Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil


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       #361# Cherbuliez
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       [3. Cherbuliez  über die  organische Zusammensetzung des Kapitals
       und ihren Einfluß auf die Profitrate. Sein "Gesetz der Appropria-
       tion"]
       
       ¦¦1106¦ Kehren wir zu Cherbuliez zurück.
       Die Formeln, die er für die Profitrate gibt, sind entweder mathe-
       matische Ausdrücke  für den  Profit in seiner common 1*) Fassung,
       ohne irgendein  Gesetz zu involvieren, oder sie sind dazu positiv
       falsch, obgleich er eine Ahnung von der Sache hat, [sich ihr] an-
       nähert.
       
       "Der profit  mercantile [96]  ist bestimmt  durch  den    W e r t
       d e r   P r o d u k t e,   verglichen mit den  v e r s c h i e d-
       n e n  E l e m e n t e n  des produktiven Kapitals." [p. 70.]
       
       {In der  Tat ist  der Profit das Verhältnis der surplus value des
       Produkts zu  dem Wert des vorgeschoßnen Gesamtkapitals ohne Rück-
       sicht auf  die Verschiedenheit  seiner Elemente. Aber die surplus
       value selbst ist bestimmt durch die Größe und Rate der Verwertung
       des variablen  Kapitals; und  das Verhältnis dieser surplus value
       zum Gesamtkapital  ist wieder  bestimmt durch  das Verhältnis von
       variablem und  konstantem Kapital;  ebenso durch  den Wertwechsel
       des konstanten Kapitals.}
       
       "Die zwei Hauptelemente dieser Bestimmung sind offenbar der Preis
       der Rohstoffe  und die  Quantität des  nötigen  approvisionnement
       2*), um  sie ins  Werk zu setzen. Der ökonomische Progreß der Ge-
       sellschaft wirkt in  u m g e k e h r t e m  Sinn auf diese beiden
       Elemente und  strebt, die  Rohstoffe zu  verteuern, indem  er den
       Wert aller  Produkte der  extraktiven Industrie [96], Industrien,
       die sich  auf fonds  appropriés 3*) und von einer begrenzten Aus-
       dehnung ausüben, vermehrt." (p. 70.)
       
       Dagegen das  approvisionnement vermindert  (relativ), worauf  wir
       später zurückkommen.
       
       "Die Totalsumme der Produkte, weniger die Totalsumme des zu ihrer
       Erhaltung konsumierten  Kapitals, gibt die Totalsamme der Gewinne
       während eines  bestimmten Zeitraums.  Die Totalsumme der Produkte
       w ä c h s t   i m   V e r h ä l t n i s   d e s  a n g e w a n d-
       t e n
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       1*) gewöhnlichen - 2*) Lebensmittelfonds - 3*) privatem Grund und
       Boden
       
       #362# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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       K a p i t a l s   und nicht  des koneumierten Kapitals. Die  T a-
       x e  d e r  G e w i n n e  oder ihr Verhältnis zum Kapital resul-
       tiert daher  von  der  Kombination  zweier  andrer  Verhältnisse,
       nämlich: dem   V e r h ä l t n i s   z w i s c h e n  d e m  a n-
       g e w a n d t e n   u n d   d e m   k o n s u m i e r t e n  K a-
       p i t a l   und dem   V e r h ä l t n i s  z w i s c h e n  d e m
       k o n s u m i e r t e n   K a p i t a l   u n d   d e m    P r o-
       d u k t."  (l.c.p. 70.)
       
       Ch[erbuliez] sagt  zuerst richtig,  daß der Profit <bestimmt> 1*)
       ist vom Wert des Produkts im Verhältnis zu "den verschiednen Ele-
       menten" des  produktiven Kapitals.  Plötzlich flüchtet  er zu dem
       Produkt selbst,  der Produktmasse.  Nun kann  sich aber  die Pro-
       duktmasse vermehren,  ohne daß  sich der  Wert dieser  Masse ver-
       mehrt. Zweitens  kann die  Masse des  Produkts mit der Produkten-
       masse, woraus  das konsumierte und unkonsumierte Kapital bestand,
       höchstens verglichen  werden in  der Art  wie Ramsay es tut, wenn
       das gesamte Nationalprodukt verglichen würde mit seinen in natura
       ausgelegten Ingredienzien.  2*) Bei dem Kapital aber in jeder be-
       sondren Sphäre  die Gestalt  des Produkts  verschieden von seinen
       Ingredienzien (selbst  in den  Industriezweigen, wie in der Agri-
       kultur etc.,  worin ein Teil des Produkts in natura ein Produkti-
       onselement dieses  Produkts bildet).  Warum kommt Ch[erbuliez] zu
       diesem faux-fuyant  3*)? Weil, trotz seiner Ahnung, daß entschei-
       dend für  die Profitrate die organische Zusammensetzung des Kapi-
       tals, er absolut den Gegensatz des variablen Kapitals zu dem and-
       ren Bestandteil  des Kapitals  nicht benutzt  hat, um die surplus
       value zu entwickeln, die er überhaupt nicht entwickelt hat, sowe-
       nig wie den Wert selbst. Er hat nicht gezeigt, wo die surplus va-
       lue herkömmt  und flüchtet  daher  zum    s u r p l u s    p r o-
       d u c e,  i. e.  z u m  G e b r a u c h s w e r t.
       Obgleich jede  surplus value sich darstellt in einem surplus pro-
       duce, stellt  dagegen surplus  produce an und für sich nicht sur-
       plus value dar. (Wenn ein Produkt gar keine surplus value einsch-
       lösse, z.B.  ein Bauer  sein eignes  Instrument besäße (und dabei
       seinen eignen  Grund und  Boden) und  arbeite exakt nur die Zeit,
       die jeder  Lohnarbeiter zum  Ersatz seines eignen Lohns arbeitet,
       z.B. 6  Std. Wäre  die Jahreszeit  fruchtbar, so würde er doppelt
       soviel produzieren.  Aber denselben  Wert. There would be no sur-
       plus value 4*), obgleich surplus produce.) An und für sich war es
       schon falsch,  daß er  das variable Kapital in der "passiven" und
       bloß stofflichen  Form des approvisionnement darstellte, d.h. des
       Gebrauchswerts, den  es in der Hand des Arbeiters erhält. Nahm er
       es dagegen in der Form, worin es sich wirklich darstellt, nämlich
       als Geld  (Dasein des  Tauschwerts, i.e.  bestimmten Quantums ge-
       sellschaftlicher Arbeitszeit  als solcher),  so löste es sich auf
       für
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       1*) In  der Handschrift  folgt ein unleserliches Wort - 2*) siehe
       vorl. Band, S. 330/331 - 3*) Abweg - 4*) Es gäbe keinen Mehrwert
       
       #363# Chebuliez
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       den   K a p i t a l i s t e n   in die  Arbeit, die er dafür aus-
       tauscht (und  in diesem  Austausch von vergegenständlichter gegen
       lebendige Arbeit  träte movement 1*) in das variable Kapital hin-
       ein und  es wüchse);  als Arbeit  wird es Element des produktiven
       Kapitals, nicht  als Approvisionnement.  Dies  vielmehr  der  Ge-
       brauchswert, das  stoffliche Dasein  desselben, worin es sich als
       Revenue für  den Arbeiter  verwirklicht. So  als   a p p r o v i-
       s i o n n e m e n t    ist  das  variable  Kapital  ein  ganz  so
       "passives" Element, wie die beiden andren Teile des Kapitals, die
       Ch[erbuliez] passiv nennt. *)
       Dieselbe  Schiefheit  der  Auffassung  verhindert  ihn,  aus  dem
       V e r h ä l t n i s   dieses aktiven Elements zu dem passiven die
       Profitrate zu  entwickeln und  den Fall  derselben im Fortschritt
       der Gesellschaft. Bei ihm in der Tat genommen keine andre Konklu-
       sion als  die, daß  das approvisionnement ¦¦1107¦ abnimmt infolge
       der Entwicklung  der Produktivkraft, während die Arbeiterbevölke-
       rung wächst, also durch die redundant population 3*) ihr Lohn un-
       ter seinen  Wert herabgedrückt wird. Auf Basis des Austauschs von
       Werten -  also auch  der Zahlung  des Arbeitsvermögens  zu seinem
       Wert - entwickelt er nichts, und der Profit stellt sich so in der
       Tat (obgleich  er's  nicht  sagt)  dar  als    A b z u g    v o m
       A r b e i t s l o h n,   den zwar  der aktuelle Profit hie und da
       einschließen mag,  der aber nie die Kategorie des Profits begrün-
       den kann.
       Reduzieren wir  d'abord 4*)  den ersten Satz auf seinen richtigen
       Ausdruck.
       
       "Der   W e r t  der Totalsumme des Produkts, weniger der Wert der
       Totalsumme des  zu ihrer Erhaltung (Produktion) "konsumierten Ka-
       pitals, gibt  die Totalsumme des Profits während eines bestimmten
       Zeitraums.
       Es ist dies die erste (ordinäre) Form, worin sich der Profit dar-
       stellt, erscheint,  auch dem  kapitalistischen Bewußtsein. Alias:
       [Der Profit  ist] der  Wertüberschuß des  Produkts, in bestimmter
       Zeit, über den Wert des konsumierten Kapitals. Oder der Wertüber-
       schuß des  Produkts über  den Kostpreis des Produkts. Selbst "der
       bestimmte Zeitraum" kommt bei Ch[erbuliez] hereingeschneit, da er
       den Zirkulationsprozeß  des Kapitals  nicht dargestellt hat. Also
       der erste  Satz nichts  als die  common definition of profit 5*),
       die unmittelbare Form, worin er erscheint.
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       *) ¦¦1110¦  p. 59  nennt Ch[erbuliez] matières brutes 2*) und Ma-
       schinerie etc.  "die beiden passiven Elemente des Kapitals im Ge-
       gensatz zum approvisionnement. [97] ¦1110¦¦
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       1*) Bewegung  - 2*)  Rohstoffe -  3*) überschüssige Bevölkerung -
       4*) zunächst - 5*) gewöhnliche Definition des Profits
       
       #364# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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       Z w e i t e r  S a t z.
       
       "Die   T o t a l s u m m e   d e r   P r o d u k t e  w ä c h s t
       im Verhältnis des angewandten Kapitals und nicht des konsumierten
       Kapitals."
       
       Wieder in andren Worten. Also der
       
       "W e r t   der Totalsumme  des Produkts  wächst im Verhältnis zum
       vorgeschoßnen Kapital" (whether consumed or not 1*)).
       Es soll  hiermit nur  erschlichen werden  der durchaus unbewiesne
       und in  seiner unmittelbaren  Fassung falsche Satz (denn er setzt
       schon die  Ausgleichung zur  allgemeinen Profitrate  voraus), daß
       die Größe  des Profits von der Größe des angewandten Kapitals ab-
       hängt. Es  soll aber  ein scheinbarer Kausalnexus dadurch herein-
       kommen, daß  "die   T o t a l s u m m e   d e r   P r o d u k t e
       w ä c h s t   im Verhältnis des  a n g e w a n d t e n  und nicht
       des konsumierten Kapitals".
       Nehmen wir den Satz in beiden Fassungen, so wie er dasteht und so
       wie er  heißen müßte.  Heißen müßte er im Zusammenhang - und nach
       dem Schluß,  dem er  als medius  terminus 2*) dienen soll -: "Der
       Wert der  Totalsumme der  Produkte wächst im Verhältnis des ange-
       wandten und  nicht des konsumierten Kapitals." Hier soll der Sur-
       pluswert offenbar dadurch herausgedrechselt werden, daß der Über-
       schuß  des   angewandten  über   das  konsumierte   Kapital   den
       W e r t ü b e r s c h u ß   d e s  P r o d u k t s  schafft. Aber
       das nicht  konsumierte Kapital (Maschinerie etc.) behält den Wert
       (denn das  nicht konsumierte heißt eben, daß sein Wert nicht kon-
       sumiert ist),  behält denselben Wert nach Schluß des Produktions-
       prozesses, den es vor Anfang desselben hatte. Ist eine Wertverän-
       derung vorgegangen, so kann sie nur in dem Teil des Kapitals vor-
       gegangen sein, der konsumiert wurde und daher in den Verwertungs-
       prozeß einging. Die Sache ist in der Tat auch so falsch, daß z.B.
       ein Kapital,  von dem 1/3 nicht konsumiert ist und 2/3 konsumiert
       sind in  der Produktion,  unbedingt bei  g l e i c h e r  R a t e
       d e r   E x p l o i t a t i o n  d e r  A r b e i t  (und von der
       Ausgleichung der  Profitrate abgesehn) höhren Profit gibt als ei-
       nes, wovon 2/3 nicht konsumiert sind und 1/3 konsumiert ist. Denn
       das letztre  Kapital enthält  offenbar mehr  Maschinerie etc. und
       andres konstantes  Kapital, während das erstre weniger von diesem
       Element enthält und mehr lebendige Arbeit in Bewegung setzt, also
       auch mehr Surplusarbeit.
       Nehmen wir  aber die Fassung, die Ch[erbuliez] selbst seinem Satz
       gibt, so  nützt sie  ihm d'abord  nichts, weil die Produktenmasse
       oder die  Masse der Gebrauchswerte als solche überhaupt weder für
       den Wert, noch für den Surpluswert, noch für den Profit entschei-
       det. Was liegt aber dahinter? Ein
       -----
       1*) ob es konsumiert ist oder nicht - 2*) Mittelglied
       
       #365# Cherbuliez
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       Teil des  konstanten Kapitals,  der aus  Maschinerie etc.  beste-
       hende, geht in den Arbeitsprozeß ein, ohne in den Verwertungspro-
       zeß einzugehn  und sonst  hilft er die Masse der Produkte vermeh-
       ren, ohne ihrem Wert irgend etwas zuzusetzen. (Denn soweit er ihm
       [Wert] zusetzt  durch  sein  déchet,  gehört  er  ja  selbst  zum
       k o n s u m i e r t e n   Kapital und nicht zum  a n g e w a n d-
       t e n   Kapital im  Unterschied vom  konsumierten.)  Aber  dieser
       unkonsumierte Teil  des konstanten  Kapitals schafft  an und  für
       sich nicht  ein Wachstum der Produktenmasse. Er hilft in gegebner
       Arbeitszeit größres  Produkt zu  schaffen. Würde  also nur soviel
       Arbeitszeit gearbeitet,  als im  approvisionnement vorhanden ist,
       so bliebe  die Masse  der Produkte  dieselbe.  Es  ist  also  ein
       change, der  in diesem Teil des konsumierten Kapitals vorgeht und
       nicht der  Überschuß des  angewandten Kapitals  über  das  konsu-
       mierte, der den Produktüberschuß [schafft], vorausgesetzt, daß es
       sich nicht  von Industriezweigen handelt, worin, wie in der Agri-
       kultur, die  Masse des Produkts unabhängig ist oder sein kann von
       der Masse  des ausgelegten Kapitals, die Produktivität der Arbeit
       zum Teil  von unkontrollierbaren Naturumständen abhängt. Betrach-
       tet er  dagegen das  konstante Kapital,  sei es  konsumiert  oder
       nicht, als unabhängig von der Arbeitszeit, unabhängig vom change,
       der im  Verwertungsprozeß mit  dem variablen  Kapital vorgeht, so
       kann er  sagen ebensogut:  "Die Totalsumme  ¦¦1108¦ der Produkte"
       (wenigstens in  der Manufakturindustrie)  "wächst,  wie  der  aus
       Rohmaterial bestehende  Teil des  konsumierten Kapitals  wächst."
       Denn das  Wachstum des Produkts physisch identisch mit dem Wachs-
       tum dieses Teils des Kapitals. Andrerseits in der Agrikulturindu-
       strie (ditto in der extraktiven) kann bei fruchtbarerem Boden die
       Masse des  Produkts da, wo wenig unkonsumiertes Kapital (i.e. ca-
       pital constant) angewandt ist und relativ viel konsumiertes Kapi-
       tal (Arbeitslohn  z.B.), die  Produktenmasse viel größer sein als
       in fortgeschrittenem  Land, wo das Verhältnis des angewandten zum
       konsumierten Kapital unendlich größer.
       Die zweite  Phrase löst  sich also in einen Versuch auf, die sur-
       plus value (die notwendige Basis des Profits) zu erschleichen.
       [D r i t t e r  S a t z.]
       
       "Die   T a x e   d e r   G e w i n n e   (Profitrate)  "oder  ihr
       V e r h ä l t n i s   zum Kapital resultiert daher aus der Kombi-
       nation zweier  andrer Verhältnisse,  nämlich dem  Verhältnis zwi-
       schen dem   a n g e w a n d t e n    und  k o n s u m i e r t e n
       K a p i t a l   u n d   dem  V e r h ä l t n i s  z w i s c h e n
       d e m   k o n s u m i e r t e n   K a p i t a l    u n d    d e m
       P r o d u k t."  (p. 70.)
       
       Vorher sollte  der   P r o f i t   entwickelt werden. Es kam aber
       nichts heraus  als die  Definition desselben,  die bloß seine Er-
       scheinungsweise ausspricht das fact, [daß] der Profit = dem Wert-
       überschuß des Gesamtprodukts über
       
       #366# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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       den Kostenpreis des Produkts oder den Wert des aufgezehrten Kapi-
       tals, die vulgar definition of profit.
       Jetzt soll  die  P r o f i t r a t e  entwickelt werden. Es kömmt
       aber wieder  nichts heraus  als die  vulgar definition.  Die Pro-
       fitrate =  dem Verhältnis  des Profits  zum gesamten Kapital oder
       aber, was  dasselbe, =  dem Verhältnis  des Wertüberschusses  des
       Produkts über  seinem Kostenpreis zum Gesamtkapital, das der Pro-
       duktion vorgeschossen  wurde. Die  schiefe Auffassung  und  unbe-
       holfne Anwendung  der anstreifend richtigen Unterscheidung in den
       Elementen des Kapitals, und die Ahnung, daß Profit und Profitrate
       genau mit  dem Verhältnis  dieser Elemente zusammenhängen, bringt
       es also  nur dazu, in mehr doktrinärer Form die allgemein bekann-
       ten Phrasen zu wiederholen, womit in der Tat nur die Existenz des
       Profits und  der Profitrate  konstatiert,  über  ihr  Wesen  aber
       nichts gesagt ist.
       Die Sache wird nicht besser dadurch, daß Ch[erbuliez] die doktri-
       nären Formeln algebraisch ausdrückt:
       
       "Das Totalprodukt während einer gegebnen Periode sei = P, das an-
       gewandte Kapital  = C,  der Profit = pi, das  V e r h ä l t n i s
       des Profits  zum Kapital (Rate) = r, das konsumierte Kapital = c.
       Also ist  P-c = pi, r = pi/C; also C r = pi. Also P-c = C r; also
       r = (P-c)/C." (p. 70, note 1.)
       
       Was nichts  heißt als Profitrate = Verhältnis des Profits zum Ka-
       pital, und  Profit = Überschuß des Werts des Produkts über seinen
       Kostenpreis.
       Überhaupt ist  das, was  dem Ch[erbuliez] mit seinem konsumierten
       und nicht  konsumierten Kapital  vorschwebt, der Unterschied zwi-
       schen fixem und zirkulierendem Kapital, statt festzuhalten an dem
       von ihm selbst, im Unterschied hiervon, konstatierten Unterschied
       im Kapital,  der aus  seinem  Produktionsprozeß  hervorgeht.  Der
       Mehrwert ist der Zirkulation schon vorausgesetzt; und so sehr die
       aus der  Zirkulation hervorgehenden  Unterschiede die  Profitrate
       affizieren, haben sie mit dem Ursprung des Profits nichts zu tun.
       
       "Das produktive  Kapital ist zusammengesetzt aus einem konsommab-
       len Teil  und einer  partie non consommable 1*). Je mehr Reichtum
       und Bevölkerung  wachsen, strebt  der konsommable  Teil, sich  zu
       vermehren, weil  die industries extractives einen immer beträcht-
       licheren Teil von Arbeit verlangen. Andrerseits vermehrt derselbe
       Fortschritt die   M a s s e   des  angewandten Kapitals  in einer
       viel schnelleren  Proportion als die des  k o n s u m i e r t e n
       Kapitals. Obgleich  also die Totalmasse des konsumierten Kapitals
       anzuwachsen
       -----
       1*) einem nicht konsommablen Teil
       
       #367# Cherbuliez
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       strebt, findet  sich der  erste Effekt  neutralisiert,  weil  die
       Masse des Produkts nach einer noch schnellern Progression wächst,
       und die  T o t a l s u m m e   d e r  P r o f i t e  muß betrach-
       tet werden  als wachsend  in einer wenigstens ebenso starken Pro-
       portion als  die   T o t a l s u m m e   d e s   a n g e w a n d-
       t e n   K a p i t a l s."   (p. 71.)  "Die Masse der Profite geht
       wachsend, nicht  die Rate, welche das Verhältnis dieser Masse zum
       angewandten Kapital  ist, r = (P-c)/C . Es ist klar, daß P-c oder
       der Profit,  da P-c  = pi, wachsen  k a n n,  obgleich r abnimmt,
       wenn C schneller wächst als P-c." (p. 71, Note.)
       
       Hier ist  noch angestreift  an die  Ursache des  Falls  der  Pro-
       fitrate; aber  nach den  vorhergehenden Schiefheiten  kann es nur
       zur Konfusion  und sich  selbst aufhebenden Widersprüchen kommen.
       Erst wächst  die Masse  des konsumierten Kapitals, aber die Masse
       der Produkte  wächst noch  schneller (i.e. hier der Überschuß des
       Werts der Produkte über ihren Kostpreis), denn sie wächst im Ver-
       hältnis zum  angewandten Kapital,  und dies  wächst schneller als
       das konsumierte.   W a r u m   das  fixe Kapital schneller wächst
       als die  Masse der  Rohstoffe z.B., ist nirgend gesagt. But never
       mind. 1*)  Die Profitmasse  wächst im  V e r h ä l t n i s  z u m
       a n g e w a n d t e n   Kapital, zum  Gesamtkapital, und  dennoch
       ¦¦1109¦  soll  die  Profitrate  fallen,  weil  das  Gesamtkapital
       schneller wächst  als die  Masse der  Produkte, oder vielmehr die
       Masse des Profits.
       Erst   w ä c h s t   die   P r o f i t m a s s e   in  wenigstens
       ebenso starker  Proportion als  "die Gesamtsumme  des angewandten
       Kapitals", und  dann  f ä l l t  die Profitrate, weil die Gesamt-
       summe des  angewandten Kapitals  rascher wächst  als die  Profit-
       masse. Erst wächst P-c im Verhältnis "wenigstens" wie C, und dann
       fällt (P-c)/C, weil C noch rascher wächst wie P-c, was wenigstens
       ebenso stark wächst wie C. Streichen wir all diese Konfusion weg,
       so bleibt  nur die Tautologie, daß C wieder fallen  k a n n,  ob-
       gleich P-c  wächst, d.h.,  daß die  Rate des Profits fallen kann,
       obgleich der  Profit wächst,  wenn sie  nämlich fällt. Rate heißt
       nur das  Verhältnis von  P-c zu C, [und dieses Verhältnis vermin-
       dert sich dann] wenn das Kapital schneller wächst als die Profit-
       masse.
       Also Schlußweisheit:  Die Profitrate  kann fallen,  d.h. das Ver-
       hältnis einer  wachsenden Profitmasse  zum Kapital  kann  fallen,
       wenn das  Kapital rascher  wächst als  die Profitmasse, oder wenn
       die Profitmasse,  trotz ihres absoluten Wachsens, relativ im Ver-
       hältnis zum Kapital abnimmt. Dies ist
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       1*) Aber lassen wir das.
       
       #368# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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       durchaus nichts  als ein  andrer Ausdruck  für  Fallen  der  Pro-
       fitrate. Und  an der  Möglichkeit dieses  Phänomens wurde nie ge-
       zweifelt, sogar  nicht an  seiner Existenz. Das einzige, worum es
       sich handelte, war eben, den Grund dieses Phänomens 1*) zu erklä-
       ren, und Ch[erbuliez] erklärt das Fallen der Profitrate, das Fal-
       len der Profitmasse im Verhältnis zum Gesamtkapital aus dem Wach-
       sen der  Profitmasse im  Verhältnis wenigstens  wie  das  Kapital
       wächst. Offenbar  ahnte ihm, daß die Masse der angewandten leben-
       digen Arbeit relativ abnimmt im Verhältnis zur vergangnen Arbeit,
       obgleich sie  absolut wächst, und daß daher die Profitrate abneh-
       men muß.  Aber es  kommt  nicht  zum  Durchbruch.  Je  näher  der
       Schwelle, desto größer die Schiefheit im Ausdruck, wenn sie nicht
       wirklich überschritten  wird, und die Illusion, sie überschritten
       zu haben.
       Dagegen ist  sehr treffend,  was  er  über  die    A u s g l e i-
       c h u n g   d e r    a l l g e m e i n e n    P r o f i t r a t e
       sagt. [98] ¦1109¦¦
       
       ¦¦1109¦  "Nach   dem  Abzug  der  Grundrente  ist  der  Rest  der
       S u m m e   d e r   P r o f i t e,   d.h. des   E x c é d a n t s
       2*) der  Produkte über das konsumierte Kapital, geteilt unter den
       producteurs capitalistes  3*)   i m   V e r h ä l t n i s   d e s
       K a p i t a l s,   d a s  j e d e r  a n g e w a n d t  hat, wäh-
       rend die  Portion der  Produkte, welche  dem konsumierten Kapital
       entspricht, und  es zu  ersetzen bestimmt ist, sich im Verhältnis
       dessen   teilt,   das   sie   wirklich   verzehrt   haben.   Dies
       d o ppm e l t e   G e s e t z   d e r   T e i l u n g   etabliert
       sich als   W i r k u n g   d e r   K o n k u r r e n z,   die die
       Vorteile aller  Anwendungen von  Kapitalien auszugleichen strebt.
       Dieses  d o p p e l t e  G e s e t z  d e r  T e i l u n g  assi-
       gniert en  definitive 4*) den verschiednen Arten von Produktionen
       ihre respektiven  W e r t e  und  P r e i s e."  (p. 71, 72.)
       
       Dies sehr  gut. Nur  die Schlußworte falsch, daß durch diese Bil-
       dung der  allgemeinen Profitrate  Werte und  Preise (soll  heißen
       Produktionspreise) der  Waren bestimmt werden. Die Wertbestimmung
       ist vielmehr  das Prius, das der Profitrate vorausgesetzt ist und
       der Bildung  der Produktionspreise.  Wie sollte überhaupt irgend-
       eine  V e r t e i l u n g  der "Summe der Profite", i.e. des Sur-
       pluswerts, ¦¦1110¦  der selbst  nur ein  Teil des Gesamtwerts der
       Waren, diese  "Summe der Profite", also den Surpluswert, also die
       Werte der  Waren selbst  bestimmen können? Die Sache nur richtig,
       soweit unter  den relativen  Werten der  Waren ihre  Produktions-
       preise  verstanden   werden.  Die   ganze  Schiefheit  kömmt  bei
       Ch[erbuliez] daher,  daß er den Ursprung und die Gesetze von Wert
       und Mehrwert nicht selbständig betrachtet.
       Das Verhältnis  zwischen Lohnarbeit und Kapital faßt er sonst so-
       weit richtig:
       -----
       1*) In der Handschrift Verhältnisses - 2*) Überschusses - 3*) ka-
       pitalistischen Produzenten - 4*) schließlich
       
       #369# Cherbuliez
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       "Personen, die  nichts durch  Devolution (gesetzliche  Abtretung,
       Erbschaft etc.)  "erhalten, noch etwas zum Austausch zu geben ha-
       ben, erhalten das Nötige nur, indem sie ihre Arbeit den Kapitali-
       sten anbieten.  Sie erhalten  nur Recht auf die Sachen, die ihnen
       zugeschlagen werden  als  A r b e i t s p r e i s,  nicht auf das
       Produkt dieser  Arbeit, noch  auf den Wert, den sie hier hinzuge-
       fügt haben." (p. 55, 56.) "Indem der Proletarier seine Arbeit ge-
       gen ein  bestimmtes  Approvisionnement  verkauft,  verzichtet  er
       vollständig auf  jedes Recht  auf die  andren Teile des Kapitals.
       Die Attribution  dieser Produkte  bleibt dieselbe wie vorher: sie
       ist in  keiner Weise  durch die  erwähnte Konvention modifiziert.
       Die Produkte  fahren fort, ausschließlich dem Kapitalisten zu ge-
       hören, der die Rohstoffe und das Approvisionnement geliefert hat.
       Es ist  dies eine  strenge Konsequenz des Gesetzes der Appropria-
       tion, dessen Fundamentalprinzip umgekehrt die ausschließliche At-
       tribution für  jeden Arbeiter an die Produkte seiner Arbeit war."
       (p. 58.)
       Dies Fundamentalprinzip lautet nämlich nach Ch[erbuliez]:
       
       "Der Arbeiter  hat ein  ausschließliches Recht auf den aus seiner
       Arbeit resultieren" den Wert. (p. 48.)
       
       Wie das  Gesetz der  Waren, daß  sie Äquivalente  bilden und sich
       austauschen im  Verhältnis zu  ihrem Wert, i.e. der in ihnen ent-
       haltnen Arbeitszeit,  darin umschlägt,  daß  die  kapitalistische
       Produktion -  und nur  auf ihrer  Basis ist es wesentlich für das
       Produkt, als  Ware produziert  zu werden umgekehrt darauf beruht,
       daß ein  Teil der Arbeit ohne Austausch angeeignet wird, versteht
       und entwickelt  Ch[erbuliez] nicht.  Er fühlt  nur, daß  hier ein
       U m s c h l a g  stattfindet.
       Dies Fundamentalgesetz  ist eine reine Fiktion. Es entspringt aus
       einem Schein  der   W a r e n z i r k u l a t i o n.   Die  Waren
       tauschen sich  aus im  Verhältnis ihres  Werts, d.h. der in ihnen
       enthaltnen Arbeit. Die Individuen treten sich nur als Warenbesit-
       zer gegenüber  und können  sich daher der Ware der andren nur be-
       mächtigen durch  Entäußerung ihrer eignen Ware. Es  s c h e i n t
       daher, als hätten sie nur ihre eigne Arbeit auszutauschen, da der
       Austausch von  Waren, die   f r e m d e  Arbeit enthalten, soweit
       sie selbst  nicht wieder durch Austausch der eignen Ware erhalten
       [wurden], andre  Verhältnisse unter den Menschen, als die von Wa-
       renbesitzern, von Käufern und Verkäufern, voraussetzt. In der ka-
       pitalistischen Produktion  verschwindet dieser  Schein, den  ihre
       eigne Oberfläche  zeigt. Was aber nicht verschwindet, ist die Il-
       lusion, daß  ursprünglich die Menschen nur als Warenbesitzer ein-
       ander gegenübertreten  und daher jeder nur Eigentümer ist, soweit
       er Arbeiter ist. Dies "ursprünglich ist, wie gesagt, eine aus dem
       Schein der  kapitalistischen Produktion  entspringende  Delusion,
       die historisch  nie existiert  hat. Überhaupt  tritt  der  Mensch
       (isoliert oder  sozial) immer  als Eigentümer auf, ehe er als Ar-
       beiter auftritt, sei das Eigentum auch nur das,
       
       #370# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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       das er sich selbst auf die Natur zulegt (oder das er als Familie,
       Stamm, Gemeinwesen teils auf die Natur, teils auf die gemeinsamen
       schon produzierten Produktionsmittel sich zulegt). Und sobald der
       erste tierische Zustand aufhört, das Eigentum auf die Natur immer
       schon vermittelt  durch sein  Dasein als Mitglied eines Gemeinwe-
       sens, Familie,  Stamm etc.,  durch ein  Verhältnis zu andren Men-
       schen, das  sein Verhältnis  zur Natur bedingt. Der "eigentumlose
       Arbeiter" als  "Fundamentalprinzip" -  ist vielmehr  erst ein Ge-
       schöpf der  Zivilisation und  auf historischer  Stufenleiter  der
       "kapitalistischen  Produktion".   Es  ist  dies  ein  Gesetz  der
       "Expropriation", nicht  der "Appropriation", wenigstens nicht der
       Appropriation schlechthin,  wie Ch[erbuliez] sich einbildet, son-
       dern der  Art Appropriation,  die einer  bestimmten, spezifischen
       Produktionsweise entspricht. ¦1110¦¦ [99]
       ¦¦1111¦ Ch[erbuliez] sagt:
       
       "Die Produkte  sind appropriiert, bevor sie in Kapital verwandelt
       sind. Diese Verwandlung entzieht sich nicht jener Appropriation."
       (p. 54.)
       
       Dies gilt  aber nicht  nur von  den produits, sondern von der Ar-
       beit. Rohmaterial  etc. und  Arbeitsmittel gehören  dem Kapitali-
       sten; sie  sind verwandelte Form seines Geldes. Andrerseits, wenn
       er ein  Arbeitsvermögen oder  den täglichen (12stündigen z.B.) us
       1*) eines  Arbeitsvermögens -  gekauft hat, mit einer Geldsumme =
       dem Produkt von 6 Arbeitsstunden, so gehört ihm die Arbeit von 12
       Std., ist  a p p r o p r i é  2*) durch ihn, bevor sie realisiert
       ist. Durch  den Produktionsprozeß selbst wird sie in Kapital ver-
       wandelt. Diese Verwandlung ist aber ein späterer Akt als ihre Ap-
       propriation.  Die   "Produkte"  werden   in  Kapital  verwandelt,
       s t o f f l i c h,  sofern sie im Arbeitsprozeß als Arbeitsbedin-
       gungen, Produktionsbedingungen, Arbeitsgegenstand und Arbeitsmit-
       telfunktionieren; der   F o r m   n a c h,   sofern nicht nur ihr
       Wert becomes  to be  perpetuated 3*),  sondern sofern  sie Mittel
       werden,  A r b e i t  u n d  S u r p l u s a r b e i t  einzusau-
       gen; sofern  sie in  fact als  absorbers of labour funktionieren.
       ¦¦1112¦ Andrerseits:  das   v o r   dem  Prozeß    a n g e e i g-
       n e t e   Arbeitsvermögen wird   i n n e r h a l b  des Prozesses
       direkt in  Kapital verwandelt,  indem es  sich  in  die  Arbeits-
       bedingungen  verwandelt  und  in  surplus  value,  [indem]  seine
       Realisation im  Produkt sowohl  das konstante Kapital erhält, als
       das variable ersetzt und surplus value zufügt. ¦1112¦¦
       -----
       1*) Gebrauch - 2*) angeeignet - 3*) erhalten wird
       

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