Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil


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       #54# Neunzehntes Kapitel
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       [13. Kritik  der  Ricardianer  an  Malthus'  Konzeption  von  den
       "unproduktiven Konsumenten"]
       
       Ich will  noch einige  wenige Stellen  aus einer  Ricardianischen
       Schrift gegen  M[althus]' Theorie  zitieren. Von den in derselben
       Schrift enthaltnen  Ausfällen,  vom  kapitalistischen  Standpunkt
       aus, gegen  M[althus]' unproductive  consumers  in  general,  and
       landlords in  particular 4*),  werde ich  an einer  andren Stelle
       nachweisen, daß sie wörtlich vom Arbeiterstandpunkt aus gegen die
       Kapitalisten gelten.  (Dies beizubringen  in dem  Abschnitt über:
       "Die apologetische  Darstellung des Verhältnisses von Kapital und
       Lohnarbeit" [15].)
       
       "Herr Malthus und diejenigen, die ebenso denken wie er, gehen da-
       von aus, daß eine vermehrte Anwendung von Kapital nicht stattfin-
       den wird,  wenn nicht  eine Profitrate  gleich der  früheren Rate
       oder größer  als diese  gesichert werden  kann, und daß die bloße
       Vermehrung des  Kapitals für sich nicht dahin tendiert, eine sol-
       che Profitrate zu sichern, sondern in umgekehrter Richtung wirkt,
       und sie  sehen sich nach einer von der Produktion selbst unabhän-
       gigen und  außerhalb befindlichen Quelle um, deren fortschreiten-
       des Wachstum  mit  dem  fortschreitenden  Wachstum  des  Kapitals
       Schritt halten  kann und  aus der ständig zusätzliche Ergänzungen
       der erforderlichen  Profitrate gewonnen  werden können." ("An In-
       quiry into  those Principles, respecting the Nature of Demand and
       the Necessity  of Consumption,  lately advocated  by Mr.  Malthus
       etc.", London 1821, p. 33, 34.)
       
       Dies sind nach Malthus die "unproductive consumers". (l.c.p. 35.)
       
       "Herr Malthus  redet zuweilen  so,  als  gäbe  es  zwei    v e r-
       s c h i e d e n e   F o n d s,   Kapital und  Revenue, Zufuhr und
       Nachfrage, Produktion  und Konsumtion,  die Sorge  tragen müssen,
       miteinander Schritt  zu halten  und einander  nicht zu überholen.
       Als ob   n e b e n   d e r   G e s a m t m a s s e  d e r  p r o-
       d u z i e r t e n   W a r e n   noch eine  andere wohl vom Himmel
       gefallene Masse erforderlich wäre, sie zu kaufen... Der Konsumti-
       onsfonds, den er benötigt, kann nur auf Kosten der Produktion ge-
       wonnen werden." (l.c.p. 49, 50.)
       "Wir sind  in seinen" (Malthus') "Betrachtungen ständig in Verle-
       genheit darüber, ob wir die Produktion vermehren oder hemmen sol-
       len. Wenn es jemand an  N a c h f r a g e
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       4*) unproduktive Konsumenten  im allgemeinen und Landlords im be-
       sonderen
       
       #55# T.R. Malthus
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       mangelt, rät  ihm dann Herr Malthus, eine andere Person zu bezah-
       len, damit  diese ihm seine Waren abnehme? Wahrscheinlich nicht."
       (l.c.p. 55.) Certainly yes. 1*)
       "Mit dem  Verkauf deiner Waren bezweckst du, eine bestimmte Summe
       Geld zu bekommen; es kann niemals zweckdienlich sein, diese Geld-
       summe umsonst  an eine  andere Person wegzugeben, damit sie diese
       dir dann  zurückgeben kann  und damit deine Güter kauft. Du könn-
       test ebensogut  deine Waren  verbrannt haben,  und du  würdest in
       derselben Lage sein." (l.c.p. 63.)
       
       Dem M[althus] gegenüber recht. Daraus aber, daß es derselbe iden-
       tische funds  ist -  "the whole mass of commodities produced" 2*)
       -, der  Produktionsfunds und  Konsumtionsfunds, funds  der Zufuhr
       und funds  der Nachfrage,  funds des Kapitals und funds der Reve-
       nue, folgt  aber keineswegs, daß es gleichgültig, wie der Gesamt-
       funds unter diese verschiednen Kategorien verteilt wird.
       Der anonyme  Verfasser versteht  nicht,  was  M[althus]  darunter
       meint, wenn er von der "demand" der Arbeiter als "inadequate" 3*)
       für den Kapitalisten spricht.
       
       "Was die   N a c h f r a g e   seitens  der Arbeit anbelangt, das
       heißt, entweder  Austausch von  Arbeit gegen  Waren oder ... Aus-
       tausch gegenwärtiger, fertiger Produkte gegen einen künftigen und
       hinzukommenden neuen  Wert..., so  ist dies  die wirkliche  Nach-
       frage, deren  Vermehrung für die Produzenten wesentlich ist etc."
       (l.c.p. 57.)
       
       Was Malthus  meint, ist  nicht das offer of labour 4*) (was unser
       Mann demand  from labour  5*) nennt), sondern die demand, die die
       erhaltnen wages  den Arbeiter  befähigen, für Ware zu machen; das
       Geld, womit er als Käufer in dem Warenmarkt kauft. Und von dieser
       demand bemerkt M[althus] richtig, daß it can never be adequate to
       the supply  of the  capitalist 6*). Alias 7*) könnte der Arbeiter
       mit seinen wages sein ganzes Produkt zurückkaufen.
       ¦¦778¦ Derselbe Mann sagt:
       
       "Eine vermehrte  Nachfrage ihrerseits (der Arbeiter) bedeutet die
       Neigung, selbst weniger zu nehmen und einen größeren Anteil ihren
       Anwendern zu  lassen; und wenn man sagt, daß dies durch Verminde-
       rung der Konsumtion die Überfüllung des Marktes vermehrt, so kann
       ich nur  antworten, daß  Überfüllung des  Marktes gleichbedeutend
       ist mit hohem Profit." (l.c.p. 59.)
       
       Dies soll ein Witz sein, enthält aber in der Tat das Grundgeheim-
       nis des "glut" 8*).
       Mit Bezug auf M[althus]' "Essay on Rent" [16] sagt unser Mann:
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       1*) Allerdings ja. - 2*) "die Gesamtmasse der produzierten Waren"
       - 3*) "unzureichend"  - 4*) Angebot  von Arbeit  -  5*) Nachfrage
       seitens der  Arbeit - 6*) sie niemals der Zufuhr des Kapitalisten
       entsprechen kann  - 7*) Sonst  - 8*) der  "Überfüllung [des Mark-
       tes]"
       
       #56# Neunzehntes Kapitel
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       "Als Herr  Malthus seinen  Essay über  die Rente veröffentlichte,
       scheint dies  zum Teil  in der Absicht geschehen zu sein, der Lo-
       sung: 'Weg  mit den Landlords!' zu begegnen, die damals 'in roten
       Lettern auf  den Mauern  stand', zur  Verteidigung dieser  Klasse
       aufzustehen und  zu beweisen,  daß  sie  den  Monopolisten  nicht
       gleich seien.  Daß die  Rente nicht  abgeschafft werden kann, daß
       ihr Wachstum  im allgemeinen  eine natürliche  Begleiterscheinung
       des Anwachsens  von Reichtum  und Bevölkerung ist, das zeigte er;
       aber die volkstümliche Losung: 'Weg mit den Landlords!' bedeutete
       n i c h t   notwendigerweise, daß  es   e t w a s  D e r a r t i-
       g e s   wie Rente  nicht geben,  sondern eher, daß sie, gemäß dem
       sogenannten 'Spenceschen Plan' [17], gleichmäßig unter die Bevöl-
       kerung verteilt  werden solle.  Aber wenn  er dazu  übergeht, die
       Landlords gegen die verhaßte Bezeichnung von Monopolisten und ge-
       gen die  Bemerkung von  Smith, 'daß  sie es lieben, zu ernten, wo
       sie niemals  gesät haben',  in Schutz zu nehmen, dann scheint es,
       er kämpfe  für eine   B e z e i c h n u n g...   Alle diese seine
       Argumente haben zuviel von einem Advokaten an sich." (l.c.p. 108,
       109.)

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