Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil
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#80# Zwanzigstes Kapitel
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2. [James Mill]
¦¦791¦ James Mill, "Elements of Polit. Econ.", Lond. 1821 (2.
Aufl., Lond. 1824).
Mill war der erste, der R[icardo]s Theorie in systematischer Form
darstellte, wenn auch nur in ziemlich abstrakten Umrissen. Was er
anstrebt ist formell logische Konsequenz. Mit ihm beginnt "daher"
auch die Auflösung der Ric[ardo]schen Schule. Bei dem Meister
entwickelt sich das Neue und Bedeutende mitten im "Dünger" der
Widersprüche, gewaltsam aus den widersprechenden Erscheinungen.
Die Widersprüche selbst, die zugrunde liegen, zeugen von dem
Reichtum der lebendigen Unterlage, aus der die Theorie sich her-
auswindet. Anders mit dem Schüler. Sein Rohstoff ist nicht mehr
die Wirklichkeit, sondern die neue theoretische Form, wozu der
Meister sie sublimiert hat. Teils der t h e o r e t i s c h e
W i d e r s p r u c h d e r G e g n e r d e r n e u e n
T h e o r i e, teils das o f t p a r a d o x e V e r h ä l t-
n i s d i e s e r T h e o r i e z u d e r R e a l i t ä t
spornen ihn zum Versuch, die ersten zu widerlegen, das letztre
w e g z u e r k l ä r e n. Bei diesem Versuch verwickelt er sich
selbst in Widersprüche und stellt mit seinem Versuch, sie zu
lösen, zugleich die beginnende A u f l ö s u n g d e r
T h e o r i e dar, die er dogmatisch vertritt. Mill will einer-
seits die bürgerliche Produktion als absolute Form der Produktion
darstellen und sucht daher zu beweisen, daß ihre wirklichen
Widersprüche nur scheinbare sind. Andrerseits die R[icardo]sche
Theorie als die absolute theoretische
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Form dieser Produktionsweise darzustellen und die teils von and-
ren geltend gemachten, teils ihm selbst sich aufdrängenden theo-
retischen Widersprüche ditto wegzubeweisen. Indes ist Mill in ge-
wisser Weise auch noch Fortschritt der R[icardo]schen Ansicht
über die Schranken hinaus, worin R[icardo] sie dargestellt. Er
hat noch dasselbe geschichtliche Interesse, das Ricardo hat -
d a s d e s i n d u s t r i e l l e n K a p i t a l s g e-
g e n d a s G r u n d e i g e n t u m -, und er zieht rück-
sichtsloser die praktischen Konsequenzen der Theorie, der der
Grundrente z.B. gegen die Existenz des Grundeigentums, das er
mehr oder minder direkt in Staatseigentum verwandelt wissen will.
Hier haben wir es mit der letztren Konsequenz und dieser Seite
Mills nicht zu tun. 1*)
[a) Verwechslung von Mehrwert und Profit]
Der Unterschied von M e h r w e r t und P r o f i t findet
sich bei den Schülern R[icardo]s so wenig als bei ihm selbst. Er
selbst wird dessen nur gewahr durch den verschiednen Einfluß, den
die Variation des Arbeitslohns auf Kapitalien von verschiedner
organischer Komposition (und diese selbst nur mit Rücksicht auf
den Zirkulationsprozeß) haben kann. Daß - selbst wenn wir nicht
Kapitalien in different occupations 2*) betrachten, sondern jedes
Kapital für sich, soweit es nicht ausschließlich aus variablem
Kapital besteht, nur in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital ist -
Profitrate und Rate des Mehrwerts verschieden, also auch der Pro-
fit eine weiter entwickelte, spezifisch modifizierte Form des
Mehrwerts sein muß, fällt ihnen nicht ein. Sie werden des Unter-
schieds nur gewahr, soweit es sich von gleichem Profit - average
rate of profit 3*) - für Kapitalien in different spheres of pro-
duction and differently composed of fixed and circulating ingre-
diences 4*) handelt. Mill wiederholt in dieser Beziehung, vulga-
risiert nur das von Ric[ardo] in ch. I "On Value" 5*) Beige-
brachte. Das einzige neue Bedenken, das ihm aufstößt, mit Bezug
auf diese Frage, ist dieses:
Mill bemerkt, daß "time as such" 6*) (also nicht Arbeitszeit,
sondern Zeit) nichts produziert, also auch nicht "value" 7*). Wie
stimmt es also mit dem Gesetz des Werts, daß Kapital deswegen,
wie Ricardo sagt, weil es längre Zeit zu seinen returns 8*)
braucht, denselben Profit abwirft wie Kapital, auf das mehr un-
mittelbare Arbeit verwandt, aber rascher retourniert? Man sieht,
daß Mill hier nur einen ganz einzelnen Fall auflaßt, der, allge-
mein
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1*) In der Handschrift sind alle in diesem Absatz kursiv gegebe-
nen Textstellen mit Bleistift unterstrichen - 2*) verschiedenen
Zweigen - 3*) Durchschnittsprofitrate - 4*) verschiedenen Produ-
kionssphären und mit verschiedener Zusammensetzung aus fixen und
zirkulierenden Bestandteilen - 5*) "Über den Wert" - 6*) "Zeit
als solche" - 7*) "Wert" - 8*) Umlauf
#82# Zwanzigstes Kapitel
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ausgedrückt, dahin lauten würde: Wie stimmt der Kostenpreis und
die von ihm vorausgesetzte ¦¦792¦ average rate of profit (hence
1*) Gleichwert von Waren, die sehr unequale Quanta Arbeit enthal-
ten) damit, daß der Profit nichts ist als ein Teil der in der
Ware enthaltnen Arbeitszeit, aber der Teil der vom Kapitalist
ohne Äquivalent angeeignet wird? Bei dem average rate of profit
und Kostenpreis werden dagegen der Wertbestimmung ganz fremde und
äußerliche Gesichtspunkte geltend gemacht, z.B., daß der Kapita-
list, dessen Kapital längre returns durchzumachen, weil es wie
wine 2*) z.B. länger im Produktionsprozeß verharren muß (oder
länger im Zirkulationsprozeß in andren Fällen), entschädigt wer-
den muß für die Zeit, worin er sein Kapital nicht verwerten kann.
Aber wie kann die Zeit der Nichtverwertung Wert schaffen?
Mills Stelle über die "Zeit" lautet: 3*)
"Die Zeit kann nichts tun, ... wie kann sie also Wert vermehren;
Die Zeit ist bloß ein abstrakter Ausdruck, ein Wort, ein Laut.
Und es ist die gleiche logische Absurdität, von einer abstrakten
Einheit als Wertmaß und von der Zeit als Schöpferin von Wert zu
reden. ("Elements etc.", 2nd ed., p. 99.) [21]
In der Tat handelt es sich bei den K o m p e n s a t i o n s-
g r ü n d e n 4*) zwischen den capitals in different spheres of
production 5*) nicht um Produktion des Mehrwerts, sondern um
V e r t e i l u n g d e s s e l b e n u n t e r d i e v e r-
s c h i e d n e n K a t e g o r i e n v o n K a p i t a l i-
s t e n. Es machen sich hier also Gesichtspunkte geltend, die
mit d e r W e r t b e s t i m m u n g a l s s o l c h e r
6*) a b s o l u t nichts zu schaffen haben. Es ist hier alles
K o m p e n s a t i o n s g r u n d, was ein Kapital in a pecu-
liar sphere of production 7*) zwingt, auf die Bedingungen zu
verzichten, worunter es in andren Sphären größren Mehrwert
produzieren könnte. Also z.B., wenn es mehr fixes, weniger
zirkulierendes Kapital anwendet, wenn es mehr konstantes als
variables Kapital anwendet, wenn es länger im Zirkulationsprozeß
verharren muß, wenn es endlich länger im Produktionsprozeß
verharren muß ohne einem Arbeitsprozeß unterworfen zu sein, was
jedesmal eintritt, wo der Produktionsprozeß seiner technologi-
schen Natur gemäß Unterbrechungen erleidet, um das werdende Pro-
dukt den Wirkungen natürlicher Kräfte auszusetzen, z.B. der Wein
im Keller. In allen diesen Fällen - der letztre ist der, den Mill
herausgreift, also ganz borniert und vereinzelt die Schwierigkeit
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1*) daher - 2*) wein - 3*) der vorstehende Satz und das folgende
Zitat finden sich in der Handschrift quer am Rande und sind von
Marx zur Einfügung an diese Stelle bezeichnet - 4*) in der Hand-
schrift ist das hier kursiv gegebene Wort mit Bleistift unter-
strichen - 5*) Kapitalien in den verschiedenen Produktionssphären
- 6*) in der Handschrift ist die hier kursiv gegebene Textstelle
mit Bleistift unterstrichen - 7*) einer besondern Produktions-
sphäre
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greifend - tritt Kompensation ein. Es wird von dem in andren
Sphären produzierten Mehrwert (die Konkurrenz bewirkt diese Aus-
gleichung, worin jedes besondre Kapital nur als aliquoter Teil
des gesellschaftlichen Kapitals erscheint) ein Teil auf diese der
direkten Exploitation der Arbeit ungünstiger situierten Kapita-
lien, im Verhältnis zu ihrer bloßen Größe, übertragen. Das Phäno-
men ist sehr einfach, sobald das Verhältnis von Mehrwert und Pro-
fit und ferner die Ausgleichung der Profite zur allgemeinen Pro-
fitrate begriffen ist. Soll es aber ohne alle Vermittlung aus dem
Gesetz des Werts begriffen werden, also der Profit, den ein be-
sondres Kapital in einem besondren trade 1*) macht, aus dem in
den von ihm produzierten Waren enthaltnen Mehrwert, [der]
u n b e z a h l t e n A r b e i t (also auch aus der direkt in
ihnen selbst worked up labour 2*)) erklärt werden, so ist dies
ein Problem, viel unmöglicher als die Quadratur des Zirkels, die
algebraisch gefunden werden kann. Es ist einfach der Versuch,
das, was nicht ist, als seiend darzustellen. In dieser
u n m i t t e l b a r e n Form aber ist es, daß Mill das Problem
zu lösen sucht. Es ist hier also keine Lösung in der Sache, son-
dern nur ein sophistisches Wegräsonieren der Schwierigkeit mög-
lich, also nur S c h o l a s t i k 3*). Mill beginnt das. Bei
einem g e w i s s e n l o s e n F l a c h k o p f 4*) wie Mc-
Culloch nimmt diese Manier breitmacherische Unverschämtheit an.
Mills Lösung kann nicht besser charakterisiert werden als in den
Worten Bailegs:
"Herr Mill hat einen sonderbaren Versuch gemacht, die W i r-
k u n g e n d e r Z e i t in V e r a u s g a b u n g v o n
A r b e i t a u f z u l ö s e n. 'Wenn', sagt er (p. 97, 2nd ed.
der "Elements", 1824), 'der Wein, der im Keller gehalten wird, im
Werte dadurch im Jahre um 1/10 steigt, so darf man mit Fug
a n n e h m e n, es sei 1/10 mehr Arbeit auf ihn verwandt
worden.' ... Eine Tatsache kann nur dann mit Fug als eingetreten
betrachtet ¦¦793¦ werden, wenn sie in Wirklichkeit eingetreten
ist. In dem angeführten Beispiel hat sich nach der Voraussetzung
kein menschliches Wesen dem Weine genähert oder auch nur einen
Augenblick oder eine einzige Muskelbewegung auf ihn verwandt."
("A critical Dissertation on the Nature, Measures anl Causes of
Value etc.", London 1825, p. 219, 220.)
Der Widerspruch zwischen dem allgemeinen Gesetz und weiter ent-
wickelten konkreten Verhältnissen soll hier nicht gelöst werden
durch Auffindung der Mittelglieder, sondern durch direkte Subsum-
tion und unmittelbare Anpassung des Konkreten an das Abstrakte.
Und zwar soll dies durch eine s p r a c h l i c h e F i k-
t i o n 4*) bewirkt werden, by changing vera rerum
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1*) Gewerbszweig - 2*) realisierten Arbeit - 3*) in der Hand-
schrift ist das hier kursiv gegebene Wort mit Bleistift unter-
strichen - 4*) in der Handschrift sind die hier kursiv gegebenen
Worte mit Bleistift unterstrichen
#84# Zwanzigstes Kapitel
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vocabula 1*). (Hier in der Tat "verbal disputes" [22], aber
"verbal", weil reelle Widersprüche, die nicht reell gelöst worden
sind, durch Phrasen gelöst werden sollen.) Daß diese Manier, die
bei Mill nur noch im Keim auftritt, die ganze Grundlage der
R[icardo]schen Theorie viel mehr aufgelöst hat als alle Angriffe
der Gegner, wird sich bei McCulloch zeigen.
Mill flüchtet zu diesem Verfahren nur, wo er sich absolut nicht
anders zu helfen weiß. Seine durchgehende Methode jedoch ist ver-
schieden. Wo das ökonomische Verhältnis - also auch die Katego-
rien, die es ausdrücken Gegensätze einschließt, Widerspruch und
eben die Einheit von Widersprüchen ist, hebt er das Moment der
E i n h e i t der Gegensätze hervor und leugnet die Gegensätze.
Er macht die Einheit von G e g e n s ä t z e n zur unmittelba-
ren Identität dieser Gegensätze.
Z.B. die Ware hüllt den Gegensatz von Gebrauchswert und Tausch-
wert ein. Dieser Gegensatz entwickelt sich weiter, stellt sich
dar, realisiert sich als die Verdopplung der Ware in Ware und
Geld. Diese ihre Verdopplung erscheint als Prozeß in der Metamor-
phose der Ware, worin Verkauf und Kauf verschiedne Momente eines
Prozesses sind, jeder Akt dieses Prozesses aber zugleich sein Ge-
genteil einschließt. Ich habe im ersten Teil dieser Schrift er-
wähnt, wie Mill mit dem Gegensatz dadurch fertig wird, daß er nur
die Einheit von Kauf und Verkauf festhält, die Zirkulation daher
in Tauschhandel verwandelt, in den Tauschhandel aber wieder der
Zirkulation entlehnte Kategorien einschmuggelt. [23] Sieh noch,
was ich daselbst über seine G e l d t h e o r i e entwickelt,
wo er ähnlich zu Werk geht. [24]
Es findet sich bei J. Mill die schlechte Einteilung "De la Pro-
duction", "De la Distribution", "Des Exchanges", "De la Consomma-
tion" 2*). [25]
[b) Mills fruchtlose Versuche, den Austausch zwischen Kapital und
Arbeit mit dem Wertgesetz in Übereinstimmung zu bringen]
Salaire:
"Statt zu warten, bis die Produkte erhalten sind und ihr Wert re-
alisiert ist, hat man es für die Arbeiter bequemer gefunden, ih-
ren Teil im Vorschuß auszuzahlen" (a l'avance). "Die Form, worun-
ter man passend gefunden, daß sie ihn erhielten, ist die der Sa-
laire. Wenn der Anteil der Produkte, welcher dem Arbeiter unter
der Form des Salairs zukömmt, ganz von ihm erhalten ist, gehören
diese Produkte ausschließlich dem Kapitalisten, weil er faktisch
den A n t e i l d e s A r b e i t e r s g e k a u f t und
denselben ihm als Vorschuß gezahlt hat." (Französische Überset-
zung der "Elements" von Parisot. Paris 1823, p. 33, 34.)
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1*) indem man die richtigen Namen der Dinge ändert - 2*) "Über
die Produktion", "Über die Verteilung", "Über den Austausch,
"Über die Konsumtion"
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Es ist höchst charakteristisch für Mill, daß, wie ihm das
G e l d bloß ein für die Bequemlichkeit erfundnes Auskunftsmit-
tel, so das K a p i t a l v e r h ä l t n i s selbst für die
Bequemlichkeit erfunden ist. Diese spezifischen gesellschaftli-
chen Produktionsverhältnisse sind der "Bequemlichkeit" halber er-
funden. Ware und Geld verwandeln sich dadurch in Kapital, daß der
Arbeiter aufgehört hat, als Warenproduzent und Warenbesitzer aus-
zutauschen, vielmehr gezwungen ist, statt Ware zu verkaufen,
seine Arbeit selbst (unmittelbar sein Arbeitsvermögen) als Ware
zu verkaufen an den Besitzer der objektiven Arbeitsbedingungen.
Diese Scheidung ist die Voraussetzung des Verhältnisses von Kapi-
tal und Lohnarbeit, wie sie die Voraussetzung für die Verwandlung
des Gelds (oder der Ware, die es repräsentiert) in Kapital ist.
Mill unterstellt die T r e n n u n g, die S c h e i d u n g,
unterstellt das Verhältnis von Kapitalist und Lohnarbeiter, um es
dann als eine Sache der Bequemlichkeit hinzustellen, daß der Ar-
beiter k e i n P r o d u k t verkauft, keine Ware, sondern
seinen Anteil am Produkt (dessen Produktion er gar nicht bestimmt
und die u n a b h ä n g i g von ihm vorgeht) verkauft, bevor er
produziert ¦¦794¦ hat. Oder auch, nur noch näher: daß der Anteil
des Arbeiters am Produkt vom Kapitalist ausgezahlt - in Geld ver-
wandelt wird -, bevor der Kapitalist das Produkt, an dem der Ar-
beiter Anteil hat, versilbert hat, has disposed of 1*).
Durch diese Auffassung soll die spezifische Schwierigkeit - mit
der spezifischen Form des Verhältnisses - umgangen werden. Näm-
lich die Schwierigkeit des Ric[ardo]schen Systems, das den Arbei-
ter seine A r b e i t verkaufen läßt direkt (nicht sein Ar-
beitsvermögen). Die [Schwierigkeit]: der Wert der Ware durch die
Arbeitszeit bestimmt, die ihre Produktion kostet. Woher kömmt es,
daß dies Gesetz der Werte sich nicht in dem größten aller Austäu-
sche, der Grundlage der kapitalistischen Produktion bewährt, dem
Austausch zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter? Warum ist das
Quantum of realized labour, das der Arbeiter empfängt als wages,
nicht gleich dem Quantum immediate labour, das er in Austausch
für die wages gibt? To shift this difficulty 2*), verwandelt Mill
den Lohnarbeiter in einen Warenbesitzer, der s e i n Produkt,
s e i n e W a r e - denn sein A n t e i l an dem Produkt, der
Ware, ist s e i n Produkt, seine W a r e, ein in der Form von
besondrer Ware von ihm produzierter Wert - dem Kapitalisten ver-
kauft. Er löst die Schwierigkeit dadurch, daß er die Transaktion
zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter, die den Gegensatz von re-
alized und immediate labour einschließt, als die common 3*)
Transaktion von Besitzern von realized labour, von Warenbesitzern
umdichtet.
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1*) verwertet hat - 2*) Um diese Schwierigkeit beiseite zu schie-
ben - 3*) gemeinsame
#86# Zwanzigstes Kapitel
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Durch diese Finte hat Mill zwar sich unmöglich gemacht, die spe-
zifische Natur, die differentia specifica 1*) des Prozesses, der
zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter vorgeht, zu begreifen, aber
er hat sich keineswegs die Schwierigkeit vermindert, sondern sie
vermehrt, weil die Eigentümlichkeit des Resultats jetzt nicht
mehr zu begreifen aus der Eigentümlichkeit der Ware, die der Ar-
beiter verkauft (und die das Spezifische besitzt, daß ihr Ge-
brauchswert selbst das Element des Tauschwerts ist, weshalb ihr
Gebrauch einen größren Tauschwert schafft, als in ihr selbst ent-
halten war).
Der Arbeiter bei Mill ist Warenverkäufer wie jeder andre. Z.B.,
er produziert 6 Ellen Leinwand. Von diesen 6 Ellen sollen 2 einen
Wert darstellen = der von ihm zugesetzten Arbeit. Er ist also der
Verkäufer von 2 Ellen Leinwand an den Kapitalisten. Warum soll er
nun von dem Kapitalisten nicht den Wert der 2 Ellen Leinwand ganz
erhalten wie jeder andre Verkäufer von 2 Ellen Leinwand, da er
jetzt Leinwandverkäufer wie jeder andre ist? Vielmehr tritt jetzt
der Widerspruch gegen das Gesetz der Werte viel krasser hervor.
Er verkauft keine spezifische, von allen andren verschiedne Ware.
Er verkauft Arbeit, realisiert in einem Produkt, also Ware, die
sich als Ware von keiner andren spezifisch unterscheidet. Wenn
nun der Preis der Elle - d.h. das Quantum Geld, das die in der
Elle enthaltne Arbeitszeit enthält - = 2 sh., warum erhält der
Arbeiter 1 sh. statt 2? Erhält er aber 2 sh., so realisiert der
Kapitalist keine surplus value, und das ganze Ric[ardo]sche Sy-
stem fiele über den Haufen. Wir wären zu dem profit upon expro-
priation 2*) zurückgeschleudert. Die 6 Ellen kosteten dem Kapita-
listen ihren Wert = 12 sh. Er verkaufte sie aber zu 13 sh.
Oder Leinwand oder jede andre Ware verkauft sich zu ihrem Wert,
wenn der Kapitalist sie verkauft; aber sie verkauft sich
u n t e r ihrem Wert, wenn der Arbeiter sie verkauft. Das Gesetz
der Werte wäre also aufgelöst durch die Transaktion zwischen Ar-
beiter und Kapitalist. Und grade um das zu vermeiden, flüchtet
Mill zu seiner Fiktion. Er will das Verhältnis von Arbeiter und
Kapitalist verwandeln in das gewöhnliche Verhältnis von Warenver-
käufern und Käufern. Aber warum soll dann hier nicht das gewöhn-
liche Gesetz der Warenwerte die Transaktion bestimmen? Aber der
Arbeiter ist "en avance" 3*) bezahlt. Also doch nicht das gewöhn-
liche Verhältnis von Warenkauf und Verkauf. Was soll dies
"Avancieren" hier heißen? Der Arbeiter, der z.B. wöchentlich be-
zahlt wird, hat seine Arbeit "avanciert" und den Anteil an dem
wöchentlichen Produkt, der ihm gehört, geschaffen -
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1*) den spezifischen Unterschied - 2*) Entäußerungsprofit -
3*) "auf Vorschuß" (in der Handschrift ist die hier kursiv gege-
bene Textstelle mit Bleistift unterstrichen)
#87# Auflösung der Ricardoschen Schule
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seine Wochenarbeit realisiert in einem Produkt - (nach der Unter-
stellung Mills und nach der Praxis), bevor er diesen Anteil vom
Kapitalisten "gezahlt" erhält. Der Kapitalist hat Rohmaterial und
Instrumente "avanciert", der Arbeiter "die Arbeit", und sobald
der Lohn am Ende der Woche gezahlt wird, v e r k a u f t er
Ware, seine Ware - seinen Anteil an der Gesamtware - an den Kapi-
talisten. Aber der Kapitalist, wird Mill sagen, zahlt, i.e. ver-
silbert, verwandelt in Geld dem Arbeiter die 2 ¦¦795¦ Ellen Lein-
wand, bevor er selbst die 6 Ellen Leinwand in Geld verwandelt,
verkauft hat! Und wenn der Kapitalist auf Bestellung gearbeitet,
wenn er die Ware verkauft hat, bevor er sie produziert hat? Und
allgemeiner: Was geht es den Arbeiter - hier Verkäufer von 2 El-
len Leinwand - an, daß der Kapitalist ihm diese 2 Ellen abkauft,
um sie wieder zu verkaufen, nicht um sie zu konsumieren? Was gehn
den Verkäufer die Motive des Käufers an? Und wie sollen letztre
nun gar das Gesetz des Werts modifizieren? Konsequent müßte dann
jeder Verkäufer seine Ware unter ihrem Wert verkaufen, denn er
gibt dem Käufer das Produkt in der Form eines Gebrauchswerts,
während der Käufer ihm den Wert in Form des Gelds gibt, die ver-
silberte Form des Produkts. In diesem Falle hätte der Leinwandfa-
brikant auch den Leinengarnhändler und den Maschinenfabrikant und
den Kohlenproduzenten etc. u n t e r z a h l e n müssen. Denn
sie verkaufen ihm Waren, die er erst in Geld verwandeln will,
während er ihnen "en avance", nicht nur bevor die Ware verkauft,
sondern bevor sie produziert, den Wert der Ingredienzien seiner
Ware zahlt. Der Arbeiter liefert ihm Leinwand, die Ware in ihrer
verkaufbaren Form; dagegen jene Warenverkäufer Maschinerie, Roh-
stoff etc., die erst einen Prozeß durchmachen müssen, um ihre
verkaufbare Form zu erhalten. Am schönsten ist es für einen abso-
luten Ric[ardianer] wie Mill, bei dem Kauf und Verkauf, offre und
demande 1*) einfach identisch und das Geld bloße Formalität ist,
wenn die Verwandlung von Ware in Geld - und weiter geht doch
nichts vor im Verkauf der 2 Ellen Leinwand an den Kapitalisten -
einschlösse, daß der Verkäufer die Ware unter dem Wert verkaufen
und der Käufer mit seinem Geld über dem Wert kaufen muß.
Kommt also auf die Absurdität hinaus, daß in dieser Transaktion
der Käufer kauft, um mit Profit wieder zu verkaufen, daher der
Verkäufer die Ware unter ihrem Wert verkaufen muß, womit die
ganze Werttheorie über den Haufen geworfen. Dieser zweite Versuch
Mills, einen R[icardo]schen Widerspruch zu lösen, hebt in der Tat
die ganze Basis des Systems auf und speziell seinen Vorzug, das
Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit als
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1*) Zufuhr und Nachfrage
#88# Zwanzigstes Kapitel
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direkten Austausch zwischen hoarded und immediate labour 1*) zu
fixieren, d.h., es in seiner spezifischen Bestimmtheit aufzufas-
sen.
Um sich zu helfen, müßte Mill weitergehn und sagen, es handle
sich nicht um eine einfache Transaktion von Kauf und Verkauf von
Waren. Das Verhältnis zwischen Arbeiter und Kapitalist sei viel-
mehr das des lending capitalist or discounting capitalist (monied
capitalist) zum industrial capitalist 2*), soweit es sich hier um
Zahlung, Versilberung des Produkts des Arbeiters = seinem Anteil
am Gesamtprodukt, handle. Es wäre dies schöne Entwicklung, das
zinstragende Kapital vorauszusetzen - eine besondre Form des Ka-
pitals -, um das Profit produzierende Kapital (die allgemeine
Form des Kapitals) zu entwickeln; eine abgeleitete Form des Mehr-
werts (die schon das Kapital voraussetzt) als Grund der Entste-
hung des Mehrwerts darzustellen. Außerdem müßte Mill dann auch
konsequent sein und statt aller bestimmten Gesetze über den Ar-
beitslohn und den rate of wages 3*), die R[icardo] entwickelt
hat, sie vielmehr aus dem rate of interest 4*) herleiten, wobei
in der Tat wieder nicht zu sagen wäre, wodurch der rate of inter-
est zu bestimmen, da er nach den Ricardians and all other econo-
mists, worth naming, is determined by the rate of profit 5*).
Die Phrase mit dem "Anteil" des Arbeiters an seinem eignen Pro-
dukt beruht in der Tat darauf: Betrachtet man nicht die verein-
zelte Transaktion zwischen Kapitalist und Arbeiter, sondern den
exchange 6*) zwischen beiden in dem course of reproduction 7*);
sieht man auf den wirklichen Inhalt dieses Prozesses, statt auf
die Form seiner Erscheinung, so zeigt sich in der Tat, daß das,
womit der Kapitalist den Arbeiter zahlt (und auch der Teil des
Kapitals, der als capital constant dem Arbeiter gegenübertritt),
nichts ist als ein Teil vom Produkt des Arbeiters selbst und zwar
ein Teil des Produkts das nicht erst in Geld verwandelt werden
soll, sondern bereits verkauft bereits in Geld verwandelt ward,
da die wages in Geld und nicht in naturalibus 8*) ausgezahlt wer-
den. Bei der Sklaverei etc., wo nicht der falsche Schein durch
die vorherige Verwandlung des Produkts - soweit es in wages aus-
gelegt wird - in Geld bewirkt wird, ist es auch handgreiflich,
daß das, was der Sklave als Lohn erhält, in der Tat nichts ist,
was der slave owner 9*) ihm "advances" 10*), sondern nur der Teil
der realisierten Arbeit des slave 11*), der ihm in der Form von
Lebensmitteln wieder zuströmt. Ebenso beim
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1*) aufgespeicherter und unmittelbarer Arbeit - 2*) geldverlei-
henden oder diskontierenden Kapitalisten (Geldkapitalisten) zum
industriellen Kapitalisten - 3*) die Lohnrate - 4*) der Zinsrate
- 5*) Ricardianern und allen anderen Ökonomen, die der Rede wert
sind, durch die Profitrate bestimmt wird - 6*) Austausch -
7*) Laufe der Reproduktion - 8*) Naturalien - 9*) Sklavenhalter -
10*) "vorschießt" - 11*) Sklaven
#89# Auflösung der Ricardoschen Schule
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capitalist. Er "avanciert" nur dem Schein nach. Was er dem Arbei-
ter als wages avanciert oder vielmehr ¦¦796¦ zahlt, da er die Ar-
beit erst zahlt, nachdem sie verrichtet, ist ein Teil des von dem
Arbeiter produzierten und bereits in Geld verwandelten Produkts.
Ein Teil des Produkts des Arbeiters, das sich der Kapitalist an-
geeignet, das v o r w e g g e n o m m e n ist, fließt ihm in
der Form der wages - als avance 1*) auf das neue Produkt, wenn
man will - zu.
Es ist Mills durchaus unwürdig (so etwas paßt für McCulloch, Say
oder Bastiat), an diesem S c h e i n der Transaktion festzuhal-
ten, um die Transaktion selbst zu erklären. Der Kapitalist hat
nothing to advance to the labourer except what he before has ta-
ken from the labourer, has been advanced to him by the other peo-
ple's labour 2*). Sagt doch Malthus selbst, daß das, was der Ka-
pitalist avanciert, nicht consists "of cloth" und "other commodi-
ties" but "of labour" 3*) [26], also grade aus dem, was er nicht
verrichtet. Er schießt dem Arbeiter des Arbeiters eigne Arbeit
vor.
Indessen nützt diese ganze Periphrase dem Mill nichts, nämlich
nichts, um die Lösung der Frage zu umgehn: Wie der Austausch zwi-
schen hoarded und immediate labour (und so faßt Ric[ardo] und
nach ihm M[ill] etc. den Austauschprozeß zwischen Kapital und Ar-
beit) dem Gesetz der Werte, dem er direkt widerspricht, ent-
spricht? Daß es dem Mill nichts nützt, sieht man aus folgenden
Sätzen:
"Nach w e l c h e m V e r h ä l t n i s teilen sich die Pro-
dukte zwischen ouvrier 4*) und Kapitalist oder welche Proportion
regelt die Taxe des Salaire?" (p. 34 Parisot ed.) "Die Fixation
der Teile zwischen ouvrier und capitalist ist der Gegenstand ei-
nes Handels, M a r k t e n s zwischen ihnen. Jeder freie Handel
ist geregelt durch die Konkurrenz, und die Bedingungen wechseln
nach dem wechselnden V e r h ä l t n i s z w i s c h e n
N a c h f r a g e u n d Z u f u h r." (l.c.p. 34, 35)
Der Arbeiter erhält seinen "Anteil" am Produkt gezahlt. Dies
wurde gesagt, um ihn in einen gewöhnlichen Verkäufer von W a r e
(Produkt) dem Kapital gegenüber zu verwandeln und das Spezifische
des Verhältnisses auszulöschen. Sein Anteil am Produkt ist
s e i n Produkt, also der Teil des Produkts, worin seine neuzu-
gesetzte Arbeit realisiert ist. Quod non. 5*) Wir fragen vielmehr
jetzt, welches ist sein "Anteil" am Produkt, also w e l c h e s
ist s e i n Produkt? Denn das Teilprodukt, das ihm gehört, ist
ja s e i n Produkt, das er verkauft. Jetzt hören wir, daß sein
Produkt und sein P r o d u k t zwei
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1*) Vorschuß - 2*) nichts, was er dem Arbeiter vorschießen
könnte, außer dem, was er vorher dem Arbeiter genommen hat, was
ihm durch die Arbeit anderer Leute vorgeschossen wurde besteht
"in Tuch" und "anderen Waren", sondern "in Arbeit" - 4*) Arbeiter
5*) Was nicht (der Fall ist).
#90# Zwanzigstes Kapitel
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ganz verschiedne Dinge sind. Wir müssen erst festsetzen, was sein
Produkt (i.e. sein Anteil am Produkt, also das Teilprodukt, das
ihm gehört) ist. Sein Produkt war also eine bloße Phrase, da die
Bestimmung des Werts, den er vom Kapitalisten erhält, nicht durch
seine eigne Produktion bestimmt ist. Mill hat also die Schwierig-
keit nur einen Schritt weitergeschoben. Er ist jetzt so weit, wie
er am Anfang war.
Es ist hier ein Quidproquo. Den Austausch zwischen Kapital und
Lohnarbeit als kontinuierlichen Akt gesetzt - wie er es ist, wenn
man nicht einen einzelnen Akt, Moment der kapitalistischen Pro-
duktion fixiert, isoliert -, erhält der Arbeiter einen Teil vom
Wert seines Produkts, den er ersetzt hat, + den Teil des Werts,
den er umsonst dem Kapitalisten gab. Dies wiederholt sich bestän-
dig. Er erhält also in der Tat beständig einen Wertteil seines
eignen Produkts, einen Teil des oder Anteil an dem von ihm ge-
schaffnen Wert. Wie groß oder klein seine wages, ist nicht be-
stimmt durch seinen Anteil am Produkt, sondern umgekehrt, sein
Anteil am Produkt ist durch die Größe seiner wages bestimmt. Er
erhält faktisch einen Anteil vom Wert des Produkts. Aber der An-
teil, den er erhält, ist bestimmt durch die value of labour 1*);
nicht umgekehrt die value of labour durch den Anteil am Produkt.
Die value of labour ist fixiert, d.h. die Arbeitszeit, die er zur
Reproduktion seiner selbst braucht; sie ist fixiert durch den
Verkauf seines Arbeitsvermögens an den Kapitalisten. Damit ist
denn auch faktisch sein Anteil am Produkt fixiert. Aber nicht um-
gekehrt wird erst sein Anteil am Produkt fixiert und dadurch die
Höhe oder die value seiner wages. Es ist dies ja einer der wich-
tigsten und meist betonten Sätze Ric[ardos], da sonst der Preis
der Arbeit durch den Preis der von ihr produzierten Ware bestimmt
wäre, während der Preis der Arbeit nach R[icardo] nichts bestimmt
als d i e R a t e d e s P r o f i t s.
Und wie setzt Mill nun den "Anteil" fest, den der Arbeiter vom
Produkt erhält? Durch Nachfrage und Zufuhr, Konkurrenz zwischen
Arbeitern und Kapitalisten. Die Phrase Mills ist auf alle Waren
anwendbar:
"Die Fixation der Teile" (lies des Warenwerts) "zwischen ouvrier
und Kapitalist" (Verkäufer und Käufer) "ist der Gegenstand eines
Handels, Marktens zwischen ¦¦797¦ ihnen. Jeder freie Handel ist
geregelt durch die Konkurrenz, und die Bedingungen wechseln nach
dem wechselnden Verhältnis zwischen Nachfrage und Zufuhr."
[l.c.p. 34, 35.]
Also das des Pudels Kern! Mill, der als eifriger Ric[ardianer]
nachweist, daß Nachfrage und Zufuhr wohl die Schwankungen des
Marktpreises über
-----
1*) den Wert der Arbeit
#91# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
oder unter den W e r t der Ware, aber nicht diesen Wert selbst
bestimmen können, daß es sinnlose Worte sind, wenn angewandt zur
Bestimmung des Werts, da ihre eigne Bestimmung die Wertbestimmung
voraussetzt! Und jetzt - was Say dem Ric[ardo] schon vorhält -
flüchtet er, um die value of labour, um den W e r t einer Ware
zu bestimmen, zu der Fixation durch Nachfrage und Zufuhr!
Aber noch mehr.
Mill sagt es nicht - was der Sache nach hier auch gleichgültig -,
welche der beiden Parteien die offre 1*), welche die demand 2*)
repräsentiert. Doch da der Kapitalist das Geld, der Arbeiter da-
gegen etwas für das Geld anbietet, wollen wir die demand auf sei-
ten des Kapitalisten und die offre auf seiten der Arbeiter vor-
aussetzen. Aber was "verkauft" der Arbeiter dann? Wovon bringt er
eine Zufuhr? In seinem "Anteil" am Produkt, das nicht existiert?
Aber sein Anteil an dem zukünftigen Produkt soll ja eben erst be-
stimmt werden durch die Konkurrenz zwischen ihm und [dem] Kapita-
listen, durch das "Nachfrage-und-Zufuhr"-Verhältnis! Die eine
Seite des Verhältnisses, die Zufuhr, kann nicht in etwas bestehn,
was selbst erst das Resultat des Kampfes zwischen Nachfrage und
Zufuhr ist. Also was bietet der Arbeiter zum Verkauf an? Seine
Arbeit? Aber dann ist Mill wieder bei der ursprünglichen Schwie-
rigkeit, die er umgehn wollte, angekommen, bei dem e x-
c h a n g e z w i s c h e n h o a r d e d u n d i m m e-
d i a t e l a b o u r 3*). Und wenn er sagt daß sich hier nicht
Äquivalente austauschen oder daß der Wert der verkauften Ware,
der labour, nicht durch "die Arbeitszeit" selbst gemessen ist,
sondern durch die Konkurrenz, durch Nachfrage und Zufuhr bestimmt
wird, so gibt er zu, daß die Theorie R[icardo]s zusammenbricht,
daß seine Gegner recht haben, daß die Bestimmung des Werts der
Ware durch die Arbeitszeit falsch ist, weil der Wert der
wichtigsten Ware, der Arbeit selbst, diesem Gesetz des Warenwerts
widerspricht. Wir werden später sehn, daß Wakefeld dies direkt
sagt.
Mill kann sich drehn und wenden wie er will. Er kommt nicht aus
dem Dilemma heraus. Im besten Fall, um seine eigne Ausdrucksweise
zu brauchen, verursacht die Konkurrenz der Arbeiter, daß sie
b e s t i m m t e M a s s e A r b e i t für einen Preis anbie-
ten, der, je nach dem Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr, gleich
einem größren oder geringren Teil des Produkts ist, das sie pro-
duzieren werden mit dieser Masse Arbeit. Daß dieser P r e i s,
diese G e l d s u m m e, die sie so erhalten, gleich einem grö-
ßren oder kleinren Teil des Werts des zu schaffenden Produkts
ist, hindert aber in keiner Weise
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1*) Zufuhr - 2*) Nachfrage - 3*) Austausch zwischen aufgespei-
cherter und unmittelbarer Arbeit
#92# Zwanzigstes Kapitel
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de prime abord 1*), daß eine b e s t i m m t e M a s s e
l e b e n d i g e r Arbeit (immediate labour) für eine größre
oder geringre Masse G e l d (accumulated labour 2*) und in der
Form des Tauschwerts existierender labour) ausgetauscht wird. Es
hindert also nicht, daß ungleiche Quanta Arbeit gegeneinander
ausgetauscht werden, weniger hoarded labour gegen mehr immediate
labour. Dies war eben das Phänomen, das Mill zu erklären hatte
und, ohne das Wertgesetz zu verletzen, wegerklären wollte. Das
Phänomen wird dadurch in keiner Weise verändert, und noch weniger
erklärt, daß am Schluß des Produktionsprozesses das Verhältnis,
worin der Arbeiter seine immediate labour gegen Geld ausge-
tauscht, sich nun d a r s t e l l t in der Proportion, die der
ihm bezahlte Wert zum Wert des von ihm geschaffnen Produkts hat.
Der ursprüngliche u n g l e i c h e Austausch zwischen Kapital
und labour erscheint damit nur in einer andren Form.
Wie sehr Mill sich sträubt vor dem direkten exchange zwischen la-
bour und capital, von dem Ric[ardo] noch ungeniert ausgeht, zeigt
auch sein Fortgehn zum Folgenden. Er sagt nämlich:
¦¦798¦ "Man unterstelle eine bestimmte Zahl von Kapitalisten und
eine bestimmte Zahl von Arbeitern. D i e P r o p o r t i o n,
i n w e l c h e r s i e d a s P r o d u k t t e i l e n,
s e i a u f i r g e n d e i n e W e i s e f i x i e r t.
Wächst die Zahl der ouvriers, ohne daß die M a s s e d e r
K a p i t a l i e n wächst, so muß der hinzugekommene Teil der
ouvriers den ursprünglich beschäftigten Teil zu verdrängen su-
chen. Er kann es nur durch d a s A n e r b i e t e n, für
e i n e g e r i n g r e R e t r i b u t i o n zu arbeiten. Die
Taxe der Salaire sinkt notwendig..." (wenn umgekehrt, umgekehrt)
... "Bleibt das Verhältnis zwischen der Masse der Kapitalien und
der Bevölkerung gleich, so bleibt auch die Taxe der Salaire die-
selbe." (l.c.p. 35 sqq. passim.)
Was bestimmt werden sollte, war "die Proportion, in welcher sie"
(Kapitalisten und Arbeiter) "das Produkt teilen". Um dies durch
die Konkurrenz zu fixieren, u n t e r s t e l l t Mill, daß
diese Proportion "auf irgendeine W e i s e f i x i e r t sei".
Um den "Anteil" des Arbeiters durch die Konkurrenz zu bestimmen,
unterstellt er, daß er vor der Konkurrenz "auf irgendeine Weise"
bestimmt ist. Nicht genug. Um zu zeigen, wie die Konkurrenz "die
auf irgendeine Weise" bestimmte Teilung des Produkts alteriert,
unterstellt er, daß Arbeiter sich "a n e r b i e t e n, f ü r
e i n e g e r i n g r e R e t r i b u t i o n z u a r b e i-
t e n", wenn ihre Zahl rascher wächst als die Masse der
Kapitalien. Hier sagt er also gradeheraus, daß das Angebot der
Arbeiter in "A r b e i t" besteht und daß sie diese Arbeit
anbieten gegen "Retribution", i.e. Geld, eine bestimmte Summe of
"hoarded labour" 3*). Um den direkten Austausch zwischen Arbeit
und Kapital zu umgehn, den direkten V e r k a u f d e r
A r b e i t, flüchtet er zur
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1*) von vornherein - 2*) aufgehäufter Arbeit - 3*) von "aufge-
speicherter Arbeit"
#93# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Theorie der "Teilung des Produkts". Und um die Proportion der
Teilung des Produkts zu erklären, setzt er den d i r e k t e n
V e r k a u f der Arbeit gegen Geld voraus, so daß dieser ur-
sprüngliche exchange zwischen capital und labour später sich
a u s d r ü c k t im Verhältnis des [Anteils des] Arbeiters an
seinem Produkt, nicht aber sein Anteil am Produkt jenen ursprüng-
lichen exchange bestimmt. Und schließlich, wenn Anzahl der Arbei-
ter und Masse der Kapitalien sich gleichbleiben, bleibt die "Taxe
der Salaire" dieselbe. Aber welches ist die Taxe der Salaire,
wenn Nachfrage und Zufuhr sich entsprechen? Das soll ja eben er-
klärt werden. Es wird nicht dadurch erklärt, daß diese Taxe
s i c h ä n d e r t, wenn jenes Gleichgewicht zwischen Nach-
frage und Zufuhr sich aufhebt. Die tautologischen Windungen Mills
beweisen nur, daß er hier einen Haken in der R[icardo]schen Theo-
rie fühlt, dessen er nur Herr wird, indem er überhaupt aus der
Theorie herausfällt.
Gegen Malthus, Torrens etc. Gegen die Bestimmung des Werts der
Waren durch den Wert des Kapitals bemerkt M[ill] richtig:
"Kapital i s t gleich Waren. Wenn der Wert der Waren also durch
den Wert des Kapitals bestimmt wird, wird er vom Werte der Waren
bestimmt; der Wert der Waren wird durch sich selbst bestimmt."
("Elements etc.", Lond. 1821, p. 74.)
{Mill vertuscht den Gegensatz von Kapital und Arbeit nicht. Es
ist nötig, daß die P r o f i t r a t e groß sei, damit die von
unmittelbarer Arbeit unabhängige Gesellschaftsklasse bedeutend
sei; dazu muß also das Salair relativ klein sein. Es ist nötig,
daß die Arbeitermasse nicht Herr ihrer Zeit und Sklave ihrer Be-
dürfnisse sei, damit sich die menschlichen (gesellschaftlichen)
Fähigkeiten frei in Klassen entwickeln können, denen diese Arbei-
terklasse nur als Unterlage dient. Die letztren repräsentieren
die Entwicklungslosigkeit, damit andre Klassen die menschliche
Entwicklung repräsentieren. Dies in fact der Gegensatz, in dem
sich die bürgerliche ¦¦799¦ Gesellschaft entwickelt und alle bis-
herige Gesellschaft entwickelt hat, als n o t w e n d i g e s
G e s e t z, i.e. das Bestehende als das absolute Vernünftige
ausgesprochen.
"Die m e n s c h l i c h e p e r f e c t i b i l i t é 1*)
oder das Vermögen, beständig von einer Stufe der Wissenschaft und
des Glücks zu einer andren, größern fortzuschreiten, scheint
großenteils von einer Klasse von Menschen abzuhängen, die
H e r r e n i h r e r Z e i t sind, i.e., die reich genug
sind, um aller Sorge für die Mittel, in einem gewissen Zustand
von Genuß
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1*) Vervollkommnungsfähigkeit
#94# Zwanzigstes Kapitel
-----
zu leben, überhoben zu sein. Durch diese Menschenklasse wird die
Domäne der Wissenschaft kultiviert und vergrößert; sie verbreiten
Licht; ihre Kinder empfangen beßre Erziehung und bereiten sich
vor, die wichtigsten und delikatesten Funktionen der Gesellschaft
auszuüben; sie werden Gesetzgeber, Richter, Verwalter, Lehrer,
Erfinder in den Künsten, Leiter aller großen und nützlichen Ar-
beiten, worauf sich die Herrschaft der Menschengattung über die
Naturkräfte erstreckt." ([ed. Parisot, Paris 1823] p. 65.) "Das
I n t e r e s s e d e r K a p i t a l i e n muß s e h r
s t a r k sein, damit ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft à
même 1*) ist, die Vorteile zu genießen, die die M u ß e ver-
schafft." (l.c.p. 67.)}
Noch zum obigen.
Mill als Ricardian unterscheidet labour und capital als bloß ver-
schiedne Formen der Arbeit:
"Arbeit und Kapital - das eine u n m i t t e l b a r e
A r b e i t, ... das andere a u f g e s p e i c h e r t e Ar-
beit. (1st Engl. edit., Lond. 1821, p. 75.)
Nun sagt er an einer andern Stelle:
"In bezug auf diese beiden A r t e n A r b e i t zu bemerken.
Sie sind n i c h t i m m e r z u d e r s e l b e n T a x e
b e z a h l t." (ed. Parisot, p. 100.)
Hier kommt er also zur Sache. Da das, was die immediate Arbeit
zahlt, immer hoarded labour, capital ist, so heißt das, daß sie
nicht zu gleicher Taxe bezahlt sind, weiter nichts als, daß sich
mehr immediate labour gegen weniger hoarded labour austauscht und
zwar "immer", da sonst die hoarded labour sich nicht als
"Kapital" gegen die immediate labour austauschte, und nicht nur
nicht das von Mill gewünschte s e h r s t a r k e I n t e-
r e s s e, sondern gar keins abwürfe. Hier also zugegeben, da
Mill mit Ric[ardo] den Austausch von capital und labour als
direkten Austausch von hoarded und immediate labour faßt, daß sie
sich in u n g l e i c h e n P r o p o r t i o n e n aus-
tauschen und bei ihnen das Gesetz des Werts - daß gleiche Quanta
Arbeit sich gegen, einander austauschen - in die Brüche geht.
[c) Mills Unverständnis der regulierenden Rolle des industriellen
Profits]
Mill hebt als ein Hauptgesetz hervor, was Ric[ardo] in der Tat
zur Entwicklung seiner Renttheorie unterstellt. 2*)
"Die Profittaxe in der Agritultur regelt die Taxe der andren Pro-
fite" (2nd edit., Lond. 1824, p. 78).
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1*) in der Lage - 2*) siehe 2. Teil dieses Bandes, S. 467/468
#95# Auflösung der Ricardoschen Schule
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Was grundfalsch ist, indem die kapitalistische Produktion in der
Industrie, nicht in der Agrikultur beginnt und die letztre erst
nach und nach ergreift, so daß auch erst im Fortschritt der kapi-
talistischen Produktion the agricultural profits become equalized
to the industrial 1*) und nur erst infolge dieser Equalisation
die erstren die letztren [beeinflussen]. Erstens also historisch
falsch. Zweitens aber, einmal diese Equalisation vorhanden - also
den Zustand der Entwicklung der Agrikultur vorausgesetzt, daß das
Kapital [sich] je nach der Rate des Profits von der Industrie auf
die Agrikultur und vice versa 2*) wirft -, so ist ebenso falsch,
daß von da an die agricultural profits regelnd würden, statt daß
Wechselwirkung stattfände. Um übrigens die Rente zu entwickeln,
nimmt Ricardo selbst das Umgekehrte an. Der Getreidepreis steigt;
dadurch f a l l e n d i e P r o f i t e nicht in der Agrikul-
tur (solange nicht neue Zufuhr von schlechtren Ländereien oder
zweiten, minder produktiven Kapitaldosen stattfindet) - denn das
Steigen des Getreidepreises entschädigt den Pächter für mehr als
ihm das Steigen der Salaire infolge des Steigens des Getreide-
preises kostet -, sondern in der Industrie, wo keine solche Kom-
pensation oder Überkompensation statt[findet]. Damit fällt die
i n d u s t r i e l l e P r o f i t r a t e und hence 3*) kann
Kapital, das diese niedre Profitrate abwirft, be employed 4*) auf
schlechtren Ländereien. Bei der alten Profitrate wäre das nicht
der Fall. Und erst infolge dieser Rückwirkung des Sinkens des in-
dustriellen Profits auf den agrikolen on the worse lands 5*)
fällt der agricultural profit generally 6*) ¦¦800¦ und löst sich
ein Teil desselben on the better soils 7*) vom Profit in der Form
der Rente ab 8*). Dies ist R[icardo]s Darstellung des Prozesses,
wonach also der industrial profit den agricultural regelt.
Stiege nun der agricultural profit wieder infolge von Verbeßrun-
gen der Agrikultur, so würde dann auch der industrielle steigen.
Aber das schließt keineswegs aus, daß, wie die A b n a h m e
d e s i n d u s t r i e l l e n P r o f i t s ursprünglich die
des agricultural bedingt, so auch ein Steigen desselben ein Stei-
gen des agricultural profit nach sich zieht. Dies jedesmal, wenn
der industrial profit steigt u n a b h ä n g i g v o n d e m
P r e i s v o n K o r n und andren agricultural necessaries
9*), die in das Salair der Arbeiter eingehn, also infolge des
Fallens des Werts der Waren, die das konstante Kapital bilden
etc. Die Rente ist vielmehr absolut nicht zu erklären, wenn der
industrielle Profit nicht den agricultural regulierte. The
a v e r a g e r a t e o f p r o f i t 10*) ist in der Indu-
strie gegeben
-----
1*) die landwirtschaftlichen Profite mit den industriellen ausge-
glichen werden - 2*) umgekehrt - 3*) daher - 4*) beschäftigt wer-
den - 5*) auf den schlechteren Ländereien -
6*) landwirtschaftliche Profit im allgemeinen - 7*) auf den bes-
seren Böden - 8*) in der Handschrift: vor - 9*) zum Leben notwen-
digen landwirtschaftlichen Dingen - 10*) Die Durchschnittspro-
fitrate
#96# Zwanzigstes Kapitel
-----
durch Ausgleichung der Profite der Kapitalien und daherige Ver-
wandlung der Werte in K o s t p r e i s e. Diese Kostpreise -
der Wert des avancierten Kapitals + average profit - bilden die
V o r a u s s e t z u n g, die die Agrikultur von der Industrie
erhält, da in der Agrikultur wegen des Grundeigentums nicht jene
Ausgleichung stattfinden kann. Ist dann der Wert des agricultural
produce 1*) höher als der Kostpreis sein würde, bestimmt durch
den i n d u s t r i a l a v e r a g e p r o f i t 2*), so
bildet der Überschuß dieses Werts über den Kostpreis die absolute
Rente. Aber damit dieser Überschuß des Werts über den Kostpreis
gemessen werden könne, muß der K o s t p r e i s das Prius
sein, also der Agrikultur von der Industrie als Gesetz aufge-
zwängt werden.
Zu notierender Satz von Mill:
"Was man produktiv konsumiert, ist immer Kapital. Das ist eine
besonders merkwürdige Eigenschaft der produktiven Konsumtion. Was
produktiv konsumiert wird, ist Kapital, und es wird Kapital durch
die Konsumtion." (edit. Par[isot], l.c.p. [241], 242.)
[d)] Nachfrage, Zufuhr, Überproduktion
"Eine demande 3*) bezeichnet die B e g i e r d e und die
M i t t e l z u k a u f e n ... Das ä q u i v a l e n t e
O b j e k t" (Mittel zu kaufen), "welches ein Mensch hinzu-
bringt, ist das Instrument der Nachfrage. Die Ausdehnung seiner
Nachfrage mißt sich am Wert dieses Gegenstandes. Die Nachfrage
und der äquivalente Gegenstand sind Termini, welche man einen dem
andren substituieren kann ... Sein" (eines Menschen) "Wille zu
k a u f e n und seine M i t t e l, e s z u t u n, sind also
gleich, oder seine Nachfrage ist exakt = seinem Totalprodukt, so-
fern er es nicht selbst verzehren will." (ed. Par[isot], l.c.p.
252, 253.)
Wir sehn hier, wie die unmittelbare Identität von Nachfrage und
Zufuhr (hence die Unmöglichkeit eines general glut 4*)) bewiesen
wird. Die Nachfrage besteht in dem Produkt, und zwar ist der Um-
fang dieser Nachfrage gemessen durch den Wert dieses Produkts.
Dieselbe abstrakte "Beweisführung", wodurch Mill nachzeigt, daß
Kauf und Verkauf nur identisch und nicht unterschieden sind; die-
selben tautologischen Phrasen, wodurch er zeigt, daß die Preise
von der Masse des zirkulierenden Gelds abhängen; dieselbe Manier,
um zu beweisen, daß offre und demande sich decken müssen (was nur
weiterentwickelte Form von Käufer und Verkäufer). Es ist immer
dieselbe Logik. Wenn ein Verhältnis Gegensätze einschließt,
-----
1*) landwirtschaftlichen Produkts - 2*) industriellen Durch-
schnittsprofit - 3*) Nachfrage - 4*) einer allgemeinen überfül-
lung
#97# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
so ist es also nicht nur Gegensatz, sondern E i n h e i t von
Gegensätzen. Es ist daher E i n h e i t o h n e G e g e n-
s a t z. Dies ist Mills Logik, wodurch er die "Widersprüche"
aufhebt.
Gehn wir zunächst von der Z u f u h r aus. Was ich zuführe, ist
W a r e, Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert, z.B. bestimm-
tes Quantum Eisen = 3 l. (was = bestimmtem Quantum Arbeitszeit).
Ich bin Eisenfabrikant nach der Voraussetzung. Ich führe einen
Gebrauchswert zu, Eisen, und ich führe einen Wert zu, nämlich den
im Preis des Eisens, in den 3 l. ausgedrückten Wert. Nur findet
dieser kleine Unterschied statt. Bestimmtes Quantum Eisen ist
w i r k l i c h von mir auf den Markt geworfen. Dagegen exi-
stiert der W e r t des Eisens nur als sein P r e i s, der erst
realisiert werden soll von dem Käufer des Eisens, der für mich
die N a c h f r a g e nach Eisen darstellt. Die Nachfrage des
Eisenverkäufers besteht in der Nachfrage nach dem T a u s c h-
w e r t des Eisens, der zwar im Eisen steckt, aber nicht
realisiert ist. Es ist möglich, daß derselbe T a u s c h w e r t
sich in sehr verschiednen Quantitäten Eisen darstellt. Die Zufuhr
von Gebrauchswert und die Zufuhr von zu realisierendem Wert sind
also keineswegs identisch, da ganz verschiedne Quantitäten von
Gebrauchswert dieselbe Quantität Tauschwert darstellen darstellen
können.
Derselbe Wert von 3 l. mag sich in 1, 3 oder 10 Tonnen darstel-
len. Die Quantität Eisen (Gebrauchswert), die ich zuführe, und
die Quantität Wert, die ich zuführe, stehn also in gar keinem
Verhältnis zueinander, da die letztre Quantität unverändert blei-
ben mag, so sehr die erstre wechselt. Wie groß oder klein das
Quantum von mir zugeführten Eisens sei, ich will, in der Unter-
stellung, stets den von dieser seiner eignen Quantität - seinem
Dasein als Gebrauchswert überhaupt - u n a b ä n g i g e n Wert
des Eisens verwirklichen. Der zugeführte (aber noch nicht reali-
sierte) Wert und die zugeführte Quantität Eisen, die realisiert
ist, stehn also in keinem Verhältnis zueinander. Es ist also
durchaus kein Grund vorhanden, daß die Verkaufsfähigkeit einer
Ware zu ihrem Wert in irgendeinem Verhältnis stehe zu der von mir
zugeführten Masse Ware. Für den Käufer existiert meine Ware
zunächst als Gebrauchswert. Er kauft sie als solchen. Aber was er
braucht, ist ein bestimmtes Quantum Eisen. Sein Bedürfnis nach
Eisen ist ebenso wenig durch die von mir produzierte Quantität
bestimmt, als der Wert meines Eisens selbst ein Verhältnis zu
dieser Quantität hat.
Allerdings der, der kauft, hat in seiner Hand bloß die
v e r w a n d e l t e G e s t a l t einer Ware, Geld - die Ware
in der Gestalt des Tauschwerts -, und er kann nur als Käufer auf-
treten, weil er oder andre vorher als Verkäufer aufgetreten sind
der Ware, die jetzt in der Gestalt des Gelds existiert. Dies ist
#98# Zwanzigstes Kapitel
-----
aber durchaus kein Grund, daß er sein Geld in meine Ware rückver-
wandelt oder daß sein Bedürfnis nach meiner Ware durch die Quan-
tität bestimmt ist, in der ich sie produziert habe. Soweit er de-
mandeur 1*) für meine Ware ist, mag er entweder geringre Quanti-
tät verlangen, als ich zuführe, oder die ganze Quantität, aber
unter ihrem Wert. Seine demand braucht sowenig meiner Zufuhr zu
entsprechen als die Quantität, die ich zuführe, und der Wert, zu
dem ich sie zuführe, identisch sind.
Jedoch die ganze Untersuchung über Nachfrage und Zufuhr gehört
nicht hierher.
Soweit ich Eisen zuführe, frage ich nicht nach Eisen nach, son-
dern nach Geld. Ich führe einen besondren Gebrauchswert zu und
frage nach dem Wert desselben. Meine Zufuhr und Nachfrage sind
also so verschieden als Gebrauchswert und Tauschwert. Soweit ich
in dem Eisen selbst einen W e r t zuführe, frage ich nach nach
der R e a l i s a t i o n d i e s e s W e r t s. Meine Zu-
fuhr und Nachfrage sind also ebenso verschieden wie Ideelles und
Reelles. Ferner die Quantität, die ich zuführe, und ihr Wert
stehn in keinem Verhältnis zueinander. Die Nachfrage nach der von
mir zugeführten Quantität Gebrauchswert richtet sich aber nicht
nach dem Wert, den ich realisieren will, sondern nach der Quanti-
tät, die der Käufer 2*) zu einem bestimmten Preis braucht.
Folgende Sätze Mills noch:
"Es ist klar, daß jeder Mensch zu der allgemeinen Masse [der Pro-
dukte], welche die Zufuhr konstituieren, die Totalität dessen,
was er produziert hat und nicht verzehren will, hinzuträgt. Unter
welcher Form nun auch ein Teil des jährlichen Produkts in die
Hände eines Menschen gefallen sei, wenn er sich vornimmt, nichts
davon selbst zu verzehren, so will er sich alles dessen entledi-
gen, und dies Ganze kömmt daher dazu, die Zufuhr zu vermehren.
Wenn er einen Teil davon verzehrt, will er sich des ganzen Restes
entledigen, und der ganze Rest wird zur Zufuhr geschlagen."
(l.c.p. 253.)
Dies heißt in andren Worten nichts, als alle auf den Markt ge-
worfnen Waren bilden die Zufuhr.
"Weil also die Nachfrage jedes Menschen = der Portion des jährli-
chen Produkts ist oder, anders ausgedrückt, = der Portion von
Reichtum, dessen er sich entledigen will"
{Halte-là! 3*) Seine Nachfrage ist gleich dem W e r t (sobald
er realisiert ist) der Portion von Produkten, deren er sich ent-
ledigen will; wessen er sich entledigen will, ist ein bestimmtes
Quantum Gebrauchswert; was er haben will, ist der W e r t die-
ses Gebrauchswerts. Beide Sachen sind anything but identical
4*)},
-----
1*) Nachfragender - 2*) in der Handschrift: Verkäufer - 3*) Halt!
- 4*) alles andere als identisch
#99# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
"und weil die Zufuhr jedes Menschen exakt dieselbe Sache ist.
{keineswegs; seine Nachfrage besteht nicht in dem, dessen er sich
entledigen will, nämlich dem Produkt, sondern in der Nachfrage
nach dem Wert dieses Produkts, und seine Zufuhr besteht dagegen
realiter in diesem Produkt, während der Wert desselben nur idea-
liter zugeführt wird},
"so sind offre und demande eines Individuums notwendig gleich."
[l.c.p. 253, 254.]
(D.h., der W e r t der von ihm zugeführten Ware und der Wert,
den er für sie verlangt, aber nicht hat, sind gleich; w e n n
er die Ware zu ihrem Wert verkauft, sind zugeführter Wert (in der
Form der Ware) und erhaltner Wert (in der Form des Gelds) gleich.
Aber daraus, daß er die Ware zu ihrem Wert verkaufen will, folgt
nicht, daß dies geschieht. Das Quantum Ware ist von ihm zuge-
führt, befindet sich auf dem Markt. Den Wert dafür sucht er.)
"Offre und demande haben eine ¦¦802¦ eigentümliche Beziehung zu-
einander. Jede dargebotne, zugeführte, ausgebotne Ware ist immer
zu gleicher Zeit das O b j e k t einer Nachfrage, und eine
Ware, welche das Objekt einer Nachfrage ist, macht immer zu der-
selben Zeit einen Teil der allgemeinen Produktenmasse aus, welche
das offre, die Zufuhr konstituieren. Jede Ware ist immer
z u g l e i c h Gegenstand der Nachfrage und der Zufuhr. Wenn
zwei Menschen einen Austausch machen, so kömmt der eine nicht, um
nur eine Zufuhr, und der andre nicht, um nur eine Nachfrage zu
tun; das O b j e k t, der G e g e n s t a n d s e i n e r
Z u f u h r muß ihm das seiner Nachfrage verschaffen, und folg-
lich sind seine demande und offre, seine Nachfrage und Zufuhr
vollständig gleich. Sind aber offre und demande eines jeden Indi-
viduums immer gleich, so ist es auch die aller Individuen einer
Nation in Masse genommen. Wie hoch daher der Betrag des jährli-
chen Produkts sei, er kann niemals die Höhe der jährlichen Nach-
frage überschreiten. Die Totalität des jährlichen Produkts ist
geteilt in eine Anzahl von Portionen = der Anzahl von Individuen,
worunter das Produkt verteilt ist. Die Totalität der Nachfrage =
der Summe dessen, was auf alle Teile die Besitzer nicht für ihre
eigne Konsumtion behalten; aber die Totalität der Teile ist = dem
ganzen jährlichen Produkt." (l.c.p. 254, 255.)
Hat Mill einmal u n t e r s t e l l t, daß offre und demande
jedes Individuums gleich sind, so der ganze weitläufige Scharf-
sinn, daß dann auch offre und demande a l l e r Individuen
gleich, sehr überflüssig.
Wie die contemporaneous Ricardians 1*) den Mill auffaßten, z.B.
aus folgendem zu ersehn:
"Da haben wir also mindestens einen Fall" {heißt es mit Bezug auf
M[ill]s Bestimmung der valeur du travail 2*)}, "wo der Preis (der
Preis der Arbeit) durch das Verhältnis
-----
1*) zeitgenössischen Ricardianer - 2*) des Wertes der Arbeit
#100# Zwanzigstes Kapitel
-----
von Angebot und Nachfrage auf eine dauerhafte Weise geregelt
ist." ("Discours sur l'écon. polit." Par McCulloch, traduit par
Gme Prévost. Genève 1825; in Prévosts angehängten "Réflexions sur
le système de Ricardo", p. 187.)
McCulloch in dem zitierten "Discours" sagt, daß M[ill]s Zweck,
"eine l o g i s c h e D e d u k t i o n der Prinzipien der po-
litischen Ökonomie zu geben". (p. 88.) Mill "untersucht fast alle
Fragen, die zur Diskussion stehen. Er versteht es, die ver-
wickeltsten und schwierigsten Fragen klarzumachen und zu
vereinfachen und die verschiedenen Prinzipien der Wissenschaft in
ihre natürliche Ordnung zu bringen." (l.c.)
Man kann das aus seiner Logik schließen, daß er die ganz unlogi-
sche Struktur Ricardos, früher von uns auseinandergesetzt 1*)
naiv im ganzen als "ordre naturel" 2*) beibehält.
[e)] Prévost. [Ablehnung einiger Schlußfolgerungen Ricardos und
James Mills. Versuche, zu beweisen, daß eine ständige Verringe-
rung des Profits nicht unvermeidlich ist]
Was den zitierten Prévost betrifft, der bei seinen "Réflexions
etc." Mills Exposition des R[icardo]schen Systems zugrunde legt,
so beruhen einige seiner Einwendungen auf bloßem schülerhaften
Mißverständnis R[icardo]s. Folgendes über die Rente aber zu be-
merken:
"Man kann einen Zweifel hegen über den Einfluß der schlechteren
Boden auf die Bestimmung der Preise, wenn man, wie es sich ge-
hört, ihre relative Ausdehnung in Betracht zieht." (Prévost,
l.c.p. 177.)
Prevost führt folgendes von Mill an, was auch für meine Entwick-
lung wichtig, indem Mill hier selbst ein Beispiel sich denkt, wo
die D i f f e r e n t i a l r e n t e dadurch entsteht, daß die
new demand - die additional demand is supplied by a better, not
by a worse soil, also die ascending line 3*).
"Herr Mill gebraucht diesen Vergleich: 'Nehmen wir an, daß alle
bebauten Ländereien in einem bestimmten Land von derselben Quali-
tät seien und dieselben Profite auf die darauf angewandten Kapi-
talien abwerfen, mit Ausnahme eines einzigen Acre, der das sechs-
fache Produkt von dem der anderen produziert.'" (Mill", Elements
etc.", 2nd ed., p. 71.) "Es ist sicher, wie Herr Mill es beweist,
daß der Pächter dieses letzten Acre sein Pachteinkommen nicht er-
höhen könnte" (d.h. nicht höhren Profit machen könnte als die
autres fermiers 4*); die Sache ist sehr schlecht ausgedrückt
[27]), "und daß die fünf Sechstel des Produkts dem Grundeigentü-
mer zufließen würden."
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1*) Siehe 2. Teil dieses Bandes, S. 161-166 - 2*) "natürliche
Ordnung" - 3*) neue Nachfrage die zusätzliche Nachfrage befrie-
digt wird durch Übergang zu einem besseren, nicht schlechteren
Boden, also die aufsteigende Linie - 4*) anderen Pächter
#101# Auflösung der Ricardoschen Schule
-----
(Hier also Differentialrente, ohne Erniedrigung der Profitrate
und ohne Steigen des Preises des produit agricole 1*).) (Dies muß
um so öfter passieren, als die S i t u a t i o n ¦¦803¦ mit der
industriellen Entwicklung eines Landes, mit den Kommunikations-
mitteln und der wachsenden Bevölkerung sich beständig v e r-
b e s s e r n muß, wie es immer mit der naturelle fertilité 2*)
stehe und [die] Situation (relativ beßre) wirkt wie [größere]
naturelle fertilité.)
"Aber hätte der scharfsinnige Autor daran gedacht, sich eine der-
artige Annahme für den umgekehrten Fall vorzustellen, so hätte er
erkannt, daß das Ergebnis ein anderes wäre. Nehmen wir an, alle
Ländereien wären von gleicher Güte, ausgenommen ein Acre schlech-
teren Bodens. Auf diesem einzigen Acre betrage der Profit des Ka-
pitals den sechsten Teil des Profits von jedem anderen Acre.
Glaubt man, daß der Profit mehrerer Millionen Acres auf den sech-
sten Teil seines herkömmlichen Profits gesenkt würde? Es ist
wahrscheinlich, daß dieser einzige Acre gar keine Wirkung hätte,
weil die verschiedenen Produkte (namentlich das Getreide), wenn
sie auf den Markt kommen, von der Konkurrenz einer so
m i n i m a l e n Menge nicht merklich betroffen würden. Darum
sagen wir, daß die Behauptung der Ricardo-Anhänger über die Wir-
kung der schlechteren Böden durch die Berücksichtigung der
r e l a t i v e n A u s d e h n u n g der Böden von verschiede-
ner Fruchtbarkeit zu modifizieren ist." (Prévost, l.c.p. 177,
178.)
{Say in seinen Anmerkungen zu R[icardo]s traduction de Constancio
3*) hat nur e i n e richtige Bemerkung über den c o m-
m e r c e é t r a n g e r 4 . [28] Profit kann auch durch
Prellerei gemacht werden, daß der eine gewinnt, was der andre
verliert. Verlust und Gewinn innerhalb eines Landes gleichen sich
aus. Nicht so zwischen verschiednen Ländern. Und selbst die Theo-
rie R[icardo]s betrachtet - was Say n i c h t bemerkt -, können
sich 3 Arbeitstage eines Landes gegen einen eines andren austau-
schen. Das Gesetz des Werts erhält hier wesentliche Modifikation.
Oder wie sich innerhalb eines Landes skilled, composed labour zur
unskilled, simple 5*) verhält, so können sich die Arbeitstage
verschiedner Länder verhalten. In diesem Fall exploitiert das
reichere Land das ärmre, selbst wenn letztres durch den Austausch
gewinnt, wie auch J. St. Mill in seinen "Some Unsettled Questions
etc." entwickelt hat. [29]}
"Wir geben zu, daß im allgemeinen die Rate des landwirtschaftli-
chen Profits die des industriellen bestimmt. Aber wir müssen zu
gleicher Zeit bemerken, daß der
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1*) landwirtschaftlichen Produkts - 2*) natürlichen Fruchtbarkeit
- 3*) Übersetzung von Constancio - 4*) auswärtigen Handel -
5*) qualifizierte, komplizierte Arbeit zur unqualifizierten, ein-
fachen
#102# Zwanzigstes Kapitel
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letztere notwendigerweise auch auf den ersten reagiert. Wenn der
Getreidepreis auf einen gewissen Punkt gestiegen ist, wenden sich
die industriellen Kapitalien der Landwirtschaft zu und drücken
notwendigerweise die landwirtschaftlichen Profite herab."
(Prévost, l.c.p. 179.)
Der Einwand richtig, aber ganz borniert gefaßt. Sieh oben. 1*)
Die Ricardians wollen, daß der Profit nur fallen kann durch Wach-
sen des Arbeitslohns, indem die necessaries 2*) mit [dem Wachs-
tum] der Bevölkerung im Preis steigen, was aber Folge der Akkumu-
lation des capital, indem mit dieser Akkumulation schlechtre Län-
dereien bebaut werden. Aber Ric[ardo] gibt selbst zu, daß auch
die Profite sinken können, wenn die Kapitalien rascher wachsen
als die Bevölkerung, die Konkurrenz der Kapitalien unter sich
also den Arbeitslohn steigen macht. Dies das A. Smithsche. Pré-
vost sagt:
"Wenn die wachsende Nachfrage der Kapitalien den Preis der Arbei-
ter, das heißt den L o h n, erhöht, scheint es dann nicht, daß
man keinen Grund hat, zu behaupten, die wachsende Zufuhr dieser
selben Kapitalien vermöge niemals den Preis der Kapitalien, mit
andren Worten, den Profit zu senken?" (l.c.p. 188.)
Prévost sucht auf der falschen Ric[ardo]schen Grundlage, die sich
baisse des profits 3 nur erklären kann aus abnehmender surplus
value, also surplus labour, also größrem Wert, [aus der]
V e r t e u r u n g d e r v o m A r b e i t e r v e r-
z e h r t e n n e c e s s a r i e s, also [dem] Steigen der
value of labour, although real retribution of the labourer, in-
stead of being ascending, declines 4*); auf dieser Grundlage
sucht er zu beweisen, daß keine continual 5*) Abnahme des Profits
nötig.
E r s t e n s sagt er:
"Der Zustand des Gedeihens erhöht zuerst den Profit"
(nämlich die profits agricoles 6*); mit dem état prospère 7*)
wächst die Bevölkerung, hence 8*) die Nachfrage nach agricultural
produce, hence surplus profits des farmer 9*)),
"und zwar lange bevor man dazu übergeht, neue Ländereien in Anbau
zu nehmen. Wohl übt diese Ausdehnung des Bodenanbaus eine Wirkung
auf die Rente aus, die den Profit verringert. Aber wenn auch da-
durch unmittelbar verringert, bleibt der Profit doch ebenso hoch,
wie er vor dem Fortschritt war ... Warum geht man zu irgendeiner
Zeit zum Anbau von Böden schlechterer Qualität über? Das ge-
schieht nur in Erwartung eines Profits, d e r d e n ü b-
l i c h e n P r o f i t m i n d e s t e n s e r r e i c h t.
Und welcher Umstand vermag
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1*) Siehe vorl. Band, S. 94-96 - 2*) zum Leben notwendigen Dinge
- 3*) Sinken des Profits - 4*) des Werts der Arbeit, obwohl der
Reallohn des Arbeiters statt zu steigen, sinkt - 5*) ständige -
6*) landwirtschaftlichen Profite - 7*) Zustand des Gedeihens -
8*) daher - 9*) landwirtschaftlichen Produkten, daher Surpluspro-
fit des Pächters
#103# Auflösung der Ricardoschen Schule
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diese Profitrate auf solchem Boden herbeizuführen? Die Zunahme
¦¦804¦ der Bevölkerung. Sie drückt ... auf die Schranken der Sub-
sistenzmittel, bewirkt dadurch ein Steigen der Lebensmittelpreise
(besonders des Getreides) und wirft auf diese Weise den landwirt-
schaftlichen Kapitalien hohe Profite ab. Die anderen Kapitalien
strömen auf die Ländereien; aber da der Boden in seiner Ausdeh-
nung beschränkt ist, findet diese Konkurrenz ihre Grenzen; und es
kommt zu einem Punkt, daß man durch den Anbau schlechteren Bodens
immer noch h ö h e r e n P r o f i t e r r e i c h t a l s
i m H a n d e l o d e r i n d e r M a n u f a k t u r. Sind
die schlechteren Böden in genügender Ausdehnung vorhanden, dann
müssen sich von da an die landwirtschaftlichen Profite nach den
zuletzt auf die Ländereien angewandten Kapitalien richten. Geht
man von der Profitrate aus, die zu Beginn des zunehmenden Wohl-
standes bestand (der Teilung des Profits in Profit und Rente), so
wird man finden, daß der Profit keinerlei Tendenz hat, zu sinken.
Er steigt mit zunehmender Bevölkerung, bis der landwirtschaftli-
che Profit so gewachsen ist, daß er durch neue Kulturen eine er-
hebliche Verminderung erfahren kann, ohne daß er jemals unter
seine ursprüngliche Rate herabsinkt oder, um genauer zu sprechen,
unter die mittlere Rate, die durch verschiedene Umstände bestimmt
wird." (p. 190 -192.)
Prévost faßt offenbar falsch die R[icardo]sche Ansicht. Infolge
der prospérié 1*) steigt die Bevölkerung, hence the price of
agricultural products, hence agricultural profits 2*). (Obgleich
nicht einzusehn, wenn dies Steigen konstant, warum nach Ablauf
der Pacht die Renten nicht erhöht werden sollten und diese agri-
cultural surplus profits in der Form der Rente einkassiert werden
sollten, selbst ehe die terres inférieures 3*) bebaut.) Aber das-
selbe Steigen des agricultural produce, das die agricultural pro-
fits steigen macht, erhöht den Arbeitslohn in all industries, und
macht daher die industrial profits fallen. Es bildet sich so a
new rate of profit 4*) in der Industrie. Wenn nun die schlechtren
Länderen bei dem existierenden Marktpreis auch nur diese
l o w e r r a t e o f p r o f i t 5*) zahlen, können sich Ka-
pitalien auf die schlechtren Ländereien werfen. Sie werden dahin
attrahiert durch die hohen agricultural profits und den hohen
Marktpreis des blé 6*). Sie mögen, eh hinreichende Anzahl von Ka-
pitalien so übergewandert, auch noch, wie Prévost sagt, höhre
Profite als den gesunkenen industrial profit abwerfen. Sobald
aber die additional supply 7*) hinreichend, fällt der Marktpreis,
so daß er auf den schlechtern Ländereien nur the ordinary indu-
strial profit 8*) abwirft. Was das Produkt mehr abwirft, auf den
beßren, verwandelt sich in Rente. Dies die R[icardo]sche Vorstel-
lung, deren Grundlage P[révost] akzeptiert, auf der er räsoniert.
Das Getreide nun teurer als vor dem Steigen des agricultural pro-
fit. Aber der surplus profit, den es dem Pächter abwarf,
-----
1*) des Wohlstandes - 2*) daher der Preis der landwirtschaftli-
chen Produkte, daher die landwirtschafzlichen Profite -
3*) schlechteren Ländereien - 4*) eine neue Profitrate - 5*) nie-
dere Profitrate - 6*) Getreides - 7*) zusätzliche Zufuhr -
8*) den gewöhnlichen industriellen Profit
#104# Zwanzigstes Kapitel
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in Rente verwandelt. Auf diesem Wege also sinkt der Profit auch
der beßren Ländereien zu der infolge des rise 1*) des agricul-
tural produce eingetretnen lower rate of industrial profit 2*).
Nicht abzusehn, wie hierdurch, wenn keine andren Umstände modifi-
zierend eintreten, die Profite nicht unter ihren "taux primitif"
3*) fallen müssen. Es k ö n n e n natürlich andre Umstände ein-
treten. Unter allen Umständen steht nach der Voraussetzung der
agricultural profit höher nach dem rise der necessaries 4*) als
der industrial. Sollte hier aber der Teil der necessaries der Ar-
beiter, der von der Industrie herstammt, durch Entwicklung der
Produktivkraft so gefallen sein, daß der Arbeitslohn (selbst wenn
zu seiner average value 5*) gezahlt) nicht so hoch stiege, als
er, ohne diese paralysierenden Umstände, verhältnismäßig mit dem
rise des agricultural produce steigen müßte; sollte ferner die-
selbe Entwicklung der Produktivkraft den Preis der von der ex-
traktiven Industrie gelieferten Produkte so gesenkt haben, ditto
der agricultural raw materials 6*), die nicht in die Nahrung ein-
gehn, so brauchte der industrial profit nicht zu fallen (obgleich
die Voraussetzung nicht wahrscheinlich), obgleich er tiefer wie
der agricultural profit stünde. Ein Herabsenken des letztren
durch transfer of capital to agriculture 7*) und Bildung von
Rente würde dann ¦¦805¦ nur den alten taux of profit 8*) wieder-
herstellen.
[Z w e i t e n s] Prévost versucht es noch in andrer Weise:
"Die Böden von schlechterer Qualität... werden nur dann in Anbau
genommen werden, wenn sie ebenso hohen oder höheren Profit abwer-
fen wie die industriellen Kapitalien. Oft bleibt unter solchen
Umständen der Preis des Getreides oder der sonstigen landwirt-
schaftlichen Produkte noch sehr hoch, trotz der neuen Kulturen.
Diese hohen Preise bedrücken die arbeitende Bevölkerung, da das
Steigen des Arbeitslohns nicht genau dem Preis jener Gegenstände
folgt, die von den Lohnarbeitern gebraucht werden. Sie bilden
mehr oder weniger eine Last für die ganze Bevölkerung, da fast
alle Waren vom Steigen der Löhne und des Preises der zum Leben
notwendigen Dinge betroffen werden. Dieser allgemeine Druck, ver-
bunden mit dem durch eine zu zahlreiche Bevölkerung herbeigeführ-
tes Steigen der Sterblichkeit, verursacht eine Abnahme der Zahl
der Lohnarbeiter und infolgedessen ein Steigen der Löhne und ein
Sinken des landwirtschaftlichen Profits. Von da an vollzieht sich
die weitere Entwicklung in umgekehrter Weise als bis dahin. Die
Kapitalien ziehen sich von den schlechteren Ländereien zurück und
wenden sich wieder der Industrie zu. Aber das Prinzip der Bevöl-
kerung wirkt bald wieder von neuem. Sobald das Elend aufgehört
hat, wächst die Zahl der Arbeiter, ihr Lohn sinkt, und daher
steigt der Profit. Solche Schwankungen müssen mehrfach aufeinan-
der folgen, ohne daß der Durchschnittsprofit eine Änderung
-----
1*) Steigens - 2*) niederen Rate des industriellen Profits -
3*) ihre "ursprüngliche Rate" - 4*) Steigen der zum Leben notwen-
digen Dinge - 5*) seinem Durchschnittswert - 6*) landwirtschaft-
lichen Rohmaterialien - 7*) Übertragung von Kapital in die Land-
wirtschaft - 8*) Profitrate
#105# Auflösung der Ricardoschen Schule
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erfährt. Der Profit kann aus anderen Ursachen sinken oder steigen
oder aus dieser Ursache selbst: er kann abwechselnd sich in ent-
gegengesetztem Sinne ändern, ohne daß der Durchschnitt seines
Sinkens oder Steigens der Notwendigkeit zuzuschreiben wäre, neue
Ländereien in Anbau zu nehmen. Die Bevölkerung ist der Regulator,
der die natürliche Ordnung herstellt und den Profit innerhalb be-
stimmter Schranken hält." (l.c.p. 194-196.)
Obgleich konfus, richtig nach dem "Populationsprinzip". Nur nicht
übereinstimmend mit der Voraussetzung, daß die profits agricoles
solang steigen, bis die der Population entsprechende additional
supply 1*) geschaffen. Ist dadurch konstantes Erhöhn des Preises
des agricultural produce gegeben, so folgt daher nicht Abnahme
der Bevölkerung, sondern general lowering of the rate of profit,
hence of accumulation 2*) und deswegen of population. Die Popula-
tion würde nach der R[icardo]-Malthusschen Ansicht langsamer
wachsen. Aber was bei P[révost] zugrunde liegt: Der Prozeß würde
den Arbeitslohn unter sein average niveau 3*) herabdrücken; mit
diesem Fallen des Arbeitslohns und der misere der Arbeiter Fallen
der Getreidepreise und hence wieder Steigen des Profits.
Dies letztre aber Untersuchung, die nicht hierher gehört, wo un-
terstellt, [daß] die value of labour 4*) stets bezahlt, d.h. die
zur Reproduktion der Arbeiter nötigen Lebensmittel.
Dies Prévostsche wichtig, weil es zeigt, daß die R[icardo]sche
Ansicht - zusammen mit der von ihm adoptierten Malthusschen -
zwar Schwankungen in der Profitrate, aber kein Fallen
(konstantes) derselben ohne Reperkussion erklären kann, indem auf
gewisser Höhe der Getreidepreise und gewisser Tiefe der Profite
der Arbeitslohn unter sein Niveau gedrückt und gewaltsame Vermin-
derung der Bevölkerung, daher auch der Getreidepreise und neces-
saries 5*), daher wieder Steigen des Profits herbeigeführt würde.
-----
1*) zusätzliche Zufuhr findet Handschrift additional demand) -
2*) allgemeine Verringerung der Profitrate, daher der Akkumula-
tion - 3*) durchschnittliches Niveau - 4*) der Wert der Arbeit
5*) zum Leben notwendigen Dinge
zurück