Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil


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       Vorwort
       
       Der sechsundzwanzigste Band der Werke von Karl Marx und Friedrich
       Engels enthält die "Theorien über den Mehrwert", die Marx von Ja-
       nuar 1862 bis Juli 1863 geschrieben hat.
       Die "Theorien  über den Mehrwert" sind ein Teil des umfangreichen
       ökonomischen Manuskripts von 1861-1863. Dieses Manuskript besteht
       aus 23  Heften mit  durchgehender Paginierung  von 1 bis 1472 und
       hat einen  Gesamtumfang von  etwa 200  Druckbogen; es  bildet die
       Fortsetzung des  1859 erschienenen  ersten Heftes "Zur Kritik der
       Politischen Oekonomie"  und trägt  den gleichen Titel. Es ist der
       erste systematische,  wenn auch noch nicht in Einzelheiten ausge-
       arbeitete Entwurf  aller Teile  des ökonomischen  Hauptwerkes von
       Marx. Die ersten fünf Hefte und teilweise die Hefte XIX bis XXIII
       umfassen den Inhalt des späteren ersten Bandes des "Kapitals". In
       den Heften XXI bis XXIII werden mehrere Themen des "Kapitals" be-
       handelt, darunter  solche des  zweiten Bandes.  Den Problemen des
       dritten Bandes  sind die Hefte XVI und XVII gewidmet. Den größten
       und am  weitesten ausgearbeiteten Teil des Manuskripts bilden die
       "Theorien über  den Mehrwert";  sie umfassen  die Hefte VI bis XV
       und XVIII  sowie einige historische Skizzen in anderen Heften und
       haben einen Umfang von etwa 110 Druckbogen. Es ist dies die erste
       und einzige  Fassung des  vierten  Buches  des  "Kapitals";  Marx
       nannte es  zum Unterschied von den drei theoretischen Büchern den
       historischen, den historisch-kritischen oder historisch-literari-
       schen Teil seines Werkes.
       Marx begann die "Theorien über den Mehrwert" entsprechend dem ur-
       sprünglichen Plan  für seine "Kritik der politischen Ökonomie" zu
       schreiben. Über  diesen Plan äußerte sich Marx im Vorwort zum er-
       sten Heft  seiner Schrift "Zur Kritik der Politischen Oekonomie",
       in zahlreichen  Briefen aus  der Zeit  zwischen 1858 und 1862 und
       auch im Manuskript von 1861 bis
       
       #VI# Vorwort
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       1863 selbst.  Aus allen  diesen Angaben  ergibt sich die folgende
       schematische Darstellung  vom geplanten Aufbau des Marxschen Wer-
       kes:
       
       Plan der "Kritik der politischen Ökonomie" (1858-1862)
       
       I. Vom Kapital:
         1. Das Kapital im all-
            gemeinen                           1. Die Verwandlung von
         a) Die Ware                              Geld in Kapital
         b) Das Geld                           2. Der absolute Mehrwert
                        Der Produktionsprozeß{ 3. Der relative Mehrwert
                        des Kapitals           4. Die Kombination der
                                                  beiden
                                               5. Theorien über den
         c) Das Kapital{                          Mehrwert
                        Der Zirkulationsprozeß
                        des Kapitals
                        Die Einheit von beiden
                        oder Kapital und Profit,
                        Zins
       2. Die Konkurrenz
       3. Der Kredit
       4. Das Aktienkapital
       II. Grundeigentum
       III. Lohnarbeit
       IV. Staat
       V. Auswärtiger Handel
       VI. Weltmarkt
       
       Das Schema  zeigt, daß  die "Theorien über den Mehrwert" von Marx
       ursprünglich nur  als historische Abschweifung zum Abschnitt "Der
       Produktionsprozeß des Kapitals" gedacht waren und ihn beschließen
       sollten; in  ähnlicher Weise  war Marx 1859 beim ersten Heft "Zur
       Kritik der Politischen Oekonomie" verfahren, und hatte den beiden
       Kapiteln über  Ware und Geld insgesamt drei theoriegeschichtliche
       Anhänge beigegeben. 1*)
       Das war  Marx' ursprünglicher Plan. Im Verlaufe seiner Ausführung
       jedoch wuchs der historische Abriß der bürgerlichen Theorien über
       den Mehrwert  weit über diesen Rahmen hinaus. Zunächst erforderte
       das vorliegende Material selbst eine Erweiterung der Untersuchun-
       gen. "Sämtliche
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       1*) Vgl. Band 13 unserer Ausgabe, S. 379, 59 ff und 133 ff.
       
       #VII# Vorwort
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       Ökonomen", schreibt  Marx, "teilen  den Fehler, daß sie den Mehr-
       wert nicht  rein als solchen betrachten, sondern in den besondren
       Formen von Profit und Rente." 2*) Die Kritik der bürgerlichen An-
       sichten über den Mehrwert verflocht sich bei Marx deshalb mit der
       Analyse der bürgerlichen Profit-, Renten- und Zinstheorien. Ande-
       rerseits  beschränkte  sich  Marx  nicht  auf  die  bloße  Kritik
       falscher und  unzulänglicher Auffassungen,  sondern stellte ihnen
       seine eigene,  in den  Grundzügen und in den wesentlichen Einzel-
       heiten bereits gegen Ende der fünfziger Jahre ausgearbeitete öko-
       nomische Theorie entgegen, durch die eine Revolution der gesamten
       politischen Ökonomie herbeigeführt wurde.
       Um die  ganze Eigenart  der Bestandteile  und  der  Struktur  der
       "Theorien über den Mehrwert" zu verstehen, muß man noch folgendes
       beachten. Als  Marx mit  dieser Arbeit  begann, war  von den drei
       theoretischen Teilen des "Kapitals" nur der erste Teil ("Der Pro-
       duktionsprozeß des  Kapitals") im  Entwurf ausgearbeitet, während
       vom zweiten und dritten Teil nur einzelne Abschnitte in Form vor-
       läufiger Skizzen  im Manuskript  von 1857/1858  existierten.  3*)
       Marx konnte  sich also  während der  Arbeit an den "Theorien über
       den Mehrwert"  nicht auf diese oder jene Stelle des theoretischen
       Teils beziehen, sondern mußte hier schon die theoretischen Fragen
       positiv beantworten  und klären,  sobald sie  im Verlaufe  seiner
       theoriegeschichtlichen Untersuchungen auftraten. Alles das führte
       dazu, daß die Schrift einen enormen Umfang annahm.
       Während der Arbeit an den "Theorien über den Mehrwert" erweiterte
       sich beständig der Kreis der von Marx untersuchten Probleme. Noch
       im Januar 1863 beabsichtigte Marx, das historisch-kritische Mate-
       rial auf  die theoretischen Abschnitte seiner Untersuchungen über
       "Das Kapital  im allgemeinen"  zu verteilen, wie aus den Planent-
       würfen zum ersten und dritten Teil des "Kapitals" hervorgeht. 4*)
       Immer mehr  zeigte sich  aber die  Bedeutung jener Einteilung für
       das ganze  theoretische Werk,  die Marx  ursprünglich nur für ein
       einzelnes Kapitel  vorgesehen hatte: 1. Der Produktionsprozeß des
       Kapitals; 2.  Der Zirkulationsprozeß des Kapitals; 3. Die Einheit
       von beiden  oder Kapital  und Profit. 5*) Diese Gliederung erwies
       sich
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       2*) Siehe vorl. Band, S. 6.
       3*) Das Manuskript von 1857/1858 wurde 1939-1941 vom Institut für
       Marxismus-Leninismus beim  ZK der  KPdSU in  der  Originalsprache
       veröffentlicht. Es trägt den redaktionellen Titel "Grundrisse der
       Kritik der  politischen Ökonomie. Rohentwurf 1857/1858." 1953 er-
       schien in der DDR ein photomechanischer Nachdruck dieser Ausgabe.
       4*) Vgl. vorl. Band, S. 389 ff.
       5*) Vgl.  das Planschema  auf S. VI. Siehe auch Marx an Lassalle,
       11. März 1858 in Band 29 unserer Ausgabe, S. 554.
       
       #VIII# Vorwort
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       als so wichtig und so entscheidend, daß allmählich auch jene The-
       men in  sie einbezogen  wurden, die  nach dem ursprünglichen Plan
       selbständige Abschnitte  bilden sollten (z.B. "Die Konkurrenz der
       Kapitalien", "Der  Kredit", "Grundeigentum").  Während  also  die
       drei theoretischen Teile immer deutlichere Konturen erhielten und
       nach und  nach alle theoretischen Probleme der politischen Ökono-
       mie in  sich aufnahmen,  festigte sich bei Marx mehr und mehr die
       Überzeugung, daß die "Theorien über den Mehrwert" einen selbstän-
       digen Teil bilden und als viertes Buch das Gesamtwerk abschließen
       müßten.
       Von Marx'  Absicht, die  Geschichte der  politischen Ökonomie von
       der Mitte  des 17.  Jahrhunderts an  kritisch zu verfolgen, zeugt
       die ausführliche Skizze über William Petty, die in Heft XXII ent-
       halten ist  und im Mai 1863 geschrieben wurde. Diese Skizze steht
       weder mit  dem vorhergehenden noch mit dem nachfolgenden Text des
       Manuskripts in inhaltlichem Zusammenhang; Marx hatte sie offenbar
       für den  historisch-kritischen Teil  seines Werkes vorgesehen. In
       diesem Abriß  über Petty  werden dessen  Ansichten über Wert, Ar-
       beitslohn, Grundrente,  Bodenpreis, Zins  usw. recht  ausführlich
       behandelt. Eine  solche breite Erfassung der ökonomischen Ansich-
       ten Pettys  zeigt, daß  mindestens im Mai 1863 schon jene Absicht
       reifte, die  Marx vier Jahre später im Brief an Sigfrid Meyer vom
       30. April  1867 äußerte, worin er ihm die Struktur des "Kapitals"
       mitteilte: "Der  Band I  umfaßt den  'Produktionsprozeß des Kapi-
       tals'... Band  II gibt  Fortsetzung und  Schluß der Theorien 6*),
       Band III  die Geschichte  der Politischen Ökonomie seit Mitte des
       17. Jahrhunderts."
       Die  erste  ausdrückliche  Erwähnung  eines  vierten  Buches  des
       "Kapitals" finden  wir im  Brief von Marx an Engels vorn 31. Juli
       1865. Er  berichtet über den Fortgang seiner Arbeit am "Kapital":
       Es sind  noch 3  Kapitel zu  schreiben, um den theoretischen Teil
       (die 3  ersten Bücher) fertigzumachen. Dann ist noch das 4. Buch,
       das historisch-literarische,  zu schreiben,  was mir  relativ der
       leichteste Teil  ist, da  alle Fragen in den 3 ersten Büchern ge-
       löst sind,  dies letzte also mehr Repetition in historischer Form
       ist."
       Zu diesem Zeitpunkt hatte Marx alle drei theoretischen Teile sei-
       nes Werkes bereits erneut umgearbeitet und gegenüber 1863 spürbar
       vervollkommnet. Der  historisch-kritische  Teil  hingegen  befand
       sich nach  wie vor  in dem  Zustand, wie  er 1862/1863  niederge-
       schrieben worden war und hätte ebenfalls
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       6*)  Marx   beabsichtigte  damals  noch.  Buch  II  und  III  des
       "Kapitals" in einem Bande zu veröffentlichen.
       
       #IX# Vorwort
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       einer entsprechenden Umarbeitung bedurft. Dahingehend ist Marx zu
       verstehen, wenn  er davon  spricht, daß  das vierte  Buch noch zu
       schreiben sei.  Zu einer  solchen Umarbeitung  und Ausfeilung der
       "Theorien über  den Mehrwert"  ist Marx leider nie mehr gekommen;
       es finden sich aber in verschiedenen Briefen von ihm Bemerkungen,
       die den  Schluß zulassen, daß Marx das theoriegeschichtliche Buch
       des "Kapitals"  in der seit 1863 vorliegenden Fassung auch später
       in den Grundzügen als bereits erarbeitet angesehen hat. 7*)
       Es ist bemerkenswert und interessant, in welcher Reihenfolge Marx
       sein großes  ökonomisches Werk schrieb. Er spricht selbst darüber
       in einem  Brief an  Siegmund Schott vom 3. November 1877. "In der
       Tat", heißt  es dort, "begann ich 'Das Kapital' privatim genau in
       der umgekehrten  Reihenfolge (beginnend mit dem dritten, histori-
       schen Teil),  worin es  dem Publikum  vorgelegt wird, nur mit der
       Beschränkung, daß  der I.,  zuletzt in Angriff genommene Band 8*)
       gleich für den Druck zurechtgemacht wurde, während die beiden an-
       dren in  der rohen Form blieben, welche alle Forschung originali-
       ter besitzt."  Anfang der  sechziger Jahre hatte Marx schon zahl-
       reiche grundlegende  Thesen seiner  ökonomischen Lehre im Prinzip
       entwickelt. Aber  systematisch und vollkommen ausgearbeitet lagen
       zu dieser  Zeit nur  zwei einleitende Kapitel vor, die den Inhalt
       des 1859  erschienenen ersten  Heftes "Zur Kritik der Politischen
       Oekonomie" bilden: das Kapitel über die Ware und das Kapitel über
       das Geld.  Das, was  Marx selbst als das  H a u p t k a p i t e l
       seiner Arbeit  bezeichnete, das  heißt die Untersuchung des Kapi-
       tals, befand  sich ganz  ungegliedert und kaum geordnet In seinem
       Manuskript von  1857/1858. Um  das angesammelte  riesige Material
       wissenschaftlich zu  verarbeiten und  ihm die  notwendige Form zu
       geben, um die Ausarbeitung der marxistischen ökonomischen Theorie
       zu vollenden,  begann Marx erneut, die bürgerliche Ökonomie, ins-
       besondere die  englischen Klassiker,  gründlich zu  durchforschen
       und zu  analysieren. Sehr  bald nach Beginn der Niederschrift des
       Hauptabschnitts seiner  Arbeit, des  Abschnitts über das Kapital,
       unterbrach Marx  die Darlegung der Lehre vom Mehrwert, um die hi-
       storisch-kritische Abschweifung  "Theorien über  den Mehrwert" zu
       beginnen, die im Fortgang der Marxschen Forschungen einen solchen
       Umfang annahm,  daß sie  zum Hauptteil  des Manuskripts von 1861-
       1863 wurde.
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       7*) Vgl.  den weiter unten zitierten Brief an Siegmund Schott vom
       3. November 1877. Dort spricht Marx von dem bereits geschriebenen
       historischen Teil.
       8*) Marx  meint die  endgültige, druckfertige  Fassung des ersten
       Bandes des  "Kapitals", die  er 1866 und in der ersten Hälfte des
       Jahres 1867 erarbeitet hatte.
       
       #X# Vorwort
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       In den  "Theorien über den Mehrwert" Ist die historisch-kritische
       Untersuchung mit  der Ausarbeitung  einer ganzen Anzahl theoreti-
       scher Grundfragen der marxistischen politischen Ökonomie eng ver-
       bunden und verflochten. Das Werk vermittelt uns ein anschauliches
       Bild von der Entstehung, von der Entwicklung und Blüte, sowie vom
       Niedergang der  bürgerlichen politischen  Ökonomie bis  zur Mitte
       des 19.  Jahrhunderts. In  den "Theorien über den Mehrwert" zeigt
       Marx "die historisch entscheidenden Formen, worin die Gesetze der
       politischen Ökonomie  zuerst ausgesprochen  und  weiterentwickelt
       wurden". 9*)  Marx würdigt im besonderen die großen wissenschaft-
       lichen Verdienste der klassischen bürgerlichen politischen Ökono-
       mie, vor allem ihrer Hauptrepräsentanten Adam Smith und David Ri-
       cardo. Er verteidigt ihre richtigen Erkenntnisse in vielen Grund-
       fragen der ökonomischen Theorie gegen die Angriffe ihrer Vulgari-
       satoren und  politischen Gegner. Mit großer Meisterschaft verbin-
       det er  diese Anerkennung  mit einer prinzipiellen Kritik, wider-
       legt ihre  Fehler, verweist auf ihre Inkonsequenzen und deckt de-
       ren klassenmäßige  und methodologische Ursachen auf. Marx zitiert
       und würdigt  aber auch  zahlreiche weniger  bekannte  ökonomische
       Schriftsteller, wenn  sie eine  neue Stufe der wissenschaftlichen
       Erkenntnis in  bestimmten Fragen  verkörpern; gleichzeitig jedoch
       kritisiert er  jene, deren  Arbeiten keinerlei Fortschritt brach-
       ten, sondern nur parasitären und überflüssigen Gesellschaftsklas-
       sen dienten.  Hierüber pflegte er im Kreise seiner Freunde zu sa-
       gen: "Ich  übe historische Gerechtigkeit; ich gehe jedem, was ihm
       gebührt." 10*)
       Die enge  Verbindung zwischen  den historisch-kritischen Untersu-
       chungen und der theoretischen Ausarbeitung und Lösung zahlreicher
       wichtiger ökonomischer  Probleme hat  in zweierlei Beziehung her-
       vorragende Bedeutung.  Erstens ist darin zu erkennen, wie Marx zu
       einzelnen Bestandteilen seiner ökonomischen Lehre gelangte. Zwei-
       tens finden wir in den "Theorien über den Mehrwert" nicht selten,
       daß wesentliche  Einzelprobleme hier viel ausführlicher behandelt
       werden, als in den später geschriebenen drei theoretischen Bänden
       des "Kapitals".  Das betrifft beispielsweise das Problem der pro-
       duktiven und unproduktiven Arbeit, die Unvermeidlichkeit von Kri-
       sen im  Kapitalismus, die  absolute Grundrente und die Nationali-
       sierung des  Grund und  Bodens, das  Verhältnis von individuellem
       Wert und Marktwert der Waren.
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       9*) Siehe vorl. Band, S. 320.
       10*) Paul  Lafargue: "Karl  Marx. Persönliche  Erinnerungen." In:
       "Mohr und General". Erinnerungen an Marx und Engels. Berlin 1964,
       S. 334.
       
       #XI# Vorwort
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       Alles das  macht die "Theorien über den Mehrwert" zu einem außer-
       ordentlich wichtigen Werk der marxistischen politischen Ökonomie.
       Es hat  große Bedeutung  nicht nur  für das  Verständnis der  Ge-
       schichte der  bürgerlichen politischen Ökonomie, sondern auch für
       die schöpferische Ausarbeitung vieler aktueller ökonomischer Pro-
       bleme und  für den  Kampf gegen  die zeitgenössische  bürgerliche
       Vulgärökonomie, gegen  Revisionismus und  Dogmatismus. Eine ganze
       Anzahl pseudowissenschaftlicher Theorien, die in der Vulgärökono-
       mie gegenwärtig  Mode sind, wiederholen in diesem oder jenem Aus-
       maß mit  entsprechenden Variationen  die unwissenschaftlichen An-
       schauungen, die  Marx bereits in den "Theorien über den Mehrwert"
       kritisiert und widerlegt hat. Beispiele dafür sind die apologeti-
       sche Auffassung  von der  Produktivität aller Berufe, die Theorie
       von einer  krisenfreien Entwicklung des Kapitalismus, die Vertei-
       digung der unproduktiven Konsumtion, die menschenfeindliche Theo-
       rie von  der Unvermeidlichkeit des Elends breiter Volksmassen so-
       wie die verschiedensten vulgären Werttheorien.
       Die wesentlichen Schlußfolgerungen seiner umfassenden Erforschung
       der Geschichte  der bürgerlichen  politischen Ökonomie  hat  Marx
       1873 im  Nachwort zur  zweiten  Auflage  des  ersten  Bandes  des
       "Kapitals" gezogen:  "Soweit sie bürgerlich ist, d.h. die kapita-
       listische Ordnung statt als geschichtlich vorübergehende Entwick-
       lungsstufe, umgekehrt als absolute und letzte Gestalt der gesell-
       schaftlichen Produktion auffaßt, kann die politische Ökonomie nur
       Wissenschaft bleiben, solange der Klassenkampf latent bleibt oder
       sich in nur vereinzelten Erscheinungen offenbart.
       Nehmen wir England. Seine klassische politische Ökonomie fällt in
       die Periode  des unentwickelten Klassenkampfs. Ihr letzter großer
       Repräsentant, Ricardo,  macht endlich  bewußt den  Gegensatz  der
       Klasseninteressen, des  Arbeitslohns und des Profits, des Profits
       und der  Grundrente, zum Springpunkt seiner Forschungen, indem er
       diesen Gegensatz naiv als gesellschaftliches Naturgesetz auffaßt.
       Damit war aber auch die bürgerliche Wissenschaft der Ökonomie bei
       ihrer unüberschreitbaren  Schranke angelangt... Mit dem Jahr 1830
       trat die ein für allemal entscheidende Krise ein.
       Die Bourgeoisie  hatte in Frankreich und England politische Macht
       erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und theore-
       tisch, mehr  und mehr  ausgesprochne und drohende Formen. Er läu-
       tete die  Totenglocke der  wissenschaftlichen bürgerlichen Ökono-
       mie. Es  handelte sich jetzt nicht mehr darum, ob dies oder jenes
       Theorem wahr  sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder schäd-
       lich, bequem  oder unbequem,  ob polizeiwidrig oder nicht. An die
       Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte
       
       #XII# Vorwort
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       Klopfflechterei; an die Stelle unbefangner wissenschaftlicher Un-
       tersuchung das böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apolo-
       getik... Männer, die noch wissenschaftliche Bedeutung beanspruch-
       ten, und  mehr sein  wollten als  bloße Sophisten und Sykophanten
       der herrschenden Klassen, suchten die politische Ökonomie des Ka-
       pitals in  Einklang zu setzen mit den jetzt nicht länger zu igno-
       rierenden Ansprüchen  des Proletariats. Daher ein geistloser Syn-
       kretismus, wie  ihn John  Stuart Mill am besten repräsentiert. Es
       ist eine  Bankrotterklärung der  'bürgerlichen' Ökonomie,  welche
       der große  russische Gelehrte und Kritiker N. Tschernyschewski in
       seinem Werk  'Umrisse der politischen Ökonomie nach Mill' bereits
       meisterhaft beleuchtet  hat... Wie  zur klassischen Zeit der bür-
       gerlichen Ökonomie blieben die Deutschen auch zur Zeit ihres Ver-
       falls bloße Schüler, Nachbeter und Nachtreter, Kleinhausierer des
       ausländischen Großgeschäfts.  Die eigentümliche  historische Ent-
       wicklung der  deutschen Gesellschaft schloß hier also jede origi-
       nelle Fortbildung der 'bürgerlichen' Ökonomie aus, aber nicht de-
       ren -  Kritik. Soweit  solche Kritik  Oberhaupt eine  Klasse ver-
       tritt, kann  sie nur  die Klasse vertreten, deren geschichtlicher
       Beruf die Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise und die
       schließliche Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat." 11*)
       Als Marx 1883 starb, waren nicht nur die "Theorien über den Mehr-
       wert", sondern  auch der  zweite und  dritte Band  des "Kapitals"
       noch nicht  veröffentlicht. Engels  sah von  diesem Zeitpunkt  an
       seine Hauptaufgabe  darin, den  handschriftlichen Nachlaß  seines
       Freundes und  Kampfgefährten der Öffentlichkeit zugänglich zu ma-
       chen, insbesondere aber den zweiten, dritten und vierten Band des
       "Kapitals" ohne  Verzug zu  bearbeiten und herauszugeben. Der Er-
       füllung dieser  Pflicht gegenüber dem internationalen Proletariat
       hat er mehr als zehn Jahre seines Lebens gewidmet.
       Engels erwähnt das Manuskript "Theorien über den Mehrwert" zuerst
       in seinen  Briefen an  Laura Lafargue  vom 22.  Mai 1883  und  an
       Kautsky vom  16. Februar  1884. Am  4. März  des gleichen  Jahres
       teilt Engels  Kautsky brieflich mit, daß er mit Otto Meißner, dem
       Verleger des  ersten Bandes des "Kapitals", hinsichtlich der Rei-
       henfolge der  weiteren Veröffentlichung  übereingekommen sei  und
       daß zunächst  das zweite  Buch des  Werkes  herausgegeben  werden
       würde, während  das dritte  und die  "Theorien über den Mehrwert"
       nachfolgen sollten.
       Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 19 - 22.
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       Ausführlicher spricht  Engels über  das  abschließende  Buch  des
       "Kapitals" in  einem Brief an Bernstein vom August 1884: "... die
       Geschichte der  Theorie" ist,  unter uns,  in der  Hauptsache ge-
       schrieben. Das  Manuskript zur  'Kritik  der  politischen  Ökono-
       mie'... enthält,  wie ich Dir hier gezeigt zu haben glaube, zirka
       500 Quartseiten  'Theorien über  den Mehrwert'  worin  allerdings
       sehr viel  zu streichen,  weil seitdem  anders verarbeitet,  aber
       doch noch genug."
       Die ausführlichsten  Angaben über  das Manuskript  "Theorien über
       den Mehrwert"  und darüber,  wie er  sie herauszugeben  beabsich-
       tigte, machte  Engels im Vorwort zum zweiten Band des "Kapitals",
       das mit dem 5. Mai 1885 datiert ist. "Dieser Abschnitt", schreibt
       er, "enthält  eine ausführliche  kritische Geschichte  des  Kern-
       punkts der  politischen Ökonomie,  der Mehrwertstheorie, und ent-
       wickelt daneben,  in polemischem Gegensatz zu den Vorgängern, die
       meisten der später im Manuskript zu Buch II und III besonders und
       in logischem  Zusammenhang untersuchten  Punkte. Ich  behalte mir
       vor, den kritischen Teil dieses Manuskripts, nach Beseitigung der
       zahlreichen durch  Buch II  und III.  bereits erledigten Stellen,
       als Buch  IV des  'Kapitals' zu veröffentlichen. So wertvoll dies
       Manuskript, so wenig war es für die gegenwärtige Ausgabe des Buch
       II zu benutzen." 12*)
       In Briefen  vom Ende  der Achtziger  und zu  Beginn der neunziger
       Jahre erwähnt  Engels noch  mehrmals seine Absicht, nach der Her-
       ausgabe des dritten Bandes des "Kapitals" an die Vorbereitung des
       vierten Bandes,  der "Theorien über den Mehrwert", zu gehen. Dort
       spricht er  sich schon viel weniger kategorisch über die Beseiti-
       gung der theoretischen Passagen aus, die das Manuskript enthält.
       Zum letzten  Mal erwähnt  Engels die "Theorien über den Mehrwert"
       im Brief  an Stephan  Bauer vom  10. April  1895. Wie  aus diesem
       Brief zu  entnehmen ist, hoffte Engels noch 1895, daß es ihm ver-
       gönnt sein  würde, dieses Werk von Marx herauszugeben. Jedoch ge-
       lang es  ihm nicht  mehr, den  abschließenden Band des "Kapitals"
       druckfertig zu machen; er starb kaum vier Monate nach der Nieder-
       schrift dieses  Briefes. Lediglich  einige Schreibfehler  sind im
       Manuskript der  "Theorien über den Mehrwert" von seiner Hand kor-
       rigiert worden.
       Aus den angeführten Äußerungen von Engels geht hervor, daß er den
       "Theorien über  den Mehrwert" eine große Bedeutung beimaß und sie
       als vierten Band des "Kapitals" ansah. Aber aus diesen Äußerungen
       ist auch  ersichtlich, daß  Engels 1884/85 beabsichtigte, aus dem
       Text des Manuskripts
       -----
       12*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 8.
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       die "zahlreichen  durch Buch  II und III bereits erledigten Stel-
       len" zu beseitigen.
       Aus dem  Manuskript "Theorien  über den  Mehrwert" Textstellen zu
       tilgen, wäre nur Engels als Mitschöpfer des "Kapitals" berechtigt
       gewesen. Sollten die danach noch erhaltenen Manuskriptteile nicht
       zusammenhanglose Fragmente bleiben, so wäre ihre vollständige Um-
       arbeitung notwendig  gewesen, und es hätte zahlreicher neuer Ein-
       fügungen bedurft,  um sie miteinander zu verbinden. Aber zu einer
       solchen Bearbeitung  des Marxschen  Textes hätte wiederum nur En-
       gels ein Recht gehabt.
       Die "Theorien  über den Mehrwert" wurden auch von Lenin sehr hoch
       bewertet. In  seinen Schriften bezog er sich oft auf dieses Marx-
       sche Werk,  wobei er den historisch-kritischen und den rein theo-
       retischen Inhalt  gleichermaßen hochschätzte.  Von besonderem In-
       teresse waren  für Lenin jene Abschnitte, in denen Marx seine An-
       sichten über  das Wesen  der Grundrente  entwickelt hat.  13*) Er
       weist auf "die glänzenden Erläuterungen von Marx in den 'Theorien
       über den  Mehrwert'" hin,  "wo besonders  anschaulich auch die im
       bürgerlich-demokratischen Sinne  revolutionäre Bedeutung  der Na-
       tionalisierung des  Bodens nachgewiesen  wird". 14*) Lenin führte
       aus den  "Theorien über  den Mehrwert" die grundlegenden Aussagen
       über die  absolute Grundrente  an und  stellte fest,  daß sie die
       Richtigkeit seiner Interpretation dieses Problems bestätigen, wie
       er sie  wenige Jahre  vor der Veröffentlichung der "Theorien über
       den  Mehrwert"   in  seiner   Arbeit  "Die   Agrarfrage  und  die
       'Marxkritiker'" gegeben hatte. 15*)
       Die "Theorien  über den  Mehrwert" wurden  zum ersten  Mal in den
       Jahren 1905 bis 1910 von Karl Kautsky veröffentlicht. Durch diese
       Ausgabe ist  die ausgezeichnete Arbeit von Marx einem breiten Le-
       serkreis zugänglich gemacht worden; sie wurde in zahlreiche spra-
       chen übersetzt. Dessen ungeachtet muß jedoch festgestellt werden,
       daß die  Ausgabe der "Theorien über den Mehrwert" von Kautsky den
       Ansprüchen an  eine wissenschaftliche  Marx-Edition nicht gerecht
       wird. Bei  dem vorliegenden  Marxschen Werk  handelt es  sich  um
       einen ersten  Entwurf, um  eine Rohfassung.  Neben  ausführlichen
       Darlegungen stehen vielfach knappe, abgerissene
       -----
       13*) Vgl.  Lenin, Werke, Band 5, Berlin 1955, S. 121 und Band 13,
       Berlin 1963, S. 180, 270/271, 296/297.
       14*) Lenin,  Werke, Band  28, Berlin 1959, S. 314. Vgl. auch Band
       13, Berlin 1963, S. 301, 320/321.
       15*) Lenin, Werke, Band 5, Berlin 1955, S. 121.
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Sätze, oft  nur kurze Hinweise für die spätere Ausarbeitung. Marx
       wechselt auch  beständig innerhalb  dreier Sprachen, die er glei-
       chermaßen beherrschte  - Deutsch, Französisch und Englisch. Diese
       und andere  Schwierigkeiten lassen  in einzelnen  Fällen  mehrere
       Deutungsmöglichkeiten eines  Marxschen Gedankens zu. Es ist daher
       unangebracht, hier  glätten zu  wollen und  ganz  ausgeschlossen,
       einen "flüssigen"  Text herzustellen,  wenn nicht  etwas ganz an-
       deres herauskommen  soll, als  das Werk  von Marx. Da Marx selbst
       nicht mehr zu einer Umarbeitung gekommen ist, muß der Herausgeber
       der wissenschaftlichen  Forschung das zugänglich machen, was Marx
       hinterlassen hat und sich, wie Engels sagte und beim dritten Band
       des "Kapitals"  selbst auch  tat, auf  die notwendige Ordnung des
       Vorhandenen beschränken.
       Kautsky verfuhr anders. Zunächst lehnte er den Gedanken prinzipi-
       ell ab,  die "Theorien  über den  Mehrwert" als  vierten Band des
       "Kapitals" herauszugeben,  d.h. so  zu verfahren, wie es Marx und
       auch  Engels   beabsichtigt  hatten.   Kautsky  betrachtete   die
       "Theorien über  den Mehrwert"  als Parallelwerk zum "Kapital" und
       behauptete darüberhinaus, daß ihm ein logischer Plan und jegliche
       Ordnung fehle.  Aus dieser  falschen Einstellung entsprangen auch
       seine willkürlichen  Methoden der  Behandlung des Manuskripts von
       Marx. Er  verstand offenbar  die eigenartige  Struktur der Arbeit
       von Marx  nicht und  erfaßte kaum  die Bedeutung,  die in ihr die
       Verbindung und  Verflechtung der  historisch-kritischen  Untersu-
       chungen mit  den Darlegungen  theoretischer Erkenntnisse von Marx
       haben. Kautsky  ignorierte das von Marx auf den Umschlägen seiner
       Hefte notierte  Inhaltsverzeichnis, das  am besten den Aufbau der
       einzelnen Kapitel und Abschnitte zu verstehen erlaubt, und verän-
       derte die Struktur der Arbeit sehr stark.
       Die "Theorien über den Mehrwert" beginnen bei Marx mit der allge-
       meinen Bemerkung,  daß sämtliche Ökonomen den Mehrwert nicht rein
       als solchen,  sondern in  seinen besonderen Formen von Profit und
       Rente betrachten.  Dann  folgt  ein  kurzes  Kapitel  über  James
       Steuart. Dieses  Kapitel ist die Einleitung zur Analyse der Theo-
       rie der  Physiokraten, die die Untersuchung über den Ursprung des
       Mehrwerts aus der Sphäre der Zirkulation in die Sphäre der unmit-
       telbaren Produktion  verlegt hatten. Dann geht Marx über zu einer
       ausführlichen Untersuchung  der Lehre von Smith, um danach erneut
       zu den  Physiokraten zurückzukehren  und den  Teil ihrer Lehre zu
       betrachten, in  dem sie  sich als  gründlichere Forscher erwiesen
       hatten als  der zeitlich  spätere Adam Smith: Die Darstellung des
       gesellschaftlichen Reproduktions-  und  Zirkulationsprozesses  in
       dem berühmten
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       Tableau Économique  von Quesnay.  Eine solche Reihenfolge der er-
       sten Kapitel  der "Theorien über den Mehrwert" entspricht dem wi-
       derspruchsvollen  Entwicklungsweg  der  bürgerlichen  politischen
       Ökonomie, auf  dem ein  Schritt vorwärts in der Erforschung eines
       Problems begleitet war von Stillstand oder Rückschritt in der Be-
       handlung eines anderen.
       Kautsky stieß  diese von Marx gewählte Kapitelfolge um. Er setzte
       an den  Anfang seiner  Ausgabe vier kleine aus den letzten Heften
       des Manuskripts von 1861-1863 entnommene Fragmente, vermengte die
       von Marx  in den Heften VI bis XV und XVIII gegebene zusammenhän-
       gende Darstellung  mit den zusätzlichen Skizzen aus den Heften XX
       bis XXIII,  nahm aus dem Haupttext die theoretischen Untersuchun-
       gen von  Marx heraus,  die unmittelbar  mit der Analyse von Smith
       und Quesnay verbunden sind und veröffentlichte sie als gesonderte
       Anhänge.
       Noch stärker  brachte Kautsky  den Marxschen Text im zweiten Band
       seiner Ausgabe  durcheinander. Dieser  Band besteht aus zwei Tei-
       len. Kautsky hat das Kapitel "Ricardos Profittheorie", das im Ma-
       nuskript von  Marx ein  einheitliches Ganzes  ist und eine streng
       folgerichtige Kritik  der  Ansichten  Ricardos  über  die  Durch-
       schnittsprofitrate und über die Ursachen ihres Falles enthält, in
       zwei Teile  gespalten und, durch 350 Seiten voneinander getrennt,
       in den  beiden Halbbänden untergebracht. Marx zeigt in diesem Ka-
       pitel, wie  Ricardos Fehler  in der Rententheorie sich auf dessen
       Theorie vom  Profit auswirkten.  Darum steht  nicht  zufällig  in
       Marx' Manuskript  die Analyse  der Ricardoschen Rententheorie vor
       dem Kapitel  "Ricardos Profittheorie". Kautsky hat dies ignoriert
       und stellte  den Text um, wobei er versuchte, ihn der Reihenfolge
       der Darlegung  anzupassen, die  von  Marx  im  dritten  Band  des
       "Kapitals" angewandt  worden war, wo jedoch keine historisch-kri-
       tische Untersuchung  der Auffassungen Ricardos gegeben wird, son-
       dern die systematische Darlegung der Theorie von Marx.
       In der  Ausgabe Kautskys gibt es zahlreiche, durch nichts begrün-
       dete Kürzungen  des Marxschen  Textes.  Einige  der  Auslassungen
       Kautskys sind besonders schwerwiegend, weil dadurch wichtige Aus-
       sagen von  Marx untergingen. Als Beispiel kann man die Stelle aus
       dem Kapitel  über Ramsay anführen, wo Marx davon spricht, daß die
       Akkumulation des Kapitals die Lage der Arbeiterklasse verschlech-
       tert (S. 1098 des Manuskripts von Marx), sowie die Stelle aus dem
       Kapitel über  Cherbuliez, wo  von der  absoluten Verminderung des
       variablen Kapitals in den entwickelteren Sphären der kapitalisti-
       schen Produktion  die Rede  ist (S. 1112/1113 des Manuskripts von
       Marx).
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       Die Entzifferung  der Marxschen  Handschrift ist  außerordentlich
       kompliziert. Engels  selbst hatte Kautsky in die Entzifferung der
       schwer lesbaren  Handschrift von  Marx eingeführt  und ihm  viele
       Hinweise und Ratschläge erteilt, wie die "Hieroglyphen" zu bewäl-
       tigen seien.  Trotzdem hat  Kautsky diese Arbeit nicht sorgfältig
       genug ausgeführt.  Selbst deutlich  geschriebene Stellen  hat  er
       fehlerhaft entziffert  und damit  mehrfach Marxsche Gedanken ent-
       stellt oder unverständlich gemacht. Als Beispiel möge die fehler-
       hafte Entzifferung  des Wortes  "Prozeß" im Kapitel über Ricardos
       Akkumulationstheorie dienen  (S. 703  des Manuskripts  von Marx).
       Bei Marx  heißt es:  "Indes den allgemeinen Prozeß betrachtet ist
       klar, daß  die Produzenten von Lebensmitteln keine Ersatz-Maschi-
       nerie oder Ersatz-Rohmaterial kaufen können, wenn die Produzenten
       des Ersatzes  an konstantem Kapital ihnen nicht ihre Lebensmittel
       abkaufen, wenn  diese Zirkulation also nicht wesentlich Austausch
       zwischen Lebensmitteln  und konstantem  Kapital ist." Kautsky er-
       setzte in  seiner  Ausgabe  das  Wort  "Prozeß"  durch  das  Wort
       "Profit" und machte damit den klaren Gedanken von Marx völlig un-
       verständlich. 16*)
       Fremdsprachige Stellen  des Manuskripts  hat Kautsky  oft ungenau
       übersetzt, er hat einige unrichtige redaktionelle Einfügungen und
       unbegründete Korrekturen des Marxschen Textes vorgenommen. Außer-
       dem findet  sich in der Ausgabe von Kautsky auch der Ersatz Marx-
       scher Termini  durch andere.  So heißt  es dort  statt  "Arbeits-
       bedingungen"  "Produktionsmittel",   statt   "Arbeitsinstrumente"
       "Arbeitsmittel"  und   statt  "Durchschnittspreis"  "Produktions-
       preis".
       
                                     *
       
       Die wesentlichen  Mängel und  Fehler der Ausgabe von Karl Kautsky
       machten eine  prinzipiell neue  Ausgabe der  "Theorien  über  den
       Mehrwert" notwendig. In jahrelanger Vorbereitungsarbeit wurden in
       der Sowjetunion die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen.
       1950 wurden  die Prinzipien  für die  Neuausgabe des Werkes sowie
       ein detailliertes Inhaltsverzeichnis desselben veröffentlicht und
       zur Diskussion  gestellt. 17*) Im Jahre 1954 gab das Institut für
       Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU den
       -----
       16*) Zahlreiche  weitere Beispiele  für die nachlässige Entziffe-
       rung wesentlicher  Textstellen durch Kautsky findet man in: B. C.
       ??????????,  "??????  ???????  ?????  ?????????  ?  ?????????????
       ???????? ????? ??????", ?????? 1963.
       17*)   Vgl.   "????????   ?????????",   Nr.9/1950   (deutsch   in
       "Sowjetwissenschaft.  Gesellschaftswissenschaftliche  Abteilung",
       Heft 3/1951, S. 468-479).
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       ersten Teil  der neuen,  wissenschaftlichen Ausgabe der "Theorien
       über den  Mehrwert" in russischer Sprache heraus; ihm folgte 1957
       der zweite und Anfang 1961 der dritte Teil.
       Der neuen  Ausgabe der  "Theorien über  den Mehrwert"  liegt  das
       handschriftliche Manuskript  von Marx  zugrunde, dessen Entziffe-
       rung sorgfältig  überprüft und in vielen Fällen wesentlich präzi-
       siert wurde. Für die Wiedergabe des Haupttextes, für seine Anord-
       nung und Gliederung wurde das Inhaltsverzeichnis von Marx weitge-
       hend ausgenutzt, das er auf die Umschläge der Hefte VI bis XV des
       Manuskripts geschrieben hatte.
       Die Einteilung  der neuen  Ausgabe in  drei Teile wurde durch den
       großen Umfang  des Werkes notwendig und entspricht seinem Inhalt:
       der erste  Teil beschäftigt  sich im wesentlichen mit der politi-
       schen Ökonomie  vor Ricardo,  der zweite  Teil mit Ricardo selbst
       und der dritte Teil mit den Ökonomen nach Ricardo.
       Der erste  Teil der "Theorien über den Mehrwert" behandelt haupt-
       sächlich die  Anschauungen der Physiokraten und Adam Smith'. Marx
       hebt die  beiden großen  Verdienste der  Physiokraten in  der Ge-
       schichte der ökonomischen Wissenschaft hervor: Einerseits verleg-
       ten sie  die Untersuchung über den Ursprung des Mehrwerts aus der
       Sphäre der  Zirkulation in  die Sphäre  der unmittelbaren Produk-
       tion; andererseits unternahmen sie als erste den Versuch, den ge-
       samten Reproduktions- und Zirkulationsprozeß des Kapitals im Rah-
       men eines  ganzen Landes  darzustellen. Marx hob bei der Untersu-
       chung der  ökonomischen Anschauungen  der Physiokraten  die Ihnen
       eigentümliche unhistorische Betrachtungsweise hervor, die bürger-
       lichen Produktionsformen  für ewige, natürliche Formen zu halten,
       worin es  ihnen die  gesamte  nachfolgende  bürgerliche  Ökonomie
       gleichtat. Er  zeigt auch die Zwieschlächtigkeit in ihrer Auffas-
       sung vom Mehrwert, der bei ihnen das eine Mal als reines Geschenk
       der Natur  auftritt, das  andere Mal  als Resultat der Mehrarbeit
       des Agrikulturarbeiters, das sich die Grundeigentümer aneignen.
       Marx weist  in diesem  ersten Teil auch die in der Lehre von Adam
       Smith enthaltenen  Widersprüche,  Unzulänglichkeiten  und  Fehler
       nach und  zeigt dessen  Zwieschlächtigkeit in  der Darlegung  der
       wichtigsten ökonomischen  Kategorien, wie Wert, Mehrwert, produk-
       tive Arbeit usw., die insbesondere in den verschiedenen von Smith
       gegebenen, nebeneinanderstehenden  und einander  widersprechenden
       Wertbestimmungen zum  Ausdruck kommt.  Diese  Zwieschlächtigkeit,
       die sich  durch das gesamte Werk von Adam Smith hindurchzieht und
       ihm jegliche Einheitlichkeit nimmt, ist Ausdruck jenes Widerspru-
       ches, in dem sich Smith bei seinen Untersuchungen fort-
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       während bewegte:  einerseits war er bestrebt, den verborgenen in-
       neren Zusammenhang  des kapitalistischen  Systems aufzudecken und
       andererseits, die  bürgerliche Produktionsweise,  ihre  äußerlich
       erscheinenden Lebensformen  zu beschreiben,  "ihren äußerlich er-
       scheinenden Zusammenhang  darzustellen" (Marx), zu katalogisieren
       und in  bestimmte Verstandesbegriffe  zu bringen.  Insofern Smith
       den ersten  Weg beschnitt, gelangte er zu einer richtigen Bestim-
       mung des Wertes durch die Arbeitszeit und erkannte den wahren Ur-
       sprung des  Mehrwerts; hier  lagen seine  wissenschaftlich  wert-
       vollen Erkenntnisse.  Insofern er jedoch dem zweiten Wege folgte.
       blieb er an der Oberfläche haften.
       Marx zeigt  die wissenschaftlichen  Verdienste von Smith und legt
       gleichzeitig mit  großer Meisterschaft  die vulgären Elemente in-
       nerhalb des  wissenschaftlichen Systems  von Smith  dar, auf  die
       sich die  vulgärökonomischen und apologetischen Theorien der Epi-
       gonen von  Smith gründen.  In Verbindung mit der Kritik des soge-
       nannten Smithschen  Dogmas, wonach  sich der gesamte Wert des ge-
       sellschaftlichen Produkts  in Revenue  auflöst,  gibt  Marx  eine
       theoretische Ausarbeitung  des Problems  der Reproduktion des ge-
       sellschaftlichen Gesamtkapitals  und behandelt besonders ausführ-
       lich den  Ersatz des  konstanten Kapitals.  Marx beschäftigt sich
       eingehend mit  der Smithschen Lehre über produktive und unproduk-
       tive Arbeit  und verfolgt  zugleich den Prozeß der Vulgarisierung
       dieser Ansichten durch nachfolgende Ökonomen. Dabei legt Marx ne-
       ben  den  methodologischen  Wurzeln  dieser  unwissenschaftlichen
       Theorien auch ihre klassenmäßige Bedingtheit bloß.
       Der zweite  Teil der "Theorien über den Mehrwert" beginnt mit ei-
       ner "Abschweifung", einer kritischen Darstellung der Grundrenten-
       theorie von  Rodbertus, der einen - allerdings mißlungenen - Ver-
       such unternommen  hatte, das Vorhandensein der absoluten Rente zu
       beweisen, die Ricardo noch nicht kannte. Die zentrale Stelle die-
       ses zweiten  Teils jedoch nimmt die ökonomische Theorie David Ri-
       cardos, insbesondere  seine Theorie  der Grundrente  ein. In  Ri-
       cardos theoretischem  System erreichte die klassische bürgerliche
       politische Ökonomie ihren Höhepunkt; Ricardo war, wie Marx sagte,
       ihr "letzter  großer Repräsentant",  dessen historische Bedeutung
       für die  Wissenschaft darin bestand, konsequent an der Bestimmung
       des Wertes durch die Arbeitszeit festgehalten und darauf gestützt
       untersucht zu haben, wieweit die übrigen, von den vorangegangenen
       Ökonomen entwickelten  ökonomischen Kategorien  als theoretischer
       Ausdruck der  bürgerlichen Produktionsverhältnisse  dieser Grund-
       lage entsprechen  oder widersprechen.  Wenngleich die historische
       Berechtigung und wissenschaftliche Notwendigkeit
       
       #XX# Vorwort
       -----
       dieser Verfahrensart  Ricardos in  der Geschichte der politischen
       Ökonomie auf  der Hand liegt, so entspringt ihr, wie Marx im ein-
       zelnen nachweist,  zugleich auch  die wissenschaftliche Unzuläng-
       lichkeit der  Ricardoschen Methode,  "eine Unzulänglichkeit,  die
       sich nicht nur in der Darstellungsart (formell) zeigt, sondern zu
       irrigen Resultaten führt, weil sie notwendige Mittelglieder über-
       springt und  in   u n m i t t e l b a r e r   Weise die Kongruenz
       der ökonomischen Kategorien untereinander nachzuweisen sucht". So
       hebt Marx  die großen wissenschaftlichen Verdienste Ricardos her-
       vor und  unterstreicht zugleich  die prinzipiellen Mängel der Me-
       thode Ricardos;  er kritisiert dessen Unfähigkeit, das Gesetz der
       Durchschnittsprofitrate mit dem Wertgesetz zu verbinden, das vul-
       gäre Element  in seiner  Profittheorie, die Tatsache, daß Ricardo
       die Entstehung des Marktwertes innerhalb eines Produktionszweiges
       mit der Bildung des Produktionspreises durcheinanderbringt, sowie
       die Verwechslung  der Gesetze  des Mehrwerts mit den Gesetzen des
       Profits usw.  Marx entwickelt zusammen mit der Kritik an Ricardos
       theoretischen Fehlern  seine eigenen  Anschauungen über  das Ver-
       hältnis von  Wert und  Produktionspreis, über absolute Grundrente
       und Differentialrente,  über die  Bildung  der  Durchschnittspro-
       fitrate und die Ursachen ihres Falls, über den Prozeß der Akkumu-
       lation des  Kapitals und seine ökonomischen Folgen sowie über das
       Problem der Krisen.
       Im dritten  Teil der "Theorien über den Mehrwert" wird die Kritik
       untersucht,  die  am  System  Ricardos  sowohl  von  rechts,  von
       Malthus, als  auch von  links, von englischen sozialistischen Ri-
       cardianern geübt  wurde. Marx  schildert den Prozeß der Auflösung
       der Ricardoschen  Schule und  zeigt, wie mit der Verschärfung des
       Klassenkampfes zwischen  Proletariat und Bourgeoisie die Vulgari-
       sierung selbst  die Grundlagen  der bürgerlichen  Ökonomie,  ihre
       Ausgangsbasis und  ihre wesentlichen  Kategorien ergreift. Zu Be-
       ginn des  dritten Teils  enthüllt Marx  das reaktionäre Wesen der
       ökonomischen Theorie von Malthus, er geißelt und widerlegt insbe-
       sondere jene  apologetische These,  nach der  die Verschwendungs-
       sucht der  unproduktiven Klassen das beste Mittel gegen die Über-
       produktion sei.  Im Kapitel  über die  Auflösung der Ricardoschen
       Schule zeigt Marx den Verfall der bürgerlichen politischen Ökono-
       mie, der  sich im  Verzicht auf  alle wertvollen Elemente des Ri-
       cardoschen Systems  äußerte, zu  einer fruchtlosen Scholastik und
       zum Teil  zynischen Apologetik  der kapitalistischen Produktions-
       weise führte, und in theoretischer Hinsicht wesentlich vulgäröko-
       nomische Züge  trägt. Im  Kapitel über die sozialistischen Ricar-
       dianer hebt  Marx ihre  Kritik am  Kapitalismus als verdienstvoll
       hervor, er  zeigt zugleich  ihr Unvermögen, die bürgerlichen Vor-
       aussetzungen der Ricardoschen Theorie
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       zu überwinden, sich von ihnen zu lösen, und auf neuen Grundlagen
       sozialistische Lehren  zu entwickeln.  Der Haupttext  des dritten
       Teils schließt  mit drei Kapiteln über Ramsay, Cherbuliez und Jo-
       nes. Marx  kritisiert ihre  unrichtigen Ansichten vom Kapital und
       vom Ursprung  des Profits;  gleichzeitig weist er darauf hin, daß
       sich bei  diesen Ökonomen  Ansätze zu einer historischen Betrach-
       tungsweise der kapitalistischen Produktionsweise und andere rich-
       tige theoretische Gesichtspunkte finden.
       Jeder Teilband  enthält Beilagen,  die sich  auf  den  jeweiligen
       Haupttext beziehen.  In den ersten Teil wurden 13 Beilagen aufge-
       nommen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um ergänzende Skizzen
       und Bemerkungen  über Ökonomen  und Philosophen  des 17.  und 18.
       Jahrhunderts, die in den letzten Heften des Manuskripts von 1861-
       1863 enthalten sind. Sie sind später geschriebene Ergänzungen zum
       Haupttext, den  Marx anfangs,  wie weiter oben bereits dargelegt,
       nach einem anderen Plan verfaßt hatte. Zu den Beilagen des ersten
       Teils gehört  auch die  theoretische Untersuchung  von Marx  über
       produktive und  unproduktive Arbeit,  die eine wesentliche Ergän-
       zung zum vierten Kapitel ist, sowie eine weniger umfangreiche Ab-
       schweifung zum gleichen Problemkreis. Zum Schluß findet der Leser
       die im  Januar 1863  geschriebenen Planentwürfe  zum 1.  und III.
       Teil des "Kapitals".
       In den  Beilagen zum  zweiten Teil befinden sich kurze ergänzende
       Notizen, die  Marx auf  die Umschläge  der Hefte XI, XII und XIII
       geschrieben hatte.
       Als Beilage  zum dritten  Teil wird  eine  Abhandlung  zum  Thema
       "Revenue and  its sources.  Die Vulgärökonomie"  gebracht, die im
       wesentlichen theoretischen  Charakter trägt,  aber auch  in theo-
       riegeschichtlicher Hinsicht  Bedeutung hat. Sie wurde als Beilage
       angeordnet, weil  dies aus  Marx' Inhaltsverzeichnis klar hervor-
       geht; dort  heißt es  nach "Richard  Jones" ausdrücklich  "Schluß
       dieses Teils  5", d.h.  der "Theorien  über den Mehrwert". Gleich
       danach folgen die Worte "Episode: Revenue and its sources". Somit
       bildet diese  "Episode" eine den Band abschließende Ergänzung zur
       gesamten historisch-kritischen Untersuchung von Marx.
       Der Text der "Theorien über den Mehrwert" wird in der Reihenfolge
       gebracht, wie er sich in den Manuskriptheften von Marx vorfindet.
       Einzelne Umstellungen  wurden nur in jenen Fällen vorgenommen, wo
       sich deren  Notwendigkeit aus  Marx' eigenen Weisungen ergibt. So
       hat Marx  z.B. in  Heft VII, das die Smithsche Auffassung von der
       produktiven Arbeit  behandelt und in diesem Zusammenhang den Vul-
       garisator der  Ansichten Smith',  Germain Garnier, erwähnt, einen
       umfangreichen Abschnitt über John Stuart Mill geschrieben. Er be-
       ginnt mit folgenden Worten:
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       "Bevor wir  auf Garnier  eingehn, einiges, hier episodisch einge-
       legt über den oben zitierten Mill junior. Das hier zu Sagende ge-
       hört eigentlich  später in  diesen  Abschnitt,  wo  von  der  Ri-
       cardoschen Theorie  vom Mehrwert zu sprechen; also nicht hierhin,
       wo wir  noch bei A. Smith." In Übereinstimmung mit diesem Hinweis
       und mit dem später von Marx zusammengestellten Inhaltsverzeichnis
       zu Heft  XIV wird die Abschweifung über John Stuart Mill im drit-
       ten Teil der "Theorien über den Mehrwert" veröffentlicht, wo Marx
       ihm innerhalb  des Kapitels  über die  Auflösung der Ricardoschen
       Schule einen  speziellen Abschnitt  zuweist. Ein anderes Beispiel
       für eine  Umstellung: Im  Heft X  findet sich ein kleines Kapitel
       über den  englischen Sozialisten  Bray (Seite  441-444 des  Manu-
       skripts); indessen  hat Marx in dem später geschriebenen Inhalts-
       verzeichnis auf  dem Umschlag  des Heftes XIV "Bray als Gegensatz
       gegen die  Ökonomen" dem  Kapitel "Gegensatz  gegen die Ökonomen"
       zugeordnet; diesem  Hinweis folgend,  werden die Manuskriptseiten
       über Bray  in das Kapitel "Gegensatz gegen die Ökonomen" übertra-
       gen.
       Das Marxsche  Manuskript ist  kaum gegliedert und enthält dement-
       sprechend nur  selten Überschriften. Die Gliederung des Textes in
       Kapitel erfolgt  nach den  Hinweisen von Marx, die sich in seinem
       Inhaltsverzeichnis und im Manuskript selbst finden. Für die Über-
       schriften innerhalb  des Textes  der "Theorien aber den Mehrwert"
       wurden benutzt:  1. die  wenigen Überschriften, die sich im Manu-
       skript selbst  finden, 2.  die Überschriften  aus dem Inhaltsver-
       zeichnis von  Marx, 3.  die Überschriften aus Marx' Planentwürfen
       zum I. und III. Teil des "Kapitals", die mit dem einen oder ande-
       ren Abschnitt des Manuskripts der "Theorien über den Mehrwert" in
       Beziehung stehen. Jedoch stellt alles das zusammen nur einen ver-
       hältnismäßig geringen Teil der Überschriften, mit denen die Kapi-
       tel und  ihre Unterabschnitte  in dieser  Ausgabe versehen werden
       mußten. Der größte Teil der Überschriften wurde von der Redaktion
       gegeben. In  den meisten  Fällen konnte  dabei auf Formulierungen
       von Marx  innerhalb des  Textes zurückgegriffen  werden. Wo  dies
       nicht möglich  war, wurden  die Überschriften in Anlehnung an die
       Terminologie und Ausdrucksweise von Marx formuliert.
       Dieses Vorwort  stützt sich auf das Vorwort zum Band 26 der zwei-
       ten russischen Ausgabe der Werke von Marx und Engels.
       Der Text  der "Theorien über den Mehrwert" wird nach den Photoko-
       pien der Handschrift von Marx veröffentlicht.
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       Der Marxsche  Originaltext wird unverändert gebracht. Offensicht-
       liche Schreibfehler  werden korrigiert,  ohne dies  zu vermerken.
       Jede wesentliche  Korrektur jedoch,  etwa eines  ganzen Wortes u.
       dgl., wird  stets in  Fußnoten der  Redaktion nachgewiesen. Abge-
       kürzte Worte werden in der Regel ausgeschrieben, mit Ausnahme von
       Personennamen, die in eckigen Klammern ergänzt werden. Zum besse-
       ren Verständnis  des Textes  sind einigen Stellen erklärende oder
       ergänzende Worte  in eckigen  Klammern eingefügt worden. Auch die
       redaktionellen Überschriften sind in eckige Klammern eingeschlos-
       sen. Dafür sind die von Marx gesetzten eckigen Klammern durch ge-
       schweifte Klammern  ersetzt worden;  dort, wo sie längere Ausfüh-
       rungen einschließen,  durch geschweifte  Klammern  in  halbfettem
       Druck. Einige  von Marx  gestrichene Stellen sind ihrer Bedeutung
       wegen in  den Text aufgenommen worden. Sie werden durch Einschluß
       in spitze Klammern gekennzeichnet.
       Alle längeren  Zitate erscheinen  in Kleindruck.  Handelt es sich
       dabei um  Zitate in  anderen Sprachen, so sind sie zur bequemeren
       Benutzung des Buches im Text übersetzt; ihr fremdsprachiger Wort-
       laut ist  im Anhang  zu finden.  Wesentliche Abweichungen vom zi-
       tierten Original sind in Fußnoten vermerkt. Das letzte jedoch be-
       trifft nicht  Zusammenfassungen von  Marx oder nicht gekennzeich-
       nete Kürzungen der Zitate. Stellen, die Marx beim Zitieren selber
       ins Deutsche  übersetzt hat,  sind in  dieser Fassung  selbstver-
       ständlich im  Text belassen  worden. Ferner  werden, wo  möglich,
       Übersetzungen der  Zitate  gebracht,  die  Marx  oder  Engels  im
       "Kapital" und  in anderen  Werken selber  gegeben haben.  Für die
       Übersetzung von Smith und Ricardo haben wir die Neuausgaben ihrer
       Hauptwerke vom Akademie-Verlag, Berlin herangezogen. 18*)
       Die von Marx in den Text eingestreuten fremdsprachigen Wörter und
       Sätze werden unverändert gebracht und in Fußnoten verdeutscht.
       Die Nummern  der Manuskripthefte  von Marx  werden durch römische
       Zahlen, die  Manuskriptseiten  durch  arabische  Zahlen  zwischen
       senkrechten Strichen  gekennzeichnet. Bei  fortlaufendem Text er-
       scheint die Seitenzahl nur einmal am Anfang jeder Manuskriptseite
       (z.B. ¦¦427¦);  bei Umstellung  des Textes sowie beim Übergang in
       ein anderes  Heft wird sowohl Anfang (¦¦XXII-1397¦) als auch Ende
       (¦XXII-1397¦¦) des betreffenden Textes gekennzeichnet.
       -----
       18*) Ricardo,  "Über die  Grundsätze der politischen Ökonomie und
       der Besteuerung". Übersetzt und mit einer Einleitung versehen von
       Gerhard Bondi,  Berlin 1959. - Smith, "Eine Untersuchung über das
       Wesen und die Ursachen des Reichtums der Nationen". Übersetzt und
       eingeleitet von Peter Thal, Bd. 1, Berlin 1963.
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       Rechtschreibung und  Zeichensetzung sind  modernisiert;  hingegen
       bleibt der  Lautstand der Wörter unverändert. Im Text vorkommende
       Uneinheitlichkeiten bei  Währungsbezeichnungen werden vereinheit-
       licht. Jeder  Teilband enthält Anmerkungen (auf die im Text durch
       hochgestellte Zahlen  in eckigen  Klammern hingewiesen wird), ein
       Literaturverzeichnis und ein Personenverzeichnis, ein Verzeichnis
       der Gewichte,  Maße und  Münzen sowie  ein Abkürzungsverzeichnis.
       Dem dritten  Teil des  Bandes 26  wird ein  Sachregister für alle
       drei Teile beigegeben.
       Die vorliegende Ausgabe der "Theorien über den Mehrwert", die den
       Band 26  der Werke  von Marx und Engels bildet, entspricht im we-
       sentlichen der  Ausgabe unseres  Instituts, die von 1956 bis 1962
       erschienen ist.  Durch einen  nochmaligen Vergleich  des gesamten
       Textes mit der Marxschen Handschrift wurden einige Entzifferungs-
       fehler beseitigt,  die Überschriften  präziser gefaßt und die An-
       merkungen der  Redaktion vervollkommnet. Ganz verändert wurde der
       Anhang der  fremdsprachigen Zitate.  Während in der Ausgabe 1956-
       1962 in  jedem Falle  eine unbedingte Übereinstimmung mit dem zi-
       tierten Original  hergestellt worden war, bringen wir in der vor-
       liegenden Ausgabe  die genaue  Marxsche Fassung  der betreffenden
       Zitate mit  allen Besonderheiten, z.B. Wechseln der Sprachen oder
       teilweise Übersetzung  ins Deutsche durch Marx. Damit stellt die-
       ser Teil  des Werkes  eine Erstveröffentlichung  dar. Zitate, die
       Marx im  Manuskript vollständig  ins  Deutsche  übersetzte,  sind
       nicht mehr in den besagten Anhang aufgenommen worden.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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