Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil


       zurück

       #465# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
       -----
       [3. Absonderung einzelner Teile des Mehrwerts in Form verschiede-
       ner Revenuen. Verhältnis von Zins und industriellem Profit. Irra-
       tionalität der fetischisierten Formen der Revenue]
       
       Die weitre  "Verknöcherung" oder  Verselbständigung der    T e i-
       l u n g   des Profits  tritt so  hervor,  daß  der    P r o f i t
       [eines]  j e d e n  Kapitals - also daß auch der auf die Ausglei-
       chung  der   Kapitalien  unter   sich  gegründete      D u r c h-
       s c h n i t t s p r o f i t  - zerfällt oder zerlegt wird in zwei
       voneinander unabhängige  oder gegeneinander selbständige Bestand-
       teile: Zins  und industrieller  Profit, der  jetzt manchmal  auch
       Profit schlechthin  heißt oder neuen Taufnamen erhält,  w a g e s
       o f   l a b o u r   o f   s u p e r i n t e n d e n c e  1*) etc.
       Ist die  Profitrate  (Durchschnittsprofit)  =  15  p.c.  und  die
       Z i n s r a t e   (die immer, wie gesehn, in der allgemeinen Form
       fixiert ist)  = 5  p.c. (deren  allgemeine  Rate  immer  auf  dem
       Geldmarkt quotiert  ist als  "Wert" oder  "Preis" des Geldes), so
       betrachtet der  Kapitalist - auch wenn er Eigentümer des Kapitals
       ist und  keinen Teil  desselben   g e l i e h n   hat, der Profit
       also nicht  zwischen zwei Kapitalisten zu teilen ist - es so, daß
       von diesen  15  p.c.  5  p.c.  den    Z i n s    seines  Kapitals
       vorstellen, dagegen  nur 10  p.c. den  Profit, den  er durch  die
       produktive Anwendung  des Kapitals  gemacht. Diese  5  p.c.  Zins
       schuldet er  als "industrieller  Kapitalist" sich  selbst als dem
       "Eigentümer" des  Kapitals; kommt  seinem Kapital  an sich  [zu],
       daher auch  ihm als Eigentümer des Kapitals an sich (was zugleich
       das Sein  des Kapitals  für sich  oder das  Sein des Kapitals als
       Kapitalist, als  Eigentum, das  andre von sich ausschließt, ist),
       dem  Kapital,   abstrahiert   von   dem   Produktionsprozeß,   im
       Unterschied zum funktionierenden Kapital, prozessierenden Kapital
       und  dem   "industriellen  Kapitalisten"   als  Vertreter  dieses
       funktionierenden, "arbeitenden"  Kapitals.  Der  "Zins"  ist  die
       Frucht des  Kapitals, soweit  es nicht  "arbeitet", funktioniert,
       und der Profit ist die Frucht des "arbeitenden", funktionierenden
       Kapitals. Es  ist dies  analog, wie  der farming capitalist 2*) -
       der zugleich  Grundeigentümer,  Eigentümer  des  Bodens,  den  er
       kapitalistisch exploitiert  - den  Teil seines  Profits, der  die
       Rente bildet,  diesen Surplusprofit,  nicht sich  als Kapitalist,
       sondern sich  als Grundeigentümer, nicht dem Kapital, sondern dem
       Grundeigentum zuschreibt,  so daß  er, der  Kapitalist, sich  als
       Grundeigentümer die  "Rente" schuldet.  So tritt  das Kapital  in
       einer Bestimmtheit demselben
       -----
       1*) Lohn  für Arbeit  der Oberaufsicht - 2*) Landwirtschaft trei-
       bende Kapitalist
       
       #466# Beilagen
       -----
       Kapital in  seiner andren Bestimmtheit ganz so fix gegenüber, wie
       Grundeigentum und  Kapital, die  in der  Tat auf  zwei wesentlich
       verschiednen Produktionsmitteln gegründete Titel an die Aneignung
       fremder Arbeit bilden.
       Wenn einerseits  5 partners  1*) eine cotton mill 2*) führen 3*),
       die 100 000  l. Kapital  vorstellt und  10 p.c. Profit gibt, also
       10 000 l.,  so erhält  jeder von diesem Profit 1/5 = 2000 l. Wenn
       auf der  andren Seite ein einziger Kapitalist dasselbe Kapital in
       einer mill  stecken hat und denselben Profit von 10 000 l. macht,
       so rechnet er nicht so, daß er 2000 l. Partnerprofit einnehme und
       8000 £.  Kompanieprofit für  die nicht  existierenden 4 partners.
       B l o ß e   Teilung des  Profits an sich unter verschiedne ¦¦904¦
       Kapitalisten, die verschiedne juristische Titel an dasselbe Kapi-
       tal haben,  und in  der einen oder andren Form Miteigentümer des-
       selben Kapitals  sind, gründet daher keineswegs verschiedne Kate-
       gorien für diese Teile. Warum also die zufällige Teilung zwischen
       Ausleiher von Kapital und Leiher von Kapital?
       Prima facie  4*) handelt  es sich  nur um Teilung des Profits, wo
       zwei Eigentümer  des Kapitals,  Eigentümer unter verschiednen Ti-
       teln bestehn  - ein  prima facie juristisches, nicht ökonomisches
       Moment. Ob  ein Kapitalist  mit eignem Kapital oder fremdem, oder
       in welcher  Proportion er  mit eignem und fremdem produziert, ist
       an und  für sich  durchaus gleichgültig.  Wie kommt  es also, daß
       diese Teilung  des Profits  in [industriellen]  Profit  und  Zins
       nicht als eine zufällige Teilung erscheint, von dem Zufall abhän-
       gig, ob  der Kapitalist  mit  e i n e m  a n d r e n  wirklich zu
       teilen hat oder nicht, ob er zufällig mit eignem oder fremdem Ka-
       pital handelt, sondern daß vielmehr, auch wenn er bloß mit eignem
       Kapital produziert,  er unter  allen Umständen sich zerspaltet in
       bloßen Eigentümer  des Kapitals  und in Anwender des Kapitals, in
       Kapital außer  dem Produktionsprozeß  und Kapital im Produktions-
       prozeß, in Kapital, das  a n  s i c h  Zins abwirft, und Kapital,
       das als prozessierend den Profit abwirft?
       Es liegt  hier ein  reales Moment zugrund. Das Geld (als Wertaus-
       druck der  Ware überhaupt)  eignet sich im Prozeß bloß Mehrwert -
       wie er immer getauft und in welche Teile er immer zerlegt werde -
       an,  weil   es  schon     v o r     dem   Produktionsprozeß   als
       K a p i t a l  vorausgesetzt ist.  I m  Prozeß erhält, produziert
       und reproduziert  es sich  als Kapital  und auf stets erweiterter
       Stufenleiter. Aber schon  v o r  dem Prozeß - wenn einmal die ka-
       pitalistische Produktionsweise  gegeben, auf  ihrer Basis und in-
       nerhalb der  ihr entsprechenden  gesellschaftlichen  Verhältnisse
       gearbeitet wird,  also nicht erst vom Bildungsprozeß des Kapitals
       die Rede ist - existiert es als  K a p i t a l  an
       -----
       1*) Teilhaber - 2*) Baumwollspinnerei - 3*) (nicht eindeutig ent-
       ziffert) - 4*) Auf den ersten Blick
       
       #467# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
       -----
       sich, dem  Charakter nach,  der sich zwar erst im Prozeß verwirk-
       licht und  überhaupt seine  Wirklichkeit nur in dem Prozeß selbst
       hat. Ginge es nicht als Kapital in ihn ein, so käme es auch nicht
       als Kapital aus ihm heraus, d.h. als Profit abwerfendes Geld, als
       sich verwertender Wert, als Mehrwert zeugender Wert.
       Es ist  wie mit  dem Geld.  Das Geldstück z.B. ist nichts als ein
       Stück Metall.  Geld ist es nur durch seine Funktion im Zirkulati-
       onsprozeß. Aber den Zirkulationsprozeß der Waren einmal vorausge-
       setzt, fungiert  das Geldstück nicht nur als Geld, sondern es ist
       als solches  in jedem  einzelnen Fall dem Zirkulationsprozeß vor-
       ausgesetzt, eh es in ihn eingeht. Kapital ist nicht nur Resultat,
       sondern Voraussetzung  der kapitalistischen  Produktion. Geld und
       Waren sind  daher an  sich latentes Kapital, der Möglichkeit nach
       Kapital; alle  Waren, soweit  sie in  Geld verwandelbar sind, das
       Geld, soweit  es verwandelbar  ist in  solche Waren, die die Ele-
       mente des kapitalistischen Produktionsprozesses bilden. Geld also
       - als  der reine  Wertausdruck der Waren und Arbeitsbedingungen -
       ist an sich als Kapital der kapitalistischen Produktion vorausge-
       setzt. Was  ist das Kapital, nicht als Resultat, sondern als Vor-
       aussetzung des Prozesses betrachtet? Was macht es zum Kapital, eh
       es in  den Prozeß  eingeht, so  daß dieser  nur seinen immanenten
       Charakter entwickelt?  Die gesellschaftliche  Bestimmtheit, worin
       es da  ist. Daß  der lebendigen  Arbeit die vergangne Arbeit, der
       Tätigkeit das  Produkt, dem  Menschen die  Sache, der Arbeit ihre
       eignen gegenständlichen  Bedingungen als fremde, selbständige, an
       sich  festhaltende  Subjekte,  Personifikationen  gegenüberstehn,
       kurz als   f r e m d e s  E i g e n t u m,  und in dieser Gestalt
       als "employers"  1*) und  "commanders" 2*) der Arbeit selbst, die
       sie sich  aneignen, statt  von ihr  angeeignet zu werden. Daß der
       Wert -  existiere er  als Geld oder Ware -, weiter entwickelt die
       Arbeitsbedingungen, als   f r e m d e s  E i g e n t u m  dem Ar-
       beiter gegenüberstehn, als Selbsteigentümer, heißt weiter nichts,
       als daß  sie ihm als das  E i g e n t u m  des Nichtarbeiters ge-
       genüberstehn oder  wenigstens, daß er ihnen, soweit er Kapitalist
       ist,   gegenübersteht    nicht   als    Arbeiter,   sondern   als
       E i g e n t ü m e r   des Werts  etc., als  das    S u b j e k t,
       worin diese  Dinge ihren eignen Willen haben, sich selbst gehören
       und als  selbständige Mächte personifiziert sind. Das Kapital als
       Voraussetzung der  Produktion, das  Kapital, wie es nicht aus dem
       Produktionsprozeß herauskömmt,  sondern ist, bevor es in ihn ein-
       geht, ist  der Gegensatz,  worin die  Arbeit als fremde Arbeit zu
       ihm, und  worin es  selbst als fremdes Eigentum zur Arbeit steht.
       Es ist  die gegensätzliche gesellschaftliche Bestimmtheit, die in
       ihm ausgedrückt
       -----
       1*) "Anwender" - 2*) "Kommandeure"
       
       #468# Beilagen
       -----
       ist,   und    die,   getrennt   vom   Prozeß   selbst,   in   dem
       K a p i t a l e i g e n t u m   a l s  s o l c h e m  ¦¦905¦ sich
       ausdrückt.
       Dies eine  Moment nun, getrennt vom kapitalistischen Produktions-
       prozeß selbst,  dessen stetes Resultat es ist und als dessen ste-
       tes Resultat  es seine stete Voraussetzung ist, drückt sich darin
       aus, daß  Geld [und]  Ware an  sich latent  Kapital sind, daß sie
       a l s  K a p i t a l  v e r k a u f t  werden können, und daß sie
       in  dieser   Form  das     b l o ß e     E i g e n t u m    d e s
       K a p i t a l s,      den      K a p i t a l i s t e n      a l s
       b l o ß e n   E i g e n t ü m e r,  abgesehn von seiner kapitali-
       stischen Funktion,  vorstellen - die für sich betrachtet Kommando
       über fremde  Arbeit sind,  daher sich  verwertender Wert, und An-
       spruch auf Aneignung fremder Arbeit geben.
       Es tritt  hier auch  klar hervor,  daß dies   V e r h ä l t n i s
       der Titel  und das Mittel zur Aneignung fremder Arbeit ist, nicht
       irgendeine Arbeit  oder Gegenwert, die auf Seite des Kapitalisten
       gegeben werden.
       Der   Z i n s   erscheint daher  als der dem Kapital als Kapital,
       dem bloßen  Eigentum des  Kapitals geschuldete   M e h r w e r t,
       den es  aus dem Produktionsprozeß herausbringt, weil es als Kapi-
       tal in ihn eingeht, der also dem Kapitel als solchem zukömmt, un-
       abhängig vom  Produktionsprozeß,  obgleich  im  Produktionsprozeß
       sich erst bewährend, ein Mehrwert, den es daher als Kapital schon
       latent in sich enthält; der  i n d u s t r i e l l e  P r o f i t
       dagegen [erscheint]  als Teil des Mehrwerts, der dem Kapitalisten
       nicht als  Eigentümer des  Kapitals, sondern als funktionierender
       Eigentümer, funktionierendem Kapital zukommt. Wie alles in dieser
       Produktionsweise sich verkehrt darstellt, so auch schließlich die
       letzte Verkehrung  in dem  Verhältnis von Zins und Profit, so daß
       der unter  besondrer Rubrik  [Zins] abgeschiedne Teil des Profits
       vielmehr als  das eigenst  dem Kapital angehörige Produkt und der
       industrielle Profit  als bloß darauf gepfropfter Zusatz sich dar-
       stellt.
       Da der moneyed capitalist in der Tat nur als  E i g e n t ü m e r
       d e s   K a p i t a l s  seinen Teil am Mehrwert bezieht, während
       er außerhalb  des Produktionsprozesses selbst stehnbleibt; da der
       Preis des Kapitals - d.h. des bloßen Eigentumstitels am Kapital -
       auf dem  Geldmarkt in  der Zinsrate  quotiert ist, wie der Markt-
       preis jeder  andren Ware;  da der  Anteil, den das  K a p i t a l
       a n   s i c h,   das b l o ß e   E i g e n t u m  des Kapitals am
       Mehrwert gibt,  so eine gegebne Größe ist, während die Profitrate
       schwankt, jeden  Augenblick verschieden in den verschiednen Sphä-
       ren, in jeder Sphäre aber verschieden unter den einzelnen Kapita-
       listen, indem  sie teils  unter verschieden günstigen Bedingungen
       produzieren, teils  mit verschiednem Grad von Umsicht und Energie
       kapitalistisch die  Arbeit exploitieren,  teils mit  verschiednem
       Grad von  Glück und  Pfiffigkeit Käufer  oder Verkäufer von Waren
       übers Ohr
       
       #469# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
       -----
       hauen (profit  upon expropriation,  alienation 1*)), so erscheint
       ihnen natürlich,  sie mögen  Eigentümer oder  Nichteigentümer des
       prozessierenden Kapitals  sein, der  Z i n s  als dem Kapital als
       solchem, dem  Eigentum am  Kapital geschuldet; dem Eigentümer des
       Kapitals, ob  sie oder Dritte dies sind; dagegen der industrielle
       Profit als  Produkt  i h r e r  Arbeit. Sie stehn ja als funktio-
       nierende Kapitalisten  - wirkliche  Agenten der  kapitalistischen
       Produktion -  sich selbst  oder Dritten als bloßem, trägem Dasein
       des Kapitals gegenüber, daher als  A r b e i t e r  sich oder an-
       dren als   E i g e n t ü m e r.   Und  da sie nun einmal Arbeiter
       sind, sind  sie in der Tat Lohnarbeiter und wegen ihrer besondren
       Vorzüglichkeit nur besser bezahlte Lohnarbeiter, was sie zum Teil
       auch dem  Umstand verdanken,  daß sie sich selbst ihren Lohn zah-
       len.
       Während also  der   Z i n s    und  das    K a p i t a l    a l s
       z i n s t r a g e n d e s  den bloßen Gegensatz des gegenständli-
       chen Reichtums  gegen  die  Arbeit  und  darum  sein  Dasein  als
       K a p i t a l   ausdrückt, dreht  sich dies  in  der  Vorstellung
       grade um,  indem ja  das Phänomen  prima facie den  m o n e y e d
       c a p i t a l i s t   in gar  keinem Verhältnis zum Lohnarbeiter,
       sondern nur  im Verhältnis  zu andren Kapitalisten zeigt, während
       dieser andre  Kapitalist, statt  im Gegensatz  zur Lohnarbeit  zu
       stehn, vielmehr selbst als  A r b e i t e r  im Gegensatz zu sich
       oder andren  [Kapitalisten] als dem bloßen Dasein, als bloßem Ei-
       gentümer des Kapitals steht. Es kömmt hinzu, daß der einzelne Ka-
       pitalist entweder  sein Geld  a l s  K a p i t a l  ausleihn oder
       es   s e l b s t   als Kapital verwerten kann. Soweit er  Z i n s
       davon bezieht,  erhält er  nur den  Preis dafür,  den er auch er-
       hielte, wenn  er  nicht  als  Kapitalist  "funktionierte",  nicht
       "arbeitete". Es  ist daher  klar, daß  was er  eigentlich aus dem
       Produktionsprozeß zieht,  soweit es nur Zins ist er nur dem Kapi-
       tal verdankt, nicht dem Produktionsprozeß selbst und ¦¦906¦ nicht
       sich als Repräsentant des funktionierenden Kapitals.
       Daher auch die schöne Phrase bei einigen Vulgärökonomen: Zöge der
       industrielle Kapitalist keinen Profit außer dem Zins, so würde er
       sein Kapital verzinsen und als Rentier leben. So daß alle Kapita-
       listen aufhören würden zu produzieren und alles Kapital als Kapi-
       tal zu  funktionieren und doch von  s e i n e n  Z i n s e n  ge-
       lebt werden  könnte. Schon  Turgot [124] in ähnlicher Weise: Zöge
       der Kapitalist  keinen Zins,  so würde  er  Land  (kapitalisierte
       Rente) kaufen  und von  der Grundrente  leben. Hier aber doch, da
       die Grundrente  den wirklichen Mehrwert bei den Physiokraten ver-
       tritt, der Zins vom Mehrwert abgeleitet. Während Umkehrung in je-
       ner Vulgäransicht.
       Andrer Umstand  zu bemerken:  Für den industriellen Kapitalisten,
       der Geld geliehn hat, geht der Zins in die  K o s t e n  ein, die
       Kosten hier in dem
       -----
       1*) Profit bei der Entäußerung, Veräußerung
       
       #470# Beilagen
       -----
       Sinn, daß  sie den  vorgeschoßnen Wert bedeuten. Das Kapital z.B.
       von 1000  l. geht  nicht als  Ware zum  Wert von 1000 l. in seine
       Produktion ein,  sondern als  Kapital; also wenn Kapital von 1000
       l. jährlich  zu 10 p.c. Zins, so als Wert von 1100 in das jährli-
       che  Produkt.   Hier  tritt   es  also   klar  hervor,   daß  die
       W e r t s u m m e   (und die  Waren, worin sie dargestellt) nicht
       erst im  Produktionsprozeß Kapital wird, sondern als Kapital Vor-
       aussetzung des Produktionsprozesses bildet, und daher den ihr als
       bloßem Kapital  zukommenden Mehrwert bereits im Leib hat. Für den
       Industriellen, der  mit gepumptem Kapital arbeitet, geht der Zins
       oder das  Kapital als  Kapital und  solches ist es nur, soweit es
       einen Mehrwert  setzt (so  daß es als Ware z.B. 1000, als Kapital
       1100 wert  ist, d.h.  1000 +  1000/10, C + C/x) - in seine Kosten
       ein. Soweit  nur der  Zins im  Produkt herauskäme, wäre dies zwar
       ein Überschuß  über den Wert des vorgeschoßnen Kapitals als bloße
       Ware berechnet, aber nicht über den Wert der Ware als Kapital be-
       rechnet; er  hat wegzuzahlen diesen Mehrwert, er gehört zu seinen
       Vorschüssen, zu den Ausgaben, die er gemacht, um die Ware zu pro-
       duzieren.
       Was den Industriellen angeht, der mit eignem Kapital arbeitet, so
       hat er  sich selbst  den Zins  für das  Kapital zu zahlen und be-
       trachtet diesen als vorgeschossen. In der Tat, was er vorgeschos-
       sen hat,  ist ja nicht nur ein Kapital z.B. vom Wert von 1000 1.,
       sondern der  Wert von  1000 1.  als Kapital,  und dieser Wert ist
       1050 L,  wenn der  Zins = 5 p.c. Auch ist das keine müßige Refle-
       xion für  ihn. Denn  die 1000  l. würden  ihm als   K a p i t a l
       1050 einbringen,  wenn er  sie ausliehe,  statt sie  produktiv zu
       verwenden. Sofern  er also die 1000 l. vorschießt sich selbst als
       Kapital, schießt  er sich  1050 l. vor. Il faut bien se rattraper
       sur quelqu'un et fusse-t-il sur lui-même! 1*)
       Der Wert von Waren von 1000 l. Wert ist als Kapital 1050 l. D.h.,
       das Kapital  ist keine einfache Zahl; es ist nicht einfache Ware,
       sondern potenzierte  Ware; keine  einfache Größe, sondern Größen-
       verhältnis. Es  ist Verhältnis  als Hauptsumme, als gegebner Wert
       zu sich selbst als Mehrwert.
       Der Wert von C ist C (1 + 1/x) 1 (für I Jahr) oder C + C/x. Sowe-
       nig wie  in der  Gleichung a^x = n, das x aus den einfachen Rech-
       nungsarten zu  begreifen oder  zu entwickeln ist, sowenig die po-
       tenzierte Ware, das potenzierte Geld, das Kapital.
       Ganz wie  im Zins ein Teil des Profits, des vom Kapital erzeugten
       Mehrwerts, als  von dem  Kapitalisten vorgeschossen erscheint, so
       in der agricultural
       -----
       1*) Man  muß sich  eben an irgend jemand schadlos halten und wäre
       es an sich selbst!
       
       #471# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
       -----
       Produktion ein  andrer Teil,  die   G r u n d r e n t e.   Stellt
       sich hier  weniger auffallend irrational dar, weil die Rente hier
       als jährlicher Preis des Bodens erscheint, der so als Ware in die
       Produktion eingeht. Im "Preis des Bodens" liegt zwar größre Irra-
       tionalität als  im Preis  des Kapitals,  aber nicht  in der  Form
       selbst. Weil  der Boden  hier als  Gebrauchswert einer  Ware  er-
       scheint und die Grundrente als ihr Preis. (Das Irrationelle liegt
       darin, daß das, was nicht Produkt der Arbeit ist - Boden - Preis,
       also in Geld ausgedrückten Wert, also Wert haben, also als verge-
       genständlichte gesellschaftliche  Arbeit angeschaut werden soll.)
       Der äußerlichen  Form nach,  also wie  bei jeder  Ware, doppelter
       Ausdruck, als  Gebrauchswert und  Tauschwert, und  der Tauschwert
       ideell als  Preis ausgedrückt,  als etwas,  was die  Ware als Ge-
       brauchswert absolut  nicht ist. Dagegen in dem Ausdruck 1000 l. =
       1050 l., oder 50 l. ist der jährliche Preis von 1000 l., ist das-
       selbe auf  dasselbe bezogen,  Tauschwert auf  Tauschwert, und der
       Tauschwert soll als von sich Verschiednes sein eigner Preis sein,
       d.h. der Tauschwert selbst in Geld ausgedrückt.
       ¦¦907¦ Hier  gehn also  2 Formen  des Mehrwerts - Zins und Rente,
       Resultate der  kapitalistischen Produktion  - als Voraussetzungen
       in sie  ein, als Vorschüsse, die der Kapitalist selbst macht, die
       also für  ihn durchaus keinen Mehrwert, keinen Überschuß über den
       Wert der  gemachten Avancen repräsentieren. Bei diesen Formen des
       Mehrwerts erscheint es dem einzelnen Kapitalisten selbst, daß die
       Produktion von Mehrwert zu den Produktionskosten der kapitalisti-
       schen Produktion gehört, daß die Aneignung fremder Arbeit und des
       Surplus über  den Wert der im Prozeß konsumierten Waren (ob diese
       nun eingehn  in das  konstante oder  variable Kapital) eine diese
       Produktionsweise beherrschende  Bedingung ist.  Allerdings  tritt
       das auch  soweit hervor,  als der Durchschnittsprofit ein Element
       des Kostenpreises  der Ware,  hence a condition of supply, of the
       very creation  of the commodity 1*) bildet. Aber dennoch betrach-
       tet mit  Recht der  industrielle Kapitalist  dies Surplus, diesen
       Teil des  Mehrwerts -  obgleich er  ein  Element  der  Produktion
       selbst bildet  - für sich als Überschuß über seine Kosten, nicht,
       wie bei Zins und Rente, als zu  s e i n e n  Vorschüssen gehörig.
       In kritischen  Momenten tritt  in der Tat auch der Profit so weit
       ihm selbst  als Produktionsbedingung  gegenüber, als die contrac-
       tion or  stoppage of production 2*) erfolgt infolge eines Fallens
       des Preises,  das den  Profit verschlingt oder auffallend kontra-
       hiert. Daher der Blödsinn derer, die die verschiednen Formen des
       1*) also  eine Bedingung  der Zufuhr,  der Herstellung der Ware -
       2*) Einschränkung oder Einstellung der Produktion
       
       #472# Beilagen
       -----
       Mehrwerts als  bloße  Distributionsformen  betrachten.  Sie  sind
       ebensosehr Produktionsformen. ¦907¦¦
       ¦¦937¦ Es  könnte scheinen, daß in der Trinität Erde-Rente, Kapi-
       tal-Profit (Zins),  Arbeit-Arbeitslohn das letzte Glied am ratio-
       nalsten noch ist. Es ist wenigstens die source 1*) ausgesprochen,
       woraus der  Arbeitslohn fließt. Aber die letzte Form vielmehr die
       irrationalste und die Grundlage der beiden andren, wie Lohnarbeit
       überhaupt Erde  als Grundeigentum und Produkt als Kapital voraus-
       setzt. Nur wenn der Arbeit ihre Bedingungen in dieser Form gegen-
       übertreten, ist  sie Lohnarbeit. Als Lohnarbeit aber ist sie aus-
       gesprochen in  der Formel Arbeit-Arbeitslohn. Indem der Lohn hier
       als das  spezifische Produkt  der Arbeit  erscheint, das  einzige
       Produkt derselben  (und es ist in der Tat das einzige Produkt der
       Arbeit für  den Lohnarbeiter),  erscheinen die  andren Teile  des
       Werts - Rente, Profit (Zins) - ebenso notwendig aus andren spezi-
       fischen Quellen  fließend; und  ganz wie  der Teil  des Produkts-
       werts, der  sich in Arbeitslohn auflöst, als das spezifische Pro-
       dukt der  Arbeit [aufzufassen  ist], müssen  die Teile des Werts,
       die sich  in Rente und Profit auflösen, als spezifische Resultate
       der Agentien  aufgefaßt werden,  für die  sie sind, denen sie an-
       heimfallen, also  als offspring  of the earth and of the capital,
       respectively 2*). ¦937¦¦
       -----
       1*) Quelle - 2*) respektive Frucht der Erde und des Kapitals

       zurück