Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil
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#56# Neunzehntes Kapitel
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[14. Der apologetische und plagiatorische Charakter der Schriften
von Malthus]
M[althus]' Buch "On Population" war ein Pamphlet gegen die fran-
zösische Revolution und die gleichzeitigen Reformideen in England
(Godwin etc.). Es war ein Apologie des Elends der Arbeiterklas-
sen. T h e o r i e plagiiert von Townsend etc.
Sein "Essay on Rent" war ein Pamphlet für die landlords gegen das
industrial capital. T h e o r i e von Anderson.
Sein "Princ. of Pol. Ec." war ein Pamphlet im Interesse der capi-
talists gegen die Arbeiter und im Interesse der Aristokratie,
church, tax-eaters, Jenkin's 1*) etc. gegen die capitalists.
Theorie: A. Smith. Wo eigne Erfindung, jammervoll. In der weitern
Ausführung der Theorie Sismondi Grundlage. ¦XIV-778¦¦
¦¦VIII-345¦ {Malthus ("Essai sur la Population etc.", 5th ed.,
trad. de P. Prévost, Geneve 1836, 3me éd. t. IV, p. 104, 105)
macht mit seiner gewöhnlichen "tiefen Philosophie" folgende Be-
merkung gegen einen beliebigen Plan, den englischen Cottagers
Kühe zu schenken.
"Man glaubt bemerkt zu haben, daß die Cottagers, die Kühe besit-
zen, viel arbeitsamer sind und ein viel regelmäßigeres Leben füh-
ren als solche, die keine haben ... Die meisten derjenigen, die
heute Kühe besitzen, haben sie mit dem Ertrag ihrer Arbeit
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1*) Kirche, Steuerfresser, Speichellecker
#57# T.R. Malthus
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gekauft. Es ist also richtiger, zu sagen, es sei die Arbeit, die
ihnen die Kühe verschaffte, als zu sagen, es seien die Kühe, die
ihnen den Geschmack an der Arbeit verliehen."
Und so ist es denn richtig, daß den Parvenus unter den Bourgeois
ihre Emsigkeit in dem travail 1*) (zusammen mit der Exploitation
fremder Arbeit) des vaches 2*) gegeben hat, während die vaches
ihren Söhnen den goût de l'oisiveté 3*) geben. Nähme man ihren
vaches die Fähigkeit, nicht Milch zu geben, aber unbezahlte
fremde Arbeit zu kommandieren, so würde das für ihren goût du
travail 4*) sehr nützlich sein.
Derselbe "tiefe Philosoph" bemerkt:
"Es ist k l a r, d a ß n i c h t a l l e M e n s c h e n
z u d e n M i t t e l k l a s s e n g e h ö r e n k ö n-
n e n. Die oberen und die unteren Klassen sind unvermeidlich"
(natürlich, keine Mitte ohne Extreme) "und überdies sehr nütz-
lich. Wenn man der Gesellschaft die Hoffnung nähme zu steigen und
die Furcht zu sinken und wenn nicht die Arbeit ihre Belohnung und
die Trägheit ihre Strafe mit sich brächte, würde man nirgends
jene Emsigkeit, jenen Eifer sehen, womit jeder dahin strebt,
seine Lage zu verbessern, was die wichtigste Triebfeder des
¦¦346¦ allgemeinen Wohls bildet." (l.c.p. 112.)
Die Untern müssen sein, damit die Obern zu fallen fürchten, und
die Obern, damit die Untern zu steigen hoffen. Damit die indo-
lence sa punition 5*) hat, muß der Arbeiter arm und der Rentier
oder der von Malthus so sehr geliebte Grundeigentümer reich sein.
Was versteht aber Malthus unter der récompense du travail 6*)?
Wie wir später sehn werden 7*), daß der Arbeiter einen Teil sei-
ner Arbeit ohne Äquivalent verrichten muß. Schöner Stachel, wenn
die "récompense" und nicht der Hunger der Stachel wäre. Das Ganze
kömmt höchstens darauf hinaus, daß ein Arbeiter hoffen kann, auch
einmal Arbeiter zu exploitieren.
"Je mehr sich das Monopol ausdehnt", sagt Rousseau, "desto schwe-
rer wird die Kette für die Ausgebeuteten."
Anders der "tiefe Denker" Malthus. Seine höchste Hoffnung - die
er selbst als plus ou moins 8*) utopistisch bezeichnet - ist, daß
die Masse der classe moyenne 9*) wächst und das Proletariat (das
arbeitende) einen immer verhältnismäßig kleinren Teil der Gesamt-
population bildet (wenn es auch absolut wächst). Dies ist in der
Tat der G a n g der Bourgeoisgesellschaft.
"Wir dürfen die Hoffnung hegen", sagt M[althus], "daß einst in
der Zukunft die Methoden, durch welche Arbeit gespart wird und
die bereits so große Fortschritte aufweisen, schließlich alle Be-
dürfnisse der üppigsten Gesellschaft mit weniger menschlicher
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1*) der Arbeit - 2*) Kühe - 3*) Geschmack an der Faulheit -
4*) Geschmack an der Arbeit 5*) Trägheit ihre Strafe -
6*) Belohnung der Arbeit - 7*) siehe vorl. Band, S. 27, 30/31 und
35-38 - 8*) mehr oder weniger - 9*) Mittelklasse
#58# Neunzehntes Kapitel
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Arbeit befriedigen, als heute zu diesem Zweck erforderlich ist:
und w e n n d a n n a u c h d e r e i n z e l n e A r-
b e i t e r n i c h t v o n e i n e m T e i l d e r
s c h w e r e n B ü r d e e n t l a s t e t w e r d e n
s o l l t e, d i e i h n h e u t e b e d r ü c k t" (er soll
nach wie vor gleich viel schanzen und relativ immer mehr für an-
dre und immer weniger für sich selbst), "so würde sich doch
d i e Z a h l d e r j e n i g e n vermindern lassen, denen die
Gesellschaft eine so schwere Last auflegt." (l.c.p. 113.)
¦VIII-346¦¦}
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