Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil


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       #80# Zwanzigstes Kapitel
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       2. [James Mill]
       
       ¦¦791¦ James  Mill, "Elements  of Polit.  Econ.", Lond.  1821 (2.
       Aufl., Lond. 1824).
       Mill war der erste, der R[icardo]s Theorie in systematischer Form
       darstellte, wenn auch nur in ziemlich abstrakten Umrissen. Was er
       anstrebt ist formell logische Konsequenz. Mit ihm beginnt "daher"
       auch die  Auflösung der  Ric[ardo]schen Schule.  Bei dem  Meister
       entwickelt sich  das Neue  und Bedeutende  mitten im "Dünger" der
       Widersprüche, gewaltsam  aus den  widersprechenden Erscheinungen.
       Die Widersprüche  selbst, die  zugrunde liegen,  zeugen  von  dem
       Reichtum der  lebendigen Unterlage, aus der die Theorie sich her-
       auswindet. Anders  mit dem  Schüler. Sein Rohstoff ist nicht mehr
       die Wirklichkeit,  sondern die  neue theoretische  Form, wozu der
       Meister sie  sublimiert hat.  Teils der   t h e o r e t i s c h e
       W i d e r s p r u c h   d e r   G e g n e r    d e r    n e u e n
       T h e o r i e,  teils das  o f t  p a r a d o x e  V e r h ä l t-
       n i s   d i e s e r   T h e o r i e  z u  d e r   R e a l i t ä t
       spornen ihn  zum Versuch,  die ersten  zu widerlegen, das letztre
       w e g z u e r k l ä r e n.  Bei diesem Versuch verwickelt er sich
       selbst in  Widersprüche und  stellt mit  seinem Versuch,  sie  zu
       lösen,  zugleich   die  beginnende     A u f l ö s u n g    d e r
       T h e o r i e   dar, die er dogmatisch vertritt. Mill will einer-
       seits die bürgerliche Produktion als absolute Form der Produktion
       darstellen und  sucht daher  zu  beweisen,  daß  ihre  wirklichen
       Widersprüche nur  scheinbare sind.  Andrerseits die R[icardo]sche
       Theorie als die absolute theoretische
       
       #81# Auflösung der Ricardoschen Schule
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       Form dieser  Produktionsweise darzustellen und die teils von and-
       ren geltend  gemachten, teils ihm selbst sich aufdrängenden theo-
       retischen Widersprüche ditto wegzubeweisen. Indes ist Mill in ge-
       wisser Weise  auch noch  Fortschritt der  R[icardo]schen  Ansicht
       über die  Schranken hinaus,  worin R[icardo]  sie dargestellt. Er
       hat noch  dasselbe geschichtliche  Interesse, das  Ricardo hat  -
       d a s   d e s   i n d u s t r i e l l e n   K a p i t a l s  g e-
       g e n   d a s   G r u n d e i g e n t u m   -, und er zieht rück-
       sichtsloser die  praktischen Konsequenzen  der Theorie,  der  der
       Grundrente z.B.  gegen die  Existenz des  Grundeigentums, das  er
       mehr oder minder direkt in Staatseigentum verwandelt wissen will.
       Hier haben  wir es  mit der  letztren Konsequenz und dieser Seite
       Mills nicht zu tun. 1*)
       
       [a) Verwechslung von Mehrwert und Profit]
       
       Der Unterschied  von   M e h r w e r t   und  P r o f i t  findet
       sich bei  den Schülern R[icardo]s so wenig als bei ihm selbst. Er
       selbst wird dessen nur gewahr durch den verschiednen Einfluß, den
       die Variation  des Arbeitslohns  auf Kapitalien  von verschiedner
       organischer Komposition  (und diese  selbst nur mit Rücksicht auf
       den Zirkulationsprozeß)  haben kann.  Daß - selbst wenn wir nicht
       Kapitalien in different occupations 2*) betrachten, sondern jedes
       Kapital für  sich, soweit  es nicht  ausschließlich aus variablem
       Kapital besteht,  nur in  Arbeitslohn ausgelegtes  Kapital ist  -
       Profitrate und Rate des Mehrwerts verschieden, also auch der Pro-
       fit eine  weiter entwickelte,  spezifisch modifizierte  Form  des
       Mehrwerts sein  muß, fällt ihnen nicht ein. Sie werden des Unter-
       schieds nur  gewahr, soweit es sich von gleichem Profit - average
       rate of  profit 3*) - für Kapitalien in different spheres of pro-
       duction and  differently composed of fixed and circulating ingre-
       diences 4*)  handelt. Mill wiederholt in dieser Beziehung, vulga-
       risiert nur  das von  Ric[ardo] in  ch. I  "On Value"  5*) Beige-
       brachte. Das  einzige neue  Bedenken, das ihm aufstößt, mit Bezug
       auf diese Frage, ist dieses:
       Mill bemerkt,  daß "time  as such"  6*) (also  nicht Arbeitszeit,
       sondern Zeit) nichts produziert, also auch nicht "value" 7*). Wie
       stimmt es  also mit  dem Gesetz  des Werts, daß Kapital deswegen,
       wie Ricardo  sagt, weil  es längre  Zeit zu  seinen  returns  8*)
       braucht, denselben  Profit abwirft  wie Kapital, auf das mehr un-
       mittelbare Arbeit  verwandt, aber rascher retourniert? Man sieht,
       daß Mill  hier nur einen ganz einzelnen Fall auflaßt, der, allge-
       mein
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       1*) In der  Handschrift sind alle in diesem Absatz kursiv gegebe-
       nen Textstellen  mit Bleistift  unterstrichen - 2*) verschiedenen
       Zweigen -  3*) Durchschnittsprofitrate - 4*) verschiedenen Produ-
       kionssphären und  mit verschiedener Zusammensetzung aus fixen und
       zirkulierenden Bestandteilen  - 5*)  "Über den  Wert" - 6*) "Zeit
       als solche" - 7*) "Wert" - 8*) Umlauf
       
       #82# Zwanzigstes Kapitel
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       ausgedrückt, dahin  lauten würde:  Wie stimmt der Kostenpreis und
       die von  ihm vorausgesetzte  ¦¦792¦ average rate of profit (hence
       1*) Gleichwert von Waren, die sehr unequale Quanta Arbeit enthal-
       ten) damit,  daß der  Profit nichts  ist als  ein Teil der in der
       Ware enthaltnen  Arbeitszeit, aber  der Teil  der vom  Kapitalist
       ohne Äquivalent  angeeignet wird?  Bei dem average rate of profit
       und Kostenpreis werden dagegen der Wertbestimmung ganz fremde und
       äußerliche Gesichtspunkte  geltend gemacht, z.B., daß der Kapita-
       list, dessen  Kapital längre  returns durchzumachen,  weil es wie
       wine 2*)  z.B. länger  im Produktionsprozeß  verharren muß  (oder
       länger im  Zirkulationsprozeß in andren Fällen), entschädigt wer-
       den muß für die Zeit, worin er sein Kapital nicht verwerten kann.
       Aber wie kann die Zeit der Nichtverwertung Wert schaffen?
       Mills Stelle über die "Zeit" lautet: 3*)
       
       "Die Zeit  kann nichts tun, ... wie kann sie also Wert vermehren;
       Die Zeit  ist bloß  ein abstrakter  Ausdruck, ein Wort, ein Laut.
       Und es  ist die gleiche logische Absurdität, von einer abstrakten
       Einheit als  Wertmaß und  von der Zeit als Schöpferin von Wert zu
       reden. ("Elements etc.", 2nd ed., p. 99.) [21]
       
       In der  Tat handelt  es sich  bei den  K o m p e n s a t i o n s-
       g r ü n d e n   4*) zwischen den capitals in different spheres of
       production 5*)  nicht um  Produktion des  Mehrwerts,  sondern  um
       V e r t e i l u n g   d e s s e l b e n  u n t e r  d i e  v e r-
       s c h i e d n e n   K a t e g o r i e n   v o n  K a p i t a l i-
       s t e n.   Es machen  sich hier  also Gesichtspunkte geltend, die
       mit   d e r   W e r t b e s t i m m u n g   a l s   s o l c h e r
       6*)   a b s o l u t   nichts zu schaffen haben. Es ist hier alles
       K o m p e n s a t i o n s g r u n d,   was ein Kapital in a pecu-
       liar sphere  of production  7*) zwingt,  auf die  Bedingungen  zu
       verzichten,  worunter  es  in  andren  Sphären  größren  Mehrwert
       produzieren könnte.  Also  z.B.,  wenn  es  mehr  fixes,  weniger
       zirkulierendes Kapital  anwendet, wenn  es  mehr  konstantes  als
       variables Kapital  anwendet, wenn es länger im Zirkulationsprozeß
       verharren  muß,  wenn  es  endlich  länger  im  Produktionsprozeß
       verharren muß  ohne einem  Arbeitsprozeß unterworfen zu sein, was
       jedesmal eintritt,  wo der  Produktionsprozeß seiner  technologi-
       schen Natur  gemäß Unterbrechungen erleidet, um das werdende Pro-
       dukt den  Wirkungen natürlicher Kräfte auszusetzen, z.B. der Wein
       im Keller. In allen diesen Fällen - der letztre ist der, den Mill
       herausgreift, also ganz borniert und vereinzelt die Schwierigkeit
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       1*) daher -  2*) wein - 3*) der vorstehende Satz und das folgende
       Zitat finden  sich in  der Handschrift quer am Rande und sind von
       Marx zur  Einfügung an diese Stelle bezeichnet - 4*) in der Hand-
       schrift ist  das hier  kursiv gegebene  Wort mit Bleistift unter-
       strichen - 5*) Kapitalien in den verschiedenen Produktionssphären
       - 6*) in  der Handschrift ist die hier kursiv gegebene Textstelle
       mit Bleistift  unterstrichen -  7*) einer besondern  Produktions-
       sphäre
       
       #83# Auflösung der Ricardoschen Schule
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       greifend -  tritt Kompensation  ein. Es  wird von  dem in  andren
       Sphären produzierten  Mehrwert (die Konkurrenz bewirkt diese Aus-
       gleichung, worin  jedes besondre  Kapital nur  als aliquoter Teil
       des gesellschaftlichen Kapitals erscheint) ein Teil auf diese der
       direkten Exploitation  der Arbeit  ungünstiger situierten Kapita-
       lien, im Verhältnis zu ihrer bloßen Größe, übertragen. Das Phäno-
       men ist sehr einfach, sobald das Verhältnis von Mehrwert und Pro-
       fit und  ferner die Ausgleichung der Profite zur allgemeinen Pro-
       fitrate begriffen ist. Soll es aber ohne alle Vermittlung aus dem
       Gesetz des  Werts begriffen  werden, also der Profit, den ein be-
       sondres Kapital  in einem  besondren trade  1*) macht, aus dem in
       den  von   ihm  produzierten  Waren  enthaltnen  Mehrwert,  [der]
       u n b e z a h l t e n   A r b e i t  (also auch aus der direkt in
       ihnen selbst  worked up  labour 2*))  erklärt werden, so ist dies
       ein Problem,  viel unmöglicher als die Quadratur des Zirkels, die
       algebraisch gefunden  werden kann.  Es ist  einfach der  Versuch,
       das,  was   nicht  ist,   als  seiend   darzustellen.  In  dieser
       u n m i t t e l b a r e n  Form aber ist es, daß Mill das Problem
       zu lösen  sucht. Es ist hier also keine Lösung in der Sache, son-
       dern nur  ein sophistisches  Wegräsonieren der Schwierigkeit mög-
       lich, also  nur   S c h o l a s t i k  3*). Mill beginnt das. Bei
       einem   g e w i s s e n l o s e n  F l a c h k o p f  4*) wie Mc-
       Culloch nimmt diese Manier breitmacherische Unverschämtheit an.
       Mills Lösung  kann nicht besser charakterisiert werden als in den
       Worten Bailegs:
       
       "Herr Mill  hat einen  sonderbaren Versuch  gemacht, die   W i r-
       k u n g e n   d e r   Z e i t  in  V e r a u s g a b u n g  v o n
       A r b e i t  a u f z u l ö s e n. 'Wenn', sagt er (p. 97, 2nd ed.
       der "Elements", 1824), 'der Wein, der im Keller gehalten wird, im
       Werte dadurch  im Jahre  um 1/10  steigt, so  darf  man  mit  Fug
       a n n e h m e n,   es sei  1/10  mehr  Arbeit  auf  ihn  verwandt
       worden.' ...  Eine Tatsache kann nur dann mit Fug als eingetreten
       betrachtet ¦¦793¦  werden, wenn  sie in  Wirklichkeit eingetreten
       ist. In  dem angeführten Beispiel hat sich nach der Voraussetzung
       kein menschliches  Wesen dem  Weine genähert  oder auch nur einen
       Augenblick oder  eine einzige  Muskelbewegung auf  ihn verwandt."
       ("A critical  Dissertation on  the Nature, Measures anl Causes of
       Value etc.", London 1825, p. 219, 220.)
       
       Der Widerspruch  zwischen dem  allgemeinen Gesetz und weiter ent-
       wickelten konkreten  Verhältnissen soll  hier nicht gelöst werden
       durch Auffindung der Mittelglieder, sondern durch direkte Subsum-
       tion und  unmittelbare Anpassung  des Konkreten an das Abstrakte.
       Und zwar  soll dies  durch eine   s p r a c h l i c h e    F i k-
       t i o n  4*) bewirkt werden, by changing vera rerum
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       1*) Gewerbszweig -  2*) realisierten Arbeit  - 3*)  in der  Hand-
       schrift ist  das hier  kursiv gegebene  Wort mit Bleistift unter-
       strichen -  4*) in der Handschrift sind die hier kursiv gegebenen
       Worte mit Bleistift unterstrichen
       
       #84# Zwanzigstes Kapitel
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       vocabula 1*).  (Hier in  der Tat  "verbal  disputes"  [22],  aber
       "verbal", weil reelle Widersprüche, die nicht reell gelöst worden
       sind, durch  Phrasen gelöst werden sollen.) Daß diese Manier, die
       bei Mill  nur noch  im Keim  auftritt, die  ganze  Grundlage  der
       R[icardo]schen Theorie  viel mehr aufgelöst hat als alle Angriffe
       der Gegner, wird sich bei McCulloch zeigen.
       Mill flüchtet  zu diesem  Verfahren nur, wo er sich absolut nicht
       anders zu helfen weiß. Seine durchgehende Methode jedoch ist ver-
       schieden. Wo  das ökonomische  Verhältnis - also auch die Katego-
       rien, die  es ausdrücken  Gegensätze einschließt, Widerspruch und
       eben die  Einheit von  Widersprüchen ist,  hebt er das Moment der
       E i n h e i t   der Gegensätze hervor und leugnet die Gegensätze.
       Er macht  die Einheit von  G e g e n s ä t z e n  zur unmittelba-
       ren Identität dieser Gegensätze.
       Z.B. die  Ware hüllt  den Gegensatz von Gebrauchswert und Tausch-
       wert ein.  Dieser Gegensatz  entwickelt sich  weiter, stellt sich
       dar, realisiert  sich als  die Verdopplung  der Ware  in Ware und
       Geld. Diese ihre Verdopplung erscheint als Prozeß in der Metamor-
       phose der  Ware, worin Verkauf und Kauf verschiedne Momente eines
       Prozesses sind, jeder Akt dieses Prozesses aber zugleich sein Ge-
       genteil einschließt.  Ich habe  im ersten Teil dieser Schrift er-
       wähnt, wie Mill mit dem Gegensatz dadurch fertig wird, daß er nur
       die Einheit  von Kauf und Verkauf festhält, die Zirkulation daher
       in Tauschhandel  verwandelt, in  den Tauschhandel aber wieder der
       Zirkulation entlehnte  Kategorien einschmuggelt.  [23] Sieh noch,
       was ich  daselbst über  seine  G e l d t h e o r i e  entwickelt,
       wo er ähnlich zu Werk geht. [24]
       Es findet  sich bei  J. Mill die schlechte Einteilung "De la Pro-
       duction", "De la Distribution", "Des Exchanges", "De la Consomma-
       tion" 2*). [25]
       
       [b) Mills fruchtlose Versuche, den Austausch zwischen Kapital und
       Arbeit mit dem Wertgesetz in Übereinstimmung zu bringen]
       
       Salaire:
       
       "Statt zu warten, bis die Produkte erhalten sind und ihr Wert re-
       alisiert ist,  hat man es für die Arbeiter bequemer gefunden, ih-
       ren Teil im Vorschuß auszuzahlen" (a l'avance). "Die Form, worun-
       ter man  passend gefunden, daß sie ihn erhielten, ist die der Sa-
       laire. Wenn  der Anteil  der Produkte, welcher dem Arbeiter unter
       der Form  des Salairs zukömmt, ganz von ihm erhalten ist, gehören
       diese Produkte  ausschließlich dem Kapitalisten, weil er faktisch
       den   A n t e i l   d e s   A r b e i t e r s  g e k a u f t  und
       denselben ihm  als Vorschuß  gezahlt hat." (Französische Überset-
       zung der "Elements" von Parisot. Paris 1823, p. 33, 34.)
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       1*) indem man  die richtigen  Namen der  Dinge ändert - 2*) "Über
       die Produktion",  "Über die  Verteilung",  "Über  den  Austausch,
       "Über die Konsumtion"
       
       #85# Auflösung der Ricardoschen Schule
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       Es ist  höchst  charakteristisch  für  Mill,  daß,  wie  ihm  das
       G e l d   bloß ein für die Bequemlichkeit erfundnes Auskunftsmit-
       tel, so  das   K a p i t a l v e r h ä l t n i s   selbst für die
       Bequemlichkeit erfunden  ist. Diese  spezifischen gesellschaftli-
       chen Produktionsverhältnisse sind der "Bequemlichkeit" halber er-
       funden. Ware und Geld verwandeln sich dadurch in Kapital, daß der
       Arbeiter aufgehört hat, als Warenproduzent und Warenbesitzer aus-
       zutauschen, vielmehr  gezwungen ist,  statt  Ware  zu  verkaufen,
       seine Arbeit  selbst (unmittelbar  sein Arbeitsvermögen) als Ware
       zu verkaufen  an den  Besitzer der objektiven Arbeitsbedingungen.
       Diese Scheidung ist die Voraussetzung des Verhältnisses von Kapi-
       tal und Lohnarbeit, wie sie die Voraussetzung für die Verwandlung
       des Gelds  (oder der  Ware, die es repräsentiert) in Kapital ist.
       Mill unterstellt  die   T r e n n u n g,  die  S c h e i d u n g,
       unterstellt das Verhältnis von Kapitalist und Lohnarbeiter, um es
       dann als  eine Sache der Bequemlichkeit hinzustellen, daß der Ar-
       beiter   k e i n   P r o d u k t   verkauft, keine  Ware, sondern
       seinen Anteil am Produkt (dessen Produktion er gar nicht bestimmt
       und die  u n a b h ä n g i g  von ihm vorgeht) verkauft, bevor er
       produziert ¦¦794¦  hat. Oder auch, nur noch näher: daß der Anteil
       des Arbeiters am Produkt vom Kapitalist ausgezahlt - in Geld ver-
       wandelt wird  -, bevor der Kapitalist das Produkt, an dem der Ar-
       beiter Anteil hat, versilbert hat, has disposed of 1*).
       Durch diese  Auffassung soll  die spezifische Schwierigkeit - mit
       der spezifischen  Form des  Verhältnisses - umgangen werden. Näm-
       lich die Schwierigkeit des Ric[ardo]schen Systems, das den Arbei-
       ter seine   A r b e i t   verkaufen  läßt direkt  (nicht sein Ar-
       beitsvermögen). Die  [Schwierigkeit]: der Wert der Ware durch die
       Arbeitszeit bestimmt, die ihre Produktion kostet. Woher kömmt es,
       daß dies Gesetz der Werte sich nicht in dem größten aller Austäu-
       sche, der  Grundlage der kapitalistischen Produktion bewährt, dem
       Austausch zwischen  Kapitalist und  Lohnarbeiter? Warum  ist  das
       Quantum of  realized labour, das der Arbeiter empfängt als wages,
       nicht gleich  dem Quantum  immediate labour,  das er in Austausch
       für die wages gibt? To shift this difficulty 2*), verwandelt Mill
       den Lohnarbeiter  in einen  Warenbesitzer, der  s e i n  Produkt,
       s e i n e  W a r e  - denn sein  A n t e i l  an dem Produkt, der
       Ware, ist  s e i n  Produkt, seine  W a r e,  ein in der Form von
       besondrer Ware  von ihm produzierter Wert - dem Kapitalisten ver-
       kauft. Er  löst die Schwierigkeit dadurch, daß er die Transaktion
       zwischen Kapitalist  und Lohnarbeiter,  die den Gegensatz von re-
       alized und  immediate labour  einschließt,  als  die  common  3*)
       Transaktion von Besitzern von realized labour, von Warenbesitzern
       umdichtet.
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       1*) verwertet hat - 2*) Um diese Schwierigkeit beiseite zu schie-
       ben - 3*) gemeinsame
       
       #86# Zwanzigstes Kapitel
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       Durch diese  Finte hat Mill zwar sich unmöglich gemacht, die spe-
       zifische Natur,  die differentia specifica 1*) des Prozesses, der
       zwischen Kapitalist  und Lohnarbeiter vorgeht, zu begreifen, aber
       er hat  sich keineswegs die Schwierigkeit vermindert, sondern sie
       vermehrt, weil  die Eigentümlichkeit  des Resultats  jetzt  nicht
       mehr zu  begreifen aus der Eigentümlichkeit der Ware, die der Ar-
       beiter verkauft  (und die  das Spezifische  besitzt, daß  ihr Ge-
       brauchswert selbst  das Element  des Tauschwerts ist, weshalb ihr
       Gebrauch einen größren Tauschwert schafft, als in ihr selbst ent-
       halten war).
       Der Arbeiter  bei Mill  ist Warenverkäufer wie jeder andre. Z.B.,
       er produziert 6 Ellen Leinwand. Von diesen 6 Ellen sollen 2 einen
       Wert darstellen = der von ihm zugesetzten Arbeit. Er ist also der
       Verkäufer von 2 Ellen Leinwand an den Kapitalisten. Warum soll er
       nun von dem Kapitalisten nicht den Wert der 2 Ellen Leinwand ganz
       erhalten wie  jeder andre  Verkäufer von  2 Ellen Leinwand, da er
       jetzt Leinwandverkäufer wie jeder andre ist? Vielmehr tritt jetzt
       der Widerspruch  gegen das  Gesetz der Werte viel krasser hervor.
       Er verkauft keine spezifische, von allen andren verschiedne Ware.
       Er verkauft  Arbeit, realisiert  in einem Produkt, also Ware, die
       sich als  Ware von  keiner andren  spezifisch unterscheidet. Wenn
       nun der  Preis der  Elle -  d.h. das Quantum Geld, das die in der
       Elle enthaltne  Arbeitszeit enthält  - =  2 sh., warum erhält der
       Arbeiter 1  sh. statt  2? Erhält er aber 2 sh., so realisiert der
       Kapitalist keine  surplus value,  und das ganze Ric[ardo]sche Sy-
       stem fiele  über den  Haufen. Wir wären zu dem profit upon expro-
       priation 2*) zurückgeschleudert. Die 6 Ellen kosteten dem Kapita-
       listen ihren Wert = 12 sh. Er verkaufte sie aber zu 13 sh.
       Oder Leinwand  oder jede  andre Ware verkauft sich zu ihrem Wert,
       wenn  der   Kapitalist  sie  verkauft;  aber  sie  verkauft  sich
       u n t e r  ihrem Wert, wenn der Arbeiter sie verkauft. Das Gesetz
       der Werte  wäre also aufgelöst durch die Transaktion zwischen Ar-
       beiter und  Kapitalist. Und  grade um  das zu vermeiden, flüchtet
       Mill zu  seiner Fiktion.  Er will das Verhältnis von Arbeiter und
       Kapitalist verwandeln in das gewöhnliche Verhältnis von Warenver-
       käufern und  Käufern. Aber warum soll dann hier nicht das gewöhn-
       liche Gesetz  der Warenwerte  die Transaktion bestimmen? Aber der
       Arbeiter ist "en avance" 3*) bezahlt. Also doch nicht das gewöhn-
       liche  Verhältnis  von  Warenkauf  und  Verkauf.  Was  soll  dies
       "Avancieren" hier  heißen? Der Arbeiter, der z.B. wöchentlich be-
       zahlt wird,  hat seine  Arbeit "avanciert"  und den Anteil an dem
       wöchentlichen Produkt, der ihm gehört, geschaffen -
       -----
       1*) den  spezifischen   Unterschied  -  2*) Entäußerungsprofit  -
       3*) "auf Vorschuß"  (in der Handschrift ist die hier kursiv gege-
       bene Textstelle mit Bleistift unterstrichen)
       
       #87# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       seine Wochenarbeit realisiert in einem Produkt - (nach der Unter-
       stellung Mills  und nach  der Praxis), bevor er diesen Anteil vom
       Kapitalisten "gezahlt" erhält. Der Kapitalist hat Rohmaterial und
       Instrumente "avanciert",  der Arbeiter  "die Arbeit",  und sobald
       der Lohn  am Ende  der Woche  gezahlt wird,   v e r k a u f t  er
       Ware, seine Ware - seinen Anteil an der Gesamtware - an den Kapi-
       talisten. Aber  der Kapitalist, wird Mill sagen, zahlt, i.e. ver-
       silbert, verwandelt in Geld dem Arbeiter die 2 ¦¦795¦ Ellen Lein-
       wand, bevor  er selbst  die 6  Ellen Leinwand in Geld verwandelt,
       verkauft hat!  Und wenn der Kapitalist auf Bestellung gearbeitet,
       wenn er  die Ware  verkauft hat, bevor er sie produziert hat? Und
       allgemeiner: Was  geht es den Arbeiter - hier Verkäufer von 2 El-
       len Leinwand  - an, daß der Kapitalist ihm diese 2 Ellen abkauft,
       um sie wieder zu verkaufen, nicht um sie zu konsumieren? Was gehn
       den Verkäufer  die Motive  des Käufers an? Und wie sollen letztre
       nun gar  das Gesetz des Werts modifizieren? Konsequent müßte dann
       jeder Verkäufer  seine Ware  unter ihrem  Wert verkaufen, denn er
       gibt dem  Käufer das  Produkt in  der Form  eines Gebrauchswerts,
       während der  Käufer ihm den Wert in Form des Gelds gibt, die ver-
       silberte Form des Produkts. In diesem Falle hätte der Leinwandfa-
       brikant auch den Leinengarnhändler und den Maschinenfabrikant und
       den Kohlenproduzenten  etc.   u n t e r z a h l e n  müssen. Denn
       sie verkaufen  ihm Waren,  die er  erst in  Geld verwandeln will,
       während er  ihnen "en avance", nicht nur bevor die Ware verkauft,
       sondern bevor  sie produziert,  den Wert der Ingredienzien seiner
       Ware zahlt.  Der Arbeiter liefert ihm Leinwand, die Ware in ihrer
       verkaufbaren Form;  dagegen jene Warenverkäufer Maschinerie, Roh-
       stoff etc.,  die erst  einen Prozeß  durchmachen müssen,  um ihre
       verkaufbare Form zu erhalten. Am schönsten ist es für einen abso-
       luten Ric[ardianer] wie Mill, bei dem Kauf und Verkauf, offre und
       demande 1*)  einfach identisch und das Geld bloße Formalität ist,
       wenn die  Verwandlung von  Ware in  Geld -  und weiter  geht doch
       nichts vor  im Verkauf der 2 Ellen Leinwand an den Kapitalisten -
       einschlösse, daß  der Verkäufer die Ware unter dem Wert verkaufen
       und der Käufer mit seinem Geld über dem Wert kaufen muß.
       Kommt also  auf die  Absurdität hinaus, daß in dieser Transaktion
       der Käufer  kauft, um  mit Profit  wieder zu verkaufen, daher der
       Verkäufer die  Ware unter  ihrem Wert  verkaufen muß,  womit  die
       ganze Werttheorie über den Haufen geworfen. Dieser zweite Versuch
       Mills, einen R[icardo]schen Widerspruch zu lösen, hebt in der Tat
       die ganze  Basis des  Systems auf und speziell seinen Vorzug, das
       Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit als
       -----
       1*) Zufuhr und Nachfrage
       
       #88# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       direkten Austausch  zwischen hoarded  und immediate labour 1*) zu
       fixieren, d.h.,  es in seiner spezifischen Bestimmtheit aufzufas-
       sen.
       Um sich  zu helfen,  müßte Mill  weitergehn und  sagen, es handle
       sich nicht  um eine einfache Transaktion von Kauf und Verkauf von
       Waren. Das  Verhältnis zwischen Arbeiter und Kapitalist sei viel-
       mehr das des lending capitalist or discounting capitalist (monied
       capitalist) zum industrial capitalist 2*), soweit es sich hier um
       Zahlung, Versilberung  des Produkts des Arbeiters = seinem Anteil
       am Gesamtprodukt,  handle. Es  wäre dies  schöne Entwicklung, das
       zinstragende Kapital  vorauszusetzen - eine besondre Form des Ka-
       pitals -,  um das  Profit produzierende  Kapital (die  allgemeine
       Form des Kapitals) zu entwickeln; eine abgeleitete Form des Mehr-
       werts (die  schon das  Kapital voraussetzt) als Grund der Entste-
       hung des  Mehrwerts darzustellen.  Außerdem müßte  Mill dann auch
       konsequent sein  und statt  aller bestimmten Gesetze über den Ar-
       beitslohn und  den rate  of wages  3*), die  R[icardo] entwickelt
       hat, sie  vielmehr aus  dem rate of interest 4*) herleiten, wobei
       in der Tat wieder nicht zu sagen wäre, wodurch der rate of inter-
       est zu  bestimmen, da er nach den Ricardians and all other econo-
       mists, worth naming, is determined by the rate of profit 5*).
       Die Phrase  mit dem  "Anteil" des Arbeiters an seinem eignen Pro-
       dukt beruht  in der  Tat darauf: Betrachtet man nicht die verein-
       zelte Transaktion  zwischen Kapitalist  und Arbeiter, sondern den
       exchange 6*)  zwischen beiden  in dem course of reproduction 7*);
       sieht man  auf den  wirklichen Inhalt dieses Prozesses, statt auf
       die Form  seiner Erscheinung,  so zeigt sich in der Tat, daß das,
       womit der  Kapitalist den  Arbeiter zahlt  (und auch der Teil des
       Kapitals, der  als capital constant dem Arbeiter gegenübertritt),
       nichts ist als ein Teil vom Produkt des Arbeiters selbst und zwar
       ein Teil  des Produkts  das nicht  erst in Geld verwandelt werden
       soll, sondern  bereits verkauft  bereits in Geld verwandelt ward,
       da die wages in Geld und nicht in naturalibus 8*) ausgezahlt wer-
       den. Bei  der Sklaverei  etc., wo  nicht der falsche Schein durch
       die vorherige  Verwandlung des Produkts - soweit es in wages aus-
       gelegt wird  - in  Geld bewirkt  wird, ist es auch handgreiflich,
       daß das,  was der  Sklave als Lohn erhält, in der Tat nichts ist,
       was der slave owner 9*) ihm "advances" 10*), sondern nur der Teil
       der realisierten  Arbeit des  slave 11*), der ihm in der Form von
       Lebensmitteln wieder zuströmt. Ebenso beim
       -----
       1*) aufgespeicherter und  unmittelbarer Arbeit  - 2*) geldverlei-
       henden oder  diskontierenden Kapitalisten  (Geldkapitalisten) zum
       industriellen Kapitalisten  - 3*) die Lohnrate - 4*) der Zinsrate
       - 5*) Ricardianern  und allen anderen Ökonomen, die der Rede wert
       sind, durch  die  Profitrate  bestimmt  wird  -  6*) Austausch  -
       7*) Laufe der Reproduktion - 8*) Naturalien - 9*) Sklavenhalter -
       10*) "vorschießt" - 11*) Sklaven
       
       #89# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       capitalist. Er "avanciert" nur dem Schein nach. Was er dem Arbei-
       ter als wages avanciert oder vielmehr ¦¦796¦ zahlt, da er die Ar-
       beit erst zahlt, nachdem sie verrichtet, ist ein Teil des von dem
       Arbeiter produzierten  und bereits in Geld verwandelten Produkts.
       Ein Teil  des Produkts des Arbeiters, das sich der Kapitalist an-
       geeignet, das   v o r w e g g e n o m m e n   ist,  fließt ihm in
       der Form  der wages  - als  avance 1*) auf das neue Produkt, wenn
       man will - zu.
       Es ist  Mills durchaus unwürdig (so etwas paßt für McCulloch, Say
       oder Bastiat), an diesem  S c h e i n  der Transaktion festzuhal-
       ten, um  die Transaktion  selbst zu  erklären. Der Kapitalist hat
       nothing to  advance to the labourer except what he before has ta-
       ken from the labourer, has been advanced to him by the other peo-
       ple's labour  2*). Sagt doch Malthus selbst, daß das, was der Ka-
       pitalist avanciert, nicht consists "of cloth" und "other commodi-
       ties" but  "of labour" 3*) [26], also grade aus dem, was er nicht
       verrichtet. Er  schießt dem  Arbeiter des  Arbeiters eigne Arbeit
       vor.
       Indessen nützt  diese ganze  Periphrase dem  Mill nichts, nämlich
       nichts, um die Lösung der Frage zu umgehn: Wie der Austausch zwi-
       schen hoarded  und immediate  labour (und  so faßt  Ric[ardo] und
       nach ihm M[ill] etc. den Austauschprozeß zwischen Kapital und Ar-
       beit) dem  Gesetz der  Werte, dem  er direkt  widerspricht,  ent-
       spricht? Daß  es dem  Mill nichts  nützt, sieht man aus folgenden
       Sätzen:
       
       "Nach   w e l c h e m   V e r h ä l t n i s  teilen sich die Pro-
       dukte zwischen  ouvrier 4*) und Kapitalist oder welche Proportion
       regelt die  Taxe des  Salaire?" (p. 34 Parisot ed.) "Die Fixation
       der Teile  zwischen ouvrier und capitalist ist der Gegenstand ei-
       nes Handels,  M a r k t e n s  zwischen ihnen. Jeder freie Handel
       ist geregelt  durch die  Konkurrenz, und die Bedingungen wechseln
       nach  dem   wechselnden    V e r h ä l t n i s    z w i s c h e n
       N a c h f r a g e  u n d  Z u f u h r."  (l.c.p. 34, 35)
       
       Der Arbeiter  erhält seinen  "Anteil" am  Produkt  gezahlt.  Dies
       wurde gesagt, um ihn in einen gewöhnlichen Verkäufer von  W a r e
       (Produkt) dem Kapital gegenüber zu verwandeln und das Spezifische
       des  Verhältnisses  auszulöschen.  Sein  Anteil  am  Produkt  ist
       s e i n   Produkt, also der Teil des Produkts, worin seine neuzu-
       gesetzte Arbeit realisiert ist. Quod non. 5*) Wir fragen vielmehr
       jetzt, welches  ist sein "Anteil" am Produkt, also  w e l c h e s
       ist   s e i n  Produkt? Denn das Teilprodukt, das ihm gehört, ist
       ja   s e i n  Produkt, das er verkauft. Jetzt hören wir, daß sein
       Produkt und sein  P r o d u k t  zwei
       -----
       1*) Vorschuß  -  2*) nichts,  was  er  dem  Arbeiter  vorschießen
       könnte, außer  dem, was  er vorher dem Arbeiter genommen hat, was
       ihm durch  die Arbeit  anderer Leute  vorgeschossen wurde besteht
       "in Tuch" und "anderen Waren", sondern "in Arbeit" - 4*) Arbeiter
       5*) Was nicht (der Fall ist).
       
       #90# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       ganz verschiedne Dinge sind. Wir müssen erst festsetzen, was sein
       Produkt (i.e.  sein Anteil  am Produkt, also das Teilprodukt, das
       ihm gehört)  ist. Sein Produkt war also eine bloße Phrase, da die
       Bestimmung des Werts, den er vom Kapitalisten erhält, nicht durch
       seine eigne Produktion bestimmt ist. Mill hat also die Schwierig-
       keit nur einen Schritt weitergeschoben. Er ist jetzt so weit, wie
       er am Anfang war.
       Es ist  hier ein  Quidproquo. Den  Austausch zwischen Kapital und
       Lohnarbeit als kontinuierlichen Akt gesetzt - wie er es ist, wenn
       man nicht  einen einzelnen  Akt, Moment der kapitalistischen Pro-
       duktion fixiert,  isoliert -,  erhält der Arbeiter einen Teil vom
       Wert seines  Produkts, den  er ersetzt hat, + den Teil des Werts,
       den er umsonst dem Kapitalisten gab. Dies wiederholt sich bestän-
       dig. Er  erhält also  in der  Tat beständig einen Wertteil seines
       eignen Produkts,  einen Teil  des oder  Anteil an dem von ihm ge-
       schaffnen Wert.  Wie groß  oder klein  seine wages, ist nicht be-
       stimmt durch  seinen Anteil  am Produkt,  sondern umgekehrt, sein
       Anteil am  Produkt ist  durch die Größe seiner wages bestimmt. Er
       erhält faktisch  einen Anteil vom Wert des Produkts. Aber der An-
       teil, den  er erhält, ist bestimmt durch die value of labour 1*);
       nicht umgekehrt  die value of labour durch den Anteil am Produkt.
       Die value of labour ist fixiert, d.h. die Arbeitszeit, die er zur
       Reproduktion seiner  selbst braucht;  sie ist  fixiert durch  den
       Verkauf seines  Arbeitsvermögens an  den Kapitalisten.  Damit ist
       denn auch faktisch sein Anteil am Produkt fixiert. Aber nicht um-
       gekehrt wird  erst sein Anteil am Produkt fixiert und dadurch die
       Höhe oder  die value seiner wages. Es ist dies ja einer der wich-
       tigsten und  meist betonten  Sätze Ric[ardos], da sonst der Preis
       der Arbeit durch den Preis der von ihr produzierten Ware bestimmt
       wäre, während der Preis der Arbeit nach R[icardo] nichts bestimmt
       als  d i e R a t e  d e s  P r o f i t s.
       Und wie  setzt Mill  nun den  "Anteil" fest, den der Arbeiter vom
       Produkt erhält?  Durch Nachfrage  und Zufuhr, Konkurrenz zwischen
       Arbeitern und  Kapitalisten. Die  Phrase Mills ist auf alle Waren
       anwendbar:
       
       "Die Fixation  der Teile" (lies des Warenwerts) "zwischen ouvrier
       und Kapitalist"  (Verkäufer und Käufer) "ist der Gegenstand eines
       Handels, Marktens  zwischen ¦¦797¦  ihnen. Jeder freie Handel ist
       geregelt durch  die Konkurrenz, und die Bedingungen wechseln nach
       dem  wechselnden   Verhältnis  zwischen  Nachfrage  und  Zufuhr."
       [l.c.p. 34, 35.]
       
       Also das  des Pudels  Kern! Mill,  der als eifriger Ric[ardianer]
       nachweist, daß  Nachfrage und  Zufuhr wohl  die Schwankungen  des
       Marktpreises über
       -----
       1*) den Wert der Arbeit
       
       #91# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       oder unter  den  W e r t  der Ware, aber nicht diesen Wert selbst
       bestimmen können,  daß es sinnlose Worte sind, wenn angewandt zur
       Bestimmung des Werts, da ihre eigne Bestimmung die Wertbestimmung
       voraussetzt! Und  jetzt -  was Say  dem Ric[ardo] schon vorhält -
       flüchtet er,  um die value of labour, um den  W e r t  einer Ware
       zu bestimmen, zu der Fixation durch Nachfrage und Zufuhr!
       Aber noch mehr.
       Mill sagt es nicht - was der Sache nach hier auch gleichgültig -,
       welche der  beiden Parteien  die offre 1*), welche die demand 2*)
       repräsentiert. Doch  da der Kapitalist das Geld, der Arbeiter da-
       gegen etwas für das Geld anbietet, wollen wir die demand auf sei-
       ten des  Kapitalisten und  die offre auf seiten der Arbeiter vor-
       aussetzen. Aber was "verkauft" der Arbeiter dann? Wovon bringt er
       eine Zufuhr?  In seinem "Anteil" am Produkt, das nicht existiert?
       Aber sein Anteil an dem zukünftigen Produkt soll ja eben erst be-
       stimmt werden durch die Konkurrenz zwischen ihm und [dem] Kapita-
       listen, durch  das  "Nachfrage-und-Zufuhr"-Verhältnis!  Die  eine
       Seite des Verhältnisses, die Zufuhr, kann nicht in etwas bestehn,
       was selbst  erst das  Resultat des Kampfes zwischen Nachfrage und
       Zufuhr ist.  Also was  bietet der  Arbeiter zum Verkauf an? Seine
       Arbeit? Aber  dann ist Mill wieder bei der ursprünglichen Schwie-
       rigkeit,  die  er  umgehn  wollte,  angekommen,  bei  dem    e x-
       c h a n g e   z w i s c h e n   h o a r d e d   u n d    i m m e-
       d i a t e  l a b o u r  3*). Und wenn er sagt daß sich hier nicht
       Äquivalente austauschen  oder daß  der Wert  der verkauften Ware,
       der labour,  nicht durch  "die Arbeitszeit"  selbst gemessen ist,
       sondern durch die Konkurrenz, durch Nachfrage und Zufuhr bestimmt
       wird, so  gibt er  zu, daß die Theorie R[icardo]s zusammenbricht,
       daß seine  Gegner recht  haben, daß  die Bestimmung des Werts der
       Ware  durch  die  Arbeitszeit  falsch  ist,  weil  der  Wert  der
       wichtigsten Ware, der Arbeit selbst, diesem Gesetz des Warenwerts
       widerspricht. Wir  werden später  sehn, daß  Wakefeld dies direkt
       sagt.
       Mill kann  sich drehn  und wenden wie er will. Er kommt nicht aus
       dem Dilemma heraus. Im besten Fall, um seine eigne Ausdrucksweise
       zu brauchen,  verursacht die  Konkurrenz der  Arbeiter,  daß  sie
       b e s t i m m t e  M a s s e  A r b e i t  für einen Preis anbie-
       ten, der, je nach dem Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr, gleich
       einem größren  oder geringren Teil des Produkts ist, das sie pro-
       duzieren werden  mit dieser  Masse Arbeit. Daß dieser  P r e i s,
       diese  G e l d s u m m e,  die sie so erhalten, gleich einem grö-
       ßren oder  kleinren Teil  des Werts  des zu  schaffenden Produkts
       ist, hindert aber in keiner Weise
       -----
       1*) Zufuhr -  2*) Nachfrage -  3*) Austausch zwischen  aufgespei-
       cherter und unmittelbarer Arbeit
       
       #92# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       de prime  abord 1*),  daß  eine    b e s t i m m t e    M a s s e
       l e b e n d i g e r   Arbeit (immediate  labour) für  eine größre
       oder geringre  Masse  G e l d  (accumulated labour 2*) und in der
       Form des  Tauschwerts existierender labour) ausgetauscht wird. Es
       hindert also  nicht, daß  ungleiche Quanta  Arbeit  gegeneinander
       ausgetauscht werden,  weniger hoarded labour gegen mehr immediate
       labour. Dies  war eben  das Phänomen,  das Mill zu erklären hatte
       und, ohne  das Wertgesetz  zu verletzen,  wegerklären wollte. Das
       Phänomen wird dadurch in keiner Weise verändert, und noch weniger
       erklärt, daß  am Schluß  des Produktionsprozesses das Verhältnis,
       worin der  Arbeiter seine  immediate  labour  gegen  Geld  ausge-
       tauscht, sich  nun  d a r s t e l l t  in der Proportion, die der
       ihm bezahlte  Wert zum Wert des von ihm geschaffnen Produkts hat.
       Der ursprüngliche   u n g l e i c h e  Austausch zwischen Kapital
       und labour erscheint damit nur in einer andren Form.
       Wie sehr Mill sich sträubt vor dem direkten exchange zwischen la-
       bour und capital, von dem Ric[ardo] noch ungeniert ausgeht, zeigt
       auch sein Fortgehn zum Folgenden. Er sagt nämlich:
       
       ¦¦798¦ "Man  unterstelle eine bestimmte Zahl von Kapitalisten und
       eine bestimmte  Zahl von  Arbeitern.  D i e  P r o p o r t i o n,
       i n   w e l c h e r   s i e   d a s   P r o d u k t  t e i l e n,
       s e i   a u f   i r g e n d e i n e   W e i s e    f i x i e r t.
       Wächst die  Zahl der  ouvriers, ohne  daß die   M a s s e   d e r
       K a p i t a l i e n   wächst, so  muß der hinzugekommene Teil der
       ouvriers den  ursprünglich beschäftigten  Teil zu  verdrängen su-
       chen. Er  kann es  nur durch   d a s   A n e r b i e t e n,   für
       e i n e  g e r i n g r e  R e t r i b u t i o n  zu arbeiten. Die
       Taxe der  Salaire sinkt notwendig..." (wenn umgekehrt, umgekehrt)
       ... "Bleibt  das Verhältnis zwischen der Masse der Kapitalien und
       der Bevölkerung  gleich, so bleibt auch die Taxe der Salaire die-
       selbe." (l.c.p. 35 sqq. passim.)
       
       Was bestimmt  werden sollte, war "die Proportion, in welcher sie"
       (Kapitalisten und  Arbeiter) "das  Produkt teilen". Um dies durch
       die Konkurrenz  zu fixieren,   u n t e r s t e l l t   Mill,  daß
       diese Proportion "auf irgendeine  W e i s e  f i x i e r t  sei".
       Um den  "Anteil" des Arbeiters durch die Konkurrenz zu bestimmen,
       unterstellt er,  daß er vor der Konkurrenz "auf irgendeine Weise"
       bestimmt ist.  Nicht genug. Um zu zeigen, wie die Konkurrenz "die
       auf irgendeine  Weise" bestimmte  Teilung des Produkts alteriert,
       unterstellt er,  daß Arbeiter  sich  "a n e r b i e t e n,  f ü r
       e i n e   g e r i n g r e  R e t r i b u t i o n  z u  a r b e i-
       t e n",   wenn  ihre  Zahl  rascher  wächst  als  die  Masse  der
       Kapitalien. Hier  sagt er  also gradeheraus,  daß das Angebot der
       Arbeiter in   "A r b e i t"   besteht  und daß  sie diese  Arbeit
       anbieten gegen  "Retribution", i.e. Geld, eine bestimmte Summe of
       "hoarded labour"  3*). Um  den direkten Austausch zwischen Arbeit
       und Kapital  zu  umgehn,  den  direkten    V e r k a u f    d e r
       A r b e i t,  flüchtet er zur
       -----
       1*) von vornherein  - 2*) aufgehäufter  Arbeit -  3*) von "aufge-
       speicherter Arbeit"
       
       #93# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       Theorie der  "Teilung des  Produkts". Und  um die  Proportion der
       Teilung des  Produkts zu  erklären, setzt er den  d i r e k t e n
       V e r k a u f   der Arbeit  gegen Geld  voraus, so daß dieser ur-
       sprüngliche exchange  zwischen capital  und  labour  später  sich
       a u s d r ü c k t   im Verhältnis  des [Anteils des] Arbeiters an
       seinem Produkt, nicht aber sein Anteil am Produkt jenen ursprüng-
       lichen exchange bestimmt. Und schließlich, wenn Anzahl der Arbei-
       ter und Masse der Kapitalien sich gleichbleiben, bleibt die "Taxe
       der Salaire"  dieselbe. Aber  welches ist  die Taxe  der Salaire,
       wenn Nachfrage  und Zufuhr sich entsprechen? Das soll ja eben er-
       klärt werden.  Es wird  nicht dadurch  erklärt,  daß  diese  Taxe
       s i c h   ä n d e r t,   wenn jenes  Gleichgewicht zwischen Nach-
       frage und Zufuhr sich aufhebt. Die tautologischen Windungen Mills
       beweisen nur, daß er hier einen Haken in der R[icardo]schen Theo-
       rie fühlt,  dessen er  nur Herr  wird, indem er überhaupt aus der
       Theorie herausfällt.
       Gegen Malthus,  Torrens etc.  Gegen die  Bestimmung des Werts der
       Waren durch den Wert des Kapitals bemerkt M[ill] richtig:
       
       "Kapital  i s t  gleich Waren. Wenn der Wert der Waren also durch
       den Wert  des Kapitals bestimmt wird, wird er vom Werte der Waren
       bestimmt; der  Wert der  Waren wird  durch sich selbst bestimmt."
       ("Elements etc.", Lond. 1821, p. 74.)
       
       {Mill vertuscht  den Gegensatz  von Kapital  und Arbeit nicht. Es
       ist nötig,  daß die  P r o f i t r a t e  groß sei, damit die von
       unmittelbarer Arbeit  unabhängige  Gesellschaftsklasse  bedeutend
       sei; dazu  muß also  das Salair relativ klein sein. Es ist nötig,
       daß die  Arbeitermasse nicht Herr ihrer Zeit und Sklave ihrer Be-
       dürfnisse sei,  damit sich  die menschlichen (gesellschaftlichen)
       Fähigkeiten frei in Klassen entwickeln können, denen diese Arbei-
       terklasse nur  als Unterlage  dient. Die  letztren repräsentieren
       die Entwicklungslosigkeit,  damit andre  Klassen die  menschliche
       Entwicklung repräsentieren.  Dies in  fact der  Gegensatz, in dem
       sich die bürgerliche ¦¦799¦ Gesellschaft entwickelt und alle bis-
       herige Gesellschaft  entwickelt hat,  als   n o t w e n d i g e s
       G e s e t z,   i.e. das  Bestehende als  das absolute Vernünftige
       ausgesprochen.
       
       "Die   m e n s c h l i c h e   p e r f e c t i b i l i t é    1*)
       oder das Vermögen, beständig von einer Stufe der Wissenschaft und
       des Glücks  zu einer  andren,  größern  fortzuschreiten,  scheint
       großenteils  von   einer  Klasse  von  Menschen  abzuhängen,  die
       H e r r e n   i h r e r   Z e i t   sind, i.e.,  die reich  genug
       sind, um  aller Sorge  für die  Mittel, in einem gewissen Zustand
       von Genuß
       -----
       1*) Vervollkommnungsfähigkeit
       
       #94# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       zu leben,  überhoben zu sein. Durch diese Menschenklasse wird die
       Domäne der Wissenschaft kultiviert und vergrößert; sie verbreiten
       Licht; ihre  Kinder empfangen  beßre Erziehung  und bereiten sich
       vor, die wichtigsten und delikatesten Funktionen der Gesellschaft
       auszuüben; sie  werden Gesetzgeber,  Richter, Verwalter,  Lehrer,
       Erfinder in  den Künsten,  Leiter aller großen und nützlichen Ar-
       beiten, worauf  sich die  Herrschaft der Menschengattung über die
       Naturkräfte erstreckt."  ([ed. Parisot,  Paris 1823] p. 65.) "Das
       I n t e r e s s e   d e r   K a p i t a l i e n    muß    s e h r
       s t a r k  sein, damit ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft à
       même 1*)  ist, die  Vorteile zu  genießen, die die  M u ß e  ver-
       schafft." (l.c.p. 67.)}
       
       Noch zum obigen.
       Mill als Ricardian unterscheidet labour und capital als bloß ver-
       schiedne Formen der Arbeit:
       
       "Arbeit  und   Kapital  -   das  eine     u n m i t t e l b a r e
       A r b e i t,   ... das andere  a u f g e s p e i c h e r t e  Ar-
       beit. (1st Engl. edit., Lond. 1821, p. 75.)
       
       Nun sagt er an einer andern Stelle:
       
       "In bezug  auf diese  beiden  A r t e n  A r b e i t zu bemerken.
       Sie sind   n i c h t   i m m e r  z u  d e r s e l b e n  T a x e
       b e z a h l t."  (ed. Parisot, p. 100.)
       Hier kommt  er also  zur Sache.  Da das, was die immediate Arbeit
       zahlt, immer  hoarded labour,  capital ist, so heißt das, daß sie
       nicht zu  gleicher Taxe bezahlt sind, weiter nichts als, daß sich
       mehr immediate labour gegen weniger hoarded labour austauscht und
       zwar  "immer",  da  sonst  die  hoarded  labour  sich  nicht  als
       "Kapital" gegen  die immediate  labour austauschte, und nicht nur
       nicht das  von Mill  gewünschte   s e h r   s t a r k e  I n t e-
       r e s s e,   sondern gar  keins abwürfe.  Hier also zugegeben, da
       Mill mit  Ric[ardo] den  Austausch von  capital  und  labour  als
       direkten Austausch von hoarded und immediate labour faßt, daß sie
       sich in    u n g l e i c h e n    P r o p o r t i o n e n    aus-
       tauschen und  bei ihnen das Gesetz des Werts - daß gleiche Quanta
       Arbeit sich gegen, einander austauschen - in die Brüche geht.
       
       [c) Mills Unverständnis der regulierenden Rolle des industriellen
       Profits]
       
       Mill hebt  als ein  Hauptgesetz hervor,  was Ric[ardo] in der Tat
       zur Entwicklung seiner Renttheorie unterstellt. 2*)
       
       "Die Profittaxe in der Agritultur regelt die Taxe der andren Pro-
       fite" (2nd edit., Lond. 1824, p. 78).
       -----
       1*) in der Lage - 2*) siehe 2. Teil dieses Bandes, S. 467/468
       
       #95# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       Was grundfalsch  ist, indem die kapitalistische Produktion in der
       Industrie, nicht  in der  Agrikultur beginnt und die letztre erst
       nach und nach ergreift, so daß auch erst im Fortschritt der kapi-
       talistischen Produktion the agricultural profits become equalized
       to the  industrial 1*)  und nur  erst infolge dieser Equalisation
       die erstren  die letztren [beeinflussen]. Erstens also historisch
       falsch. Zweitens aber, einmal diese Equalisation vorhanden - also
       den Zustand der Entwicklung der Agrikultur vorausgesetzt, daß das
       Kapital [sich] je nach der Rate des Profits von der Industrie auf
       die Agrikultur  und vice versa 2*) wirft -, so ist ebenso falsch,
       daß von  da an die agricultural profits regelnd würden, statt daß
       Wechselwirkung stattfände.  Um übrigens  die Rente zu entwickeln,
       nimmt Ricardo selbst das Umgekehrte an. Der Getreidepreis steigt;
       dadurch  f a l l e n  d i e  P r o f i t e  nicht in der Agrikul-
       tur (solange  nicht neue  Zufuhr von  schlechtren Ländereien oder
       zweiten, minder  produktiven Kapitaldosen stattfindet) - denn das
       Steigen des  Getreidepreises entschädigt den Pächter für mehr als
       ihm das  Steigen der  Salaire infolge  des Steigens des Getreide-
       preises kostet  -, sondern in der Industrie, wo keine solche Kom-
       pensation oder  Überkompensation statt[findet].  Damit fällt  die
       i n d u s t r i e l l e   P r o f i t r a t e  und hence 3*) kann
       Kapital, das diese niedre Profitrate abwirft, be employed 4*) auf
       schlechtren Ländereien.  Bei der  alten Profitrate wäre das nicht
       der Fall. Und erst infolge dieser Rückwirkung des Sinkens des in-
       dustriellen Profits  auf den  agrikolen on  the worse  lands  5*)
       fällt der  agricultural profit generally 6*) ¦¦800¦ und löst sich
       ein Teil desselben on the better soils 7*) vom Profit in der Form
       der Rente  ab 8*). Dies ist R[icardo]s Darstellung des Prozesses,
       wonach also der industrial profit den agricultural regelt.
       Stiege nun  der agricultural profit wieder infolge von Verbeßrun-
       gen der  Agrikultur, so würde dann auch der industrielle steigen.
       Aber das  schließt keineswegs  aus, daß,  wie die   A b n a h m e
       d e s  i n d u s t r i e l l e n  P r o f i t s  ursprünglich die
       des agricultural bedingt, so auch ein Steigen desselben ein Stei-
       gen des  agricultural profit nach sich zieht. Dies jedesmal, wenn
       der industrial  profit steigt   u n a b h ä n g i g  v o n  d e m
       P r e i s   v o n   K o r n   und andren agricultural necessaries
       9*), die  in das  Salair der  Arbeiter eingehn,  also infolge des
       Fallens des  Werts der  Waren, die  das konstante  Kapital bilden
       etc. Die  Rente ist  vielmehr absolut nicht zu erklären, wenn der
       industrielle  Profit   nicht  den  agricultural  regulierte.  The
       a v e r a g e   r a t e   o f  p r o f i t  10*) ist in der Indu-
       strie gegeben
       -----
       1*) die landwirtschaftlichen Profite mit den industriellen ausge-
       glichen werden - 2*) umgekehrt - 3*) daher - 4*) beschäftigt wer-
       den    -     5*) auf    den     schlechteren     Ländereien     -
       6*) landwirtschaftliche Profit  im allgemeinen - 7*) auf den bes-
       seren Böden - 8*) in der Handschrift: vor - 9*) zum Leben notwen-
       digen landwirtschaftlichen  Dingen -  10*) Die  Durchschnittspro-
       fitrate
       
       #96# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       durch Ausgleichung  der Profite  der Kapitalien und daherige Ver-
       wandlung der  Werte in   K o s t p r e i s e.  Diese Kostpreise -
       der Wert  des avancierten  Kapitals + average profit - bilden die
       V o r a u s s e t z u n g,   die die Agrikultur von der Industrie
       erhält, da  in der Agrikultur wegen des Grundeigentums nicht jene
       Ausgleichung stattfinden kann. Ist dann der Wert des agricultural
       produce 1*)  höher als  der Kostpreis  sein würde, bestimmt durch
       den   i n d u s t r i a l   a v e r a g e   p r o f i t   2*), so
       bildet der Überschuß dieses Werts über den Kostpreis die absolute
       Rente. Aber  damit dieser  Überschuß des Werts über den Kostpreis
       gemessen werden  könne, muß  der   K o s t p r e i s   das  Prius
       sein, also  der Agrikultur  von der  Industrie als  Gesetz aufge-
       zwängt werden.
       Zu notierender Satz von Mill:
       
       "Was man  produktiv konsumiert,  ist immer  Kapital. Das ist eine
       besonders merkwürdige Eigenschaft der produktiven Konsumtion. Was
       produktiv konsumiert wird, ist Kapital, und es wird Kapital durch
       die Konsumtion." (edit. Par[isot], l.c.p. [241], 242.)
       
       [d)] Nachfrage, Zufuhr, Überproduktion
       
       "Eine demande  3*) bezeichnet  die    B e g i e r d e    und  die
       M i t t e l   z u   k a u f e n   ... Das   ä q u i v a l e n t e
       O b j e k t"   (Mittel zu  kaufen), "welches  ein  Mensch  hinzu-
       bringt, ist  das Instrument  der Nachfrage. Die Ausdehnung seiner
       Nachfrage mißt  sich am  Wert dieses  Gegenstandes. Die Nachfrage
       und der äquivalente Gegenstand sind Termini, welche man einen dem
       andren substituieren  kann ...  Sein" (eines  Menschen) "Wille zu
       k a u f e n  und seine  M i t t e l,  e s  z u  t u n,  sind also
       gleich, oder seine Nachfrage ist exakt = seinem Totalprodukt, so-
       fern er  es nicht  selbst verzehren will." (ed. Par[isot], l.c.p.
       252, 253.)
       
       Wir sehn  hier, wie  die unmittelbare Identität von Nachfrage und
       Zufuhr (hence  die Unmöglichkeit eines general glut 4*)) bewiesen
       wird. Die  Nachfrage besteht in dem Produkt, und zwar ist der Um-
       fang dieser  Nachfrage gemessen  durch den  Wert dieses Produkts.
       Dieselbe abstrakte  "Beweisführung", wodurch  Mill nachzeigt, daß
       Kauf und Verkauf nur identisch und nicht unterschieden sind; die-
       selben tautologischen  Phrasen, wodurch  er zeigt, daß die Preise
       von der Masse des zirkulierenden Gelds abhängen; dieselbe Manier,
       um zu beweisen, daß offre und demande sich decken müssen (was nur
       weiterentwickelte Form  von Käufer  und Verkäufer).  Es ist immer
       dieselbe Logik. Wenn ein Verhältnis Gegensätze einschließt,
       -----
       1*) landwirtschaftlichen  Produkts   -  2*) industriellen  Durch-
       schnittsprofit -  3*) Nachfrage -  4*) einer allgemeinen überfül-
       lung
       
       #97# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       so ist  es also  nicht nur Gegensatz, sondern  E i n h e i t  von
       Gegensätzen. Es  ist daher   E i n h e i t   o h n e   G e g e n-
       s a t z.   Dies ist  Mills Logik,  wodurch er  die "Widersprüche"
       aufhebt.
       Gehn wir zunächst von der  Z u f u h r  aus. Was ich zuführe, ist
       W a r e,  Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert, z.B. bestimm-
       tes Quantum  Eisen = 3 l. (was = bestimmtem Quantum Arbeitszeit).
       Ich bin  Eisenfabrikant nach  der Voraussetzung.  Ich führe einen
       Gebrauchswert zu, Eisen, und ich führe einen Wert zu, nämlich den
       im Preis  des Eisens,  in den 3 l. ausgedrückten Wert. Nur findet
       dieser kleine  Unterschied statt.  Bestimmtes Quantum  Eisen  ist
       w i r k l i c h   von mir  auf den  Markt geworfen.  Dagegen exi-
       stiert der  W e r t  des Eisens nur als sein  P r e i s, der erst
       realisiert werden  soll von  dem Käufer  des Eisens, der für mich
       die   N a c h f r a g e   nach Eisen darstellt. Die Nachfrage des
       Eisenverkäufers besteht  in der  Nachfrage nach dem  T a u s c h-
       w e r t   des Eisens,  der  zwar  im  Eisen  steckt,  aber  nicht
       realisiert ist. Es ist möglich, daß derselbe  T a u s c h w e r t
       sich in sehr verschiednen Quantitäten Eisen darstellt. Die Zufuhr
       von Gebrauchswert  und die Zufuhr von zu realisierendem Wert sind
       also keineswegs  identisch, da  ganz verschiedne  Quantitäten von
       Gebrauchswert dieselbe Quantität Tauschwert darstellen darstellen
       können.
       Derselbe Wert  von 3  l. mag sich in 1, 3 oder 10 Tonnen darstel-
       len. Die  Quantität Eisen  (Gebrauchswert), die  ich zuführe, und
       die Quantität  Wert, die  ich zuführe,  stehn also  in gar keinem
       Verhältnis zueinander, da die letztre Quantität unverändert blei-
       ben mag,  so sehr  die erstre  wechselt. Wie  groß oder klein das
       Quantum von  mir zugeführten  Eisens sei, ich will, in der Unter-
       stellung, stets  den von  dieser seiner eignen Quantität - seinem
       Dasein als Gebrauchswert überhaupt -  u n a b ä n g i g e n  Wert
       des Eisens  verwirklichen. Der zugeführte (aber noch nicht reali-
       sierte) Wert  und die  zugeführte Quantität Eisen, die realisiert
       ist, stehn  also in  keinem Verhältnis  zueinander. Es  ist  also
       durchaus kein  Grund vorhanden,  daß die  Verkaufsfähigkeit einer
       Ware zu ihrem Wert in irgendeinem Verhältnis stehe zu der von mir
       zugeführten Masse  Ware. Für  den  Käufer  existiert  meine  Ware
       zunächst als Gebrauchswert. Er kauft sie als solchen. Aber was er
       braucht, ist  ein bestimmtes  Quantum Eisen.  Sein Bedürfnis nach
       Eisen ist  ebenso wenig  durch die  von mir produzierte Quantität
       bestimmt, als  der Wert  meines Eisens  selbst ein  Verhältnis zu
       dieser Quantität hat.
       Allerdings  der,   der  kauft,   hat  in  seiner  Hand  bloß  die
       v e r w a n d e l t e  G e s t a l t  einer Ware, Geld - die Ware
       in der Gestalt des Tauschwerts -, und er kann nur als Käufer auf-
       treten, weil  er oder andre vorher als Verkäufer aufgetreten sind
       der Ware, die jetzt in der Gestalt des Gelds existiert. Dies ist
       
       #98# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       aber durchaus kein Grund, daß er sein Geld in meine Ware rückver-
       wandelt oder  daß sein Bedürfnis nach meiner Ware durch die Quan-
       tität bestimmt ist, in der ich sie produziert habe. Soweit er de-
       mandeur 1*)  für meine Ware ist, mag er entweder geringre Quanti-
       tät verlangen,  als ich  zuführe, oder  die ganze Quantität, aber
       unter ihrem  Wert. Seine  demand braucht sowenig meiner Zufuhr zu
       entsprechen als  die Quantität, die ich zuführe, und der Wert, zu
       dem ich sie zuführe, identisch sind.
       Jedoch die  ganze Untersuchung  über Nachfrage  und Zufuhr gehört
       nicht hierher.
       Soweit ich  Eisen zuführe,  frage ich nicht nach Eisen nach, son-
       dern nach  Geld. Ich  führe einen  besondren Gebrauchswert zu und
       frage nach  dem Wert  desselben. Meine  Zufuhr und Nachfrage sind
       also so  verschieden als Gebrauchswert und Tauschwert. Soweit ich
       in dem  Eisen selbst einen  W e r t  zuführe, frage ich nach nach
       der   R e a l i s a t i o n    d i e s e s  W e r t s.  Meine Zu-
       fuhr und  Nachfrage sind also ebenso verschieden wie Ideelles und
       Reelles. Ferner  die Quantität,  die ich  zuführe, und  ihr  Wert
       stehn in keinem Verhältnis zueinander. Die Nachfrage nach der von
       mir zugeführten  Quantität Gebrauchswert  richtet sich aber nicht
       nach dem Wert, den ich realisieren will, sondern nach der Quanti-
       tät, die der Käufer 2*) zu einem bestimmten Preis braucht.
       Folgende Sätze Mills noch:
       
       "Es ist klar, daß jeder Mensch zu der allgemeinen Masse [der Pro-
       dukte], welche  die Zufuhr  konstituieren, die  Totalität dessen,
       was er produziert hat und nicht verzehren will, hinzuträgt. Unter
       welcher Form  nun auch  ein Teil  des jährlichen  Produkts in die
       Hände eines  Menschen gefallen sei, wenn er sich vornimmt, nichts
       davon selbst  zu verzehren, so will er sich alles dessen entledi-
       gen, und  dies Ganze  kömmt daher  dazu, die Zufuhr zu vermehren.
       Wenn er einen Teil davon verzehrt, will er sich des ganzen Restes
       entledigen, und  der ganze  Rest  wird  zur  Zufuhr  geschlagen."
       (l.c.p. 253.)
       
       Dies heißt  in andren  Worten nichts,  als alle auf den Markt ge-
       worfnen Waren bilden die Zufuhr.
       
       "Weil also die Nachfrage jedes Menschen = der Portion des jährli-
       chen Produkts  ist oder,  anders ausgedrückt,  = der  Portion von
       Reichtum, dessen er sich entledigen will"
       
       {Halte-là! 3*)  Seine Nachfrage  ist gleich dem  W e r t  (sobald
       er realisiert  ist) der Portion von Produkten, deren er sich ent-
       ledigen will;  wessen er sich entledigen will, ist ein bestimmtes
       Quantum Gebrauchswert;  was er haben will, ist der  W e r t  die-
       ses Gebrauchswerts.  Beide Sachen  sind  anything  but  identical
       4*)},
       -----
       1*) Nachfragender - 2*) in der Handschrift: Verkäufer - 3*) Halt!
       - 4*) alles andere als identisch
       
       #99# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       "und weil die Zufuhr jedes Menschen exakt dieselbe Sache ist.
       
       {keineswegs; seine Nachfrage besteht nicht in dem, dessen er sich
       entledigen will,  nämlich dem  Produkt, sondern  in der Nachfrage
       nach dem  Wert dieses  Produkts, und seine Zufuhr besteht dagegen
       realiter in  diesem Produkt, während der Wert desselben nur idea-
       liter zugeführt wird},
       
       "so sind  offre und  demande eines Individuums notwendig gleich."
       [l.c.p. 253, 254.]
       
       (D.h., der   W e r t   der von ihm zugeführten Ware und der Wert,
       den er  für sie  verlangt, aber  nicht hat, sind gleich;  w e n n
       er die Ware zu ihrem Wert verkauft, sind zugeführter Wert (in der
       Form der Ware) und erhaltner Wert (in der Form des Gelds) gleich.
       Aber daraus,  daß er die Ware zu ihrem Wert verkaufen will, folgt
       nicht, daß  dies geschieht.  Das Quantum  Ware ist  von ihm zuge-
       führt, befindet sich auf dem Markt. Den Wert dafür sucht er.)
       
       "Offre und  demande haben eine ¦¦802¦ eigentümliche Beziehung zu-
       einander. Jede  dargebotne, zugeführte, ausgebotne Ware ist immer
       zu gleicher  Zeit das   O b j e k t   einer  Nachfrage, und  eine
       Ware, welche  das Objekt einer Nachfrage ist, macht immer zu der-
       selben Zeit einen Teil der allgemeinen Produktenmasse aus, welche
       das  offre,   die  Zufuhr  konstituieren.  Jede  Ware  ist  immer
       z u g l e i c h   Gegenstand der  Nachfrage und  der Zufuhr. Wenn
       zwei Menschen einen Austausch machen, so kömmt der eine nicht, um
       nur eine  Zufuhr, und  der andre  nicht, um nur eine Nachfrage zu
       tun; das   O b j e k t,   der   G e g e n s t a n d   s e i n e r
       Z u f u h r   muß ihm das seiner Nachfrage verschaffen, und folg-
       lich sind  seine demande  und offre,  seine Nachfrage  und Zufuhr
       vollständig gleich. Sind aber offre und demande eines jeden Indi-
       viduums immer  gleich, so  ist es auch die aller Individuen einer
       Nation in  Masse genommen.  Wie hoch daher der Betrag des jährli-
       chen Produkts  sei, er kann niemals die Höhe der jährlichen Nach-
       frage überschreiten.  Die Totalität  des jährlichen  Produkts ist
       geteilt in eine Anzahl von Portionen = der Anzahl von Individuen,
       worunter das  Produkt verteilt ist. Die Totalität der Nachfrage =
       der Summe  dessen, was auf alle Teile die Besitzer nicht für ihre
       eigne Konsumtion behalten; aber die Totalität der Teile ist = dem
       ganzen jährlichen Produkt." (l.c.p. 254, 255.)
       
       Hat Mill  einmal   u n t e r s t e l l t,   daß offre und demande
       jedes Individuums  gleich sind,  so der ganze weitläufige Scharf-
       sinn, daß  dann auch  offre und  demande   a l l e r   Individuen
       gleich, sehr überflüssig.
       
       Wie die  contemporaneous Ricardians  1*) den Mill auffaßten, z.B.
       aus folgendem zu ersehn:
       
       "Da haben wir also mindestens einen Fall" {heißt es mit Bezug auf
       M[ill]s Bestimmung der valeur du travail 2*)}, "wo der Preis (der
       Preis der Arbeit) durch das Verhältnis
       -----
       1*) zeitgenössischen Ricardianer - 2*) des Wertes der Arbeit
       
       #100# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       von Angebot  und Nachfrage  auf eine  dauerhafte  Weise  geregelt
       ist." ("Discours  sur l'écon.  polit." Par McCulloch, traduit par
       Gme Prévost. Genève 1825; in Prévosts angehängten "Réflexions sur
       le système de Ricardo", p. 187.)
       
       McCulloch in dem zitierten "Discours" sagt, daß M[ill]s Zweck,
       
       "eine  l o g i s c h e  D e d u k t i o n  der Prinzipien der po-
       litischen Ökonomie zu geben". (p. 88.) Mill "untersucht fast alle
       Fragen, die  zur Diskussion  stehen. Er  versteht  es,  die  ver-
       wickeltsten  und   schwierigsten  Fragen   klarzumachen  und   zu
       vereinfachen und die verschiedenen Prinzipien der Wissenschaft in
       ihre natürliche Ordnung zu bringen." (l.c.)
       
       Man kann  das aus seiner Logik schließen, daß er die ganz unlogi-
       sche Struktur  Ricardos, früher  von uns  auseinandergesetzt  1*)
       naiv im ganzen als "ordre naturel" 2*) beibehält.
       
       [e)] Prévost.  [Ablehnung einiger  Schlußfolgerungen Ricardos und
       James Mills.  Versuche, zu  beweisen, daß eine ständige Verringe-
       rung des Profits nicht unvermeidlich ist]
       
       Was den  zitierten Prévost  betrifft, der  bei seinen "Réflexions
       etc." Mills  Exposition des R[icardo]schen Systems zugrunde legt,
       so beruhen  einige seiner  Einwendungen auf  bloßem schülerhaften
       Mißverständnis R[icardo]s.  Folgendes über  die Rente aber zu be-
       merken:
       
       "Man kann  einen Zweifel  hegen über den Einfluß der schlechteren
       Boden auf  die Bestimmung  der Preise,  wenn man, wie es sich ge-
       hört, ihre  relative Ausdehnung  in  Betracht  zieht."  (Prévost,
       l.c.p. 177.)
       Prevost führt  folgendes von Mill an, was auch für meine Entwick-
       lung wichtig,  indem Mill hier selbst ein Beispiel sich denkt, wo
       die  D i f f e r e n t i a l r e n t e  dadurch entsteht, daß die
       new demand  - die  additional demand is supplied by a better, not
       by a worse soil, also die ascending line 3*).
       
       "Herr Mill  gebraucht diesen  Vergleich: 'Nehmen wir an, daß alle
       bebauten Ländereien in einem bestimmten Land von derselben Quali-
       tät seien  und dieselben Profite auf die darauf angewandten Kapi-
       talien abwerfen, mit Ausnahme eines einzigen Acre, der das sechs-
       fache Produkt  von dem der anderen produziert.'" (Mill", Elements
       etc.", 2nd ed., p. 71.) "Es ist sicher, wie Herr Mill es beweist,
       daß der Pächter dieses letzten Acre sein Pachteinkommen nicht er-
       höhen könnte"  (d.h. nicht  höhren Profit  machen könnte  als die
       autres fermiers  4*); die  Sache ist  sehr  schlecht  ausgedrückt
       [27]), "und  daß die fünf Sechstel des Produkts dem Grundeigentü-
       mer zufließen würden."
       -----
       1*) Siehe 2.  Teil dieses  Bandes, S.  161-166 -  2*) "natürliche
       Ordnung" -  3*) neue Nachfrage  die zusätzliche Nachfrage befrie-
       digt wird  durch Übergang  zu einem  besseren, nicht schlechteren
       Boden, also die aufsteigende Linie - 4*) anderen Pächter
       
       #101# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       (Hier also  Differentialrente, ohne  Erniedrigung der  Profitrate
       und ohne Steigen des Preises des produit agricole 1*).) (Dies muß
       um so öfter passieren, als die  S i t u a t i o n  ¦¦803¦ mit der
       industriellen Entwicklung  eines Landes,  mit den Kommunikations-
       mitteln und  der wachsenden  Bevölkerung sich  beständig   v e r-
       b e s s e r n   muß, wie es immer mit der naturelle fertilité 2*)
       stehe und  [die] Situation  (relativ beßre)  wirkt wie  [größere]
       naturelle fertilité.)
       
       "Aber hätte der scharfsinnige Autor daran gedacht, sich eine der-
       artige Annahme für den umgekehrten Fall vorzustellen, so hätte er
       erkannt, daß  das Ergebnis  ein anderes wäre. Nehmen wir an, alle
       Ländereien wären von gleicher Güte, ausgenommen ein Acre schlech-
       teren Bodens. Auf diesem einzigen Acre betrage der Profit des Ka-
       pitals den  sechsten Teil  des Profits  von jedem  anderen  Acre.
       Glaubt man, daß der Profit mehrerer Millionen Acres auf den sech-
       sten Teil  seines herkömmlichen  Profits gesenkt  würde?  Es  ist
       wahrscheinlich, daß  dieser einzige Acre gar keine Wirkung hätte,
       weil die  verschiedenen Produkte  (namentlich das Getreide), wenn
       sie  auf   den  Markt   kommen,  von   der  Konkurrenz  einer  so
       m i n i m a l e n   Menge nicht  merklich betroffen würden. Darum
       sagen wir,  daß die Behauptung der Ricardo-Anhänger über die Wir-
       kung  der  schlechteren  Böden  durch  die  Berücksichtigung  der
       r e l a t i v e n  A u s d e h n u n g  der Böden von verschiede-
       ner Fruchtbarkeit  zu modifizieren  ist." (Prévost,  l.c.p.  177,
       178.)
       
       {Say in seinen Anmerkungen zu R[icardo]s traduction de Constancio
       3*) hat  nur   e i n e   richtige  Bemerkung  über  den    c o m-
       m e r c e   é t r a n g e r   4 .  [28] Profit  kann  auch  durch
       Prellerei gemacht  werden, daß  der eine  gewinnt, was  der andre
       verliert. Verlust und Gewinn innerhalb eines Landes gleichen sich
       aus. Nicht so zwischen verschiednen Ländern. Und selbst die Theo-
       rie R[icardo]s betrachtet - was Say  n i c h t  bemerkt -, können
       sich 3  Arbeitstage eines Landes gegen einen eines andren austau-
       schen. Das Gesetz des Werts erhält hier wesentliche Modifikation.
       Oder wie sich innerhalb eines Landes skilled, composed labour zur
       unskilled, simple  5*) verhält,  so können  sich die  Arbeitstage
       verschiedner Länder  verhalten. In  diesem Fall  exploitiert  das
       reichere Land das ärmre, selbst wenn letztres durch den Austausch
       gewinnt, wie auch J. St. Mill in seinen "Some Unsettled Questions
       etc." entwickelt hat. [29]}
       
       "Wir geben  zu, daß im allgemeinen die Rate des landwirtschaftli-
       chen Profits  die des  industriellen bestimmt. Aber wir müssen zu
       gleicher Zeit bemerken, daß der
       -----
       1*) landwirtschaftlichen Produkts - 2*) natürlichen Fruchtbarkeit
       - 3*) Übersetzung  von  Constancio  -  4*) auswärtigen  Handel  -
       5*) qualifizierte, komplizierte Arbeit zur unqualifizierten, ein-
       fachen
       
       #102# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       letztere notwendigerweise  auch auf den ersten reagiert. Wenn der
       Getreidepreis auf einen gewissen Punkt gestiegen ist, wenden sich
       die industriellen  Kapitalien der  Landwirtschaft zu  und drücken
       notwendigerweise   die   landwirtschaftlichen   Profite   herab."
       (Prévost, l.c.p. 179.)
       
       Der Einwand richtig, aber ganz borniert gefaßt. Sieh oben. 1*)
       Die Ricardians wollen, daß der Profit nur fallen kann durch Wach-
       sen des  Arbeitslohns, indem  die necessaries 2*) mit [dem Wachs-
       tum] der Bevölkerung im Preis steigen, was aber Folge der Akkumu-
       lation des capital, indem mit dieser Akkumulation schlechtre Län-
       dereien bebaut  werden. Aber  Ric[ardo] gibt  selbst zu, daß auch
       die Profite  sinken können,  wenn die  Kapitalien rascher wachsen
       als die  Bevölkerung, die  Konkurrenz der  Kapitalien unter  sich
       also den  Arbeitslohn steigen  macht. Dies das A. Smithsche. Pré-
       vost sagt:
       
       "Wenn die wachsende Nachfrage der Kapitalien den Preis der Arbei-
       ter, das  heißt den  L o h n,  erhöht, scheint es dann nicht, daß
       man keinen  Grund hat,  zu behaupten, die wachsende Zufuhr dieser
       selben Kapitalien  vermöge niemals  den Preis der Kapitalien, mit
       andren Worten, den Profit zu senken?" (l.c.p. 188.)
       
       Prévost sucht auf der falschen Ric[ardo]schen Grundlage, die sich
       baisse des  profits 3  nur erklären  kann aus abnehmender surplus
       value,  also   surplus  labour,  also  größrem  Wert,  [aus  der]
       V e r t e u r u n g   d e r    v o m    A r b e i t e r    v e r-
       z e h r t e n   n e c e s s a r i e s,   also [dem]  Steigen  der
       value of  labour, although  real retribution of the labourer, in-
       stead of  being ascending,  declines 4*);  auf  dieser  Grundlage
       sucht er zu beweisen, daß keine continual 5*) Abnahme des Profits
       nötig.
       E r s t e n s  sagt er:
       
       "Der Zustand des Gedeihens erhöht zuerst den Profit"
       
       (nämlich die  profits agricoles  6*); mit  dem état  prospère 7*)
       wächst die Bevölkerung, hence 8*) die Nachfrage nach agricultural
       produce, hence surplus profits des farmer 9*)),
       
       "und zwar lange bevor man dazu übergeht, neue Ländereien in Anbau
       zu nehmen. Wohl übt diese Ausdehnung des Bodenanbaus eine Wirkung
       auf die  Rente aus, die den Profit verringert. Aber wenn auch da-
       durch unmittelbar verringert, bleibt der Profit doch ebenso hoch,
       wie er  vor dem Fortschritt war ... Warum geht man zu irgendeiner
       Zeit zum  Anbau von  Böden schlechterer  Qualität über?  Das  ge-
       schieht nur  in Erwartung  eines Profits,   d e r   d e n    ü b-
       l i c h e n   P r o f i t   m i n d e s t e n s  e r r e i c h t.
       Und welcher Umstand vermag
       -----
       1*) Siehe vorl.  Band, S. 94-96 - 2*) zum Leben notwendigen Dinge
       - 3*) Sinken  des Profits  - 4*) des Werts der Arbeit, obwohl der
       Reallohn des  Arbeiters statt  zu steigen, sinkt - 5*) ständige -
       6*) landwirtschaftlichen Profite  - 7*) Zustand  des Gedeihens  -
       8*) daher - 9*) landwirtschaftlichen Produkten, daher Surpluspro-
       fit des Pächters
       
       #103# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       diese Profitrate  auf solchem  Boden herbeizuführen?  Die Zunahme
       ¦¦804¦ der Bevölkerung. Sie drückt ... auf die Schranken der Sub-
       sistenzmittel, bewirkt dadurch ein Steigen der Lebensmittelpreise
       (besonders des Getreides) und wirft auf diese Weise den landwirt-
       schaftlichen Kapitalien  hohe Profite  ab. Die anderen Kapitalien
       strömen auf  die Ländereien;  aber da der Boden in seiner Ausdeh-
       nung beschränkt ist, findet diese Konkurrenz ihre Grenzen; und es
       kommt zu einem Punkt, daß man durch den Anbau schlechteren Bodens
       immer noch   h ö h e r e n   P r o f i t   e r r e i c h t  a l s
       i m  H a n d e l  o d e r  i n  d e r  M a n u f a k t u r.  Sind
       die schlechteren  Böden in  genügender Ausdehnung vorhanden, dann
       müssen sich  von da  an die landwirtschaftlichen Profite nach den
       zuletzt auf  die Ländereien  angewandten Kapitalien richten. Geht
       man von  der Profitrate  aus, die zu Beginn des zunehmenden Wohl-
       standes bestand (der Teilung des Profits in Profit und Rente), so
       wird man finden, daß der Profit keinerlei Tendenz hat, zu sinken.
       Er steigt  mit zunehmender Bevölkerung, bis der landwirtschaftli-
       che Profit  so gewachsen ist, daß er durch neue Kulturen eine er-
       hebliche Verminderung  erfahren kann,  ohne daß  er jemals  unter
       seine ursprüngliche Rate herabsinkt oder, um genauer zu sprechen,
       unter die mittlere Rate, die durch verschiedene Umstände bestimmt
       wird." (p. 190 -192.)
       
       Prévost faßt  offenbar falsch  die R[icardo]sche Ansicht. Infolge
       der prospérié  1*) steigt  die Bevölkerung,  hence the  price  of
       agricultural products,  hence agricultural profits 2*). (Obgleich
       nicht einzusehn,  wenn dies  Steigen konstant,  warum nach Ablauf
       der Pacht  die Renten nicht erhöht werden sollten und diese agri-
       cultural surplus profits in der Form der Rente einkassiert werden
       sollten, selbst ehe die terres inférieures 3*) bebaut.) Aber das-
       selbe Steigen des agricultural produce, das die agricultural pro-
       fits steigen macht, erhöht den Arbeitslohn in all industries, und
       macht daher  die industrial  profits fallen.  Es bildet sich so a
       new rate of profit 4*) in der Industrie. Wenn nun die schlechtren
       Länderen  bei   dem  existierenden   Marktpreis  auch  nur  diese
       l o w e r  r a t e  o f  p r o f i t  5*) zahlen, können sich Ka-
       pitalien auf  die schlechtren Ländereien werfen. Sie werden dahin
       attrahiert durch  die hohen  agricultural profits  und den  hohen
       Marktpreis des blé 6*). Sie mögen, eh hinreichende Anzahl von Ka-
       pitalien so  übergewandert, auch  noch, wie  Prévost sagt,  höhre
       Profite als  den gesunkenen  industrial profit  abwerfen.  Sobald
       aber die additional supply 7*) hinreichend, fällt der Marktpreis,
       so daß  er auf  den schlechtern Ländereien nur the ordinary indu-
       strial profit  8*) abwirft. Was das Produkt mehr abwirft, auf den
       beßren, verwandelt sich in Rente. Dies die R[icardo]sche Vorstel-
       lung, deren Grundlage P[révost] akzeptiert, auf der er räsoniert.
       Das Getreide nun teurer als vor dem Steigen des agricultural pro-
       fit. Aber der surplus profit, den es dem Pächter abwarf,
       -----
       1*) des Wohlstandes  - 2*) daher  der Preis der landwirtschaftli-
       chen  Produkte,   daher  die   landwirtschafzlichen   Profite   -
       3*) schlechteren Ländereien - 4*) eine neue Profitrate - 5*) nie-
       dere  Profitrate  -  6*) Getreides  -  7*) zusätzliche  Zufuhr  -
       8*) den gewöhnlichen industriellen Profit
       
       #104# Zwanzigstes Kapitel
       -----
       in Rente  verwandelt. Auf  diesem Wege also sinkt der Profit auch
       der beßren  Ländereien zu  der infolge  des rise 1*) des agricul-
       tural produce  eingetretnen lower  rate of industrial profit 2*).
       Nicht abzusehn, wie hierdurch, wenn keine andren Umstände modifi-
       zierend eintreten,  die Profite nicht unter ihren "taux primitif"
       3*) fallen müssen. Es  k ö n n e n  natürlich andre Umstände ein-
       treten. Unter  allen Umständen  steht nach  der Voraussetzung der
       agricultural profit  höher nach  dem rise der necessaries 4*) als
       der industrial. Sollte hier aber der Teil der necessaries der Ar-
       beiter, der  von der  Industrie herstammt,  durch Entwicklung der
       Produktivkraft so gefallen sein, daß der Arbeitslohn (selbst wenn
       zu seiner  average value  5*) gezahlt)  nicht so hoch stiege, als
       er, ohne  diese paralysierenden Umstände, verhältnismäßig mit dem
       rise des  agricultural produce  steigen müßte; sollte ferner die-
       selbe Entwicklung  der Produktivkraft  den Preis  der von der ex-
       traktiven Industrie  gelieferten Produkte so gesenkt haben, ditto
       der agricultural raw materials 6*), die nicht in die Nahrung ein-
       gehn, so brauchte der industrial profit nicht zu fallen (obgleich
       die Voraussetzung  nicht wahrscheinlich),  obgleich er tiefer wie
       der agricultural  profit stünde.  Ein  Herabsenken  des  letztren
       durch transfer  of capital  to agriculture  7*) und  Bildung  von
       Rente würde  dann ¦¦805¦ nur den alten taux of profit 8*) wieder-
       herstellen.
       [Z w e i t e n s]  Prévost versucht es noch in andrer Weise:
       
       "Die Böden  von schlechterer Qualität... werden nur dann in Anbau
       genommen werden, wenn sie ebenso hohen oder höheren Profit abwer-
       fen wie  die industriellen  Kapitalien. Oft  bleibt unter solchen
       Umständen der  Preis des  Getreides oder  der sonstigen landwirt-
       schaftlichen Produkte  noch sehr  hoch, trotz der neuen Kulturen.
       Diese hohen  Preise bedrücken  die arbeitende Bevölkerung, da das
       Steigen des  Arbeitslohns nicht genau dem Preis jener Gegenstände
       folgt, die  von den  Lohnarbeitern gebraucht  werden. Sie  bilden
       mehr oder  weniger eine  Last für  die ganze Bevölkerung, da fast
       alle Waren  vom Steigen  der Löhne  und des Preises der zum Leben
       notwendigen Dinge betroffen werden. Dieser allgemeine Druck, ver-
       bunden mit dem durch eine zu zahlreiche Bevölkerung herbeigeführ-
       tes Steigen  der Sterblichkeit,  verursacht eine Abnahme der Zahl
       der Lohnarbeiter  und infolgedessen ein Steigen der Löhne und ein
       Sinken des landwirtschaftlichen Profits. Von da an vollzieht sich
       die weitere  Entwicklung in  umgekehrter Weise als bis dahin. Die
       Kapitalien ziehen sich von den schlechteren Ländereien zurück und
       wenden sich  wieder der Industrie zu. Aber das Prinzip der Bevöl-
       kerung wirkt  bald wieder  von neuem.  Sobald das Elend aufgehört
       hat, wächst  die Zahl  der Arbeiter,  ihr Lohn  sinkt, und  daher
       steigt der  Profit. Solche Schwankungen müssen mehrfach aufeinan-
       der folgen, ohne daß der Durchschnittsprofit eine Änderung
       -----
       1*) Steigens -  2*) niederen Rate  des  industriellen  Profits  -
       3*) ihre "ursprüngliche Rate" - 4*) Steigen der zum Leben notwen-
       digen Dinge  - 5*) seinem Durchschnittswert - 6*) landwirtschaft-
       lichen Rohmaterialien  - 7*) Übertragung von Kapital in die Land-
       wirtschaft - 8*) Profitrate
       
       #105# Auflösung der Ricardoschen Schule
       -----
       erfährt. Der Profit kann aus anderen Ursachen sinken oder steigen
       oder aus  dieser Ursache selbst: er kann abwechselnd sich in ent-
       gegengesetztem Sinne  ändern, ohne  daß der  Durchschnitt  seines
       Sinkens oder  Steigens der Notwendigkeit zuzuschreiben wäre, neue
       Ländereien in Anbau zu nehmen. Die Bevölkerung ist der Regulator,
       der die natürliche Ordnung herstellt und den Profit innerhalb be-
       stimmter Schranken hält." (l.c.p. 194-196.)
       
       Obgleich konfus, richtig nach dem "Populationsprinzip". Nur nicht
       übereinstimmend mit  der Voraussetzung, daß die profits agricoles
       solang steigen,  bis die  der Population entsprechende additional
       supply 1*)  geschaffen. Ist dadurch konstantes Erhöhn des Preises
       des agricultural  produce gegeben,  so folgt  daher nicht Abnahme
       der Bevölkerung,  sondern general lowering of the rate of profit,
       hence of accumulation 2*) und deswegen of population. Die Popula-
       tion würde  nach  der  R[icardo]-Malthusschen  Ansicht  langsamer
       wachsen. Aber  was bei P[révost] zugrunde liegt: Der Prozeß würde
       den Arbeitslohn  unter sein  average niveau 3*) herabdrücken; mit
       diesem Fallen des Arbeitslohns und der misere der Arbeiter Fallen
       der Getreidepreise und hence wieder Steigen des Profits.
       Dies letztre  aber Untersuchung, die nicht hierher gehört, wo un-
       terstellt, [daß]  die value of labour 4*) stets bezahlt, d.h. die
       zur Reproduktion der Arbeiter nötigen Lebensmittel.
       Dies Prévostsche  wichtig, weil  es zeigt,  daß die R[icardo]sche
       Ansicht -  zusammen mit  der von  ihm adoptierten  Malthusschen -
       zwar  Schwankungen   in  der   Profitrate,   aber   kein   Fallen
       (konstantes) derselben ohne Reperkussion erklären kann, indem auf
       gewisser Höhe  der Getreidepreise  und gewisser Tiefe der Profite
       der Arbeitslohn unter sein Niveau gedrückt und gewaltsame Vermin-
       derung der  Bevölkerung, daher auch der Getreidepreise und neces-
       saries 5*), daher wieder Steigen des Profits herbeigeführt würde.
       -----
       1*) zusätzliche Zufuhr  findet Handschrift  additional demand)  -
       2*) allgemeine  Verringerung der  Profitrate, daher der Akkumula-
       tion -  3*) durchschnittliches  Niveau -  4*) der Wert der Arbeit
       5*) zum Leben notwendigen Dinge
       

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