Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970


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       Hans-Dieter Heilmann, Bernd Rabehl
       

DIE LEGENDE VON DER 'BOLSCHEWISIERUNG' DER KPD I

"Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen." (Marx: DER 18. BRUMAIRE) Die Veröffentlichung von Analysen oder Dokumenten über die Bol- schewisierung der K.P.D. in der Weimarer Republik, die in letzter Zeit in der DDR und in der Bundesrepublik erschienen sind und die alle durch den Zeitpunkt ihres Erscheinens in einem direkten oder indirekten Zusammenhang zur Organisierungsdebatte und den ersten Organisationsversuchen der radikaldemokratischen und sozialisti- schen Opposition der Bundesrepublik stehen, sind Anlaß dieser kritischen Darstellung der "Bolschewisierung". 1) Um das dialektische Verhältnis von marxistischer Theorie, konkre- ter Untersuchung der konkreten Situation, Klassenkampfstrategie, Taktik und Organisation der Arbeiterklasse zu bestimmen, um den "neuen" Parteityp der bolschewistischen Organisation als Ausdruck dieses konkreten Verhältnisses von Theorie und Praxis abzuleiten, müssen wir eingehen auf die Anwendung der Marxschen Methode der Analyse durch Lenin auf die konkrete Situation Rußlands. Inwie- weit die kommunistische Partei Deutschlands dieses Leninsche Prinzip der Analyse und der Strategiebestimmung übernahm, d.h. sich zu einer bolschewistischen Partei in Deutschland verwan- delte, ist dann Gegenstand einer konkreten empirischen Untersu- chung der Strategie und Taktik der KPD in der Phase der Bolsche- wisierung. Während H. Weber, der ein umfangreiches Quellenwerk, das viele neue Aufschlüsse über die kommunistische Politik in dieser Zeit gibt, vorgelegt hat, das Dilemma der bürgerlich hi- storischen Wissenschaft verdeutlicht, die den Prozeß der Bolsche- wisierung nur als ein organisationssoziologisches Phänomen der Verdrängung der Parteidemokratie durch die Apparatherrschaft deu- ten kann, ohne die ökonomischen und politischen Vermittlungen dieser Erscheinung in ihren historischen Abhängigkeiten und Ten- denzen zu begreifen, besteht in einer Hinsicht zwischen den Ver- öffentlichungen aus der DDR und der Broschüre der Aufbauorganisa- tion einer Kommunistischen Partei Deutschlands, Sitz Westberlin, eine erstaunliche Identität: Die Legende der K.P.D. in der Weima- rer Republik wird fabriziert. Die Motive der Legendenbildung sind sicherlich unterschiedlich. Die DDR-Autoren wollen mit der Le- gende der Bolschewisierung und der Legende der richtigen Strate- gie, die die kommunistische Internationale befähigte, weisungsge- bende Direktiven für die kommunistische Weltbewegung auszugeben, beweisen, daß unter Ernst Thälmann ab 1925 die leninistische Par- tei entstand, an deren Aufbau Walter Ulbricht entscheidenden An- teil hatte. Die Thälmann-Tradition wird als die Grundlage der proletarischen Politik der DDR verstanden. Die Verbundenheit der DDR zur Sowjetunion und die Bedeutung der Sowjetunion im interna- tionalen Klassenkampf ist die wichtigste Lehre, die die DDR-Hi- storiker aus der Rolle der Kommunistischen Internationale vor dem II. Weltkrieg ziehen. Daß ab 1928 in der Klassenkampftaktik, in der Einheitsfront- und der Bündnispolitik im Kampf gegen den Fa- schismus Fehler gemacht wurden, wird zwar eingestanden, 2) aber die Ursachen dieser verhängnisvollen Fehler werden weder aus der falschen Einschätzung des staatsmonopolistischen Kapitalismus, der Sozialdemokratie als Arbeiterpartei, noch aus der Unfähigkeit der Kommunisten, die Massenkämpfe zu führen oder sich in den pro- letarischen Zentren des Klassenkampfes und des Widerstandes gegen den Faschismus organisatorisch zu "verankern", abgeleitet. Wes- halb die Aufbauorganisation zu einer ähnlichen Legendenbildung kommt, ist nur zu verstehen aus ihrem theoretischen und organisa- torischen Versuch, eine historische Identität zu gewinnen. Diese Intellektuellenorganisation leitet dadurch ihre Aufgaben und Ziele aus der Tradition der Arbeiterbewegung ab, sie tritt die Erbschaft der KPD an und erhält auf diese Weise die Fassade einer Arbeiterpartei. Sowohl die Herausgabe der Broschüre, die Auswahl der Texte als auch das Nachwort weisen auf diesen Anspruch hin. Die marxistisch leninistischen Kräfte innerhalb der KPD hatten nicht genügend Zeit, die Bolschewisierung der Partei zu verwirk- lichen, weshalb diese Partei auf die Ereignisse ab 1929 nur noch reagieren und keine klare Klassenpolitik einleiten konnte; das ist das vorläufige Ergebnis der AO-Untersuchung. Die grundlegen- den Fehler der kommunistischen Klassenkampfbewegung in der Weima- rer Republik aufzudecken kann doch für die Sozialisten der Bun- desrepublik nur bedeuten, das Verhältnis von Klassenanalyse, Klassenkampf und Organisationsaufbau richtig zu lösen, um Legen- denbildung, Dogmatisierung und Ideologisierung der politischen Bewegung zu vermeiden. Denn schon in der Gegenwart verhindert der "Konservatismus" in einzelnen Fraktionen der "linken Opposition", der sich in hemmungsloser, revolutionär anmutender Phraseologie und dümmlichem Dogmatismus ausdrückt, die Erkenntnis der gesell- schaftlichen Wirklichkeit, weshalb keine sozialistische Politik im Überbau und den Universitäten und erst recht nicht in den Be- trieben durchzuführen ist. Die objektive Funktion dieser Sekten ist die Abschreckung revolutionärer Arbeiter vor der revolutio- nären Organisierung, die zu ihrer Hinwendung zu revisionistischen oder sozialdemokratischen Organisationen führt und die Spaltung der sozialistischen Opposition, die unfähig wird, einheitliche Propaganda und Aktionen durchzuhalten. I Die Leninsche Methode der Klassenanalyse ------------------------------------------ Um das dialektische Verhältnis von Klassenanalyse, Klassenkampf- strategie und Organisationsaufbau bei Lenin zu erklären, müssen wir kurz eingehen auf die Leninsche Methode der Anwendung der Marxschen Kategorien auf die russische Wirklichkeit. In einer Marx gewidmeten Abhandlung für ein Lexikon interpretierte Lenin den Begriff der gesellschaftlichen Entwicklung, der Durchsetzung und erweiterten Reproduktion der kapitalistischen Produktions- weise. In der Abstraktion stellte Marx die Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise als eine sprunghafte, spiralen- förmige mit Katastrophen verbundene revolutionäre Entwicklung ge- sellschaftlicher Verhältnisse dar. Das plötzliche Abbrechen einer gradlinien Evolution der Durchsetzung der Kooperation oder der großen Industrie, das Umschlagen von Quantität in Qualität, das Aufbrechen der gesellschaftlichen Widersprüche, die gegenseitige Abhängigkeit und der unzertrennliche Zusammenhang aller gesell- schaftlicher Erscheinungen wurde von diesem einheitlichen Prozeß der Durchsetzung des Wertgesetzes, der Akkumulation des Kapitals bestimmt. 3) Die Untersuchung der konkreten gesellschaftlichen Erscheinungen war der Auftrag der Marxschen Theorie von der Akku- mulation, der erweiterten Reproduktion und des Gesamtprozesses der kapitalistischen Produktion an den revolutionären Theoreti- kern. Indem die Marxsche Theorie kategorial auf den verschiedenen Abstraktionsstufen, die sich mit der Darstellung des kapitalisti- schen Gesamtprozesses der Produktion der Konkretion nähert, die verschiedenen Etappen der Durchsetzung dieser kapitalistischen Produktionsweise logisch in allen ihren Zusammenhängen unter- sucht, eröffnet sie den Zugang zur konkreten Widerspruchsebene dieser Produktion in einer konkreten Gesellschaft. Die Existenz- weisen des Widerspruchs zwischen Lohnarbeit und Kapital, gesell- schaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung, techni- schen Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß, Produktivkräften und Produktionsverhältnissen reproduzierten sich auf jeder Entwick- lungsstufe des Kapitalismus neu und gaben die Etappe des Klassen- kampfes an: "Auf jeder Entwicklungsstufe, in jedem Moment muß die Taktik des Proletariats diese objektiv, unvermeidliche Dialektik der men- schlichen Geschichte berücksichtigen, indem sie einerseits die Epochen der politischen Stagnation oder der schnecken-haft, lang- samen, sogenannten 'friedlichen' Entwicklung ausnutzt, um das Be- wußtsein, die Kraft und Kampffähigkeit der fortgeschrittenen Klasse zu entwickeln, und indem sie anderseits diese ganze Arbeit auf das 'Endziel' der Bewegung der betreffenden Klasse ausrichtet und darauf einstellt, diese Klasse zur praktischen Lösung der großen Aufgaben in den großen Tagen zu befähigen, 'worin sich 20 Jahre zusammenfassen'." 4) Die Beschäftigung mit der Hegelschen "Wissenschaft der Logik", ermöglichte es Lenin, das Verständnis von abstrakter Theorie, konkreter Untersuchung und Klassenkampfstrategie noch einmal zu überdenken. In den unzähligen Randbemerkungen zur "Logik" unter- strich Lenin den Erkenntnisgehalt der marxistischen Wissenschaft, die als einzige Wissenschaft von der Gesellschaft fähig war, die Totalität der gesellschaftlichen Erscheinungen zu erfassen, die Tendenzen ihrer Bewegung für die revolutionäre Praxis anzugeben und die Richtigkeit oder den Mangel und die Fehler einer Klassen- kampfbewegung aufzuzeigen, die Ideologisierung dieser Bewegung zu reflektieren. Über diesen Erkenntnisgehalt der dialektischen Theorie schrieb er: "Die Abstraktion der Materie, des Naturgeset- zes, die Abstraktion des Werts usw., mit einem Wort alle wissen- schaftlichen Abstraktionen spiegeln die Natur tiefer, getreuer, vollständiger wider. Vom lebendigen Anschauen zum abstrakten Den- ken und von diesem zur Praxis - das ist der dialektische Weg der Erkenntnis der Wahrheit, der Erkenntnis der objektiven Realität." 5) In der Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie hatte Marx die Methode der Analyse des Kapitalismus dargestellt; die konkrete Anwendung dieser Methode war Grundlage und Ziel der mar- xistischen Wissenschaft. 6) In dieser Hinsicht unterschied sich Lenin, sowohl von Plechanov, den legalen Marxisten als auch den Ökonomisten. Nicht abstrakte Tendenzen oder konkretistische iso- lierte Einzelheiten in irgendwelchen Betrieben interessierten ihn, sondern die konkreten Widersprüche in der Gesellschaft und die verschiedenen Elemente der Klassenkampfbewegung. Plechanov hatte in den Schriften "Sozialismus und politischer Kampf und "unsere Differenzen", die den Marxismus als Theorie der Gesell- schaft unter der russischen Intelligentsia populär machten, den Terror und die Volkstümlerei der Narodniki, die vom besonderen Weg Rußlands zum Sozialismus und von der gesellschaftlichen Kraft des russischen Bauern schwärmten, als Intelligenzideologie abge- lehnt und auf die ökonomische Lage und Tendenz der Entwicklung in Rußland hingewiesen. Der politische Kampf der Klassen und nicht der Terror der Intelligenz, die sich einbildet Subjekt der Ge- schichte, Arbeiter und Bauern in einer Person zu sein, würde nach Plechanov die Zukunft Rußlands bestimmen. Lenin, der ab 1894 in dem marxistischen Zirkel "Befreiung der Arbeit", die spontanen Streiks der Petersburger Arbeiter beobachtete und an der Schulung und Organisation der bewußtesten Teile der Arbeiterklasse teil- nahm, begnügte sich nicht damit, die abstrakten Thesen Plechanovs zu wiederholen oder aus der unmittelbaren Erfahrung der Betriebs- agitation eine Klassenanalyse aufstellen zu wollen, die russische Wirklichkeit vom Niveau eines Petersburger Arbeitervororts zu beurteilen, sondern er sammelte empirisches und statistisches Material über die Entwicklung des russischen Kapitalismus, um dieses zu einer einheitlichen Theorie zu verarbeiten und dann die konkrete Strategie und Taktik der Klassenkampfbewegung abzulei- ten. 7) Durch diese Vorgehensweise konnte er den legalen Marxis- mus als liberale Ideologie, als bürgerliches Wissenschaftsmodell der Industrialisierung entlarven, weil diese Wissenschaft allein aus den Tendenzen der großen Industrie die historische Mission des Kapitalismus für Rußland herausstellte, ohne auf die Wider- sprüche und die Klassenkämpfe einzugehen. Mit Marxzitaten auf den Lippen traten sie für eine Liberalisierung des Zarismus und für die soziale Evolution ein. 8) Die Anwendung der Marxschen Theorie konnte nach Lenin nur darin bestehen "unter Ausnutzung der erar- beiteten Mittel der materialistischen Methode und der theoreti- schen politischen Ökonomie die russischen Produktionsverhältnisse und ihre Entwicklung zu untersuchen." 9) Gesellschaftliche Ent- wicklung war geprägt durch die Entwicklung der Klassenkämpfe. "Wenn der Objektivist die Notwendigkeit einer gegebenen Reihe von Tatsachen nachweist, so läuft er stets Gefahr, auf den Standpunkt eines Apologeten dieser Tatsachen zu geraten; der Materialist enthüllt die Klassengegensätze und legt damit seinen Standpunkt fest. Der Objektivist spricht von 'unüberwindlichen geschichtli- chen Tendenzen'; der Materialist spricht von der Klasse, die die gegebene Wirtschaftsordnung 'dirigiert' und dabei in diesen oder jenen Formen Gegenwirkungen der anderen Klassen hervorruft. Auf diese Weise ist der Materialist einerseits folgerichtiger als der Objektivist und führt seinen Objektivismus gründlicher, vollstän- diger durch. Er begnügt sich nicht mit dem Hinweis auf die Not- wendigkeit des Prozesses, sondern erklärt, welche sozialökonomi- sche Formation diesem Prozeß seinen Inhalt gibt, welche Klasse diese Notwendigkeit festlegt." 10) In seiner Untersuchung der verschiedenen Entwicklungsstadien, Entwicklungsformen des Kapitalismus in Rußland und ihrer klassen- spezifischen Zusammenhänge war Lenin der Marxschen Disposition der Darstellung der Durchsetzung der kapitalistischen Produkti- onsweise gefolgt. Dieses abstrakte Herangehen ermöglichte ihm die Systematisierung des empirischen Materials, die Aufdeckung des Klasseninhalts der verschiedenen Formen der Industrialisierung und die Beschreibung der Schranken der kapitalistischen Produk- tion in Rußland, die die Etappe des Klassenkampfes markierten und überhaupt erst die Strategiebestimmung dieses Kampfes ermöglich- ten, anzugeben. Die Marxsche Realisationstheorie, die Theorie der Grundrente, die Darstellung der Ökonomisierung des konstanten Ka- pitals und der ursprünglichen Akkumulation sind der methodische Ausgangspunkt der Analyse. 11) Die Beschreibung der Durchsetzung des Wertgesetzes in der Land- wirtschaft und damit der Durchsetzung der kapitalistischen Pro- duktionsweise diente dazu, den Beweis anzutreten, daß Rußland die kapitalistische Entwicklung nicht aussparen konnte und die russi- sche Bauerngemeinde bereits in das Stadium der kapitalistischen Zersetzung getreten war und nicht die Keimzelle der sozialisti- schen Gesellschaft sein konnte, wie die Narodniki behaupteten. Der staatlich sanktionierte Aufbau der Produktionsmittelindustrie nach dem modernsten Stand der Produktivkräfte und die Expropriie- rung der Bauern durch die kapitalistische Entwicklung der Land- wirtschaft und durch die staatliche Wirtschaftspolitik, die die Kosten dieser Industrialisierung fast vollständig den Bauern auf- bürdete, 12) gab Lenin methodisch die Möglichkeit, die einzelnen Industriezweige in den Industriezentren und den Landregionen ge- sondert zu untersuchen. Das revolutionäre Industrieproletariat, dessen verschiedene Abteilungen von der großen Industrie, den Fa- briken, Manufakturen der Kustarindustrie und den bäuerlichen Werkstätten 'produziert' wurden, fand im Landproletariat, in der armen Bauernschaft und in Teilen der Mittelbauernschaft einen na- türlichen Bündnispartner. Dieses ländliche Proletariat würde sich der Revolution der Arbeiter anschließen, um gegen die Überreste des Zarismus und gegen die drückenden Ausbeutungsverhältnisse durch das Kapital zu kämpfen. Die Disproportion zwischen der 'künstlich' aufgebauten Schwerin- dustrie, deren Kosten durch die Ausbeutung der Bauern und durch ausländische Kredite aufgebracht worden waren, und der sich nicht im gleichen Tempo entwickelnden Konsumindustrie, die die teueren, weit über dem Weltmarktpreis liegenden Produkte der Produktions- mittelindustrie nicht abnehmen konnte und die Konkurrenzfähigkeit der Schwerindustrie auf dem Weltmarkt, die noch lange nicht die Rentabilität und Arbeitsproduktivität der kapitalistischen Wirt- schaft Englands, Frankreichs oder Deutschlands erreicht hatte, all das deutete auf eine lange Strukturkrise der russischen Wirt- schaft hin. Die Überbevölkerung auf dem Lande, die wachsende Aus- beutung in den Fabriken, die Arbeitslosigkeit in den Städten wa- ren Hinweise auf die Verschärfung der Klassenkämpfe, die den Keim der sozialen Revolution in sich trugen, gewannen diese Kämpfe Perspektiven der Umwälzung der Gesellschaft. 13) Mit Hilfe der Marxschen Theorie konnte Lenin herausarbeiten, daß die kommende Revolution dem ökonomischen Inhalt nach eine bürgerliche Revolu- tion war, die die feudalen Formen der Produktionsverhältnisse hinwegsprengte, um die kapitalistische Entwicklung zur vollen Entfaltung kommen zu lassen. Der Form nach würde diese Revolution in den Industriezentren einen proletarischen Charakter annehmen und auf dem Lande als Volksrevolution, als Bauernkrieg gegen die Gutsbesitzer und gegen den zaristischen Staat in Erscheinung tre- ten. Der Industriebourgeoisie, die in Rußland als Klasse äußerst schwach vertreten war, blieb nur übrig, den "preußischen" Weg einzuschlagen, d.h. Kompromisse mit dem absolutistischen Staat zu schließen. Diese Form-Inhalt-Dialektik der Revolution Rußlands mußte sich niederschlagen auf die Tendenz der Klassenkämpfe, auf das Verhältnis von Spontaneität und Organisation. Die Träger die- ser Revolution, die Arbeiter und die armen Bauern, konnten die ökonomischen Aufgaben der bürgerlichen Revolution nur erfüllen, leiteten sie in der Regierungsform der revolutionär demokrati- schen Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft die sozialistische Transformation der Gesellschaft ein. 14) Die Hun- gerrevolten der russischen Bauern ab 1890 wurden mit Beginn der russischen Stagnationskrise, 1895/96, durch die spontanen Streiks der Arbeiter abgelöst. Die Intellektuellenzirkel hatten nur ge- ringen Einfluß auf diese Streiks, weil sie auch keine gesell- schaftliche Perspektive des Klassenkampfes angeben konnten. Sehr schnell gingen sie darauf ein, Unterstützungskassen für die Ar- beiter zu gründen und eine Taktik von Reformen auszuarbeiten, die, da sie in keinem Zusammenhang einer ökonomischen und politi- schen Etappenbestimmung standen, provinziell und ökonomistisch wurden. Diese Zirkel waren anfällig für die kuriosesten Dogmen und fanden schließlich im legalen Marxismus die richtige ideolo- gische Interpretationsinstanz für ihre Handwerkelei. Lenin dage- gen wertete die Erfahrungen der "Betriebspraxis" aus und stellte sie in den Zusammenhang der Klassenanalyse. Er konnte dadurch vermeiden, daß die unmittelbaren Erfahrungen bereits als Klassen- analyse ausgegeben wurden oder der Fehler des "Objektivismus" wiederholt wurde. "Die Theorie des Klassenkampfes, die materiali- stische Auffassung der russischen Geschichte und die materiali- stische Einschätzung der gegenwärtigen ökonomischen und politi- schen Lage Rußlands, die Anerkennung dessen, daß der revolutio- näre Kampf auf bestimmte Interessen einer bestimmten Klasse zu- rückgeführt und ihr Verhältnis zu den anderen Klassen analysiert werden muß..." 15), waren für Lenin die Garantie dafür, daß die revolutionäre Sozialdemokratie sich nicht von der Arbeiterklasse isolierte und sich den russischen Bedingungen entsprechend orga- nisierte. Die Tendenz der Klassenkämpfe in Rußland stellte die Aufgabe, daß durch die theoretische Diskussion über eine Zeitung die Organisation aufgebaut wurde, die sich sehr schnell in den Betrieben "verankern" mußte, um Ausdruck der Klassenkampfbewegung zu werden und um den Einfluß der Intelligenz in dieser Organisa- tion zurückzudrängen. Die Diskussion über den Parteiaufbau zwischen 1900 und 1905 stan- den bei Lenin eindeutig im Zusammenhang der Klassenanalyse Ruß- lands. Deshalb drängte er darauf, eine Organisation von Berufsre- volutionären zu schaffen, um schnell die Partei in den Industrie- zentren aufzubauen, denn die Streiks hatten in Rußland Ausmaße erreicht, die eine Verzögerung der Gründung der revolutionären Partei nicht mehr erlaubten, zumal die Intellektuellenorganisa- tionen der Sozialrevolutionäre und der Ökonomisten in die russi- schen Klassenkämpfe offene Verwirrung trugen. 16) In einer späteren Einschätzung dieser Periode schrieb Lenin: "Daher ist es klar, daß es sich eigentlich um eine Meinungsver- schiedenheit zwischen den Iskristen und den Ökonomisten handelte, die das angriffen, was die Broschüre "Was tun" und die Programm- entwürfe gemeinsam vertraten. Und ich dachte auch auf dem zweiten Parteitag nicht daran, speziell meine eigenen Formulierungen, die ich in "Was tun" gegeben hatte, für etwas "Programmatisches", besondere Prinzipien Darstellendes auszugeben. Im Gegenteil, ich wandte den später so oft zitierten Vergleich mit dem überspannten Bogen an. In "Was tun" wird der von den Ökonomisten überspannte Bogen wieder ausgerichtet, sage ich (...) und gerade weil wir die Verkrümmungen energisch wieder ausrichten, wird unser "Bogen" im- mer der straffste sein. Der Sinn dieser Worte ist klar: "Was tun" korrigiert polemisch den Ökonomismus, und es ist falsch, den In- halt der Broschüre außerhalb dieser Aufgabe zu betrachten." 17) Lenin war vor 1905 überzeugt, daß die sozialistische Theorie und Klassenanalyse die Grundlage für die revolutionäre Organisation war und selbst jeglichen Dogmatismus und Sektiererei verhinderte. 18) Die innerparteiliche Diskussion über das Verhältnis von Orga- nisation und Spontaneität, über die Taktik zu den Sowjets lehr- ten: Es mußte ein Organisationstypus geschaffen werden, der die Einheit der Gegensätze von Demokratie und Zentralisation dar- stellte. Die marxistische Klassenanalyse war das wichtigste Ele- ment, das es den Revolutionären ermöglichte, die Klassenkampfbe- wegung zu untersuchen und die eigene Rolle darin zu studieren. Die Theorie war die Grundlage der Kritik und Selbstkritik in der Partei. Aber weiter, in allen Organisationsteilen und Zellen mußte die Diskussion und die Kritik gewährleistet sein, um die Verbindung zu den Massenkämpfen nicht zu verlieren und um schnell eine falsche Taktik zu korrigieren. Der Zentralismus, die Ein- heitlichkeit der Aktion stand der innerparteilichen Demokratie formal gegenüber. Lenin versuchte diese Gegensätze zu lösen, in- dem er eine konkrete Etappenbestimmung vornahm, nach der auf den vorbereitenden Diskussionen für den Parteitag und auf dem Partei- tag selbst und auf den Parteikonferenzen die Lage diskutiert, die Taktik der Partei und die Verantwortlichen dieser Taktik offen kritisiert werden konnten und durch demokratische Abstimmungen Konsequenzen gezogen wurden. Nach der Festlegung der neuen Etappe des Kampfes und seiner Taktik wurde die Partei zentral und diszi- pliniert geführt. Durch den "demokratischen Zentralismus" war die Partei in der Lage, auf jede neue Situation reagieren zu können und die Aufgaben der Partei den Anforderungen der Klassenkämpfe anzupassen. 19) Sie unterschied sich damit grundsätzlich von der sozialdemokratischen Organisation, die in dem Verhältnis von Zen- trale und Wahlkreis oder Wohngebietszellen, ein historisches Ni- veau des Klassenkampfes, der parlamentarischen Demokratie, ver- ewigte und sich auf diese Weise der Struktur der kapitalistischen Gesellschaft anpaßte, zur Führungs- und Gefolgschaftspartei wurde, in der die Arbeitermitglieder durch die Satzung keinen Einfluß mehr auf die Politik hatten. So war die bolschewistische Partei die organisatorische Vermitt- lung von Klassenanalyse und Klassenkampf. Das wird deutlich, wenn der Zusammenhang von Leninscher Imperialismustheorie und Klassen- kampfstrategie untersucht wird. Der Ausbruch des I. Weltkrieges veranlaßte Lenin, die Erschei- nungsform des Imperialismus und des Finanzkapitals genauer zu analysieren. Dabei stützte er sich nicht nur auf die empirischen und theoretischen Arbeiten dieser Epoche, sondern die Darstellung des kapitalistischen Gesamtprozesses der Produktion, Bd. III des Marxschen Kapitals und vor allem das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate war die methodische Grundlage seiner "Imperialismustheorie". Ihm kam es darauf an, die Existenzweisen des Widerspruchs zwischen Lohnarbeit und Kapital in der Etappe des Imperialismus, zwischen der Tendenz der Ökonomisierung des konstanten Kapitals, der Intensivierung der Ausbeutung, des Büro- kratismus und der Militärdiktatur, des Parasitismus und des Revi- sionsimus und der Tendenz des spontanen Widerstands der Arbeiter in der monopolisierten Großindustrie, die Tendenz des radikalde- mokratischen und sozialistischen Kampfes herauszuarbeiten. Durch diese Vorgehensweise der Analyse der Erscheinungsformen des Impe- rialismus konnte er die politische Form der "sozialen Emanzipa- tion" der Arbeiter erkennen und mit den Parolen der Bolschewik! unterstützen. In seiner Antwort an die "imperialistischen Ökono- misten", Bucharin und Pjatakov, die den Imperialismus als neue Qualität der gesellschaftlichen Entwicklung herausstellten, schrieb er: "Der Kapitalismus überhaupt und der Imperialismus insbesondere verwandelt die Demokratie in eine Illusion und zugleich erzeugt der Kapitalismus demokratische Bestrebungen in den Massen, schafft er demokratische Einrichtungen, verschärft er den Antago- nismus zwischen dem die Demokratie negierenden Imperialismus und den zur Demokratie strebenden Massen. Der Kapitalismus und der Imperialismus können durch keinerlei, auch nicht durch die 'idealsten' demokratischen Umgestaltungen, sondern nur durch eine ökonomische Umwälzung beseitigt werden; ein Proletariat aber, das nicht im Kampf für die Demokratie erzogen wird, ist unfähig, die ökonomische Umwälzung zu vollziehen. (...) Der imperialistische Krieg ist sozusagen eine dreifache Negierung der Demokratie; a) jeder Krieg ersetzt die 'Rechte' durch Gewalt; b) der Imperialis- mus ist überhaupt die Negierung der Demokratie; c) der imperiali- stische Krieg gleicht die Republiken völlig den Monarchien an; aber , das Erwachen und das Anwachsen der sozialistischen Erhe- bung gegen den Imperialismus sind untrennbar verbunden mit einem Anwachsen der demokratischen Abwehr und Empörung. Der Sozialismus führt zum Absterben jedes Staates, folglich auch jeder Demokra- tie, aber der Sozialismus ist nicht anders zu verwirklichen, als über die Diktatur des Proletariats, welche die Gewalt gegen die Bourgeoisie, d.h. gegen die Minderheit der Bevölkerung, mit der vollen Entfaltung der Demokratie vereinigte, d.h. der wirklich gleichberechtigten und wirklich allgemeinen Beteiligung der ge- samten Bevölkerung an allen Staatsangelegenheiten und allen kom- plizierten Fragen der Liquidierung des Kapitalismus." 20) Lenin konnte durch die Unterscheidung des Doppelcharakters der monopolkapitalistischen Produktion in der Epoche des Imperialis- mus wichtige Einsichten gewinnen für die revolutionäre Politik. So unterschied er im Gegensatz zu den sozialdemokratischen und ökonomistischen Analysen des Finanzkapitals oder des imperiali- stischen Raubstaates 21) in seiner Darstellung des Imperialismus als des höchsten Stadiums des Kapitalismus genau zwischen der Tendenz Zentralisation und Konzentration der Produktion und der Verschärfung der Krisen, 22) zwischen der nationalen und interna- tionalen Vertrustung und der gleichzeitig stattfindenden Ver- schärfung der Gegensätze zwischen den imperialistischen Gruppen 23), zwischen der staatsmonopolistischen Regulierung der Produk- tion in der Form der Finanz- und Investitionskontrolle, des staatlichen Interventionismus in der Kriegswirtschaft, d.h. der sporadischen Aufhebung des Wertgesetzes und dem Bürokratismus bzw. der Fäulnis dieses kapitalistischen Systems. 24) Diese kapi- talistische Form der Produktion war in keiner Weise die Überwin- dung der kapitalistischen Produktionsweise; im Gegenteil, alle Widersprüche des kapitalistischen Produktionssystems wurden auf neuer Stufe reproduziert. 25) Durch diese Aufzeichnung der widersprüchlichen Struktur der mono- polkapitalistischen Ökonomik gewann Lenin in der Konkretisierung die Parolen für die revolutionäre Taktik der Arbeiterklasse; Kampf gegen die Kriegsgefahr und dem Kriege, Umwandlung des Krieges in den Bürgerkrieg, Unterstützung der radikaldemokrati- schen Forderungen der Arbeiter und Bauern durch die Partei der Bolschewiki, Unterstützung der spontanen Kämpfe der Arbeiter- klasse, Kampf gegen den Bürokratismus, dem Parasitismus, der "Vaterlandsverteidigung" des Revisionismus usw. 26) Form und Tendenz der "Bolschewisierung" der westeuropäischen kom- munistischen Parteien beschrieb Lenin auf dem III. Kominternkon- greß, wenn er sich ausdrücklich gegen die Nachahmung der bolsche- wistischen Taktik wandte. Es war nach seiner Meinung eine nicht- bolschewistische Haltung, kommunistische Resolutionen auswendig zu lernen und sich in bloßer revolutionärer Phraseologie zu ge- fallen. 27) Eine Analogie zwischen den Aufgaben der westeuropäi- schen Kommunisten und der Geschichte der Bolschewiki zog er, wenn er die Etappen des Parteiaufbaus der kommunistischen Parteien Westeuropas verglich mit der Etappe der Herausarbeitung der revo- lutionären Theorie und der revolutionären Partei der Bolschewiki zwischen 1900 und 1905 und auf die Etappe hinwies, die dieser folgen würde; der Kampf um die Massen. Aber er unterstrich so- fort, daß es keine unmittelbaren Identitäten zwischen der russi- schen und der westeuropäischen Revolution gab: "Die zweite Etappe wird keineswegs darin bestehen, daß man die revolutionären Losun- gen wiederholt. Sie wird darin bestehen, daß man unsere klugen und geschickten Losungen annehmen wird, die immer klug und ge- schickt sein und stets wiederholen werden: die revolutionären Grundsätze müssen den Besonderheiten der verschiedenen Länder an- gepaßt sein." 28) Die russische Revolution und damit die Strate- gie und Taktik der Bolschewiki hatte eine allgemeine Bedeutung für die Arbeiterklasse, ähnlich wie in der vergangenen Etappe die Pariser Kommune; sie signalisierte das Verhältnis von Theorie, Klassenkampfstrategie, revolutionärer Organisation und konkreter Taktik im Klassenkampf. In dem "Brief an die deutschen Genossen" unterstrich er die Unsinnigkeit einer "Offensivtheorie" der linksradikalen Intelligenz innerhalb der KPD und betonte, daß sich in Deutschland nicht die russische Situation des Oktober wiederholte und daß eine Revolution nicht allein Angelegenheit der Organisation sei. Bei dem Stand der Klassenkämpfe mußte eine revolutionäre Partei aufgebaut werden, die sich durch eine konse- quente und zielstrebige revolutionäre Politik, die sich an der Rekonstruktion des Kapitalismus und dem Stand der Klassenkämpfe orientierte, und dadurch Einfluß in der Arbeiterklasse gewann. Die Einheitsfronttaktik war nach Lenin die beste Form, die sozi- aldemokratischen und parteilosen Arbeiter und Gewerkschaftler von dem Programm der Kommunisten zu überzeugen. 29) Die revolutionäre Strategie und Taktik der Partei des Proletari- ats als Kampfinstrument der Arbeiterklasse gegen die Herrschaft der Bourgeoisie hat auszugehen von der Analyse der konkreten Klassenverhältnisse in der bürgerlichen Gesellschaft. Das deut- sche Kapital bildet sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Etappe und unter den Bedingungen des Imperialismus im Rahmen des schnell fortschreitenden Konzentrationsund Zentralisationsprozesses in seiner monopolistischen Form heraus, erreicht also gegenüber frü- heren Entwicklungsstufen des Kapitalismus einen ungleich höheren Organisationsgrad; dieser Prozeß ist gleichzeitig begleitet von der Entwicklung spezifischer Widersprüche innerhalb des Monopol- kapitals selbst, d.h. zwischen einzelnen Fraktionen der Bour- geoisie. In der Hauptsache äußern sich die Widersprüche politisch im Kampf um die Beherrschung des Staatsapparates zur direkten Durchsetzung der - jeweils durch die spezifischen Verwertungs- schwierigkeiten bedingten - spezifischen Interessen der jeweili- gen Bourgeoisfraktion. Der Grad der Organisiertheit der Bour- geoisie, ihr politischer Charakter und ihre Form ist für das Proletariat, für Strategie und Taktik der revolutionären Partei und für ihre eigene Organisation von entscheidender Bedeutung. Die Organisierung der Arbeiter als Klasse durch das Kapital ent- sprach den Bedingungen der Frühphase der kapitalistischen Akkumu- lation und erreichte ihren höchsten Ausdruck im Entstehen der großen Industrie, d.h. des gesellschaftlichen Charakters des Pro- duktionsprozesses. Der Verwertungsprozeß unter monopolkapitali- stischen Bedingungen erzwang die erneute Zersplitterung der Ar- beiterklasse vornehmlich im und durch den Charakter des Arbeits- prozesses. Durch den Kampf der Arbeiterklasse vor allem ist das Kapital zunehmend gezwungen, anstelle der absoluten Verlängerung des Arbeitstages den tendenziellen Fall der Profitrate aufzuhal- ten u.a. durch die Erhöhung des relativen Mehrwerts, d.h. auf dem Wege der Intensivierung der Arbeit. Dies bedeutet für die Arbei- terklasse die Gefahr der erneuten Atomisierung, der Trennung der Arbeiter im Arbeitsprozeß voneinander durch ein ausgeklügeltes Ausbeutungs- und Kontrollsystem von Arbeitsplatzbewertung, Lohn- gruppen, Akkordarbeit etc. mit allen möglichen verhängnisvollen Auswirkungen auf Solidarität und Klassenbewußtsein des Proletari- ats. Diese Phase war in Deutschland 1923 erreicht. Der vor dem Kriege eingeleitete Konzentrations- und Zentralisati- onsprozeß der deutschen Industrie wurde durch die Kriegswirt- schaft ab 1916 noch weiter verschärft. Durch den Versailler Ver- trag verliert das Monopolkapital ca. 40% der Produktionskapazitä- ten; der Zentralisationsprozeß setzt in der Rekonstruktionsphase zwischen 1919 und 1924 verstärkt ein. Der Staat unterstützte mit Entschädigungen, Subventionen, mit der Steuer- und Währungspoli- tik diesen Prozeß. Die Rationsalisierung der Produktion ab 1923 begünstigte die Trust-und Konzernbildung; 1926 betrug die Kapi- talkonzentration im Bergbau 93%; in der Eisen-und Stahlproduktion 80%; in der Elektroindustrie 87%; Chemieindustrie 83% und die der Banken betrug 74%. Gegenüber der Vorkriegszeit hatte sich 1925 die Zahl der Kartelle verfünffacht. II Monopolkapitalistischer Staat und Entwicklung der Widersprüche ----------------------------------------------------------------- im Monopolkapital 30) --------------------- 1. Die Inflationsperiode 1918-1923. Inflation und ------------------------------------------------- Reparationsfrage in ihrer Bedeutung für den Konzentrations- ----------------------------------------------------------- und Zentralisationsprozeß und für die Entwicklung ------------------------------------------------- der Widersprüche im Monopolkapital. ----------------------------------- Die unmittelbare Nachkriegssituation kennzeichnet die Erschütte- rung des monopolkapitalistischen Staates in seiner im Krieg dik- tatorisch herausgebildeten Form, ohne daß aber die ökonomische und politische Herrschaft der Bourgeoisie in Frage gestellt gewe- sen wäre. Dieses Verdienst gebührt Sozialdemokratie und Gewerk- schaften, die im Verein mit der Bourgeoisie bzw. mit einigen ih- rer Fraktionen schon während des Krieges im Rahmen der Burgfrie- dens- und Arbeitsgemeinschaftspolitik sich über die Rettung des Kapitalismus verständigt hatten. Der Revisionismus als Ideologie der Sozialdemokratie setzte die im Krieg bewährte konterrevolu- tionäre Praxis in dieser Periode weiterhin offen fort. Die in Spartakus und IKD vereinigte revolutionäre Linke erwies sich beim Sturz der Monarchie als quantitativ und organisatorisch zu schwach, um mit den überall mobilisierten, aber reformistisch- sozialdemokratisch, vor allem republikanisch eingestellten Arbei- termassen den Staatsapparat nicht nur zu erschüttern, sondern - vor allem die Spitze in Heer und Polizei - zu zerschlagen. 31) Die Tatsache, daß das deutsche Heer keine entscheidende Nieder- lage erlitten hatte, im Gegenteil sich 'geordnet' zurückziehen konnte, begünstigte das Weiterbestehen dieses entscheidenden Horts der Reaktion. So war es Bourgeoisie und Sozialdemokratie ein leichtes, die Betriebsbesetzungen als kriminelle Delikte zu verfolgen, die Rätebewegung zu majorisieren, den Massen hinsicht- lich einer ihrer Hauptforderungen, - Sozialisierung der Grund- stoffindustrie -, durch Lug und Trug in Form des "Demonstrations- sozialismus" 'das Maul zu stopfen': Die 'Sozialisierung' in Form der "Zwangssyndizierung", zum Teil im direkten Interesse der 'betroffenen' Monopole, auf Grundlage der "Selbstverwaltung". "Eine wirklich revolutionäre Partei hatten die deutschen Arbeiter im Augenblick der Krise nicht, infolge der zu spät vorgenommenen Spaltung, infolge des Drucks der verfluchten Tradition der 'Einheit' mit der korrupten (die Scheidemann, Legien, David und Co.) und charakterlosen (die Kautsky, Hilferding und Co.) Bande der Lakaien des Kapitals. In jedem ehrlichen, klassenbewußten Ar- beiter ... erwachte in unglaublicher Schärfe der Haß gegen den Opportunismus der alten deutschen Sozialdemokratie, und dieser Haß - das edelste, erhabenste Gefühl der Besten aus der unter- drückten und ausgebeuteten Masse - machte die Menschen blind, nahm ihnen die Möglichkeit, kaltblütig zu überlegen und eine ei- gene richtige Strategie auszuarbeiten als Antwort auf die glän- zende Strategie der bewaffneten, organisierten, durch die 'russische Erfahrung' gewitzigten von der Entente, von Frankreich, England und Amerika unterstützten Kapitalisten. Die- ser Haß trieb sie zu vorzeitigen Aufständen." 32) Der seit Ende des 19. Jahrhunderts auftretende und durch den Weltkrieg verfolgbare Widerspruch zwischen den zwei wichtigsten Fraktionen der Bourgeoisie - den Monopolgruppen der Schwerindu- strie und jenen der Chemie-Elektro-Gruppe - wurde zunächst unmit- telbar unter den Bedingungen des verlorenen Krieges, - der Besei- tigung feudalaristokratischer Elemente der Staats- und Länder- spitze, dem Zusammenbruch der Kriegswirtschaft und der allgemei- nen 'Unruhe' der Arbeiterklasse - im Sinne der diese Situation real einschätzenden Fraktion, den Monopolen der Chemie-Elektro- Gruppe, gelöst. Während die - einen offen konterrevolutionären, reaktionären Kurs verfolgende, sich 'national' gegen "Erfüllungs- politik" gebärdende, sich im Verfolg ihrer Sonderinteressen desungeachtet ungerührt zur Fraktion des 'nationalen Verrats' entwickelnde - Schwerindustrie vor 1918 jede Beziehung selbst zu den 'Staats- und Kaisertreuen'- SPD und Gewerkschaften - abgelehnt hatte und dazu erst kurz vor Ende des Krieges bereit war, 33) um sich nicht, falls notwendig, die Möglichkeit zu ver- schließen, sich des Staatsapparates zur Durchsetzung ihrer Inter- essen auch unmittelbar zu bedienen, hatte die Monopolgruppe Elek- tro-Chemie im Laufe des Krieges - und schon vor dem Krieg - mit Arbeitervertretern in verschiedenen (Kriegs-) Gremien zusammenge- arbeitet; im Gesamtinteresse des Kapitals garantierte die Sozial- demokratie als politische Gallionsfigur des Monopolkapitals die unter Nachkriegsbedingungen unerläßliche Massenloyalität. Die ökonomische Rekonstruktion unter den Bedingungen des Verlu- stes hauptsächlich als Rohstoffquellen wichtiger Gebiete, der Notwendigkeit der Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion, des Zusammenbruchs des inneren Marktes, der Abschneidung des Deutschen Reiches vom Weltmarkt durch die Blockade, und der Repa- rationen, setzte die politische Stabilisierung voraus. "Wirtschaftsdemokratie", "Sozialstaat" und "Staatssozialismus" als sozialdemokratischer Ideologie 34) entsprach in der Praxis - die "Sozialisierung" auf dem Transport- und Energiesektor (Reichsbahn, Bergbau, E-Werke) in erster Linie, um die Produkti- onskosten der Monopole niedrig halten zu können; - die 'demokratische' Verhüllung des kapitalistischen Produkti- onsprozesses durch den Einbau reformistischer Arbeiterfunktionäre aufgrund des "Betriebsrätegesetzes" vormals "Gesetz über den va- terländischen Hilfsdienst"; - entsprachen die (von den Massen erkämpften) Errungenschaften 8- Stunden-Tag, Tarifverträge und deren baldige, faktisch kampflose Preisgabe durch die Gewerkschaften als Alleinvertretung der Indu- striearbeiter; - entsprach die Besetzung des Wirtschaftsministeriums durch Rathenau (AEG), Moellendorf (AEG) und Wissell (SPD). Die vereinigend wirkende Absicht des Monopolkapitals, möglichst schnell und reibungslos von Kriegs- auf Friedensproduktion über- zugehen, ohne dabei die herrschenden Produktionsverhältnisse zu gefährden noch gefährden zu lassen, fand seinen Ausdruck in der Bildung der "Zentralarbeitsgemeinschaft industrieller und gewerb- licher Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" (15.11.18) und dem am 12.11. gemeinsam von Monopolkapital (Stinnes, Vogler, Bor- sig, Rathenau) und Gewerkschaften (Legien, Stegerwald, Aufhäuser) errichteten "Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung". Die- ses erhielt nicht nur diktatorische Vollmachten, sondern auch - auf Empfehlung des Hausmeiers Prinzen Max von Baden - den sich offen als Vertreter der Schwerindustrie bekennenden ehemaligen Leiter der Kriegsrohstoffabteilung, Obersten Koeth, zum Leiter, wie auch eine Reihe Industrieller als Mitarbeiter wie Krupp-Di- rektor Wiedfeld. 35) Alle im Krieg erlassenen Verordnungen blieben "bis auf Widerruf" in Kraft. 36) So verschaffte sich "die Mehrzahl der großen Rüstungsbetriebe den staatlichen Auftrag, ihre Produktion auf der bisherigen Höhe zu halten". "Staatliche Aufträge und Zuschüsse hielten die Konzern- herren dazu an, noch Wochen nach dem 9. November Kriegsmaterial zu produzieren." 37) Ebenso wie der "Rat der Volksbeauftragten" das kaiserliche Demo- bilmachungsamt übernommen hatte und als Kontrollorgan für die Zuteilung der staatlichen Mittel "im Prinzip" mit der von Koeth dafür vorgeschlagenen Kriegsrohstoffabteilung einverstanden war, so war es sein erklärtes Programm, " 'die geordnete Produktion aufrechtzuerhalten' und 'das Eigentum gegen Eingriffe Privater sowie die Freiheit und Sicherheit der Person' " zu schützen, 38) "das gute Einvernehmen innerhalb der Arbeiterschaft oder der An- gestelltenschaft sowie zwischen diesen und dem Arbeitgeber zu fördern." 39) Schon Ende November 1918 lag ein vom Reichswirtschaftsministerium detailliert ausgearbeiteter 5Mrd.-Plan ("Reichsfonds") vor zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft beim Übergang von der Kriegs- zur Friedensproduktion durch den Staat, der nicht nur in der Höhe mit den Forderungen Koeths bzgl. finanzieller Unterstüt- zungsmaßnahmen in Form von Staatsaufträgen, Garantieleistungen und Vorschüssen an die Industrie übereinstimmte. 40) Dieser Plan stellt einerseits die Fortsetzung der in der Kriegswirtschaft er- probten Finanzierungsmaßnahmen dar, andererseits ist es der Be- ginn der in der Weimarer Republik fortschreitenden Ausdehnung der staatlichen Maßnahmen auf dem ökonomischen Sektor. Diese Ausdeh- nung ging keineswegs reibungslos vor sich: "Leider gelang es nicht, diesen Plan schon damals zu verwirkli- chen... Abgesehen von der Schwierigkeit der Mittelbeschaffung war die Erkenntnis von der Notwendigkeit für die schleunige Durchfüh- rung eines großzügigen und einheitlichen Wirtschaftsprogramms da- mals noch nicht vorhanden... Eine sozialistische Regierung darf nicht gleichgültig zusehen, daß wegen einiger Auswüchse die öf- fentliche Meinung durch interessierte Vorurteile gegen eine ge- bundene Planwirtschaft vergiftet J . wird..." 41) "Schon im Sommer 1919 brachten der Widerstand der Sozialdemokra- tie gegen die Wissellsche Verwässerung der Sozialisierung sowie der heftige Kampf der Unternehmer gegen die 'Militarisierung' der Volkswirtschaft durch Zwangsverbände die Planwirtschaft zu Fall." 42) Zu analysieren ist der Kampf der Schwerindustrie-Gruppe des Mono- polkapitals 'gegen den Weimarer Staat', d.h. gegen den bestimmen- den 'Rivalen' im Verein mit der Sozialdemokratie. Dieser Kampf wurde geführt unter dem Motto 'gegen die Beherrschung der Wirt- schaft durch den Staat'. Das 'Unverständnis' der Schwerindustrie gegenüber Staatsform und Charakter des Staates, gegenüber der Be- deutung und Rolle der 'vaterlandslosen Gesellen' in Regierung und Verwaltung ist darauf zurückzuführen, daß die Schwerindustrie längst ihre Rolle als Zentrum der fortschreitenden Entwicklung der Produktivkräfte an die expandierende Chemie-Elektro-Industrie abgeben mußte. Der weniger hohe Grad der Arbeitsteilung in den schwerindustriellen Produktionszweigen ließ diese Monopolgruppe verkennen, daß sich hinter 'Sozialisierung', 'Gemeinwirtschaft', 'Wirtschaftsdemokratie' lediglich die im Interesse der Weiterent- wicklung der Produktivkräfte unter kapitalistischen Bedingungen 'neue' Organisation der Arbeit verbirgt, und zwar in jenen Pro- duktionszweigen, in denen Arbeitsteilung, der Vergesellschaf- tungsgrad der Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen am höchsten entwickelt ist, eben in der Chemie-Elektro-Industrie. Voraussetzung und gleichzeitig Ziel des Kampfes war der schnelle Ausbau der ökonomischen Machtstellung, bedingt durch die Notwen- digkeit schneller Sicherung der (verlorenen) Rohstoffbasis (Produktionskosten!), der Wiedergewinnung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt. Dieser Kampf wurde geführt um die möglichst weitgehende Ausnützung der durch Inflation und Reparationsfrage gegebenen Möglichkeiten im Sonderinteresse der betreffenden Mono- pole, bezüglich der Schwerindustrie zur relativ leichten - in dieser Periode vor allem - Zentralisation (vertikale Konzernbil- dung). Die Entscheidung der politischen Machtfrage bezüglich der Beherrschung des Staatsapparates war ebenso gleichzeitig Voraus- setzung und Ziel des Kampfes. "Wachstum und technischer Fortschritt müssen durch Inflation fi- nanziert werden." (BDI-Präsident Fritz Berg am 14.2.1970 auf der Sitzung des Gemeinschaftsausschusses der deutschen Wirtschaft in Bonn, FR 26.2.70) a. Inflation 43) ---------------- In der Inflationsperiode wurde ein Teil des Einkommens der den Mehrwert produzierenden Massen vom Staat durch Steuern und Geldentwertung abgezweigt, um diese Mittel dem Kapital zur Behe- bung seiner Verwertungsschwierigkeiten zufließen zu lassen. Diese Mittel sind von den sonst üblichen Staatsanleihen zu unterschei- den: Staatsanleihen stammen überwiegend aus dem früher akkumu- lierten Geldkapital und aus dem in der betreffenden Periode ge- schaffenen Mehrwert. Die dem Kapital im Zuge der Inflation zur Verfügung gestellten Mittel entstammen nicht dem Mehrwert, son- dern dem durch die notwendige Arbeit der Lohnarbeiter sowie dem durch die Arbeit der kleinen Warenproduzenten geschaffenen Wert. Mit Hilfe der Inflation eignet sich der Staat also einen Teil des Wertes der Ware Arbeitskraft und einen Teil des notwendigen Pro- dukts der kleinen Warenproduzenten an. Über Preissteigerungen für notwendige Existenzmittel zur Reproduktion der Arbeiter wird der Ausbeutungsgrad erhöht. Die durch Klassenkämpfe erzwungenen Nomi- nallohnerhöhungen bleiben in der Inflationsperiode immer weit hinter den Warenpreiserhöhungen zurück. Der Rückgang des Real- lohns ist eine zwangsläufige Erscheinung der Inflation. Die Vor- teile der Inflation für das Kapital waren: - der Rückgang des Reallohns ermöglichte die Erzielung einer hö- heren Mehrwert- und Profitrate; Erhöhung des Ausbeutungsgrades. - Die Geldentwertung verbilligt die Investitionen bzw. tilgt die Darlehensschuld trotz Zinserhöhungen, da diese hinter der Geldentwertung zurückbleiben. - Durch den Rückgang der Produktionskosten infolge der sinkenden Reallöhne und des fallenden Markkurses (Valutadumping) ist eine relativ kurze Steigerung der Konkurrenzfähigkeit als Exporteur auf dem Weltmarkt möglich, unter Weltmarktpreisen. - Spekulationsprofite wurden erzielt durch das Aufkaufen von Wa- ren und Devisen zu ständig sinkendem Markkurs und Weiterverkauf zu erhöhten Preisen. Die Nachteile der Inflation für das Kapital waren: - Der Grundwiderspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital verschärft sich aufgrund der steigenden absoluten Verelendung des Proletari- ats, beinhaltet also eine mögliche Gefährdung der Herrschaft der Bourgeoisie durch die Verschärfung der Klassenkämpfe (1923 vor allem Hungerstreiks). - Während die Inflation als Schuldenverbilligung bzw. -tilgung die Zentralisation fördert, hemmt sie vielfach den Prozeß der er- weiterten Reproduktion des Kapitals oder verwandelt sich sogar (1923) in einen Prozeß der sich verengenden Reproduktion. - Die verschiedenen Wirtschaftszweige werden in verschiedener Weise bevor- oder benachteiligt; folglich werden die Widersprüche im Monopolkapital verstärkt. Die exportorientierte Industrie wird bevorteilt, die importabhängige benachteiligt (Rohstoffabhängig- keit). "Aus all diesem ergibt sich, daß es nicht so ist, das 'das' Mono- polkapital inflationistisch gesinnt (war), sondern daß es Kreise (gab), die für und solche, die gegen eine Inflation (waren), und auch solche finden wir: Kreise, die zunächst für die Inflation waren, wenden sich im Laufe der Zeit gegen sie und umgekehrt." 44) Der Prozeß der Entwertung der Mark weist von 1920 bis 1923 immer wieder Perioden auf, in denen der Kurs der Mark stagnierte bzw. sich verbesserte, wofür objektive Faktoren wie eine Erholung der Produktion und subjektive wie die internationale politische Si- tuation im Zusammenhang mit der Reparationsfrage Ursache gewesen sein können; Kämpfe der Arbeiterklasse gegen ihre fortschreitende Verelendung waren in keiner Phase von direkter Bedeutung, wohl aber von Bedeutung dafür, daß sich Widerstände im Monopolkapital gegen die weitere Inflation aus Furcht vor einer möglichen Ver- schärfung der Klassenkämpfe entwickelten und verstärkten (Ruhrkämpfe). Von 1919-23 trat die Chemie-Elektro-Gruppe im allgemeinen für eine Beendigung der Inflation ein, ebenso Sozialdemokratie und Gewerkschaften. Das Desaster des Kapp-Putsches war für die reaktionärste Bour- geoisfraktion Grund genug, vorerst keinen neuen direkten Angriff auf die 'rote Republik', d.h. die Machtposition der durch SPD und Gewerkschaften unterstützten Gruppe Elektro-Chemie, zu unterneh- men; dafür behalf man sich mit der direkten Sabotierung der staatlichen Politik in der Inflations- und Reparationsfrage. Daß es der 'Inflationspartei', der Schwerindustrie, erfolgreich gelang, ihre Sonderinteressen durchzusetzen, zeigt der Prozeß der Inflation und das Scheitern der Reparationsverhandlungen mit ent- sprechenden Folgen. Es "gelang dem deutschen Monopolkapital die schnellste Umschich- tung von Einkommen und Vermögen, die die deutsche Geschichte bis dahin gekannt hat: Der Lebensstandard der Arbeiter und kleinen Angestellten, die über kein Vermögen verfügten, war gegenüber 1913/14 halbiert worden. Das Vermögen des Mittelstandes war zu einem wesentlichen Teil in der Inflation verschwunden. Das Vermö- gen des mittleren Kapitals hatte sich, soweit es in Sachwerten angelegt war, durch Konkurrenz und Verkauf an Stärke vermindert. An der Spitze der Pyramide stand eine winzige Schicht von Monopo- listen, die Produktionsmittel auf Produktionsmittel gehäuft hat- ten und durch sie mittels des Staates die ökonomische und politi- sche Herrschaft in Deutschland ausübten..." 45) b. Die Reparationsfrage 46) --------------------------- Die aufgrund des Versailler Vertrages vor allem zum Wiederaufbau Nordfrankreichs und Belgiens vom Deutschen Reich zu leistenden Reparationen bedeuteten für das deutsche Monopolkapital d a s Geschäft der Nachkriegszeit im Sinne der Ankurbelung der Produk- tion mittels Staatsgeldern. Die Reparationen konnten und sollten nämlich nicht etwa durch Barzahlungen aus der Steuerkasse gelei- stet werden, sondern aufgrund der schlechten Devisenlage 47) des Reiches durch direkte Lieferungen der deutschen Industrie, die vom Staat bezahlt wurden. Entscheidend war nun für das deutsche Monopolkapital, welche Fraktion es vermochte, den größten Teil der Reparationsaufträge an sich zu reißen. Die Linie der deut- schen Regierung und damit die der die Interessen der Chemie-Elek- tro vorwiegend wahrnehmenden Rathenau & Co. bestand in den ver- schiedenen Reparationsverhandlungen mit Frankreich darin, unter i h r e r Vermittlung und unter Mitwirkung der deutschen Gewerk- schaften, die die Festsetzung der Lieferpreise kontrollieren sollten, Reparationslieferungen mit 'der' deutschen Industrie ab- zuschließen (Wiesbadener Abkommen Oktober 1921). Die Schwerindu- strie hatte seit 1920 (Konferenz von Spa) sämtliche Reparations- verhandlungen zum Scheitern gebracht. Die unter dem Motto "gegen Erfüllungspolitik" geführte Offensive findet seine ökonomische Begründung in der Tatsache, daß diese Monopolgruppe nur 'eigentlich' gegen Reparationen war, uneigentlich aber immenses Interesse daran hatte, die Reparationslieferungen in i h r e Regie zu übernehmen; nicht 'der Staat' sollte Lieferverträge ab- schließen, sondern 'die deutschen Industrie'. Stinnes gelang es, das Wiesbadener Abkommen in direkten Verhand- lungen mit Frankreich zu revidieren; die Vermittlungsfunktion der deutschen Regierung und die Kontrollfunktion der Gewerkschaften wurden eliminiert. Die deutsche Regierung hatte nur noch zu be- zahlen, 'die deutsche Industrie' schloß mit Frankreich direkt Lieferungsverträge ab. Über die Ausplünderung der Staatskasse schrieb die "Weltbühne": "Mit Ausnahme der unmittelbar interessierten Industriekreise be- steht kaum eine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die deutsch- französischen Sachlieferungsabkommen (Stinnes Vertrag) im Augen- blick der schwersten materiellen Not Anforderungen an den deut- schen Reichssäckel und damit an die deutschen Steuerzahler stel- len, die über alles Bisherige noch weit hinausgehen. Denn zu den ungeheuerlichen Verpflichtungen an die Entente kommen jetzt noch neue, hunderte von Goldmillionen erfordernde Verpflichtungen an die deutsche Industrie." 48) Inflations- und Reparationspolitik der beiden wichtigsten Frak- tionen der deutschen Bourgeoisie im Zeitraum 1918-23 zeigen, daß beide Gruppen dieselben Ziele auf verschiedenen Wegen anstrebten: war es im Interesse der Chemie-Elektro-Gruppe, möglichst rei- bungslos in Arbeitsgemeinschaft mit den stärksten Arbeiterorgani- sationen SPD und Gewerkschaften ihre Stellung auf dem inneren und äußeren Markt auf kosten der Arbeiterklasse und der Kleinbour- geoisie wiederzuerringen, auszubauen und zu stabilisieren, - po- litisch durch unmittelbare Beherrschung des Staatsapparates ", so unterscheidet sich die Politik der Monopole der Schwerindustrie nicht im (gleichen) Ziel der Um- und Neuverteilung des Volksver- mögens durch die Inflation, sondern - aufgrund der durch die öko- nomischen Folgen des verlorenen Krieges und des Umsturzes 1918 veränderten Machtverhältnisse zwischen den Fraktionen der Bour- geoisie - durch direkten Kampf gegen den die Interessen des 'Rivalen' überwiegend repräsentierenden bürgerlich-demokratischen Staat mit dem Ziel der offenen Diktatur des Monopolkapitals, d.h. der Eroberung des Staatsapparates und der Ausschaltung sämtlicher 'Rücksichtnahme' auf den durch den Umsturz erreichten Einfluß der reformistischen Arbeiterorganisationen und Fraktionen der Klein- bourgeoisie im Gesamtinteresse des Monopolkapitals. Hierzu gehört der Kapp-Putsch, gehören die Separationsbestrebungen an Rhein und Ruhr, und die finanzielle Unterstützung der Faschisten seit 1923 z.B. durch Thyssen; hierzu gehört auch das 'Programm der Schwer- industrie', das Stinnes schon Ende 1922 so formulierte: Rücknahme des Versailler Vertrages durch die Siegermächte, dafür verpflich- tet sich 'Deutschland', "zu gesunden Verhältnissen" aufgrund sol- cher Maßnahmen zurückzukehren wie unbezahlte Verlängerung des 8- Stunden-Tages um wenigstens 2 Überstunden für 10 bis 15 Jahre; Aufhebung des Streikrechts für mindestens 5 Jahre; Aufhebung sämtlicher ökonomischer 'Zwangsmaßnahmen' (Demobilisierung, Fest- setzung von Höchstpreisen, Aus- bzw. Einfuhrbeschränkungen, Miet- festsetzungen etc.), dafür aber umfangreiche Steuererleichterun- gen. 49) 2. Die Phase relativer Stabilisierung 1924 -1928 ------------------------------------------------ Die Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors im ---------------------------------------------------- Verwertungsinteresse des Kapitals und seine Bedeutung ----------------------------------------------------- für die Widersprüche im Monopolkapital. --------------------------------------- In dieser Phase wurde "erstmalig in einer Konjunkturperiode rela- tiv breit" durch Maßnahmen des monopolkapitalistischen Staates "vor allem die Expansion der Monopole unterstützt: ... in einem System von Maßnahmen zur Unterstützung der günstigen konjunktu- rellen Entwicklungsbedingungen insbesondere für die monopolisti- sche Großindustrie und zur Abwälzung der hieraus ; sowie aus dem Dawes-Plan resultierenden finanziellen Lasten vor allem auf die werktätige Bevölkerung - dabei spielte die Umverteilung des Na- tionaleinkommens über den Staatshaushalt eine besondere Rolle; in der breiten Unterstützung des deutschen Monopolkapitals vor allem durch den USA-Imperialismus unter anderem auf der Grundlage staatlicher Vereinbarungen; in der Erweiterung des Staatseigen- tums an Produktionsmitteln und der Fortsetzung seiner Reorganisa- tion." 50) Im November 1923 wurde die Reform des deutschen Finanz- und Wäh- rungssystems durchgeführt, nachdem die Inflation begann, auch Grundbesitz und Industrieproduktion in Mitleidenschaft zu ziehen, Kapitalinvestitionen aus dem Ausland zu verhindern, nachdem der Ruhrkampf gescheitert war, der Zentralisationsprozeß aufgrund günstiger Inflationsbedingungen weitgehend abgeschlossen war, hingegen die Lösung der Reparationsfrage auf internationaler Ebene Voraussetzung für die nun notwendigen, bisher vernachläs- sigten technischen Rationalisierungen im Arbeitsprozeß war. Es fehlte der deutschen Industrie das hierfür notwendige Kapital, d.h. es waren ausländische Investitionen und Kredite dringend notwendig. Die nach dem Dawes-Plan von der Industrie, der Reichsbahn und aus der Steuerkasse zu zahlenden Reparationsmilliarden 51) wurden im wesentlichen mithilfe der staatlichen Steuergesetzgebung zugun- sten des Monopolkapitals nivelliert, diesem Entschädigungen für Reparationsleistungen und Subventionen gezahlt? Zollpolitik im Interesse der Sicherung hoher Monopolpreise betrieben? Exportver- gütungen gewährt u.a. Gleichzeitig wurde auf dem Wege der organi- satorischen Rationalisierung durch Entlassungen (1923: 300 000; 1924: 2,2 Mill. 52)) und Arbeitsintensivierung 53) dieser kon- junkturelle Aufschwung erst ermöglicht, während dem auch die Pro- duktionsmittel erweitert und modernisiert wurden. Zunächst be- ruhte aber das Charakteristische der Rationalisierung auf dem "beschleunigten Kapitalumsatz und auf der Erhöhung der Arbeitsin- tensität...; seltener wird auch eine Reorganisation der techni- schen Seite der Produktion vorgenommen... Es handelt sich in er- ster Linie nicht um eine technische, sondern um eine organisato- rische Rekonstruktion. Daher haben die Arbeiter unter dieser Ra- tionalisierung aufs schwerste zu leiden... ' (54) Elemente dieser 'Offensive des Kapitals' waren darüberhinaus die Aufkündigung der Zentralarbeitsgemeinschaft; die Beseitigung des 8-Stunden-Tages; die Einschränkung der Sozialleistungen; die Durchlöcherung der Verbindlichkeit der Tarifverträge; die Aufhebung des Streikrechts in der Praxis. Alle Maßnahmen wurden ermöglicht durch das mit den Stimmen der SPD am 8.12.23 verabschiedete erste Ermächtigungsge- setz zur Beseitigung der Revolutionsfolgen. Damit war das deutsche Monopolkapital in der Lage - aufgrund der. im internationalen Maßstab niedrigen Löhne und des längeren Ar- beitstages - mit höherer Profitrate zu produzieren als seine hauptsächlichen Konkurrenten; aus diesem Grund strömte jetzt vor allem amerikanisches Kapital nach Deutschland. Die in dieser Phase vor allem gegebene Gefahr der Spaltung des Proletariats durch die Bourgeoisie in Arbeitende und Arbeitslose; in qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter; durch Vergrößerung der Lohndifferenzen; durch Erhöhung des Konkurrenzdrucks im Ak- kordsystem etc. ist nicht allein eine nationale Erscheinung, son- dern findet ebenso im internationalen Maßstab Anwendung: so stellte das englische, französische usw. Monopolkapital 'seine' Arbeiter unter dem Gesichtspunkt des Verlustes der Konkurrenzfä- higkeit gegenüber den deutschen Monopolen vor die Alternative, entweder ebensolche Verschärfung der Ausbeutung hinzunehmen, oder Entlassungen und Betriebsstillegungen, d.h. das deutsche gegen das Proletariat anderer Länder auszuspielen und so das Proleta- riat international zu spalten. 55) Deutschland zahlte von 1924-1929 rund 9 Mrd. Reichsmark Repara- tionen. Zur gleichen Zeit flössen ca. 10-15 Mrd. Reichsmark an langfristigen, hauptsächlich amerikanischen Krediten und ca. 7 Mrd. RM kurzfristige Anleihen ausländischen Kapitals ins Deutsche Reich, wodurch Kapazitätserweiterungen und die Wiedererringung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt ermöglicht wurden. 56) 1927 übertraf die Industrieproduktion die vor 1914. Der deutsche Anteil an der Weltindustrieproduktion erhöhte sich von 8% 1923 auf 12% 1928; der Warenexport lag 1927 um 7% über dem der Vor- kriegszeit. 57) Die internationale Verflechtung des deutschen Monopolkapitals ist in dieser Periode gekennzeichnet durch das Aufkaufen (Opel) bzw. der Beteiligung (AEG, Dynamit AG, Nordd. Lloyd) amerikanischer Monopole an deutschen Betrieben. Der Konzentrations- und Zentralisationsprozeß wird markiert durch die Bildung der Trusts der IG-Farben und der Vereinigten Stahl- werke; der Stinnes Konzern bricht 1925 auseinander. Ende Oktober 1927, vor Beginn der Krise, waren von 12 000 AG 2 100 mit 63% des gesamten deutschen Aktienkapitals zu Konzernen zusammenge- schlossen. 58) Wurde oben über die Periode 1918-23 versucht, staatliche Ein- griffe in den Wirtschaftssektor im Interesse der zwei Hauptfrak- tionen der Bourgeoisie bzw. deren Kampf um den Staatsapparat zur Durchsetzung ihrer Sonderinteressen zu untersuchen, soll nun für die Periode 1924-28 dasselbe bzgl. der Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors in seiner Bedeutung für das Monopolkapital un- ternommen werden. In der Periode relativer Stabilisierung, in der das deutsche Mo- nopolkapital vor allem seine Weltmachtstellung zurückerobert, kommt es zu einem 'zeitweiligen Interessenausgleich' zwischen den wichtigsten Monopolgruppen. Wiewohl dieser Widerspruch im Zeit- raum 24-28 wenig untersucht ist, ist soviel festzuhalten, daß es der Chemie-Elektro-Gruppe gelang, nicht nur den Vorstand des "Reichsverbandes der deutschen Industrie" Ende 1925 mit Duisberg (IG-Farben) zu besetzen, sondern zunehmend auch - vor allem mit Krisenbeginn - weitere wichtige Positionen im Staatsapparat. So waren 1928 17 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der IG-Far- ben höhere Staatsbeamte und Parlamentsmitglieder; Moldenhauer (IG-F) war Finanzminister der Regierung Hermann Müller, ebenso Dietrich (IG-F), und im 1. Kabinett Brüning; IG 'Farben-Warmbold' war Wirtschaftsminister dreier Kabinette von Oktober bis Januar 1933. 59) Wie sich diese Fraktion auf die stabilisierten Verhältnisse ein- stellte, zeigte Duisberg Ende November 1920 vor der von ihm ge- gründeten "Staatspolitischen Vereinigung": "In der Behandlung wichtiger wirtschaftlicher Fragen muß eine Än- derung eintreten. Wie man es machen muß, das kann man in Amerika sehen. Die ganze Politik dort wird von einem Gremium von Wirt- schaftlern gemacht. Wenn größere Fragen zur Entscheidung stehen, dann treten sie zusammen, sprechen diese durch und setzen Richt- linien fest, nach denen wird dann gearbeitet. Aber wie soll man es in Deutschland machen? Alle diese Dinge werden im Reichstag entschieden. Darum können und müssen wir auf die Parteipolitik einwirken... Nur durch planmäßige Beeinflussung lassen sich alle Schwierigkeiten überwinden." 60) Praktiziert wurde diese Taktik nicht nur wie oben aufgezählt, sondern hauptsächlich durch Einrichtung eines "geheimen politi- schen Kabinetts, das Duisburg und Bosch direkt unterstand" 61) und die Verbindung zu allen politischen Parteien sicherte, also sich die Personalunion von Monopolkapital und Staatsbürokratie gar nicht als unbedingt notwendig erwies. Diese Entwicklung, die sich schon im Weltkrieg als institutionelle Verflechtung von Mo- nopolkapital und Staatsapparat in Form der diversen Rohstoffge- sellschaften oder Kriegsausschüsse herausbildete - in denen sich dann der Kampf der jeweiligen Monopole um den höchsten Profit ab- spielte -, scheint sich 1924-28 fortgesetzt zu haben in Gestalt der 8 Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft. 62) Die andersge- artete, nämlich - wie oben geschildert - die die Personalunion anstrebende Politik der Monopole von 1918-23 (Stinnes, Rathenau usf.) scheint die These zu bestätigen, daß "die Personalunion ... offensichtlich nur dann und dort eine Rolle (spielt), wenn und wo der Profit am gefährdetsten war, sei es akut oder potentiell." 63) Der Krieg war ein relativ ungefährdetes Geschäft, desgleichen die Periode 24-28, in der der Staatsapparat verstärkt im Gesamtinter- esse des Monopolkapitals Maßnahmen zur Profitsicherung ergreift. Während es also den beiden wichtigsten Fraktionen der Bourgeoisie in dieser Periode des 'Waffenstillstandes' um die Stabilisierung der politischen Verhältnisse ging - nicht zuletzt unter den Be- dingungen, unter denen das amerikanische Finanzkapital in beiden Monopolgruppen investierte - bildete sich in der Schwerindustrie eine Fraktion unter dem Hugenberg-Flügel der DNVP heraus, der sich aus den reaktionärsten Vertretern im Monopolkapital zusam- mensetzte, kristallisiert seit 1891 im "Alldeutschen Verband". Diese Fraktion schloß 1931 mit der NSDAP die "Harzburger Front" 64) und erhob in ihren Hochburgen Rheinland und Westfalen über das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat ab 1931 eine Umlage von 5 Rpfg pro verkaufter Tonne Kohle zur Füllung der Parteikasse der NSDAP. 65) Die wichtigste und in dieser Periode charakteristischste Erschei- nung des monopolkapitalistischen Staates ist die Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors und die wachsende Rolle des Staatshaushaltes im Verwertungsinteresse des Kapitals. "Diese Tatsache ist in Zusammenhang zu bringen mit der Investiti- onspolitik der Konzerne und des Staates. Die gemeinsame Politik der Konzerne und der Ministerialbürokratie soll die langfristige Rationalisierung der Industrien ermöglichen , wobei das wirt- schaftliche und erst recht das politische Risiko der monopolkapi- talistische Staat übernahm... Staatliche Eingriffe in den Wirt- schaftsprozeß sollen die Monopolprofite sichern und Überprodukti- onskrisen abhalten." 66) Das Anwachsen der staatlichen Eingriffe in den Wirtschaftssektor seit etwa den 70/80er Jahren und das Anwachsen des staatlichen Industrie- und Bankkapitals ist deutlich zu verfolgen; ebenso aber, daß dieses Anwachsen nicht kontinuierlich verlief, sondern die Widersprüche im deutschen Monopolkapital zum Teil erheblich verstärkte: - war es während des Krieges innerhalb der direkten Verschmelzung von Monopolkapital und Staat(sapparat) bzgl. des gemeinsamen Be- sitzes von Unternehmen zu solchen "fast ausschließlich auf dem Gebiet der Aluminium- und Stickstoffindustrie sowie in der Elek- trizitätsversorgung (gekommen), soweit diese für die gesamten In- dustriezweige gesichert werden sollte"; 67) - war es nach 1918 dem Monopolkapital, hauptsächlich der Chemie- Elektro-Gruppe im Verein mit Sozialdemokratie und Gewerkschaften gelungen, mithilfe des Staatsapparates unter der Fahne des 'neutralen Staates' und dem Mäntelchen der 'gemeinwirtschaftlichen Selbstverwaltung', nicht nur "die ge- fürchtete Sozialisierungswelle ... in andere Kanäle" zu leiten "und (ihren) scheinbar umstürzlerischen Charakter in ruhigere Bahnen" zu lenken, 68) sondern überdies die staatliche Ausdehnung auf dem Wirtschaftssektor in Form der 'Sozialisierungen' auf dem Energie- und Transportsektor ganz im Profitinteresse des Monopol- kapitals durchzuführen; - waren es in derselben Periode die Monopole der Schwerindustrie, die gleichzeitig solche Unternehmungen und alle weiteren 'illusionären' Pläne sozialdemokratischer Ideologen als "Verwirklichung des Kommunismus" bekämpften; 69) so tritt offiziell in der Periode der relativen Stabilisierung das deutsche Monopolkapital geschlossen gegen jedes weitere "Eindringen der öffentlichen Hand in das private Erwerbsleben" auf. 70) In Wahrheit bedeutete dies nur, daß das Monopolkapital darauf drängte, die Reste der Errungenschaften der Arbeiterklasse im Ge- folge des verlorenen Krieges unter den Bedingungen der ökonomi- schen Erfordernisse nach der Währungs- und Finanzreform mithilfe des Staates abzuschaffen; die gesamte, die Entwicklung des Kapi- tals tangierende staatliche Gesetzgebung im Sinne der "freien Wirtschaft" zu revidieren; das hieß, der Staat muß "sich vor al- lem davor hüten, in organische Prozesse der Wirtschaft Eingriffe zu versuchen", umgekehrt müsse er aber erkennen, "daß die Pflege der Wirtschaftsinteressen eine der wichtigsten Aufgaben des Staa- tes heute ist." 71) Unter "Pflege der Wirtschaftsinteressen" verstand das Monopolka- pital in dieser Periode Förderung des Konzentrations- und Zentra- lisationsprozesses durch Übernahme des Risikos für (vor allem langfristige) Investitionen u.a. durch Staatsbeteiligung im Rah- men der Ausdehnung des staatlichen Wirtschaftssektors; staatliche Garantien für ausländische Kredite und Investitionen; staatliche Subventionen; entsprechende Steuergesetzgebung, 72) 'Sozialpoli- tik' und Ermöglichung der Erhöhung der Ausbeutungsrate bei gleichzeitiger Garantie der Niederhaltung der Arbeiterklasse, d.h. des 'sozialen Friedens'. Unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft, verstärkt nach Kriegsende, drängte die vor allem auf elektrische Energie ange- wiesene Stickstoff-, Aluminium- und chemische Industrie auf Über- nahme der noch überwiegend privaten (z.B. AEG) E-Werke durch den Staat, da sich das Profitinteresse der E-Industrie störend auf die Produktionskosten der von ihr abhängigen Industrien aus- wirkte, bzw. umgekehrt sich die Produktionskosten der E-Industrie nicht mehr (vor allem während des Krieges) mit der erreichbaren Profitrate in Einklang bringen ließen. Kurz: "Die AEG hatte einen Vertrag (mit der Industrie) abgeschlossen, der ihr nicht genug einbrachte. Also verlangte sie aus ihm entlassen zu werden und verkaufte das Werk an das Reich." 73) Kuczynski weist auf eine weitere Variante bzgl. Verstaatlichung bzw. Reprivatisierung hin: "Immer, wenn die äußerste)? d. Verf. Reaktion sich öffentliche Betriebe zuschanzen will, mit denen sie glaubt, ihre Profite steigern zu können, weist sie auf die 'Unrentabilität' solcher Betriebe hin. Umgekehrt, wenn sie glaubt, daß private Betriebe zu rentabel sind bzw. ihre Profite sie stören, verlangt man ihre Verstaatlichung. Dabei wechseln die Auffassungen im Laufe der Zeit." 74) Hierfür sind am sprichwört- lichsten die Verstaatlichung der Eisenbahnen und die temporären Versuche, sie zu reprivatisieren (Stinnes). Der Staat tritt aber nicht nur als Agent des Monopolkapitals auf, sondern - wie schon oben auf anderer Ebene ausgeführt - ebenso als Förderer des spezifischen Interesses von Monopolgruppen und zugleich als profitinteressierter Teil eines bestimmten Monopols. Gemeint sind die 'Mischformen' innerhalb des staatlichen Wirt- schaftssektors. Z.B. war es im Stickstoffsyndikat (reichseigene VIAG und 'private' Monopole) das vereinte Ziel, durch Produkti- ons- und Preisabsprachen sowie gemeinsamen Absatz über die Be- herrschung des Inlandmarktes Monopolprofite zu erreichen. Man zö- gerte auch nicht, sich - nachdem die IG-Farben den Weltmarkt zu- sammen mit internationalen Konkurrenten aufgeteilt hatte - von den IG-Farben in das internationale Kartell eingliedern zu las- sen. Kuczynski zieht daraus den Schluß, daß "staatliche Betriebe, die einem Monopol angehören, ... von den 'privaten Betrieben' in- nerhalb dieses Monopols nicht zu unterscheiden (sind), und bei internationalen Verhandlungen ... die Vertreter des Staats- und der privaten Betriebe auswechselbar (sind)." 75) Diese 'Mischform' "der staatlichen Beteiligung wirkte sich für das Mo- nopolkapital günstig aus. Der Staat ... sah sich zum Bau oder Ausbau der notwendigen Produktionskapazitäten gezwungen. Das Ri- siko lag nicht nur bei hoher, sondern auch bei niedriger Kapital- beteiligung des Reiches, die dafür mit hohen Darlehen verbunden war, zu großen Teilen beim Staat. Jedoch sicherte die Aktienver- teilung den mitbeteiligten Monopolen stets die Kommandogewalt über diese Unternehmen durch Aktienmajorität." 76) 3. Zusammenfassung ------------------ Die Politik der Bourgeoisie bzw. ihrer Fraktionen ist der konzen- trierte Ausdruck ihrer bzw. ihrer jeweiligen Ökonomie. Entschei- dend für die Analyse der ökonomischen und politischen Stabilisie- rung der Herrschaft der Bourgeoisie nach 1918/19 ist, ihren Ur- sprung bloßzulegen in Kriegswirtschaft, Arbeitsgemeinschaftspoli- tik und der gewandelten Rolle des Staates. Es wurde gezeigt, daß in der Inflationsperiode das ökonomische und damit politische Schwergewicht bei den Monopolgruppen lag, die mit der höchsten Profitrate produzierten, d.h. bei der Schwerindustrie, die die meisten Arbeitskräfte beschäftigen konnte, "ohne daß deswegen das konstante Kapital vermehrt zu werden brauchte. Es dauerte aber Jahre, bis diese Gruppen den Staatsapparat unmittelbar in die Hände bekamen, und als das geschah, d.h. im wesentlichen erst 1924, war die Grundlage dieser Machtposition durch Stabilisierung und Dawes-Pakt-Annahme bereits im Verschwinden. Einige schwerindustrielle Konzerne wurden ganz oder teilweise li- quidiert." 77) Ausschlaggebend für die Periode ab 1924, in der "die Zusammensetzung des Reichskabinetts ... tatsächlich im all- gemeinen den Machtverhältnissen der deutschen Bourgeoisie ent- spricht..." ist die Übereinstimmung und weitgehende Zusammenar- beit in den entscheidenden Fragen zwischen den Fraktionen der Bourgeoisie, den Spitzenverbänden der Industrie, der Reichsregie- rung etc. 78) Die hauptsächliche Entwicklungstendenz der Verschärfung der Wi- dersprüche im nationalen und internationalen Maßstab hinsichtlich Deutschlands basiert auf dem Zwang zur Wiedererringung der Kon- kurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt und damit zum Wiedererstarken des deutschen Imperialismus. "Mit verstärkter internationaler Konkurrenz auf dem Weltmarkt muß aber eine verstärkte Fortsetzung des Rationalisierungsprozesses, d.h. auch der Freisetzung von Ar- beitskräften, stattfinden", 79) denn im Gegensatz zu seinen impe- rialistischen Konkurrenten kann sich das deutsche Monopolkapital im Ergebnis des Krieges nicht mehr auf koloniale Extraprofite stützen. Von hier vor allem erhält der ab 1926 wieder einsetzende deutsche Kapitalexport seine ökonomische Bedeutung. 80) Der deut- sche Imperialismus erhält damit "nach außen eine lebensfähige Ba- sis, die zu weiteren Machtverstärkungen anderer Art (z.B. auf mi- litärischem Gebiet) führen muß"; für die Arbeiterklasse bedeutet dies "eine weitere Stärkung der deutschen Bourgeoisie." 81) Auf- gabe dieses Teils war es, einen Überblick über Grad und Charakter dieser "Stärke" der deutschen Bourgeoisie zu geben. Es wird so möglich, zu Aussagen darüber zu kommen, inwiefern die Analysen der Kommunistischen Internationale und der KPD das Kräftever- hältnis vor allem zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse richtig bestimmten: darüberhinaus die ökonomischen und politischen Entwicklungstendenzen des deutschen Kapitalismus. III Die Analysen der Kommunistischen Internationale --------------------------------------------------- über Deutschland von 1921 bis 1925 82) -------------------------------------- 1. Vom 3. Weltkongreß 1921 bis zum 5. Weltkongreß 1924 ------------------------------------------------------ Der 3. Kongreß der KI sah sich 1921 gezwungen, eine umfassende Analyse der Weltlage zu leisten, nachdem sich für die Revolution in den westlichen Ländern Lenins Einschätzung von 1918 zu bewahr- heiten schien. Lenin formulierte den Gegensatz zwischen Beseiti- gung der Herrschaft der Bourgeoisie in Rußland und in Westeuropa in der Diskussion um den Brester Vertrag folgendermaßen: "Ein rückständiges Land kann leicht den Anfang machen, weil sein Feind zersetzt, weil seine Bourgeoisie unorganisiert ist, um aber das Werk fortzusetzen, braucht man hunderttausendmal mehr Um- sicht, Vorsicht und Ausdauer. In Westeuropa wird das anders sein, dort ist es unermeßlich viel schwieriger, den Anfang zu machen, dort ist es unermeßlich viel leichter, weiter voranzukommen. Das kann auch nicht anders sein, weil dort das Proletariat unermeß- lich viel organisierter und geschlossener ist." 83) Varga, der zusammen mit Trotzki das Referat über die Weltlage auf dem 3. Kongreß übernommen hatte, ging in seiner die Diskussion vorbereitenden Broschüre "Die Krise der kapitalistischen Welt- wirtschaft" von der Fragestellung aus, ob die Nachkriegskrise "eine ebenso vorübergehende Erscheinung" wie "alle bisherigen Krisen" sei, oder ob sie aber "einen entscheidenden Schritt zur vollständigen Zersetzung der kapitalistischen Gesellschaftsord- nung" bedeute. 84) Diese Fragestellung kennzeichnet sämtliche Diskussionen über die Nachkriegssituation der imperialistischen Länder und die Taktik der kommunistischen Parteien bis zum Frühjahr 1925. Varga kommt in der Abwägung der Konsolidierungs- und Verfallser- scheinungen des europäischen Kapitalismus zum Ergebnis, "daß der europäische Kapitalismus sich nicht nur nicht konsolidiert hat, sondern daß der Verfall weitergeht." 85) Varga kommt zu diesem Ergebnis - aufgrund der Unterschätzung der Bedeutung der sozialen Stabili- sierung der Herrschaft der Bourgeoisie, deren Bestehen er zwar als wichtig für die Analyse betont, 86) sie aber nicht in Zusam- menhang bringt mit der Rolle und Bedeutung der reformistischen Arbeiterorganisationen, im Gegenteil angesichts der Kämpfe der Arbeiterklasse die ' Unabhängigkeit der Massen von diesen Organi- sationen überbewertet: "Der Glaube an die Unerschütterlichkeit der kapitalistischen Weltordnung ist aus der Seele der Massen entwichen. Das ist das Wichtigste." 87) - aufgrund der falschen Einschätzung der Bedeutung der Inflation 88) für die Reproduktion des fixen Kapitals; als Schwäche des Ka- pitals wird interpretiert, was ein Ausdruck ihrer Stärke ist; in engem Zusammenhang damit die Verkennung der. Bedeutung der in der Inflationsperiode vorgenommenen Zentralisation als Mittel zur Herabsetzung der Produktionskosten 89), d.h. Verminderung der to- ten Kosten der Zirkulationssphäre; - aufgrund der falschen Einschätzung der Rolle des US-Kapitals für die ökonomische Stabilisierung des europäischen Kapitals: "Die fortwährenden Revolutionen haben Europa in den Augen der amerikanischen Kapitalisten diskreditiert! Sie wollen von Europa nichts mehr wissen!" 90) - aufgrund der falschen Einschätzung der Widersprüche zwischen den einzelnen imperialistischen Ländern (vor allem USA und Eng- land); 91) - aufgrund der allgemeinen Überschätzung des subjektiven Faktors, d.h. der nach vier Jahren Krieg und fortschreitender absoluter Verelendung möglichen Widerstandskraft, Widerstandsfähigkeit und -bereitschaft der Arbeiterklasse. 92) Trotzki präzisierte Varga in der Frage der Einschätzung der Lage gegenüber der von 1919: die Entwicklung führe entgegen der sozi- aldemokratischen Behauptung der "Konsolidierung" des Kapitalismus aufgrund der "tiefen ökonomischen Depression" nach wie vor "zur Revolution". 93) Im Gegensatz zu 1919, als die Revolution eine "Frage von Monaten" schien, sei sie es nun eine "vielleicht von Jahren", 94) denn "abstrakt theoretisch" sei die "Herstellung des kapitalistischen Gleichgewichts" möglich. 95) Diese schüchternen Versuche, die objektiven Tendenzen der Ent- wicklung in den kapitalistischen Ländern auf dem 3. Kongreß aus- zusprechen, d h. das Ende der unmittelbar im Gefolge des Krieges revolutionären Situation, sind zurückzuführen auf das vor allem von der deutschen Delegation ausgehende Beharren auf der Betonung des "revolutionären Gehalts der Kriegsperiode" und des "krisenhaften Charakters", was von Trotzki ebenso wie die "Verschärfung des imperialistischen Konflikts" "nicht scharf ge- nug hervorgehoben" worden sei. 96) Folglich wurden die Thesen an die Kommission zurückverwiesen, wo sie eine "Verschärfung" bzgl. der Betonung des revolutionären Charakters der gegenwärtigen Si- tuation erfuhren. Darüber Varga rückblickend 1925: "Vielleicht darf ich darauf hinweisen, daß manche von jenen Genossen (Thalheimer, Frölich u.a.; d. Verf.), die z.B. am 3. Kongreß mit aller Gewalt darauf gedrungen haben, die Perspektive zu verschär- fen, den Zusammenbruch des Kapitalismus auf einen näheren Termin vorauszusagen, heute auf dem äußersten rechten Flügel stehen..." 97) Die Thesen über die Weltlage und über die Taktik spiegeln die Diskrepanz zwischen der Analyse der objektiven Situation - die in den Thesen über die Weltlage gegenüber Vargas Analyse und Trotz- kis Rede bzgl. Stabilisierung der Herrschaft der Bourgeoisie ein- deutiger formuliert ist - und der Einschätzung der Entwicklungs- tendenzen wider: 98) Die 'Betonung' der objektiv revolutionären Situation als Mittel, um das aktuelle Ende der unmittelbar revo- lutionären Situation nicht eindeutig aussprechen zu müssen, er- weist sich für die Taktik der kommunistischen Parteien auf dem 3. Kongreß im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Offensivstrategie als verhängnisvolles 'taktisches' Zugeständnis," die objektiv re- volutionäre Situation 1921 zu betonen, die sich objektiv ein- stellt mit der Erreichung der Entwicklungsstufe des Kapitalismus, in der die kapitalistischen Produktionsverhältnisse zur Fessel der Entwicklung der Produktivkräfte werden und im Proletariat als der größten Produktivkraft dem Kapital sein eigener Totengräber erwächst, ist ein Gemeinplatz. Dieser Hang, sich in die eigene Tasche zu lügen, wurde analog der sich immer deutlicher abzeichnenden Stabilisierung der Herrschaft der Bourgeoisie immer höher kultiviert: So wurde in der den 4. Weltkongreß vorbereitenden Konferenz der Erweiterten Exekutive Anfang 1922 die kapitalistische Wirtschaft auf der "absteigenden Bahn ihrer Entwicklung" gesehen, die "ihrem Ende entgegengeht". 99) Der 4. Weltkongreß der die Einschätzung des 3. Kongresses bestä- tigte, stellte fest: "Die Lage bleibt objektiv revolutionär und selbst der geringste Anlaß kann heute der Ausgangspunkt großer revolutionärer Kämpfe werden." 100) Radek gibt in seiner zentra- len Rede einerseits richtig an, daß "....die Offensive des Kapi- tals nicht eine vorübergehende Ausnutzung der Schwäche der Arbei- terklasse, sondern ein weitzügiger Plan für ein Jahrzehnt" ist 101) und "die Eroberung der Macht als momentane aktuelle Aufgabe nicht auf der Tagesordnung" steht. 102) Auf der anderen Seite steht die reine Phrase: "Die Taktik der Kommunistischen Interna- tionale muß zugeschnitten sein auf die nächste Zeit, obwohl ihre Perspektiven die ganze Epoche umfassen. Unsere Perspektive ist nicht nur die alte geblieben, sondern je länger die Epoche der kapitalistischen Offensive dauert, desto mehr zeigt sich die Bourgeoisie unfähig, ihre Macht zu befestigen; und nicht als agi- tatorische Tirade, sondern als tiefe theoretische Überzeugung, ist unsere Ansicht, daß es für sie keinen Ausweg gibt." 103) Der 5. Weltkongreß im Sommer 1924 machte es sich zur Aufgabe, nachdem auf dem 3. Kongreß zum letztenmal Thesen zur Weltwirt- schaftslage formuliert worden waren, diese auf ihre künftige Richtigkeit hin zu überprüfen. Die Vorarbeit dazu leistete Varga in "Aufstieg oder Niedergang des Kapitalismus". Varga kommt zu dem Ergebnis, daß "die akute soziale Krise des Kapitalismus, die instinktive, unorganisierte Rebellion der Arbeiterklasse bei Kriegsschluß gegen die kapitalistische Gesellschaft... im großen und ganzen als überwunden" erscheint; "die ökonomische Krise des Kapitalismus ... sich gemildert" hat, "aber nicht überwunden" ist; 104) "die unmittelbare Zukunft" ist von einer alsbald zu erwartenden Krise in Europa gekennzeichnet". 105) Der Sinn solcher globaler Einschätzungen der Entwicklungstenden- zen der kapitalistischen Weltwirtschaft ist in seiner Bedeutung für die Taktik der kommunistischen Parteien, die sich vor allem vor das Problem der richtigen Bestimmung der Tagesforderungen und deren Lösung gestellt sehen, äußerst fragwürdig. Zumindest sind aber einige Thesen Vargas in ihrer Bedeutung für die "unmittelbare Zukunft" einfach falsch. 106) Es nimmt also nicht Wunder, wenn sich Vargas Einschätzungen über die "Aussichten der Revolution" eher wie ein Wetterbericht lesen: "Die gegenwärtige Lage des Kapitalismus birgt ... in Europa gute Möglichkeiten ei- ner erfolgriechen Revolution", 107) "erst im Jahre 1924 zeigen sich die ersten Zeichen einer neuen revolutionären Welle". 108) Varga sieht in seiner Rede vor dem 5. Kongreß die Thesen des 3. Kongresses in ihrer ursprünglichen, nichtradikalisierten Form durch die Entwicklung seit 1921 bestätigt, d.h. bzgl. der Progno- stizierung der tendenziellen Überwindung der Nachkriegskrise. 109) Bei Sinowjew liest sich das schon etwas anders: "Es besteht für uns absolut kein Anlaß, auf diesem Gebiet die Auffassungen der KI zu ändern, wie sie in den Resolutionen des 3. und 4. Kon- gresses niedergelegt sind". 110) Und er verhilft der Phrase zu ihrem Recht, wenn er sagt, die "Periode der Krise, des Nieder- gangs, des Untergangs des Kapitalismus hält an ... Auf politi- schem (!) Gebiet ist sie noch krasser als auf ökonomischem, weil das politische Gebiet empfindlicher (!) ist als das ökonomische." 111) Varga macht offenkundig 'Zugeständnisse' und erklärt gleich- falls, "daß die Krisenperiode unvermindert anhält und wahrschein- lich in diesem Jahre schon, im Jahre 1924, besonders scharfe For- men annehmen wird"; 112) daß die Möglichkeit gegeben ist, "in verschiedenen Ländern durch gut geführte revolutionäre Aktionen Erfolge und vielleicht endgültige Erfolge zu erzwingen." 113) Hinsichtlich Deutschlands gibt Varga wieder unzutreffende Analy- sen in entscheidenden Fragen der Entwicklungstendenzen des deut- schen Monopolkapitals. Aus der Überproduktionskrise in den USA, der dadurch notwendigen "Exportoffensive", leitet er Rückschläge für die Konjunktur in Europa ab, die sich in Deutschland unter dem Eindruck des Kredit-und Kapitalmangels verschärften. 114) Im Gegensatz dazu war die US-"Exportoffensive" eine Kapitalexportof- fensive, die den deutschen Geldmangel beseitigte und dem deut- schen Monopolkapital die organisatorische und dann technische Ra- tionalisierung ermöglichte und so zur Wiedererringung seiner Stellung auf dem Weltmarkt verhalf; dies steht auch im Gegensatz zu Vargas Annahme der Konkurrenzunfähigkeit der deutschen Mono- pole auf dem Weltmarkt. In diesem Zusammenhang wird seine Analyse der Bedeutung der Lösung der Reparationsfrage natürlich auch falsch und begründet damit, daß er Deutschland perspektivisch sich zum "Kolonialland neuen Typs für die Ententebourgeoisie" entwickeln sieht, 115) dem "Schwanzimperialismus" Maslowscher Provenienz. Aus der falschen Einschätzung der Reparationsfrage resultiert der Irrtum bzgl. des aufnahmeunfähigen Inlandsmarktes 116) u.a. auf- grund des niedergedrückten Standards der deutschen Arbeiter- klasse. Diese These allein abgeleitet vom Anwachsen der Arbeits- losenzahl wird falsch, wenn sie nicht in Zusammenhang gebracht wird mit dem Ansteigen des Standards der Beschäftigten gegenüber der Inflationsperiode aufgrund relativer Lohnerhöhungen, 'Sozialleistungen' etc., die 'möglich' wurden aufgrund der Rationalisierungen, der Arbeitstagsverlängerung, d.h. das Kapital produzierte mit hoher Profitrate, 'konnte sich also Lohnerhöhun- gen leisten'. 117) U.a. diese Instrumente zur Spaltung und Beste- chung eines Teils der Arbeiterklasse, die Negierung ihrer Bedeu- tung für die Taktik, erweisen Sinowjews und Vargas Prophezeiungen "besonders scharfer Formen" der Klassenkämpfe als Beschwörungs- formeln. - Die ganze Widersprüchlichkeit der KI-Analyse drückt sich aus einerseits in der vorsichtigen Erwähnung der stattfin- denden Stabilisierung des Kapitalismus 118) gegen die 'linke' Stimmung auf dem Kongreß, vor allem (wieder) in der deutschen De- legation, 119) andererseits in der Unfähigkeit, die Bedingungen und Möglichkeiten revolutionärer Kämpfe in Zusammenhang zu brin- gen mit der konkreten Analyse des Kräfteverhältnisses der Klas- sen, d.h. den Satz "aber sozial, machtpolitisch hat sich der Ka- pitalismus trotzdem, trotz der Verschärfung der Klassengegensätze gefestigt" zum Mittelpunkt der Analyse und Diskussion zu machen und nicht zur Marginalie im Schlußwort. 120) 2. Die Einschätzung der "relativen Stabilisierung" -------------------------------------------------- auf dem V. EKKI-Plenum und die Analyse Bucharins ------------------------------------------------ Im Herbst 1924 hatte die KPD praktisch die Verbindung mit der Ar- beiterklasse verloren sowie über die Hälfte ihrer Mitglieder. 121) Diese Tatsache kennzeichnete nicht nur die deutsche Situa- tion. Aufgrund dessen bemühte sich das EKKI-Plenum im Frühjahr 1925 um eine realistische Analyse der internationalen politischen und wirtschaftlichen Lage, gegen "Illusionen von Ultralinks", 122) also die Zusammenbruchstheoretiker, wie gegen die "Stabilisierungsanbeter". 123) Sinowjew, der das grundsätzliche Referat hielt, räumt ein, daß die KI zu lange gezögert hatte, die sich seit Ende 1923 124) abzeichnende Stabilisierung des Kapita- lismus, die Rekonstruierung der kapitalistischen Weltwirtschaft als Ende der akutrevolutionären Situation vor allem in Deutsch- land anzuerkennen: "Heute sehen wir, daß die Atempause für die Bourgeoisie länger anhält, als wir dachten..."; 125) "wir brau- chen das Bestehen einer gewissen Stabilisierung des Kapitalismus weder zu verschweigen noch zu vertuschen". 126) Sinowjew wendet sich gleichzeitig mit der Betonung der Fortdauer der "objektiv revolutionären Weltlage" 127) im Ergebnis der rus- sischen Revolution und des Weltkrieges gegen die inhaltlich von den Sozialdemokraten aufgestellte Theorie des "organisierten Ka- pitalismus", d.h. der Aufhebung der Widersprüche im Kapitalismus, der Aufhebung des Klassenkampfes aufgrund der fortschreitenden Vergesellschaftung der Produktion und des Konzentrations- und Zentralisationsprozesses in Richtung 'friedliches Hineinwachsen in den Staatssozialismus' in Form des "Generalkartells". 128) Daß die Stabilisierung des Kapitalismus "ernsten Schwankungen un- terworfen ist" 129), leitet Sinowjew richtig vor allem aus den Arbeitslosenheeren, der Entwicklung der Widersprüche unter den imperialistischen Ländern aufgrund des Dawes-Planes und der revo- lutionären Bewegungen in den Ländern der 3. Welt ab. Die Kl habe ihre Taktik deswegen "sowohl auf ein langsames, schleppendes als auch ein schnelleres Tempo der Entwicklung des Klassenkampfes einzustellen." 130) Varga, der nach 1923 nahezu einzige, der in der Kl für Analysen über die kapitalistische Ökonomie kompetent war, differenziert im Gegensatz zu Sinowjew zwar zwischen ökonomischer und sozialer Stabilisierung, geht aber dann auch nicht auf den Charakter, die politische Erscheinung der Stabilisierung der Herrschaft der Bourgeoisie genauer ein. 131) Varga warnt davor, in den alten Fehler nur mit anderem Vorzeichen zu verfallen, nämlich nun die Stabilisierung des Kapitalismus zu überschätzen, 132) aufgrund der sozialen Stabilisierung die Analyse des spezifischen Charak- ters der ökonomischen zu vernachlässigen. 133) Die ökonomische Stabilisierung betreffe vor allem die Zirkulationssphäre, ent- scheidend für Festigkeit und Dauer der Stabilisierung sei nicht aber diese, sondern die Produktionssphäre, auf die dieser Grad der Stabilisierung keinesfalls zutreffe. Die Krisenhaftigkeit der hauptsächlichen kapitalistischen Länder beruhe auf dem "weit über die Absatzmöglichkeiten hinaus" gewachsenen industriellen Produk- tionsapparat. 134) Varga hat damit völlig richtig den Charakter der zu erwartenden Krise angegeben: die Überproduktionskrisen be- gleitet von Unterkonsumtionskrisen (Arbeitslosigkeit) Ende der 20er Jahre; die Verschärfung des Kampfes um die Stellung auf dem Weltmarkt, die Verschärfung der Widersprüche zwischen den einzel- nen imperialistischen Ländern. 135) Von einer eindeutigen Auseinandersetzung mit den falschen Analy- sen und der daraus resultierenden falschen (ultralinken) Taktik der Kl vor dem 5. EKKI-Plenum, die für die in den einzelnen, vor allem der deutschen KP, stattfindenden Diskussionen unbedingt notwendig gewesen wäre, kann nicht gesprochen werden. Die richti- gen Ansätze dazu in der Diskussion auf dem Plenum gingen ihrer Bedeutung nach nicht in die "Resolution zum Bericht der Exeku- tive" ein. Im Gegenteil, offensichtlich unter dem Trauma, eine bruchlose Entwicklung der Arbeit der Kl konstruieren zu müssen, wird festgestellt, "daß die Beschlüsse des 5. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale zur politischen und wirtschaftli- chen Lage wie zur Taktik der kommunistischen Parteien sich als vollkommen richtig erwiesen haben..." 136) Genau dazu paßt denn auch die Wunschvorstellung anstelle des wirklichen Zustandes der kommunistischen Parteien, die "ihren Einfluß auf die Arbeitermas- sen und auf die Massen der Bauern (vertieft) und (erweitert) und ihre Aktionsfähigkeit (gesteigert)" hätten. 137) Die Analyse der kapitalistischen Wirtschaft und der Klassensitua- tion in den kapitalistischen Gesellschaften durch die Komintern lösten sich sehr bald von der Marxschen und Leninschen Untersu- chungsmethode und leiteten die Revision des Marxismus ein, der sich in der Gegenwart in der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus ausdrückt. 138) Ein organisationssoziologischer Ver- gleich der Stabilität des Monopolkapitalismus und der Stabilität der Sowjetwirtschaft bildete die Grundlage für eine realpoliti- sche Konstruktion einer Widerspruchskette, die weder die Tenden- zen der kapitalistischen Produktion und erst recht nicht den In- halt, Umfang und Zielrichtung der Klassenkämpfe aufdecken konnte. Lenin war in seiner Imperialismustheorie der Marxschen Disposi- tion gefolgt und hatte aus den Schranken der erweiterten Repro- duktion des fixen Kapitals die Etappenbestimmung des Imperialis- mus und der Klassenkämpfe angegeben, aus der die Taktik der pro- letarischen Partei abgeleitet werden konnte. Die Tendenz der fallenden Profitrate, die Tendenz der Konzentration und Zentrali- sation der Produktion, die Tendenz der Intensivierung der Ausbeu- tung der Arbeitskraft, die Tendenz der Militarisierung der Ge- sellschaft, der politischen Reaktion, des Bürokratismus und Para- sitismus zeigten die Richtung der Klassenkämpfe und damit die Strategie der revolutionären Arbeiterpartei an. In der Komintern wurde vom Standpunkt der sowjetischen Industrialisierung die Wi- dersprüchlichkeit des Monopolkapitalismus scholastisch aufge- zählt. Bucharin, der zu diesem Zeitpunkt die Analysen anfertigte, kam 1926 zum gleichen Ergebnis wie 10 Jahre vorher; 139) das Wertge- setz und die Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise waren durch die staatskapitalistische Monopolwirtschaft aufgeho- ben. Das Wachsen der Produktionsmittelindustrie ab 1919 und damit die gesamte Stabilisierung des Kapitalismus wurde nach Bucharin durch "außerwirtschaftliche Faktoren" erreicht. 140) Erst in zweiter Linie beachtete er die Konkurrenz der monopolkapitalisti- schen Gruppen, die zur Intensivierung der Ausbeutung und damit zur Verschlechterung der Lage der Arbeiter führte. Die Entwick- lung der Sowjetwirtschaft war jedoch der wichtigste Faktor, der auf die Stabilität des Kapitalismus einwirkte: "Das ausgespro- chene Relative, Labile, Partielle der kapitalistischen Stabili- sierung wird uns noch klarer werden und noch stärker zutage tre- ten, wenn wir einen Blick auf jene schwerwiegenden Faktoren wer- fen, die offen und unmittelbar die kapitalistische Stabilisierung untergraben und von wahrhaft welthistorischer Bedeutung sind. Es handelt sich um den Aufbau der UdSSR, die große chinesische Revo- lution und den Riesenstreik der englischen Kohlearbeiter." 141) Bei der Gewichtung der Hauptfaktoren der Zersetzung des Kapita- lismus trat die russische Frage in den Vordergrund, sie wurde zum Haupthindernis oder "außerwirtschaftlichen" Hauptwiderspruch der kapitalistischen Produktion; sie war "die wichtigste Frage der internationalen Revolution" 142) "Darum stellt schon allein die Existenz des Sowjetstaates für den Imperialismus eine tödliche Gefahr dar. Darum können keine Erfolge des Imperialismus von Dauer sein, solange der Sowjetstaat auf der Welt besteht und sich entwickelt." 143) Der internationale Klassenkampf hatte sich in erster Linie das Ziel zu setzen, "das Bollwerk der Revolution" zu unterstützen. 144) IV Die Analysen der KPD über Deutschland bis 1925 ------------------------------------------------- 1. Die Analysen auf dem 2. und 4. Parteitag 1919 und 1920 --------------------------------------------------------- Hervorzuheben ist - angesichts der Heftigkeit der Klassenkämpfe, der Verfolgungen durch die Konterrevolution, der Illegalität, der organisatorischen Schwäche -, daß die zutreffendsten Analysen der ökonomischen Entwicklungstendenzen des deutschen Kapitalismus, des Kräfteverhältnisses der Klassen und der Rolle des bürgerli- chen Staates, der Moral der Arbeiterklasse und der Lage der Kom- munistischen Partei von der KPD auf ihren ersten Parteitagen ge- macht worden sind; 145) d.h. Analysen, die es verstanden, die Einschätzung der objektiven Faktoren zu verbinden mit den Aufga- ben und der Rolle der revolutionären Partei in den Klassenkämp- fen; den Charakter und die Stärke der Klassenkämpfe zu bestimmen ohne jede Phrasendrescherei und ohne Zugrundelegung von Wunsch- vorstellungen über den Zusammenbruch des Kapitalismus und die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse: "Die Anschauung, als könne man vermöge einer besonderen Organisationsform Massenbewegungen erzeugen, daß die Revolution also eine Frage der Organisations- form sei, wird als ein Rückfall in kleinbürgerliche Utopie abge- lehnt." 146) Der Zeitpunkt, zu dem die KPD den Boden des Marxismus verließ, ist bestimmbar: Mit der 'Rettung der Republik' durch die vereinte Arbeiterklasse vor der 'monarchistischen' Reaktion, der folgenden Offensive des Kapitals gegen die Errungenschaften der Arbeiter- klasse im Gefolge des Novemberumsturzes, der fortschreitenden Verelendung des Proletariats, dem Ende der revolutionären Situa- tion, erhob sich gegen die richtige Einschätzung dieser Änderung der Situation und gegen ihre Konsequenz, die grundsätzlich rich- tig angegebene Einheitsfrontpolitik, starker Widerstand - zwei- fellos auch unter dem Eindruck der Vereinigung mit der linken USP - vor allem seitens der Berliner und Hamburger Bezirksleitung (Maslow, Fischer, Friesland), die sich nach dem Rücktritt der Levi-Zentrale im Februar 1921 unter Brandler voll durchsetzten und noch vor der Märzaktion mit der "Offensivtheorie", die auf dem nahen Zusammenbruch des deutschen Kapitalismus gründete, 147) den Bruch zwischen Proletariat und seiner Avantgardeorganisation einleiteten. "Statt der wirklichen Verhältnisse wird ihr der bloße Wille zum Triebrad der Revolution." (Marx, Enthüllungen über den Kommuni- stenprozeß zu Köln) 2. Die Analysen auf dem 2. (7.) Parteitag 1921 ---------------------------------------------- und auf dem 3. (8.) Parteitag 1923 ---------------------------------- Nachdem auf dem 3. Weltkongreß die vorsichtigen Versuche Trotzkis und Vargas, von einer Stabilisierung des Kapitalismus (insbesondere in Deutschland) als grundlegend für die Taktik der kommunistischen Parteien auszugehen, hauptsächlich auf den Wider- stand der deutschen Delegation gestoßen waren, 148) ist es nicht verwunderlich, wenn sich in der Diskussion auf dem 2. (7.) Par- teitag über die diesbezügliche Resolution des 3. Kongresses die 'linken' Tendenzen 149) durchsetzten, zumal der Parteitag auch noch im Zeichen der Diskussion um die Einschätzung der Märzkämpfe und des Ausschlusses Paul Levis verlief. Von einer Bewältigung der Aufgabe, die Thesen des 3. Kongresses durch die Analyse der deutschen Situation zu konkretisieren, kann nicht gesprochen werden. Beiden Hauptreferaten, dem "Bericht über den 3. Weltkongreß" 150) wie den "nächsten Aufgaben der Partei" 151) ist gemeinsam, verbal die Thesen des 3. Kongresses - den verhängnisvollen Kompromiß zwischen den Offensiv- und Zusammen- bruchstheoretikern und den 'Rechten' - zu vertreten, 152) in ih- rer Präzisierung bzgl. der deutschen Situation aber nach wie vor den Zusammenbruch des Kapitalismus, die Stabilisierungstendenzen also so wenig wie möglich zugrundezulegen. Genauer: Von einer selbständigen Analyse der deutschen Situation ist nicht zu spre- chen. An dem Referat Trotzkis wird alles das hervorgehoben, was die eigenen Thesen stützt, alles jene Relativierende wird verbun- den mit der Kritik in der Diskussion des 3. Kongresses an Trotzkis Thesen und dem gegen Trotzkis Thesen gerichteten Referat Radeks. Die Beschlüsse des 3. Kongresses, auf die sich die Resolution des 2. Parteitages stützt, werden an ent- scheidender Stelle ihres Zusammenhangs beraubt und somit 'verschärft'. 153) "Die anderen Dinge, Genossen, die bei den deutschen Genossen eine gewisse Animosität gegen die Auffassungen Trotzkis erzeugt haben - auch die deutsche Delegation hat heftig gegen die Anschauungen Trotzkis gekämpft - , sind nicht von so großer Bedeutung wie die einfache Feststellung der Tatsache: ob es mit dem Kapitalismus bergab geht oder ob er sich zeitweilig erholt - die kommunisti- sche Partei hat keine Ursache, zu verzweifeln, der Sieg wächst ihr zu." 154) Alle Fehler, die Varga und Trotzki in ihren Referaten unterlie- fen, bzw. die taktischen Zugeständnisse, tauchen auf dem 2. Par- teitag vergröbert auf; bzgl. der Stabilisierung der Herrschaft der Bourgeoisie: "Wir sehen, wie es in Deutschland die Bour- geoisie gewiß verstanden hat, die November- und Märzstürme abzu- wehren und sich vorübergehend zu behaupten. Aber von einer wirk- lichen Konsolidierung der Bourgeoisie, wirtschaftlich und poli- tisch genommen, kann man in Deutschland nicht reden." 155) Die Zentralisation wird in ihrer ökonomischen Bedeutung völlig ver- kannt: "... so kommen wir zu dem Schlüsse, ... daß wir ein Sta- gnieren des Wirtschaftslebens sehen, trotz des großen Konzentra- tionsprozesses in der deutschen Industrie..."; 156) ebenso ver- hält es sich mit der Einschätzung der Inflation, der Rolle des Bankkapitals in der Inflationsperiode und der wachsenden Bedeu- tung des Staatshaushalts. 157) Folglich heißt es in der "Resolution zu den Beschlüssen des Drit- ten Weltkongresses...": "Die tatsächliche Entwicklung in Deutsch- land zeigt, daß infolge der Kriegsnachwirkungen der Verfall des Kapitalismus unabwendbar ist." 158) Die einzige, im wesentlichen zutreffende Analyse der deutschen Situation leistete in der Zeit nach den Märzkämpfen Levi bzw. die "Sowjetgruppe". 159) Aus dem "... Erstarken des staatlichen Machtapparates sowohl als aller wirtschaftlichen Organisationen der Bourgeoisie und des Unternehmertums"; dem Abwälzen der Repa- rationslasten auf die Arbeiterklasse, die in ihrem Kampf um die Existenzgrundlage "im Unterschied aber zu der ähnlichen Situation im Sommer 1919 ... diesmal auf festorganisierte Unternehmerver- bände" stößt, "die keinen Zoll Boden kampflos abtreten werden", wird richtig die Notwendigkeit abgeleitet, daß die Kämpfe "von einem geschlossenen Proletariat geführt werden müssen", d.h. die KPD nicht nur verbal die Konsequenzen aus der Märzniederlage zu ziehen, sondern sich in die Kampffront des Proletariats ein- zugliedern hat. 160) Diese Konsequenz ist als schärfste Kritik an den Zusammenbruchs- theoretikern und davon abgeleitet, deren Auffassung von der Rolle der revolutionären Partei in den Klassenkämpfen zu verstehen, die sich in der KPD von der Offensivtheorie 20/21 bis zur "Organisierung der Revolution" bzw. "organisierten Entfesselung der Revolution" 1924/25 erstreckt und auf dem 2. Parteitag so va- riiert wurde: "Genügt der Druck 'der Partei nicht, um das Prole- tariat in einheitlicher Front in den Kampf zu führen, so ist es die Pflicht der VKPD, zu versuchen, selbständig große Teile der Arbeitermassen zum Kampf zu führen." 161) Levis diesbezügliche Kritik ist vernichtend und richtig: "Welch eine Vorstellung, die hinter diesen Worten liegt! Das Ver- hältnis der Kommunisten zu den Massen ist 'der Druck'. Der Druck wird ausprobiert, ob er genügt oder ob er nicht genügt. Die Vor- stellung ist also die, daß die kommunistische Partei ein den großen Massen entgegengesetztes Wesen ist, das an den Massen he- rumprobiert, ob sie geneigt sind, dem 'Druck' nachzugeben oder nicht... Der alte Gedankengang, als könne man die Massen, wir sagten damals 'zur Revolution prügeln', kehrt jetzt in der Form wieder, als könne man sie zur Revolution 'drücken'. Der ganze Ge- danke des Kommunismus als organischem Verwachsensein der Kommuni- sten mit den Massen und des historischen Werdens der Aktion ist aufgegeben..." 162) Die Katastrophe im Herbst 1923 läßt sich nur erklären durch die Bestimmung der Verkommenheit der marxistischen Theorie in der KPD, ihre Unfähigkeit das Kräfteverhältnis der Klassen und ihr Verhältnis zueinander konkret zu analysieren, die Rolle der KPD innerhalb der Arbeiterbewegung in dieser Phase der Inflation, der Hunger- und Arbeitslosenstreiks, und davon abgeleitet ihre Tak- tik. Der Oktoberniederlage ging der 3. (8.) Parteitag voraus, der die "Zerfallskrise" des Kapitalismus endlich ihrem Ende entgegengehen sieht; 163) der politische Ausdruck hierfür ist die Verdrängung der "kleinbürgerlichen Demokratie" (!) in Form der SPD-Koalition - die nach Meinung der KPD damit die ganze Zeit gegen das Kapital regiert haben muß - durch das vereinigte Großkapital. 164) Neu an dieser Analyse der "politischen Lage und (den) nächsten Aufgaben des Proletariats", 165) einer dem Anspruch nach sich auf dem Boden der marxistischen Theorie begreifenden Partei, sind die national-chauvinistischen Anklänge zum Zwecke der Köderung des sich unter den Folgen seiner Expropriation durch das Monopolkapi- tal nach rechts radikalisierenden Kleinbürgertums in einer Si- tuation, in der das Proletariat, insbesondere die KPD für das Kleinbürgertum keineswegs eine durch manifeste materielle Macht ausgewiesene Alternative zu bieten vermag. Die in den Schlageter- Reden Radeks, Ruth Fischers u.a. 166) am besten formulierten Phrasen nationaler Borniertheit hatten ihren Vorläufer bereits in der auf dem 3. (8.) Parteitag offen verkündeten kleinbürgerlichen Ideologie bzgl. Ruhreinmarsch und 'Deutschland auf dem Wege zur demütigenden Rolle als Entente-Kolonie': 167) "Hier wie dort bie- tet die Bourgeoisie die Hand dazu, die nationale und staatliche Selbständigkeit preiszugeben, da sie als ausbeutende Klasse sich lieber mit dem äußeren (!) Feind verbindet und verständigt, als daß sie die Volkskräfte (!) entfesselt, die ihre soziale Macht- stellung bedrohen würden. Die Bourgeoisie der besiegten Länder opfert überall skrupellos das Interesse der nationalen Selbstän- digkeit und Unabhängigkeit, ja der nationalen Existenz ihrer Aus- beuterinteressen." 168) Es werden nicht nur Anleihen bei der No- menklatur der Faschisten gemacht - "Brechung der Raubwirtschaft des einheimischen Kapitals" -, 169) die Notwendigkeit des "revolutionären Verteidigungskrieges" 170) zur Rettung des deut- schen Imperialismus vor dem französischen in Aussicht gestellt, sondern auch der Marxismus offen revidiert mit Begriffen wie "Volkskraft" und "werktätiges Volk". 171) "Marx und Engels haben solche Leute, die die Differenzierung der Gesellschaft in Klassen nicht genügend beobachteten, die ganz allgemein nur von Produzenten, Volk und Werktätigen sprechen, rücksichtslos bekämpft. Die Begriffe 'werktätig' oder 'arbeitend' dürfen nicht verallgemeinert werden. Im Grunde genommen gibt es keine werktätige oder arbeitende Klasse von Menschen; entweder sind es die kleinen über Produktionsmittel irgendwelcher Art ver- fügenden Eigentumsmenschen, deren Psychologie und Lebensform ka- pitalistischen Gepräges ist, oder es sind Lohnarbeiter." 172) Die in dieser Phase endgültige Abwendung von einer den Massen verständlichen, ihren Interessen entsprechenden proletarischen Politik zeigt sich in der Durchsetzung der Maslow-Fischerschen 'Auffassung' der Taktik der Einheitsfront und der Arbeiterregie- rung in der KPD. Für die KPD hat "Schuld" an der politischen Entwicklung die SPD und die Gewerkschaften. 173) Folglich ist "die Überwindung der Sozialdemokratie, ihre Liquidation zugunsten des Kommunismus und der proletarischen Revolution... die zentrale Aufgabe des vor (der KPD) liegenden Kampfabschnittes" sowie "die Loslösung der Arbeiter von den sozialdemokratischen Führern..." 174) Maslow über Einheitsfront: "Bei einzelnen Genossen oder Gruppen von Genossen besteht die Auffassung, daß die KPD eine Arbeiterpartei neben anderen Arbei- terparteien sei und als ob es die Aufgabe sei, sie im Kampfe zu- sammenzubringen mit der SPD zu einer Kampfkoalition von Parteien. Ich glaube im Gegensatz dazu, daß es Aufgabe der KPD ist, dieje- nigen Arbeiter, die den Sozialdemokraten noch (!) nachlaufen, in die Kämpfe hineinzubringen, um sie hinter die Führung der KPD zu bringen." 175) Karl Korsch kritisierte nicht nur als einziger die abstrakten Phrasen, sondern zeigte auch richtig die Konsequenzen einer sol- chen Politik auf: "Auch wir wollen die Einheitsfront und Arbeiterregierung als Pro- paganda benutzen. Aber wir wissen dabei, daß für eine kommunisti- sche Partei das wirkliche Ziel ihrer Propagandatätigkeit in nichts anderem besteht, als in der Organisation des wirklichen revolutionären Kampfes der p r o l e t a r i s c h e n K l a s- s e. Mit einer solchen Denkweise (wie Fischer-Maslow) würde unsere Partei immer eine bloße Sekte bleiben, die von einer reinen Formulierung ihrer Ziele zu immer reineren Formulierungen fortschreitet, dabei aber immer beim bloßen Denken und Reden bleibt und niemals das wird, was die kommunistische Partei werden muß: eine aktionsfähige Massenpartei." 176) Da die Fischer-Maslow noch über keine Mehrheit in der KPD verfü- gen, werden der deutschen Arbeiterklasse vom Redaktionskomitee in klarster Widersprüchlichkeit und unter Ersetzung der Dialektik durch den Sophismus "Leitsätze zur Taktik der Einheitsfront und der Arbeiterregierung" vorgelegt: "So ist der Kampf um die Einheitsfront gegenwärtig in bedeutendem Maße ein Kampf um die Loslösung der Massen von der reformisti- schen Taktik und Führung"... "Die Taktik der Einheitsfront ist kein Manöver zur Entlarvung der Reformisten. Die Entlarvung der Reformisten ist umgekehrt ein Mittel zur Herstellung der einheit- lich geschlossenen Kampfesfront des Proletariats." 177) Die Rolle der KPD im Einheitsfrontkampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie wird nunmehr programmiert: "Im Verlauf dieser Kämpfe erweist sich die kommunistische Taktik der Taktik der Reformisten überlegen. Die Sozialdemokratie wird zermürbt. Die Kommunisten gewinnen die Sympathie und das Ver- trauen der Massen, der Frauen und Männer, und die Kommunistische Partei wird im Verlaufe dieser Abwehr- und Offensivkämpfe zur un- bestrittenen Führerin der Arbeiterklasse." 178) War im EKKI-Präsidium im Januar 1924 - es sollten die "Lehren aus den deutschen Ereignissen" gezogen werden - bei der Charakteri- sierung der deutschen Sozialdemokratie als faschistisch wenig- stens nur von den "leitenden Schichten" die Rede, bzw. von einer "Fraktion des deutschen Faschismus unter sozialistischer Maske", 179) erklärte Sinowjew auf dem 5. KI-Kongreß ex cathedra, die So- zialdemokratie sei "zu einem Flügel des Faschismus geworden". 180) Das Präsidium des EKKI reduzierte unter dem Eindruck der Nieder- schlagung der Aufstandsversuche in Sachsen und Hamburg unter ak- tiver Beteiligung der SPD-Regierungen die 1921 auf dem 3. Kongreß richtig angegebene Taktik der Einheitsfrontpolitik auf die "Einheit von unten". "Mit den Soldknechten der weißen Diktatur gibt es kein Verhandeln! Das ist es, was jetzt alle Kommunisten in Deutschland klar erkennen und mit wuchtiger Sprache laut vor dem gesamten deutschen Proletariat verkünden müssen". 181) Die moralische Argumentation, die revolutionäre Phrase ersetzt die konkrete Analyse der realen Lage als Voraussetzung jeder re- volutionären Taktik. Die "Einheit von unten" ist eine leere For- mel in einer Situation, in der die Massen durch die Niederlage demoralisiert sind, die KPD alles andere ist als verankert in den Betrieben und den Massenorganisationen des Proletariats, ganz im Gegenteil die KPD während der Illegalität über die Hälfte ihrer Mitglieder verliert. 182) Von der Unfähigkeit, den Konterschlag der Bourgeoisie in Verbin- dung zu bringen mit den sozialen Bedingungen, die das Kapital benötigt zur ungestörten organisatorischen und technischen Ratio- nalisierung, sind die vom EKKI angegebenen "nächsten Aufgaben der Partei" gekennzeichnet: "Die Grundeinschätzung der Lage in Deutschland, welche im Septem- ber (1923!) von der Exekutive des Komintern gegeben ist, bleibt im wesentlichen bestehen. Der Charakter der eingeleiteten Kampf- phase, sowie die Hauptaufgaben der Partei bleiben dieselben. Die KPD darf die Frage des Aufstandes und der Machteroberung nicht von der Tagesordnung streichen." 183) 3. Die Analyse auf dem 9. Parteitag 1924 ---------------------------------------- "Der Frankfurter Parteitag sah vor sich die bitterste Pflicht, die eine Partei im Verlauf ihrer Entwicklung zu erfüllen hat: er mußte den politischen Plan, nach dem die Partei über ein Jahr marschiert war ... für falsch erklären, er mußte die Beschlüsse des vorhergehenden Parteitages aufheben, er mußte die Führung der Partei ändern... Wir erwarten, daß dieser Parteitag die schwerste Periode der Kommunistischen Partei Deutschlands, die der Kinder- krankheiten und der Wachstumsbeschwerden abgeschlossen ... hat." 184) Der weinerliche Pathos der nun 'linken' Zentrale, faktisch nach dem Beispiel bürgerlicher Kabinettsbildung auf der Januartagung des EKKI eingesetzt, 185) ist in jeder Beziehung lachhaft. Die Analyse der Oktoberniederlage als "Angriffskämpfen des Proletari- ats" und in ihrer Konsequenz die Bestimmung der Perspektive der weiteren Entwicklung kann bestenfalls als zynisch bezeichnet wer- den. Am besten wird die Einschätzung der Situation durch die KPD charakterisiert durch den entsprechenden Passus im Brief des EKKI an den Parteitag: "Die proletarische Revolution in Deutschland ist unvermeidbar. Die Fehler in der Einschätzung des Tempos der Ereignisse, began- gen im Oktober 1923, haben der Partei viele Schwierigkeiten ver- ursacht. Dies ist aber trotz allem nur eine Episode. Die grundle- gende Einschätzung bleibt bestehen. Die Revolution kommt, die Re- volution wird kommen." 186) Später, 1925, hieß es dann, eine nüchterne Einschätzung der Lage habe als "konterrevolutionäre Perspektive" gegolten. 187) Ausgehend von einer von vorn bis hinten falschen Analyse der öko- nomischen Entwicklungstendenzen und der Klassenverhältnisse in Deutschland 188) glaubt die KPD die schon unsinnige Prognose des EKKI über die mögliche Revolution binnen Jahresfrist noch 'verschärfen' zu können bzgl. der Abhängigkeit der "entscheiden- den Kämpfe" in Deutschland vom "subjektiven Faktor". 189) Die "Liquidierung der Auffassungen des Leipziger Parteitages" bzgl. der Einheitsfronttaktik - im Zusammenhang mit der Einheits- fronttaktik bezeichneten Fischer-Maslow die Oktoberniederlage als Zusammenbruch des "Kommunistischen Revisionismus" - 190) d.h. der Durchsetzung der 'linken' Phrase der "revolutionären Einheits- front von unten", bedeute konsequenterweise die Ausrufung der KPD zur "einzige(n) Partei des Proletariats"; 191) bedeutet "Vernich- tungskampf" und "Hetze" "gegen die Reformisten". 192) Die Avantgarde-Rolle der revolutionären Partei im Kampf des Pro- letariats gegen die Bourgeoisie erweist sich nicht in der Praxis, im Vertrauen, das sich die Partei innerhalb der Arbeiterklasse im Kampf um die Tagesforderungen erringt, resultierend aus der Ein- schätzung der jeweils spezifischen konkreten Situation, verbunden mit der jeweiligen Etappenbestimmung der Klassenkämpfe bzgl. des Maximalprogramms. Im Selbstverständnis der KPD i s t sie die Avantgarde des Pro- letariats qua definitionem, die "einzige Arbeiterpartei", die in den Kämpfen "die breitesten Massen" sammelt und diese "hinter ihre Führung" bringt dadurch, daß sie "ihnen verständliche Kampf- losungen" ausgibt, diese "zur Kampfeseinheit zusammenschweißt", "den Einfluß aller nichtkommunistischen Parteien" bricht. 193) Die Sektierer der neuen Zentrale, um Phrasen nie verlegen, haben für die Durchführung dieser Aufgaben der KPD auch die passende Parole parat, "Organisation der Revolution": 194) "Ihre Aufgaben führt die KPD durch, um die Revolution zu organisieren. Die KPD organisiert andererseits die Revolution, indem sie diese Aufgaben löst." 195) Der mechanischen Ableitung der Revolution aus der Krise 196) ent- spricht das Selbstverständnis der Partei als deus ex machina der Revolution als höchstem Ausdruck der längst vollzogenen Liquidie- rung der Diskussion über "das Verhältnis von revolutionärer Mas- senbewegung und Partei", um "die Dialektik von Spontaneität und Avantgarde". 197) Das "Prügeln zur Revolution", das "Drücken", die "Organisierung der Revolution" taucht nun auf als Charakterisierung des Wesens der bolschewistischen Partei, die "das Proletariat in der Rich- tung auf die Revolution in Bewegung" setzt; 198) eine Bestimmung der Rolle der Partei von tiefster Ignoranz sowohl hinsichtlich Lenins und der KPR zu Lenins Zeiten, als auch bzgl. der deutschen Arbeiterklasse und der Notwendigkeit ihrer Organisation unter vorgefundenen Verhältnissen. "Die Prognosen der Partei scheinen dem Generalstabsplan einer Ar- mee entnommen zu sein: brennt die kapitalistische Festung durch Selbstentzündung, dann bläst das Oberkommando zum Angriff; die wachgerüttelten Arbeiter greifen zu den Waffen und brechen in das befreiende Hurra aus." 199) 4. Die Analyse auf dem 10. Parteitag 1925 ----------------------------------------- Schon in den Januar-Thesen war die KPD nicht mehr von der Wahr- scheinlichkeit unmittelbar bevorstehender Endkämpfe ausgegangen, vielmehr kam - sie aufgrund der Analyse der Bedeutung des Dawes- Planes für das deutsche und internationale Kapital 200) und auf- grund der Oktoberniederlage 201) zum Schluß, die "Verschleppung der deutschen Krise" sei eher zu erwarten. Zur Bestimmung der Rolle des deutschen Imperialismus im Zusammenhang mit der Ent- wicklung der Widersprüche zwischen den übrigen imperialistischen Ländern ergehen sich die Thesen des 10. Parteitages in wahren Wortorgien; Deutschland wird gekennzeichnet als "Industriekolo- nie"; der deutsche Imperialismus als "kastrierter, beschnittener Imperialismus dritten Grades", als "Schwanzimperialismus', um auszudrücken "selbständig kann die deutsche Bourgeoisie keinen Schritt mehr machen". 202) Die Zustimmung des deutschen Monopolkapitals zur 'Lösung' der Reparationsfrage kann so nicht mehr begriffen werden. Der 10. Parteitag stellte zum ersten Mal "das Fehlen einer akut revolutionären Situation" für Deutschland fest. 203) Das EKKI hatte im Frühjahr 1925 in zum Teil widersprüchlichen Thesen die "relative Stabilisierung" des Kapitalismus konstatiert. Die The- sen der KPD auf dem 10. Parteitag über die Stabilisierung des deutschen Kapitalismus sind insofern widersprüchlich, als die Überschriften das Wort 'Stabilisierung' beinhalten, die Analyse jedoch darauf angelegt ist und davon ausgeht, die Nichtexistenz, nicht die Unmöglichkeit, der Stabilisierung zu beweisen, genauer: die notwendige Anerkennung des Ergebnisses der Analyse der aktu- ellen, stabilen Situation zu umgehen mit der Prophezeiung, daß die nächste Krise bestimmt kommt. 204) Und ungeachtet der Verken- nung der ökonomischen und politischen Entwicklung in den ganzen vier zurückliegenden Jahren wird unverfroren beansprucht: "Die Kommunisten haben die Entwicklung vorausgesagt. Die Kommunisten sagen auch die weitere Entwicklung voraus." 205) Die Roßtäuscherei der KP-Führung erscheint erst dann im richtigen Licht, wenn dazu bemerkt wird, daß sich die Berechtigung des Avantgarde-Anspruchs auch dadurch zu beweisen hat, daß die Partei es versteht, in möglichster Klarheit das Ergebnis ihrer Analysen zu formulieren, mit dem sie die Kämfpe der Arbeiterklasse orien- tieren und anleiten will, und zwar so, daß die daraus abgeleite- ten Tagesforderungen auch der 'letzten Köchin' (Lenin) verständ- lich sind, d.h. die Massen, indem sie in dem Programm der Partei ihre eigenen Interessen und Forderungen erkennen, für dieses kämpfen. Der 10. Parteitag stand im Zeichen der Spaltung der KP-Führung, d.h. der Fischer-Maslow-Scholem-Zentrale, unter dem Eindruck der falschen Taktik anläßlich der Hindenburg-Wahl und der Absage an die "Einheitsfronttaktik von unten" durch das Angebot der KP an die SPD zur gemeinsamen Abwehr der 'monarchischen Gefahr'. Der Verlauf des Parteitages, der Einheit suggerierte, wo keine bestand, der keine inhaltliche Diskussion zuließ, da man vorher vereinbart hatte, was gesagt werden sollte, 206) vor allem aber der desolate Zustand der Organisation - nicht nur gekennzeichnet durch den Verlust der Verbindung der KP mit den Massen, sondern auch zwischen Führung und Mitgliedern - zwang das EKKI wenige Wo- chen nach dem Parteitag zum direkten Eingreifen, in dessen Ergeb- nis die Fischer-Maslow-Führung abgesetzt wurde. Wiewohl dies nicht das Ergebnis einer Diskussion der Mitglieder war, sondern (zunächst) Ergebnis der Lösung politischer und ideologischer Dif- ferenzen durch Anwendung administrativer Mitte! - in denen gerade die Fischer-Maslow-Führung Meister gewesen war - fand dieses Ein- greifen sehr schnell die Unterstützung der Mitglieder. 207) Der "Brief der Exekutive der Kl an alle Organisationen und die Mitglieder der KPD" 208) kritisiert den 10. Parteitag in allen Punkten bis auf das Gewerkschaftsreferat Thälmanns, die Be- schlüsse zur Organisationsfrage und das Verhalten des Jugendver- bandes. Das EKKI entwirft folgendes Bild vom Parteitag: "Aus Man- gel an revolutionärer Theorie reservierte Haltung gegenüber der Komintern (!), Nachgiebigkeit gegenüber ultralinken Stimmungen und Tendenzen, weiter Ausschaltung der Parteidemokratie, Isolie- rung der Partei von den Massen..." 209) Die Einschätzung der öko- nomischen und politischen Situation Deutschlands im Parteitagsre- ferat R. Fischers, - das den Thesen zur Lage hauptsächlich zu- grundegelegt worden war ", und die daraus abgeleitete Taktik wird mit einer eigenartigen Begründung vom EKKI verworfen: "Das Kernstück des Parteitages mußte das Referat über die politi- sche Lage und die Aufgaben und Taktik der Partei sein. Gerade in diesem Kernstück zeigte es sich, daß es für die Parteileitung auf dem Parteitage auf eine Parade, aber nicht auf wirkliche ernste Entscheidungen, die einen Schritt weiter führen, ankam... Man muß aus dem Referat Ruth Fischers erkennen, d a ß j e d e r V e r s u c h d e r A b g r e n z u n g g e g e n ü b e r d e r K o m i n t e r n zu einer ungenügenden und falschen Ana- lyse führt, und daraus resultieren ungenügende Aufgabenstellung, falsche Stellung zu den Massen, zur Gewerkschaftsarbeit, zur Nor- malisierung des Parteilebens, zur Reorganisation usw. Man muß er- kennen, daß diese Methode die Partei nicht vorwärts, sondern in den Abgrund führt..." 210) Abgesehen davon, daß sich die weiteren Auseinandersetzungen in der Kl- und KP-Führung um die Absetzung der Fischer-Maslow-Zen- trale vielleicht vergleichen lassen mit einer aussichts- und deshalb zügellosen Begegnung verbissener Catcher, muß festgehal- ten werden, daß nicht die Erkennung und Bestimmung der Ursachen der sektiererischen Politik der KPD zur Beseitigung einer unfähi- gen Führung führte, sondern lediglich die unmittelbaren, in ihrer Konsequenz für die KPD liquidatorischen Folgen dieser Ursache. Dieser Abschnitt sollte ein Ansatz zur Bestimmung der Ursachen sein. V. Das zentrale Problem der revolutionären Partei des ----------------------------------------------------- Proletariats, die Verankerung in den Betrieben und der ------------------------------------------------------ organisatorische Lösungsversuch der KPD in Form der --------------------------------------------------- Betriebszellenorganisation -------------------------- "Wenn die europäischen Kommunisten die (wahrscheinlich sehr kurze) Zeitspanne zwischen den Perioden besonderer Verschärfung der revolutionären Kämpfe, wie sie viele kapitalistische Länder Europas und Amerikas 1921 und Anfang 1922 durchgemacht haben, nicht zu dieser gründlichen, inneren, tiefgreifenden Umgestaltung des ganzen Aufbaus und der ganzen Arbeit ihrer Parteien ausnut- zen, so wird das von ihrer Seite das größte Verbrechen sein." (Lenin, Notizen eines Publizisten) Die im Gefolge der preußischen Kriege und der Reichseinigung er- möglichte, im Vergleich zu allen anderen kapitalistischen Ländern ungeheuer schnelle Akkumulation beinhaltet bereits in den 90er Jahren die ausgebildete Tendenz der Monopolisierung, ohne daß ihr eine volle Entfaltung des Konkurrenzkapitalismus mit den entspre- chenden ökonomischen und politischen Krisen und entfalteten Klas- senkämpfen vorangegangen wäre. Zwar entwickelte die große Indu- strie mit sich das Proletariat als Klasse an sich, nicht aber als treibende Kraft des Klassenkampfes. Denn solange unter den Arbei- tern "die Dieselbigkeit ihrer Interessen keine Gemeinsamkeit, keine nationale Verbindung und keine Organisation unter ihnen er- zeugt, bilden sie keine Klasse. Sie sind daher unfähig ... ihre Klasseninteressen geltend zu machen." (Marx, 18. Brumaire) Die fehlende Kampferfahrung erschwert die Entwicklung den Kampf- bedingungen adaequater organisatorischer Prinzipien und eigener Klassenforderungen in Abgrenzung gegenüber dem Kleinbürgertum durch die revolutionäre Organisation und die richtige Zurückfüh- rung der besonderen ökonomischen Bedingungen in Deutschland auf die allgemeinen Bestimmungen der kapitalistischen Akkumulation durch die (sozialdemokratischen) Theoretiker. Im Bismarck-Staat, dem politischen Ausdruck der nichtrevolutio- nären Entfaltung der Klassengegensätze zwischen Großgrundbesitz und Bourgeoisie einerseits, zwischen diesen beiden und dem Prole- tariat andererseits, erkennt die Sozialdemokratie nicht die weit- gehende Verschmelzung von Junkertum und Bourgeoisie, bekämpft stattdessen das junkerlich-absolutistische Element im Staatsappa- rat als Repräsentant des Militarismus, ohne dessen Funktionalität für die Bourgeoisie zu durchschauen. Folgerichtig sieht sie im Staat nicht den politischen Klassengegner sondern versucht, ihn zum Agenten ihrer Interessen zu machen, indem sie - fixiert am Parlamentarismus, ohne Erkenntnis seiner stabilisierenden Funk- tion für die Herrschaft der Bourgeoisie im Staat - radikaldemo- kratische Forderungen stellt und damit die Rolle übernimmt, die historisch der Bourgeoisie gegen den Feudalismus zukam, von die- ser aber unter den spezifischen (preußischen) Bedingungen nicht hatte wahrgenommen zu werden brauchen, die Rolle der liberalen Opposition. Die Konsequenzen für die Sozialdemokratie waren in der Theorie der Revisionismus, in der Praxis der Reformismus, der Verzicht auf den notwendigen außerparlamentarischen Kampf und die Konterrevolution; in der Organisation die Wählerpartei nach bür- gerlichem Muster, Bürokratie, Hierarchie, die Trennung von Füh- rung und Masse. Die Organisation der Sozialdemokratie wird zum objektiven Faktor für das Ausbleiben der Klassenkämpfe. Einmal entstanden und stabilisiert, ist dieser Faktor selbst bei klaf- fender Diskrepanz zwischen objektiven Klasseninteressen des Pro- letariats und der (bürgerlichen) Realpolitik 'seiner' Organisa- tion schwer zu beseitigen. Selbst die Kritik der radikalen Linken um Luxemburg, Liebknecht, den Bremer und Hamburger Linken wird zum konsequenzlosen Opportunismus, solange sie die Organisations- form unangetastet lassen. Die sozialdemokratische Organisationsform verhinderte die klare Abgrenzung des Proletariats vom Kleinbürgertum und leistete der Verbürgerlichung des Proletariats Vorschub; die Tradition der Ar- beiterbildungsvereine und des ADAV wurde nahtlos fortgesetzt in Form eines alljährlich auf dem Parteitag gewählten Vorstandes; der dezentralisierten regionalen und lokalen Vereinsorganisation; einem Statut, das vornehmlich Cassa und Parteipresse zentrale Be- deutung beimaß - anhand deren stetigem Anwachsen und wachsender Auflage sich die Partei vor allem ihrer eigenen Stärke versi- cherte (Trotzki) - und bürgerliche Philantropen, Kleinbürger und Arbeiter gleichermaßen organisatorisch zusammenfinden ließ. Selbst die Illegalität unter den Sozialistengesetzen und die im- mer stärkere Zunahme des proletarischen Elements in der (Wähler-) Massenbasis führten nicht zur revolutionären Organisationsform, die in den Betrieben verankert sein muß mit dem Ziel des (im bür- gerlichen Staat notwendigen) in der Hauptsache außerparlamentari- schen Kampfes für die Forderungen und Ziele der Arbeiterklasse. Dem Vorrang der "Wahlagitation" als Praxis entsprach die Organi- sationsform der dezentralisierten lokalen Einteilung nach Wahl- kreisen, d.h. die Gleichsetzung von politischer Arbeit und 'Organisierung' des Reichstagswahl-'kampfes'. Wie das Kaninchen auf die Schlange starrte die Sozialdemokratie auf die Soziali- stengesetze und danach auf das - in seinem reaktionären Grad nach Ländern uneinheitliche - Vereinsrecht. Die Sozialdemokratie war so nie mehr als eine "peinlich streng dem bestehenden Rechtszu- stand angepaßte Organisation", 211) die im Gegensatz zu den Bol- schewik! aus der Illegalität, unter Negierung des Klassencharak- ters des bürgerlichen Staates, keine Lehren zog hinsichtlich ih- rer Organisationsform, im Gegenteil demokratischen Illusionen verfiel; der Kampf der "Jungen" im Gefolge der spontanen Streiks ab 1886 gegen die Verbürgerlichung der Partei hingegen wurde 'organisatorisch' gelöst, d.h. administrativ. 212) Wie wenig die Sozialdemokratie als Arbeiterorganisation dem Kampf der Arbeiter- klasse entsprach, zeigt einerseits das sprunghafte Ansteigen der Streiks, die Durchführung der ersten politischen Massenstreiks ab 1905 213) und der Beschluß auf dem Jenaer Parteitag 1905 gegen eine straffe Kampforganisation, stattdessen Zentralisation nur in Fragen Gasse und Berichterstattung an den Parteivorstand. 214) Aufgrund der Beibehaltung des Organisationsstatuts von 1905 bis zur Vereinigung der MSPD mit der rechten USPD 1924 blieb die SPD ein "Wahlapparat zu Wahlzwecken" 215), der aufgrund der Organisa- tion nach Wahlkreisen "die Industriearbeiterschaft schwer benach- teiligte, weil (er) den Wählern in den kleinen agrarischen Wahl- kreisen ein vielfaches Stimmenübergewicht über den Arbeiterwäh- lern der großen industriellen Wahlkreise gab" 216), und innerhalb der Organisation die jederzeitige Majorisierung der Proletarier durch kleinbürgerliche Elemente ermöglichte. 217) Das sich in den Massenstreiks manifestierende revolutionäre Be- wußtsein der Arbeiterklasse hätte sich nur dann gegen die korrum- pierte Parteiführung durchsetzen können, wenn es eine den Bedin- gungen ihres eigenen Kampfes entsprechende Organisationsform ent- wickelt hätte mit der Konsequenz der Spaltung der Sozialdemokra- tie Jahre vor dem Krieg. 1. Das Problem in der KPD(S) ---------------------------- Man kann nicht sagen, daß das wichtigste organisatorische Problem der Partei des Proletariats, die organisatorische Verankerung in den Betrieben, in der KPD nicht von Anfang an - zumindest ansatz- weise - erkannt worden wäre, 218) wiewohl die Konzentrierung auf die organisatorische Durchsetzung erst 1925 erfolgte, ohne dann aber noch mit wesentlichem Erfolg. Einerseits zwang die politische Arbeit unter den Bedingungen der terroristischen Militärdiktatur die revolutionären Linken während des Krieges zur Agitation nicht nur in den alten sozialdemokrati- schen Wahlvereinen, sondern vor allem bei der Vorbereitung der Demonstrationen, der Durchführung der Streiks ging die Aktivität von den Betrieben aus; andererseits zogen die marxistischen Lin- ken aus dem Bankrott der Vaterlandsverteidiger, aus dem Zustand der völlig verbürgerlichten sozialdemokratischen Organisation die richtige Konsequenz, daß der Kampf des durch den Krieg radikali- sierten Proletariats nur vom Proletariat selbst geführt werden kann ausgehend von ihrem und dem gesellschaftlich wichtigsten Bereich, den Betrieben. "Der Hauptgrund für die Tätigkeit des Spartakusbundes vornehmlich in den Betrieben war aber das Ziel des Spartakusbundes, durch Massenaktionen den Frieden zu erzwingen und im Sinne der Be- schlüsse der internationalen sozialistischen Kongresse die durch den Krieg geschaffene Krise zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung auszunutzen." 219) Gerade der Ursprung der linken Opposition in den revolutionären Arbeitern, Betriebsvertrauensleuten und revolutionären Obleuten beweist für die Spanne Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit die Identität der selbständigen revolutionären Bewegung des Proleta- riats und der in ihr sich bildenden, mit ihr verwachsenen Organi- sation. Die praktische Durchsetzung der Einsicht in die Notwen- digkeit der revolutionären Organisation des Proletariats, gleich- bedeutend mit der Spaltung der SPD, war von den deutlichen Linken zu spät versucht worden. Wozu die Bolschewik! 15 Jahre Zeit hat- ten, konnte von der KPD nicht in praktisch einigen Monaten gelei- stet werden, so daß die Partei sich angesichts der Ereignisse vor unlösbare Probleme gestellt sah. Die deutsche Rätebewegung nahm binnen kurzem notwendig die gleiche Entwicklung wie die russi- sche, in sich notwendig zersplittert; notwendig ohne einheitliche Zielrichtung ihres Kampfes verkam sie zu einer von der Sozialde- mokratie gezielt unterwanderten und majorisierten Marionette. Ge- rade hier liegt der eine wesentliche Unterschied zwischen der russischen Revolution und der deutschen 'Revolution'. Das russi- sche Proletariat verfügte im Oktober über eine kampferfahrene, organisatorisch stärkere, vor allem in den Zentren der russischen großen Industrie in Petrograd und Moskau verankerte, ideologisch relativ einheitliche Organisation, die nach dem faktischen Ende der Sowjets als Zentrum der revolutionären Bewegung das Instru- ment des Proletariats im Kampf und zur Fortsetzung des Kampfes um die Macht im Staat sein konnte. Unter den ganz anderen deutschen Bedingungen als zweites - in der Hauptsache der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Diktatur, einer geschlossenen, durch den Krieg organisatorisch gestärkten, poli- tisch kaum geschwächten Borugeoisie, die sich mit der Sozialdemo- kratie und Gewerkschaften über den Nachkriegskurs längst einig war - überschätzte die KPD die objektiv mögliche Rolle der deut- schen Rätebewegung, die - hauptsächlich antimonarchistisch, repu- blikanisch, antimilitaristisch - nicht in der Lage sein konnte, in der Errichtung der bürgerlichen Republik die Fortsetzung der "ganzen alten Scheiße" (Marx) zu erkennen, d.h. trotz Änderung der politischen Form den Klassencharakter des bürgerlichen Staa- tes, und damit für die Zerschlagung der Herrschaft der Bour- geoisie und für die Errichtung der Diktatur des Proletariats zu kämpfen. Und gerade für die Rolle, die an diesem analogen Punkt die Bolschewik! übernehmen konnten - beim zeitweiligen Verlust der Spontaneität der Arbeiterklasse unter den Schlägen der Kon- terrevolution die Ziele und das Ergebnis der Kämpfe zusammenzu- fassen, zu wahren und neu zu propagieren - war die KPD zu jung, zu schwach, war ihre Bedeutung als Teil und Avantgarde der Bewe- gung zu gering. Unter Erwartung einer bevorstehenden 2. Revolution 220) analog der russischen Entwicklung vernachlässigte die KPD das Organisa- tionsproblem. 221) Das Organisationsreferat Eberleins wurde un- diskutiert dem Satzungsentwurf der KPD(S) zugrundegelegt, ein darauf basierendes "Musterstatut" zum Aufbau von Ortsgruppen "versandt". 222) Wohl war dem Gründungsparteitag die Unmöglich- keit der alten sozialdemokratischen Organisationsform bewußt 223), zog Eberlein in seinem Referat aus dem spontanen Entstehen der A & S-Räte die richtigen Schlüsse für die Organisationsbasis der KPD in den Betrieben, 224) doch waren diese Schlußfolgerungen funktional bezogen allein auf die Aktionsfähigkeit bezüglich der erwarteten Endkämpfe 225), d.h. die Betriebszelle erschien not- wendig zur Verbreiterung und Erhöhung der Aktionsfähigkeit der Partei zusätzlich zur bestehenden Wohnzelle, ohne die zentrale Bedeutung des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse in den Betrieben zu erkennen: "Wir können daher da, wo die Großbetriebe zusammenliegen, die Betriebsorganisation durchführen, in Orten aber, wo die Arbeiter wohnen und nicht arbeiten, die Organisation nach Wohnbezirken gliedern." 226) Dieser Satz allein könnte schon das Scheitern der Organisation auf Betriebsebene begründen. 227) "Diese Verbindung von Wohnbezirks- und Betriebszellenorganisation hat sich nicht lange gehalten. Man kann nicht eine Partei auf zwei verschiedene Prinzipien aufbauen; entweder wird die eine oder die andere Art der Organisation absterben. Geblieben ist in der KPD nur die Wohnbezirksorganisation." 228) Mit der Spaltung nach Heidelberg verlor die KPD einen so großen Teil ihrer proletarischen Mitglieder, so daß die Betriebszellen- organisation praktisch nicht mehr bestand. 229) Unter dem Ein- druck der spontanen Massenbewegung, in Erwartung der Revolution, die organisatorische Fragen unwichtig erscheinen ließ; der (falschen) Gleichsetzung von Zentralismus und Bürokratie am hi- storischen Beispiel der Sozialdemokratie, war es für den Grün- dungsparteitag gar keine Frage, sich föderalistisch zu organisie- ren: "Wir sind weiter der Meinung, daß das alte System der Unter- ordnung der einzelnen Orte unter die Zentrale aufhören muß, daß die einzelnen örtlichen Organisationen, die einzelnen Betriebsor- ganisationen eine völlige Autonomie haben müssen." 230) Aus den Bedingungen des illegalen Kampfes, unter denen Spartakus gearbeitet hatte, zog die KPD ebenso falsche Schlüsse hinsicht- lich des notwendigen zentralisierten Kampfes angesichts der in Staatsapparat, Freicorps und Bürgerwehren konzentrierten Konter- revolution - was sich anläßlich der Januarkämpfe und des Kapp- Putsches rächen sollte. Es ist nicht davon zu sprechen, daß das Problem Zentralisation oder Autonomie von der KPD anfangs in sei- ner realen Bedeutung erkannt worden wäre, möglicherweise allein schon unter der vorherrschenden Massenstimmung, denn "die revolu- tionär gestimmten Arbeiter in den Betrieben (wollten) von einer fest organisierten und straff zentralisierten kommunistischen Partei nichts wissen..." 231) Die Ablehnung des Zentralismus wurde nur der aktuellen Situation der Partei 'gerecht', nicht aber den politischen und ökonomischen Bedingungen des Kampfes und schon gar nicht wie sie perspekti- visch über den aktuellen Zustand hinaus 'bezüglich der Überwin- dung der gegenüber SPD und USPD verschwindend geringen Betriebs- basis; der KPD blieb die Einsicht in die Konsequenzen aus den einheitlichen Bedingungen des Kampfes in den Betrieben versperrt; die Ablehnung des Zentralismus widerspricht geradezu dem auf dem Gründungsparteitag begründeten Zweck und Ziel der Organisierung nach Betriebszellen. Die Auseinandersetzungen mit den syndikali- stischen Tendenzen in der Arbeiterbewegung und der KPD führten auf dem Heidelberger Parteitag zur verbalen Forderung nach "straffster Zentralisation" gegen "jeden Föderalismus", der "einheitliche Aktionen der Arbeiter unmöglich" mache 232); die in der Satzung geforderte "Betriebs- und Wohnbezirksorganisation" als Grundlage der Ortsgruppe 233) blieb angesichts der Spaltung, Illegalität, der Resignation und Demoralisierung der Arbeiter- klasse bloßes Postulat. 234) Über den Einfluß sozialdemokrati- scher Tendenzen auf die Organisation bei Vereinigung mit der lin- ken USP war man sich im klaren. 235) Um so unbegreiflicher, daß nach der Vereinigung die Ortsgruppen nach alter sozialdemokrati- scher Tradition die Grundorganisation der Partei bildeten 236); die Betriebsfraktionen 237) waren nur ein Element der Ortsgruppe neben Straßenzellen, Gewerkschaftsfraktionen, Fraktionen in den Konsumgenossenschaften; der einzige Unterschied zur sozialdemo- kratischen Organisation war die Gliederung der Organisation nach Wirtschaftsgebieten anstatt nach Wahlkreisen. 238) Die in den vom 2. K l-Kongreß beschlossenen 21 Aufnahmebedingungen 239) gefor- derte und richtig begründete Notwendigkeit der illegalen Arbeit und der Schaffung eines diese Arbeit ermöglichenden Apparats ist nur sinnvoll, wenn sich die Partei in der Phase verschärfter und bewaffneter Kämpfe auf die Betriebe als Zentren des Kampfes stüt- zen kann. Die Mischmasch Grundorganisation Ortsgruppe konnte die- ser Aufgabe nur hinderlich sein. Der 5. Parteitag dagegen war der Meinung, daß diese Organisationsform "auch in der illegalen Zeit nicht zerstört werden kann..." 240) Die Praxis hatte anderes ge- lehrt: "Die Bewegung endigte mit der neuen großen Aktion im März 1919 in Berlin, mit dem Tode von Tausenden von Berliner Proletariern, mit der Ermordung von Leo Jogiches und mit einer schweren Erschütte- rung des ganzen organisatorischen Gebäudes der K.P.D. Die Zen- trale der K.P.D. mußte zum ersten Male Berlin verlassen und ihr Domizil zunächst in Leipzig nehmen; von dort aus mußten die abge- rissenen Fäden der Organisation mühsam wieder geknüpft werden. Eine in aller Eile auf '' Ende März 1919 nach Frankfurt a.M. ein- berufene Reichskonferenz sicherte den persönlichen und organisa- torischen Zusammenhang der Zentrale wenigstens mit den Leitern der Bezirke." 241) Die Märzkämpfe 1921 lehrten genau dasselbe: "Es zeigte sich die Notwendigkeit, die Parteiorganisation erst einmal unseren Aufgaben entsprechend aufzubauen. Fast überall wa- ren die Mitglieder nur zu losen Vereinen zusammengeschlossen, die Organisation trug noch den Charakter der alten sozialistischen Wahlvereine, in denen nur eine ganz lose Verbindung der Mitglie- der bestand. Diese Organisationsform zeigte gerade in der Märzak- tion die große Gefahr der nur allzu leichten Zerstörung der Orga- nisation, sobald diese in Kämpfe verwickelt wurde." 242) _____ 1) Hermann Weber: DIE WANDLUNG DES DEUTSCHEN KOMMUNISMUS. DIE STALINISIERUNG DER KPD IN DER WEIMARER REPUBLIK, 2 Bde. Frankfurt 1969; H.J. Fieber: DER KAMPF UM DIE HERAUSBILDUNG DES MARXI- STISCH-LENINISTISCHEN ZENTRALKOMITEES DER KPD IN DER ZEIT VOM FRÜHJAHR 1925 BIS ZUR PARTEIKONFERENZ DER KPD AM 31. OKTOBER/1. NOVEMBER 1925, Dissertation Parteihochschule Karl Marx, Berlin 1969; Walter Klaws: "Das Ringen der KPD um Betriebsparteiorgani- sationen und der Anteil Walter Ulbrichts", BZG, 1968, H. 3, S. 493 ff: DIE BOLSCHEWISIERUNG DER KPD, 1. Teil, Schriftenreihe der KPD-Aufbauorganisation, Berlin 1970. 2) GESCHICHTE DER DEUTSCHEN ARBEITERBEWEGUNG, Berlin 1966, Bd. IX S. 106 ff.; eine genaue Kritik dieser angegebenen Schriften er- folgt zum Schluß dieser Darstellung der "Bolschewisierung", weil dann leichter die analytischen Mängel dieser Untersuchungen ange- geben werden können. 3) W.I. Lenin: "Karl Marx, kurzer biografischer Abriss mit einer Darlegung des Marxismus", WERKE, Bd. 21, Berlin 1968, S. 42/43. 4) ebda., S. 64. 5) W.I. Lenin: AUS DEM PHILOSOPHISCHEN NACHLASS, Exzerpte und Randglossen, Berlin 1961, S. 89. 6) "Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Manigfaltigen. Im Denken er- scheint es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstel- lung ist. (...) Hegel geriet daher auf die Illusion als Resultat des in sich zusammenfassenden, in sich vertiefenden und aus sich selbst sich bewegenden Denken zu fassen, während die Methode vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Kon- kreten selbst." (Karl Marx): GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITI- SCHEN ÖKONOMIE, Berlin 1953, Einleitung, S 21/22; siehe dazu Hen- ryk Grossmann: "Die Wert-Preistransformation bei Marx und das Krisenproblem", ZEITSCHRIFT FÜR SOZIALFORSCHUNG, Frankfurt 1932, S. 55 ff.; W.S. Wygodski: DIE GESCHICHTE EINER GROSSEN ENTDEC- KUNG, Berlin 1967, S. 39 ff. 7) W.I. Lenin: "Neue wirtschaftliche Vorgänge im bäuerlichen Le- ben und Zur sogenannten Frage der Märkte", WERKE, Bd. l, Berlin 1965. 8) Peter v. Struve: "Die Arbeiterbewegung in Rußland", CENTRAL- BLATT FÜR SOCIALPOLITIK, 1892; Bulgakov: ZUR FRAGE DER MÄRKTE IN DER KAPITALISTISCHEN PRODUKTIONSWEISE, Moskva 1897; Tugan-Bara- novskij: STUDIEN ZUR THEORIE UND GESCHICHTE DER HANDELSKRISEN IN ENGLAND, Moskva 1894, ders.: GESCHICHTE DER RUSSISCHEN FABRIK, Moskva ca. 1895. 9) W.I. Lenin: "Was sind die 'Volksfreunde' ...", WERKE, Bd. l, S. 267. 10) Ders.: "Der ökonomische Inhalt der Volkstümlerrichtung", WERKE, Bd. l, S. 414 . 11) Ders.: DIE ENTWICKLUNG DES KAPITALISMUS IN RUSSLAND, WERKE, Bd. 3, Berlin 1963, S. 39 ff., S. 167 ff., S. 178 ff., S. 327. 12) P.I. Lyashchenko: HISTORY OF THE NATIONAL ECONOMY OF RUSSIA, New York 1949, S. 196 ff. 13) W.I. Lenin: DIE ENTWICKLUNG. ., Bd. 3, S. 47. 14) Ders.: ZWEI TAKTIKEN DER SOZIALDEMOKRATIE IN DER DEMOKRATI- SCHEN REVOLUTION, Werke Bd. 9, Berlin 1960, S. 44. 15) Ders.: "Die Aufgaben der russischen Sozialdemokraten", Werke Bd. 2, Berlin 1963, S. 346. 16) Ders.: WAS TUN? , Werke Bd. 5, Berlin 1959, "Brief an einen Genossen über unsere organisatorischen Aufgaben", Bd. 6; siehe dazu B. Rabehl: "Zur Methode der revolutionären Realpolitik des Leninismus", in: "Lenin. Revolution und Politik", Frankfurt 1970, S. 106 ff. 17) W.I. Lenin: "Vorwort zum Sammelband 12 Jahre", Werke Bd. 13, Berlin 1963, S. 199. 18) Ders.: "Unser Programm", Bd. 4, Berlin 1960, S 205/6, siehe dazu B. Rabehl: "Zur Methode...", S. 85 ff. 19) W.I. Lenin: "Über die Reorganisation der Partei", Bd. 10, Berlin 1959, S. 16 ff.; "Die Grundlagen der Organisation der Par- tei", ebda., S. 136; B. Rabehl: "Zur Methode...", S. 112 ff. 20) W.I. Lenin: "Antwort an P. Kijevski", Bd. 23, Berlin 1968, S. 14 ff. 21) Rudolf Hilferding: DAS FINANZKAPITAL, Berlin 1910; N. Bucha- rin: IMPERIALISMUS UND WELTWIRTSCHAFT, 1916; Ders.: "Staatskapitalismus und sozialistische Revolution", START AK, Juni 1917, Moskva. 22) W.I. Lenin: DER IMPERIALISMUS ALS HÖCHSTES STADIUM DES KAPI- TALISMUS, Werke, Bd. 22, Berlin 1960, S. 212. 23) ebda., S. 270/71. 24) ebda., S. 281, S. 283. 25) Ders.: "Materialien zur Revision des Parteiprogramms", WERKE, Bd. 24, Berlin 1959, S. 465. 26) Ders.: "Der Krieg und die russische Sozialdemokratie::, Bd. 21, Berlin 1968, S. 4ff. und die anderen Aufsätze zu diesem Zeit- punkt. 27) Ders.: "III. Kongreß der Kommunistischen Internationale", Bd. 32, Berlin 1963, S. 487. 28) ebda., S. 488 u. 497: "Unsere erste Aufgabe ist die Bildung einer wahrhaft revolutionären Partei und der Bruch mit den Men- schewiki. (...) Die zweite Stufe, nachdem wir uns in der Partei zusammengeschlossen haben, wird darin bestehen, daß wir fernen, wie man die Revolution vorbereitet. In vielen Ländern haben wir nicht einmal gelernt, wie man die Führung erobert." 29) Ders.: "Brief an die deutschen Kommunisten", Bd. 32, S. 537 ff. 30) Dieser Überblick gibt im wesentlichen die Ergebnisse der Ana- lyse Kuczynskis wieder, die in ihrer Tendenz als auch in den An- gaben mit der übrigen Standardliteratur übereinstimmen; Jürgen Kuczynski: DIE GESCHICHTE DER LAGE DER ARBEITER UNTER DEM KAPITA- LISMUS, Teil I, Die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutsch- land von 1789 bis zur Gegenwart. Dokumente und Studien zu Bd. 6. Studien zur Geschichte des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland 1918 bis 1945, Bd. 16, Berlin 1965, S. 5 ff. K. ana- lysierte zum ersten Mal für diese Periode die Entwicklung der Wi- dersprüche zwischen den einzelnen Bourgeois-Fraktionen in ihrer Bedeutung für den Zusammenhang zwischen Ökonomie und Politik. 31) Vgl. Ernst Meyer: "Zur Geschichte der KPD (Zum Jahrestag der Gründung der KPD am 30. Dez. 1918)", in: DIE KOMMUNISTISCHE IN- TERNATIONALE,?. Jg. 1926, H. 15 (24), S. 679. Vgl. "Geschäftsbericht der Zentrale", in: BERICHT ÜBER DEN 2. PARTEITAG DER KPD(S) vom 20. bis 24.10.1919, hrsg. v. der KPD(S), o.O., o.J., S. 26 ff. Vgl. Paul Levi, "Die politische Lage und die Parlamentswahlen", in: BERICHT ÜBER DEN 4. PARTEITAG DER KPD(S) am 14. und 15.4.1920. Hrsg. v.d. KPD(S), o.O.o.J., S. 16. 32) Lenin: "Brief an die deutschen Kommunisten" (vom 14.8.1921), in: W.I. Lenin: WERKE, Bd. 32, Berlin 1967, S. 538. 33) Zentralarbeitsgemeinschaft/Demobilmachungsamt. Vgl. J. Rei- chert: ENTSTEHUNG, BEDEUTUNG UND ZIEL DER 'ARBEITSGEMEINSCHAFT', Berlin 1919, S. 5 f. 34) Vgl. "Entwurf eines Aktionsprogrammes der SPD" VORWÄRTS, Ber- lin 23.5.1918; und "Sozialpolitisches Arbeiterprogramm", in: Paul Umbreit SOZIALPOLITISCHE ARBEITERFORDERUNGEN DER DT. GEWERKSCHAF- TEN, Berlin 1918 (vom Nov. 1917). Zur Ideologie: Naph- tali/Lapinski/Deppe/Steinberg/David. 35) Vgl. Heinz Habedank: "Die Zusammenarbeit der Rüstungsmagnaten mit dem Rat der Volksbeauftragten bei der Verhinderung der Natio- nalisierung der Grundstoffindustrie während der Novemberrevolu- tion", in: MONOPOLE UND STAAT IN DEUTSCHLAND 1917 bis 1945, Deut- sche Historiker Gesellschaft, Protokoll der 2. Tagung der Fach- gruppe Geschichte der neuesten Zeit 1917-1945 am 20. und 21. März 1965 in Berlin im Rahmen des III. Kongresses der Dt. Hist. Ge- sellschaft, Berlin 1966, S. 85 f. Zum Demobilmachungsamt: Werner Richter: GEWERKSCHAFTEN, MONOPOL- KAPITAL UND STAAT IM 2. WELTKRIEG UND IN DER NOVEMBERREVOLUTION (1914-1919), Berlin 1959. 36) Ingo Materna: "Zur Wirtschaftspolitik des Rates der Volksbe- auftragten' , in: MONOPOLE UND STAAT, a.a.O , S 98. 37) siehe: DIE DEUTSCHE ARBEITSGEBERZEITUNG, Zentralblatt und Pu- blikationsorgan der Deutschen Arbeitgeberverbände, v. 24.11.1918 und 15.12.1918, zit. nach: Habedank, a.a.O., S. 86 und Anm. 6, S. 92. 38) "Regierungsprogramm des Rates der Volksbeauftragten vom 12. Nov. 1918", abgedruckt in: DOKUMENTE UND MATERIALIEN ZUR GE- SCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, R. II, Bd. 2, Berlin 1957, S. 365. 39) REICHSGESETZBLATT 1918, Nr. 192, S. 1466 ff. zit. n. Habe- dank, a.a.O., S. 88. 40) Vgl. Materna, a.a.O., S. 98; Koeth erhielt nur 500 Mill. für "Notstandsarbeiten'. 41) W. v. Moellendorf: KONSERVATIVER SOZIALISMUS, Hamburg 1932, S. 109 ff. zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 42/44. 42) W. Hecht: "Organisationsformen der deutschen Rohstoffindu- strien". DIE KOHLE, München 1924, S. 40 f. zit. n. Kuczynski, a.a.O., S 44. 43) Zusammenfassung von Kuczynski, (a.a.O., S. 49 ff.) der von E. Bregel, Steuer, Anleihen und Inflation im Dienste des Imperialis- mus, Berlin 1955 entwickelten Thesen; das ganze Kapitel ist eine Zusammenfassung der Analyse Kuczynskis. 44) ebda., S. 52 ff. 45) Kuczynski, a.a.O., S. 68. 46) Dieser Abschnitt ist ebenfalls im wesentlichen eine Zusammen- fassung der Analyse Kuczynskis, a.a.O., S. 71 ff. 47) Während der dt. Innen- und Außenhandel zwischen 1919 und 1922 ein Defizit von 8 Mrd. Goldmark auf wies, exportierte das dt. Ka- pital zur selben Zeit 15-16 Mrd. Goldmark ins Ausland; Kuczynski, a.a.O., S. 71. 48) DIE WELTBÜHNE, Jg 18, Berlin 1922, Nr. 40, S. 369, zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 76. 49) Dokument bei G.W.F. Hallgarten: HITLER, REICHSWEHR UND INDU- STRIE, ZUR GESCHICHTE DER JAHRE 1918-1933, Frankfurt 1955, S 14 und 47 ff., zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 78; ebenfalls abge- druckt in: GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG, Bd. 4, S. 438 ff., Dokument Nr. 20. 50) IMPERIALISMUS HEUTE, Der staatsmonopolistische Kapitalismus in Westdeutschland, Institut für Geschichtswissenschaften beim ZK der SED, Berlin 1967, S. 52. Vgl. GESCHICHTE DER ARBEITERBEWE- GUNG, Bd. 4, S. 438 ff. Dok. Nr. 20. 51) Vgl. DIE SACHVERSTÄNDIGEN-GUTACHTEN DER DAWES- UND MCKENNA- BERICHTE MIT ANLAGEN. Nach dem Originaltext redigierter Wortlaut, Frankfurt 1924, und vgl. Gewerkschaften- und Sachverständigengut- achten, Stellungnahme des AGDB, des AfA-Bundes und des Allgemei- nen Deutschen Beamtenbundes zum Sachverständigen-Gutachten v. 9. April 1924. Ergebnisse der zur Prüfung der Gutachten eingesetzten Sonderkommission. Zusammengestellt im Auftrage der Spitzenver- bände als Material für die Funktionäre von Kurt Heinig, Berlin 1924. Vgl. dagegen: DAS SACHVERSTÄNDIGEN-GUTACHTEN DER ARBEITER. Der Gesetzentwurf der kommunistischen Reichstagsfraktion. Hrsg. v.d. KPD. Sektion der KI Berlin 1924. 52) E. Varga: AUFSTIEG ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, Hamburg 1924, S. 25; Der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit der Gewerk- schaftsmitglieder stieg im Okt. 1923 auf 19,1% bei einem Durch- schnitt (Jan./April/Juli) von ca. 5% , Januar 1924: 26,5%, März 24: 16,6%. Varga, a.a.O., S. 82, Tab. VII (REICHS-ARBEITSBLATT). 53) Erhöhung der Leistung pro Arbeitsstunde 1924-1929 um ca. 40%, IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 49. Vgl. RATIONALISIERUNG UND WIRTSCHAFTSKRISE. Einige Kapitel über das Wesen, den bisherigen Verlauf im gegenwärtigen Stand der kapitalistischen Rationalisie- rung in Deutschland, Berlin o.J. (1930), (KPD - offizielle Dar- stellung). Vgl. Günther Reimann: DAS DT. WIRTSCHAFTSWUNDER. Taylor-System - Ford-Methoden - Der Raub an der Arbeitskraft - Die Entwicklung der dt. Wirtschaftskrise. Aus dt. Großbetrieben - Rationalisie- rung und Frauenarbeit (von Mario Seyring), Berlin 1927 (KPD - of- fizielle Darstellung). Zahlen und Statistiken zu den Folgen der Rationalisierung im Ar- beitsprozeß (Unfälle, Gesundheitszustand) bei J. Kuczynski: DIE GESCHICHTE DER LAGE DER ARBEITER UNTER DEM KAPITALISMUS, Teil I: die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis zur Gegenwart, Bd. 5, Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1917/18 bis 1932/33 Berlin 1966, S. 237 f. Zur Entwicklung des Reallohnes: ebda , S. 222 (absolute bzw. relative Verelendung). 54) Spektator: "Rationalisierung und Kartellbildung"; DIE KOMMU- NISTISCHE INTERNATIONALE, 7. Jg. 1926, H. l (10), S. 19 f. In der Zeit, verstärkt 1925, reist das dt. Management nach den USA zum Studium des Taylorsystems, das als "Refa-System" (Reichsausschuß für Arbeitsstudien) in Deutschland so eingeführt wird: "Das Kalkulationssystem ist amerikanisch, die technischen Einrichtungen sind deutsch. Also muß der Arbeiter das übrige aus den Knochen herausschinden."; (DIE ROTE FAHNE v. 21.5.1926); Ul- bricht bezifferte das Verhältnis auf 20% technische Verbesserung und 80% Steigerung der Arbeitsintensität. Vgl. Ulbricht: ZUR GE- SCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, Bd. I, S. 275/80, "Für Acht- stundentag". 55) Vgl. Vargas Rede, PROTOKOLL ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI, Mos- kau 21.3. und 6.4.1925, Hamburg 1925, S. 136 und 142. 56) IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 50; Faingar nennt 30 Mrd. Goldmark und stellt fest, daß diese Summe ca. 2/3 des Wertes des gesamten Grundkapitals der dt. Industrie darstelle; I.M. Faingar: DIE ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN MONOPOLKAPITALS, Grundriß, Berlin 1957, S. 99. 57) Vgl. Helmut Böhme: PROLEGOMENA ZU EINER SOZIAL- UND WIRT- SCHAFTSGESCHICHTE DEUTSCHLANDS IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT. Frank- furt 1968, S. 117 f. 58) ebda., S. 51. 59) Vgl. Rolf Sonnemann, Rudolf Sauerzapf: "Monopole und Staat in Deutschland 1917-1933", in: MONOPOLE UND STAAT, a.a.O., S. 14 ff. 60) ebda., S. 14. 61) ebda. 62) Diese 8 waren: Dt. Industrie und Handelstag/Reichsverband der dt. Industrie / (Frühjahr 1919 zusammengeschlossen aus Zentral- verband deutscher Industrieller und Bund der Industriel- len)/Reichsverband des dt. Handwerks/Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes/Zentralverband des dt. Großhan- dels/Hauptgemeinschaft des dt. Einzelhandels/Reichsverband der Privatversicherungen/Reichsausschuß der dt. Landwirtschaft. 63) Alfred Schröter: "Die Bedeutung der institutionellen Ver- schmelzung von Staat und Monopolen für die Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus", in: MONOPOLE UND STAAT, a.a.O., S. 63. 64) Vgl. DIE BÜRGERLICHEN PARTEIEN IN DEUTSCHLAND, Handbuch der Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderen bürgerlichen In- teressenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945. Hrsg. v. einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Dieter Fricke. Hist. Inst, der Fr. Schiller-Jena, Bd. 1, Alldt. Verband Fortschrittl. Volkspartei, Leipzig 1968, Stichwort "Alldt. Verband", insbes. S. 3 und S. 21 ff. 65) Kuczynski, a.a.O., S. 37. 66) Bernd Rabehl: DKP, Teil B, S. 127. 67) Alfred Schröter: KRIEG-STAAT-MONOPOL 1914-1918. Die Zusammen- hänge von imperialistischer Kriegswirtschaft, Militarisierung der Volkswirtschaft und staatsmonopolistischer Kapitalismus in Deutschland während des 1. Weltkrieges, Berlin 1965, S. 127. 68) Fr. Haussmann: DIE ÖFFENTLICHE HAND IN DER WIRTSCHAFT, Mün- chen u. Berlin 1954, S. 32 f., zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 87. 69) Hugenberg zit. in: F. Zedermann: WIRTSCHAFTLICHE GEFAHREN EI- NES KOHLEMONOPOLS, Berlin 1919, S. 10, zit. n. IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 41. 70) Duisberg am 10.11.1926 als Präsident des Reichsverbandes vor den Spitzenverbänden in Berlin; zit. n. Kuczynski, a.a.O., S. 88. 71) Tagung des Reichsverbandes der dt. Industrie in Köln am 23., 24. und 25. Juni 1925, Berlin 1925, S. 13, zit. n. IMPERIALISMUS HEUTE, a.a.O., S. 47. 72) Die Auswirkungen der Steuergesetzänderung vom 7.8.1925: 1923/24 1924/25 1925/26 Bezirksteuern (in %) 50,4 27,4 23,0 Massensteuern 49,6 72,6 77,0 (DER REICHSTAG 1924 BIS 1928. 4 Jahre kapitalistische Klassenpo- litik. Handbuch der kommunistischen Reichstagsfraktion, Berlin 1928, S. 38). 73) Vgl. Kuczynski, a.a.O., S. 96. 74) ebda., S. 97. 75) ebda., S. 104. 76) Schröter, a.a.O., S. 128. 77) A. Friedrich: "Entwicklungstendenzen der deutschen Bour- geoisie", in: DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., H. 25, 10 1.27, S. 773 ff; hier S. 776. Forts. a.a.O., S. 70 ff., H. 2/3., 1.2.27; ders., "Exportiert Deutschland Kapital ? Zur Frage des Charakters des dt. Imperia- lismus", a.a.O., 1.4.1927, H. 7, S. 202 ff. Diese drei Artikel dürften die erste präzise Analyse der Stabilisierung der Arbei- terbewegung sein, die die KPD machte. Zur Liquidierung des Stinnes Konzerns, der aufgrund der Investi- tionsbedingungen (Kapitalmangel) nach der Inflation notwendig auseinanderbrechen mußte: DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., 1927, S. 434 ff. H. 7; ebda., S 442 ff.; ebda., S. 449 ff. 78) Friedrich, a.a.O., S. 776; 79) Vgl. dazu: M. Rubinstein: DIE KONZENTRATION DES KAPITALS UND DIE AUFGABEN DER ARBEITERKLASSE, Bibliothek der RGI, Bd. 29, Ber- lin 1924, S. 29 ff.; Rubinstein schildert die Entwicklung auch für Europa 80) Friedrich, a.a.O., H. 2/3, S. 73. 81) E. Varga: "Der Kapitalexport in der Weltwirtschaft", in: DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., 1927, H. 12, S. 366. 82) Friedrich, a.a.O., S. 202. 82) Die Analysen der Lage in Deutschland werden ab 1921 von der KI bzw. dem EKKI gemacht; ab 1920/21 gab es seitens der KPD keine selbständigen Analysen mehr. 83) Lenin: "Referat über die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht", 29.4 1918, Tagung des Gesamtruss. ZEK, WERKE, Bd. 27, Berlin 1960, S. 281. Vgl. Bd. 27, S. 395 u. 464. 84) E. Varga: DIE KRISE DER KAP. WELTWIRTSCHAFT, Hamburg 1921, S. 1 f. 85) ebda., S. 54. 86) ebda., S. 50. 87) ebda., S. 54. 88) ebda., S. 53. 89) ebda., S. 56. 90) ebda., S. 59. 91) ebda., S. 61 ff. 92) ebda., S. 54/57. 93) PROTOKOLL DES 3. KONGRESSES DER KI (Moskau, 22.6. bis 12.7.1921), Hamburg 1921, Bibliothek der KI, XXIII, S. 80 f. 94) ebda., S. 90. 95) ebda., S. 80; vgl. Lenin, ebda., S. 746 f. 96) ebda., S. 113 f. 97) PROTOKOLL, ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI, Moskau 21.3./6.4.1925, Hamburg 1925 S. 135. Die Diffamierung am Schluß des Satzes ist in diesem Zusammenhang ohne Belang. Vgl. auch Vargas Rede auf dem 5. Kongreß, PROTOKOLL. 5. KONGRES- SES DER KI (Moskau 17.6. bis 8.7.1924), Bd. I und II, Hamburg o.J., (1925), S. 108; und Trotzkis Rede auf dem VII. EKKI-Plenum 1926, INPREKORR 1926, Nr. 160, S. 2938; ebenso Varga: AUFSTIEG ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, Hamburg 1924 S. 6, Anm. 1. 98) THESEN UND RESOLUTIONEN DES III. WELTKONGRESSES DER KI, Mos- kau v. 22.6-12.7.1921; Hamburg 1921, S. 8 ff., S. 32 ff.; insbes. S. 10 These 5/S. 17 ; 20/ S. 24; 34/ S. 25; 35/ S. 26/27; 37/ S. 28; 39/ S. 29; 40/ S. 33-35; 2. 99) Die Taktik der KI gegen die Offensive des Kapitals. BERICHT ÜBER DIE KONFERENZ DER ERWEITERTEN EXEKUTIVE DER KI, Moskau v. 24.2.-4.3.1922, Bibl. der KI 27, Hamburg 1922, S. 156. 100) THESEN UND RESOLUTIONEN DES IV. WELTKONGRESSES DER KI, Mos- kau v. 5.11.-5.12.1922, Hamburg 1923. S 10. 101) Karl Radek: DIE OFFENSIVE DES WELTKAPITALS UND DIE TAKTIK DER KI. Zwei Reden, gehalten auf dem 4. Weltkongreß der KI im Nov. 1922, Bibl. der KI 34, Hamburg 1923, S. 14 f. 102) ebda., S. 31. 103) ebda., S. 61. 104) E. Varga: AUFSTIEG ODER NIEDERGANG DES KAPITALISMUS, a.a.O., S. 13. 105) ebda., S. 66. 106) ebda., S. 11, These 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9; S. 12 These I, III, IV. 107) ebda., S 13. 108) ebda., S. 49. 109) PROTOKOLL 5 KONGRESS, a.a.O., S. 108 f. 110) ebda., S. 58. 111) ebda.; Zusätze in Klammer von uns; abgesehen davon, daß es unsinnig ist, den Kapitalismus auf "politischen Gebiet" für "empfindlicher" zu erklären als auf ökonomischem, was historisch eben gerade die nahezu geschlossene Front der deutschen Bour- geoisie und ihres Agenten, der Sozialdemokratie, der zu berück- sichtigende Hauptfaktor der Klassenverhältnisse im Ergebnis der Inflation und der Regelung der Reparationsfrage. 112) ebda., S. 109. 113) ebda., S. 131. 114) ebda., S. 122. 115) ebda., S. 126. 116) ebda., S. 123. 117) Zu den "Thesen zur Weltwirtschaftslage" heißt es folglich, das Kapital sei "objektiv unfähig ..., die Forderungen des Prole- tariats zu erfüllen." THESEN UND RESOLUTIONEN DES 5. WELTKONGRES- SES DER KI, Moskau v. 17.6.-8.7.1924, Hamburg 1924, S. 49. 1924/25 stieg im Deutschen Reich der Durchschnittswochenlohn von 26,50 auf 35,60 Mark; 1928: 42,70. Das Existenzminimum stieg von 41,20 auf 49 Mark. Die Reallöhne näherten sich 1928 dem Vor- kriegsstand. Vgl. J. Kuczynski: DIE GESCHICHTE DER LAGE DER AR- BEITER UNTER DEM KAPITALISMUS, Teil I, ,.;. Die Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis zur Gegenwart, Bd. 5; Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1917/18 bis 1932/ 33, Berlin 1966, S 222. 118) Vgl. auch Thesen und Resolutionen 5. Kongreß, S. S8./49. 119) Vgl.: PROTOKOLL 5. KONGRESS, S. 454-456. Schlußwort Sino- wjews; S. 193, Beitrag R. Fischers; S. 440, Beitrag Ulmers. 120) ebda., S. 444, Schlußwort Vargas. 121) PROTOKOLL DER (V.) ERWEITERTEN EXEKUTIVE DER KI, Moskau 21.3.-6.4.1925, Hamburg 1925, Beitrag Clara Zetkins, S. 174-176 122) ebda., S. 372. 123) Sinowjew: "Weder die Propheten eines unmittelbar bevorste- henden Zusammenbruchs noch die Stabilisierungsfatalisten haben recht. Recht dagegen hat die Kommunistische Internationale. Die allgemeine Prognose und Linie des 5. Weltkongresses bleibt beste- hen." PROTOKOLL V. EKKI, a.a.O., S. 23. 124) Varga gibt mit 1920 aufgrund der Berücksichtigung der sozia- len Stabilisierung den Zeitpunkt richtig an, PROTOKOLL V. EKKI, a.a.O., S. 135. 125) ebda., S. 23. 126) ebda., S. 26. 127) ebda., S. 35. 128) Vgl. Rudolf Hilferding: DAS FINANZKAPITAL, Eine Studie über die jüngste Entwicklung des Kapitalismus, Berlin 1955; ders.; OR- GANISIERTER KAPITALISMUS, Referat und Diskussion, Sozialdemokra- tischer Parteitag 1927 in Kiel, Raubdruck Berlin 1970. 129) PROTOKOLL V. EKKI, a.a.O., S. 24. 130) ebda., S. 35. 131) Vgl. ebda., S. 135 f. 132) ebda., S. 135. 133) ebda., S. 136. 134) ebda., S. 137. 135) Varga gibt in diesem Zusammenhang auch die zutreffendste Analyse der Bedeutung ¦ des Dawes-Planes für die Zuspitzung der Widersprüche zwischen Deutschland, Frankreich, England und den USA, ebda., S. 141 ff. 136) THESEN UND RESOLUTIONEN. ERWEITERTE EXEKUTIVE, März/April 1925, Hamburg 1925, S. 5. 137) ebda., S. 6. 138) IMPERIALISMUS HEUTE: Der staatsmonopolistische Kapitalismus in Westdeutschland, Berlin 1968. 139) Der früher zersplitterte und unorganisierte Kapitalismus wird durch den organisierten Kapitalismus ersetzt, SPARTAK, Juni 1917, Moskva; siehe Bucharin: DIE KAPITALISTISCHE STABILISIERUNG UND DIE PROLETARISCHE REVOLUTION, Moskau 1926 ähnlich J.W. Sta- lin: "Zur internationalen Lage und zu den Aufgaben der kommuni- stischen Parteien", Bd. 7, S. 44; ders.: "Zu den Ergebnissen der Arbeiten der XIV. Konferenz der KPR(B)", ebda., S 78 und S. 84; Bd. 9, erweitertes Plenum des EKKI, S. 35. 140) "Der Ablauf der wirtschaftlichen Zyklen vollzieht sich dem- nach in Formen, die den Begriff Zyklus ganz nahezu aufheben. Die Wirtschaft erscheint oft so eng mit Faktoren außerwirtschaftli- cher Natur (Okkupation, soziale Klassenkonflikte, 'Politik' schlechthin) verbunden, daß von einem normalen, gewohnten Ent- wicklungsgang keine Rede mehr sein kann." N: Bucharin: DIE KAPI- TALISTISCHE STABILISIERUNG..., S. 12. 141) ebda., S. 17. , 142) ebda. 143) J.W. Stalin: "Zur internationalen Lage...", Bd. 7 S. 47. 144) Ders.: ebda., S. 49; siehe auch Bucharin: DIE KAPITALISTI- SCHE STABILISIERUNG, S. 98. 145) Paul Levi, "Die politische Lage", BERICHT ÜBER DEN 2. PAR- TEITAG DER KPD (S) vom 20.-24.10.1919, hrsg. v. d. KPD (S), o.O. o.J., S. 6 ff., insbes. S. 9/10. Paul Levi, "Die politische Lage und die Parlamentswahlen", BE- RICHT ÜBER DEN 4. PARTEITAG DER KPD (S) vom 14.U.15.4.1920. Hrsg. v. d. KPD (S), o.O. o.J., S. 4 " ff., insbes. S. 16-19, S. 23. Vergl. dazu die Auseinandersetzung mit Levi in der INTERNATIO- NALE: E. Pawlowsky (d.i. Varga): "Verfall oder Entwicklung der Produktivkraft in Deutschland", DIE INTERNATIONALE, 4. Jg., 1922, H. 3, S. 63 ff. 146) "Leitsätze über kommunistische Grundsätze und Taktik", BE- RICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 5. 147) KOMMUNISTISCHE PARTEIKORRESPONDENZ, 2. Jg., 15.12.1922, Nr. 23, S. 281. Wie eindeutig vom Zusammenbruch des Kapitalismus ausgegangen wurde, zeigen weniger klar die Parteitagsprotokolle als vielmehr das Schulungsmaterial der KPD als Grundlage ihrer Praxis, also doppelt schwerwiegend. In der KOMMUNISTISCHEN PARTEI-KORRESPON- DENZ, zusammen mit der KOMMUNISTISCHEN PROPAGANDA, dem Vorläufer des PARTEIARBEITER, wird in einer "Kursus-Disposition" für Refer- enten über "Entwicklung und Untergang des Kapitalismus" ausge- führt: "Die kapitalistische Gesellschaft ist nicht mehr fähig, ihre Produktion zu steigern und ihren Arbeitskräften ein auskömm- liches Dasein zu verschaffen." (281) "Der Wiederaufbau mit Hilfe der SPD versagt völlig, weil Wiederaufbau auf anarchisch-kapita- listischer Grundlage unmöglich ist." (282) 148) Vergl. zu den o.a. Stellen noch den BERICHT ÜBER DEN 3. KON- GRESS auf dem 2. (7.) Parteitag; (BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES 2. (7.) PARTEITAGS DER KPD (Sektion der KI), abgehalten in Jena v. 22.-26.8.1921, hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin 1922, S. 190). 149) Duvell nennt sie "Maslowleute"; Bernhard Düwell: "Vom Maschinengewehr zum Stimmzettel", UNSER WEG, 3. Jg., Sept. 1921, H. 10, S. 277. . 150) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 186 ff. 151) ebda., S. 302 ff. 152) "Die Stöcker und Koenen und ihre Freunde haben das gefährli- che Kompromiß des Weltkongresses benutzt, um ein noch gefährli- cheres Kompromiß mit der Linken in Deutschland zu schließen. Dies Kompromiß in Deutschland aber unterscheidet sich von dem Moskauer Kompromiß in einem wesentlichen Punkte: es ist nicht zweideutig und auslegungsfähig, sondern absolut eindeutig und bestimmt." Gurt Geyer: "Das Jena der VKPD", UNSER WEG, 3. Jg., 1921, H. 10, S. 275. In einem Beitrag im selben Heft ("Der Sieg des Putschismus. Bei- träge zur Bewertung des Parteitags von Jena", S. 279 ff.) schil- dert ein Anonymus die Situation in der KPD, die die Beherrschung des Parteitags durch die Linken (Maslowleute etc.) erklärt. 153) Vergl. z.B. THESEN UND RESOLUTIONEN DES 3. KONGRESSES, a.a.O., Abschnitt 6, S. 50 f. und BERICHT ÜBER DEN 2. PARTEITAG, "Beschlüsse des Parteitags", a.a.O., S. 409. Vergl. dazu die ausführliche Kritik im UNSER WEG, 3. Jg., Sept. 1921, H. 10, insbes. S. 286 f. 154) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 190. 155) ebda., S. 303. 156) ebda., S. 306; Hervorhebung von mir; außerdem handelt es sich in der Hauptsache in der Periode 1918-23 um Zentralisation des Kapitals, nicht Konzentration. 157) ebda., S. 306-309. 158) ebda., S. 408; auf S. 418 werden die "Verelendungserscheinungen" als Ergebnis des "zerfallenden deutschen Kapitalismus" gekennzeichnet. 159) also Genossen, die aufgrund ihrer Kritik an der Politik der KP-Führung ausgeschlossen worden waren, (wobei nichts zur Sache tut, daß Levi gegen die Linken 1919 genau gleich vorging) bzw. auf dem 2. Parteitag noch ausgeschlos- sen werden. Die Analyse dieser Gruppe wurde dem Parteitag als Re- solutionsentwurf vorgelegt, wurde aber mit keinem Wort erwähnt. Der Resolutionsentwurf "Die nächsten Aufgaben der Kommunisten" ist abgedruckt in: UNSER WEG, 3. Jg., Sept. 1921, H. 10, S. 269 ff. 160) "Die nächsten Aufgaben...", a.a.O., S. 270. 161) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 409. 162) Paul Levi: "Das Ergebnis des Parteitags der VKPD", UNSER WEG, 3. Jg., 1921, H. 10, S. 267. 163) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES III. (8.) PARTEITAGES DER KPD (Sektion der KI), abgehalten in Leipzig v. 28.1.-1.2.1923, hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin o.J., S. 408. 164) ebda., S. 411 (Zusatz in Klammern von uns). 165) ebda., S. 408 ff. 166) Vergl. KOMMUNISMUS UND NATIONALE BEWEGUNG. SCHLAGETER. Eine Auseinandersetzung. Karl Radek, Paul Frölich, Graf Ernst Revnt- low, Möller van den Brück, Berlin 1923. Vergl. auch: DIE KPD IM EIGENEN SPIEGEL, Aus der Geschichte der KPD und der III. Internationale, Berlin 1926, S. 57 ff., insbes. S. 75. 167) BERICHT 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 408, S. 410. 168) ebda., S. 409 (Zusatz in Klammern von uns). 169) ebda., S. 414. 170) ebda., S. 415. 171) ebda. S. 414. 172) Lenin: "Über die Einheit der Partei, Rede auf dem X. Kon- greß", Moskau, März 1921, RUSSISCHE KORRESPONDENZ, Jg. II, Bd. 1, Jan.-Juni 1921, Nr. 5, S. 319. 173) BERICHT 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 412. 174) ebda., S. 415. 175) ebda., S. 338. 176) ebda., S. 360/361 (Zusatz in Klammern und Hervorhebung von uns). 177) ebda., S. 416 und 417. 178) ebda., S. 417. 179) DIE LEHREN DER DT. EREIGNISSE, Das Präsidium des EKKI zur dt. Frage, Januar 1924, Hamburg 1924, S. 105 f. 180) PROTOKOLL, 5. KONGRESS DER KI, a.a.O., S. 67; in den "Thesen zur Taktik der Komintern", (THESEN UND RESOLUTIONEN DES 5. WELT- KONGRESSES DER KI, Moskau, v. 17.6.-8.7.1924, Hamburg 1924, S. 17 f.) schlug sich Sinowjews Definition der Sozialdemokratie nicht so eindeutig nieder. Die Sozialdemokratie wird hier abwechslungs- weise charakterisiert als "dritte Partei der Bourgeoisie", d.h. der Partei des Kleinbürgertums; als "in gewissem Sinne Flügel der Bourgeoisie, stellenweise sogar des Faschismus"; als "linke Hand des modernen Kapitalismus", "soweit es sich um ihre führenden Schichten handelt". 181) LEHREN DER DT. EREIGNISSE, a.a.O., S. 106. 182) ebda., S. 102? Hermann Weber: DIE WANDLUNG DES DEUTSCHEN KOMMUNISMUS, Bd. 1, S. 362. 183) LEHREN DER DEUTSCHEN EREIGNISSE, a.a.O., S. 107 (Zusatz in Klammern von uns). Die KI und die KPD gingen davon aus, nahe davor zu sein, "die Mehrheit in der deutschen Arbeiterklasse zu bekommen..." (PROTOKOLL V. KONGRESS, a.a.O., S. 73, Sinowjew). 184) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES IX. PARTEITAGES DER KPD, (Sektion der KI), abgehalten in Frankfurt/M. v. 7.-10.4.1924, hrsg. v. d. Zentrale der KPD, Berlin 1924, Vorwort, S. 7 f. 185) Vergl. LEHREN DER DT. EREIGNISSE, a.a.O., S. 74, 75, 78 und 84. 186) BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 66. 187) Ernst Schneller: "Einige Gegenbemerkungen". DIE INTERNATIO- NALE, 1925, H. 5, S. 266. 188) "Die KPD weiß aber von vornherein, daß jede sogenannte Lö- sung dieser Krise durch irgendwelche Abmachungen oder Vereinba- rungen von imperialistischen Mächten untereinander und mit kapi- talistischen Gruppen und Regierungen der besiegten Länder weder die Gesamtkrise lösen, noch auch nur die Teilkrise. BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 361-363, hier S. 363. 189) Vergl. BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 66 und S. 370. 190) IML, ZPA, 3/1/1608, Bd. 9, zit. H.J. Fieber: DER KAMPF UM DIE HERAUSBILDUNG DES MARXISTISCH-LENINISTISCHEN ZK DER KPD IN DER ZEIT VOM FRÜHJAHR 1925 BIS ZUR PARTEIKONFERENZ DER KPD AM 31.X./1.XI.1925, Diss. PH Karl Marx v. 11.4.1969, Berlin, S. 54, Anm. 104. 191) BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 376 f. 192) ebda., S. 383 und 385. 193) ebda., S. 381. 194) ebda. 195) ebda., S. 383. 196) Vgl. ebda., S. 362 f. 197) Bernd Rabehl, in: FU-Projektgruppe DKP und Bernd Rabehl: DKP - EINE NEUE SOZIALDEMOKRATISCHE PARTEI, Parlamentarismusdebatte 2, Berlin 1969, S. 141. 198) DIE KPD, DIE EINZIGE ARBEITERPARTEI IM DAWES-DEUTSCHLAND. Thesen zur politischen Lage und den Aufgaben der KPD. Einstimmig angenommen auf der Tagung ZA am 10./11.1.1925, Ergänzungsheft l, zum Jahrgang 1925, DIE INTERNATIONALE, Berlin 1925, S. 7. Diese Thesen sind als eine Art Minimalprogramm der KPD zu verstehen, nachdem seit dem Spartakusprogramm nur 1922 kurz über die Notwen- digkeit eines neuen Programms diskutiert wurde. Vgl. BERICHT ÜBER DEN 3. (8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 49 ff; Vgl. DOKUMENTE UND MATE- RIALIEN ZUR GESCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, Bd. VII, 2, Ber- lin 1966, S. 147 ff. 199) Rabehl, a.a.O., S. 141 f. 200) Vgl. DIE KPD, DIE EINZIGE..., a.a.O., S. 10 ff; Falsches mengt sich dabei mit Richtigem. Die Unlösbarkeit der spezifischen Wirtschaftskrisen aufgrund des Dawes-Planes wird richtig gesehen; Die Entwicklung der imperialistischen Widersprüche falsch. Das Schwergewicht der Bedeutung des Dawes-Planes für das deutsche Ka- pital liegt nach der Einschätzung der KPD in dem von Maslow er- fundenen inhaltlich falschen Begriff "Afterimperialismus" (ebda., S. 15). Ausführlicher dazu: Maslow, in: DIE INTERNATIONALE, 8. Jg., 1925, H. 4, S. 158 ff; ROTE FAHNE, v. 13. und 14.1.1925 (ZA- Tagung); DER FUNKE v. 6.5.1925. 201) BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES X. PARTEITAGES DER KPD (Sektion der KI), Berlin v. 12.-17.7.1925, hrsg. v. ZK der KPD, Berlin 1926, S. 22. Anzunehmen ist, daß die KP-Führung dazu kaum aufgrund einer neuen Analyse der Oktoberniederlage gekommen sein kann, sondern eher aufgrund des von ihr angerichteten Desasters in der Partei durch Personal- und Ausschlußpolitik aufgrund des wachsenden Widerstandes vor allem der Betriebsarbeiter gegen ihre falsche Politik in so ziemlich allen Arbeitsbereichen; Vgl. dazu die "Abrechnung" mit der Fischer-Maslow-Scholem-Gruppe im Früh- jahr 1926 durch das EKKI., PROTOKOLL ERWEITERTE EXEKUTIVE DER KI, Moskau, 17.2.-15.3.1926, insbes. die Reden von Clara Zetkin und Ernst Meyer; Vgl. auch Weber, a.a.O., S. 101 ff. 202) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 196 ff. 203) ebda., S. 194. 204) Vgl. ebda., S. 184, 192/193, 196. 205) ebda., S. 184. 206) Weber, a.a.O., S. 125. 207) s. dazu das letzte Kapitel. 208) Abgedruckt in: DER NEUE KURS, Reden der Genossen Bucharin und Sinowjew, Brief des EKKI, hrsg. ZK der KPD, Berlin, den 25.9. 1925. 209) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., Vorwort S.V. (Zusatz in Klam- mern von uns). 210) ebda., S. V/VI Hervorhebung von mir. Auf keinen Fall hatte sich R. Fischer etwa ideologisch in ihrem Referat gegenüber der KI "abgegrenzt" (BERICHT 10. PARTEITAG, S. 493 ff.), noch die Fi- scher-Maslow-Gruppe im Verein mit den Ultra-linken hatte in der PRAXIS die Durchführung der Beschlüsse des Parteitags vor allem bezüglich der Gewerkschafts- und Personalpolitik und die Reorga- nisierung der Partei sabotiert und sich dem EKKI gegenüber der Politik der "doppelten Buchführung" bedient, vor allem bezüglich der Personalabsprachen auf der dem Parteitag · vorangegangenen Besprechung mit dem EKKI in Moskau, vgl. dazu Weber, a.a.O., S. 116 ff. Siehe dazu auch noch das letzte Kapitel. 211) Wilhelm Schröder: GESCHICHTE DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PAR- TEIORGANISATION IN DEUTSCHLAND. Anhang: die Organisationsstatute, Geschäftsanweisungen, Verwaltungsanordnungen und Entwürfe von 1863 bis 1912. Abhandlungen und Vorträge zur sozialistischen Bildung, hrsg. von Max Grunwald, H. 4 u. 5, Dresden 1912, S. 39. 212) Parteiausschluß der Linken 1891; vgl. dazu Hans Müller: DER KLASSENKAMPF UND DIE SOZIALDEMOKRATIE. Zur Geschichte der "Jungen" - der linken Opposition in der frühen SPD (1870 - 1890), Zürich 1892, Berlin 1969, S. 121 ff. 213) Vgl. Dieter Fricke: ZUR ORGANISATION UND TÄTIGKEIT DER DT. ARBEITERBEWEGUNG 1890 bis 1914, Dokumente und Materialien, Leip- zig 1962, S. 255 ff. 214) Schröder, a.a.O., S. 48. 215) So Sinowjew, PROTOKOLLS. KONGRESS, a.a.O., S. 103. · - '. r 216) Fritz Bieligk, "Die Entwicklung der sozialdemokratischen Or- ganisation in Deutschland". In: DIE ORGANISATION IM KLASSENKAMPF. Die Probleme der polit-Organisation der Arbeiterklasse, Leipzig 1931. (Frankfurt 1967), S. 33. Vgl. ebenso Ernst Eckstein, "Wie soll die Organisation aussehen?", in: ebda., S. 158. 217) Schröder, a.a.O., S. 50. 218) Vgl. Ernst Meyer: "Betriebszellen-Organisation im Spartakus- bund". DIE INTERNATIONALE, 8. Jg. 1925, H. 12, S. 763 ff. 219) ebda., S. 763. 220) Vgl. DER GRÜNDUNGSPARTEITAG DER KPD. PROTOKOLL UND MATERIA- LIEN, hrsg: und eingeleitet v. Hermann Weber, Frankfurt/M. 1969, S. 246, S. 251. 221) ebda., S, 291 f, S. 253 und 251. 222) Meyer, a.a.O., S. 763; Die Reichskonferenz v. 14.-15.6.1919, in Berlin, verabschiedete die Satzung, der 2. Parteitag bestä- tigte sie. Bericht zum Parteitag, a.a.O., S. 67f. abgedruckt in: DOKUMENTE UND MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER DT. ARBEITERBEWE- GUNG, Bd. VII, l Berlin 1966, S. 103 ff. 223) GRÜNDUNGSPARTEITAG, a.a.O., S. 245. 224) ebda., S. 246. 225) ebda., S. 247. 226) ebda. 227) In seiner Bedeutung richtig erkannt wurde das Problem von den später in Heidelberg verhängnisvollerweise ausgeschlossenen 'Linken' um Rühle, Wolffheim und Laufenberg (Vgl. Fritz Wolff- heim: "Betriebsorganisation oder Gewerkschaft? " PROLET. FLUG- SCHRIFTEN, Nr. 4, Hamburg 1919). Daß diese und die spätere KAP eine unsinnige Gewerkschaftspolitik verfolgten, was auch der ei- gentliche Grund für ihren Ausschluß war, kann hier nicht verfolgt werden. 228) Meyer, a.a.O., S. 765. 229) Vgl. Meyer, a.a.O., S. 765; in Berlin z.B. hat die KP Ende 1919 12.000 Mitglieder (vgl. "Geschäftsbericht der Zentrale", BE- RICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 27), nach der Spaltung "etwa 800 Mitglieder", (vgl. BERICHT 3. PARTEITAG, "Geschäftsbericht der Zentrale", a.a.O., S. 38). 230) GRÜNDUNGSPARTEITAG, a.a.O., S. 248. 231) Meyer, a.a.O., S. 765. 232) BERICHT 2. PARTEITAG, a.a.O., S. 62. · 233) ebda., § 2, S. 67. 234) Vgl. BERICHT 3. PARTEITAG, a.a.O., S. 12; Brandler: "Wir ha- ben überhaupt noch keine Partei." Ebda., S. 26; Die KPD verlor durch den Ausschluß der Linken 4 Bezirke, darunter die "wichtigsten" Berlin und Wasserkante, ebda., S. 33. 235) Vgl. BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES 5. PARTEITAGES DER KPD (Sektion der KI) v. 1.-3.11.1920 in Berlin, hrsg. v. d. KPD (Sektion der KI) Berlin 1921, S. 49. Vgl. auch Koenens Referat "Die Organisation der Partei" auf dem Vereinigungsparteitag (BERICHT ÜBER DIE VERHANDLUNGEN DES VEREINIGUNGSPARTEITAGES DER USPD (LINKE) UND DER KPD(S) abgehalten in Berlin v. 4.-7.12.1920, hrsg. v. d. Zentrale VKPD, Berlin 1921, S. 110. 236) "Organisationssatzungen der VKPD", § 4, abgedruckt in; DOKU- MENTE UND MATERIALIEN, VII, 1, a.a.O., S. 380. 237) Nicht zu verwechseln mit den späteren Betriebszellen. FRAK- TIONEN: Jenaer Parteitag 1921: sah keine Betriebszellen vor, ob- wohl III. Kongreß auf ihre Notwendigkeit hinwies. Stattdessen sollten sich Kommunisten in Betrieben und Fraktionen " zusammenschließen. (Orgsatzung) "Diese Fraktionen erfaßten oft nur jene Mitglieder der Partei, die im Betrieb bekannt waren und dort Gewerkschaftsfunktionen ausübten. In den meisten Fällen hat- ten die Fraktionen den Charakter von KPD-Fraktionen in den be- trieblichen Körperschaften der freien Gewerkschaften. Die Be- triebsfraktionen existieren als Hilfsorgane der Partei neben den Wohnorganisationen. In Berlin werden sie über die Gewerkschafts- fraktionen von der Gewerkschaftsabteilung der Bezirksleitung ge- führt. Sie besaßen nicht die Rechte von Grundorganisationen, nah- men nicht an Parteidiskussionen und an der Vorbereitung von Par- teien teil, obwohl sie echte Verbindungen der Partei zu den Mas- sen darstellten. Sie leisteten Gewerkschaftsarbeit und waren die entscheidenden Träger der Einheitsfrontpolitik in den Betrieben." Walter Klaws: "Das Ringen der KPD um Betriebsparteiorganisationen und der Anteil Walter Ulbrichts". BZG 1968, H. 3, S. 495). 238) Vgl. Satzung der KPD(S), (Juni 1919), § 3, DOKUMENTE UND MA- TERIALIEN VII, 1, a.a.O., S. 103; vgl. Org.-satzung der VKPD, a.a.O., S. 380 (§ 3). 239) "Leitsätze über die Bedingungen der Aufnahme in die KI", 3. Leitsätze und Statuten der KI, beschlossen v. II. Weltkongreß der KI, Moskau, v. 17.7.-7.8.1920, Bibl. der KI III, Hamburg 1920, S. 27. 240) BERICHT 5. PARTEITAG, a.a.O., S. 49. 241) Paul Levi: "Bericht über die Entwicklung der KPD", in: BE- RICHTE ZUM 2. KONGRESS DER KI, Bibl. der KI 21, Hamburg 1921, S. 25 f, vgl. auch BERICHT 3. PARTEITAG, a.a.O., S. 12, 16, 34. 242) BERICHT 2. (7.) PARTEITAG, a.a.O., S. 23. zurück