Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil

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       #12# Neunzehntes Kapitel
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       [2. Malthus' vulgäre Ansicht vom Mehrwert]
       
       Was nun den Käufer betrifft, so zahlt er, der Voraussetzung nach,
       unter allen  Umständen nur  den Wert  des Kattuns.  D.h., er gibt
       eine Summe Geld, worin so viel Arbeitszeit enthalten [wie] in dem
       Kattun. Es  sind nun  3 Fälle möglich. Der Käufer ist Kapitalist.
       Das Geld  (i.e. der Wert der Ware), womit er zahlt, enthält eben-
       falls einen  Teil unbezahlter  Arbeit. Wenn  der eine  also unbe-
       zahlte Arbeit  verkauft, kauft  der andre mit unbezahlter Arbeit.
       Jeder realisiert  unbezahlte Arbeit,  der eine als Verkäufer, der
       andre als  Käufer. Oder  der Käufer ist independent producer 4*).
       So erhält er
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       4*) unabhängiger Produzent
       
       #13# T.R. Malthus
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       Äquivalent für  Äquivalent. Ob  die Arbeit, die der Verkäufer ihm
       in der Ware verkauft, bezahlt ist oder nicht, geht ihn nichts an.
       Er erhält  so viel  vergegenständlichte Arbeit, als er gibt. Oder
       endlich, er  ist Lohnarbeiter. Auch in diesem Fall erhält er, wie
       jeder andre  Käufer, vorausgesetzt,  daß die  Ware zu  ihrem Wert
       verkauft wird, ein Äquivalent in Ware für sein Geld. Er erhält so
       viel vergegenständlichte  Arbeit in  Ware, als  er in  Geld gibt.
       Aber er hat für das Geld, das seinen Arbeitslohn bildet, mehr Ar-
       beit gegeben,  als in  dem Geld  enthalten ist. Er hat die in ihm
       enthaltne Arbeit ersetzt + Surplusarbeit, die er gratis gibt 1*).
       Er hat  also das  Geld über  seinen Wert  hinaus bezahlt, bezahlt
       also auch das Äquivalent des Geldes, den Kattun etc., über seinen
       Wert hinaus. Die cost 2*) für ihn als purchaser 3*) ist also grö-
       ßer, als  sie für  den seller  4*) jeder Ware ist, obgleich er in
       der Ware  ein Äquivalent  für sein  Geld erhält; aber in dem Geld
       erhielt er  kein Äquivalent  für seine  Arbeit, gab vielmehr mehr
       als das  Äquivalent in Arbeit. Der Arbeiter ist also der einzige,
       der alle  Waren, selbst wenn er sie zu ihrem Wert kauft, über ih-
       rem Wert  bezahlt hat,  weil er das allgemeine Äquivalent für Ar-
       beit, Geld,  über seinem  Wert gekauft  hat. Es  resultiert daher
       kein Gewinn  für den  Verkäufer der  Ware an den Arbeiter. Dieser
       zahlt ihm  nicht mehr,  als jeder  andre Käufer, den Wert der Ar-
       beit. Der  Kapitalist in der Tat, der die durch den Arbeiter pro-
       duzierte Ware  wieder an ihn verkauft, realisiert einen Profit in
       diesem Verkauf, aber nur denselben Profit, den er an jedem andren
       Käufer realisiert.  Sein Profit rührt nicht daher - mit Bezug auf
       diesen Arbeiter  -, daß er ihm die Ware über ihrem Wert verkauft,
       sondern daß er sie vorher, in der Tat im Produktionsprozeß, unter
       ihrem Wert von dem Arbeiter kaufte.
       Herr M[althus] nun, wie er die Verwertung der Ware als Kapital in
       ihren Wert verwandelt, verwandelt konsequent alle Käufer in Lohn-
       arbeiter, d.h.,  läßt sie alle statt Ware unmittelbare Arbeit mit
       dem Kapitalisten austauschen und ihm alle mehr Arbeit zurückgeben
       als in der Ware enthalten ist, während sein Profit umgekehrt dar-
       aus hervorgeht, daß er alle in der Ware enthaltne Arbeit verkauft
       während er  nur einen  Teil der in der Ware enthaltnen Arbeit be-
       zahlt hat.  Während also bei R[icardo] die Schwierigkeit, daß das
       Gesetz des  Warenaustausches nicht unmittelbar den Austausch zwi-
       schen Kapital  und Lohnarbeit erklärt, ihm vielmehr zu widerspre-
       chen scheint,  löst M[althus]  die Schwierigkeit  dadurch, daß er
       den Kauf  (Austausch) von  Waren verwandelt in Austausch zwischen
       Kapital und Lohnarbeit. Was M[althus] nicht versteht, ist der Un-
       terschied zwischen der
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       1*) In  der Handschrift:  kauft -  2*) Kosten  - 3*) Käufer - 4*)
       Verkäufer
       
       #14# Neunzehntes Kapitel
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       Totalsumme von  Arbeit, die  in einer Ware enthalten ist, und der
       Summe von bezahlter Arbeit, die in ihr enthalten ist. Grade diese
       Differenz bildet  die  Quelle  des  Profits.  Weiter  aber  kommt
       M[althus] notwendig  dahin, den Profit daraus abzuleiten, daß der
       Verkäufer die  Ware nicht  nur über das, was sie ihm kostet, ver-
       kauft (und das tut der Kapitalist), sondern über das, was sie ko-
       stet, kommt also auf die Vulgäransicht des profit upon expropria-
       tion 1*) zurück, den Mehrwert daher abzuleiten, daß der Verkäufer
       die Ware  über ihrem  Wert (i. e. zu mehr Arbeitszeit, als in ihr
       enthalten ist)  verkauft. Was er so als Verkäufer einer Ware pro-
       fitiert, verliert  er als Käufer einer andren, und es ist absolut
       nicht einzusehn, was durch solche allgemeine nominelle Steigerung
       der Preise  realiter "profitiert"  werden soll. ¦¦757¦ Namentlich
       wie die  Gesellschaft en masse sich dadurch bereichern, ein wirk-
       licher Surpluswert  oder surplus  produce dadurch zustande kommen
       soll. Albern stupide Vorstellung.
       Der Übergang  aus Herrn Malthus' konfusem, aber auf einer richti-
       gen Ahnung  und dem Bewußtsein einer nicht bewältigten Schwierig-
       keit beruhendem  Versuch, gestützt auf Sätze A. Smiths - der, wie
       wir gesehn, alle widersprechenden Elemente naiv ausspricht und so
       Quelle, Ausgangspunkt für diametral entgegengesetzte Anschauungen
       -, Ricardo gegenüber eine neue Theorie aufzuführen und den "first
       rank" 2*)  zu behaupten,  der Übergang  aus diesem Versuch in die
       gedankenlose Vulgäransicht macht sich so:
       Betrachten wir  die Verwertung der Ware als Kapital - d.h. in ih-
       rem Austausch mit lebendiger produktiver Arbeit -, so kommandiert
       sie außer der in ihr selbst enthaltnen Arbeitszeit - in dem Äqui-
       valent, was  der Arbeiter  reproduziert - Surplusarbeitszeit, die
       die Quelle  des Profits  bildet. Übertragen wir nun diese Verwer-
       tung der  Ware auf  ihren Wert, so muß jeder Käufer der Ware sich
       als Arbeiter  zu ihr verhalten, d. h. außer dem in ihr enthaltnen
       Quantum Arbeit  ein Surplusquantum davon in Ersatz geben im Kauf.
       Da außer  den Arbeitern die andren Käufer sich nicht als Arbeiter
       zu der  Ware verhalten  {selbst wo der Arbeiter als bloßer Käufer
       von Ware  auftritt, haben  wir gesehn, dauert mittelbar die alte,
       ursprüngliche Differenz  fort}, so  muß gesetzt  werden, daß  sie
       zwar nicht unmittelbar mehr Arbeit geben, als in der Ware enthal-
       ten ist, aber, was dasselbe, einen Wert, der mehr Arbeit enthält.
       Durch dieses  [Quantum] "Mehrarbeit  oder, was dasselbe, Wert von
       mehr Arbeit" wird der Übergang gemacht. In fact 3*) kommt es also
       darauf hinaus:  der Wert  einer Ware besteht in dem Wert, den der
       Käufer für  sie zahlt,  und dieser  Wert [ist]  = dem  Äquivalent
       (Wert)
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       1*) Entäußerungsprofit - 2*) "ersten Rang" - 3*) Tatsächlich
       
       #15# T.R. Malthus
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       der Ware  + einem  Überschuß über  diesen Wert, Surpluswert. Also
       die Vulgäransicht.  Der  Profit  besteht  darin,  daß  eine  Ware
       t e u r e r   v e r k a u f t   a l s   g e k a u f t   wird. Der
       Käufer kauft  sie mit  mehr Arbeit  oder vergegenständlichter Ar-
       beit, als sie dem Verkäufer kostet.
       Wenn aber  der Käufer  nun selbst Kapitalist, Verkäufer von Ware,
       und sein  Geld -  sein Kaufmittel - nur verkaufte Ware vorstellt,
       so käme  nur heraus,  daß beide sich zu teuer ihre Ware verkaufen
       und sich so wechselseitig prellen und im selben Maß prellen, wenn
       sie beide  bloß die  allgemeine Profitrate realisieren. Wo sollen
       also die  Käufer herkommen, die dem Kapitalisten die quantity 1*)
       von Arbeit zahlen, [die] = der in seiner Ware enthaltnen Arbeit +
       seinem Profit?  Z.B. Die Ware kostet dem Verkäufer 10 sh. Er ver-
       kauft sie  zu 12 sh. Er kommandiert damit Arbeit nicht nur für 10
       sh., sondern  für 2  sh. mehr. Aber der Käufer verkauft ebenfalls
       seine Ware,  die 10  sh. kostet,  zu 12 sh. Jeder verliert so als
       Käufer, was  er als  Verkäufer gewonnen hat. Die einzige Ausnahme
       bildet die  Arbeiterklasse. Denn  da der  Preis des Produkts über
       seine Kost erhöht wird, können sie nur Teil des Produkts rückkau-
       fen, und  so bildet  ein andrer  Teil des Produkts oder der Preis
       dieses andren  Teils Profit  für den  Kapitalisten. Aber,  da der
       Profit eben  daher kommt,  daß die Arbeiter nur Teil des Produkts
       zurückkaufen können,  so kann  der Kapitalist  (die Kapitalisten-
       klasse) seinen Profit nie durch die Nachfrage der Arbeiter reali-
       sieren, nicht dadurch realisieren, daß er das ganze Produkt gegen
       den Arbeitslohn  umtauscht, sondern  vielmehr nur dadurch, daß er
       den ganzen  Arbeitslohn gegen  nur einen  Teil des  Produkts ein-
       tauscht. Also ist andre Nachfrage und sind andre Käufer außer den
       Arbeitern selbst  nötig, oder  es gäbe  keinen Profit.  Wo kommen
       diese her?  Sind sie  selbst Kapitalisten,  selbst Verkäufer,  so
       tritt die obige Selbstprellerei der Kapitalistenklasse ein, indem
       sie wechselseitig  den Preis ihrer Waren einander nominell erhöhn
       und jeder  als Verkäufer  gewinnt, was er als Käufer verliert. Es
       sind also Käufer nötig, die nicht Verkäufer sind, damit der Kapi-
       talist seinen  Profit realisieren,  die Waren "zu ihrem Wert ver-
       kaufen" [kann].  Daher die  Notwendigkeit der  landlords, Pensio-
       näre, Sinekuristen,  Pfaffen etc.,  ihre menial  servants 2*) und
       retainers 3*)  nicht zu  vergessen. Wie  diese "Käufer" in Besitz
       117581 der  Kaufmittel kommen - wie sie vorher erst den Kapitali-
       sten einen  Teil ihres  Produkts abnehmen müssen ohne Äquivalent,
       um mit  dem so  abgenommenen weniger als ein Äquivalent zurückzu-
       kaufen -,  entwickelt Herr Malthus nicht. Jedenfalls folgt daraus
       sein plea 4*) für möglichste Vermehrung der
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       1*) Menge - 2*) Dienstboten - 3*) Lakaien - 4*) seine Rechtferti-
       gung
       
       #16# Neunzehntes Kapitel
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       unproduktiven Klassen,  damit die Verkäufer einen Markt, eine de-
       mand 1*)  für ihren supply 2*) zu finden. Und so ergibt sich wei-
       ter, daß der Populationspamphletist [8] als Bedingung der Produk-
       tion beständige  Überkonsumtion und möglichst große Aneignung von
       dem jährlichen  Produkt durch  Nichtstuer predigt.  Es kommt  als
       weiterer plea - zu dem aus der Theorie notwendig hervorgehenden -
       hinzu, daß  das Kapital  den   T r i e b  n a c h  a b s t r a k-
       t e m   R e i c h t u m,   den    V e r w e r t u n g s t r i e b
       repräsentiert, der  aber nur zu realisieren ist durch eine Klasse
       von Käufern,  die den Ausgabe-, Konsumtions-, Verschwendungstrieb
       repräsentieren, eben  die unproduktiven  Klassen, die Käufer sind
       ohne Verkäufer 3*) zu sein.
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       1*) Nachfrage  - 2*)  ihre Zufuhr  - 3*)  in der Handschrift: die
       Verkäufer sind ohne Käufer
       

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