Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1969


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       Sebastian Herkommer
       

ZUR POLITISIERUNG TECHNISCHER INTELLIGENZ (TEIL II)

Klassenlage und Disparitätenspannungen -------------------------------------- Im vorangegangenen Aufsatz 1) ist die Frage aufgeworfen worden, ob sich das durch die "Habermas-Schule" rezipierte Konzept der Disparität von Lebensbereichen und der Statusinkonsistenz 2) für die Analyse spätkapitalistischer Entwicklungsprozesse bewährt und welche Bedeutung es haben kann zur Beurteilung und Aktualisierung von Politisierungschancen der technischen Intelligenz. Claus Offe ist inzwischen dahingehend kritisiert worden 3), daß seine These vom Primat des Staates, d.h. von der wohlfahrtsstaatlichen "Neutralisierung" von Gesellschaft durch staatsinterventionisti- sches Krisenmanagement und "Organisation" des Kapitalismus dessen prinzipielle Stabilisierungsmöglichkeit ebenso unterstelle wie die Möglichkeit einer Demokratisierung der politischen Herr- schaftsausübung unter Beibehaltung der kapitalistischen Produkti- onsweise. Scharf wird solcher Auffassung vorgeworfen, sie falle zurück in sozialdemokratischen Revisionismus altbekannter Prägung und er- fülle damit eine ideologische Funktion, die womöglich gefährli- cher sei als direkte und offizielle Ideologie. Die Kritik ist im wesentlichen berechtigt, wenngleich Offe auf den hypothetischen Charakter seines empirisch zu überprüfenden Ansatzes hinweist und u.a. vordem Mißverständnis verteidigt wer- den könnte, er sähe den Sozialstaat in der Lage, durch politische Vermittlung ökonomisch verursachte "Disparitäten" in der Bedürf- nisbefriedigung a u s z u g l e i c h e n. Gerade diese Mög- lichkeit wird ausgeschlossen, und zwar weil "das pluralistische System von organisierten Interessen... alle Bedürfnisartikulatio- nen aus dem politischen Willensbildungsprozeß aus(sperrt), die allgemein und nicht an Statusgruppen gebunden sind..." 4) Hier scheint allerdings eine Fixierung an die bestehenden "Institu- tionen, die den politischen Willensbildungsprozeß tragen" - Parteien, Verbände und Gewerkschaften, sowie an ein wie immer auch denaturiertes Parlament - vorzuliegen. Anzugreifen ist denn auch die systemtheoretische Orientierung am Integrationsansatz der politischen Soziologie und die damit verknüpfte Konzentration des wissenschaftlichen Interesses auf die Abwehr- und Stabili- sierungsmechanismen des Spätkapitalismus und seiner Herr- schaftsinstanzen anstatt auf die immanenten, s y s t e m- s p r e n g e n d e n Widersprüche und Konfliktpotentiale; zu zweifeln ist an einer ad-hoc-Theoriebildung, die an Phasen der relativen Konfliktfreiheit eine p e r m a n e n t e Still- setzung der Klassenkämpfe abzulesen scheint und die bereits durch die französischen, italienischen und vielleicht sogar west- deutschen Streikbewegungen in Schwierigkeiten geraten ist; an- zugreifen aber ist vor allem die prinzipielle Absage an die Mög- lichkeit "politischer Ökonomie", als "Schlüssel zur Analyse glo- baler Herrschaftsstrukturen" im Spätkapitalismus noch zu dienen 5), womit sowohl unterbunden wird, die staatlichen Stabilisie- rungsbemühungen (Phänomene von "Bestandsrelevanz" wie ökonomische Stabilität, Gleichgewicht in den Außenbeziehungen und Sicherung der Massenloyalität) aus den spezifisch kapitalistischen Produk- tionsverhältnissen zu erklären, als auch daraus die Notwendigkeit und Möglichkeit ihrer Abschaffung abzuleiten. Wenn trotzdem die von der neueren amerikanischen Soziologie ange- regte These von der horizontalen Dimension von sozialen Statusun- terschieden 6) für eine Diskussion empfohlen wird, so eher um den klassentheoretischen Ansatz zu ergänzen, nicht ihn zu ersetzen 7). Die Analyse der Klassenlage technischer Intelligenz im Kapitalis- mus ergibt die Notwendigkeit, zwischen den Arbeitsfunktionen im Produktions- und Vermittlungsprozeß und der Stellung gegenüber den Produktionsmitteln zu differenzieren. Unterscheiden sich Techniker und Ingenieure nach ihrer Qualifikation und Funktion im Produktionsprozeß etwa von gelernten und angelernten Arbeitern, so sind sie zugleich nur ein anderer Teil des produktiven Gesamt- arbeiters 8) und teilen als "angestellte Intelligenz" mit jenen die sozio-ökonomische Situation einer ausgebeuteten Klasse 9). Die erwähnten und mit der zunehmenden Verwissenschaftlichung des Produktionsprozesses und der gleichzeitigen Vergesellschaftung des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses unterm Diktat der privat- wirtschaftlichen Kapitalverwertung in Verbindung gebrachten Pola- risierungstendenzen innerhalb der technischen Intelligenz halten sich an das Schema der vertikalen Macht-, Status- und Einkommens- verteilung. Auch der Hinweis auf die Heterogenität der Arbeiter- klasse und ihre innere Schichtung sieht die Voraussetzung der Po- litisierung der angestellten technischen Intelligenz in ihrer Stellung auf einer Quasi-Skala von Einfluß-und Lebenschancen auf der "vertikalen" Dimension. Dies geht aus der Analyse von Steiner immer wieder deutlich hervor: "Die breite Streuung der wissenschaftlichen Mitarbeiter hinsicht- lich ihres Platzes in der gesellschaftlichen Organisation der Ar- beit von der unmittelbaren Nähe zum Management bis zur direkten Annäherung mit den Arbeitern erleichtern das Bestreben der Bour- geoisie, den Wissenschaftlern ihre Gemeinsamkeiten mit den Arbei- tern zu verschleiern. Zwar vollzieht sich diese Erkenntnis auf Grund der... Spezifika im Arbeitsprozeß, der gesamten Tradition, Herkunft, Ausbildung und anderer Faktoren äußerst widersprüchlich und langsam, doch ist mit der weiteren Ausdehnung der Automati- sierung zunehmend auch eine objektive Angleichung von Facharbei- tern, Technikern und Wissenschaftlern in den Tätigkeitsmerkmalen zu erwarten, was gewiß auch nicht ohne Auswirkungen auf deren subjektive Widerspiegelung bleibt." 10) Was das Modell der "nicht-vertikalen" Dimension von sozialer Un- gleichheit demgegenüber festhalten möchte, sind Konflikte - und damit Politisierungsansätze -, die sich nicht unmittelbar aus der Position im Arbeits- und Produktionsprozeß ergeben, sondern als Konsequenz aus der regulierenden Funktion des Sozialstaates unter den restriktiven Bedingungen monopolkapitalistischer Verwertungs- interessen, und die kollektiv für ganze Lebensbereiche gelten. Gemeint sind die Widersprüche zwischen der für die Mehrheit weit- gehend bestehenden Befriedigungsmöglichkeiten für einige privati- sierte Bedürfnisse (individuelle Kaufbarkeit von Konsumgütern; Wirtschaftsstimulierende Konsumkraft durch staatlich induzierte Umverteilung in Gestalt "sozialer Entschädigung") 11) auf der einen Seite und der Nichtbefriedigung grundlegender Bedürfnisse auf der anderen Seite, die sozusagen individuell nicht durch Kaufakt zu befriedigen sind und für die durch öffentliche Investitionen nicht oder unzureichend (gemessen an den Bedürf- nissen und den wissenschaftlich-technologischen Möglichkeiten) gesorgt ist: die Bedürfnisse nach Bildung und Gesundheit, nach allgemein verbesserten Versorgungs- und Dienstleistungen, nach demokratischer Beteiligung an der Stadt- und Regionalplanung, nach der Entwicklung repressionsfreier Erziehungs- und Wohnstät- ten, nach Luftverschmutzungsund Lärmbekämpfung und so weiter. Entsprechend den in der These einer neuen (horizontalen) Art von Disparitätenspannungen implizit enthaltenen zwei Möglichkeiten von Konfliktpotential 12) kann sich Politisierung technischer In- telligenz einmal richten auf wissenschaftliche und technische Ar- beiter in Institutionen, die an der Peripherie des staatlichen Eingreifens liegen und auch für die private Industrie Randbe- triebe mit geringer Relevanz für die direkte Kapitalverwertung darstellen: eben Einrichtungen des Gesundheitswesens, der öffent- lichen Ausbildung und Forschung sowie der öffentlichen Versorgung und Dienstleistungen. Die relative Zurückgebliebenheit solcher Institutionen gegenüber anderen, etwa militärtechnischen oder großindustriellen, die sich in den verfügbaren Forschungsmitteln und den Arbeitsbedingungen dem wissenschaftlichen Mitarbeiter be- merkbar macht, stellt eine objektive Voraussetzung dar für die Erfahrung der neuen Disparitätenspannungen, die-wie gesagt-nicht mehr unmittelbar aus der Konkurrenz privater Kapitalien abzulei- ten sind, sondern aus der politisch vermittelten Investitions- steuerung eines Staates, der zugunsten der partikularen Klassen- interessen von Monopolisten Maßnahmen der Wachstumsgarantie (Infrastrukturinvestitionen) zu verbinden sucht mit einer Garan- tie von Vollbeschäftigung, Massenkaufkraft und Preisstabilität. Zum ändern kann sich Politisierung nach diesem Modell richten an jeden einzelnen, unabhängig vom Entwicklungsgrad der Institution, in der er arbeitet, und zwar weil die neuen Disparitätenspannun- gen seine persönlichen Lebensverhältnisse in widersprüchlicher Weise tangieren können: trotz privilegierter Stellung in einer technologisch hochentwickelten Produktionsstätte teilt er u.U. mit weniger Privilegierten außerbetrieblich die Situation, auf unzureichende Verkehrs- und Versorgungsverhältnisse angewiesen zu sein, unzureichende Bildungsmöglichkeiten für sich und seine Kin- der anzutreffen usw. usw. 13) Unter diesem Aspekt könnten z.B. relativ gut bezahlte Angestellte mittlerer Einkommensgruppen zu- sammen mit Arbeitern und freiberuflich Tätigen zunächst zu Adres- saten, dann zu Akteuren von gezielten ad-hoc-Kampagnen werden, deren gemeinsamer Bezugspunkt nicht die Stellung im Produktions- prozeß, sondern die kollektiv erfahrene Depravierung in einem be- stimmten Lebensbereich wäre. Offe kann so weit gefolgt werden. Es gibt Beispiele erfolgreicher "Bürgeraktionen", etwa gegen die Lärmbelästigung durch Flughäfen, gegen bestimmte Verkehrsplanungen, gegen den Abriß von Stadtvier- teln; und es gibt natürlich die Beispiele organisierter Verweige- rung in Universitäten, Instituten und Schulen, deren innere Struktur, materielle Ausstattung und politisch gesellschaftliche Zielsetzung den Widerstand ihrer unterprivilegierten Mitglieder provozierten. Die Vermutung allerdings, Konflikte von gesell- schaftsändernder Tragweite bildeten sich in Zukunft, wenn über- haupt, eher an Problemen der unterentwickelten Lebensbereiche (soziale "depressed areas") und immer weniger auf der als verti- kal bezeichneten Dimension von Klassen- und Schichtgegensätzen aus, entbehrt jeglicher Plausibilität. Die auch von Offe nicht übersehene Tendenz, daß sich die sozialstaatlich vermittelten Disparitäten selber weitgehend klassenspezifisch durchsetzen 14), sowie die aktuelle Häufung von wilden Streiks in Produktions- und Versorgungsbetrieben und von gleichzeitigen Widerstandshandlungen in bisher als unpolitisch und nicht konfliktfähig gehaltenen Randbereichen legen andere Schlußfolgerungen nahe, die auch die gesellschaftliche Rolle der angestellten technischen Intelligenz triftiger zu fassen vermögen als die Randgruppenthese. Diese Schlußfolgerungen vermeiden zugleich den Fehler, mit der Akzep- tierung einer zusätzlichen Dimension sozialer Ungleichheit den klassentheoretischen Ansatz aufzugeben, der jene innerhalb einer politisch-ökonomischen Gesellschaftsanalyse allein erklären kann. Viel eher nämlich ist plausibel, daß eine Vielzahl gleichzeitiger aber unterschiedliche gravierender Widersprüche und Widerspruchs- handlungen den "organisierten" Kapitalismus sowohl im Produkti- onsbereich wie in Vermittlungsbereichen, sowohl im "Zentrum" ge- sellschaftlicher Reproduktion wie an deren "Peripherie" z u- s a m m e n aufzulösen vermögen. Die Angelpunkte solcher Überdeterminierungsthese sind Annahmen über die spezifische Krisenanfälligkeit des spätkapitalistischen, nur partiell planvoll organisierten Gesamtsystems und Vorstellun- gen über die Linie einer bewußten Politik der zu diesem System in Opposition Stehenden, die aktiv aus vorhandenen Widersprüchen Vorteil zu ziehen hätten, um den Zusammenbruch herbeizuführen. Im Anschluß an Bruno Trentin versucht Lothar Wolfstetter 15) dazu einen strategischen Ansatz zu entwickeln, der sowohl den neuen Inhalten der Klassenkonflikte auf Betriebsebene als auch den neuen Widersprüchen zwischen partieller Befriedigung privatisier- ter Konsumbedürfnisse und der kollektiven Depravierung in gesell- schaftlich unterentwickelten Lebensbereichen gerecht werden könnte. Die zwei klassischen Ebenen antikapitalistischer Strate- gie-Konfliktaktualisierung im Einzelbetrieb und zentraler Kampf um die Einkommensverteilung und Produktionsmittelverfügung - wer- den für Trentin zum Ausgangspunkt einer Neuformulierung der poli- tischen Zielsetzung der Arbeiterbewegung genommen. Auf beiden Ebenen hätten die Gewerkschaftsorganisationen versäumt, die durch die technologische Entwicklung einerseits und die staatliche Dauerintervention andererseits veränderte Konfliktstruktur zu re- flektieren und in ihre Strategie aufzunehmen. Technologische Veränderungen und Aktualisierung ----------------------------------------------- betrieblicher Konflikte. ------------------------ Die neuen Konfliktstoffe, die nach Trentin von der gewerkschaft- lichen Betriebspolitik bisher nicht oder ungenügend aufgenommen wurden, haben sämtlich mit der zunehmenden Mechanisierung, Ver- wissenschaftlichung und kapitalistischen Rationalisierung der Ar- beitsprozesse zu tun. Sie lassen sich zusammenfassen als Spannun- gen, die für die Arbeiter aus der wachsenden Entqualifizierung und Zerstückelung ihrer Facharbeit und dem Verfall traditioneller Berufsbilder, aus der Intensivierung des Arbeitstempos und damit der nervlichen Beanspruchung sowie aus dem Schwinden von Möglich- keiten resultieren, auf die Organisation und Intensität des indi- viduellen und kollektiven Arbeitseinsatzes Einfluß zu nehmen. Konflikte könnten z.B. entstehen, wenn mit den technologischen Veränderungen das allgemeine Ausbildungsniveau der Facharbeiter in scharfen Widerspruch zum spezifischen Berufsinhalt ihrer Ar- beit gerate, oder wenn mit der starren Leistungsnormierung durch die technischen Anlagen einerseits und durch neue Formen von Ar- beitsüberwachung, Arbeitsbewertung und Lohnsystem andererseits der Spielraum freien Entscheidens und Ermessens - entgegen gewis- sen funktionalen Erfordernissen moderner Produktionsverfahren - beträchtlich verengt wird. Wichtig ist nun, daß Trentin die qualitative Änderung in der Struktur der Arbeiterklasse, d.h. das zunehmende Gewicht von qua- lifizierten Technikern und "Intellektuellen der Produktion" als eine entscheidene Quelle neuer Arbeitskonflikte ansieht. Auch die von Technikern und Ingenieuren (besonders den graduierten) in der Produktion erfahrenen Frustrationen dürften wie beim Facharbeiter aus der Diskrepanz zwischen relativ allgemeiner Qualifikation in der Berufsausbildung und zerstückelter Detail- und Routinearbeit in der Berufsausübung herrühren. Forderungen, die konflikt- trächtig wären, drehen sich deshalb sowohl um Fragen der An- erkennung berufsspezifischer Qualifikation und Privilegierung, um Aufstiegsmöglichkeiten, die der Ausbildung angemessen sind, und vor allem um Probleme der autonomen Entscheidungsbefugnisse und der Beseitigung von allen Formen sachlich (= produktionstech- nisch) nicht sinnfälliger Autoritätsausübung durch Instanzen der Betriebshierarchie. Die mehr die von Mallet für die technologisch 'fortgeschrit- tensten Industrien (Automationsbetriebe) beschriebene Integration der hochqualifizierten Facharbeiter, Techniker und Ingenieure in differenzierten funktionalen Beziehungsgeflechten die heute vorherrschenden unmittelbaren Unterordnungsverhältnisse wirklich ablösen sollten, desto stärker werden dann auch die von ihm prophezeiten Konfliktstoffe überbetriebliche Momente enthalten: die Betriebszwecke etwa einer Atom- oder Rüstungsindustrie selber im Zusammenhang der allgemeinen Kapitalverwertung und der imperialistischen Politik des Staates zu sehen. 16) Je mehr jedoch die wahrscheinlichere Tendenz sich durchsetzt, das Autonomie und technisch vermittelte Kooperation absichtsvoll ein- geschränkt werden durch das leitende Management, desto eher kön- nen auch andere Gemeinsamkeiten mit den übrigen Arbeiterkatego- rien für die Technologen konfliktrelevant werden; Trentin etwa rechnet mit dem Kampf um die Arbeitssicherung und damit im Zusam- menhang mit Auseinandersetzungen, die die spezifisch kapitalisti- schen Kriterien der betrieblichen Orientierung an kurzfristiger Rentabilität (u.a. konjunkturabhängige Entlassung und Erstellung) zum Gegenstand hätten. Das gemeinsame proletarische Schicksal der Arbeitsplatzunsicherheit wird zweifellos noch nicht unmittelbar für Techniker und Ingenieure wirkliche Bedrohung; Verwissen- schaftlichungs- und Rationalisierungsprozesse in der Produktion und Forschung allerdings können für bestimmte Gruppen bereits down-grading und Aufstiegsblockierung mit sich bringen. Wahr- scheinlich ist, daß bei der großen Verschiedenheit des Mechani- sierungsgrades, der angewandten Technologie, der betrieblichen Organisation von Fertigung Forschung und Entwicklung zwischen den einzelnen Produktionssektorerv, von Branche zu Branche, von Be- trieb zu Betrieb, von Abteilung zu Abteilung verschiedene Kon- fliktarten für technische Intelligenz und verschiedene Formen der Solidarisierung mit anderen Arbeiterkategorien gleichzeitig vor- kommen. 17) Jede konkrete Analyse von Konfliktaktualisierungen hat deshalb für bestimmte Industriebereiche - nach ihrer ökonomischen Posi- tion, ihrer technologischen Ausstattung, ihrem Fertigungsprogramm - die jeweils aktuellen Situationsbedingungen für einzelne Be- schäftigtengruppen zu berücksichtigen: die Arbeitssituation, Ko- operationsformen, Arbeitsplatzanforderunger die Stellung in den betrieblichen Funktionsbereichen; das Maß an Autonomie beim Ar- beitsvollzug; die Stellung im Herrschaftssystem. So ließen sich auch generelle Tendenzen empirisch-ausmachen, welche Kategorien der zur technischen Intelligenz gerechneten Berufe von Einspa- rungsmaßnahmen, technischen und organisatorischen Umstellungen usw. besonders betroffen sind. Das Interessante an Trentins Ansatz und an den von ihm aufgezeig- ten neuen Reibungsflächen zwischen den Klassen scheint mir zwei- erlei zu sein: erstens, daß als neue Qualität der mit der techno- logischen Veränderungen verbundenen Konfliktstoffe ihr zugleich betriebsnaher und der Betrieb übergreifender Charakter herausge- stellt wird; zweitens, daß die neuen Gegensätze durch den klassi- schen Lohnkonflikt nicht abgedeckt sind, als Lohnkampf in tradi- tioneller Weis; nicht erfolgreich ausgetragen werden können. Beide Aspekte hängen zusammen mit der unausgesprochenen, erst von L. Wolfstetter systematisch artikulierten Berücksichtigung der neuen Disparitätenspannungen. Sie sind im Betrieb selber, und nicht bloß als Merkmal von außerbetrieblicher Statusinkonsistenz erfahrbar: Zu denken ist u.a. an die Konfrontierung mit der Über- alterung und Unangemessenheit der Berufsausbildung ("Qualifi- kationsverschleiß"), die zur Kritik an den im staatlich regu- lierten Kapitalismus hoffnungslos zurückgebliebenen allgemeinen und beruflichen Ausbildungssystemen führen muß. Daraus ergeben sich bündig zwei Konsequenzen, die Wolfstetter z.T. in seiner Arbeiterstrategie formuliert und die sich mit der hier vorgeschlagenen theoretischen Bestimmung der Überlagrung von Widersprüchen weitgehend decken. Für entscheidend halte ich ein- mal die Folgerung "daß sich im Zuge der technologischen Transfor- mationen der letzten Jahrzehnte der Klassenkonflikt in einer neuen und spezifischen Weise in den Betrieb verlagert hat und zwar derart, daß er nicht mehr nur die Lohnhöhe betrifft, sondern die Konstitution des Betriebes überhaupt und damit die grundsätz- lichen Aspekte des Lohnarbeiterverhältnisses." 18) Im Klassen- kampf wird jetzt m.a.W. die Organisation der Arbeit im Betrieb selbst angegriffen, zur Aktualisierung entsprechender Konflikte bedarf es der selbständigen Politik im Betrieb, die von kleinen Gruppen am Arbeitsplatz ausgeht, welche "sich ihr Interesse an selbstbestimmter Belegschaftskooperation bewußt machen". Welche Rolle die technische Intelligenz in solcher, den kapitalistische Betriebszwecken sich praktisch entziehender Belegschaftskoopera- tion spielt (modellartig-französischen Mai und in neuerlichen Aktionen in Italien vorgeführt), ist abzuschätzen an ihrer funk- tionalen Bedeutung in der hochtechnisierten modernen Industrie. 19) Entscheidend ist zweitens die Folgerung, daß "die neuen betriebs- nahen Forderungen... (durch die Organisationen der Arbeiterbewe- gung) in einen kohärenten Zusammenhang mit den wirtschaftspoliti- schen Maßnahmen auf lokaler und nationaler Ebene zu bringen" sind. 20) Durch vielfältigen Druck von der betrieblichen Basis, artikuliert z.B. in wilden Streiks, organisiert durch politische Gruppen in der kooperierenden Belegschaft, unter Beteiligung ins- besondere der Spezialisten und Techniker, müssen die zentrali- sierten Instanzen der Gewerkschaftsorganisationen gezwungen wer- den, ihren "ideologischen Rückstand" ebenso aufzugeben wie ihr Verharren in dem verengten Rahmen bloßer, systemgerechter Lohn- und Sozialpolitik. Da die neuen Disparitäten den traditionellen Lohnkonflikt überlagern, in ihrer klassenspezifischen Wirkungs- weise zwar besonders die unterprivilegierten Lohnabhängigen tref- fen, aber eben auch die relativ privilegierten Angestellten (die Mehrzahl technischer Intelligenz), wird sich die zukünftige Akti- vität der Gewerkschaften auf eine allgemeine antikapitalistische Strukturpolitik richten müssen, wollen sie die Interessen der vom Spätkapitalismus betroffenen Massen noch vertreten. Da solche Strategie angesichts der "entpolitisierten Massen- loyalität" 21) gegenüber den bürokratisch verfestigten Arbeiter- organisationen nicht unmittelbar und rasch zum Erfolg führen kann, gewinnt eine dritte Folgerung schließlich besondere Bedeu- tung: die Politisierung der Widersprüche in "konfliktge- schwängerten Randbetrieben", Betrieben und Institutionen, die an der Peripherie des staatlichen Interventions- und des gesell- schaftlichen Verwertungszusammenhanges stehen - im großen und ganzen alles Einrichtungen zur Entwicklung der gesellschaftlichen Infrastruktur (öffentliche Bildungs- und Forschungsinstitute usw.) 22). Objektive Widerspruchspotentiale in diesem die technisch-wissenschaftlichen Produktivkräfte ausbildenden Bereich haben sich im Zusammenhang der für den kapitalistischen Verwer- tungsprozeß lebenswichtigen Konzentrierung und Straffung der Aus- bildung und der industriellen Ausrichtung der Forschung entwic- kelt. Hinzuweisen ist z.B. auf den Widerspruch zwischen den über- lieferten ubiquitären Idealen der freien wissenschaftlichen Lehre und Forschung und den partikularen Bedürfnissen nach verschärfter Rationalisierung; oder auf den zwischen durchaus möglicher Be- friedigung menschlicher Bedürfnisse und der Konzentration von Forschung und Entwicklung auf die systematische Destruktion von gesellschaftlichem Reichtum; auf den Widerspruch zwischen der funktionalen Notwendigkeit größerer Autonomie bzw. Kooperation verschieden Qualifizierter und dem Herrschaftsinteresse an der Aufrechterhaltung von Unterordnung und angeblich leistungs- (= konkurrenz-) fördernder Hierarchie 23). Politisierung solcher Widersprüche richtet sich sowohl auf die Bekämpfung der destruktiven Indienstnahme dieser Einrichtungen und ihres wissenschaftlichen Potentials selber, als auch auf die antizipatorische Konflikterfahrung ihrer Studenten in der späte- ren beruflichen Praxis. So würden Konflikte übertragen werden vom öffentlichen Ausbildungs- und Forschungsbereich auf die Produkti- onsbetriebe, die auf technische und wissenschaftliche Intelligenz zunehmend angewiesen sind. Revolutionäre Wirkung erhielten sie zwar erst im Zusammenspiel mit der Arbeiterschaft, "dem wichtig- sten Träger materieller Gewalt, die systemsprengende Wirkung ha- ben könnte" (Negt), aber angesichts ihrer wachsenden Bedeutung für die gesellschaftliche Reproduktion gewinnt die technische In- telligenz innerhalb der Arbeiterstrategie ein immer größeres Ge- wicht. Zum Schluß noch einmal L. Wolfstetter: "Zusammengenommen bedeutet das einmal, daß die lebendigen Produk- tivkräfte in den Rand- oder vorgelagerten Sektoren zunehmend ein auf ihrer anteilmäßig wachsenden Produktivität begründetes Selbstbewußtsein ausbilden können und gleichzeitig mit diesem Selbstbewußtsein in Widerspruch geraten zu den ihnen aufok- troyierten, kapitalistischen Bestimmungen, die sie einmal selbst dequalifizieren, d.h. ihre eigene Produktivkraft an der Entfal- tung behindern, und die sie zum anderen anhalten ihre sachliche Produktivität für die Planung, Organisation und Vorbereitung weitgehend sinnlos-verschwenderischer oder destruktiver Produkti- onsprozesse einzusetzen." 24) Widersprüche und Widerspruch: ----------------------------- Zum subjektiven Potential technischer Intelligenz ------------------------------------------------- Die Bestimmung der Klassenposition technischer und naturwissen- schaftlicher Intelligenz und der Aufweis von verschiedenartigen Widersprüchen in der Entwicklung der spätkapitalistischer Gesell- schaft sowie von Möglichkeiten, diese objektiven Widersprüche durch den Widerstand der Betroffenen voranzutreiben, macht nun die Frage nach dem subjektiven Potential unausweichlich. Erst dann gewinnen die strategischen Überlegungen zur Politisierung der als strategisch bedeutsam bezeichneten Grußen größere Ver- bindlichkeit und größeren Realitätsbezug, wenn auch das vorherr- schende Bewußtsein - wie immer "falsch" es sein mag - als ein selber Objektives in Rechnung gestellt wird. Da es nur wenige und nur wenig befriedigende empirische Untersuchungen gibt, ist die Darstellung allerdings oft auf Vermutungen und Kombinationer an- gewiesen. Zunächst ist zu bemerken, daß die bereits festgestellte Vielfalt technischer Berufe, die Verschiedenartigkeit ihrer funktionalen Position im Reproduktionsprozeß der Gesellschaft, vor allem die teilweise unklare durch Überschneidung und Grenzverwischung mit Herrschafts- und Ausbeutungsfunktionen gekennzeichnete Stellung mancher Naturwissenschaftler und wissenschaftlich qualifizierter Ingenieure ein einigermaßen übereinstimmendes Bewußtsein von der eigener Stellung und Rolle in der Gesellschaft von vornherein kaum erwarten läßt. Das von Chomsky so genannte "scientific and technical establishment" etwa versteht sich praktisch ganz im Dienst der großen Machtzentren von Wirtschaft, Militär und Staat, und das heißt in den USA gegenwärtig als Sozialtechniker des Vietnamkrieges. 25) Den vom öffentlichen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossenen (oder sich freiwillig ausschließenden) Intellektuellen in den amerikanischen Universitäten wird andererseits ein "Gruppenbewußtsein" bescheinigt, das sich an ihrem gemeinsamen "Klasseninteresse" (Verpflichtung zur Kritik) orientiere und mit- verantwortlich dafür sei, "daß die Jugend heute die Anpassung an die gegebene Gesellschaftsstruktur und Parolen der Machtelite verweigert". 26) Einheitlich ist das Bild aber auch nicht im Bereich der ange- stellten technischen Intelligenz, deren Funktion im Produktions- prozeß eher auch zu einen kohärenten Bewußtsein von ihrer Stel- lung in der gesellschaftlichen Klassenstruktur führen müßte. 27) Angesichts der Tendenzen zur Entqualifizierung und Routinierung produktionstechnischer Arbeitsfunktionen und der Unterwerfung auch wissenschaftlicher Forschungs- und Entwicklungsarbeit unter die unmittelbaren Verwertungsinteressen erscheint die Diskrepanz zwischen der Produktivkraft Technik und Wissenschaft als Teil der "Klasse an sich" und ihrem entsprechenden Selbstverständnis auch Teil der "Klasse für sich" zu sein, um so krasser. 28) Auch für die Mehrzahl der Techniker und Ingenieure gilt der all- gemeine Eindruck aus der Angestelltensoziologie, daß entgegen wichtigen Tendenzen in ihrer objektiven Situation (die sie sozu- sagen am eigenen Leibe erfahren) typisch mittelständische Gesell- schaftsbilder und bürgerliche Orientierungsmuster ihr Verhalten prägen und sowohl zur bewußten Abgrenzung gegenüber der Arbeiter- schaft und den Gewerkschaften führen, als auch zur Identifizie- rung mit den Zielen der Unternehmer. So bescheinigt Kemper 29) für die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Ingenieure Ab- neigung gegen Ingenieur-Gewerkschaften, weil diese eine Lohnpoli- tik verfolgen würden, die individuelle Leistung und professio- nelle Kreativitätskriterien nicht berücksichtige und die Bezie- hungen zum Management beeinträchtige! Ingenieure seien "Indivi- dualisten", lehnten jede Klassifizierung in Lohn- und Ge- haltsgruppen ("pigeon-holing in Job classifications") ab und fühlten sich als "Idealisten", eher an den Zielen des Management orientiert als an der Arbeiterschaft. Von Klages und Hortleder 30) wird dieser Eindruck geteilt; obwohl der Ingenieur nicht mehr "rechte Hand des Unternehmers" sei, sondern Angestellter in formalisierten Funktionsbereichen, obwohl er ökonomisch abhängig sei und bloß Teilarbeit verrichte, sich von der Maschinerie gar beherrscht fühle, habe sich aus der Erfahrung von Entfremdung keine Identifizierung mit der Arbeiterschaft - auch nicht mit der traditionellen (kaufmännischen) Angestelltenschaft - herausgebil- det. Auf Differenzen zwischen technischen und kaufmännischen Ange- stellten machen die Untersuchungen von Jaeggi und Wiedemann auf- merksam 31). Die Autoren sind besonders der subjektiven Auswir- kungen technologischer Veränderungen in der Angestelltentätigkeit nachgegangen. Angestellte, die durch Automation im Büro einen Funktionsverlust ihrer Tätigkeit hinnehmen mußten, empfinden auch Einbußen am Status; andere, deren Arbeitsplatz einer Funktionsge- wjnn erfuhr, haben größeres Selbstbewußtsein und sehen ihre so- ziale Stellung als gehoben an; liegt nur eine Funktionsverschie- bung vor, so wird der Status als gewahrt und bestätigt aufgefaßt. Für die gelernten Kaufleute, die sich bislang als die Angestell- ten par excellence fühlten, werden sowohl die Bürohilfskräfte wie die Rationalisierungs-Spezialisten a. entscheidenden, mehr oder weniger bedrohlichen "Vergleichsgruppen". So sehr sich die tradi- tionellen kaufmännischen Angestellten mit "idealistischem Bewußt- sein" bemühen, "der konkreten Einwirkung der Automatisierung aus- zuweichen", so wenig lassen sie für die Zukunft mögliche Konse- quenzen für ihren Status außer acht - es scheint, daß pessimisti- sche "Schicht-bilder" dabei überwiegen. Empfindlich reagieren sie auf die Organisatoren, Programmierer und Operatoren, die als neue Schicht im Büro tatsächlich Schlüsselpositionen einnehmen, und die sie als "bloße Techniker" abzuwerten bemüht sind. Dem stehen mit "realistischem Berufsbewußtsein" eben die Angestellten des neuen Typs gegenüber: "Ihre 'realistische' Sicht wird weitgehend von der Selbstverständlichkeit der technischen Sensibilität und der technischen Intelligenz bestimmt"; sie haben kein Verständnis für traditionelles Bildungsideal, Ordnungsdenken Senioritätsprin- zip; sie fühlen sich "auf dem richtigen Dampfer", von Statusver- lust nicht bedroht im Prestige nicht in Frage gestellt 33). Geht es um die Placierung im allgemeinen Sozialgefüge, so er- scheint den von Jaeggi und Wiedemann befragten Angestellten vor allem die Abgrenzung nach "unten" ein Problem zu sein. Überra- schend ist das Ergebnis, daß immerhin mehr als die Hälfte gegen- über der sozialen Stellung der Arbeiter keine Unterschiede sieht. Locherinnen einerseits, Maschinenbediener und Programmierer ande- rerseits sind auch darin am realistischsten: zwei Drittel, bzw. drei Vierte verneinen eine Schichtgrenze zum Arbeiter. Wo auf Differenzen hingewiesen wird, macht man weniger ökonomische Kri- terien geltend als das Merkmal verschieden hoher Bildung. Jaeggi und Wiedemann stellen fest, daß im Zuge der Rationalisierung die Abgrenzung nach "oben" sich eher verschärft hat: "Jedenfalls zei- gen die Antworten, daß heute eine größere Verwandtschaft des An- gestellten mit dem Arbeiter als mit der Oberschicht vorhanden ist" 34). Sogenannter Realismus, worin sich Angehörige technisch- naturwissenschaftlicher Berufsgruppen insbesondere die Ingeni- eure, von anderen unterscheiden mögen, ist indes weniger als "Entideologisierung" aufzufassen (und zu feiern), wie verschie- dene Autoren es tun. Braun 35) ist vielmehr rechtzugeben, wenn er auch für die angestellte technische Intelligenz die typisch mittelständische "Sensibilität für soziale Abstufungen" annimmt, die im übrigen von den Unternehmensführungen bewußt zur Auf- rechterhaltung individueller Aufstiegsmotivation und gegen Ten- denzen zur autonomen Teamkooperation gefördert wird. Worauf in- haltlich das spezifisch "realistische" Bewußtsein sich zu bezie- hen scheint, ist Reduktion ihres gesellschaftlichen Selbstver- ständnisses auf die Artikulation und Durchsetzung technischer und naturwissenschaftlicher Rationalität 36). Gegenüber den Elementen naiver konservativer Technikkritik bei Kaufleuten und angesichts der gesellschaftlichen Bedeutsamkeit von Wissenschaft und Technik als Produktivkräfte erster Ordnung können sie leicht auf die eigene produktive Leistung verweisen. Ähnlich den qualifizierten Facharbeitern leiten sie ihre berufli- che und soziale Identität aus einem spezifischen Leistungsbewußt- sein ab 37). Vor allem die höher qualifizierte Intelligenz vermag durch Identifizierung mit den professionellen Werten (Standards of technical excellence, Kreativität u.a.), 38) darüber hinaus ein Maß von Sachrationalität und Effizienz für sich zu beanspru- chen, das sie u.U. in der sozialen Organisation des Betriebes ebenso vermissen wie in den Leistungen und Einstellungen von kaufmännisch ausgebildeten Kollegen. Was sich wirklich hinter solcher öfters konstatierten Animosität der technischen gegenüber den kaufmännischen Angestellten verbirgt, ist vorläufig nicht eindeutig auszumachen. Es kann sich um relativ harmlose Kompensa- tion für den gesellschaftlich noch immer diskriminierten "Bildungsmangel" der technisch- und ingenieurwissenschaftlich ausgebildeten sozial aufsteigenden Schichten handeln 39), und es kann eine Reaktionsbildung aus dem Gefühl heraus sein, von der kaufmännischen Leitung abhängig zu sein, ohne den Grund dafür zu kennen oder einzusehen. Anzunehmen ist, daß die Erklärung der Konflikte zwischen kaufmännischer und technischer Intelligenz nach Kriterien der Statuskonkurrenz (wie es bürgerliche Soziolo- gie bevorzugt tut) nicht gerade falsch ist, jedoch nur ein ver- mittelndes Moment trifft, das gegenüber der Ableitung aus Wider- sprüchen zwischen dem Arbeits- und Verwertungsprozeß 40) nur nachgeordnete Bedeutung hat. Diese widersprüchliche Beziehung läßt sich im kapitalistischen Industriebetrieb erfahren als Un- terordnung technischer Lösungen bestimmter Entwicklungsprobleme unter den kaufmännischen Gesichtspunkt der relativ profitreichs- ten Verwendbarkeit 41). Wie dem auch sei, anders als vergleichbare Mittelschichtberufe der professionalisierten Intelligenz scheinen Techniker, Ingeni- eure und Naturwissenschaftler dazu zu neigen, soziale Probleme technisch lösen zu wollen, d.h. die überlieferten bürgerlichen Ideologien mit ihrem praktischen Bezug auf gesellschaftliche In- teressen zu ersetzen durch die neue Ideologie der Sachgesetzlich- keit, orientiert am technisch effizientesten Funktionieren des je gegebenen Sozialsystems 42). Soweit es für die technokratische Ideologie Vorläufer gibt und auch deren politische Implikationen bekannt sind, kann das politische Potential einer entpolitisier- ten technischen Intelligenz durchaus irrationalen Charakter an- nehmen und nicht als "skeptisch", "nüchtern" usw. positiv bewer- tet werden. Wie die faschistoide Bewegung der sogenannten Techno- crats in den USA der 20er Jahre bis zur Depression, die Unter- stützung des Nationalsozialismus durch die deutschen Ingenieure und die Anfälligkeit der französischen technischen Intelligenz für Poujadismus und Gaullismus zeigten 43), dürfte der saintsimo- nistische Traum von der sachlichen, ingenieurbestimmten Welt in politischen und gesellschaftlichen Krisen eher den reaktionären, offen repressiven politischen Bewegungen zugutekommen. Schon früh verbanden sich Vorstellungen von der Gesellschaft als maschine- ähnlichem System und vom Staat als "gut funktionierender Ma- schine" (heute nach dem Modell selbstgeregelter Systeme in der Konzeption des "Technischen Staates") mit der faschistischen Ideologie der Volksgemeinschaft: der von Ingenieuren gesteuerte Staat würde nicht länger "Tummelfeld für Interessen und Begierden einzelner Stände und Parteien" sein, triumphierte ein Ahnungsvol- ler 44). Nimmt man zur Ermittlung von politischem Bewußtsein heute als ge- wiß nicht erschöpfenden Indikator zunächst die Parteipräferenz, so zeigen auch Angaben aus jüngerer Zeit eine konservative Orien- tierung: während über die Hälfte der Naturwissenschaftler in den USA die Demokraten unterstützen, sind vier Fünftel der Ingenieure Anhänger der Republikaner. In England bot sich 1962 für Ingeni- eure folgendes Bild: drei Fünftel derer, die eine Angabe machten, waren für die Conservatives, ein Viertel für die Liberals und nur ein Zehntel für Labour 45). Eine andere Verteilung weisen die Parteipräferenzen bei den Studenten der deutschen Ingenieurschu- len auf: 1968 wollten 25 % die SPD wählen, 18% die CDU und 24% die FDP (NPD 2, andere 4, über ein Viertel machte keine Angaben oder war unentschieden) 46). Daß für solchen Unterschied weniger nationale Besonderheiten maß- gebend sein dürften als vielmehr die allgemeine Politisierung der Jugendlichen seit der Studentenrebellion, ist an dem Befund abzu- lesen, daß vor dem Streik der Ingenieurstudenten mehr FDP- und CDU-Anhänger als SPD-Anhänger unter ihnen waren und danach die SPD-Anhänger deutlich überwogen. Gleichzeitig wird den Ingenieur- studenten bescheinigt, daß sie seit dem Streik für linke radikale Parteien größere Aufgeschlossenheit zeigten (gegen KPD-Wiederzu- lassung nur 21 %) als für rechte (gegen Stärkung der NPD 84 %). Gemessen an diesen Indikatoren nimmt die Radikalisierung mit der Semesterzahl zu. Günstig hat sich der Streik der Ingenieurstuden- ten auch auf die Wahrnehmehmung der gesellschaftlichen Wirklich- keit der BRD ausgewirkt: die Einkorn die Wahrnehmung der gesell- schaftlichen Wirklichkeit der BRD ausgewirkt: die Einkommensver- teilung wurde vor dem Streik von mehr als der Hälfte als gerecht angesehen, nach dem Streik nur noch von einem starken Drittel. Für die Notwendigkeit von Demonstrationen der Jugendlichen und Studenten sprachen sich fast alle Befragten aus, 56% ohne jede Einschränkung; vorbehaltlos gegen die Forderung nach härterem Eingreifen der Polizei sind über vier Fünftel. Andererseits wird die Notstandsgesetzgebung nur von jedem Vierten als "nicht not- wendig" abgelehnt. Was im übrigen die wenigstens verbale Streik- unterstützung und die Tendenz nach links-meist als Zuwendung zur SPD-fürs politische Bewußtsein bedeutet, geht auch daraus hervor, daß von etwa zwei Fünfteln die Einkommens- und Vermögensvertei- lung in der BRD als gerecht angesehen wird, und daß die Partei- präferenz dieser Gruppe sich gleichmäßig (je etwa ein Drittel) auf SPD, CDU und FDP verteilt; lediglich diejenigen, die sie als ungerecht ansehen, bevorzugen die SPD deutlich (45%) vor der CDU (18%). Über die festgestellte Inkonsistenz politischer Einstellungen bei den Ingenieurstudenten hinaus ist die Begrenztheit bisheriger Po- litisierung abzulesen am Einfluß eines auf technische Rationali- tat eingeschränkten Verständnisses von politisch und gesell- schaftlich notwendigen Veränderungen. Das jedenfalls kann mit der gebotenen Vorsicht aus den vorliegenden Ergebnissen der WEMA-Stu- die entnommen werden. Danach wird einerseits die technische Bil- dung vom Bereich der Politik weitgehend isoliert gesehen, ande- rerseits versprechen sich die angehenden Ingenieure durch den Einfluß technisch ausgebildeter Experten größere Sachlichkeit und Rationalität politischer Entscheidungen (81%). Der Ansicht, daß "die politischen Probleme... inzwischen so kompliziert geworden (sind), daß sie vorwiegend von Fachleuten, vor allem auch von Technikern gelöst werden müssen", stimmen in den Anfangssemestern (1./2.) gut die Hälfte zu (54%), in den oberen Semestern (5./6.) sogar 63%. Da die Fragestellung der Untersuchung bereits ausklam- mert, was die vorhandene Einsicht in den Zusammenhang von Politik und gesellschaftlichen Interessen überhaupt ermitteln könnte, sind entsprechende Extrapolationen allerdings spekulativ. Zukünf- tige Studien müßten dem daher ebenso nachgehen wie der Frage, ob und unter welchen Bedingungen Ingenieure in Produktion und For- schung/Entwicklung in die Lage gesetzt werden, den Zusammenhang ihres Wissens und ihrer Leistung mit deren Verwertung durch pri- vate partikulare Interessen wahrzunehmen. So widersprüchlich das Bild der politisch-gesellschaftlichen Vor- stellungen und Orientierungen der angestellten technischen Intel- ligenz auch ist, so deutlich ist der Eindruck, daß die objektive Klassenzugehörigkeit und das Bewußtsein davon bei der Mehrzahl auseinanderfallen. Steiner macht vor allem vier Momente für diese Diskrepanz bei Angestellten verantwortlich 47); sie werden im folgenden kurz referiert und jeweils durch Hypothesen für die technische Intelligenz ergänzt, die im einzelnen zu diskutieren und empirisch zu überprüfen wären. 1. Unterschiede in den Funktionen von Arbeitern und Angestellten im Produktions- und Reproduktionsprozeß machen sich auch in der unterschiedlichen Reflexion der Ausbeutungsverhältnisse bemerk- bar. Gegenüber der unmittelbaren produktiven Arbeit erschwert die den Produktionsprozeß "vermittelnde" Tätigkeit der Angestellten, oft mit gewisser Anweisungsbefugnis vom Unternehmer ausgestattet, die Erfahrung von Entfremdung und die Einsicht in ihre nur poli- tisch-ökonomisch bestimmbare Klassenlage. Für Ingenieure kann danach die Annahme gemacht werden, daß sie umso mehr die Voraussetzungen erfüllen, die Ausbeutungs- und Ver- wertungszusammenhänge kapitalistischer Produktionsweise zu erken- nen, je näher sie im Bereich der unmittelbaren Produktion arbei- ten, und je mehr die von den modernen technischen Anlagen vorge- gebenen Kooperationsformen sie in Arbeitsgefügen zusammen mit qualifizierten Arbeitern integrieren, d.h. hierarchische Bezie- hungen abgebaut werden. 2. Jene Einsicht wird auch behindert durch die Wirkung der über- lieferten Leitbilder für Angestellte, orientiert an Berufsbildern einer Entwicklungsstufe, auf der die Angestelltentätigkeiten noch als delegierte Unternehmerfunktionen (F. Croner) begriffen werden konnten. Für die technische Intelligenz kann angenommen werden, daß sowohl in der Ausbildung an Ingenieurschulen als auch in der mehr oder weniger unter der Hand verbreiteten Ideologie der Fachverbände die Aufrechterhaltung einer Bewußtseinsbindung an die Managemen- taufgaben und -interessen wirksam ist 48). Traditionelle Gewerk- schaftspolitik, der Lohn- und Tarifverhandlungen kann auch des- halb die Haltung eines "instrumental collectivism" (Lockwood)bei Mitgliedern der Angestelltenkategorien kaum überschreiten, oder doch erst dann auf mehr Resonanz stoßen, wenn die reale Situation auch für Techniker (Aufstiegsbarrieren, Entlassungen) die Ideolo- gie als solche durchsichtig macht. 49) 3. Die betriebliche Unternehmerpolitik zielt darauf ab, die von den Angestellten praktizierte Höherbewertung und Distanzierung von den Arbeitern zu fördern; kleine Statussymbole und oft nur geringfügige materielle Vergünstigungen sowie mitunter künstliche Aufstiegsstufen sollen die besondere, individuelle Beachtung der auf solche Bestätigung ansprechbaren Angestellten durch die Be- triebsleitung unterstreichen. Technische Intelligenz ist zu unterscheiden nach ihrer Reaktion auf solche Integrationsanstrengungen der Unternehmen 50) und nach den Beziehungspunkten ihrer beruflichen Erwartungen. Als Modell kann die an Prandy und Kernhäuser demonstrierte Wertorientierung genommen werden 51): Orientierung an den "organizational goals" (0), d.h. den Zielen und Karrierechancen des Unternehmens; Orien- tierung an den Werten der Profession (P), d.h. wissenschaftlich- technische Maßstäbe für das Erreichen persönlicher Berufsvorstel- lungen; Orientierung an den Zielsetzungen der Gewerkschaften (U, für engineering unions), d.h. defensive Versicherung eines kol- lektiven Schutzes und Hoffnung auf graduelle Einkommensverbesse- rung. Im Zusammenhang mit Annahmen über die ökonomischen und technologischen Entwicklungstendenzen im kapitalistischen Produk- tionsprozeß (z.B. Rationalisierungsdruck auf die Großindustrie und Polarisierungstendenzen bei technischen Angestellten) wären für einzelne Kategorien der technischen Intelligenz Hypothesen zu formulieren über Konflikte zwischen O-, P- und U-Orientierung. Bisherige Untersuchungen legen nahe, von einer starken O-Orien- tierung durch die Berufsausbildung auszugehen, die für einen großen Teil der Ingenieure im Betrieb umfunktioniert wird in eine unternehmensorientierte Aufstiegshoffnung (Managementpositionen); werden solche Erwartungen zunehmend enttäuscht, wird zusätzlich die (professionelle) Orientierung an den Inhalten der Ingenieur- wissenschaften durch Routinearbeit und Qualitätsverschleiß obso- let, so kann sich die Gewerkschaftsneigung verstärken; beschrän- ken sich die Gewerkschaften aber auf die Tarifpolitik und tragen sie nicht auch gleichzeitig die neuen betrieblichen und überbe- trieblichen, für technische Intelligenz spezifischen Konflikte kämpferisch aus, so kann auch die U-Orientierung noch einer Ver- änderung unterliegen und ein Potential zur Unterstützung antige- werkschaftlicher, "wilder" Aktionen schaffen. 4. Als viertes wesentliches Moment, welches die adäquate Bewußt- seinsbildung bei Angestellten aufhält, stellt Steiner die allge- mein in der Gesellschaft wirksame, durch die "Kulturindustrie" massendemagogisch unters Volk gebrachte bürgerliche Ideologie heraus, welche wesentlich am "Mittelstandsdenken" orientiert sei. Kleinbürgerlicher Lebensstil und individuelles "Aufstiegsstreben" werde bewußt gegenüber den Ideen einer kollektiven Anstrengung zur Veränderung propagiert. Für die technische Intelligenz ist dieser Gesichtspunkt bedeut- sam, wenn an die soziale Herkunft, insbesondere der graduierten Ingenieure erinnert wird: anders als die TH-Studenten haben sie zum größten Teil Eltern aus den kleinbürgerlichen, bäuerlichen und Arbeiterschichten, für sie erscheint die Techniker- und Inge- nieurausbildung als einzige Möglichkeit, eine Verbesserung ihrer sozialen Lage zu erreichen 52). Auch diese Barriere dürfte zu durchbrechen sein erst durch die Erfahrung faktischer Enttäu- schung von Erwartungen, die an den "Aufstieg" geknüpft waren. Ein fünftes Moment, das Einsicht in die Klassenlage und in die Unterwerfung unter partikulare Interessen heute entscheidend hemmt, ist den von Steiner gekannten anzufügen: es handelt sich um die mit den neuen Disparitätenanspannungen zusammenhängende neue Ideologie der Systemerhaltung. Die mit der etatistischen Dauerintervention im Sozialstaat vollzogene Verflechtung gesell- schaftlicher Prozesse mit den politischen der Risikovermeidung erschwert jedoch dem einzelnen objektiv die Einsicht in die ei- gene gesellschaftliche Stellung; parallel zur Überlagerung des entscheidenden Gegensatzes von Kapital und Arbeit durch zusätzli- che politisch vermittelte Disparitätenspannungen ist eine Partia- lisierung sozialer Erfahrung zu beobachten, die dem falschen Be- wußtsein - in den Kategorien von Rollen- und Statusinkonsistenzen - objektiv Vorschub leistet. Das bloße Funktionieren solcher Systeme wird zu deren eigener Ideologie, sie als solche zu durchbrechen ist kaum anders zu er- warten als über ihre herbeigeführte Funktionsunfähigkeit. Ansätze und Strategie --------------------- Von einer politisch-ökonomischen Kritik des spätkapitalistischen Systems und einer Analyse seiner Entwicklungstendenzen auszuge- hen, ist unerläßlich, wenn es nicht beim abstrakten Desiderat der Politisierung bleiben soll, wenn an die Stelle von Appellen plau- sible Ableitungen aus konkreten gesellschaftlichen Konflikten treten sollten. Soweit nicht bereits die Thesen zu aktuellen be- trieblichen und überbetrieblichen Disparitätenspannungen solches Konfliktpotential für die Gruppe der technischen Intelligenz be- zeichneten, wäre an Ansatzpunkte von der Art der folgenden zu denken: 1. Aktualität hat das noch weitgehend vorpolitische Unbehagen der Studenten an Ingenieurschulen, deren Streiks sich zweifellos "systemgerecht" zunächst um Statusfragen drehten, denen aber an ihrem Konflikt der restriktive Charakter öffentlicher Entschei- dungen über Bildungsinvestitionen und Bildungspläne klarwerden kann. 2. Gerade das technische Denken (rationale Mittelverwendung) kann auch zum Ausgangspunkt kritischer Reflexion werden, soweit es nämlich den Widerspruch zwischen partikularer Rationalität und Irrationalität des Ganzen nicht zuläßt, wie er sich im institu- tionalisierten System der waste production und der planned obso- lescence im Spätkapitalismus darstellt Die "technologische Illu- sion" muß sich damit zwar nicht bereits auflösen - sie kann die Herrschaft der Kapitaleigner und der Politiker per se für die Vergeudung verantwortlich machen und deshalb eine der Ingenieure verlangen - aber sie dürfte politisch-ökonomisch fundierter Schu- lung zugänglicher werden. 3. Der Widerspruch zwischen technisch notwendiger Autonomie und einer im Interesse der Stabilisierung bestehender Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse aufrechterhaltenen Unselbständigkeit im Produktionsprozeß schafft Konfliktpotentiale, soweit es der Un- ternehmensleitung nicht gelingt, kompensatorisch mit differenzie- renden Gehalts-und Statusanreizen einzugreifen. Grenzen solcher Steuerungsmöglichkeit sind sichtbar, wenn gerade Autonomie zum wesentlichen Statusmerkmal wird; wenn es angesichts der technolo- gischen Möglichkeiten immer weniger plausibel erscheint, unverän- dert dem "Diktat der Berufsarbeit", der "Ethik des Leistungswett- bewerbs", dem "Druck der Statuskonkurrenz" usw. gehorchen zu müs- sen 53), und wenn es durch ökonomische Krisen zur Bedrohung der Arbeitsplatzsicherheit kommt. 4. Moralische Proteste gegen Kriege und Vernichtungsoperationen, auch wenn sie zunächst einem traditionell idealistischen, bürger- lichen Bewußtsein entstammen, können den politischen Gedanken der Verweigerung oder des Widerstandes gegen ein System virtualisie- ren, dessen politische Rationalität mit der technologischen immer weniger Schritt hält. 54) Hypothesen dieser Art - zur Möglichkeit von Reflexion über die gesellschaftlichen Zusammenhänge und die eigene Rolle in ihnen - gehen von der Erwartung aus, daß den Angehörigen der technischen Intelligenz die Diskrepanz zwischen ihrem Wissen und ihren Lei- stungen einerseits und den sozialen Konsequenzen der Anwendung andererseits wenigstens andeutungsweise zum Problem wird. Ange- sichts objektiver Entfremdung (Fremdbestimmung der Verwendung technischen Wissens) können zweifellos recht verschiedene Verhal- tensweisen bei den einzelnen als "Problemlösung" fungieren: - der Sachverhalt wird als Problem kaum wahrgenommen, das Bewußt- sein entspricht dem faktischen Zustand der Trennung von Zweckset- zung ("Politik") und Mittelanwendung ("Technik") weitgehend und es gelingt dem einzelnen im allgemeinen, seine sozialen "Rollen" (occupational self vs. citizenself; Arbeit vs. Freizeit) rigoros voneinander zu trennen; - die Diskrepanz zwischen eigenem Handeln und sozialen Konsequen- zen wird erfahren, aber die früh trainierte Ambivalenztoleranz funktioniert so gut, daß - mit Hilfe kulturpessimistischer Ideo- logeme z.B. - die subjektive Ohnmacht und Resignation rationali- siert werden können; - der Abstand zwischen technisch Möglichem und gesellschaftlich Realisiertem und der Gegensatz vieler Konsequenzen des Tuns zu den geltenden Normen, erfolgreich verinnerlicht und akzeptiert, kann als unabänderlich nicht hingenommen werden; vorpolitischer und oft nur moralischer Protest gegen den Mißbrauch technisch- wissenschaftlicher Produktivkraft gehört ebenso zu diesem Typus von Problemverarbeitung wie bereits politisch gewordenes kriti- sches Engagement. Kritische Einstellung und politisches Engagement sind auch in der "technischen" und "naturwissenschaftlichen Intelligenz" herstell- bar. Eine Automatik der Politisierung aber ist grundsätzlich nicht zu erwarten. Weder kann von den technologischen Veränderun- gen der Arbeitssituation und der Stellung des einzelnen im Be- trieb, noch von den ökonomischen Spannungen - in ihren Auswirkun- gen spürbar in der Produktionssphäre, im Bereich der Vermitt- lungstätigkeiten und als sozial staatlich nicht zu steuernde Dis- paritätensparinungen in gesellschaftlichen Lebensbereichen insge- samt - unvermittelt eine Bereitschaft zur politischen Emanzipa- tion angenommen werden. Dazu ist die große Krise noch zu unwahr- scheinlich. Dazu ist auch das Gewicht der fünf erwähnten inter- venierenden Momente, welche die Einsicht m Klassenlage und Klas- seninteressen objektiv erschweren, zu groß. Dazu ist auch das Ri- siko irrationaler Reaktionen zu groß. Aus der oben angeführten Arbeiterstrategie folgt deshalb für die politische Mobilisierung der technischen Intelligenz ein in An- sätzen bereits praktiziertes, doppeltes Vorgehen: Gemäß der Über- determinierungsthese werden erstens sowohl in den primären Pro- duktions- und Versorgungsbetrieben als auch in den "peripheren" Institutionen, in denen die vermittelnden Produktivkräfte "für die kapitalistische Verwertung produziert werden (Ausbildungs- systeme für qualifizierte und höherqualifizierte Intelligenz- berufe), Modellkonflikte auszutragen sein, und zweitens müssen parallel dazu in kleinen Arbeits- und Schulungsgruppen am Ar- beitsplatz die Voraussetzungen geschaffen werden, den theoreti- schen und praktischen Zusammenhang der objektiven Widersprüche und des subjektiven Widerspruchs im Kollektiv zu erfahren. Der vorliegende Versuch versteht sich hierzu als Diskussionsbei- trag. _____ 1) SOZIALISTISCHE POLITIK, 3 (Oktober 1969), S. 4, 7, 10. 2) Jürgen Habermas: TECHNIK UND WISSENSCHAFT ALS 'IDEOLOGIE', Frankfurt/Main 1968; Claus Offe: "Politische Herrschaft und Klas- senstruktur", in: POLITIKWISSENSCHAFT, Frankfurt/Main 1969. 3) In: GEGEN DEN STROM, Nr. l (August 1969), S. 19 ff. Siehe auch Bernhard Blanke, in; SOZIALISTISCHE POLITIK, 3, FN 29, S. 58 f. 4) Offe, a.a.O., S. 171. 5) a.a.O., S. 163. 6) Offe bezieht sich besonders auf G. Lenski: "Status Crystalli- zation. A non-vertical Dimension of Social Status.", in: AMERICAN SOCIOLOGICAL REVIEW (ASR), 19 (1954), und auf E. Jackson; "Status Consistency and Symptoms of Stress", in: ASR, 27 (1962). 7) Offe will die Frage selber zunächst als solche verstanden wis- sen: "Besondere Aufmerksamkeit verdienen bei diesem Versuch die notwendigen A b w e i c h u n g e n von jenem traditionellen Strukturschema, das Herrschaftsverhältnisse im Hinblick auf die Disjunktion ö k o n o m i s c h d e f i n i e r t e r K l a s- s e n untersuchte; die empirische Frage bleibt offen, ob dieses Strukturschema durch das vorgeschlagene alternative ersetzt oder nur ergänzt werden muß, das auf der Disjunktion von Bedürfnis- kategorien bzw. von L e b e n s b e r e i c h e n beruht." A.a.O., S. 164. 8) K. Marx: THEORIEN ÜBER DEN MEHRWERT, Berlin (DDR) 1956; vgl. die Beilage (12.) über "Produktive und unproduktive Arbeit", S. 353 ff, darin zur "Kopfarbeit" des Ingenieurs S. 374 f. 9) Zu den Hinweisen im 1. Teil des Aufsatzes (SOZIALISTISCHE PO- LITIK) 3, S. 10 ff. ist nachzutragen die wichtige Arbeit von Hel- mut Steiner: SOZIALE STRUKTURVERÄNDERUNGEN IM MODERNEN KAPITALIS- MUS. Zur Klassenanalyse der Angestellten in Westdeutschland." Berlin (DDR) 1967. In kritischer Auseinandersetzung mit der bür- gerlichen Angestellten-Soziologie, aber auch marxistischen Theo- retikern (z.B Jürgen Kuczynski), wird ein Modell zur empirischen Klassenanalyse vorgeschlagen, das dem grundlegenden Produktions- verhältnis ebenso gerecht werden will wie seiner, vielfältigen Vermittlungsweisen in den sozialen Beziehungen: "Die Einbeziehung einer Vielzahl vor. Momenten für die Klassenanalyse in G e s t a l t e i n e s S y s t e m s o d e r M o d e l l s, bei unterschiedlicher Gewichtung der Einzelkriterien, räumt den für die Analyse n o t w e n d i g e n, doch von den Primärkri- terien 'Verhältnis zu den Produktionsmitteln' (als gesellschaft- liches Verhältnis) und 'Platz in der gesellschaftlichen Organisa- tion der Arbeit' a b g e l e i t e t e n Faktoren (Arbeits- und Lebensbedingungen, soziales Milieu u.a.) den gebührenden Platz ein." (S. 101) 10) A.a.O., S. 222. 11) Damit soll weder die Produktion von falschen Bedürfnissen, noch der Scheincharakter von Befriedigung übersehen werden, noch auch andererseits die dennoch implizierte, quasi mitgeschleppte Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen. 12) Vgl. den 1. Teil, SOZIALISTISCHE POLITIK, 3, S. 7. 13) Kaum läßt sich ein unideologischer Bezug zur Theorie der Sta- tusinkonsistenz herstellen. Das erhellt aus ihrer Nähe zur struk- turell-funktionalen Rollentheorie ebenso wie aus einer Reihe falscher Invariantenannahmen über die "Natur des Menschen"; vgl. Lenski, a.a.O., S. 87. 14) Offe, a.a.O., S. 185. Mit anderen Worten: unter den Folgen der neuen Disparitätenspannungen haben die eh und je Unter- privilegierten am meisten zu leiden, da sie im allgemeinen in den slumartigen Wohnvierteln auch die schlechtere Luft, die schlech- teren Krankenhäuser, Schulen und Verkehrsverbindungen haben, zu- dem über geringere (individuelle) Kompensationsmöglichkeiten ver- fügen, kollektiver Benachteiligung wenigstens zeitweise - in Fe- rien etwa - auszuweichen. 15) Hinweise finden sich in einem unveröffentlichten Expose für eine Arbeit zum Thema "Sozialistische Betriebspolitik und Ange- stelltensektor". Vgl. zunächst aber B. Trentin: "Aktuelle Tenden- zen des westeuropäischen Kapitalismus und die Strategie antikapi- talistischer Strukturreformen", in: HEIDELBERGER BLÄTTER 12/13, 1968. 16) Siehe Niels Beekenbachs Zusammenfassung in: SOZIALISTISCHE POLITIK, 3, S. 85 f. 17) Das Verdienst der industriesoziologischen Untersuchung von S. Braun, H. Kern und M. Schumann (RKW-Projekt A 33, unveröff. Vor- bericht) ist u.a., das Interesse wieder gelenkt zu haben auf die Gleichzeitigkeit sehr "ungleichseitiger" Mechanisierungsgrade und nachzuweisen, wie dieses Phänomen teils produktionstechnisch, teils produkttechnisch und je spezifisch ökonomisch vermittelt ist. 18) Wolfstetter-Manuskript S. 18. 19) Siehe auch ZETTELKASTEN ZUR TECHNOLOGIE-DISKUSSION. Stich- wort: Technische Intelligenz hrg. vom AK Technologie an der TU Berlin. 20) Trentin, a.a.O., S. 79. 21) O. Negt: "Studenten und Arbeiterschaft. Zur Krise der Neuen Linken in der Bundesrepublik", in: KONKRET, Nr. 17 (11. August 1969). 22) vgl. Wolfstetter, a.a.O., S. 20 f. Siehe auch den Teil I in: SOZIALISTISCHE POLITIK, 3, S. 7 f. 23) In einem internen Papier hat W. Nitsch im Institut für Bil- dungsforschung (Berlin) "Thesen zur Bestimmung von Forschungs- prioritäten im Bereich höherqualifizierter Ausbildung und Arbeit" aufgestellt, die eine systematische Entwicklung von objektiven Widersprüchen im angesprochenen Bereich enthalten. Vgl. auch C. Offe: "Hochschulforschung im Spätkapitalismus", in: ZETTELKASTEN ZUR TECHNOLOGIE-DISKUSSION; TU Berlin. 24) Wolfstetter, a.a.O., S. 22. 25) Noam Chomsky: "The Welfare/Warfare Intellectuals", in: NEW SOCIETY, 3 July 1969, S. 15: "The contribution of the intellec- tuals to the management of this society is not small. In part, it is a matter of designing technology and assistance in formation of policy. In part, the contribution appears at a more abstract, more ideological level, in protecting policy from criticism by investing it with the aura of science. No reference to pacifica- tion fails to mention that it is "computerised". Its police state measures are described as "experiments with population and mate- rial resources control methods", and use the most up-to-date rhe- toric of reinforcement theory and shaping of behavior - I empha- sise the word "rhetoric", since in fact such talk is no more than a rhetorical cover for brute force". 26) Anatol Rapoport: "Das Klasseninteresse der Intellektuellen und die Machtelite", in: AGGRESSION UND ANPASSUNG IN DER INDU- STRIEGESELLSCHAFT, Frankfurt/Main (es) 1968, S. 57 f. 27) Zur Ergänzung der folgenden Darstellung s.a. die ausgeführten Rezensionen von M. Beckenbach, H. Stück und U. Kadritzke in: SO- ZIALISTISCHE POLITIK, 3. 28) Steiner, a.a.O., S. 126: "Die unmittelbar produktive Nutzung der wissenschaftlichen Arbeit verlangt nicht nur das zahlenmäßige Anwachsen der Intelligenz, sondern erfordert ihre immer stärkere Konzentration sowie wechselseitige Abhängigkeit und Arbeitstei- lung. Dem kann die freiberufliche Einzeltätigkeit nicht mehr ge- recht werden und muß daher dem konzentrierten Einsatz der Intel- ligenz in der Produktion wie im gesellschaftlichen Leben weichen. Sozialökonomisch drückt sich das im massenhaften Übergang der In- telligenz zur Angestellten- und Beamtentätigkeit aus. In der ka- pitalistischen Verwirklichung dieses objektiven Prozesses werden sie zu intellektuellen Lohnarbeitern. Die Masse der angestellten Ingenieure in Westdeutschland beispielsweise ist weder in kleinen Betrieben noch als individuell tätige Ingenieure beschäftigt. In großen Werkhallen lenken und leiten sie den arbeitsteilig zerleg- ten und kooperationsmäßig wieder zusammengefaßten Produktionspro- zeß. Zum großen Teil sind sie in Forschungs- und Entwicklungsla- bors sowie in Projektierungs- und Konstruktionsbüros konzen- triert. Auf sie trifft das für den bürgerlichen Intellektuellen als charakteristisch überlieferte Bild eines fern von der Produk- tion wirkenden, der im Gegensatz zur Detailarbeit des manuellen Facharbeiters noch die Gesamtheit aller Aufgaben auszuführen ver- mag und im unmittelbaren Kontakt mit dem Unternehmer öder seinen höchsten Managern steht, nicht mehr zu. Der einfache Ingenieur des Konstruktionsbüros, der oft mit vielen seiner Kollegen in ei- nem Raum konzentriert ist, dessen Ergebnisse meist sofort in die Produktion, mit der er in ständigem Kontakt steht, übergeführt werden, der nur noch einen oder mehrere Teilprozesse der Gesamt- konstruktion ausführt und daher relativ leicht austauschbar ist, der faktisch von der Leitung des Betriebes nur noch den Leiter seiner Forschungsabteilung und bestenfalls den technischen Direk- tor kennt, der oft bereits aus einer unteren Angestellten- oder Arbeiterfamilie stammt und ebenso ausgebeutet wird wie die Arbei- ter - verkörpert den Teil der Intelligenz im Kapitalismus, dessen objektive Klassenmerkmale sich auch hinsichtlich ihrer Ausdrucks- und Erscheinungsformen immer mehr denen der Arbeiter angleichen. Das schließt jedoch nicht aus, daß er noch im bedeutenden Maße in der bürgerlichen Ideologie befangen bleibt, was einer gesonderten Analyse bedarf und nicht allein mit historischem Phasenrückstand zu erklären ist." 29) John Dustin Kemper: THE ENGINEER AND HIS PROFESSION, N.Y. 1967. 30) H. Klages und W. Hortleder: "Gesellschaftsbild und soziales Selbstverständnis des Ingenieurs", in: SCHMOLLERS JAHRBUCH, 85. Jg., 1965. 31) Urs Jaeggi und Herbert Wiedemann: DER ANGESTELLTE IN DER IN- DUSTRIEGESELLSCHAF: Stuttgart 1966. Vgl. meine Literaturübersicht zur Arbeiter- und Angestelltensoziologie, in: POLITISCHE VIERTEL- JAHRESSCHRIFT, 9. Jg., März 1968. 33) A.a.O., S. 66 f. 34) A.a.O., S. 135. 35) Siegfried Braun: "Das Gesellschaftsbild der Angestellten", in: ATOMZEITALTER 9, 1967, S. 493. 36) Daß empirisch allerdings erst noch zu untersuchen bleibt, wie weit "technokratische Hintergrund-Ideologie" das Denken und Ver- halten von naturwissenschaftlichen und technischen Fachkräften bestimmt, ist angesichts der vorhandenen Studien und ihrer Frage- stellungen nachdrücklich zu unterstreichen. An der Differenz von idealistischem und realistischem Bildungsbegriff, am Konflikt von kaufmännischen und technischen Angestellten, kann nur sehr Vor- läufiges abgelesen werden. Vgl. J. Habermas: TECHNIK UND WISSEN- SCHAFT ALS IDEOLOGIE, Frankfurt/Main 1968, S. 81. 37) H. Popitz u.a.: TECHNIK UND INDUSTRIEARBEIT, und: DAS GESELL- SCHAFTSBILD DES ARBEITERS, beide Tübingen 1957; Klages und Hort- leder, a.a.O. 38) Dazu S. Marcson: THE SCIENTIST IN AMERICAN INDUSTRY, New York 1960; W. Kornhauser: SCIENTISTS IN INDUSTRY: Conflict and Accomo- dation, Berkeley 1962. 39) Jaeggi und Wiedemann (a.a.O., S. 85 ff.) setzen den "idealistischen" Bildungsbegriff dem "realistischen" gegenüber, wonach der von Goethe bis Ganghofer lesende (idealistische) "Gebildete" grundsätzlich Technik nicht als "Bildungsgut" aner- kennt. - Gerstl und Hutton (ENGINEERS - THE ANATOMY OF A PROFES- SION, London 1966) führen die Statusunzufriedenheit der Ingeni- eure zurück auf die verbreitete Assoziation ihres Berufes mit körperlicher und schmutziger Arbeit. 40) Steiner, a.a.O., S. 221. 41) Ein gutes Beispiel stellt das wechselvolle Schicksal des "K 70" bei NSU und Volkswagenwerk dar. 42) Vgl. Einleitung zu Perrucci and Gerstl: THE ENGINEERS AND THE SOCIAL SYSTEM, New York, London 1969; Habermas, a.a.O., S. 82 f.; Heiner Stück: "Wissenschaftssoziologische Kritik an deutschen Technokratie-Theorien", in: FUTURUM, Band 2, Heft 3, Meisenheim am Glan 1969. 43) Material und Hinweise bei Henry Eisner: THE TECHNOCRATS, Pro- phets of Automation, Syracuse University Press, 1967; Kla- ges/Hortleder, a.a.O., sowie INTERNATIONAL SOCIALIST JOURNAL 24, 1967. 44) Biedenkapp, zit. bei Klages/Hortleder, a.a.O. 45) Gerstl/Hutton, a.a.O., S. 145 f. Aus der Zusammenfassung: "The engineers as a group represent a highly affluent segment of the new upper-middle class in Britain. They are middlebrows, mo- derately active in social contacts and Community organizations, politically Conservative with a sizable Liberal streak, not more religious than the nation as a whole, and commited to their work but valuing their leisure even more." (p. 152) 46) WEMA Institut für Empirische Sozialforschung Köln: "Techni- sche Bildung und Politisches Verhalten" hektograph. Forschungs- bericht, April 1969. Die Ergebnisse dieser Studie sind aus methodischer Gründen der Erhebung und Interpretation mit großer Vorsicht zu betrachten. Eine ausführliche Darstellung und Kritik folgt in einer der nächsten Nummern der SoPo. 47) Steiner, a.a.O., S. 159 ff. 48) Was den Einfluß des VDI angeht, so ist dem eine (unveröff.) Diplomarbeit am Institut für Soziologie an der FU Berlin nachge- gangen; s. Klaus Rönnefahrt: "Das soziale Selbstbild des Ingeni- eurs aus der Sicht des Vereins Deutscher Ingenieure", Berlin 1967. 49) Vgl. Kemper, a.a.O., und Joel Seidmann: "Engineering Unio- nism", in: Perrucci and Gerstl, a.a.O. 50) "Creativity is fine as long as it is centered on Company pro- ducts..." Kernsprüche dieser Art und Empfehlungen an Manager, wie man dem angestellten Professional im Interesse der Ausbeutung seiner Talente und Fähigkeiten Spiel räume und das Gefühl von Selbstwert, Selbstbestimmung und Dazugehörigkeit geben kann, ent- hält L.E. Danielson: CHARACTERISTICS OF ENGINEERS AND SCIENTISTS. Significant for their Utilization and Motivation. Ann Arbor, Mi- chigan, 1960. Dasselbe bei Peter F. Drucker: DIE PRAXIS DES MANA- GEMENT, Düsseldorf 1956. 51) Vgl. die Besprechung in SOZIALISTISCHE POLITIK 3. 52) Die Projektgruppe Technologie an der TU Berlin machte ent- sprechende Erfahrungen bei der Technologiekampagne an westdeut- schen Hochschulen: "Die HTL-Studenten haben im letzten Semester mit überwältigender Mehrheit gestreikt, aber deshalb, weil es ih- nen an den weißen Kragen gehen sollte. Unsere Strategie war also zu idealistisch. Wir hatten vergessen, daß der weiße Kragen den Ingenieur für alles entschädigt, was die Industrie sonst mit ihm anstellt. Viele Arbeiterkinder, die an den HTLs studieren, mußten sonst mit schmutzigem Hals arbeiten. Sie sind ja gerade froh, aus dem Dreck heraus zu sein..." (in: ANRISSE 71, abgedr. in: ZETTEL- KASTEN "Technische Intelligenz", a.a.O.). 53) Vgl. Habermas: TECHNIK UND WISSENSCHAFT..., a.a.O. 54) Vgl. etwa die Position, die von Chomsky, a.a.O., und von Ra- poport, a.a.O., vertreten wird. zurück