Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil
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#190# Zwanzigstes Kapitel
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7. John Stuart Mill. [53]
[a) Verwechslung von Mehrwertrate und Profitrate. Elemente der
Konzeption des "profit upon alienation". Verworrene Ansichten
über "vorgeschoßne Profite"]
¦¦VII-319¦ In dem oben 1*) zitierten Schriftlein [54], das in der
Tat alle originellen Ideen des Herrn J[ohn] St[uart] Mill über
political economy enthält (im Unterschied von seinem starkleibi-
gen Kompendium [55]), heißt es in Essay IV "On Profits and Inter-
ests" 2*):
"Werkzeuge und Rohstoffe haben ursprünglich, gleich andern Din-
gen, nichts als Arbeit gekostet... Die in der Fabrikation der
Werkzeuge und Rohstoffe verwandte Arbeit, hinzugefügt zu der Ar-
beit, die später verwandt wurde, um die Rohstoffe vermittelst der
Maschinen zu verarbeiten, gibt die Gsamtsumme der in der Produk-
tion der fertigen Ware verwandten Arbeit... K a p i t a l
e r s e t z e n, h e i ß t d a h e r n i c h t s a l s d i e
w a g e s o f t h e l a b o u r e m p l o y e d 3*)
e r s e t z e n." (l.c.p. 94.)
Dies an und für sich falsch, weil die employed labour und die be-
zahlten Salaire durchaus nicht identisch. Vielmehr die employed
labour gleich der Summe von Salair und Profit. Kapital ersetzen
heißt die bezahlte Arbeit (wages) und die vom Kapitalist unbe-
zahlte, wohl aber verkaufte Arbeit (profit) ersetzen. Herr Mill
verwechselt hier "employed labour" and that portion of the em-
ployed labour which is paid for by the capitalist that employs it
4*). Diese Verwechslung spricht an und für sich nicht sehr vor-
teilhaft für sein Verständnis der Ricardoschen Theorie, die er zu
lehren vorgibt.
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1*) Siehe 1. Teil dieses Bandes, S. 152/153 - 2*) "Über Profit
und Zinsen" - 3*) den Lohn der aufgewandten Arbeit - 4*) "auf-
gewandte Arbeit" und jenen Teil der aufgewandten Arbeit, den der
Kapitalist zahlt, der sie anwendet
#191# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Mit Bezug auf das capital constant noch nebenbei zu merken, daß,
wenn sich jeder Teil desselben in previous labour 1*) auflöst,
also eingebildet werden kann, daß es zu irgendeiner Zeit profit
oder salair oder beide vorstellte, sobald es einmal gebildet ist,
ein Teil desselben sich nicht mehr weder in Profit noch in Salair
auflösen kann, wie z.B. der Samen etc.
Mill unterscheidet den Mehrwert nicht vom Profit. Er erklärt also
P r o f i t r a t e (was für den in Profit bereits verwandelten
Mehrwert richtig) gleich dem Verhältnis des Preises des Produkts
zu dem Preise seiner Produktionsmittel (Arbeit eingerechnet.)
(Sieh p. 92, 93.) Und zugleich will er die Gesetze der
P r o f i t r a t e unmittelbar aus dem Ricardoschen Gesetz ab-
leiten, wo Ricardo Mehrwert und Profit konfundiert, daß "profits
depend upon wages rising as wages fall, and falling as wages
rise" 2*).
Herr Mill ist sich selbst nicht recht klar über die F r a g e
selbst, die er zu lösen sucht. Wir wollen daher kurz s e i n e
Frage formulieren, bevor wir seine Antwort hören. Die Profitrate
ist das Verhältnis des Mehrwerts zur G e s a m t s u m m e des
vorgeschoßnen Kapitals (capital constant und capital variable zu-
sammengerechnet), während der Mehrwert selbst der Überschuß des
Arbeitsquantums, das der Arbeiter works 3*), ist über das Ar-
beitsquantum, das ihm in Salair vorgeschossen; also der Mehrwert
nur betrachtet in bezug auf das variable oder in Salair ausge-
legte Kapital, nicht das ganze Kapital. Die Rate des Mehrwerts
und die Rate des Profits sind daher zwei verschiedne Raten, ob-
gleich der Profit selbst nur ein sub certa specie 4*) betrachte-
ter Mehrwert ist. Von der Rate des Mehrwerts ist es richtig zu
sagen, daß sie 5*) ausschließlich "depends upon wages; rising as
wages fall, and falling as wages rise". (Von gross Mehrwert 6*)
wäre es falsch, da dieser zugleich abhängt nicht nur von der
Rate, worin Surplusarbeit des einzelnen Arbeiters angeeignet
wird, sondern zugleich von der Masse (Anzahl) der gleichzeitig
exploitierten Arbeiter.) Die Rate des Profits - da sie das Ver-
hältnis vom Mehrwert zum Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals -
wird natürlich affiziert und bestimmt durch Fallen oder Steigen
des Mehrwerts, also durch das rise or fall of wages 7*); aber au-
ßer dieser Bestimmung schließt die Rate des Profits noch ¦¦320¦
davon unabhängige und nicht unmittelbar darauf reduzierbare ein.
Herr J. St. Mill, der einerseits mit Ricardo Profit und Mehrwert
u n m i t t e l b a r identifiziert, andrerseits die P r o-
f i t r a t e (durch polemische Rücksicht auf Anti-Ricardians
bestimmt) nicht im Ricardoschen Sinn faßt, sondern in
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1*) vorhergehender Arbeit - 2*) "Profit abhängt vom Arbeitslohn,
der, wenn der Arbeitslohn fällt, steigt und, wenn der Arbeitslohn
steigt, fällt" - 3*) leistet - 4*) unter einem bestimmten Ge-
sichtspunkt - 5*) in der Handschrift: er - 6*) Masse des Mehr-
werts - 7*) Steigen oder Fallen des Arbeitslohns
#192# Zwanzigstes Kapitel
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ihrem wirklichen Sinn, als V e r h ä l t n i s des Mehrwerts
zum Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals (capital variable + ca-
pital constant) faßt, müht sich ab zu beweisen, daß die Pro-
fitrate u n m i t t e l b a r bestimmt ist durch das Gesetz,
das den Mehrwert bestimmt und sich einfach darin auflöst, daß je
geringer der Teil seines Arbeitstags ist, den der Arbeiter sich
selbst aneignet, desto größer der Teil, der dem Kapitalisten zu-
fällt und vice versa. Nun wollen wir seine Abquälerei sehn, wobei
das Schlimmste, daß er nicht klar, welches Problem er eigentlich
lösen will. Hätte er das Problem selbst richtig formuliert, so
konnte er es nicht in d i e s e r Weise falsch lösen.
Er sagt also:
"Obgleich Werkzeuge, Rohstoffe und Gebäude selbst das Produkt der
Arbeit sind, ist dennoch das Ganze ihres Werts nicht auflösbar in
die Löhne der Arbeiter, von denen sie produziert sind."
{Oben sagte er: Ersetzen von Kapital ist Ersetzen von wages.}
"Die Profite, die die Kapitalisten auf diese Löhne machten, sind
einzurechnen. Der letzte produzierende Kapitalist hat nicht al-
lein von dem Produkt zu ersetzen d i e L ö h n e, gezahlt von
ihm selbst und dem Werkzeugmacher, sondern auch den Profit des
Werkzeugmachers, vorgeschossen von ihm selbst von seinem eignen
Kapital." (l.c.p. 98.)
"Profits" also "komponieren nicht rein das s u r p l u s nach
Ersetzung der Auslage; sie gehn in die Auslage selbst ein. Kapi-
tal ist expendiert teils in Zahlen oder remboursieren von wages
und teils im Zahlen der profits andrer Kapitalisten, deren Kon-
kurrenz nötig war, um die Produktionsmittel zusammenzubringen."
(l.c.p. 98, 99.) "Ein Artikel kann daher d a s P r o d u k t
d e r s e l b e n Q u a n t i t ä t A r b e i t a l s
z u v o r s e i n, und dennoch, wenn eine P o r t i o n d e s
P r o f i t s, welche der letzte Produzent gutzumachen hat dem
frühern Produzenten, gespart" (ökonomisiert) "werden kann, ist
d i e P r o d u k t i o n s k o s t d e s A r t i k e l s
v e r m i n d e r t... Dennoch bleibt es wahr, daß die Pro-
fitrate im umgekehrten Verhältnis zu den Produktionskosten des
Arbeitslohns wechselt." (p. 102, 103.)
Wir gehn hier natürlich immer von der Voraussetzung aus, daß der
Preis einer Ware gleich ihrem Werte. Auf dieser Basis führt Herr
Mill selbst die Untersuchung.
D'abord 2*) haben in eben zitierter Darstellungsweise die Profite
sehr stark das Aussehn von profits upon alienation; but passons
outre 3*). Nichts ist falscher, als daß ein Artikel (wenn er zu
seinem W e r t verkauft wird) "das Produkt derselben Quantität
Arbeit als zuvor ist" und daß zugleich durch irgendeinen Umstand
"die Produktionskost des Artikels vermindert" sein kann. {Es sei
denn in dem von mir zuerst aufgestellten Sinn, wo ich die
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1*) hier im Sinne von Mitwirkung - 2*) Zunächst - 3*) Ver-
äußerungsprofiten; aber lassen wir das
#193# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Produktionskost des Artikels unterscheide von der Produktionskost
des Kapitalisten, da dieser einen Teil dieser Produktionskosten
nicht zahlt. [56] In diesem Falle ist es in der Tat auch richtig,
daß er seinen Profit ebensogut macht aus der unbezahlten Surplus-
arbeit seiner eignen Arbeiter, als er ihn auch machen kann da-
durch, daß er den Kapitalisten, der ihm sein capital constant
liefert, unterzahlt, d.h. diesem Kapitalisten einen Teil der in
seiner Ware enthaltnen und von diesem Kapitalisten nicht bezahl-
ten Surplusarbeit (die eben dadurch seinen Profit bildet) nicht
zahlt. Dies läuft immer darauf hinaus, daß er die Ware unter ih-
rem Wert zahlt. Die Rate des Profits (also das Verhältnis des
Mehrwerts zum Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals) kann ebenso-
gut steigen dadurch, daß dasselbe Quantum des vorgeschoßnen Kapi-
tals objektiv wohlfeiler wird (infolge der vergrößerten Produkti-
vität der Arbeit in den Produktionssphären, die das capital con-
stant produzieren 1*)), als dadurch, daß es subjektiv wohlfeiler
wird für den Käufer, indem er es unter seinem Wert zahlt. F ü r
i h n ist es dann immer das Resultat eines geringeren Quantums
von Arbeit.}
¦¦321¦ Was Mill zunächst sagt, ist, daß das c a p i t a l
c o n s t a n t des Kapitalisten, der die letzte Ware macht,
sich nicht nur in wages auflöst, sondern auch in profits. Der Ge-
dankengang ist dabei der:
Löste es sich nur in wages auf, so wäre also der Profit das Sur-
plus des letzten Kapitalisten nach Ersetzung aller wages {und die
ganze Auslage (bezahlte) des Produkts löste sich in wages auf},
woraus die Gesamtheit des vorgeschoßnen Kapitals bestünde. Der
Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals wäre = dem Gesamtwert der
wages, die im Produkt enthalten sind. Der Profit wäre der Über-
schuß dadrüber. Und da die Profitrate = dem Verhältnis dieses
Überschusses zu dem Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals, so
stiege oder fiele diese Rate offenbar im Verhältnis des Gesamt-
werts des vorgeschoßnen Kapitals, d.h. des W e r t s d e r
S a l a i r e, deren Gesamtheit das vorgeschoßne Kapital bildet
2*). {Dieser Einwurf selbst ist in der Tat albern, wenn das
a l l g e m e i n e Verhältnis von Profit und Salair betrachtet
wird. Von dem ganzen Produkt hätte Herr Mill ja nur den Teil, der
sich in Profite auflöst (gleichgültig, ob d e m l e t z t e n
oder den frühren Kapitalisten bezahlt, den Kofunktionären in der
Produktion der Ware), auf die eine Seite zu stellen, und den, der
sich in Salair auflöst, auf die andre, und so bliebe die Summe
des Profits nach wie vor gleich dem Surplus über den Wert der
Summe der Salaire, und das Ricardosche "umgekehrte Verhältnis"
könnte direkt von der Profitrate behauptet werden. Allein es ist
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1*) In der Handschrift: produziert - 2*) in der Handschrift: bil-
den
#194# Zwanzigstes Kapitel
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unwahr, daß sich die Gesamtheit des vorgeschoßnen Kapitals in
Profit und Salair auflöst.} Aber das vorgeschoßne Kapital löst
sich nicht nur in salaire auf, sondern auch in vorgeschoßne Pro-
fite. Der Profit bleibt also nicht nur als ein Surplus über vor-
geschoßne Salaire, sondern auch über vorgeschoßne Profite. Also
ist die Profitrate bestimmt nicht nur durch das Surplus über Sa-
lair, sondern durch Surplus des letzten Kapitalisten über die
Summe von Salairen plus Profiten, deren Summe nach der Vorausset-
zung das ganze vorgeschoßne Kapital bildet. Diese Rate kann sich
also offenbar ändern nicht nur durch Steigen oder Fallen von Sa-
lairen, sondern auch durch Steigen oder Fallen von Profit. Und
ließen wir beiseite den Wechsel der Rate, soweit er vom Steigen
oder Fallen der Salaire herrührt; unterstellten wir, was ja x-mal
in der Praxis eintritt, daß der Wert der Salaire, d.h. ihre Pro-
duktionskosten, die in ihnen enthaltne Arbeitszeit sich gleich-
bliebe, konstant wäre - so kommen wir auf dem von Herrn Mill ge-
leiteten Weg zu dem schönen Gesetz, daß das Steigen und Fallen
der Profitrate vom Steigen und Fallen des Profits abhängt.
"Wenn eine Portion des Profits, welche der letzte Produzent
gutzumachen hat den frühern Produzenten, ökonomisiert werden
kann, ist die Produktionskost des Artikels vermindert."
Dies ist in der Tat sehr richtig. Nehmen wir an, daß keine Por-
tion des Profits der früheren Produzenten bloße surcharge 1*) war
- profit upon alienation, wie James Steuart sagt -, so ist jede
Ökonomisierung einer "Portion des Profits" {soweit sie nicht da-
durch erreicht wird, daß der spätere Produzent den früheren be-
scheißt, d.h., ihm nicht ganz den in seiner Ware enthaltenen Wert
zahlt} eine Ökonomisierung in der Quantität der Arbeit, die zur
Produktion der Ware erheischt ist. {Wir sehn hier ab von dem Pro-
fit, der gezahlt wird, z.B. für die Zeit, wo das Kapital brach
während der Produktionszeit liegt etc. Waren z.B. 2 Tage nötig,
um das Rohmaterial, die Kohle z.B., von der Grube bis zur Fabrik
zu bringen, und ist jetzt nur noch ein Tag nötig, so wird 1 Ar-
beitstag "ökonomisiert"; aber dies gilt sowohl von dem Teil des-
selben, der sich in Salair auflöst, als von dem Teil, der sich in
Profit auflöst.
Nachdem Herr Mill sich selbst klargemacht, daß die Rate [des]
Surplus des letzten Kapitalisten oder überhaupt die Profitrate
nicht nur von dem direkten Verhältnis von wages und profits ab-
hängt, sondern von dem Verhältnis des letzten Profits oder des
Profits jeden bestimmten Kapitals zum Gesamtwert des vorgeschoß-
nen Kapitals, = der Summe des (in salaires
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1*) Überforderung
#195# Auflösung der Ricardoschen Schule
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ausgelegten) capital variable plus dem konstanten Kapital, daß,
in andren Worten, ¦¦322¦ die Profitrate bestimmt ist nicht allein
durch das Verhältnis des Profits zu dem im Salair ausgelegten
Teil des Kapitals, also nicht allein durch die Produktionskosten
oder den Wert des Salairs, fährt er fort:
"Dennoch bleibt es wahr, daß die Profitrate im umgekehrten Ver-
hältnis zu den Produktionskosten des Arbeitslohns wechselt."
Obgleich es falsch ist, ist es doch wahr.
Die Illustration, die er nun gibt, kann als klassisches Beispiel
der Illustrationsmanier der Ökonomen gelten, um so frappanter,
als ihr Verfasser zugleich eine Wissenschaft der Logik geschrie-
ben hat [57].
"Vorausgesetzt, daß z.B. 60 Ackerbauarbeiter empfangen 60 qrs.
Korn als ihren Lohn, ferner fixes Kapital und Samen zum Wert von
60 qrs. verbrauchen und daß das Produkt ihrer Operationen = 180
qrs. ist. Den Profit zu 50 p.c. vorausgesetzt, müssen der Samen
und die Werkzeuge sich auflösen in das Produkt der Arbeit von 40
Menschen; denn die Löhne dieser 40 zusammen mit dem Profit machen
60 qrs. B e s t e h t d a s P r o d u k t d a h e r a u s
1 8 0 q r s., s o i s t e s d a s R e s u l t a t v o n
1 0 0 M e n s c h e n.
Gesetzt nun, die Arbeiten blieben dieselben, aber d u r c h
i r g e n d e i n e E r f i n d u n g f i e l e d i e A s-
s i s t e n z v o n f i x e m K a p i t a l u n d S a m e n
w e g. Ein Ertrag von 180 qrs. konnte früher nicht erhalten
werden ohne Auslage von 120, jetzt durch eine Auslage von nicht
mehr als 100.
Die 180 qrs. noch das Resultat derselben Quantität von Arbeit wie
früher, der Arbeit von 100 Mann. Ein Quarter Korn daher ist noch
das Produkt von 10/18 von eines Mannes Arbeit. Denn ein Quarter
Korn, welches die Remuneration eines einzelnen Arbeiters ist, ist
in der Tat das Produkt derselben Arbeit als früher; aber seine
Produktionskost hat sich nichtsdestoweniger vermindert; es ist
nun das Produkt von 10/18 eines Mannes Arbeit und sonst nichts;
während früher erfordert war für seine Produktion diese Quantität
Arbeit plus einer Ausgabe in der Form von Wiedererstattung von
Profit, was 1/5 mehr ausmachte. Wenn die Produktionskost des Ar-
beitslohnes dieselbe wie früher geblieben wäre, hätten Profite
nicht steigen 1*) können. Jeder Arbeiter hätte 1 gr Korn empfan-
gen; aber 1 gr Korn zu der Zeit war das Resultat derselben Pro-
duktionskost wie 1 1/5 Quarter jetzt. Zu dem Zweck daher, daß je-
der Arbeiter dieselbe Produktionskost empfangen könne, muß jeder
1 gr Korn empfangen + 1/5." (p. 99-103.)
"Annehmend daher, daß der Arbeiter in demselben Artikel gezahlt
wird, in dem er produziert, ist es evident, daß, wenn irgendeine
Ersparnis an Kosten Platz greift in der Produktion dieses Arti-
kels, wenn der Arbeiter ferner dieselbe Produktionskost empfängt
wie zuvor, er eine vermehrte Quantität empfangen muß, in demsel-
ben Verhältnis, worin die produktive Macht des Kapitals gewachsen
ist. Aber wenn so, wird die Auslage des Kapitalisten exakt die-
selbe Proportion zu seinem Ertrag haben wie früher
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1*) In der Handschrift: fallen
#196# Zwanzigstes Kapitel
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und Profite nicht steigen. Die Variationen daher in der Pro-
fitrate und in der Produktionskost der Löhne gehn Hand in Hand
und sind unzertrennlich. Die Meinung Ricardos ist daher genau
richtig, wenn er unter niederen Löhnen n i c h t n u r
L ö h n e v e r s t e h t, d i e d a s P r o d u k t e i-
n e r k l e i n e r n Q u a n t i t ä t v o n A r b e i t
s i n d, sondern L ö h n e, d i e z u m i n d r e r Kost
produziert sind, eingerechnet Arbeit und frühere Profite zusam-
men. (l.c.p. 104.)
Merken wir bei dieser schönen Illustration d'abord, daß unter-
stellt wird, daß Korn, durch eine Erfindung, ohne Samen
(Rohstoff) und ohne capital fixe produziert wird; ohne Rohmate-
rial und ohne Arbeitsinstrument, also aus Luft, Wasser und Erde
durch bloße Handarbeit fabriziert wird. Diese ¦¦323¦ abge-
schmackte Voraussetzung birgt weiter nichts als die Vorausset-
zung, daß ein Produkt o h n e c a p i t a l c o n s t a n t
produziert wird, also bloß durch neuhinzugesetzte Arbeit. In die-
sem Fall ist natürlich bewiesen, was zu beweisen war, nämlich,
daß Profit und Mehrwert identisch, also auch die Profitrate nur
abhängt von dem Verhältnis der Surplusarbeit zur notwendigen Ar-
beit. Die Schwierigkeit kam eben daher, daß durch das Verhältnis
des Mehrwerts zum konstanten Teil des Kapitals - und dies Ver-
hältnis nennen wir Profitrate - Rate des Mehrwerts und Rate des
Profits sich unterscheiden. Setzen wir also das konstante Kapital
= 0, so haben wir die Schwierigkeit, die durch die Existenz des
capital constant hereinkam, dadurch gelöst, daß wir von der Exi-
stenz dieses capital constant abstrahieren. Oder wir haben die
Schwierigkeit dadurch gelöst, daß wir u n t e r s t e l l e n,
daß sie nicht existiert. Probatum est. 1*)
Arrangieren wir nun das Problem oder die Millsche Illustration
des Problems richtig. In der ersten Voraussetzung haben wir:
Capital constant Capital variable Gesamtprodukt Profit
(fixed capital (In Salair ausge-
und seed 2*)) legtes Kapital)
60 qrs. 60 qrs. (60 Arbeiter) 180 qrs. 60 qrs
In diesem Beispiel vorausgesetzt, daß die dem konstanten Kapital
zugesetzte Arbeit = 120 qrs., und da jedes qr. der Arbeitslohn
eines Arbeitstages (oder der Jahresarbeit, was nur 1 Arbeitstag
aus 365 Arbeitstagen), so enthalten die 180 qrs. nur 60 Arbeits-
tage, von denen 30 das Salair der Arbeiter ersetzen und 30 den
Profit bilden. Wir nehmen also in der Tat an, daß 1 Arbeitstag
sich realisiert in 2 qrs., weshalb die 60 Arbeiter ihre 60 Ar-
beitstage in 120 qrs. realisieren, wovon 60 ihr Salair, 60 den
Profit bilden; In andren Worten: daß der Arbeiter 1/2 des Ar-
beitstags für sich
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1*) Es ist erwiesen. - 2*) Samen
#197# Auflösung der Ricardoschen Schule
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arbeitet, zum Ersatz des Salairs, und 1/2 für den Kapitalisten,
dadurch die surplus value des Kapitalisten schaffend. Die Rate
des Mehrwerts ist daher = 100 p.c. und nicht = 50 p.c. Dagegen
beträgt die Rate des Profits, da das variable Kapital nur die
Hälfte des ganzen vorgeschoßnen Kapitals bildet, nicht 60 qrs. zu
60, also nicht 100 p.c., sondern 60 qrs. zu 120, also nur 50 p.c.
Wäre der konstante Teil des Kapitals = 0, so bestünde das ganze
vorgeschoßne Kapital nur aus 60 qrs., nur aus dem in Arbeitslohn
vorgeschoßnen Kapital = 30 Arbeitstage; Profit und Mehrwert, also
auch ihre Raten wären identisch. Der Profit betrüge dann 100 und
nicht 50 p.c.; 2 qrs. Korn wären das Produkt von einem, 120 qrs.
Korn das Produkt von 60 Arbeitstagen, obgleich 1 qr. Korn nur das
Salair von einem Arbeitstag und 60 qrs. Korn nur das Salair von
60 Arbeitstagen wären. In andren Worten: der Arbeiter erhielte
nur die Hälfte, 50 p.c. von seinem Produkt, während der Kapita-
list das Doppelte, 100 p.c. von seiner Auslage erhielte.
Wie verhielte es sich nun mit dem c a p i t a l c o n s t a n t
von 60 qrs.? Sie wären ebenfalls das Produkt von 30 Arbeitstagen
und vorausgesetzt, daß sich in diesem capital constant die Ele-
mente seiner Produktion ebenfalls so verhielten, daß 1/3 davon
aus capital constant besteht, 2/3 aus neuzugesetzter Arbeit, daß
ebenfalls der Mehrwert und die Rate des Profits dieselbe, hätten
wir folgende Rechnung:
Capital constant Capital variable Gesamtprodukt Profit
20 qrs. 20 qrs. (Lohn für 20 Arbeiter) 60 qrs. 20 qrs.
Die Profitrate betrüge wieder 50 p.c., die Rate des Mehrwerts 100
p.c. Das Gesamtprodukt wäre das ¦¦324¦ Produkt von 30 Arbeitsta-
gen, wovon aber 10 Arbeitstage (= 20 qrs.) die präexistierende
Arbeit (capital constant) und 20 Arbeitstage neuzugesetzte Arbeit
von 20 Arbeitern, von denen jeder aber nur die Hälfte seines Pro-
dukts als Salair erhalten hätte. 2 qrs. wären nach wie vor das
Produkt von eines Mannes Arbeit, obgleich nach wie vor 1 qr. das
Salair von eines Mannes Arbeit und 1 qr. der Profit des Kapitali-
sten wäre, der die Hälfte von des Mannes Arbeit sich angeeignet
hat.
Die 60 qrs., die der letztproduzierende Kapitalist Mehrwert
machte, bildeten eine Profitrate von 50 p.c., weil diese 60 qrs.
Mehrwert berechnet wurden nicht nur auf die 60 in Arbeitslohn,
sondern auch auf die 60 in seed und fixed capital vorgeschoßnen
qrs., also zusammen 120 qrs.
Wenn also Mill ebenfalls 50 p.c. Profit rechnet bei dem Kapitali-
sten, der die seeds und capital fixe, zusammen = 60 qrs., produ-
ziert hat, wenn er ferner annimmt, daß das konstante und variable
Kapital hier in derselben Proportion eingehn, wie bei dem Produ-
zenten der 180 qrs., so wird er mit
#198# Zwanzigstes Kapitel
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Recht sagen können, daß der Profit = 20 qrs., das Salair = 20
qrs. und das capital constant = 20 qrs. Da das Salair = 1 qr., so
enthalten 60qrs. 30 Arbeitstage, ganz wie 120 ihrer 60 enthalten.
Was aber sagt Mill?
"Den Profit zu 50 p.c. vorausgesetzt, müssen der Samen und die
Werkzeuge sich auflösen in das Produkt der Arbeit von 40 Men-
schen; denn die Löhne dieser 40, zusammen mit dem Profit, machen
60 qrs." [p. 99.]
Bei dem ersten Kapitalisten, der 60 Arbeiter anwandte, von denen
er jedem 1 qr. per Tag Lohn zahlte (also 60 qrs. in Arbeitslohn
ausgab), ferner 60 qrs. in capital constant, verwirklichten sich
die 60 Arbeitstage in 120 qrs., wovon die Arbeiter aber nur 60
als Lohn erhalten. Oder der Arbeitslohn nur = der Hälfte des Pro-
dukts der Arbeit von 60 Menschen. Die 60 qrs. konstantes Kapital
also nur noch = dem Produkt der Arbeit von 30 Menschen; lösten
sie sich ganz in Profit und Salair, so betrüge das Salair 30 qrs.
und der Profit 30 qrs., also das Salair = der Arbeit von 15 Men-
schen und der Profit ditto. Beträgt der Profit aber nur 50 p. c.,
so, weil angenommen, daß von den 30 Tagen, die in den 60 qrs.
enthalten, 10 = präexistierender Arbeit (capital constant) und
nur 10 in Salair aufgelöst. Also 10 Tage in capital constant ent-
halten, 20 in neuzugefügten Arbeitstagen, von denen indessen die
Arbeiter nur 10 für sich, 10 für den Kapitalisten arbeiten. Herr
Mill aber behauptet, daß diese 60 qrs. das Produkt von 40 Men-
schen, während vorhin 120 das Produkt von 60 waren. Im letztren
Fall enthält 1 qr. 1/2 Arbeitstag (obgleich das Salair für einen
ganzen Arbeitstag); im erstren würde 3/4 qr. = 1/2 Arbeitstag
sein; während doch das 1/3 des Produkts (die 60 qrs.), die im ca-
pital constant ausgelegt, gradesoviel Wert haben, also soviel Ar-
beitszeit enthalten wie jedes andre 1/3 des Produkts. Wollte Herr
Mill das capital constant von 60 qrs. ganz in Arbeitslohn und
Profit auflösen, so änderte dies nichts an dem Quantum Arbeits-
zeit, das drin enthalten war. Es blieben nach wie vor 30 Arbeits-
tage; nur, da hier kein capital constant zu ersetzen war, fielen
Profit und Mehrwert zusammen. Der Profit betrug also 100 p.c.,
nicht wie vorhin 50 p.c. Vorhin betrug der Mehrwert auch 100
p.c., aber der Profit nur 50 p.c.; eben wegen des Eingehens des
capital constant in die Berechnung.
Hier also doppeltes falsches Manöver des Herrn Mill.
Bei den ersten 180 qrs. bestand die Schwierigkeit darin, daß
Mehrwert und Profit nicht zusammenfielen, weil die 60 qrs. Mehr-
wert nicht nur auf 60 qrs. zu berechnen waren (den Teil des Ge-
samtprodukts, der = dem Salair), sondern ¦¦325¦ auf 120 qrs.,
i.e. das capital constant von 60 qrs. +
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dem Arbeitslohn von 60qrs. Der Mehrwert betrug daher 100 p.c.,
der Profit nur 50. Herr Mill beseitigt diese Schwierigkeit bei
den 60 qrs., woraus das capital constant besteht, indem er an-
nimmt, daß hier das ganze Produkt sich zwischen Kapitalist und
Arbeiter verteilt, i.e. daß kein capital constant in die Bildung
des capital constant eingeht, der 60 qrs. seed und Instrumente.
Der Umstand, der bei Kapital I zu erklären war, ist bei Kapital
II als weggefallen u n t e r s t e l l t, womit das Problem am
Ende ist.
Zweitens aber, nachdem er unterstellt hat, daß in den Wert der 60
qrs., die das capital constant von I bilden, bloße Arbeit ein-
geht, keine p r ä e x i s t i e r e n d e A r b e i t, kein
capital constant, daß also Profit und Mehrwert zusammenfallen,
also auch die Rate des Profits und Mehrwerts, daß kein Unter-
schied zwischen ihnen stattfindet, unterstellt er wieder umge-
kehrt, daß wie sub I e i n U n t e r s c h i e d z w i-
s c h e n i h n e n s t a t t f i n d e t und daher der
Profit, wie sub I, nur gleich 50 p.c. Hätte sub I das 1/3 des
Produkts nicht aus capital constant bestanden, so war der Profit
gleich Mehrwert; das gesamte Produkt bestand nur aus 120 qrs. =
60 Arbeitstagen, wovon 30 die Arbeiter (= 60 qrs.) und 30 der Ka-
pitalist (= 60 qrs.) sich aneigneten. Die Profitrate war so groß
wie die Mehrwertsrate, = 100 p.c. Sie war = 50 p.c., weil die 60
qrs. Mehrwert nicht auf 60 qrs. (Arbeitslohn), sondern auf 120
qrs. (Arbeitslohn, seed und capital fixe) berechnet wurden. Sub
II nimmt er an, daß kein capital constant eingeht. Er nimmt auch
an, daß der Arbeitslohn derselbe = 1 qr. Und dennoch nimmt er an,
daß Profit und Mehrwert verschieden, i.e. daß der Profit nur 50
p.c. beträgt, obgleich der Mehrwert 100 p.c. beträgt. In der Tat
nimmt er an, daß die 60 qrs., 1/3 des Gesamtprodukts, mehr Ar-
beitszeit enthalten als ein andres 1/3 Gesamtprodukts, diese 60
qrs. das Produkt von 40 Arbeitstagen sind, während die andren 120
qrs. das Produkt von nur 60 waren.
In der Tat aber peeps out the old delusion of profit upon aliena-
tion 1*), der mit der im Produkt enthaltnen Arbeitszeit gar
nichts zu tun hat, ebenso nichts mit der Ricardoschen Wertbestim-
mung. Er nimmt nämlich an, daß der Lohn, den ein Mann für einen
Arbeitstag erhält, = dem Produkt seines Arbeitstags ist, oder so
viel Arbeitszeit enthält, als er arbeitet. Werden 40 qrs. für
Lohn gezahlt und ist der Profit = 20 qrs., so enthalten die 40
qrs. 40 Arbeitstage. Die Zahlung der 40 Arbeitstage ist = dem
Produkt der 40 Arbeitstage. Wenn auf 60 qrs. 50 p.c. oder 20 qrs.
Profit kommen, so folgt dann, daß 40 qrs. = dem Produkt der Ar-
beit von 40 Menschen, da nach der Voraussetzung 40 qrs. das Sa-
lair bilden und I Mann 1 qr. per
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1*) blickt hier der alte Irrtum des Veräußerungsprofits durch
#200# Zwanzigstes Kapitel
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Tag erhält. Woher kommen dann die andren 20 qrs.? Die 40 Menschen
arbeiten 40 Arbeitstage, weil sie 40 qrs. erhalten. Also ist 1
qr. das Produkt von 1 Arbeitstag. 40 Arbeitstage produzieren da-
her nur 40 qrs. und keinen Bushel mehr. Woher stammen dann die 20
qrs., die den Profit bilden? Die alte Delusion von dem profit
upon alienation, einer bloß nominellen Preiserhöhung des Produkts
über seinen Wert hinaus, liegt hier zugrunde. Erscheint hier aber
g a n z u n d g a r a b g e s c h m a c k t und unmöglich,
weil der Wert nicht in Geld, sondern in einem aliquoten Teil des
Produkts selbst vorgestellt ist. Nichts ist leichter, als sich
vorzustellen, daß, wenn 40 qrs. Getreide das Produkt von 40 Ar-
beitern, die jeder 1 qr. Arbeitslohn per Tag oder Jahr erhalten,
also ihr ganzes Produkt zum Arbeitslohn erhalten, und daß, wenn 1
qr. Getreide, in Geld ausgedrückt = 3 £, also 40 qrs. = 120 l.,
der Kapitalist diese 40 qrs. verkauft zu 180 l., und so 60 l., 50
p.c., = 20 qrs. Profit macht. Aber ad absurdum führt sich diese
Vorstellung selbst, wenn er von den 40 qrs., die 40 Arbeitstage
produzieren und wofür er 40 qrs. zahlt, 60 qrs. verkauft. Es be-
finden sich in seiner Hand nur 40 qrs., und er verkauft 60, 20
mehr als er zu verkaufen hat.
¦¦326¦ In erster Instanz beweist also Mill das Ricardosche
Gesetz, nämlich das falsche Ricardosche Gesetz, das Mehrwert und
Profit verwechselt, durch folgende angenehme Unterstellungen:
1. daß er bei dem Kapitalisten, der das capital constant produ-
ziert, unterstellt, daß er selbst, in his turn, no capital con-
stant 1*) braucht, also damit auch die ganze Schwierigkeit, die
durch das capital constant hereingebracht ist, w e g u n t e r-
s t e l l t;
2. daß, obgleich er kein capital constant [braucht], der Unter-
schied zwischen Mehrwert und Profit, den das capital constant
hereinbringt, dennoch fortexistiert, obgleich kein capital con-
stant existiert;
3. daß jemand, der 40 qrs. Weizen produziert, 60 verkaufen kann,
weil sein Gesamtprodukt als capital constant an einen andern Ka-
pitalist verkauft wird, dessen capital constant = 60 qrs., und
weil Kapitalist Nr. II auf diese 60 qrs. einen Profit von 50 p.c.
macht.
Die letztre Abgeschmacktheit löst sich in die Vorstellung des
profit upon alienation auf, der hier nur so absurd erscheint,
weil nicht der in Geld ausgedrückte Nominalwert, sondern ein Teil
des verkauften Produkts selbst den Profit bilden soll. Damit hat
Herr Mill also, um den Ricardo zu rechtfertigen, seine Grundan-
schauung aufgegeben und ist tief hinter Ricardo, A.Smith und die
Physiokraten zurückgefallen.
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1*) von seiner Seite aus kein konstantes Kapital
#201# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Seine erste Rechtfertigung der Ricardoschen Lehre besteht also
darin, daß er sie de prime abord 1*) fallenläßt, nämlich das
Grundprinzip fallenläßt, daß der Profit nur ein Teil des Werts
der Ware, also nur der Teil der in ihr enthaltnen Arbeitszeit
ist, den der Kapitalist zwar mit seinem Produkt verkauft, dem Ar-
beiter a b e r n i c h t g e z a h l t h a t. Mill läßt ihn
dem Arbeiter seinen ganzen Arbeitstag zahlen und dennoch einen
Profit machen.
Sehn wir, wie er weiter operiert.
Er läßt nun durch eine Erfindung die Notwendigkeit, Samen und Ac-
kerbauinstrumente anzuwenden, um das Korn zu produzieren, wegfal-
len; d.h., er läßt, wie er es schon bei dem Produzenten der er-
sten 60 qrs. seed und capital fixe getan hatte, die Notwendigkeit
des capital constant wegfallen für den letzten Kapitalisten. Nun
hätte er so räsonieren müssen:
Kapitalist I hat jetzt keine 60 qrs. auszulegen in seed und capi-
tal fixe, da wir sein capital constant = 0 erklärt haben. Er hat
also nur auszulegen 60 qrs. für den Lohn von 60 Arbeitern, die 60
Arbeitstage arbeiten. Das Produkt dieser 60 Arbeitstage = 120
qrs. Die Arbeiter erhalten nur 60 qrs. Also macht der Kapitalist
60 qrs. Profit, 100 p. c. Seine Profitrate ist exakt gleich der
Rate des Mehrwerts, d.h. exakt = der Arbeitszeit, die die Arbei-
ter nicht für sich, sondern für ihn gearbeitet haben. Sie haben
60 Tage gearbeitet. Sie produzieren 120 qrs.; sie erhalten 60
qrs. als Lohn. Sie erhalten also als Lohn das Produkt von 30 Ar-
beitstagen, obgleich sie 60 gearbeitet haben. Das Quantum Ar-
beitszeit, was 2 qrs. kostet, ist nach wie vor = 1 Arbeitstag.
Der von dem Kapitalist b e z a h l t e Arbeitstag ist nach wie
vor = 1 qr., i. e. gleich der Hälfte des gearbeiteten Arbeits-
tags. Das Produkt ist um 1/3 gefallen, von 180 qrs. auf 120; und
dennoch ist der Profit um 50 p.c. gestiegen, nämlich von 50 auf
100. Und warum? Von den 180 qrs. ersetzte das 1/3 nur die Auslage
des capital constant, ging also weder in Profit noch salaire ein.
Anderseits die 60 qrs. oder die 30 Arbeitstage, die die Arbeiter
für den Kapitalisten produzierten oder arbeiteten, wurden berech-
net nicht auf 60 qrs., die in Arbeitslohn ausgelegt waren, oder
die 30 Arbeitstage, die sie für sich selbst arbeiteten, sondern
auf die 120 qrs. oder 60 Arbeitstage, die in Arbeitslohn, Samen
und capital fixe ausgelegt waren. Obgleich sie daher von 60 Tagen
30 für sich und 30 für den Kapitalisten arbeiten, obgleich eine
Auslage von Kapital für Arbeitslohn von 60 qrs. ihm 120 abwerfen,
so war seine Profitrate nicht 100, sondern nur 50 p.c., weil sie
anders berechnet wurde, in dem einen Fall auf 2 x 60 und in dem
andren auf 60. Der Mehrwert ¦¦327¦ war derselbe, aber die Pro-
fitrate verschieden.
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1*) von vornherein
#202# Zwanzigstes Kapitel
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Aber wie fängt es Mill an?
Er unterstellt nicht, daß der Kapitalist [der durch eine Erfin-
dung kein konstantes Kapital auslegt] mit 60 qrs. 120 erhält (von
60 Arbeitstagen 30), sondern, daß er nun 100 Mann anwendet, die
ihm 180 qrs. liefern, immer vorausgesetzt, daß der Arbeitslohn
für 1 Arbeitstag = 1 qr. Die Rechnung wird also die:
Ausgelegtes Kapital
(bloß variabel, bloß in Arbeits- Gesamtprodukt Profit
lohn ausgelegt)
100 qrs. (Lohn von 100 Arbeitstagen) 180 qrs. 80 qrs.
D.h., der Kapitalist gewinnt 80 p.c. Profit. Profit ist hier
gleich Mehrwert. Also auch die Rate des Mehrwerts nur = 80 p.c.;
sie war früher gleich 100 p.c., also um 20 höher. Hier haben wir
also das Phänomen, daß die Profitrate um 30 gestiegen ist und die
Rate des Mehrwerts um 20 gefallen ist.
Hätte der Kapitalist nach wie vor nur 60 qrs. in Arbeitslohn aus-
gelegt, so hätten wir folgende Rechnung:
100 qrs. geben 80 qrs. Mehrwert,
10 qrs. " 8 " "
60 qrs. " 48 " "
Früher aber gaben uns 60 qrs. 60 (d.h. um 20 p.c. gefallen). Oder
anders, früher gaben
Gesamtprodukt Mehrwert
60 qrs. 120 qrs. 60 qrs.
10 qrs. 20 qrs. 10 qrs.
100 qrs. 200 qrs. 100 qrs.
Der Mehrwert ist also gefallen (wir müssen in beiden [Fällen] auf
100 qrs. rechnen) von 100 auf 80, um 20 p.c.
(60:48 = 100:80; 60:48 = 10:8; 60:48 = 5:4; 4x60 = 240 und 48x5 =
240.)
Betrachten wir ferner die Arbeitszeit oder den Wert des qrs. Frü-
her 2 qrs. = 1 Arbeitstag oder 1 qr. = 1/2 Arbeitstag oder 9/18
von eines Mannes Arbeit. Jetzt dagegen sind 180 qrs. das Produkt
von 100 Arbeitstagen; also 1 qr. das Produkt von 100/180 Arbeits-
tag = 10/18 Arbeitstag. Oder das Produkt ist teurer geworden um
1/18 Arbeitstag, oder die Arbeit ist unproduktiver geworden, in-
dem der Mann früher nur 9/18 Arbeitstag brauchte, um 1 qr. zu
produzieren, während er jetzt 10/18 brauchte. Die Profitrate ist
#203# Auflösung der Ricardoschen Schule
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gestiegen, obgleich der Mehrwert gefallen und consequently 1*)
die Produktivität der Arbeit gefallen oder der reale Wert, die
cost of production of wages gestiegen ist um 1/18 [Arbeitstag]
oder 11 1/9 2*) p.c. Die 180 qrs. waren früher das Produkt von
90 Arbeitstagen (1 qr. 90/10 = 1/2 Arbeitstag = 9/18 Arbeitstag).
Sie sind jetzt das Produkt von 100 Arbeitstagen (1 qr. = 100/180
= 10/18 Arbeitstag). Nehmen wir an, der Arbeitstag sei gleich 12
Stunden = 60x12 Minuten = 720'. ¦¦328¦ Der 18.Teil eines Arbeits-
tages also = 720'/18 = 40'. Von diesen 720 Minuten gibt der Ar-
beiter in dem ersten Fall dem Kapitalisten 9/18 = 1/2 der 720 =
360'. Also geben ihm 60 Arbeiter 360x60. Von diesen 720 Minuten
gibt der Arbeiter in dem zweiten Fall 8/18, also nur 320. Aber
der erste Kapitalist wendet 60 Arbeiter an, gewinnt also 360'x60.
Der zweite wendet 100 an, gewinnt also 100x320' = 32 000'. Der
erste 360x60 = 21 600'. Der zweite gewinnt also mehr als der er-
ste, weil 100 Arbeiter zu 320 Minuten per Tag mehr machen als 60
zu 360. Also nur weil er 40 Arbeiter mehr anwendet; aber er ge-
winnt weniger verhältnismäßig auf den Arbeiter. Er gewinnt, ob-
gleich die Rate des Mehrwerts gefallen, also die Produktivität
der Arbeit, also die Produktionskosten der real wages, d.h., das
in ihnen entkaltne Arbeitsquantum gestiegen ist. Nun w o l l t e
H e r r M i l l a b e r g r a d e d a s e x a k t e G e-
g e n t e i l b e w e i s e n.
Gesetzt, Kapitalist Nr. I, der nicht die "Erfindung" gemacht hat,
ohne Samen und capital fixe Korn zu produzieren, wende ebenfalls
100 Arbeitstage an (wie Kapitalist Nr. II), während er in der
obigen Rechnung nur 90 Arbeitstage anwendet. Er müßte also 10 Ar-
beitstage mehr anwenden, wovon 3 1/3 für sein capital constant
(Samen und capital fixe), 31/3 für Arbeitslohn. Das Produkt die-
ser 10 Arbeitstage auf seiner alten Produktionsstufe = 20 qrs.,
wovon aber 6 2/3 qrs. für capital constant 3*), 12 4/3 das Pro-
dukt von 6 2/3 Arbeitstagen. Davon Salair 6 2/3 und Mehrwert
6 2/3.
Wir hätten also folgende Rechnung:
Capital constant Arbeitslohn Gesamtprodukt Mehrwert Mehrwerts-
rate
66 2/3 qrs. 66 2/3 qrs. 200 qrs. 66 2/3 qrs. 100 p.c.
(33 1/3 Arbeits- (Lohn für (100 Arbeits- (33 1/3 Ar-
tage) 66 2/3 Ar-) tage) beitstage)
beitstage)
Auf ein Gsamtprodukt von 100 Arbeitstagen hätte er Profit von
33 1/3 Arbeitstagen. Oder auf 200 qrs. 66 2/3. Oder wenn wir sein
ausgelegtes
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1*) infolgedessen - 2*) in der Handschrift: 5 5/9 - 3*) in der
Handschrift: fixe
#204# Zwanzigstes Kapitel
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Kapital in qrs. berechnen, auf 133 1/3 qrs. (das Produkt von
66 2/3 Arbeitstagen), hätte er 66 2/3 Profit; während der Kapita-
list II auf 100 qrs. Auslage 80 Profit hätte. Der Profit des II
so größer als der von I. Da aber I mit derselben Arbeitszeit 200
qrs. liefert, worin der andre 180 - 1 qr. von I = 1/2 Arbeitstag,
1 qr. von II = 10/18 oder 5/9 Arbeitstag, also um 1/2 Neuntel
oder 1/18 mehr Arbeitszeit enthielte, also teurer wäre -, würde I
den II aus dem Feld schlagen. Dieser müßte die Erfindung aufgeben
und sich nach wie vor bequemen, zur Kornproduktion Samen und ca-
pital fixe anzuwenden.
Der Profit von I betrüge auf 120 qrs. 60 qrs. oder 50 p.c.
(dasselbe wie auf 133 1/3 qrs. 66 2/3).
Der Profit von II betrüge auf 100 qrs. 80 qrs. oder 80 p.c.
Der Profit von 11:1 = 80:50 = 8:5 = 1:5/8.
Dagegen Mehrwert von 11:1 = 80:100 = 8:10 = 1:10/8 = 1:1 2/8 =
1:1 1/4.
Die Profitrate von II ist um 30 p.c. größer als die von I.
Der Mehrwert von II ist um 20 p.c. kleiner als der von I.
II wendet 66 2/3 p.c. mehr Arbeiter 1*) an, während der andere
auf dem I Arbeitstage nur 1/8 oder 12 1/2 p.c. 2*) mehr Arbeit
aneignet.
¦¦329¦ Herr Mill hat also bewiesen, daß Kapitalist 1, der im gan-
zen 90 Arbeitstage anwendet, wovon 1/3 im capital constant (Samen
und Maschinerie etc.), 60 Arbeiter anwendet, denen er aber nur 30
Tage zahlt, daß dieser Kapitalist das qr. Korn zu 112 Tag produ-
ziert oder 9/18 Tag; also mit den 90 Arbeitstagen 180 qrs., wovon
60 qrs. die 30 Arbeitstage decken, die das capital constant ent-
hält, 60 qrs. den Lohn für 60 Arbeitstage oder das Produkt von 30
Arbeitstagen, und 60 qrs. den Mehrwert (oder das Produkt von 30
Arbeitstagen). Der Mehrwert dieses Kapitalisten I = 100 p.c. Sein
Profit = 50; weil die 60 qrs. Mehrwert berechnet sind nicht auf
60 qrs., auf den in Salair ausgelegten Teil des Kapitals, sondern
auf 120 qrs., d.h. das doppelte Kapital (= capital variable +
constant).
Er hat ferner bewiesen, daß Kapitalist II, der 100 Arbeitstage
anwendet, wovon er 0 in capital constant auslegt (vermöge seiner
Erfindung), ein Produkt von 180 qrs. liefert; also das Quarter =
10/18 Tag oder 1/18 Tag (40') teurer als in Nr. 1. Seine Arbeit
ist unproduktiver um 1/18. Sein Arbeitslohn, da der Arbeiter nach
wie vor 1 qr. Lohn per Tag erhält, ist 1/18 gestiegen in real va-
lue, d.h. in der zu seiner Produktion erforderlichen Arbeitszeit.
Obgleich nun die Produktionskost of wages um 1/18 gestiegen ist
-----
1*) In der Handschrift: Arbeitstage - 2*) in der Handschrift:
1/18 oder 5 5/9 p.c.
#205# Auflösung der Ricardoschen Schule
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und sein Gesamtprodukt verhältnismäßig zur Arbeitszeit geringer
ist, auch der von ihm produzierte Mehrwert nur 80 p.c. beträgt,
wo der von I 100 betrug, ist seine Profitrate 80, während die des
andern 50 war. Warum? Weil, obgleich die cost of wages bei II ge-
stiegen, er mehr Arbeiter anwendet, und weil bei II die Rate des
Mehrwerts = der Rate des Profits, indem sie nur auf das in Ar-
beitslohn ausgelegte Kapital bezogen wird, und das capital con-
stant = 0. Mill wollte aber umgekehrt beweisen, daß das Steigen
in der Rate des Profits aus einer V e r m i n d e r u n g i n
d e r P r o d u k t i o n s k o s t d e s A r b e i t s-
l o h n s hervorgegangen gemäß dem Ricardoschen Gesetz. Wir
sahn, daß dies Steigen stattfand t r o t z d e r V e r m e h-
r u n g i n d e r P r o d u k t i o n s k o s t des A r-
b e i t s l o h n s; daß also das Ricardosche Gesetz falsch ist,
wenn Profit und Mehrwert u n m i t t e l b a r identifiziert
werden, aber 1*) unter Profitrate das Verhältnis des Mehrwerts
oder des Bruttoprofits (der = dem Mehrwert) zum Gesamtwert des
vorgeschoßnen Kapitals verstanden wird.
Herr Mill fährt fort:
"Ein return von 180 qrs. konnte früher nicht erhalten werden ohne
Auslage von 120 qrs., jetzt durch eine Auslage von nicht mehr als
100."
Herr Mill vergißt, daß im ersten Teil die Auslage von 120 qrs. =
einer Auslage von 60 Arbeitstagen. Und daß im zweiten Fall die
Auslage von 100 qrs. = einer Auslage von 55 5/9 Arbeitstagen.
(Also im ersten Fall 1 qr. = 9/18 Arbeitstag; im zweiten 10/18.)
"Die 180 qrs. noch das Resultat der Quantität von Arbeit wie frü-
her, der Arbeit von 100 men.
(Pardon! Die 180 qrs. früher das Resultat von 90 Arbeitstagen und
jetzt von 100.)
"Ein Quarter Korn daher ist noch das Produkt von 10/18 von eines
Mannes Arbeit"
(Pardon! Es war früher das Produkt von 9/18 eines Mannes Arbeit),
"denn e i n Q u a r t e r K o r n, welches die R e m u-
n e r a t i o n eines einzelnen Arbeiters ist, ist i n d e r
T a t d a s P r o d u k t d e r s e l b e n A r b e i t
a l s f r ü h e r"
(Pardon! Erstens ist 1 qr. Korn jetzt "in der Tat das Produkt"
von 10/18 Tagen, während es früher das Produkt von 9/18 war, ko-
stet also 1/18 Tag mehr Arbeit und zweitens ist die
R e m u n e r a t i o n eines einzelnen Arbeiters, ob das qr.
9/18 oder 10/18 seines Tages koste, nie mit d e m P r o d u k t
s e i n e r A r b e i t zu verwechseln, sondern stets nur ein
Teil dieses Produkts);
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1*) In der Handschrift: also
#206# Zwanzigstes Kapitel
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"es ist nun das Produkt von 10/18 eines Mannes Arbeit und
s o n s t n i c h t s" (dies ist richtig), "während früher er-
fordert war für seine Produktion die Konjunktion dieser Quantität
Arbeit + einer Ausgabe in der Form von Rückerstattung von Profit,
was 1/5 mehr ausmacht." [p. 102, 103.]
Halt! Erstens ist, wie ¦¦330¦ wiederholt gesagt, falsch, daß das
1 qr. früher 10/18 des Arbeitstags kostete 1*); es kostete nur
9/18. Noch falscher (wäre eine Gradation im absolut Falschen mög-
lich), daß zu diesen 9/18 Arbeitstag noch "die Konjunktion von
reimbursement of profits amounting to 1/5 more 2*), hinzukam. In
90 (capital constant und capital variable zusammengerechnet) wer-
den 180 qrs. produziert. 180 qrs. = 90 Arbeitstagen. 1 qr. =
90/180 = 1/2 Arbeitstag = 9/18. Es kommt also durchaus keine
"Konjunktion" zu diesen 9/18 Arbeitstag oder dem 1/2 Arbeitstag
hinzu, den 1 qr. in case Nr. I kostete.
Hier aber entdecken wir die eigentliche Delusion, um die sich der
ganze Blödsinn versteckt bewegt. Mill machte erst a fool of him-
self, by supposing, that if 120 qrs. the produce of 60 days of
labour, the produce of which was divided to equal parts between
the 60 labourers and the capitalist, the 60 qrs., which represent
the capital constant could be the produce of 40 days of labour.
They could only be the produce of 30 days, in whatever proportion
the capitalist and the labourers, producing those 60 qrs., might
happen to share in them. Mais, passons outre. 3*) Um die Delusion
ganz klar zu machen, wollen wir unterstellen, nicht 1/3 von den
60 qrs. des capital constant oder 20 qrs. lösten sich in Profit
auf, sondern the whole amount of the 60 qrs. 4*) Wir können diese
Unterstellung, da sie nicht in unsrem Interesse, sondern im In-
teresse Mills ist, um so mehr machen, als sie das Problem verein-
facht. Außerdem ist dem capitalist, der das capital constant von
60 qrs. produziert, noch eher die E r f i n d u n g zuzutrauen,
daß er 30 Arbeiter 30 Arbeitstage, die 60 qrs. produzieren oder
ihren Wert, umsonst arbeiten macht, ohne irgendwelchen Lohn zu
zahlen (wie sich dies ja in der Form der Fronarbeit findet), als
dem Millschen Kapitalisten, der 180 qrs. Korn ohne Samen und ca-
pital fixe durch eine "Erfindung" produziert. Also gesetzt, in
den
-----
1*) In der Handschrift: kostete des Arbeitstags - 2*) Rück-
erstattung von Profit, was 1/5 mehr ausmacht - 3*) sich selbst
zum Narren, indem er voraussetzt, daß, wenn 120 qrs. das Produkt
von 60 Arbeitstagen sind, das Produkt zu gleichen Teilen zwischen
den 60 Arbeitern und dem Kapitalisten geteilt wird, die 60 qrs.,
die das konstante Kapital bilden, das Produkt von 40 Arbeitstagen
sein könnten. Sie könnten aber bloß das Produkt von 30
Arbeitstagen sein, in welchem Verhältnis immer der Kapitalist und
die Arbeiter, welche diese 60 qrs. produzieren, sie unter sich
verteilen mögen. Aber lassen wir das. - 4*) der ganze Betrag der
60 qrs.
#207# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
60 qrs. sei nur Profit von Kapital II enthalten, dem Produzenten
des capital constant von Kapital I, indem Kapital II das Produkt
von 30 Arbeitstagen zu verkaufen hätte, ohne einen farthing den
30 Arbeitern, die jeder einen Tag arbeiteten, gezahlt zu haben.
Wäre es nun richtig zu sagen, daß diese 60 qrs., die sich in blo-
ßen Profit auflösen, in die P r o d u k t i o n s k o s t e n
d e s A r b e i t s l o h n s des Kapitalisten I eingehn und in
"Konjunktion" mit der von diesen Arbeitern gearbeiteten Zeit tre-
ten?
Allerdings könnten Kapitalist und Arbeiter Nr. I keine 120 qrs.,
überhaupt kein Quarter produzieren ohne die 60 qrs., die ihr ca-
pital constant bilden und sich in bloßen Profit auflösen. Es sind
notwendige Produktionsbedingungen für sie und Produktionsbedin-
gungen, die überdies gezahlt werden müssen. Aber sie hatten die
60 qrs. nötig, um 180 zu produzieren. Von diesen 180 ersetzen 60
die 60. Ihre 120 qrs., das Produkt ihrer 60 Arbeitstage, bleiben
davon unberührt. Hätten sie die 120 produzieren können ohne die
60, so wäre i h r Produkt, das Produkt der 60 Arbeitstage, das-
selbe; aber das Gesamtprodukt wäre kleiner, weil eben die 60 prä-
existierenden Quarters 1*) nicht reproduziert wären. Die Profit-
rate des Kapitalisten wäre größer, weil in seine Produktions-
kosten nicht die Auslage, die Kosten für die Produktions-
bedingungen, die ihn befähigen, einen Mehrwert von 60 qrs. zu
machen, eingingen. Der absolute Profit wäre derselbe, = 60 qrs.
Diese 60 qrs. hätten ihm aber nur Auslage von 60 qrs. gekostet.
Sie kosten ihm jetzt Auslage von 120. Diese Auslage für das
capital constant geht also in die Produktionskosten des
Kapitalisten ein, aber nicht in die Produktionskosten des
Salairs.
Unterstelle, durch irgendeine "Erfindung" könne Kapitalist III,
ditto, ohne seine Arbeiter zu zahlen, 60 qrs. mit 15 Arbeitstagen
produzieren [statt mit 30], teils weil er beßre Maschinen anwende
etc. Dieser Kapitalist III würde den Kapitalisten II aus dem
Markt jagen und sich die Kundschaft von Kapitalist I erwerben.
Jetzt also würden die Auslagen für den Kapitalisten gefallen sein
¦¦331¦ von 60 auf 45 Arbeitstage. Nach wie vor brauchten die Ar-
beiter 60 Arbeitstage, um aus den 60 qrs. 180 zu machen. Und sie
brauchten 30 Arbeitstage, um ihr Salair zu produzieren. Für sie 1
qr. = 1/2 Arbeitstag. Aber die 180 qrs. kosteten dem Kapitalisten
nur noch eine Auslage von 45 Arbeitstagen, statt von 60 2*). Da
es aber abgeschmackt wäre zu unterstellen, daß Korn unter dem Na-
men Samen weniger Arbeitszeit kostet als unter dem Namen Korn
schlechtweg, so müßten wir unterstellen, daß in den ersten 60
qrs. Korn der Samen soviel kostet als früher,
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1*) In der Handschrift: Arbeitstage - 2*) in der Handschrift: 90
#208# Zwanzigstes Kapitel
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aber weniger Samen nötig ist oder der als capital fixe in den 60
qrs. enthaltne Wertbestandteil sich verwohlfeilert hat.
Halten wir zunächst das fest, was sich aus der bisherigen Analyse
der Millschen "Illustration" ergab.
Es hat sich e r s t e n s gezeigt: Gesetzt, die 120 qrs. würden
ohne alles capital constant 1*) erzeugt und seien nach wie vor
das Produkt von 60 Arbeitstagen, während früher die 180 qrs., wo-
von 60 qrs. capital constant, gleich dem Produkt von 90 Arbeits-
tagen waren. In diesem Falle würde das in Arbeitslohn ausgelegte
Kapital von 60 qrs. = 30 Arbeitstagen, das aber 60 Arbeitstage
kommandiert, nach wie vor dasselbe Produkt liefern, 120 qrs. Auch
wäre der Wert dieses Produkts unverändert geblieben, nämlich 1
qr. = 1/2 Arbeitstag. Früher war das Produkt zwar = 180 qrs.
statt jetzt gleich 120; aber die 60 qrs. mehr repräsentierten nur
die in dem capital constant enthaltne Arbeitszeit. Also die Pro-
duktionskost der wages unverändert geblieben und die wages
selbst, sowohl dem Gebrauchswert als dem Tausch wert nach unver-
ändert geblieben, 1 qr. = 1/2 Arbeitstag. Ditto wäre der Mehrwert
unverändert geblieben, nämlich 60 qrs. auf 60 qrs. oder 1/2 Ar-
beitstag auf 1/2 Arbeitstag. Der Rate nach ausgedrückt war der
Mehrwert in beiden Fällen = 100 p.c. Nichtsdestoweniger betrug
die Profitrate im ersten Fall nur 50 p.c., während sie jetzt 100
p.c. beträgt. Bloß weil 60:60 = 100 p.c. und 60:120= 50 p.c. Die-
ses Wachsen in der Profitrate hier aus keinem Wechsel in den Pro-
duktionskosten der wages, sondern einfach, weil das capital con-
stant = 0 gesetzt; annähernd dasselbe, wenn der Wert des capital
constant sich vermindert, also damit der Gegenwert des vorge-
schoßnen Kapitals; also die Proportion von Mehrwert zu Kapital
wächst, und diese Proportion ist die Profitrate.
Der Mehrwert wird als Profitrate nicht nur auf den Teil des Kapi-
tals berechnet, der sich wirklich vermehrt und Mehrwert schafft,
nämlich den in Arbeitslohn ausgelegten Teil des Kapitals, sondern
auch auf den Wert von Rohmaterial und der Maschinerie, deren Wert
nur im Produkt wiedererscheint. Außerdem auf den Wert der ganzen
Maschinerie, nicht nur des Teils derselben, der in den Verwer-
tungsprozeß wirklich eingeht, dessen déchet 2*) also zu ersetzen,
sondern auch den Teil derselben, der nur in den Arbeitsprozeß
eingeht.
Z w e i t e n s: Bei dem zweiten Beispiel wurde angenommen, daß,
während Kapital I 180 qrs. liefert, = 90 Arbeitstagen, so daß 60
qrs. (30 Arbeitstage) = capital constant, 60 qrs. (für 60 Ar-
beitstage, wovon den Arbeitern
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1*) In der Handschrift: capital fixe - 2*) Verschleiß
#209# Auflösung der Ricardoschen Schule
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30 bezahlt werden) = variablem Kapital, Lohn = 60 qrs. (30 Ar-
beitstage), Mehrwert = 60 qrs. (30 Arbeitstage); dagegen Kapital
II ditto 180 qrs. liefert, aber = 100 Arbeitstage, wovon 100 qrs.
= Arbeitslohn, 80 = Mehrwert. Das ganze vorgeschoßne Kapital hier
in Arbeitslohn ausgelegt. Hier ist das capital constant = 0; der
reale Wert des Arbeitslohns ist gestiegen, obgleich der Ge-
brauchswert, den der Arbeiter empfängt, derselbe geblieben, = 1
qr.; aber 1 qr. jetzt = 10/18 Arbeitstag, während früher nur =
9/18. Der Mehrwert ist gefallen von 100 p.c. auf 80, also um 1/5
= 20 p.c. Die Profitrate ist gestiegen von 50 auf 80, also um 3/5
= 60 p.c. 1*) In diesem Fall also die reale Produktionskost der
wages nicht nur nicht unverändert geblieben, sondern gestiegen.
Die Arbeit unproduktiver geworden, die Surplusarbeit daher gefal-
len. Und dennoch ist die Profitrate gestiegen. Warum? Erstens,
weil hier kein capital constant, also die Rate des Profits = der
Rate des Mehrwerts. In allen Fällen, wo Kapital nicht ausschließ-
lich in Arbeitslohn ausgelegt wird, was bei der kapitalistischen
Produktion fast unmöglich, muß sonst die Rate des Profits kleiner
sein als die Rate des Mehrwerts, und sie muß in demselben Ver-
hältnis kleiner sein, als der Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapi-
tals größer ist als der Wert des in Arbeitslohn ausgelegten Kapi-
talbestandteils. Zweitens wendet II in ungleich größerem Verhält-
nis mehr Arbeiter an denn I; in ungleich größerem Verhältnis, als
die Differenz der Produktivität der respektiv von ihnen angewand-
ten Arbeiten beträgt.
D r i t t e n s: Nach einer Seite hin erschöpfen die unter
e r s t e n s und z w e i t e n s angefahrten Fälle den Be-
weis, daß die Variation in der Profitrate ganz unabhängig von der
Produktionskost der wages stattfinden kann. Denn unter erstens
wurde gezeigt, daß die Profitrate steigen kann, obgleich die Pro-
duktionskosten der Arbeit dieselben bleiben. Unter zweitens wurde
gezeigt, daß für Kapital II, verglichen mit I, die Profitrate
steigt, obgleich die Produktivität der Arbeit fällt, also die
Produktionskosten der wages steigen. Es wurde also durch densel-
ben ¦¦VIII-332¦ Fall bewiesen, daß, wenn wir umgekehrt Kapital I
mit Kapital II vergleichen, die Profitrate fällt, obgleich die
Mehrwertrate 2*) steigt, die Produktivität der Arbeit wächst,
also die Produktionskosten der wages fallen. Sie betragen [pro
Quarter] für I nur 9/18 Arbeitstag, für II aber 10/18 Arbeitstag,
und doch die Profitrate bei II um 60 3*) p.c. höher als bei I.
In a l l e n d i e s e n F ä l l e n s i n d d i e V a-
r i a t i o n e n i n d e r P r o f i t r a t e n i c h t
n u r n i c h t b e s t i m m t d u r c h d i e V a r i-
a t i o n e n i n d e n P r o d u k t i o n s k o s t e n
d e r w a g e s, s o n d e r n f i n d e n i n d e n s e l-
b e n V e r h ä l t n i s s e n s t a t t. Es ist nun wohl zu
bemerken, daß hieraus nicht folgt, daß die eine Bewegung die
-----
1*) In der Handschrift: von 60 auf 80, also um 1/3 = 33 1/3 p.c.
- 2*) in der Handschrift: der Mehrwert - 3*) in der Handschrift:
33 1/2
#210# Zwanzigstes Kapitel
-----
U r s a c h e der andren sei (also z. B. nicht, daß die Pro-
fitrate fällt, weil die Produktionskosten der wages fallen, oder
nicht steigt, weil die Produktionskosten der wages steigen), son-
dern nur, daß andre Umstände die entgegengesetzten Wirkungen pa-
ralysieren. Jedenfalls ist aber das Ricardosche Gesetz falsch,
daß die Variationen in der Profitrate in entgegengesetzter Rich-
tung wie die Variationen im Arbeitslohn stattfinden, und daß die
eine steigt, weil die andre fällt und umgekehrt. Dies Gesetz nur
wahr für die R a t e d e s M e h r w e r t s. Indes ist
selbst ein notwendiger Zusammenhang darin (nicht immer), daß Pro-
fitrate und Wert des Arbeitslohns, statt in entgegengesetzter, in
derselben Richtung steigen und fallen. Es wird mehr Handarbeit
angewandt, wo die Arbeit unproduktiver. Es wird mehr konstantes
Kapital angewandt, wo die Arbeit produktiver. Dieselben Umstände
hier, die ein Steigen der Mehrwertrate oder ein Fallen derselben
1*) veranlassen, müssen daher ein Fallen der Profitrate usw. in
entgegengesetzter Richtung hervorbringen.
[b) Scheinbare Variation in der Profitrate, wenn der Kapitalist
dazu übergeht, sein konstantes Kapital selbst zu produzieren]
Aber wir wollen jetzt den Fall setzen, wie Mill ihn sich eigent-
lich dachte, obgleich er ihn nicht richtig formuliert hat. Dies
wird zugleich die eigentliche Meinung seines talks 2*) von dem
vorgeschoßnen Profite des Kapitalisten erklären.
So wie Mill das Beispiel gesetzt hat, kann es trotz aller
"Erfindung" und unter jeder möglichen "Konjunktion" nicht blei-
ben, weil es absoluten Widerspruch und Widersinn einschließt,
seine eignen Voraussetzungen sich aufheben.
Von 180 qrs. sollen 60 qrs. (das seed und capital fixe) gleich
sein 20 qrs. für Profit und 40 qrs. für 40 Arbeitstage, so daß,
wenn die 20 qrs. für Profit fortfallen, dennoch die 40 Arbeits-
tage bleiben, nach welcher Voraussetzung also die Arbeiter das
ganze Produkt für ihre Arbeit erhalten, also absolut nicht zu
sehn ist, woher die 20 qrs. Profit herkommen und ihr Wert. Sind
sie als bloß nominelle surcharge de prix 3 vorausgesetzt, stellen
sie keine Arbeitszeit vor, die der Kapitalist sich angeeignet, so
muß ihr Wegfallen ganz ebenso profitlich sein, als wenn in den 60
qrs. 20 qrs. Arbeitslohn berechnet wären für Arbeiter, die nicht
gearbeitet haben. Ferner: 60 qrs. hier nur Ausdruck für den Wert
des capital constant. Sie sollen aber das Produkt
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1*) In der Handschrift: des Mehrwerts oder ein Fallen desselben -
2*) Geschwätzes - 3*) nomineller Aufschlag auf den Preis
#211# Auflösung der Ricardoschen Schule
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von 40 Arbeitstagen sein. Anderseits vorausgesetzt, daß die übri-
gen 120 qrs. das Produkt von 60 Arbeitstagen. Unter Arbeitstage
hier aber gleiche Durchschnittsarbeit zu verstehn. Also die Vor-
aussetzung absurd.
Also erstens anzunehmen, daß in den 180 qrs. nur 90 und in den 60
qrs. = dem Wert des capital constant, nur 30 Arbeitstage enthal-
ten sind. Die Voraussetzung, daß der Profit = 20 qrs. oder 10 Ar-
beitstagen wegfallen kann, wieder abgeschmackt; es müßte denn
vorausgesetzt werden, daß die 30 Arbeiter, die zur Produktion des
capital constant gebraucht werden, zwar nicht unter einem Kapita-
listen arbeiten, aber anderseits so gefällig sind, sich nur den
Arbeitslohn auszuzahlen, 1/2 ihrer Arbeitszeit, und die übrige
Hälfte nicht in ihrer Ware zu berechnen. Mit einem Worte, daß sie
ihre Arbeitstage 50 p.c. unter dem Wert verkaufen. Also auch
diese Voraussetzung abgeschmackt.
Aber nehmen wir an, Kapitalist I, statt sein capital constant vom
Kapitalist II zu kaufen, um es dann zu verarbeiten, verbinde in
seiner eignen Produktion die Produktion des capital constant mit
der Verarbeitung desselben. Er liefert sich also selbst Samen,
Ackerbaugeräte etc. Lassen wir auch die Erfindung weg, wodurch
Samen und capital fixe überflüssig werden. Also er gebe 2Oqrs. (=
10 Arbeitstagen) für capital constant (zur Produktion seines ca-
pital constant aus), 10 qrs. (als Lohn für 10 Arbeitstage, wovon
die Arbeiter 5 umsonst arbeiten), so ist die Rechnung jetzt
diese:
¦¦333¦ Capital Capital variable Mehrwert Gesamtprodukt
constant für 80 Arbeiter
20 qrs. 60+20 = 80 qrs. 60+20 = 80 qrs. 180 qrs.
10 Arbeits- (Lohn für 80 Ar- (= 40 Arbeits- (= 90 Ar-
tage) beitstage (=40 tagen) beitstagen)
Arbeitstagen)
Die reale Produktionskost des Arbeitslohns ist dieselbe geblie-
ben, also die Produktivität der Arbeit. Das Gesamtprodukt ist
dasselbe geblieben, = 180 qrs., und hat denselben Wert nach wie
vor von 180 qrs. Die Rate des Mehrwerts ist dieselbe geblieben,
80 qrs. auf 80 qrs. Der absolute amount 1*) oder die Größe des
Mehrwerts ist gestiegen von 60 auf 80 qrs., also um 20 qrs. Das
vorgeschoßne Kapital ist gefallen von 120 auf 100 qrs. Früher
hatten wir auf 120 qrs. 60 qrs. oder Profitrate von 50 p.c. Jetzt
haben wir 80 qrs. auf 100 qrs. oder Profitrate von 80 p.c. Der
Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals ist gefallen von 120 auf
100 qrs., und die Profitrate
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1*) Betrag
#212# Zwanzigstes Kapitel
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ist gestiegen von 50 auf 80 p.c. Der Profit selbst, abgesehn von
der Rate, beträgt jetzt 80 qrs., während er früher 60 betrug, ist
also um 20 qrs. gestiegen, d.h. wie die Summe (nicht die Rate)
des Mehrwerts.
Hier ist also kein Wechsel vorgegangen, keine Variation in den
Produktionskosten der real wages. Das Steigen der Profitrate
rührt hier erstens daher, daß zwar nicht die Rate des Mehrwerts,
wohl aber der absolute amount des Mehrwerts gestiegen ist von 60
qrs. auf 80, also um ein Drittel; und diese ist gestiegen um 1/3
oder 331/3 p.c., weil der Kapitalist, statt früher 60, jetzt 80
Arbeiter direkt beschäftigt, also 1/3 oder 33 1/3 p.c. mehr le-
bendige Arbeit exploitiert und zwar zu derselben Mehrwertsrate
jetzt 80 Arbeiter beschäftigt, wozu er früher nur 60 beschäftigt.
Z w e i t e n s. Während so die absolute Größe des Mehrwerts
(also der gross profit 1*)) um 33 1/3 p.c. gestiegen ist, von 60
qrs. auf 80 qrs., ist die Profitrate gestiegen von 50 p.c. auf 80
p.c., um 30, also um 3/5 (da 1/5 von 50 = 10 und 3/5 = 30), d.h.
um 60 p.c. Nämlich der Wert des ausgelegten Kapitals ist gefallen
von 120 auf 100, obgleich der Wert des in Arbeitslohn ausgelegten
Bestandteils des Kapitals gestiegen ist von 60 auf 80 qrs. (von
30 auf 40 Arbeitstage). Dieser Teil des Kapitals ist um 10 Ar-
beitstage (= 20 qrs.) gestiegen. Dagegen ist der konstante Be-
standteil des Kapitals gefallen von 60 auf 20 qrs. (von 30 Ar-
beitstagen auf 10), um 20 Arbeitstage. Rechnen wir also die 10
Arbeitstage ab, um die der in Arbeitslohn ausgelegte Teil des Ka-
pitals gestiegen ist, so ist das ganze ausgelegte Kapital gefal-
len um 10 Arbeitstage (= 20 qrs.). Es betrug früher 120 qrs. (=
60 Arbeitstagen). Es beträgt jetzt nur noch 100 qrs. (= 50 Ar-
beitstagen). Es ist also gefallen um 1/6, d.h. um 16 2/3 p.c.
Übrigens ist diese ganze Variation in der Profitrate nur schein-
bar und nur ein transfer 2*) von einem Rechnungsbuch in das an-
dre. Kapitalist I hat statt 60 qrs. 80 Profit, d.h. 20 Profit
mehr; dies ist aber der exakte Profit, den früher der Produzent
des capital constant machte, und den er jetzt verloren hat, weil
Kapitalist I, statt sein capital constant zu kaufen, es selbst
produziert, also statt den ¦¦334¦ Mehrwert von 20 qrs. (10 Ar-
beitstagen), den jener Produzent aus den von ihm beschäftigten 20
Arbeitern zog, diesem zu zahlen, ihn selbst einsteckt.
Nach wie vor waren und sind auf die 180 qrs. 80 qrs. Profit, nur
daß sie früher zwischen zwei Personen verteilt waren. Die Pro-
fitrate scheint größer, weil Kapitalist I früher die 60 qrs. nur
als capital constant betrachtete, was sie für ihn waren, also
nicht den Profit, den der Produzent des capital
-----
1*) Gesamtprofit - 2*) eine Übertragung
#213# Auflösung der Ricardoschen Schule
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constant bezog. Die Profitrate ist sowenig verändert, wie der
Mehrwert oder irgendeine Produktionsbedingung, die Produktivität
der Arbeit eingeschlossen. Früher das von dem Produzenten [des
konstanten Kapitals] ausgelegte Kapital = 40 qrs. (20 Arbeitsta-
gen), das von K a p i t a l i s t I ausgelegte [variable Kapi-
tal] = 60 qrs. (30 Arbeitstagen), zusammen 100 qrs. (50 Arbeits-
tagen) und der Profit 20 qrs. für den ersten, 60 für den andern,
also 80 qrs. (40 Arbeitstagen). Das ganze Produkt = 90 Arbeitsta-
gen (180 qrs.), 80 Profit zu 100 in Arbeitslohn und konstantem
Kapital ausgelegten Wert. Für die Gesellschaft ist hier nach wie
vor die aus dem Profit stammende Revenue konstant geblieben;
ditto das Verhältnis von Mehrwert zu Arbeitslohn.
Der Unterschied kommt daher, daß, wenn der Kapitalist als Käufer
in den Warenmarkt tritt, er einfacher Warenbesitzer ist; er hat
den ganzen Wert der Ware, die ganze in ihr enthaltne Arbeitszeit
zu zahlen, gleichgültig in welchen Proportionen Kapitalist und
Arbeiter an den Früchten dieser Arbeitszeit teilgenommen haben
oder teilnehmen. Tritt er dagegen als Käufer in den Arbeitsmarkt,
so kauft er in der Tat mehr Arbeit, als er zahlt. Wenn er also,
statt sein Rohmaterial und Maschinerie zu kaufen, sie eben falls
selbst produziert, so eignet er sich selbst die Surplusarbeit an,
die er sonst dem Verkäufer von Rohmaterial und Maschinerie zu
zahlen hätte.
Für den einzelnen Kapitalisten - nicht für die Profitrate - ist
dies allerdings ein Unterschied, ob er einen Profit selbst macht
oder ihn einem andern zahlt. (Bei der Berechnung deshalb der Ver-
minderung der Profitrate durch Wachsen des capital constant wird
immer der Durchschnitt der Gesellschaft genommen; d.h. die Ge-
samtmasse, die die Gesellschaft in einem gegebnen Augenblick als
capital constant anwendet, und das Verhältnis dieser Masse zur
Masse des direkt in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals.) Indes be-
stimmt dieser Gesichtspunkt und kann selten bestimmen selbst den
einzelnen Kapitalisten bei solchen Kombinationen, wie sie z.B.
vorkommen, wenn der Kapitalist zugleich spinnt und webt, selbst
seine Ziegelsteine brennen läßt usw. Was hier bestimmt, ist die
wirkliche Ersparung in den Produktionskosten durch Zeitersparung
im Transport, Ersparung in Gebäulichkeit, Heizung, bewegender
Kraft etc., größre Kontrolle über die Qualität des Rohmaterials
etc. Wollte er selbst seine Maschinen bauen, die er selbst
braucht, so fabrizierte er, wie der kleine Produzent, der für
eignen Bedarf oder den persönlichen Bedarf einiger Kunden arbei-
tet, auf kleiner Stufenleiter, und die Maschine kostete ihm mehr,
als wenn er sie bei dem Maschinenbauer kauft, der für den Markt
arbeitet. Oder wollte er gleichzeitig spinnen, weben und Maschi-
nen nicht nur für sich, sondern für den Markt
#214# Zwanzigstes Kapitel
-----
bauen, so brauchte er größres Kapital, das er wahrscheinlich vor-
teilhafter (Teilung der Arbeit) in sein eignes Geschäft steckte.
Es kann dies nur ein Gesichtspunkt sein, wo er für sich selbst
einen hinreichenden Markt bildet, um sein capital constant selbst
auf vorteilhafter Stufenleiter produzieren zu können. Seine eigne
Nachfrage muß dafür groß genug sein. In diesem Falle, selbst wenn
seine Arbeit unproduktiver als die des eigentlichen Produzenten
des capital constant, eignet er sich einen Teil der Surplusarbeit
an, die er sonst einem andren Kapitalisten zu zahlen hätte.
Wir sehn, dies hat nichts mit der Profitrate zu tun. Wenn also,
wie in dem Beispiel von Mill, früher 90 Arbeitstage angewandt wa-
ren, und 80 Arbeiter, so wird nichts an den Produktionskosten ge-
spart, daß die im Produkt enthaltne Surplusarbeit von 40 Tagen (=
80 qrs.) früher von 2 und jetzt von einem Kapitalisten eingesackt
werden. Die 20 qrs. Profit ( 10 Arbeitstage) verschwinden nur aus
dem einen Rechnungsbuch, um in dem andern wieder zu erscheinen.
Dies Sparen auf frühere Profite, wenn es nicht mit Sparen von Ar-
beitszeit, also auch mit Sparen von Arbeitslohn zusammenfällt,
daher bloße delusion, [58]
[c) Über den Einfluß von Wertwechsel des konstanten Kapitals auf
Mehrwert, Profit und Arbeitslohn]
¦¦335¦ V i e r t e n s bleibt aber jetzt der Fall, wo der Wert
des capital constant infolge vergrößerter Produktivität der Ar-
beit fällt, und es bleibt für diesen Fall zu untersuchen, ob und
wieweit er mit der real Produktionskost of wages or value of la-
bour 1*) zu tun hat. Es ist dies also die Frage, wieweit ein re-
aler Wertwechsel des capital constant zugleich Variation im Ver-
hältnis von Profit und Arbeitslohn hervorruft. Der Wert des capi-
tal constant kann konstant bleiben - seine Produktionskosten -
und doch kann mehr oder weniger davon in das Produkt eingehn.
Selbst seinen Wert als konstant vorausgesetzt, wird es wachsen im
Maß, wie sich die Produktivität der Arbeit, die Produktion auf
großer Stufenleiter entwickelt. Variationen in der v e r-
h ä l t n i s m ä ß i g e n M a s s e d e s a n g e w a n d-
t e n c a p i t a l c o n s t a n t, b e i g l e i c h-
b l e i b e n d e n o d e r s e l b s t s t e i g e n d e n
P r o d u k t i o n s k o s t e n desselben - Variationen, die
alle die Profitrate variieren - sind also de prime abord 2*) von
dieser Untersuchung ausgeschlossen.
Ferner sind von der Frage alle Produktionszweige ausgeschlossen,
deren Produkte weder direkt noch indirekt in den Konsum des Ar-
beiters eingehn.
-----
1*) der Löhne oder dem Wert der Arbeit - 2*) von vornherein
#215# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Die Variationen in der wirklichen Profitrate (d.h. dem Verhältnis
des wirklich in diesen Produktionszweigen produzierten Mehrwerts
zum ausgelegten Kapital) dieser Produktionszweige wirken aber auf
die allgemeine Profitrate, die aus dem Nivellement der Profite
entsteht, ebensowohl ein, wie Variationen in der Profitrate der
Industriezweige, deren Produkte direkt oder indirekt in den Kon-
sum des Arbeiters eingehn.
Die Frage muß ferner darauf reduziert werden: Wie kann ein Wert-
wechsel im capital constant rückwirkend den Mehrwert selbst affi-
zieren? Denn den Mehrwert einmal als gegeben vorausgesetzt, ist
das Verhältnis von Surplusarbeit zu notwendiger Arbeit vorausge-
setzt, also der Wert des Arbeitslohns, i.e. seine Produktionsko-
sten. Unter diesen Umständen kann irgendwelcher Wertwechsel in
dem capital constant den Wert des Arbeitslohns gar nicht berüh-
ren, ebensowenig wie das Verhältnis der Surplusarbeit zur notwen-
digen, obgleich er unter allen Umständen die Profitrate affizie-
ren muß, die Produktionskosten des Mehrwerts für den Kapitali-
sten, und unter gewissen Umständen, nämlich wenn das Produkt in
die Konsumtion des Arbeiters eingeht, die Quantität der Ge-
brauchswerte, worin sich das Salair auflöst, affiziert, obgleich
nicht seinen Tauschwert.
Es sei der Arbeitslohn gegeben, also z.B. in der Baumwollfabrik
Arbeitslohn = 10 Arbeitsstunden, surplus value = 2 Arbeitsstun-
den. Es falle infolge einer günstigen Ernte die Rohbaumwolle um
die Hälfte des Preises. Dieselbe Quantität Baumwolle, die dem Fa-
brikanten früher 1001. kostete, kostet jetzt nur 50. Dieselbe
Quantität Baumwolle absorbiert nach wie vor dieselbe Spinnarbeit
und Webarbeit. Mit einer Auslage von 50 l. für Baumwolle kann der
Kapitalist also jetzt ebensoviel Surplusarbeit absorbieren wie
früher mit einer Auslage von 100 l., oder fährt er fort, 100 l.
in Baumwolle auszulegen, so erhält er jetzt für denselben Preis
wie früher eine Quantität Baumwolle, worin er die doppelte Sur-
plusarbeit absorbieren kann. In beiden Fällen würde die Rate des
Mehrwerts, also sein Verhältnis zum Arbeitslohn, dieselbe blei-
ben; aber im zweiten Fall würde amount 1*) des Mehrwerts steigen,
da doppelt so viele Arbeit mit derselben Rate von Surplusarbeit
angewandt. In beiden Fällen würde die Profitrate steigen, ob-
gleich keine Variation in den Produktionskosten des Salairs vor-
gegangen. Sie würde steigen, weil in der Profitrate die surplus
value berechnet ist auf die Produktionskosten des Kapitalisten,
den Gesamtwert des von ihm ausgelegten Kapitals, und weil diese
gefallen. Es kostet ihm jetzt weniger Auslage, dieselbe surplus
value zu produzieren wie früher. Im zweiten Fall
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1*) Betrag
#216# Zwanzigstes Kapitel
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würde nicht nur die Profitrate steigen, sondern der amount of
profit, weil der Mehrwert selbst gestiegen infolge von Mehranwen-
dung von Arbeit, ohne daß diese Mehranwendung Mehrkost für das
Rohmaterial verursacht hätte. Auch in diesem Falle fände das
Steigen in der Rate und dem amount des Profits statt ohne irgend-
eine Variation im Wert der Arbeit.
Andrerseits steige infolge einer Mißernte der Wert der Baumwolle
um das Doppelte, so daß dieselbe Quantität Baumwolle, ¦¦336¦ die
früher 100 l kostete, jetzt 200 l. koste. In diesem Fall sinkt
die Profitrate unter allen Umständen, kann aber auch unter gewis-
sen Umständen die Masse oder die absolute magnitude of profit 1*)
fallen. Wendet der Kapitalist nach wie vor dieselbe Masse Arbei-
ter an, die ebensoviel wie früher arbeiten - ganz unter den alten
Verhältnissen -, so fällt seine Profitrate, obgleich das Verhält-
nis der Surplusarbeit zur notwendigen Arbeit und daher die Rate
und der Betrag des Mehrwerts dieselben geblieben. Die Profitrate
fällt, weil für den Kapitalisten die Produktionskosten des Mehr-
werts gestiegen, i.e. 100 l. Auslage in Rohmaterial mehr nötig
war, um ebensoviel fremde Arbeitszeit wie früher anzueignen. Ist
der Kapitalist aber gezwungen, einen Teil des Geldes, das er frü-
her in Arbeitslohn auslegte, jetzt in Baumwolle auszulegen, z.B.
für 150 l. Baumwolle zu kaufen, wovon 50 l. früher in den Ar-
beitslohn gingen, so fällt Rate und amount des Profits, letztrer,
weil weniger Arbeit, wenn auch zur selben Rate des Mehrwerts, an-
gewandt worden. Dasselbe würde eintreffen, wenn infolge der
Mißernte nicht Baumwolle genug da wäre, um dieselbe Quantität le-
bendiger Arbeit wie früher zu absorbieren. In beiden Fällen wür-
den amount und Profitrate fallen, obgleich die value of labour
dieselbe geblieben, also die Rate des Mehrwerts oder das Quantum
unbezahlter Arbeit, das der Kapitalist im Verhältnis zu der von
ihm im Arbeitslohn bezahlten Arbeit erhält.
Bei gleichbleibender R a t e d e s M e h r w e r t s, also
gleichbleibender v a l u e o f l a b o u r, muß also ein
Wertwechsel des capital constant einen Wechsel in der Profitrate
erzeugen und kann begleitet sein von einem Wechsel im gross
amount 2*) des Profits.
Was nun anderseits den Arbeiter betrifft:
Fällt die Baumwolle im Wert, also das Produkt, worin sie eingeht,
so erhält er nach wie vor einen Arbeitslohn = 10 Arbeitsstunden.
Aber den Teil der Baumwollware, den er selbst konsumiert, erhält
er wohlfeiler, kann also einen Teil des früher in Baumwolle Ver-
ausgabten nun anders verausgaben. Nur in diesem Verhältnis wächst
die Quantität der ihm zugänglichen
-----
1*) Größe des Profits - 2*) Gesamtbetrag
#217# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Lebensmittel, in dem Verhältnis, worin er an dem Preis der Baum-
wollware spart. Denn im übrigen erhält er jetzt für eine größre
Quantität Baumwollware nicht mehr als früher für eine geringere.
Im selben Verhältnis, worin die Baumwollware gefallen, sind die
andren Waren gestiegen. Kurz, eine größre Quantität Baumwollware
hat jetzt keinen größren Wert als früher die kleinere. I n
d i e s e m F a l l e a l s o w ü r d e d e r W e r t d e s
A r b e i t s l o h n s d e r s e l b e b l e i b e n, a b e r
e i n e g r ö ß r e Q u a n t i t ä t a n d r e r W a r e n
(G e b r a u c h s w e r t e) d a r s t e l l e n. D e n-
n o c h w ä r e d i e P r o f i t r a t e g e s t i e g e n,
o b g l e i c h d i e R a t e d e s M e h r w e r t s u n-
t e r d e r s e l b e n V o r a u s s e t z u n g n i c h t
s t e i g e n k ö n n t e.
Umgekehrt im Fall der Verteurung der Baumwolle. Bliebe der Arbei-
ter dieselbe Zeit beschäftigt, und erhielte nach wie vor einen
Arbeitslohn = 10 Stunden, so wäre der Wert seiner Arbeit der-
selbe, aber der Gebrauchswert wäre gefallen, soweit der Arbeiter
selbst Baumwolle konsumiert. In diesem Falle der G e-
b r a u c h s w e r t d e s S a l a i r s g e f a l l e n,
der W e r t d e r s e l b e, obgleich die Profitrate gefallen.
Wenn also Mehrwert und (realer) Arbeitslohn stets in entgegenge-
setzten Verhältnissen fallen und steigen (mit Ausnahme des Falls,
daß der Arbeiter an der absoluten Verlängerung seiner Arbeitszeit
teilnimmt; in diesem Fall nützt sich aber sein Arbeitsvermögen um
so rascher ab), kann die Profitrate steigen oder fallen, im er-
sten Fall, obgleich die value des Arbeitslohns dieselbe bleibt
und sein Gebrauchswert wächst, im zweiten Fall, obgleich die
v a l u e d e s A r b e i t s l o h n s dieselbe bleibt, sein
Gebrauchswert jedoch fällt.
Steigen der Profitrate, das Folge eines Falls im W e r t des
konstanten Kapitals, hat daher unmittelbar nichts zu tun mit ir-
gendeiner Variation im Realwert des Arbeitslohns (der in demsel-
ben enthaltnen Arbeitszeit).
Wenn also, wie oben unterstellt, die Baumwolle um 50 p.c. im Wert
fällt so wäre nichts falscher als zu sagen, entweder, daß die
Produktionskosten der wages gefallen sind oder daß, wenn der Ar-
beiter, in Baumwollware ausgezahlt, nach wie vor denselben Wert
erhielte, also ein größres Q u a n t u m Baumwollware erhielte
als früher (indem nach wie vor 10 Arbeitsstunden z.B. = 10 sh.,
ich für die 10 sh. aber mehr Baumwollware als früher kaufen kann,
weil der Wert der Rohbaumwolle gefallen), die Profitrate dieselbe
bliebe. Die Rate des Mehrwerts bleibt dieselbe, aber die ¦¦337¦
Profitrate steigt. Die P r o d u k t i o n s k o s t e n d e s
P r o d u k t s wären gefallen, weil ein Bestandteil des Pro-
dukts - sein Rohmaterial - weniger Arbeitszeit kostet als früher.
Die Produktionskosten des Arbeitslohns wären dieselben geblieben
wie früher, da nach wie vor der Arbeiter dasselbe Quantum Ar-
beitszeit f ü r s i c h und dasselbe Quantum Arbeitszeit
f ü r d e n K a p i t a l i s t e n arbeitet. (Die Produkti-
onskosten des Salairs aber hängen ab nicht von der Arbeitszeit,
die die
#218# Zwanzigstes Kapitel
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Produktionsmittel kosten, mit denen der Arbeiter arbeitet, son-
dern von der Arbeitszeit, die er arbeitet, um sein Salair zu er-
setzen. Bei Herrn Mill wären die Produktionskosten des Salairs
eines Arbeiters deswegen teurer, weil er z.B. Kupfer statt Eisen
oder Flachs statt Baumwolle bearbeitet; oder sie wären teurer,
wenn er Flachssamen, als wenn er Baumwollsamen sät; oder 1*) wenn
er mit einer teuren Maschine, als wenn er mit gar keiner Ma-
schine, sondern bloßem Handwerkszeug arbeitet.) Die P r o d u k-
t i o n s k o s t e n d e s P r o f i t s wären gesunken, weil
die Gsamtheit, die Totalsumme des vorgeschoßnen Kapitals, um den
Mehrwert zu produzieren, gesunken wäre. Die Kosten des Mehrwerts
sind nie größer als die Kosten des Teils des Kapitals, der in
Salair ausgelegt ist. Die Kosten des Profits sind dagegen = den
Gesamtkosten des Kapitals, das vorgeschossen wurde, um diesen
Mehrwert zu schaffen. Sie sind also bestimmt nicht nur durch den
Wert des Kapitalbestandteils, der in Salair ausgelegt ist und den
Mehrwert schafft, sondern auch durch den Wert der Kapitalbe-
standteile, die nötig sind, um diesen einen Kapitalbestandteil,
der sich gegen lebendige Arbeit austauscht, in Aktion setzen zu
können. Herr Mill verwechselt die Produktionskosten des Profits
mit den Produktionskosten des Mehrwerts, oder er verwechselt
Profit und Mehrwert.
Aus dem Entwickelten ergibt sich die Wichtigkeit von Wohlfeilheit
oder Teurung des Rohmaterials für die Industrie, die diese Rohma-
terialien bearbeitet (von der relativen Verwohlfeilerung der Ma-
schinerie gar nicht zu reden *), selbst vorausgesetzt, daß der
Marktpreis gleich dem Wert der Ware, d.h. daß der Marktpreis der
Ware exakt in demselben Verhältnis fällt, wie das in ihr ent-
haltne Rohmaterial.
Colonel Torrens bemerkt daher mit Recht in bezug auf England:
Für ein Land in der Lage Englands muß die Bedeutung eines Außen-
marktes nicht nach der Menge Fertigwaren gemessen werden, die er
erhält, sondern nach der Menge der Elemente der Reproduktion, die
er zurückgibt." (R. Torrens, "A letter to Sir R. Peel etc. on the
condition of England etc. , 2nd ed., Lond. 1843, p. 275.)
{Die Art, wie Torrens dies beweist, dagegen schlecht. Das gewöhn-
liche Gerede von supply and demand 3*). Die Sache kömmt bei ihm
darauf hinaus, daß, wenn das englische Kapital z.B. das cotton
fabriziert, rascher wächst
---
*) Unter relativer Verwohlfeilerung der Maschinerie verstehe ich,
daß der absolute Wert der angewandten Maschineriemasse steigt,
aber nicht steigt im Verhältnis zur Masse und größren efficiency
2*) derselben.
-----
1*) In der Handschrift als - 2*) Leistungsfähigkeit - 3*) Zufuhr
und Nachfrage
#219# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
als das Kapital which grows cotton, in the United States for in-
stance 1*), der Preis der Baumwolle steigt, und dann sagt er,
"der Wert der Baumwollfabrikate wird sinken in dem Verhältnis zu
den einfachen Kosten ihrer Produktion". [l.c.p. 240.]
Nämlich während das Rohmaterial durch die wachsende Nachfrage von
England steigt, werden die cotton fabrics 2*), verteuert durch
die steigenden Preise des Rohmaterials, im Preis fallen; wie wir
in der Tat z.B. sehn, daß jetzt (Frühling 1862) der Twist kaum
teurer als die Rohbaumwolle und das Geweb kaum teurer als das
Garn. Indes unterstellt Torrens, daß genug, wenn auch teures cot-
ton, da ist für den englischen industriellen Konsum. Der Preis
des cotton steigt über seinen Wert. Werden daher die cotton fa-
brics zu ihrem Wert verkauft, so dies nur möglich, daß, wenn der
cotton grower 3*) mehr surplus value von dem ganzen Produkt be-
zieht als ihm zukommt, er in der Tat partizipiert an einem Teil
der dem cotton manufacturer 4*) zukommenden surplus value. Letz-
ter kann nicht diesen Teil durch Steigerung des Preises ersetzen,
da die demand infolge des steigenden Preises fiele. Im Gegenteil.
Infolge der fallenden Nachfrage kann sein Profit 5*) noch tiefer
sinken, als es durch die surcharge 6*) des cotton growers sinkt.
Die Nachfrage nach Rohstoff, Baumwolle z.B., jedes Jahr geregelt,
nicht nur durch die effektive, augenblicklich vorhandne Nach-
frage, sondern durch die Durchschnittsnachfrage des Jahres, also
nicht nur durch die Nachfrage der im Gang befindlichen Fabriken,
sondern die Nachfrage, aber vermehrt während des kommenden Jahres
durch die Anzahl der Fabriken, die erfahrungsgemäß sich auftun
werden, d.h., durch den v e r h ä l t n i s m ä ß i g e n Z u-
w a c h s d e r F a b r i k e n w ä h r e n d d e s J a h-
r e s, oder durch die Surplusnachfrage, ¦¦338¦ die diesem ver-
hältnismäßigen Zuwachs entsprechen wird.
Umgekehrt. Fällt der Preis der Baumwolle etc. z.B. infolge beson-
ders fruchtbarer Ernte, so fällt dieser Preis meist unter seinen
Wert; ebenfalls wieder durch das Gesetz von Nachfrage und Zufuhr.
Die Profitrate und eventuell, wie oben gezeigt, der gross amount
of profit wächst daher nicht nur in dem Verhältnis, worin sie 7*)
wachsen würde, wenn der Preis der wohlfeiler gewordnen Baumwolle
= ihrem Wert; sondern sie 7*) wächst, weil das fertige Produkt
sich nicht verwohlfeilert in dem ganzen Verhältnis, worin der
cotton grower die Baumwolle unter ihrem Wert verkauft hat, weil
also der
-----
1*) das Baumwolle anbaut, in den vereinigten Staaten zum Beispiel
- 2*) Baumwollfabrikate - 3*) Baumwollpflanzer - 4*) Baumwoll-
fabrikanten - 5*) in der Handschrift Produkt - 6*) den Aufschlag
- 7*) in der Handschrift: er
#220# Zwanzigstes Kapitel
-----
Fabrikant einen Teil der dem cotton grower gebührenden surplus
value in die Tasche steckt. Dies vermindert die Nachfrage seines
Produkts nicht, da dies ohnehin im Preis sinkt, weil der Wert der
Baumwolle gesunken ist. Es sinkt aber nicht so tief im Preis, wie
der Preis der Rohbaumwolle unter ihren eignen Wert gefallen ist.
Es kommt hinzu, daß in solchen Zeiten die Nachfrage wächst, weil
die Arbeiter vollauf beschäftigt und bezahlt sind, also auch
selbst als Konsumenten bedeutend eingreifen, als Konsumenten
ihres eignen Produkts. In solchen Fällen, wo der Rohstoff sinkt,
nicht durch permanenten und fortwirkenden Fall in seinen durch-
schnittlichen Produktionskosten, sondern durch besonders gute
oder schlechte Jahreszeit (Witterung), fällt der Lohn der Arbei-
ter nicht, steigt vielmehr die Nachfrage nach denselben. Der ef-
fect dieser Nachfrage wirkt nicht nur in dem Verhältnis, worin
sie 1*) steigt. Umgekehrt. Bei plötzlicher Verteurung des Pro-
dukts [werden] teils viele Arbeiter entlassen, teils sucht sich
der Fabrikant schadlos zu halten durch Herabdrücken des Arbeits-
lohns unter sein Normalniveau. Die Normalnachfrage der Arbeiter
fällt also und vermehrt also noch das schon allgemeine Sinken der
Nachfrage und den Effekt, den dasselbe auf den Marktpreis hervor-
bringt.}
Was Mill hauptsächlich zu dem Einfall verleitet, daß durch einen
Wertwechsel im konstanten Kapital der Wert der Arbeit oder die
Produktionskosten der Arbeit modifiziert werden, also z.B. ein
Fall im Wert des vorgeschoßnen capital constant den Wert der Ar-
beit, ihre Produktionskosten, also auch das Salair fallen macht,
ist seine (ricardische) Vorstellung von der Teilung des Produkts
zwischen Arbeiter und Kapitalist. Durch einen Fall im Wert des
Rohmaterials, der Rohbaumwolle z.B., fällt der Wert des Garns.
Seine Produktionskosten nehmen ab; das Quantum der in ihm ent-
haltnen Arbeitszeit hat sich verringert. Wäre z.B. ein Pfund
Twist das Produkt der zwölfstündigen Tagesarbeit eines Mannes und
fiele der Wert der in diesem Pfund Twist enthaltnen Baumwolle, so
ist der Wert des lb. Twist gefallen exakt wie der Wert der zum
Spinnen verwandten Baumwolle gefallen ist. Z.B. 1 lb. Nr. 40 Mule
yarn 2nd quality 2*) betrug am 22. Mai 1861 12 d. (1 sh.). Es be-
trug am 22.Mai 1858 11 d. (in der Tat 11 6/8, da sein Preis nicht
fiel ganz wie der der Rohbaumwolle). Aber im ersten Fall betrug
der Preis des lb. fair 3*) Rohbaumwolle 8 d. (in der Tat 8 1/8),
im zweiten 7 d. (in der Tat 7 3/8). Hier war also der Wert der
Garne exakt gefallen wie der Wert der Rohbaumwolle, der Wert
ihres Rohstoffs. Also,
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1*) In der Handschrift: er - 2*) Mulegarn zweiter Qualität -
3*) guter
#221# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
sagt Mill, ist die Arbeit nach wie vor dieselbe; war sie 12 Stun-
den, so ist das Produkt nach wie vor das Resultat derselben 12
Stunden. Im zweiten Fall kam aber noch für 1 d. weniger präexi-
stierende Arbeit hinzu als im ersten. Die Arbeit ist dieselbe,
aber die Produktionskosten der Arbeit haben sich vermindert
(nämlich um 1 d.). Nun ist zwar das lb. Twist, als Twist, als Ge-
brauchswert nach wie vor das Produkt der zwölfstündigen Arbeit,
aber der Wert des lb. Twist ist weder jetzt, noch war er vorher
das Produkt der zwölfstündigen Arbeit des Spinners. Im ersten
Fall waren 2/3 von 12 d. = od. der Wert der Baumwolle, nicht sein
Produkt; im zweiten Falle waren 2/3 von 11 d. nicht sein Produkt,
also nicht 7 d. Im ersten Fall bleiben als das Produkt der zwölf-
stündigen Arbeit 4 d. und im zweiten Fall ganz ebenso 4 d. Die
Arbeit setzte in beiden Fällen nur 1/3 dem Wert des Twistes
hinzu. Also war im ersten Fall von dem 1 lb. Garn nur 1/3 lb.
Twist das Produkt des Spinners (von der Maschine abstrahiert),
und ebenso im zweiten Fall. Arbeiter und Kapitalist haben zu tei-
len nach wie vor nur 4 d. = 1/3 lb. Twist. Kauft der Arbeiter
Twist mit den 4 d., so erhält er im zweiten Fall mehr Twist als
im ersten, aber mehr Twist ist jetzt gradesoviel wert als früher
weniger Twist. Die Teilung aber der 4 d. zwischen Arbeiter und
Kapitalist bleibt dieselbe. Ist die Zeit, die der Arbeiter zur
Reproduktion oder Produktion seines Lohns arbeitet = 10 Stunden,
so ist seine Surplusarbeit = 2. Nach wie vor. Nach wie vor erhält
er 5/6 von 4 d. oder 1/3 lb. Twist und der Kapitalist 1/6 . Es
ist also kein ¦¦339¦ change 1*) vorgegangen in der Verteilung des
Produkts, des Twistes. Nichtsdestoweniger ist die Profitrate ge-
stiegen, weil der Wert des Rohmaterials gefallen und daher das
Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschoßnen Gesamtkapital oder den
Produktionskosten des Kapitalisten gewachsen.
Abstrahieren wir zur Vereinfachung des Beispiels von den Maschi-
nen etc., so stehen die beiden cases so:
Preis Capital Zu- Arbeits- Gesamt- Mehr- Profit-
von constant gesetz- lohn auslage gewinn rate
1 lb. te des Kapi-
Twist Arbeit talisten
I. case 12 d. 8 d. 4 d. 13 11 d. 2 5
1/3 f. 4/3 f. 2/3 f. 15/17
p.c.
II. case 11 d. 7 d. 4 d. 13 10 d. . 2 6
1/3 f. 4/3 f. 2/3 f. 14/31
p.c.
Die Profitrate ist hier also gestiegen, obgleich der W e r t
der Arbeit derselbe geblieben und der Gebrauchswert der Arbeit in
Twist ausgedrückt gestiegen ist. Die Profitrate ist b l o ß ge-
stiegen, ohne irgendeine Variation der
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1*) keine Veränderung
#222# Zwanzigstes Kapitel
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Arbeitszeit, die der Arbeiter sich aneignet, weil der Wert der
Baumwolle und damit der Gesamtwert der Produktionskosten des Ka-
pitalisten gefallen ist. 2 2/3 f. auf 11 d. 4/3 f. Auslage macht
natürlich weniger als 2 2/3 f. auf 10 d. 4/3 f. Auslage.
Aus dem bisher Entwickelten ergibt sich die Falschheit der fol-
genden Sätze, womit Mill seine Illustration schließt:
"Wenn die Produktionskost des Arbeitslohns dieselbe wie früher
geblieben wäre, hätten Profite nicht fallen (steigen?) 1*) kön-
nen. Jeder Arbeiter hätte ein qr. Korn empfangen; aber 1 qr. Korn
zu der Zeit war das Resultat derselben Produktionskost wie 1 1/3
qr. jetzt. Zu dem Zweck daher, daß jeder Arbeiter dieselbe Pro-
duktionskost empfangen könne, muß jeder 1 qr. empfangen + 1/5.
l.c.p. 103.)
"Annehmend daher, daß der Arbeiter in demselben Artikel gezahlt
wird, den er produziert, ist evident, daß, wenn irgendeine Er-
sparnis an Kosten Platz greift in der Produktion dieses Artikels,
wenn der Arbeiter noch empfängt dieselben Produktionskosten als
bevor, er eine vermehrte Quantität empfangen muß in demselben
Verhältnis, worin die Produktivkraft des Kapitals angewachsen
ist. Aber wenn so, wird die Auslage des Kapitalisten exakt die-
selbe Proportion zu seinem Ertrag haben wie früher und Profite
nicht steigen." (Dies eben falsch.) "Die Variationen daher in der
Profitrate und denen in den Produktionskosten der Löhne gehn Hand
in Hand und sind unzertrennlich. Die Meinung von Ricardo ist da-
her genau richtig, wenn er unter niederen Löhnen nicht nur Löhne
versteht, die das Produkt einer geringren Quantität von Arbeit
sind, sondern Löhne, die zu mindrer Kost produziert, eingerechnet
Arbeit und frühere Profite zusammen." (l.c.p. 104.)
Die Ansicht von Ricardo ist also, nach Mills Illustration, genau
richtig, wenn unter low wages 2*) (oder überhaupt unter Produkti-
onskosten von wages) nicht nur das Gegenteil von dem verstanden
wird, was er sagt, sondern absoluter Unsinn darunter verstanden
wird; nämlich unter den Produktionskosten der wages nicht der
Teil vom Arbeitstage des Arbeiters verstanden wird, den er zum
Ersatz seines Salairs arbeitet, sondern auch die Produktionsko-
sten des von ihm bearbeiteten Rohmaterials und der von ihm ge-
brauchten Maschinerie, also auch die Arbeitszeit, die er nicht,
weder für sich noch für den Kapitalisten, gearbeitet hat.
F ü n f t e n s: Nun die eigentliche Frage. Wieweit kann ein
Wertwechsel im capital constant auf den Mehrwert einwirken?
-----
1*) Bei Mill: steigen - 2*) niederen Löhnen
#223# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
Wenn wir sagen, der Wert des täglichen Durchschnittsarbeitslohns
ist = 10 Stunden oder, was dasselbe, von dem gesamten Arbeitstag,
z.B. 12 Stunden, den der Arbeiter arbeitet, sind 10 Stunden
erheischt, um sein Salair zu produzieren und zu ersetzen und nur,
was er darüber hinaus arbeitet, ist unbezahlte Arbeitszeit, bil-
det einen Wert, den der Kapitalist ¦¦340¦ erhält, ohne für den-
selben bezahlt zu haben, so heißt das weiter nichts, als daß in
der Totalsumme der Lebensmittel, die der Arbeiter verzehrt, 10
Stunden Arbeitszeit enthalten sind. Diese 10 Arbeitsstunden drüc-
ken sich in einer gewissen Geldsumme aus, mit der er diese
Lebensmittel kauft.
Nun ist aber der Wert der Waren bestimmt durch die in ihnen ent-
haltne Arbeitszeit, gleichgültig, ob diese Arbeitszeit in Rohma-
terial, aufgenutzter Maschinerie oder dem Rohmaterial vermittelst
der Maschinerie vom Arbeiter neuzugesetzten Arbeit enthalten ist.
Träte also ein konstanter (mehr als vorübergehender) Wertwechsel
im Rohmaterial oder der Maschinerie, die in diese Ware eingehn,
ein durch einen Wechsel in der Produktivität der Arbeit, die die-
ses Rohmaterial und diese Maschinerie, kurz das in der Ware ent-
kaltne konstante Kapital produziert, wäre infolge dieses Wechsels
mehr oder weniger Arbeitszeit erheischt, um diesen Bestandteil
der Ware zu produzieren, so würde sie selbst infolge davon teurer
oder wohlfeiler (bei gleichbleibender Produktivität der Arbeit,
die das Rohmaterial in Produkt verwandelt und gleichbleibender
Größe des Arbeitstags). Dadurch würden die Produktionskosten,
i.e. der Wert des Arbeitsvermögens steigen oder fallen; d.h.,
wenn er früher von den 12 Stunden 10 für sich selbst arbeitete,
müßte er jetzt 11 oder im umgekehrten Fall nur noch 9 für sich
selbst arbeiten. Im ersten Fall wäre seine Arbeit für den Kapita-
listen, i.e. der Mehrwert, um die Hälfte gefallen, von 2 Stunden
auf 1; im zweiten Fall wäre er um die Hälfte gestiegen, von 2
Stunden auf 3. Im letzten Fall würde die Profitrate und der gross
profit des Kapitalisten steigen, die erste schon, weil der Wert
des konstanten Kapitals gefallen, beides, weil die Rate des Mehr-
werts gewachsen wäre (und sein absolute amount).
Dies ist die einzige Art, worin ein Wertwechsel des capital con-
stant die value of labour, die Produktionskost des Salairs oder
die Teilung des Arbeitstages zwischen Kapitalist und Arbeiter af-
fizieren kann, also auch den Mehrwert.
Indes heißt das nur, daß für den Kapitalisten, der z.B. Baumwolle
spinnt, die notwendige Arbeitszeit seiner eignen Arbeiter be-
stimmt ist nicht nur durch die Produktivität der Arbeit in der
Spinnindustrie, sondern ditto in der Produktion von Baumwolle,
von Maschinerie etc., wie sie es ja
#224# Zwanzigstes Kapitel
-----
auch ist durch die Produktivität in allen Industriezweigen, deren
Produkte zwar nicht als constant capital - weder als Rohmaterial
noch Maschinerie etc. - in sein Produkt eingehn (ein Produkt, von
dem angenommen ist, daß es in die Konsumtion des Arbeiters ein-
geht), in das Garn, wohl aber einen Teil das capital circulant
1*) bilden, das in Arbeitslohn ausgelegt wird, also Produktivität
in der Industrie, die Nahrungsmittel erzeugt usw. Was als Produkt
in der einen Industrie, erscheint als Arbeitsmaterial oder Ar-
beitsmittel in der andern; das capital constant der einen Indu-
strie besteht also aus dem Produkt der andern, erscheint in einem
andern Industriezweig nicht als capital constant, sondern als das
Resultat der Produktion innerhalb dieses Industriezweigs. Für den
einzelnen Kapitalisten erscheint es verschieden, ob die gestie-
gene Produktivität der Arbeit (also auch das Fallen im Wert des
Arbeitsvermögens) innerhalb seines eignen Industriezweigs statt-
findet oder innerhalb deren, die das capital constant seiner In-
dustrie liefern. Für die Kapitalistenklasse - für das Ganze des
Kapitals ist dies dasselbe.
Also fällt dieser case {wo ein Fallen (oder umgekehrt) im Wert
des konstanten Kapitals nicht hervorgeht daraus, daß auf großer
Stufenleiter gearbeitet wird in der Industrie, die dies konstante
Kapital anwendet, sondern daß die Produktionskosten des konstan-
ten Kapitals selbst sich geändert} zusammen mit den über den
Mehrwert entwickelten Gesetzen.
Wenn wir überhaupt von Profit sprechen und der Profitrate, so ist
der Mehrwert als gegeben vorausgesetzt. Die Einflüsse, die den
Mehrwert bestimmen, haben also alle gewirkt. Dies ist vorausge-
setzt.
S e c h s t e n s: Es könnte jetzt noch hier entwickelt werden,
wie das Verhältnis des konstanten Kapitals zum variablen Kapital
und daher die Profitrate verändert wird durch eine spezielle Form
der surplus value. Nämlich die Verlängerung der Arbeitszeit über
die Grenzen des normalen Arbeitstags hinaus. ¦¦341¦ Dadurch wird
der verhältnismäßige Wert des konstanten Kapitals verkleinert
oder auch der proportionelle Wertteil, den es im Gesamtwert des
Produkts bildet. Doch lassen wir dies für das III. Kapitel [68],
wohin überhaupt der größte Teil des hier Entwickelten gehört.
Herr Mill, gestützt auf seine brillante Illustration, stellt den
allgemeinen (Ricard[oschen]) Satz auf:
-----
1*) zirkulierenden Kapitale
#225# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
"Der einzige Ausdruck des Profitgesetzes... ist der, daß der Pro-
fit von den Produktionskosten des Arbeitslohns abhängt." (l.c.p.
104, 105.)
Nun ist grade umgekehrt zu sagen: Die Rate des Profits {und davon
spricht Mill} hängt nur in einem einzigen Fall ausschließlich ab
von der cost of production of wages 1*). Und dies ist der Fall,
wenn die Rate des Mehrwerts und die Rate des Profits identisch
sind. Dies aber nur möglich in dem in der kapitalistischen Pro-
duktion fast unmöglichen Fall, daß das ganze vorgeschoßne Kapital
unmittelbar in Arbeitslohn vorgeschossen ist, kein konstantes Ka-
pital, sei es als Rohmaterial, Maschinerie, Gebäulichkeit etc.,
in das Produkt eingeht oder daß das Rohmaterial etc., soweit es
eingeht, nicht selbst Produkt der Arbeit ist, nichts kostet. Nur
in diesem Fall sind die Variationen in der Profitrate identisch
mit den Variationen in der Rate des Mehrwerts oder, was dasselbe,
in den Produktionskosten der wages.
Im allgemeinen aber (und dies schließt auch den eben angeführten
Ausnahmefall ein) ist die Profitrate gleich dem Verhältnis des
Mehrwerts zu dem Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals.
Nennen wir den Mehrwert M, den Wert des vorgeschoßnen Kapitals C,
so ist der Profit = M:C oder M/C . Dies Verhältnis ist bestimmt
sowohl durch die Größe vom M {und in die Bestimmung von M gehn
alle Umstände ein, die die Produktionskosten der wages bestimmen}
als durch die Größe von C. C, der Gesamtwert des vorgeschoßnen
Kapitals, besteht aber aus dem konstanten Kapital c und dem vari-
ablen (in Arbeitslohn ausgelegten) Kapital v. Also ist die Pro-
fitrate = M:v + c = M:C. M selbst, der Mehrwert, ist aber be-
stimmt nicht nur durch seine eigne Rate, d.h. das Verhältnis der
Surplusarbeit zur notwendigen oder die Teilung des Arbeitstags
zwischen Kapital und Arbeit, seine Teilung in bezahlte und unbe-
zahlte Arbeitszeit. Die Masse des Mehrwerts, d.h. die absolute
Größe des Mehrwerts, ist ebenso bestimmt durch die Anzahl der Ar-
beitstage, die das Kapital gleichzeitig exploitiert. Und diese
Masse der zu bestimmter Rate von unbezahlter Arbeit angewandten
Arbeitszeit hängt für ein bestimmtes Kapital ab von der Zeit,
worin das Produkt in dem eigentlichen Produktionsprozeß verharrt,
ohne Arbeit oder ohne dasselbe Quantum Arbeit wie früher zu
erheischen (z.B. Wein, bevor er seine Reife erlangt, Korn, das
einmal gesät ist, Häute oder andre Stoffe, die während einer ge-
wissen Zeit der Wirkung chemischer Kräfte ausgesetzt werden
usw.), ebenso von der Dauer der Zirkulationszeit der Ware, der
Dauer der Metamorphose der Ware oder der
-----
1*) den Produktionskosten der Löhne
#226# Zwanzigstes Kapitel
-----
Zwischenzeit zwischen ihrer Vollendung als Produkt und ihrer Re-
produktion als Ware. Wieviel Arbeitstage gleichzeitig {die value
of wages, also die Mehrwertsrate vorausgesetzt} angewandt werden
können, hängt im allgemeinen von der Größe d e s K a p i-
t a l s ab, das in Arbeitslohn ausgelegt wird. Aber die eben
erwähnten Umstände modifizieren überhaupt die Gesamtmasse von
lebendiger Arbeitszeit, die ein Kapital von irgendwelcher Größe
während einer bestimmten P e r i o d e anwenden kann, z.B.
innerhalb eines Jahres. Es sind Umstände, die das absolute
Quantum der von einem gegebnen Kapital anwendbaren Masse von Ar-
beitszeit bestimmen. Dies ändert aber nichts daran, daß der Mehr-
wert ausschließlich bestimmt ist durch seine eigne Rate multipli-
ziert mit der Anzahl der gleichzeitig angewandten Arbeitstage. Es
sind nur Umstände, die den letztren Faktor, die Anzahl der ange-
wandten Arbeitszeit bestimmen.
Die Rate des Mehrwerts ist gleich dem Verhältnis der Surplusar-
beit in einem Arbeitstag, also gleich dem Mehrwert, den ein ein-
zelner Arbeitstag produziert. Z.B.: Ist der Arbeitstag = 12 Stun-
den, die Surplusarbeit = 2 Stunden, so diese 2 Stunden = 1/6 von
12 Stunden, oder vielmehr müssen wir sie berechnen auf die not-
wendige Arbeit (oder den für sie gezahlten Salair, was dieselbe
Quantität Arbeitszeit in vergegenständlichter Form ist) = 1/5
(1/5 von 10 Stunden = 2 Stunden; 1/5 = 20 p.c.). Hier ist die
Größe des Mehrwerts (auf den einzelnen Arbeitstag) absolut be-
stimmt durch die Rate. Wendet der Kapitalist nun 100 solche
¦¦342¦ Arbeitstage an, so der Mehrwert (seine absolute Größe) =
200 Arbeitsstunden. Die Rate ist dieselbe geblieben; 200 Stunden
auf 1000 Stunden notwendiger Arbeit = 1/5 = 20 p.c. Ist die Rate
des Mehrwerts gegeben, so hängt seine Größe ganz ab von der An-
zahl der angewandten Arbeiter, also von der absoluten Größe des
in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals, des variablen Kapitals. Ist
die Anzahl der angewandten Arbeiter gegeben, d.h. die Größe des
in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals, des variablen Kapitals, so
hängt die Größe des Mehrwerts absolut von seiner Rate ab, d. h.
dem Verhältnis der Surplusarbeit zur notwendigen, den Produkti-
onskosten der wages, der Teilung des Arbeitstags zwischen Kapita-
list und Arbeiter. Geben mir 100 Arbeiter (die 12 Stunden arbei-
ten) 200 Arbeitsstunden, so ist die absolute Größe des Mehrwerts
= 200, die Rate = 1/6 eines [bezahlten] Arbeitstags oder 2 Stun-
den. Und der Mehrwert = 2 Stunden x 100. Geben mir 50 Arbeiter
200 Arbeitsstunden, so ist die absolute Größe des Mehrwerts 200
Arbeitsstunden; die Rate = 2/6 eines (bezahlten) Arbeitstags, = 4
Stunden. Und der Mehrwert = 4 Stunden x 50 = 200. Da die absolute
Größe des Mehrwerts = dem Produkt seiner Rate und der Anzahl der
#227# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
Arbeitstage, so kann es dasselbe bleiben, obgleich die Faktoren
wechseln in umgekehrtem Verhältnis.
Die Rate des Mehrwerts ist immer ausgedrückt durch das Verhältnis
des Mehrwerts zum variablen Kapital. Denn das variable Kapital
ist = der absoluten Größe der bezahlten Arbeitszeit; der Mehrwert
ist gleich der absoluten Größe von unbezahlter Arbeitszeit. Das
Verhältnis von Mehrwert zu variablem Kapital drückt also stets
das Verhältnis des unbezahlten Teils des Arbeitstags zum bezahl-
ten aus. Z.B. im vorigen Beispiele sei der Arbeitslohn für 10
Stunden = 1 Taler, wo 1 Taler ein Quantum Silber, das 10 Arbeits-
stunden enthält. Also 100 Arbeitstage werden bezahlt mit 100 Ta-
lern. Ist nun der Mehrwert = 20 Talern, so die Rate 20/100 = 1/5
= 20 p.c. Oder, was dasselbe, auf 10 Arbeitsstunden (= I Taler)
erhält der Kapitalist 2, auf 100 x 10 Arbeitsstunden oder 1000
aber 200 Arbeitsstunden = 20 Talern.
Obgleich also die Rate des Mehrwerts ausschließlich bestimmt ist
durch das Verhältnis der Surplusarbeitszeit zur notwendigen, in
andren Worten durch den aliquoten Teil des Arbeitstags, den der
Arbeiter zur Produktion seines Salairs bedarf, durch die Produk-
tionskosten des Salairs, so ist die Größe des Mehrwerts außerdem
bestimmt durch die Anzahl der Arbeitstage, durch das absolute
Quantum Arbeitszeit, das angewandt wird zu dieser bestimmten Rate
von Mehrwert, also durch die absolute Größe des in Arbeitslohn
ausgelegten Kapitals (wenn die Mehrwertsrate gegeben ist). Da der
Profit aber das Verhältnis nicht der Rate des Mehrwerts, sondern
der absoluten Größe des Mehrwerts zum Gesamtwert des vorgeschoß-
nen Kapitals, so ist seine Rate, offenbar nicht nur bestimmt
durch die Rate, sondern ebenso durch die absolute Größe des Mehr-
werts, eine Größe, die von dem zusammengesetzten Verhältnis der
Rate und der Anzahl der Arbeitstage, der Größe des in Salair aus-
gelegten Kapitals und den Produktionskosten des Salairs abhängt.
Die Rate des Mehrwerts gegeben, hängt seine Größe ausschließlich
ab von der Größe des vorgeschoßnen (in Arbeitslohn ausgelegten)
Kapitals. Nun ist der Durchschnittsarbeitslohn derselbe, d.h., es
ist vorausgesetzt, daß in allen Industriezweigen der Arbeiter
einen Arbeitslohn von z.B. 10 Stunden erhält. (In den Zweigen, wo
der Arbeitslohn höher als der Durchschnittsarbeitslohn, ist es
für unsern Gesichtspunkt und für die Sache dasselbe, als ob der
Kapitalist mehr einfache Arbeiter anwendete.) Vorausgesetzt also,
daß die Surplusarbeit, d.h., der gesamte normale Arbeitstag
gleich (die Ungleichheiten gleichen sich zum Teil dadurch aus,
daß 1 Stunde komplizierter Arbeit z.B. = 2 Stunden einfacher),
¦¦343¦ so
#228# Zwanzigstes Kapitel
-----
hängt die Größe des Mehrwerts ausschließlich ab von der Größe des
[für den Arbeitslohn] vorgeschoßnen Kapitals. So konnte gesagt
werden, daß die Massen des Mehrwerts sich verhalten wie die Grö-
ßen der vorgeschoßnen Kapitalien (in Arbeitslohn). Dies gilt je-
doch nicht vom Profit, da dieser das Verhältnis des Mehrwerts zum
Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals und bei Kapitalien von
gleicher Größe, die Bestandteile derselben, die in Arbeitslohn
ausgelegt werden, oder das Verhältnis des variablen Kapitals zum
Gesamtkapital sehr verschieden sein kann und sehr verschieden
ist. Die Größen des Profits hängen hier vielmehr ab von dem Ver-
hältnis - in den verschiednen Kapitalien - des variablen Kapitals
zum Gsamtkapital, also von v/(c + v). Wenn also die Rate des
Mehrwerts gegeben ist, und diese ist stets ausgedrückt durch m/v,
das Verhältnis des Mehrwerts zum variablen Kapital, so ist die
Profitrate ausschließlich bestimmt durch das Verhältnis des vari-
ablen Kapitals zum Gesamtkapital.
Die Profitrate ist also e r s t e n s b e s t i m m t
d u r c h d i e R a t e d e s M e h r w e r t s oder das
Verhältnis der unbezahlten Arbeit zur bezahlten; und sie wech-
selt, steigt oder fällt (soweit diese Wirkung nicht durch die Be-
wegungen in den andern Bestimmungsmomenten paralysiert wird) mit
dem Wechsel der Rate des Mehrwerts. Diese steigt oder fällt aber
d i r e k t wie die Produktivität der Arbeit und umgekehrt wie
die Produktionskosten der wages oder das Quantum der notwendigen
Arbeit, wie die value of labour.
Z w e i t e n s aber ist die Profitrate bestimmt durch das Ver-
hältnis des variablen Kapitals zum Gesamtkapital, durch v/(c +
v). Die absolute Größe des Mehrwerts, bei gegebner Rate dessel-
ben, hängt nämlich bloß ab von der Größe des variablen Kapitals,
die bestimmt ist, unter der gemachten Voraussetzung, oder nur
ausdrückt die Anzahl der gleichzeitig angewandten Arbeitstage,
die absolute Größe der angewandten Arbeitszeit. Die Profitrate
aber hängt ab von dem Verhältnis dieser absoluten Größe des Mehr-
werts, die im variablen Kapital gegeben ist, zum Gesamtkapital,
also vom Verhältnis des variablen Kapitals zum Gsamtkapital, von
v/(c + v). Da der Mehrwert M bei der Berechnung der Profitrate
als gegeben vorausgesetzt wird, also auch v als gegeben vorausge-
setzt ist, so können alle Variationen in v/(c + v) nur von Varia-
tionen in c, d.h. dem konstanten Kapital herrühren.
#229# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
Denn wenn v gegeben ist, kann die Summe c + v = C nur changieren,
wenn c changiert, und mit dem Changieren dieser Summe changiert
das Verhältnis v/(c + v), oder v/C.
Wenn v = 100, c = 400, so v + c = 500 und v/(v + c) = 100/500 =
1/5 = 20 p.c. War also die Rate des Mehrwerts = 5/10 = 1/2, so =
50. Da aber das variable Kapital nur = 1/5 des Gesamtkapitals, so
der Profit = 1/2 von 1/5 = 1/10, und in der Tat 1/10 von 500 = 50
= 100 p.c. Das Verhältnis v/(v + c) wechselt mit jedem Wechsel
von c, aber natürlich nicht in derselben Zahlengröße. Setze, v
und c seien ursprünglich beide gleich 10, d.h. das Gesamtkapital
bestehe halb aus variablem und halb aus konstantem Kapital, so
v/(v + c) = 10/(10 + 10) = 10/20 = 1/2. War also die Mehrrate
gleich 1/2 v, so ist sie = 1/4 von C. Oder wenn der Mehrwert = 50
p.c., ist in diesem Falle, wo das variable Kapital = C/2, die
Profitrate = 25 p.c. Gesetzt nun, das konstante Kapital verdopple
sich, wachse von 10 auf 20, so v/(c + v) = 10/(20 + 10) = 10/30 =
1/3. (Die Mehrrate 1/2 von 10 wäre jetzt gleich 1/2 von 1/3 von
C, d.h. = 1/6 von 30 = 5. Und so ist die Hälfte von 10 = 5. 5 auf
10 sind 50 p.c. 5 auf 30 sind 16 2/3 p.c. 5 auf 20 war dagegen =
1/4 = 25 p.c.) Das konstante Kapital hat sich verdoppelt, d.h.
von 10 auf 20; aber die Summe von c + v ist nur um die Hälfte ge-
wachsen, nämlich von 20 auf 30. Das konstante Kapital um 100
p.c., die Summe von c und v nur um 50. Das Verhältnis v/(c + v),
ursprünglich = 10/20, ist nur gefallen auf 10/30, d. h. von 1/2
auf 1/3, d.h. von 3/6 auf 2/6, nur um 1/6 gefallen, während das
konstante Kapital sich verdoppelt hat. Wie das Wachstum oder die
Abnahme des konstanten Kapitals die Proportion v/(c + v), be-
rührt, hängt offenbar von der Proportion ab, worin c und v ur-
sprünglich Teile des ganzen Kapitals C (c + v) bilden.
¦¦344¦ Das k o n s t a n t e Kapital (d.h. sein Wert) nun kann
e r s t e n s wachsen (oder fallen), obgleich die Massen des an-
gewandten Rohmaterials, Maschinerie etc. dieselben bleiben. In
diesem Falle sind die Variationen im konstanten Kapital also
nicht bedingt durch die Produktionsbedingungen des industriellen
Prozesses, worin es als konstantes Kapital eingeht, sondern
#230# Zwanzigstes Kapitel
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sind 1*) unabhängig von denselben. Welches aber immer die
U r s a c h e n, die diesen Wertwechsel herbeiführen, so influ-
enzieren sie jedesmal die Profitrate. In diesem Fall hat dieselbe
Masse Rohstoff, Maschinerie usw. mehr oder weniger Wert als frü-
her, weil mehr oder weniger Arbeitszeit als früher erheischt war,
um sie zu produzieren. Die Variationen sind dann bedingt durch
die Produktionsbedingungen der Prozesse, woraus die Bestandteile
des capital constant als Produkte hervorgehn. Wir haben vorhin
2*) unter, sucht, wie dies auf die Profitrate wirkt.
Ob aber in derselben Industrie konstantes Kapital, z.B. Rohmate-
rial, im Wert steigt oder fällt, weil seine eigne Produktion teu-
rer etc. geworden, ist mit Bezug auf die Profitrate ganz das-
selbe, als wenn in dem einen Industriezweig (oder auch in demsel-
ben) für diese Ware wertvollres Rohmaterial als für die andre an-
gewandt wird, bei gleich großer Auslage in Lohnarbeit.
Wo bei gleicher Auslage in Lohnarbeit das Rohmaterial, das ein
Kapital bearbeitet (z.B. Weizen), teurer ist als das Rohmaterial,
das ein andres Kapital bearbeitet (z.B. Hafer) (oder Silber und
Kupfer etc. oder Wolle und Baumwolle etc.), muß die Profitrate in
beiden Kapitalien in umgekehrtem Verhältnis zur Teuerkeit des
Rohmaterials stehn. Wird also derselbe Profit durchschnittlich in
beiden Industriezweigen gemacht, so dies nur möglich dadurch, daß
der Mehrwert gemeinschaftlich unter die Kapitalisten verteilt
wird, nicht nach dem Verhältnis des Mehrwerts, den jedes Kapital
in seiner besondren Produktionssphäre produziert, sondern im Ver-
hältnis der Größen der Kapitalien, die sie anwenden. Dies kann
doppelt geschehn. A, der das wohlfeilre Material bearbeitet, ver-
kauft seine Ware zu ihrem wirklichen Wert, kassiert also auch den
von ihm selbst produzierten Mehrwert. Der Preis seiner Ware ist
gleich ihrem Wert. B, der das teurere Material bearbeitet, ver-
kauft seine Ware über ihrem Wert, chargiert im Preis so viel, als
hätte er wohlfeileres Material bearbeitet. Tauschen dann A und B
ihre Waren aus, so ist es dasselbe für A, als wenn er weniger
Mehrwert im Preis seiner Ware berechnet hätte, als sie wirklich
enthält. Oder als wenn beide, A und B, von vornherein eine Pro-
fitrate im Verhältnis zur Größe des ausgelegten Kapitals char-
giert hätten, d.h., den gemeinsamen Mehrwert unter sich im Ver-
hältnis zur Größe der von ihnen ausgelegten Kapitalien verteilt
hätten. Und das ist es, was die allgemeine Profitrate meint. [60]
Diese Ausgleichung tritt natürlich nicht ein, wenn das capital
constant eines bestimmten Kapitals, wie der Rohstoff z.B., vor-
übergehend fällt oder steigt durch Einfluß der Jahreszeiten etc.
Obgleich gar nicht zu zweifeln ist,
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1*) In der Handschrift: ist - 2*) siehe vorl. Band. S. 214-222
#231# Auflösung der Ricardoschen Schule
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daß die außerordentlichen Profite, die cotton spinners 1*) z.B.
in Jahren besonders fruchtbarer Baumwollernten machen, eine Masse
neues Kapital in diesen Industriezweig hereinziehn, die Veranlas-
sung geben zum Bau einer Masse neuer Fabriken und Baumwollmaschi-
nerie. Kömmt also dann ein schlechtes Baumwolljahr, so der Ver-
lust um so größer.
Z w e i t e n s aber, wenn die Produktionskosten von Maschine-
rie, Rohmaterial, kurz capital constant dieselben bleiben, kann
größere Masse davon erheischt sein, also ihr Wert wachsen, wie
die angewandte Masse wächst infolge der veränderten Produktions-
bedingungen der Prozesse, worin jene Bestandteile als Produkti-
onsmittel eingehn. In diesem Fall macht natürlich, wie im vori-
gen, das Wachsen des Werts des konstanten Kapitals die Profitrate
fallen; andrerseits aber zeigen diese Variationen in den Produk-
tionsbedingungen selbst an, daß die Arbeit produktiver geworden,
also die Rate des Mehrwerts gestiegen ist. Denn es wird nur mehr
Rohmaterial von derselben lebendigen Arbeit konsumiert, weil sie
dasselbe in weniger Zeit verarbeitet, und es wird nur mehr Ma-
schinerie angewandt, weil die Kost der Maschinerie kleiner ist
als die Kost der Arbeit, die sie ersetzt. Hier also das Fallen
der Profitrate mehr oder minder aufzuholen durch ein Steigen in
der Rate des Mehrwerts und daher auch in der absoluten Größe des
Mehrwerts.
Endlich können beide Umstände des Wertwechsels zusammenwirken in
sehr verschiednen Kombinationen. Z.B. ¦¦345¦ der Durchschnitts-
wert der Rohbaumwolle ist gefallen, aber zugleich ist der Wert
der Masse, die in einer bestimmten Zeit bearbeitet wird, in größ-
rem Maße noch gestiegen. Der Wert der Wolle gestiegen und der
Wert der Masse Wolle, die in bestimmter Zeit bearbeitet wird.
Massenhaftre Maschinerie ist absolut teurer geworden, aber im
Verhältnis zu ihrer efficiency 2*) ist sie wohlfeiler geworden
etc.
Bisher wurde angenommen, daß das variable Kapital gleichbleibend
sei. Das variable Kapital kann aber auch nicht nur relativ, son-
dern absolut abnehmen, wie in der Agrikultur z.B., d.h. nicht nur
relativ abnehmen im Verhältnis zur Größe des konstanten Kapitals.
Oder das variable Kapital kann absolut wachsen. Dann aber ist es
dasselbe, als ob es unverändert bliebe, sofern das konstante Ka-
pital aus den oben gegebnen Ursachen in größrem Verhältnis oder
in demselben Verhältnis wächst.
Bleibt das konstante Kapital gleich, so ist jedes Wachsen oder
Fallen desselben im Verhältnis zum variablen Kapital nur dadurch
erklärt, daß das konstante Kapital relativ wächst oder fällt,
weil das variable absolut fällt oder wächst.
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1*) Baumwollspinner - 2*) Leistungsfähigkeit
#232# Zwanzigstes Kapitel
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Bleibt das variable Kapital gleich, so ist jedes Wachsen oder
Fallen des konstanten Kapitals nur aus seinem eignen absoluten
Wachsen oder Fallen zu erklären.
Finden in beiden gleichzeitig Variationen statt, so ist es das-
selbe nach Abzug der Variation, die in beiden gleich ist, als ob
das eine gleichgeblieben, das andre gewachsen oder gefallen wäre.
Ist aber einmal die P r o f i t r a t e gegeben, so hängt die
Masse des Profits von der Größe der angewandten Kapitalien ab.
Großes Kapital mit kleiner Profitrate liefert größren Profit als
kleines Kapital mit großer Profitrate.
S o w e i t d i e s e A b s c h w e i f u n g.
Sonst in der Schrift von J. St. Mill nur noch die 2 folgenden
Sätze zu merken:
"K a p i t a l hat, genaugenommen, keine p r o d u k t i v e
M a c h t. Die einzige produktive Macht ist die der Arbeit, as-
sistiert zweifelsohne von Werkzeugen und auf Maschinerie wir-
kend." (l.c.p. 90.)
Strictly speaking 2*) verwechselt er Kapital hier mit den
stofflichen Bestandteilen, aus denen es besteht. Der Satz aber
gut für die, die dasselbe tun und doch die produktive Kraft des
Kapitals behaupten. Auch hier natürlich die Sache nur richtig,
soweit of the production of value gesprochen wird. Im übrigen
produziert auch die Natur, soweit es sich um bloßen Gebrauchswert
handelt.
"P r o d u k t i v e M a c h t d e s K a p i t a l s ist
nichts als die Quantität der realen produktiven Macht, welche der
Kapitalist vermittelst seines Kapitals kommandieren kann."
(l.c.p. 91.)
Hier das Kapital richtig als Produktionsverhältnis gefaßt.
¦VIII-345¦¦
¦¦XIV-851¦ In einem frühern Heft [61l habe ich ausführlich die
gewaltsamen Versuche nachgewiesen, die Mill macht, um R[icardo]s
Gesetz über die P r o f i t r a t e (im umgekehrten Verhältnis
zum Arbeitslohn) unmittelbar aus der Werttheorie abzuleiten, ohne
zwischen M e h r w e r t und P r o f i t zu unterscheiden.
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1*) Bei Mill Material - 2*) genaugenommen
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