Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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#285# Abschweifung . Tableau Économique nach Quesnay
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[1. Zirkulation zwischen Pächter und Grundeigentümer
Rückströmen des Geldes zum Pächter, wobei keine Reproduktion
stattfindet]
Der Pächter zahlt zunächst in Geld 2000 Millionen frs. an den
landlord, propriétaire. Dieser kauft damit vom Pächter für 1000
Millionen Lebensmittel. Fließen also zum Pächter zurück 1000 Mil-
lionen in Geld, während über 1/5 des produit brut disponiert ist,
das aus der Zirkulation definitiv in die Konsumtion fällt. Ferner
kauft der Landlord für 1000 Millionen in Geld 1000 Millionen Ma-
nufakturwaren, nichtagrikole Produkte. Damit fällt ein zweites
1/5 der (jetzt façonnierten) produits aus der Zirkulation in die
Konsumtion. Diese 1000 Millionen Geld nun in der Hand der classe
stérile, die damit Lebensmittel für 1000 Millionen vom Pächter
kauft. Die zweiten 1000 Millionen, die der Pächter an den
landlord gezahlt hat, in der Form der Rente, fließen damit zu ihm
zurück. Andrerseits ist ein andres 1/5 seines Produkts der classe
stérile anheimgefallen, aus der Zirkulation in die Konsumtion. Am
Ende dieser ersten Bewegung also haben wir die 2000 Millionen
Geld wieder in der Hand des Pächters. Sie haben viererlei Zirku-
lationsprozesse verrichtet.
E r s t e n s dienten sie als Zahlungsmittel der Rente. In die-
ser fonction zirkulieren sie keinen Teil des jährlichen Produkts,
sondern sind nur zirkulierende Anweisung auf den der Rente glei-
chen Teil des produit brut.
Z w e i t e n s. Mit einer Hälfte der 2000 Millionen, mit 1000
Millionen kauft der propriétaire Lebensmittel vom Pächter, reali-
siert also seine 1000 Millionen in Lebensmitteln. Der Pächter er-
hält in den 1000 Millionen Geld in fact bloß die Hälfte der An-
weisung zurück, die er dem landlord auf 2/5 seines Produkts gege-
ben hat. Diesmal zirkulieren die 1000 Millionen, da sie als Kauf-
mittel dienen, Ware zu ihrem Betrag, die in die definitive Kon-
sumtion fällt. Dem landlord dienen die 1000 Millionen hier nur
als K a u f m i t t e l; er rückverwandelt das Geld in Ge-
brauchswert (Ware, die aber in die definitive Konsumtion geht,
die als Gebrauchswert gekauft wird).
Betrachten wir bloß den vereinzelten Akt, so spielt das Geld für
den Pächter hier nur die Rolle, die es als Kaufmittel stets für
den Verkäufer spielt, nämlich die verwandelte Form seiner Ware zu
sein. Der landlord hat seine 1000 Millionen Geld in Getreide, der
Pächter hat Getreide zum Preis [von] 1000 Millionen in Geld ver-
wandelt, den Preis realisiert.
#286# Sechstes Kapitel
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Betrachten wir aber diesen Akt im Zusammenhang mit dem vorherge-
henden Zirkulationsakt, so erscheint das Geld hier nicht als
bloße Metamorphose der Ware des Pächters, nicht als goldnes Äqui-
valent seiner Ware. Diese 1000 Millionen Geld sind ja nur eine
Hälfte der 2000 Millionen Geld, die der Pächter dem ¦¦423¦
landlord in der Form der Rente gezahlt hat. Er erhält für 1000
Millionen in Ware zwar 1000 Millionen in Geld, aber e r
k a u f t d a m i t i n d e r T a t n u r d a s G e l d
z u r ü c k, w o r i n e r d e m l a n d l o r d d i e
R e n t e z a h l t e, o d e r d e r L a n d l o r d
k a u f t m i t 1 0 0 0 M i l l i o n e n, d i e e r v o m
P ä c h t e r e r h a l t e n h a t, 1 0 0 0 M i l l i o-
n e n W a r e v o m P ä c h t e r. E r z a h l t d e m
P ä c h t e r m i t d e m v o m P ä c h t e r o h n e
Ä q u i v a l e n t 1*) erhaltnen Geld.
Dies Rückströmen des Geldes zum Pächter läßt es d'abord 2*), im
Zusammenhang mit dem ersten Akt, nicht als einfaches Zirkulati-
onsmittel für ihn erscheinen. Dann aber ist es wesentlich
verschieden vom Rückströmen des Gelds zum Ausgangspunkt, soweit
diese Bewegung einen Reproduktionsprozeß ausdrückt.
Zum Beispiel: Der Kapitalist oder, um das Charakteristische der
kapitalistischen Reproduktion ganz wegzulassen, ein Produzent
legt 100 l. aus in Rohmaterial, Arbeitsinstrument und Lebensmit-
tel für die Zeit, während er arbeitet. Wir wollen voraussetzen,
daß er den Produktionsmitteln nicht mehr Arbeit hinzufügt, als er
in den Lebensmitteln, seinem sich selbst gezahlten Salair, ausge-
legt hat. War das Rohmaterial etc. = 80 l., die aufgezehrten Le-
bensmittel = 20 l. und die zugesetzte Arbeit ditto = 20 l., so
ist das Produkt = 100 l. Verkauft er dasselbe wieder, so strömen
ihm die 100 l. in Geld zurück usf. Dies Rückströmen des Geldes zu
seinem Ausgangspunkt drückt hier nichts aus als die beständige
Reproduktion. Die bloße Metamorphose hier G-W-G, Verwandlung von
Geld in Ware und Rückverwandlung von Ware in Geld - dieser bloße
Wechsel der Formen Ware und Geld stellt hier zugleich den Repro-
duktionsprozeß dar. Verwandlung des Geldes in Waren -
P r o d u k t i o n s m i t t e l und Lebensmittel; ferner das
Eingehn dieser Waren als Elemente in den Arbeitsprozeß, ihr Her-
auskommen aus demselben als Produkt; so Ware wieder als Resultat
des Prozesses, sobald nämlich das fertige Produkt wieder in den
Zirkulationsprozeß eingeht und damit wieder als Ware dem Geld ge-
genübertritt und schließlich seine Rückverwandlung in Geld, da
die fertige Ware nur wieder gegen ihre Produktionselemente ausge-
tauscht werden kann, sobald sie sich vorher in Geld verwandelt
hat.
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1*) In der Handschrift ist die hier kursiv gegebene Textstelle
mit Bleistift unterstrichen - 2*) zunächst
#287# Abschweifung . Tableau Économique nach Quesnay
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Das beständige Rückströmen des Geldes zu seinem Ausgangspunkt
drückt hier nicht nur die formelle Verwandlung von Geld in Ware
und Ware in Geld aus - wie sie sich im einfachen Zirkulationspro-
zeß darstellt oder im bloßen Warenaustausch -, s o n d e r n
z u g l e i c h d i e b e s t ä n d i g e R e p r o d u k-
t i o n d e r W a r e a u f s e i t e n d e s s e l b e n
P r o d u z e n t e n. 1*) Der Tauschwert (Geld) wird gegen
Waren verwandelt, die in die Konsumtion eingehn, als Gebrauchs-
werte vernutzt werden, aber [eingehn] in die reproduktive oder
industrielle Konsumtion, daher den ursprünglichen Wert
wiederherstellen und daher in d e r s e l b e n Geldsumme (beim
obigen Beispiel, wo der Produzent nur arbeitet für seinen
Lebensunterhalt) sich wieder darstellen. G-W-G zeigt hier an, daß
G sich nicht nur formell in W verwandelt, sondern W wirklich als
Gebrauchswert konsumiert wird, aus der Zirkulation in die
Konsumtion fällt, aber in die industrielle Konsumtion, so daß
sein Wert sich in der Konsumtion erhält und reproduziert, daher G
wieder am Ende des Prozesses zum Vorschein kommt, sich erhält in
der Bewegung G-W-G.
Dagegen in dem obigen Rückströmen des Geldes vom landlord zum
Pächter findet kein Reproduktionsprozeß statt. Es ist, als hätte
der Pächter dem landlord Marken oder tickets für 1000 Millionen
Produkte gegeben. Sobald der landlord diese tickets auslöst,
strömen sie zum Pächter zurück, löst dieser sie wieder ein. Hätte
der landlord sich die Hälfte der Rente gleich in natura zahlen
lassen, so hätte gar keine Geldzirkulation stattgefunden. Die
ganze Zirkulation hätte sich beschränkt auf einfachen
Händewechsel, Übergehn des Produkts aus der Hand des Pächters in
die des landlords. Erst gibt der Pächter statt der Ware dem
landlord das Geld, und dann gibt der landlord dem Pächter das
Geld zurück, um die Ware selbst zu nehmen. Das Geld dient dem
Pächter als Z a h l u n g s m i t t e l an den landlord; es
dient dem landlord als K a u f m i t t e l vis-à-vis dem Päch-
ter. In der ersten Funktion entfernt es sich von dem Pächter, in
der zweiten kehrt es zu ihm zurück.
Diese Art Rückströmung des Gelds zum Produzenten muß jedesmal
stattfinden, wo er, statt einen Teil seines Produkts, den Wert
dieses Produkts in Geld an seinen Gläubiger zahlt; und als Gläu-
biger erscheint hier ein jeder, der coproprietor 2*) seines sur-
plus ist. Z.B.: Alle Steuern werden in Geld von den Produzenten
gezahlt. Das Geld ist hier für sie Zahlungsmittel an den Staat.
Der Staat kauft damit Waren von den Produzenten. Es wird Kaufmit-
tel in seiner Hand und strömt so zu den Produzenten zurück, im
Maß, wie ihre Waren von ihnen fortgehn.
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1*) In der Handschrift ist die hier kursiv gegebene Textstelle
mit Bleistift unterstrichen - 2*) Miteigentümer
#288# Sechstes Kapitel
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Dies Moment der Rückströmung - diese eigentümliche, nicht durch
die Reproduktion bestimmte Rückströmung des Gelds- muß überall
stattfinden im Austausch von Revenue gegen Kapital. Was das Geld
hier zurückströmen macht, ist nicht die Reproduktion, sondern die
Konsumtion. Die Revenue ist gezahlt in Geld; sie kann aber nur
konsumiert werden in Waren. Das Geld, das als Revenue erhalten
ist von den Produzenten, muß also an sie zurückgezahlt werden, um
denselben Wertbetrag in Waren zu erhalten, also um die Revenue zu
konsumieren. Das Geld, worin Revenue gezahlt wird, also Rente
z.B. oder Zins oder Steuern {der ¦¦424¦ industrielle Kapitalist
zahlt sich selbst im Produkt seine Revenue, oder aus dem Verkauf
des Produkts den Teil desselben, der seine Revenue bildet}, hat
die allgemeine Form des Zahlungsmittels. Der, der die Revenue
zahlt, est supposé 1*), von seinem Gläubiger einen Teil seines
eignen Produkts erhalten zu haben, z.B. der Pächter die 2/5 des
Produkts, die nach Quesnay die Rente konstituieren. Er ist nur
ihr nomineller oder de-facto-Besitzer.
Der Teil des Produkts des Pächters also, der seine Rente konsti-
tuiert bedarf zu seiner Zirkulation zwischen Pächter und landlord
nur einer Geldsumme gleich dem Wert des Produkts, obgleich dieser
Wert zweimal zirkuliert. Erst zahlt der Pächter die Rente in
Geld; dann kauft der landlord mit demselben Geld das Produkt. Das
erste ist einfacher transfer von Geld, da das Geld nur als Zah-
lungsmittel fungiert, also vorausgesetzt ist, daß die Ware, wofür
es gezahlt wird, sich schon im Besitz des Zahlenden befindet und
ihm nicht als Kaufmittel dient, er kein Äquivalent dafür erhält,
dies Äquivalent vielmehr vorweg hat. Das zweite Mal dagegen wirkt
es als Kaufmittel, Zirkulationsmittel von Ware. Es ist, als hätte
der Pächter mit dem Geld worin er seine Rente zahlt, dem landlord
seinen Anteil am Produkt abgekauft. Der landlord mit demselben
Geld, das er so vom Pächter erhalten (der aber in der Tat es ohne
Äquivalent weggegeben), kauft vom Pächter das Produkt wieder zu-
rück.
Dieselbe Geldsumme also die von den Produzenten an die Besitzer
von Revenue in der Form des Zahlungsmittels verabreicht wird,
dient den Besitzern der Revenue als Kaufmittel für die Waren der
Produzenten. Dieser zweimalige Stellenwechsel des Gelds, aus der
Hand des Produzenten in die Hand des Besitzers der Revenue und
aus der Hand des letztern rückwärts in die Hand des Produzenten,
drückt so nur einen einmaligen Stellenwechsel der Ware aus, näm-
lich aus der Hand des Produzenten in die Hand des Besitzers der
Revenue. Da der Produzent est supposé, zu schulden dem
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1*) wie vorausgesetzt
#289# Abschweifung . Tableau Économique nach Quesnay
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Revenuebesitzer einen Teil seines Produkts, zahlt er ihm in der
Geldrente in der Tat nur nachträglich den Wert der bereits in
seinen Besitz übergegangnen Ware. Die Ware befindet sich in sei-
ner Hand. Aber sie gehört ihm nicht. Mit dem Geld, das er in der
Form der Revenue zahlt, kauft er sie also in sein Eigentum ein.
Die Ware wechselt daher nicht die Hand. Wenn das Geld die Hand
wechselt, so drückt dies nur den W e c h s e l d e s
E i g e n t u m t i t e l s an der Ware aus, die nach wie vor in
der Hand des Produzenten bleibt. Daher dieser zweimalige Stellen-
wechsel des Gelds bei bloß einmaligem Händewechsel der Ware. Das
Geld zirkuliert zweimal, um die Ware einmal zirkulieren zu ma-
chen. Aber es zirkuliert auch nur einmal als Zirkulationsmittel
(Kaufmittel), während es das andre Mal als Zahlungsmittel zirku-
lierte, bei dessen Zirkulation, wie ich früher entwickelt, kein
gleichzeitiger Stellenwechsel von Ware und Geld stattfindet.
In der Tat, wenn der Pächter, außer seinem Produkt, kein Geld
hat, so kann er sein Produkt nur zahlen, nachdem er vorher seine
Ware verkauft hat, sie also schon ihre erste Metamorphose durch-
laufen hat, bevor er sie als Geld an den landlord fortzahlen
kann. Auch dies eingerechnet, mehr Stellenwechsel auf seiten des
Geldes als der der Ware. Erst wird W-G [vollzogen]; 2/5 der Ware
wird verkauft und in Geld verwandelt. Hier ist gleichzeitiger
Wechsel von Ware und Geld. Dann aber geht dies selbe Geld, ohne
daß Ware wechselt, aus der Hand des Pächters in die des landlords
über. Hier ist Stellenwechsel des Gelds ohne Stellenwechsel der
Ware. Es ist dasselbe, als hätte der Pächter einen copartner. Er
hat das Geld angenommen, aber er muß es teilen mit seinem copart-
ner. Oder es ist für die 2/5 vielmehr dasselbe, als hätte ein
servant 1*) des Pächters das Geld angenommen. Dieser servant muß
es dem Pächter geben, kann es nicht in der eignen Tasche behal-
ten. Das Übergehn des Gelds aus einer Hand in die andre drückt
hier gar keine Metamorphose der Ware aus, sondern bloßen transfer
des Geldes aus der Hand seines unmittelbaren Besitzers in die
Hand seines Eigentümers. Dies kann also der Fall sein, wenn der
erste Empfänger des Geldes bloß Kolporteur des Geldes für his em-
ployer 2*) ist. Dann ist das Geld auch nicht Zahlungsmittel, ein-
faches Übergehn aus der Hand des Empfängers. dem es nicht gehört,
in die Hand des Eigentümers.
Diese Art Stellenwechsel des Gelds hat mit der Metamorphose der
Ware absolut nichts zu tun, sowenig wie der Stellenwechsel, der
aus bloßem Umwechseln einer Geldsorte gegen die andre hervorgeht.
Aber beim Zahlungsmittel immer unterstellt, daß der Zahlende Ware
erhalten hat, für die er
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1*) Diener - 2*) seinen Anwender
#290# Sechstes Kapitel
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nachträglich zahlt. Bei dem Pächter etc. hat er diese Ware nicht
e r h a l t e n; sie ist in seiner Hand, ehe sie in der Hand des
landlords ist, und sie ist ein Teil seines Produkts. Aber
j u r i s t i s c h erhält er ihr Eigentum erst, indem er das
dafür erhaltne Geld dem landlord übergibt. Sein Rechtstitel an
der Ware wechselt; diese selbst findet sich nach wie vor in sei-
ner Hand. Aber sie befand sich erst in seiner Hand als
B e s i t z, deren Eigentümer der landlord. Sie befindet sich
jetzt in seiner Hand als sein eignes Eigentum. Der Wechsel der
juristischen Form, worin die Ware sich in derselben Hand befin-
det, hat natürlich die Ware selbst nicht die Hand wechseln las-
sen.
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