Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970
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ANMERKUNGEN ZU DEM AUFSATZ VON E. ALTVATER:
"ZUR KONJUNKTURLAGE DER BRD ANFANG 1970" 1)
I
Die BRD befindet sich gegenwärtig in der Spätphase des Booms
ihres fünften Wachstumszyklus 2). Wenn Allvater "mit großer Si-
cherheit den baldigen Umschwung der Konjunkturentwicklung" 3)
prognostiziert, so können gegenüber dieser Einschätzung wohl kaum
Vorbehalte geltend gemacht werden. Zwar ist der erwartete Um-
schwung in der Aufwärtstendenz beim Auftragseingangsindex der In-
vestitionsgüterindustrie im Laufe der ersten Monate 1970 nicht
eingetreten, obgleich die Wachstumsraten zu fallen beginnen 4),
dennoch sprechen eine Reihe von Überlegungen für die Annahme ei-
nes Konjunkturumschlags Anfang 1971. Selbst ein Teil der bürger-
lichen Ökonomie bestreitet nicht, daß es wahrscheinlich zu diesem
Konjunkturrückgang kommen wird 5). Auch die bürgerliche National-
ökonomie als Dolmetscher der Vorstellungen von den in die bürger-
liche Produktion verfangnen Agenten kann insgesamt nicht die Au-
gen vor der Tatsache verschließen, daß sich das wirtschaftliche
Wachstum in der B R D in regelmäßigen, zyklischen Schwankungen
vollzieht, obgleich ihr die Ursachen für dieses Phänomen eines
drei- bis vierjährigen industriellen Zyklus rätselhaft bleiben
6). Dennoch weiß sie, "daß aller Erfahrung nach eine Konjunktur-
überhitzung eine zumindest leichte Abkühlung nach sich zieht" 7)
und durch diese Konjunkturabschwächung ein neuer Wachstumszyklus
eingeleitet wird. "Es gibt einige Mechanismen, die dafür sorgen,
daß sich ein Boom nicht grenzenlos fortsetzt." 8) So bestimmt der
Sachverständigenrat bereits im Herbst 1969 in Übereinstimmung mit
anderen Konjunkturforschern für 1970 / 1971 das Ende des fünften
Wachstumszyklus: "Diese Entwicklungen, die schon in der Spätphase
der Hochkonjunktur die Wende einleiten, können wieder zu einer
Rezession führen." 9) Ob der Konjunkturrückgang zu einer ähnlich
spürbaren Rezession wie 1966 / 67 führen wird, hängt nach dem
Sachverständigenrat vornehmlich davon ab, ob die restriktive Kre-
dit- und Haushaltspolitik rechtzeitig aufgegeben wird und ob
durch Arbeitskämpfe und Lohnerhöhungen die rückläufige Investiti-
onsneigung der Unternehmer noch verstärkt wird 10). Selbst wenn
diese beiden Momente nicht wirksam werden sollten, so existieren
für den Übergang zum sechsten Wachstumszyklus relativ ungünstige
Bedingungen. Der Konjunkturrückgang in der BRD fällt nämlich zu-
sammen mit der Abnahme des wirtschaftlichen Wachstums in den grö-
ßeren kapitalistischen Staaten, was einen relativen Rückgang im
Volumen des Welthandels zur Folge haben wird. "Die Expansion der
Weltwirtschaft wird sich im Laufe des Jahres 1970 verlangsamen,
weil sich die nordamerikanische Konjunktur weiterabschwächen und
in der zweiten Jahreshälfte auch in Westeuropa die Nachfrage et-
was langsamer als bisher expandieren wird" 11), wobei das
"Nachlassen des Aufschwungs in den großen Ländern auch in einzel-
nen kleineren Volkswirtschaften zu einem Rückgang im Auslastungs-
grad" 12) führen könnte. Eine Gleichzeitigkeit des Konjunkturab-
schwungs bedeutet verschärfte Konkurrenz auf dem Weltmarkt und
damit Rückgang der Exportmöglichkeiten, wovon die westdeutsche
Industrie wegen des hohen Anteils des Auslandsumsatzes an ihrem
Gesamtumsatz besonders betroffen würde. Jedenfalls dürfte die
Auslandsnachfrage unter solchen Bedingungen nicht gleichermaßen
zentraler Faktor für die Wiederbelebung sein, wie im Anschluß an
die Rezession von 1966 767 13). Eben weil "die Konjunktur West-
deutschlands ohne Rekurs auf die Konjunktur der wichtigsten Län-
der der Weltwirtschaft 14) nicht zu analysieren ist, hängt die
Prognose über das Ausmaß der Konjunkturabschwächung in der Tat
von einer präzisen Einschätzung der Entwicklungen auf dem Welt-
markt ab. Auch dieser in Altvaters Konjunkturanalyse enthaltenen
These dürfte kaum widersprochen werden. Nicht die Einschätzung,
daß der fünfte Wachstumszyklus ausläuft und daß der Übergang zum
sechsten Zyklus möglicherweise durch eine scharfe Rezession mar-
kiert wird, ist strittig; denn selbst ein Teil der bürgerlichen
Konjunkturforscher kann, wie oben angedeutet, mit dieser Diagnose
der Trends in der Spätphase der Hochkonjunktur übereinstimmen.
Problematisch sind dagegen diejenigen Aspekte des Versuchs einer
marxistischen Konjunkturanalyse, die die Erklärung und Interpre-
tation dieser empirischen Bewegung mit marxistischen Kategorien
leisten sollen.
II
Die Marxsche Theorie sprengt den Rahmen der Fachökonomie, inso-
fern sie durch die Analyse der im Kapitalverhältnis eingeschlos-
senen Stufenfolge einer Fetischisierung und Mystifikation die Hy-
postasierung ökonomischer Formbestimmtheiten unterläuft und die
Verkehrung von Subjekt und Objekt, die Versachlichung der gesell-
schaftlichen Verhältnisse als notwendig ableiten kann. Die Kritik
der politischen Ökonomie wäre daher "als reine, kritische Wissen-
schaft" 15) schon immer mißverstanden. Weil die Marxsche Theorie
in der Analyse der bürgerlichen Gesellschaft die Welt des Scheins
durchstößt, sie die Distinktion der äußeren und notwendigen Er-
scheinungen von ihren inneren Ursachen mitmacht und daher die
verkehrte Form des gesellschaftlichen Zusammenhangs im Bewußtsein
der Produktionsagenten erklären kann, ist sie die einzige Grund-
lage für das Begreifen der wirklichen Bewegung der Kapitale, so-
wie für theoretische Fundierung revolutionärer Strategie.
Das gründliche Studium des KAPITALS ist nun nicht gleichzusetzen
mit der Untersuchung der realen Kapitale.
"Immer deutlicher tritt hervor, daß das Kapital auf einer Ab-
straktionsebene verfaßt wurde, welche es nicht erlaubt,
u n m i t t e l b a r zur Untersuchung des existierenden Kapita-
lismus überzugehen, sondern selbst noch verlangt, daß man sich
durch die Vergegenwärtigung der Implikationen dieser Verfahrens-
weise Rechenschaft abzulegen hat über den methodischen Abstand
zwischen der Darstellung des "allgemeinen Begriffs" und der Ana-
lyse der realen Verhältnisse." 16)
Auch Altvater berücksichtigt diesen methodischen Zusammenhang. Er
geht davon aus, daß es gerade in Bezug auf die Diskussion revolu-
tionärer Strategien im Spätkapitalismus nicht mit der Feststel-
lung getan sein kann, "daß im Kapitalismus notwendig immer wieder
Krisen produziert werden ... Denn es muß auch angegeben werden
können, wann und wie diese Krisen konkret produziert werden." 17)
Insofern umfasse die Rekonstruktion der politisch-ökonomischen
Theorie neben der Aneignung der Marxschen Theorie auch die Er-
stellung konkreter Analysen. "Denn nur als Einheit von theoreti-
scher Reflexion der verwendeten Kategorien und deren konkreter
Anwendung in aktuellen Analysen kann sie (die politische Ökonomie
- J.B.) ihrer Aufgabe gerecht werden, als revolutionäre Theorie
zum Moment revolutionärer Praxis zu werden." 18) Trotz dieser
prinzipiellen Anerkennung der methodischen Differenz zwischen der
Darstellung des 'Kapitals im Allgemeinen' und der Analyse der
wirklichen Bewegung finden sich in Altvaters Versuch einer marxi-
stischen Konjunkturanalyse einige Ungereimtheiten, die man wohl
doch auf eine mangelnde Reflexion der Implikationen dieser metho-
dischen Differenz zurückführen muß.
Die Problematisierung einiger Aspekte der Konjunkturanalyse soll
die Schwierigkeiten beim Übergang von der Darstellung des
'Kapitals im Allgemeinen' zu konkreten Analysen aufzeigen, wo-
durch freilich die Konjunkturanalyse nicht unmittelbar verbessert
wird, da diese Ausführungen nur ein Beitrag zur Verbesserung der
"Methodik der Konjunkturanalysen" 19) sein können.
III
Die kapitalistische Produktionsweise ist eine spezifisch ökonomi-
sche Form der Abpressung der Mehrarbeit von den unmittelbaren
Produzenten. Die historisch besondere Distribution der Produkti-
onsbedingungen, die Trennung des Arbeiters von den Verwirkli-
chungsbedingungen der Arbeit, schließt allerdings ein, daß sich
die Aneignung von Surplusarbeit nicht mehr unmittelbar als
Zwangsarbeit darstellt. Im Gegensatz zu vorkapitalistischen Pro-
duktionsweisen, wo die Herrschaft der produktionsbedingungen über
die Produzenten direkt als Herrschafts- und Knechtsschaftsver-
hältnis erscheint, ist in der kapitalistischen Form der Produk-
tion ihre "ökonomische Hörigkeit .. zugleich vermittelt und
zugleich versteckt" 20). Wenn auch das Kapital wesentlich als
Kommando über unbezahlte Arbeit begriffen werden muß, "ist es je-
doch nicht in dieser Form, daß sich die Sache der Produktions-
agenten, den Trägern der verschiednen Funktionen des Produktions-
prozesses darstellt , sondern vielmehr in verkehrter Form." 21)
Die Darstellung des Kapitalverhältnisses muß daher die Erklärung
einschließen, woraus notwendig diese Mystifikation der gesell-
schaftlichen Verhältnisse und das falsche Bewußtsein der Produk-
tionsagenten resultiert.
Wenn Altvater in Bezug auf die Verdinglichung der Produktionsver-
hältnisse behauptet, daß "hier .. der Fetischismus nicht bloße
Ideologie, falsche Verhüllung der wirklichen Bewegungen, sondern
ein wichtiges Moment der falschen Realität selbst" sei, und dazu
erläutert, daß "die Begründung für diese Aussage .. im konkreten
Teil" 22) erfolge, also nicht im Rahmen der "theoretischen Vor-
überlegungen", dann zeigt sich - hier noch in einfacher Form -
eine unkritische Auffassung im Verhältnis von den Bestimmungen
des 'allgemeinen Begriffs' und den realen Kapitalen. Denn wie
sich die "Welt des Scheins" der bürgerlichen Gesellschaft eta-
bliert und welche Bedeutung sie für die kapitalistische Produkti-
onsform hat, erbringt keine Analyse der Bewegung der realen Kapi-
tale, sondern ergibt sich aus den Bestimmungen des Kapitals im
Allgemeinen. Diese mangelhafte Reflexion des Zusammenhangs zwi-
schen der Sphäre des Scheins und der des Wesens als Folge einer
Unterschätzung der methodischen Differenz zwischen dem
'allgemeinen Begriff' und den realen Kapitalen zeigt sich bald
als Quelle neuer Konfusion. Altvater vermag zumindest in Bezug
auf die Bewegung des Arbeitslohns im Rahmen des industriellen Zy-
klus die Welt des Scheins nicht mehr zu durchstoßen und nimmt
folglich die erste empirische Erscheinungsform der Sache als ih-
ren Grund an.
IV
An mehreren Stellen seiner Konjunkturanalyse vertritt Altvater
folgende These:
"In den im Verlauf eines jeden Booms steigenden Lohnkosten drückt
sich das Prinzip der Einschränkung von Profitmasse und -rate
durch den Konkurrenzdruck der Kapitalisten selbst und den Kampf
der Lohnarbeiter aus. Die daher permanent erhöhten Preise drücken
das kapitalistische Prinzip aus, sich die Profite 'auf dem Markt
zu holen', wenn sie in der Produktionssphäre durch steigende
Löhne eingeengt werden." 23)
Diese These, daß eine allgemeine Erhöhung des Arbeitslohns auf
ein Steigen der Warenpreise hinausläuft, ist von Marx entschieden
als "theoretisch falsch und praktisch gefährlich" 24) bekämpft
worden. Nur wenn man "an der äußerlichsten Oberfläche der Er-
scheinung" 25) kleben bleibt, kann man sagen, daß der Arbeitslohn
preisbestimmendes Moment ist. Die Kapitalisten werden dagegen un-
abhängig von der Lohnhöhe versuchen, auf dem Markt zu holen, was
zu holen ist; Lohnerhöhungen sind nicht Ursache sondern Folge
dieser Preiserhöhungen. "Wenn es in der Hand der kapitalistischen
Produzenten stünde, beliebig die Preise ihrer Waren zu erhöhn, so
könnten und würden sie das tun auch ohne das Steigen des Arbeits-
lohns. Der Arbeitslohn würde nie steigen bei sinkenden Warenprei-
sen." 26) Wenn also die Arbeiterklasse sich in den Prosperitäts-
phasen des industriellen Zyklus einen größeren Anteil an dem für
die individuelle Konsumtion bestimmten Teil des jährlichen Ge-
samtprodukts erkämpfen kann, so ist dies nur Ausdruck der Tatsa-
che, daß in diesen Phasen allgemein die Marktpreise über den Pro-
duktionspreisen stehen. Das Mißverhältnis zwischen Nachfrage nach
Arbeitskräften und dem Angebot infolge der gesteigerten Akkumula-
tionsbedürfnisse des Kapitals führt zu einem Steigen der Löhne,
was seinerseits nochmals eine erneute Steigerung der Preise be-
stimmter Waren hervorrufen kann. "Was hier wieder erfahren wird,
ist die Existenz eines Zusammenhangs zwischen dem Arbeitslohn und
dem Preis der Waren; aber die Ursache kann als Wirkung, und die
Wirkung als Ursache-sich darstellen, wie dies auch bei der Bewe-
gung der Marktpreise der Fall ist." 27) Will man aus dieser ober-
flächlichen Erfahrung nicht das Dogma ableiten, daß der Kapita-
list die "sich einstellende Beschränkung der Abpressung von Mehr-
arbeit ... durch Preiserhöhung der Waren zu kompensieren" 28)
sucht, muß konsequent am Wertbegriff als der einzig rationalen
Basis der politischen Ökonomie festgehalten werden. Dann zeigt
sich:
"Es sind diese absoluten Bewegungen in der Akkumulation des Kapi-
tals, welche sich als relative Bewegungen in der Masse der ex-
ploitablen Arbeitskraft widerspiegeln und daher der eignen Bewe-
gung der letztren geschuldet scheinen. Um mathematischen Ausdruck
anzuwenden: die Größe der Akkumulation ist die unabhängige Va-
riable, die Lohngröße die abhängige, nicht umgekehrt." 29)
Der Schein des Umgekehrten, daß Arbeitslohn preisbestimmendes Mo-
ment ist, muß sich um so mehr befestigen, als in der Tat eine
Veränderung im Arbeitslohn zwar nicht die Werte, aber die
Produktionspreise der verschiednen Waren affiziert, je nach der
Durchschnittszusammensetzung des Kapitals in den entsprechenden
Produktionssphären. Bei einer Erhöhung des Preises der Ware
Arbeitskraft bleibt für die Kapitale von gesellschaftlicher
Durchschnittskomposition der Produktionspreis unverändert,
während er sich bei Kapitalen mit niedriger Zusammensetzung
erhöht und bei Kapitalen mit hoher Zusammensetzung vermindert.
Diese Bewegung der Preise ist bloß Ausdruck des Ausgleichs-
prozesses zur Durchschnittsprofitrate, auch hier kommt dem
Arbeitslohn an sich keine preisbestimmende Wirkung zu. 30) Der
Schein, Arbeitslohn sei Quelle von Wert, wird ferner dadurch
erzeugt, daß lokale Lohnsteigerungen zu entsprechenden Preis-
steigerungen führen können, was aber gleichfalls nur als Moment
der Ausgleichung der besondren Profitraten zur allgemeinen
begriffen werden kann. Gerade dies letztere Moment muß
mißverstanden werden, weil hier die Kapitalisten unter bestimmten
Bedingungen die "Erhöhung des Arbeitslohns benutzen (können), um
die Warenpreise in viel höherem Grade zu erhöhn, also größeren
Profit einzustecken." 31)
Geht man von solch lokalen Phänomenen aus, befindet man sich zwar
im Einklang mit der "alltäglichen Erfahrung, die nur den täu-
schenden Schein der Dinge wahrnimmt" 32), kommt aber notwendig zu
falschen Verallgemeinerungen. Mit der These, daß Arbeitslohn
preisbestimmendes Moment oder selbst Quelle von Wert sei, wird
insgeheim der Wertbegriff aufgelöst und, wie bei der Vulgärökono-
mie, bloß transponiertes Bewußtsein dargestellt. Wenn Altvater
aber bei der Betrachtung der Fluktuationen des Preises der Ware
Arbeitskraft im Rhythmus des industriellen Zyklus dem Schein auf-
sitzt, dann muß jetzt gefragt werden, inwieweit seine Erklärung
der zyklischen Bewegung des Reproduktionsprozesses akzeptiert
werden kann.
V
Altvater geht davon aus, daß der "zyklische Verlauf der kapitali-
stischen Reproduktion .. durch den zyklischen Charakter des Ver-
wertungsprozesses infolge der aus ihm sich entwickelnden Wider-
sprüche erzeugt" 33) wird. Weil die Profitrate treibende Macht
der kapitalistischen Produktionsweise ist, und nur produziert
wird, wenn mit Profit produziert werden kann, wird die Zyklizität
immer wieder durch die Profitrate als dem bewegenden Prinzip des
Kapitalismus entfacht. Zu Beginn des Zyklus ist bei hoher Pro-
fitrate eine große Investitionsneigung gegeben. Indes "stellen
sich dem Verwertungsprozeß des Kapitals vom Arbeitsprozeß her -
und zwar sowohl von seilen der quantitativen und der qualitativen
Dimension des Gesamtarbeiters als auch von Seiten der Kapazität
der Produktionsmittel her - objektiv gezogene Grenzen, an die das
Kapital im Wirtschaftsaufschwung immer wieder notwendig stößt."
34) In dem Moment, wo der Kapitalist die Lohnsteigerungen nicht
mehr durch Preissteigerungen weitergeben kann 35), wird notwendig
die Profitmasse gedrückt. Dieselbe Tendenz zur Profitminderung
ergibt sich aus der "Ausdehnung des Fixkapitals sowie .. (den)
tendenziell größer werdenden Umschlagszeiten" 36). Gerade weil
das Kapital durch Investitionen die Beschränkungen des Produkti-
onspotentials aufheben will, vergrößert es zugleich damit tenden-
ziell die Wertzusammensetzung zugunsten des konstanten Kapi-
talteils und bewirkt letztlich einen Fall der Profitrate. Diese
für den Verwertungsprozeß gegenläufige Tendenz wird ferner nach
Altvater zur Ursache für den sich verschärfenden Widerspruch zwi-
schen Produktion und Konsumtion sowie für die Disproportionen im
Reproduktionsprozeß. Obwohl auch diese letzteren Momente der Er-
klärung des industriellen Zyklus fragwürdig sind, sollen hier nur
die Argumente für die Minderung in der Profitrate diskutiert wer-
den. Anschließend wäre zu fragen, ob die Bewegung der Profitrate
infolge der widersprüchlichen Tendenzen wirklich Ursache des in-
dustriellen Zyklus oder nicht vielmehr selbst nur Ausdruck des
Zyklus ist.
Das Kapital soll im Verlauf der Konjunktur mit den objektiven
Möglichkeiten des Produktionsprozesses in Widerspruch geraten.
Daß das Akkumulationsbedürfnis des Kapitals das Angebot an Ar-
beitskräften übersteigen kann, was zu einem Steigen der Löhne
führt, und daß dieses Steigen der Arbeitslöhne die Profitmasse
beschränkt und sich lähmend auf die Akkumulationsrate auswirkt,
ist unbestreitbar. Falsch ist dagegen die Behauptung - wie oben
gezeigt -, der Kapitalist könne bis zum Ende des Booms diese Loh-
nerhöhungen durch Preissteigerungen auffangen.
Durch die Akkumulation, soweit sie bloß quantitative Erweiterung
der Stufenleiter der Produktion ist, verändert sich die Pro-
fitrate nicht. Es ist daher problematisch, die Wirkung von
"Kapazitätserweiterungs- und Rationalisierungsinvesitionen" 37)
gleichzusetzen. Im Laufe der kapitalistischen Entwicklung verkür-
zen sich aber die Phasen, "worin die Akkumulation als bloße Er-
weiterung der Produktion auf gegebner technischer Grundlage
wirkt" 38). Es ist die allgemeine Tendenz des Kapitals, die Pro-
duktivität der gesellschaftlichen Arbeit zu entwickeln, um durch
die so bewirkte Verwohlfeilerung der Waren die notwendige Ar-
beitszeit zu verkürzen und die Surplusarbeitszeit zu verlängern.
Das Motiv zur Steigerung ist der Extramehrwert für das Einzelka-
pital, der mit der Verallgemeinerung der ausnahmsweisen Produk-
tivkraft verschwindet. Dieser immanente Trieb des Kapitals drückt
sich in einem fortwährenden Wechsel seiner Wertzusammensetzung
aus. Die Zunahme des konstanten Kapitals gegenüber dem variablen
als Ausdruck gesteigerter Produktivkraft der gesellschaftlichen
Arbeit stellt sich für den Kapitalisten dar als Abnahme der Pro-
fitrate, da er den abgepreßten Mehrwert nicht auf das variable,
sondern auf das gesamte vorgeschossene Kapital bezieht. Der
bestimmte Gebrauchswertcharakter einiger Arbeitsmittel bringt es
nun mit sich, daß sie zwar voll in den Arbeitsprozeß, aber nur
bruchstückweise in den Zirkulationsprozeß eingehn. Durch diese
eigentümliche Weise der Wertzirkulation ist das fixe Kapital be-
stimmt. Schließt die Zunahme des konstanten gegenüber dem vari-
ablen Kapital schon an sich die Zunahme des fixen Kapitals ein,
so wird dessen Vergrößerung noch dadurch verstärkt, daß mit der
Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft bei den Ar-
beitsmitteln die Differenz zwischen wertbildendem und produktbil-
dendem Element zunimmt. Entspringt so aus der kapitalistischen
Anwendung der Maschinerie einerseits die Tendenz zunehmender Ver-
längerung der Funktionszeit der Produktionsmittel und damit die
Vergrößerung der Umschlagszyklen, so ergibt sich andrerseits um-
gekehrt die Tendenz der Verkürzung ihrer Funktionsdauer. Da das
fixe Kapital erst im Laufe mehrerer Jahre seinen Wert insgesamt
auf das Produkt überträgt, ist es besonders anfällig für Wertre-
volutionen. Kann dieselbe oder verbesserte Maschinerie mit weni-
ger Arbeit hergestellt werden, verliert auch die noch im Produk-
tionsprozeß fungierende Maschinerie einen Teil ihres Werts. Aus
Furcht vor dieser Depretiation versucht der Kapitalist durch
Schichtarbeit, Erhöhung der Maschinengeschwindigkeit etc. den Um-
schlagszyklus des fixen Kapitals so gering wie möglich zu halten.
Wenn daher Altvater im Verlauf des industriellen Zyklus nur eine
Ausdehnung der Umschlagszeiten des fixen Kapitals in Rechnung
stellt, so trifft dies gleichfalls nicht die widersprüchliche Na-
tur des kapitalistischen Produktionsprozesses.
"Die Arbeitsmittel werden großenteils beständig umgewälzt durch
den Fortschritt der Industrie. Sie werden daher nicht in ihrer
ursprünglichen Form ersetzt, sondern in der umgewälzten Form. Ei-
nerseits bildet die Masse des fixen Kapitals, die in einer be-
stimmten Naturalform angelegt ist und innerhalb derselben eine
bestimmte Durchschnittslebenszeit anzudauern hat, einen Grund der
nur allmählichen Einführung neuer Maschinen etc., und daher ein
Hindernis gegen die rasche allgemeine Einführung der verbesserten
Arbeitsmittel. Andererseits zwingt der Konkurrenzkampf, nament-
lich bei entscheidenden Umwälzungen, die alten Arbeitsmittel vor
ihrem natürlichen Lebensende durch die neuen zu ersetzen." 39)
Diese Verengung in Altvaters Darstellung ist umso befremdli-
cher,als auch er davon ausgeht, daß mit dem fixen Kapital die ma-
terielle Grundlage der periodischen Krisen gegeben ist. Der bloße
Verweis auf die Bedeutung des fixen Kapitals bringt nichts, wenn
nicht zugleich die Notwendigkeit der stufenweisen Verkürzung des
Umschlags gezeigt wird. Allein daraus kann erklärt werden, warum
der ursprünglich zehn- bis elfjährige Zyklus sich auf eine Zeit-
dauer von drei bis vier Jahren in der BRD verkürzt hat 40). Marx
schreibt in einer Anmerkung zur autorisierten französischen Aus-
gabe des KAPITALS:
"Bis jetzt ist die periodische Dauer solcher Zyklen zehn oder elf
Jahre, aber es gibt keinerlei Grund, diese Zahl als konstant zu
betrachten. Im Gegenteil, aus den Gesetzen der kapitalistischen
Produktion, wie wir sie eben entwickelt haben, muß man schließen,
daß sie variabel ist, und daß die Periode der Zyklen sich stu-
fenweise verkürzen wird." 41)
Daß die periodischen Krisen ihre materielle Grundlage im Umschlag
des fixen Kapitals haben, und aus diesem Zusammenhang auch die
Verkürzung abzuleiten ist, mag nochmals anhand zweier Zitate über
das Maß der jährlichen Wertübertragung (Abschreibungen) verdeut-
licht werden. Engels schreibt Marx auf die Frage nach der durch-
schnittlichen Lebensdauer der Maschinerie:
"Das sicherste Kriterium ist die percentage, die jeder Fabrikant
jährlich auf seine Maschinerie v für Verschleiß und Reparatur ab-
schreibt, also in einer bestimmten Zeit seine Maschinen ganz her-
ausverdient hat. Diese percentage ist gewöhnlich 7 1/2 %, wonach
die Maschinerie in 13 1/3 Jahren durch das vom Nutzen jährlich
Abgeschriebne gedeckt wird, also ohne
Schaden ganz erneuert werden kann." 42)
Im "Volkswirt" heißt es über die Geschäftspolitik der August
Thyssen-Hütte AG: "Im Thyssen-Konzern gilt der Grundsatz, daß
neue Großanlagen in viereinhalb Jahren abgeschrieben werden müs-
sen, damit die dynamische Vorwärtsentwicklung durchgehalten wer-
den kann und das Unternehmen sich immer auf dem technisch modern-
sten Stand befindet." 43)
Im Verlauf der kapitalistischen Entwicklung ergibt sich keine
Verlängerung der Umschlagszeitendes fixen Kapitals sondern eine
Verkürzung. Aber durch den Umschlag des fixen Kapitals wird nicht
der Zyklus insgesamt erklärt. "Die Durchschnittszeit, worin die
Maschinerie erneuert wird, ist ein wichtiges Moment in der Erklä-
rung des mehrjährigen Zyklus, den die industrielle Bewegung
durchläuft." 44) Der Umschlag erklärt nur, warum der grundlegende
Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise periodisch auf-
bricht, die Krise selbst erklärt er nicht. Diese Überlegung liegt
- wenn auch nicht explizit - dem Versuch einer marxistischen Kon-
junkturanalyse zugrunde. Altvater erklärt die Krise aus der not-
wendig sich aus dem Verwertungsprozeß ergebenden Bewegung der
Profitrate. Weil "die Profitrate von allen Seiten her im Konjunk-
turverlauf gedrückt wird" 45), schwächt sich das wirtschaftliche
Wachstum ab. Wenn auch nicht bezweifelt werden kann, daß durch
steigende Löhne und Kreditverteuerungen der Prosperitätsphase der
Profit des industriellen Kapitalisten beschränkt wird - die Ver-
änderung der organischen Zusammensetzung durch Neubeschäftigung
von technisch verbesserten Arbeitsmitteln hat nicht so sehr in-
nerhalb eines Zyklus als vielmehr in der Stufenfolge der Zyklen
Bedeutung ", so ist doch fragwürdig, ob diese Phänomene mehr sind
als bloße Symptome der Wechselperioden des industriellen Zyklus.
Mit der Maschinerie als der technischen Grundlage gewinnt die ka-
pitalistische Betriebsweise "eine Elastizität, eine plötzliche
sprungweise Ausdehnungsfähigkeit, die nur an dem Rohmaterial und
dem Absatzmarkt Schranken findet" (46). Daß die moderne Industrie
Phasen mittlerer Lebendigkeit, Prosperität, Überproduktion, Krise
und Stagnation durchläuft, hängt eben von dieser Elastizität ab.
"Die ungeheure, stoßweise Ausdehnbarkeit des Fabrikwesens und
seine Abhängigkeit vom Weltmarkt erzeugen notwendig fieberhafte
Produktion und darauf folgende Überfüllung der Märkte, mit deren
Kontraktion Lähmung eintritt." 47) Die modernen technischen Be-
dingungen des Arbeitsprozesses erlauben einerseits die rasche
Verwandlung von Surplusprodukten in neue Produktionsmittel und
garantieren andererseits eine vom natürlichen Wachstum der Arbei-
terbevölkerung unabhängige Vermehrung des disponiblen Menschenma-
terials.
"Der charakteristische Lebenslauf der modernen Industrie, die
Form eines durch kleinere Schwankungen unterbrochenen zehnjähri-
gen Zyklus von Perioden mittlerer Lebendigkeit, Produktion unter
Hochdruck, Krise und Stagnation, beruht auf der beständigen Bil-
dung, größern oder geringern Absorption und Wiederbildung der in-
dustriellen Reservearmee oder Übervölkerung. Ihrerseits rekrutie-
ren die Wechselfälle des industriellen Zyklus die Übervölkerung
und werden zu einem ihrer energischsten Reproduktionsagenten."
48)
Der Zusammenhang, warum die ruckweise Expansion der Stufenleiter
der Produktion abrupte Kontraktionen nachsichzieht, soll hier et-
was näher skizziert werden.
Die Krise beseitigt durch Entwertung des Kapitals und Stillegun-
gen von Kapazitäten momentan das Mißverhältnis zwischen fiebriger
Anspannung des Produktionsprozesses und beschränkter Konsumtions-
kraft der Massen, zwischen Ausdehnung der Produktion und Verwer-
tung. Damit wird zugleich die Basis für die Wiederbelebung ge-
legt. Durch Modernisierung des Produktionsapparates sucht der
einzelne Kapitalist einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten und
damit eine Verbesserung der eignen Geschäftslage herbeizuführen.
"Es sind hauptsächlich Katastrophen, Krisen, die solche vorzei-
tige Erneuerung des Betriebsgeräts auf größerer gesellschaftli-
cher Stufenleiter erzwingen." 49) Würden die Neuanlagen von Kapi-
tal gleichmäßig gestreut über mehrere Jahre erfolgen, fiele die
charakteristische Bewegungsform des wirtschaftlichen Wachstums
fort. "Indessen bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer
großen Neuanlage." 50) Dieser Prozeß der Wiederbelebung erweitert
sich aus sich selbst heraus, denn es wird "diese Reproduktion des
Kapitals von erweiterter individueller Konsumtion (also Nach-
frage) der Arbeiter begleitet sein, da er durch die produktive
Konsumtion eingeleitet und vermittelt ist." 51) Die so in Gang
gesetzte Ausdehnung der Produktion erreicht ihren Höhepunkt in
der Prosperität und im, Verlauf dieser Entwicklung löst die ex-
pandierende Nachfrage wegen des beschränkten Angebots eine Reihe
von Preissteigerungen aus. "Es kommt jetzt auch hinzu die große
Ausdehnung des fixen Kapitals in allen Formen und die massenhafte
Eröffnung neuer weitreichender Unternehmungen." 52) Wegen der
Verselbständigung bestimmter Kapitalfunktionen (Warenhandlungs-
und Geldhandlungskapital) kann auf dem Höhepunkt der Konjunktur
innerhalb gewisser Grenzen "der Reproduktionsprozeß auf derselben
oder erweiterter Stufe vorgehn, obgleich die aus ihm ausgestoßnen
Waren nicht wirklich in die individuelle oder produktive Konsum-
tion eingegangen sind." 53) Diese Verselbständigung kann den re-
alen Zustand des Reproduktionsprozesses eine Zeit lang verschlei-
ern. "Daher scheint immer das Geschäft fast übertrieben gesund
gerade unmittelbar vor dem Krach." 54) Diese relative Verselb-
ständigung des kommerziellen Kapitals erklärt auch, warum die
Krise nicht zunächst im Detailhandel, sondern in der Sphäre des
Großhandels sichtbar wird, also sich nicht in der Abnahme der
Nachfrage für die individuelle Konsumtion, sondern in der Abnahme
des Austauschs von Kapital gegen Kapital ausdrückt. Die dem Krach
folgende Phase ist durch Freisetzung der Arbeitskräfte, damit
Lohnsenkungen, und enorme Kreditverteuerung gekennzeichnet, bis
durch die Kapitalvernichtung der Ausgangspunkt wiederhergestellt
ist.
Der Zusammenbruch des Reproduktionsprozesses ist nur die momen-
tane Lösung der konfligierenden allgemeinen Tendenzen des Kapi-
tals, einerseits soviel wie möglich Arbeitskraft zu exploitieren
und andererseits die notwendige Arbeit und daher auch die von ihm
beschäftigte Arbeiteranzahl auf ein Minimum zu reduzieren. Dieser
"Widerspruch, ganz allgemein ausgedrückt, besteht darin, daß die
kapitalistische Produktionsweise eine Tendenz einschließt nach
absoluter Entwicklung der Produktivkräfte, ... während sie ande-
rerseits die Erhaltung des existierenden Kapitalwerts und seine
Verwertung im höchsten Maß (d.h. stets beschleunigten Anwachs
dieses Werts) zum Ziel hat". 55)
Die Profitrate entfacht nicht die Zyklizität des kapitalistischen
Produktionsprozesses, ihre Bewegung ist selbst Ausdruck des indu-
striellen Zyklus. Die periodischen Krisen müssen erklärt werden
aus den sich widersprechenden allgemeinen Tendenzen des Kapitals,
der mit der modernen Industrie gegebnen Elastizität des Produkti-
onsprozesses und dem Umschlagszyklus des fixen Kapitals. Daß bei
differenzierender Betrachtung eine Reihe zusätzlicher Momente die
Entwicklung des Weltmarkts, Verschärfung der Krisen durch kommer-
ziellen Kredit, Entwicklung des öffentlichen Kredits etc., hinzu-
kommen müssen, versteht sich von selbst. Es konnte hier nicht
versucht werden, eine verbesserte Konjunkturanalyse zu entwic-
keln. Diese Bemerkungen zu Altvaters Versuch sollen nur verdeut-
lichen, daß bei der Untersuchung der empirischen Verhältnisse die
gründliche Reflexion der Kategorien Voraussetzung ist, will man
nicht dem Schein der Verhältnisse aufsitzen und Symptom und Ursa-
che verwechseln. Diese Verwechslung ist heute umso leichter gege-
ben, als die Enden der Wachstumszyklen nicht mehr durch einen
scharfen Krach, eine Rezession markiert sind. Es muß so scheinen,
als wäre die periodische Abschwächung des wirtschaftlichen Wachs-
tums und daher auch die Reduktion der Profitrate nicht schon im-
mer vermittelt über relative Überakkumulation, sondern als wäre
die Bewegung der Profitrate selbst die Ursache. Dann kann be-
hauptet werden, daß der Verwertungsprozeß mit den objektiven Mög-
lichkeiten des Produktionspotentials in Widerspruch gerät.
"Aber es werden periodisch zuviel Arbeitsmittel und Lebensmittel
produziert, um sie als Exploitationsmittel der Arbeiter zu einer
gewissen Rate des Profits fungieren zu lassen. Es werden zuviel
Waren produziert, um den in ihnen enthaltnen Wert und darin ein-
geschlossenen Mehrwert unter den durch die kapitalistische Pro-
duktion gegebnen Verteilungsbedingungen und Konsumtionsverhält-
nissen realisieren und in neues Kapital rückverwandeln zu können,
d.h. um diesen Prozeß ohne beständig wiederkehrende Explosionen
auszuführen." 56)
Jede Untersuchung des gegenwärtigen Konjunkturverlaufs muß entwe-
der erklären, warum diese Wirtschaftszyklen nach dem zweiten
Weltkrieg in der BRD ihre eigentümliche Form angenommen haben,
oder aber muß zumindest des damit gegebne Problem aufzeigen. Eine
unproblematische Übertragung begrifflicher Zusammenhänge auf die
gegenwärtige Struktur des Reproduktionsprozesses geht an den mo-
dernen Verhältnissen vorbei. Bei allen Versuchen marxistischer
Konjunkturanalyse muß der methodische Abstand zwischen dem
'allgemeinen Begriff' und der wirklichen Bewegung gewahrt werden,
umso mehr als Marx selbst ausdrücklich die Darstellung des indu-
striellen Zyklus aus der Darstellung des Kapitals als solchen
ausgeschlossen hat. 57)
Joachim Bischoff
_____
1) Elmar Altvater: "Zur Konjunkturlage der BRD Anfang 1970" in:
SOZIALISTISCHE POLITIK, Nr. 5, März 1970.
2) Vgl.: JAHRESGUTACHTEN 1969/70 des Sachverständigenrates zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: IM SOG DES
BOOMS, Stuttgart und Mainz 1969 (im folgenden als JG abgekürzt);
zu den verschiednen Wachstumszyklen vgl. auch: Rüdiger Hopp:
SCHWANKUNGEN DES WIRTSCHAFTLICHEN WACHSTUMS IN WESTDEUTSCHLAND,
"''"· Meisenheim 1969.
3) Elmar Altvater: l.c., S. 45.
4) ib., S. 34; ferner: DER VOLKSWIRT, 24. Jg., Nr. 15, S. 5.
5) DER VOLKSWIRT, 24. Jg., Nr. 16, schreibt: "Zwar ist noch immer
ungeklärt, welche Entwicklung die Konjunktur bis Ende 197O/Anfang
1971 nehmen wird. Die einen erwarten, die in der Bundesrepublik
und bei fast allen wichtigen Handelspartnern fest angezogenen
Konjunkturbremsen brächten die Expansion zum Stillstand oder so-
gar die Vollbeschäftigung in Gefahr." (S. 6) Dagegen S. 12: "Die
Verfasser des Notenbankberichts glauben nicht daran, daß der der-
zeitige Konjunkturzyklus bereits auslaufe."
6) Vgl. dazu: Winfried Vogt: DIE WACHSTUMSZYKLEN DER WESTDEUT-
SCHEN WIRTSCHAFT, Tübingen 1968 und Rüdiger Hopp: l.c.
7) JG, S. 72.
8) Winfried Vogt: l.c., S. 9.
9) JG, S. 72.
10) ib., zur Bedeutung der Arbeitskämpfe ferner S. 59.
11) ib., S. 59; vgl. Elmar Altvater l.c., S. 19.
12) JG, S. 59.
13) ib., S. 7; Elmar Altvater: l.c., S. 19.
14) JG, S. 18.
15) Elmar Altvater, l.c., S. 45, Anmerkung 103.
16) Helmut Reichelt: "Zur marxschen Werttheorie und deren Inter-
pretation bei Werner Hofmann", in: SOZIALISTISCHE POLITIK, Nr. 2,
S. 22; 'unmittelbar' im Original nicht hervorgehoben. Vgl. weiter
zu dieser Problematik: Roman Rosdolsky: ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
DES MARXSCHEN 'KAPITAL', Frankfurt 1968.
17) Elmar Altvater, l.c., S. 9 f.
18) ib., S. 3.
19) ib., S. 10.
20) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. 1, in: MEW Bd. 23, Berlin 1962,
S. 603.
21) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 3, in: MEW Bd 25, Berlin 1964, S.
830.
22) Elmar Altvater: l.c., S. 13; hier zeigt allein die Sprache
die begriffliche Unsicherheit. Die Verhüllung der Realität muß
noch zur falschen Verhüllung gestempelt werden, als gäbe es eine
richtige. Zugleich soll die falsche Hülle wichtiges Moment der
falschen Realität sein, als ließe sich die richtige und falsche
Realität auseinanderdividieren.
23) ib., S. 26; ferner auch S. 5. 25, 27 und S. 29. ...
24) Karl Marx: LOHN, PREIS UND PROFIT, in: MEW Bd. 16, Berlin
1962, S. 103.
25) Karl Marx, Brief an F. Engels vom 20.5.1865, in: MEW Bd. 31,
Berlin 1965, S. 123.
26) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. 2, in: MEW Bd. 24, Berlin 1963,
S. 341.
27) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 3, l.c., S. 876.
28) Elmar Altvater: l.c., S. 27.
29) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. l, l.c. S. 648. -· :
30) Vgl.: Ders.; DAS KAPITAL, Bd. 3, l.c., Kapitel 11.
31) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 2, l.c., S. 341.
32) Ders.: LOHN, PREIS UND PROFIT, l.c., S. 129.
33) Elmar Altvater, l.c., S. 23.
34) ib., S. 32.
35) Das Argument der Preissteigerungen durch Lohnerhöhungen ist
oben diskutiert worden.
36) Elmar Altvater, l.c., S. 32.
37) ib., S. 29.
38) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. 1, l.c., S. 658.
39) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 2, l.c., S. 171.
40) Die These von der Verkürzung des Krisenzyklus ist in der
marxistischen Theorie sehr umstritten. Es ist bezweifelt worden,
ob in der monopolistischen Phase des Kapitalismus der industri-
elle Zyklus überhaupt noch auftritt. (Friedrich Engels: "Vorwort
zur englischen Ausgabe des Kapitals", Bd. 1, l.c., S. 40; ferner:
Ders.: in einer Fußnote im dritten Band des Kapitals, l.c., S.
506, Anmerkung 8) Oder ob nicht die zehn- oder vierjährigen Zy-
klen Überlagerungen auf einem langwelligen Handelszyklus sind,
welcher mehrere normale Zyklen einschließt, (dazu Ernest Mandel:
"The Economics of Neo-Capitalism", in: THE SOCIALIST REGISTER,
Bd. 1, London 1964).
41) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. 1, l.c., S. 662.
42) Friedrich Engels: Brief an Karl Marx vom 4.3.1858, in: MEW,
Bd. 29, Berlin 1963, S. 293.
43) DER VOLKSWIRT, 24. Jg., Nr. 17, S. 120.
44) Karl Marx: Brief an Friedrich Engels vom 2.3.1858, in: MEW,
Bd. 29, Berlin 1963, S. 291 f.
45) Elmar Altvater: l.c., S. 32.
46) Karl Marx: DAS KAPITAL, Bd. 1, l.c., S. 474.
47) ib., S. 476.
48) ib., S. 661.
49) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 2, l.c., S. 171.
50) ib., S. 186.
51) ib., S. 81.
52) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 3, l.c., S. 505.
53) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 2, l.c., S. 80.
54) Ders.: DAS KAPITAL, Bd. 3, l.c., S. 501.
55) ib., S. 259.
56) ib., S. 268.
57) Vgl.: ib., S. 370 und S. 372.
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