Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1969
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Ulf Kadritzke
REZEPTION UND INTERPRETATION DER STUDENTENBEWEGUNG
IN DER EMPIRISCHEN SOZIALFORSCHUNG
Länger als in vergleichbaren anderen Ländern hat in der Bundesre-
publik die soziologische Forschung gezögert, ehe sie sich des
neuen Phänomens studentischer Unruhe an den Universitäten des
Landes annahm. In diesem Zögern spiegelte sich nicht nur die Un-
sicherheit und Schwerfälligkeit der universitären Institutionen,
die sich selbst kaum zum Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion
zu nehmen vermögen, sondern auch ein äußerst unschlüssiges
Selbstverständnis vieler deutscher Professoren der Sozialwissen-
schaften; dies bleibt nicht ohne Folgen für Rezeption und Inter-
pretation der politischen Studentenbewegung in Universität und
Öffentlichkeit. Entgegen vieler Behauptungen sind die Soziologen
und Politologen als Interpreten der Studentenrevolte in ihren
Einschätzungen und Analysen jedoch nicht nur aus wissenschafts-
theoretischen, sondern auch und vor allem aus wissenschaftspoli-
tischen Motiven zerstritten. Die Schwierigkeiten einer unvorein-
genommenen soziologischen Betrachtung des neuen Phänomens Studen-
tenunruhen hat vor allem darin seinen Grund, daß die Vertreter
der politiknahen Disziplinen dringender als die professoralen
Kollegen anderer Disziplinen aufgefordert sind, vor der Öffent-
lichkeit ihre Stellungnahme zur Studentenbewegung abzugeben, daß
dieselben Professoren jedoch am Ort der Unruhe selbst, der Uni-
versität, in den aktuellen Zusammenhang der politischen Ereig-
nisse hineingerissen sind. Damit ist die analytische Distanz, die
der wissenschaftliche Beobachter gemeinhin für sich in Anspruch
nimmt, radikal verkürzt; gerade die Soziologen als Vertreter ei-
nes problemorientierten Fachs sehen sich oft zu Optionen für oder
gegen eine von der Öffentlichkeit formal verstandene 'Wissen-
schaftsfreiheit', für oder gegen die politischen Intentionen der
studentischen Opposition gedrängt. Dieselbe Entscheidungs- und
Wertproblematik wiederholt sich auf gesamtpolitischer Ebene in
dem Maße, in dem die Studentenbewegung von ihrer Hochschulbasis
aus daran gegangen ist, politische Verbündete in anderen
gesellschaftlichen Bereichen, vor allem in der jungen Generation
der Schüler, Arbeiter und Angestellten zu suchen und damit ihren
Anspruch als konsequente revolutionäre Kraft anmeldet.
Für den Beobachter der Studentenforschung in der BRD mag auf den
ersten Blick überraschend sein, wie vorschnell vor allem die Ver-
treter einer strikten Trennung von empirischem Verfahren und
wertender Interpretation in der Beschäftigung mit Studentenunru-
hen die Skrupel wissenschaftlicher Genauigkeit hinter sich zu
lassen pflegen, wobei zumeist noch offen bleibt, in welchem Maße
die wertenden Stellungnahmen zusätzlich die fachliche Autorität
des ausgewiesenen Empirikers oder nur die politisch-persönliche
des 'Zeitkritikers' ins Feld führen. Ähnlich wie Lipset in den
USA, dessen Untersuchungen der Studentenrevolten in verschiedenen
Gesellschaften klarer als seine Wahl- und Wahlverhaltensstudien
die ideologischen Randbedingungen einer strukturell-funktionalen
Betrachtungsweise enthüllen, sind auch in der BRD gerade diejeni-
ger Forscher, die sich mit ihren Studien dem vergleichenden An-
satz Lipsets verpflichtet wissen 1), zu politisch motivierten
Verdikten über die Systemgefährlichkeit und/oder die angebliche
Irrationalität studentischer Protestbewegungen bereit. Diese Ein-
schätzung geschieht zumeist sowohl auf der Ebene der Universität
als auch auf der der Gesellschaft. Während aber im Universitäts-
bereich die funktionalen Mängel der deutschen Hochschulinstitu-
tionen durchaus zugestanden werden, wird die eigentliche Dimen-
sion studentischer Kritik, die sich in Hochschule und Gesell-
schaft gegen die spätkapitalistischen Strukturprinzipien beider
richtet, entweder unterschlagen oder als verkürzt bzw. weltfern
denunziert. Die politischen Handlungsweisen der Studenten geraten
in dieser Perspektive unter die Kategorie des Pathologischen; wo
die alten rollentheoretischen und strukturell-funktionalen Erklä-
rungsversuche der Jugendsoziologie nicht mehr hinreichen, wird
studentisches Verhalten als Gegenstand der Anomieforschung ge-
setzt und seines intentionalen Charakters nahezu vollständig be-
raubt 2). Die Folgen dieser Sichtweise für die Forschungspraxis
und deren Ergebnisse werden noch zu schildern sein. Auf beiden
analytischen Ebenen, der universitätssoziologischen und der ge-
sellschaftstheoretischen, laufen Vertreter der strukturell-funk-
tionalen Schule ständig Gefahr, mit der Beobachtung des funktio-
nalen Beitrags bestimmter abweichender Verhaltensweisen für den
Erhalt oder die Störung des - universitären oder gesellschaftli-
chen - Systems unter der Hand politisch folgenreich zu optieren.
Diese heimliche Option kommt schon in den analytischen Versäum-
nissen vor Ausbruch der Studentenunruhen zum Ausdruck. In den
meisten ernstzunehmenden amerikanischen und deutschen Studien zur
Universitätswirklichkeit 3) wurde mit der Auswahl der Bezugs-
punkte im System Hochschule schon eine Vorentscheidung darüber
gefällt, welche Probleme als regulierenswert gelten und welche
Gruppen folgerichtig nicht als wesentliche Agenten inneruniversi-
tärer Entscheidungsprozesse in Betracht zu ziehen sind. Daß Stu-
denten im universitätssoziologischen Bezugsrahmen der amerikani-
schen Forschung kaum eine Rolle spielten, stellt die methodologi-
schen Schwierigkeiten in einen charakteristischen Zusammenhang
mit der politisch zu verstehenden Ignoranz der amerikanischen
Universitäten gegenüber ihren studentischen Klienten. Erstaunend
ist auf den ersten Blick jedoch der Umstand, daß auch in den ein-
schlägigen Analysen der westdeutschen Hochschulsituation vor den
Studentenunruhen die Lernenden keinerlei systematischen Ort hat-
ten, obwohl seit den Zeiten der Weimarer Republik eine zwangskör-
perschaftlich organisierte Studentenschaft zwar bescheidene, im-
merhin garantierte und ausformulierte Rechte in den Universitäten
besaß. Während in den USA aber die Studentinnen Interessen im An-
satz vieler Organisationsstudien nicht zuletzt deshalb unberück-
sichtigt blieben, weil in der formalen Struktur der Universität
die Studenten sowohl in der Ideologie als auch - der Praxis weit-
hin als Objekte wissenschaftlicher und humantechnischer Ausbil-
dung fungieren, verdecken in der Bundesrepublik die Intensität
und die spezifische Richtung der Reformdiskussion nach dem 2.
Weltkrieg das Problem der studentischen Teilnahme an universitä-
ren Entscheidungsprozessen. Die wenigen Autoren von Arbeiten über
die Hochschulwirklichkeit 4) waren gezwungen, der anerkannten
Dringlichkeit der Reformfragen mit aktuellen Kommentaren und Op-
tionen Rechnung zu tragen; daher wurden die forschungsmäßigen Er-
gebnisse der Analysen mit taktischen Reformvorschlägen, häufiger
noch mit der Abwehr weitgehender Veränderungswünsche verknüpft,
beide Momente sind zumeist äußerst unzulänglich voneinander ge-
schieden.
Zudem stand im Zentrum der Diskussion ein tatsächlich äußerst
wertüberladener Aspekt, in den Versuchen, die Binnenstruktur und
das Verhältnis der deutschen Universität zur Gesellschaft zu un-
tersuchen, dominierte zumeist die Absicht, bestimmte akademisch
hochgeschätzte Charakteristika des alten Humboldtschen Modells zu
retten und andere, weniger geschätzte oder obsolete Elemente ab-
zustoßen. Ins Zentrum der Diskussion gerieten über viele Jahre
hinweg zum Fetisch gewordene und ungenau umrissene Begriffe wie
die 'Einheit von Forschung und Lehre', die 'Autonomie der Univer-
sität' oder die 'Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden'. Dage-
gen verblieben für die heutige Universitätspraxis entscheidende
und dringliche Probleme am Rand der Analysen: die Organisation
der inneruniversitären Entscheidungsprozesse, die Abhängigkeit
der Forschung von den sie umgebenden und auf sie einwirkenden ge-
sellschaftlichen lnteressen; die ökonomische und politische Funk-
tion wissenschaftlicher Produktion vor dem Hintergrund der stei-
genden Bedeutung der Produktivkraft Wissenschaft; der Beitrag des
Universitätsstudiums für die spätere Praxis der akademischen Be-
rufe, um nur einige Aspekte zu nennen. Indem die professoralen
Interessen der sozialwissenschaftlichen Forscher unexpliziert in
den Untersuchungsgegenstand hineinspielten, konnte sich ein ver-
bindliches Problembewußtsein über den strukturellen Zustand der
deutschen Universitäten nicht herausbilden. Folgerichtig erschie-
nen die ersten, zunächst hochschulintern auftretenden Studente-
nunruhen je nach dem universitätspolitischen Blickwinkel der
Beobachter in einem weniger die Analyse als vielmehr die
aktuellen Optionen hervorkehrenden Kontext.
War somit der systematischen Erforschung der hochschulinternen
Auslösungsbedingungen von Studentenunruhen kaum eine sichere me-
thodische und inhaltliche Grundlage gegeben, so erwiesen sich
auch die herkömmlichen und anerkannten empirischen Ergebnisse
über das politisch Handlungspotential der deutschen Studenten als
überraschend vergänglich; und dies, obwohl die Schwierigkeiten,
in die die ersten strukturell-funktionalen Erklärungsversuche von
Lipset aufgrund der begrenzten jugendsoziologischen und sozial-
psychologischen Sichtweise und des statischen analytischen Rah-
mens geraten mußten, zumindest in der bekannten Frankfurter Stu-
detenstudie 5) von Habermas u.a. vermieden waren. Im Gegensatz zu
Lipset entgingen Habermas und die Autoren der Frankfurter Studie
der Tendenz, die gesellschaftlichen Stabilitätsbedingungen apolo-
getisch-funktional zu bestimmen und damit den sozialtechnischen
Aspekt einer Befriedung der Verhältnisse in der Analyse der Fak-
toren studentischer Unruhe in den Vordergrund zu stellen, sie
entgingen mit der dynamischen Einbeziehung des gesellschaftlichen
Hintergrunds der BRD auch der Gefahr, rechts- und linksradikale
politische Bewegungen unter dem isolierten Aspekt der Systemstö-
rung zusammenzusehen 6).
Gleichwohl kann dem kritischen Betrachter nicht entgehen, daß
auch eine kritisch-dialektisch orientierte Gesellschaftsanalyse
und die aus solchen Positionen gewonnenen Prognosen es nicht zu
leisten vermochten, das neue Phänomen der Studentenproteste in
seinen Entstehungsbedingungen genau zu erfassen. Zudem muß sogar
für einen Teil der an den Universitäten gepflogene marxistischen
Analysen und der daraus gewonnenen praktischen Konzeptionen die
Einschätzung H. Lefebvres gelten, der angesichts der akuten Ver-
legenheit traditionell sozialistischer - kommunistischer Parteien
über den gesellschaftlichen Charakter des Studentenprotestes
schreibt, die jüngsten Ereignisse könnten "sogar die Strategien
zum Einsturz bringen, die seine Möglichkeit einkalkulierten." 7)
Bevor wir neue Untersuchungen über die Auslösungsbedingungen der
studentischen Unruhen zu interpretieren versuchen, seien die we-
sentlichen Ergebnisse der Frankfurter Studentenstudie, die vom
Ende der 50er Jahre stammt, kurz dargestellt. Sie hatten empi-
risch noch bis vor 3 Jahren ihre Geltung: "Die Studentenschaft
dürfte in den entwickelten Industrieländern des Westens, dürfte
zumal in der Bundesrepublik nicht in erster Linie als eine Größe
selbständiger und folgenreicher politischer Kraftentfaltung in-
teressieren. In Ansehung ihres politischen Potentials ist sie als
Schlüsselgruppe, aus der sich die funktionalen Eliten zunehmend
rekrutieren, wichtiger." 8) Der Umschlag dieser Studentenschaft
in eine strukturell für die Gesellschaft folgenreiche soziale Be-
wegung, deren politischer Anspruch von Lipset und seinen deut-
schen Vertretern nicht anders als normativ abgewehrt werden kann,
ist auch in der Frankfurter Studie konkret noch nicht gesehen. Im
Gegenteil gelangten ihre Autoren - unter expliziertem Bezug ihrer
analytischen Kategorien auf die deutschen polit-ökonomischen Ten-
denzen zur autoritären und zugleich entpolitisierten Sozialstaat-
lichkeit - zu einer pessimistischen Einschätzung des demokrati-
schen Potentials. Obwohl die Analyse der Gesellschaftsbilder der
Studenten, in Zusammenhang gebracht mit den empirisch gewonnenen
Aussagen über politischen 'Habitus' und politische 'Tendenz',
ausdrücklich angestellt wurde, "um mit ihrer Hilfe die Zuverläs-
sigkeit einer Extrapolation von Potential unter gegebenen, aufs
Potential unter veränderten Umständen prüfen zu können" 9), also
gesellschaftliche Dynamik bei der Prognose in Rechnung stellt,
hat sich die Richtung des studentischen Engagements nicht zuver-
lässig ausmachen lassen.
Hatte die Frankfurter Studie im Jahre 1961 noch zum Ergebnis: "
... soweit es an der politischen Initiative der Studenten, dem
wirksamen staatsbürgerlichen Einsatz ihrer Kräfte liegt, werden
antidemokratische Tendenzen stärker auf Unterstützung als auf Wi-
derstände rechnen dürfen" 10), so ist heute empirische Klarheit
darüber gewonnen, daß nicht mehr nur 10% der Studenten an deut-
schen Universitäten sich für die Erhaltung der "Demokratie" ein-
setzen, sondern weit über 50%, mehr als in allen anderen Bevölke-
rungsgruppen der BRD; es ist weiterhin gesicherte Erkenntnis, daß
ein erheblicher Teil dieser Studentenschaft die politischen Ver-
hältnisse in der Bundesrepublik mit genuin sozialistischen Ziel-
vorstellungen zu verändern sucht. Dabei braucht kaum erwähnt zu
werden, daß diese politische Dynamik, wenngleich sie von Vertei-
digern der westlich-kapitalistischen Gesellschaftsstruktur unter
den Soziologen negativ bewertet wird, nicht auf einem Abschwenken
autoritär disponierter Studenten ins 'linke' Lager beruht. Viel-
mehr herrscht darin Übereinstimmung, daß sich der Typ des
'genuinen Demokraten' aus der Frankfurter Studie im Verlauf der
universitären und politischen Konflikte zum aktiven Verfechter
sozialistischer Umwälzungen politisiert hat, während die
'formalen Demokraten' der Vergangenheit mit der inhaltlichen Kon-
kretisierung ihrer politischen Wertvorstellungen das Spektrum der
progressiven Positionen entscheidend erweiterten. Die gegentei-
lige These vom linken 'Konformitätszwang', der zur Anpassung an
gängige Bewertungs- und Verhaltensmuster der Studentenbewegung
führe, wird selbst von scharfen Kritikern der studentischen Oppo-
sition nur gelegentlich vertreten 11); sie entbehrt auch ange-
sichts des prozeßhaften und konsistenten Erfahrungszuwachses, den
die beteiligten Studenten in den Jahren ihrer Politisierung er-
fuhren, jeglicher theoretischer und empirischer Grundlage. 12)
Mit diesem Hinweis eröffnet sich zugleich die Möglichkeit, dieje-
nigen durch Sozialisation und Situation bestimmten Faktoren näher
zu betrachten, die eine Politisierung der deutschen Studenten-
schaft über alle sozialwissenschaftlichen Prognosen der Vergan-
genheit hinaus erklären können. In der Analyse dieser Politisie-
rungsbedingungen bleiben vor allem die zahlreichen empirischen
Umfragen, die in jüngerer Zeit im Auftrag der staatlichen Appa-
rate und damit in sozialtechnisch-manipulativer Absicht entstan-
den, unter wissenschaftlichem Erklärungsniveau. Ihr begrenzter
Wert liegt von Fall zu Fall lediglich darin, daß sie den politi-
schen Trend der Meinungen in der Studentenschaft der Bundesrepu-
blik in groben Umrissen wiedergeben 13). Durch das grobe Raster
der suggestiv auf formaldemokratische Institutionen und Verhal-
tensweisen zugeschnittenen Fragenkomplexe fallen jedoch nahezu
alle Faktoren hindurch, die für eine Erklärung der studentischen
Einstellungen und der studentischen politischen Praxis in dem
Sinne relevant sein könnten, da sie zeigen, wie die alte Sinnfäl-
ligkeit der gesellschaftlichen Organisation durch begründete und
damit auf neue Weise sinnfällige Optionsmuster in Frage gestellt
wird. Legitimitätskonflikte der kapitalistischen Gesellschaft
aufgrund verweigerter Bedürfnisse und zentraler Inkompatibilitä-
ten finden in den bornierten Auftragsarbeiten theoretisch keiner-
lei Platz.
Empirisch unterschlagen wird damit auch der intentionale Charak-
ter der studentischen Bewegung als einer dem Anspruch nach Sozi-
alrevolutionären. Forschungstechnisch wirft dieses Problem die
Frage nach der Eindimensionalität von Einstellungsfragen und nach
der Erklärungskraft der herkömmlichen Sozialisationsfaktoren wie
Familie, Klasse/Schicht, Altersgruppe und Schulbildung auf. Beide
Fragen haben noch keine systematische Überprüfung in neueren kri-
tischen Studien erfahren: auch dürften der unzulängliche Stand
der Sozialisationsforschung und die theoretische Umstrittenheit
der zumeist verwandten Demokratie- und Rigiditätsskalen vorerst
eine systematische Abklärung dieser angeschnittenen Probleme ver-
hindern. Dagegen kann heute nicht mehr als umstritten gelten, daß
z.B. eine Einstellungsfrage, wie sie in der Studie von R. Wilden-
mann und M. Kaase 14) verwandt wird, keine sinnvollen Dimensionen
studentischen Bewußtseins mißt. Zu dem Statement: "In jeder demo-
kratischen Gesellschaft gibt es bestimmte Konflikte, die mit Ge-
walt ausgetragen werden müssen", wird für klare Ablehnung eine
'demokratische' Einstellung verbucht; es bleibt unberücksichtigt,
daß zwei der entscheidenden inhaltlichen Momente, nämlich die
'demokratische Gesellschaft' und die 'Gewalt', in der Dynamik po-
litischer Bewußtseinsprozess qualitativ unterschiedlich bewertet
und begründet werden können. Auf keinen Fall ist es zulässig
einen vortheoretischen und vorpraktischen Begriff von Demokratie
und Gewalt, der in der Gesamtbevölkerung an der Einstellung zu
diesem Statement gemessen wird, mit dem reflektierten Erfahrungs-
potential in eins zu setzen, das politisierten Studenten heute
eine Beurteilung dieser Aussage in verändertem Sinne nahelegen
kann.
Diese empirische Vorgehensweise bleibt auch dann umstritten, wenn
man wie Wildenmann und Kaase vordringlich die Vergleichbarkeit
der Ergebnisse mit anderen Studien anzielt und das Problem der
empirischen Gültigkeit auf der Ebene der Einstellungen vernach-
lässigt 15). Damit ist aber der Wert solcher Auftragsstudien
schon wissenschaftstheoretisch äußerst umstritten.
explizites und implizites praktisches Ziel auch nicht die Aufklä-
rung von Entstehungs- und Bedingungszusammenhängen einer neuen
studentischen Bewegung, sondern die Stabilisierung der Herrschaft
der Auftraggeber. Dem bestehenden System werden die funktionalen
Schwächen im Lichte der neuen Unruhen zur Ausbesserung empfohlen.
Entsprechend beschränkt sich das Legitimitätsproblem einer Ge-
sellschaft bei Wildenmann und Kaase auf die auch von Lipset ge-
stellte Frage nach der "Fähigkeit des Systems, in der Bevölkerung
den Eindruck herbeizuführen und zu erhalten, daß die bestehenden
politischen Institutionen die am besten geeigneten für die Ge-
sellschaft sind." 16).
Den Effizienzanforderungen an das System auf dieser herr-
schaftspraktischen Ebene zollt die ganze Anlage der Mannheimer
und ähnlicher Studien 17) beträchtlichen inhaltlichen Tribut.
Rein sachlich gelingt es ihren Verfassern nicht, die politische
Entwicklung eines großen Teils der Studentenschaft plausibel zu
machen; die abstrakte Aufforderung an die Instanzen der politi-
schen Herrschaft, als demokratisches System wandlungsfähig in
Richtung einer weitergehenden Verwirklichung jener demokratischen
Zielvorstellungen des Grundgesetzes" zu werden 18), wirkt beson-
ders entlarvend vor dem Hintergrund der Tatsache, daß die Demo-
kratiekonzeption der sozialistischen oder progressiven Studenten
in ihren entscheidenden systemkritischen Dimensionen verfehlt und
damit zugleich eine konsistente Weise der Kritik am politisch-
ökonomischen System der Bundesrepublik ignoriert bleibt 19).
Selbst deutliche empirische Hinweise auf Momente eines sub-
stantiell egalitären Demokratieverständnisses der progressiven
Studenten werden nicht weiter verfolgt. So vermögen die Verfasser
der Studie aus dem Ergebnis, daß sich demokratischer eingestellte
Studenten und Jugendliche stärker gegen rechtsradikale Systeme
der westlichen und dritten Welt" aussprechen, "weniger demokra-
tisch eingestellte Studenten und Jugendliche dagegen stärker ge-
gen die linksradikalen (sic! - U.K.) Systeme des Ostblocks",
nichts anderes zu gewinnen als die vage Erkenntnis, hier zeige
sich "ein grundlegender ideologischer Konflikt." 20) Im Resümee
ihrer Studie unterläuft Wildenmann und Kaase schließlich der vor-
schnelle Schluß von ihrer inhaltlich vorgeprägten Methode der em-
pirischen Erhebung auf den Realitätsgehalt der gewonnenen Ergeb-
nisse. Dieser Fehlschluß verdeutliche noch einmal das Interpreta-
tionsproblem: "Da der Begriff 'demokratisch' in dieser Untersu-
chung konkret und nicht diffus, im Sinne von Zielvorstellungen
des Grundgesetzes definiert worden ist, handelt es sich um eine
Reformbewegung, die es mit der Verfassung der Bundesrepublik
ernst meint." 21) Mit solchen die empirischen Methoden und Ergeb-
nisse lediglich verifizierenden Behauptungen über die gesell-
schaftliche Wirklichkeit sind nicht einmal angemessene Aussagen
über politische Meinungen und Einstellungen von Studenten gewon-
nen, geschweige denn ein abgesichertes Bild der differenzierten
Einflüsse der Sozialisierungsinstanzen und der konkreten politi-
schen Situation, in die sich die Studentenschaft gestellt sieht.
Wenn auch die Verfasser offen zugestehen, daß die Studie "nichts
aussagen kann über die Dynamik sozialer Prozesse" ... und daß
"die Handlungsabläufe ... situationsspezifisch untersucht werden
müssen, so kennzeichnet doch die bedenkenlose Empfehlung von
Herrschafts- und Reformtechniken zur Eindämmung der Protestbewe-
gung (Isolierungstaktiken, Wahlrechtsreform, Hochschulreform) 22)
das gesellschaftlich bedingte Forschungsklima und den manipulati-
ven Wert, den die politische Elite einer verkürzt fragenden und
vereinfachend antwortenden empirischen Forschung beimißt.
Mit der Kritik an solchen die relevanten Dimensionen ausblenden-
den Untersuchungen ist die Richtung, in die eine fruchtbare Fra-
gestellung in unserem Problembereich zu zielen hätte, erst ex ne-
gativo bestimmt.
Der Hinweis auf situative Faktoren, den neben Wildenmann und
Kaase vor allem auch die Auto--3n der wesentlich reflektierteren
Frankfurter Studie liefern, lenkt die analytische Aufmerksamkeit
auf die Notwendigkeit genauerer Fallstudien, in denen fürs erste
die konkrete Rahmenbedingungen studentischer Politisierung be-
schrieben werden, aus denen dann empirisch überprüfbare Hypothe-
sen über den Zusammenhang der äußeren Bedingungen mit den studen-
tischen Reaktionen hervorgehen könnten. Den ersten Versuch einer
solchen Fallstudie unternahmen Friedeburg 23) u.a. an der Freien
Universität, dem historischen Zentrum der Studentenunruhen in
Deutschland. Allerdings ist dieser Versuch einer Analyse weithin
unvollständig und hilflos geblieben. Sein zentraler Mangel ist
darin zu sehen, daß die Möglichkeit versäumt wurde, in den je-
weils entscheidenden Phasen der Protestbewegung, deren Verbreite-
rung durchaus abzusehen war, ein Panel der Berliner Studenten-
schaft nach theoretisch-sinnvollen und relevanten Untersuchungs-
kriterien zu befragen und damit in der dynamischen Abfolge von
hochschulinternen und stadtpolitischen Konflikten die verursa-
chenden Faktoren genauer zu erfassen. Angesichts dieses Versäum-
nisses bleibt selbst der deskriptive Wert der ausführlichen Stu-
die begrenzt; vor allem die entscheidenden Phasen der politischen
Eskalation in Berlin sind lediglich in historischer Beschreibung
nachvollzogen. Damit besitzt die Berliner Studie keinen zurei-
chenden Erklärungswert für die 'Universalisierung' der studenti-
schen Protestbewegung; über die Ursachen der Entwicklung von der
hochschulpolitischen Revolte zu einer politischen Opposition, die
alle Attribute einer sozialen Bewegung trägt und schon heute über
den studentischen Bereich hinauswirkt, kann vorerst nur diszipli-
niert spekuliert werden.
Auf diesem Stand der analytischen Bemühungen wäre zunächst der
Rahmen abzustecken, in dem fruchtbare Hypothesen über Ursachen
und Motive der studentischen Unzufriedenheit mit der spätkapita-
listischen industriellen Gesellschaft zu entwickeln sind.
Vor allem wäre die stillschweigende Annahme der meisten Studien
kritisch zu revidieren, die widersprüchliche, historisch obsolete
Binnenstruktur der deutschen Universitäten fungiere als zentraler
verursachender und inhaltlich bestimmender Faktor der Studenten-
rebellion. Es ist erstaunlich und nur durch das dahinterliegende
Interesse an isolierter technokratischer Hochschulreform zu er-
klären, daß eine derart simplifizierte These allenthalben aufge-
nommen und in reformistischer Debatten verwertet wird. Gewiß hat-
ten die ersten studentischen Proteste spezifische Mängel in der
Hochschulsituation zum Ausgangspunkt: Konflikte konnten erst aus-
brechen und die Dynamik der studentischen Politisierung bestim-
men, wenn sich die normativen Schemata akademischen Verhaltens
und universitärer Organisation unter dem Druck der studentischen
Bedürfnisse selbst destruierten. Diese organisatorischen Struk-
turkrisen der deutschen Universitäten konnten jedoch erst als
konfliktauslösende Momente fungieren, als umfassendere, gesell-
schaftlich vermittelte Widersprüche in der gesamten Studien- und
Forschungspraxis hinzutraten: unter dem Druck der staatskapitali-
stischen Interessenträger geriet die Universität in den Sog einer
technokratischen Reformbewegung, die sich vor allem in zwei re-
striktiven Entwicklungen ausprägte. Zum einen hatten die Hoch-
schulen angesichts der akuten Überfüllung eine Verkürzung der
Studienzeiten auf administrativem Wege und inhaltliche Diszipli-
nierungen der Studiengänge einzuleiten; zum zweiten tendierte
eine dermaßen verwaltete und funktionalisierte Wissenschaft dazu,
auch organisatorisch diejenigen Prozesse und Aktivitäten aus
ihrem Rahmen zu entlassen, in denen sich eine letzte praktische
Verbindung zur gesellschaftlich-politischen Umwelt unterhalb der
institutionell eingeschliffenen, offiziellen Kommunikationsebenen
erhielt. Die Maßnahmen der Gesamtuniversität gegen vielfältige
politische Stellungnahmen und Aktionen von Studentengruppen und
Studentenvertretung sind vor dem Hintergrund einer gesellschaft-
lich erzwungenen Entpolitisierung und Formierung der deutschen
Universitäten zu sehen 24). In diesem Prozeß blieben elementare
studentische Bedürfnisse organisatorisch isoliert und unbefrie-
digt. In dem skizzierten Rahmen spielt die Universität als zuneh-
mend funktionalisierter Teil der Gesamtgesellschaft zweifellos
eine wichtige konfliktträchtige Rolle.
Die Ungleichzeitigkeit im Wandel ihrer Organisation einerseits,
der gesellschaftlichen Umwelt andererseits schlägt sich in zwei
verschärften Inkonsistenzen der Hochschulsituation nieder, die
Habermas als doppelten "Rückstand" der deutschen Universität be-
schrieben hat 25). Der erste, einfache Rückstand ist der hinter
dem objektiven, wenngleich in seinen Folgen ambivalenten Fort-
schritt in den Methoden und der Organisation wissenschaftlicher
Forschung, wie sie an der Spitze des industriell-technologischen
und des basiswissenschaftlichen Produktionsprozesses schon heute
üblich sind. Damit lastet auf der Universität heute vor allem ein
durch wissenschaftliche Interessengruppen formulierter Ratio-
nalisierungsdruck, auf den konzeptionell zu antworten die Hoch-
schulen gezwungen sind.
An dieser Stelle setzt jedoch die zweite Strukturschwäche der
deutschen Universität ein, die sie zwar mit allen anderen Hoch-
schulen in den entfalteten Industriegesellschaften des Westens
teilt, die nichtsdestoweniger vor ihrem eigenen wissenschaftli-
chen Anspruch als ungelöster Widerspruch erscheint. Gemeint ist
die kritische lebenspraktische Funktion, die das historische Hum-
boldtsche Modell noch auf idealistische und tendenziell folgen-
lose Weise zu erfüllen suchte. Dieser kritische Anspruch könnte
sich nach Habermas angesichts der rapide gesteigerten gesell-
schaftlichen Funktionalität der Produktivkraft Wissenschaft nur
noch in Gestalt eine nach innen strikt demokratisierten, nach au-
ßen "aktiv" in den gesellschaftlichen Verwertungsprozeß eingrei-
fenden Institution verwirklichen.
Auf wissenschaftstheoretischer Ebene ist die damit geforderte ge-
sellschaftliche Aktivrolle der Hochschule zweifellos nicht von
allen beteiligten Interessen anerkannt. Empirisch unbestritten
ist jedoch die Tatsache, daß gerade die der Universität von den
herrschenden gesellschaftlichen Teilinteressen angesonnene neue
Funktionalität die internen Spannungsmomente in der Hochschulor-
ganisation erhöhen mußte, indem sie vor allem in der BRD selbst
den traditionell sozialisierten unpolitischen Bedürfnissen eines
großen Teils der deutschen Studenten zuwiderlief.
Denn diese neue, von der gesellschaftlichen Tendenz erzwungene
Hochschulpraxis trat zu Beginn der 60er Jahre dem alten, wenn-
gleich zur Innerlichkeit verkommenen Ideal einer humanistisch
orientierten Bildung, von dem die deutsche Universität institu-
tionell noch heute zehrt, in einer chronischen Überfüllungssitua-
tion unvermittelt gegenüber; sie manifestiert sich heute psy-
chisch repressiv in einer vom Massenbetrieb noch geförderten Be-
ziehungslosigkeit zwischen Dozenten und Studenten. Deren einst-
mals kommunikatives Verhältnis wurde von Studienbedingungen abge-
löst, die nicht einmal mehr die relativ angepaßten Erwartungen
der Schulabsolventen aus den deutschen Mittel- und Oberschichten
befriedigen können. Die Anforderungen an die Hochschule verding-
lichen sich zu objektiven Ordnungszusammenhängen und vergeblichen
Sachgesetzlichkeiten, die den einzelnen unter ihre Gewalt brin-
gen." 26) Extreme Orientierungslosigkeit in den geisteswissen-
schaftlichen Disziplinen, rigorose Scholarisierung in den natur-
wissenschaftlichen Fächern sind die zwei Pole desselben struktu-
rellen Zustands. Die psychischen Effekte solcher Arbeitsbedingun-
gen liegen auf der Hand. Der Widerspruch zwischen den explizier-
ten Anforderungen an studentisches Verhalten als wissenschaft-
lich-autonomes einerseits und dem teils bürokratisch, teils auto-
ritären Klima der Gesamtinstitution andererseits zeichnet sich
gerade dadurch aus, daß die unpersönlich geregelten Studienab-
läufe nicht einmal psychische Kompensation in Gestalt erfolgrei-
cher Aufgabenbewältigung bieten.
Diese Situation erklärt einerseits die Flucht verunsicherter, dem
Studium entfremdeter Studenten in die quasi-familiäre Atmosphäre
der Korporationen, andererseits auch das an demokratischen Vor-
stellungen sich orientierende Bedürfnis kritischer, ihre Lage
tendenziell begreifender Studenten nach Formen direkter Teilnahme
an Entscheidungen über ihren Arbeitsbereich, nach Formen also,
die ihnen die Kompetenzstruktur der Universität weitgehend entzo-
gen hat oder prinzipiell verweigert.
Die teilweise noch jugendspezifische Sensibilität der Studenten
27), die vor allem in Lipsets ersten Studien als disfunktional
bewerteter Faktor im Vordergrund stand, stößt (als potentiell de-
mokratische Eigenschaft) an deutschen Hochschulen auf objektive
Mängel des universitären Ausbildungsprozesses und induziert in
Konfliktsituationen das studentische Bedürfnis nach Möglichkeiten
intensiver Diskussions- und Aktionsbeziehungen, in denen ein Be-
wußtsein von personaler oder kollektiver Verwirklichung und damit
gleichsam Identität 28) entstehen könnte. Der Übergang in organi-
sierbare Situationen des Stadiums, in denen der Student ein ra-
tionales, notwendigerweise auch von Momenten zurückgezogener Re-
flektion bestimmtes Arbeitsklima erfahren könnte, wird von der
Universität selbst nicht mehr gewährleistet und gerät zunehmend
in die Regie bewußter studentischer Gruppen. Die strukturell
geforderten, oftmals subtilen Formen der Anpassung an Universität
und Gesellschaft spiegeln die Lage vieler Studenten als die
"privilegierter Entfremdeter" 29) wider, die ständig latente Kon-
flikte erzeugt. Eine konsistente Reaktion auf diesen Zustand
konnte langfristig nicht ausbleiben. Von welchen hochschulinter-
nen oder politisch-gesellschaftlichen Aktualitäten das manifeste
Auftreten divergierender Interessen abhängig sein kann, ist empi-
risch fallweise und differenziert zu erklären; eine ausformu-
lierte polit-ökonomische Theorie, in der die Rolle der Universi-
täten im Kapitalverwertungsprozeß entfalteter westlicher Indu-
strienationen systematisch aufgezeigt und zugleich empirisch be-
legt wäre, liegt noch nicht vor 30). Jenseits der untersuchungs-
technischen Schwierigkeiten - die staatskapitalistischen und in-
dustriellen Agenturen verweigern in ihrem Interesse konsequent
den empirischen Zugang zu den entsprechenden Daten und Entschei-
dungsprozessen - meldet sich auch ein theoretisches Problem an:
im Gefolge der Marx-Rezeption durch Habermas entstand innerhalb
der kritischen Soziologie ein analytisches Monopol der Frankfur-
ter Schule auf eine bestimmte, spannungslose Interpretation der
Funktion gesellschaftlichen Fortschritts durch Wissenschaft. Ha-
bermas' Einschätzung 31), mit den Mitteln staatskapitalistischer
Intervention werde Entfremdung auf einem langfristig noch erträg-
lichen Niveau stillgestellt, womit der gesellschaftliche Antrieb
für revolutionäre Situationen entfalle, mündet konsequent in wis-
senschaftspolitische Empfehlungen die im pragmatischen Modell von
Politikberatung zum Idealtyp erhoben sind und von den realer Ab-
hängigkeiten, Repressionen und Machtverhältnissen in der spätka-
pitalistischen Gesellschaft vor schnell abstrahieren. Damit wird
aber tendenziell die Diskussion um Zusammensetzung, subjektive
Verfassung und objektive Möglichkeiten des revolutionären Poten-
tials suspendiert; sie weicht auf der Ebene der Hochschule einer
offensiven Strategie aus zugunsten eines bloßen Plädoyer für kri-
tische Öffentlichkeit im Wissenschaftsbetrieb 32) und für parti-
kulare Demokratisierung der Universität. Deren Chancen, selbst
als isolierte Reform durchzukommen, sind gleich null. Für eine
noch auszuführende polit-ökonomische Theorie der westlichen Uni-
versitäten bleibt die dringende Aufgabe, die Habermassche Dis-
junktion der gesellschaftlichen Produktivität durch Wissenschaft
und Technologie 33) von den Verwertungsbedinguhgen des Kapitals
schon im Ansatz der Analyse zu überwinden und damit revolutionäre
Potentiale im Rahmen der strukturellen Veränderungen des kapita-
listischen Produktionsprozesses exakter zu bestimmen, ohne der
Marcuseschen Dämonisierung von Technik aufzusitzen 34). Es
scheint mir kein Zufall zu sein, daß Habermas sich in seiner ak-
tuellen Kritik an der Studentenbewegung in der Bundesrepublik an
den vermeintlichen und tatsächlichen Widersprüchen in deren Stra-
tegien und Handlungsformen aufhält; demgegenüber hat z.B. Mandel
in seinem konsequenten Versuch, die alten, von Marx analysierten
Widersprüche im Neo-Kapitalismus aufzusuchen, die zentrale Gefahr
einer Mystifizierung studentischer Opposition nach zwei Seiten
erkannt, der auch progressive soziologische Orientierungen bis-
lang in der Analyse der studentischen Opposition erlegen sind:
"... it would be as wrong to define them (die Studenten - U.K.)
by their social origin as it would be to define them by their so-
cial future. They are a social layer in transition." 35) Die
Universität bringt nach der Analyse Mandels gerade deshalb so-
ziale Spannungen aus sich hervor, weil sie entlang der Widersprü-
che im Produktionsprozeß sowohl die kapitalistischen Funktions-
und Herrschaftseliten als auch "a growing Proportion of the
future working class" ausbildet 36), mithin der Fremdbestimmtheit
ihrer Wissenschaftspraxis nur die Fremdbestimmung der Arbeit im
herrschenden System antizipiert und abbildet. Die rebellierenden
Studenten, die diesen Zusammenhang begriffen haben, treiben denn
auch konsequent ihre Forderungen über die Habermasschen nach uni-
versitärer Öffentlichkeit, theoretischen 'Schonräumen' und Bera-
terfunktionen für Wissenschaft hinaus; sie erheben im Kampf gegen
die kapitalistische Funktionalisierung der Universität Forderun-
gen wesentlich radikalerer Qualität und stellen sich damit prak-
tisch in die Kontinuität der sozialistisch-revolutionären Bewe-
gungen. 37) Auf der Ebene soziologischer Untersuchungen ist die-
ser Zusammenhang bisher völlig unberücksichtigt geblieben -
·übrigens nicht nur, weil das Interesse der Auftraggeber auf po-
litisch integrierbare Daten gerichtet ist, sondern auch, weil
marxistisch orientierte Soziologen sich oftmals scheuen, ihre
Analysen einer noch so vorläufigen empirischen Beurteilung auszu-
setzen.
Auf diesem Stand der Problembeschreibung erhebt sich die ernste
Frage nachdem Verhältnis der politisch disponierenden, von In-
stanzen der Sozialisation abhängigen Momente zu den geschilderten
auslösenden Handlungsfaktoren, die studentisches Verhalten in
Konfliksituationen initiieren oder verändern. Zweifellos ist für
die Einstellungen und das soziale Handeln auch von Studenten
zunächst eine vorgängige Determiniertheit durch Sozialisations-
einflüsse zu veranschlagen. Zwar kann angesichts des unbefriedi-
genden Stands der deutschen Sozialisationsforschung 38) hier
keine ausführliche Diskussion der entscheidenden unabhängigen Va-
riablen wie frühkindliche Erziehung, Elternhaus, Altersgruppen,
schulischer Einfluß etc. erfolgen. Nahezu alle bisherigen Studien
stimmen, aber in der Annahme überein, daß erstens sich
"demokratische Einstellungen nicht aus einfachen sozialstruktu-
rellen Gegebenheiten ableiten lassen" 39) - dagegen spricht aber
schon die relative Homogenität der sozialen Herkunft der Studen-
ten ", daß zweitens nur das komplexe Zusammenwirken verschiedener
Sozialisationsfaktoren eine lebenspraktische Disposition der Stu-
denten zur Folge hat, deren Konsistenz Habermas zudem nur noch in
einem Falle gegeben sieht: "Die einzige gruppenspezifische Bedin-
gung, die der Entwicklung von Gesellschaftsbildern unter Studen-
ten entgegenkommt, ist die Bildungssituation in der dreifachen
Gestalt des Universitätsstudiums, des Besuchs einer höheren
Schule und der Erziehung in einem Elternhaus mit akademischen
Traditionen. Für die Bundesrepublik darf erwartet werden, daß
alle drei, wenn auch mehr oder weniger intensiv in der Überliefe-
rung eines bürgerlichen Bildungshumanismus nationaler Prägung
konvergieren." 40) Empirisch ist diese Hypothese, die einen we-
sentlichen Teil der studentischen Population erfaßt, nun aller-
dings keineswegs genügend aufgehellt; einige Anzeichen 41) spre-
chen sogar dafür, daß bildungshumanistische Reste dort, wo sie
sich noch behaupten, zur Stärkung eines Sensibilitätspotentials
beitragen, das in Konfliktsituationen eher eine Politisierung als
eine Privatisierung des Bewußtseins im Sinne der alten bürgerli-
chen Innerlichkeit bewirken kann.
Diese kritische Funktion bestimmter, in der schulischen und el-
terlichen Vermittlung ursprünglich konservativ gefärbter Bil-
dungswerte müßte sich auch empirisch in einer nach Fächern diffe-
renzierten Disposition der Studenten zu oppositionellem Verhalten
festmachen lassen, die ihrerseits mit erfolgreicher Emanzipation
vom Elternhaus zusammengeht. Gemeinhin kann angenommen werden,
daß nicht das Studienfach die politische Option und den Grad per-
sönlicher Autonomie beeinflußt, sondern zunächst umgekehrt die
politischen oder gesellschaftlichen Vorstellungen die Wahl des
Studienfachs. Diese plausible Annahme bestätigt sich indirekt in
dem Ergebnis, daß Studenten der Soziologie, Politologie, Psycho-
logie, Geschichte, Philosophie und Germanistik kritischer und
progressiver eingestellt sind als die Vertreter anderer Fächer.
42) Wenn auch die Faktoren der Sozialisation noch nicht genügend
ausgemacht sind, die eine Hinwendung der Jugendlichen in den Ab-
gangsklassen der Gymnasien zu den oben erwähnten 'offeneren' und
weniger berufspraktisch orientierten Disziplinen erklären, so
kann doch festgehalten werden, daß die Bereitschaft zu kritischer
Beurteilung politischer und gesellschaftlicher Sachverhalte vor
allem von dem studentischen Potential zu erwarten ist, das vom
eigenen Fachstudium auch eine Lösung der differenzierten persön-
lichen Lebens- und Erkenntnisprobleme erwartet und die direkte
Befriedigung der beruflichen Sekuritätsbedürfnisse und Statusan-
sprüche zumindest zu suspendieren bereit ist. Oehler stellte
schon im Rahmen der Frankfurter Studie fest, daß bei den für po-
litische Bildung besonders Aufgeschlossenen "der Entschluß zum
Studium ... neben dem Wunsch nach 'Allgemeinbildung' auch häufi-
ger als bei den übrigen vom unmittelbaren Interesse am Fach be-
stimmt" gewesen sei: "Es geht ihnen also stärker um den Zugang
zur Sache selbst, während die Desinteressierten mehr an Beruf und
Position denken, das Studium von vorneherein unter dem Aspekt se-
hen, wozu es nützt. 43) Die Chance, daß sich die innere Affinität
von Fachinteresse und demokratischer Sensibilität gegen das ent-
politisierte Selbstverständnis und die willkürliche Entschei-
dungspraxis im universitären Wissenschaftsbetrieb durchsetzen
kann, ist dann in verstärktem Maße gegeben, wenn die Hochschule
oder eines ihrer Entscheidungsorgane unter gesellschaftspoliti-
schem Druck innere Widersprüche zu enthüllen beginnen.
So sehr indes die Gruppe fachwissenschaftlich kritischer und ten-
denziell engagierter Studenten in Konfliktsituationen die Rich-
tung studentischer Politik zu beeinflussen vermag, so eng ist an-
dererseits ihr Einfluß an die Sinnfälligkeit gebunden, die ihre
Forderungen und Aktionen auch in den Augen der berufspraktisch
interessierten Kommilitonen gewinnen. Die so orientierte Mehrheit
der Hochschüler besteht, wie Oehler treffend beschreibt, aus An-
gepaßten, die zunächst "die politische Ordnung, die sich in der
Bundesrepublik zugleich mit der politischen Stabilisierung durch-
gesetzt hat, nicht eigentlich aus dem Prinzip heraus, sondern
vielmehr deshalb bejahen, weil sich unter ihr leben läßt und weil
sie den auf sein privates Fortkommen bedachten Bundesbürger nicht
übermäßig beansprucht." 44) In der jüngsten Phase prekärer hoch-
schulpolitischer Entscheidungssitutionen wurde nun, was den Ver-
fassern der Frankfurter Studie noch nicht hatte in den Blick ge-
raten können, auch jener Typ des Studenten angesprochen, der von
der gesellschaftlichen Dimension der universitären Zwangsmaßnah-
men noch keinerlei Anschauung besaß. Das Anwachsen der studenti-
schen Protestbewegung an der Freien Universität Berlin zum Zeit-
punkt der befristeten Immatrikulation an zwei ausgesprochen be-
rufspraktisch orientierten Fakultäten 45) ist mit auf die
Teilnahme dieses studentischen Potentials zurückzuführen.
Die empirisch belegte Tatsache, daß schon 1964 an der Berliner
Universität die "Tendenz zur Entpolitisierung ... bei der Mehr-
heit der Studenten keine Resonanz gefunden hat," 46) verweist auf
ein erst in Konfliktzeiten anwachsendes Potential an Hochschülern
mit zwar differenzierten, aber tendenziell solidarischen Motiven.
Der Zusammenhang zwischen universitären und gesellschaftlichen
Problemen bleibt damit, das hat auch die von den infas-Umfragen
in Berlin verfolgte Entwicklung eindrucksvoll bestätigt 47), nur
solange dunkel, als die Beschäftigung bildungshumanistischer, be-
ruflicher und/oder fachwissenschaftlicher Interessen der Studen-
ten nicht zur Reflexion und schließlich zur Reformulierung ihrer
persönlichen Bedürfnisse und politischen Perspektiven zwingt.
Es ist nun ein entscheidendes, von anderen sozialen Gruppen abzu-
hebendes Charakteristikum dieses Reflexionsprozesses, daß er,
einmal in Gang gekommen, zunächst von Momenten einer sozialen
Entlastung geprägt ist, die eine permanente Diskussion unter den
Studenten sowie kollektive Formen der Beratung und Entscheidung
erlauben. In diesem Prozeß besitzen die herkömmlichen Studenten-
vertretungen und die politischen Hochschulgruppen einen Fundus an
vorgängiger Erfahrung und beträchtliches argumentelles Gewicht.
Der neue intentionale Faktor, der damit nach dem Sozialisations-
einflüsse und der äußeren Situation auf den Politisierungsprozeß
an den Universitäten einwirkt, hat - wie in den USA, so auch bei
vielen soziologisch arbeitenden Beobachtern in der Bundesrepublik
- eine unvoreingenommene Analyse erheblich erschwert.
Vor allem die Tatsache, daß sozialistisch engagierte Studenten-
gruppen durch ihr Protesthandeln die Legitimitätskonflikte der
etablierten Herrschaftsorgane in spätkapitalistischen Hochschulen
und Gesellschaften zu verschärfen vermögen, ruft auch bei Profes-
soren der Soziologie vorschnelle persönliche Stellungnahmen her-
vor. Normative Qualifizierungen von unterschiedlichstem Niveau
ersetzen in vielen Fällen die zuvor notwendigen Versuche einer
empirisch-theoretischen Klärung des neuen gesellschaftlichen Phä-
nomens. Gerade die Verfechter einer strikt empirisch verfahrenden
soziologischen Forschung machen sich oft anheischig, im Namen ei-
ner wissenschaftstheoretisch begründeten instrumentellen Rationa-
lität die angebliche Realitätsferne, zugleich und im Widerspruch
dazu aber auch die konkrete Systemgefährlichkeit studentischer
Proteste zu betonen noch ehe auf deren gesellschaftskritische Ar-
gumente, politische Zielvorstellungen und strategische Ausgangs-
lage eingegangen ist. Wenn etwa E.K. Scheuch als Fazit seiner un-
genauen Polemik gegen die neue Linke behauptet: "Das Glasperlen-
spiel der 'Neuen Linken' mit den Scherben vergangener Ideologien
hat vornehmlich eine Funktion: Verhüllung des eigenen Herr-
schaftsanspruchs" 48), so zieht er den Prozeß der studentischen
Politisierung, deren Fehlen noch vor wenigen Jahren beklagt
wurde, auf der Ebene einer Agententheorie zusammen, die jedem so-
ziologischen Erklärungsanspruch zuwiderläuft. Hinter der ober-
flächlichen, in analytischer Nomenklatur auftretenden Kritik an
den Aussagen und Forderungen der neuen Linken erscheint, auch das
zeigt das Beispiel Scheuchs, nicht selten ein politisch motivier-
tes, wenngleich nur verlegen expliziertes Einverständnis mit der
bestehenden Ordnung. Diese beiden Ebenen der Argumentation wären
aber zunächst entweder auseinanderzuhalten oder klarer aufeinan-
der zu beziehen, will man nicht Gefahr laufen, die Fragen, die
studentische Proteste dem Soziologen in den verschiedensten theo-
retischen Dimensionen heute aufwerfen, lediglich in der Attitüde
des deutschen Ordinarius zu beantworten. Wie die bisherige Rezep-
tion der Studentenrevolte zeigt, hat sich auch die soziologische
Diskussion in Deutschland von dieser wenig fruchtbaren Vermi-
schung nicht freihalten können.
Nur ein Scheinausweg aus diesem Dilemma wäre es allerdings, in
der Analyse der studentischen sozialen Bewegung sich des theore-
tisch und empirisch begründeten Urteils über die Gesellschaft zu
enthalten, deren herrschaftliche Organisation die neue Linke be-
kämpft. Eine kritische Betrachtung des studentischen Protests
hätte im Gegenteil gerade dessen charakteristische Erscheinungs-
formen zum Anlaß für die systematische Klärung der Frage zu neh-
men, welche konkreten alter und neuen Bedürfnissen die spätkapi-
talistische industrielle Gesellschaft in ihren strukturellen ln-
kompatibilitäten unterdrückt und gleichzeitig herausfordert.
Genese und politische Expansion radikaler studentischer Ideolo-
gien und politischer Praktiker können somit nicht durch Reduktion
in einem sozialpsychologischen oder strukturell-funktionalen Rah-
men herkömmlicher Prägung erklärt werden. Erst in einer Perspek-
tive, in der die Inhalt; jugendlicher und studentischer Opposi-
tion an den gesellschaftlich und ökonomisch zu fassender Bedin-
gungen und Widersprüchen ihrer Sozialisation wie ihrer objektiven
Arbeitssituation in Hochschule und Gesellschaft gespiegelt wer-
den, erscheint es möglich, die Besonderheiten der neuen radikalen
Verhaltensweisen als Momente zu erfassen, die dem gesellschaftli-
chen Status quo entspringen und gleichzeitig zu seinem Wandel
beitragen.
Für die Soziologie ergibt sich zudem die ihr spezifische Notwen-
digkeit, mit den Trägern der neuen studentischen Strategien nicht
nur als Objekten der empirischen Analyse, sondern auch auf theo-
retischem Niveau zu kommunizieren. Dies um so mehr, als der ein-
zige Interpretationsversuch studentischer Praxis, der sowohl die
Diskrepanz zwischen demokratischem Anspruch und der gesellschaft-
lichen Realität zu erklären sucht, als auch praktisches Handeln
mit konkreter Erfahrung und theoretischer Einsicht zu vermitteln
beansprucht, in Form sozialistischer Theorie von den beteiligten
Studenten selbst unternommen wird - und zwar in einer Vielfalt
von Modifikationen und neuen Ansätzen. Damit konstituiert sich
das politische Handeln der neuen Linken nicht nur als Gegen-
standsbereich, sondern auch als ernstzunehmender Teil soziologi-
scher Theorie. Diese doppelte Verhältnis so redlich wie möglich
einzugehen, wäre Aufgabe einer wissenschaftlichen Praxis, die
ihre eigenen Bedingungen aus dem analytischen Gesamtzusammenhang
nicht ausblendet.
_____
1) Vor allem E.K. Scheuch in Köln und R. Wildenmann in Mannheim
fördern derzeit Arbeiten, die sich an Lipsets vergleichendem An-
satz orientieren. Vgl. R. Wildenmann/M. Kaase: Die unruhige Gene-
ration. Eine Untersuchung zu Politik und Demokratie in der Bun-
desrepublik; sowie dieselben: Politik in der Bundesrepublik. Eine
Untersuchung unter Studenten II, als Manuskripte veröffentlicht
Mannheim 1968.
2) Besonders kraß ergibt sich dieser Eindruck bei E.K. Scheuch
(Hrg.): Die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft, Köln 1968,
wo ein geradezu beharrliches Mißverständnis der studentischen Mo-
tive und Ideologien die meisten Beiträge durchzieht. Ähnlich bei
E.K. Scheuch: "Soziologische Aspekte der Unruhe unter den Studen-
ten", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 36/68, 4.9.1968, S.
3-25, und bei Lipset: Vorwort zu University Student Politics, ed.
by S.M. Lipset, S.H. Wolin, S. 1-9.
3) Vgl. N.W. Storer: The Social System of Science, New York 1965,
oder H. Schelsky: Einsamkeit und Freiheit, Idee und Gestalt der
deutschen Universität und ihrer Reformen, Reinbek 1963.
4) Vgl. H. Schelsky: Einsamkeit ...: H. Anger: Probleme der deut-
schen Universität, Bericht über eine Erhebung unter Professoren
und Studenten, Tübingen 1960.
5) J. Habermas u.a.: Student und Politik. Eine soziologische Un-
tersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten, 2.
Aufl., Neuwied/Berlin 1967.
6) Vgl. S.M. Lipset/P.G. Altbach, "Student Politics and Higher
Education in the United States", in: Compative Education Review,
Vol. 10, No. 2, June 1966; S.M. Lipset, "Student and Politics in
Comparative Perspective", in: Party System, Party Organization,
and the Politics of New Masses, Beiträge zur 3. Internationalen
Konferenz über Vergleichende Politische Soziologie, Berlin 1968,
als Manuskript gedruckt.
7) Vgl. H. Lefebvre, Aufstand in Frankreich, Berlin 1969, S. 7.
8) Habermas u.a., 1967, S. 54.
9) Habermas u.a., a.a.O., S. 229.
10) Habermas u.a., a.a.O., S. 231.
11) Vgl. E.K. Scheuch: "Das Gesellschaftsbild der 'Neuen Lin-
ken'", gekürzte Fassung in : Berliner Stimme vom 15.2.1969, S.
7/8/9.
12) Vgl. die aufeinanderfolgenden Umfragen des infas" Instituts,
Bad Godesberg, im Auftrag des Berliner Senats, Fußnote 13.
13) Vgl. die Analysen von infas, Studenten in Berlin, vom Januar
1968, Februar 1968, April 1968, Mai 1968, sowie Student und Öf-
fentlichkeit, April 1968, und Berliner Studenten, August 1968.
Vgl. auch: Der deutsche Student. Situation, Einstellungen und
Verhaltensweisen. Durchgeführt im Auftrag des SPIEGEL vom Insti-
tut für Demoskopie Allensbach, 1966/67. Ein Beitrag zur Frage
nach der Ursache der Unruhe an den Universitäten, Institut für
Demoskopie Allensbach, Februar 1968. Vgl. auch die Studien von R.
Wildenmann/M. Kaase.
14) R. Wildenmann/M. Kaase, a.a.O., S. 11; ähnlich problematisch
erscheint ihr Maß des 'Systemeffekts', S. 37 ff.
15) R. Wildenmann/M. Kaase, S. I, S. 10.
16) R. Wildenmann/M. Kaase, S. 6.
17) Vgl. die Aufzählung in Fußnote 13.
18) R. Wildenmann/M. Kaase, a.a.O., S. 9.
19) Vgl. z.B. die verschiedenen Beiträge in S. Leibfried (Hrg.):
Wider die Untertanenfabrik, Handbuch zur Demokratisierung der
Hochschulen, Köln 1967.
20) R. Wildenmann/M. Kaase, a.a.O., S. 49.
21) R. Wildenmann/M. Kaase, S. 85.
22) R. Wildenmann/M. Kaase, S. 83; vgl. auch die Ergebnisse der
infas-Studien, Fußnote 13.
23) L. v. Friedeburg u.a.: Freie Universität und politisches Po-
tential der Studenten. Über die Entwicklung des Berliner Modells
und den Anfang der Studentenbewegung in Deutschland, Neu-
wied/Berlin 1968.
24) Vgl. L. v. Friedeburg u.a., a.a.O., S. 140 ff.
25) Vgl. J. Habermas, "Das chronische Leiden der Hochschulre-
form", in: Merkur, XI. Jahrgang, 109, 1957. S. 265 ff.
26) W. Nitsch u.a.: Hochschule in der Demokratie. Kritische Bei-
träge zur Erbschaft und Reform der deutschen Universität, Berlin
und Neuwied, 1965.
27) Vgl. dazu K. Keniston: The Uncommitted, Alienated Youth in
American Society, New York, 1960.
28) Vgl. dazu K. Keniston: The Uncommitted und E. Erikson: Kind-
heit und Gesellschaft, Stuttgart/Zürich 1957.
29) Um einen glücklich gewählten Ausdruck K. Kenistons zu gebrau-
chen.
30) Ansätze bei W. Lefevre: in U. Bergmann u.a.: Rebellion der
Studenten, Reinbek 1968; E. Mandel: "Workers under Neo-Capita-
lism", in: International Socialist Review, November/Dezember
1968, S. 1 ff; J. O'Connor: "The University and the Political
Economy", in: Levithian, Vol. 1 No. 1, New York, March 1969,S. 14
ff. Den interessanten Versuch, Jugend als Klasse zu bestimmen,
machen J. und M. Rowntree: "Youth as Class", in: International
Socialist Journal, 25, Febr. 68.
31) Vgl. vor allem Habermas' Marx-Rezeption: "Zwischen Philoso-
phie und Wissenschaft: Marxismus als Kritik in: Theorie und Pra-
xis, Neuwied/Berlin, 1963, S. 162 ff; Kritik von W. Müller: in:
Sozialistische POLITIK Heft 1/69.
32) Vgl. J. Habermas: Vom sozialen Wandel akademischer Bildung,
in: H. Leibfried: Wider die Untertanenfabrik Köln, 1967, S. 10
ff.
33) Vgl. J. Habermas: Zwischen Philosophie und Wissenschaft, so-
wie Technik und Wissenschaft als 'Ideologie', Frankfurt 1968.
34) Vgl. dazu J. Habermas: Zwischen Philosophie ..., sowie C.
Offe und J. Bergmann in: J. Habermas (Hrg.): Antworten auf Her-
bert Marcuse, Frankfurt 1968.
35) E. Mandel, "Workers under Neo-Capitalism", in: International
Socialist Review, November/Dezember 1968 S. 1-16.
36) E. Mandel, a.a.O., S. 9.
37) Vgl. W. Lefevre, in U. Bergmann u.a.: Rebellion der Studen-
ten, Reinbek, 1968.
38) Erst in jüngster Zeit haben am Max-Planck-Institut für Bil-
dungsforschung in Westberlin langfristige Projekte zur Soziali-
sierungsforschung begonnen.
39) R. Wildenmann/M. Kaase, a.a.O., S. 24.
40) J. Habermas u.a., a.a.O., S. 212/213.
41) Vgl. die empirisch gesicherte größere politische Liberalität
bei Angestellten und Beamten gegenüber andere Schichten. Die
zeitliche Folge von Einflußfaktoren ist hier jedoch kaum zurei-
chend zu bestimmen. Vgl. dazu S.M. Lipset: "Student and Politics
... ", S. 431 ff.
42) Vgl. R. Wildenmann/M. Kaase, a.a.O., S. 19-21, zum politisie-
renden Effekt des gymnasialen Deutschunterichts vgl. S. 25-28.
43) C. Oehler in J. Habermas u.a., a.a.O., S. 259.
44) C. Oehler: Das politische Bewußtsein der Studierenden und die
Chancen politischer Bildung. Dissertation, Frankfurt 1960.
45) Es handelt sich um die Juristische und die Medizinische Fa-
kultät.
46) L. v. Friedeburg u.a., a.a.O., S, 234.
47) Vgl. die Aufzählung der infas-Studien im Auftrag des Berliner
Senats aus Fußnote 13.
48) E.K. Scheuch "Das Gesellschaftsbild der 'Neuen Linken' ", in:
E.K. Scheuch (Hrg.): Die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft,
Köln, 1968. Zitiert aus der gekürzten Fassung des Aufsatzes in
der Berliner Stimme vom 15.2.1969, S. 8.
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