
es nach seinem eignen Geständnis nicht tun.
Bei all diesen Polemikern gegen A. Smith einerseits die Erhaben-
heit über die materielle Produktion, andrerseits der Versuch, die
immaterielle Produktion - oder gar keine Produktion, wie die des
Lakaien - zu rechtfertigen als materielle Produktion. Ob der Be-
sitzer der Revenu net 3*) diese Revenue in Lakaien, Maitressen
oder Pasteten verzehrt, ist ganz gleichgültig.
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*) {Und darum sagt derselbe Bursche eine Seite später, daß jede
Arbeit Reichtum p r o d u z i e r t in dem Verhältnis ihres
Tauschwerts, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird" (sie
p r o d u z i e r t Reichtum, nicht im NU wie sie valeur
d'échange 1*) produziert, sondern valeur d'change ist, d.h. nicht
nach dem, was sie produziert, sondern was sie kostet), "daß ihr
respektiver Wert zur Akkumulation der Kapitalien nur beiträgt,
durch d i e E r s p a r u n g u n d d e n N i c h t-
k o n s u m der Produkte, die dieser Wert aus der Ge-
samtproduktion zu nehmen berechtigt ist."} 2*)
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1*) Tauschwert - 2*) in der Handschrift findet sich die vorste-
hende Textstelle innerhalb des Zitats an der bezeichneten Stelle;
sie wird der besseren Übersicht wegen als Fußnote gebracht - 3*)
Nettorevenue
#184# Viertes Kapitel
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Aber lächerlich die Einbildung, daß das Surplus von Bedienten
verzehrt werden muß und nicht vom produktiven Arbeiter selbst
verzehrt werden kann, ohne daß der Wert des Produkts zum Teufel
gehe. Bei Malthus dieselbe Notwendigkeit der unproduktiven Konsu-
menten, die in der Tat existiert, sobald das Surplus in der Hand
der gens oisifs 1*). ¦364¦¦
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1*) Müßiggänger
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