Quelle: MEW 26.1 Theorien über den Mehrwert - Erster Teil
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Vorwort
Der sechsundzwanzigste Band der Werke von Karl Marx und Friedrich
Engels enthält die "Theorien über den Mehrwert", die Marx von Ja-
nuar 1862 bis Juli 1863 geschrieben hat.
Die "Theorien über den Mehrwert" sind ein Teil des umfangreichen
ökonomischen Manuskripts von 1861-1863. Dieses Manuskript besteht
aus 23 Heften mit durchgehender Paginierung von 1 bis 1472 und
hat einen Gesamtumfang von etwa 200 Druckbogen; es bildet die
Fortsetzung des 1859 erschienenen ersten Heftes "Zur Kritik der
Politischen Oekonomie" und trägt den gleichen Titel. Es ist der
erste systematische, wenn auch noch nicht in Einzelheiten ausge-
arbeitete Entwurf aller Teile des ökonomischen Hauptwerkes von
Marx. Die ersten fünf Hefte und teilweise die Hefte XIX bis XXIII
umfassen den Inhalt des späteren ersten Bandes des "Kapitals". In
den Heften XXI bis XXIII werden mehrere Themen des "Kapitals" be-
handelt, darunter solche des zweiten Bandes. Den Problemen des
dritten Bandes sind die Hefte XVI und XVII gewidmet. Den größten
und am weitesten ausgearbeiteten Teil des Manuskripts bilden die
"Theorien über den Mehrwert"; sie umfassen die Hefte VI bis XV
und XVIII sowie einige historische Skizzen in anderen Heften und
haben einen Umfang von etwa 110 Druckbogen. Es ist dies die erste
und einzige Fassung des vierten Buches des "Kapitals"; Marx
nannte es zum Unterschied von den drei theoretischen Büchern den
historischen, den historisch-kritischen oder historisch-literari-
schen Teil seines Werkes.
Marx begann die "Theorien über den Mehrwert" entsprechend dem ur-
sprünglichen Plan für seine "Kritik der politischen Ökonomie" zu
schreiben. Über diesen Plan äußerte sich Marx im Vorwort zum er-
sten Heft seiner Schrift "Zur Kritik der Politischen Oekonomie",
in zahlreichen Briefen aus der Zeit zwischen 1858 und 1862 und
auch im Manuskript von 1861 bis
#VI# Vorwort
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1863 selbst. Aus allen diesen Angaben ergibt sich die folgende
schematische Darstellung vom geplanten Aufbau des Marxschen Wer-
kes:
Plan der "Kritik der politischen Ökonomie" (1858-1862)
I. Vom Kapital:
1. Das Kapital im all-
gemeinen 1. Die Verwandlung von
a) Die Ware Geld in Kapital
b) Das Geld 2. Der absolute Mehrwert
Der Produktionsprozeß{ 3. Der relative Mehrwert
des Kapitals 4. Die Kombination der
beiden
5. Theorien über den
c) Das Kapital{ Mehrwert
Der Zirkulationsprozeß
des Kapitals
Die Einheit von beiden
oder Kapital und Profit,
Zins
2. Die Konkurrenz
3. Der Kredit
4. Das Aktienkapital
II. Grundeigentum
III. Lohnarbeit
IV. Staat
V. Auswärtiger Handel
VI. Weltmarkt
Das Schema zeigt, daß die "Theorien über den Mehrwert" von Marx
ursprünglich nur als historische Abschweifung zum Abschnitt "Der
Produktionsprozeß des Kapitals" gedacht waren und ihn beschließen
sollten; in ähnlicher Weise war Marx 1859 beim ersten Heft "Zur
Kritik der Politischen Oekonomie" verfahren, und hatte den beiden
Kapiteln über Ware und Geld insgesamt drei theoriegeschichtliche
Anhänge beigegeben. 1*)
Das war Marx' ursprünglicher Plan. Im Verlaufe seiner Ausführung
jedoch wuchs der historische Abriß der bürgerlichen Theorien über
den Mehrwert weit über diesen Rahmen hinaus. Zunächst erforderte
das vorliegende Material selbst eine Erweiterung der Untersuchun-
gen. "Sämtliche
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1*) Vgl. Band 13 unserer Ausgabe, S. 379, 59 ff und 133 ff.
#VII# Vorwort
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Ökonomen", schreibt Marx, "teilen den Fehler, daß sie den Mehr-
wert nicht rein als solchen betrachten, sondern in den besondren
Formen von Profit und Rente." 2*) Die Kritik der bürgerlichen An-
sichten über den Mehrwert verflocht sich bei Marx deshalb mit der
Analyse der bürgerlichen Profit-, Renten- und Zinstheorien. Ande-
rerseits beschränkte sich Marx nicht auf die bloße Kritik
falscher und unzulänglicher Auffassungen, sondern stellte ihnen
seine eigene, in den Grundzügen und in den wesentlichen Einzel-
heiten bereits gegen Ende der fünfziger Jahre ausgearbeitete öko-
nomische Theorie entgegen, durch die eine Revolution der gesamten
politischen Ökonomie herbeigeführt wurde.
Um die ganze Eigenart der Bestandteile und der Struktur der
"Theorien über den Mehrwert" zu verstehen, muß man noch folgendes
beachten. Als Marx mit dieser Arbeit begann, war von den drei
theoretischen Teilen des "Kapitals" nur der erste Teil ("Der Pro-
duktionsprozeß des Kapitals") im Entwurf ausgearbeitet, während
vom zweiten und dritten Teil nur einzelne Abschnitte in Form vor-
läufiger Skizzen im Manuskript von 1857/1858 existierten. 3*)
Marx konnte sich also während der Arbeit an den "Theorien über
den Mehrwert" nicht auf diese oder jene Stelle des theoretischen
Teils beziehen, sondern mußte hier schon die theoretischen Fragen
positiv beantworten und klären, sobald sie im Verlaufe seiner
theoriegeschichtlichen Untersuchungen auftraten. Alles das führte
dazu, daß die Schrift einen enormen Umfang annahm.
Während der Arbeit an den "Theorien über den Mehrwert" erweiterte
sich beständig der Kreis der von Marx untersuchten Probleme. Noch
im Januar 1863 beabsichtigte Marx, das historisch-kritische Mate-
rial auf die theoretischen Abschnitte seiner Untersuchungen über
"Das Kapital im allgemeinen" zu verteilen, wie aus den Planent-
würfen zum ersten und dritten Teil des "Kapitals" hervorgeht. 4*)
Immer mehr zeigte sich aber die Bedeutung jener Einteilung für
das ganze theoretische Werk, die Marx ursprünglich nur für ein
einzelnes Kapitel vorgesehen hatte: 1. Der Produktionsprozeß des
Kapitals; 2. Der Zirkulationsprozeß des Kapitals; 3. Die Einheit
von beiden oder Kapital und Profit. 5*) Diese Gliederung erwies
sich
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2*) Siehe vorl. Band, S. 6.
3*) Das Manuskript von 1857/1858 wurde 1939-1941 vom Institut für
Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU in der Originalsprache
veröffentlicht. Es trägt den redaktionellen Titel "Grundrisse der
Kritik der politischen Ökonomie. Rohentwurf 1857/1858." 1953 er-
schien in der DDR ein photomechanischer Nachdruck dieser Ausgabe.
4*) Vgl. vorl. Band, S. 389 ff.
5*) Vgl. das Planschema auf S. VI. Siehe auch Marx an Lassalle,
11. März 1858 in Band 29 unserer Ausgabe, S. 554.
#VIII# Vorwort
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als so wichtig und so entscheidend, daß allmählich auch jene The-
men in sie einbezogen wurden, die nach dem ursprünglichen Plan
selbständige Abschnitte bilden sollten (z.B. "Die Konkurrenz der
Kapitalien", "Der Kredit", "Grundeigentum"). Während also die
drei theoretischen Teile immer deutlichere Konturen erhielten und
nach und nach alle theoretischen Probleme der politischen Ökono-
mie in sich aufnahmen, festigte sich bei Marx mehr und mehr die
Überzeugung, daß die "Theorien über den Mehrwert" einen selbstän-
digen Teil bilden und als viertes Buch das Gesamtwerk abschließen
müßten.
Von Marx' Absicht, die Geschichte der politischen Ökonomie von
der Mitte des 17. Jahrhunderts an kritisch zu verfolgen, zeugt
die ausführliche Skizze über William Petty, die in Heft XXII ent-
halten ist und im Mai 1863 geschrieben wurde. Diese Skizze steht
weder mit dem vorhergehenden noch mit dem nachfolgenden Text des
Manuskripts in inhaltlichem Zusammenhang; Marx hatte sie offenbar
für den historisch-kritischen Teil seines Werkes vorgesehen. In
diesem Abriß über Petty werden dessen Ansichten über Wert, Ar-
beitslohn, Grundrente, Bodenpreis, Zins usw. recht ausführlich
behandelt. Eine solche breite Erfassung der ökonomischen Ansich-
ten Pettys zeigt, daß mindestens im Mai 1863 schon jene Absicht
reifte, die Marx vier Jahre später im Brief an Sigfrid Meyer vom
30. April 1867 äußerte, worin er ihm die Struktur des "Kapitals"
mitteilte: "Der Band I umfaßt den 'Produktionsprozeß des Kapi-
tals'... Band II gibt Fortsetzung und Schluß der Theorien 6*),
Band III die Geschichte der Politischen Ökonomie seit Mitte des
17. Jahrhunderts."
Die erste ausdrückliche Erwähnung eines vierten Buches des
"Kapitals" finden wir im Brief von Marx an Engels vorn 31. Juli
1865. Er berichtet über den Fortgang seiner Arbeit am "Kapital":
Es sind noch 3 Kapitel zu schreiben, um den theoretischen Teil
(die 3 ersten Bücher) fertigzumachen. Dann ist noch das 4. Buch,
das historisch-literarische, zu schreiben, was mir relativ der
leichteste Teil ist, da alle Fragen in den 3 ersten Büchern ge-
löst sind, dies letzte also mehr Repetition in historischer Form
ist."
Zu diesem Zeitpunkt hatte Marx alle drei theoretischen Teile sei-
nes Werkes bereits erneut umgearbeitet und gegenüber 1863 spürbar
vervollkommnet. Der historisch-kritische Teil hingegen befand
sich nach wie vor in dem Zustand, wie er 1862/1863 niederge-
schrieben worden war und hätte ebenfalls
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6*) Marx beabsichtigte damals noch. Buch II und III des
"Kapitals" in einem Bande zu veröffentlichen.
#IX# Vorwort
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einer entsprechenden Umarbeitung bedurft. Dahingehend ist Marx zu
verstehen, wenn er davon spricht, daß das vierte Buch noch zu
schreiben sei. Zu einer solchen Umarbeitung und Ausfeilung der
"Theorien über den Mehrwert" ist Marx leider nie mehr gekommen;
es finden sich aber in verschiedenen Briefen von ihm Bemerkungen,
die den Schluß zulassen, daß Marx das theoriegeschichtliche Buch
des "Kapitals" in der seit 1863 vorliegenden Fassung auch später
in den Grundzügen als bereits erarbeitet angesehen hat. 7*)
Es ist bemerkenswert und interessant, in welcher Reihenfolge Marx
sein großes ökonomisches Werk schrieb. Er spricht selbst darüber
in einem Brief an Siegmund Schott vom 3. November 1877. "In der
Tat", heißt es dort, "begann ich 'Das Kapital' privatim genau in
der umgekehrten Reihenfolge (beginnend mit dem dritten, histori-
schen Teil), worin es dem Publikum vorgelegt wird, nur mit der
Beschränkung, daß der I., zuletzt in Angriff genommene Band 8*)
gleich für den Druck zurechtgemacht wurde, während die beiden an-
dren in der rohen Form blieben, welche alle Forschung originali-
ter besitzt." Anfang der sechziger Jahre hatte Marx schon zahl-
reiche grundlegende Thesen seiner ökonomischen Lehre im Prinzip
entwickelt. Aber systematisch und vollkommen ausgearbeitet lagen
zu dieser Zeit nur zwei einleitende Kapitel vor, die den Inhalt
des 1859 erschienenen ersten Heftes "Zur Kritik der Politischen
Oekonomie" bilden: das Kapitel über die Ware und das Kapitel über
das Geld. Das, was Marx selbst als das H a u p t k a p i t e l
seiner Arbeit bezeichnete, das heißt die Untersuchung des Kapi-
tals, befand sich ganz ungegliedert und kaum geordnet In seinem
Manuskript von 1857/1858. Um das angesammelte riesige Material
wissenschaftlich zu verarbeiten und ihm die notwendige Form zu
geben, um die Ausarbeitung der marxistischen ökonomischen Theorie
zu vollenden, begann Marx erneut, die bürgerliche Ökonomie, ins-
besondere die englischen Klassiker, gründlich zu durchforschen
und zu analysieren. Sehr bald nach Beginn der Niederschrift des
Hauptabschnitts seiner Arbeit, des Abschnitts über das Kapital,
unterbrach Marx die Darlegung der Lehre vom Mehrwert, um die hi-
storisch-kritische Abschweifung "Theorien über den Mehrwert" zu
beginnen, die im Fortgang der Marxschen Forschungen einen solchen
Umfang annahm, daß sie zum Hauptteil des Manuskripts von 1861-
1863 wurde.
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7*) Vgl. den weiter unten zitierten Brief an Siegmund Schott vom
3. November 1877. Dort spricht Marx von dem bereits geschriebenen
historischen Teil.
8*) Marx meint die endgültige, druckfertige Fassung des ersten
Bandes des "Kapitals", die er 1866 und in der ersten Hälfte des
Jahres 1867 erarbeitet hatte.
#X# Vorwort
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In den "Theorien über den Mehrwert" Ist die historisch-kritische
Untersuchung mit der Ausarbeitung einer ganzen Anzahl theoreti-
scher Grundfragen der marxistischen politischen Ökonomie eng ver-
bunden und verflochten. Das Werk vermittelt uns ein anschauliches
Bild von der Entstehung, von der Entwicklung und Blüte, sowie vom
Niedergang der bürgerlichen politischen Ökonomie bis zur Mitte
des 19. Jahrhunderts. In den "Theorien über den Mehrwert" zeigt
Marx "die historisch entscheidenden Formen, worin die Gesetze der
politischen Ökonomie zuerst ausgesprochen und weiterentwickelt
wurden". 9*) Marx würdigt im besonderen die großen wissenschaft-
lichen Verdienste der klassischen bürgerlichen politischen Ökono-
mie, vor allem ihrer Hauptrepräsentanten Adam Smith und David Ri-
cardo. Er verteidigt ihre richtigen Erkenntnisse in vielen Grund-
fragen der ökonomischen Theorie gegen die Angriffe ihrer Vulgari-
satoren und politischen Gegner. Mit großer Meisterschaft verbin-
det er diese Anerkennung mit einer prinzipiellen Kritik, wider-
legt ihre Fehler, verweist auf ihre Inkonsequenzen und deckt de-
ren klassenmäßige und methodologische Ursachen auf. Marx zitiert
und würdigt aber auch zahlreiche weniger bekannte ökonomische
Schriftsteller, wenn sie eine neue Stufe der wissenschaftlichen
Erkenntnis in bestimmten Fragen verkörpern; gleichzeitig jedoch
kritisiert er jene, deren Arbeiten keinerlei Fortschritt brach-
ten, sondern nur parasitären und überflüssigen Gesellschaftsklas-
sen dienten. Hierüber pflegte er im Kreise seiner Freunde zu sa-
gen: "Ich übe historische Gerechtigkeit; ich gehe jedem, was ihm
gebührt." 10*)
Die enge Verbindung zwischen den historisch-kritischen Untersu-
chungen und der theoretischen Ausarbeitung und Lösung zahlreicher
wichtiger ökonomischer Probleme hat in zweierlei Beziehung her-
vorragende Bedeutung. Erstens ist darin zu erkennen, wie Marx zu
einzelnen Bestandteilen seiner ökonomischen Lehre gelangte. Zwei-
tens finden wir in den "Theorien über den Mehrwert" nicht selten,
daß wesentliche Einzelprobleme hier viel ausführlicher behandelt
werden, als in den später geschriebenen drei theoretischen Bänden
des "Kapitals". Das betrifft beispielsweise das Problem der pro-
duktiven und unproduktiven Arbeit, die Unvermeidlichkeit von Kri-
sen im Kapitalismus, die absolute Grundrente und die Nationali-
sierung des Grund und Bodens, das Verhältnis von individuellem
Wert und Marktwert der Waren.
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9*) Siehe vorl. Band, S. 320.
10*) Paul Lafargue: "Karl Marx. Persönliche Erinnerungen." In:
"Mohr und General". Erinnerungen an Marx und Engels. Berlin 1964,
S. 334.
#XI# Vorwort
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Alles das macht die "Theorien über den Mehrwert" zu einem außer-
ordentlich wichtigen Werk der marxistischen politischen Ökonomie.
Es hat große Bedeutung nicht nur für das Verständnis der Ge-
schichte der bürgerlichen politischen Ökonomie, sondern auch für
die schöpferische Ausarbeitung vieler aktueller ökonomischer Pro-
bleme und für den Kampf gegen die zeitgenössische bürgerliche
Vulgärökonomie, gegen Revisionismus und Dogmatismus. Eine ganze
Anzahl pseudowissenschaftlicher Theorien, die in der Vulgärökono-
mie gegenwärtig Mode sind, wiederholen in diesem oder jenem Aus-
maß mit entsprechenden Variationen die unwissenschaftlichen An-
schauungen, die Marx bereits in den "Theorien über den Mehrwert"
kritisiert und widerlegt hat. Beispiele dafür sind die apologeti-
sche Auffassung von der Produktivität aller Berufe, die Theorie
von einer krisenfreien Entwicklung des Kapitalismus, die Vertei-
digung der unproduktiven Konsumtion, die menschenfeindliche Theo-
rie von der Unvermeidlichkeit des Elends breiter Volksmassen so-
wie die verschiedensten vulgären Werttheorien.
Die wesentlichen Schlußfolgerungen seiner umfassenden Erforschung
der Geschichte der bürgerlichen politischen Ökonomie hat Marx
1873 im Nachwort zur zweiten Auflage des ersten Bandes des
"Kapitals" gezogen: "Soweit sie bürgerlich ist, d.h. die kapita-
listische Ordnung statt als geschichtlich vorübergehende Entwick-
lungsstufe, umgekehrt als absolute und letzte Gestalt der gesell-
schaftlichen Produktion auffaßt, kann die politische Ökonomie nur
Wissenschaft bleiben, solange der Klassenkampf latent bleibt oder
sich in nur vereinzelten Erscheinungen offenbart.
Nehmen wir England. Seine klassische politische Ökonomie fällt in
die Periode des unentwickelten Klassenkampfs. Ihr letzter großer
Repräsentant, Ricardo, macht endlich bewußt den Gegensatz der
Klasseninteressen, des Arbeitslohns und des Profits, des Profits
und der Grundrente, zum Springpunkt seiner Forschungen, indem er
diesen Gegensatz naiv als gesellschaftliches Naturgesetz auffaßt.
Damit war aber auch die bürgerliche Wissenschaft der Ökonomie bei
ihrer unüberschreitbaren Schranke angelangt... Mit dem Jahr 1830
trat die ein für allemal entscheidende Krise ein.
Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische Macht
erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und theore-
tisch, mehr und mehr ausgesprochne und drohende Formen. Er läu-
tete die Totenglocke der wissenschaftlichen bürgerlichen Ökono-
mie. Es handelte sich jetzt nicht mehr darum, ob dies oder jenes
Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder schäd-
lich, bequem oder unbequem, ob polizeiwidrig oder nicht. An die
Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte
#XII# Vorwort
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Klopfflechterei; an die Stelle unbefangner wissenschaftlicher Un-
tersuchung das böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apolo-
getik... Männer, die noch wissenschaftliche Bedeutung beanspruch-
ten, und mehr sein wollten als bloße Sophisten und Sykophanten
der herrschenden Klassen, suchten die politische Ökonomie des Ka-
pitals in Einklang zu setzen mit den jetzt nicht länger zu igno-
rierenden Ansprüchen des Proletariats. Daher ein geistloser Syn-
kretismus, wie ihn John Stuart Mill am besten repräsentiert. Es
ist eine Bankrotterklärung der 'bürgerlichen' Ökonomie, welche
der große russische Gelehrte und Kritiker N. Tschernyschewski in
seinem Werk 'Umrisse der politischen Ökonomie nach Mill' bereits
meisterhaft beleuchtet hat... Wie zur klassischen Zeit der bür-
gerlichen Ökonomie blieben die Deutschen auch zur Zeit ihres Ver-
falls bloße Schüler, Nachbeter und Nachtreter, Kleinhausierer des
ausländischen Großgeschäfts. Die eigentümliche historische Ent-
wicklung der deutschen Gesellschaft schloß hier also jede origi-
nelle Fortbildung der 'bürgerlichen' Ökonomie aus, aber nicht de-
ren - Kritik. Soweit solche Kritik Oberhaupt eine Klasse ver-
tritt, kann sie nur die Klasse vertreten, deren geschichtlicher
Beruf die Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise und die
schließliche Abschaffung der Klassen ist - das Proletariat." 11*)
Als Marx 1883 starb, waren nicht nur die "Theorien über den Mehr-
wert", sondern auch der zweite und dritte Band des "Kapitals"
noch nicht veröffentlicht. Engels sah von diesem Zeitpunkt an
seine Hauptaufgabe darin, den handschriftlichen Nachlaß seines
Freundes und Kampfgefährten der Öffentlichkeit zugänglich zu ma-
chen, insbesondere aber den zweiten, dritten und vierten Band des
"Kapitals" ohne Verzug zu bearbeiten und herauszugeben. Der Er-
füllung dieser Pflicht gegenüber dem internationalen Proletariat
hat er mehr als zehn Jahre seines Lebens gewidmet.
Engels erwähnt das Manuskript "Theorien über den Mehrwert" zuerst
in seinen Briefen an Laura Lafargue vom 22. Mai 1883 und an
Kautsky vom 16. Februar 1884. Am 4. März des gleichen Jahres
teilt Engels Kautsky brieflich mit, daß er mit Otto Meißner, dem
Verleger des ersten Bandes des "Kapitals", hinsichtlich der Rei-
henfolge der weiteren Veröffentlichung übereingekommen sei und
daß zunächst das zweite Buch des Werkes herausgegeben werden
würde, während das dritte und die "Theorien über den Mehrwert"
nachfolgen sollten.
Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 19 - 22.
#XIII# Vorwort
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Ausführlicher spricht Engels über das abschließende Buch des
"Kapitals" in einem Brief an Bernstein vom August 1884: "... die
Geschichte der Theorie" ist, unter uns, in der Hauptsache ge-
schrieben. Das Manuskript zur 'Kritik der politischen Ökono-
mie'... enthält, wie ich Dir hier gezeigt zu haben glaube, zirka
500 Quartseiten 'Theorien über den Mehrwert' worin allerdings
sehr viel zu streichen, weil seitdem anders verarbeitet, aber
doch noch genug."
Die ausführlichsten Angaben über das Manuskript "Theorien über
den Mehrwert" und darüber, wie er sie herauszugeben beabsich-
tigte, machte Engels im Vorwort zum zweiten Band des "Kapitals",
das mit dem 5. Mai 1885 datiert ist. "Dieser Abschnitt", schreibt
er, "enthält eine ausführliche kritische Geschichte des Kern-
punkts der politischen Ökonomie, der Mehrwertstheorie, und ent-
wickelt daneben, in polemischem Gegensatz zu den Vorgängern, die
meisten der später im Manuskript zu Buch II und III besonders und
in logischem Zusammenhang untersuchten Punkte. Ich behalte mir
vor, den kritischen Teil dieses Manuskripts, nach Beseitigung der
zahlreichen durch Buch II und III. bereits erledigten Stellen,
als Buch IV des 'Kapitals' zu veröffentlichen. So wertvoll dies
Manuskript, so wenig war es für die gegenwärtige Ausgabe des Buch
II zu benutzen." 12*)
In Briefen vom Ende der Achtziger und zu Beginn der neunziger
Jahre erwähnt Engels noch mehrmals seine Absicht, nach der Her-
ausgabe des dritten Bandes des "Kapitals" an die Vorbereitung des
vierten Bandes, der "Theorien über den Mehrwert", zu gehen. Dort
spricht er sich schon viel weniger kategorisch über die Beseiti-
gung der theoretischen Passagen aus, die das Manuskript enthält.
Zum letzten Mal erwähnt Engels die "Theorien über den Mehrwert"
im Brief an Stephan Bauer vom 10. April 1895. Wie aus diesem
Brief zu entnehmen ist, hoffte Engels noch 1895, daß es ihm ver-
gönnt sein würde, dieses Werk von Marx herauszugeben. Jedoch ge-
lang es ihm nicht mehr, den abschließenden Band des "Kapitals"
druckfertig zu machen; er starb kaum vier Monate nach der Nieder-
schrift dieses Briefes. Lediglich einige Schreibfehler sind im
Manuskript der "Theorien über den Mehrwert" von seiner Hand kor-
rigiert worden.
Aus den angeführten Äußerungen von Engels geht hervor, daß er den
"Theorien über den Mehrwert" eine große Bedeutung beimaß und sie
als vierten Band des "Kapitals" ansah. Aber aus diesen Äußerungen
ist auch ersichtlich, daß Engels 1884/85 beabsichtigte, aus dem
Text des Manuskripts
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12*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 8.
#XIV# Vorwort
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die "zahlreichen durch Buch II und III bereits erledigten Stel-
len" zu beseitigen.
Aus dem Manuskript "Theorien über den Mehrwert" Textstellen zu
tilgen, wäre nur Engels als Mitschöpfer des "Kapitals" berechtigt
gewesen. Sollten die danach noch erhaltenen Manuskriptteile nicht
zusammenhanglose Fragmente bleiben, so wäre ihre vollständige Um-
arbeitung notwendig gewesen, und es hätte zahlreicher neuer Ein-
fügungen bedurft, um sie miteinander zu verbinden. Aber zu einer
solchen Bearbeitung des Marxschen Textes hätte wiederum nur En-
gels ein Recht gehabt.
Die "Theorien über den Mehrwert" wurden auch von Lenin sehr hoch
bewertet. In seinen Schriften bezog er sich oft auf dieses Marx-
sche Werk, wobei er den historisch-kritischen und den rein theo-
retischen Inhalt gleichermaßen hochschätzte. Von besonderem In-
teresse waren für Lenin jene Abschnitte, in denen Marx seine An-
sichten über das Wesen der Grundrente entwickelt hat. 13*) Er
weist auf "die glänzenden Erläuterungen von Marx in den 'Theorien
über den Mehrwert'" hin, "wo besonders anschaulich auch die im
bürgerlich-demokratischen Sinne revolutionäre Bedeutung der Na-
tionalisierung des Bodens nachgewiesen wird". 14*) Lenin führte
aus den "Theorien über den Mehrwert" die grundlegenden Aussagen
über die absolute Grundrente an und stellte fest, daß sie die
Richtigkeit seiner Interpretation dieses Problems bestätigen, wie
er sie wenige Jahre vor der Veröffentlichung der "Theorien über
den Mehrwert" in seiner Arbeit "Die Agrarfrage und die
'Marxkritiker'" gegeben hatte. 15*)
Die "Theorien über den Mehrwert" wurden zum ersten Mal in den
Jahren 1905 bis 1910 von Karl Kautsky veröffentlicht. Durch diese
Ausgabe ist die ausgezeichnete Arbeit von Marx einem breiten Le-
serkreis zugänglich gemacht worden; sie wurde in zahlreiche spra-
chen übersetzt. Dessen ungeachtet muß jedoch festgestellt werden,
daß die Ausgabe der "Theorien über den Mehrwert" von Kautsky den
Ansprüchen an eine wissenschaftliche Marx-Edition nicht gerecht
wird. Bei dem vorliegenden Marxschen Werk handelt es sich um
einen ersten Entwurf, um eine Rohfassung. Neben ausführlichen
Darlegungen stehen vielfach knappe, abgerissene
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13*) Vgl. Lenin, Werke, Band 5, Berlin 1955, S. 121 und Band 13,
Berlin 1963, S. 180, 270/271, 296/297.
14*) Lenin, Werke, Band 28, Berlin 1959, S. 314. Vgl. auch Band
13, Berlin 1963, S. 301, 320/321.
15*) Lenin, Werke, Band 5, Berlin 1955, S. 121.
#XV# Vorwort
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Sätze, oft nur kurze Hinweise für die spätere Ausarbeitung. Marx
wechselt auch beständig innerhalb dreier Sprachen, die er glei-
chermaßen beherrschte - Deutsch, Französisch und Englisch. Diese
und andere Schwierigkeiten lassen in einzelnen Fällen mehrere
Deutungsmöglichkeiten eines Marxschen Gedankens zu. Es ist daher
unangebracht, hier glätten zu wollen und ganz ausgeschlossen,
einen "flüssigen" Text herzustellen, wenn nicht etwas ganz an-
deres herauskommen soll, als das Werk von Marx. Da Marx selbst
nicht mehr zu einer Umarbeitung gekommen ist, muß der Herausgeber
der wissenschaftlichen Forschung das zugänglich machen, was Marx
hinterlassen hat und sich, wie Engels sagte und beim dritten Band
des "Kapitals" selbst auch tat, auf die notwendige Ordnung des
Vorhandenen beschränken.
Kautsky verfuhr anders. Zunächst lehnte er den Gedanken prinzipi-
ell ab, die "Theorien über den Mehrwert" als vierten Band des
"Kapitals" herauszugeben, d.h. so zu verfahren, wie es Marx und
auch Engels beabsichtigt hatten. Kautsky betrachtete die
"Theorien über den Mehrwert" als Parallelwerk zum "Kapital" und
behauptete darüberhinaus, daß ihm ein logischer Plan und jegliche
Ordnung fehle. Aus dieser falschen Einstellung entsprangen auch
seine willkürlichen Methoden der Behandlung des Manuskripts von
Marx. Er verstand offenbar die eigenartige Struktur der Arbeit
von Marx nicht und erfaßte kaum die Bedeutung, die in ihr die
Verbindung und Verflechtung der historisch-kritischen Untersu-
chungen mit den Darlegungen theoretischer Erkenntnisse von Marx
haben. Kautsky ignorierte das von Marx auf den Umschlägen seiner
Hefte notierte Inhaltsverzeichnis, das am besten den Aufbau der
einzelnen Kapitel und Abschnitte zu verstehen erlaubt, und verän-
derte die Struktur der Arbeit sehr stark.
Die "Theorien über den Mehrwert" beginnen bei Marx mit der allge-
meinen Bemerkung, daß sämtliche Ökonomen den Mehrwert nicht rein
als solchen, sondern in seinen besonderen Formen von Profit und
Rente betrachten. Dann folgt ein kurzes Kapitel über James
Steuart. Dieses Kapitel ist die Einleitung zur Analyse der Theo-
rie der Physiokraten, die die Untersuchung über den Ursprung des
Mehrwerts aus der Sphäre der Zirkulation in die Sphäre der unmit-
telbaren Produktion verlegt hatten. Dann geht Marx über zu einer
ausführlichen Untersuchung der Lehre von Smith, um danach erneut
zu den Physiokraten zurückzukehren und den Teil ihrer Lehre zu
betrachten, in dem sie sich als gründlichere Forscher erwiesen
hatten als der zeitlich spätere Adam Smith: Die Darstellung des
gesellschaftlichen Reproduktions- und Zirkulationsprozesses in
dem berühmten
#XVI# Vorwort
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Tableau Économique von Quesnay. Eine solche Reihenfolge der er-
sten Kapitel der "Theorien über den Mehrwert" entspricht dem wi-
derspruchsvollen Entwicklungsweg der bürgerlichen politischen
Ökonomie, auf dem ein Schritt vorwärts in der Erforschung eines
Problems begleitet war von Stillstand oder Rückschritt in der Be-
handlung eines anderen.
Kautsky stieß diese von Marx gewählte Kapitelfolge um. Er setzte
an den Anfang seiner Ausgabe vier kleine aus den letzten Heften
des Manuskripts von 1861-1863 entnommene Fragmente, vermengte die
von Marx in den Heften VI bis XV und XVIII gegebene zusammenhän-
gende Darstellung mit den zusätzlichen Skizzen aus den Heften XX
bis XXIII, nahm aus dem Haupttext die theoretischen Untersuchun-
gen von Marx heraus, die unmittelbar mit der Analyse von Smith
und Quesnay verbunden sind und veröffentlichte sie als gesonderte
Anhänge.
Noch stärker brachte Kautsky den Marxschen Text im zweiten Band
seiner Ausgabe durcheinander. Dieser Band besteht aus zwei Tei-
len. Kautsky hat das Kapitel "Ricardos Profittheorie", das im Ma-
nuskript von Marx ein einheitliches Ganzes ist und eine streng
folgerichtige Kritik der Ansichten Ricardos über die Durch-
schnittsprofitrate und über die Ursachen ihres Falles enthält, in
zwei Teile gespalten und, durch 350 Seiten voneinander getrennt,
in den beiden Halbbänden untergebracht. Marx zeigt in diesem Ka-
pitel, wie Ricardos Fehler in der Rententheorie sich auf dessen
Theorie vom Profit auswirkten. Darum steht nicht zufällig in
Marx' Manuskript die Analyse der Ricardoschen Rententheorie vor
dem Kapitel "Ricardos Profittheorie". Kautsky hat dies ignoriert
und stellte den Text um, wobei er versuchte, ihn der Reihenfolge
der Darlegung anzupassen, die von Marx im dritten Band des
"Kapitals" angewandt worden war, wo jedoch keine historisch-kri-
tische Untersuchung der Auffassungen Ricardos gegeben wird, son-
dern die systematische Darlegung der Theorie von Marx.
In der Ausgabe Kautskys gibt es zahlreiche, durch nichts begrün-
dete Kürzungen des Marxschen Textes. Einige der Auslassungen
Kautskys sind besonders schwerwiegend, weil dadurch wichtige Aus-
sagen von Marx untergingen. Als Beispiel kann man die Stelle aus
dem Kapitel über Ramsay anführen, wo Marx davon spricht, daß die
Akkumulation des Kapitals die Lage der Arbeiterklasse verschlech-
tert (S. 1098 des Manuskripts von Marx), sowie die Stelle aus dem
Kapitel über Cherbuliez, wo von der absoluten Verminderung des
variablen Kapitals in den entwickelteren Sphären der kapitalisti-
schen Produktion die Rede ist (S. 1112/1113 des Manuskripts von
Marx).
#XVII# Vorwort
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Die Entzifferung der Marxschen Handschrift ist außerordentlich
kompliziert. Engels selbst hatte Kautsky in die Entzifferung der
schwer lesbaren Handschrift von Marx eingeführt und ihm viele
Hinweise und Ratschläge erteilt, wie die "Hieroglyphen" zu bewäl-
tigen seien. Trotzdem hat Kautsky diese Arbeit nicht sorgfältig
genug ausgeführt. Selbst deutlich geschriebene Stellen hat er
fehlerhaft entziffert und damit mehrfach Marxsche Gedanken ent-
stellt oder unverständlich gemacht. Als Beispiel möge die fehler-
hafte Entzifferung des Wortes "Prozeß" im Kapitel über Ricardos
Akkumulationstheorie dienen (S. 703 des Manuskripts von Marx).
Bei Marx heißt es: "Indes den allgemeinen Prozeß betrachtet ist
klar, daß die Produzenten von Lebensmitteln keine Ersatz-Maschi-
nerie oder Ersatz-Rohmaterial kaufen können, wenn die Produzenten
des Ersatzes an konstantem Kapital ihnen nicht ihre Lebensmittel
abkaufen, wenn diese Zirkulation also nicht wesentlich Austausch
zwischen Lebensmitteln und konstantem Kapital ist." Kautsky er-
setzte in seiner Ausgabe das Wort "Prozeß" durch das Wort
"Profit" und machte damit den klaren Gedanken von Marx völlig un-
verständlich. 16*)
Fremdsprachige Stellen des Manuskripts hat Kautsky oft ungenau
übersetzt, er hat einige unrichtige redaktionelle Einfügungen und
unbegründete Korrekturen des Marxschen Textes vorgenommen. Außer-
dem findet sich in der Ausgabe von Kautsky auch der Ersatz Marx-
scher Termini durch andere. So heißt es dort statt "Arbeits-
bedingungen" "Produktionsmittel", statt "Arbeitsinstrumente"
"Arbeitsmittel" und statt "Durchschnittspreis" "Produktions-
preis".
*
Die wesentlichen Mängel und Fehler der Ausgabe von Karl Kautsky
machten eine prinzipiell neue Ausgabe der "Theorien über den
Mehrwert" notwendig. In jahrelanger Vorbereitungsarbeit wurden in
der Sowjetunion die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen.
1950 wurden die Prinzipien für die Neuausgabe des Werkes sowie
ein detailliertes Inhaltsverzeichnis desselben veröffentlicht und
zur Diskussion gestellt. 17*) Im Jahre 1954 gab das Institut für
Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU den
-----
16*) Zahlreiche weitere Beispiele für die nachlässige Entziffe-
rung wesentlicher Textstellen durch Kautsky findet man in: B. C.
??????????, "?????? ??????? ????? ????????? ? ?????????????
???????? ????? ??????", ?????? 1963.
17*) Vgl. "???????? ?????????", Nr.9/1950 (deutsch in
"Sowjetwissenschaft. Gesellschaftswissenschaftliche Abteilung",
Heft 3/1951, S. 468-479).
#XVIII# Vorwort
-----
ersten Teil der neuen, wissenschaftlichen Ausgabe der "Theorien
über den Mehrwert" in russischer Sprache heraus; ihm folgte 1957
der zweite und Anfang 1961 der dritte Teil.
Der neuen Ausgabe der "Theorien über den Mehrwert" liegt das
handschriftliche Manuskript von Marx zugrunde, dessen Entziffe-
rung sorgfältig überprüft und in vielen Fällen wesentlich präzi-
siert wurde. Für die Wiedergabe des Haupttextes, für seine Anord-
nung und Gliederung wurde das Inhaltsverzeichnis von Marx weitge-
hend ausgenutzt, das er auf die Umschläge der Hefte VI bis XV des
Manuskripts geschrieben hatte.
Die Einteilung der neuen Ausgabe in drei Teile wurde durch den
großen Umfang des Werkes notwendig und entspricht seinem Inhalt:
der erste Teil beschäftigt sich im wesentlichen mit der politi-
schen Ökonomie vor Ricardo, der zweite Teil mit Ricardo selbst
und der dritte Teil mit den Ökonomen nach Ricardo.
Der erste Teil der "Theorien über den Mehrwert" behandelt haupt-
sächlich die Anschauungen der Physiokraten und Adam Smith'. Marx
hebt die beiden großen Verdienste der Physiokraten in der Ge-
schichte der ökonomischen Wissenschaft hervor: Einerseits verleg-
ten sie die Untersuchung über den Ursprung des Mehrwerts aus der
Sphäre der Zirkulation in die Sphäre der unmittelbaren Produk-
tion; andererseits unternahmen sie als erste den Versuch, den ge-
samten Reproduktions- und Zirkulationsprozeß des Kapitals im Rah-
men eines ganzen Landes darzustellen. Marx hob bei der Untersu-
chung der ökonomischen Anschauungen der Physiokraten die Ihnen
eigentümliche unhistorische Betrachtungsweise hervor, die bürger-
lichen Produktionsformen für ewige, natürliche Formen zu halten,
worin es ihnen die gesamte nachfolgende bürgerliche Ökonomie
gleichtat. Er zeigt auch die Zwieschlächtigkeit in ihrer Auffas-
sung vom Mehrwert, der bei ihnen das eine Mal als reines Geschenk
der Natur auftritt, das andere Mal als Resultat der Mehrarbeit
des Agrikulturarbeiters, das sich die Grundeigentümer aneignen.
Marx weist in diesem ersten Teil auch die in der Lehre von Adam
Smith enthaltenen Widersprüche, Unzulänglichkeiten und Fehler
nach und zeigt dessen Zwieschlächtigkeit in der Darlegung der
wichtigsten ökonomischen Kategorien, wie Wert, Mehrwert, produk-
tive Arbeit usw., die insbesondere in den verschiedenen von Smith
gegebenen, nebeneinanderstehenden und einander widersprechenden
Wertbestimmungen zum Ausdruck kommt. Diese Zwieschlächtigkeit,
die sich durch das gesamte Werk von Adam Smith hindurchzieht und
ihm jegliche Einheitlichkeit nimmt, ist Ausdruck jenes Widerspru-
ches, in dem sich Smith bei seinen Untersuchungen fort-
#XIX# Vorwort
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während bewegte: einerseits war er bestrebt, den verborgenen in-
neren Zusammenhang des kapitalistischen Systems aufzudecken und
andererseits, die bürgerliche Produktionsweise, ihre äußerlich
erscheinenden Lebensformen zu beschreiben, "ihren äußerlich er-
scheinenden Zusammenhang darzustellen" (Marx), zu katalogisieren
und in bestimmte Verstandesbegriffe zu bringen. Insofern Smith
den ersten Weg beschnitt, gelangte er zu einer richtigen Bestim-
mung des Wertes durch die Arbeitszeit und erkannte den wahren Ur-
sprung des Mehrwerts; hier lagen seine wissenschaftlich wert-
vollen Erkenntnisse. Insofern er jedoch dem zweiten Wege folgte.
blieb er an der Oberfläche haften.
Marx zeigt die wissenschaftlichen Verdienste von Smith und legt
gleichzeitig mit großer Meisterschaft die vulgären Elemente in-
nerhalb des wissenschaftlichen Systems von Smith dar, auf die
sich die vulgärökonomischen und apologetischen Theorien der Epi-
gonen von Smith gründen. In Verbindung mit der Kritik des soge-
nannten Smithschen Dogmas, wonach sich der gesamte Wert des ge-
sellschaftlichen Produkts in Revenue auflöst, gibt Marx eine
theoretische Ausarbeitung des Problems der Reproduktion des ge-
sellschaftlichen Gesamtkapitals und behandelt besonders ausführ-
lich den Ersatz des konstanten Kapitals. Marx beschäftigt sich
eingehend mit der Smithschen Lehre über produktive und unproduk-
tive Arbeit und verfolgt zugleich den Prozeß der Vulgarisierung
dieser Ansichten durch nachfolgende Ökonomen. Dabei legt Marx ne-
ben den methodologischen Wurzeln dieser unwissenschaftlichen
Theorien auch ihre klassenmäßige Bedingtheit bloß.
Der zweite Teil der "Theorien über den Mehrwert" beginnt mit ei-
ner "Abschweifung", einer kritischen Darstellung der Grundrenten-
theorie von Rodbertus, der einen - allerdings mißlungenen - Ver-
such unternommen hatte, das Vorhandensein der absoluten Rente zu
beweisen, die Ricardo noch nicht kannte. Die zentrale Stelle die-
ses zweiten Teils jedoch nimmt die ökonomische Theorie David Ri-
cardos, insbesondere seine Theorie der Grundrente ein. In Ri-
cardos theoretischem System erreichte die klassische bürgerliche
politische Ökonomie ihren Höhepunkt; Ricardo war, wie Marx sagte,
ihr "letzter großer Repräsentant", dessen historische Bedeutung
für die Wissenschaft darin bestand, konsequent an der Bestimmung
des Wertes durch die Arbeitszeit festgehalten und darauf gestützt
untersucht zu haben, wieweit die übrigen, von den vorangegangenen
Ökonomen entwickelten ökonomischen Kategorien als theoretischer
Ausdruck der bürgerlichen Produktionsverhältnisse dieser Grund-
lage entsprechen oder widersprechen. Wenngleich die historische
Berechtigung und wissenschaftliche Notwendigkeit
#XX# Vorwort
-----
dieser Verfahrensart Ricardos in der Geschichte der politischen
Ökonomie auf der Hand liegt, so entspringt ihr, wie Marx im ein-
zelnen nachweist, zugleich auch die wissenschaftliche Unzuläng-
lichkeit der Ricardoschen Methode, "eine Unzulänglichkeit, die
sich nicht nur in der Darstellungsart (formell) zeigt, sondern zu
irrigen Resultaten führt, weil sie notwendige Mittelglieder über-
springt und in u n m i t t e l b a r e r Weise die Kongruenz
der ökonomischen Kategorien untereinander nachzuweisen sucht". So
hebt Marx die großen wissenschaftlichen Verdienste Ricardos her-
vor und unterstreicht zugleich die prinzipiellen Mängel der Me-
thode Ricardos; er kritisiert dessen Unfähigkeit, das Gesetz der
Durchschnittsprofitrate mit dem Wertgesetz zu verbinden, das vul-
gäre Element in seiner Profittheorie, die Tatsache, daß Ricardo
die Entstehung des Marktwertes innerhalb eines Produktionszweiges
mit der Bildung des Produktionspreises durcheinanderbringt, sowie
die Verwechslung der Gesetze des Mehrwerts mit den Gesetzen des
Profits usw. Marx entwickelt zusammen mit der Kritik an Ricardos
theoretischen Fehlern seine eigenen Anschauungen über das Ver-
hältnis von Wert und Produktionspreis, über absolute Grundrente
und Differentialrente, über die Bildung der Durchschnittspro-
fitrate und die Ursachen ihres Falls, über den Prozeß der Akkumu-
lation des Kapitals und seine ökonomischen Folgen sowie über das
Problem der Krisen.
Im dritten Teil der "Theorien über den Mehrwert" wird die Kritik
untersucht, die am System Ricardos sowohl von rechts, von
Malthus, als auch von links, von englischen sozialistischen Ri-
cardianern geübt wurde. Marx schildert den Prozeß der Auflösung
der Ricardoschen Schule und zeigt, wie mit der Verschärfung des
Klassenkampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie die Vulgari-
sierung selbst die Grundlagen der bürgerlichen Ökonomie, ihre
Ausgangsbasis und ihre wesentlichen Kategorien ergreift. Zu Be-
ginn des dritten Teils enthüllt Marx das reaktionäre Wesen der
ökonomischen Theorie von Malthus, er geißelt und widerlegt insbe-
sondere jene apologetische These, nach der die Verschwendungs-
sucht der unproduktiven Klassen das beste Mittel gegen die Über-
produktion sei. Im Kapitel über die Auflösung der Ricardoschen
Schule zeigt Marx den Verfall der bürgerlichen politischen Ökono-
mie, der sich im Verzicht auf alle wertvollen Elemente des Ri-
cardoschen Systems äußerte, zu einer fruchtlosen Scholastik und
zum Teil zynischen Apologetik der kapitalistischen Produktions-
weise führte, und in theoretischer Hinsicht wesentlich vulgäröko-
nomische Züge trägt. Im Kapitel über die sozialistischen Ricar-
dianer hebt Marx ihre Kritik am Kapitalismus als verdienstvoll
hervor, er zeigt zugleich ihr Unvermögen, die bürgerlichen Vor-
aussetzungen der Ricardoschen Theorie
#XXI# Vorwort
-----
zu überwinden, sich von ihnen zu lösen, und auf neuen Grundlagen
sozialistische Lehren zu entwickeln. Der Haupttext des dritten
Teils schließt mit drei Kapiteln über Ramsay, Cherbuliez und Jo-
nes. Marx kritisiert ihre unrichtigen Ansichten vom Kapital und
vom Ursprung des Profits; gleichzeitig weist er darauf hin, daß
sich bei diesen Ökonomen Ansätze zu einer historischen Betrach-
tungsweise der kapitalistischen Produktionsweise und andere rich-
tige theoretische Gesichtspunkte finden.
Jeder Teilband enthält Beilagen, die sich auf den jeweiligen
Haupttext beziehen. In den ersten Teil wurden 13 Beilagen aufge-
nommen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um ergänzende Skizzen
und Bemerkungen über Ökonomen und Philosophen des 17. und 18.
Jahrhunderts, die in den letzten Heften des Manuskripts von 1861-
1863 enthalten sind. Sie sind später geschriebene Ergänzungen zum
Haupttext, den Marx anfangs, wie weiter oben bereits dargelegt,
nach einem anderen Plan verfaßt hatte. Zu den Beilagen des ersten
Teils gehört auch die theoretische Untersuchung von Marx über
produktive und unproduktive Arbeit, die eine wesentliche Ergän-
zung zum vierten Kapitel ist, sowie eine weniger umfangreiche Ab-
schweifung zum gleichen Problemkreis. Zum Schluß findet der Leser
die im Januar 1863 geschriebenen Planentwürfe zum 1. und III.
Teil des "Kapitals".
In den Beilagen zum zweiten Teil befinden sich kurze ergänzende
Notizen, die Marx auf die Umschläge der Hefte XI, XII und XIII
geschrieben hatte.
Als Beilage zum dritten Teil wird eine Abhandlung zum Thema
"Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie" gebracht, die im
wesentlichen theoretischen Charakter trägt, aber auch in theo-
riegeschichtlicher Hinsicht Bedeutung hat. Sie wurde als Beilage
angeordnet, weil dies aus Marx' Inhaltsverzeichnis klar hervor-
geht; dort heißt es nach "Richard Jones" ausdrücklich "Schluß
dieses Teils 5", d.h. der "Theorien über den Mehrwert". Gleich
danach folgen die Worte "Episode: Revenue and its sources". Somit
bildet diese "Episode" eine den Band abschließende Ergänzung zur
gesamten historisch-kritischen Untersuchung von Marx.
Der Text der "Theorien über den Mehrwert" wird in der Reihenfolge
gebracht, wie er sich in den Manuskriptheften von Marx vorfindet.
Einzelne Umstellungen wurden nur in jenen Fällen vorgenommen, wo
sich deren Notwendigkeit aus Marx' eigenen Weisungen ergibt. So
hat Marx z.B. in Heft VII, das die Smithsche Auffassung von der
produktiven Arbeit behandelt und in diesem Zusammenhang den Vul-
garisator der Ansichten Smith', Germain Garnier, erwähnt, einen
umfangreichen Abschnitt über John Stuart Mill geschrieben. Er be-
ginnt mit folgenden Worten:
#XXII# Vorwort
-----
"Bevor wir auf Garnier eingehn, einiges, hier episodisch einge-
legt über den oben zitierten Mill junior. Das hier zu Sagende ge-
hört eigentlich später in diesen Abschnitt, wo von der Ri-
cardoschen Theorie vom Mehrwert zu sprechen; also nicht hierhin,
wo wir noch bei A. Smith." In Übereinstimmung mit diesem Hinweis
und mit dem später von Marx zusammengestellten Inhaltsverzeichnis
zu Heft XIV wird die Abschweifung über John Stuart Mill im drit-
ten Teil der "Theorien über den Mehrwert" veröffentlicht, wo Marx
ihm innerhalb des Kapitels über die Auflösung der Ricardoschen
Schule einen speziellen Abschnitt zuweist. Ein anderes Beispiel
für eine Umstellung: Im Heft X findet sich ein kleines Kapitel
über den englischen Sozialisten Bray (Seite 441-444 des Manu-
skripts); indessen hat Marx in dem später geschriebenen Inhalts-
verzeichnis auf dem Umschlag des Heftes XIV "Bray als Gegensatz
gegen die Ökonomen" dem Kapitel "Gegensatz gegen die Ökonomen"
zugeordnet; diesem Hinweis folgend, werden die Manuskriptseiten
über Bray in das Kapitel "Gegensatz gegen die Ökonomen" übertra-
gen.
Das Marxsche Manuskript ist kaum gegliedert und enthält dement-
sprechend nur selten Überschriften. Die Gliederung des Textes in
Kapitel erfolgt nach den Hinweisen von Marx, die sich in seinem
Inhaltsverzeichnis und im Manuskript selbst finden. Für die Über-
schriften innerhalb des Textes der "Theorien aber den Mehrwert"
wurden benutzt: 1. die wenigen Überschriften, die sich im Manu-
skript selbst finden, 2. die Überschriften aus dem Inhaltsver-
zeichnis von Marx, 3. die Überschriften aus Marx' Planentwürfen
zum I. und III. Teil des "Kapitals", die mit dem einen oder ande-
ren Abschnitt des Manuskripts der "Theorien über den Mehrwert" in
Beziehung stehen. Jedoch stellt alles das zusammen nur einen ver-
hältnismäßig geringen Teil der Überschriften, mit denen die Kapi-
tel und ihre Unterabschnitte in dieser Ausgabe versehen werden
mußten. Der größte Teil der Überschriften wurde von der Redaktion
gegeben. In den meisten Fällen konnte dabei auf Formulierungen
von Marx innerhalb des Textes zurückgegriffen werden. Wo dies
nicht möglich war, wurden die Überschriften in Anlehnung an die
Terminologie und Ausdrucksweise von Marx formuliert.
Dieses Vorwort stützt sich auf das Vorwort zum Band 26 der zwei-
ten russischen Ausgabe der Werke von Marx und Engels.
Der Text der "Theorien über den Mehrwert" wird nach den Photoko-
pien der Handschrift von Marx veröffentlicht.
#XXIII# Vorwort
-----
Der Marxsche Originaltext wird unverändert gebracht. Offensicht-
liche Schreibfehler werden korrigiert, ohne dies zu vermerken.
Jede wesentliche Korrektur jedoch, etwa eines ganzen Wortes u.
dgl., wird stets in Fußnoten der Redaktion nachgewiesen. Abge-
kürzte Worte werden in der Regel ausgeschrieben, mit Ausnahme von
Personennamen, die in eckigen Klammern ergänzt werden. Zum besse-
ren Verständnis des Textes sind einigen Stellen erklärende oder
ergänzende Worte in eckigen Klammern eingefügt worden. Auch die
redaktionellen Überschriften sind in eckige Klammern eingeschlos-
sen. Dafür sind die von Marx gesetzten eckigen Klammern durch ge-
schweifte Klammern ersetzt worden; dort, wo sie längere Ausfüh-
rungen einschließen, durch geschweifte Klammern in halbfettem
Druck. Einige von Marx gestrichene Stellen sind ihrer Bedeutung
wegen in den Text aufgenommen worden. Sie werden durch Einschluß
in spitze Klammern gekennzeichnet.
Alle längeren Zitate erscheinen in Kleindruck. Handelt es sich
dabei um Zitate in anderen Sprachen, so sind sie zur bequemeren
Benutzung des Buches im Text übersetzt; ihr fremdsprachiger Wort-
laut ist im Anhang zu finden. Wesentliche Abweichungen vom zi-
tierten Original sind in Fußnoten vermerkt. Das letzte jedoch be-
trifft nicht Zusammenfassungen von Marx oder nicht gekennzeich-
nete Kürzungen der Zitate. Stellen, die Marx beim Zitieren selber
ins Deutsche übersetzt hat, sind in dieser Fassung selbstver-
ständlich im Text belassen worden. Ferner werden, wo möglich,
Übersetzungen der Zitate gebracht, die Marx oder Engels im
"Kapital" und in anderen Werken selber gegeben haben. Für die
Übersetzung von Smith und Ricardo haben wir die Neuausgaben ihrer
Hauptwerke vom Akademie-Verlag, Berlin herangezogen. 18*)
Die von Marx in den Text eingestreuten fremdsprachigen Wörter und
Sätze werden unverändert gebracht und in Fußnoten verdeutscht.
Die Nummern der Manuskripthefte von Marx werden durch römische
Zahlen, die Manuskriptseiten durch arabische Zahlen zwischen
senkrechten Strichen gekennzeichnet. Bei fortlaufendem Text er-
scheint die Seitenzahl nur einmal am Anfang jeder Manuskriptseite
(z.B. ¦¦427¦); bei Umstellung des Textes sowie beim Übergang in
ein anderes Heft wird sowohl Anfang (¦¦XXII-1397¦) als auch Ende
(¦XXII-1397¦¦) des betreffenden Textes gekennzeichnet.
-----
18*) Ricardo, "Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und
der Besteuerung". Übersetzt und mit einer Einleitung versehen von
Gerhard Bondi, Berlin 1959. - Smith, "Eine Untersuchung über das
Wesen und die Ursachen des Reichtums der Nationen". Übersetzt und
eingeleitet von Peter Thal, Bd. 1, Berlin 1963.
#XXIV# Vorwort
-----
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind modernisiert; hingegen
bleibt der Lautstand der Wörter unverändert. Im Text vorkommende
Uneinheitlichkeiten bei Währungsbezeichnungen werden vereinheit-
licht. Jeder Teilband enthält Anmerkungen (auf die im Text durch
hochgestellte Zahlen in eckigen Klammern hingewiesen wird), ein
Literaturverzeichnis und ein Personenverzeichnis, ein Verzeichnis
der Gewichte, Maße und Münzen sowie ein Abkürzungsverzeichnis.
Dem dritten Teil des Bandes 26 wird ein Sachregister für alle
drei Teile beigegeben.
Die vorliegende Ausgabe der "Theorien über den Mehrwert", die den
Band 26 der Werke von Marx und Engels bildet, entspricht im we-
sentlichen der Ausgabe unseres Instituts, die von 1956 bis 1962
erschienen ist. Durch einen nochmaligen Vergleich des gesamten
Textes mit der Marxschen Handschrift wurden einige Entzifferungs-
fehler beseitigt, die Überschriften präziser gefaßt und die An-
merkungen der Redaktion vervollkommnet. Ganz verändert wurde der
Anhang der fremdsprachigen Zitate. Während in der Ausgabe 1956-
1962 in jedem Falle eine unbedingte Übereinstimmung mit dem zi-
tierten Original hergestellt worden war, bringen wir in der vor-
liegenden Ausgabe die genaue Marxsche Fassung der betreffenden
Zitate mit allen Besonderheiten, z.B. Wechseln der Sprachen oder
teilweise Übersetzung ins Deutsche durch Marx. Damit stellt die-
ser Teil des Werkes eine Erstveröffentlichung dar. Zitate, die
Marx im Manuskript vollständig ins Deutsche übersetzte, sind
nicht mehr in den besagten Anhang aufgenommen worden.
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED
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