Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970


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KRITIK DES AUFSATZES "JUGOSLAWIEN AUF DEM DRITTEN WEG - ZUM KAPITALISMUS" VON PETER COSTAS, ELISABETH STEIN UND JOCHEN SCHULZ ZUR WIESCH

Im vorliegenden Aufsatz wird versucht, eine Einschätzung der ju- goslawischen Entwicklung seit Ende des 2. Weltkriegs zu geben. Zum unmittelbaren Anlaß nehmen die Autoren die Rolle, die Jugo- slawien in der bürgerlichen Propaganda spielt, nämlich als Modell für eine "fortschrittliche", "humane", "demokratische" Gesell- schaft. Darüber hinaus stellt eine Analyse der jugoslawischen Entwicklung einen wesentlichen Beitrag dar in der Diskussion über die allgemeinen Probleme der Transformationsperiode, und die Au- toren beanspruchen, eine "konkrete Analyse einer konkreten Situa- tion" gegeben zu haben. Es ist zunächst zu prüfen, ob sie diesen Anspruch einlösen und inwieweit ihre Einschätzung der Entwicklung als Resultat aus der Analyse folgt. Nach Ansicht der Autoren bestimmte der Ausschluß aus dem Komin- form 1948 wesentlich die weitere Entwicklung Jugoslawiens. Die angegebenen Gründe für den Ausschluß zeigen, daß dessen Ursachen in der Auffassung der K P J über den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft lagen. Sie äußerte sich in einer Politik, die das Kominform als revisionistisch bezeichnete. Der Bruch ist demnach nur der an der Oberfläche erscheinende Höhepunkt einer vorausge- gangenen Entwicklung. Eine konkrete Analyse hätte hier nach den Gründen für die abweichende Auffassung der KPJ zu fragen, statt lediglich den Bruch selbst als eine Ursache für die Besonderheit der jugoslawischen Entwicklung auszugeben. Bei der Behandlung der "Roten Bourgeoisie" greifen die Autoren wieder auf den Bruch mit dem Kominform zurück. Sie unterstellen, die KPJ sei nicht von vornherein bürgerlich. Erst der Ausschluß vieler Parteimitglieder als Folge des Bruchs habe die Herrschaft einer kleinbürgerlichen Fraktion innerhalb der Partei ermöglicht. Die Frage nach den Machtverhältnissen in der KPJ wird beantwortet mit einem Hinweis auf ein historisches Ereignis. Welche Umstände den Ausschluß "der besten proletarischen Kader der Partei" (35) ermöglichten, wird hier ebensowenig geklärt wie im ersten Fall die Ursache für die spezifische Politik der KPJ bis 1948. Die Unzulänglichkeit der Analyse zeigt sich erneut bei der "theoretischen Begründung des dritten Wegs" und ihrer Kritik. Es bleibt ungeklärt, ob und inwieweit die in Teil 1.2 genannten "Widersprüche", die die Ausgangssituation Jugoslawiens kennzeich- neten, in das theoretische Konzept der jugoslawischen Kommunisten für die Transformationsperiode eingingen. Statt nun zu fragen, ob die in der Theorie vorbestimmte Politik geeignet war, die konkre- ten Schwierigkeiten im Hinblick auf das Ziel der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft zu überwinden, konfrontieren sie sie mit allgemeinen Forderungen und Lenin-Zitaten und leiten daraus ihre Kritik ab. Die konkreten Auswirkungen der Politik der KPJ, in Teil 1.5 angedeutet, - im folgenden verkümmert die "Analyse" zu einer Beschreibung ihrer historischen Entwicklung - werden nicht mehr zurückbezogen auf die Ausgangsposition. Eine objektive Einschätzung der realen Tendenzen in bezug auf die Transformation der jugoslawischen Verhältnisse in eine sozialistische Gesell- schaft ist so nicht möglich. Diese Unvermitteltheit zwischen konkreter Situation und abstrakt- allgemeiner Forderung an eine Transformationsperiode, welche die "Kritik" der Autoren am jugoslawischen Weg kennzeichnet, demon- strieren sie schlagend bei der Behandlung der Ursachen für die Abkehr vom Plan. Sie zählen konkrete objektive Schwierigkeiten auf, die sich der Planung der gesellschaftlichen Produktion ent- gegenstellten. Statt nun aber die Abkehr vom Plan im Zusammenhang mit diesen Schwierigkeiten zu beurteilen und dabei die vom sozia- listischen Standpunkt aus unerwünschten Folgen dieser politischen Entscheidung miteinzubeziehen, erklären die Autoren unverbind- lich, sie seien "allerdings weit davon entfernt, die Schlußfolge- rung der jugoslawischen Kommunisten als zwingend notwendig anzu- erkennen." Ihrem Unverständnis gegenüber den Problemen der Transformation einer konkreten Gesellschaft entsprechen die diffusen und zusam- menhanglosen Vorstellungen von dem, was allgemein konstitutiv für eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu sein hat. Sie begrei- fen weder den Stellenwert des Staatsapparates beim Aufbau des So- zialismus noch die Funktion des Plans. Bei der planmäßigen Trans- formation der Gesellschaft bedient sich das Proletariat des Staatsapparats als Instrument, um die kleinbürgerlichen Elemente niederzuhalten, soweit sie sich in Gegensatz stellen zum Proleta- riat und den Aufbau des Sozialismus zu sabotieren versuchen. Mit der Überwindung der Klassengegensätze werden sowohl Justiz als auch Exekutive und Legislative, die Gewalten des bürgerlichen Staats, überflüssig. Das schließt aber keineswegs die Abkehr von der zentralen Planung ein. Der Staat ist also nur Mittel für die Erreichung eines bestimmten Zwecks. Als solches ist er unbrauch- bar, wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind, unter denen er erst Mittel wird, d.h. konkret, wenn nicht die proletarischen Ka- der zur Verfügung stehen, die zur Handhabung dieses Mittels not- wendig sind. Zum ändern muß der beabsichtigte Zweck im Verhältnis zu den vom Standpunkt des Aufbaus einer sozialistischen Gesell- schaft unerwünschten Nebeneffekten gesehen werden. Dies Verhält- nis ist bestimmt entsprechend den historisch konkreten Bedingun- gen. Der Verzicht auf den Staatsapparat als Instrument kann nicht als Verzicht auf den Sozialismus als Ziel interpretiert werden. Bei der Bestimmung der Funktion des Plans formulieren sie Vor- stellungen vom wesentlichen Gehalt des Sozialismus, wobei sie völlig problemlos von den verschiedenen Entwicklungsstufen des Transformationsprozesses abstrahieren. Dies ergibt eine wirklich nur als falsch einzuschätzende Charakterisierung der Planung (Lücken im Plan seien unvermeidlich; das Spezifische am Plan im Sozialismus reduziert sich der Verwendung des Plans im Kapitalis- mus gegenüber auf eine kürzere Reaktionszeit), was aber wohl nur Ausdruck dessen ist, daß die Autoren im System einer im Zusammen- hang von Ausgangssituation und Zielvorstellung bestimmt entwic- kelten Transformation den Stellenwert der Planung nicht herzulei- ten vermögen. Zwar führen die Autoren einzelne unvermittelte Postulate an einen derartigen Transformationsprozeß an, sind aber offensichtlich nicht in der Lage, die Abschaffung der vormals herrschenden Ver- hältnisse im einzelnen vermittelt zu entwickeln. Dies hätten die Autoren wohl nur erreichen können, wenn sie die allgemeinen und besonderen Bedingungen der Transformation zum Sozialismus in Ju- goslawien zunächst analytisch getrennt herausgearbeitet hätten. Denn obwohl sie die besonderen Schwierigkeiten Jugoslawiens ein- beziehen, geht ihnen letztlich auf Grund der fehlenden Einsicht in die allgemeinen Verhältnisse der wesentliche Zusammenhang ver- loren. Dieser muß nämlich die Entwicklung des Sozialismus aus der bestimmten Negation der Grundelemente der kapitalistischen Ge- sellschaftsordnung herleiten, was bedeutet aufzuzeigen, wie im Laufe des Transformationsprozesses nach der Abschaffung des Pri- vateigentums an Produktionsmitteln der Warencharakter der Pro- dukte und die daraus entspringenden gesellschaftlichen Verhält- nisse aufgehoben werden können. Dies ist nur möglich, wenn die Arbeit als unmittelbar gesellschaftliche verausgabt wird. Nur wenn durch die Vermittlung des Plans das Produkt von vornherein als Gebrauchswert zur Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürf- nisse gesetzt wird und die verausgabte Arbeit in ihrem unmittel- baren Maß der Arbeitszeit gemessen werden kann, wird der Markt als Realisierungsinstanz und die aus der Ware resultierende Ver- schleierung der gesellschaftlichen Beziehungen mit dem Warencha- rakter selbst aufgehoben. Nur eine durch den Plan vermittelte bewußte Organisation des ge- sellschaftlichen Produktionsprozesses schafft eine rationale Ba- sis für die zu errichtende Gesellschaft, läßt die gesellschaftli- che Struktur für j e d e n erkennbar werden. Damit verschwinden all die verschleiernden und mystifizierenden Tendenzen, was den Mitgliedern dieser Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht, selber als bewußte Subjekte sich ihren gesellschaftlichen Zusammenhang zu unterwerfen. Der Übergang zu der neuen Gesellschaftsformation des Sozialismus ist nun nicht per Dekret realisierbar, sondern an die erfolgte Zerschlagung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung schließt sich ein Entwicklungsprozeß an, in dem die Voraussetzungen der neuen Gesellschaft, soweit nicht durch die alte selbst noch ge- setzt, durch die politische Führung, d.h. durch die kommunisti- sche Partei bewußt oder planmäßig zu schaffen sind. Die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat führt zwar zum ge- sellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln und schafft damit die objektive Grundlage für den Aufbau des Sozialismus. Die hierbei entstehenden Schwierigkeiten ergeben sich aus der Entge- gensetzung bestimmter Resultate der kapitalistischen Entwicklung, wie bürgerliches Bewußtsein der Individuen und geringer Grad der Gesellschaftlichkeit und Allgemeinheit der Arbeit, bzw. niedrigem Stand der Entwicklung der Produktivkräfte, zu den Zielen der Transformationsperiode. Aus der Notwendigkeit, daß die kommunistische Partei auf Grund des bürgerlichen Bewußtseins der Massen weiterhin als Avantgarde fungiert, ergibt sich die Gefahr der Verselbständigung der poli- tischen Führung, die, falls sie real wird, zu einer Parteidikta- tur führt. In der Komplexität der gesamtgesellschaftlichen Planung steckt eine zweite Möglichkeit der Verselbständigung. Während sich in der kapitalistischen Warenproduktion die Durchsetzung der Verge- sellschaftung der Arbeit hinter dem Rücken der Produzenten vollzog, ergibt sich nun als Aufgabe die bewußte Vergesellschaf- tung der Arbeit durch den Plan. Entgleiten die Planungsinstanzen der Kontrolle der Produzenten, stellen sie sich als Bürokratie dar. Obwohl durch die kapitalistische Entwicklung selber noch ein ge- wisser Grad der Vergesellschaftung der Arbeit und entsprechende Planungstechniken hervorgebracht worden sind, kann beim Aufbau des Sozialismus die Vergesellschaftung nur schrittweise mit der Weiterentwicklung der Planungstechniken erfolgen. Das hat zur Konsequenz ein teilweises Weiterbestehen der Warenkategorien als Mittel zur Orientierung der Produzenten auf die gesellschaftlich notwendige Arbeit. Die besondere Aufgabe der kommunistischen Par- tei in der Übergangsperiode besteht nun darin, die Folgen der An- wendung bestimmter Funktionen des Wertgesetzes unter Kontrolle zu halten unter dem Aspekt seiner tendenziellen Aufhebung. Das schließt ein: erstens das sukzessive Zurückdrängen der Warenkate- gorien durch die Vervollkommnung der Planung, zweitens die Kom- pensation der negativen Implikationen ihrer Anwendung für die Entwicklung des gesellschaftlichen Bewußtseins. - So liegt in der, in der materiellen Interessiertheit der Produzenten einge- schlossenen, Vereinzelung und damit Entpolitisierung eine dritte Möglichkeit der Verselbständigung der Politik. Materielle Interessiertheit ist aber nicht nur Ursache für Atomi- sierung, sondern kann auch bloße Folge sein, da die beiden zuerst angeführten Gründe zur Verselbständigung der Politik ebenfalls ein durch Entpolitisierung vereinzeltes Bewußtsein zur Folge ha- ben können, an das nur mit materiellen Hebeln anzusetzen ist. So bedingen sich die beiden Hauptgefahren der Transformationspe- riode - Verselbständigung der Politik und Außerkontrollegeraten des Wertgesetzes - wechselseitig. Aus der Notwendigkeit, zu ver- hindern, daß sie zur Wirklichkeit werden, ergibt sich ein neues Verhältnis von Politik und Ökonomie. Politik muß die Entwicklung der Gesellschaft bewußt gestalten, um die Produktionsverhältnisse in Richtung auf den weiteren Aufbau des Sozialismus lenken zu können. Aus dieser Aufgabe resultiert die besondere Rolle der kommunistischen Partei - nicht weil es auf Grund der laufenden Organisationsdebatten modern ist. Gerät das Wertgesetz außer Kon- trolle, kommt es trotz der formal revolutionierten Eigentumsver- hältnisse zu einer schrittweisen Reetablierung einer auf ökonomi- schen Interessen beruhenden Klassengesellschaft, was eine Umkeh- rung des zunächst durch die Revolution gesetzten Verhältnisses von Politik und Ökonomie bedeutet. Durch die Verselbständigung der ökonomischen Basis verliert die Politik ihren bestimmenden Charakter und wird tendenziell zum bloßen Exekutor. - Die bisher entwickelte allgemeine Problematik wird in ihrer kon- kreten Gestalt bestimmt durch die spezifischen Besonderheiten, die nur in diesem Zusammenhang einen Stellenwert gewinnen, wäh- rend sie als solche bloße Einzelheiten sind. Sie entscheiden über die Etappen und Umwege, die die Entwicklung zum Sozialismus in einem konkreten Fall durchläuft. Die oben skizzierten, von Ausgangssituation und Ziel der Trans- formation her bestimmten allgemeinen Bedingungen müssen die Rich- tung der Analyse einer Gesellschaft in der Transformationsperiode bestimmen. Die Besonderheiten der Ausgangssituation, die das Spe- zifische des Transformationsprozesses einer konkreten Gesell- schaft ausmachen, wären in Beziehung zu setzen zu den allgemeinen Bedingungen, um zu klären, inwieweit der Transformationsprozeß durch sie notwendig modifiziert wird. Erst dann kann beurteilt werden, ob die Politik der KPJ trotz der durch Berücksichtigung der Besonderheiten bedingten Umwege die allgemeinen Prinzipien einer sozialistischen Gesellschaft planmäßig zu verwirklichen versuchte. Die von den Verfassern aufgeführten Erscheinungen wie "Rote Bour- geoisie", Arbeiterselbstverwaltung, Einkommensdifferenzierung und Abhängigkeit vom Weltmarkt, die die jugoslawische Realität be- zeichnen, müssen zurückgeführt werden auf das Zusammenwirken von allgemeinen und besonderen Schwierigkeiten des Aufbaus sowie des Versuchs ihrer Bewältigung durch die KPJ. Das Verhältnis der Par- tisanen zur kommunistischen Partei und deren Rückhalt bei den Massen muß analysiert werden, da es zusammen mit den Im Aufsatz isoliert angeführten "Widersprüchen" die jugoslawische Ausgangs- situation bestimmte. Erst von dieser Grundlage aus kann dann geprüft werden, wie weit die Gemeinsamkeiten zwischen Jugoslawien und den anderen osteuro- päischen Volksdemokratien gehen, bzw. was das Spezifische des ju- goslawischen Wegs ausmacht, wodurch gerade Jugoslawien einerseits zum "Lieblingskind der bürgerlichen Propaganda" (1) wird, ande- rerseits zum Modell 'bei einigen Genossen'. In allen europäischen Volksrepubliken ging mit der Abkehr vom zentralen Plan und der Dezentralisierung der Entscheidungen auf die Produktionseinheiten eine immer stärkere Betonung des Marktes als Allokationsprinzip und die Einführung des Prinzips der mate- riellen Interessiertheit als individueller und kollektiver Anreiz zur Produktion einher. Das hatte seine objektiven Ursachen darin, daß für den gegebenen Stand der gesellschaftlichen Arbeit die vorhandenen Planungsmethoden unzureichend waren. Die Maßnahmen führten zwar einerseits zur Entwicklung der Produktivkräfte, re- produzierten aber andererseits die ursprüngliche Schwierigkeit, die sich aus dem bürgerlichen Bewußtsein der Individuen ergab. Entsprechend der verschiedenen konkreten Ausgangspositionen führ- ten diese allgemeinen Maßnahmen zu unterschiedlichen Erscheinun- gen. Andererseits erforderten die spezifisch-nationalen Bedingun- gen besondere politische Entscheidungen. Als Problem ergibt sich also, ob die spezifisch, historisch-kon- krete Situation Jugoslawiens nach der Zerschlagung des kapitali- stischen Staates oder die Eigenart der Maßnahmen zur Überwindung der Schwierigkeiten beim Aufbau des Sozialismus, den Unterschied zwischen der Entwicklung Jugoslawiens und der anderen Volksrepu- bliken ausmacht. Den jugoslawischen Weg als Modell zu propagieren ist nur dann gerechtfertigt, wenn er durch besondere politische Maßnahmen bestimmt ist, die auf andere Länder übertragbar sind. Die Entwicklung Jugoslawiens im Verhältnis zu den anderen Volks- demokratien unterscheidet sich wesentlich durch die starke Inte- gration Jugoslawiens in das Welthandelssystem, verursacht durch die Abkehr vom staatlichen Außenhandelsmonopol. Zu klären ist, ob die aus der Abkehr vom zentralen Plan und der Einführung des Prinzips der materiellen Interessiertheit zurück zum kapitalisti- schen System tendierenden Momente durch die Verflechtung mit dem Weltmarkt so sehr forciert werden, daß eine Rückentwicklung zum Kapitalismus unvermeidlich ist. Entsprechend ihrer oberflächlichen Auffassung von der Transforma- tionsperiode verkennen die Autoren die Bedeutung des Außenhan- delsmonopols trotz einiger Verweise, die aber oberflächlich blei- ben. Die positive Funktion des Außenhandels beim Aufbau des Sozialis- mus, die sich aus dem relativen Vorsprung der kapitalistischen Länder in der technischen Entwicklung ergibt, und im Import von technischem Wissen und relativ hoch entwickelten Produktionsmit- teln besteht, bleibt den Autoren verborgen. Es wäre zu untersu- chen, inwieweit diese positive Funktion durch die Aufgabe des Au- ßenhandelsmonopols notwendig in eine negative umschlägt, die Rückkehr zu einer Klassengesellschaft unvermeidbar macht, indem sie die Kontrolle des Wirkens des Wertgesetzes durch die politi- sche Führung unmöglich macht und damit das der kapitalistischen Gesellschaft entsprechende Verhältnis von Ökonomie und Politik restauriert. Das Ergebnis könnte einen Anhaltspunkt liefern, wes- halb Jugoslawien "Lieblingskind der bürgerlichen Propaganda" ist und evtl. die Position "einiger Genossen" gegenüber den Wirkungen der bürgerlichen Propaganda festigen. Die oberflächliche und undifferenzierte Behandlung der jugoslawi- schen Entwicklung durch die Autoren liefert keinen Beitrag für die Auseinandersetzung mit den Propagandisten des jugoslawischen Wegs. Weder die 'Blockfreiheit' wird in Frage gestellt und als Ideologie entlarvt, noch werden die Gefahren aufgezeigt, die sich aus der Liberalisierung des Außenhandels für den Sozialismus er- geben. Zum Problem der allgemeinen Schwierigkeiten beim Aufbau des So- zialismus und der Methoden der sozialistischen Länder diese zu überwinden, trägt der Aufsatz nichts bei. Die Oberflächlichkeit drückt sich besonders deutlich aus in dem ständig wechselnden Standpunkt der Kritik an der jugoslawischen Entwicklung. Mal wird sie mit Zitaten aus der Presse kapitalistischer Länder kriti- siert, also an den Zuständen in den kapitalistischen Ländern ge- messen, mal mit abstrakten Ideen vom 'wahren' Sozialismus kon- frontiert. Es entsteht der Eindruck (siehe Teil 1.1, S. 5), die Autoren hätten die kapitalistische Tendenz in der jugoslawischen Entwicklung unterstellt und sähen ihre Aufgabe nur noch darin, Zitate zu sammeln und in subjektivistischer Manier Erscheinungen zu interpretieren, um ihre Ansicht "theoretisch zu untermauern" (1). Die "konkrete Analyse einer konkreten Situation" (1) ent- larvt sich als bloße Beschreibung der historischen Entwicklung einiger oberflächlicher Phänomene. Darüber kann auch nicht die Verwendung unverständlicher Begriffe der Kapitalismuskritik hin- wegtäuschen (z.B. "Entfremdung"), die höchstens die Orientie- rungslosigkeit der Autoren beim Leser reproduziert. Diesem ist nicht gedient durch das bloße Resultat des Aufsatzes - die Be- hauptung des jugoslawischen Wegs als kapitalistischem. Erst die Herleitung dieses Ergebnisses kann dem Leser die allgemeine und spezifische Problematik der Übergangsperiode so begreifbar ma- chen, daß ein konsequenter und gefestigter Standpunkt in der Re- visionismusdebatte möglich ist. Jochen Deiters, Jürgen Huss, Rüdiger Strehl zurück