Quelle: MEW 26.3 Theorien über den Mehrwert - Dritter Teil
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#361# Cherbuliez
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[3. Cherbuliez über die organische Zusammensetzung des Kapitals
und ihren Einfluß auf die Profitrate. Sein "Gesetz der Appropria-
tion"]
¦¦1106¦ Kehren wir zu Cherbuliez zurück.
Die Formeln, die er für die Profitrate gibt, sind entweder mathe-
matische Ausdrücke für den Profit in seiner common 1*) Fassung,
ohne irgendein Gesetz zu involvieren, oder sie sind dazu positiv
falsch, obgleich er eine Ahnung von der Sache hat, [sich ihr] an-
nähert.
"Der profit mercantile [96] ist bestimmt durch den W e r t
d e r P r o d u k t e, verglichen mit den v e r s c h i e d-
n e n E l e m e n t e n des produktiven Kapitals." [p. 70.]
{In der Tat ist der Profit das Verhältnis der surplus value des
Produkts zu dem Wert des vorgeschoßnen Gesamtkapitals ohne Rück-
sicht auf die Verschiedenheit seiner Elemente. Aber die surplus
value selbst ist bestimmt durch die Größe und Rate der Verwertung
des variablen Kapitals; und das Verhältnis dieser surplus value
zum Gesamtkapital ist wieder bestimmt durch das Verhältnis von
variablem und konstantem Kapital; ebenso durch den Wertwechsel
des konstanten Kapitals.}
"Die zwei Hauptelemente dieser Bestimmung sind offenbar der Preis
der Rohstoffe und die Quantität des nötigen approvisionnement
2*), um sie ins Werk zu setzen. Der ökonomische Progreß der Ge-
sellschaft wirkt in u m g e k e h r t e m Sinn auf diese beiden
Elemente und strebt, die Rohstoffe zu verteuern, indem er den
Wert aller Produkte der extraktiven Industrie [96], Industrien,
die sich auf fonds appropriés 3*) und von einer begrenzten Aus-
dehnung ausüben, vermehrt." (p. 70.)
Dagegen das approvisionnement vermindert (relativ), worauf wir
später zurückkommen.
"Die Totalsumme der Produkte, weniger die Totalsumme des zu ihrer
Erhaltung konsumierten Kapitals, gibt die Totalsamme der Gewinne
während eines bestimmten Zeitraums. Die Totalsumme der Produkte
w ä c h s t i m V e r h ä l t n i s d e s a n g e w a n d-
t e n
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1*) gewöhnlichen - 2*) Lebensmittelfonds - 3*) privatem Grund und
Boden
#362# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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K a p i t a l s und nicht des koneumierten Kapitals. Die T a-
x e d e r G e w i n n e oder ihr Verhältnis zum Kapital resul-
tiert daher von der Kombination zweier andrer Verhältnisse,
nämlich: dem V e r h ä l t n i s z w i s c h e n d e m a n-
g e w a n d t e n u n d d e m k o n s u m i e r t e n K a-
p i t a l und dem V e r h ä l t n i s z w i s c h e n d e m
k o n s u m i e r t e n K a p i t a l u n d d e m P r o-
d u k t." (l.c.p. 70.)
Ch[erbuliez] sagt zuerst richtig, daß der Profit <bestimmt> 1*)
ist vom Wert des Produkts im Verhältnis zu "den verschiednen Ele-
menten" des produktiven Kapitals. Plötzlich flüchtet er zu dem
Produkt selbst, der Produktmasse. Nun kann sich aber die Pro-
duktmasse vermehren, ohne daß sich der Wert dieser Masse ver-
mehrt. Zweitens kann die Masse des Produkts mit der Produkten-
masse, woraus das konsumierte und unkonsumierte Kapital bestand,
höchstens verglichen werden in der Art wie Ramsay es tut, wenn
das gesamte Nationalprodukt verglichen würde mit seinen in natura
ausgelegten Ingredienzien. 2*) Bei dem Kapital aber in jeder be-
sondren Sphäre die Gestalt des Produkts verschieden von seinen
Ingredienzien (selbst in den Industriezweigen, wie in der Agri-
kultur etc., worin ein Teil des Produkts in natura ein Produkti-
onselement dieses Produkts bildet). Warum kommt Ch[erbuliez] zu
diesem faux-fuyant 3*)? Weil, trotz seiner Ahnung, daß entschei-
dend für die Profitrate die organische Zusammensetzung des Kapi-
tals, er absolut den Gegensatz des variablen Kapitals zu dem and-
ren Bestandteil des Kapitals nicht benutzt hat, um die surplus
value zu entwickeln, die er überhaupt nicht entwickelt hat, sowe-
nig wie den Wert selbst. Er hat nicht gezeigt, wo die surplus va-
lue herkömmt und flüchtet daher zum s u r p l u s p r o-
d u c e, i. e. z u m G e b r a u c h s w e r t.
Obgleich jede surplus value sich darstellt in einem surplus pro-
duce, stellt dagegen surplus produce an und für sich nicht sur-
plus value dar. (Wenn ein Produkt gar keine surplus value einsch-
lösse, z.B. ein Bauer sein eignes Instrument besäße (und dabei
seinen eignen Grund und Boden) und arbeite exakt nur die Zeit,
die jeder Lohnarbeiter zum Ersatz seines eignen Lohns arbeitet,
z.B. 6 Std. Wäre die Jahreszeit fruchtbar, so würde er doppelt
soviel produzieren. Aber denselben Wert. There would be no sur-
plus value 4*), obgleich surplus produce.) An und für sich war es
schon falsch, daß er das variable Kapital in der "passiven" und
bloß stofflichen Form des approvisionnement darstellte, d.h. des
Gebrauchswerts, den es in der Hand des Arbeiters erhält. Nahm er
es dagegen in der Form, worin es sich wirklich darstellt, nämlich
als Geld (Dasein des Tauschwerts, i.e. bestimmten Quantums ge-
sellschaftlicher Arbeitszeit als solcher), so löste es sich auf
für
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1*) In der Handschrift folgt ein unleserliches Wort - 2*) siehe
vorl. Band, S. 330/331 - 3*) Abweg - 4*) Es gäbe keinen Mehrwert
#363# Chebuliez
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den K a p i t a l i s t e n in die Arbeit, die er dafür aus-
tauscht (und in diesem Austausch von vergegenständlichter gegen
lebendige Arbeit träte movement 1*) in das variable Kapital hin-
ein und es wüchse); als Arbeit wird es Element des produktiven
Kapitals, nicht als Approvisionnement. Dies vielmehr der Ge-
brauchswert, das stoffliche Dasein desselben, worin es sich als
Revenue für den Arbeiter verwirklicht. So als a p p r o v i-
s i o n n e m e n t ist das variable Kapital ein ganz so
"passives" Element, wie die beiden andren Teile des Kapitals, die
Ch[erbuliez] passiv nennt. *)
Dieselbe Schiefheit der Auffassung verhindert ihn, aus dem
V e r h ä l t n i s dieses aktiven Elements zu dem passiven die
Profitrate zu entwickeln und den Fall derselben im Fortschritt
der Gesellschaft. Bei ihm in der Tat genommen keine andre Konklu-
sion als die, daß das approvisionnement ¦¦1107¦ abnimmt infolge
der Entwicklung der Produktivkraft, während die Arbeiterbevölke-
rung wächst, also durch die redundant population 3*) ihr Lohn un-
ter seinen Wert herabgedrückt wird. Auf Basis des Austauschs von
Werten - also auch der Zahlung des Arbeitsvermögens zu seinem
Wert - entwickelt er nichts, und der Profit stellt sich so in der
Tat (obgleich er's nicht sagt) dar als A b z u g v o m
A r b e i t s l o h n, den zwar der aktuelle Profit hie und da
einschließen mag, der aber nie die Kategorie des Profits begrün-
den kann.
Reduzieren wir d'abord 4*) den ersten Satz auf seinen richtigen
Ausdruck.
"Der W e r t der Totalsumme des Produkts, weniger der Wert der
Totalsumme des zu ihrer Erhaltung (Produktion) "konsumierten Ka-
pitals, gibt die Totalsumme des Profits während eines bestimmten
Zeitraums.
Es ist dies die erste (ordinäre) Form, worin sich der Profit dar-
stellt, erscheint, auch dem kapitalistischen Bewußtsein. Alias:
[Der Profit ist] der Wertüberschuß des Produkts, in bestimmter
Zeit, über den Wert des konsumierten Kapitals. Oder der Wertüber-
schuß des Produkts über den Kostpreis des Produkts. Selbst "der
bestimmte Zeitraum" kommt bei Ch[erbuliez] hereingeschneit, da er
den Zirkulationsprozeß des Kapitals nicht dargestellt hat. Also
der erste Satz nichts als die common definition of profit 5*),
die unmittelbare Form, worin er erscheint.
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*) ¦¦1110¦ p. 59 nennt Ch[erbuliez] matières brutes 2*) und Ma-
schinerie etc. "die beiden passiven Elemente des Kapitals im Ge-
gensatz zum approvisionnement. [97] ¦1110¦¦
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1*) Bewegung - 2*) Rohstoffe - 3*) überschüssige Bevölkerung -
4*) zunächst - 5*) gewöhnliche Definition des Profits
#364# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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Z w e i t e r S a t z.
"Die T o t a l s u m m e d e r P r o d u k t e w ä c h s t
im Verhältnis des angewandten Kapitals und nicht des konsumierten
Kapitals."
Wieder in andren Worten. Also der
"W e r t der Totalsumme des Produkts wächst im Verhältnis zum
vorgeschoßnen Kapital" (whether consumed or not 1*)).
Es soll hiermit nur erschlichen werden der durchaus unbewiesne
und in seiner unmittelbaren Fassung falsche Satz (denn er setzt
schon die Ausgleichung zur allgemeinen Profitrate voraus), daß
die Größe des Profits von der Größe des angewandten Kapitals ab-
hängt. Es soll aber ein scheinbarer Kausalnexus dadurch herein-
kommen, daß "die T o t a l s u m m e d e r P r o d u k t e
w ä c h s t im Verhältnis des a n g e w a n d t e n und nicht
des konsumierten Kapitals".
Nehmen wir den Satz in beiden Fassungen, so wie er dasteht und so
wie er heißen müßte. Heißen müßte er im Zusammenhang - und nach
dem Schluß, dem er als medius terminus 2*) dienen soll -: "Der
Wert der Totalsumme der Produkte wächst im Verhältnis des ange-
wandten und nicht des konsumierten Kapitals." Hier soll der Sur-
pluswert offenbar dadurch herausgedrechselt werden, daß der Über-
schuß des angewandten über das konsumierte Kapital den
W e r t ü b e r s c h u ß d e s P r o d u k t s schafft. Aber
das nicht konsumierte Kapital (Maschinerie etc.) behält den Wert
(denn das nicht konsumierte heißt eben, daß sein Wert nicht kon-
sumiert ist), behält denselben Wert nach Schluß des Produktions-
prozesses, den es vor Anfang desselben hatte. Ist eine Wertverän-
derung vorgegangen, so kann sie nur in dem Teil des Kapitals vor-
gegangen sein, der konsumiert wurde und daher in den Verwertungs-
prozeß einging. Die Sache ist in der Tat auch so falsch, daß z.B.
ein Kapital, von dem 1/3 nicht konsumiert ist und 2/3 konsumiert
sind in der Produktion, unbedingt bei g l e i c h e r R a t e
d e r E x p l o i t a t i o n d e r A r b e i t (und von der
Ausgleichung der Profitrate abgesehn) höhren Profit gibt als ei-
nes, wovon 2/3 nicht konsumiert sind und 1/3 konsumiert ist. Denn
das letztre Kapital enthält offenbar mehr Maschinerie etc. und
andres konstantes Kapital, während das erstre weniger von diesem
Element enthält und mehr lebendige Arbeit in Bewegung setzt, also
auch mehr Surplusarbeit.
Nehmen wir aber die Fassung, die Ch[erbuliez] selbst seinem Satz
gibt, so nützt sie ihm d'abord nichts, weil die Produktenmasse
oder die Masse der Gebrauchswerte als solche überhaupt weder für
den Wert, noch für den Surpluswert, noch für den Profit entschei-
det. Was liegt aber dahinter? Ein
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1*) ob es konsumiert ist oder nicht - 2*) Mittelglied
#365# Cherbuliez
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Teil des konstanten Kapitals, der aus Maschinerie etc. beste-
hende, geht in den Arbeitsprozeß ein, ohne in den Verwertungspro-
zeß einzugehn und sonst hilft er die Masse der Produkte vermeh-
ren, ohne ihrem Wert irgend etwas zuzusetzen. (Denn soweit er ihm
[Wert] zusetzt durch sein déchet, gehört er ja selbst zum
k o n s u m i e r t e n Kapital und nicht zum a n g e w a n d-
t e n Kapital im Unterschied vom konsumierten.) Aber dieser
unkonsumierte Teil des konstanten Kapitals schafft an und für
sich nicht ein Wachstum der Produktenmasse. Er hilft in gegebner
Arbeitszeit größres Produkt zu schaffen. Würde also nur soviel
Arbeitszeit gearbeitet, als im approvisionnement vorhanden ist,
so bliebe die Masse der Produkte dieselbe. Es ist also ein
change, der in diesem Teil des konsumierten Kapitals vorgeht und
nicht der Überschuß des angewandten Kapitals über das konsu-
mierte, der den Produktüberschuß [schafft], vorausgesetzt, daß es
sich nicht von Industriezweigen handelt, worin, wie in der Agri-
kultur, die Masse des Produkts unabhängig ist oder sein kann von
der Masse des ausgelegten Kapitals, die Produktivität der Arbeit
zum Teil von unkontrollierbaren Naturumständen abhängt. Betrach-
tet er dagegen das konstante Kapital, sei es konsumiert oder
nicht, als unabhängig von der Arbeitszeit, unabhängig vom change,
der im Verwertungsprozeß mit dem variablen Kapital vorgeht, so
kann er sagen ebensogut: "Die Totalsumme ¦¦1108¦ der Produkte"
(wenigstens in der Manufakturindustrie) "wächst, wie der aus
Rohmaterial bestehende Teil des konsumierten Kapitals wächst."
Denn das Wachstum des Produkts physisch identisch mit dem Wachs-
tum dieses Teils des Kapitals. Andrerseits in der Agrikulturindu-
strie (ditto in der extraktiven) kann bei fruchtbarerem Boden die
Masse des Produkts da, wo wenig unkonsumiertes Kapital (i.e. ca-
pital constant) angewandt ist und relativ viel konsumiertes Kapi-
tal (Arbeitslohn z.B.), die Produktenmasse viel größer sein als
in fortgeschrittenem Land, wo das Verhältnis des angewandten zum
konsumierten Kapital unendlich größer.
Die zweite Phrase löst sich also in einen Versuch auf, die sur-
plus value (die notwendige Basis des Profits) zu erschleichen.
[D r i t t e r S a t z.]
"Die T a x e d e r G e w i n n e (Profitrate) "oder ihr
V e r h ä l t n i s zum Kapital resultiert daher aus der Kombi-
nation zweier andrer Verhältnisse, nämlich dem Verhältnis zwi-
schen dem a n g e w a n d t e n und k o n s u m i e r t e n
K a p i t a l u n d dem V e r h ä l t n i s z w i s c h e n
d e m k o n s u m i e r t e n K a p i t a l u n d d e m
P r o d u k t." (p. 70.)
Vorher sollte der P r o f i t entwickelt werden. Es kam aber
nichts heraus als die Definition desselben, die bloß seine Er-
scheinungsweise ausspricht das fact, [daß] der Profit = dem Wert-
überschuß des Gesamtprodukts über
#366# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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den Kostenpreis des Produkts oder den Wert des aufgezehrten Kapi-
tals, die vulgar definition of profit.
Jetzt soll die P r o f i t r a t e entwickelt werden. Es kömmt
aber wieder nichts heraus als die vulgar definition. Die Pro-
fitrate = dem Verhältnis des Profits zum gesamten Kapital oder
aber, was dasselbe, = dem Verhältnis des Wertüberschusses des
Produkts über seinem Kostenpreis zum Gesamtkapital, das der Pro-
duktion vorgeschossen wurde. Die schiefe Auffassung und unbe-
holfne Anwendung der anstreifend richtigen Unterscheidung in den
Elementen des Kapitals, und die Ahnung, daß Profit und Profitrate
genau mit dem Verhältnis dieser Elemente zusammenhängen, bringt
es also nur dazu, in mehr doktrinärer Form die allgemein bekann-
ten Phrasen zu wiederholen, womit in der Tat nur die Existenz des
Profits und der Profitrate konstatiert, über ihr Wesen aber
nichts gesagt ist.
Die Sache wird nicht besser dadurch, daß Ch[erbuliez] die doktri-
nären Formeln algebraisch ausdrückt:
"Das Totalprodukt während einer gegebnen Periode sei = P, das an-
gewandte Kapital = C, der Profit = pi, das V e r h ä l t n i s
des Profits zum Kapital (Rate) = r, das konsumierte Kapital = c.
Also ist P-c = pi, r = pi/C; also C r = pi. Also P-c = C r; also
r = (P-c)/C." (p. 70, note 1.)
Was nichts heißt als Profitrate = Verhältnis des Profits zum Ka-
pital, und Profit = Überschuß des Werts des Produkts über seinen
Kostenpreis.
Überhaupt ist das, was dem Ch[erbuliez] mit seinem konsumierten
und nicht konsumierten Kapital vorschwebt, der Unterschied zwi-
schen fixem und zirkulierendem Kapital, statt festzuhalten an dem
von ihm selbst, im Unterschied hiervon, konstatierten Unterschied
im Kapital, der aus seinem Produktionsprozeß hervorgeht. Der
Mehrwert ist der Zirkulation schon vorausgesetzt; und so sehr die
aus der Zirkulation hervorgehenden Unterschiede die Profitrate
affizieren, haben sie mit dem Ursprung des Profits nichts zu tun.
"Das produktive Kapital ist zusammengesetzt aus einem konsommab-
len Teil und einer partie non consommable 1*). Je mehr Reichtum
und Bevölkerung wachsen, strebt der konsommable Teil, sich zu
vermehren, weil die industries extractives einen immer beträcht-
licheren Teil von Arbeit verlangen. Andrerseits vermehrt derselbe
Fortschritt die M a s s e des angewandten Kapitals in einer
viel schnelleren Proportion als die des k o n s u m i e r t e n
Kapitals. Obgleich also die Totalmasse des konsumierten Kapitals
anzuwachsen
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1*) einem nicht konsommablen Teil
#367# Cherbuliez
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strebt, findet sich der erste Effekt neutralisiert, weil die
Masse des Produkts nach einer noch schnellern Progression wächst,
und die T o t a l s u m m e d e r P r o f i t e muß betrach-
tet werden als wachsend in einer wenigstens ebenso starken Pro-
portion als die T o t a l s u m m e d e s a n g e w a n d-
t e n K a p i t a l s." (p. 71.) "Die Masse der Profite geht
wachsend, nicht die Rate, welche das Verhältnis dieser Masse zum
angewandten Kapital ist, r = (P-c)/C . Es ist klar, daß P-c oder
der Profit, da P-c = pi, wachsen k a n n, obgleich r abnimmt,
wenn C schneller wächst als P-c." (p. 71, Note.)
Hier ist noch angestreift an die Ursache des Falls der Pro-
fitrate; aber nach den vorhergehenden Schiefheiten kann es nur
zur Konfusion und sich selbst aufhebenden Widersprüchen kommen.
Erst wächst die Masse des konsumierten Kapitals, aber die Masse
der Produkte wächst noch schneller (i.e. hier der Überschuß des
Werts der Produkte über ihren Kostpreis), denn sie wächst im Ver-
hältnis zum angewandten Kapital, und dies wächst schneller als
das konsumierte. W a r u m das fixe Kapital schneller wächst
als die Masse der Rohstoffe z.B., ist nirgend gesagt. But never
mind. 1*) Die Profitmasse wächst im V e r h ä l t n i s z u m
a n g e w a n d t e n Kapital, zum Gesamtkapital, und dennoch
¦¦1109¦ soll die Profitrate fallen, weil das Gesamtkapital
schneller wächst als die Masse der Produkte, oder vielmehr die
Masse des Profits.
Erst w ä c h s t die P r o f i t m a s s e in wenigstens
ebenso starker Proportion als "die Gesamtsumme des angewandten
Kapitals", und dann f ä l l t die Profitrate, weil die Gesamt-
summe des angewandten Kapitals rascher wächst als die Profit-
masse. Erst wächst P-c im Verhältnis "wenigstens" wie C, und dann
fällt (P-c)/C, weil C noch rascher wächst wie P-c, was wenigstens
ebenso stark wächst wie C. Streichen wir all diese Konfusion weg,
so bleibt nur die Tautologie, daß C wieder fallen k a n n, ob-
gleich P-c wächst, d.h., daß die Rate des Profits fallen kann,
obgleich der Profit wächst, wenn sie nämlich fällt. Rate heißt
nur das Verhältnis von P-c zu C, [und dieses Verhältnis vermin-
dert sich dann] wenn das Kapital schneller wächst als die Profit-
masse.
Also Schlußweisheit: Die Profitrate kann fallen, d.h. das Ver-
hältnis einer wachsenden Profitmasse zum Kapital kann fallen,
wenn das Kapital rascher wächst als die Profitmasse, oder wenn
die Profitmasse, trotz ihres absoluten Wachsens, relativ im Ver-
hältnis zum Kapital abnimmt. Dies ist
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1*) Aber lassen wir das.
#368# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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durchaus nichts als ein andrer Ausdruck für Fallen der Pro-
fitrate. Und an der Möglichkeit dieses Phänomens wurde nie ge-
zweifelt, sogar nicht an seiner Existenz. Das einzige, worum es
sich handelte, war eben, den Grund dieses Phänomens 1*) zu erklä-
ren, und Ch[erbuliez] erklärt das Fallen der Profitrate, das Fal-
len der Profitmasse im Verhältnis zum Gesamtkapital aus dem Wach-
sen der Profitmasse im Verhältnis wenigstens wie das Kapital
wächst. Offenbar ahnte ihm, daß die Masse der angewandten leben-
digen Arbeit relativ abnimmt im Verhältnis zur vergangnen Arbeit,
obgleich sie absolut wächst, und daß daher die Profitrate abneh-
men muß. Aber es kommt nicht zum Durchbruch. Je näher der
Schwelle, desto größer die Schiefheit im Ausdruck, wenn sie nicht
wirklich überschritten wird, und die Illusion, sie überschritten
zu haben.
Dagegen ist sehr treffend, was er über die A u s g l e i-
c h u n g d e r a l l g e m e i n e n P r o f i t r a t e
sagt. [98] ¦1109¦¦
¦¦1109¦ "Nach dem Abzug der Grundrente ist der Rest der
S u m m e d e r P r o f i t e, d.h. des E x c é d a n t s
2*) der Produkte über das konsumierte Kapital, geteilt unter den
producteurs capitalistes 3*) i m V e r h ä l t n i s d e s
K a p i t a l s, d a s j e d e r a n g e w a n d t hat, wäh-
rend die Portion der Produkte, welche dem konsumierten Kapital
entspricht, und es zu ersetzen bestimmt ist, sich im Verhältnis
dessen teilt, das sie wirklich verzehrt haben. Dies
d o ppm e l t e G e s e t z d e r T e i l u n g etabliert
sich als W i r k u n g d e r K o n k u r r e n z, die die
Vorteile aller Anwendungen von Kapitalien auszugleichen strebt.
Dieses d o p p e l t e G e s e t z d e r T e i l u n g assi-
gniert en definitive 4*) den verschiednen Arten von Produktionen
ihre respektiven W e r t e und P r e i s e." (p. 71, 72.)
Dies sehr gut. Nur die Schlußworte falsch, daß durch diese Bil-
dung der allgemeinen Profitrate Werte und Preise (soll heißen
Produktionspreise) der Waren bestimmt werden. Die Wertbestimmung
ist vielmehr das Prius, das der Profitrate vorausgesetzt ist und
der Bildung der Produktionspreise. Wie sollte überhaupt irgend-
eine V e r t e i l u n g der "Summe der Profite", i.e. des Sur-
pluswerts, ¦¦1110¦ der selbst nur ein Teil des Gesamtwerts der
Waren, diese "Summe der Profite", also den Surpluswert, also die
Werte der Waren selbst bestimmen können? Die Sache nur richtig,
soweit unter den relativen Werten der Waren ihre Produktions-
preise verstanden werden. Die ganze Schiefheit kömmt bei
Ch[erbuliez] daher, daß er den Ursprung und die Gesetze von Wert
und Mehrwert nicht selbständig betrachtet.
Das Verhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital faßt er sonst so-
weit richtig:
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1*) In der Handschrift Verhältnisses - 2*) Überschusses - 3*) ka-
pitalistischen Produzenten - 4*) schließlich
#369# Cherbuliez
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"Personen, die nichts durch Devolution (gesetzliche Abtretung,
Erbschaft etc.) "erhalten, noch etwas zum Austausch zu geben ha-
ben, erhalten das Nötige nur, indem sie ihre Arbeit den Kapitali-
sten anbieten. Sie erhalten nur Recht auf die Sachen, die ihnen
zugeschlagen werden als A r b e i t s p r e i s, nicht auf das
Produkt dieser Arbeit, noch auf den Wert, den sie hier hinzuge-
fügt haben." (p. 55, 56.) "Indem der Proletarier seine Arbeit ge-
gen ein bestimmtes Approvisionnement verkauft, verzichtet er
vollständig auf jedes Recht auf die andren Teile des Kapitals.
Die Attribution dieser Produkte bleibt dieselbe wie vorher: sie
ist in keiner Weise durch die erwähnte Konvention modifiziert.
Die Produkte fahren fort, ausschließlich dem Kapitalisten zu ge-
hören, der die Rohstoffe und das Approvisionnement geliefert hat.
Es ist dies eine strenge Konsequenz des Gesetzes der Appropria-
tion, dessen Fundamentalprinzip umgekehrt die ausschließliche At-
tribution für jeden Arbeiter an die Produkte seiner Arbeit war."
(p. 58.)
Dies Fundamentalprinzip lautet nämlich nach Ch[erbuliez]:
"Der Arbeiter hat ein ausschließliches Recht auf den aus seiner
Arbeit resultieren" den Wert. (p. 48.)
Wie das Gesetz der Waren, daß sie Äquivalente bilden und sich
austauschen im Verhältnis zu ihrem Wert, i.e. der in ihnen ent-
haltnen Arbeitszeit, darin umschlägt, daß die kapitalistische
Produktion - und nur auf ihrer Basis ist es wesentlich für das
Produkt, als Ware produziert zu werden umgekehrt darauf beruht,
daß ein Teil der Arbeit ohne Austausch angeeignet wird, versteht
und entwickelt Ch[erbuliez] nicht. Er fühlt nur, daß hier ein
U m s c h l a g stattfindet.
Dies Fundamentalgesetz ist eine reine Fiktion. Es entspringt aus
einem Schein der W a r e n z i r k u l a t i o n. Die Waren
tauschen sich aus im Verhältnis ihres Werts, d.h. der in ihnen
enthaltnen Arbeit. Die Individuen treten sich nur als Warenbesit-
zer gegenüber und können sich daher der Ware der andren nur be-
mächtigen durch Entäußerung ihrer eignen Ware. Es s c h e i n t
daher, als hätten sie nur ihre eigne Arbeit auszutauschen, da der
Austausch von Waren, die f r e m d e Arbeit enthalten, soweit
sie selbst nicht wieder durch Austausch der eignen Ware erhalten
[wurden], andre Verhältnisse unter den Menschen, als die von Wa-
renbesitzern, von Käufern und Verkäufern, voraussetzt. In der ka-
pitalistischen Produktion verschwindet dieser Schein, den ihre
eigne Oberfläche zeigt. Was aber nicht verschwindet, ist die Il-
lusion, daß ursprünglich die Menschen nur als Warenbesitzer ein-
ander gegenübertreten und daher jeder nur Eigentümer ist, soweit
er Arbeiter ist. Dies "ursprünglich ist, wie gesagt, eine aus dem
Schein der kapitalistischen Produktion entspringende Delusion,
die historisch nie existiert hat. Überhaupt tritt der Mensch
(isoliert oder sozial) immer als Eigentümer auf, ehe er als Ar-
beiter auftritt, sei das Eigentum auch nur das,
#370# Dreiundzwanzigstes Kapitel
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das er sich selbst auf die Natur zulegt (oder das er als Familie,
Stamm, Gemeinwesen teils auf die Natur, teils auf die gemeinsamen
schon produzierten Produktionsmittel sich zulegt). Und sobald der
erste tierische Zustand aufhört, das Eigentum auf die Natur immer
schon vermittelt durch sein Dasein als Mitglied eines Gemeinwe-
sens, Familie, Stamm etc., durch ein Verhältnis zu andren Men-
schen, das sein Verhältnis zur Natur bedingt. Der "eigentumlose
Arbeiter" als "Fundamentalprinzip" - ist vielmehr erst ein Ge-
schöpf der Zivilisation und auf historischer Stufenleiter der
"kapitalistischen Produktion". Es ist dies ein Gesetz der
"Expropriation", nicht der "Appropriation", wenigstens nicht der
Appropriation schlechthin, wie Ch[erbuliez] sich einbildet, son-
dern der Art Appropriation, die einer bestimmten, spezifischen
Produktionsweise entspricht. ¦1110¦¦ [99]
¦¦1111¦ Ch[erbuliez] sagt:
"Die Produkte sind appropriiert, bevor sie in Kapital verwandelt
sind. Diese Verwandlung entzieht sich nicht jener Appropriation."
(p. 54.)
Dies gilt aber nicht nur von den produits, sondern von der Ar-
beit. Rohmaterial etc. und Arbeitsmittel gehören dem Kapitali-
sten; sie sind verwandelte Form seines Geldes. Andrerseits, wenn
er ein Arbeitsvermögen oder den täglichen (12stündigen z.B.) us
1*) eines Arbeitsvermögens - gekauft hat, mit einer Geldsumme =
dem Produkt von 6 Arbeitsstunden, so gehört ihm die Arbeit von 12
Std., ist a p p r o p r i é 2*) durch ihn, bevor sie realisiert
ist. Durch den Produktionsprozeß selbst wird sie in Kapital ver-
wandelt. Diese Verwandlung ist aber ein späterer Akt als ihre Ap-
propriation. Die "Produkte" werden in Kapital verwandelt,
s t o f f l i c h, sofern sie im Arbeitsprozeß als Arbeitsbedin-
gungen, Produktionsbedingungen, Arbeitsgegenstand und Arbeitsmit-
telfunktionieren; der F o r m n a c h, sofern nicht nur ihr
Wert becomes to be perpetuated 3*), sondern sofern sie Mittel
werden, A r b e i t u n d S u r p l u s a r b e i t einzusau-
gen; sofern sie in fact als absorbers of labour funktionieren.
¦¦1112¦ Andrerseits: das v o r dem Prozeß a n g e e i g-
n e t e Arbeitsvermögen wird i n n e r h a l b des Prozesses
direkt in Kapital verwandelt, indem es sich in die Arbeits-
bedingungen verwandelt und in surplus value, [indem] seine
Realisation im Produkt sowohl das konstante Kapital erhält, als
das variable ersetzt und surplus value zufügt. ¦1112¦¦
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1*) Gebrauch - 2*) angeeignet - 3*) erhalten wird
zurück