Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970
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Hans-Dieter Heilmann, Bernd Rabehl
DIE LEGENDE VON DER 'BOLSCHEWISIERUNG' DER KPD I
"Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf
dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt
scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes
zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise
beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem
Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um
in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten
Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen."
(Marx: DER 18. BRUMAIRE)
Die Veröffentlichung von Analysen oder Dokumenten über die Bol-
schewisierung der K.P.D. in der Weimarer Republik, die in letzter
Zeit in der DDR und in der Bundesrepublik erschienen sind und die
alle durch den Zeitpunkt ihres Erscheinens in einem direkten oder
indirekten Zusammenhang zur Organisierungsdebatte und den ersten
Organisationsversuchen der radikaldemokratischen und sozialisti-
schen Opposition der Bundesrepublik stehen, sind Anlaß dieser
kritischen Darstellung der "Bolschewisierung". 1)
Um das dialektische Verhältnis von marxistischer Theorie, konkre-
ter Untersuchung der konkreten Situation, Klassenkampfstrategie,
Taktik und Organisation der Arbeiterklasse zu bestimmen, um den
"neuen" Parteityp der bolschewistischen Organisation als Ausdruck
dieses konkreten Verhältnisses von Theorie und Praxis abzuleiten,
müssen wir eingehen auf die Anwendung der Marxschen Methode der
Analyse durch Lenin auf die konkrete Situation Rußlands. Inwie-
weit die kommunistische Partei Deutschlands dieses Leninsche
Prinzip der Analyse und der Strategiebestimmung übernahm, d.h.
sich zu einer bolschewistischen Partei in Deutschland verwan-
delte, ist dann Gegenstand einer konkreten empirischen Untersu-
chung der Strategie und Taktik der KPD in der Phase der Bolsche-
wisierung. Während H. Weber, der ein umfangreiches Quellenwerk,
das viele neue Aufschlüsse über die kommunistische Politik in
dieser Zeit gibt, vorgelegt hat, das Dilemma der bürgerlich hi-
storischen Wissenschaft verdeutlicht, die den Prozeß der Bolsche-
wisierung nur als ein organisationssoziologisches Phänomen der
Verdrängung der Parteidemokratie durch die Apparatherrschaft deu-
ten kann, ohne die ökonomischen und politischen Vermittlungen
dieser Erscheinung in ihren historischen Abhängigkeiten und Ten-
denzen zu begreifen, besteht in einer Hinsicht zwischen den Ver-
öffentlichungen aus der DDR und der Broschüre der Aufbauorganisa-
tion einer Kommunistischen Partei Deutschlands, Sitz Westberlin,
eine erstaunliche Identität: Die Legende der K.P.D. in der Weima-
rer Republik wird fabriziert. Die Motive der Legendenbildung sind
sicherlich unterschiedlich. Die DDR-Autoren wollen mit der Le-
gende der Bolschewisierung und der Legende der richtigen Strate-
gie, die die kommunistische Internationale befähigte, weisungsge-
bende Direktiven für die kommunistische Weltbewegung auszugeben,
beweisen, daß unter Ernst Thälmann ab 1925 die leninistische Par-
tei entstand, an deren Aufbau Walter Ulbricht entscheidenden An-
teil hatte. Die Thälmann-Tradition wird als die Grundlage der
proletarischen Politik der DDR verstanden. Die Verbundenheit der
DDR zur Sowjetunion und die Bedeutung der Sowjetunion im interna-
tionalen Klassenkampf ist die wichtigste Lehre, die die DDR-Hi-
storiker aus der Rolle der Kommunistischen Internationale vor dem
II. Weltkrieg ziehen. Daß ab 1928 in der Klassenkampftaktik, in
der Einheitsfront- und der Bündnispolitik im Kampf gegen den Fa-
schismus Fehler gemacht wurden, wird zwar eingestanden, 2) aber
die Ursachen dieser verhängnisvollen Fehler werden weder aus der
falschen Einschätzung des staatsmonopolistischen Kapitalismus,
der Sozialdemokratie als Arbeiterpartei, noch aus der Unfähigkeit
der Kommunisten, die Massenkämpfe zu führen oder sich in den pro-
letarischen Zentren des Klassenkampfes und des Widerstandes gegen
den Faschismus organisatorisch zu "verankern", abgeleitet. Wes-
halb die Aufbauorganisation zu einer ähnlichen Legendenbildung
kommt, ist nur zu verstehen aus ihrem theoretischen und organisa-
torischen Versuch, eine historische Identität zu gewinnen. Diese
Intellektuellenorganisation leitet dadurch ihre Aufgaben und
Ziele aus der Tradition der Arbeiterbewegung ab, sie tritt die
Erbschaft der KPD an und erhält auf diese Weise die Fassade einer
Arbeiterpartei. Sowohl die Herausgabe der Broschüre, die Auswahl
der Texte als auch das Nachwort weisen auf diesen Anspruch hin.
Die marxistisch leninistischen Kräfte innerhalb der KPD hatten
nicht genügend Zeit, die Bolschewisierung der Partei zu verwirk-
lichen, weshalb diese Partei auf die Ereignisse ab 1929 nur noch
reagieren und keine klare Klassenpolitik einleiten konnte; das
ist das vorläufige Ergebnis der AO-Untersuchung. Die grundlegen-
den Fehler der kommunistischen Klassenkampfbewegung in der Weima-
rer Republik aufzudecken kann doch für die Sozialisten der Bun-
desrepublik nur bedeuten, das Verhältnis von Klassenanalyse,
Klassenkampf und Organisationsaufbau richtig zu lösen, um Legen-
denbildung, Dogmatisierung und Ideologisierung der politischen
Bewegung zu vermeiden. Denn schon in der Gegenwart verhindert der
"Konservatismus" in einzelnen Fraktionen der "linken Opposition",
der sich in hemmungsloser, revolutionär anmutender Phraseologie
und dümmlichem Dogmatismus ausdrückt, die Erkenntnis der gesell-
schaftlichen Wirklichkeit, weshalb keine sozialistische Politik
im Überbau und den Universitäten und erst recht nicht in den Be-
trieben durchzuführen ist. Die objektive Funktion dieser Sekten
ist die Abschreckung revolutionärer Arbeiter vor der revolutio-
nären Organisierung, die zu ihrer Hinwendung zu revisionistischen
oder sozialdemokratischen Organisationen führt und die Spaltung
der sozialistischen Opposition, die unfähig wird, einheitliche
Propaganda und Aktionen durchzuhalten.
I Die Leninsche Methode der Klassenanalyse
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Um das dialektische Verhältnis von Klassenanalyse, Klassenkampf-
strategie und Organisationsaufbau bei Lenin zu erklären, müssen
wir kurz eingehen auf die Leninsche Methode der Anwendung der
Marxschen Kategorien auf die russische Wirklichkeit. In einer
Marx gewidmeten Abhandlung für ein Lexikon interpretierte Lenin
den Begriff der gesellschaftlichen Entwicklung, der Durchsetzung
und erweiterten Reproduktion der kapitalistischen Produktions-
weise. In der Abstraktion stellte Marx die Bewegungsgesetze der
kapitalistischen Produktionsweise als eine sprunghafte, spiralen-
förmige mit Katastrophen verbundene revolutionäre Entwicklung ge-
sellschaftlicher Verhältnisse dar. Das plötzliche Abbrechen einer
gradlinien Evolution der Durchsetzung der Kooperation oder der
großen Industrie, das Umschlagen von Quantität in Qualität, das
Aufbrechen der gesellschaftlichen Widersprüche, die gegenseitige
Abhängigkeit und der unzertrennliche Zusammenhang aller gesell-
schaftlicher Erscheinungen wurde von diesem einheitlichen Prozeß
der Durchsetzung des Wertgesetzes, der Akkumulation des Kapitals
bestimmt. 3) Die Untersuchung der konkreten gesellschaftlichen
Erscheinungen war der Auftrag der Marxschen Theorie von der Akku-
mulation, der erweiterten Reproduktion und des Gesamtprozesses
der kapitalistischen Produktion an den revolutionären Theoreti-
kern. Indem die Marxsche Theorie kategorial auf den verschiedenen
Abstraktionsstufen, die sich mit der Darstellung des kapitalisti-
schen Gesamtprozesses der Produktion der Konkretion nähert, die
verschiedenen Etappen der Durchsetzung dieser kapitalistischen
Produktionsweise logisch in allen ihren Zusammenhängen unter-
sucht, eröffnet sie den Zugang zur konkreten Widerspruchsebene
dieser Produktion in einer konkreten Gesellschaft. Die Existenz-
weisen des Widerspruchs zwischen Lohnarbeit und Kapital, gesell-
schaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung, techni-
schen Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß, Produktivkräften und
Produktionsverhältnissen reproduzierten sich auf jeder Entwick-
lungsstufe des Kapitalismus neu und gaben die Etappe des Klassen-
kampfes an:
"Auf jeder Entwicklungsstufe, in jedem Moment muß die Taktik des
Proletariats diese objektiv, unvermeidliche Dialektik der men-
schlichen Geschichte berücksichtigen, indem sie einerseits die
Epochen der politischen Stagnation oder der schnecken-haft, lang-
samen, sogenannten 'friedlichen' Entwicklung ausnutzt, um das Be-
wußtsein, die Kraft und Kampffähigkeit der fortgeschrittenen
Klasse zu entwickeln, und indem sie anderseits diese ganze Arbeit
auf das 'Endziel' der Bewegung der betreffenden Klasse ausrichtet
und darauf einstellt, diese Klasse zur praktischen Lösung der
großen Aufgaben in den großen Tagen zu befähigen, 'worin sich 20
Jahre zusammenfassen'." 4)
Die Beschäftigung mit der Hegelschen "Wissenschaft der Logik",
ermöglichte es Lenin, das Verständnis von abstrakter Theorie,
konkreter Untersuchung und Klassenkampfstrategie noch einmal zu
überdenken. In den unzähligen Randbemerkungen zur "Logik" unter-
strich Lenin den Erkenntnisgehalt der marxistischen Wissenschaft,
die als einzige Wissenschaft von der Gesellschaft fähig war, die
Totalität der gesellschaftlichen Erscheinungen zu erfassen, die
Tendenzen ihrer Bewegung für die revolutionäre Praxis anzugeben
und die Richtigkeit oder den Mangel und die Fehler einer Klassen-
kampfbewegung aufzuzeigen, die Ideologisierung dieser Bewegung zu
reflektieren. Über diesen Erkenntnisgehalt der dialektischen
Theorie schrieb er: "Die Abstraktion der Materie, des Naturgeset-
zes, die Abstraktion des Werts usw., mit einem Wort alle wissen-
schaftlichen Abstraktionen spiegeln die Natur tiefer, getreuer,
vollständiger wider. Vom lebendigen Anschauen zum abstrakten Den-
ken und von diesem zur Praxis - das ist der dialektische Weg der
Erkenntnis der Wahrheit, der Erkenntnis der objektiven Realität."
5) In der Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie hatte
Marx die Methode der Analyse des Kapitalismus dargestellt; die
konkrete Anwendung dieser Methode war Grundlage und Ziel der mar-
xistischen Wissenschaft. 6) In dieser Hinsicht unterschied sich
Lenin, sowohl von Plechanov, den legalen Marxisten als auch den
Ökonomisten. Nicht abstrakte Tendenzen oder konkretistische iso-
lierte Einzelheiten in irgendwelchen Betrieben interessierten
ihn, sondern die konkreten Widersprüche in der Gesellschaft und
die verschiedenen Elemente der Klassenkampfbewegung. Plechanov
hatte in den Schriften "Sozialismus und politischer Kampf und
"unsere Differenzen", die den Marxismus als Theorie der Gesell-
schaft unter der russischen Intelligentsia populär machten, den
Terror und die Volkstümlerei der Narodniki, die vom besonderen
Weg Rußlands zum Sozialismus und von der gesellschaftlichen Kraft
des russischen Bauern schwärmten, als Intelligenzideologie abge-
lehnt und auf die ökonomische Lage und Tendenz der Entwicklung in
Rußland hingewiesen. Der politische Kampf der Klassen und nicht
der Terror der Intelligenz, die sich einbildet Subjekt der Ge-
schichte, Arbeiter und Bauern in einer Person zu sein, würde nach
Plechanov die Zukunft Rußlands bestimmen. Lenin, der ab 1894 in
dem marxistischen Zirkel "Befreiung der Arbeit", die spontanen
Streiks der Petersburger Arbeiter beobachtete und an der Schulung
und Organisation der bewußtesten Teile der Arbeiterklasse teil-
nahm, begnügte sich nicht damit, die abstrakten Thesen Plechanovs
zu wiederholen oder aus der unmittelbaren Erfahrung der Betriebs-
agitation eine Klassenanalyse aufstellen zu wollen, die russische
Wirklichkeit vom Niveau eines Petersburger Arbeitervororts zu
beurteilen, sondern er sammelte empirisches und statistisches
Material über die Entwicklung des russischen Kapitalismus, um
dieses zu einer einheitlichen Theorie zu verarbeiten und dann die
konkrete Strategie und Taktik der Klassenkampfbewegung abzulei-
ten. 7) Durch diese Vorgehensweise konnte er den legalen Marxis-
mus als liberale Ideologie, als bürgerliches Wissenschaftsmodell
der Industrialisierung entlarven, weil diese Wissenschaft allein
aus den Tendenzen der großen Industrie die historische Mission
des Kapitalismus für Rußland herausstellte, ohne auf die Wider-
sprüche und die Klassenkämpfe einzugehen. Mit Marxzitaten auf den
Lippen traten sie für eine Liberalisierung des Zarismus und für
die soziale Evolution ein. 8) Die Anwendung der Marxschen Theorie
konnte nach Lenin nur darin bestehen "unter Ausnutzung der erar-
beiteten Mittel der materialistischen Methode und der theoreti-
schen politischen Ökonomie die russischen Produktionsverhältnisse
und ihre Entwicklung zu untersuchen." 9) Gesellschaftliche Ent-
wicklung war geprägt durch die Entwicklung der Klassenkämpfe.
"Wenn der Objektivist die Notwendigkeit einer gegebenen Reihe von
Tatsachen nachweist, so läuft er stets Gefahr, auf den Standpunkt
eines Apologeten dieser Tatsachen zu geraten; der Materialist
enthüllt die Klassengegensätze und legt damit seinen Standpunkt
fest. Der Objektivist spricht von 'unüberwindlichen geschichtli-
chen Tendenzen'; der Materialist spricht von der Klasse, die die
gegebene Wirtschaftsordnung 'dirigiert' und dabei in diesen oder
jenen Formen Gegenwirkungen der anderen Klassen hervorruft. Auf
diese Weise ist der Materialist einerseits folgerichtiger als der
Objektivist und führt seinen Objektivismus gründlicher, vollstän-
diger durch. Er begnügt sich nicht mit dem Hinweis auf die Not-
wendigkeit des Prozesses, sondern erklärt, welche sozialökonomi-
sche Formation diesem Prozeß seinen Inhalt gibt, welche Klasse
diese Notwendigkeit festlegt." 10)
In seiner Untersuchung der verschiedenen Entwicklungsstadien,
Entwicklungsformen des Kapitalismus in Rußland und ihrer klassen-
spezifischen Zusammenhänge war Lenin der Marxschen Disposition
der Darstellung der Durchsetzung der kapitalistischen Produkti-
onsweise gefolgt. Dieses abstrakte Herangehen ermöglichte ihm die
Systematisierung des empirischen Materials, die Aufdeckung des
Klasseninhalts der verschiedenen Formen der Industrialisierung
und die Beschreibung der Schranken der kapitalistischen Produk-
tion in Rußland, die die Etappe des Klassenkampfes markierten und
überhaupt erst die Strategiebestimmung dieses Kampfes ermöglich-
ten, anzugeben. Die Marxsche Realisationstheorie, die Theorie der
Grundrente, die Darstellung der Ökonomisierung des konstanten Ka-
pitals und der ursprünglichen Akkumulation sind der methodische
Ausgangspunkt der Analyse. 11)
Die Beschreibung der Durchsetzung des Wertgesetzes in der Land-
wirtschaft und damit der Durchsetzung der kapitalistischen Pro-
duktionsweise diente dazu, den Beweis anzutreten, daß Rußland die
kapitalistische Entwicklung nicht aussparen konnte und die russi-
sche Bauerngemeinde bereits in das Stadium der kapitalistischen
Zersetzung getreten war und nicht die Keimzelle der sozialisti-
schen Gesellschaft sein konnte, wie die Narodniki behaupteten.
Der staatlich sanktionierte Aufbau der Produktionsmittelindustrie
nach dem modernsten Stand der Produktivkräfte und die Expropriie-
rung der Bauern durch die kapitalistische Entwicklung der Land-
wirtschaft und durch die staatliche Wirtschaftspolitik, die die
Kosten dieser Industrialisierung fast vollständig den Bauern auf-
bürdete, 12) gab Lenin methodisch die Möglichkeit, die einzelnen
Industriezweige in den Industriezentren und den Landregionen ge-
sondert zu untersuchen. Das revolutionäre Industrieproletariat,
dessen verschiedene Abteilungen von der großen Industrie, den Fa-
briken, Manufakturen der Kustarindustrie und den bäuerlichen
Werkstätten 'produziert' wurden, fand im Landproletariat, in der
armen Bauernschaft und in Teilen der Mittelbauernschaft einen na-
türlichen Bündnispartner. Dieses ländliche Proletariat würde sich
der Revolution der Arbeiter anschließen, um gegen die Überreste
des Zarismus und gegen die drückenden Ausbeutungsverhältnisse
durch das Kapital zu kämpfen.
Die Disproportion zwischen der 'künstlich' aufgebauten Schwerin-
dustrie, deren Kosten durch die Ausbeutung der Bauern und durch
ausländische Kredite aufgebracht worden waren, und der sich nicht
im gleichen Tempo entwickelnden Konsumindustrie, die die teueren,
weit über dem Weltmarktpreis liegenden Produkte der Produktions-
mittelindustrie nicht abnehmen konnte und die Konkurrenzfähigkeit
der Schwerindustrie auf dem Weltmarkt, die noch lange nicht die
Rentabilität und Arbeitsproduktivität der kapitalistischen Wirt-
schaft Englands, Frankreichs oder Deutschlands erreicht hatte,
all das deutete auf eine lange Strukturkrise der russischen Wirt-
schaft hin. Die Überbevölkerung auf dem Lande, die wachsende Aus-
beutung in den Fabriken, die Arbeitslosigkeit in den Städten wa-
ren Hinweise auf die Verschärfung der Klassenkämpfe, die den Keim
der sozialen Revolution in sich trugen, gewannen diese Kämpfe
Perspektiven der Umwälzung der Gesellschaft. 13) Mit Hilfe der
Marxschen Theorie konnte Lenin herausarbeiten, daß die kommende
Revolution dem ökonomischen Inhalt nach eine bürgerliche Revolu-
tion war, die die feudalen Formen der Produktionsverhältnisse
hinwegsprengte, um die kapitalistische Entwicklung zur vollen
Entfaltung kommen zu lassen. Der Form nach würde diese Revolution
in den Industriezentren einen proletarischen Charakter annehmen
und auf dem Lande als Volksrevolution, als Bauernkrieg gegen die
Gutsbesitzer und gegen den zaristischen Staat in Erscheinung tre-
ten. Der Industriebourgeoisie, die in Rußland als Klasse äußerst
schwach vertreten war, blieb nur übrig, den "preußischen" Weg
einzuschlagen, d.h. Kompromisse mit dem absolutistischen Staat zu
schließen. Diese Form-Inhalt-Dialektik der Revolution Rußlands
mußte sich niederschlagen auf die Tendenz der Klassenkämpfe, auf
das Verhältnis von Spontaneität und Organisation. Die Träger die-
ser Revolution, die Arbeiter und die armen Bauern, konnten die
ökonomischen Aufgaben der bürgerlichen Revolution nur erfüllen,
leiteten sie in der Regierungsform der revolutionär demokrati-
schen Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft die
sozialistische Transformation der Gesellschaft ein. 14) Die Hun-
gerrevolten der russischen Bauern ab 1890 wurden mit Beginn der
russischen Stagnationskrise, 1895/96, durch die spontanen Streiks
der Arbeiter abgelöst. Die Intellektuellenzirkel hatten nur ge-
ringen Einfluß auf diese Streiks, weil sie auch keine gesell-
schaftliche Perspektive des Klassenkampfes angeben konnten. Sehr
schnell gingen sie darauf ein, Unterstützungskassen für die Ar-
beiter zu gründen und eine Taktik von Reformen auszuarbeiten,
die, da sie in keinem Zusammenhang einer ökonomischen und politi-
schen Etappenbestimmung standen, provinziell und ökonomistisch
wurden. Diese Zirkel waren anfällig für die kuriosesten Dogmen
und fanden schließlich im legalen Marxismus die richtige ideolo-
gische Interpretationsinstanz für ihre Handwerkelei. Lenin dage-
gen wertete die Erfahrungen der "Betriebspraxis" aus und stellte
sie in den Zusammenhang der Klassenanalyse. Er konnte dadurch
vermeiden, daß die unmittelbaren Erfahrungen bereits als Klassen-
analyse ausgegeben wurden oder der Fehler des "Objektivismus"
wiederholt wurde. "Die Theorie des Klassenkampfes, die materiali-
stische Auffassung der russischen Geschichte und die materiali-
stische Einschätzung der gegenwärtigen ökonomischen und politi-
schen Lage Rußlands, die Anerkennung dessen, daß der revolutio-
näre Kampf auf bestimmte Interessen einer bestimmten Klasse zu-
rückgeführt und ihr Verhältnis zu den anderen Klassen analysiert
werden muß..." 15), waren für Lenin die Garantie dafür, daß die
revolutionäre Sozialdemokratie sich nicht von der Arbeiterklasse
isolierte und sich den russischen Bedingungen entsprechend orga-
nisierte. Die Tendenz der Klassenkämpfe in Rußland stellte die
Aufgabe, daß durch die theoretische Diskussion über eine Zeitung
die Organisation aufgebaut wurde, die sich sehr schnell in den
Betrieben "verankern" mußte, um Ausdruck der Klassenkampfbewegung
zu werden und um den Einfluß der Intelligenz in dieser Organisa-
tion zurückzudrängen.
Die Diskussion über den Parteiaufbau zwischen 1900 und 1905 stan-
den bei Lenin eindeutig im Zusammenhang der Klassenanalyse Ruß-
lands. Deshalb drängte er darauf, eine Organisation von Berufsre-
volutionären zu schaffen, um schnell die Partei in den Industrie-
zentren aufzubauen, denn die Streiks hatten in Rußland Ausmaße
erreicht, die eine Verzögerung der Gründung der revolutionären
Partei nicht mehr erlaubten, zumal die Intellektuellenorganisa-
tionen der Sozialrevolutionäre und der Ökonomisten in die russi-
schen Klassenkämpfe offene Verwirrung trugen. 16)
In einer späteren Einschätzung dieser Periode schrieb Lenin:
"Daher ist es klar, daß es sich eigentlich um eine Meinungsver-
schiedenheit zwischen den Iskristen und den Ökonomisten handelte,
die das angriffen, was die Broschüre "Was tun" und die Programm-
entwürfe gemeinsam vertraten. Und ich dachte auch auf dem zweiten
Parteitag nicht daran, speziell meine eigenen Formulierungen, die
ich in "Was tun" gegeben hatte, für etwas "Programmatisches",
besondere Prinzipien Darstellendes auszugeben. Im Gegenteil, ich
wandte den später so oft zitierten Vergleich mit dem überspannten
Bogen an. In "Was tun" wird der von den Ökonomisten überspannte
Bogen wieder ausgerichtet, sage ich (...) und gerade weil wir die
Verkrümmungen energisch wieder ausrichten, wird unser "Bogen" im-
mer der straffste sein. Der Sinn dieser Worte ist klar: "Was tun"
korrigiert polemisch den Ökonomismus, und es ist falsch, den In-
halt der Broschüre außerhalb dieser Aufgabe zu betrachten." 17)
Lenin war vor 1905 überzeugt, daß die sozialistische Theorie und
Klassenanalyse die Grundlage für die revolutionäre Organisation
war und selbst jeglichen Dogmatismus und Sektiererei verhinderte.
18) Die innerparteiliche Diskussion über das Verhältnis von Orga-
nisation und Spontaneität, über die Taktik zu den Sowjets lehr-
ten: Es mußte ein Organisationstypus geschaffen werden, der die
Einheit der Gegensätze von Demokratie und Zentralisation dar-
stellte. Die marxistische Klassenanalyse war das wichtigste Ele-
ment, das es den Revolutionären ermöglichte, die Klassenkampfbe-
wegung zu untersuchen und die eigene Rolle darin zu studieren.
Die Theorie war die Grundlage der Kritik und Selbstkritik in der
Partei. Aber weiter, in allen Organisationsteilen und Zellen
mußte die Diskussion und die Kritik gewährleistet sein, um die
Verbindung zu den Massenkämpfen nicht zu verlieren und um schnell
eine falsche Taktik zu korrigieren. Der Zentralismus, die Ein-
heitlichkeit der Aktion stand der innerparteilichen Demokratie
formal gegenüber. Lenin versuchte diese Gegensätze zu lösen, in-
dem er eine konkrete Etappenbestimmung vornahm, nach der auf den
vorbereitenden Diskussionen für den Parteitag und auf dem Partei-
tag selbst und auf den Parteikonferenzen die Lage diskutiert, die
Taktik der Partei und die Verantwortlichen dieser Taktik offen
kritisiert werden konnten und durch demokratische Abstimmungen
Konsequenzen gezogen wurden. Nach der Festlegung der neuen Etappe
des Kampfes und seiner Taktik wurde die Partei zentral und diszi-
pliniert geführt. Durch den "demokratischen Zentralismus" war die
Partei in der Lage, auf jede neue Situation reagieren zu können
und die Aufgaben der Partei den Anforderungen der Klassenkämpfe
anzupassen. 19) Sie unterschied sich damit grundsätzlich von der
sozialdemokratischen Organisation, die in dem Verhältnis von Zen-
trale und Wahlkreis oder Wohngebietszellen, ein historisches Ni-
veau des Klassenkampfes, der parlamentarischen Demokratie, ver-
ewigte und sich auf diese Weise der Struktur der kapitalistischen
Gesellschaft anpaßte, zur Führungs- und Gefolgschaftspartei
wurde, in der die Arbeitermitglieder durch die Satzung keinen
Einfluß mehr auf die Politik hatten.
So war die bolschewistische Partei die organisatorische Vermitt-
lung von Klassenanalyse und Klassenkampf. Das wird deutlich, wenn
der Zusammenhang von Leninscher Imperialismustheorie und Klassen-
kampfstrategie untersucht wird.
Der Ausbruch des I. Weltkrieges veranlaßte Lenin, die Erschei-
nungsform des Imperialismus und des Finanzkapitals genauer zu
analysieren. Dabei stützte er sich nicht nur auf die empirischen
und theoretischen Arbeiten dieser Epoche, sondern die Darstellung
des kapitalistischen Gesamtprozesses der Produktion, Bd. III des
Marxschen Kapitals und vor allem das Gesetz des tendenziellen
Falls der Profitrate war die methodische Grundlage seiner
"Imperialismustheorie". Ihm kam es darauf an, die Existenzweisen
des Widerspruchs zwischen Lohnarbeit und Kapital in der Etappe
des Imperialismus, zwischen der Tendenz der Ökonomisierung des
konstanten Kapitals, der Intensivierung der Ausbeutung, des Büro-
kratismus und der Militärdiktatur, des Parasitismus und des Revi-
sionsimus und der Tendenz des spontanen Widerstands der Arbeiter
in der monopolisierten Großindustrie, die Tendenz des radikalde-
mokratischen und sozialistischen Kampfes herauszuarbeiten. Durch
diese Vorgehensweise der Analyse der Erscheinungsformen des Impe-
rialismus konnte er die politische Form der "sozialen Emanzipa-
tion" der Arbeiter erkennen und mit den Parolen der Bolschewik!
unterstützen. In seiner Antwort an die "imperialistischen Ökono-
misten", Bucharin und Pjatakov, die den Imperialismus als neue
Qualität der gesellschaftlichen Entwicklung herausstellten,
schrieb er:
"Der Kapitalismus überhaupt und der Imperialismus insbesondere
verwandelt die Demokratie in eine Illusion und zugleich erzeugt
der Kapitalismus demokratische Bestrebungen in den Massen,
schafft er demokratische Einrichtungen, verschärft er den Antago-
nismus zwischen dem die Demokratie negierenden Imperialismus und
den zur Demokratie strebenden Massen. Der Kapitalismus und der
Imperialismus können durch keinerlei, auch nicht durch die
'idealsten' demokratischen Umgestaltungen, sondern nur durch eine
ökonomische Umwälzung beseitigt werden; ein Proletariat aber, das
nicht im Kampf für die Demokratie erzogen wird, ist unfähig, die
ökonomische Umwälzung zu vollziehen. (...) Der imperialistische
Krieg ist sozusagen eine dreifache Negierung der Demokratie; a)
jeder Krieg ersetzt die 'Rechte' durch Gewalt; b) der Imperialis-
mus ist überhaupt die Negierung der Demokratie; c) der imperiali-
stische Krieg gleicht die Republiken völlig den Monarchien an;
aber , das Erwachen und das Anwachsen der sozialistischen Erhe-
bung gegen den Imperialismus sind untrennbar verbunden mit einem
Anwachsen der demokratischen Abwehr und Empörung. Der Sozialismus
führt zum Absterben jedes Staates, folglich auch jeder Demokra-
tie, aber der Sozialismus ist nicht anders zu verwirklichen, als
über die Diktatur des Proletariats, welche die Gewalt gegen die
Bourgeoisie, d.h. gegen die Minderheit der Bevölkerung, mit der
vollen Entfaltung der Demokratie vereinigte, d.h. der wirklich
gleichberechtigten und wirklich allgemeinen Beteiligung der ge-
samten Bevölkerung an allen Staatsangelegenheiten und allen kom-
plizierten Fragen der Liquidierung des Kapitalismus." 20)
Lenin konnte durch die Unterscheidung des Doppelcharakters der
monopolkapitalistischen Produktion in der Epoche des Imperialis-
mus wichtige Einsichten gewinnen für die revolutionäre Politik.
So unterschied er im Gegensatz zu den sozialdemokratischen und
ökonomistischen Analysen des Finanzkapitals oder des imperiali-
stischen Raubstaates 21) in seiner Darstellung des Imperialismus
als des höchsten Stadiums des Kapitalismus genau zwischen der
Tendenz Zentralisation und Konzentration der Produktion und der
Verschärfung der Krisen, 22) zwischen der nationalen und interna-
tionalen Vertrustung und der gleichzeitig stattfindenden Ver-
schärfung der Gegensätze zwischen den imperialistischen Gruppen
23), zwischen der staatsmonopolistischen Regulierung der Produk-
tion in der Form der Finanz- und Investitionskontrolle, des
staatlichen Interventionismus in der Kriegswirtschaft, d.h. der
sporadischen Aufhebung des Wertgesetzes und dem Bürokratismus
bzw. der Fäulnis dieses kapitalistischen Systems. 24) Diese kapi-
talistische Form der Produktion war in keiner Weise die Überwin-
dung der kapitalistischen Produktionsweise; im Gegenteil, alle
Widersprüche des kapitalistischen Produktionssystems wurden auf
neuer Stufe reproduziert. 25)
Durch diese Aufzeichnung der widersprüchlichen Struktur der mono-
polkapitalistischen Ökonomik gewann Lenin in der Konkretisierung
die Parolen für die revolutionäre Taktik der Arbeiterklasse;
Kampf gegen die Kriegsgefahr und dem Kriege, Umwandlung des
Krieges in den Bürgerkrieg, Unterstützung der radikaldemokrati-
schen Forderungen der Arbeiter und Bauern durch die Partei der
Bolschewiki, Unterstützung der spontanen Kämpfe der Arbeiter-
klasse, Kampf gegen den Bürokratismus, dem Parasitismus, der
"Vaterlandsverteidigung" des Revisionismus usw. 26)
Form und Tendenz der "Bolschewisierung" der westeuropäischen kom-
munistischen Parteien beschrieb Lenin auf dem III. Kominternkon-
greß, wenn er sich ausdrücklich gegen die Nachahmung der bolsche-
wistischen Taktik wandte. Es war nach seiner Meinung eine nicht-
bolschewistische Haltung, kommunistische Resolutionen auswendig
zu lernen und sich in bloßer revolutionärer Phraseologie zu ge-
fallen. 27) Eine Analogie zwischen den Aufgaben der westeuropäi-
schen Kommunisten und der Geschichte der Bolschewiki zog er, wenn
er die Etappen des Parteiaufbaus der kommunistischen Parteien
Westeuropas verglich mit der Etappe der Herausarbeitung der revo-
lutionären Theorie und der revolutionären Partei der Bolschewiki
zwischen 1900 und 1905 und auf die Etappe hinwies, die dieser
folgen würde; der Kampf um die Massen. Aber er unterstrich so-
fort, daß es keine unmittelbaren Identitäten zwischen der russi-
schen und der westeuropäischen Revolution gab: "Die zweite Etappe
wird keineswegs darin bestehen, daß man die revolutionären Losun-
gen wiederholt. Sie wird darin bestehen, daß man unsere klugen
und geschickten Losungen annehmen wird, die immer klug und ge-
schickt sein und stets wiederholen werden: die revolutionären
Grundsätze müssen den Besonderheiten der verschiedenen Länder an-
gepaßt sein." 28) Die russische Revolution und damit die Strate-
gie und Taktik der Bolschewiki hatte eine allgemeine Bedeutung
für die Arbeiterklasse, ähnlich wie in der vergangenen Etappe die
Pariser Kommune; sie signalisierte das Verhältnis von Theorie,
Klassenkampfstrategie, revolutionärer Organisation und konkreter
Taktik im Klassenkampf. In dem "Brief an die deutschen Genossen"
unterstrich er die Unsinnigkeit einer "Offensivtheorie" der
linksradikalen Intelligenz innerhalb der KPD und betonte, daß
sich in Deutschland nicht die russische Situation des Oktober
wiederholte und daß eine Revolution nicht allein Angelegenheit
der Organisation sei. Bei dem Stand der Klassenkämpfe mußte eine
revolutionäre Partei aufgebaut werden, die sich durch eine konse-
quente und zielstrebige revolutionäre Politik, die sich an der
Rekonstruktion des Kapitalismus und dem Stand der Klassenkämpfe
orientierte, und dadurch Einfluß in der Arbeiterklasse gewann.
Die Einheitsfronttaktik war nach Lenin die beste Form, die sozi-
aldemokratischen und parteilosen Arbeiter und Gewerkschaftler von
dem Programm der Kommunisten zu überzeugen. 29)
Die revolutionäre Strategie und Taktik der Partei des Proletari-
ats als Kampfinstrument der Arbeiterklasse gegen die Herrschaft
der Bourgeoisie hat auszugehen von der Analyse der konkreten
Klassenverhältnisse in der bürgerlichen Gesellschaft. Das deut-
sche Kapital bildet sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Etappe
und unter den Bedingungen des Imperialismus im Rahmen des schnell
fortschreitenden Konzentrationsund Zentralisationsprozesses in
seiner monopolistischen Form heraus, erreicht also gegenüber frü-
heren Entwicklungsstufen des Kapitalismus einen ungleich höheren
Organisationsgrad; dieser Prozeß ist gleichzeitig begleitet von
der Entwicklung spezifischer Widersprüche innerhalb des Monopol-
kapitals selbst, d.h. zwischen einzelnen Fraktionen der Bour-
geoisie. In der Hauptsache äußern sich die Widersprüche politisch
im Kampf um die Beherrschung des Staatsapparates zur direkten
Durchsetzung der - jeweils durch die spezifischen Verwertungs-
schwierigkeiten bedingten - spezifischen Interessen der jeweili-
gen Bourgeoisfraktion. Der Grad der Organisiertheit der Bour-
geoisie, ihr politischer Charakter und ihre Form ist für das
Proletariat, für Strategie und Taktik der revolutionären Partei
und für ihre eigene Organisation von entscheidender Bedeutung.
Die Organisierung der Arbeiter als Klasse durch das Kapital ent-
sprach den Bedingungen der Frühphase der kapitalistischen Akkumu-
lation und erreichte ihren höchsten Ausdruck im Entstehen der
großen Industrie, d.h. des gesellschaftlichen Charakters des Pro-
duktionsprozesses. Der Verwertungsprozeß unter monopolkapitali-
stischen Bedingungen erzwang die erneute Zersplitterung der Ar-
beiterklasse vornehmlich im und durch den Charakter des Arbeits-
prozesses. Durch den Kampf der Arbeiterklasse vor allem ist das
Kapital zunehmend gezwungen, anstelle der absoluten Verlängerung
des Arbeitstages den tendenziellen Fall der Profitrate aufzuhal-
ten u.a. durch die Erhöhung des relativen Mehrwerts, d.h. auf dem
Wege der Intensivierung der Arbeit. Dies bedeutet für die Arbei-
terklasse die Gefahr der erneuten Atomisierung, der Trennung der
Arbeiter im Arbeitsprozeß voneinander durch ein ausgeklügeltes
Ausbeutungs- und Kontrollsystem von Arbeitsplatzbewertung, Lohn-
gruppen, Akkordarbeit etc. mit allen möglichen verhängnisvollen
Auswirkungen auf Solidarität und Klassenbewußtsein des Proletari-
ats.
Diese Phase war in Deutschland 1923 erreicht.
Der vor dem Kriege eingeleitete Konzentrations- und Zentralisati-
onsprozeß der deutschen Industrie wurde durch die Kriegswirt-
schaft ab 1916 noch weiter verschärft. Durch den Versailler Ver-
trag verliert das Monopolkapital ca. 40% der Produktionskapazitä-
ten; der Zentralisationsprozeß setzt in der Rekonstruktionsphase
zwischen 1919 und 1924 verstärkt ein. Der Staat unterstützte mit
Entschädigungen, Subventionen, mit der Steuer- und Währungspoli-
tik diesen Prozeß. Die Rationsalisierung der Produktion ab 1923
begünstigte die Trust-und Konzernbildung; 1926 betrug die Kapi-
talkonzentration im Bergbau 93%; in der Eisen-und Stahlproduktion
80%; in der Elektroindustrie 87%; Chemieindustrie 83% und die der
Banken betrug 74%. Gegenüber der Vorkriegszeit hatte sich 1925
die Zahl der Kartelle verfünffacht.
II Monopolkapitalistischer Staat und Entwicklung der Widersprüche
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im Monopolkapital 30)
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1. Die Inflationsperiode 1918-1923. Inflation und
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Reparationsfrage in ihrer Bedeutung für den Konzentrations-
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und Zentralisationsprozeß und für die Entwicklung
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der Widersprüche im Monopolkapital.
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Die unmittelbare Nachkriegssituation kennzeichnet die Erschütte-
rung des monopolkapitalistischen Staates in seiner im Krieg dik-
tatorisch herausgebildeten Form, ohne daß aber die ökonomische
und politische Herrschaft der Bourgeoisie in Frage gestellt gewe-
sen wäre. Dieses Verdienst gebührt Sozialdemokratie und Gewerk-
schaften, die im Verein mit der Bourgeoisie bzw. mit einigen ih-
rer Fraktionen schon während des Krieges im Rahmen der Burgfrie-
dens- und Arbeitsgemeinschaftspolitik sich über die Rettung des
Kapitalismus verständigt hatten. Der Revisionismus als Ideologie
der Sozialdemokratie setzte die im Krieg bewährte konterrevolu-
tionäre Praxis in dieser Periode weiterhin offen fort.
Die in Spartakus und IKD vereinigte revolutionäre Linke erwies
sich beim Sturz der Monarchie als quantitativ und organisatorisch
zu schwach, um mit den überall mobilisierten, aber reformistisch-
sozialdemokratisch, vor allem republikanisch eingestellten Arbei-
termassen den Staatsapparat nicht nur zu erschüttern, sondern -
vor allem die Spitze in Heer und Polizei - zu zerschlagen. 31)
Die Tatsache, daß das deutsche Heer keine entscheidende Nieder-
lage erlitten hatte, im Gegenteil sich 'geordnet' zurückziehen
konnte, begünstigte das Weiterbestehen dieses entscheidenden
Horts der Reaktion. So war es Bourgeoisie und Sozialdemokratie
ein leichtes, die Betriebsbesetzungen als kriminelle Delikte zu
verfolgen, die Rätebewegung zu majorisieren, den Massen hinsicht-
lich einer ihrer Hauptforderungen, - Sozialisierung der Grund-
stoffindustrie -, durch Lug und Trug in Form des "Demonstrations-
sozialismus" 'das Maul zu stopfen': Die 'Sozialisierung' in Form
der "Zwangssyndizierung", zum Teil im direkten Interesse der
'betroffenen' Monopole, auf Grundlage der "Selbstverwaltung".
"Eine wirklich revolutionäre Partei hatten die deutschen Arbeiter
im Augenblick der Krise nicht, infolge der zu spät vorgenommenen
Spaltung, infolge des Drucks der verfluchten Tradition der
'Einheit' mit der korrupten (die Scheidemann, Legien, David und
Co.) und charakterlosen (die Kautsky, Hilferding und Co.) Bande
der Lakaien des Kapitals. In jedem ehrlichen, klassenbewußten Ar-
beiter ... erwachte in unglaublicher Schärfe der Haß gegen den
Opportunismus der alten deutschen Sozialdemokratie, und dieser
Haß - das edelste, erhabenste Gefühl der Besten aus der unter-
drückten und ausgebeuteten Masse - machte die Menschen blind,
nahm ihnen die Möglichkeit, kaltblütig zu überlegen und eine ei-
gene richtige Strategie auszuarbeiten als Antwort auf die glän-
zende Strategie der bewaffneten, organisierten, durch die
'russische Erfahrung' gewitzigten von der Entente, von
Frankreich, England und Amerika unterstützten Kapitalisten. Die-
ser Haß trieb sie zu vorzeitigen Aufständen." 32)
Der seit Ende des 19. Jahrhunderts auftretende und durch den
Weltkrieg verfolgbare Widerspruch zwischen den zwei wichtigsten
Fraktionen der Bourgeoisie - den Monopolgruppen der Schwerindu-
strie und jenen der Chemie-Elektro-Gruppe - wurde zunächst unmit-
telbar unter den Bedingungen des verlorenen Krieges, - der Besei-
tigung feudalaristokratischer Elemente der Staats- und Länder-
spitze, dem Zusammenbruch der Kriegswirtschaft und der allgemei-
nen 'Unruhe' der Arbeiterklasse - im Sinne der diese Situation
real einschätzenden Fraktion, den Monopolen der Chemie-Elektro-
Gruppe, gelöst. Während die - einen offen konterrevolutionären,
reaktionären Kurs verfolgende, sich 'national' gegen "Erfüllungs-
politik" gebärdende, sich im Verfolg ihrer Sonderinteressen
desungeachtet ungerührt zur Fraktion des 'nationalen Verrats'
entwickelnde - Schwerindustrie vor 1918 jede Beziehung selbst zu
den 'Staats- und Kaisertreuen'- SPD und Gewerkschaften -
abgelehnt hatte und dazu erst kurz vor Ende des Krieges bereit
war, 33) um sich nicht, falls notwendig, die Möglichkeit zu ver-
schließen, sich des Staatsapparates zur Durchsetzung ihrer Inter-
essen auch unmittelbar zu bedienen, hatte die Monopolgruppe Elek-
tro-Chemie im Laufe des Krieges - und schon vor dem Krieg - mit
Arbeitervertretern in verschiedenen (Kriegs-) Gremien zusammenge-
arbeitet; im Gesamtinteresse des Kapitals garantierte die Sozial-
demokratie als politische Gallionsfigur des Monopolkapitals die
unter Nachkriegsbedingungen unerläßliche Massenloyalität.
Die ökonomische Rekonstruktion unter den Bedingungen des Verlu-
stes hauptsächlich als Rohstoffquellen wichtiger Gebiete, der
Notwendigkeit der Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion,
des Zusammenbruchs des inneren Marktes, der Abschneidung des
Deutschen Reiches vom Weltmarkt durch die Blockade, und der Repa-
rationen, setzte die politische Stabilisierung voraus.
"Wirtschaftsdemokratie", "Sozialstaat" und "Staatssozialismus"
als sozialdemokratischer Ideologie 34) entsprach in der Praxis
- die "Sozialisierung" auf dem Transport- und Energiesektor
(Reichsbahn, Bergbau, E-Werke) in erster Linie, um die Produkti-
onskosten der Monopole niedrig halten zu können;
- die 'demokratische' Verhüllung des kapitalistischen Produkti-
onsprozesses durch den Einbau reformistischer Arbeiterfunktionäre
aufgrund des "Betriebsrätegesetzes" vormals "Gesetz über den va-
terländischen Hilfsdienst";
- entsprachen die (von den Massen erkämpften) Errungenschaften 8-
Stunden-Tag, Tarifverträge und deren baldige, faktisch kampflose
Preisgabe durch die Gewerkschaften als Alleinvertretung der Indu-
striearbeiter;
- entsprach die Besetzung des Wirtschaftsministeriums durch
Rathenau (AEG), Moellendorf (AEG) und Wissell (SPD).
Die vereinigend wirkende Absicht des Monopolkapitals, möglichst
schnell und reibungslos von Kriegs- auf Friedensproduktion über-
zugehen, ohne dabei die herrschenden Produktionsverhältnisse zu
gefährden noch gefährden zu lassen, fand seinen Ausdruck in der
Bildung der "Zentralarbeitsgemeinschaft industrieller und gewerb-
licher Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" (15.11.18) und
dem am 12.11. gemeinsam von Monopolkapital (Stinnes, Vogler, Bor-
sig, Rathenau) und Gewerkschaften (Legien, Stegerwald, Aufhäuser)
errichteten "Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung". Die-
ses erhielt nicht nur diktatorische Vollmachten, sondern auch -
auf Empfehlung des Hausmeiers Prinzen Max von Baden - den sich
offen als Vertreter der Schwerindustrie bekennenden ehemaligen
Leiter der Kriegsrohstoffabteilung, Obersten Koeth, zum Leiter,
wie auch eine Reihe Industrieller als Mitarbeiter wie Krupp-Di-
rektor Wiedfeld. 35)
Alle im Krieg erlassenen Verordnungen blieben "bis auf Widerruf"
in Kraft. 36)
So verschaffte sich "die Mehrzahl der großen Rüstungsbetriebe den
staatlichen Auftrag, ihre Produktion auf der bisherigen Höhe zu
halten". "Staatliche Aufträge und Zuschüsse hielten die Konzern-
herren dazu an, noch Wochen nach dem 9. November Kriegsmaterial
zu produzieren." 37)
Ebenso wie der "Rat der Volksbeauftragten" das kaiserliche Demo-
bilmachungsamt übernommen hatte und als Kontrollorgan für die
Zuteilung der staatlichen Mittel "im Prinzip" mit der von Koeth
dafür vorgeschlagenen Kriegsrohstoffabteilung einverstanden war,
so war es sein erklärtes Programm, " 'die geordnete Produktion
aufrechtzuerhalten' und 'das Eigentum gegen Eingriffe Privater
sowie die Freiheit und Sicherheit der Person' " zu schützen, 38)
"das gute Einvernehmen innerhalb der Arbeiterschaft oder der An-
gestelltenschaft sowie zwischen diesen und dem Arbeitgeber zu
fördern." 39)
Schon Ende November 1918 lag ein vom Reichswirtschaftsministerium
detailliert ausgearbeiteter 5Mrd.-Plan ("Reichsfonds") vor zur
Ankurbelung der deutschen Wirtschaft beim Übergang von der
Kriegs- zur Friedensproduktion durch den Staat, der nicht nur in
der Höhe mit den Forderungen Koeths bzgl. finanzieller Unterstüt-
zungsmaßnahmen in Form von Staatsaufträgen, Garantieleistungen
und Vorschüssen an die Industrie übereinstimmte. 40) Dieser Plan
stellt einerseits die Fortsetzung der in der Kriegswirtschaft er-
probten Finanzierungsmaßnahmen dar, andererseits ist es der Be-
ginn der in der Weimarer Republik fortschreitenden Ausdehnung der
staatlichen Maßnahmen auf dem ökonomischen Sektor. Diese Ausdeh-
nung ging keineswegs reibungslos vor sich:
"Leider gelang es nicht, diesen Plan schon damals zu verwirkli-
chen... Abgesehen von der Schwierigkeit der Mittelbeschaffung war
die Erkenntnis von der Notwendigkeit für die schleunige Durchfüh-
rung eines großzügigen und einheitlichen Wirtschaftsprogramms da-
mals noch nicht vorhanden... Eine sozialistische Regierung darf
nicht gleichgültig zusehen, daß wegen einiger Auswüchse die öf-
fentliche Meinung durch interessierte Vorurteile gegen eine ge-
bundene Planwirtschaft vergiftet J . wird..." 41)
"Schon im Sommer 1919 brachten der Widerstand der Sozialdemokra-
tie gegen die Wissellsche Verwässerung der Sozialisierung sowie
der heftige Kampf der Unternehmer gegen die 'Militarisierung' der
Volkswirtschaft durch Zwangsverbände die Planwirtschaft zu Fall."
42)
Zu analysieren ist der Kampf der Schwerindustrie-Gruppe des Mono-
polkapitals 'gegen den Weimarer Staat', d.h. gegen den bestimmen-
den 'Rivalen' im Verein mit der Sozialdemokratie. Dieser Kampf
wurde geführt unter dem Motto 'gegen die Beherrschung der Wirt-
schaft durch den Staat'. Das 'Unverständnis' der Schwerindustrie
gegenüber Staatsform und Charakter des Staates, gegenüber der Be-
deutung und Rolle der 'vaterlandslosen Gesellen' in Regierung und
Verwaltung ist darauf zurückzuführen, daß die Schwerindustrie
längst ihre Rolle als Zentrum der fortschreitenden Entwicklung
der Produktivkräfte an die expandierende Chemie-Elektro-Industrie
abgeben mußte. Der weniger hohe Grad der Arbeitsteilung in den
schwerindustriellen Produktionszweigen ließ diese Monopolgruppe
verkennen, daß sich hinter 'Sozialisierung', 'Gemeinwirtschaft',
'Wirtschaftsdemokratie' lediglich die im Interesse der Weiterent-
wicklung der Produktivkräfte unter kapitalistischen Bedingungen
'neue' Organisation der Arbeit verbirgt, und zwar in jenen Pro-
duktionszweigen, in denen Arbeitsteilung, der Vergesellschaf-
tungsgrad der Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen am
höchsten entwickelt ist, eben in der Chemie-Elektro-Industrie.
Voraussetzung und gleichzeitig Ziel des Kampfes war der schnelle
Ausbau der ökonomischen Machtstellung, bedingt durch die Notwen-
digkeit schneller Sicherung der (verlorenen) Rohstoffbasis
(Produktionskosten!), der Wiedergewinnung der Konkurrenzfähigkeit
auf dem Weltmarkt. Dieser Kampf wurde geführt um die möglichst
weitgehende Ausnützung der durch Inflation und Reparationsfrage
gegebenen Möglichkeiten im Sonderinteresse der betreffenden Mono-
pole, bezüglich der Schwerindustrie zur relativ leichten - in
dieser Periode vor allem - Zentralisation (vertikale Konzernbil-
dung). Die Entscheidung der politischen Machtfrage bezüglich der
Beherrschung des Staatsapparates war ebenso gleichzeitig Voraus-
setzung und Ziel des Kampfes.
"Wachstum und technischer Fortschritt müssen durch Inflation fi-
nanziert werden." (BDI-Präsident Fritz Berg am 14.2.1970 auf der
Sitzung des Gemeinschaftsausschusses der deutschen Wirtschaft in
Bonn, FR 26.2.70)
a. Inflation 43)
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In der Inflationsperiode wurde ein Teil des Einkommens der den
Mehrwert produzierenden Massen vom Staat durch Steuern und
Geldentwertung abgezweigt, um diese Mittel dem Kapital zur Behe-
bung seiner Verwertungsschwierigkeiten zufließen zu lassen. Diese
Mittel sind von den sonst üblichen Staatsanleihen zu unterschei-
den: Staatsanleihen stammen überwiegend aus dem früher akkumu-
lierten Geldkapital und aus dem in der betreffenden Periode ge-
schaffenen Mehrwert. Die dem Kapital im Zuge der Inflation zur
Verfügung gestellten Mittel entstammen nicht dem Mehrwert, son-
dern dem durch die notwendige Arbeit der Lohnarbeiter sowie dem
durch die Arbeit der kleinen Warenproduzenten geschaffenen Wert.
Mit Hilfe der Inflation eignet sich der Staat also einen Teil des
Wertes der Ware Arbeitskraft und einen Teil des notwendigen Pro-
dukts der kleinen Warenproduzenten an. Über Preissteigerungen für
notwendige Existenzmittel zur Reproduktion der Arbeiter wird der
Ausbeutungsgrad erhöht. Die durch Klassenkämpfe erzwungenen Nomi-
nallohnerhöhungen bleiben in der Inflationsperiode immer weit
hinter den Warenpreiserhöhungen zurück. Der Rückgang des Real-
lohns ist eine zwangsläufige Erscheinung der Inflation. Die Vor-
teile der Inflation für das Kapital waren:
- der Rückgang des Reallohns ermöglichte die Erzielung einer hö-
heren Mehrwert- und Profitrate; Erhöhung des Ausbeutungsgrades.
- Die Geldentwertung verbilligt die Investitionen bzw. tilgt die
Darlehensschuld trotz Zinserhöhungen, da diese hinter der
Geldentwertung zurückbleiben.
- Durch den Rückgang der Produktionskosten infolge der sinkenden
Reallöhne und des fallenden Markkurses (Valutadumping) ist eine
relativ kurze Steigerung der Konkurrenzfähigkeit als Exporteur
auf dem Weltmarkt möglich, unter Weltmarktpreisen.
- Spekulationsprofite wurden erzielt durch das Aufkaufen von Wa-
ren und Devisen zu ständig sinkendem Markkurs und Weiterverkauf
zu erhöhten Preisen.
Die Nachteile der Inflation für das Kapital waren:
- Der Grundwiderspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital verschärft
sich aufgrund der steigenden absoluten Verelendung des Proletari-
ats, beinhaltet also eine mögliche Gefährdung der Herrschaft der
Bourgeoisie durch die Verschärfung der Klassenkämpfe (1923 vor
allem Hungerstreiks).
- Während die Inflation als Schuldenverbilligung bzw. -tilgung
die Zentralisation fördert, hemmt sie vielfach den Prozeß der er-
weiterten Reproduktion des Kapitals oder verwandelt sich sogar
(1923) in einen Prozeß der sich verengenden Reproduktion.
- Die verschiedenen Wirtschaftszweige werden in verschiedener
Weise bevor- oder benachteiligt; folglich werden die Widersprüche
im Monopolkapital verstärkt. Die exportorientierte Industrie wird
bevorteilt, die importabhängige benachteiligt (Rohstoffabhängig-
keit).
"Aus all diesem ergibt sich, daß es nicht so ist, das 'das' Mono-
polkapital inflationistisch gesinnt (war), sondern daß es Kreise
(gab), die für und solche, die gegen eine Inflation (waren), und
auch solche finden wir: Kreise, die zunächst für die Inflation
waren, wenden sich im Laufe der Zeit gegen sie und umgekehrt."
44)
Der Prozeß der Entwertung der Mark weist von 1920 bis 1923 immer
wieder Perioden auf, in denen der Kurs der Mark stagnierte bzw.
sich verbesserte, wofür objektive Faktoren wie eine Erholung der
Produktion und subjektive wie die internationale politische Si-
tuation im Zusammenhang mit der Reparationsfrage Ursache gewesen
sein können; Kämpfe der Arbeiterklasse gegen ihre fortschreitende
Verelendung waren in keiner Phase von direkter Bedeutung, wohl
aber von Bedeutung dafür, daß sich Widerstände im Monopolkapital
gegen die weitere Inflation aus Furcht vor einer möglichen Ver-
schärfung der Klassenkämpfe entwickelten und verstärkten
(Ruhrkämpfe).
Von 1919-23 trat die Chemie-Elektro-Gruppe im allgemeinen für
eine Beendigung der Inflation ein, ebenso Sozialdemokratie und
Gewerkschaften.
Das Desaster des Kapp-Putsches war für die reaktionärste Bour-
geoisfraktion Grund genug, vorerst keinen neuen direkten Angriff
auf die 'rote Republik', d.h. die Machtposition der durch SPD und
Gewerkschaften unterstützten Gruppe Elektro-Chemie, zu unterneh-
men; dafür behalf man sich mit der direkten Sabotierung der
staatlichen Politik in der Inflations- und Reparationsfrage.
Daß es der 'Inflationspartei', der Schwerindustrie, erfolgreich
gelang, ihre Sonderinteressen durchzusetzen, zeigt der Prozeß der
Inflation und das Scheitern der Reparationsverhandlungen mit ent-
sprechenden Folgen.
Es "gelang dem deutschen Monopolkapital die schnellste Umschich-
tung von Einkommen und Vermögen, die die deutsche Geschichte bis
dahin gekannt hat: Der Lebensstandard der Arbeiter und kleinen
Angestellten, die über kein Vermögen verfügten, war gegenüber
1913/14 halbiert worden. Das Vermögen des Mittelstandes war zu
einem wesentlichen Teil in der Inflation verschwunden. Das Vermö-
gen des mittleren Kapitals hatte sich, soweit es in Sachwerten
angelegt war, durch Konkurrenz und Verkauf an Stärke vermindert.
An der Spitze der Pyramide stand eine winzige Schicht von Monopo-
listen, die Produktionsmittel auf Produktionsmittel gehäuft hat-
ten und durch sie mittels des Staates die ökonomische und politi-
sche Herrschaft in Deutschland ausübten..." 45)
b. Die Reparationsfrage 46)
---------------------------
Die aufgrund des Versailler Vertrages vor allem zum Wiederaufbau
Nordfrankreichs und Belgiens vom Deutschen Reich zu leistenden
Reparationen bedeuteten für das deutsche Monopolkapital d a s
Geschäft der Nachkriegszeit im Sinne der Ankurbelung der Produk-
tion mittels Staatsgeldern. Die Reparationen konnten und sollten
nämlich nicht etwa durch Barzahlungen aus der Steuerkasse gelei-
stet werden, sondern aufgrund der schlechten Devisenlage 47) des
Reiches durch direkte Lieferungen der deutschen Industrie, die
vom Staat bezahlt wurden. Entscheidend war nun für das deutsche
Monopolkapital, welche Fraktion es vermochte, den größten Teil
der Reparationsaufträge an sich zu reißen. Die Linie der deut-
schen Regierung und damit die der die Interessen der Chemie-Elek-
tro vorwiegend wahrnehmenden Rathenau & Co. bestand in den ver-
schiedenen Reparationsverhandlungen mit Frankreich darin, unter
i h r e r Vermittlung und unter Mitwirkung der deutschen Gewerk-
schaften, die die Festsetzung der Lieferpreise kontrollieren
sollten, Reparationslieferungen mit 'der' deutschen Industrie ab-
zuschließen (Wiesbadener Abkommen Oktober 1921). Die Schwerindu-
strie hatte seit 1920 (Konferenz von Spa) sämtliche Reparations-
verhandlungen zum Scheitern gebracht. Die unter dem Motto "gegen
Erfüllungspolitik" geführte Offensive findet seine ökonomische
Begründung in der Tatsache, daß diese Monopolgruppe nur
'eigentlich' gegen Reparationen war, uneigentlich aber immenses
Interesse daran hatte, die Reparationslieferungen in i h r e
Regie zu übernehmen; nicht 'der Staat' sollte Lieferverträge ab-
schließen, sondern 'die deutschen Industrie'.
Stinnes gelang es, das Wiesbadener Abkommen in direkten Verhand-
lungen mit Frankreich zu revidieren; die Vermittlungsfunktion der
deutschen Regierung und die Kontrollfunktion der Gewerkschaften
wurden eliminiert. Die deutsche Regierung hatte nur noch zu be-
zahlen, 'die deutsche Industrie' schloß mit Frankreich direkt
Lieferungsverträge ab. Über die Ausplünderung der Staatskasse
schrieb die "Weltbühne":
"Mit Ausnahme der unmittelbar interessierten Industriekreise be-
steht kaum eine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die deutsch-
französischen Sachlieferungsabkommen (Stinnes Vertrag) im Augen-
blick der schwersten materiellen Not Anforderungen an den deut-
schen Reichssäckel und damit an die deutschen Steuerzahler stel-
len, die über alles Bisherige noch weit hinausgehen. Denn zu den
ungeheuerlichen Verpflichtungen an die Entente kommen jetzt noch
neue, hunderte von Goldmillionen erfordernde Verpflichtungen an
die deutsche Industrie." 48)
Inflations- und Reparationspolitik der beiden wichtigsten Frak-
tionen der deutschen Bourgeoisie im Zeitraum 1918-23 zeigen, daß
beide Gruppen dieselben Ziele auf verschiedenen Wegen anstrebten:
war es im Interesse der Chemie-Elektro-Gruppe, möglichst rei-
bungslos in Arbeitsgemeinschaft mit den stärksten Arbeiterorgani-
sationen SPD und Gewerkschaften ihre Stellung auf dem inneren und
äußeren Markt auf kosten der Arbeiterklasse und der Kleinbour-
geoisie wiederzuerringen, auszubauen und zu stabilisieren, - po-
litisch durch unmittelbare Beherrschung des Staatsapparates ", so
unterscheidet sich die Politik der Monopole der Schwerindustrie
nicht im (gleichen) Ziel der Um- und Neuverteilung des Volksver-
mögens durch die Inflation, sondern - aufgrund der durch die öko-
nomischen Folgen des verlorenen Krieges und des Umsturzes 1918
veränderten Machtverhältnisse zwischen den Fraktionen der Bour-
geoisie - durch direkten Kampf gegen den die Interessen des
'Rivalen' überwiegend repräsentierenden bürgerlich-demokratischen
Staat mit dem Ziel der offenen Diktatur des Monopolkapitals, d.h.
der Eroberung des Staatsapparates und der Ausschaltung sämtlicher
'Rücksichtnahme' auf den durch den Umsturz erreichten Einfluß der
reformistischen Arbeiterorganisationen und Fraktionen der Klein-
bourgeoisie im Gesamtinteresse des Monopolkapitals. Hierzu gehört
der Kapp-Putsch, gehören die Separationsbestrebungen an Rhein und
Ruhr, und die finanzielle Unterstützung der Faschisten seit 1923
z.B. durch Thyssen; hierzu gehört auch das 'Programm der Schwer-
industrie', das Stinnes schon Ende 1922 so formulierte: Rücknahme
des Versailler Vertrages durch die Siegermächte, dafür verpflich-
tet sich 'Deutschland', "zu gesunden Verhältnissen" aufgrund sol-
cher Maßnahmen zurückzukehren wie unbezahlte Verlängerung des 8-
Stunden-Tages um wenigstens 2 Überstunden für 10 bis 15 Jahre;
Aufhebung des Streikrechts für mindestens 5 Jahre; Aufhebung
sämtlicher ökonomischer 'Zwangsmaßnahmen' (Demobilisierung, Fest-
setzung von Höchstpreisen, Aus- bzw. Einfuhrbeschränkungen, Miet-
festsetzungen etc.), dafür aber umfangreiche Steuererleichterun-
gen. 49)
2. Die Phase relativer Stabilisierung 1924 -1928
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Die Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors im
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Verwertungsinteresse des Kapitals und seine Bedeutung
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für die Widersprüche im Monopolkapital.
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In dieser Phase wurde "erstmalig in einer Konjunkturperiode rela-
tiv breit" durch Maßnahmen des monopolkapitalistischen Staates
"vor allem die Expansion der Monopole unterstützt: ... in einem
System von Maßnahmen zur Unterstützung der günstigen konjunktu-
rellen Entwicklungsbedingungen insbesondere für die monopolisti-
sche Großindustrie und zur Abwälzung der hieraus ; sowie aus dem
Dawes-Plan resultierenden finanziellen Lasten vor allem auf die
werktätige Bevölkerung - dabei spielte die Umverteilung des Na-
tionaleinkommens über den Staatshaushalt eine besondere Rolle;
in der breiten Unterstützung des deutschen Monopolkapitals vor
allem durch den USA-Imperialismus unter anderem auf der Grundlage
staatlicher Vereinbarungen; in der Erweiterung des Staatseigen-
tums an Produktionsmitteln und der Fortsetzung seiner Reorganisa-
tion." 50)
Im November 1923 wurde die Reform des deutschen Finanz- und Wäh-
rungssystems durchgeführt, nachdem die Inflation begann, auch
Grundbesitz und Industrieproduktion in Mitleidenschaft zu ziehen,
Kapitalinvestitionen aus dem Ausland zu verhindern, nachdem der
Ruhrkampf gescheitert war, der Zentralisationsprozeß aufgrund
günstiger Inflationsbedingungen weitgehend abgeschlossen war,
hingegen die Lösung der Reparationsfrage auf internationaler
Ebene Voraussetzung für die nun notwendigen, bisher vernachläs-
sigten technischen Rationalisierungen im Arbeitsprozeß war. Es
fehlte der deutschen Industrie das hierfür notwendige Kapital,
d.h. es waren ausländische Investitionen und Kredite dringend
notwendig.
Die nach dem Dawes-Plan von der Industrie, der Reichsbahn und aus
der Steuerkasse zu zahlenden Reparationsmilliarden 51) wurden im
wesentlichen mithilfe der staatlichen Steuergesetzgebung zugun-
sten des Monopolkapitals nivelliert, diesem Entschädigungen für
Reparationsleistungen und Subventionen gezahlt? Zollpolitik im
Interesse der Sicherung hoher Monopolpreise betrieben? Exportver-
gütungen gewährt u.a. Gleichzeitig wurde auf dem Wege der organi-
satorischen Rationalisierung durch Entlassungen (1923: 300 000;
1924: 2,2 Mill. 52)) und Arbeitsintensivierung 53) dieser kon-
junkturelle Aufschwung erst ermöglicht, während dem auch die Pro-
duktionsmittel erweitert und modernisiert wurden. Zunächst be-
ruhte aber das Charakteristische der Rationalisierung auf dem
"beschleunigten Kapitalumsatz und auf der Erhöhung der Arbeitsin-
tensität...; seltener wird auch eine Reorganisation der techni-
schen Seite der Produktion vorgenommen... Es handelt sich in er-
ster Linie nicht um eine technische, sondern um eine organisato-
rische Rekonstruktion. Daher haben die Arbeiter unter dieser Ra-
tionalisierung aufs schwerste zu leiden... ' (54) Elemente dieser
'Offensive des Kapitals' waren darüberhinaus die Aufkündigung der
Zentralarbeitsgemeinschaft; die Beseitigung des 8-Stunden-Tages;
die Einschränkung der Sozialleistungen; die Durchlöcherung der
Verbindlichkeit der Tarifverträge; die Aufhebung des Streikrechts
in der Praxis. Alle Maßnahmen wurden ermöglicht durch das mit den
Stimmen der SPD am 8.12.23 verabschiedete erste Ermächtigungsge-
setz zur Beseitigung der Revolutionsfolgen.
Damit war das deutsche Monopolkapital in der Lage - aufgrund der.
im internationalen Maßstab niedrigen Löhne und des längeren Ar-
beitstages - mit höherer Profitrate zu produzieren als seine
hauptsächlichen Konkurrenten; aus diesem Grund strömte jetzt vor
allem amerikanisches Kapital nach Deutschland.
Die in dieser Phase vor allem gegebene Gefahr der Spaltung des
Proletariats durch die Bourgeoisie in Arbeitende und Arbeitslose;
in qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter; durch Vergrößerung
der Lohndifferenzen; durch Erhöhung des Konkurrenzdrucks im Ak-
kordsystem etc. ist nicht allein eine nationale Erscheinung, son-
dern findet ebenso im internationalen Maßstab Anwendung: so
stellte das englische, französische usw. Monopolkapital 'seine'
Arbeiter unter dem Gesichtspunkt des Verlustes der Konkurrenzfä-
higkeit gegenüber den deutschen Monopolen vor die Alternative,
entweder ebensolche Verschärfung der Ausbeutung hinzunehmen, oder
Entlassungen und Betriebsstillegungen, d.h. das deutsche gegen
das Proletariat anderer Länder auszuspielen und so das Proleta-
riat international zu spalten. 55)
Deutschland zahlte von 1924-1929 rund 9 Mrd. Reichsmark Repara-
tionen. Zur gleichen Zeit flössen ca. 10-15 Mrd. Reichsmark an
langfristigen, hauptsächlich amerikanischen Krediten und ca. 7
Mrd. RM kurzfristige Anleihen ausländischen Kapitals ins Deutsche
Reich, wodurch Kapazitätserweiterungen und die Wiedererringung
der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt ermöglicht wurden. 56)
1927 übertraf die Industrieproduktion die vor 1914. Der deutsche
Anteil an der Weltindustrieproduktion erhöhte sich von 8% 1923
auf 12% 1928; der Warenexport lag 1927 um 7% über dem der Vor-
kriegszeit. 57)
Die internationale Verflechtung des deutschen Monopolkapitals ist
in dieser Periode gekennzeichnet durch das Aufkaufen (Opel) bzw.
der Beteiligung (AEG, Dynamit AG, Nordd. Lloyd) amerikanischer
Monopole an deutschen Betrieben.
Der Konzentrations- und Zentralisationsprozeß wird markiert durch
die Bildung der Trusts der IG-Farben und der Vereinigten Stahl-
werke; der Stinnes Konzern bricht 1925 auseinander. Ende Oktober
1927, vor Beginn der Krise, waren von 12 000 AG 2 100 mit 63%
des gesamten deutschen Aktienkapitals zu Konzernen zusammenge-
schlossen. 58)
Wurde oben über die Periode 1918-23 versucht, staatliche Ein-
griffe in den Wirtschaftssektor im Interesse der zwei Hauptfrak-
tionen der Bourgeoisie bzw. deren Kampf um den Staatsapparat zur
Durchsetzung ihrer Sonderinteressen zu untersuchen, soll nun für
die Periode 1924-28 dasselbe bzgl. der Ausdehnung des staatlichen
Wirtschaftssektors in seiner Bedeutung für das Monopolkapital un-
ternommen werden.
In der Periode relativer Stabilisierung, in der das deutsche Mo-
nopolkapital vor allem seine Weltmachtstellung zurückerobert,
kommt es zu einem 'zeitweiligen Interessenausgleich' zwischen den
wichtigsten Monopolgruppen. Wiewohl dieser Widerspruch im Zeit-
raum 24-28 wenig untersucht ist, ist soviel festzuhalten, daß es
der Chemie-Elektro-Gruppe gelang, nicht nur den Vorstand des
"Reichsverbandes der deutschen Industrie" Ende 1925 mit Duisberg
(IG-Farben) zu besetzen, sondern zunehmend auch - vor allem mit
Krisenbeginn - weitere wichtige Positionen im Staatsapparat. So
waren 1928 17 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der IG-Far-
ben höhere Staatsbeamte und Parlamentsmitglieder; Moldenhauer
(IG-F) war Finanzminister der Regierung Hermann Müller, ebenso
Dietrich (IG-F), und im 1. Kabinett Brüning; IG 'Farben-Warmbold'
war Wirtschaftsminister dreier Kabinette von Oktober bis Januar
1933. 59)
Wie sich diese Fraktion auf die stabilisierten Verhältnisse ein-
stellte, zeigte Duisberg Ende November 1920 vor der von ihm ge-
gründeten "Staatspolitischen Vereinigung":
"In der Behandlung wichtiger wirtschaftlicher Fragen muß eine Än-
derung eintreten. Wie man es machen muß, das kann man in Amerika
sehen. Die ganze Politik dort wird von einem Gremium von Wirt-
schaftlern gemacht. Wenn größere Fragen zur Entscheidung stehen,
dann treten sie zusammen, sprechen diese durch und setzen Richt-
linien fest, nach denen wird dann gearbeitet. Aber wie soll man
es in Deutschland machen? Alle diese Dinge werden im Reichstag
entschieden. Darum können und müssen wir auf die Parteipolitik
einwirken... Nur durch planmäßige Beeinflussung lassen sich alle
Schwierigkeiten überwinden." 60)
Praktiziert wurde diese Taktik nicht nur wie oben aufgezählt,
sondern hauptsächlich durch Einrichtung eines "geheimen politi-
schen Kabinetts, das Duisburg und Bosch direkt unterstand" 61)
und die Verbindung zu allen politischen Parteien sicherte, also
sich die Personalunion von Monopolkapital und Staatsbürokratie
gar nicht als unbedingt notwendig erwies. Diese Entwicklung, die
sich schon im Weltkrieg als institutionelle Verflechtung von Mo-
nopolkapital und Staatsapparat in Form der diversen Rohstoffge-
sellschaften oder Kriegsausschüsse herausbildete - in denen sich
dann der Kampf der jeweiligen Monopole um den höchsten Profit ab-
spielte -, scheint sich 1924-28 fortgesetzt zu haben in Gestalt
der 8 Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft. 62) Die andersge-
artete, nämlich - wie oben geschildert - die die Personalunion
anstrebende Politik der Monopole von 1918-23 (Stinnes, Rathenau
usf.) scheint die These zu bestätigen, daß "die Personalunion ...
offensichtlich nur dann und dort eine Rolle (spielt), wenn und wo
der Profit am gefährdetsten war, sei es akut oder potentiell."
63)
Der Krieg war ein relativ ungefährdetes Geschäft, desgleichen die
Periode 24-28, in der der Staatsapparat verstärkt im Gesamtinter-
esse des Monopolkapitals Maßnahmen zur Profitsicherung ergreift.
Während es also den beiden wichtigsten Fraktionen der Bourgeoisie
in dieser Periode des 'Waffenstillstandes' um die Stabilisierung
der politischen Verhältnisse ging - nicht zuletzt unter den Be-
dingungen, unter denen das amerikanische Finanzkapital in beiden
Monopolgruppen investierte - bildete sich in der Schwerindustrie
eine Fraktion unter dem Hugenberg-Flügel der DNVP heraus, der
sich aus den reaktionärsten Vertretern im Monopolkapital zusam-
mensetzte, kristallisiert seit 1891 im "Alldeutschen Verband".
Diese Fraktion schloß 1931 mit der NSDAP die "Harzburger Front"
64) und erhob in ihren Hochburgen Rheinland und Westfalen über
das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat ab 1931 eine Umlage von
5 Rpfg pro verkaufter Tonne Kohle zur Füllung der Parteikasse der
NSDAP. 65)
Die wichtigste und in dieser Periode charakteristischste Erschei-
nung des monopolkapitalistischen Staates ist die Ausdehnung des
staatlichen Wirtschaftssektors und die wachsende Rolle des
Staatshaushaltes im Verwertungsinteresse des Kapitals.
"Diese Tatsache ist in Zusammenhang zu bringen mit der Investiti-
onspolitik der Konzerne und des Staates. Die gemeinsame Politik
der Konzerne und der Ministerialbürokratie soll die langfristige
Rationalisierung der Industrien ermöglichen , wobei das wirt-
schaftliche und erst recht das politische Risiko der monopolkapi-
talistische Staat übernahm... Staatliche Eingriffe in den Wirt-
schaftsprozeß sollen die Monopolprofite sichern und Überprodukti-
onskrisen abhalten." 66)
Das Anwachsen der staatlichen Eingriffe in den Wirtschaftssektor
seit etwa den 70/80er Jahren und das Anwachsen des staatlichen
Industrie- und Bankkapitals ist deutlich zu verfolgen; ebenso
aber, daß dieses Anwachsen nicht kontinuierlich verlief, sondern
die Widersprüche im deutschen Monopolkapital zum Teil erheblich
verstärkte:
- war es während des Krieges innerhalb der direkten Verschmelzung
von Monopolkapital und Staat(sapparat) bzgl. des gemeinsamen Be-
sitzes von Unternehmen zu solchen "fast ausschließlich auf dem
Gebiet der Aluminium- und Stickstoffindustrie sowie in der Elek-
trizitätsversorgung (gekommen), soweit diese für die gesamten In-
dustriezweige gesichert werden sollte"; 67)
- war es nach 1918 dem Monopolkapital, hauptsächlich der Chemie-
Elektro-Gruppe im Verein mit Sozialdemokratie und Gewerkschaften
gelungen, mithilfe des Staatsapparates unter der Fahne des
'neutralen Staates' und dem Mäntelchen der
'gemeinwirtschaftlichen Selbstverwaltung', nicht nur "die ge-
fürchtete Sozialisierungswelle ... in andere Kanäle" zu leiten
"und (ihren) scheinbar umstürzlerischen Charakter in ruhigere
Bahnen" zu lenken, 68) sondern überdies die staatliche Ausdehnung
auf dem Wirtschaftssektor in Form der 'Sozialisierungen' auf dem
Energie- und Transportsektor ganz im Profitinteresse des Monopol-
kapitals durchzuführen;
- waren es in derselben Periode die Monopole der Schwerindustrie,
die gleichzeitig solche Unternehmungen und alle weiteren
'illusionären' Pläne sozialdemokratischer Ideologen als
"Verwirklichung des Kommunismus" bekämpften; 69)
so tritt offiziell in der Periode der relativen Stabilisierung
das deutsche Monopolkapital geschlossen gegen jedes weitere
"Eindringen der öffentlichen Hand in das private Erwerbsleben"
auf. 70)
In Wahrheit bedeutete dies nur, daß das Monopolkapital darauf
drängte, die Reste der Errungenschaften der Arbeiterklasse im Ge-
folge des verlorenen Krieges unter den Bedingungen der ökonomi-
schen Erfordernisse nach der Währungs- und Finanzreform mithilfe
des Staates abzuschaffen; die gesamte, die Entwicklung des Kapi-
tals tangierende staatliche Gesetzgebung im Sinne der "freien
Wirtschaft" zu revidieren; das hieß, der Staat muß "sich vor al-
lem davor hüten, in organische Prozesse der Wirtschaft Eingriffe
zu versuchen", umgekehrt müsse er aber erkennen, "daß die Pflege
der Wirtschaftsinteressen eine der wichtigsten Aufgaben des Staa-
tes heute ist." 71)
Unter "Pflege der Wirtschaftsinteressen" verstand das Monopolka-
pital in dieser Periode Förderung des Konzentrations- und Zentra-
lisationsprozesses durch Übernahme des Risikos für (vor allem
langfristige) Investitionen u.a. durch Staatsbeteiligung im Rah-
men der Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors; staatliche
Garantien für ausländische Kredite und Investitionen; staatliche
Subventionen; entsprechende Steuergesetzgebung, 72) 'Sozialpoli-
tik' und Ermöglichung der Erhöhung der Ausbeutungsrate bei
gleichzeitiger Garantie der Niederhaltung der Arbeiterklasse,
d.h. des 'sozialen Friedens'.
Unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft, verstärkt nach
Kriegsende, drängte die vor allem auf elektrische Energie ange-
wiesene Stickstoff-, Aluminium- und chemische Industrie auf Über-
nahme der noch überwiegend privaten (z.B. AEG) E-Werke durch den
Staat, da sich das Profitinteresse der E-Industrie störend auf
die Produktionskosten der von ihr abhängigen Industrien aus-
wirkte, bzw. umgekehrt sich die Produktionskosten der E-Industrie
nicht mehr (vor allem während des Krieges) mit der erreichbaren
Profitrate in Einklang bringen ließen. Kurz: "Die AEG hatte einen
Vertrag (mit der Industrie) abgeschlossen, der ihr nicht genug
einbrachte. Also verlangte sie aus ihm entlassen zu werden und
verkaufte das Werk an das Reich." 73)
Kuczynski weist auf eine weitere Variante bzgl. Verstaatlichung
bzw. Reprivatisierung hin: "Immer, wenn die äußerste)? d. Verf.
Reaktion sich öffentliche Betriebe zuschanzen will, mit denen sie
glaubt, ihre Profite steigern zu können, weist sie auf die
'Unrentabilität' solcher Betriebe hin. Umgekehrt, wenn sie
glaubt, daß private Betriebe zu rentabel sind bzw. ihre Profite
sie stören, verlangt man ihre Verstaatlichung. Dabei wechseln die
Auffassungen im Laufe der Zeit." 74) Hierfür sind am sprichwört-
lichsten die Verstaatlichung der Eisenbahnen und die temporären
Versuche, sie zu reprivatisieren (Stinnes).
Der Staat tritt aber nicht nur als Agent des Monopolkapitals auf,
sondern - wie schon oben auf anderer Ebene ausgeführt - ebenso
als Förderer des spezifischen Interesses von Monopolgruppen und
zugleich als profitinteressierter Teil eines bestimmten Monopols.
Gemeint sind die 'Mischformen' innerhalb des staatlichen Wirt-
schaftssektors. Z.B. war es im Stickstoffsyndikat (reichseigene
VIAG und 'private' Monopole) das vereinte Ziel, durch Produkti-
ons- und Preisabsprachen sowie gemeinsamen Absatz über die Be-
herrschung des Inlandmarktes Monopolprofite zu erreichen. Man zö-
gerte auch nicht, sich - nachdem die IG-Farben den Weltmarkt zu-
sammen mit internationalen Konkurrenten aufgeteilt hatte - von
den IG-Farben in das internationale Kartell eingliedern zu las-
sen. Kuczynski zieht daraus den Schluß, daß "staatliche Betriebe,
die einem Monopol angehören, ... von den 'privaten Betrieben' in-
nerhalb dieses Monopols nicht zu unterscheiden (sind), und bei
internationalen Verhandlungen ... die Vertreter des Staats- und
der privaten Betriebe auswechselbar (sind)." 75) Diese
'Mischform' "der staatlichen Beteiligung wirkte sich für das Mo-
nopolkapital günstig aus. Der Staat ... sah sich zum Bau oder
Ausbau der notwendigen Produktionskapazitäten gezwungen. Das Ri-
siko lag nicht nur bei hoher, sondern auch bei niedriger Kapital-
beteiligung des Reiches, die dafür mit hohen Darlehen verbunden
war, zu großen Teilen beim Staat. Jedoch sicherte die Aktienver-
teilung den mitbeteiligten Monopolen stets die Kommandogewalt
über diese Unternehmen durch Aktienmajorität." 76)
3. Zusammenfassung
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Die Politik der Bourgeoisie bzw. ihrer Fraktionen ist der konzen-
trierte Ausdruck ihrer bzw. ihrer jeweiligen Ökonomie. Entschei-
dend für die Analyse der ökonomischen und politischen Stabilisie-
rung der Herrschaft der Bourgeoisie nach 1918/19 ist, ihren Ur-
sprung bloßzulegen in Kriegswirtschaft, Arbeitsgemeinschaftspoli-
tik und der gewandelten Rolle des Staates. Es wurde gezeigt, daß
in der Inflationsperiode das ökonomische und damit politische
Schwergewicht bei den Monopolgruppen lag, die mit der höchsten
Profitrate produzierten, d.h. bei der Schwerindustrie, die die
meisten Arbeitskräfte beschäftigen konnte, "ohne daß deswegen das
konstante Kapital vermehrt zu werden brauchte. Es dauerte aber
Jahre, bis diese Gruppen den Staatsapparat unmittelbar in die
Hände bekamen, und als das geschah, d.h. im wesentlichen erst
1924, war die Grundlage dieser Machtposition durch Stabilisierung
und Dawes-Pakt-Annahme bereits im Verschwinden.
Einige schwerindustrielle Konzerne wurden ganz oder teilweise li-
quidiert." 77) Ausschlaggebend für die Periode ab 1924, in der
"die Zusammensetzung des Reichskabinetts ... tatsächlich im all-
gemeinen den Machtverhältnissen der deutschen Bourgeoisie ent-
spricht..." ist die Übereinstimmung und weitgehende Zusammenar-
beit in den entscheidenden Fragen zwischen den Fraktionen der
Bourgeoisie, den Spitzenverbänden der Industrie, der Reichsregie-
rung etc. 78)
Die hauptsächliche Entwicklungstendenz der Verschärfung der Wi-
dersprüche im nationalen und internationalen Maßstab hinsichtlich
Deutschlands basiert auf dem Zwang zur Wiedererringung der Kon-
kurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt und damit zum Wiedererstarken
des deutschen Imperialismus. "Mit verstärkter internationaler
Konkurrenz auf dem Weltmarkt muß aber eine verstärkte Fortsetzung
des Rationalisierungsprozesses, d.h. auch der Freisetzung von Ar-
beitskräften, stattfinden", 79) denn im Gegensatz zu seinen impe-
rialistischen Konkurrenten kann sich das deutsche Monopolkapital
im Ergebnis des Krieges nicht mehr auf koloniale Extraprofite
stützen. Von hier vor allem erhält der ab 1926 wieder einsetzende
deutsche Kapitalexport seine ökonomische Bedeutung. 80) Der deut-
sche Imperialismus erhält damit "nach außen eine lebensfähige Ba-
sis, die zu weiteren Machtverstärkungen anderer Art (z.B. auf mi-
litärischem Gebiet) führen muß"; für die Arbeiterklasse bedeutet
dies "eine weitere Stärkung der deutschen Bourgeoisie." 81) Auf-
gabe dieses Teils war es, einen Überblick über Grad und Charakter
dieser "Stärke" der deutschen Bourgeoisie zu geben. Es wird so
möglich, zu Aussagen darüber zu kommen, inwiefern die Analysen
der Kommunistischen Internationale und der KPD das Kräftever-
hältnis vor allem zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse richtig
bestimmten: darüberhinaus die ökonomischen und politischen
Entwicklungstendenzen des deutschen Kapitalismus.
III Die Analysen der Kommunistischen Internationale
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über Deutschland von 1921 bis 1925 82)
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1. Vom 3. Weltkongreß 1921 bis zum 5. Weltkongreß 1924
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Der 3. Kongreß der KI sah sich 1921 gezwungen, eine umfassende
Analyse der Weltlage zu leisten, nachdem sich für die Revolution
in den westlichen Ländern Lenins Einschätzung von 1918 zu bewahr-
heiten schien. Lenin formulierte den Gegensatz zwischen Beseiti-
gung der Herrschaft der Bourgeoisie in Rußland und in Westeuropa
in der Diskussion um den Brester Vertrag folgendermaßen:
"Ein rückständiges Land kann leicht den Anfang machen, weil sein
Feind zersetzt, weil seine Bourgeoisie unorganisiert ist, um aber
das Werk fortzusetzen, braucht man hunderttausendmal mehr Um-
sicht, Vorsicht und Ausdauer. In Westeuropa wird das anders sein,
dort ist es unermeßlich viel schwieriger, den Anfang zu machen,
dort ist es unermeßlich viel leichter, weiter voranzukommen. Das
kann auch nicht anders sein, weil dort das Proletariat unermeß-
lich viel organisierter und geschlossener ist." 83)
Varga, der zusammen mit Trotzki das Referat über die Weltlage auf
dem 3. Kongreß übernommen hatte, ging in seiner die Diskussion
vorbereitenden Broschüre "Die Krise der kapitalistischen Welt-
wirtschaft" von der Fragestellung aus, ob die Nachkriegskrise
"eine ebenso vorübergehende Erscheinung" wie "alle bisherigen
Krisen" sei, oder ob sie aber "einen entscheidenden Schritt zur
vollständigen Zersetzung der kapitalistischen Gesellschaftsord-
nung" bedeute. 84)
Diese Fragestellung kennzeichnet sämtliche Diskussionen über die
Nachkriegssituation der imperialistischen Länder und die Taktik
der kommunistischen Parteien bis zum Frühjahr 1925.
Varga kommt in der Abwägung der Konsolidierungs- und Verfallser-
scheinungen des europäischen Kapitalismus zum Ergebnis, "daß der
europäische Kapitalismus sich nicht nur nicht konsolidiert hat,
sondern daß der Verfall weitergeht." 85) Varga kommt zu diesem
Ergebnis
- aufgrund der Unterschätzung der Bedeutung der sozialen Stabili-
sierung der Herrschaft der Bourgeoisie, deren Bestehen er zwar
als wichtig für die Analyse betont, 86) sie aber nicht in Zusam-
menhang bringt mit der Rolle und Bedeutung der reformistischen
Arbeiterorganisationen, im Gegenteil angesichts der Kämpfe der
Arbeiterklasse die ' Unabhängigkeit der Massen von diesen Organi-
sationen überbewertet: "Der Glaube an die Unerschütterlichkeit
der kapitalistischen Weltordnung ist aus der Seele der Massen
entwichen. Das ist das Wichtigste." 87)
- aufgrund der falschen Einschätzung der Bedeutung der Inflation
88) für die Reproduktion des fixen Kapitals; als Schwäche des Ka-
pitals wird interpretiert, was ein Ausdruck ihrer Stärke ist; in
engem Zusammenhang damit die Verkennung der. Bedeutung der in der
Inflationsperiode vorgenommenen Zentralisation als Mittel zur
Herabsetzung der Produktionskosten 89), d.h. Verminderung der to-
ten Kosten der Zirkulationssphäre;
- aufgrund der falschen Einschätzung der Rolle des US-Kapitals
für die ökonomische Stabilisierung des europäischen Kapitals:
"Die fortwährenden Revolutionen haben Europa in den Augen der
amerikanischen Kapitalisten diskreditiert! Sie wollen von Europa
nichts mehr wissen!" 90)
- aufgrund der falschen Einschätzung der Widersprüche zwischen
den einzelnen imperialistischen Ländern (vor allem USA und Eng-
land); 91)
- aufgrund der allgemeinen Überschätzung des subjektiven Faktors,
d.h. der nach vier Jahren Krieg und fortschreitender absoluter
Verelendung möglichen Widerstandskraft, Widerstandsfähigkeit und
-bereitschaft der Arbeiterklasse. 92)
Trotzki präzisierte Varga in der Frage der Einschätzung der Lage
gegenüber der von 1919: die Entwicklung führe entgegen der sozi-
aldemokratischen Behauptung der "Konsolidierung" des Kapitalismus
aufgrund der "tiefen ökonomischen Depression" nach wie vor "zur
Revolution". 93) Im Gegensatz zu 1919, als die Revolution eine
"Frage von Monaten" schien, sei sie es nun eine "vielleicht von
Jahren", 94) denn "abstrakt theoretisch" sei die "Herstellung des
kapitalistischen Gleichgewichts" möglich. 95)
Diese schüchternen Versuche, die objektiven Tendenzen der Ent-
wicklung in den kapitalistischen Ländern auf dem 3. Kongreß aus-
zusprechen, d h. das Ende der unmittelbar im Gefolge des Krieges
revolutionären Situation, sind zurückzuführen auf das vor allem
von der deutschen Delegation ausgehende Beharren auf der Betonung
des "revolutionären Gehalts der Kriegsperiode" und des
"krisenhaften Charakters", was von Trotzki ebenso wie die
"Verschärfung des imperialistischen Konflikts" "nicht scharf ge-
nug hervorgehoben" worden sei. 96) Folglich wurden die Thesen an
die Kommission zurückverwiesen, wo sie eine "Verschärfung" bzgl.
der Betonung des revolutionären Charakters der gegenwärtigen Si-
tuation erfuhren. Darüber Varga rückblickend 1925: "Vielleicht
darf ich darauf hinweisen, daß manche von jenen Genossen
(Thalheimer, Frölich u.a.; d. Verf.), die z.B. am 3. Kongreß mit
aller Gewalt darauf gedrungen haben, die Perspektive zu verschär-
fen, den Zusammenbruch des Kapitalismus auf einen näheren Termin
vorauszusagen, heute auf dem äußersten rechten Flügel stehen..."
97)
Die Thesen über die Weltlage und über die Taktik spiegeln die
Diskrepanz zwischen der Analyse der objektiven Situation - die in
den Thesen über die Weltlage gegenüber Vargas Analyse und Trotz-
kis Rede bzgl. Stabilisierung der Herrschaft der Bourgeoisie ein-
deutiger formuliert ist - und der Einschätzung der Entwicklungs-
tendenzen wider: 98) Die 'Betonung' der objektiv revolutionären
Situation als Mittel, um das aktuelle Ende der unmittelbar revo-
lutionären Situation nicht eindeutig aussprechen zu müssen, er-
weist sich für die Taktik der kommunistischen Parteien auf dem 3.
Kongreß im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Offensivstrategie
als verhängnisvolles 'taktisches' Zugeständnis," die objektiv re-
volutionäre Situation 1921 zu betonen, die sich objektiv ein-
stellt mit der Erreichung der Entwicklungsstufe des Kapitalismus,
in der die kapitalistischen Produktionsverhältnisse zur Fessel
der Entwicklung der Produktivkräfte werden und im Proletariat als
der größten Produktivkraft dem Kapital sein eigener Totengräber
erwächst, ist ein Gemeinplatz.
Dieser Hang, sich in die eigene Tasche zu lügen, wurde analog der
sich immer deutlicher abzeichnenden Stabilisierung der Herrschaft
der Bourgeoisie immer höher kultiviert: So wurde in der den 4.
Weltkongreß vorbereitenden Konferenz der Erweiterten Exekutive
Anfang 1922 die kapitalistische Wirtschaft auf der "absteigenden
Bahn ihrer Entwicklung" gesehen, die "ihrem Ende entgegengeht".
99)
Der 4. Weltkongreß der die Einschätzung des 3. Kongresses bestä-
tigte, stellte fest: "Die Lage bleibt objektiv revolutionär und
selbst der geringste Anlaß kann heute der Ausgangspunkt großer
revolutionärer Kämpfe werden." 100) Radek gibt in seiner zentra-
len Rede einerseits richtig an, daß "....die Offensive des Kapi-
tals nicht eine vorübergehende Ausnutzung der Schwäche der Arbei-
terklasse, sondern ein weitzügiger Plan für ein Jahrzehnt" ist
101) und "die Eroberung der Macht als momentane aktuelle Aufgabe
nicht auf der Tagesordnung" steht. 102) Auf der anderen Seite
steht die reine Phrase: "Die Taktik der Kommunistischen Interna-
tionale muß zugeschnitten sein auf die nächste Zeit, obwohl ihre
Perspektiven die ganze Epoche umfassen. Unsere Perspektive ist
nicht nur die alte geblieben, sondern je länger die Epoche der
kapitalistischen Offensive dauert, desto mehr zeigt sich die
Bourgeoisie unfähig, ihre Macht zu befestigen; und nicht als agi-
tatorische Tirade, sondern als tiefe theoretische Überzeugung,
ist unsere Ansicht, daß es für sie keinen Ausweg gibt." 103)
Der 5. Weltkongreß im Sommer 1924 machte es sich zur Aufgabe,
nachdem auf dem 3. Kongreß zum letztenmal Thesen zur Weltwirt-
schaftslage formuliert worden waren, diese auf ihre künftige
Richtigkeit hin zu überprüfen. Die Vorarbeit dazu leistete Varga
in "Aufstieg oder Niedergang des Kapitalismus". Varga kommt zu
dem Ergebnis, daß "die akute soziale Krise des Kapitalismus, die
instinktive, unorganisierte Rebellion der Arbeiterklasse bei
Kriegsschluß gegen die kapitalistische Gesellschaft... im großen
und ganzen als überwunden" erscheint; "die ökonomische Krise des
Kapitalismus ... sich gemildert" hat, "aber nicht überwunden"
ist; 104) "die unmittelbare Zukunft" ist von einer alsbald zu
erwartenden Krise in Europa gekennzeichnet". 105)
Der Sinn solcher globaler Einschätzungen der Entwicklungstenden-
zen der kapitalistischen Weltwirtschaft ist in seiner Bedeutung
für die Taktik der kommunistischen Parteien, die sich vor allem
vor das Problem der richtigen Bestimmung der Tagesforderungen und
deren Lösung gestellt sehen, äußerst fragwürdig. Zumindest sind
aber einige Thesen Vargas in ihrer Bedeutung für die
"unmittelbare Zukunft" einfach falsch. 106) Es nimmt also nicht
Wunder, wenn sich Vargas Einschätzungen über die "Aussichten der
Revolution" eher wie ein Wetterbericht lesen: "Die gegenwärtige
Lage des Kapitalismus birgt ... in Europa gute Möglichkeiten ei-
ner erfolgriechen Revolution", 107) "erst im Jahre 1924 zeigen
sich die ersten Zeichen einer neuen revolutionären Welle". 108)
Varga sieht in seiner Rede vor dem 5. Kongreß die Thesen des 3.
Kongresses in ihrer ursprünglichen, nichtradikalisierten Form
durch die Entwicklung seit 1921 bestätigt, d.h. bzgl. der Progno-
stizierung der tendenziellen Überwindung der Nachkriegskrise.
109) Bei Sinowjew liest sich das schon etwas anders: "Es besteht
für uns absolut kein Anlaß, auf diesem Gebiet die Auffassungen
der KI zu ändern, wie sie in den Resolutionen des 3. und 4. Kon-
gresses niedergelegt sind". 110) Und er verhilft der Phrase zu
ihrem Recht, wenn er sagt, die "Periode der Krise, des Nieder-
gangs, des Untergangs des Kapitalismus hält an ... Auf politi-
schem (!) Gebiet ist sie noch krasser als auf ökonomischem, weil
das politische Gebiet empfindlicher (!) ist als das ökonomische."
111) Varga macht offenkundig 'Zugeständnisse' und erklärt gleich-
falls, "daß die Krisenperiode unvermindert anhält und wahrschein-
lich in diesem Jahre schon, im Jahre 1924, besonders scharfe For-
men annehmen wird"; 112) daß die Möglichkeit gegeben ist, "in
verschiedenen Ländern durch gut geführte revolutionäre Aktionen
Erfolge und vielleicht endgültige Erfolge zu erzwingen." 113)
Hinsichtlich Deutschlands gibt Varga wieder unzutreffende Analy-
sen in entscheidenden Fragen der Entwicklungstendenzen des deut-
schen Monopolkapitals. Aus der Überproduktionskrise in den USA,
der dadurch notwendigen "Exportoffensive", leitet er Rückschläge
für die Konjunktur in Europa ab, die sich in Deutschland unter
dem Eindruck des Kredit-und Kapitalmangels verschärften. 114) Im
Gegensatz dazu war die US-"Exportoffensive" eine Kapitalexportof-
fensive, die den deutschen Geldmangel beseitigte und dem deut-
schen Monopolkapital die organisatorische und dann technische Ra-
tionalisierung ermöglichte und so zur Wiedererringung seiner
Stellung auf dem Weltmarkt verhalf; dies steht auch im Gegensatz
zu Vargas Annahme der Konkurrenzunfähigkeit der deutschen Mono-
pole auf dem Weltmarkt. In diesem Zusammenhang wird seine Analyse
der Bedeutung der Lösung der Reparationsfrage natürlich auch
falsch und begründet damit, daß er Deutschland perspektivisch
sich zum "Kolonialland neuen Typs für die Ententebourgeoisie"
entwickeln sieht, 115) dem "Schwanzimperialismus" Maslowscher
Provenienz.
Aus der falschen Einschätzung der Reparationsfrage resultiert der
Irrtum bzgl. des aufnahmeunfähigen Inlandsmarktes 116) u.a. auf-
grund des niedergedrückten Standards der deutschen Arbeiter-
klasse. Diese These allein abgeleitet vom Anwachsen der Arbeits-
losenzahl wird falsch, wenn sie nicht in Zusammenhang gebracht
wird mit dem Ansteigen des Standards der Beschäftigten gegenüber
der Inflationsperiode aufgrund relativer Lohnerhöhungen,
'Sozialleistungen' etc., die 'möglich' wurden aufgrund der
Rationalisierungen, der Arbeitstagsverlängerung, d.h. das Kapital
produzierte mit hoher Profitrate, 'konnte sich also Lohnerhöhun-
gen leisten'. 117) U.a. diese Instrumente zur Spaltung und Beste-
chung eines Teils der Arbeiterklasse, die Negierung ihrer Bedeu-
tung für die Taktik, erweisen Sinowjews und Vargas Prophezeiungen
"besonders scharfer Formen" der Klassenkämpfe als Beschwörungs-
formeln. - Die ganze Widersprüchlichkeit der KI-Analyse drückt
sich aus einerseits in der vorsichtigen Erwähnung der stattfin-
denden Stabilisierung des Kapitalismus 118) gegen die 'linke'
Stimmung auf dem Kongreß, vor allem (wieder) in der deutschen De-
legation, 119) andererseits in der Unfähigkeit, die Bedingungen
und Möglichkeiten revolutionärer Kämpfe in Zusammenhang zu brin-
gen mit der konkreten Analyse des Kräfteverhältnisses der Klas-
sen, d.h. den Satz "aber sozial, machtpolitisch hat sich der Ka-
pitalismus trotzdem, trotz der Verschärfung der Klassengegensätze
gefestigt" zum Mittelpunkt der Analyse und Diskussion zu machen
und nicht zur Marginalie im Schlußwort. 120)
2. Die Einschätzung der "relativen Stabilisierung"
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auf dem V. EKKI-Plenum und die Analyse Bucharins
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Im Herbst 1924 hatte die KPD praktisch die Verbindung mit der Ar-
beiterklasse verloren sowie über die Hälfte ihrer Mitglieder.
121) Diese Tatsache kennzeichnete nicht nur die deutsche Situa-
tion. Aufgrund dessen bemühte sich das EKKI-Plenum im Frühjahr
1925 um eine realistische Analyse der internationalen politischen
und wirtschaftlichen Lage, gegen "Illusionen von Ultralinks",
122) also die Zusammenbruchstheoretiker, wie gegen die
"Stabilisierungsanbeter". 123) Sinowjew, der das grundsätzliche
Referat hielt, räumt ein, daß die KI zu lange gezögert hatte, die
sich seit Ende 1923 124) abzeichnende Stabilisierung des Kapita-
lismus, die Rekonstruierung der kapitalistischen Weltwirtschaft
als Ende der akutrevolutionären Situation vor allem in Deutsch-
land anzuerkennen: "Heute sehen wir, daß die Atempause für die
Bourgeoisie länger anhält, als wir dachten..."; 125) "wir brau-
chen das Bestehen einer gewissen Stabilisierung des Kapitalismus
weder zu verschweigen noch zu vertuschen". 126)
Sinowjew wendet sich gleichzeitig mit der Betonung der Fortdauer
der "objektiv revolutionären Weltlage" 127) im Ergebnis der rus-
sischen Revolution und des Weltkrieges gegen die inhaltlich von
den Sozialdemokraten aufgestellte Theorie des "organisierten Ka-
pitalismus", d.h. der Aufhebung der Widersprüche im Kapitalismus,
der Aufhebung des Klassenkampfes aufgrund der fortschreitenden
Vergesellschaftung der Produktion und des Konzentrations- und
Zentralisationsprozesses in Richtung 'friedliches Hineinwachsen
in den Staatssozialismus' in Form des "Generalkartells". 128)
Daß die Stabilisierung des Kapitalismus "ernsten Schwankungen un-
terworfen ist" 129), leitet Sinowjew richtig vor allem aus den
Arbeitslosenheeren, der Entwicklung der Widersprüche unter den
imperialistischen Ländern aufgrund des Dawes-Planes und der revo-
lutionären Bewegungen in den Ländern der 3. Welt ab. Die Kl habe
ihre Taktik deswegen "sowohl auf ein langsames, schleppendes als
auch ein schnelleres Tempo der Entwicklung des Klassenkampfes
einzustellen." 130)
Varga, der nach 1923 nahezu einzige, der in der Kl für Analysen
über die kapitalistische Ökonomie kompetent war, differenziert im
Gegensatz zu Sinowjew zwar zwischen ökonomischer und sozialer
Stabilisierung, geht aber dann auch nicht auf den Charakter, die
politische Erscheinung der Stabilisierung der Herrschaft der
Bourgeoisie genauer ein. 131) Varga warnt davor, in den alten
Fehler nur mit anderem Vorzeichen zu verfallen, nämlich nun die
Stabilisierung des Kapitalismus zu überschätzen, 132) aufgrund
der sozialen Stabilisierung die Analyse des spezifischen Charak-
ters der ökonomischen zu vernachlässigen. 133) Die ökonomische
Stabilisierung betreffe vor allem die Zirkulationssphäre, ent-
scheidend für Festigkeit und Dauer der Stabilisierung sei nicht
aber diese, sondern die Produktionssphäre, auf die dieser Grad
der Stabilisierung keinesfalls zutreffe. Die Krisenhaftigkeit der
hauptsächlichen kapitalistischen Länder beruhe auf dem "weit über
die Absatzmöglichkeiten hinaus" gewachsenen industriellen Produk-
tionsapparat. 134) Varga hat damit völlig richtig den Charakter
der zu erwartenden Krise angegeben: die Überproduktionskrisen be-
gleitet von Unterkonsumtionskrisen (Arbeitslosigkeit) Ende der
20er Jahre; die Verschärfung des Kampfes um die Stellung auf dem
Weltmarkt, die Verschärfung der Widersprüche zwischen den einzel-
nen imperialistischen Ländern. 135)
Von einer eindeutigen Auseinandersetzung mit den falschen Analy-
sen und der daraus resultierenden falschen (ultralinken) Taktik
der Kl vor dem 5. EKKI-Plenum, die für die in den einzelnen, vor
allem der deutschen KP, stattfindenden Diskussionen unbedingt
notwendig gewesen wäre, kann nicht gesprochen werden. Die richti-
gen Ansätze dazu in der Diskussion auf dem Plenum gingen ihrer
Bedeutung nach nicht in die "Resolution zum Bericht der Exeku-
tive" ein. Im Gegenteil, offensichtlich unter dem Trauma, eine
bruchlose Entwicklung der Arbeit der Kl konstruieren zu müssen,
wird festgestellt, "daß die Beschlüsse des 5. Weltkongresses der
Kommunistischen Internationale zur politischen und wirtschaftli-
chen Lage wie zur Taktik der kommunistischen Parteien sich als
vollkommen richtig erwiesen haben..." 136) Genau dazu paßt denn
auch die Wunschvorstellung anstelle des wirklichen Zustandes der
kommunistischen Parteien, die "ihren Einfluß auf die Arbeitermas-
sen und auf die Massen der Bauern (vertieft) und (erweitert) und
ihre Aktionsfähigkeit (gesteigert)" hätten. 137)
Die Analyse der kapitalistischen Wirtschaft und der Klassensitua-
tion in den kapitalistischen Gesellschaften durch die Komintern
lösten sich sehr bald von der Marxschen und Leninschen Untersu-
chungsmethode und leiteten die Revision des Marxismus ein, der
sich in der Gegenwart in der Theorie des staatsmonopolistischen
Kapitalismus ausdrückt. 138) Ein organisationssoziologischer Ver-
gleich der Stabilität des Monopolkapitalismus und der Stabilität
der Sowjetwirtschaft bildete die Grundlage für eine realpoliti-
sche Konstruktion einer Widerspruchskette, die weder die Tenden-
zen der kapitalistischen Produktion und erst recht nicht den In-
halt, Umfang und Zielrichtung der Klassenkämpfe aufdecken konnte.
Lenin war in seiner Imperialismustheorie der Marxschen Disposi-
tion gefolgt und hatte aus den Schranken der erweiterten Repro-
duktion des fixen Kapitals die Etappenbestimmung des Imperialis-
mus und der Klassenkämpfe angegeben, aus der die Taktik der pro-
letarischen Partei abgeleitet werden konnte. Die Tendenz der
fallenden Profitrate, die Tendenz der Konzentration und Zentrali-
sation der Produktion, die Tendenz der Intensivierung der Ausbeu-
tung der Arbeitskraft, die Tendenz der Militarisierung der Ge-
sellschaft, der politischen Reaktion, des Bürokratismus und Para-
sitismus zeigten die Richtung der Klassenkämpfe und damit die
Strategie der revolutionären Arbeiterpartei an. In der Komintern
wurde vom Standpunkt der sowjetischen Industrialisierung die Wi-
dersprüchlichkeit des Monopolkapitalismus scholastisch aufge-
zählt.
Bucharin, der zu diesem Zeitpunkt die Analysen anfertigte, kam
1926 zum gleichen Ergebnis wie 10 Jahre vorher; 139) das Wertge-
setz und die Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise
waren durch die staatskapitalistische Monopolwirtschaft aufgeho-
ben. Das Wachsen der Produktionsmittelindustrie ab 1919 und damit
die gesamte Stabilisierung des Kapitalismus wurde nach Bucharin
durch "außerwirtschaftliche Faktoren" erreicht. 140) Erst in
zweiter Linie beachtete er die Konkurrenz der monopolkapitalisti-
schen Gruppen, die zur Intensivierung der Ausbeutung und damit
zur Verschlechterung der Lage der Arbeiter führte. Die Entwick-
lung der Sowjetwirtschaft war jedoch der wichtigste Faktor, der
auf die Stabilität des Kapitalismus einwirkte: "Das ausgespro-
chene Relative, Labile, Partielle der kapitalistischen Stabili-
sierung wird uns noch klarer werden und noch stärker zutage tre-
ten, wenn wir einen Blick auf jene schwerwiegenden Faktoren wer-
fen, die offen und unmittelbar die kapitalistische Stabilisierung
untergraben und von wahrhaft welthistorischer Bedeutung sind. Es
handelt sich um den Aufbau der UdSSR, die große chinesische Revo-
lution und den Riesenstreik der englischen Kohlearbeiter." 141)
Bei der Gewichtung der Hauptfaktoren der Zersetzung des Kapita-
lismus trat die russische Frage in den Vordergrund, sie wurde zum
Haupthindernis oder "außerwirtschaftlichen" Hauptwiderspruch der
kapitalistischen Produktion; sie war "die wichtigste Frage der
internationalen Revolution" 142) "Darum stellt schon allein die
Existenz des Sowjetstaates für den Imperialismus eine tödliche
Gefahr dar. Darum können keine Erfolge des Imperialismus von
Dauer sein, solange der Sowjetstaat auf der Welt besteht und sich
entwickelt." 143) Der internationale Klassenkampf hatte sich in
erster Linie das Ziel zu setzen, "das Bollwerk der Revolution" zu
unterstützen. 144)
IV Die Analysen der KPD über Deutschland bis 1925
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1. Die Analysen auf dem 2. und 4. Parteitag 1919 und 1920
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Hervorzuheben ist - angesichts der Heftigkeit der Klassenkämpfe,
der Verfolgungen durch die Konterrevolution, der Illegalität, der
organisatorischen Schwäche -, daß die zutreffendsten Analysen der
ökonomischen Entwicklungstendenzen des deutschen Kapitalismus,
des Kräfteverhältnisses der Klassen und der Rolle des bürgerli-
chen Staates, der Moral der Arbeiterklasse und der Lage der Kom-
munistischen Partei von der KPD auf ihren ersten Parteitagen ge-
macht worden sind; 145) d.h. Analysen, die es verstanden, die
Einschätzung der objektiven Faktoren zu verbinden mit den Aufga-
ben und der Rolle der revolutionären Partei in den Klassenkämp-
fen; den Charakter und die Stärke der Klassenkämpfe zu bestimmen
ohne jede Phrasendrescherei und ohne Zugrundelegung von Wunsch-
vorstellungen über den Zusammenbruch des Kapitalismus und die
Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse: "Die Anschauung, als könne
man vermöge einer besonderen Organisationsform Massenbewegungen
erzeugen, daß die Revolution also eine Frage der Organisations-
form sei, wird als ein Rückfall in kleinbürgerliche Utopie abge-
lehnt." 146)
Der Zeitpunkt, zu dem die KPD den Boden des Marxismus verließ,
ist bestimmbar: Mit der 'Rettung der Republik' durch die vereinte
Arbeiterklasse vor der 'monarchistischen' Reaktion, der folgenden
Offensive des Kapitals gegen die Errungenschaften der Arbeiter-
klasse im Gefolge des Novemberumsturzes, der fortschreitenden
Verelendung des Proletariats, dem Ende der revolutionären Situa-
tion, erhob sich gegen die richtige Einschätzung dieser Änderung
der Situation und gegen ihre Konsequenz, die grundsätzlich rich-
tig angegebene Einheitsfrontpolitik, starker Widerstand - zwei-
fellos auch unter dem Eindruck der Vereinigung mit der linken USP
- vor allem seitens der Berliner und Hamburger Bezirksleitung
(Maslow, Fischer, Friesland), die sich nach dem Rücktritt der
Levi-Zentrale im Februar 1921 unter Brandler voll durchsetzten
und noch vor der Märzaktion mit der "Offensivtheorie", die auf
dem nahen Zusammenbruch des deutschen Kapitalismus gründete, 147)
den Bruch zwischen Proletariat und seiner Avantgardeorganisation
einleiteten.
"Statt der wirklichen Verhältnisse wird ihr der bloße Wille zum
Triebrad der Revolution." (Marx, Enthüllungen über den Kommuni-
stenprozeß zu Köln)
2. Die Analysen auf dem 2. (7.) Parteitag 1921
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und auf dem 3. (8.) Parteitag 1923
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Nachdem auf dem 3. Weltkongreß die vorsichtigen Versuche Trotzkis
und Vargas, von einer Stabilisierung des Kapitalismus
(insbesondere in Deutschland) als grundlegend für die Taktik der
kommunistischen Parteien auszugehen, hauptsächlich auf den Wider-
stand der deutschen Delegation gestoßen waren, 148) ist es nicht
verwunderlich, wenn sich in der Diskussion auf dem 2. (7.) Par-
teitag über die diesbezügliche Resolution des 3. Kongresses die
'linken' Tendenzen 149) durchsetzten, zumal der Parteitag auch
noch im Zeichen der Diskussion um die Einschätzung der Märzkämpfe
und des Ausschlusses Paul Levis verlief.
Von einer Bewältigung der Aufgabe, die Thesen des 3. Kongresses
durch die Analyse der deutschen Situation zu konkretisieren, kann
nicht gesprochen werden. Beiden Hauptreferaten, dem "Bericht über
den 3. Weltkongreß" 150) wie den "nächsten Aufgaben der Partei"
151) ist gemeinsam, verbal die Thesen des 3. Kongresses - den
verhängnisvollen Kompromiß zwischen den Offensiv- und Zusammen-
bruchstheoretikern und den 'Rechten' - zu vertreten, 152) in ih-
rer Präzisierung bzgl. der deutschen Situation aber nach wie vor
den Zusammenbruch des Kapitalismus, die Stabilisierungstendenzen
also so wenig wie möglich zugrundezulegen. Genauer: Von einer
selbständigen Analyse der deutschen Situation ist nicht zu spre-
chen. An dem Referat Trotzkis wird alles das hervorgehoben, was
die eigenen Thesen stützt, alles jene Relativierende wird verbun-
den mit der Kritik in der Diskussion des
3. Kongresses an Trotzkis Thesen und dem gegen Trotzkis Thesen
gerichteten Referat Radeks. Die Beschlüsse des 3. Kongresses, auf
die sich die Resolution des 2. Parteitages stützt, werden an ent-
scheidender Stelle ihres Zusammenhangs beraubt und somit
'verschärft'. 153)
"Die anderen Dinge, Genossen, die bei den deutschen Genossen eine
gewisse Animosität gegen die Auffassungen Trotzkis erzeugt haben
- auch die deutsche Delegation hat heftig gegen die Anschauungen
Trotzkis gekämpft - , sind nicht von so großer Bedeutung wie die
einfache Feststellung der Tatsache: ob es mit dem Kapitalismus
bergab geht oder ob er sich zeitweilig erholt - die kommunisti-
sche Partei hat keine Ursache, zu verzweifeln, der Sieg wächst
ihr zu." 154)
Alle Fehler, die Varga und Trotzki in ihren Referaten unterlie-
fen, bzw. die taktischen Zugeständnisse, tauchen auf dem 2. Par-
teitag vergröbert auf; bzgl. der Stabilisierung der Herrschaft
der Bourgeoisie: "Wir sehen, wie es in Deutschland die Bour-
geoisie gewiß verstanden hat, die November- und Märzstürme abzu-
wehren und sich vorübergehend zu behaupten. Aber von einer wirk-
lichen Konsolidierung der Bourgeoisie, wirtschaftlich und poli-
tisch genommen, kann man in Deutschland nicht reden." 155) Die
Zentralisation wird in ihrer ökonomischen Bedeutung völlig ver-
kannt: "... so kommen wir zu dem Schlüsse, ... daß wir ein Sta-
gnieren des Wirtschaftslebens sehen, trotz des großen Konzentra-
tionsprozesses in der deutschen Industrie..."; 156) ebenso ver-
hält es sich mit der Einschätzung der Inflation, der Rolle des
Bankkapitals in der Inflationsperiode und der wachsenden Bedeu-
tung des Staatshaushalts. 157)
Folglich heißt es in der "Resolution zu den Beschlüssen des Drit-
ten Weltkongresses...": "Die tatsächliche Entwicklung in Deutsch-
land zeigt, daß infolge der Kriegsnachwirkungen der Verfall des
Kapitalismus unabwendbar ist." 158)
Die einzige, im wesentlichen zutreffende Analyse der deutschen
Situation leistete in der Zeit nach den Märzkämpfen Levi bzw. die
"Sowjetgruppe". 159) Aus dem "... Erstarken des staatlichen
Machtapparates sowohl als aller wirtschaftlichen Organisationen
der Bourgeoisie und des Unternehmertums"; dem Abwälzen der Repa-
rationslasten auf die Arbeiterklasse, die in ihrem Kampf um die
Existenzgrundlage "im Unterschied aber zu der ähnlichen Situation
im Sommer 1919 ... diesmal auf festorganisierte Unternehmerver-
bände" stößt, "die keinen Zoll Boden kampflos abtreten werden",
wird richtig die Notwendigkeit abgeleitet, daß die Kämpfe "von
einem geschlossenen Proletariat geführt werden müssen", d.h. die
KPD nicht nur verbal die Konsequenzen aus der Märzniederlage zu
ziehen, sondern sich in die Kampffront des Proletariats ein-
zugliedern hat. 160)
Diese Konsequenz ist als schärfste Kritik an den Zusammenbruchs-
theoretikern und davon abgeleitet, deren Auffassung von der Rolle
der revolutionären Partei in den Klassenkämpfen zu verstehen, die
sich in der KPD von der Offensivtheorie 20/21 bis zur
"Organisierung der Revolution" bzw. "organisierten Entfesselung
der Revolution" 1924/25 erstreckt und auf dem 2. Parteitag so va-
riiert wurde: "Genügt der Druck 'der Partei nicht, um das Prole-
tariat in einheitlicher Front in den Kampf zu führen, so ist es
die Pflicht der VKPD, zu versuchen, selbständig große Teile der
Arbeitermassen zum Kampf zu führen." 161) Levis diesbezügliche
Kritik ist vernichtend und richtig:
"Welch eine Vorstellung, die hinter diesen Worten liegt! Das Ver-
hältnis der Kommunisten zu den Massen ist 'der Druck'. Der Druck
wird ausprobiert, ob er genügt oder ob er nicht genügt. Die Vor-
stellung ist also die, daß die kommunistische Partei ein den
großen Massen entgegengesetztes Wesen ist, das an den Massen he-
rumprobiert, ob sie geneigt sind, dem 'Druck' nachzugeben oder
nicht... Der alte Gedankengang, als könne man die Massen, wir
sagten damals 'zur Revolution prügeln', kehrt jetzt in der Form
wieder, als könne man sie zur Revolution 'drücken'. Der ganze Ge-
danke des Kommunismus als organischem Verwachsensein der Kommuni-
sten mit den Massen und des historischen Werdens der Aktion ist
aufgegeben..." 162)
Die Katastrophe im Herbst 1923 läßt sich nur erklären durch die
Bestimmung der Verkommenheit der marxistischen Theorie in der
KPD, ihre Unfähigkeit das Kräfteverhältnis der Klassen und ihr
Verhältnis zueinander konkret zu analysieren, die Rolle der KPD
innerhalb der Arbeiterbewegung in dieser Phase der Inflation, der
Hunger- und Arbeitslosenstreiks, und davon abgeleitet ihre Tak-
tik.
Der Oktoberniederlage ging der 3. (8.) Parteitag voraus, der die
"Zerfallskrise" des Kapitalismus endlich ihrem Ende entgegengehen
sieht; 163) der politische Ausdruck hierfür ist die Verdrängung
der "kleinbürgerlichen Demokratie" (!) in Form der SPD-Koalition
- die nach Meinung der KPD damit die ganze Zeit gegen das Kapital
regiert haben muß - durch das vereinigte Großkapital. 164)
Neu an dieser Analyse der "politischen Lage und (den) nächsten
Aufgaben des Proletariats", 165) einer dem Anspruch nach sich auf
dem Boden der marxistischen Theorie begreifenden Partei, sind die
national-chauvinistischen Anklänge zum Zwecke der Köderung des
sich unter den Folgen seiner Expropriation durch das Monopolkapi-
tal nach rechts radikalisierenden Kleinbürgertums in einer Si-
tuation, in der das Proletariat, insbesondere die KPD für das
Kleinbürgertum keineswegs eine durch manifeste materielle Macht
ausgewiesene Alternative zu bieten vermag. Die in den Schlageter-
Reden Radeks, Ruth Fischers u.a. 166) am besten formulierten
Phrasen nationaler Borniertheit hatten ihren Vorläufer bereits in
der auf dem 3. (8.) Parteitag offen verkündeten kleinbürgerlichen
Ideologie bzgl. Ruhreinmarsch und 'Deutschland auf dem Wege zur
demütigenden Rolle als Entente-Kolonie': 167) "Hier wie dort bie-
tet die Bourgeoisie die Hand dazu, die nationale und staatliche
Selbständigkeit preiszugeben, da sie als ausbeutende Klasse sich
lieber mit dem äußeren (!) Feind verbindet und verständigt, als
daß sie die Volkskräfte (!) entfesselt, die ihre soziale Macht-
stellung bedrohen würden. Die Bourgeoisie der besiegten Länder
opfert überall skrupellos das Interesse der nationalen Selbstän-
digkeit und Unabhängigkeit, ja der nationalen Existenz ihrer Aus-
beuterinteressen." 168) Es werden nicht nur Anleihen bei der No-
menklatur der Faschisten gemacht - "Brechung der Raubwirtschaft
des einheimischen Kapitals" -, 169) die Notwendigkeit des
"revolutionären Verteidigungskrieges" 170) zur Rettung des deut-
schen Imperialismus vor dem französischen in Aussicht gestellt,
sondern auch der Marxismus offen revidiert mit Begriffen wie
"Volkskraft" und "werktätiges Volk". 171)
"Marx und Engels haben solche Leute, die die Differenzierung der
Gesellschaft in Klassen nicht genügend beobachteten, die ganz
allgemein nur von Produzenten, Volk und Werktätigen sprechen,
rücksichtslos bekämpft. Die Begriffe 'werktätig' oder 'arbeitend'
dürfen nicht verallgemeinert werden. Im Grunde genommen gibt es
keine werktätige oder arbeitende Klasse von Menschen; entweder
sind es die kleinen über Produktionsmittel irgendwelcher Art ver-
fügenden Eigentumsmenschen, deren Psychologie und Lebensform ka-
pitalistischen Gepräges ist, oder es sind Lohnarbeiter." 172)
Die in dieser Phase endgültige Abwendung von einer den Massen
verständlichen, ihren Interessen entsprechenden proletarischen
Politik zeigt sich in der Durchsetzung der Maslow-Fischerschen
'Auffassung' der Taktik der Einheitsfront und der Arbeiterregie-
rung in der KPD.
Für die KPD hat "Schuld" an der politischen Entwicklung die SPD
und die Gewerkschaften. 173) Folglich ist "die Überwindung der
Sozialdemokratie, ihre Liquidation zugunsten des Kommunismus und
der proletarischen Revolution... die zentrale Aufgabe des vor
(der KPD) liegenden Kampfabschnittes" sowie "die Loslösung der
Arbeiter von den sozialdemokratischen Führern..." 174) Maslow
über Einheitsfront:
"Bei einzelnen Genossen oder Gruppen von Genossen besteht die
Auffassung, daß die KPD eine Arbeiterpartei neben anderen Arbei-
terparteien sei und als ob es die Aufgabe sei, sie im Kampfe zu-
sammenzubringen mit der SPD zu einer Kampfkoalition von Parteien.
Ich glaube im Gegensatz dazu, daß es Aufgabe der KPD ist, dieje-
nigen Arbeiter, die den Sozialdemokraten noch (!) nachlaufen, in
die Kämpfe hineinzubringen, um sie hinter die Führung der KPD zu
bringen." 175)
Karl Korsch kritisierte nicht nur als einziger die abstrakten
Phrasen, sondern zeigte auch richtig die Konsequenzen einer sol-
chen Politik auf:
"Auch wir wollen die Einheitsfront und Arbeiterregierung als Pro-
paganda benutzen. Aber wir wissen dabei, daß für eine kommunisti-
sche Partei das wirkliche Ziel ihrer Propagandatätigkeit in
nichts anderem besteht, als in der Organisation des wirklichen
revolutionären Kampfes der p r o l e t a r i s c h e n K l a s-
s e. Mit einer solchen Denkweise (wie Fischer-Maslow) würde
unsere Partei immer eine bloße Sekte bleiben, die von einer
reinen Formulierung ihrer Ziele zu immer reineren Formulierungen
fortschreitet, dabei aber immer beim bloßen Denken und Reden
bleibt und niemals das wird, was die kommunistische Partei werden
muß: eine aktionsfähige Massenpartei." 176)
Da die Fischer-Maslow noch über keine Mehrheit in der KPD verfü-
gen, werden der deutschen Arbeiterklasse vom Redaktionskomitee in
klarster Widersprüchlichkeit und unter Ersetzung der Dialektik
durch den Sophismus "Leitsätze zur Taktik der Einheitsfront und
der Arbeiterregierung" vorgelegt:
"So ist der Kampf um die Einheitsfront gegenwärtig in bedeutendem
Maße ein Kampf um die Loslösung der Massen von der reformisti-
schen Taktik und Führung"... "Die Taktik der Einheitsfront ist
kein Manöver zur Entlarvung der Reformisten. Die Entlarvung der
Reformisten ist umgekehrt ein Mittel zur Herstellung der einheit-
lich geschlossenen Kampfesfront des Proletariats." 177)
Die Rolle der KPD im Einheitsfrontkampf des Proletariats gegen
die Bourgeoisie wird nunmehr programmiert:
"Im Verlauf dieser Kämpfe erweist sich die kommunistische Taktik
der Taktik der Reformisten überlegen. Die Sozialdemokratie wird
zermürbt. Die Kommunisten gewinnen die Sympathie und das Ver-
trauen der Massen, der Frauen und Männer, und die Kommunistische
Partei wird im Verlaufe dieser Abwehr- und Offensivkämpfe zur un-
bestrittenen Führerin der Arbeiterklasse." 178)
War im EKKI-Präsidium im Januar 1924 - es sollten die "Lehren aus
den deutschen Ereignissen" gezogen werden - bei der Charakteri-
sierung der deutschen Sozialdemokratie als faschistisch wenig-
stens nur von den "leitenden Schichten" die Rede, bzw. von einer
"Fraktion des deutschen Faschismus unter sozialistischer Maske",
179) erklärte Sinowjew auf dem 5. KI-Kongreß ex cathedra, die So-
zialdemokratie sei "zu einem Flügel des Faschismus geworden".
180)
Das Präsidium des EKKI reduzierte unter dem Eindruck der Nieder-
schlagung der Aufstandsversuche in Sachsen und Hamburg unter ak-
tiver Beteiligung der SPD-Regierungen die 1921 auf dem 3. Kongreß
richtig angegebene Taktik der Einheitsfrontpolitik auf die
"Einheit von unten". "Mit den Soldknechten der weißen Diktatur
gibt es kein Verhandeln! Das ist es, was jetzt alle Kommunisten
in Deutschland klar erkennen und mit wuchtiger Sprache laut vor
dem gesamten deutschen Proletariat verkünden müssen". 181)
Die moralische Argumentation, die revolutionäre Phrase ersetzt
die konkrete Analyse der realen Lage als Voraussetzung jeder re-
volutionären Taktik. Die "Einheit von unten" ist eine leere For-
mel in einer Situation, in der die Massen durch die Niederlage
demoralisiert sind, die KPD alles andere ist als verankert in den
Betrieben und den Massenorganisationen des Proletariats, ganz im
Gegenteil die KPD während der Illegalität über die Hälfte ihrer
Mitglieder verliert. 182)
Von der Unfähigkeit, den Konterschlag der Bourgeoisie in Verbin-
dung zu bringen mit den sozialen Bedingungen, die das Kapital
benötigt zur ungestörten organisatorischen und technischen Ratio-
nalisierung, sind die vom EKKI angegebenen "nächsten Aufgaben der
Partei" gekennzeichnet:
"Die Grundeinschätzung der Lage in Deutschland, welche im Septem-
ber (1923!) von der Exekutive des Komintern gegeben ist, bleibt
im wesentlichen bestehen. Der Charakter der eingeleiteten Kampf-
phase, sowie die Hauptaufgaben der Partei bleiben dieselben. Die
KPD darf die Frage des Aufstandes und der Machteroberung nicht
von der Tagesordnung streichen." 183)
3. Die Analyse auf dem 9. Parteitag 1924
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"Der Frankfurter Parteitag sah vor sich die bitterste Pflicht,
die eine Partei im Verlauf ihrer Entwicklung zu erfüllen hat: er
mußte den politischen Plan, nach dem die Partei über ein Jahr
marschiert war ... für falsch erklären, er mußte die Beschlüsse
des vorhergehenden Parteitages aufheben, er mußte die Führung der
Partei ändern... Wir erwarten, daß dieser Parteitag die schwerste
Periode der Kommunistischen Partei Deutschlands, die der Kinder-
krankheiten und der Wachstumsbeschwerden abgeschlossen ... hat."
184)
Der weinerliche Pathos der nun 'linken' Zentrale, faktisch nach
dem Beispiel bürgerlicher Kabinettsbildung auf der Januartagung
des EKKI eingesetzt, 185) ist in jeder Beziehung lachhaft. Die
Analyse der Oktoberniederlage als "Angriffskämpfen des Proletari-
ats" und in ihrer Konsequenz die Bestimmung der Perspektive der
weiteren Entwicklung kann bestenfalls als zynisch bezeichnet wer-
den. Am besten wird die Einschätzung der Situation durch die KPD
charakterisiert durch den entsprechenden Passus im Brief des EKKI
an den Parteitag:
"Die proletarische Revolution in Deutschland ist unvermeidbar.
Die Fehler in der Einschätzung des Tempos der Ereignisse, began-
gen im Oktober 1923, haben der Partei viele Schwierigkeiten ver-
ursacht. Dies ist aber trotz allem nur eine Episode. Die grundle-
gende Einschätzung bleibt bestehen. Die Revolution kommt, die Re-
volution wird kommen." 186)
Später, 1925, hieß es dann, eine nüchterne Einschätzung der Lage
habe als "konterrevolutionäre Perspektive" gegolten. 187)
Ausgehend von einer von vorn bis hinten falschen Analyse der öko-
nomischen Entwicklungstendenzen und der Klassenverhältnisse in
Deutschland 188) glaubt die KPD die schon unsinnige Prognose des
EKKI über die mögliche Revolution binnen Jahresfrist noch
'verschärfen' zu können bzgl. der Abhängigkeit der "entscheiden-
den Kämpfe" in Deutschland vom "subjektiven Faktor". 189)
Die "Liquidierung der Auffassungen des Leipziger Parteitages"
bzgl. der Einheitsfronttaktik - im Zusammenhang mit der Einheits-
fronttaktik bezeichneten Fischer-Maslow die Oktoberniederlage als
Zusammenbruch des "Kommunistischen Revisionismus" - 190) d.h. der
Durchsetzung der 'linken' Phrase der "revolutionären Einheits-
front von unten", bedeute konsequenterweise die Ausrufung der KPD
zur "einzige(n) Partei des Proletariats"; 191) bedeutet "Vernich-
tungskampf" und "Hetze" "gegen die Reformisten". 192)
Die Avantgarde-Rolle der revolutionären Partei im Kampf des Pro-
letariats gegen die Bourgeoisie erweist sich nicht in der Praxis,
im Vertrauen, das sich die Partei innerhalb der Arbeiterklasse im
Kampf um die Tagesforderungen erringt, resultierend aus der Ein-
schätzung der jeweils spezifischen konkreten Situation, verbunden
mit der jeweiligen Etappenbestimmung der Klassenkämpfe bzgl. des
Maximalprogramms.
Im Selbstverständnis der KPD i s t sie die Avantgarde des Pro-
letariats qua definitionem, die "einzige Arbeiterpartei", die in
den Kämpfen "die breitesten Massen" sammelt und diese "hinter
ihre Führung" bringt dadurch, daß sie "ihnen verständliche Kampf-
losungen" ausgibt, diese "zur Kampfeseinheit zusammenschweißt",
"den Einfluß aller nichtkommunistischen Parteien" bricht. 193)
Die Sektierer der neuen Zentrale, um Phrasen nie verlegen, haben
für die Durchführung dieser Aufgaben der KPD auch die passende
Parole parat, "Organisation der Revolution": 194) "Ihre Aufgaben
führt die KPD durch, um die Revolution zu organisieren. Die KPD
organisiert andererseits die Revolution, indem sie diese Aufgaben
löst." 195)
Der mechanischen Ableitung der Revolution aus der Krise 196) ent-
spricht das Selbstverständnis der Partei als deus ex machina der
Revolution als höchstem Ausdruck der längst vollzogenen Liquidie-
rung der Diskussion über "das Verhältnis von revolutionärer Mas-
senbewegung und Partei", um "die Dialektik von Spontaneität und
Avantgarde". 197)
Das "Prügeln zur Revolution", das "Drücken", die "Organisierung
der Revolution" taucht nun auf als Charakterisierung des Wesens
der bolschewistischen Partei, die "das Proletariat in der Rich-
tung auf die Revolution in Bewegung" setzt; 198) eine Bestimmung
der Rolle der Partei von tiefster Ignoranz sowohl hinsichtlich
Lenins und der KPR zu Lenins Zeiten, als auch bzgl. der deutschen
Arbeiterklasse und der Notwendigkeit ihrer Organisation unter
vorgefundenen Verhältnissen.
"Die Prognosen der Partei scheinen dem Generalstabsplan einer Ar-
mee entnommen zu sein: brennt die kapitalistische Festung durch
Selbstentzündung, dann bläst das Oberkommando zum Angriff; die
wachgerüttelten Arbeiter greifen zu den Waffen und brechen in das
befreiende Hurra aus." 199)
4. Die Analyse auf dem 10. Parteitag 1925
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Schon in den Januar-Thesen war die KPD nicht mehr von der Wahr-
scheinlichkeit unmittelbar bevorstehender Endkämpfe ausgegangen,
vielmehr kam - sie aufgrund der Analyse der Bedeutung des Dawes-
Planes für das deutsche und internationale Kapital 200) und auf-
grund der Oktoberniederlage 201) zum Schluß, die "Verschleppung
der deutschen Krise" sei eher zu erwarten. Zur Bestimmung der
Rolle des deutschen Imperialismus im Zusammenhang mit der Ent-
wicklung der Widersprüche zwischen den übrigen imperialistischen
Ländern ergehen sich die Thesen des 10. Parteitages in wahren
Wortorgien; Deutschland wird gekennzeichnet als "Industriekolo-
nie"; der deutsche Imperialismus als "kastrierter, beschnittener
Imperialismus dritten Grades", als "Schwanzimperialismus', um
auszudrücken "selbständig kann die deutsche Bourgeoisie keinen
Schritt mehr machen". 202) Die Zustimmung des deutschen
Monopolkapitals zur 'Lösung' der Reparationsfrage kann so nicht
mehr begriffen werden.
Der 10. Parteitag stellte zum ersten Mal "das Fehlen einer akut
revolutionären Situation" für Deutschland fest. 203) Das EKKI
hatte im Frühjahr 1925 in zum Teil widersprüchlichen Thesen die
"relative Stabilisierung" des Kapitalismus konstatiert. Die The-
sen der KPD auf dem 10. Parteitag über die Stabilisierung des
deutschen Kapitalismus sind insofern widersprüchlich, als die
Überschriften das Wort 'Stabilisierung' beinhalten, die Analyse
jedoch darauf angelegt ist und davon ausgeht, die Nichtexistenz,
nicht die Unmöglichkeit, der Stabilisierung zu beweisen, genauer:
die notwendige Anerkennung des Ergebnisses der Analyse der aktu-
ellen, stabilen Situation zu umgehen mit der Prophezeiung, daß
die nächste Krise bestimmt kommt. 204) Und ungeachtet der Verken-
nung der ökonomischen und politischen Entwicklung in den ganzen
vier zurückliegenden Jahren wird unverfroren beansprucht: "Die
Kommunisten haben die Entwicklung vorausgesagt. Die Kommunisten
sagen auch die weitere Entwicklung voraus." 205)
Die Roßtäuscherei der KP-Führung erscheint erst dann im richtigen
Licht, wenn dazu bemerkt wird, daß sich die Berechtigung des
Avantgarde-Anspruchs auch dadurch zu beweisen hat, daß die Partei
es versteht, in möglichster Klarheit das Ergebnis ihrer Analysen
zu formulieren, mit dem sie die Kämfpe der Arbeiterklasse orien-
tieren und anleiten will, und zwar so, daß die daraus abgeleite-
ten Tagesforderungen auch der 'letzten Köchin' (Lenin) verständ-
lich sind, d.h. die Massen, indem sie in dem Programm der Partei
ihre eigenen Interessen und Forderungen erkennen, für dieses
kämpfen.
Der 10. Parteitag stand im Zeichen der Spaltung der KP-Führung,
d.h. der Fischer-Maslow-Scholem-Zentrale, unter dem Eindruck der
falschen Taktik anläßlich der Hindenburg-Wahl und der Absage an
die "Einheitsfronttaktik von unten" durch das Angebot der KP an
die SPD zur gemeinsamen Abwehr der 'monarchischen Gefahr'.
Der Verlauf des Parteitages, der Einheit suggerierte, wo keine
bestand, der keine inhaltliche Diskussion zuließ, da man vorher
vereinbart hatte, was gesagt werden sollte, 206) vor allem aber
der desolate Zustand der Organisation - nicht nur gekennzeichnet
durch den Verlust der Verbindung der KP mit den Massen, sondern
auch zwischen Führung und Mitgliedern - zwang das EKKI wenige Wo-
chen nach dem Parteitag zum direkten Eingreifen, in dessen Ergeb-
nis die Fischer-Maslow-Führung abgesetzt wurde. Wiewohl dies
nicht das Ergebnis einer Diskussion der Mitglieder war, sondern
(zunächst) Ergebnis der Lösung politischer und ideologischer Dif-
ferenzen durch Anwendung administrativer Mitte! - in denen gerade
die Fischer-Maslow-Führung Meister gewesen war - fand dieses Ein-
greifen sehr schnell die Unterstützung der Mitglieder. 207)
Der "Brief der Exekutive der Kl an alle Organisationen und die
Mitglieder der KPD" 208) kritisiert den 10. Parteitag in allen
Punkten bis auf das Gewerkschaftsreferat Thälmanns, die Be-
schlüsse zur Organisationsfrage und das Verhalten des Jugendver-
bandes. Das EKKI entwirft folgendes Bild vom Parteitag: "Aus Man-
gel an revolutionärer Theorie reservierte Haltung gegenüber der
Komintern (!), Nachgiebigkeit gegenüber ultralinken Stimmungen
und Tendenzen, weiter Ausschaltung der Parteidemokratie, Isolie-
rung der Partei von den Massen..." 209) Die Einschätzung der öko-
nomischen und politischen Situation Deutschlands im Parteitagsre-
ferat R. Fischers, - das den Thesen zur Lage hauptsächlich zu-
grundegelegt worden war ", und die daraus abgeleitete Taktik wird
mit einer eigenartigen Begründung vom EKKI verworfen:
"Das Kernstück des Parteitages mußte das Referat über die politi-
sche Lage und die Aufgaben und Taktik der Partei sein. Gerade in
diesem Kernstück zeigte es sich, daß es für die Parteileitung auf
dem Parteitage auf eine Parade, aber nicht auf wirkliche ernste
Entscheidungen, die einen Schritt weiter führen, ankam... Man muß
aus dem Referat Ruth Fischers erkennen, d a ß j e d e r
V e r s u c h d e r A b g r e n z u n g g e g e n ü b e r
d e r K o m i n t e r n zu einer ungenügenden und falschen Ana-
lyse führt, und daraus resultieren ungenügende Aufgabenstellung,
falsche Stellung zu den Massen, zur Gewerkschaftsarbeit, zur Nor-
malisierung des Parteilebens, zur Reorganisation usw. Man muß er-
kennen, daß diese Methode die Partei nicht vorwärts, sondern in
den Abgrund führt..." 210)
Abgesehen davon, daß sich die weiteren Auseinandersetzungen in
der Kl- und KP-Führung um die Absetzung der Fischer-Maslow-Zen-
trale vielleicht vergleichen lassen mit einer aussichts- und
deshalb zügellosen Begegnung verbissener Catcher, muß festgehal-
ten werden, daß nicht die Erkennung und Bestimmung der Ursachen
der sektiererischen Politik der KPD zur Beseitigung einer unfähi-
gen Führung führte, sondern lediglich die unmittelbaren, in ihrer
Konsequenz für die KPD liquidatorischen Folgen dieser Ursache.
Dieser Abschnitt sollte ein Ansatz zur Bestimmung der Ursachen
sein.
V. Das zentrale Problem der revolutionären Partei des
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Proletariats, die Verankerung in den Betrieben und der
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organisatorische Lösungsversuch der KPD in Form der
---------------------------------------------------
Betriebszellenorganisation
--------------------------
"Wenn die europäischen Kommunisten die (wahrscheinlich sehr
kurze) Zeitspanne zwischen den Perioden besonderer Verschärfung
der revolutionären Kämpfe, wie sie viele kapitalistische Länder
Europas und Amerikas 1921 und Anfang 1922 durchgemacht haben,
nicht zu dieser gründlichen, inneren, tiefgreifenden Umgestaltung
des ganzen Aufbaus und der ganzen Arbeit ihrer Parteien ausnut-
zen, so wird das von ihrer Seite das größte Verbrechen sein."
(Lenin, Notizen eines Publizisten)
Die im Gefolge der preußischen Kriege und der Reichseinigung er-
möglichte, im Vergleich zu allen anderen kapitalistischen Ländern
ungeheuer schnelle Akkumulation beinhaltet bereits in den 90er
Jahren die ausgebildete Tendenz der Monopolisierung, ohne daß ihr
eine volle Entfaltung des Konkurrenzkapitalismus mit den entspre-
chenden ökonomischen und politischen Krisen und entfalteten Klas-
senkämpfen vorangegangen wäre. Zwar entwickelte die große Indu-
strie mit sich das Proletariat als Klasse an sich, nicht aber als
treibende Kraft des Klassenkampfes. Denn solange unter den Arbei-
tern "die Dieselbigkeit ihrer Interessen keine Gemeinsamkeit,
keine nationale Verbindung und keine Organisation unter ihnen er-
zeugt, bilden sie keine Klasse. Sie sind daher unfähig ... ihre
Klasseninteressen geltend zu machen." (Marx, 18. Brumaire)
Die fehlende Kampferfahrung erschwert die Entwicklung den Kampf-
bedingungen adaequater organisatorischer Prinzipien und eigener
Klassenforderungen in Abgrenzung gegenüber dem Kleinbürgertum
durch die revolutionäre Organisation und die richtige Zurückfüh-
rung der besonderen ökonomischen Bedingungen in Deutschland auf
die allgemeinen Bestimmungen der kapitalistischen Akkumulation
durch die (sozialdemokratischen) Theoretiker.
Im Bismarck-Staat, dem politischen Ausdruck der nichtrevolutio-
nären Entfaltung der Klassengegensätze zwischen Großgrundbesitz
und Bourgeoisie einerseits, zwischen diesen beiden und dem Prole-
tariat andererseits, erkennt die Sozialdemokratie nicht die weit-
gehende Verschmelzung von Junkertum und Bourgeoisie, bekämpft
stattdessen das junkerlich-absolutistische Element im Staatsappa-
rat als Repräsentant des Militarismus, ohne dessen Funktionalität
für die Bourgeoisie zu durchschauen. Folgerichtig sieht sie im
Staat nicht den politischen Klassengegner sondern versucht, ihn
zum Agenten ihrer Interessen zu machen, indem sie - fixiert am
Parlamentarismus, ohne Erkenntnis seiner stabilisierenden Funk-
tion für die Herrschaft der Bourgeoisie im Staat - radikaldemo-
kratische Forderungen stellt und damit die Rolle übernimmt, die
historisch der Bourgeoisie gegen den Feudalismus zukam, von die-
ser aber unter den spezifischen (preußischen) Bedingungen nicht
hatte wahrgenommen zu werden brauchen, die Rolle der liberalen
Opposition. Die Konsequenzen für die Sozialdemokratie waren in
der Theorie der Revisionismus, in der Praxis der Reformismus, der
Verzicht auf den notwendigen außerparlamentarischen Kampf und die
Konterrevolution; in der Organisation die Wählerpartei nach bür-
gerlichem Muster, Bürokratie, Hierarchie, die Trennung von Füh-
rung und Masse. Die Organisation der Sozialdemokratie wird zum
objektiven Faktor für das Ausbleiben der Klassenkämpfe. Einmal
entstanden und stabilisiert, ist dieser Faktor selbst bei klaf-
fender Diskrepanz zwischen objektiven Klasseninteressen des Pro-
letariats und der (bürgerlichen) Realpolitik 'seiner' Organisa-
tion schwer zu beseitigen. Selbst die Kritik der radikalen Linken
um Luxemburg, Liebknecht, den Bremer und Hamburger Linken wird
zum konsequenzlosen Opportunismus, solange sie die Organisations-
form unangetastet lassen.
Die sozialdemokratische Organisationsform verhinderte die klare
Abgrenzung des Proletariats vom Kleinbürgertum und leistete der
Verbürgerlichung des Proletariats Vorschub; die Tradition der Ar-
beiterbildungsvereine und des ADAV wurde nahtlos fortgesetzt in
Form eines alljährlich auf dem Parteitag gewählten Vorstandes;
der dezentralisierten regionalen und lokalen Vereinsorganisation;
einem Statut, das vornehmlich Cassa und Parteipresse zentrale Be-
deutung beimaß - anhand deren stetigem Anwachsen und wachsender
Auflage sich die Partei vor allem ihrer eigenen Stärke versi-
cherte (Trotzki) - und bürgerliche Philantropen, Kleinbürger und
Arbeiter gleichermaßen organisatorisch zusammenfinden ließ.
Selbst die Illegalität unter den Sozialistengesetzen und die im-
mer stärkere Zunahme des proletarischen Elements in der (Wähler-)
Massenbasis führten nicht zur revolutionären Organisationsform,
die in den Betrieben verankert sein muß mit dem Ziel des (im bür-
gerlichen Staat notwendigen) in der Hauptsache außerparlamentari-
schen Kampfes für die Forderungen und Ziele der Arbeiterklasse.
Dem Vorrang der "Wahlagitation" als Praxis entsprach die Organi-
sationsform der dezentralisierten lokalen Einteilung nach Wahl-
kreisen, d.h. die Gleichsetzung von politischer Arbeit und
'Organisierung' des Reichstagswahl-'kampfes'. Wie das Kaninchen
auf die Schlange starrte die Sozialdemokratie auf die Soziali-
stengesetze und danach auf das - in seinem reaktionären Grad nach
Ländern uneinheitliche - Vereinsrecht. Die Sozialdemokratie war
so nie mehr als eine "peinlich streng dem bestehenden Rechtszu-
stand angepaßte Organisation", 211) die im Gegensatz zu den Bol-
schewik! aus der Illegalität, unter Negierung des Klassencharak-
ters des bürgerlichen Staates, keine Lehren zog hinsichtlich ih-
rer Organisationsform, im Gegenteil demokratischen Illusionen
verfiel; der Kampf der "Jungen" im Gefolge der spontanen Streiks
ab 1886 gegen die Verbürgerlichung der Partei hingegen wurde
'organisatorisch' gelöst, d.h. administrativ. 212) Wie wenig die
Sozialdemokratie als Arbeiterorganisation dem Kampf der Arbeiter-
klasse entsprach, zeigt einerseits das sprunghafte Ansteigen der
Streiks, die Durchführung der ersten politischen Massenstreiks ab
1905 213) und der Beschluß auf dem Jenaer Parteitag 1905 gegen
eine straffe Kampforganisation, stattdessen Zentralisation nur in
Fragen Gasse und Berichterstattung an den Parteivorstand. 214)
Aufgrund der Beibehaltung des Organisationsstatuts von 1905 bis
zur Vereinigung der MSPD mit der rechten USPD 1924 blieb die SPD
ein "Wahlapparat zu Wahlzwecken" 215), der aufgrund der Organisa-
tion nach Wahlkreisen "die Industriearbeiterschaft schwer benach-
teiligte, weil (er) den Wählern in den kleinen agrarischen Wahl-
kreisen ein vielfaches Stimmenübergewicht über den Arbeiterwäh-
lern der großen industriellen Wahlkreise gab" 216), und innerhalb
der Organisation die jederzeitige Majorisierung der Proletarier
durch kleinbürgerliche Elemente ermöglichte. 217)
Das sich in den Massenstreiks manifestierende revolutionäre Be-
wußtsein der Arbeiterklasse hätte sich nur dann gegen die korrum-
pierte Parteiführung durchsetzen können, wenn es eine den Bedin-
gungen ihres eigenen Kampfes entsprechende Organisationsform ent-
wickelt hätte mit der Konsequenz der Spaltung der Sozialdemokra-
tie Jahre vor dem Krieg.
1. Das Problem in der KPD(S)
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Man kann nicht sagen, daß das wichtigste organisatorische Problem
der Partei des Proletariats, die organisatorische Verankerung in
den Betrieben, in der KPD nicht von Anfang an - zumindest ansatz-
weise - erkannt worden wäre, 218) wiewohl die Konzentrierung auf
die organisatorische Durchsetzung erst 1925 erfolgte, ohne dann
aber noch mit wesentlichem Erfolg.
Einerseits zwang die politische Arbeit unter den Bedingungen der
terroristischen Militärdiktatur die revolutionären Linken während
des Krieges zur Agitation nicht nur in den alten sozialdemokrati-
schen Wahlvereinen, sondern vor allem bei der Vorbereitung der
Demonstrationen, der Durchführung der Streiks ging die Aktivität
von den Betrieben aus; andererseits zogen die marxistischen Lin-
ken aus dem Bankrott der Vaterlandsverteidiger, aus dem Zustand
der völlig verbürgerlichten sozialdemokratischen Organisation die
richtige Konsequenz, daß der Kampf des durch den Krieg radikali-
sierten Proletariats nur vom Proletariat selbst geführt werden
kann ausgehend von ihrem und dem gesellschaftlich
wichtigsten Bereich, den Betrieben.
"Der Hauptgrund für die Tätigkeit des Spartakusbundes vornehmlich
in den Betrieben war aber das Ziel des Spartakusbundes, durch
Massenaktionen den Frieden zu erzwingen und im Sinne der Be-
schlüsse der internationalen sozialistischen Kongresse die durch
den Krieg geschaffene Krise zur Beseitigung der kapitalistischen
Gesellschaftsordnung auszunutzen." 219)
Gerade der Ursprung der linken Opposition in den revolutionären
Arbeitern, Betriebsvertrauensleuten und revolutionären Obleuten
beweist für die Spanne Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit die
Identität der selbständigen revolutionären Bewegung des Proleta-
riats und der in ihr sich bildenden, mit ihr verwachsenen Organi-
sation. Die praktische Durchsetzung der Einsicht in die Notwen-
digkeit der revolutionären Organisation des Proletariats, gleich-
bedeutend mit der Spaltung der SPD, war von den deutlichen Linken
zu spät versucht worden. Wozu die Bolschewik! 15 Jahre Zeit hat-
ten, konnte von der KPD nicht in praktisch einigen Monaten gelei-
stet werden, so daß die Partei sich angesichts der Ereignisse vor
unlösbare Probleme gestellt sah. Die deutsche Rätebewegung nahm
binnen kurzem notwendig die gleiche Entwicklung wie die russi-
sche, in sich notwendig zersplittert; notwendig ohne einheitliche
Zielrichtung ihres Kampfes verkam sie zu einer von der Sozialde-
mokratie gezielt unterwanderten und majorisierten Marionette. Ge-
rade hier liegt der eine wesentliche Unterschied zwischen der
russischen Revolution und der deutschen 'Revolution'. Das russi-
sche Proletariat verfügte im Oktober über eine kampferfahrene,
organisatorisch stärkere, vor allem in den Zentren der russischen
großen Industrie in Petrograd und Moskau verankerte, ideologisch
relativ einheitliche Organisation, die nach dem faktischen Ende
der Sowjets als Zentrum der revolutionären Bewegung das Instru-
ment des Proletariats im Kampf und zur Fortsetzung des Kampfes um
die Macht im Staat sein konnte.
Unter den ganz anderen deutschen Bedingungen als zweites - in der
Hauptsache der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Diktatur, einer
geschlossenen, durch den Krieg organisatorisch gestärkten, poli-
tisch kaum geschwächten Borugeoisie, die sich mit der Sozialdemo-
kratie und Gewerkschaften über den Nachkriegskurs längst einig
war - überschätzte die KPD die objektiv mögliche Rolle der deut-
schen Rätebewegung, die - hauptsächlich antimonarchistisch, repu-
blikanisch, antimilitaristisch - nicht in der Lage sein konnte,
in der Errichtung der bürgerlichen Republik die Fortsetzung der
"ganzen alten Scheiße" (Marx) zu erkennen, d.h. trotz Änderung
der politischen Form den Klassencharakter des bürgerlichen Staa-
tes, und damit für die Zerschlagung der Herrschaft der Bour-
geoisie und für die Errichtung der Diktatur des Proletariats zu
kämpfen. Und gerade für die Rolle, die an diesem analogen Punkt
die Bolschewik! übernehmen konnten - beim zeitweiligen Verlust
der Spontaneität der Arbeiterklasse unter den Schlägen der Kon-
terrevolution die Ziele und das Ergebnis der Kämpfe zusammenzu-
fassen, zu wahren und neu zu propagieren - war die KPD zu jung,
zu schwach, war ihre Bedeutung als Teil und Avantgarde der Bewe-
gung zu gering.
Unter Erwartung einer bevorstehenden 2. Revolution 220) analog
der russischen Entwicklung vernachlässigte die KPD das Organisa-
tionsproblem. 221) Das Organisationsreferat Eberleins wurde un-
diskutiert dem Satzungsentwurf der KPD(S) zugrundegelegt, ein
darauf basierendes "Musterstatut" zum Aufbau von Ortsgruppen
"versandt". 222) Wohl war dem Gründungsparteitag die Unmöglich-
keit der alten sozialdemokratischen Organisationsform bewußt
223), zog Eberlein in seinem Referat aus dem spontanen Entstehen
der A & S-Räte die richtigen Schlüsse für die Organisationsbasis
der KPD in den Betrieben, 224) doch waren diese Schlußfolgerungen
funktional bezogen allein auf die Aktionsfähigkeit bezüglich der
erwarteten Endkämpfe 225), d.h. die Betriebszelle erschien not-
wendig zur Verbreiterung und Erhöhung der Aktionsfähigkeit der
Partei zusätzlich zur bestehenden Wohnzelle, ohne die zentrale
Bedeutung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse in den
Betrieben zu erkennen: "Wir können daher da, wo die Großbetriebe
zusammenliegen, die Betriebsorganisation durchführen, in Orten
aber, wo die Arbeiter wohnen und nicht arbeiten, die Organisation
nach Wohnbezirken gliedern." 226) Dieser Satz allein könnte schon
das Scheitern der Organisation auf Betriebsebene begründen. 227)
"Diese Verbindung von Wohnbezirks- und Betriebszellenorganisation
hat sich nicht lange gehalten. Man kann nicht eine Partei auf
zwei verschiedene Prinzipien aufbauen; entweder wird die eine
oder die andere Art der Organisation absterben. Geblieben ist in
der KPD nur die Wohnbezirksorganisation." 228)
Mit der Spaltung nach Heidelberg verlor die KPD einen so großen
Teil ihrer proletarischen Mitglieder, so daß die Betriebszellen-
organisation praktisch nicht mehr bestand. 229) Unter dem Ein-
druck der spontanen Massenbewegung, in Erwartung der Revolution,
die organisatorische Fragen unwichtig erscheinen ließ; der
(falschen) Gleichsetzung von Zentralismus und Bürokratie am hi-
storischen Beispiel der Sozialdemokratie, war es für den Grün-
dungsparteitag gar keine Frage, sich föderalistisch zu organisie-
ren: "Wir sind weiter der Meinung, daß das alte System der Unter-
ordnung der einzelnen Orte unter die Zentrale aufhören muß, daß
die einzelnen örtlichen Organisationen, die einzelnen Betriebsor-
ganisationen eine völlige Autonomie haben müssen." 230)
Aus den Bedingungen des illegalen Kampfes, unter denen Spartakus
gearbeitet hatte, zog die KPD ebenso falsche Schlüsse hinsicht-
lich des notwendigen zentralisierten Kampfes angesichts der in
Staatsapparat, Freicorps und Bürgerwehren konzentrierten Konter-
revolution - was sich anläßlich der Januarkämpfe und des Kapp-
Putsches rächen sollte. Es ist nicht davon zu sprechen, daß das
Problem Zentralisation oder Autonomie von der KPD anfangs in sei-
ner realen Bedeutung erkannt worden wäre, möglicherweise allein
schon unter der vorherrschenden Massenstimmung, denn "die revolu-
tionär gestimmten Arbeiter in den Betrieben (wollten) von einer
fest organisierten und straff zentralisierten kommunistischen
Partei nichts wissen..." 231)
Die Ablehnung des Zentralismus wurde nur der aktuellen Situation
der Partei 'gerecht', nicht aber den politischen und ökonomischen
Bedingungen des Kampfes und schon gar nicht wie sie perspekti-
visch über den aktuellen Zustand hinaus 'bezüglich der Überwin-
dung der gegenüber SPD und USPD verschwindend geringen Betriebs-
basis; der KPD blieb die Einsicht in die Konsequenzen aus den
einheitlichen Bedingungen des Kampfes in den Betrieben versperrt;
die Ablehnung des Zentralismus widerspricht geradezu dem auf dem
Gründungsparteitag begründeten Zweck und Ziel der Organisierung
nach Betriebszellen. Die Auseinandersetzungen mit den syndikali-
stischen Tendenzen in der Arbeiterbewegung und der KPD führten
auf dem Heidelberger Parteitag zur verbalen Forderung nach
"straffster Zentralisation" gegen "jeden Föderalismus", der
"einheitliche Aktionen der Arbeiter unmöglich" mache 232); die in
der Satzung geforderte "Betriebs- und Wohnbezirksorganisation"
als Grundlage der Ortsgruppe 233) blieb angesichts der Spaltung,
Illegalität, der Resignation und Demoralisierung der Arbeiter-
klasse bloßes Postulat. 234) Über den Einfluß sozialdemokrati-
scher Tendenzen auf die Organisation bei Vereinigung mit der lin-
ken USP war man sich im klaren. 235) Um so unbegreiflicher, daß
nach der Vereinigung die Ortsgruppen nach alter sozialdemokrati-
scher Tradition die Grundorganisation der Partei bildeten 236);
die Betriebsfraktionen 237) waren nur ein Element der Ortsgruppe
neben Straßenzellen, Gewerkschaftsfraktionen, Fraktionen in den
Konsumgenossenschaften; der einzige Unterschied zur sozialdemo-
kratischen Organisation war die Gliederung der Organisation nach
Wirtschaftsgebieten anstatt nach Wahlkreisen. 238) Die in den vom
2. K l-Kongreß beschlossenen 21 Aufnahmebedingungen 239) gefor-
derte und richtig begründete Notwendigkeit der illegalen Arbeit
und der Schaffung eines diese Arbeit ermöglichenden Apparats ist
nur sinnvoll, wenn sich die Partei in der Phase verschärfter und
bewaffneter Kämpfe auf die Betriebe als Zentren des Kampfes stüt-
zen kann. Die Mischmasch Grundorganisation Ortsgruppe konnte die-
ser Aufgabe nur hinderlich sein. Der 5. Parteitag dagegen war der
Meinung, daß diese Organisationsform "auch in der illegalen Zeit
nicht zerstört werden kann..." 240) Die Praxis hatte anderes ge-
lehrt:
"Die Bewegung endigte mit der neuen großen Aktion im März 1919 in
Berlin, mit dem Tode von Tausenden von Berliner Proletariern, mit
der Ermordung von Leo Jogiches und mit einer schweren Erschütte-
rung des ganzen organisatorischen Gebäudes der K.P.D. Die Zen-
trale der K.P.D. mußte zum ersten Male Berlin verlassen und ihr
Domizil zunächst in Leipzig nehmen; von dort aus mußten die abge-
rissenen Fäden der Organisation mühsam wieder geknüpft werden.
Eine in aller Eile auf '' Ende März 1919 nach Frankfurt a.M. ein-
berufene Reichskonferenz sicherte den persönlichen und organisa-
torischen Zusammenhang der Zentrale wenigstens mit den Leitern
der Bezirke." 241)
Die Märzkämpfe 1921 lehrten genau dasselbe:
"Es zeigte sich die Notwendigkeit, die Parteiorganisation erst
einmal unseren Aufgaben entsprechend aufzubauen. Fast überall wa-
ren die Mitglieder nur zu losen Vereinen zusammengeschlossen, die
Organisation trug noch den Charakter der alten sozialistischen
Wahlvereine, in denen nur eine ganz lose Verbindung der Mitglie-
der bestand. Diese Organisationsform zeigte gerade in der Märzak-
tion die große Gefahr der nur allzu leichten Zerstörung der Orga-
nisation, sobald diese in Kämpfe verwickelt wurde." 242)
_____
1) Hermann Weber: DIE WANDLUNG DES DEUTSCHEN KOMMUNISMUS. DIE
STALINISIERUNG DER KPD IN DER WEIMARER REPUBLIK, 2 Bde. Frankfurt
1969; H.J. Fieber: DER KAMPF UM DIE HERAUSBILDUNG DES MARXI-
STISCH-LENINISTISCHEN ZENTRALKOMITEES DER KPD IN DER ZEIT VOM
FRÜHJAHR 1925 BIS ZUR PARTEIKONFERENZ DER KPD AM 31. OKTOBER/1.
NOVEMBER 1925, Dissertation Parteihochschule Karl Marx, Berlin
1969; Walter Klaws: "Das Ringen der KPD um Betriebsparteiorgani-
sationen und der Anteil Walter Ulbrichts", BZG, 1968, H. 3, S.
493 ff: DIE BOLSCHEWISIERUNG DER KPD, 1. Teil, Schriftenreihe der
KPD-Aufbauorganisation, Berlin 1970.
2) GESCHICHTE DER DEUTSCHEN ARBEITERBEWEGUNG, Berlin 1966, Bd. IX
S. 106 ff.; eine genaue Kritik dieser angegebenen Schriften er-
folgt zum Schluß dieser Darstellung der "Bolschewisierung", weil
dann leichter die analytischen Mängel dieser Untersuchungen ange-
geben werden können.
3) W.I. Lenin: "Karl Marx, kurzer biografischer Abriss mit einer
Darlegung des Marxismus", WERKE, Bd. 21, Berlin 1968, S. 42/43.
4) ebda., S. 64.
5) W.I. Lenin: AUS DEM PHILOSOPHISCHEN NACHLASS, Exzerpte und
Randglossen, Berlin 1961, S. 89.
6) "Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler
Bestimmungen ist, also Einheit des Manigfaltigen. Im Denken er-
scheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat,
nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt
und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstel-
lung ist. (...) Hegel geriet daher auf die Illusion als Resultat
des in sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden und aus sich
selbst sich bewegenden Denken zu fassen, während die Methode vom
Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken
ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes
zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Kon-
kreten selbst." (Karl Marx): GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITI-
SCHEN ÖKONOMIE, Berlin 1953, Einleitung, S 21/22; siehe dazu Hen-
ryk Grossmann: "Die Wert-Preistransformation bei Marx und das
Krisenproblem", ZEITSCHRIFT FÜR SOZIALFORSCHUNG, Frankfurt 1932,
S. 55 ff.; W.S. Wygodski: DIE GESCHICHTE EINER GROSSEN ENTDEC-
KUNG, Berlin 1967, S. 39 ff.
7) W.I. Lenin: "Neue wirtschaftliche Vorgänge im bäuerlichen Le-
ben und Zur sogenannten Frage der Märkte", WERKE, Bd. l, Berlin
1965.
8) Peter v. Struve: "Die Arbeiterbewegung in Rußland", CENTRAL-
BLATT FÜR SOCIALPOLITIK, 1892; Bulgakov: ZUR FRAGE DER MÄRKTE IN
DER KAPITALISTISCHEN PRODUKTIONSWEISE, Moskva 1897; Tugan-Bara-
novskij: STUDIEN ZUR THEORIE UND GESCHICHTE DER HANDELSKRISEN IN
ENGLAND, Moskva 1894, ders.: GESCHICHTE DER RUSSISCHEN FABRIK,
Moskva ca. 1895.
9) W.I. Lenin: "Was sind die 'Volksfreunde' ...", WERKE, Bd. l,
S. 267.
10) Ders.: "Der ökonomische Inhalt der Volkstümlerrichtung",
WERKE, Bd. l, S. 414 .
11) Ders.: DIE ENTWICKLUNG DES KAPITALISMUS IN RUSSLAND, WERKE,
Bd. 3, Berlin 1963, S. 39 ff., S. 167 ff., S. 178 ff., S. 327.
12) P.I. Lyashchenko: HISTORY OF THE NATIONAL ECONOMY OF RUSSIA,
New York 1949, S. 196 ff.
13) W.I. Lenin: DIE ENTWICKLUNG. ., Bd. 3, S. 47.
14) Ders.: ZWEI TAKTIKEN DER SOZIALDEMOKRATIE IN DER DEMOKRATI-
SCHEN REVOLUTION, Werke Bd. 9, Berlin 1960, S. 44.
15) Ders.: "Die Aufgaben der russischen Sozialdemokraten", Werke
Bd. 2, Berlin 1963, S. 346.
16) Ders.: WAS TUN? , Werke Bd. 5, Berlin 1959, "Brief an einen
Genossen über unsere organisatorischen Aufgaben", Bd. 6; siehe
dazu B. Rabehl: "Zur Methode der revolutionären Realpolitik des
Leninismus", in: "Lenin. Revolution und Politik", Frankfurt 1970,
S. 106 ff.
17) W.I. Lenin: "Vorwort zum Sammelband 12 Jahre", Werke Bd. 13,
Berlin 1963, S. 199.
18) Ders.: "Unser Programm", Bd. 4, Berlin 1960, S 205/6, siehe
dazu B. Rabehl: "Zur Methode...", S. 85 ff.
19) W.I. Lenin: "Über die Reorganisation der Partei", Bd. 10,
Berlin 1959, S. 16 ff.; "Die Grundlagen der Organisation der Par-
tei", ebda., S. 136; B. Rabehl: "Zur Methode...", S. 112 ff.
20) W.I. Lenin: "Antwort an P. Kijevski", Bd. 23, Berlin 1968, S.
14 ff.
21) Rudolf Hilferding: DAS FINANZKAPITAL, Berlin 1910; N. Bucha-
rin: IMPERIALISMUS UND WELTWIRTSCHAFT, 1916; Ders.:
"Staatskapitalismus und sozialistische Revolution", START AK,
Juni 1917, Moskva.
22) W.I. Lenin: DER IMPERIALISMUS ALS HÖCHSTES STADIUM DES KAPI-
TALISMUS, Werke, Bd. 22, Berlin 1960, S. 212.
23) ebda., S. 270/71.
24) ebda., S. 281, S. 283.
25) Ders.: "Materialien zur Revision des Parteiprogramms", WERKE,
Bd. 24, Berlin 1959, S. 465.
26) Ders.: "Der Krieg und die russische Sozialdemokratie::, Bd.
21, Berlin 1968, S. 4ff. und die anderen Aufsätze zu diesem Zeit-
punkt.
27) Ders.: "III. Kongreß der Kommunistischen Internationale", Bd.
32, Berlin 1963, S. 487.
28) ebda., S. 488 u. 497: "Unsere erste Aufgabe ist die Bildung
einer wahrhaft revolutionären Partei und der Bruch mit den Men-
schewiki. (...) Die zweite Stufe, nachdem wir uns in der Partei
zusammengeschlossen haben, wird darin bestehen, daß wir fernen,
wie man die Revolution vorbereitet. In vielen Ländern haben wir
nicht einmal gelernt, wie man die Führung erobert."
29) Ders.: "Brief an die deutschen Kommunisten", Bd. 32, S. 537
ff.
30) Dieser Überblick gibt im wesentlichen die Ergebnisse der Ana-
lyse Kuczynskis wieder, die in ihrer Tendenz als auch in den An-
gaben mit der übrigen Standardliteratur übereinstimmen; Jürgen
Kuczynski: DIE GESCHICHTE DER LAGE DER ARBEITER UNTER DEM KAPITA-
LISMUS, Teil I, Die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutsch-
land von 1789 bis zur Gegenwart. Dokumente und Studien zu Bd. 6.
Studien zur Geschichte des staatsmonopolistischen Kapitalismus in
Deutschland 1918 bis 1945, Bd. 16, Berlin 1965, S. 5 ff. K. ana-
lysierte zum ersten Mal für diese Periode die Entwicklung der Wi-
dersprüche zwischen den einzelnen Bourgeois-Fraktionen in ihrer
Bedeutung für den Zusammenhang zwischen Ökonomie und Politik.
31) Vgl. Ernst Meyer: "Zur Geschichte der KPD (Zum Jahrestag der
Gründung der KPD am 30. Dez. 1918)", in: DIE KOMMUNISTISCHE IN-
TERNATIONALE,?. Jg. 1926, H. 15 (24), S. 679.
Vgl. "Geschäftsbericht der Zentrale", in: BERICHT ÜBER DEN 2.
PARTEITAG DER KPD(S) vom 20. bis 24.10.1919, hrsg. v. der KPD(S),
o.O., o.J., S. 26 ff.
Vgl. Paul Levi, "Die politische Lage und die Parlamentswahlen",
in: BERICHT ÜBER DEN 4. PARTEITAG DER KPD(S) am 14. und
15.4.1920. Hrsg. v.d. KPD(S), o.O.o.J., S. 16.
32) Lenin: "Brief an die deutschen Kommunisten" (vom 14.8.1921),
in: W.I. Lenin: WERKE, Bd. 32, Berlin 1967, S. 538.
33) Zentralarbeitsgemeinschaft/Demobilmachungsamt. Vgl. J. Rei-
chert: ENTSTEHUNG, BEDEUTUNG UND ZIEL DER 'ARBEITSGEMEINSCHAFT',
Berlin 1919, S. 5 f.
34) Vgl. "Entwurf eines Aktionsprogrammes der SPD" VORWÄRTS, Ber-
lin 23.5.1918; und "Sozialpolitisches Arbeiterprogramm", in: Paul
Umbreit SOZIALPOLITISCHE ARBEITERFORDERUNGEN DER DT. GEWERKSCHAF-
TEN, Berlin 1918 (vom Nov. 1917). Zur Ideologie: Naph-
tali/Lapinski/Deppe/Steinberg/David.
35) Vgl. Heinz Habedank: "Die Zusammenarbeit der Rüstungsmagnaten
mit dem Rat der Volksbeauftragten bei der Verhinderung der Natio-
nalisierung der Grundstoffindustrie während der Novemberrevolu-
tion", in: MONOPOLE UND STAAT IN DEUTSCHLAND 1917 bis 1945, Deut-
sche Historiker Gesellschaft, Protokoll der 2. Tagung der Fach-
gruppe Geschichte der neuesten Zeit 1917-1945 am 20. und 21. März
1965 in Berlin im Rahmen des III. Kongresses der Dt. Hist. Ge-
sellschaft, Berlin 1966, S. 85 f.
Zum Demobilmachungsamt: Werner Richter: GEWERKSCHAFTEN, MONOPOL-
KAPITAL UND STAAT IM 2. WELTKRIEG UND IN DER NOVEMBERREVOLUTION
(1914-1919), Berlin 1959.
36) Ingo Materna: "Zur Wirtschaftspolitik des Rates der Volksbe-
auftragten' , in: MONOPOLE UND STAAT, a.a.O , S 98.
37) siehe: DIE DEUTSCHE ARBEITSGEBERZEITUNG, Zentralblatt und Pu-
blikationsorgan der Deutschen Arbeitgeberverbände, v. 24.11.1918
und 15.12.1918, zit. nach: Habedank, a.a.O., S. 86 und Anm. 6, S.
92.
38) "Regierungsprogramm des Rates der Volksbeauftragten vom 12.
Nov. 1918", abgedruckt in: DOKUMENTE UND MATERIALIEN ZUR GE-
SCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, R. II, Bd. 2, Berlin 1957, S.
365.
39) REICHSGESETZBLATT 1918, Nr. 192, S. 1466 ff. zit. n. Habe-
dank, a.a.O., S. 88.
40) Vgl. Materna, a.a.O., S. 98; Koeth erhielt nur 500 Mill. für
"Notstandsarbeiten'.
41) W. v. Moellendorf: KONSERVATIVER SOZIALISMUS, Hamburg 1932,
S. 109 ff. zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 42/44.
42) W. Hecht: "Organisationsformen der deutschen Rohstoffindu-
strien". DIE KOHLE, München 1924, S. 40 f. zit. n. Kuczynski,
a.a.O., S 44.
43) Zusammenfassung von Kuczynski, (a.a.O., S. 49 ff.) der von E.
Bregel, Steuer, Anleihen und Inflation im Dienste des Imperialis-
mus, Berlin 1955 entwickelten Thesen; das ganze Kapitel ist eine
Zusammenfassung der Analyse Kuczynskis.
44) ebda., S. 52 ff.
45) Kuczynski, a.a.O., S. 68.
46) Dieser Abschnitt ist ebenfalls im wesentlichen eine Zusammen-
fassung der Analyse Kuczynskis, a.a.O., S. 71 ff.
47) Während der dt. Innen- und Außenhandel zwischen 1919 und 1922
ein Defizit von 8 Mrd. Goldmark auf wies, exportierte das dt. Ka-
pital zur selben Zeit 15-16 Mrd. Goldmark ins Ausland; Kuczynski,
a.a.O., S. 71.
48) DIE WELTBÜHNE, Jg 18, Berlin 1922, Nr. 40, S. 369, zit. n.
Kuczynski, a.a.O., S. 76.
49) Dokument bei G.W.F. Hallgarten: HITLER, REICHSWEHR UND INDU-
STRIE, ZUR GESCHICHTE DER JAHRE 1918-1933, Frankfurt 1955, S 14
und 47 ff., zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 78; ebenfalls abge-
druckt in: GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG, Bd. 4, S. 438 ff.,
Dokument Nr. 20.
50) IMPERIALISMUS HEUTE, Der staatsmonopolistische Kapitalismus
in Westdeutschland, Institut für Geschichtswissenschaften beim ZK
der SED, Berlin 1967, S. 52. Vgl. GESCHICHTE DER ARBEITERBEWE-
GUNG, Bd. 4, S. 438 ff. Dok. Nr. 20.
51) Vgl. DIE SACHVERSTÄNDIGEN-GUTACHTEN DER DAWES- UND MCKENNA-
BERICHTE MIT ANLAGEN. Nach dem Originaltext redigierter Wortlaut,
Frankfurt 1924, und vgl. Gewerkschaften- und Sachverständigengut-
achten, Stellungnahme des AGDB, des AfA-Bundes und des Allgemei-
nen Deutschen Beamtenbundes zum Sachverständigen-Gutachten v. 9.
April 1924. Ergebnisse der zur Prüfung der Gutachten eingesetzten
Sonderkommission. Zusammengestellt im Auftrage der Spitzenver-
bände als Material für die Funktionäre von Kurt Heinig, Berlin
1924. Vgl. dagegen: DAS SACHVERSTÄNDIGEN-GUTACHTEN DER ARBEITER.
Der Gesetzentwurf der kommunistischen Reichstagsfraktion. Hrsg.
v.d. KPD. Sektion der KI Berlin 1924.
52) E. Varga: AUFSTIEG ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, Hamburg
1924, S. 25; Der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit der Gewerk-
schaftsmitglieder stieg im Okt. 1923 auf 19,1% bei einem Durch-
schnitt (Jan./April/Juli) von ca. 5% , Januar 1924: 26,5%, März
24: 16,6%. Varga, a.a.O., S. 82, Tab. VII (REICHS-ARBEITSBLATT).
53) Erhöhung der Leistung pro Arbeitsstunde 1924-1929 um ca. 40%,
IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 49. Vgl. RATIONALISIERUNG UND
WIRTSCHAFTSKRISE. Einige Kapitel über das Wesen, den bisherigen
Verlauf im gegenwärtigen Stand der kapitalistischen Rationalisie-
rung in Deutschland, Berlin o.J. (1930), (KPD - offizielle Dar-
stellung).
Vgl. Günther Reimann: DAS DT. WIRTSCHAFTSWUNDER. Taylor-System -
Ford-Methoden - Der Raub an der Arbeitskraft - Die Entwicklung
der dt. Wirtschaftskrise. Aus dt. Großbetrieben - Rationalisie-
rung und Frauenarbeit (von Mario Seyring), Berlin 1927 (KPD - of-
fizielle Darstellung).
Zahlen und Statistiken zu den Folgen der Rationalisierung im Ar-
beitsprozeß (Unfälle, Gesundheitszustand) bei J. Kuczynski: DIE
GESCHICHTE DER LAGE DER ARBEITER UNTER DEM KAPITALISMUS, Teil I:
die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis
zur Gegenwart, Bd. 5, Darstellung der Lage der Arbeiter in
Deutschland von 1917/18 bis 1932/33 Berlin 1966, S. 237 f. Zur
Entwicklung des Reallohnes: ebda , S. 222 (absolute bzw. relative
Verelendung).
54) Spektator: "Rationalisierung und Kartellbildung"; DIE KOMMU-
NISTISCHE INTERNATIONALE, 7. Jg. 1926, H. l (10), S. 19 f.
In der Zeit, verstärkt 1925, reist das dt. Management nach den
USA zum Studium des Taylorsystems, das als "Refa-System"
(Reichsausschuß für Arbeitsstudien) in Deutschland so eingeführt
wird: "Das Kalkulationssystem ist amerikanisch, die technischen
Einrichtungen sind deutsch. Also muß der Arbeiter das übrige aus
den Knochen herausschinden."; (DIE ROTE FAHNE v. 21.5.1926); Ul-
bricht bezifferte das Verhältnis auf 20% technische Verbesserung
und 80% Steigerung der Arbeitsintensität. Vgl. Ulbricht: ZUR GE-
SCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, Bd. I, S. 275/80, "Für Acht-
stundentag".
55) Vgl. Vargas Rede, PROTOKOLL ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI, Mos-
kau 21.3. und 6.4.1925, Hamburg 1925, S. 136 und 142.
56) IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 50; Faingar nennt 30 Mrd.
Goldmark und stellt fest, daß diese Summe ca. 2/3 des Wertes des
gesamten Grundkapitals der dt. Industrie darstelle; I.M. Faingar:
DIE ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN MONOPOLKAPITALS, Grundriß, Berlin
1957, S. 99.
57) Vgl. Helmut Böhme: PROLEGOMENA ZU EINER SOZIAL- UND WIRT-
SCHAFTSGESCHICHTE DEUTSCHLANDS IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT. Frank-
furt 1968, S. 117 f.
58) ebda., S. 51.
59) Vgl. Rolf Sonnemann, Rudolf Sauerzapf: "Monopole und Staat in
Deutschland 1917-1933", in: MONOPOLE UND STAAT, a.a.O., S. 14 ff.
60) ebda., S. 14.
61) ebda.
62) Diese 8 waren: Dt. Industrie und Handelstag/Reichsverband der
dt. Industrie / (Frühjahr 1919 zusammengeschlossen aus Zentral-
verband deutscher Industrieller und Bund der Industriel-
len)/Reichsverband des dt. Handwerks/Zentralverband des deutschen
Bank- und Bankiergewerbes/Zentralverband des dt. Großhan-
dels/Hauptgemeinschaft des dt. Einzelhandels/Reichsverband der
Privatversicherungen/Reichsausschuß der dt. Landwirtschaft.
63) Alfred Schröter: "Die Bedeutung der institutionellen Ver-
schmelzung von Staat und Monopolen für die Entwicklung des
staatsmonopolistischen Kapitalismus", in: MONOPOLE UND STAAT,
a.a.O., S. 63.
64) Vgl. DIE BÜRGERLICHEN PARTEIEN IN DEUTSCHLAND, Handbuch der
Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderen bürgerlichen In-
teressenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945. Hrsg. v.
einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Dieter Fricke. Hist.
Inst, der Fr. Schiller-Jena, Bd. 1, Alldt. Verband Fortschrittl.
Volkspartei, Leipzig 1968, Stichwort "Alldt. Verband", insbes. S.
3 und S. 21 ff.
65) Kuczynski, a.a.O., S. 37.
66) Bernd Rabehl: DKP, Teil B, S. 127.
67) Alfred Schröter: KRIEG-STAAT-MONOPOL 1914-1918. Die Zusammen-
hänge von imperialistischer Kriegswirtschaft, Militarisierung der
Volkswirtschaft und staatsmonopolistischer Kapitalismus in
Deutschland während des 1. Weltkrieges, Berlin 1965, S. 127.
68) Fr. Haussmann: DIE ÖFFENTLICHE HAND IN DER WIRTSCHAFT, Mün-
chen u. Berlin 1954, S. 32 f., zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 87.
69) Hugenberg zit. in: F. Zedermann: WIRTSCHAFTLICHE GEFAHREN EI-
NES KOHLEMONOPOLS, Berlin 1919, S. 10, zit. n. IMPERIALISMUS
HEUTE, a.a.O., S. 41.
70) Duisberg am 10.11.1926 als Präsident des Reichsverbandes vor
den Spitzenverbänden in Berlin; zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 88.
71) Tagung des Reichsverbandes der dt. Industrie in Köln am 23.,
24. und 25. Juni 1925, Berlin 1925, S. 13, zit. n. IMPERIALISMUS
HEUTE, a.a.O., S. 47.
72) Die Auswirkungen der Steuergesetzänderung vom 7.8.1925:
1923/24 1924/25 1925/26
Bezirksteuern (in %) 50,4 27,4 23,0
Massensteuern 49,6 72,6 77,0
(DER REICHSTAG 1924 BIS 1928. 4 Jahre kapitalistische Klassenpo-
litik. Handbuch der kommunistischen Reichstagsfraktion, Berlin
1928, S. 38).
73) Vgl. Kuczynski, a.a.O., S. 96.
74) ebda., S. 97.
75) ebda., S. 104.
76) Schröter, a.a.O., S. 128.
77) A. Friedrich: "Entwicklungstendenzen der deutschen Bour-
geoisie", in: DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., H. 25, 10 1.27, S. 773
ff; hier S. 776.
Forts. a.a.O., S. 70 ff., H. 2/3., 1.2.27; ders., "Exportiert
Deutschland Kapital ? Zur Frage des Charakters des dt. Imperia-
lismus", a.a.O., 1.4.1927, H. 7, S. 202 ff. Diese drei Artikel
dürften die erste präzise Analyse der Stabilisierung der Arbei-
terbewegung sein, die die KPD machte.
Zur Liquidierung des Stinnes Konzerns, der aufgrund der Investi-
tionsbedingungen (Kapitalmangel) nach der Inflation notwendig
auseinanderbrechen mußte: DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., 1927, S.
434 ff. H. 7; ebda., S 442 ff.; ebda., S. 449 ff. 78) Friedrich,
a.a.O., S. 776;
79) Vgl. dazu: M. Rubinstein: DIE KONZENTRATION DES KAPITALS UND
DIE AUFGABEN DER ARBEITERKLASSE, Bibliothek der RGI, Bd. 29, Ber-
lin 1924, S. 29 ff.; Rubinstein schildert die Entwicklung auch
für Europa
80) Friedrich, a.a.O., H. 2/3, S. 73.
81) E. Varga: "Der Kapitalexport in der Weltwirtschaft", in: DIE
INTERNATIONALE, 10. Jg., 1927, H. 12, S. 366.
82) Friedrich, a.a.O., S. 202.
82) Die Analysen der Lage in Deutschland werden ab 1921 von der
KI bzw. dem EKKI gemacht; ab 1920/21 gab es seitens der KPD keine
selbständigen Analysen mehr.
83) Lenin: "Referat über die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht",
29.4 1918, Tagung des Gesamtruss. ZEK, WERKE, Bd. 27, Berlin
1960, S. 281. Vgl. Bd. 27, S. 395 u. 464.
84) E. Varga: DIE KRISE DER KAP. WELTWIRTSCHAFT, Hamburg 1921, S.
1 f.
85) ebda., S. 54.
86) ebda., S. 50.
87) ebda., S. 54.
88) ebda., S. 53.
89) ebda., S. 56.
90) ebda., S. 59.
91) ebda., S. 61 ff.
92) ebda., S. 54/57.
93) PROTOKOLL DES 3. KONGRESSES DER KI (Moskau, 22.6. bis
12.7.1921), Hamburg 1921, Bibliothek der KI, XXIII, S. 80 f.
94) ebda., S. 90.
95) ebda., S. 80; vgl. Lenin, ebda., S. 746 f.
96) ebda., S. 113 f.
97) PROTOKOLL, ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI, Moskau
21.3./6.4.1925, Hamburg 1925 S. 135. Die Diffamierung am Schluß
des Satzes ist in diesem Zusammenhang ohne Belang.
Vgl. auch Vargas Rede auf dem 5. Kongreß, PROTOKOLL. 5. KONGRES-
SES DER KI (Moskau 17.6. bis 8.7.1924), Bd. I und II, Hamburg
o.J., (1925), S. 108; und Trotzkis Rede auf dem VII. EKKI-Plenum
1926, INPREKORR 1926, Nr. 160, S. 2938; ebenso Varga: AUFSTIEG
ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, Hamburg 1924 S. 6, Anm. 1.
98) THESEN UND RESOLUTIONEN DES III. WELTKONGRESSES DER KI, Mos-
kau v. 22.6-12.7.1921; Hamburg 1921, S. 8 ff., S. 32 ff.; insbes.
S. 10 These 5/S. 17 ; 20/ S. 24; 34/ S. 25; 35/ S. 26/27; 37/ S.
28; 39/ S. 29; 40/ S. 33-35; 2.
99) Die Taktik der KI gegen die Offensive des Kapitals. BERICHT
ÜBER DIE KONFERENZ DER ERWEITERTEN EXEKUTIVE DER KI, Moskau v.
24.2.-4.3.1922, Bibl. der KI 27, Hamburg 1922, S. 156.
100) THESEN UND RESOLUTIONEN DES IV. WELTKONGRESSES DER KI, Mos-
kau v. 5.11.-5.12.1922, Hamburg 1923. S 10.
101) Karl Radek: DIE OFFENSIVE DES WELTKAPITALS UND DIE TAKTIK
DER KI. Zwei Reden, gehalten auf dem 4. Weltkongreß der KI im
Nov. 1922, Bibl. der KI 34, Hamburg 1923, S. 14 f.
102) ebda., S. 31.
103) ebda., S. 61.
104) E. Varga: AUFSTIEG ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, a.a.O.,
S. 13.
105) ebda., S. 66.
106) ebda., S. 11, These 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9; S. 12 These I, III,
IV.
107) ebda., S 13.
108) ebda., S. 49.
109) PROTOKOLL 5 KONGRESS, a.a.O., S. 108 f.
110) ebda., S. 58.
111) ebda.; Zusätze in Klammer von uns; abgesehen davon, daß es
unsinnig ist, den Kapitalismus auf "politischen Gebiet" für
"empfindlicher" zu erklären als auf ökonomischem, was historisch
eben gerade die nahezu geschlossene Front der deutschen Bour-
geoisie und ihres Agenten, der Sozialdemokratie, der zu berück-
sichtigende Hauptfaktor der Klassenverhältnisse im Ergebnis der
Inflation und der Regelung der Reparationsfrage.
112) ebda., S. 109.
113) ebda., S. 131.
114) ebda., S. 122.
115) ebda., S. 126.
116) ebda., S. 123.
117) Zu den "Thesen zur Weltwirtschaftslage" heißt es folglich,
das Kapital sei "objektiv unfähig ..., die Forderungen des Prole-
tariats zu erfüllen." THESEN UND RESOLUTIONEN DES 5. WELTKONGRES-
SES DER KI, Moskau v. 17.6.-8.7.1924, Hamburg 1924, S. 49.
1924/25 stieg im Deutschen Reich der Durchschnittswochenlohn von
26,50 auf 35,60 Mark; 1928: 42,70. Das Existenzminimum stieg von
41,20 auf 49 Mark. Die Reallöhne näherten sich 1928 dem Vor-
kriegsstand. Vgl. J. Kuczynski: DIE GESCHICHTE DER LAGE DER AR-
BEITER UNTER DEM KAPITALISMUS, Teil I, ,.;. Die Geschichte der
Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis zur Gegenwart, Bd.
5; Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1917/18
bis 1932/ 33, Berlin 1966, S 222.
118) Vgl. auch Thesen und Resolutionen 5. Kongreß, S. S8./49.
119) Vgl.: PROTOKOLL 5. KONGRESS, S. 454-456. Schlußwort Sino-
wjews; S. 193, Beitrag R. Fischers; S. 440, Beitrag Ulmers.
120) ebda., S. 444, Schlußwort Vargas.
121) PROTOKOLL DER (V.) ERWEITERTEN EXEKUTIVE DER KI, Moskau
21.3.-6.4.1925, Hamburg 1925, Beitrag Clara Zetkins, S. 174-176
122) ebda., S. 372.
123) Sinowjew: "Weder die Propheten eines unmittelbar bevorste-
henden Zusammenbruchs noch die Stabilisierungsfatalisten haben
recht. Recht dagegen hat die Kommunistische Internationale. Die
allgemeine Prognose und Linie des 5. Weltkongresses bleibt beste-
hen." PROTOKOLL V. EKKI, a.a.O., S. 23.
124) Varga gibt mit 1920 aufgrund der Berücksichtigung der sozia-
len Stabilisierung den Zeitpunkt richtig an, PROTOKOLL V. EKKI,
a.a.O., S. 135.
125) ebda., S. 23.
126) ebda., S. 26.
127) ebda., S. 35.
128) Vgl. Rudolf Hilferding: DAS FINANZKAPITAL, Eine Studie über
die jüngste Entwicklung des Kapitalismus, Berlin 1955; ders.; OR-
GANISIERTER KAPITALISMUS, Referat und Diskussion, Sozialdemokra-
tischer Parteitag 1927 in Kiel, Raubdruck Berlin 1970.
129) PROTOKOLL V. EKKI, a.a.O., S. 24.
130) ebda., S. 35.
131) Vgl. ebda., S. 135 f.
132) ebda., S. 135.
133) ebda., S. 136.
134) ebda., S. 137.
135) Varga gibt in diesem Zusammenhang auch die zutreffendste
Analyse der Bedeutung ¦ des Dawes-Planes für die Zuspitzung der
Widersprüche zwischen Deutschland, Frankreich, England und den
USA, ebda., S. 141 ff.
136) THESEN UND RESOLUTIONEN. ERWEITERTE EXEKUTIVE, März/April
1925, Hamburg 1925, S. 5.
137) ebda., S. 6.
138) IMPERIALISMUS HEUTE: Der staatsmonopolistische Kapitalismus
in Westdeutschland, Berlin 1968.
139) Der früher zersplitterte und unorganisierte Kapitalismus
wird durch den organisierten Kapitalismus ersetzt, SPARTAK, Juni
1917, Moskva; siehe Bucharin: DIE KAPITALISTISCHE STABILISIERUNG
UND DIE PROLETARISCHE REVOLUTION, Moskau 1926 ähnlich J.W. Sta-
lin: "Zur internationalen Lage und zu den Aufgaben der kommuni-
stischen Parteien", Bd. 7, S. 44; ders.: "Zu den Ergebnissen der
Arbeiten der XIV. Konferenz der KPR(B)", ebda., S 78 und S. 84;
Bd. 9, erweitertes Plenum des EKKI, S. 35.
140) "Der Ablauf der wirtschaftlichen Zyklen vollzieht sich dem-
nach in Formen, die den Begriff Zyklus ganz nahezu aufheben. Die
Wirtschaft erscheint oft so eng mit Faktoren außerwirtschaftli-
cher Natur (Okkupation, soziale Klassenkonflikte, 'Politik'
schlechthin) verbunden, daß von einem normalen, gewohnten Ent-
wicklungsgang keine Rede mehr sein kann." N: Bucharin: DIE KAPI-
TALISTISCHE STABILISIERUNG..., S. 12.
141) ebda., S. 17. ,
142) ebda.
143) J.W. Stalin: "Zur internationalen Lage...", Bd. 7 S. 47.
144) Ders.: ebda., S. 49; siehe auch Bucharin: DIE KAPITALISTI-
SCHE STABILISIERUNG, S. 98.
145) Paul Levi, "Die politische Lage", BERICHT ÜBER DEN 2. PAR-
TEITAG DER KPD (S) vom 20.-24.10.1919, hrsg. v. d. KPD (S), o.O.
o.J., S. 6 ff., insbes. S. 9/10.
Paul Levi, "Die politische Lage und die Parlamentswahlen", BE-
RICHT ÜBER DEN 4. PARTEITAG DER KPD (S) vom 14.U.15.4.1920. Hrsg.
v. d. KPD (S), o.O. o.J., S. 4 " ff., insbes. S. 16-19, S. 23.
Vergl. dazu die Auseinandersetzung mit Levi in der INTERNATIO-
NALE: E. Pawlowsky (d.i. Varga): "Verfall oder Entwicklung der
Produktivkraft in Deutschland", DIE INTERNATIONALE, 4. Jg., 1922,
H. 3, S. 63 ff.
146) "Leitsätze über kommunistische Grundsätze und Taktik", BE-
RICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 5.
147) KOMMUNISTISCHE PARTEIKORRESPONDENZ, 2. Jg., 15.12.1922, Nr.
23, S. 281.
Wie eindeutig vom Zusammenbruch des Kapitalismus ausgegangen
wurde, zeigen weniger klar die Parteitagsprotokolle als vielmehr
das Schulungsmaterial der KPD als Grundlage ihrer Praxis, also
doppelt schwerwiegend. In der KOMMUNISTISCHEN PARTEI-KORRESPON-
DENZ, zusammen mit der KOMMUNISTISCHEN PROPAGANDA, dem Vorläufer
des PARTEIARBEITER, wird in einer "Kursus-Disposition" für Refer-
enten über "Entwicklung und Untergang des Kapitalismus" ausge-
führt: "Die kapitalistische Gesellschaft ist nicht mehr fähig,
ihre Produktion zu steigern und ihren Arbeitskräften ein auskömm-
liches Dasein zu verschaffen." (281) "Der Wiederaufbau mit Hilfe
der SPD versagt völlig, weil Wiederaufbau auf anarchisch-kapita-
listischer Grundlage unmöglich ist." (282)
148) Vergl. zu den o.a. Stellen noch den BERICHT ÜBER DEN 3. KON-
GRESS auf dem 2. (7.) Parteitag; (BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN
DES 2. (7.) PARTEITAGS DER KPD (Sektion der KI), abgehalten in
Jena v. 22.-26.8.1921, hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin 1922,
S. 190).
149) Duvell nennt sie "Maslowleute";
Bernhard Düwell: "Vom Maschinengewehr zum Stimmzettel", UNSER
WEG, 3. Jg., Sept. 1921, H. 10, S. 277. .
150) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 186 ff.
151) ebda., S. 302 ff.
152) "Die Stöcker und Koenen und ihre Freunde haben das gefährli-
che Kompromiß des Weltkongresses benutzt, um ein noch gefährli-
cheres Kompromiß mit der Linken in Deutschland zu schließen. Dies
Kompromiß in Deutschland aber unterscheidet sich von dem Moskauer
Kompromiß in einem wesentlichen Punkte: es ist nicht zweideutig
und auslegungsfähig, sondern absolut eindeutig und bestimmt."
Gurt Geyer: "Das Jena der VKPD", UNSER WEG, 3. Jg., 1921, H. 10,
S. 275.
In einem Beitrag im selben Heft ("Der Sieg des Putschismus. Bei-
träge zur Bewertung des Parteitags von Jena", S. 279 ff.) schil-
dert ein Anonymus die Situation in der KPD, die die Beherrschung
des Parteitags durch die Linken (Maslowleute etc.)
erklärt.
153) Vergl. z.B. THESEN UND RESOLUTIONEN DES 3. KONGRESSES,
a.a.O., Abschnitt 6, S. 50 f. und BERICHT ÜBER DEN 2. PARTEITAG,
"Beschlüsse des Parteitags", a.a.O., S. 409.
Vergl. dazu die ausführliche Kritik im UNSER WEG, 3. Jg., Sept.
1921, H. 10, insbes. S. 286 f.
154) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 190.
155) ebda., S. 303.
156) ebda., S. 306; Hervorhebung von mir; außerdem handelt es
sich in der Hauptsache in der Periode 1918-23 um Zentralisation
des Kapitals, nicht Konzentration.
157) ebda., S. 306-309.
158) ebda., S. 408; auf S. 418 werden die
"Verelendungserscheinungen" als Ergebnis des
"zerfallenden deutschen Kapitalismus" gekennzeichnet.
159) also Genossen, die aufgrund ihrer Kritik an der Politik der
KP-Führung ausgeschlossen worden waren, (wobei nichts zur Sache
tut, daß Levi gegen die Linken 1919
genau gleich vorging) bzw. auf dem 2. Parteitag noch ausgeschlos-
sen werden. Die Analyse dieser Gruppe wurde dem Parteitag als Re-
solutionsentwurf vorgelegt, wurde aber mit keinem Wort erwähnt.
Der Resolutionsentwurf "Die nächsten Aufgaben der Kommunisten"
ist abgedruckt in: UNSER WEG, 3. Jg., Sept. 1921, H. 10, S. 269
ff.
160) "Die nächsten Aufgaben...", a.a.O., S. 270.
161) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 409.
162) Paul Levi: "Das Ergebnis des Parteitags der VKPD", UNSER
WEG, 3. Jg., 1921, H. 10, S. 267.
163) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES III. (8.) PARTEITAGES DER
KPD (Sektion der KI), abgehalten in Leipzig v. 28.1.-1.2.1923,
hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin o.J., S. 408.
164) ebda., S. 411 (Zusatz in Klammern von uns).
165) ebda., S. 408 ff.
166) Vergl. KOMMUNISMUS UND NATIONALE BEWEGUNG. SCHLAGETER. Eine
Auseinandersetzung. Karl Radek, Paul Frölich, Graf Ernst Revnt-
low, Möller van den Brück, Berlin 1923.
Vergl. auch: DIE KPD IM EIGENEN SPIEGEL, Aus der Geschichte der
KPD und der III. Internationale, Berlin 1926, S. 57 ff., insbes.
S. 75.
167) BERICHT 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 408, S. 410.
168) ebda., S. 409 (Zusatz in Klammern von uns).
169) ebda., S. 414.
170) ebda., S. 415.
171) ebda. S. 414.
172) Lenin: "Über die Einheit der Partei, Rede auf dem X. Kon-
greß", Moskau, März 1921, RUSSISCHE KORRESPONDENZ, Jg. II, Bd. 1,
Jan.-Juni 1921, Nr. 5, S. 319.
173) BERICHT 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 412.
174) ebda., S. 415.
175) ebda., S. 338.
176) ebda., S. 360/361 (Zusatz in Klammern und Hervorhebung von
uns).
177) ebda., S. 416 und 417.
178) ebda., S. 417.
179) DIE LEHREN DER DT. EREIGNISSE, Das Präsidium des EKKI zur
dt. Frage, Januar 1924, Hamburg 1924, S. 105 f.
180) PROTOKOLL, 5. KONGRESS DER KI, a.a.O., S. 67; in den "Thesen
zur Taktik der Komintern", (THESEN UND RESOLUTIONEN DES 5. WELT-
KONGRESSES DER KI, Moskau, v. 17.6.-8.7.1924, Hamburg 1924, S. 17
f.) schlug sich Sinowjews Definition der Sozialdemokratie nicht
so eindeutig nieder. Die Sozialdemokratie wird hier abwechslungs-
weise charakterisiert als "dritte Partei der Bourgeoisie", d.h.
der Partei des Kleinbürgertums; als "in gewissem Sinne Flügel der
Bourgeoisie, stellenweise sogar des Faschismus"; als "linke Hand
des modernen Kapitalismus", "soweit es sich um ihre führenden
Schichten handelt".
181) LEHREN DER DT. EREIGNISSE, a.a.O., S. 106.
182) ebda., S. 102? Hermann Weber: DIE WANDLUNG DES DEUTSCHEN
KOMMUNISMUS, Bd. 1, S. 362.
183) LEHREN DER DEUTSCHEN EREIGNISSE, a.a.O., S. 107 (Zusatz in
Klammern von uns).
Die KI und die KPD gingen davon aus, nahe davor zu sein, "die
Mehrheit in der deutschen Arbeiterklasse zu bekommen..."
(PROTOKOLL V. KONGRESS, a.a.O., S. 73, Sinowjew).
184) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES IX. PARTEITAGES DER KPD,
(Sektion der KI), abgehalten in Frankfurt/M. v. 7.-10.4.1924,
hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin 1924, Vorwort, S. 7 f.
185) Vergl. LEHREN DER DT. EREIGNISSE, a.a.O., S. 74, 75, 78 und
84.
186) BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 66.
187) Ernst Schneller: "Einige Gegenbemerkungen". DIE INTERNATIO-
NALE, 1925, H. 5, S. 266.
188) "Die KPD weiß aber von vornherein, daß jede sogenannte Lö-
sung dieser Krise durch irgendwelche Abmachungen oder Vereinba-
rungen von imperialistischen Mächten untereinander und mit kapi-
talistischen Gruppen und Regierungen der besiegten Länder weder
die Gesamtkrise lösen, noch auch nur die Teilkrise. BERICHT IX.
PARTEITAG, a.a.O., S. 361-363, hier S. 363.
189) Vergl. BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 66 und S. 370.
190) IML, ZPA, 3/1/1608, Bd. 9, zit. H.J. Fieber: DER KAMPF UM
DIE HERAUSBILDUNG DES MARXISTISCH-LENINISTISCHEN ZK DER KPD IN
DER ZEIT VOM FRÜHJAHR 1925 BIS ZUR PARTEIKONFERENZ DER KPD AM
31.X./1.XI.1925, Diss. PH Karl Marx v. 11.4.1969, Berlin, S. 54,
Anm. 104.
191) BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 376 f.
192) ebda., S. 383 und 385.
193) ebda., S. 381.
194) ebda.
195) ebda., S. 383.
196) Vgl. ebda., S. 362 f.
197) Bernd Rabehl, in: FU-Projektgruppe DKP und Bernd Rabehl: DKP
- EINE NEUE SOZIALDEMOKRATISCHE PARTEI, Parlamentarismusdebatte
2, Berlin 1969, S. 141.
198) DIE KPD, DIE EINZIGE ARBEITERPARTEI IM DAWES-DEUTSCHLAND.
Thesen zur politischen Lage und den Aufgaben der KPD. Einstimmig
angenommen auf der Tagung ZA am 10./11.1.1925, Ergänzungsheft l,
zum Jahrgang 1925, DIE INTERNATIONALE, Berlin 1925, S. 7. Diese
Thesen sind als eine Art Minimalprogramm der KPD zu verstehen,
nachdem seit dem Spartakusprogramm nur 1922 kurz über die Notwen-
digkeit eines neuen Programms diskutiert wurde. Vgl. BERICHT ÜBER
DEN 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 49 ff; Vgl. DOKUMENTE UND MATE-
RIALIEN ZUR GESCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, Bd. VII, 2, Ber-
lin 1966, S. 147 ff.
199) Rabehl, a.a.O., S. 141 f.
200) Vgl. DIE KPD, DIE EINZIGE..., a.a.O., S. 10 ff; Falsches
mengt sich dabei mit Richtigem. Die Unlösbarkeit der spezifischen
Wirtschaftskrisen aufgrund des Dawes-Planes wird richtig gesehen;
Die Entwicklung der imperialistischen Widersprüche falsch. Das
Schwergewicht der Bedeutung des Dawes-Planes für das deutsche Ka-
pital liegt nach der Einschätzung der KPD in dem von Maslow er-
fundenen inhaltlich falschen Begriff "Afterimperialismus" (ebda.,
S. 15). Ausführlicher dazu: Maslow, in: DIE INTERNATIONALE, 8.
Jg., 1925, H. 4, S. 158 ff; ROTE FAHNE, v. 13. und 14.1.1925 (ZA-
Tagung); DER FUNKE v. 6.5.1925.
201) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES X. PARTEITAGES DER KPD
(Sektion der KI), Berlin v. 12.-17.7.1925, hrsg. v. ZK der KPD,
Berlin 1926, S. 22. Anzunehmen ist, daß die KP-Führung dazu kaum
aufgrund einer neuen Analyse der Oktoberniederlage gekommen sein
kann, sondern eher aufgrund des von ihr angerichteten Desasters
in der Partei durch Personal- und Ausschlußpolitik aufgrund des
wachsenden Widerstandes vor allem der Betriebsarbeiter gegen ihre
falsche Politik in so ziemlich allen Arbeitsbereichen; Vgl. dazu
die "Abrechnung" mit der Fischer-Maslow-Scholem-Gruppe im Früh-
jahr 1926 durch das EKKI., PROTOKOLL ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI,
Moskau, 17.2.-15.3.1926, insbes. die Reden von Clara Zetkin und
Ernst Meyer; Vgl. auch Weber, a.a.O., S. 101 ff.
202) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 196 ff.
203) ebda., S. 194.
204) Vgl. ebda., S. 184, 192/193, 196.
205) ebda., S. 184.
206) Weber, a.a.O., S. 125.
207) s. dazu das letzte Kapitel.
208) Abgedruckt in: DER NEUE KURS, Reden der Genossen Bucharin
und Sinowjew, Brief des EKKI, hrsg. ZK der KPD, Berlin, den 25.9.
1925.
209) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., Vorwort S.V. (Zusatz in Klam-
mern von uns).
210) ebda., S. V/VI Hervorhebung von mir. Auf keinen Fall hatte
sich R. Fischer etwa ideologisch in ihrem Referat gegenüber der
KI "abgegrenzt" (BERICHT 10. PARTEITAG, S. 493 ff.), noch die Fi-
scher-Maslow-Gruppe im Verein mit den Ultra-linken hatte in der
PRAXIS die Durchführung der Beschlüsse des Parteitags vor allem
bezüglich der Gewerkschafts- und Personalpolitik und die Reorga-
nisierung der Partei sabotiert und sich dem EKKI gegenüber der
Politik der "doppelten Buchführung" bedient, vor allem bezüglich
der Personalabsprachen auf der dem Parteitag · vorangegangenen
Besprechung mit dem EKKI in Moskau, vgl. dazu Weber, a.a.O., S.
116 ff. Siehe dazu auch noch das letzte Kapitel.
211) Wilhelm Schröder: GESCHICHTE DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PAR-
TEIORGANISATION IN DEUTSCHLAND. Anhang: die Organisationsstatute,
Geschäftsanweisungen, Verwaltungsanordnungen und Entwürfe von
1863 bis 1912. Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen
Bildung, hrsg. von Max Grunwald, H. 4 u. 5, Dresden 1912, S. 39.
212) Parteiausschluß der Linken 1891; vgl. dazu Hans Müller: DER
KLASSENKAMPF UND DIE SOZIALDEMOKRATIE. Zur Geschichte der
"Jungen" - der linken Opposition in der frühen SPD (1870 - 1890),
Zürich 1892, Berlin 1969, S. 121 ff.
213) Vgl. Dieter Fricke: ZUR ORGANISATION UND TÄTIGKEIT DER DT.
ARBEITERBEWEGUNG 1890 bis 1914, Dokumente und Materialien, Leip-
zig 1962, S. 255 ff.
214) Schröder, a.a.O., S. 48.
215) So Sinowjew, PROTOKOLLS. KONGRESS, a.a.O., S. 103. · - '. r
216) Fritz Bieligk, "Die Entwicklung der sozialdemokratischen Or-
ganisation in Deutschland". In: DIE ORGANISATION IM KLASSENKAMPF.
Die Probleme der polit-Organisation der Arbeiterklasse, Leipzig
1931. (Frankfurt 1967), S. 33. Vgl. ebenso Ernst Eckstein, "Wie
soll die Organisation aussehen?", in: ebda., S. 158.
217) Schröder, a.a.O., S. 50.
218) Vgl. Ernst Meyer: "Betriebszellen-Organisation im Spartakus-
bund". DIE INTERNATIONALE, 8. Jg. 1925, H. 12, S. 763 ff.
219) ebda., S. 763.
220) Vgl. DER GRÜNDUNGSPARTEITAG DER KPD. PROTOKOLL UND MATERIA-
LIEN, hrsg: und eingeleitet v. Hermann Weber, Frankfurt/M. 1969,
S. 246, S. 251.
221) ebda., S, 291 f, S. 253 und 251.
222) Meyer, a.a.O., S. 763; Die Reichskonferenz v. 14.-15.6.1919,
in Berlin, verabschiedete die Satzung, der 2. Parteitag bestä-
tigte sie. Bericht zum Parteitag, a.a.O., S. 67f. abgedruckt in:
DOKUMENTE UND MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWE-
GUNG, Bd. VII, l Berlin 1966, S. 103 ff.
223) GRÜNDUNGSPARTEITAG, a.a.O., S. 245.
224) ebda., S. 246.
225) ebda., S. 247.
226) ebda.
227) In seiner Bedeutung richtig erkannt wurde das Problem von
den später in Heidelberg verhängnisvollerweise ausgeschlossenen
'Linken' um Rühle, Wolffheim und Laufenberg (Vgl. Fritz Wolff-
heim: "Betriebsorganisation oder Gewerkschaft? " PROLET. FLUG-
SCHRIFTEN, Nr. 4, Hamburg 1919). Daß diese und die spätere KAP
eine unsinnige Gewerkschaftspolitik verfolgten, was auch der ei-
gentliche Grund für ihren Ausschluß war, kann hier nicht verfolgt
werden.
228) Meyer, a.a.O., S. 765.
229) Vgl. Meyer, a.a.O., S. 765; in Berlin z.B. hat die KP Ende
1919 12.000 Mitglieder (vgl. "Geschäftsbericht der Zentrale", BE-
RICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 27), nach der Spaltung "etwa 800
Mitglieder", (vgl. BERICHT 3. PARTEITAG, "Geschäftsbericht der
Zentrale", a.a.O., S. 38).
230) GRÜNDUNGSPARTEITAG, a.a.O., S. 248.
231) Meyer, a.a.O., S. 765.
232) BERICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 62. ·
233) ebda., § 2, S. 67.
234) Vgl. BERICHT 3. PARTEITAG, a.a.O., S. 12; Brandler: "Wir ha-
ben überhaupt noch keine Partei." Ebda., S. 26; Die KPD verlor
durch den Ausschluß der Linken 4 Bezirke, darunter die
"wichtigsten" Berlin und Wasserkante, ebda., S. 33.
235) Vgl. BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES 5. PARTEITAGES DER
KPD (Sektion der KI) v. 1.-3.11.1920 in Berlin, hrsg. v. d. KPD
(Sektion der KI) Berlin 1921, S. 49. Vgl. auch Koenens Referat
"Die Organisation der Partei" auf dem Vereinigungsparteitag
(BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES VEREINIGUNGSPARTEITAGES DER
USPD (LINKE) UND DER KPD(S) abgehalten in Berlin v. 4.-7.12.1920,
hrsg. v. d. Zentrale VKPD, Berlin 1921, S. 110.
236) "Organisationssatzungen der VKPD", § 4, abgedruckt in; DOKU-
MENTE UND MATERIALIEN, VII, 1, a.a.O., S. 380.
237) Nicht zu verwechseln mit den späteren Betriebszellen. FRAK-
TIONEN: Jenaer Parteitag 1921: sah keine Betriebszellen vor, ob-
wohl III. Kongreß auf ihre Notwendigkeit hinwies. Stattdessen
sollten sich Kommunisten in Betrieben und Fraktionen
" zusammenschließen. (Orgsatzung) "Diese Fraktionen erfaßten oft
nur jene Mitglieder der Partei, die im Betrieb bekannt waren und
dort Gewerkschaftsfunktionen ausübten. In den meisten Fällen hat-
ten die Fraktionen den Charakter von KPD-Fraktionen in den be-
trieblichen Körperschaften der freien Gewerkschaften. Die Be-
triebsfraktionen existieren als Hilfsorgane der Partei neben den
Wohnorganisationen. In Berlin werden sie über die Gewerkschafts-
fraktionen von der Gewerkschaftsabteilung der Bezirksleitung ge-
führt. Sie besaßen nicht die Rechte von Grundorganisationen, nah-
men nicht an Parteidiskussionen und an der Vorbereitung von Par-
teien teil, obwohl sie echte Verbindungen der Partei zu den Mas-
sen darstellten. Sie leisteten Gewerkschaftsarbeit und waren die
entscheidenden Träger der Einheitsfrontpolitik in den Betrieben."
Walter Klaws: "Das Ringen der KPD um Betriebsparteiorganisationen
und der Anteil Walter Ulbrichts". BZG 1968, H. 3, S. 495).
238) Vgl. Satzung der KPD(S), (Juni 1919), § 3, DOKUMENTE UND MA-
TERIALIEN VII, 1, a.a.O., S. 103; vgl. Org.-satzung der VKPD,
a.a.O., S. 380 (§ 3).
239) "Leitsätze über die Bedingungen der Aufnahme in die KI", 3.
Leitsätze und Statuten der KI, beschlossen v. II. Weltkongreß der
KI, Moskau, v. 17.7.-7.8.1920, Bibl. der KI III, Hamburg 1920, S.
27.
240) BERICHT 5. PARTEITAG, a.a.O., S. 49.
241) Paul Levi: "Bericht über die Entwicklung der KPD", in: BE-
RICHTE ZUM 2. KONGRESS DER KI, Bibl. der KI 21, Hamburg 1921, S.
25 f, vgl. auch BERICHT 3. PARTEITAG, a.a.O., S. 12, 16, 34.
242) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 23.
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