Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#184# Viertes Kapitel
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[8. Ganilh und Ricardo über Nettorevenue. Ganilh für Abnahme der
produktiven Bevölkerung; Ricardo für Akkumulation des Kapitals
und Wachstum der Produktivkräfte]
¦¦364¦ Ganilh behauptet, in seiner "Theorie de l'écon. polit."
(mir unbekanntes Buch) eine nach ihm von Ricardo reproduzierte
Theorie aufgestellt zu haben. [70] Diese Theorie ist die, daß der
Reichtum vom produit net und nicht vom produit brut abhängt, also
von der Höhe von profit und rent. (Dies ist sicher keine Erfin-
dung des Ganilh, der sich aber allerdings durch seine Manier,
dies auszusprechen, auszeichnet.)
Der surplus value 2*) stellt sich dar (hat seine reale Existenz)
in einem surplus produce 3*) über die Masse des Produkts hinaus,
die nur seine ursprünglichen Elemente ersetzt, also in seine Pro-
duktionskosten eingeht und - rechnet man konstantes und variables
Kapital zusammen - gleich dem der Produktion vorgeschoßnen Kapi-
tal überhaupt ist. Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist
das Surplus, nicht das Produkt. Die notwendige Arbeitszeit des
Arbeiters und damit das Äquivalent im Produkt, womit sie gezahlt
wird, ist nur solange notwendig, solange sie Surplusarbeit produ-
ziert. Sie ist sonst u n p r o d u k t i v für den Kapitali-
sten.
Der Mehrwert gleich der Rate des Mehrwerts m/v multipliziert mit
der Anzahl der gleichzeitigen Arbeitstage oder der Anzahl der be-
schäftigten in Arbeiter, mit n. Also M = m/v x n. Dieser Mehrwert
kann sich also in in doppelter Weise vergrößern oder auch abneh-
men. Z.B. m/(v/2) x n ist gleich 2m/v x n = 2M. Hier hat sich M
¦¦365¦ verdoppelt, weil die Rate sich verdoppelt
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2*) Mehrwert - 3*) Mehrprodukt
#185# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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hatte, denn m/(v/2) ist 2m/v, ist noch einmal so groß als m/v.
Andrerseits wäre aber m/v x 2n ebenfalls gleich, also auch = 2M.
V, das variable Kapital, ist gleich dem Preis des einzelnen Ar-
beitstags multipliziert mit der Anzahl der angewandten Arbeiter.
Sind 800 Arbeiter angewandt, von denen jeder 1 l. kostet, so V =
800 l., 1 l. x 800, wo n = 800. Ist der Mehrwert nun = 160, so
ist seine Rate 160/(1 l. x 800) = 160/800 = 16/80 = 1/5 = 20 p.c.
Aber der Mehrwert selbst ist 160/(1 l. x 800) x 800, d.h. =
M l./(1 l. x n) x n. Dieser Mehrwert 1*) kann sich nur vergrößern
2*), falls die Länge der Arbeitszeit gegeben ist durch Vergröße-
rung 3*) der Produktivität oder falls die Produktivität gegeben
ist durch Verlängrung der Arbeitszeit.
Aber worauf es hier ankommt: 2M = m/(v/2) x n und m/v x 2n.
Derselbe Mehrwert (gross amount 4*) des Mehrwerts) bleibt, wenn
die Anzahl der Arbeiter um die Hälfte abnimmt, statt 2n [nur] n
ist, die von ihnen [geleistete] tägliche Surplusarbeit aber dop-
pelt so groß ist, als sie vorher war. Unter dieser Voraussetzung
würde also zweierlei dasselbe bleiben: Erstens die Totalmasse der
gelieferten Produkte. Zweitens die Totalmasse des surplus produce
oder produit net. Geändert aber hätte sich folgendes: Erstens das
variable Kapital oder der Teil des zirkulierenden Kapitals, der
in Arbeitslohn ausgelegt wird, um die Hälfte vermindert. Der Teil
des konstanten Kapitals, der aus Rohmaterial besteht, ditto un-
verändert geblieben, da dieselbe Masse Rohstoff nach wie vor ver-
arbeitet wird, obgleich von der Hälfte der früher angewandten Ar-
beiter. Dagegen hat sich der Teil, der aus capital fixe besteht,
vermehrt.
War das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital = 300 l. (1 l. per Ar-
beiter), so jetzt = 150 l. War das in Rohmaterial ausgelegte= 310
l., so jetzt 310 l. Wäre der Wert der Maschinerie 4mal so groß
wie das übrige Kapital, so = 1600 [71]. Also wenn die Maschinerie
sich in 10 Jahren abnutzt, wäre die jährlich in das Produkt ein-
gehende Maschinerie = 160 l. wir wollen annehmen, daß das früher
in Instrumenten ausgelegte Kapital 40 l. war, also nur 1/4.
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1*) In der Handschrift: Diese Mehrwertsrate - 2*) in der Hand-
schrift: verdoppeln - 3*) in der Handschrift: Verdopplung - 4*)
Gesamtsumme
#186# Viertes Kapitel
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So steht die Rechnung so:
Maschi- Roh- Arbeits- Summe Mehrwert Profitrate Gesamt-
nerie stoff lohn produkt
Altes
Kapital 40 310 300 650 150 23 1/13 p.c. 800
oder
50 p.c.
Neues
Kapital 160 310 150 620 150 24 6/31 p.c. 770
oder
100 p.c.
In diesem Fall die Profitrate gestiegen, weil das Gesamtkapital
sich vermindert; indem das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital um
150 abgenommen, die Wertsumme des capital fixe nur [um] 120
[gestiegen ist], also zusammen 30 l. weniger wie früher ausge-
legt.
Werden nun die 30 l., die übrigbleiben, wieder in derselben Weise
angewandt, 31/62 des Ganzen (oder 1/2) in Rohmaterial, 16/62 in
Maschinerie und 15/62 in Arbeitslohn, so käme:
Maschinerie Rohstoff Arbeitslohn Mehrwert
7 l. 14 sh. 6 d. 15 l. 7 l. 5 sh. 6 d. 7 l. 5 sh. 6 d.
Also nun das ganze:
Maschinerie Rohstoff Arbeitslohn Mehrwert Profit
neue
Kapital 167 l. 14 sh. 325 l. 157 l. 5 sh. 157 l. 5 sh. 24 6/31
6 d. 6 d. 6 d. p.c.
G e s a m t s u m m e d e s a u s g e l e g t e n
K a p i t a l s: 650 Pfd. w i e f r ü h e r.
G e s a m t p r o d u k t 807 [Pfd.] 5 sh. 6 d.
Der Gesamtwert des Produkts ist gestiegen, der Gesamtwert des
ausgelegten Kapitals derselbe geblieben; und nicht nur der Wert,
sondern die Masse des Gesamtprodukts ist gestiegen, denn es sind
für 15 l. mehr Rohstoff in Produkt verwandelt worden.
¦¦366¦ "Wenn ein Land keine Maschinen hat und seine Arbeit nur
auf der Kraft der Arme beruht, verzehren die arbeitenden Klassen
fast die ganze Masse ihrer Produkte. Im selben Maße, in dem die
Industrie Fortschritte macht, sich durch die Arbeitsteilung, die
Geschicklichkeit der Arbeiter, die Erfindung von Maschinen ver-
vollkommnet, vermindern sich die Produktionskosten oder, mit an-
deren Worten, braucht man weniger Arbeiter, um ein größeres Pro-
dukt zu erhalten." (l.c., t. I, p. 211, 212.)
D.h. also, im selben Maße, wie die Industrie produktiver wird,
vermindern sich die Produktionskosten des Salairs. Es werden we-
niger Arbeiter angewandt im Verhältnis zum Produkt, die also auch
einen geringren Teil davon aufessen.
#187# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Wenn ohne Maschinen ein Arbeiter 10 Std. braucht, um seine eignen
Lebensmittel zu produzieren, und wenn er mit Maschinerie nur 6
braucht, so arbeitet er (bei 12stündiger Arbeit) im ersten Fall
10 für sich, 2 für den Kapitalisten, und von dem Gesamtprodukt
der 12 Stunden erhält der Kapitalist 1/6. Im ersten Fall werden
10 Arbeiter Produkt für 10 Arbeiter produzieren (= 100 Std.) und
20 für den Kapitalisten. Von dem Wert von 120 erhält der Kapita-
list 1/6, = 20. Im zweiten Fall werden 5 Arbeiter Produkt für 5
Arbeiter produzieren (= 30 Std.) und für den Kapitalisten = 30
Std. Der Kapitalist erhielte jetzt von den 60 Std. 30, also 1/2,
3mal mehr wie vorhin. Und auch der Gesamtsurpluswert wäre gestie-
gen, nämlich von 20 auf 30, um 1/3. 60 Tage, von denen ich 1/2
aneigne, ist 1/3 mehr als 120, von denen ich 1/6 aneigne.
Ferner wäre das 1/2 des Gesamtprodukts, das der Kapitalist er-
hielte, auch der Quantität nach größer als früher. Denn 6 Stunden
liefern jetzt soviel Produkt wie früher 10; 1 soviel Produkt [wie
früher] 110/6 oder 1 soviel [wie] 1 4/6 = 1 2/3. Also enthalten
die 30 Surplusstunden soviel Produkt [wie früher] 1*) 10, also 30
oder 5 x 6 soviel wie früher 5 x 10.
Der Surpluswert des Kapitalisten wäre also gestiegen und sein
Surplusprodukt (wenn er es selbst konsumiert oder soviel er davon
in natura konsumiert). Der Surpluswert kann sogar nun steigen,
ohne daß das Quantum des Gesamtprodukts 2*) steigt. Denn Wachsen
des Surpluswerts heißt, daß der Arbeiter fähig ist, in kleinrer
Zeit als vorher seine Lebensmittel zu produzieren, daß also der
Wert der von ihm konsumierten Waren fällt, weniger Arbeitszeit
darstellt, daß also ein bestimmter Wert, = 6 Std. z.B., größre
Quantität der Gebrauchswerte als vorher darstellt. Der Arbeiter
erhält dasselbe Quantum Produkt wie vorher, aber dies Quantum
bildet einen kleinren Teil des Gesamtprodukts, wie sein Wert
einen kleinren Teil der fruits 3*) des Arbeitstags ausdrückt. Ob-
gleich keine Vermehrung der Produktivkräfte in Industriezweigen,
deren Produkt neither 4*) direkt oder indirekt in die Bildung der
Konsumtionsmittel des Arbeiters eingeht, dies Resultat haben
könnte, indem durch die vermehrte oder verminderte Produktivität
in diesen Zweigen das Verhältnis der notwendigen zur Surplusar-
beit nicht affiziert wird - so wäre umgekehrt das Resultat für
diese Industriezweige dasselbe, obgleich es nicht aus einer Ände-
rung in ihrer eignen Produktivität entspränge. Der relative Wert
ihrer Produkte stiege exakt in demselben Maße, wie der der andren
Waren gefallen wäre (wenn ihre eigne Produktivität
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1*) In der Handschrift: = - 2*) in der Handschrift: Surpluspro-
dukts 3*) Früchte - 4*) weder; in der Handschrift: either
#188# Viertes Kapitel
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dieselbe geblieben); also würde in demselben Maße ein geringrer
aliquoter Teil dieser Produkte, oder der geringre Teil der Ar-
beitszeit des Arbeiters, der in ihnen materialisiert, ihm das-
selbe Quantum Lebensmittel wie vorher verschaffen. Der Surplus-
wert stiege also in diesen Arbeitszweigen ganz wie in den andren.
Aber was wird nun aus den 5 deplacierten Arbeitern? Man wird sa-
gen, es ist auch ein Kapital frei geworden, nämlich das, was die
entlassenen 5 Arbeiter zahlte, die jeder 10 Std. erhielten (wofür
sie 12 arbeiteten), also zusammen 50 Std., womit früher 5 Arbei-
ter salariert werden konnten und womit jetzt, wo der Arbeitslohn
auf 1*) 46 Std. gefallen, 50/6 = 8 1/2 Arbeitstage bezahlt werden
können. Mit dem frei gewordnen - 50 Arbeits[stunden] - Kapital
können also jetzt mehr Arbeiter beschäftigt werden, als entlassen
wurden.
Indes ist kein Kapital von ganzen 50 Arbeitsstd. frei geworden.
Denn gesetzt selbst, das Material sei in demselben Grade wohlfei-
ler geworden, wie mehr davon in derselben Arbeitszeit verarbei-
tet, also es habe auch in diesem Produktionszweig dieselbe Stei-
gerung der Produktivkraft stattgefunden, so bleibt die Auslage
für die neue Maschinerie. Gesetzt, diese koste exakt 50 Ar-
beitsstd., so hat sie auf keinen Fall soviel Arbeiter beschäf-
tigt, als entlassen wurden. Denn diese 50 Arbeitsstd. waren ganz
in Salair ausgelegt, in 5 Arbeitern. Aber in dem Wert der Ma-
schine von 50 Arbeitsstd. ist Profit und Salair enthalten, be-
zahlte und unbezahlte Arbeitszeit. Außerdem geht capital constant
in den Wert der Maschine ein. Diese von den Maschinen bauenden
Arbeitern, die die neue Maschine bauen der Zahl nach geringer als
die entlassenen, waren auch nicht dieselben, ¦¦367¦ die entlassen
worden sind. Die größre Nachfrage nach Arbeitern in dem Maschi-
nenbau kann höchstens auf die kommende Verteilung der Arbeiter-
masse wirken, so daß ein größrer Teil der in die Arbeit eintre-
tenden Generation, ein größrer Teil als früher, sich diesem Zweig
zuwendet. Es wirkt nicht auf die entlassenen. Außerdem die Zu-
nahme in der jährlichen Nachfrage nach diesen nicht gleich dem
neuen in Maschinerie ausgelegten Kapital. Die Maschine dauert
z.B. 10 Jahre. Die konstante Nachfrage, die sie geschaffen, also
gleich 1/10 jährlich von dem in ihr enthaltnen Arbeitslohn. Zu
diesem 1/10 kommt Arbeit für Reparatur während der 10 Jahre hinzu
und der tägliche Konsum von Kohle, Öl, überhaupt der matériaux
instrumentaux 2*); was alles zusammen vielleicht wieder 2/10 be-
trägt.
{Wäre das frei gewordne Kapital = 60 Std., so repräsentierten
diese jetzt 10 Stunden Surplusarbeit und nur 50 notwendige. Wur-
den also früher
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1*) In der Handschrift: zu - 2*) Hilfsstoffe
#189# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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die 60 in Salair ausgegeben und beschäftigten 6 Arbeiter, so
jetzt nur noch 5.}
{Das Deplacement von Arbeit und Kapital, das die Vermehrung der
Produktivkraft in einem besondren Industriezweig vermittelst Ma-
schinerie etc. bewirkt, immer nur prospektiv. D.h., d e r
Z u w a c h s, d i e n e u e i n s t r ö m e n d e
A r b e i t s m a s s e wird anders verteilt, vielleicht die
Kinder der Hinausgeschmissenen; aber nicht sie selbst. Sie selbst
verkommen für lange Zeit in ihrem alten trade 1*), den sie unter
den ungünstigsten Bedingungen fortsetzen, indem ihre notwendige
Arbeitszeit größer ist als die gesellschaftlich notwendige, ver-
paupern oder finden Beschäftigung in Geschäftszweigen, wo niedri-
gre Art der Arbeit angewandt wird.}
{Ein Pauper wie ein Kapitalist (Rentner) lebt von der Revenue des
Landes. Er geht nicht in die Produktionskosten des Produkts ein,
ist daher nach Herrn Ganilh Repräsentant einer valeur échan-
geable. Ditto ein Verbrecher, der im Gefängnis genährt wird. Ein
großer Teil der "unproduktiven Arbeiter", Staatssinekuristen etc.
sind bloß vornehme Paupers.}
{Gesetzt, durch die Produktivität der Industrie sei es so weit,
daß, wenn früher 2/3, jetzt nur 1/3 der Bevölkerung unmittelbar
in der materiellen Produktion beteiligt. Früher lieferten 2/3 die
Lebensmittel für 3/3 jetzt 1/3 für 3/3. Früher war 1/3 net reve-
nue (im Unterschied von der Revenue des Arbeiters), jetzt 2/3.
Vom [Klassen]gegensatz abgesehn, würde die Nation jetzt 1/3 ihrer
Zeit zur unmittelbaren Produktion brauchen, wo sie früher 2*) 2/3
brauchte. Gleichmäßig verteilt, hätten alle 2/3 mehr Zeit für un-
produktive Arbeit und Muße. Aber in der kapitalistischen Produk-
tion erscheint alles und ist alles gegensätzlich. Die Vorausnahme
schließt nicht ein, daß die Bevölkerung stagnant sei. Denn wüch-
sen die 3/3, so wüchse auch das 1/3; der Masse nach könnte so
eine immer größre Menschenzahl in der produktiven Arbeit beschäf-
tigt sein. Aber relativ, proportionell zur ganzen Bevölkerung,
wären es immer 50 p.c. weniger als zuvor. Diese 2/3 bestünden nun
teils aus den Besitzern von Profit und Rente, teils aus den un-
produktiven Arbeitern (die auch der Konkurrenz wegen schlecht be-
zahlt), die ihnen die Revenue aufessen helfen und ihnen dagegen
ein Äquivalent in services 3*) geben, oder aufdrängen wie die po-
litischen unproduktiven Arbeiter. Es könnte angenommen werden,
daß - mit Ausnahme des Bedientenpacks, der Soldaten, Matrosen,
Polizisten, Subalternbeamten usw., Maitressen, Stallknechte,
Clowns und Jongleurs - diese unproduktiven Arbeiter im ganzen auf
einer höhren Bildungsstufe stünden als früher die
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1*) Gewerbe - 2*) in der Handschrift: jetzt - 3*) Dienstleistun-
gen
#190# Viertes Kapitel
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unproduktiven, und namentlich auch schlechtbezahlte Künstler, mu-
sici, Advokaten, Ärzte, Gelehrte, Schulmeister, Entdecker etc.
sich vermehrt hätten.
Innerhalb der produktiven Klasse selbst hatten sich die kommer-
ziellen middlemen 1*) vermehrt, namentlich aber auch die mit Ma-
schinenbau beschäftigten, mit Eisenbahnbau, mit Minen- und Gru-
benarbeit; ferner die Arbeiter, die in der Agrikultur Viehzucht
treiben, chemische, mineralische Stoffe für den Dünger beschaffen
etc. Ferner die cultivateurs 2*), die Rohstoffe für die Industrie
bauen, im Verhältnis zu denen, die Lebensmittel produzieren; und
die, die Lebensmittel für das Vieh produzieren, im Verhältnis zu
denen, die sie für Menschen produzieren. W ä c h s t d a s
k o n s t a n t e K a p i t a l, s o d i e
v e r h ä l t n i s m ä ß i g e M a s s e d e r
G e s a m t a r b e i t, d i e m i t s e i n e r
R e p r o d u k t i o n b e s c h ä f t i g t i s t. Nichtsde-
stoweniger produziert der Teil, der unmittelbar Lebensmittel pro-
duziert, obgleich seine Anzahl gefallen, ¦¦368¦ mehr Produkte wie
früher. Seine Arbeit ist produktiver. W i e i m
e i n z e l n e n K a p i t a l d i e A b n a h m e d e s
v a r i a b l e n T e i l s d e s K a p i t a l s g e g e n
d a s k o n s t a n t e direkt als Abnahme des in Arbeitslohn
ausgelegten Teils des Kapitals erscheint, muß für die Gesamtmasse
des Kapitals - in der R e p r o d u k t i o n desselben - sich
dies so darstellen, daß ein verhältnismäßig größrer Teil der an-
gewandten Arbeitsmasse mit der Reproduktion der Produktionsmittel
als mit der der Produkte selbst beschäftigt ist, also mit der Re-
produktion von Maschinerie (Kommunikations-, Transportmittel und
Gebäulichkeiten eingeschlossen), der matières instrumentales 3*)
(Kohlen etc.) (Gas,) (Öl, usw. Talg,) (Riemen usw.), der Pflan-
zen, die den Rohstoff der Industrieprodukte bilden. Die Agrikul-
turarbeiter werden verhältnismäßig gegen die Manufakturarbeiter
abnehmen. Endlich werden sich die Luxusarbeiter vermehren, da die
Revenue, die gestiegen ist, mehr Luxusprodukte konsumiert.}
{Das variable Kapital löst sich in Revenue auf, erstens Salair,
zweitens Profit. Wird daher Kapital im Gegensatz zur Revenue auf-
gefaßt, so erscheint das konstante Kapital als e i g e n t-
l i c h e s Kapital, als der Teil des Gesamtprodukts, der der
Produktion gehört und in die Produktionskosten eingeht, ohne von
irgend jemand individuell konsumiert zu werden (das Arbeitsvieh
ausgenommen). Dieser Teil mag ganz stammen aus Profit und Salair.
In letzter Analyse kann er nie daher allein stammen; er ist
Produkt der Arbeit, aber einer Arbeit, die das
Produktionsinstrument selbst als Revenue betrachtete, wie der
Wilde den Bogen. Einmal aber in capital constant verwandelt, hört
dieser Teil des Produkts auf, sich in Salair oder
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1*) Mittelsmänner - 2*) Landwirte - 3*) Hilfsstoffe
#191# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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Profit aufzulösen, obgleich seine Reproduktion Salair und Profit
abwirft. Diesem Teil gehört ein Teil des Produkts. Jedes folgende
Produkt ist das Produkt dieser vergangnen Arbeit und der gegen-
wärtigen. Die letztre kann nur fortgesetzt werden, soweit sie
einen Teil des Gesamtprodukts der Produktion wiedergibt. Sie muß
das konstante Kapital i n n a t u r a ersetzen. Wird sie pro-
duktiver, so ersetzt sie das Produkt, aber nicht seinen Wert,
verringert diesen post festum. Wird sie unproduktiver, so erhöht
sie seinen Wert. In dem einen Fall fällt der aliquote Teil, den
die vergangne Arbeit aus dem Gesamtprodukt zieht, in dem andren
steigt 1*) er. In dem einen Fall wird die lebendige Arbeit pro-
duktiver, in dem andren unproduktiver.}
{Unter den Umständen, die die Kosten des c a p i t a l
c o n s t a n t erniedrigen, befindet sich auch die Veredlung
der Rohstoffe. Z.B., es ist nicht möglich, dasselbe Quantum Twist
in derselben Zeit aus guter wie aus schlechter Baumwolle zu ma-
chen, von der relativen Masse von Abfällen etc. ganz abgesehn. So
die Wichtigkeit bei der Qualität des Samens etc.}
{Als Beispiel die K o m b i n a t i o n, wo ein Fabrikant einen
Teil seines frühren capital constant selbst fabriziert oder dem
Rohprodukt, das früher als capital constant aus seiner Produkti-
onssphäre in eine zweite trat, jetzt selbst die zweite Form gibt
- was immer nur auf eine Konzentration von Profiten hinausläuft,
wie vorhin gezeigt 2*). Beispiel von dem ersten: Verbindung von
Spinnerei und Weberei. B e i s p i e l v o m 2 t e n: die Mi-
nenbesitzer bei Birmingham, die den ganzen Prozeß der Eisenberei-
tung übernahmen, der sich früher an verschiedne Unternehmer und
Besitzer verteilte.}
Ganilh fährt fort:
"Solange die Arbeitsteilung nicht in allen Arbeitszweigen einge-
führt ist, solange nicht alle Klassen der schwerarbeitenden und
fleißigen Bevölkerung auf der Höhe der Vollkommenheit angelangt
sind, bewirkt die Erfindung und Anwendung der Maschinen in man-
chen Industrien nur ein Abfließen der von der Maschine freige-
setzten Kapitalien und Arbeiter in andere Arbeitszweige, die sie
nutzbringend verwenden können. Aber wenn alle Arbeitszweige das
Kapital und die Arbeiter haben, deren sie bedürfen, so ist es
klar, daß jede weitere Verbesserung, jede neue Maschine, welche
die Arbeit abkürzen, notwendigerweise die arbeitende Bevölkerung
verringern; und da ihre Verringerung die Produktion nicht vermin-
dert, bildet der Teil, der disponibel bleibt, entweder einen Zu-
wachs des Kapitalprofits oder der Grundrente; daher ist die na-
türliche und notwendige Wirkung der Maschinen die Vengerung der
Bevölkerung in den lohnarbeitenden Klassen, die vom Bruttoprodukt
leben, und die Vermehrung der Bevölkerung in jenen Klassen, die
vom Nettoprodukt leben." (l.c.p. 212.)
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1*) In der Handschrift: fällt - 2*) siehe vorl. Band, S. 111
#192# Viertes Kapitel
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¦¦369¦ "D i e V e r s c h i e b u n g i n d e r
B e v ö l k e r u n g s z u s a m m e n s e t z u n g e i n e s
L a n d e s, e i n e n o t w e n d i g e F o l g e d e r
F o r t s c h r i t t e i n d e r I n d u s t r i e, ist die
wahre Ursache des Gedeihens, der Macht und der Zivilisation der
modernen Völker. Je mehr die unteren Klassen der Gesellschaft an
Zahl abnehmen, um so weniger braucht die Gesellschaft sich wegen
der Gefahren zu beunruhigen, womit die Not, die Unwissenheit, die
Leichtgläubigkeit und der Aberglaube dieser unglücklichen Klassen
sie unaufhörlich bedroht. Je mehr die oberen Klassen sich vermeh-
ren, um so mehr Untertanen hat der Staat zu seiner Verfügung, de-
sto stärker und mächtiger ist er, desto mehr Aufklärung, Vernunft
und Zivilisation herrscht in der ganzen Bevölkerung." (l.c.p.
213.)
{Say läßt in folgender Art la totalité de la valeur du produit se
résoudre en revenu 1*): In der Übersetzung des Constancio des Ri-
cardo, ch. 26, sagt er in einer Note:
"Die Nettorevenue eines Privatmannes besteht aus d e m
W e r t e d e s P r o d u k t s, zu dessen Produktion er bei-
getragen hat... abzüglich seiner Auslagen. Aber da seine Auslagen
T e i l e e i n e r R e v e n u e sind, die er anderen gezahlt
hat, h a t d e r G e s a m m t w e r t d e s P r o d u k t s
d a z u g e d i e n t, R e v e n u e n z u z a h l e n. Die
Gesamtrevenue einer Nation besteht aus dem Bruttoprodukt, das
heißt dem Bruttowert aller ihrer Produkte, die sich unter die
Produzenten verteilen." [72]
Der letztre Satz wäre richtig so ausgedruckt: Le revenu total
d'une nation se compose de cette partie de son produit brut,
c'est-à-dire de la valeur brute de tous les produits qui se dis-
tribuent comme revenus entre les producteurs, c'est-à-dire moins
cette portion de tous les produits qui chaque branche d'industrie
avaient remplacés les moyens des productions. 2*) Aber so ausge-
druckt, höbe der Satz sich selbst auf.
Say fährt fort:
"Dieser Wert wurde, nach mehreren Austauschvorgängen, im Laufe
des Jahres, das ihn entstehen sah, gänzlich konsumiert werden,
ohne aufzuhören, immer noch die Revenue der Nation zu sein;
ebenso wie ein Privatmann, der eine jährliche Revenue von 20[000]
frs. hat, nicht aufhört, eine Revenue von 20 000 frs. zu haben,
obwohl er sie jedes Jahr ganz verzehrt. Seine Revenue besteht
nicht bloß aus seinen Ersparnissen."
Son revenu ne se compose jamais de ses épargnes, quoique ses
épargnes se composent touiours de ses revenus. Pour prouver
qu'une nation peut annuellement manger et son capital et son re-
venu, Say la compare à un particulier qui laisse intacte son ca-
pital et ne mange annuellement que son
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1*) den Gesamtwert des Produkts sich in Revenue auflösen - 2*)
Die Gemmtrevenue einer Nation besteht aus dem Teil ihres Brutto-
produkts, das heißt aus dem Bruttowert aller Produkte, die sich
als Revenuen unter die Produzenten verteilen, das heißt abzüglich
des Teils aller Produkte, die in jedem Industriezweig die Produk-
tionsmittel zu ersetzen hatten.
#193# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
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revenu 1*). Si ce particulier mangeait dans un seule année et son
capital de 200 000 frs. et le revenu de 20 000, il n'aurait rien
à manger l'an après. Si tout le capital d'une nation, et consdé-
quement toute la valeur brute de ses produits, se resolvait en
revenus, Say aurait raison. Le particulier mange ses 20000 frs.
de revenu. Ses 200 000 frs. de capital, qu'il ne mange pas, se
seraient composés des revenus d'autres particuliers, dont chacun
mange sa part, et ainsi, au bout de l'année, tout le capital se-
rait mangé. Mais il serait reproduit pendant qu'il est mangé et
ainsi remplacé? Mais le particulier en question réproduit annuel-
lement son revenu de 20 000 frs. parce qu'il n'a pas mangé son
capital de 200 000 frs. Les autre sont mangé ce capital. Donc ils
n'ont pas de capital de quoi réproduire du revenu. 2*)}
"Nur das N e t t o p r o d u k t", sagt Ganilh, und jene, die
es konsumieren, bilden seinen" (de l'état 3*) "Reichtum und
seine Macht und tragen zu seinem Gedeihen, seinem Ruhm und seiner
Größe bei." (l.c.p. 218.)
Ganilh zitiert ferner von Says Noten zu Const[ancios] Übersetzung
Ricardos zum ch. 26, wo letztrer sagt, daß, wenn ein Und = 12
Millionen, es vorteilhafter für seinen Reichtum, wenn 5 Millionen
produktive Arbeiter für die 12 Mill., als wenn 7 Mill. produktive
Arbeiter für die 12 Mill. arbeiten. Im ersten Fall besteht das
produit net aus dem surplus produce, wovon die 7 Millionen, die
nicht produktiv sind, leben, im andren aus einem sur. plus pro-
duce für 5 Mill. Say bemerkt hierzu:
"Das erinnert sehr an die Lehre der Ökonomisten [22] des 18.
Jahrhunderts, die behaupteten, die Manufakturen dienten dem
Reichtum des Staates in keiner Weise, da die
l o h n a r b e i t e n d e K l a s s e, die ebensoviel ¦¦370¦
Wert konsumiere, wie sie produziere, nichts zu ihrem berühmten
Nettoprodukt beitrage."
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1*) In der Handschrift: capital - 2*) Seine Revenue besteht nie-
mals aus seinen Ersparnissen, obwohl seine Ersparnisse immer aus
seiner Revenue bestehen. Um zu beweisen, daß eine Nation jährlich
sowohl ihr Kapital als auch ihre Revenue verzehren kann, ver-
gleicht Say sie mit einem Privatmann, der sein Kapital unberührt
läßt und jährlich nur seine Revenue verzehrt. Wenn dieser Privat-
mann in einem einzigen Jahr sowohl sein Kapital von 200 000 frs.
als auch seine Revenue von 20 000 frs. verzehrte, hätte er im
nächsten Jahre nichts zu verzehren. Wenn das ganze Kapital einer
Nation und folglich der ganze Bruttowert ihrer Produkte in Reve-
nuen auflöste, dann hätte Say recht. Der Privatmann verzehrt
seine 20 000 frs. Revenue. Seine 200 000 frs. Kapital, die er
nicht verzehrt, bestanden aus den Revenuen anderer Privatleute,
von denen jeder seinen Teil verzehrt, und so wäre am Jahresende
das ganze Kapital verzehrt. Aber würde es nicht reproduziert,
während es verzehrt wird, und so ersetzt? Aber der fragliche Pri-
vatmann reproduziert jährlich seine Revenue von 20 000 frs., weil
er sein Kapital von 200 000 frs. nicht verzehrt hat. Die anderen
haben dieses Kapital verzehrt. Sie haben also kein Kapital. um
Revenue zu produzieren. - 3*) des Staates
#194# Viertes Kapitel
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Ganilh bemerkt hierzu (p. 219, 220):
"Es ist nicht leicht, eine Beziehung zwischen dieser Behauptung
der Ökonomisten, d i e i n d u s t r i e l l e K l a s s e
k o n s u m i e r e e b e n s o v i e l W e r t, w i e s i e
p r o d u z i e r e, und der Lehre Ricardos zu entdecken, d e r
A r b e i t s l o h n k ö n n e n i c h t z u r R e v e n u e
e i n e s S t a a t e s g e r e c h n e t w e r d e n."
G[anilh] trifft auch hier nicht die Sache. Die économistes irren
darin, daß sie die manufacturiers 1*) nur als classes salariées
2*) betrachten. Dieses unterscheidet sie von Ricardo. Ferner ir-
ren sie darin, daß sie glauben, die salariés 3*) produzierten,
was sie konsumierten. Das Richtige, was Ricardo sehr wohl gegen
sie weiß, daß sie es sind, die das produit net produzieren, aber
grade dadurch produzieren, que leur consornmation, c'est-à-dire
leur salaire, est egal, non à leur temps de travail, mais au
temps de travail qu'ils ont mis à produire ce salaire 4*); oder,
daß sie nur einen ihrer notwendigen Konsumtion gleichen Teil von
ihrem Produkt empfangen, oder nur soviel von ihrem eignen Produkt
empfangen, als ein Äquivalent ihrer eignen notwendigen consomma-
tion ist. Die économistes nahmen an, daß die ganze classe indu-
strielle (maitres et ouvriers) 5*) sich in dieser Position be-
finde. Nur die Rente galt ihnen als Überschuß der Produktion über
die salaires. Daher als der einzige Reichtum. Wenn Ricardo nun
sagt, profits und rentes bilden diesen Überschuß, daher den ein-
zigen Reichtum, so stimmt er, trotz seines Unterschieds von den
Physiokraten, darin mit ihnen überein, daß nur das produit net,
das Produkt, worin die surplus value existiert, den nationalen
Reichtum bildet, obgleich er die Natur dieses surplus besser ver-
steht. Auch bei ihm ist es nur der Teil der Revenue, der Über-
schuß über das salaire ist. Was ihn von den Ökonomisten unter-
scheidet, ist nicht die Erklärung des produit riet, sondern die
Erklärung des salaire, unter welche Kategorie die Ökonomisten
fälschlich auch die profits subsumieren.
Say bemerkt ferner gegen Ricardo:
"Von sieben Millionen vollbeschäftigter Arbeiter gäbe es mehr Er-
sparnisse als von fünf Millionen."
G[anilh] bemerkt dagegen richtig.
"Das heißt annehmen, daß E r s p a r n i s s e a u s
L ö h n e n d e r E r s p a r n i s vorzuziehen sind, d i e
d e r A b s c h a f f u n g v o n L ö h n e n
e n t s p r i n g t... Es wäre absurd, für 400 Millionen Löhne
solchen Arbeitern auszuzahlen, die kein Nettoprodukt liefern, nur
um ihnen
-----
1*) Manufakturisten - 2*) besoldete Klassen - 3*) Lohnarbeiter -
4*) daß ihr Konsum, das heißt ihr Arbeitslohn, gleich ist nicht
ihrer Arbeitszeit, sondern jener Arbeitszeit, die sie brauchen,
um diesen Arbeitslohn zu produzieren - 5*) industrielle Klasse
(Unternehmer und Arbeiter)
#195# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
die Gelegenheit und das Mittel zu geben, Ersparnisse aus ihren
Arbeitslöhnen zu machen." (l.c.p. 221.)
"Bei jedem Schritt, den die Zivilisation vorwärts macht, wird die
Arbeit weniger hart und mehr produktiv; die Klassen, die dazu
verdammt sind, zu produzieren und zu konsumieren, vermindern
sich, und die Klassen, die die Arbeit leiten, die ganze Bevölke-
rung unterstützen (!), trösten (!) und aufklären, vermehren sich,
w e r d e n z a h l r e i c h e r u n d e i g n e n s i c h
a l l e V o r t e i l e a n, d i e s i c h a u s d e r
V e r r i n g e r u n g d e r A r b e i t s k o s t e n, dem
Überfluß an Waren und dem niedrigen Preis der Konsumgüter
e r g e b e n. Auf diese Weise erhebt sich das Menschenge-
schlecht... Durch diese fortschreitende Tendenz der Verminderung
der unteren Klassen und des Anwachsens der oberen Klassen der Ge-
sellschaft... wird die bürgerliche Gesellschaft glücklicher,
mächtiger usw." (l.c.p. 224.) "Wenn... die Zahl der beschäftigten
Arbeiter 7 Millionen beträgt, werden sich die Löhne auf 1400
Millionen belaufen; aber wenn die 1400 Millionen kein größeres
Nettoprodukt liefern als die Milliarde, die den fünf Millionen
Arbeitern gezahlt wird, dann w ü r d e d i e w a h r e
E r s p a r n i s i n d e r A b s c h a f f u n g d e r
4 0 0 M i l l i o n e n L ö h n e f ü r z w e i M i l l i o-
n e n A r b e i t e r b e s t e h e n, d i e k e in N e t-
t o p r o d u k t l i e f e r n, und nicht in den Ersparnissen,
die die zwei Millionen Arbeiter aus ihren 400 Millionen Löhnen
machen könnten." (l.c.p. 221.)
Im 26. Kapitel bemerkt Ricardo:
"A. Smith übertreibt stets die Vorteile, die ein Land aus einer
großen Bruttorevenue zieht, im Vergleich zu den Vorteilen einer
großen Nettorevenue... Was für ein Vorteil würde wohl für ein
Land aus der Anwendung einer großen Menge produktiver Arbeit ent-
springen, wenn seine Revenue und seine Profite dieselben blieben,
ob nun diese Arbeitsmenge oder eine geringere angewendet würde?"
Ob eine Nation 5 oder 7 Millionen produktiver Arbeiter anwendet,
¦¦371¦ um das revenue net zu produzieren, wovon 5 andre Millionen
leben,... die Nahrung und die Kleidung dieser fünf Millionen Men-
schen würde immer noch die Nettorevenue sein. Die Anwendung einer
größeren Menschenzahl würde uns weder in den Stand setzen, unsere
Armee oder unsere Flotte auch nur um einen Mann zu vermehren,
noch eine Guinee mehr zu den Steuern beizutragen." (l.c.p. 215.)
[73]
Dies erinnert an die alten Deutschen, von denen ein Teil abwech-
selnd ins Feld zog und der andre das Feld bestellte. Je geringer
die Quantität war, die unerläßlich war, um das Feld zu bestellen,
desto größer die, die ins Feld ziehn konnte. Es hätte ihnen
nichts genützt, wäre die Zahl des peuple um 1/3 größer gewesen,
statt 1000 1500, wenn nun 1 000 nötig gewesen wären, um das Feld
zu bestellen, wo früher 500. Ihre disponible Mannschaft hätte
nach wie vor nur aus 500 Mann bestanden. Hätte sich dagegen die
Produktivkraft ihrer Arbeit vermehrt, so daß 250 genügten, um das
Feld zu bestellen, so hätten von den 1000 750 ins Feld ziehn
können, während unter den umgekehrten Umständen von den 1500 nur
500.
#196# Viertes Kapitel
-----
Es ist hier erstens zu bemerken, daß Ricardo unter revenu net
oder produit net nicht den Überschuß des Gesamtprodukts über den
Teil desselben versteht, der der Produktion als Produktionsmit-
tel, Rohstoff oder Instrument, wiedergegeben werden muß. Er teilt
vielmehr die falsche Ansicht, daß das produit brut sich in revenu
brut auflöst. Unter produit net oder revenu net versteht er den
Surpluswert, den Überschuß der Gesamtrevenu über den Teil dersel-
ben, der aus salaires, aus der Revenue des Arbeiters, besteht.
Diese revenu des Arbeiters ist aber gleich dem variablen Kapital,
dem Teil des zirkulierenden Kapitals, den er beständig konsumiert
und beständig reproduziert, als den Teil seiner Produktion, den
er selbst konsumiert.
Wenn Ricardo die capitalistes nicht rein als nutzlos betrachtet,
also sie selbst als Produktionsagenten, und daher einen Teil
ihres Profits in salaire auflöst, so muß er von dem revenu net
einen Teil ihrer Revenue abziehn und auch die Zahl dieser Perso-
nen nur soweit als dem Reichtum förderlich erklären, als ihr Sa-
lair einen möglichst kleinen Teil ihres Profits bildet. Sei dem
wie ihm wolle, als Produktionsagenten gehört wenigstens ein Teil
ihrer Zeit als fixture 1*) der Produktion selbst. Und soweit sind
sie nicht verwendbar für andre Zwecke der Gesellschaft oder auch
des Staats. Je mehr freie Zeit ihnen ihre Beschäftigung als mana-
gers der Produktion läßt, um so mehr ist ihr Profit unabhängig
von ihrem Salair. Im Gegensatz zu ihnen sind die Kapitalisten,
die nur von ihren Zinsen leben, ditto der Grundrentner persönlich
ganz zur Verfügung, und kein Teil ihrer Einnahme geht in die Pro-
duktionskosten ein, außer der Teil, der zur Reproduktion ihrer
eignen werten Person verwandt wird. Ricardo müßte also ebenfalls
im Interesse d e s S t a a t s ein Wachstum der Rente (des
reinen revenu net) auf Kosten der Profite wünschen, was keines-
wegs seine Ansicht ist. Und warum nicht? Weil es der Akkumulation
der Kapitalien schadet oder - was identisch ist z.T. -, weil es
die Masse der unproduktiven Arbeiter auf Kosten der produktiven
vermehrt.
Ricardo teilt ganz A. Smiths Unterscheidung von produktiver und
un. produktiver Arbeit, soweit erstre direkt mit Kapital, letztre
direkt mit Revenue ihre Arbeit austauscht. Aber er teilt nicht
mehr Smiths Zärtlichkeit für und Illusion über die produktiven
Arbeiter. Es ist ein Pech, ein produktiver Arbeiter sein. Ein
produktiver Arbeiter ist ein Arbeiter, der f r e m d e n
Reichtum produziert. Nur als solches Produktionsinstrument für
fremden Reichtum hat seine Existenz einen Sinn. Kann also die-
selbe Quantität fremden Reichtums mit einer geringren Anzahl pro-
duktiver Arbeiter formiert
-----
1*) Bestandteil
#197# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
werden, so ist die suppression 1*) dieser produktiven Arbeiter am
Platz. Vos, non vobis. [74] Übrigens versteht Ricardo diese
s u p p r e s s i o n nicht wie Ganilh, daß durch die bloße sup-
pression die Revenue vermehrt und d a s s e l b e a l s
R e v e n u e, w a s f r ü h e r a l s c a p i t a l v a-
r i a b l e (also in der Form der Salaire), aufgezehrt würde.
Mit der verminderten Anzahl der produktiven Arbeiter fällt weg
die Quantität des Produkts, die die weggestrichne Anzahl selbst
konsumierte und selbst produzierte, das Äquivalent für diese
Anzahl. Ricardo unterstellt nicht wie Ganilh, daß nach wie vor
dieselbe Masse Produkte produziert werde; sondern dieselbe Masse
produit net. Verzehrten die Arbeiter 200 und war ihr surplus =
100, so war das Gesamtprodukt = 300 und das Surplus = 1/3 = 100.
Verzehren die Arbeiter 100 und ist ihr surplus = 100 nach wie
vor, so das Gesamtprodukt = 200 und das Surplus = 1/3 = 100. Das
Gesamtprodukt wäre um 1/3 gefallen, um das von den 100 Arbeitern
verzehrte Produkt, das produit ¦¦372¦ net d a s s e l b e
geblieben, Weil 200/2 gleich 300/3. Ricardo ist daher gleichgül-
tig gegen die Masse des produit brut, pourvu que cette portion du
produit brut qui constitue le produit riet reste la même ou
s'accroît, dans tous les cas ne diminue point 2*).
So sagt er [75]:
"Es wäre durchaus gleichgültig für eine Person, die auf ein Kapi-
tal von 20 000 l. einen Profit von 2000 l. jährlich macht, ob ihr
Kapital 100 oder tausend Menschen beschäftigt, ob ihre Produkte
sich zu 10000 l. oder zu 20000 l. verkaufen, immer vorausgesetzt,
daß ihre Profite keinesfalls unter 2000 l. fallen." [76] ¦VIII-
372¦¦
*
¦¦IX-377¦ Die Stelle bei Ricardo (3 ed., p. 415, 416, 417) lautet
so (ch. XXVI):
"A. Smith übertreibt ständig die Vorteile, die ein Land viel eher
von einem hohen Brutto- als von einem hohen Nettoeinkommen hat"
(weil, sagt Adam, "die Menge produktiver Arbeit desto größer sein
wird, die es in Bewegung setzt")... "Worin besteht der Vorteil,
der sich für ein Land aus der Beschäftigung einer großen Menge
produktiver Arbeit ergibt, wenn, gleichgültig, ob es eine solche
oder eine kleinere Menge beschäftigt, seine Nettorente und sein
Profit zusammen dasselbe bleiben?"
{Dies heißt also nichts als: if the surplus value produced by a
greater quantity of labour would be the same as that produced by
a smaller
-----
1*) Abschaffung - 2*) Bruttoptodukts, vorausgesetzt, daß jener
Teil des Bruttoprodukts, der das Nettoprodukt bildet, derselbe
bleibt oder wächst, auf jeden Fall nicht abnimmt
#198# Viertes Kapitel
-----
quantity 1*). Dann aber heißt das wieder nichts, als daß es für
ein Land dasselbe, ob es große Anzahl Arbeiter bei geringrer Rate
des Surplus oder geringre Anzahl Arbeiter bei geringrer Rate des
Surplus oder geringre Anzahl bei größrer Rate anwendet. n x 1/2
ist ebensoviel wie 2n x 1/4, wo n die Anzahl [der Arbeiter], 1/2
und 1/4 die Surplusarbeit darstellen. Der "produktive Arbeiter"
an sich ist ein bloßes Produktionsinstrument für die Erzeugung
des surplus, und bei gleichem Resultat wäre eine größre Anzahl
dieser "produktiven Arbeiter" a nuisance 2*).}
"Für ein Individuum mit einem Kapital von 20000 l., dessen Pro-
fite 2000 l. jährlich betragen, wäre es ein durchaus gleichgültig
Ding, ob sein Kapital 100 oder 1000 Menschen beschäftigt, ob die
produzierten Waren sich zu 10 000 oder 20 000 l. verkaufen, immer
vorausgesetzt, daß seine Profite in allen Fällen nicht unter 2000
l fallen."
{Hat, wie aus einer spätem Stelle hervorgeht, einen ganz banalen
Sinn. Z.B. ein vine-merchant 3*), der 20 000 l. anwendet und
jährlich 12 000 l. im Keller liegen hat, 8000 aber zu 10 000 l.
verkauft, wendet wenig Leute an und macht 10 p.c. Profit. Und nun
gar Bankiers!}
"Ist das reale Interesse einer Nation nicht dasselbe?
V o r a u s g e s e t z t, i h r r e a l e s
N e t t o e i n k o m m e n, i h r e R e n t e n u n d
P r o f i t e b l e i b e n d i e s e l b e n, s o i s t e s
n i c h t v o n d e r g e r i n g s t e n
W i c h t i g k e i t, o b d i e N a t i o n a u s 1 0
o d e r 1 2 M i l l i o n e n E i n w o h n e r n
b e s t e h t."
"Ihre Fähigkeit, Flotten, Armeen und alle Arten unproduktiver Ar-
beit zu unterhalten"
(diese Stelle zeigt u.a., daß Ricardo A. Smiths Ansicht von pro-
ductive and unproductive labour, obgleich nicht mehr dessen illu-
sorische Zärtlichkeit für den productive labourer teilte),
"muß im Einklang mit ihrem Netto- und nicht mit ihrem Bruttoein-
kommen stehen. Wenn fünf Millionen Menschen soviel Nahrung und
Kleidung produzieren können, wie für 10 Millionen notwendig sind,
so bilden Nahrung und Kleidung für 5 Millionen das Nettoeinkom-
men. Wird es dem Lande irgendwie zum Vorteil gereichen, wenn sie-
ben Millionen Menschen f ü r d i e P r o d u k t i o n
d i e s e s N e t t o e i n k o m m e n s erforderlich sind,
d.h. daß sieben Millionen beschäftigt werden, um für 12 Millionen
Kleidung und Nahrung zu produzieren? Die Nahrung und Kleidung für
5 Millionen wird immer noch das Nettoeinkommen darstellen. Die
Beschäftigung einer größeren Anzahl Menschen ermöglicht uns we-
der, unsere Armee und Motte um einen Mann zu vermehren, noch eine
Guinea mehr Steuern abzuführen."
-----
1*) wenn der durch eine größere Arbeitsmenge produzierte Mehrwert
derselbe wäre wie der durch eine geringere Arbeitsmenge produ-
zierte - 2*) ein Schaden - 3*) Weinhändler
#199# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
Ein Land ist [um] so reicher, je geringer seine produktive Bevöl-
kerung v e r h ä l t n i s m ä ß i g zum Gesamtprodukt; ganz
wie für den einzelnen Kapitalisten, je weniger Arbeiter er
braucht, um dasselbe surplus zu erzeugen, tant mieux 1*) für ihn.
Das Land ist um so reicher, je geringer die produktive Bevölke-
rung im Verhältnis zur unproduktiven, bei derselben Quantität von
Produkten. Denn die verhältnismäßige Geringheit der produktiven
Bevölkerung wäre ja nur ein andrer Ausdruck für den verhältnismä-
ßigen Grad der Produktivität der Arbeit.
Einerseits ist es die Tendenz des Kapitals, die zur Produktion
der Ware nötige Arbeitszeit auf ein fallendes Minimum zu reduzie-
ren, also auch die Anzahl der produktiven Bevölkerung i m
V e r h ä l t n i s zur Masse des Produkts. Andrerseits aber ist
ihre 2*) Tendenz umgekehrt, zu akkumulieren, Profit in Kapital zu
verwandeln, möglichstes, Quantum fremder Arbeit anzueignen. Sie
sucht die Rate der notwendigen Arbeit herabzusetzen, aber zu der
gegebnen Rate ein möglichst großes Quantum produktiver Arbeit an-
zuwenden. Das Verhältnis der Produkte zur Bevölkerung dabei
gleichgültig. Korn und cotton 3*) können in Wein, Diamanten etc.
umgetauscht ¦¦378¦ werden, oder die Arbeiter können in produkti-
ver Arbeit verwandt werden, die nichts unmittelbar den Produkten
(konsumablen) zufügt (wie Eisenbahnbau etc.).
Wenn infolge einer Erfindung ein Kapitalist nur noch 10 000 l.,
statt wie bisher 20 000, in seinem Geschäft anwenden könnte, weil
die 10 000 genügten, und wenn sie ihm 20 p.c. abwürfen, statt 10,
also soviel wie die 20 000 früher, so wäre das kein Grund für
ihn, 10 000 l. als Revenue auszugeben, statt wie bisher als Kapi-
tal. (Von direkter Verwandlung von Kapital in Revenue eigentlich
nur bei Staatsanleihen die Rede.) Er würde sie anderswo placie-
ren; außerdem noch einen Teil seines Profits kapitalisieren.
Bei den Ökonomen (Ricardo z.T. eingerechnet) dieselbe Antinomie,
die in der Sache liegt. Die Maschinerie verdrängt Arbeit und ver-
mehrt die net revenue (namentlich stets das, was Ricardo hier net
revenue nennt, die Masse der Produkte, worin die Revenue verzehrt
wird); sie vermindert die Arbeiteranzahl und vermehrt die Pro-
dukte (die nun zum Teil von unproduktiven Arbeitern aufgegessen
werden, teils ausgetauscht außer Landes etc.). Dies wäre also das
Wünschenswerte. Aber nein. Dann soll bewiesen werden, daß sie die
Arbeiter nicht außer Brot wirft. Und wodurch wird das bewiesen?
Dadurch, daß sie nach einem shock (dem vielleicht die grad ge-
troffne Bevölkerungsschicht keinen Widerstand leisten kann) wie-
der mehr Leute beschäftigt, als vor ihrer Einführung beschäftigt
waren, also die Masse der
-----
1*) desto besser - 2*) der kapitalistischen Produktionsweise -
3*) Baumwolle
#200# Viertes Kapitel
-----
"produktiven Arbeiter" wieder vermehrt und das alte Mißverhältnis
wiederherstellt.
Das ist in der Tat der Gang. Und so könnte trotz der wachsenden
Produktivität der Arbeit die Arbeiterbevölkerung stets wachsen,
nicht im Verhältnis zum Produkt, das mit ihr und schneller
wächst, aber verhältnismäßig zur Bevölkerung, wenn z.B. gleich-
zeitig das Kapital sich konzentriert, also frühre Bestandteile
der produktiven Klassen ins Proletariat fallen. Ein kleiner Teil
des letztren steigt in die Mittelklasse. Die unproduktiven Klas-
sen aber sorgen dafür, daß nicht zuviel zu essen da ist. Die be-
ständige Rückverwandlung von Profit in Kapital stellt stets den-
selben Kreislauf auf breiterer Basis wieder her.
Und bei Ricardo die Angst für die Akkumulation noch größer wie
die für den riet profit, so daß der letztre als Mittel für die
Akkumulation eifrig bewundert wird. Daher auch die widersprechen-
den Ermahnungen und Tröstungen an die Arbeiter. Sie sind am mei-
sten interessiert an der Akkumulation des Kapitals, denn davon
hängt die Nachfrage nach ihnen ab. Steigt die Nachfrage, so
steigt der Preis der Arbeit. Sie müssen also die Herabsetzung des
Arbeitslohns selbst wünschen, damit das ihnen genommne Surplus,
wieder durch das Kapital filtriert, ihnen für neue Arbeit zukommt
und ihr Arbeitslohn steigt. Nun ist aber dies Steigen des Ar-
beitslohns schlecht, weil es die Akkumulation hemmt. Einerseits
müssen sie keine Kinder machen. Dadurch fällt die Zufuhr von Ar-
beit, steigt also ihr Preis. Aber ihr Steigen vermindert die Rate
der Akkumulation, vermindert also die Nachfrage nach ihnen und
macht die Arbeit fallen. Noch rascher, wie ihre Zufuhr abnimmt,
nimmt mit derselben das Kapital ab. Machen sie Kinder, so vermeh-
ren sie ihre eigne Zufuhr, vermindern den Preis der Arbeit, womit
die Profitrate wächst und damit die Akkumulation des Kapitals.
Aber ihre Bevölkerung soll pari passu 1*) gehn mit der Akkumula-
tion des Kapitals; d.h., die Arbeiterbevölkerung soll exakt in
der Masse sich vor finden, wie der Kapitalist sie braucht - was
sie ohnehin tut.
Herr Ganilh ist nicht ganz konsequent in seiner Bewunderung des
produit net. Er zitiert von Say:
"Ich bezweifle keineswegs, daß bei Sklavenarbeit der Überschuß
der Produkte über den Konsum größer ist als bei der Arbeit des
freien Menschen... Die Arbeit des Sklaven hat keine andere Grenze
als das Vermögen seiner Körperkraft... Der Sklave" (Und der freie
Arbeiter ditto) "a r b e i t e t f ü r e i n u n b e-
g r e n z t e s B e d ü r f n i s: d i e H a b g i e r s e i-
n e s H e r r n." (Say. 1e éd., p. 215, 216.)
-----
1*) gleichen Schrittes
#201# Theorien über produktive und unproduktive Arbeit
-----
¦¦379¦ Darauf bemerkt Ganilh:
"Der freie Arbeiter kann nicht mehr ausgeben und weniger produ-
zieren als ein Sklave... Jede Ausgabe setzt ein Äquivalent vor-
aus, das produziert wird, sie zu bezahlen. Wenn der freie Arbei-
ter mehr verausgabt als der Sklave, so müssen auch die Produkte
seiner Arbeit bedeutender sein als die der Arbeit des Sklaven."
(Ganilh, t. I, p. 234.)
Als ob die Größe des Salairs n u r von der Produktivität des
Arbeiters und nicht, bei gegebner Produktivität, von Verteilung
des Produkts zwischen ouvrier und maître abhinge.
"Ich weiß", fährt er fort, daß man mit einigem Recht sagen kann,
die E r s p a r n i s s e, d i e d e r H e r r a u f
K o s t e n d e s A r b e i t e r s m a c h t" (hier also doch
économies sur le salaire de l'esclave 1*)), dienen dazu, seine
persönlichen Ausgaben zu erhöhen usw.... Aber für den allgemeinen
Reichtum ist es vorteilhafter, wenn in allen Klassen der Gesell-
schaft Wohlstand herrscht, als übermäßiger Reichtum bei einer
kleinen Anzahl von Personen." (p. 234, 235.)
Wie paßt das zum produit riet? Übrigens nimmt Herr G[anilh] so-
fort seine liberalen Tiraden zurück (l.c.p. 236, 237). Er will
die Nigger-Sklaverei für die Kolonien. Er ist bloß so liberal,
sie nicht in Europa wieder einfuhren zu wollen, nachdem er sich
klargemacht, daß die freien Arbeiter hier Sklaven sind, nur vor-
handen, um das produit riet für Kapitalisten, landlords und ihre
retainers 2*) zu produzieren.
"Er" (Quesnay) "bestreitet entschieden, daß die Ersparnisse der
lohnarbeitenden Klassen die Fähigkeit haben, die Kapitalien zu
vermehren; als Grund hierfür gibt er an, daß diese Klassen keine
Möglichkeit haben sollten, Ersparnisse zu machen. Hätten sie
einen Ü b e r s c h u ß, so könnte er nur von einem Irrtum, ei-
ner Unordnung in der gesellschaftlichen Wirtschaft herrühren.
(l.c.p. 274.)
Als Beweis zitiert Ganilh folgende Stelle von Quesnay:
"Wenn die sterile Klasse spart, um ihr bares Geld zu vermeh-
ren..., werden ihre Arbeiten und ihre Arbeiten und Gewinne im
gleichen Verhältnis abnehmen, und sie wird in Verfall geraten."
("Physiocratie", p. 321.)
Der Esel! Versteht Quesnay nicht.
Herr Ganilh setzt den Schlußstein auf in folgendem Satze:
"Je bedeutender sie" (les salaires) "sind, um so geringer ist die
Revenue der Gesellschaft" (die société 3*) steht auf ihnen, aber
sie stehn nicht in der société), und die ganze Kunst der Regie-
rungen muß darauf gerichtet sein, die Masse [der Arbeitslöhne]
-----
1*) Ersparnisse aus dem Lohn des Sklaven - 2*) Dienstleute - 3*)
Gesellschaft
#202# Viertes Kapitel
-----
zu verringern." (l.c.p. 24, t. II.)... "E i n e A u f g a b e...
w ü r d i g d e s a u f g e k l ä r t e n J a h r h u n-
d e r t s, i n d e m w i r l e b e n." (t. II, p. 24.)
Es sind nun noch über produktive und unproduktive Arbeit kurz zu
besichtigen Lauderdale (die faden Späße Broughams sind danach
überflüssig), (Ferrier?), Tocqueville, Storch, Senior und Rossi.
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