Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil
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[7. Luthers Überlegenheit über Proudhon in der Polemik gegen den
Zins. Änderung der Ansichten vom Zins mit der Entwicklung der ka-
pitalistischen Verhältnisse]
¦¦937¦ Luther, lebend in der Zeit der Auflösung der mittelaltrig
bürgerlichen Gesellschaft in die Elemente der modernen - ein Pro-
zeß, den der Welthandel und die Goldentdeckungen beschleunigten
-, kennt das Kapital natürlich nur in den 2 antediluvianischen
[Formen] des zinstragenden Kapitals und des Handelskapitals. Wenn
die schon erstarkte kapitalistische Produktion in ihrer Kind-
heitsphase das zinstragende Kapital gewaltsam dem industriellen
zu unterwerfen sucht - in Holland, wo die kapitalistische Produk-
tion in der Form der Manufaktur und des großen Handels zuerst
aufblüht, dies faktisch zuerst getan, in England im 17. Jahrhun-
dert als die erste Bedingung der kapitalistischen Produktion pro-
klamiert in zum Teil sehr naiven Formen -, so beim Übergang in
dieselbe umgekehrt die Anerkennung des "Wuchers", der altmodi-
schen Form des zinstragenden Kapitals, als einer Produktionsbe-
dingung, als notwendigem Produktionsverhältnis, der erste
Schritt; wie später, sobald das industrielle Kapital das zinstra-
gende sich unterworfen (18. Jahrhundert, Bentham [128]), es
selbst dessen Berechtigung anerkennt, es als Fleisch von seinem
Fleisch erkennt.
Luther steht über Proudhon. Es ist nicht der Unterschied zwischen
Leihen und Kaufen, der ihn irremacht; in beiden erkennt er den
Wucher gleichmäßig. Was an seiner Polemik sonst das Schlagendste,
ist, daß das Eingewachsensein des Zinses in das Kapital von ihm
als Hauptpunkt des Angriffs gefaßt wird.
#517# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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I. Bücher vom Kaufhandel und Wucher, vom Jahre 1524. VI. Teil von
Luthers Werken, Wittenberg, 1589. (Dies geschrieben zur Zeit oder
Vorabend des Bauernkriegs.)
Kaufhandel (Handelskapital):
"Nun ist bei den Kaufleuten eine große Klage über die Edelleut
oder Räuber" {Man sieht, warum die Kaufleute gegen die Bauern und
Ritter, mit den Fürsten} "wie sie mit großer Fahr müssen handeln,
und werden drüber gefangen, geschlagen, geschazt und beraubt etc.
Wenn sie aber solches um der Gerechtigkeit willen litten: so wä-
ren freilich die Kaufleut heilige Leut... Aber weil solch groß
Unrecht und unchristliche Dieberei und Räuberei über die ganze
Welt durch die Kaufleut, auch selbst untereinander, geschieht:
was ist Wunder, ob Gott schafft, daß solch groß Gut, mit Unrecht
gewonnen, wiederum verloren oder geraubt wird, und sie selbst
dazu über die Köpfe geschlagen oder gefangen werden? ... Und den
Fürsten gebürt, solche unrechte Kaufhändel mit ordentlicher Ge-
walt zu strafen und zu weren, daß ihre Untertanen nicht so
schändlich von den Kaufleuten geschunden würden. Weil sie das
nicht thun: so braucht Gott der Reuter und Räuber, und straft
durch sie das Unrecht an den Kaufleuten, und müssen seine Teufel
sein: gleich wie er Aegyptenland und alle Welt mit Teufeln plagt,
oder mit Feinden verderbt. Also stäupt er einen Buben mit dem an-
dren, ohne daß er dadurch zu verstehn gibt, daß Reuter geringere
Räuber sind denn die Kaufleut: sintemal die Kaufleut täglich die
ganze Welt rauben, wo ein Reuter im Jar einmal oder zwei, einen
oder zween beraubt." (S. 296.)
"...Gehet nach dem Spruche Esaie: Deine Fürsten sind der Diebe
Gesellen geworden. Dieweil lassen sie Diebe hängen, die einen
Gulden oder einen halben gestolen haben, und hantiren mit denen,
die alle Welt berauben und stehlen sicherer denn alle andren, daß
ja das Sprichwort wahr bleibe: Große Dieb hängen ¦¦938¦ die klei-
nen Diebe; und wie der römische Ratsherr Cato sprach: Schlechte
Diebe liegen in Thürmen und Stöcken, aber öffentliche Diebe gehn
in Gold und Seiden. Was wird aber zuletzt Gott dazu sagen? Er
wird thun, wie er durch Ezechiel spricht, Fürsten und Kaufleut,
einen Dieb mit dem andern, in einander schmelzen wie Blei und
Erzt, gleich als wenn eine Stadt ausbrennt, daß weder Fürsten
noch Kaufleut mer seien, als ich besorge, daß schon vor der Tür
sei. (S. 296 a.)
Wucher. Zinstragendes Kapital:
"Ich lasse mir sagen, daß man jetzt järlich auf einem jeglichen
Leiptzischen Markt 10 Gulden, d.i. 30 aufs Hundert nimmt [129];
etliche setzen hinzu auch den Neuenburgischen Markt, daß es 40
aufs Hundert werden: obs mer sei, das weiß ich nicht. Pfui dich,
wo zum Teufel will denn auch zuletzt das hinaus? ... Wer nun
jetzt zu Leiptzig 100 Floren hat, der nimmt järlich 40, d.h.
einen Bauer oder einen Bürger in einem Jar gefressen. Hat er 1000
Floren, so nimmt er jarlich 400, das heißt einen Ritter oder rei-
chen Edelmann in einem Jar gefressen. Hat er 10 000, so nimmt er
järlich 4000; das heißt einen reichen Grafen in einem Jar gefres-
sen. Hat er 100 000, wie es sein muß bei den großen Händlern, so
nimmt er järlich 40 000, das heißt einen großen reichen
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Fürsten in einem Jar gefressen. Hat er 1 000 000, so nimmt er
järlich 400 000, d.h. einen großen König in einem Jar gefressen.
Und leidet darüber keine Fahr, weder an Leib noch an Wahr, arbeit
nichts, sizt hinter dem Ofen und brät Aepfel also möchte ein
Stul-Räuber sitzen zu Hause, und eine ganze Welt in 10 Jaren
fressen." (S. 312, 313.) [130]
{II. "Eyn Sermon auf das Evangelion von dem reichen Mann und ar-
men Lazaro etc.", Wittenberg 1555.
"Den reichen Mann müssen wir nicht ansehn nach seinem äußerlichen
Wandel, denn er hat Schaffskleider an, und sein Leben gleißt und
scheint hübsch, und deckt den Wolff meisterlich. Denn das Evange-
lion schillt ihn nicht, daß er Ehebruch, Mord, Raub, Frevel oder
irgend etwas begangen hab, das die Welt oder Vernunfft taddeln
macht. Er ist ja so erbarlich an seinem Leben gewesen, als jener
Pharisäer, der zwei mal in der Wochen faßtet und nicht war wie
ander Leutt."}
Luther sagt uns hier, wodurch das Wucherkapital entsteht: Ruin
von Bürgern (Kleinbürgern und Bauern), Rittern, Adel, Fürsten.
Auf der einen Seite fließt die Surplusarbeit und dazu die Ar-
beitsbedingungen der Pfahlbürger, Bauern, Zünftler ihm zu, kurz
des kleinen Warenproduzenten, der Geld braucht, um z. B. zu zah-
len, bevor er seine Ware in Geld verwandelt, und gewisse seiner
Arbeitsbedingungen selbst schon käuft etc. Anderseits von den Be-
sitzern der Rente, die es sich aneignet; also von der verschwen-
derischen, genießenden richesse 1*). Insofern der Wucher das Dop-
pelte bewirkt, erstens überhaupt ein selbständiges Geldvermögen
zu bilden, zweitens die Arbeitsbedingungen sich anzueignen, d.h.
die Besitzer der alten Arbeitsbedingungen zu ruinieren, ist er
ein mächtiges Mittel in der Bildung der Voraussetzungen für das
industrielle Kapital - ein mächtiges Agens in der Scheidung der
Produktionsbedingungen vom Produzenten. Ganz wie der Kaufmann.
Und beide haben das gemein, ein selbständiges Geldvermögen zu
bilden, d.h. sowohl Teil der jährlichen Surplusarbeit, wie der
Arbeitsbedingungen, wie der Akkumulation der jährlichen Arbeit,
in der Form von Geldansprüchen in ihren Händen zu akkumulieren.
Das wirklich in ihren Händen befindliche Geld bildet nur einen
kleinen Teil, teils der jährlichen und jährlich akkumulierten
Schatzbildung, teils des zirkulierenden Kapitals. Daß sie Geld-
vermögen bilden, heißt, daß ein bedeutender Teil, teils der jähr-
lichen Produktion, teils der jährlichen Revenuen, ihnen zufällt,
und zwar zahlbar nicht in natura, sondern in der verwandelten
Form des Geldes. Soweit das Geld daher nicht aktiv als currency
2*) zirkuliert, sich in Bewegung findet, ist es akkumuliert in
ihren Händen, zum Teil in ihren
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1*) reichen Klasse -2*) Bargeld
#519# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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Händen auch die Reservoirs des zirkulierenden Gelds, und noch
mehr befinden und akkumulieren sich in ihren Händen die Titel auf
die Produktion, aber als Titel auf die in Geld verwandelte Ware,
als Geldtitel. ¦¦939¦ Der Wucher einerseits als Ruineur des feu-
dalen Reichtums und Eigentums. Anderseits als Ruineur der klein-
bürgerlichen, kleinbäuerlichen Produktion, kurz aller Formen,
worin der Produzent noch als Eigentümer seiner Produktionsmittel
erscheint.
In der kapitalistischen Produktion ist der Arbeiter Nichteigentü-
mer der Produktionsbedingungen; weder des Ackers, den er bebaut,
noch des Instruments, womit er arbeitet. Dieser Entfremdung der
Produktionsbedingungen entspricht hier aber real change 1*) in
der Produktionsweise selbst. Das Instrument wird zur Maschine;
der Arbeiter arbeitet im Atelier etc. Die Produktionsweise selbst
erlaubt nicht mehr diese mit dem kleinen Eigentum verbundne Zer-
splittrung der Produktionsinstrumente, sowenig wie die Zer-
splittrung der Arbeiter selbst. In der kapitalistischen Produk-
tion kann der Wucher nicht mehr die Produktionsbedingungen vom
Arbeiter, Produzenten s c h e i d e n, weil sie bereits ge-
schieden sind.
Der Wucher z e n t r a l i s i e r t nur da Vermögen, speziell
in der Form des Geldvermögens, wo die Produktionsmittel zersplit-
tert sind, wo also der Arbeiter mehr oder weniger selbständig
produziert, als kleiner Bauer, Zünftler (kleiner Kaufmann) etc.
Als Bauer oder Handwerker, mag dieser Bauer ein Leibeigner sein
oder nicht, oder dieser Handwerker Zünftler oder Nichtzunftge-
nosse. Er eignet sich hier nicht nur den Teil der surplus labour
an, worüber selbst der Hörige verfügt, oder die ganze surplus la-
bour, wo freier Bauer etc., sondern er eignet sich die Produkti-
onsinstrumente an, deren nomineller Eigentümer der Bauer etc.
bleibt und zu denen er in der Produktion selbst als Eigentümer
sich verhält. Dieser Wucher beruht auf dieser Basis, dieser Pro-
duktionsweise, die er nicht verändert, sondern an die er sich als
Parasit ansetzt und sie miserabel macht. Er saugt sie aus, ent-
nervt sie und verursacht die Reproduktion, unter immer scheuß-
lichren Bedingungen vorzugehn. Daher der populäre Haß gegen den
Wucher, nun gar in den antiken Verhältnissen, wo diese Produk-
tionsbestimmtheit - das Eigentum des Produzenten an seinen Pro-
duktionsbedingungen - zugleich Basis der politischen
Verhältnisse, der Selbständigkeit des citoyen 2*). Das hört auf,
sobald der Arbeiter keine Produktionsbedingungen mehr hat. Damit
hört zugleich die Macht des Wuchers auf. Anderseits, soweit
Sklaverei herrscht oder [soweit] die Surplusarbeit vom Feudallord
und seinen retainers 3*) aufgegessen
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1*) wirklicher Veränderung - 2*) Bürgers - 3*) Lakaien
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wird und diese dem Wucher verfallen, bleibt die Produktionsweise
ditto dieselbe; nur wird sie härter. Der verschuldete slave hol-
der 1*) oder Feudallord saugt mehr aus, weil er selbst ausgesaugt
wird. Oder schließlich macht er dem Wucherer Platz, der selbst
Grundeigentümer etc. wird, wie der eques 2*) etc. im alten Rom.
An die Stelle des alten Exploiteurs, dessen Exploitation mehr
oder minder politisches Machtmittel war, tritt a coarse, mo-
neyhunting parvenu 3*). Aber die Produktionsweise selbst wird
nicht geändert.
Revolutionär wirkt der Wucherer in allen vorkapitalistischen Pro-
duktionsweisen nur p o l i t i s c h, indem er die Eigentums-
formen zerstört und ruiniert, auf deren fester Basis, i.e. be-
ständiger Reproduktion in derselben Form, die politische Gliede-
rung ruht. Auch zentralistisch [wirkt der Wucherer], aber nur
zentralistisch auf der Basis der alten Produktionsweise, wodurch
die Gesellschaft, außer den Sklaven, Leibeignen etc. und ihren
neuen Herrn, sich in Mob auflöst. Bei asiatischen Formen kann der
Wucher lange fortdauern, ohne etwas andres als ökonomisches Ver-
kommen und politische Verderbtheit hervorzurufen, ohne aber real
aufzulösen. Erst in einer Epoche, wo die übrigen Bedingungen zur
kapitalistischen Produktion vorhanden - freie Arbeit, Weltmarkt,
Auflösung des alten Gsellschaftszusammenhangs, Entwicklung der
Arbeit auf eine gewisse Stufe, Entwicklung der Wissenschaften
etc. -, erscheint der Wucher als eines der Bildungsmittel der
neuen Produktionsweise; zugleich Ruin der Feudallords, der Säulen
des antibürgerlichen Elements, und Ruin der kleinen Industrie,
Agrikultur etc., kurz, Mittel der Zentralisation der Arbeitsbe-
dingungen als Kapital.
Daß die Wuchrer, Kaufleute etc. das "Geldvermögen" besitzen,
heißt nichts, als daß das Vermögen der Nation, soweit es als Ware
und Geld erscheint, sich in ihren Händen konzentriert.
Die kapitalistische Produktion hat ursprünglich mit dem Wucher zu
kämpfen, soweit der Wuchrer selbst nicht Produzent wird. Ist die
kapitalistische Produktion etabliert, so hat die Herrschaft des
Wuchers über die Surplusarbeit, die an die Fortdauer der alten
Produktionsweise geknüpft war, schon aufgehört. Als Profit kas-
siert der industrielle Kapitalist unmittelbar das Surplus ein; er
hat sich auch schon der Produktionsbedingungen zum Teil bemäch-
tigt, und ein Teil der jährlichen Akkumulation wird direkt von
ihm angeeignet. Von diesem Augenblick an wird, namentlich sobald
sich das industrielle und kommerzielle Vermögen entwickelt, der
Wuchrer, d.h. Zinsverleiher, bloß eine durch die Teilung der Ar-
beit vom industriellen Kapitalisten getrennte, aber dem industri-
ellen Kapital unterworfne Person.
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1*) Sklavenhalter - 2*) Ritter - 3*) ein grober, geldgieriger Em-
porkömmling
#521# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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¦¦940¦ III. "An die Pfarrherrn wider den Wucher zu predigen
etc.", Wittemberg 1540 (ohne Pagination).
Handeln (Kaufen, Verkaufen) und Leihen. (Luther läßt sich nicht
wie Proudhon durch diesen Formunterschied täuschen.)
"Ich habe vor fünfzehn Jahren wider den Wucher geschrieben, da er
bereits so gewaltig eingerissen war, daß ich keiner Besserung zu
hoffen wüßte. Seit der Zeit hat er sich also erhebt, daß e r
n u n a u c h k e i n L a s t e r, S ü n d e o d e r
S c h a n d e m e h r s e i n w i l l, s o n d e r n läßt
sich rhümen für eitel Tugend und Ehre, als thue er den Leuten
große Liebe und einen christlichen Dienst. Was will nun helffen
und raten, da Schande ist Ehre und Laster ist Tugend worden)
Seneca spricht aus der natürlichen Vernunfft. Deest remedii lo-
cus, ubi, quae vitia fuerunt, mores fiunt. 1*) Deutschland ist
gewest, was es hat sollen werden, der leidige Geitz und Wucher
habens zu Grunde verderbet...
Erstlich von L e i h e n und B o r g e n. Wo man Geld leihet,
und dafür mehr oder besseres fordert oder nimmt, das ist Wucher,
in allen Rechten verdammt. Darum alle die jenen, so fünf, sechs
oder mehr aufs Hundert nemen, vom geliehnen Gelde, die sind Wu-
cherer, danach sie sich wissen zu richten, und heißen des Geitzes
oder Mammons abgöttische Diener... Also eben soll man von Korn,
Gerste und ander mehr Wahr auch sagen, daß, wo man mehr oder
bessres dafür fordert, das ist Wucher, gestolen und geraubt Gut.
Denn Leihen heißt, daß, wenn ich jemand mein Geld, Gut oder Ge-
räte thue, daß ers brauche wie lange ihm Not ist, oder ich kan
und wil, und er mir dasselbe zu seiner Zeit wider gebe, so gut
als ichs im habe geliehen." "Machen also a u s d e m
K a u f e n a u c h e i n e n W u c h e r. Aber das ist jetzt
zu viel auf einen Bissen. Müssen jezt das eine Stück, als vom Wu-
cher im Leihen handeln, wenn wir dem haben gesteuret (nach dem
jüngsten Tage) so wollten wir dem K a u f w u c h e r auch sei-
nen Text wol lesen.
"Spricht Junker Wucher also: Lieber, als jetzt die Läufte sind,
so thue ich meinem Nächsten einen grossen Dienst darin, daß ich
ihm leihe Hundert auf fünf, sechs, zehen. Und er dankt mir sol-
chen Leihens, als einer sonderlichen Wohlthat. Bittet mich wol
dreimal, erbeut sich auch selber willig und ungezwungen, mir
fünff, sechs, zehn Gülden vom Hundert zu schenken. Solt ich das
nicht von Wuchrer mit gutem Gewissen mögen nemen? ... Laß Du Rhü-
men, Schmücken und Putzen ... Wer aber mehr oder besseres nimmt,
das ist Wucher, und heißt n i c h t D i e n s t, s o n d e r n
S c h a d e n gethan seinem Nahesten, als mit Stelen und Rauben
geschieht. Es ist nicht alles Dienst und wolgetban seinem Nahe-
sten, was man heißt Dienst und Wolgethan. Denn eine Ehebrecherin
und Ehebrecher thun einander grossen Dienst und Wolgefallen. Ein
Reuter thut einem Mordbrenner grossen Reuterdienst, daß der ihm
hilft, auf der Straßen rauben, Land und Leute bevehden. Die Papi-
sten thun den unsren grossen Dienst, daß sie nicht alle ertren-
ken, verbrennen, ermorden, im Gefängnis verfaulen lassen, sondern
lassen doch etliche leben und verjagen sie, oder nemen jenen was
sie haben. Der Teufel thut selber seinen Dienern grossen, uner-
meßlichen Dienst ... Summa, die Welt ist voll grosser,
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1*) Es gibt kein Heilmittel dort, wo das, was man als Untugend
angesehen hat, zur Gewohnheit wird.
#522# Beilagen
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trefflicher, täglicher Dienste und Wolthaten... Die Poeten
schreiben von einem Cyclop Polyphemo, daß er dem Ulysse verhieß,
er wollt ihm die Freundschaft thun, daß er zuvor seine Gesellen,
danach ihn zuletzt, wollte fressen. Ja es ist auch ein Dienst und
eine feine Wolthat gewest. Solcher Dienst und Wolthat fleissigen
und üben sich jezt Edel und unedel, Bauern und Bürger, kaufen
auf, halten inne, machen theure Zeit, ¦¦941¦ steigern Korn, Ger-
ste und alles was man haben soll, wischen darnach das Maul und
sprechen: Ja was man haben muß, das muß man haben, ich lasse es
den Leuten zu Dienst, könnt und möcht ichs doch wol behalten,
also ist dann Gott fein getauscht und genarret ... So gar heilig
sind die Menschenkinder worden... also kann jezt Niemand mehr wu-
chern, geitzen, noch böse sein, die Welt ist eitel heilig worden,
d i e n t j e d e r m a n n d e m a n d r e n, niemand thut
dem andren Schaden... Thut er aber damit einen Dienst, so thuts
er dem leidigen Teufel, obgleich ein armer, benötigter Mann sol-
chen Diensts bedarf, und wol muß solches für einen Dienst oder
Wolthat annehmen, daß er nicht gantz und gar gefressen werde ...
Er thut Dir und muß Dir thun solchen Dienst" {den Wucher zahlen},
"will er anders G e l d haben."
{Man sieht aus dem Obigen, daß Wucher sehr zugenommen zur Zeit
Luthers, zugleich schon als "Dienst" (Say-Bastiat 1*)) apologi-
siert. Schon die Konkurrenzfassung oder Harmoniefassung: "dient
jedermann dem andren".
In der a n t i k e n Welt, in der beßren Zeit, Wucher verboten
(i.e. kein Zins erlaubt). Später gesetzlich. Sehr vorherrschend.
Theoretisch stets (wie bei Aristoteles [131]) die Ansicht, daß er
an und für sich schlecht.
Im c h r i s t l i c h e n M i t t e l a l t e r "Sünde" und
"kanonisch" verboten.
N e u e Z e i t. Luther. Noch die katholisch-heidnische Fas-
sung. Sehr um sich greifend (teils infolge des Geldbedürfnisses
der Regierung, Entwicklung des Handels und Manufaktur, Notwendig-
keit der Geldwerdung des Produkts). Aber schon seine bürgerliche
Berechtigung behauptet.
H o l l a n d. Erste Apologie des Wuchers. Er da auch zuerst mo-
dernisiert, dem produktiven oder kommerziellen Kapital unterwor-
fen.
E n g l a n d. 17.Jahrhundert. Polemik nicht mehr gegen den Wu-
cher an sich, sondern gegen die Größe des Zinses, sein dominie-
rendes Verhältnis zum Kredit. Drang, die Kreditform zu schaffen.
Gewaltsame Bestimmungen.
1 8. J a h r h u n d e r t. Bentham. Der freie Wucher als Ele-
ment der kapitalistischen Produktion anerkannt.}
[Noch einige Auszüge aus Luthers Schrift "An die Pfarrherrn wider
den Wucher zu predigen".]
Z i n s a l s S c h a d e n e r s a t z.
"Wolan, hie ist weltlich und juristisch von der Sache zu reden
(die Theologia müssen wir sparen bis hernach), so bist Du Baltzer
mir schuldig hienach zu geben über die hundert Gülden, alles was
der Schadewacht mit aller Unkost darauf getrieben hat."
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1*) Siehe 1. Teil dieses Bandes, S. 379
#523# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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{Unter Unkost versteht er Gerichtskosten etc., die dem Anleiher,
weil er selbst nicht zahlen konnte, erwachsen sind.}
"...Darum ists billig, auch der Vernunft und natürlichem Recht
nach, daß Du mir alles widererstattest, beide die H a u p t-
s u m m e m i t d e m S c h a d e n ... Solchen Schadewacht
heißen die Juristenbücher zu Latein I n t e r e s s e...
Ueber diesen Schadewacht kann noch einer fürfallen. Wenn Du Balt-
zer mir nicht wiedergiebst auf Michaelis, die hundert Gülden, und
stehet mir für" {steht mir bevor} "ein Kauf, das ich könnte kau-
fen einen Garten, Acker, Haus oder was für ein Grund ist, davon
ich grossen Nutzen oder Narung möchte haben, für mich und meine
Kinder, so muß ichs lassen faren, und du thust mir den Schaden
und Hindernis, mit deinem Saumen und Schlafen, daß ich nimmer mer
kann zu solchem Kauf kommen etc. Nu ich Dir sie geliehn habe, ma-
chest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht, daß ich h i e
n i c h t b e z a l e n u n d d o r t n i c h t k a u f e n
k a n n, und also zu beiden Teilen muß Schaden leiden, das heißt
man d u p l e x i n t e r e s s e, d a m n i e m e r g e n-
t i s e t l a c r i c e s s a n t i s 1*)...
Nachdem sie gehört, daß Hans mit seinen verliehnen Hundert Gülden
hat Schaden gelitten, und billige Erstattung seines Schadens for-
dert, fahren sie plumps einhin und schlahen auf ein jeglich Hun-
dert Gülden, solche zween Schadewacht, nemlich, des Bezalens Un-
kost, und des versäumten Gartens Kauf, g r a d e a l s
w e r e n d e n H u n d e r t G ü l d e n n a t ü r l i c h
s o l c h e z w e e n S c h a d e w a c h t a n g e w a c h-
s e n, d a ß, w o H u n d e r t G ü l d e n v o r h a n-
d e n s i n d, d i e t h u n s i e a u s, u n d r e c h-
n e n d a r a u f s o l c h e z w e e n S c h a d e n, d i e
s i e d o c h n i c h t e r l i t t e n h a b e n...
Darum bist du ein Wucherer, d e r D u s e l b e r d e i n e n
e r t i c h t e n" {erdichteten} "S c h a d e n v o n d e i-
n e s N e h e s t e n G e l d e b ü s s e s t, den dir doch
niemand getan hat, und kannst ihn auch nicht beweisen noch
b e r e c h n e n. Solchen Schaden heißen die Juristen n o n
v e r u m, s e d p h a n t a s t i c u m i n t e r e s s e
2*). E i n S c h a d e n, d e n e i n j e g l i c h e r
i h m s e l b e r e r t r e u m e t...
Es gilt nicht also ¦¦942¦ sagen, Es köndten die Schaden geschehn,
daß ich nicht habe können b e z a l e n n o c h k a u f e n.
Sonst heißts, E x c o n t i n g e n t e n e c e s s a r i u m
3*), aus dem das nicht ist, machen das, das sein müsse; aus dem
das ungewiß ist, eitel gewiß Ding machen. Solt solcher Wucher
nicht die Welt auffressen in kurzen Jaren...
Es ist z u f ä l l i g Unglück, das dem Leiher widerfaret, ohn
sein Willen, daß er sich erholen muß; aber in den Handeln ists
umgekehrt und gar das Widerspiel, da suchet und e r-
t i c h t e t man Schaden, auf den benetigten Nehesten, will
damit sich neren und reich werden, feul und müssig, p r a s-
s e n u n d p r a n g e n v o n a n d e r L e u t
A r b e i t, Sorge, Fahr, und Schaden; daß ich sitze hinter dem
Ofen und lasse m e i n e H u n d e r t G ü l d e n f ü r
m i c h a u f d e m L a n d e w e r b e n, und doch, weil es
g e l i e h e n G e l d i s t, g e w i ß i m B e u t e l
b e h a l t e, ohne alle Fahr und Sorge, Lieber, wer möchte das
nicht?
Und was vom geliehen Gld gesagt ist, das sol auch vom geliehen
Getreide, Wein und dergleichen Wahr verstanden sein, daß solche
zween Schaden mögen darinnen fürfallen. Aber, d a ß
d i e s e l b e n S c h a d e n n i c h t s o l e n d e r
W a h r n a t ü r l i c h a n g e w a c h s e n s e i n,
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1*) doppelten Schaden, der des entstehenden Verlusts und der des
versäumten Gewinns - 2*) keinen wirklichen, sondern eingebildeten
Schaden - 3*) Aus dem Zufälligen das Notwendige machen
#524# Beilagen
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sondern z u f ä l l i g l i c h widerfaren mögen, und darum
nicht ehe für Schaden zu rechnen, sie seien denn geschehen und
überweiset etc. ...
Wucher muß sein, aber wehe den Wucherern...
Auch alle weise, vernünftige Heiden den Wucher überaus übel ge-
scholten haben. Als Aristoteles Polit. spricht, daß Wucher sei
wider die Natur, aus der Ursache: Er nimmt allzeit mehr denn er
giebt. Damit wird aufgehoben das Mittel und Richtmaß aller Tu-
gend, das man heißt, gleich um gleich, aequalitas arithmetica 1*)
etc. ...
Das heißt aber sich schendlich neeren, wer andren Leuten nimmt,
stilet oder reubet, und heissen, mit Vrlaub, Diebe und Reuber,
die man an Galgen pfleget zu henken, indeß ein Wucherer ein schö-
ner Dieb und Reuber ist, und auf einem Stuel sizt, daher man sie
Stulreuber heißt...
Die Heiden haben können aus der Vernunft rechnen, daß ein Wuche-
rer sei ein vierfaltiger Dieb und Mörder. Wir Christen aber hal-
ten sie in solchen Ehren, daß wir sie schier anbeten um ihres
Geldes willen ... Wer einem andern seine Narung aussauget, raubet
und stilet, der thut ebenso grossen Mord (so viel an ihm liegt)
als der einen Hungers sterbet und zu Grunde verterbet. Solches
thut aber ein Wucherer und sitzet dieweil auf seinem Stuel si-
cher, so er billiger hengen solt am Galgen, und von so viel Raben
gefressen werden, als er Gülden gestolen hatte, wo ander so viel
Fleisches an ihm were, das so viel Raben sich drein stücken und
teilen könnten...
Werden die Umschleger und Wucherer schreien, man soll Brieve und
Siegel halten Darauf haben die Juristen balde und reichlich
geantwortet. I n m a l i s p r o m i s s i s 2*), so sagen
die Theologen, die Brieve und Siegel, so etliche dem Teufel ge-
ben, sind nichts, wenn sie gleich mit Blut versiegelt und ge-
schrieben sind. Denn was wider Gott, Recht und Natur ist, das ist
ein Nullus. Darum greife nur ein Fürst, wer es thun kann, frisch
drein, zerreisse Siegel und Brieve, kehre sich nicht daran etc.
...
Also ist kein grösser Menschenfeind auf Erden, nach dem Teufel,
denn ein Geitzhals und Wucherer, denn e r w i l l ü b e r
a l l e M e n s c h e n G o t t s e i n. Türken, Krieger, Ty-
rannen sind auch böse Menschen, doch müssen sie lassen die Leute
leben, und bekennen, daß sie Böse und Feinde sind, und können, ja
müssen wol zuweilen sich über etliche erbarmen. Aber ein Wucherer
und Geitzwanst, der wollt, daß alle Welt müßte in Hunger, Durst,
Jammer und Not verderben, so viel an ihm ist, auf daß ers alles
allein möcht haben, und jedermann v o n i h m a l s e i n e n
G o t t e m p f a n g e n u n d ¦¦943¦ e w i g l i c h
s e i n L e i b e i g e n e r s e i n. Da lachet ihm sein
Hertz, das erfrischt ihm sein Blut. Daneben gleich wol daher
tretten, in marderen Schauben, güldnen Ketten, Ringen, Kleider,
das Maul wischen, sich für einen theueren, frommen Mann lassen
ansehen und rhümen, der auch viel barmhertziger ist wie der Gott
selbst, viel freundlicher wie die Mutter Gottes, noch alle Heili-
gen sind...
Und was sie von des Herculis grossen Thaten schreiben, wie er so
viele monstra, ungeheure Greuel zwinget, Land und Leute zu ret-
ten. Denn Wucher ist ein groß ungeheuer Monstrum, wie ein Beer-
wollf, der alles wüstet, mehr denn kein Cacus, Gerion
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1*) arithmetische Gleichheit - 2*) In schlimmen Versprechungen
#525# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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oder Anteus etc. Und schmückt sich doch und will fromm sein, daß
man nicht sehen soll, wo die Ochsen (s o e r r ü c k l i n g s
i n s e i n L o c h z i e h t)"
{Allerliebstes Bild, auf den Kapitalisten überhaupt, der macht,
als g e h e v o n i h m a u s, was er von andren in seine
Höhle hereingeholt, gibt ihm aber, indem er es r ü c k l i n g s
marschieren läßt, den Schein, als sei es a u s i h r
h e r a u s g e k o m m e n.}
"hinkommen. Aber Hercules soll der Ochsen und der Gefangenen Ce-
schrei hören und den Cacum suchen, auch in Klippen und Felsen,
die Ochsen wider lösen von dem Bösewicht. Denn Cacus heißt ein
Bösewicht, der ein f r o m m e r W u c h e r e r ist, stilet,
raubet, frißt alles. Und wills doch nicht gethan haben, und ihn
soll ja Niemand finden, weil die Ochsen, rücklings in sein Loch
gezogen, Schein und Fußtapfen geben, als seien sie h e r a u s-
g e l a s s e n. Also will der Wucherer auch die Welt effen, als
nütze er und gebe er der Welt Ochsen, so e r s i e d o c h
z u s i c h a l l e i n r e i ß t u n d f r i ß t...
Darum ist ein Wucherer und Geitzhals warlich nicht ein rechter
Mensch, sündiget auch nicht menschlich, er muß ein Beerwolff sein
über alle Tyrannen, Mörder und Reuber, schier so böse als der
Teufel selber, und nicht als ein Feind, sondern als ein Freund
und Bürger in gemeinem Schutz und Frieden sitzet, und dennoch
greulicher reubet und mordet, weder kein Feind noch Mordbörner.
Und so man die Straßenreuber, Mörder oder Bevheder redert und
köpffet, wie viel sollt man alle Wucherer redern und edern, und
alle Geitzhälse verjagen, verfluchen und köpffen..."
Höchst pittoresk und zugleich einerseits der Charakter des altmo-
dischen Wuchers, anderseits des Kapitals überhaupt treffend ge-
faßt, mit dem "Interesse phantasticum" 1*), dem Geld und Ware
"von Natur zugewachsenen Schadewacht", der allgemeinen Nützlich-
keitsphrase, dem "frommen" Aussehn des Wucherers, der nicht ist
"wie andere Leut", dem Schein zu geben, während genommen wird,
und herauszulassen, während hereingezogen wird etc.!
"Der große Vorteil, der mit dem Besitz von Gold und Silber ver-
bunden ist, da er die Möglichkeit gibt, die günstigen Momente des
Kaufes auszuwählen, rief allmählich das Geschäft des
B a n k i e r s ins Leben... Der Bankier unterscheidet sich von
dem alten W u c h e r e r..., daß er dem Reichen borgt und
s e l t e n o d e r n i e d e m A r m e n. Er borgt daher
mit geringerem Risiko und kann es zu billigeren Bedingungen tun,
und aus beiden Gründen vermeidet er den im Volke verbreiteten
Haß, der den Wucherer traf." (F.W. Newman, "Lectures on Pol.
Econ.", London 1851, p. 44.)
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1*) "eingebildeten Schaden"
#526# Beilagen
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Die involuntary alienation 1*) des feudalen Grundeigentums ent-
wickelt sich mit dem Wucher und Geld.
"Die Einführung des Geldes, das alle Dinge kauft und daher der
Gegenstand der Cunst für den Kreditor ist, der Geld leiht dem
Landbesitzer, bringt die Notwendigkeit gesetzlicher Veräußerung
für den Vorschuß." (John Dalrymple, "An essay toward a general
history of Feud. Prop. in Great Brit.", 4. edition. London 1759,
p. 124.)
¦¦944¦ "Nach Themas Culpeper (1641), Josias Child (1670), Pater-
son (1694) hängt der Reichtum von der selbst erzwungenen Reduk-
tion der Zinstaxe des Goldes oder Silbers ab. Befolgt in England
während fast zwei Jahrhunderten." (Ganilh ["Des systèmes
d'économie politique...", seconde éd., tome premier, Paris 1821,
p. 58, 59.])
Als Hume im Gegensatz zu Locke die Bestimmung des Zinsfußes durch
die Profitrate entwickelte, hatte er bereits viel höhere Entwick-
lung des Kapitals im Auge, noch mehr so Bentham, als er gegen
Ende des 18. Jahrhunderts seine Verteidigung des Wuchers schrieb
[128].
Von Heinrich VIII. bis Anna gesetzliche Herabsetzung des Zinsfu-
ßes.
Im Mittelalter in keinem Land ein allgemeiner Z i n s f u ß.
Erst die Pfaffen strenge. Unsicherheit der gerichtlichen Anstal-
ten zur Sicherung der Anleihe. Desto höher der Zinssatz in ein-
zelnen Fällen. Der g e r i n g e G e l d u m l a u f, die
N o t w e n d i g k e i t, d i e m e i s t e n G e l d z a h-
l u n g e n b a r z u l e i s t e n, und das Wechselgeschäft
noch nicht ausgebildet. Große Verschiedenheit daher in Ansehung
der Zinsen und dem Begriffe des Wuchers. Zu Karls des Großen
Zeiten galt es für wucherlich, wenn 100 p.c. genommen. Zu Lindau
am Bodensee, 1344, nahmen einheimische Bürger 216 2/3 p.c. In
Zürich bestimmte der Rat als gesetzlichen Zins 43 1/3 p.c. In
Italien mußten zuweilen 40% gezahlt werden, obgleich vom
12.-14.Jahrhundert der gewöhnliche Satz nicht 20% überschritt.
Verona ordnete als gesetzlichen Zins an 12 1/2 %, Friedrich II.
in seiner Verordnung 10%, aber dies bloß für die Juden. Für die
Christen mochte er nicht sprechen. 10% im rheinischen Deutschland
schon im 13.Jahrhundert das gewöhnliche. (Hüllmann. II. Teil, Ge-
schichte des Städtewesens etc., S. 55-57.)
Die enormen Zinsen im Mittelalter (soweit nicht auf den Feudala-
del etc. erhoben) beruhten in den Städten großenteils auf den un-
geheuren profits upon alienation 2*), die die Kaufleute und städ-
tischen Gewerbler dem Land gegenüber, das sie prellten, machten.
In Rom, wie in der ganzen alten Welt, außer in den besonders in-
dustriell und kommerziell entwickelten Handelsstädten, wie Athen
etc., ein Mittel für die großen Grundeigentümer, nicht nur die
kleinen, die Plebeier, zu expropriieren, sondern ihre Person
selbst sich anzueignen.
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1*) unfreiwillige Veräußerung - 2*) Veräußerungsprofite
#527# Revenue and its sources. Die Vulgärökonomie
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Der Wucher ursprünglich frei in Rom. Das Gesetz der 12 Tafeln
(303 a.U.C. 1*)) "legte den Celdzins auf 1% pro Jahr fest".
(Niebuhr sagt 10.) "Das Gesetz wurde prompt übertreten. Duilius
(398 a. U.C.) setzte von neuem den Geldzins auf 1% herab, uncia-
rio foenore 2*). 408 wurde er auf 1/2 % beschränkt; 413 wurden
verzinsliche Darlehen absolut verboten durch eine Volksabstim-
mung, die der Tribun Genucius veranlaßt hatte. Es ist nicht ver-
wunderlich, daß in einer Republik, in der die Industrie sowie der
Groß- und Kleinhandel verboten waten, man a u c h d e n
G e l d h a n d e l v e r b o t." (Dureau de la Malle ["Écono-
mie politique des Romains"], t. II, p. 259-261.) "Das dauerte 300
Jahre bis zum Fall Karthagos. 12% nun. 6% war die übliche Rate
des jährlichen Zinses." (l.c.p. 261.) "Justinianus legte den Zins
auf 4% fest; usura quincunx 3*) beim Trajan ist der gesetzliche
Zins von 5%. 12% war der gesetzliche Handelszins in Ägypten im
Jahre 146 v. Chr." (p. 262. 263.) ¦944¦¦
¦¦950a¦ Über den Z i n s sagt Gilbert (J.W.), "The History and
Principles of Banking", London 1834:
"Daß ein Mann, der Geld borgt mit der Absicht, P r o f i t
d a v o n z u m a c h e n, einen Teil des Profits dem Verlei-
her geben soll, ist ein selbstverständliches Prinzip der natürli-
chen Gerechtigkeit. Ein Mann macht Profit gewöhnlich mittelst des
Handelsverkehrs. Aber im Mittelalter die Bevölkerung rein agri-
kol. Und da, wie unter der feudalen Regierung, kann nur wenig
Verkehr und daher wenig Profit sein. Daher die Wuchergesetze im
Mittelalter gerechtfertigt. Außerdem braucht in einem agrikul-
turellen Land ein Mensch selten Geld zu borgen, es sei denn durch
Unglücksfälle in Not geraten " (p. 163.)
Henry VIII. limitierte Zins auf 10%, Jakob I. auf 8, Charles II.
auf 6, Anna auf 5%." (p. 164, 165.) "In jenen Zeiten waren die
Ausleiher, wenn nicht legale, so doch aktuelle Monopolisten, und
daher war es nötig, sie wie andre Monopolisten unter restraint
4*) zu setzen. (l.c.p. 165.) "In unsren Zeiten reguliert die Rate
des Profits die Rate des Zinses; in jenen Zeiten regulierte die
Rate des Zinses die Rate des Profits. Wenn der Geldverleiher den
Kaufmann mit einer hohen Zinsrate belastete, mußte der Kaufmann
eine höhere Profitrate auf seine goods 5*) schlagen. Daher eine
große Summe Geldes genommen aus den Taschen der Käufer, um sie in
die Tasche des money-lenders 6*) zu legen. Dieser additional
price of goods 7*) geschlagen, machte das Publikum minder fähig
und geneigt, sie zu kaufen." (p. 165.)
Josias Child ... im 17. Jahrhundert, in den "Traités sur le com-
merce et sur les avantages qui resultent de la réduction de
l'interêt de l'argent", (écrit 1669, traduit de l'anglais 8*))
Amsterdam et Berlin 1754. Ebenso
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1*) a.U.C. = anno urbis conditae (im Jahr nach der Gründung der
Stadt [Rom]) - 2*) Zuwachs um ein Zwölftel (eine Unze) - 3*) Zin-
sen in Höhe von fünf Zwölftel (fünf Unzen) - 4*) Beschränkung -
5*) Waren - 6*) Geldverleihers - 7*) zusätzliche Preis auf Waren
- 8*) geschrieben 1669, übersetzt aus dem Englischen
#528# Beilagen
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"Traité contre l'usure" par Thamas Culpeper 1621 [132], bekämpft
Thomas Manley (dessen tract 1*): "Interest of Money mistaken"
[133]), den er den "champion of the usurers" 2*) nennt. Der Aus-
gangspunkt natürlich, wie alle Räsonnements der englischen Ökono-
misten des 17. Jahrhunderts, der Reichtum Hollands, wo low rate
of interest 3*). Child macht diesen low rate of interest zum
Grund des Reichtums, Manley sagt, daß er nur die Folge.
"Um zu wissen, ob ein Land arm oder reich ist, hat man nur zu
fragen: Welches ist der Zinsfuß des Geldes." (l.c.p. 74.)
"Als Vorkämpfer der verschlagenen und furchtsamen Bande der Wu-
cherer errichtet er seine Hauptbatterie an dem Punkt, den ich für
den schwächsten erklärt habe... er leugnet gradezu, daß der nie-
dere Zinsfuß die Ursache des Reichtums sei, und versichert, er
sei nur seine Wirkung." (p. 120.)
"Wenn man den Zins reduziert, sind die, die ihr Geld rückfordern,
gezwungen, Ländereien zu kaufen" (deren Preis steigt durch die
quantité des acheteurs 4*)) "oder es in dem commerce 5*) zu pla-
cieren." (p. 133.)
"Solange der Zins 6% ist, wird niemand sich exponieren, Risiko zu
laufen in dem Seehandel, um nur 8-9% zu gewinnen, ein Profit, wo-
mit die Holländer, die das Geld zu 4 und 3% haben, sehr zufrieden
sind." (p. 134.)
"Der niedrige Zins und der hohe Preis der Ländereien zwingt den
Kaufmann beständig, beim commerce zu bleiben." (p. 140.) "Die
Zinsreduktion führt eine Nation zur Sparsamkeit." (p. 144.)
"Wenn es der Handel ist, der ein Land bereichert, und wenn die
Herabsetzung des Zinses den Handel vermehrt, so ist eine Reduk-
tion des Zinses oder Beschränkung des Wuchers ohne Zweifel eine
primäre und hauptsächliche Ursache der Reichtümer einer Nation.
Es ist durchaus nicht absurd zu sagen, daß dieselbe Sache zu
gleicher ¦¦950b¦ Zeit U r s a c h e unter gewissen Umständen
und Wirkung unter andern sein kann." (p. 155.)
"Das Ei ist die Ursache der Henne, und die Henne ist die Ursache
des Eis. Die Zinsenredukion kann also eine Vermehrung des Reich-
tums und die Vermehrung des Reichtums eine noch größere Zinsenre-
duktion verursachen. Die erstere läßt sich durch ein Gesetz tun."
(p. 156.)
"Ich bin der Verteidiger der Industrie, und mein Gegner vertei-
digt die Faulheit und den Müßiggang." (p. 179.)
Hier direkt als Vorkämpfer des industriellen und kommerziellen
Kapitals. ¦XV-950b¦¦
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1*) Abhandlung - 2*) "Vorkämpfer der Wucherer" - 3*) niedrige
Zinsrate - 4*) Menge der Käufer - 5*) Handel
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