Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970


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       Arbeitsgruppe Dritte Welt am OSI x)
       

NEUERE IMPERIALISMUSTHEORIEN

Über die leitenden Interessen der imperialistischen Beziehungen zwischen kapitalistischen Industrieländern und der Dritten Welt sind in den neueren Imperialismustheorien sehr undifferenzierte und widersprüchliche Aussagen sowohl innerhalb einer theoreti- schen Position als auch beim Vergleich verschiedener Theorien an- zutreffen. Dieser Aufsatz soll diese Mängel aufdecken und einen Beitrag zur Klärung des Problems liefern. Dabei werden zunächst die strukturellen Aspekte der sozioökonomischen Beziehungen zwi- schen Dritter Welt und kapitalistischen Industrieländern darge- stellt und anschließend die Interessen der gesamten und der von Fraktionen der imperialistischen Bourgeoisie analysiert, wobei die Thesen der neueren Imperialismustheoretiker jeweils berück- sichtigt werden. I. Die sozioökonomischen Beziehungen zwischen Dritter Welt ---------------------------------------------------------- und kapitalistischen Industrieländern ------------------------------------- Eine kurze Darstellung der Strukturen und Tendenzen der sozioöko- nomischen Beziehungen zwischen beiden Regionen ist notwendig, um die konkreten Interessen der imperialistischen Bourgeoisie nicht abgehoben, sondern jeweils vor dem Hintergrund der durch sie ge- schaffenen Weltwirtschaftsstrukturen zu diskutieren. 1. Die Handelsbeziehungen ------------------------- Die Gesamtentwicklung der Handelsbeziehungen zwischen den kapita- listischen Industrieländern und der Dritten Welt läßt sich aus der Tabelle 1 ablesen: 1) Tabelle 1 Exportländer- Anteil d. Gruppe Importländergruppe gruppe am Weltexport % Kap. IL. DW Soz. L. Kap. IL 1948 . 63,5 65 31 4 1956 66 69 28,5 2,5 1965 68,5 75 21 4 DW 1948 30 68 29 3 1956 24 74 23 3 1965 20 73 21 6 Soz. L. 1948 6,5 41,5 12 46,5 1956 10 20 9 71 1965 11,5 21,5 13,5 65 Während der Weltexportanteil der kapitalistischen Industrieländer von 1948 63,5% auf 1965 68,5% gestiegen ist, sank der Anteil der Dritten Welt von 30% auf 20%, obwohl absolut die Exporte der Dritten Welt von 17,3 Mrd. Dollar auf fob-Basis auf 36,71 Mrd. Dollar gestiegen sind. Dabei ist festzustellen, daß die Bedeutung der Dritten Welt als Absatzgebiet für die kapitalistischen Indu- strieländer an relativer Bedeutung verloren hat (1948: 31%, 1965: 21%), weil der interne Handel zwischen den kapitalistischen Indu- strieländern ständig gestiegen ist. (1948: 65%, 1965: 75%). Umge- kehrt ist die Bedeutung der kapitalistischen Industrieländer als Absatzmarkt für die Dritte Welt gestiegen (1948: 68%, 1965: 73%), während der interne Handel der Dritten Welt relativ gesunken ist (1948: 29%, 1965: 21%). Die Bestandteile des Warenexports der jeweiligen Ländergruppe sind Ausdruck ihres unterschiedlichen Industrialisierungsgrades: Tabelle 2 Bestandteile des Exports der Kap IL und der DW (Jahresdurch- schnittswerte 1960-1965): 2) Warengruppe Kap IL. DW in Mrd. in Mrd. Dollar in % Dollar in % Extraktive Industrie 29,2 30 24,3 83,8 Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 13,9 14,3 8,4 28,9 Rohstoffe ohne mineralische Brennstoffe 11,6 11,9 6,8 23,5 Mineralische Brennstoffe 3,7 3,8 9,1 31,4 Nicht-Extraktive Industrie 68,0 70,0 4,7 16,2 Chemikalien 7,7 8,0 0,4 1,3 Maschinen- u. Transportgüter 28,5 29,3 0,3 0,9 Andere Güter d. verarbeitenden Ind. 30,6 31,5 3,9 13,6 Verschiedenes 1,2 1,2 0,1 0,4 Summe 97,1 100,0 29,0 100,0 Die kapitalistischen Industrieländer exportierten im genannten Zeitraum zu 70% Fertigwaren, darunter 29,3% Maschinen- und Trans- portgüter, während die Länder der Dritten Welt nur zu 16,2% Fer- tigwaren exportierten, darunter 0,9% Maschinen- und Transportgü- ter. Umgekehrt hatten die extraktiven Waren am Export der kapita- listischen Industrieländer einen Anteil von 30%, darunter 3,8% mineralische Brennstoffe, während der Anteil dieser Warengruppe am Export der Dritten Welt 83,8%, darunter 31,4% mineralische Brennstoffe ausmachte. Die Austauschverhältnisse (terms of trade) der Dritten Welt haben sich von 1955 108 auf 1965 97, d.h. um 11% verschlechtert (Basis 1958 = 100), während sich die terms of trade der kapitali- stischen Industrieländer um 8% verbesserten, d.h. von 1955 96 auf 1965 104 stiegen. 3) Diese Verschlechterung der terms of trade, die sich auf den gesamten Außenhandel der Dritten Welt be- zieht, bedeutet für diese Länder allein für das Jahr 1965 einen Verlust von 4,04 Mrd. Dollar. Untersucht man ausschließlich die Verschlechterung der Austauschverhältnisse der Dritten Welt aus ihrem Außenhandel mit den kapitalistischen Industrieländern, dann stellt man eine Verschlechterung von 17% fest, was einem Verlust von 4,481 Mrd. Dollar für 1965 gleichkommt. 4) Die schlechte Austauschsituation der Dritten Welt resultiert aus der Zerschlagung der Wirtschaftsstrukturen dieser Länder durch den Kolonialismus, der die abhängigen Gebiete auf die Produktion von Rohstoffen zuschnitt. Noch heute machen ein bis sechs Roh- stoffe den größten Teil der Exporte dieser Länder aus. 5) Weil nun die Weltrohstoffmärkte zum überwiegenden Teil Käufermärkte sind, sind die dritten Länder gezwungen, ihre Produktivitätsfort- schritte in Preisnachlässen weiterzugeben, während andererseits die von Oligopolen beherrschte Produktion von Fertigwaren in den kapitalistischen Industrieländern säkulare Inflationstendenzen zur Folge haben, so daß Produktivitätsfortschritte sich hier in Form höherer Profite auswirken: "Der internationale Handel zwischen Nationen auf unterschiedli- cher industrieller Entwicklungsstufe beruht also weiterhin auf einem Tausch ungleicher Werte, wobei sich die industrialisierten Nationen einen Teil des in den armen Ländern produzierten Mehr- werts aneignen." 6) 2. Die Kapitalbeziehungen ------------------------- Die Kapitalleistungen - öffentliche und private - der kapitali- stischen Industrieländer an die Dritte Welt beliefen sich 1966 auf 10,8 Mrd. Dollar. Entwicklung und Struktur der Kapitallei- stungen sind der folgenden OECD-Tabelle zu entnehmen: Tabelle 3 Total net flows to less-developed countries in million US-Dol- lars: 7); 1960 1963 1965 1966 DAC-Members: 8) Bilateral official 4320 5719 5761 5919 Bilateral private 2832 2394 3840 3421 Official to multilateral agencies 599 362 452 513 Private to multilateral agencies 174 -12 233 11 Total DAC outflow 7926 8462 10288 9864 Non-DAC-Members 379 596 509 530 Net additional multilateral outflow -539 310 191 462 Total 7766 9368 10986 10853 Diesem capital-inflow stehen folgende Komponenten des capital- outflow gegenüber: Profittransfers, Schuldendienstleistungen, Verluste aus der Verschlechterung der terms of trade, Verluste durch liefergebundene Leistungen. Die Nettoabflüsse aus Direktin- vestitionen in 58 Entwicklungsländern beliefen sich auf 1960 2685 Mill. Dollar, 1963: 3489 und 1965: 4400 Mill. Dollar. 9) Nach dem Jahresbericht der Weltbank von 1968 stiegen die Schul- dendienstleistungen von 65 Entwicklungsländern von 1963: 2332 über 1965: 3146 auf 1967: 3753 Mill. Dollar. 10) Die OECD, die in ihren Statistiken eine größere Zahl von Entwicklungsländern er- faßt hat, gibt demgegenüber allein für 1965 einen Schuldendienst von 4150 Mill. Dollar an. 11) Welche Belastungen den Entwick- lungsländern allein durch die Profittransfers und den Schulden- dienst entstehen, ist folgender Tabelle zu entnehmen, die an- zeigt, welcher Teil der Exporteinkommen der Dritten Welt durch diese beiden Faktoren des capital-outflow absorbiert wird: 12) Tabelle 4 Land Anteile der Exporteinkommen, die 1966 absorbiert wurden durch: Schuldendienst Zinsen und Total Profittransfers Brasilien 9,4% 13,8% 23,2% Chile 10,8 19,8 30,6 Equador 6,0 19,6 25,6 Indien 11,3 15,6 25,9 Mexiko 29,3 30,4 59,7 Nigeria 4,5 26,2 30,7 Peru ·4,8 15,5 20,3 Türkei 3,5 20,3 23,8 Venezuela 1,2 24,9 26,1 Durch die liefergebundenen Leistungen an die Länder der Dritten Welt verteuern sich deren Importe durchschnittlich um 20 bis 40%, denn die Lieferbindung hindert die Dritte Welt daran, das billig- ste Angebot auf dem Weltmarkt kaufen zu können. E.S. Mason nimmt an, daß sich dadurch allein für 1963 Verluste von 6 bis 7 Mrd. Dollar für die Dritte Welt ergeben haben: "But I might hazard the guess that if it could be done, it would boil the nearly 9 billion in total flow of funds from the develo- ped to the underdeveloped world to a figure in the range of 2 billion to 3 billion." 13) Mason berücksichtigt bei dieser Schätzung die Preiserhöhungen durch Liefer- und transportgebundene Hilfe, aber auch die Auswir- kungen auf das Preisniveau, die entstünden, wenn die USA gezwun- gen wäre, ihre nichtkommerziellen Exporte an Agrargütern zu kom- merzialisieren. Ein Vergleich des capital-inflow mit dem capital-outflow ergibt nun für 1965 folgendes Bild: capital-inflow: 10.9 Mrd. Dollar, capital-outflow: 2,519 Mrd. Dollar (4,5 Mrd. nach der Jalee- Schätzung) 14) durch Verschlechterung der terms of trade, 4,1 Mrd. Dollar Schuldendienst 15), 5 Mrd. Dollar Mason-Schätzung (6 bis 7 nach Mason allein für 1963, wir kürzen diese Zahl, weil der hier unter anderem berücksichtigte Faktor liefergebundene Hilfe auch in der terms of trade-Rechnung berücksichtigt wird), 4,4 Mrd. Dollar Profittransfers aus 58 Entwicklungsländern; ergibt insgesamt 16,02 (ca. 20 Mrd.) Mrd. Dollar jährlich. Der capital- outflow macht nach dieser Rechnung den eineinhalbfachen (zweifachen) Betrag des capital-inflow aus. Die exakte Berechnung des Verhältnisses von capital-inflow zu ca- pital-outflow ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig, von Be- deutung ist allein die Tatsache, daß der Kapitalabfluß aus der Dritten Welt höher ist als der Kapitalzustrom, welche Berechnung auch immer man zugrundelegt. Die kapitalistischen Industrieländer eignen sich auf diese Weise einen Teil des Mehrprodukts der Län- der der Dritten Welt an. 3. Die Rohstoffabhängigkeit der kapitalistischen Industrieländer ---------------------------------------------------------------- von der Dritten Welt -------------------- Die Bedeutung der Rohstoffproduktion der Dritten Welt für die ka- pitalistischen Industrieländer ist nach dem zweiten Weltkrieg ständig gewachsen. Während die kapitalistischen Industrieländer 1958 noch 55,9% der Weltrohstoffe produzierten, sank dieser An- teil bis 1965 auf 46,0%, umgekehrt stieg der Anteil der Dritten Welt im gleichen Zeitraum von 18,8% auf 25,5%. 16) Diese Tendenz wird auch aus dem Vergleich der Weltanteile einzel- ner in der Dritten Welt produzierter Rohstoffe für 1956 und 1964 deutlich: 17) Tabelle 5 Anteile der Dritten Welt an der Weltproduktion in %: Rohstoff 1956 1964 Rohöl 42 52 Eisenerz ca. 13 23 Antimonerz 51-52 51-52 Bauxit 57 59 Chromerz 89 94 Kupfererz 42 44 Kobalt 69 72 Manganerz 42 45 Bleierz 29 25 Zinkerz 24 20-21 Phosphate 34 30 Bis auf Bleierz, Zinkerz und Phosphate, wo leichte Rückgänge zu verzeichnen sind, ist der Anteil der Dritten Welt an der Weltpro- duktion der genannten Rohstoffe gestiegen. Welcher Stellenwert dieser Produktion für die kapitalistischen Industrieländer zu- kommt, wird erst deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß diese Produktion fast ausschließlich für den Export in die kapi- talistischen Länder bestimmt ist, denn der Verbrauch der Dritten Welt ist aufgrund des geringen Industrialisierungsgrades dieser Länder äußerst gering. Die wachsende Rohstoffabhängigkeit der kapitalistischen Indu- strieländer soll hier exemplarisch an der Rohstoffsituation der USA verdeutlicht werden. Der Anteil der Nettoimporte am Rohstoff- verbrauch der USA ist von 1937/39 (Jahresdurchschnitt) bis 1956 erheblich gestiegen: 18) Tabelle 6 Verhältnis von Netto-Importen zum US-Verbrauch in % 1937-39 1956 Bauxit 53 78,1 Petroleum 0 13,5 Eisenerz 2,6 20,3 Kupfer 0 22,4 Blei 0,2 56,2 Zink 6,3 57,8 Flußspat 13,4 59,5 Wolfram 41,8 59,7 Mangan - 82,7 Nickel 99,2 95,5 Während sich die USA noch kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mit Pe- troleum, Eisenerz, Kupfer, Blei, Zink und Mangan fast selbst ver- sorgten, wuchs der Anteil der Nettoimporte dieser Rohstoffe am Gesamtverbrauch in der Mitte der Fünfziger Jahre bereits auf we- nigstens 13,5% (Petroleum) und höchstens 82,7% (Mangan). Wie die folgende Tabelle zeigt, ist diese Rohstoffimportabhängigkeit zu Beginn der Sechziger Jahre bei einigen Produkten leicht gesunken (Bauxit, Blei, Flußspat, Zink, Wolfram), erreicht dafür aber bei den für moderne Industriezweige wie Atom-, Elektronische und Che- mische Industrie wichtigen Rohstoffe 50 bis 100% (Chrom, Kobalt, Mangan, Platin, Mica, Nickel, Kadmium, Mercury). 19) Tabelle 7 Nettoimporte in % des Gesamtverbrauchs 1960 61 62 63 64 Chrom 93 95 100 100 100 Kobalt 98 98 98 98 99 Eisenerz 23 20 25 22 24 Mangan 93 96 95 94 96 Nickel 85 87 87 86 85 Wolfram 36 24 39 43 42 Antimon 39 39 43 43 42 Kadmium 59 63 60 64 66 Kupfer 26 23 22 25 25 Blei 33 37 37 35 29 Mercury 34 24 50 59 52 Platin 87 87 82 86 88 Zinn 81 81 80 78 73 Zink 44 48 49 44 40 Asbest 94 92 93 91 88 Bauxit 47 43 46 41 42 Flußspat 70 72 75 76 58 Mica 94 94 97 99 98 Exemplarisch wird die Rohstoffabhängigkeit der USA von der Drit- ten Welt an dem Rohstoffbedarf zur Konstruktion einer Düsenma- schine deutlich: Tabelle 8 20) Critical Materials used for Jet Engine Pounds used in Imports as % Where this material jet engine of Consump- is produced tion Tungsten 80- 100 24% US. (30%) South Korea (19%) Australia (8%) Bolivia (8%) Portugal (7%) Columbium 10- 12 100% Brazil (54%) Canada (21%) Mozambique (18%) Nickel 1300-1600 75% Canada (71%) New Caledonia (20%) Chromium 2500-2800 100% South Africa (31%) Turkey (19%) S. Rhodesia (19%) Philippines (18%) Iran (5%) Molybdenum 80-100 0 U.S. (79%) Canada (10%) Chile (9%) Cobalt 30- 40 100% Congo L. (60%) Morocco (13%) Canada (12%) Zambia (11%) Der Public Advisory Board for the Mutual Security empfiehlt ange- sichts dieser Rohstoffsituation der USA: "Es gibt nur eine Rohstoffpolitik, die einer adäquaten Versorgung unseres Landes und der Freien Welt in der Gegenwart und der Zu- kunft dient. Diese Politik sollte die inländische und ausländi- sche Produktion ermutigen und für die Ausbeutung und Entwicklung inländischer und ausländischer Ressourcen sorgen. Die USA müssen der Produktionserweiterung im Ausland und der Beteiligung ameri- kanischer Unternehmen an diesen Entwicklungen zu gerechten Bedin- gungen jegliche Unterstützung geben." 21) 4. Die Interpretation der sozioökonomischen Beziehungen ------------------------------------------------------- durch Pierre Jalee: 22) ----------------------- Pierre Jalee stützt seine Imperialismustheorie auf die oben skiz- zierte Analyse der sozioökonomischen Beziehungen zwischen kapita- listischen Industrieländern und den Ländern der Dritten Welt. Er leitet aus dieser Analyse das Interesse des Imperialismus an ei- ner Stabilisierung der herrschenden Weltarbeitsteilung ab: In der Periode der völligen politischen Dekolonisierung wird die spezifisch imperialistische Form der internationalen Arbeitstei- lung objektiv verstärkt, anstatt abgebaut. Das bedeutet: für die einen, Produktion von Roh- und Grundstoffen, die un- oder halbverarbeitet exportiert werden, und ein entsprechend un- menschlicher Lebensstandard, für die anderen, Fabriken, hochent- wickelte Industrie und ein entsprechend hoher Lebensstandard." 23) Die Aufrechterhaltung der imperialistischen Weltarbeitsteilung stellt nach Jalee eine "Lebensnotwendigkeit" 24) für die kapita- listischen Industrieländer dar. Wenn sich die Dritte Welt indu- strialisiere und ihre Rohstoffe selber verwerte, ergäbe sich für den Imperialismus eine "unter Umständen unüberwindliche Krise" 25), denn er verliere damit sein Rückzugsgebiet: "Ohne die weiten Gebiete der Dritten Welt wäre der Imperialismus nur noch ein Imperialismus im Ghetto, und das ist mit seinem Selbstverständnis unvereinbar. Wir haben aufgezeigt, gesagt und unterstrichen, daß die Ausbeutung der Dritten Welt für den Impe- rialismus lebensnotwendig ist, eine Notwendigkeit für sein Funk- tionieren." 26) Die Entwicklungshilfe erscheint Jalee nicht als Ausgleich für die Ausbeutung der unterentwickelten Welt, sie ist vielmehr in den Prozeß der Ausbeutung eingegliedert, denn sie verfolgt das Ziel, die Länder der Dritten Welt im imperialistischen Einflußbereich zu halten: "Da andererseits Geschäfte Geschäfte bleiben und da der Gier nach Profiten keine Grenzen gesetzt sind, führt sie durch projektge- bundene bilaterale, durch internationale als auch durch Privatin- vestitionen, die der Dritten Welt Jahr für Jahr das Dreifache des Kapitals entnehmen, das sie direkt in vorteilhafte Geschäfte in- vestieren, zu neuen oder ausgeweiteten Märkten. Diese machen sich die imperialistischen Konkurrenten durch Überangebote an Export- krediten streitig. Ausbeutungsobjekt und Objekt patriarchalischen Wohlwollens, das einzige aber, was bleibt, ist die Ausbeutung." 27) Jalee verzichtet auf die Analyse bestimmter Interessenfraktionen innerhalb der imperialistischen Bourgeoisie; die Analyse der Han- dels-, Kapital- und Rohstoffbeziehungen genügt ihm zur Bestimmung des Imperialismus. Daß dieser mehr strukturelle Ansatz die kom- plexe Widersprüchlichkeit der auf die Beziehungen zwischen kapi- talistischen Industrieländern und der Dritten Welt Einfluß neh- menden Interessen nicht in den Griff bekommt, soll die folgende Darstellung erweisen. II. Die Interessen der imperialistischen Bourgeoisie ---------------------------------------------------- Analytisch lassen sich 4 Interessen der imperialistischen Bour- geoisie gegenüber der Dritten Welt unterscheiden: das Systemsi- cherungsinteresse der Gesamtbourgeoisie und die Interessen dreier Fraktionen der Bourgeoisie: der Exportmonopole, der extraktiven Monopole und der Leichtindustrie und Landwirtschaft. 1. Das Systemsicherungsinteresse -------------------------------- "Ich brauche in diesem Kreis nicht näher auszuführen, warum etwa ein Dammbruch im Vertrauen der Völker, die sich keineswegs nur von unserem Geld, sondern auch von unseren fachlichen Fähigkei- ten, unserer Freundschaft und nicht zuletzt auch von den Qualitä- ten unserer Waren Hilfe und Beistand versprechen, eine nichtwie- dergutzumachende Bedrohung unserer politischen - und angesichts der Verflochtenheit und der Bewegungstendenzen der Weltwirtschaft - auch wirtschaftlichen Existenz wäre." 28) Angesichts der weltweiten Konfrontation zweier antagonistischer Gesellschaftssysteme bestätigt Scheel hier die Einschätzung Lin Biaos: "Der Imperialismus hat größte Angst davor, daß sich die Völker in verschiedenen Teilen der Welt zum Volkskrieg erheben, insbeson- dere in Asien, Afrika und Lateinamerika... (er) sieht den Volks- krieg als eine tödliche Gefahr an." 29) Der rationale Kern hinter dieser "Angst" vor revolutionären Be- freiungsbewegungen ist in der sozioökonomischen Analyse der Be- ziehungen zwischen den kapitalistischen Industrieländern und der Dritten Welt enthüllt worden, er besteht insbesondere in der Roh- stoffabhängigkeit der kapitalistischen Länder. Um die "tödliche Gefahr" zu bannen, hat der Imperialismus nicht nur eine giganti- sche Kriegsmaschinerie gegenüber der Dritten Welt aufgebaut - diese hat sich in Vietnam als Papiertiger erwiesen - er bemüht sich auch um "innergesellschaftliche Teilreformen bürgerlichkapi- talistischen Charakters" 30), denn: "Durch das Wachstum der neuen Klassenkräfte in der Dritten Welt und durch die Notwendigkeit, innerhalb dieser Staaten lebensfä- hige ökonomische und politische Systeme aufzubauen, haben diese Völker nur zwei Möglichkeiten: entweder gehen sie den kapitali- stischen oder den nichtkapitalistischen Entwicklungsweg mit dem Ziel, den Sozialismus aufzubauen. Eines der wesentlichsten Ziele des Neokolonialismus ist es deshalb, diese Staaten davon abzuhal- ten, das sozialistische Entwicklungsmodell anzustreben. Da sie unfähig sind, die feudalen und halbfeudalen Gesellschaften als Hauptstütze ihres Einflusses zu stabilisieren, beabsichtigen die Imperialisten, den jungen Staaten das kapitalistische Entwick- lungsmodell aufzuzwingen; sie unterstützen deshalb offen die ka- pitalistischen Schichten, die - wie sie hoffen - diese Aufgabe übernehmen werden, ohne so stark zu werden, daß sie ihrer Abhän- gigkeit vom Imperialismus ein Ende machen können." 31) Die Notwendigkeit dieser reformkapitalistischen Strategie wird von den Wortführern der Entwicklungspolitik der kapitalistischen Industrieländer eingesehen, mit scharfer Kritik an reformunwilli- gen Schichten in der Dritten Welt wird dabei nicht gespart 32): "Weitverbreitete Armut ... führt zu einem Zusammenbruch der be- stehenden politischen und sozialen Strukturen, was unvermeidlich das Vordringen des Totalitarismus in jedes schwache und instabile Gebiet herausfordert. Dies würde unsere Sicherheit und unseren Wohlstand gefährden." "Wir wären in einem großen Irrtum begrif- fen, wenn wir (die) Probleme (der ökonomisch schwach entwickelten Gesellschaften) allein mit militärischen Kategorien angehen woll- ten. Denn keine Zahl von Waffen und Armeen kann jene Regierungen stabilisieren, die unfähig oder nicht gewillt sind, soziale und wirtschaftliche Reformen und Entwicklung durchzusetzen." 33) Die Dritte Welt ist langfristig nur dann in das kapitalistische Lager integrierbar, wenn durch innergesellschaftliche Reformen in diesen Ländern ein stabiler Bündnispartner der imperialistischen Bourgeoisie installiert wird, der versucht, die anstehenden sozi- oökonomischen Probleme zu lösen: "Vorrangig ist die Heranbildung von Mittelschichten, die in den meisten Entwicklungsländern als stabilisierendes Element fehlen," 34) denn "das Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer (setzt) eine neuerungsbereite, differenzierte, bewegliche und tragfähige Sozialstruktur" voraus. 35) Aufgabe der sogenannten technischen Hilfe ist es, diese reformka- pitalistische Strategie im Überbau abzusichern. Exemplarisch für diese Strategie ist insbesondere die Entwicklungspolitik Frank- reichs, die, seitdem die EWG die Kapitalleistungen an Frankreichs ehemalige Kolonien in Afrika weitgehend übernommen hat, hauptsächlich aus technischer Hilfe besteht. 36) Durch seine dominierende Einflußnahme auf den Ausbildungssektor (Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung), auf die Ausbildung des Personals in den Massenmedien (Radio, Fernsehen) und auf die Ausbildung von sogenannten Fach- und Führungskräften in Verwaltung und Wirt- schaft fällt es Frankreich leicht, die jetzigen wie auch die zu- künftigen herrschenden Schichten in Nord-, West- und Äquatori- alafrika auf die marktwirtschaftlich-kapitalistische Ideologie zu verpflichten. Danckwerts formuliert das so: "Die Zielgruppen der Hilfe sind also die bestimmenden Gruppen der Entwicklung. Durch die Orientierung an Leitbildern, die von den Industriegesellschaften vermittelt werden, wird diese neue funk- tionale Mittelschicht zur privilegierten Gruppe im internationa- len Rahmen, zur Korrespondenzgruppe der funktionalen Mittel- schicht der Industriegesellschaften." 37) Wenn der bürgerliche Staat als Sachwalter der langfristigen Interessen der gesamten Bourgeoisie aus Systemsicherungsinteressen eine reformkapitali- stische Strategie gegenüber der Dritten Welt verfolgt, dann bleibt zu untersuchen, inwieweit diese Strategie den ökonomischen Interessen bestimmter Fraktionen der imperialistischen Bour- geoisie entspricht. Zu untersuchen sind die exportorientierten Monopole, die extraktiven Monopole, Leichtindustrie und Landwirt- schaft. 2. Die Interessen der Exportmonopole ------------------------------------ "Das System der indirekten Beherrschung - der Neo-Kolonialismus oder Neo-Imperialismus - ist nicht nur ein unvermeidliches Zuge- ständnis der Bourgeoisie der Mutterländer an die Kolonialbour- geoisie. Es entspricht auch bestimmten wirtschaftlichen Verände- rungen in den Beziehungen zwischen diesen beiden Klassen. Die In- dustrialisierung der kolonialen und halbkolonialen Länder ist ein Prozeß, der sich nicht aufhalten läßt. Sie untergräbt jedoch einen der Pfeiler des alten Kolonialsystems: die Rolle der rück- ständigen Länder als Absatzmärkte für Konsumgüter. Der Export dieser Produkte aus den imperialistischen Ländern geht ständig zurück - zunächst relativ, dann auch in absoluten Zahlen. Daher ersetzt der Export von Investitionsgütern zunehmend den früheren Konsumgüterexport, da die kapitalistischen Länder die unterent- wickelten Länder nach wie vor als Sicherheitsventil für die peri- odischen Überproduktionstendenzen, die der kapitalistischen Wirt- schaft anhaften, benötigen. Diese Exporte sind durchaus mit einem größeren Grad politischer und sozialer Unabhängigkeit der Koloni- albourgeoisie gegenüber dem Imperialismus vereinbar. In gewissem Maße erfordern sie eine stärkere Einschaltung des Staates, der allein fähig ist, in den unterentwickelten Ländern große Unter- nehmen der Schwerindustrie zu schaffen. Innerhalb der imperiali- stischen Bourgeoisie stoßen die Interessen derer, die die Indu- strialisierung der unterentwickelten Länder als die Stärkung ei- nes potentiellen Konkurrenten auffassen, auf die Interessen je- ner, die in ihnen vor allem potentielle Kunden sehen. Im allge- meinen tendieren diese Konflikte dahin, zugunsten der zweiten Gruppe auszuschlagen, der Gruppe der großen Monopole der Investi- tionsgüterproduktion." 38) Anders als Jalee und die Baran-Schule (s.u.), jedoch in Überein- stimmung mit Woddis sieht Mandel eine Industrialisierung der Dritten Welt mit den stärksten Interessen in den Metropolen ver- einbar, gleichzeitig aber mit den Interessen der Konsumgüterindu- strie kollidieren. Welchen Einfluß die insbesondere arbeitsinten- siven Konsumgüterindustrien auf die Politik gegenüber der Dritten Welt nehmen, wird im übernächsten Abschnitt ausgeführt, an dieser Stelle sollen die Interessen der exportintensiven Investitionsgü- termonopole - im folgenden kurz Exportmonopole genannt - näher untersucht werden. Zur Wahrnehmung ihres Absatzinteresses sehen sich diese Exportmo- nopole einerseits zu Direktinvestitionen in den ökonomisch schwach entwickelten Ländern andererseits zur massiven Einfluß- nahme auf die Entwicklungspolitik ihrer Regierungen gezwungen. "Für alle expansiven Unternehmungen, besonders die exportintensi- ven unter ihnen, aber auch für die Hersteller solcher Erzeug- nisse, von deren zukünftiger Marktgängigkeit in den Entwicklungs- ländern man überzeugt ist, gibt es so etwas wie die Sorge, man könnte bei dem run auf die aussichtsvoll erscheinenden Märkte zu spät kommen, wenn man sich nicht bald und nicht 'richtig' enga- giere. Unter 'richtig' wird in klarer Erkenntnis der wirtschafts- politischen Tendenzen in Entwicklungsländern vor allem die Auf- nahme der Produktion verstanden, zumindest eines Teils derselben, entweder in eigener Regie, in einer gemischten Beteiligungsge- sellschaft oder durch Übertragung von Fabrikationslizenzen auf einen bereits bestehenden Betrieb und Vermittlung des notwendigen 'Know how'." 39) Diese Einschätzung Helmut Gieseckes wird durch die Arbeit von Matthias Schmitt: "Entwicklungshilfe als unternehmerische Auf- gabe" bestätigt. Schmitt hat die Geschäftsberichte der wichtig- sten exportorientierten bundesrepublikanischen Monopole analy- siert und dabei festgestellt, daß als wesentliches Motiv für Di- rektinvestitionen dieser Monopole in der Dritten Welt das Bestre- ben zur Erschließung oder Absicherung der Märkte in diesen Regio- nen angegeben wird. So heißt es etwa im Geschäftsbericht der Daimler-Benz-AG von 1962: "Als Folge der Industrialisierungsmaßnahmen in einer Reihe von Ländern sind Direktinvestitionen oft das einzige Mittel, die Ver- bindung zu diesen Märkten durch eine Produktion im Lande selbst zu erhalten." 40) Die Farbwerke Hoechst schreiben in ihrem 63er Geschäftsbericht: "Wir haben aus diesem Grunde in den vergangenen Jahren (in La- teinamerika) bedeutende Mittel aufgewendet und die Vertriebsorga- nisation stark ausgebaut. Außerdem wurden von uns im Zuge der In- dustrialisierungsbestrebungen dieser Länder und wegen der zuneh- menden Importschwierigkeiten Produktionsstätten errichtet. Wir haben uns damit der in den Entwicklungsländern bestehenden wirt- schaftspolitischen Tendenz angepaßt und Voraussetzungen geschaf- fen, unsere Marktposition zu halten." 41) Rolf Thiessen, Mitarbeiter der Kreditanstalt für- Wiederaufbau, hat den interessanten Versuch unternommen, die Direktinvestitio- nen der bundesrepublikanischen Monopole in der Dritten Welt nach der Größe der Märkte - gemessen nach der Bevölkerungszahl - auf- zuschlüsseln. Ergebnis: In Märkten mit über 100 Mill. Einwohnern wurden 45% aller Investitionen getätigt, in Märkten mit 50 bis 100 Mill. Einwohnern 33%, in Märkten mit 10 bis 50 Mill. Einwoh- nern 14% und in Märkten unter 10 Mill. Einwohnern nur 8%. 42) Die Exportmonopole sind auch die Fraktion der Bourgeoisie, die die Entwicklungshilfepolitik der kapitalistischen Industrieländer steuern. Vor der französischen Nationalversammlung sagte der da- malige Ministerpräsident Pompidou 1964: "Die Industrieländer wollen ihre Absatzmärkte in den unterentwic- kelten Ländern ausdehnen. Die Erfahrung lehrt, daß wir die Kauf- kraft der Abnehmerländer erhöhen müssen, um unsere Absatzmärkte vergrößern zu können; sei es dadurch, daß wir ihre Waren kaufen, ihnen Anleihen geben oder ihnen Geschenke machen." 43) Walter Scheel, damaliger Entwicklungsminister, meinte 1966, die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik verstehe sich: "als Basi- sinvestition für den lebenswichtigen Außenhandel der deutschen Industrie." 44) Was Scheel mit dieser Formel zum Ausdruck bringen wollte, verdeutlichen einige strukturelle Aspekte der bundesrepu- blikanischen Entwicklungspolitik: - Von den Krediten, die die Bundesrepublik Entwicklungsländern gewährt, fließen 80% in Form von Aufträgen an die deutsche Wirt- schaft zurück. 45) - Die mit Entwicklungshilfemitteln finanzierten Infrastrukturin- vestitionen stellen nach Scheel das "Pre-Investment" für privat- wirtschaftliche Investitionen dar. 46) - Nach dem Entwicklungshilfesteuergesetz erhalten die Exportmono- pole der Bundesrepublik bei Investitionen in den Entwicklungs- ländern Steuerdarlehen und Steuerermäßigungen. 47) - Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern werden staatli- che Garantien gegen Enteignungen gewährt. - Ebenso werden Exportkredite deutscher Unternehmen an Regierun- gen oder Unternehmen in Entwicklungsländern staatlich garantiert. - Die Bundesregierung handelt bei den Entwicklungshilfeverhand- lungen mit Regierungen der Dritten Welt Investitionsförderungs- verträge und Doppelbesteuerungsabkommen aus. - Die staatliche Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) unter- stützt durch Beteiligungen und Darlehen Privatinvestitionen in der Dritten Welt und veräußert ihren Kapitalanteil an den priva- ten Investor, wenn sich das Unternehmen rentiert. Auch in den USA hat die Entwicklungspolitik eine exportfördernde Funktion. E.R. Black, der frühere Weltbankpräsident und jetzige US-amerikanische Aid-Experte, bekennt: "Unser Hilfsprogramm für das Ausland stellt eine neue Quelle für Profite amerikanischer Geschäfte dar. Die drei wichtigsten Vor- teile für die Wirtschaft: 1. Die Auslandshilfe öffnet sofort wichtige Märkte für amerikani- sche Waren und Dienstleistungen. 2. Die Auslandshilfe begünstigt die Entwicklung neuer überseei- scher Märkte für die amerikanischen Unternehmen. 3.) Die Auslandshilfe verschafft in Ländern, denen Hilfe gewährt wird, dem System der freien Unternehmung ein Übergewicht, das den amerikanischen Firmen eine gedeihliche Entwicklung gewährlei- stet." 48) Der Vizepräsident der US Steel Corporation, Charles B. Baker, be- stätigt Black: "... es ist weitgehend auf die Operationen unseres Auslandshilfe- programms zurückzuführen, daß es unserer Stahlindustrie gelungen ist, den vollen Auswirkungen der Weltmarktkräfte zu entkommen. Wir schätzen, daß die Auslandshilfeaufträge für Stahlwerkprodukte der Vereinigten Staaten sich gegenwärtig auf 30% des Wertes unse- rer Stahlproduktexporte - und zu einem noch größeren Prozentsatz der Schiffstonnage - vielleicht 40% - belaufen." 49) In Harvard Business Review haben Hyson und Strout eine Statistik veröffentlicht, die angibt, wieviel Prozent der Exporte ausge- wählter US-amerikanischer Industriezweige durch das Aid-Programm 1965 finanziert wurden: 50) Tabelle 9 US-Exporte in durch Hilfe Prozent der Ex- Warengruppe Mill. $ finanzierte porte durch Hil- US-Exporte fe finanziert in Mill. $ Maschinen und Ausrüstungsgüter 6302 333 5,3 Eisen-und Stahlprod. . 689 168 24,4 Chemikalien 2037 112 5,5 Autos und Lokomotiven nebst Ersatzteilen 1972 91 4,6 Düngemittel 230 70 30,4 Nichteisenmetalle 625 72 11,5 Gummiprodukte u. Gummi 344 33 9,6 Öl, Ölprodukte (außer Erdgas) 483 36 7,5 Textilien 571 31 5,4 Eisenbahntransport- Ausrüstungsgüter 146 43 29,5 Hyson und Strout kommentieren diese Tabelle: "Obwohl die Auslandshilfe nicht direkt in die Exportsubventionie- rung eingeschaltet ist, verschafft die Absatzpolitik der Verei- nigten Staaten den US-Exporteuren indirekte Unterstützungen, denn einige unserer gebundenen Exporte würden nicht stattfinden, wenn sie nicht durch die Auslandshilfe finanziert würden. Das ist sehr leicht bei einer Reihe von amerikanischen Waren zu sehen, die über dem Weltmarktpreis liegen, aber dennoch exportiert werden, weil die Auslandshilfefonds liefergebunden sind. Die Kosten eini- ger Waren, die wir finanzieren, dürften beträchtlich über dem Weltmarktpreis liegen." 51) Von einer Industrialisierung der Dritten Welt haben die Exportmo- nopole der kapitalistischen Industrieländer wachsende Absatz- märkte zu erwarten; ihre objektiven Interessen laufen deshalb auf eine Unterstützung der reformakapitalistischen Regierungen in der Dritten Welt hinaus, denn die Industrialisierung dieser Regionen setzt eine Beseitigung der reaktionären, objektiv entwicklungs- hemmenden Kompradorencliquen voraus. Kurt Steinhaus argumentiert in diesem Zusammenhang, eine Unter- stützung der ökonomischen Entwicklung in der Dritten Welt sei nicht zu erwarten, weil die kapitalistischen Industrieländer auf diese Weise ihre Absatzmärkte verlieren würden: "Der Aufbau einer Stahl-, Maschinen-, Elektro- und chemischen In- dustrie in Lateinamerika, Afrika und Asien hätte... zur Folge, daß diese Gebiete ihre Rohstoffe selbst verarbeiten könnten, da- mit aber als Absatzmärkte für eine Reihe von Waren ausfallen und eine ähnliche Angebotsstruktur aufweisen würden wie die kapitali- stischen Industrieländer." 52) Peter Müller weist demgegenüber in seiner Studie "Die Bedeutung der Industrialisierung unterentwickelter Länder für den deutschen Industrieexport" 53) eine zunehmende Bedeutung einer sich indu- strialisierenden Dritten Welt als Märkte für hochwertige Konsum- güter und Investitionsgüter nach: "Zusammenfassend läßt sich die Rolle der Importsubstitution im Industrialisierungsverlauf folgendermaßen charakterisieren: 1. Im industriellen Anfangsstadium ist die Importsubstitution als Kern der Industrialisierung anzusehen. 2. Die Importsubstitution erfaßt hauptsächlich Konsumgüter, in industriell schon weiter fortgeschrittenen Ländern zum Teil auch Halbfabrikate und Zwischenprodukte, bei komplizierten Produktiv- gütern ist sie unbedeutend. 3. Daraus folgt, daß die Importsubstitution eine um so geringere Rolle spielt, je weiter der ·"«· industrielle Wachstumsprozeß voranschreitet. 4. Der Devisen freisetzende und einkommenserhöhende Effekt der Importsubstitution bewirkt eine Verschiebung der Importstruktur zugunsten von Produktivgütern und hochwertigen Konsumgütern. 5. Insgesamt ist nicht zu erwarten, daß die Importsubstitution zu einer Abnahme der Gesamtimporte führt, vielmehr wird der indu- strielle Fortschritt tendenziell mit einer Importsteigerung ver- bunden sein, deren Ausmaß in unterentwickelten Ländern typischer- weise von der finanziellen Importkapazität determiniert wird." 54) Von dieser Importsteigerung wird insbesondere die BRD profitie- ren, weil deren Exportstruktur einen überwiegenden Teil jener Gü- ter aufweist, die im Laufe des Industrialisierungsprozesses zu- nehmende Bedeutung gewinnen: Chemische Erzeugnisse, Maschinen und Transportgüter machten 1965 70% der Gesamtexporte der BRD in die Entwicklungsländer aus, wäh- rend die entsprechenden Waren am Export anderer Industrieländer einen geringeren Anteil hatten: Großbritannien 59,5%, Frankreich 44%, USA 49,3%, Japan 47,5%. 55) Wenn bisher pauschal von der Beziehung Industrialisierung - Re- formkapitalismus gesprochen wurde, so soll hier eine Differenzie- rung vorgenommen werden. Zu unterscheiden sind zwei Formen re- formkapitalistischer Regierungen: - Regierungen, die eine primär eigenständige Industrialisierung ihrer Länder anstreben (so z.B. die Regierungen unter Getulio Vargas in den 30er und 40er Jahren und die unter Jango Goulart zu Beginn der 60er Jahre in Brasilien), - Regierungen, die eine im wesentlichen vom Auslandskapital ge- tragene Industrialisierung fördern (so z.B. die Regierungen unter Houphouet-Boigny in der Elfenbeinküste und unter Castello Branco in Brasilien). Angesichts der in den meisten Ländern der Dritten Welt schwachen nationalen Industriebourgeoisie sind Mischformen zwischen beiden Regierungstypen kaum zu finden: entweder wird eine Konsequente nationale Industrialisierungspolitik verfolgt oder die Wirtschaft des Landes ist sehr bald in Händen des Auslandskapitals. Dabei ist eine eigenständige Industrialisierung als die langfristig ef- fektivere Industrialisierung anzusehen, weil den ökonomischen Be- dürfnissen des Landes angepaßter (geringere Profittransfers, von ökonomischer Entwicklung in den Metropolen unabhängiger). Welche Form reformkapitalistischer Regierung und damit Industrialisie- rung durch die Politik der Exportmonopole begünstigt wird, wird im Teil III ausgeführt. 3. Die extraktiven Monopole --------------------------- Während die westeuropäischen Industrieländer in der Dritten Welt überwiegend in der verarbeitenden Industrie investieren (von 1952-1968 gingen 73% der bundesrepublikanischen Direktinvestitio- nen in der Dritten Welt in die verarbeitende Industrie und nur 13% in die extraktive), gingen 1964 55% der US-amerikanischen In- vestitionen in der Dritten Welt in die extraktiven Industrien, darunter allein 43,7% in den Erdölsektor. 56) Die Ölfraktion der US-amerikanischen Bourgeoisie hat damit ein starkes Gewicht in der imperialistischen Politik der USA. Wesentliches Motiv für die Investitionen der extraktiven Monopole sind die außerordentlich hohen Profitraten in den Ländern der Dritten Welt. Das von Kurt Steinhaus zusammengestellte statistische Material erhellt diesen Zusammenhang: 57) Tabelle 10 Gewinne aus privaten Direktinvestitionen der USA nach Regionen: (in %) Europa / Kanada Afrika / Asien Afrika / Asien Lateinamerika Lateinamerika (ohne Mittelost) Wert der Gesamtanlagen in 1964 58 31 28 Gesamter Gewinn 1957-64 40 51 31 Verteilter Gewinn 1957/64 32 62 34 Reininvestierter Gewinn 1957-64 59 26 26 Während der Wert der Gesamtanlagen in Kanada und Europa fast dop- pelt so hoch ist wie der der Anlagen in Asien, Afrika und Latein- amerika, sind die in Asien, Afrika und Lateinamerika erzielten Gewinne um ein Viertel höher als die in Kanada und Europa erziel- ten, die verteilten Gewinne sind sogar fast doppelt so hoch. Be- rechnungen der Profitraten ergeben, daß die in der Dritten Welt erzielten Profitraten etwa das Vierfache der Profitraten in Ka- nada und Europa betragen; bei den Reinvestitionsraten ist das Verhältnis umgekehrt. Diese kolonialen Extraprofite werden vor allem im Mittleren Osten erzielt, wo das US-Kapital zu über 90% in der Öl-Industrie investiert hat und eine Profitrate von mehr als 60% erzielt. Die Extraprofite resultieren einerseits aus den sehr niedrigen Lohnkosten in der Dritten Welt, andererseits - und das ist der hauptsächliche Grund - aus der Preispolitik des Weltölkartells: Der Inlands-Rohöl-Preis der USA (genauer: cif Ha- fen am Golf von Mexiko) liegt der Preisregelung durch das Welt- kartell zugrunde; da nun die durchschnittlichen Förderkosten in Nahost nur etwa ein Neuntel derjenigen in den USA betragen 58), erzielen die US-Ölgesellschaften im Nahen Osten außerordentlich hohe Profite. Wegen dieser hohen Profite sind die Erdölmonopole nicht bereit, Regierungen in der Dritten Welt zu tolerieren, die ihre Operationen in erheblichem Maße einschränken. Paul A. Baran leitet daraus die These ab, die extraktiven Monopole kollaborie- ren mit den reaktionären und entwicklungsfeindlichen Schichten in der Dritten Welt (Großgrundbesitzer, Händler, Industriemonopoli- sten) und widersetzen sich jeder Art reformkapitalistischer Re- gierung, weil von einer ökonomischen Entwicklung der Dritten Welt für die ausländischen Unternehmen Nationalisierungen, höhere Steuern, höhere Zölle und steigende Löhne zu erwarten seien: "Kein Wunder, daß das westliche Big-Business, das an der Er- schließung der Rohstoffe stark beteiligt war, unter diesen Um- ständen nichts unversucht ließ, um die Entwicklung solcher sozia- len und politischen Bedingungen in den Entwicklungsländern aufzu- halten, die deren wirtschaftlichem Wachstum förderlich sein könn- ten. Es benutzt seine ungeheure Macht, um die Korapradoren-Regie- rungen der rückständigen Gebiete zu stützen, die sozialen und po- litischen Bewegungen, die gegen sie opponieren, zu sprengen und zu korrumpieren und jede Regierung zu stürzen, wie immer sie zur Macht gelangt sei, die sich weigert, sich dem Willen ihrer, impe- rialistischen Herren unterzuordnen." 59) So deutet dies nach Ba- ran: "auf die Hauptaufgabe des Imperialismus in unserer Zeit hin: den wirtschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer zu ver- hindern, wenn das unmöglich ist, zu hemmen und zu kontrollieren." 60) Die von Baran genannten Auswirkungen der ökonomischen Entwicklung in der Dritten Welt auf die extraktiven Monopole (Nationalisie- rungen, Höhere Löhne, Steuern und Zölle) lassen sich scheinbar auch auf die Direktinvestitionen der Exportmonopole im verar- beitenden Sektor übertragen, woraus gefolgert werden müßte, das gesamte Auslandskapital kollaboriere mit den entwicklungshem- menden Kompradoren. Im vorigen Abschnitt wurde jedoch nachgewie- sen, daß die Exportmonopole reformkapitalistische Regierungen un- terstützen. Dieser Widerspruch löste sich wie folgt: Während die extraktiven Monopole von einer wirtschaftlichen Entwicklung in der Dritten Welt nicht profitieren, bildet diese Entwicklung die Basis für die erweiterte Reproduktion der Exportmonopole in der Dritten Welt. Überhaupt gleichzeitig ist die im Laufe des Ent- wicklungsprozesses mögliche Nationalisierung für die extraktiven Unternehmen eine realere Gefahr, weil die im Vergleich zu den - Exportmonopolen weitaus höheren Profittransfers dieser Unterneh- men (Siehe Teil III) eine ständige Belastung der Zahlungsbilanzen der unterentwickelten Länder darstellen und die extraktiven Sek- toren dieser Länder insofern eine ökonomische Schlüsselposition haben, als deren Waren das Exportsortiment zu einem überwiegenden Teil bestimmen und oft auch die einzigen "modernen" Wirtschafts- sektoren der schwach entwickelten Länder bilden. Während also die extraktiven Monopole nur negative Konsequenzen von einer ökonomi- schen Entwicklung der Länder der Dritten Welt zu erwarten haben, sind die Exportmonopole auf diese Entwicklung unbedingt angewie- sen, wobei gleichzeitig die Möglichkeit einer Nationalisierung ihrer Anlagen geringer ist als bei den extraktiven Monopolen. Folgt hieraus ein unterschiedliches Verhältnis der beiden Inter- essengruppen zum Reformkapitalismus, so wird die Analyse dadurch um ein weiteres Moment kompliziert, daß dieser Widerspruch inner- halb wichtiger Industriezweige der kapitalistischen Industrielän- der zu finden ist: Chemie-und Stahlindustrie sind sowohl an Di- rektinvestitionen zur Sicherung von Rohstofflagern als auch zur Sicherung von Absatzmärkten interessiert. Eine Bewegungsform er- hält dieser Widerspruch nur in Gestalt reformkapitalistischer Re- gierungen des oben genannten zweiten Typs, Regierungen, die die kapitalistische Entwicklung ihrer Länder durch Begünstigungen des Auslandskapitals vorantreiben wollen, es deswegen mit Investiti- onsanreizen aller Art überschütten, von Investitionsförderungs- verträgen bis zu Profittransfergarantien. Die Thesen der Baran-Schule 61) sind deshalb nur für Regionen richtig, in denen das Auslandskapital im überwiegenden Maße im extraktiven Sektor investiert hat, z.B. für den Nahen Osten, wo die Erdölmonopole tatsächlich die Feudalcliquen unterstützen. Wo die Interessen von Exportmonopolen und extraktiven Monopolen auf- einanderstoßen, ist entweder die oben beschriebene Lösung möglich oder aber das jeweils regional (in der Dritten Welt) oder überre- gional (in der Einflußnahme auf die Entwicklungspolitik) stärkste Interesse setzt sich durch. In Westeuropa tendieren diese Kon- flikte zu einem Übergewicht der Exportmonopole, in den USA scheint der Einfluß beider Gruppen etwa gleich stark zu sein, wo- bei je nach Region und Land der Dritten Welt der jeweiligen Gruppe unterschiedliches Gewicht zukommt. 4. Die Interessen von Leichtindustrie und Landwirtschaft -------------------------------------------------------- Die Interessen der lohnintensiven Leichtindustrie und der an Überproduktionskrisen leidenden Landwirtschaft der kapitalisti- schen Industrieländer gegenüber der Dritten Welt sind vorwiegend protektionistische. Die Zoll- und Handelspolitik des hochentwic- kelten Kapitalismus benachteiligt dementsprechend insbesondere Importe von leichtindustriellen Waren und landwirtschaftlichen Produkten der gemäßigten Zone. Während die Einfuhr gewerblicher Waren durch die kapitalistischen Industrieländer durchschnittlich mit einer Zollhöhe von 15% des Importwertes belastet wird, er- reicht die Belastung der Hauptexportgüter der Dritten Welt - Pro- dukte des Textilbereichs, Bodenbeläge, Schuhwerk, Artikel des Reise- und Sportbedarfs, Plastikwaren und Lederprodukte - nicht selten Höhen bis zu 40% des Einfuhrwertes. 62) Auch bei den quan- titativen Handelsrestriktionen werden die leichtindustriellen Produkte - hier insbesondere Textilien - der Dritten Welt am stärksten belastet. Ähnliches gilt für die Einfuhr landwirt- schaftlicher Waren aus den gemäßigten Zonen, hier werden durch Zölle und quantitative Restriktionen vor allem die Entwicklungs- länder Lateinamerikas und des Mittelmeerraumes benachteiligt. 63) Eine weitere Benachteiligung erfahren die Länder der Dritten Welt durch das gegenwärtige progressiv gestaffelte Wertzollsystem. H. Bachmann hat in seinen Schriften an mehreren Rechenexempeln diese Benachteiligung nachgewiesen; er faßt seine Kritik wie folgt zu- sammen: 64) "Die Bedeutung dieser Berechnungen liegt darin, daß bei einem fe- sten Zollsatz der protektionistische - und möglicherweise prohi- bitive - Effekt umso größer ist, je kleiner der Wertschöpfungs- prozeß ist. Die unterentwickelten Länder, die mit dem Export von industriellen Halb- oder Fertigwaren beginnen wollen, haben die besten Erfolgsaussichten sowohl aus technischen als auch aus Ko- stengründen bei den einfachsten Produktionsstufen, insbesondere bei den ersten Verarbeitungsprozessen für Rohstoffe und Nahrungs- mittel. Bei diesen Produktionsstufen ist die Wertschöpfung am ge- ringsten und gegen Waren dieser Art entwickelt die traditionelle progressive Zollpolitik ihre größten protektionistischen Effekte. Demgegenüber stoßen Exporte aus Industrieländern unter den pro- gressiven Zollsätzen auf vergleichsweise geringe Protektionsef- fekte. Das Fazit, das fast schon ein ökonomisches Gesetz ist, lautet, das gegenwärtig in den Industrieländern ebenso wie in den Entwicklungsländern angewandte Zollsystem entwickelt höhere Pro- tektionseffekte gegenüber Exporten aus Entwicklungsländern als gegenüber solchen aus Industrieländern." Diese eindeutig entwicklungshemmenden. Zoll- und Handelsstruktu- ren, die den Interessen von Leichtindustrie und Landwirtschaft dienen, stehen ebenso wie die Interessen der extraktiven Monopole mit denen der Exportindustrien in Widerspruch. Hier scheint sich nach der Welthandelskonferenz von Neu-Delhi 1968, wo beschlossen wurde, daß die kapitalistischen Industrieländer den dritten Län- dern Zollpräferenzen gerade auch für industrielle Produkte ein- räumen sollen, die Tendenz zur Durchsetzung der Interessen der Exportmonopole anzubahnen. Jedoch bleibt mit Skepsis das Ergebnis der Verhandlungen der OECD-Staaten über die konkrete Form der Präferenzen abzuwarten. Die Leichtindustrie scheint ähnliche Tendenzen zu erwarten, je- denfalls ist sie seit geraumer Zeit verstärkt bemüht, ihre Pro- duktion in die Länder der Dritten Welt auszulagern, um dort die billigeren Arbeitskräfte ausbeuten zu können (z.B. Textilunter- nehmen der Bundesrepublik in Kamerun, Nigeria, Tansania, Türkei, Tschad etc.). 65) III. Die Vermittlung von Struktur-und Interessenanalyse ------------------------------------------------------- In diesem Abschnitt soll der Versuch unternommen werden, die in Teil l und II bloß nebeneinandergereihten für die Analyse der In- teressenstrukturen des Imperialismus wichtigen Faktoren in ihrer Widersprüchlichkeit in Beziehung zu setzen. Als erste Annäherung können uns dabei die von Giovanni Arrighi und John S. Saul ent- wickelten Thesen dienen, die einen Wandlungsprozeß im Imperialis- mus vom extraktiven Imperialismus zum industriellen Imperialismus behaupten: "1. Es hat eine Vertiefung der kapitalistischen Interessen in den unterentwickelten Ländern stattgefunden, die auf ein direkteres Engagement der multinationalen Konzerne bei den Industrialisie- rungsprozessen in der Peripherie zurückzuführen ist. Diese rela- tive Akzent-Verschiebung, die von den Strukturen des klassischen extraktiven Imperialismus wegführt (...), ist durch den starken Rentabilitäts- und Attraktivitätsverlust des agrarischen Sektors für überseeische Interessen verstärkt worden. 2. Durch die technische Revolution in der Nachkriegszeit haben sich die Faktoren, die den Kapitalexport der entwickelten kapita- listischen Zentren bestimmt haben, stark verschoben. Insbesondere hat die Ausbeutung der billigen überseeischen Arbeitskraft stark an Bedeutung verloren, statt dessen ist gegenwärtig der bedeu- tendste Faktor die Existenz einer relativ entwickelten und schnell expandierenden Industriestruktur, denn diese garantiert die reibungslose Tätigkeit kapitalistischer Unternehmen der ver- arbeitenden Industrien im Hinblick auf Absatzmärkte und Produkti- onsfaktoren. Andere Determinanten, wie z.B. die vorher erwähnten geringen Lohnkosten, günstiges politisches Klima, Profittransfer- möglichkeiten, usw. sind wichtige Faktoren, aber ein äußerst un- genügender Ersatz für diesen dominierenden Faktor." 66) Die am Reformkapitalismus orientierten Interessen der Exportmono- pole und die vom bürgerlichen Staat in der Metropole verfolgten Systemsicherungsinteressen, beide instrumentalisiert in Gestalt der Kapital- und der technischen Hilfe, bilden zusammen den "spiritus rector" dieser zweiten Phase des Imperialismus. Hinge- gen repräsentieren die extraktiven Monopole und die Interessen von Leichtindustrie und Landwirtschaft den extraktiven Imperia- lismus. Die Widersprüche zwischen verschiedenen Fraktionen in der imperialistischen Bourgeoisie einerseits und zwischen langfristi- gen Interessen des Gesamtsystems und bestimmten Partialinteressen andererseits spiegeln sich in der Struktur der sozioökonomischen Beziehungen zwischen Metropole und Peripherie wider: Die sich verschärfende strukturell schwache handelspolitische Situation der Dritten Welt, die im wesentlichen Produkt der durch den Kolo- nialismus und klassischen Imperialismus installierten Weltar- beitsteilung ist, stellt ein entscheidendes Hemmnis für die ent- wicklungspolitischen Chancen reformkapitalistischer Kräfte dar. Gegenläufige Tendenzen - etwa in Gestalt der von Frankreich geforderten Organisierung der Weltrohstoffmärkte, der Ausgleichs- zahlungen für die Verluste aufgrund sinkender terms of trade durch die Industrieländer und der Zollpräferenzen für Industrie- waren aus der Dritten Welt - setzen sich bislang nur allmählich durch (UNCTAD-Beschluß über Zollpräferenzen). In den Kapitalbe- ziehungen stehen den 1965 ca. 11 Mrd. Dollar Leistungen aus öf- fentlichem und privatem Kapital (wobei noch die insbesondere in dem Auslandshilfeprogramm der USA überaus hohen Militärleistungen abgezogen werden müßten) ca. 16 bis 20 Mrd. Kapitalabflüsse gegenüber, so daß den reformkapitalistischen Kräften in der Drit- ten Welt ein erheblicher Teil des Mehrprodukts ihrer Länder ent- zogen wird. Dabei ist wiederum zu berücksichtigen, daß der über- wiegende Teil der Profittransfers durch die extraktiven Monopole, vor allem die Erdölindustrie, verursacht wird: 1964 hatten die Erdölmonopole einen Anteil von 43,7% an den Privatinvestitionen der USA in der Dritten Welt, an den Profittransfers waren sie je- doch zu 72% beteiligt, umgekehrt war der Anteil der Investitionen im Fertigwarensektor (Exportmonopole) 28%, während diese Monopole nur zu 6% am Gesamttransfer beteiligt waren. 67) Der durch die Liefergebundenheit der öffentlichen Leistungen verursachte Abzug des Mehrprodukts der Dritten Welt ist Ausdruck der Widersprüche zwischen den einzelnen nationalen Kapitalien des Imperialismus: Um Zugang zu den Märkten der Dritten Welt zu finden oder diese zu sichern, um ferner die Konkurrenz mit anderen kapitalistischen Industrieländern zu unterlaufen, bedienen sich die Exportmonopole dieses kurzfristig effizienten Instrumentariums. Gegenläufige Tendenzen sind in den Kapitalbeziehungen allenfalls durch die Verbesserung der Kreditkonditionen durch die kapitali- stischen Industrieländer zu erwarten, so daß die Schuldendienst- leistungen nicht das katastrophale Ausmaß erreichen werden, das angesichts des jetzigen Schuldenbergs zu erwarten ist. Die Aus- wirkungen dieser Verbesserung auf das globale Verhältnis von ca- pital-outflow und capital-inflow sind jedoch äußerst minimal. Eine effektive Steigerung der öffentlichen und privaten Leistun- gen durch die Metropole als potentielle Gegentendenz ist nicht zu erwarten, solange die kapitalistischen Industrieländer ihre Ver- wertungs- und Realisierungsprobleme einerseits durch das wirt- schaftspolitische Instrumentarium des Staates andererseits durch einen Ausbau der Handelsbeziehungen untereinander bewältigen kön- nen. Zusätzlich zu den bislang analysierten Widersprüchen zwischen Fraktionen der Bourgeoisie und Gesamtsystem Interessen und Par- tialinteressen ist eine weitere Widerspruchsebene in die Analyse einzufügen, die bereits in einigen Aspekten der Kapitalbeziehun- gen (Liefergebundenheit, Verschuldung) anklang. Gemeint ist der Widerspruch zwischen Zielen und Instrumenten in der Politik der Exportmonopole. Die Exportmonopole sind die Fraktion innerhalb der imperialisti- schen Bourgeoisie, die langfristig von einer Industrialisierung der Dritten Welt am stärksten profitiert. Daraus wurde abgelei- tet, daß diese Interessengruppe den Reformkapitalismus in den schwach entwickelten Ländern unterstütze. Der für die Dritte Welt effektivste Reformkapitalismus, ist derjenige, der eine nationale Industrialisierung voranzutreiben versucht, was etwa G. Vargas zwischen 1930 und 1945 in Brasilien aufgrund der durch Weltwirt- schaftskrise und zweiten Weltkrieg schwachen Bindung zwischen Me- tropole und Satellit im Ansatz gelang. Ein solches rasches Wachs- tum der nationalen Industrien in der Dritten Welt entspricht auch den langfristigen ökonomischen Interessen der Exportmonopole. Durch die Wahrnehmung ihrer konkreten Interessen hier und jetzt verhindern diese Monopole jedoch diese für den Kapitalismus ra- tionalste Lösung. Die Direktinvestitionen der Exportmonopole füh- ren dazu, daß bestehende Ansätze für eine nationale Industriali- sierung entweder zunichte gemacht werden, wie in Brasilien nach Ende der Ära Vargas, oder aber gar nicht erst entstehen, wie in zahlreichen Ländern Afrikas, weil die überlegende Konkurrenz des Auslandskapitals sehr rasch zu deren vollständiger Herrschaft über die modernen Produktionssektoren führt und so die nationalen Industrien zurückdrängt oder nicht entstehen läßt. So sind in Brasilien ca. 72%, 68) in der Elfenbeinküste mindestens 90% 69) und im Senegal ca. 80-90% 70) der verarbeitenden Industrien in Händen des Auslandskapitals: "Die metropolitane wirtschaftliche Unterjochung der lateinameri- kanischen Industrie bedeutet unvermeidlich auch die Unterjochung der lateinamerikanischen industriellen Bourgeoisie. Die nationa- listische Industrie - oder die industrielle Nationalpolitik der 30er und 40er Jahre gibt es nicht mehr; mehr und mehr wurden La- teinamerikas Industrielle - oder sie werden es in naher Zukunft - Verbündete, Partner, Bürokraten, Lieferanten und Klienten von ge- mischten, ausländisch-lateinamerikanischen Unternehmen und Grup- pen, die die lateinamerikanischen nationalen Interessen verdun- keln und bemänteln und - was noch bedeutsamer ist - die zunehmend die wirtschaftlichen Interessen der individuellen lateinamerika- nischen bourgeoisen Industriellen mit den metropolitanen neoimpe- rialistischen Interessen verbinden. Damit wurde die sogenannte (oder fälschlich genannte) lateinamerikanische nationale Bour- geoisie - die weit davon entfernt ist, stärker und unabhängiger bei der Entwicklung von Lateinamerikas Industrie unter metropoli- taner Lenkung zu werden - schwächer und in jedem Jahr abhängi- ger." 71) Dort, wo diese nationale Industriebourgeoisie noch nicht exi- stierte, wie in weiten Teilen Afrikas, wird die Bourgeoisie durch die Dominanz des Auslandskapitals an ihre traditionellen Repro- duktionsbasen gefesselt (Landwirtschaft, Handel, Staat und Mili- tär), ohne diese in eine industrielle transformieren zu können. Dies wird vom Deutschen Industrie- und Handelstag ausdrücklich zugegeben: "Dabei sollte man nicht davor zurückschrecken, die Interessen der Industrie- und der Kapitalausfuhrländer beim Namen zu nennen, etwa die notwendige Sicherung der Absatzmärkte : und die im Zuge moderner Industrieentwicklung erforderliche Verlagerung ar- beitsintensiver Fertigungen in die Entwicklungsländer. Den Ent- wicklungsländern andererseits müßte man klarmachen, daß sich viele Wünsche nach Aufbau einer eigenen Industrie in absehbarer Zeit nicht erfüllen lassen, weil die finanziellen und technischen Voraussetzungen dafür fehlen. Demgegenüber sei es leichter, eine Industrie aufzubauen, deren Absatz in den Industrieländern gesi- chert ist. Dies könne am einfachsten und schnellsten durch Verla- gerung von Teilen der Fertigung aus den Industrieländern in die Entwicklungsländer geschehen." 72) Die Politik der Exportmonopole schlägt auf diese Weise gegen ihre langfristigen Interessen zu- rück, denn die nationale Industrialisierung der Dritten Welt wird gehemmt zugunsten einer weniger effektiveren, vom Auslandskapital getragenen, und der einzig starke Bündnispartner der Exportmono- pole, die nationale Industriebourgeoisie, eingeschränkt. Außerdem verschärfen sich durch diese imperialistische Beherrschung die Widersprüche zwischen Nationalbourgeoisie und Arbeiter- und Bau- ernmassen in der Dritten Welt, wodurch die Überlebenschance des Imperialismus eingeengt wird: "Weil die Metropole einen zunehmenden Teil der profitabelsten la- teinamerikanischen Geschäfte mit Beschlag belegt hat und den Rest in wachsende wirtschaftliche Schwierigkeiten treibt, verbleibt der lateinamerikanischen Bourgeoisie, die die profitablen Ge- schäfte aufgeben mußte, keine Wahl, sondern nur der Kampf um ihr Überleben - selbst wenn er auch vergeblich ist - durch eine Ver- stärkung der Ausbeutung ihrer abhängigen Arbeiter und Bauern, über Löhne und Preise, um einiges zusätzliches Blut aus dem Stein herauszuquetschen; und gelegentlich muß die lateinamerikanische Bourgeoisie zu direkter militärischer Gewalt Zuflucht nehmen." 73) Durch die verschiedenen aufgezeigten Widersprüche innerhalb der imperialistischen Bourgeoisie - Widersprüche zwischen Partial In- teressen, Widersprüche zwischen Partial- und System Interessen, Widersprüche zwischen Zielen und Mitteln in der Politik eines Partialinteresses - vollzieht sich der von Arrighi und Saul auf- gezeigte Wandlungsprozeß vom extraktiven zum industriellen Impe- rialismus äußerst langsam. Für die Länder der Dritten Welt bedeu- tet dies zweierlei: Entwicklung der Unterentwicklung und ökonomi- sche Beherrschung durch die kapitalistischen Industrieländer. IV. Andeutung einer Forschungsstrategie: ---------------------------------------- Die imperialistischen Beziehungen zwischen den kapitalistischen Industrieländern und den unterentwickelt gehaltenen Ländern wer- den - das sollte dieser Aufsatz verdeutlichen - durch weitaus komplexere und widersprüchlichere Strukturen und Interessen be- stimmt als in den neueren Imperialismustheorien angenommen wird. Alle neueren Theoretiker zentrieren ihren Imperialismusansatz um nur einen Aspekt der Gesamtproblematik: Baran, Steinhaus, Schuhler, Gustafsson und Küntzel um die Interessen der extrakti- ven Monopole, Jalee und Magdoff um die Struktur der sozioökono- mischen Beziehungen, Mandel und Woddis um die Interessen der Ex- portmonopole. Wenn deshalb eine erhebliche Modifizierung der mo- dernen Imperialismustheorien als unumgänglich erscheint, sollte dabei gleichzeitig ein von den neuen Theorien erheblich abwei- chender methodischer Ansatz gewählt werden (das schließt eine Selbstkritik dieses Aufsatzes ein). Alle heutigen Imperialismus- theorien gehen mehr oder minder von den Erscheinungsformen der Beziehungen zwischen kapitalistischen Industrieländern und ökono- misch schwach entwickelten Ländern aus, ohne den Imperialismus - wie es die klassischen Imperialismustheoretiker (Hilferding, Luxemburg, Lenin, Sternberg, Bucharin und Grossmann) noch ver- suchten - aus den ökonomischen Bewegungsgesetzen des Monopolkapi- talismus abzuleiten. Kapitalistische Industrieländer und Dritte Welt müssen bei diesem Ansatz - das drückt schon das Wort "Dritte" Welt aus - auseinanderfallen, werden nicht mehr als zwei Seiten einer Sache, des Monopolkapitalismus, gesehen. Die z. Zt. nur in mageren Ansätzen vorhandene Analyse des Monopolkapitalis- mus ist folglich die erste Voraussetzung für eine methodisch kor- rekte Imperialismusanalyse. Für die Gesamtanalyse wären dann noch folgende Schritte notwendig: 1. Analyse der sozioökonomischen Beziehungen (Handel-, Kapital- und Rohstoffbeziehungen) zwischen Metropolen und Satelliten, wie- derum mit einer regionalen Differenzierung sowohl in den Metropo- len als auch in den Satelliten. 2. Ableitung der Interessen der Metropolen gegenüber den Satelli- ten aus der Monopolkapitalismusanalyse und aus der Auseinander- setzung zwischen den beiden antagonistischen Weltsystemen, wobei eine Differenzierung zwischen den USA, Westeuropa und Japan not- wendig wäre. 3. Sozioökonomische Analyse der unterentwickelt gehaltenen Länder mit einer Differenzierung zwischen Asien, Afrika und Lateiname- rika: Widersprüche innerhalb der Bourgeoisie (Kompradoren-schich- ten gegen industrielle Bourgeoisie), Widersprüche zwischen Bour- geoisie und Arbeiter- und Bauernklasse, sozialistische Befrei- ungsbewegungen und deren Rückwirkung auf die Metropolen). Zu allen genannten Punkten liegen bisher nur Fragmente vor, doch erst eine Vermittlung dieser vier Analysen könnte den Namen Impe- rialismus"theorie" beanspruchen. _____ x) Klaus Busch, Rainer Kühn, Carla-Petra Müller, Peter Mühlhan- sel, Konstanze Pistor, Stephan Reeger, Holger Rohrbach, Rainer Schweers, Rolf Tolle. 1) Tabelle zusammengestellt nach Pierre Jalee: DIE DRITTE WELT IN DER WELTWIRTSCHAFT, Frankfurt/Main 1969, Tabelle V-1, S. 96. 2) Harry Magdoff: "The Age of Imperialism", Siehe auch Pierre Ja- lee, a.a.O., S. 99. 3) Jalee, a.a.O., Tabelle V-6, S. 101. 4) Jalee, a.a.O., S. 77-81. Harry Magdoff zitiert eine Statistik der UNCTAD, in der die terms of trade-Verluste weitaus geringer sind, was z. T. daraus zu erklären ist, daß Jalee seinen Berech- nungen das Preisniveau von 1955 zugrundelegt, während die UNCTAD von den Durchschnittspreisen in der Periode von 1953-1957 aus- geht: "Loss in purchasing power of exports from underdeveloped countries": (Millions of Dollars) Losses due to Aid from Losses as decline in terms developed percent of trade countries of aid 1961 -1,824 4,996 36,5% 1962 -2,158 5,390 40,0% 1963 -2,109 5,914 35,7% 1964 -2,026 5,947 34,1% 1965 -2,519 · 6,203 40,1% 1966 -2,752 6,430 42,8% Total -13,388 34,880 38,4% Magdoff, M.R., 1968, Nr. 6, S. 61. 5) Magdoff, M.R., 1968, Nr. 5, S. 50/51 zitiert dazu eine Stati- stik aus der INTERNATIONAL FINANCIAL STATISTICS. Wir zitieren daraus einige Beispiele: "Leading Export Commodities of underdeveloped Nations (based on 1967 trade data)" Country Number of Export of Leading export commo- leading export leading c. as % dities commodities of total exports Argentinia 4 61 Meat, Wheat, Corn, Wool Bolivia 1 63 Tin Cameroon 3 65 Cocoa, Coffee, Aluminium Congo, D. R. 4 74 Copper, Tin, Diamonds, Coffee Gabon 4 86 Wood, Manganese, Oil, Uranium Libya 1 99 Oil Mauritania 1 91 · Iron Ore Venezuela 2 98 Oil, Iron Ore 6) Ernest Mandel: "Die Marxsche Theorie der ursprünglichen Akku- mulation und die Industrialisierung der Dritten Welt", in: FOLGEN EINER THEORIE, edition suhrkamp 226, S. 84. 7) OECD: DEVELOPMENT ASSISTANCE EFFORTS AND POLITICS, 1967, Ta- belle I, 1., S. 13. 8) DAC: DEVELOPMENT ASSISTANCE COMMITTEE. 9) Netto-Abfluß von Investitionseinkommen in Millionen Dollar aus 58 Entwicklungsländern: 1956 1931 · 1961 2996 1957 2137 1962 3263 1958 1891 1963 3489 1959 2302 1964 4039 1960 2685 · 1965 4400 zitiert nach: United Nations: THE EXTERNAL FINANCING OF ECONOMIC DEVELOPMENT. INTERNATIONAL FLOW OF LONG-TERM CAPITAL AND OFFICIAL DONATIONS 1962-1966, New York, Tabelle 29, S. 72-74. 10) JAHRESBERICHT DER WELTBANK 1968, S. 52. 11) OECD, a.a.O., S. 73: "Estimated Debt Service Payments by less-developed Countries", 1965: in Million of Dollars: Amortization Interest Total DAC official bilateral loans 760 450 1210 Multilateral loans 200 140 340 Total 960 590 1550 Export Credits Guaranteed 900 400 1300 Export Credits Non-Guar. 450 150 600 Total 1350 550 1900 Other private long-term and unallocated 450 250 700 Total 2760 1390 4150 12) Magdoff, M.R. 1968, Nr. 6, S. 58 13) E.S. Mason: FOREIGN AID AND FOREIGN POLICY, New York 1964, S. 14, zitiert nach Magdoff, a.a.O., S. 35. 14) Die Zahlen in Klammern enthalten jeweils die höchsten Schät- zungen. 15) Weil die OECD-Statistiken eine größere Anzahl von Entwick- lungsländern berücksichtigen, ziehen wir sie der Weltbank-Stati- stik vor. 16) Jalee, a.a.O., Tabelle III-1, S. 45. 17) Jalee, a.a.O., Tabellen III-3 bis III-7, S. 47-51. 18) Percy W. Bidwell: RAW MATERIALS, New York 1958, S. 5. 19) STATISTICAL ABSTRACTS OF THE US, 1966, Tabelle Nr. 1041, S. 706. 20) Tabelle zusammengestellt von Harry Magdoff, M.R. 1968, Nr. 2, S. 36. 21) Zitiert nach Olin T. Mouzon: INTERNATIONAL RESOURCES AND NA- TIONAL POLICY, New York 1959, S. 437, Übersetzung von den Verfas- sern. 22) Jalee, a.a.O., und DIE AUSBEUTUNG DER DRITTEN WELT, Frank- furt/Main 1968. 23) Jalee: AUSBEUTUNG..., S. 34. 24) Jalee: DRITTE WELT..., S. 132. 25) Jalee, a.a.O., S. 141. 26) Jalee, a.a.O., S. 141-142. 27) Jalee, a.a.O., S. 132. 28) Walter Scheel in einer Rede vor dem Arbeitskreis für Interna- tionalen Kulturaustausch. Zitiert nach dem HANDBUCH DER ENTWICK- LUNGSHILFE, II A 30, 12. Lieferung (Juli 1962). Von W.W. Rostow ist eine ähnliche Äußerung bekannt: "Lage, Bodenschätze und die Bevölkerungen der unterentwickelten Gebiete haben eine derartige Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten die zweite Macht der Welt würden, sollten sie fest dem kommunistischen Block angeschlossen werden... Indirekt dürfte die Entwicklung der unterentwickelten Gebiete das Schicksal Westeuropas und Japans entscheiden und da- mit die Effektivität jener industrialisierten Regionen der Freien Welt, die wir uns zu führen verpflichtet haben. Wenn die unter- entwickelten Gebiete unter kommunistischer Herrschaft geraten oder wenn sie eine Position fixierter Feindschaft dem Westen ge- genüber einnehmen, wird die ökonomische und militärische Stärke Westeuropas und Japans vermindert, das Britische Commonwealth in seiner jetzigen Organisation beeinträchtigt und die Atlantische Gemeinschaft bestenfalls zu einem mißlichen Bündnis, das unfähig sein wird, wirksamen Einfluß über einen sehr begrenzten Raum hin- aus auszuüben, was zugleich zu einem Verlust des Kräftegleichge- wichts führen würde." Zitiert nach Magdoff: M.R. 1968, Nr. 2, S. 38, Übersetzung von den Verfassern. 29) Lin Biao: ES LEBE DER SIEG IM VOLKSKRIEG, Peking 1965, S. 62. 30) Kurt Steinhaus: ZUR THEORIE DES INTERNATIONALEN KLASSEN- KAMPFES Frankfurt/Main 1967, S. 46. 31) Jack Woddis: INTRODUCTION TO NEOCOLONLALISM, London 1968, S. 57. 32) So der damalige Bundesaußenminister Schröder in einer Rede über die "Grundlinien der deutschen Außenpolitik": "Hilfe ist nur dann sinnvoll, wenn die Regierungen einschneidende soziale, wirt- schaftliche und landwirtschaftliche Reformen durchführen... Wir werden deshalb mit Vorrang solchen Regierungen Hilfe zukommen lassen, die gesetzliche Maßnahmen für eine gerechte wirtschaftli- che und soziale Neuordnung treffen." Zitiert nach dem HANDBUCH DER ENTWICKLUNGSHILFE, II A 30, 15. Lieferung 1962. Ein anderes Beispiel kann aus der Rede Ministerrialdirektor Son- nenhols auf dem Wesertag 1963 angeführt werden: "Hinzu kommt, daß die Privatinitiative vielfach durch feudalistische, oligarchi- sche, ausbeuterische Schichten, die sich scharf antikommunistisch geben und häufig eng mit ähnlich gesonnenen ausländischem Kapital zusammenarbeiten, politisch so in Mißkredit geraten ist, daß es einige Zeit dauern wird, bis die heute in der Mehrzahl dieser Länder vorherrschende Militärverwaltungswirtschaft durch freiere Wirtschaftsformen ersetzt werden kann, die der privaten Initia- tive den ihr im Interesse einer raschen Entwicklung gebührenden freien Bewegungsraum zurückgeben." Zitiert nach HANDBUCH DER ENT- WICKLUNGSHILFE, a.a.O., 20. Lieferung 1963. 33) John F. Kennedy, zitiert nach Steinhaus, a.a.O., S. 49. 34) Walter Scheel in einer Rede vor dem Deutschen Überseetag in Hamburg. Zitiert nach dem HANDBUCH DER ENTWICKLUNGSHILFE, a.a.O., 13. Lieferung 1962. 35) Walter Scheel in der bereits zitierten Rede vor dem Arbeits- kreis für Internationalen Kulturaustausch. 36) Während Frankreich noch 1960 55,2% seiner Hilfe in Form von Kapitalhilfe vergab und nur 17,7% als Technische Hilfe, kehrte sich dieses Verhältnis 1966 auf 22,7% zu 52,1% um. Siehe Eberhard Stahn. "Die Entwicklungspolitik Frankreichs", in: ENTWICKLUNG UND ZUSAMMENARBEIT, Nr. 7+8, Juli und August 1968. 37) D. Danckwerts: "Entwicklungspolitik als interventionistische Außenpolitik", in: BZ F. POL, 1968, Nr. 3, S. 16. 38) E. Mandel: MARXISTISCHE WIRTSCHAFTSTHEORIE, Frankfurt/Main 1968, S. 499. 39) Helmut Giesecke: INDUSTRIEINVESTITIONEN IN ENTWICKLUNGSLÄN- DERN - RISIKEN UND CHANCEN, Hamburg 1963, S. 68. 40) Matthias Schmitt: ENTWICKLUNGSHILFE ALS UNTERNEHMERISCHE AUF- GABE, 1965, S. 29. 41) Schmitt: a.a.O., S. 32. 42) Rolf Thiessen: "Kapitalanlage im Ausland - Tendenzen und Mo- tive", in: FÖRDERUNG PRIVATER INVESTITIONEN IN ENTWICKLUNGSLAN- DERN, Wirtschaftstag anläßlich der Importausstellung "Partner des Fortschritts", Berlin 1965, S. 18. 43) "Discours sur la coopération prononcé par M. Pompidou, Pre- mier Ministre, devant L'Assemblée Nationale", 10.6.64, heraus- gegeben von der Documentation Francaise, Nr. 758-6-64, S. 4. 44) Walter Scheel in einer Rede "Neue Wege Deutscher Entwick- lungspolitik" am 8.6.66. Zitiert nach dem HANDBUCH DER ENTWICK- LUNGSHILFE, a.a.O., 30. Lieferung 1966. Ähnliche Formulierungen sind von Scheels Nachfolgern Wischnewski und Eppler bekannt: "Zweifellos liegen in den Ländern an der Schwelle zum industriel- len Zeitalter für uns die entscheidenden Marktreserven der Zu- kunft, und zwar sowohl auf der Beschaffungs- wie auf der Absatz- seite. Unsere Wirtschaft ist auf kaufkräftige Handelspartner an- gewiesen. Wenn die Entwicklungsländer bessere Kunden für uns wer- den sollen, dann müssen sie auch die Chance haben, die nötigen Devisen am Weltmarkt zu verdienen..." (Wischnewski in einer Ant- wort auf eine Große Anfrage zur Entwicklungspolitik vor dem Deut- schen Bundestag, 28.6.67, zitiert nach dem HANDBUCH...", Liefe- rung 1967. "Ich glaube, daß wir unser langfristiges Eigeninteresse mehr in den Vordergrund stellen sollten als unser kurzfristiges, und un- ser langfristiges Eigeninteresse ist zweifellos die Entwicklung neuer potenter Märkte für unsere Industrien in der Zukunft." (Eppler, zitiert nach: ENTWICKLUNG UND ZUSAMMENARBEIT, Nr. 12, Dezember 1968) 45) Nach Angaben Epplers, a.a.O., S. 5. 46) Walter Scheel vor einem Internationalen Management-Kongreß (CIOS) am 17.9.63: "Im Idealfall stellt die staatliche Hilfe das Pre-Investment für privatwirtschaftliche Interventionen dar." Zi- tiert nach dem HANDBUCH..., a.a.O., Lieferung 1963. 47) Der private Investor kann nach dem EWH-Steuergesetz auf den in seiner inländischen Bilanz zu aktivierenden Wert der ausländi- schen Investitionen einen seinen steuerlichen Gewinn mindernden Bewertungsabschlag in Höhe von 15% vornehmen. Außerdem kann er eine gewinnmindernde Rücklage in Höhe von 50% des nach dem Bewer- tungsabschlag verbleibenden Werts bilden. 48) Zitiert nach Jalee, WELTWIRTSCHAFT..., a.a.O., S. 112-113. 49) Zitiert nach Magdoff, M.R. 1968, Nr. 6, S. 32. Übersetzung von den Verfassern. 50) Magdoff, a.a.O., S. 33. 51) Magdoff, a.a.O., S. 35. 52) Steinhaus, a.a.O., S. 47. 53) erschienen in der Reihe des Deutschen Übersee-Instituts: "Probleme der Weltwirtschaft", Hamburg 1968. 54) Müller, a.a.O., S. 29-30. 55) Müller, a.a.O., S. 75-76. 56) Errechnet nach Tabelle VI-3 in Jalee: a.a.O., S. 126. 57) Steinhaus, a.a.O., S. 56-57. 58) Ulrich Küntzel: DER DOLLAR-IMPERIALISMUS, Berlin 1968, S. 74. Bernd Schüngel: "Zur Frage der Abhängigkeit der kapitalistischen Industrieländer von den Rohstoffen der Dritten Welt", in: DAS ARGUMENT 53, gibt folgende Vergleichszahlen über die Förde- rungskosten je Tonne in Dollar an: USA: 18-21, Venezuela, 5,5-7,5 und Naher Osten: 2,3-2,5. 59) Paul A, Baran: POLITISCHE ÖKONOMIE DES WIRTSCHAFTLICHEN WACHSTUMS, S. 310-311. 60) Baran, a.a.O., S. 309. 61) Zur Baran-Schule sind zu zählen Kurt Steinhaus. Conrad Schuh- ler (Zur Politischen Ökonomie der Armen Welt), Bö Gustafsson (Versuch über den Kolonialismus), weil diese Autoren explizit die Baranschen Thesen übernehmen, und Ulrich Küntzel, weil seine Po- sition der von Baran genau entspricht. 62) Dieter Jaeger: HANDELSPOLITIK ALS ENTWICKLUNGSPOLITIK, 1968, S. 84. 63) Jaeger, a.a.O., S. 86 64) Heinz Bachmann: THE EXTERNAL RELATIONS OF LESS-DEVELOPED COUNTRIES, A Manual of economic policies, New York 1968, S. 22. Übersetzung durch die Verfasser. Siehe auch Derselbe: ZOLLPOLITIK UND ENTWICKLUNGSLÄNDER, Tübingen 1965. 65) Siehe: GESCHÄFTSBERICHTE DER DEUTSCHEN ENTWICKLUNGSGESELL- SCHAFT (DEG) 1966, 1967 und 1968. 66) Giovanni Arrighi und John S. Saul: "Nationalism and Revolu- tion in Sub-Saharian-Africa", Vervielfältigtes Manuskript, S. 2. Übersetzung von den Verfassern. 67) Errechnet nach Jalee, a.a.O., Tabelle VI-3, S. 126. 68) Angaben aus: "Der Polizeimord an Carlos Marighella", in: RPK, Nr. 38, S. 9. Siehe auch den Aufsatz von R.P. Schilling in dieser SOPO sowie die abgedruckten Dokumente. 69) Samir Amin: LE DEVELOPPEMEXT DU CAPITALISME EN COTE D'IVOIRE, Paris 1967. 70) M.A. Zajadatz: PROBLEME UND MÖGLICHKEITEN DER INDUSTRIELLEN ENTWICKLUNG IN SENEGAL, Dissertation, Köln 1962. 71) Andre Gunder Frank: KAPITALISMUS UND UNTERENTWICKLUNG IN LA- TEINAMERIKA, Frankfurt 1969, S. 307. Siehe auch die Rezension des Buches in dieser SOPO. 72) DIHT: TÄTIGKEITSBERICHT 1963. 73) Frank, a.a.O., S. 307-308. zurück