Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970
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Dokumente und Materialien zum revolutionären Kampf in Brasilien
Carlos Marighella
MINIHANDBUCH DES STADTGUERILLOS
Die Zeitschrift TRICONTINENTAL, theoretisches Organ des Exekutiv-
sekretariats der Organisation der Solidarität der Völker Asiens,
Afrikas und Lateinamerikas, veröffentlichte in ihrer Nummer 16
(Januar-Februar 1970) diese Arbeit über die Stadtguerilla in Bra-
silien. Ihr Autor ist Carlos Marighella, der am 4. November 1969
in Sao Paulo von der Polizei ermordet wurde. Dieser Text wurde im
Juni 1969 geschrieben und in ihm schildert Marighella die Erfah-
rungen der Nationalen Befreiungsallianz (ALN), die diese in ihrem
Kampf gegen die brasilianische Diktatur bis zu diesem Moment auf-
zuweisen hatte.
Marighella trat mit 18 Jahren in die Kommunistische Partei ein,
die er knapp 40 Jahre später, nachdem er Mitglied der Exekutiv-
kommission geworden war, verließ. Marighella war einer der bedeu-
tendsten revolutionären Kämpfer des lateinamerikanischen Konti-
nents. Seine theoretischen Fähigkeiten schlagen sich in Dokumen-
ten wie dem Brief an die KP Brasiliens, in dem er den Austritt
aus der Partei bekanntgibt, sowie in Büchern wie WESHALB ICH DEM
HAFTBEFEHL WIDERSTAND, DIE BRASILIANISCHE KRISE, DER INTERNE
KAMPF, ERKLÄRUNG DER KOMMUNISTISCHEN GRUPPIERUNG VON SAO PAULO
usw. nieder. Mit einer unbeugsamen kämpferischen Hingabe nahm er
nicht nur an vielen Aktionen der Stadtguerilla teil, sondern
schrieb auch über sie.
Seiner Hand entstammen "Operationen und Taktiken der Guerilla",
dieses MINIHANDBUCH und andere Texte für die Praxis. Zu dem Zeit-
punkt, als Marighella im Alter von 58 Jahren in einem Hinterhalt
der Polizei erschossen wurde, war seine ganze Anstrengung darauf
gerichtet, den revolutionären Krieg in Brasilien auf die zweite
Stufe zu heben: den bewaffneten Kampf auf dem Lande. Sein MINI-
HANDBUCH ist einer genaueren Betrachtung wert, da es aus dem
Blickwinkel der besonderen brasilianischen Erfahrung eine Reihe
von Informationen bietet, die allgemeine Gültigkeit für ganz La-
teinamerika haben. Das MINIHANDBUCH erlaubt es, einen taktischen
Aspekt des revolutionären Krieges kennenzulernen, der heute Län-
der wie Brasilien, Uruguay und Guatemala erschüttert. Es ist ei-
gentlich überflüssig, darauf zu verweisen, daß das MINIHANDBUCH
dem politischen Kontext Brasiliens entspricht, einem Land also,
in dem revolutionäre Kräfte gezwungen sind, wegen der faschisti-
schen Diktatur den revolutionären Kampf in beschleunigter Form
voranzutreiben.
Als Einleitung
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Diese Arbeit möchte ich unseren Genossen Edson Souto, Marco Anto-
nio Bras de Carvhalo, Nelson Jose de Almeida ('Escoteiro') und
allen anderen heldenhaften Kämpfern und Stadtguerilleros widmen,
die durch die Mörderhände der Militärpolizei, der Marine, der
Luftwaffe und der DOPS (Abteilung für öffentliche und soziale
Ordnung) fielen - jenen verhaßten Repressionsinstrumenten der Mi-
litärdiktatur. Ferner möchte ich sie widmen, jenen mutigen Kame-
raden und Kameradinnen, die in den mittelalterlichen Kerkern der
brasilianischen Regierung verhaftet und dort Folterungen ausge-
setzt sind, die in ihrer Grausamkeit denen der Nazipraktiken in
nichts nachstehen.
Es ist unsere Pflicht, genau das zu tun, was jene unsere Kamera-
den, deren Andenken wir hochhalten, und jene, die im Kampf ver-
haftet wurden, getan haben: nämlich zu kämpfen. Jeder Genosse,
der gegen die Diktatur ist und gegen sie kämpfen will, kann ir-
gendetwas tun, kann irgendeine Aufgabe übernehmen, selbst wenn
sie noch so bedeutungslos scheint. An jene, die dieses Minihand-
buch lesen und beschließen, nicht länger ruhig zu bleiben, möchte
ich appellieren, die Anweisungen zu befolgen, die hier gegeben
sind, und sich von jetzt an dem Kampf anzuschließen. Ich tue
dies, weil es unter allen Umständen die Pflicht eines jeden Revo-
lutionärs ist, die Revolution zu machen.
Es ist eine wichtige Voraussetzung, daß dieses Handbuch nicht nur
gelesen, sondern auch verbreitet wird. Verbreitung wird nur dann
möglich sein, wenn jene, die mit seinem Inhalt einverstanden
sind, dazu übergehen, dieses Minihandbuch hektographisch zu ver-
vielfältigen oder es als Pamphlet zu drucken - auch dann, wenn
dies die Anwendung von Waffen erfordert. Es bleibt noch zu sagen,
daß meine Unterschrift unter diesem Minihandbuch seinen Grund
darin hat, daß die hier geäußerten und zusammengefaßten Ideen die
persönlichen Erfahrungen einer in Brasilien kämpfenden Gruppe von
bewaffneten Männern widerspiegeln, der anzugehören ich die Ehre
habe. Um zu verhindern, daß bestimmte Personen den Inhalt dieses
Minihandbuchs in Zweifel ziehen, die Tatsachen leugnen und wei-
terhin behaupten, die Bedingungen des Kampfes seien nicht gege-
ben, war es angebracht, die Verantwortung für das zu übernehmen,
was gesagt und getan wird. Wichtig ist, daß es Patrioten gibt,
die bereit und entschlossen sind, wie einfache Soldaten zu kämp-
fen - je größer ihre Zahl, desto besser.
Die Beschuldigung, ein Räuber oder Terrorist zu sein, hat heute
nicht mehr die abschätzige Bedeutung, die ihr früher anhaftete.
Sie hat ein neues Gewand, neue Farben erhalten, sie erschreckt
nicht mehr, sie ist nicht mehr abfällig, im Gegenteil: sie ist
geradezu zu einer Attraktion geworden. Ein Räuber und Terrorist
zu sein, ist eine Eigenschaft, die jeden ehrlichen Menschen ehrt,
denn sie bezeichnet genau die würdige Einstellung des Revolutio-
närs, der bewaffnet gegen die schändliche Militärdiktatur und
ihre Ungeheuerlichkeiten kämpft.
Was ist ein Stadtguerillero?
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Die chronische Strukturkrise, die die brasilianische Situation
charakterisiert und die politische Instabilität hervorruft, hat
das Entstehen des revolutionären Krieges in unserem Land be-
stimmt. Der revolutionäre Krieg äußert sich in der Stadtguerilla,
im psychologischen Krieg und in der Landguerilla. Stütze der
Stadtguerilla und des psychologischen Krieges in der Stadt ist
der Stadtguerillero.
Der Stadtguerillero kämpft bewaffnet gegen die Militärdiktatur
und wendet dabei unkonventionelle Mittel an. Als revolutionärer
Politiker und leidenschaftlicher Patriot kämpft er für die Be-
freiung seines Landes; er ist ein Freund des Volkes und der Frei-
heit. Das Gebiet des Stadtguerillero ist das der großen brasilia-
nischen Städte. In diesen Ballungszentren sind aber auch die Ban-
diten tätig, die üblicherweise als 'Marginales' 1) bezeichnet
werden. Oft werden die Überfälle dieser Banditen für Aktionen der
Stadtguerilleros gehalten.
Der Stadtguerillero unterscheidet sich dennoch radikal von den
'Marginales'. Diese trachten in ihrer Aktivität nach einem per-
sönlichen Vorteil und greifen an ohne Unterscheidung zwischen
Ausgebeuteten und Ausbeutern. Unter ihren Opfern befinden sich
daher auch Männer und Frauen des Volkes. Der Stadtguerillero da-
gegen verfolgt ein politisches Ziel und greift nur die Regierung,
die großen Kapitalisten und die ausländischen Imperialisten, ins-
besondere die nordamerikanischen, an. Ein anderes Element, das
ebenfalls in den städtischen Gebieten tätig und nicht weniger
schädlich als die "Marginales" ist, sind die Konterrevolutionäre
von rechts, die Verwirrung stiften, indem sie Banken überfallen,
Bomben legen, Entführungen organisieren, morden und furchtbare
Verbrechen gegen die Stadtguerilleros, die revolutionären Prie-
ster, die Studenten und die antifaschistischen, freiheitliebenden
Bürger begehen. Der Stadtguerillero ist ein unerbittlicher Feind
der Regierung und führt daher systematisch Aktionen aus, die den
Behörden und Männern, die das Land beherrschen oder die Macht
ausüben, schaden. Die wichtigsten Aufgaben der Stadtguerilleros
sind es, die Militärdiktatur und die Kräfte der Repression abzu-
lenken, sie aufzureiben und zu demoralisieren; ferner hat er die
Güter und Besitztümer der Nordamerikaner, anderer ausländischer
Unternehmen und die der brasilianischen Großbourgeoisie zu über-
fallen und sie zu zerstören oder zu plündern.
Der Stadtguerillero ist entschlossen darauf bedacht, das beste-
hende ökonomische, politische und gesellschaftliche System Brasi-
liens zu entlarven und zu zerstören, sein Ziel ist es, die Land-
guerilla zu unterstützen und beim Aufbau einer neuen gesell-
schaftlichen Struktur im Land mitzuhelfen, an deren Spitze das
bewaffnete Volk steht.
Der Stadtguerillero muß sich ein Minimum an politischen Kenntnis-
sen aneignen und daher versuchen, gedruckte oder in Form von Pam-
phleten abgezogene Arbeiten zu lesen, z.B. "Der Guerilla-Krieg"
von Che Guevara. "Die Erinnerungen eines Terroristen", "Einige
Fragen der Guerillas in Brasilien", "Aktionen und Taktiken der
Guerillas", "Über strategische Probleme und Prinzipien", "Einige
taktische Prinzipien für die Kameraden, die Guerillaaktionen
durchführen", "Organisationsfragen", "O Guerilleiro", eine Zeit-
schrift der brasilianischen revolutionären Gruppe u.a.
Persönliche Eigenschaften des Stadtguerilleros
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Der Stadtguerillero ist durch seinen Mut und seine Entscheidungs-
kraft gekennzeichnet. Er muß ein guter Taktiker sein und gut
schießen können. Er muß schlau und umsichtig sein, um damit die
Tatsache zu kompensieren, daß er an Waffen, Munition und Ausrü-
stung nicht stark genug ist. Das Berufsmilitär und die Polizei,
die der Regierung dient, verfügen über moderne Waffen und Fahr-
zeuge und können sich frei zu jedem beliebigen Ort bewegen, wobei
sie alle Mittel der bestehenden Staatsmacht zur Verfügung haben.
Der Stadtguerillero verfügt nicht über solche Mittel - seine Pra-
xis ist die des Untergrunds. Oft liegt ein Haftbefehl gegen ihn
vor oder er ist schon verurteilt - und daher gezwungen, ge-
fälschte Ausweise zu benutzen. Der Stadtguerillero hat dennoch
einen Vorteil gegenüber dem Berufsmilitär und der Polizei. Mili-
tär und Polizei handeln auf der vom Volk verhaßten Seite des
Feindes, während der Stadtguerillero eine gerechte Sache, nämlich
die Sache des Volkes vertritt. An Waffen ist der Stadtguerillero
dem Feind unterlegen, vom moralischen Standpunkt aus besitzt er
aber eine nicht zu leugnende Überlegenheit. Diese moralische
Überlegenheit ist die Stütze des Stadtguerillero, mit der er
seine wichtigste Pflicht erfüllen kann, nämlich a n z u g r e i-
f e n u n d z u ü b e r l e b e n.
Der Stadtguerillero ist gezwungen, die Waffen des Gegners zu er-
beuten. Da seine Waffen enteignet oder unter anderen Umständen in
seine Hände gelangten, besitzt er keine einheitliche Bewaffnung
und sieht sich vor dem Problem der Mannigfaltigkeit der Feu-
erwaffen und des Mangels an Munition. Er verfügt außerdem nicht
über Ausbildungs- und Übungsplätze, auf denen Schieß- und Treff-
sicherheit geübt werden können. Diese Schwierigkeiten müssen
überwunden werden - und dazu muß der Stadtguerillero auf seinen
E r f i n d u n g s g e i s t zurückgreifen, jene Fähigkeit,
ohne die er nicht in der Lage wäre, seine revolutionäre Rolle
auszuüben.
Die Eigenschaften des Stadtguerilleros sind I n i t i a t i v e,
Einfallsreichtum, Flexibilität, Vielseitigkeit und Geistesgegen-
wart. Vor allem die Fähigkeit zur Initiative muß er in besonderem
Maße besitzen. Es ist nicht möglich, alle Situationen vorauszuse-
hen; trotzdem darf es nicht vorkommen, daß der Stadtguerillero
nicht weiß, was zu tun ist, nur weil ihm entsprechende Anweisun-
gen fehlen. Es ist seine Pflicht zu handeln, eine angemessene Lö-
sung für jedes auftretende Problem zu finden und diesem nicht
auszuweichen. Es ist besser, zu handeln und Fehler zu machen als
nicht zu handeln, um Fehler zu vermeiden. Ohne Initiative gibt es
keine Stadtguerilla. Weiter notwendige Fähigkeiten des Stadtgue-
rilleros sind die folgenden: Er muß ein guter Läufer sein, muß
Müdigkeit, Hunger, Regen und Hitze ertragen können, er muß Wache
halten und sich verstecken, sich verkleiden und jeder Gefahr ins
Auge sehen können. Er muß bei Tag und bei Nacht handeln, darf
sich nicht überhasten, muß eine unbegrenzte Geduld haben. Er muß
stets die Ruhe bewahren und seine Nerven auch unter ungünstigsten
Bedingungen und in ausweglosen Situationen kontrollieren können.
Niemals darf er Spuren oder Hinweise hinterlassen. Vor allem darf
er sich nicht entmutigen lassen. Nicht selten desertieren oder
entfernen sich Kameraden von der Stadtguerilla, wenn sie sich vor
nahezu unüberwindbaren Schwierigkeiten gestellt sehen.
Die Aktion der Stadtguerilla ist aber nicht das Geschäft einer
Handelsgesellschaft, die Tätigkeit an einem gewöhnlichen Arbeits-
platz oder die Vorführung eines Theaterstücks. Die Stadtguerilla
ist - wie auch die Landguerilla - eine Verpflichtung, die der
Guerillero sich selbst gegenüber auf sich nimmt. Wenn er nicht in
der Lage ist, den Schwierigkeiten entgegenzutreten oder nicht
über die notwendige Geduld verfügt, um abwarten zu können, ohne
die Nerven zu verlieren, oder zu verzweifeln, dann ist es besser
für ihn, von dieser Verpflichtung Abstand zu nehmen, fehlen ihm
doch die in der Tat elementarsten Fähigkeiten, um ein Stadtgue-
rillero zu werden.
Wie lebt und erhält sich der Stadtguerillero?
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Der Stadtguerillero muß es verstehen, inmitten des Volkes zu le-
ben, er muß darauf achten, nicht als Fremder zu erscheinen oder
sich vom normalen Leben eines Durchschnittsbürgers zu unterschei-
den. Er darf in seiner Kleidung nicht von der gewöhnlichen ande-
rer Personen abweichen. Ausgefallene Kleidung und die neueste
Mode für Männer und Frauen sind oft unangebracht, wenn der Stadt-
guerillero beauftragt ist, in Arbeiterbezirke oder dorthin zu ge-
hen, wo eine solche Mode nicht üblich ist. Das gleiche muß beach-
tet werden, wenn der Guerillero sich im Land von Süden nach Nor-
den oder umgekehrt begibt. Der Stadtguerillero muß von seiner
normalen beruflichen Beschäftigung leben. Wird er jedoch von der
Polizei gesucht, ist er ihr bekannt, schon verurteilt oder liegt
ein Haftbefehl gegen ihn vor, so muß er in den Untergrund gehen
und oft versteckt leben. Auf keinen Fall darf der Stadtguerillero
jemandem etwas über seine Aktivität mitteilen, zumal dies einzig
und allein Sache der revolutionären Organisation ist, in der er
arbeitet.
Der Stadtguerillero muß über eine gute Beobachtungsgabe verfügen,
muß über alles gut informiert sein, vor allem über die Bewegungen
des Feindes. Er muß sich gut orientieren können und das Gebiet,
in dem er lebt, sich befindet oder in welchem er sich bewegen
muß, genau kennen. Am wichtigsten und entscheidend für den Stadt-
guerillero ist aber, daß er mit der Waffe kämpft, was ihm oft
nicht ermöglicht, seinem normalen Beruf nachzugehen, ohne identi-
fiziert zu werden. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Ent-
eignung deutlich. Für den Stadtguerillero ist es unmöglich, ohne
den Enteignungskampf zu überleben. Der bewaffnete Kampf des
Stadtguerilleros hat daher zwei wesentliche Ziele, die mit unauf-
hörlicher Verschärfung zu verfolgen sind:
a) die physische Beseitigung von Führern und untergeordneten Per-
sonen innerhalb der Streitkräfte und der Polizei;
b) die Enteignung der Regierung, der großen Kapitalisten, Groß-
grundbesitzer und Imperialisten. Die kleineren Enteignungen die-
nen der individuellen Unterhaltung des Stadtguerilleros, die
großen der Unterhaltung der Revolution.
Es ist klar, daß der bewaffnete Kampf des Stadtguerilleros auch
andere Ziele hat, aber hier beziehen wir uns nur auf die beiden
wesentlichen, von denen das der Enteignung vorrangige Bedeutung
hat. Wichtig ist für jeden Stadtguerillero, sich jederzeit bewußt
zu sein, daß er nur überleben kann, wenn er entschlossen ist, Po-
lizisten und all jene zu töten, die der Repression als ausfüh-
rende Organe dienen, und wenn er entschlossen ist, w i r k-
l i c h e n t s c h l o s s e n ist, die großen Kapitalisten,
die Großgrundbesitzer und Imperialisten zu enteignen.
Eines der wichtigsten und wesentlichsten Merkmale der brasiliani-
schen Revolution ist, daß sie sich von Anfang an durch die Ent-
eignung der Großbourgeoisie, der Imperialisten und Großgrundbe-
sitzer entwickelt hat, ohne Ausschluß der reichsten und mächtig-
sten Import- und Exporthändler. Die brasilianische Revolution
versucht durch die Enteignung der gefährlichsten Feinde des Vol-
kes diese in ihren lebenswichtigen Zentren zu treffen; sie greift
daher vornehmlich und in systematischer Form das Banknetz an,
d.h. sie versetzt dem Nervensystem des Kapitalismus ihre konzen-
triertesten Schläge.
Die von den brasilianischen Stadtguerilleros durchgeführten Über-
fälle auf Banken haben die großen Kapitalisten, wie z.B. Moreira
Salles, getroffen. Desgleichen wurden die ausländischen Versiche-
rungen und Rückversicherungsgesellschaften sowie das Bankkapital,
die imperialistischen Firmen, die Bundesregierung und die Länder-
regierungen bis jetzt in systematischer Form enteignet.
Die Einnahmen aus diesen Enteignungen wurden für die Schulung und
technische Perfektionierung der Stadtguerilleros verwendet, für
den Kauf, die Herstellung und den Transport von Waffen und Muni-
tion für das städtische Gebiet, für den Sicherheitsapparat der
Revolutionäre, für die tägliche Unterhaltung der Kämpfenden und
jener, die durch bewaffnete Aktionen aus den Gefängnissen be-
freit, die verwundet oder von der Polizei verfolgt wurden; des-
gleichen, um solchen Problemen entgegentreten zu können, die ent-
stehen, wenn einzelne Kameraden verhaftet, eingekerkert oder von
der Polizei und den Militärs der Diktatur ermordet werden. Die
erheblichen Ausgaben für den revolutionären Krieg müssen auf die
großen Kapitalisten, die Imperialisten und Großgrundbesitzer ab-
gewälzt werden, gleichzeitig aber auch auf die Regierung, sowohl
die Bundesregierung als auch auf die Länderregierungen, denn sie
alle sind Ausbeuter und Unterdrücker des Volkes. Die Regierungs-
agenten, die Agenten der Diktatur und des nordamerikanischen Im-
perialismus haben für die gegen das brasilianische Volk begange-
nen Verbrechen zu zahlen.
Der Umfang und die Intensität der Aktionen, die von den Stadtgue-
rilleros bereits durchgeführt und in deren Verlauf Menschen getö-
tet, Sabotage betrieben, Waffen, Sprengstoff und Munition erbeu-
tet, Banken überfallen und Gefangene befreit wurden, stellen ein
bedeutendes politisches Gewicht dar und lassen keinen Raum für
Zweifel an den tatsächlichen Zielen und der Entschlossenheit der
Revolutionäre. Die Hinrichtung des CIA-Spions Charles Chandler,
jenes nordamerikanischen Militärs, der aus dem Vietnam-Krieg
hierher kam, um sich bei den brasilianischen Studenten einzu-
schleichen sowie die bei blutigen Zusammenstößen mit den Stadt-
guerilleros getöteten Häscher zeugen davon, daß wir uns inmitten
des revolutionären Krieges befinden und daß der Kampf nur mit ge-
waltsamen Mitteln durchgeführt werden kann. Dies ist der Grund
dafür, daß der Stadtguerillero zur bewaffneten Aktion übergeht
und sich nur erhalten kann, wenn er seine Aktivität auf die phy-
sische Beseitigung der Agenten der Repression konzentriert und
sich 24 Stunden am Tag der Enteignung der Enteigner des Volkes
widmet.
Die technische Vorbereitung des Stadtguerillero
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Niemand kann ein Stadtguerillero werden, der nicht seiner techni-
schen Vorbereitung besondere Aufmerksamkeit widmet. Diese techni-
sche Vorbereitung reicht vom körperlichen Training bis zur Per-
fektionierung oder Erlernung von Berufen und Fähigkeiten aller
Art, vor allem einer handwerklichen Geschicklichkeit.
Der Stadtguerillero kann nur dann eine gute physische Wider-
standskraft haben, wenn er systematisch trainiert. Er kann kein
guter Kämpfer sein, wenn er nicht die Kunst des Kämpfens erlernt
hat. Er muß mehrere Formen des Kampfes, des Angriffes und der
Selbstverteidigung erlernen und üben. Weitere sinnvolle Formen
physischen Trainings sind Wanderungen, Zelten, Übungen im Dschun-
gel, Besteigen von Bergen, Rudern, Schwimmen, Tauchen, Training
als Froschmann, Fischen, Tiefseejagd, Jagd von Vögeln und anderer
größerer und kleinerer Tiere. Wichtig ist, ein Auto fahren, ein
Flugzeug führen und Schiffe steuern zu können, sowohl Motor- als
auch Segelschiffe; weiter Kenntnisse der Kraftfahrzeugmechanik
und der Elektrotechnik zu besitzen, um z.B. Radios und Telefone
reparieren zu können.
Von gleicher Wichtigkeit sind elementare Kenntnisse der Topogra-
phie sowie die Fähigkeit, sich mit Instrumenten und praktischen
Mitteln orientieren, Entfernungen abschätzen, Landkarten und La-
gepläne herstellen, eine Skala benutzen, Zeitrechnungen herstel-
len, mit dem Winkeltransporter, dem Kompaß usw. umgehen zu kön-
nen. Kenntnisse der Chemie, die Mischung von Farben, die Herstel-
lung von Stempeln, das Beherrschen der Schreibtechnik und
Schriftfälschung sowie andere Fähigkeiten bilden einen Teil der
technischen Vorbereitung des Stadtguerilleros, der gezwungen ist,
Dokumente zu fälschen, um in einer Gesellschaft leben zu können,
die er zerstören will.
Auf dem Gebiet der medizinischen Hilfe übt natürlich ein Arzt
eine fundamentale Rolle aus; dennoch sind Kenntnisse der Medizin,
der Krankenversorgung, der Apothekerkunst, Kenntnisse über Dro-
gen, über Elemente der Chirurgie und der Ersten Hilfe unerläß-
lich.
Das Wichtigste bei der technischen Vorbereitung des Stadtgueril-
leros ist jedoch das Erlernen der Waffenhandhabung, z.B. des Ma-
schinengewehrs, des Revolvers, der automatischen Gewehre, des
FAL's, der verschiedenen Typen von Gewehren, Stutzen und Mörsern.
Die Kenntnis der verschiedenen Waffenarten und Sprengkörper ist
ein Punkt, der berücksichtigt werden muß, erfordert doch der Ge-
brauch von Feuerbomben, Rauchbomben und Bomben anderer Art not-
wendig Vorkenntnisse. Unter den Sprengstoffen muß besonders der
Umgang mit Dynamit bekannt sein. Ein Stadtguerillero muß Waffen
herstellen und reparieren, Molotowcocktails, Granaten, Minen und
Eigenbau-Plastikbomben bauen können. Er muß Brücken zerstören und
Eisenbahnschienen entfernen oder unbrauchbar machen können, da er
diese Arbeiten nicht auf eine untergebene Ebene delegieren kann.
Die erste Stufe der technischen Vorbereitung des Stadtguerilleros
wird im 'Zentrum zur technischen Perfektionierung' vermittelt,
aber zu diesem Zentrum kann nur derjenige zugelassen werden, der
schon ein 'Vorexamen' geleistet, d.h., die Feuerprobe in einer
revolutionären Aktion, in der Auseinandersetzung mit dem Feind
bestanden hat.
Die Waffen des Stadtguerilleros
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Die Waffen des Stadtguerilleros sind leichte und leicht ersetz-
bare Waffen, die im allgemeinen vom Feind erbeutet, gekauft oder
selbst hergestellt wurden. Leichte Waffen haben den Vorteil der
schnellen Bedienung und des leichten Transports. Sie besitzen in
der Regel einen kurzen Lauf, so wie viele automatischen Waffen.
Die automatischen oder halbautomatischen Waffen vergrößern ganz
erheblich die Feuerkraft des Stadtguerilleros. Der Nachteil die-
ser Waffen ist für uns ihre relativ schwierige Kontrolle, was
sich in der Verschwendung und dem übermäßigen Verbrauch von Muni-
tion ausdrückt. Dies kann nur durch eine hohe Treffsicherheit
ausgeglichen werden. Wenig geübte Männer verwandeln ein automati-
sches Gewehr in eine Munitionsmülltonne.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die für den Stadtguerillero am
meisten geeignete Waffe das leichte Maschinengewehr ist. Diese
Waffe ist außerordentlich wirkungsvoll, kann schnell in Stellung
gebracht werden - bei Aktionen innerhalb des städtischen Gebietes
von unschätzbarem Wert ", und flößt den Gegnern erheblichen Re-
spekt ein. Der Stadtguerillero muß die Handhabung des Maschinen-
gewehres, das jetzt ebenso populär wie unerläßlich in der brasi-
lianischen Stadtguerilla geworden ist, genau kennen. Das ideale
Maschinengewehr für den Stadtguerillero ist das 'Ina' mit dem Ka-
liber 45. Es können auch andere Maschinengewehre mit verschie-
denen Kalibern verwendet werden, doch taucht hier das Problem der
Munition auf. Es ist daher vorteilhaft, wenn die industrielle Lo-
gistik der Stadtguerilleros ein Maschinengewehr für die allge-
meine Benutzung herstellt, so daß die verwendete Munition genormt
werden kann. Jede Feuergruppe der Stadtguerilleros muß über ein
Maschinengewehr verfügen, das von einem guten Schützen bedient
wird. Die anderen Mitglieder der Gruppe sollten mit einem Revol-
ver Kaliber 38 ausgerüstet sein. Wir haben auch einen Revolver
Kaliber 32 verwandt, doch ist das Kaliber 38 vorteilhafter, da
diese Munition den Feind im allgemeinen außer Gefecht setzt. Auch
Handgranaten und konventionelle Rauchbomben können zu den leich-
ten Waffen gezählt werden, da sie für die Defensivtaktik, bei der
Deckung und beim Rückzug der Stadtguerilleros Verwendung finden.
Langläufige Waffen sind schwerer zu transportieren und fallen we-
gen ihrer Größe auf. Wichtige langläufige Waffen sind das FAL,
die Mausergewehre, Winchester-Jagdbüchsen und andere. Die Jagd-
büchsen können auf kurze Entfernung gut verwendet werden, auch
von einem wenig trainierten Mann; dies vor allem in der Nacht,
wenn eine Präzisionswaffe wenig ausrichten kann. Ein Luftgewehr
kann vorteilhaft beim Üben der Treffsicherheit angewandt werden.
Die Benutzung von Bazookas und Mörsern erfordert es, entspre-
chende Bedingungen zu schaffen, da sie nur von geübten Leuten ge-
handhabt werden können. Die Aktionen der Stadtguerilleros dürfen
aber nicht auf die Anwendung schwerer Waffen gestützt werden, da
deren Nachteile zu groß sind für eine Kampfesart, in der wir
durch Schnelligkeit unsere Mobilität und Bewegungsfreiheit si-
chern müssen. Eigenbauwaffen sind manchmal nicht weniger wir-
kungsvoll wie die besten einer spezialisierten Industrie und
selbst ein Gewehr mit gekürztem Lauf ist eine ausgezeichnete
Waffe für den Stadtguerillero. Wenn dieser gleichzeitig Waffen-
schmied ist, stellt er die beste Kombination dar, die es gibt.
Der Waffenschmied verwahrt die Waffen, er weiß sie zu reparieren
und ist in vielen Fällen in der Lage, eine Werkstatt einzurich-
ten, um wirksame kleinere Waffen herzustellen. Der Metallarbeiter
und der Dreher sind deshalb wichtige Elemente der Stadtguerilla
und sie muß sich ihrer innerhalb ihrer industriellen Logistik,
d.h., bei der Herstellung von Waffen, bedienen. Anfertigung von
und Lehrgänge über die Anwendung von Explosivwaffen müssen orga-
nisiert werden. Die Rohstoffe für die praktischen Arbeiten bei
dieser Ausbildung müssen zuvor besorgt werden, um eine unvoll-
ständige Schulung, d.h., einen Mangel an Möglichkeiten, selbst zu
experimentieren, zu verhindern.
Molotowcocktails, Benzin, Eigenbauwaffen, Katapulte, Mörser,
Knallkörper, aus Tuben und Büchsen hergestellte Granaten, Rauch-
bomben, Minen, konventionelle Sprengstoffe wie Dynamit und Kali-
umchlorate, Plastikbomben, Gelantinekapseln und Munition aller
Art sind für den Erfolg des Stadtguerilleros unverzichtbare Re-
quisiten. Notwendige Materialien und Munition müssen durch Kauf
oder durch Anwendung von Gewalt in gut geplanten und entsprechend
durchgeführten Enteignungsaktionen besorgt werden. Der Stadtgue-
rillero muß darauf achten, Explosivwaffen und andere Materialien,
die Unfälle verursachen können, nicht zu lange aufzubewahren; er
muß versuchen, sie sofort gegen die ins Auge gefaßten Ziele anzu-
wenden. Die Waffen des Stadtguerilleros sowie seine Fähigkeit,
diese zu bedienen, bilden seine Feuerkraft. Indem er sich moder-
ner Waffen bemächtigt und Neuerungen bei der Bewaffnung und in
der Anwendung bestimmter Waffen berücksichtigt, kann er oft die
Taktiken der Stadtguerilla verändern. Ein Beispiel hierfür sind
die von den brasilianischen Stadtguerillas bei Banküberfällen
eingesetzten Maschinengewehre. Wenn der massive Einsatz von
gleichartigen Maschinengewehren möglich ist, wird die Stadtgue-
rilla in unserem Land neue Taktiken anwenden können. Die Feuer-
gruppe, die eine Vereinheitlichung ihrer Waffen und der entspre-
chenden Munition erreicht und gleichzeitig für eine vernünftige
Lagerhaltung sorgt, hat den größtmöglichen Wirkungsgrad. Der
Stadtguerillero ist umso wirkungsvoller, je größer seine Feuer-
kraft ist.
Das Schießen: Die Existenzbasis
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Existenzbasis und unabdingbare Voraussetzung seines Handelns und
seines Überlebens ist das Schießen. Gut schießen zu können ist
die Notwendigkeit des Kampfes, in dem der Stadtguerillero sich
befindet. Wird im konventionellen Krieg der Kampf in der Regel
mit weitreichenden Waffen auf große Entfernungen geführt, so wird
im unkonventionellen Krieg, der Kampfform der Stadtguerilla, auf
kurze Entfernung operiert, manchmal sogar im Nahkampf. Will er
nicht selbst getötet werden, so muß der Stadtguerillero als er-
ster schießen, ohne das Ziel zu verfehlen. Dabei darf er weder
Waffen leichtfertig aufs Spiel setzen noch Munition verschwenden,
da er über beides nur in geringen Mengen verfügen kann. Verloren-
gegangene Waffen und verschwendete Munition können bei den in
kleinen Gruppen kämpfenden Guerilleros nicht kurzfristig ersetzt
werden, da jeder zunächst auf sich zu achten hat. Der Stadtgue-
rillero muß ein gutes Reaktionsvermögen haben und in der Lage
sein, blitzartig zu schießen.
Eine grundsätzliche Regel, die wir nicht genügend betonen und in
ihrer Wichtigkeit hervorheben können, ist die, daß der Stadtgue-
rillero nicht durch fortwährendes Schießen seine Munition er-
schöpfen darf. Falls der Feind in einem solchen Fall das Feuer
nicht erwidert und wartet, bis der Guerillero seine Munition ver-
schossen hat, liegt dieser dann - ohne die Möglichkeit zu finden,
sich neu zu munitionieren - in einem Kugelhagel des Feindes und
kann getötet oder verhaftet werden. Obgleich er sich oftmals der
Überraschung bedient und daher seine Waffen meist nicht anzuwen-
den braucht, kann sich der Stadtguerillero nicht den Luxus lei-
sten, den Kampf aufzunehmen, ohne schießen zu können. Während des
Kampfgeschehens muß er immer wieder einen Standortwechsel vorneh-
men, damit er kein ruhendes Ziel bietet, das leicht zu treffen
ist. Das Leben des Stadtguerilleros ist abhängig von seiner
Schießkunst, von seiner Fähigkeit, die vorhandenen Waffen optimal
einzusetzen und selbst nicht getroffen zu werden. Wenn wir von
Schießen reden, so ist davon untrennbar die Treffsicherheit.
Diese muß so lange geübt werden, bis das Schießen und das Treffen
für den Stadtguerillero zu einer Reflexreaktion geworden ist. Um
gut und treffsicher schießen zu können, muß er systematisch trai-
nieren und dabei die verschiedensten Methoden anwenden. Er hat
jede Gelegenheit zu Schießübungen auszunutzen, auch auf Rummel-
plätzen und zu Hause mit einem Luftgewehr. Treffsicheres Schießen
ist für ihn so lebenswichtig wie Wasser und Luft. Die letzte
Stufe der perfekten Schießkunst stellt eine besondere Form des
Stadtguerilleros dar: den Heckenschützen - einen einsamen Kämp-
fer, der unablässig Einzelaktionen durchführt. Er beherrscht das
Schießen auf kurze und lange Distanz und seine Waffen sind für
beides eingerichtet.
Die Feuergruppe
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Um Aktionen durchführen zu können, muß der Stadtguerillero in
kleinen Gruppen organisiert sein. Sie umfaßt nicht mehr als 4 bis
5 Männer und heißt Feuergruppe. Mindestens zwei von ihnen, rigo-
ros unterteilt und von einer oder zwei Personen organisiert und
koordiniert, bilden eine Feuermannschaft. Zwischen den Mitglie-
dern einer Feuergruppe muß unbedingtes Vertrauen herrschen. Wer
die Schießkunst am besten beherrscht und das Maschinengewehr am
besten zu bedienen weiß, liefert bei den Operationen letztlich
die Deckung. Die Feuergruppe plant und führt die Aktionen der
Stadtguerilla aus, verschafft und versteckt ihre Waffen und stu-
diert und korrigiert die angewandten Taktiken. Sind Aufgaben zu
erfüllen, die vom strategischen Kommando entwickelt worden sind,
so haben diese unbedingten Vorrang. Dennoch kann es keine Feuer-
gruppe ohne eigene Initiative geben. Damit ein Maximum an Initia-
tive für die einzelnen Feuergruppen gewährleistet ist, ist es
notwendig, jede rigide Organisationsform zu vermeiden.
Die alte Hierarchie und der Stil der traditionellen Linken ist in
unserer Organisation liquidiert. Das bedeutet, daß mit Ausnahme
der den strategischen Interessen untergeordneten und deshalb vor-
rangigen Aufgaben jede Feuergruppe einen Banküberfall, eine Ent-
führung, eine Hinrichtung - sei es die eines Agenten der Dikta-
tur, einer genau identifizierten Person der Reaktion oder eines
nordamerikanischen Spions - beschließen und durchführen und jede
Art von Propaganda und Nervenkrieg gegen den Feind führen kann,
ohne vorher das strategische Kommando zu konsultieren. Eine Feu-
ergruppe darf nie in Erwartung von Befehlen passiv bleiben. Ihre
Pflicht ist es, zu handeln. Jeder einzelne Stadtguerillero, der
eine Feuergruppe bilden und in die Organisation eintreten will,
kann dies tun und sich in die Organisation integrieren. Diese
Form des Vorgehens beseitigt die Sorgen darüber, von wem Aktionen
durchgeführt werden, denn die Initiative ist frei. Was zählt, ist
der wachsende Umfang der Guerilla-Aktivität, die die Regierungs-
macht aufreibt und sie zwingt, sich in eine Defensivstellung zu-
rückzuziehen.
Die Feuergruppe ist das Instrument der organisierten Aktion. In
ihr werden die Unternehmungen und Taktiken der Guerillas geplant
und durch sie wird es möglich, sie erfolgreich auszuführen. Das
allgemeine Kommando muß allerdings auf die Feuergruppen für die
Ausführung strategisch wichtiger Aufgaben in jedem Teil des Lan-
des zurückgreifen können. Auf der anderen Seite hilft das Kom-
mando den Feuergruppen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten
und bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Die Organisation ist
ein unzerstörbares Netz von Feuergruppen, sie funktioniert auf
einfache und praktische Weise, mit einem allgemeinen Kommando,
das ebenfalls am Kampf teilnimmt, denn was nicht reine und einfa-
che revolutionäre Aktion ist, wird in einer solchen Organisation
nicht geduldet.
Die Logistik der Stadtguerilla
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Die konventionelle Logistik kann durch die Formel ausgedrückt
werden N-K-A-M, d.h., N (Nahrungsmittel), K (Kraftstoff), A
(Ausrüstung), M (Munition). Die konventionelle Logistik bezieht
sich auf Versorgungsprobleme eines Heeres oder regulärer Streit-
kräfte und verfügt über Fahrzeuge mit festen Basen und eine indu-
strielle Logistik.
Der Stadtguerillero dagegen verfügt nicht über ein Heer, sondern
über kleine bewaffnete Gruppen und eine kleine Organisation, die
bewußt fragmentarisch ist. Er besitzt weder Fahrzeuge noch feste
Basen. Seine industrielle Logistik ist mangelhaft und wenig ent-
wickelt. Sie kann, selbst wenn es notwendig sein sollte, nicht
immer aufgebaut werden, nicht einmal unter dem rudimentären
Aspekt einer Waffenindustrie innerhalb eines Hauses.
Während die konventionelle Logistik zum Ziel hat, Mittel für den
Krieg gegen die Guerilla zu beschaffen, Mittel, die für die Un-
terdrückung der städtischen und ländlichen Rebellion benötigt
werden, ist die Logistik des Stadtguerillero dazu bestimmt, Ope-
rationen und Taktiken zu unterstützen, die einem nicht-konventio-
nellen, von der Militärdiktatur ausgelösten und gegen die nord-
amerikanische Herrschaft im Land gerichteten Krieg inhärent sind.
Die Logistik des Stadtguerillero, der bei Null anfängt und
zunächst über keine Stütze verfügt, kann mit der Formel M-G-W-M-S
beschrieben werden, die folgendes ausdrückt: M (Motorisierung), G
(Geld), W (Waffen), M (Munition), S (Sprengkörper und Spreng-
stoff). Eine der Säulen revolutionärer Logistik ist die Motori-
sierung, die aber ihrerseits untrennbar ist vom Fahrpersonal. Der
Stadtguerillero, der ein Auto fahren kann, ist genau so wichtig,
wie einer, der ein Maschinengewehr bedient. Ohne einen von beiden
haben die Maschinen keine Funktion, Auto und Maschinengewehr wer-
den zu toten Gegenständen. Da man nicht von heute auf morgen aus
einer unerfahrenen Person einen Kraftfahrzeugfahrer machen kann,
ist es notwendig, früh mit der Ausbildung zu beginnen. Jeder gute
Stadtguerillero ist gezwungen, ein guter Kraftfahrer zu sein. Das
benötigte Fahrzeug selbst wird der Stadtguerillero notwendiger-
weise enteignen müssen. Verfügt er schon über Mittel, so kann er
die Enteignung mit anderen Arten von Beschaffungsmitteln kombi-
nieren.
Der Zwang zur Enteignung von Geld, Waffen, Munition, Explosivwaf-
fen, und Fahrzeugen bedeutet . für den Stadtguerillero, Banken
und Waffenlager zu überfallen und sich der Munition und Explo-
sivwaffen zu bemächtigen, wo immer er sie findet.
Keine dieser Operationen beschränkt sich auf nur einen Zweck. Bei
der Beschaffung von Geld müssen auch die Waffen der Wachen mitge-
nommen werden. Die Enteignung ist die erste Stufe in der Organi-
sation unserer Logistik, sie hat einen bewaffneten Charakter und
setzt ständige Mobilität voraus. Der nächste Schritt des Stadt-
guerillero ist die Stabilisierung und Erweiterung seiner Logi-
stik, er wendet Hinterhalte und Täuschungsmanöver an, um den
Feind zu überraschen und seine Waffen, Munition, Fahrzeuge und
anderes zu erbeuten. Verfügt er über größere Mengen von Waffen
Munition und Sprengstoffen, so tritt in der Logistik des Gueril-
leros das ernsteste Problem auf, nämlich jederzeit und überall
Verstecke für sein Material sowie Transportmittel zu finden, um
es dort zu lagern, wo es benötigt wird. Dies muß sogar dann mög-
lich sein, wenn der Feind schon aufmerksam geworden ist und die
Wege blockiert. Die Kenntnis des Terrains und der benutzten und
benutzbaren Verstecke sowie die hierfür speziell ausgebildeten
und rekrutierten Führer bilden die Grundelemente für die Lösung
dieses immer wiederkehrenden Problems der Logistik des Revolutio-
närs.
Die Technik des Stadtguerilleros
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Im allgemeinsten Sinne ist Technik die Zusammenfassung aller Mit-
tel, deren der Mensch sich zur Durchführung irgendwelcher Aktivi-
täten bedient. Die Aktivität des Stadtguerilleros ist die des
psychologischen Krieges in der Stadt und daher ist seine Technik
die der Stadtguerilla und die des psychologischen Krieges. Diese
Technik umfaßt fünf wichtige Komponenten:
a) jenen Teil, der die besonderen, die Technik beinhaltenden
Merkmale umfaßt;
b) einen Teil, der sich auf die mit diesen Merkmalen harmonisie-
renden Erfordernisse bezieht, nämlich solche, die durch eine
Reihe von ursprünglichen Vorteilen repräsentiert werden, ohne die
der Stadtguerilleros nicht erfolgreich handeln kann;
c) einen Teil, der sich auf die bestimmten unddefinierten Ziele
der von den Stadtguerilleros unternommenen Aktionen bezieht;
d) einen Teil, der sich auf die Typen und die Natur der verschie-
denen Aktionsformen der Stadtguerilleros bezieht;
e) einen Teil, der sich mit den Durchführungsmethoden dieser Ak-
tionen beschäftigt.
Merkmale der Technik der Stadtguerilleros
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Die Technik der Stadtguerilleros zeigt die folgenden Merkmale:
a) Sie ist eine aggressive Technik, d.h., sie hat offensiven Cha-
rakter. Es liegt jedoch auf der Hand, daß die Offensive der offe-
nen Feldschlacht mit dem Feind für uns den sicheren Tod bedeuten
würde, da wir dem Feind an Feuerkraft und Ausrüstung unterlegen
sind und einem konzentrierten Angriff der Gorillas nicht begegnen
könnten. Dies ist auch der Grund dafür, daß unsere Technik nicht
die der Einrichtung und Verteidigung fester Basen sein kann, auch
nicht die, an einem bestimmten Ort die Umzingelung der Reaktion
abzuwarten, um diese dann zu durchbrechen. . ,
b) Es ist eine Technik, die Angriff und Rückzug kombiniert und so
unsere Kräfte schont.
c) Es ist eine Technik zur Entfaltung der Stadtguerilla, deren
Funktion darin besteht, feindliche Kräfte aufzureiben, zu demora-
lisieren und auseinanderzureißen. Damit ermöglicht sie den Aufbau
und die Erhaltung der Stadtguerilla, die berufen ist, innerhalb
des revolutionären Krieges eine entscheidende Rolle zu überneh-
men.
Die ursprünglichen Vorteile des Stadtguerillero
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Die Dynamik der Stadtguerilla besteht im gewaltsamen Zusammenstoß
mit militärischen und polizeilichen Kräften der Diktatur. Bei ei-
nem solchen Zusammenstoß liegen die Vorteile zunächst auf Seiten
der Polizei, die Nachteile auf Seiten der Stadtguerilleros. Die
Paradoxe liegt in der Tatsache, daß der schwächere Stadtgueril-
lero den Angriff ausführen muß. Die Kräfte der Polizei und des
Militärs beantworten diesen Angriff, indem sie erheblich größere
Mittel in der Verfolgung der Stadtguerilleros mobilisieren und
konzentrieren. Einer Niederlage kann er nur entgehen, wenn erur-
sprüngliche Vorteile auf seiner Seite buchen und diese bis zum
Ende ausnutzen kann und damit seine materielle Schwäche und Un-
terlegenheit ausgleicht.
Ursprüngliche Vorteile sind:
1. die Überraschung des Feindes;
2. die bessere Kenntnis des Gebietes, in dem die Aktion durchge-
führt wird;
3. eine größere Beweglichkeit und Schnelligkeit als die Polizei
und die übrigen Kräfte der Repression;
4. ein Informationsapparat, der besser ist als der des Feindes;
5. eine Entschlossenheit und Geistesgegenwart, die alle auf unse-
rer Seite Kämpfenden stimuliert und nicht schwanken läßt, die
feindliche Seite entmutigt und paralysiert, damit zur Gegenwehr
unfähig macht.
Die Überraschungstaktik
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Um seine allgemeine Schwäche und seine Überlegenheit an Waffen
gegenüber dem Feind auszugleichen, bedient sich der Stadtgueril-
lero der Überraschungstaktik. Dem hat der Feind nichts entgegen-
zusetzen, er ergibt sich ohne Gegenwehr oder wird vernichtet.
Seit Beginn des bewaffneten Stadtkampfes in Brasilien zeigt sich,
daß der Stadtguerillero immer die Überraschungstaktik angewandt
hat, um erfolgreich zu sein. Die Technik der Überraschung ist be-
gründet auf vier wesentliche Voraussetzungen:
a) Während wir die Situation des anzugreifenden Feindes im allge-
meinen durch umfassende Information und gründliche Beobachtung
genau kennen, weiß der Feind nichts über den vorbestehenden An-
griff und die Situation des Angreifers.
b) Während uns die Kräfte des anzugreifenden Feindes bekannt
sind, bleiben ihm unsere eigenen unbekannt.
c) Durch den Überraschungsangriff sparen und erhalten wir unsere
Kraft, während der Feind diese Möglichkeit nicht hat und den Er-
eignissen ausgeliefert ist.
d) Wir bestimmen Zeitpunkt und Ort des Angriffes, seine Dauer und
seine Ziele. Der Feind befindet sich darüber in Unkenntnis.
Die Kenntnis des Terrains
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Der Stadtguerillero hat im Terrain seinen besten Alliierten und
ist daher bestrebt, dieses genau kennenzulernen. Als Alliierter
muß das Terrain intelligent in seinen Unebenheiten, Höhenunter-
schieden und Unregelmäßigkeiten, in seinen normal zugänglichen
und geheimen Orten, verlassenen Gegenden, Buschwerken usw. bei
der Aktion eingesetzt werden. All diese Dinge sind mit Nutzen
finden Erfolg der bewaffneten Aktion, für die Flucht, den Rück-
zug, die Deckung und die Tarnung heranzuziehen, Verengungen,
Sackgassen, Straßenarbeiten, Polizeikontrollen, Militärzonen,
Sperrzonen, vom Feind schließbare Tunneleingänge, unbedingt zu
benutzende Straßen und von Polizei oder Ampel kontrollierte Kreu-
zungen müssen in allen Einzelheiten bekannt und studiert sein,
damit fatale Fehler vermieden werden.
Unsere Aufgabe ist es, einen Weg zu finden und genau zu wissen,
wohin und wie wir uns zurückziehen können, um dabei den Feind in
ein Gebiet zu locken, dessen Geländeverhältnisse er nicht kennt.
Indem der Stadtguerillero sich mit Alleen, Straßen, Gassen, Kur-
ven und Kreuzungen der Städte mit all ihren Brücken, der Kanali-
sation usw. vertraut macht, ist er später in der Lage, sich in
unbewegsamen und schwierigem Gelände sicher und ohne Schwierig-
keiten zu bewegen, das der Polizei nicht bekannt ist und wo diese
in einen Hinterhalt oder eine Falle gelockt werden kann. Be-
herrscht der Stadtguerillero das Terrain, so kann er sich dort zu
Fuß, mit dem Fahrrad, im Auto, Jeep oder Lastwagen bewegen, ohne
jemals ertappt zu werden. Da er in einer kleinen Gruppe handelt,
kann er diese jederzeit an vereinbarten Orten treffen und neue
Guerilla-Aktionen vorbereiten oder aus der Umzingelung der Poli-
zei entkommen und diese mit einer für den Feind unfaßbaren Kühn-
heit demoralisieren. Für die Polizei ist es im Labyrinth der
großen Städte ein unlösbares Problem, zu fangen, was nicht zu se-
hen, zu unterdrücken, was nicht zu fangen und zu umzingeln, was
nicht zu finden ist.
Die Erfahrung lehrt, daß der ideale Stadtguerillero der ist, der
innerhalb seiner eigenen Stadt mit der genauen Kenntnis ihrer
Straßen, Vororte, Verkehrsprobleme und übrigen Eigentümlichkeiten
agiert. Der von außerhalb in eine Stadt kommende Guerillero ist,
wenn er die dortigen Verhältnisse nicht kennt, ein schwacher
Punkt und kann, wenn er neu an einer bestimmten Operation teil-
nimmt, diese in Gefahr bringen. Um schwerwiegende Fehler zu ver-
meiden, ist es notwendig, die Stadt genau kennenzulernen und über
die Verkehrsdichte auf den Straßen zu den verschiedenen Tageszei-
ten genau im Bilde zu sein.
Mobilität und Schnelligkeit
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Um eine Mobilität und Schnelligkeit zu erreichen, der die Polizei
nichts entgegenzusetzen hat, muß der Stadtguerillero die folgen-
den Voraussetzungen schaffen: a) Motorisierung, b) Kenntnis des
Gebietes, c) Vernichtung oder Störung der Kommunikations- und
Transportmittel des Feindes, d) leichte Bewaffnung.
Der Stadtguerillero muß sich nach den systematischen, nur wenige
Minuten dauernden Operationen sofort mit Kraftfahrzeugen vom Ort
entfernen und beim Rückzugskampf die Verfolgung verhindern. Er
muß den einzuschlagenden Weg in allen Einzelheiten kennen und den
vorher vereinbarten Zeitablauf genau trainieren, um zu verhin-
dern, daß er in Sackgassen, Straßenstockungen oder von Ampel auf-
gehalten wird. So bleibt der Polizei sein Fluchtweg unbekannt und
sie verfolgt ihn blind; während der Stadtguerillero sich schnell
von dem Ort entfernen kann, da er das Gelände genau kennt, ver-
liert die Polizei die Spur und muß die Verfolgung aufgeben.
Der Stadtguerillero führt seine Aktionen weit entfernt von den
logistischen Basen der Polizei durch. Diese Form der Operation
hat den ursprünglichen Vorteil, daß wir uns in optimaler Entfer-
nung von den Basen der Verfolger befinden und leichter fliehen
können. Ober diese Vorsichtsmaßnahme hinaus muß das Kommunikati-
onssystem des Feindes berücksichtigt werden. Das Telefon ist da-
bei erstes Zielobjekt der Technik, die Kommunikation des Feindes
zu verhindern. Auch dann, wenn der Feind über die Guerilla-Aktion
informiert wurde, hängt seine logistische Unterstützung in hohem
Maße von den modernen Transportmitteln ab, die im dichten Stra-
ßenverkehr bewußt aufgehalten werden können. Es ist klar, daß
eine Verkehrsstörung sowohl für den Feind als auch für uns nach-
teilig sein kann, wenn wir uns nicht gleichzeitig einen Vorsprung
verschaffen. Wenn wir einen größeren Sicherheitsfaktor benötigen
und bleibende Spuren vermeiden wollen, können wir folgende Mittel
anwenden:
a) die Polizei mit anderen Kraftfahrzeugen bewußt aufhalten,
technische Mängel oder Pannen vortäuschen - doch dürfen in diesem
Fall die verwendeten Fahrzeuge keine echten Nummernschilder tra-
gen;
b) den Weg mit umgestürzten Bäumen, mit Steinen oder durch Gräben
und falsche Verkehrszeichen versperren oder umleiten - andere
Mittel müssen in der jeweiligen Situation mit viel Phantasie ent-
wickelt werden;
c) den Weg der Polizei verminen oder mit verschüttetem Kraftstoff
oder Molotowcocktails die Fahrzeuge in Brand setzen;
d) mit Maschinengewehren und anderen Waffen, wie z.B. dem FAL auf
Motor und Reifen der verfolgenden Fahrzeuge schießen.
Entsprechend der typischen Arroganz und Feigheit der Polizei und
der faschistischen Militärbehörden versucht der Feind, uns mit
schweren Waffen und Ausrüstungen sowie mit bis an die Zähne be-
waffneten Männern zu bekämpfen. Dies muß der Stadtguerillero
durch leichte und einfach zu transportierende Waffen ausgleichen,
damit er stets mit größter Schnelligkeit fliehen kann, ohne je-
mals den offenen Kampf aufnehmen zu müssen. Der Stadtguerillero
hat keine andere Aufgabe als anzugreifen und sich zurückzuziehen.
Wir würden eine schreckliche Niederlage riskieren, wenn wir uns
mit schweren Waffen und dem furchtbaren Gewicht ihrer Munition
überladen, denn damit verlieren wir unsere wertvolle Beweglich-
keit. Sind wir motorisiert, so haben wir gegenüber einem mit Ka-
vallerie verfolgenden Feind keinen Nachteil. Ein Auto ist schnel-
ler als ein Pferd. Zudem können wir den berittenen Polizisten vom
Fahrzeug aus beschießen und ihn mit dem Maschinengewehr, dem Re-
volver oder durch Molotowcocktails oder Granaten zum Sturz brin-
gen. Auch ein Stadtguerillero, der zu Fuß ist, kann ohne Mühe auf
einen berittenen Polizisten schießen. Murmeln, Kronenkorken und
über die Straße gespannte Seile sind ebenfalls sehr wirksam und
bringen Pferd und Reiter zu Fall. Der große Nachteil der Kavalle-
rie ist, daß sie dem Stadtguerillero zwei hervorragende Ziele
bietet: Pferd und Reiter.
Obgleich ein Hubschrauber schneller als die Kavallerie ist, bie-
tet er bei der Verfolgung keine größeren Vorteile. Im Vergleich
zum Auto ist die Kavallerie zu langsam und der Hubschrauber zu
schnell. Da er sich mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h be-
wegt, ist er nicht in der Lage, ein sich innerhalb der Massen und
Fahrzeuge auf der Straße verlierendes Ziel zu treffen. Er kann
auch nicht inmitten der Straße landen, um irgendjemanden zu ver-
folgen. Zudem ist er beim Versuch eines Niedrigfluges den Schüs-
sen der Stadtguerilleros ausgeliefert.
Die Information
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Die Möglichkeit der Regierung, Stadtguerilleros zu entdecken und
zu vernichten, ist umso geringer, je größer und konzentrierter
das Potential von Feinden der Diktatur in den Volksmassen ist.
Diese Konzentration der Opposition gegen die Diktatur erfüllt
eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Beschaffung von In-
formationen über die Schritte der Polizei und Regierungsagenten
und verhindert die Bekanntgabe unserer Aktivität an diese. Dar-
über hinaus kann der Feind durch falsche Informationen irrege-
führt werden, was für ihn wegen des großen Verschleisses beson-
ders nachteilig ist. Auf jeden Fall sind die potentiellen Infor-
mationsquellen der Stadtguerilleros größer als die der Polizei.
Der Feind wird beobachtet, weiß aber nicht, daß jemand aus dem
Volke dem Stadtguerillero Informationen liefert. Militär und Po-
lizei sind wegen ihrer gegen das Volk begangenen Ungerechtigkeit
und Gewalttätigkeiten verhaßt und dies erleichtert es. Informa-
tionen aus dem Volk zu erhalten, mit denen man den Aktivitäten
der Regierungsagenten schaden kann. Die Information aus dem Volk,
die für den-Feind praktisch nicht ins Gewicht fällt, da er keine
bekommt, bedeutet ein unschätzbares Potential in den Händen der
Stadtguerilleros. Dennoch ist es für uns wichtig, einen Informa-
tionsapparat zu schaffen und zu organisieren. Dem Stadtguerillero
muß das Nötige über Pläne und Bewegungen des Feindes, seinen Auf-
enthaltsort, die Transporte der Bankmittel, die Kommunikations-
mittel und geheimen Maßnahmen der Regierung bekannt sein. Die zu-
verlässigen Informationen, die den Stadtguerillero erreichen, er-
möglichen ihm sichere Schläge gegen das System der Diktatur.
Diese kann gegen solche Informationen, durch die ihre Interessen
geschädigt und unsere vernichtenden Angriffe erleichtert werden,
nichts unternehmen. Der Feind versucht natürlich, Erfahrungen
über unsere Schritte zu sammeln, um uns zu vernichten oder unsere
Handlungsfähigkeit einzuschränken. In diesem Zusammenhang ist die
Gefahr des Verrats ständig vorhanden, der Feind unterstützt ihn
fortwährend und schleust Spione in die Organisation ein. Diese
Technik des Feindes beantwortet der Stadtguerillero mit der De-
nunzierung der Verräter, Spione, Informanten und Provokateure ge-
genüber dem Volk.
Da unser Kampf den Massen bekannt ist und man mit ihrer Sympathie
rechnen kann, während der Feind wegen seiner Grausamkeit, Korrup-
tion und Unfähigkeit unbeliebt ist, werden Verräter, Polizeispit-
zel und andere Informanten vom Volk bekämpft, sie erhalten keine
Unterstützung und werden dem Stadtguerillero ausgeliefert; in
vielen Fällen erhalten sie die verdiente Strafe. Der Stadtgueril-
lero darf sich nicht seiner Pflicht entziehen, Spione und Infor-
manten, die bekannt geworden sind, physisch zu beseitigen. Dieses
Vorgehen ist gerecht, wird vom Volk begriffen und unterstützt und
vermindert erheblich die Gefahr der Infiltration und der feindli-
chen Spionage.
Für einen vollständigen Sieg im Kampf gegen Spione und Denunzian-
ten ist es notwendig, einen Apparat der Gegenspionage und Ge-
geninformation aufzubauen. Das Problem der Information beschränkt
sich aber nicht nur auf die Kenntnis der feindlichen Vorhaben und
die Verhinderung der feindlichen Infiltration. Die Information
muß weitreichend sein und selbst scheinbar unbedeutende Dinge um-
fassen. Der Stadtguerillero muß die vorhandenen Möglichkeiten, an
Informationen zu gelangen, beherrschen. Die Technik besteht
darin, jemanden auf vollkommen natürliche und unverfängliche
Weise auszuhorchen - so, als ob man ein ganz normales Gespräch
führt. Da der Stadtguerillero sich inmitten des Volkes befindet
und bewegt, hat er auf alle möglichen Unterhaltungen und men-
schlichen Beziehungen zu achten, dabei aber mit viel Phantasie
und Geschicklichkeit seine eigenen Interessen zu verbergen. Am
Arbeits-, Studien- und Wohnort kann er unzählige Informationen
über Zahlungen, Geschäfte, Pläne, Standpunkte, Meinungen, persön-
liche Stimmungen, Reisen, Gebäude, Geschäftsräume, Säle, Operati-
onszentren usw. sammeln. Beobachtungen, Nachforschungen, Aufklä-
rungsaktionen und Geländeuntersuchungen sind weiter ausgezeich-
nete Informationsquellen. Ein Stadtguerillero wird niemals unauf-
merksam und ohne die Wachsamkeit des Revolutionärs irgendeinen
Ort passieren, er ist immer auf der Suche nach Möglichkeiten für
eine Aktion. Sein Gedächtnis nimmt alles, was für die Aktivität
des Kämpfers sofort oder zukünftig wichtig sein kann, auf, er hat
ständig offene Augen und Ohren und hellwache Sinne. Die genaue
Lektüre der Zeitungen, das Verfolgen der übrigen Massenkommunika-
tionsmittel, das Ordnen der gesammelten Daten, die Weiterleitung
von Nachrichten und allem, was Aufmerksamkeit erregt, ständige
Eigeninformation und die Informierung anderer Revolutionäre -
dies alles umfaßt der riesige und schwer durchschaubare Komplex
der Informationstechnik, der dem Stadtguerillero einen entschei-
denden Vorteil verschafft.
Die Entscheidungsfähigkeit
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Es genügt für den Stadtguerillero nicht, die Überraschung,
Schnelligkeit, Geländekenntnis und Informationen auf seiner Seite
zu wissen. Er muß zusätzlich Entscheidungsfreude und -fähigkeit
besitzen, denn ohne diese sind die anderen Vorteile wertlos.
Selbst eine gut geplante Aktion kann nicht durchgeführt werden,
wenn sich der Guerillero unentschlossen, unsicher und wankelmütig
verhält. Auch eine anfänglich erfolgreiche Aktion kann scheitern,
wenn während der praktischen Durchführung plötzlich Entschei-
dungswille und -fähigkeit ausfallen; ist beides nicht vorhanden,
dann wird die entstandene Leere gewöhnlich durch Wankelmut und
Angst gefüllt. Der Feind wird diese Schwäche nutzen und uns ver-
nichten.
Der Geheimnis der erfolgreichen Aktion, einer leichten oder
schwierigen, einfachen oder komplizierten, besteht darin, daß man
auf entschlossene Männer zählen kann. In der Tat gibt es keine
leichten Aktionen, denn jede muß mit den gleichen Vorkehrungen
durchgeführt werden, die man bei den schwierigsten trifft, ange-
fangen bei der Wahl der teilnehmenden Personen. Diese müssen ent-
scheidungswillige und -fähige Leute sein, die ihre Eigenschaften
einmal unter Beweis gestellt haben. Es kann schon vorher gesagt
werden, ob eine Aktion erfolgreich sein wird oder nicht, wenn man
in der Vorbereitungszeit die Verhaltensweisen der ausführenden
Personen beobachtet. Wenn sie zu spät kommen, Kontakte verlieren,
leicht zu verwirren sind, Dinge vergessen und niedrigste Arbeits-
normen nicht erfüllen, handelt es sich möglicherweise um wenig
entschlossene Menschen, die Schaden anrichten können. Es ist bes-
ser, sie nicht in die Aktion einzubeziehen. Sich entscheiden zu
können bedeutet Entschlossenheit, Kühnheit und nicht zu erschüt-
ternde Standfestigkeit bei der Durchführung des vorgesehenen Pla-
nes.
Aktionsziele der Stadtguerilleros
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In seiner entwickelten Technik stützt sich der Stadtguerillero
bei den Aktionsformen auf den Angriff, der seinerseits im brasi-
lianischen Fall zum Ziel hat:
a) das Lebensdreieck des brasilianischen staatlichen Systems und
der nordamerikanischen Herrschaft in Brasilien zu erschüttern,
ein Dreieck, dessen Ecken Rio, Sao Paulo und Belo Horizonte sind
und dessen Basis die Achse Rio-Sao Paulo ist und in dem sich ein
gigantischer industrieller, finanzieller, ökonomischer, politi-
scher, kultureller, militärisch-polizeilicher Komplex befindet,
der die ganze Entscheidungsmacht des Landes in sich vereinigt;
b) das lokale und nationale Sicherheitssystem zu schwächen, indem
wir die Gorillas angreifen und sie in die Verteidigung drängen,
wodurch die Regierung in eine Defensivposition gerät und ihre
Truppen aus Angst vor einem Angriff auf ihre nervlichen und stra-
tegischen Zentren, auf die Verteidigung dieses nationalen Lebens-
komplexes konzentrieren muß, ohne jemals zu wissen, woher, wie
und wann ein solcher Angriff kommen wird;
c) von verschiedenen Seiten mit einer großen Zahl von bewaffneten
Gruppen anzugreifen, die untereinander nur eine lose oder über-
haupt keine Verbindung aufweisen - mit dem Ziel, die Kräfte der
Regierung bei der Verfolgung einer fragmentarischen Organisation
auseinanderzureißen statt ihr die Möglichkeit zu bieten, ihren
Repressionsapparat auf die Zerschlagung einer geschlossenen Orga-
nisation auf nationaler Ebene zu konzentrieren;
d) Proben unserer Kampfbereitschaft, Entschlossenheit, Beharr-
lichkeit, Zielstrebigkeit und Ausdauer im Angriff gegen die Mili-
tärdiktatur zu geben, damit alle Unzufriedenen die Möglichkeit
sehen, unserem Beispiel folgend die Taktiken des Stadtguerilleros
anzuwenden; die Regierung verliert dadurch Zeit und Energien und
wird ständig in Atem gehalten, denn sie ist unfähig, die Gue-
rilla-Aktionen in der Stadt zu unterbinden und so gezwungen, vor
den Banken, Industrieanlagen, Waffenläden, Garnisonen, Gefängnis-
sen, öffentlichen Büros, Radio- und Fernsehstationen, nordameri-
kanischen Firmen, Gaswerken, Raffinerien, Schiffen, Flugzeugen,
Häfen, Flughäfen, Krankenhäusern, Blutbanken, Kaufhäusern, Gara-
gen, Botschaften, Wohnungen hoher Persönlichkeiten des Regimes
und der Minister und Generäle, Polizeistationen sowie anderen
Stationen der offiziellen Organe ihre Truppen zu postieren;
e) graduell die Aktivität der Stadtguerilla in einer unablässigen
Folge unvorhersehbarer Aktionen so zu verstärken, daß die Truppen
der Regierung das städtische Gebiet nicht zur Verfolgung der Gue-
rillas im Innern des Landes verlassen können, ohne die Gefahr un-
geschützter Städte und wachsender Rebellion im Küstengebiet und
im Innern auf sich zu nehmen;
f) durch einen ständigen Alarmzustand und eine wachsende nervli-
che Spannung in Erwartung eines Angriffs bzw. bei der Suche nach
Spuren, die wie Rauch verschwinden, dem Heer und der Polizei,
eingeschlossen die Kommandanten und untergeordneten Führer, den
relativen Komfort und die relative Ruhe der Garnisonen und Routi-
nefreizeiten nicht genießen zu lassen;
g) offene Kämpfe und entscheidende Schlachten mit der Regierung
zu vermeiden, indem wir uns auf kurze und schnelle Angriffe be-
schränken und dabei blitzartig Erfolge erzielen;
h) dem Stadtguerillero eine maximale Bewegungsfreiheit zu ver-
schaffen, ohne daß wir dabei jemals auf die Anwendung bewaffneter
Gewalt verzichten, weiter mit Entschlossenheit an der Entfaltung
der Guerilla auf dem Land zu arbeiten und sie bei der Bildung ei-
nes nationalen Befreiungsheeres zu unterstützen;
Über Arten und Natur der Aktionsformen des Stadtguerilleros
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Damit er die vorher aufgezählten Ziele erreichen kann, ist der
Stadtguerillero gezwungen, Aktionsarten verschiedenster Natur und
möglichst vielseitiger Art anzuwenden. Es ist nicht Sache der
willkürlichen Entscheidung, ob zu dieser oder jener Art der Ak-
tion gegriffen wird. Einige der Aktionen sind einfach, andere
sind komplizierter. Der unerfahrene Stadtguerillero muß bei Ak-
tionen und Operationen eingesetzt werden, die zunächst einfach
sind und dann immer schwieriger werden. Er beginnt mit kleinen
Missionen und Aufgaben und wird nach und nach zu einem erfahrenen
und vollkommenen Stadtguerillero.
Vor dem Beginn jeder Aktion hat der Stadtguerillero an die Mittel
und die Mannschaft zu denken, die er für die Durchführung benö-
tigt. Operationen und Aktionen, deren Ausführung einer techni-
schen Vorbereitung bedürfen, können niemandem übertragen werden,
dem diese Vorbereitung fehlt. Wenn dies beachtet wird, können wir
die folgenden Aktionsarten des Stadtguerilleros aufzählen: a)
Überfälle, b) Eindringen in feindliche Objekte c) Besetzungen, d)
Hinterhalte, e) Straßentaktiken, f) Streiks und Arbeitsunterbre-
chungen, g) Desertionen, Waffenumleitung, Fang und Enteignung von
Waffen, Munition und Explosiwvaffen, h) Befreiung von Gefangenen,
i) Hinrichtungen, j) Entführungen, k) Sabotage, 1) Terrorismus,
m) bewaffnete Propaganda, n) Nervenkrieg.
Überfälle
---------
Der Überfall ist ein bewaffneter Angriff mit dem Ziel, Mittel zu
enteignen, Gefangene zu befreien, Explosivwaffen, Maschinenge-
wehre und andere Waffen und Munition zu erbeuten. Überfälle kön-
nen am hellichten Tag und in der Nacht durchgeführt werden; am
Tag jene, deren Ziel zu anderen Zeitpunkten nicht erreicht werden
kann, wie z.B. bei Geldtransporten der Banken, die nachts nicht
stattfinden. Nachtüberfälle können bei anderen Objekten für den
Stadtguerillero vorteilhafter sein. Der Überfall bei Nacht ist
ideal, da das Überraschungsmoment stärker zur Wirkung kommt und
die Dunkelheit bei der Flucht und der Tarnung hilft. Der Stadt-
guerillero muß dennoch darauf vorbereitet sein, in jeder Situa-
tion bei Tag und bei Nacht zu handeln. Bei folgenden Objekten
führen überfalle am ehesten zum Erfolg: a) Kreditinstitute, b)
Handels- und Industrieunternehmen, einschließlich der Waffen- und
Sprengstofflager, c) Militäranlagen, d) Polizeistationen, e) Ge-
fängnisse, f) Regierungsgebäude, g) Anlagen der Massenkommunika-
tionsmittel, h) nordamerikanische Firmen und ihr Eigentum, i)
Fahrzeuge der Regierung, des Militärs, der Polizei, und zwar auch
Lastwagen, gepanzerte Fahrzeuge, Geldtransporte, Züge, Schiffe
und Flugzeuge. Überfälle auf Gebäude sind immer gleicher Natur,
da wir uns vor Anlagen befinden, die feste Angriffsziele bieten.
Solche Überfälle werden als Guerilla-Operationen geplant und den
Erfordernissen entsprechend vorbereitet, je nach dem, ob es sich
um Banken, Handelshäuser, Industrieanlagen, Polizeistationen, Ge-
fängnisse, Radiostationen, Kaufhäuser von Imperialisten usw. han-
delt. Überfälle auf Fahrzeuge, Geldtransporte, gepanzerte Fahr-
zeuge, Züge, Schiffe, Flugzeuge sind wegen der beweglichen Ziele
anderer Natur. Die Natur der Operation hat sich der jeweiligen
Situation und Gegebenheit anzupassen, d.h., je nachdem, ob der
Überfall einem fahrenden oder einem stationären Objekt gilt. Ge-
panzerte Fahrzeuge, auch die des Militärs sind durch Minen ver-
wundbar. Hindernisse auf den Wegen, Hinterhalte, Fallen, Aufhal-
ten durch andere Fahrzeuge, Molotowcocktails, Einsatz schwerer
Waffen - das alles sind wirksame Mittel bei überfallen auf Fahr-
zeuge. Schwere Fahrzeuge, Flugzeuge am Boden und Schiffe vor An-
ker können übernommen, die Besatzung und die Wachen überrumpelt
werden. Flugzeuge in der Luft können zur Kursänderung gezwungen
werden, sowohl durch Gruppen- als auch durch Einzelaktionen.
Schiffe und Züge in Fahrt können Gegenstand von Guerilla-Opera-
tionen werden, um uns der Waffen und der Munition zu bemächtigen
oder den Transport von Truppen zu verhindern.
Der Banküberfall, populärste Art des Überfalls
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Banküberfälle sind zu der populärsten Art von Überfällen gewor-
den. In Brasilien hat die Stadtguerilla damit begonnen, den Bank-
überfällen als einer ihrer Operationen organisierten Charakter zu
verleihen. Diese Überfallart wird heute weitestgehend benutzt und
dient dem Stadtguerillero als eine Art Vorexamen, in dem die
Technik des revolutionären Krieges erlernt werden kann. Die Tech-
nik des Banküberfalles hat inzwischen bedeutende Verbesserungen
erfahren, durch die Flucht, Erbeutung des Geldes und unerkanntes
Entkommen garantiert werden. Dazu hat insbesondere beigetragen
die Zerstörung der Fahrzeugreifen, um die Verfolgung zu verhin-
dern; die Personen in die Toilettenbank einsperren oder sie zwin-
gen, sich auf den Boden zu setzen, die Bankwachen fesseln und
entwaffnen, sie zwingen, Geldkassetten und Panzerschränke zu öff-
nen, die Benutzung von Verkleidungen auf unserer Seite.
Versuche, Alarmanlagen in den Banken zu installieren, sie mit Wa-
chen und nordamerikanischen elektronischen Geräten auszurüsten,
führen zu keinem Erfolg, wenn es ein politischer Überfall ist und
dieser entsprechend der Taktik des Stadtguerilleros ausgeführt
wird. Dieser versucht, mit neuen Mitteln die taktischen Verbesse-
rungen des Feindes aufzuheben und ihnen zu begegnen. Diese Tech-
nik wendet eine täglich wachsende, arglistiger werdende und mehr
wagende Feuerkraft an und setzt jedesmal eine größere Anzahl von
Revolutionären ein. Dadurch wird der Erfolg von bis ins letzte
Detail geplanten Aktionen gesichert.
Der Banküberfall ist eine typische Enteignungsaktion, bei der -
wie bei jeder bewaffneten Enteignungsaktion - der Revolutionär
mit einer doppelten Konkurrenz zu rechnen hat: a) die des
'Marginale', b) die des rechten Konterrevolutionärs. Diese Kon-
kurrenz ist ein Faktor, der das Volk verunsichert. Um dies zu
verhindern, muß der Stadtguerillero zwei Dinge beachten:
a) Er muß auf die Technik der 'Marginales' verzichten, d.h., er
darf nicht unnötige Gewalt anwenden und die Güter und Sachen des
Volkes nicht antasten.
b) Der Überfall muß schon während der Ausführung als Mittel der
Propaganda genutzt werden, und zwar durch das Verteilen von Rund-
schreiben und Briefen, die über Ziele und Zwecke der Aktionen des
Stadtguerilleros und den Sinn der Enteignung aufklären.
Eindringen in feindliche Objekte
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Dieses Eindringen ist eine Art von schnellen Angriffen auf Anla-
gen in Vororten und auch im Stadtzentrum, auf kleinere militäri-
sche Stationen, Polizeistationen, Krankenhäuser usw. mit dem
Ziel, Schaden anzurichten, Waffen zu erbeuten, den Feind zu ter-
rorisieren, Repressalien auszuüben oder verwundete, gefangene und
unter Polizeiaufsicht stehende Personen zu befreien. Diese Aktion
wird auch mit dem Ziel durchgeführt, in Garagen und Depots Fahr-
zeuge und Anlagen zu zerstören, vorwiegend die der nordamerikani-
schen Firmen. Sie ist ebenso auf Autobahnen und Landstraßen in
entfernten Gebieten sinnvoll, um den Feind zu kostspieligen
Bewegungen zu zwingen, die für ihn völlig nutzlos sind, da er
dort niemanden mehr finden wird, den er bekämpfen könnte. Wird
sie gegen bestimmte Wohnungen, Büros, Archive und öffentliche Bü-
ros angewendet, so dient sie der Entwendung geheimer Dokumente
und Papiere zur Aufdeckung von Betrügereien, Abmachungen und der
Korruption der Regierungsbeamten sowie, um ihre schmutzigen Ge-
schäfte und kriminellen Transaktionen mit Nordamerikanern nach-
weisen zu können. Erfolgversprechend ist ein Eindringen in feind-
liche Objekte bei Nacht.
Besetzungen
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Besetzungen werden als Angriffsart von den Stadtguerilleros
durchgeführt und angewandt, um bestimmte Anlagen und Orte zur
Durchführung einer Propagandaaktion in die Hand zu bekommen. Dem
Feind wird dabei nur für die Zeit der Besetzung Widerstand gelei-
stet. Fabriken und Schulen werden bei Streiks und in anderen Si-
tuationen besetzt, um zu protestieren oder die Aufmerksamkeit des
Feindes von anderen Aktionen abzulenken. Rundfunkstationen werden
zum Zwecke der Propaganda besetzt. Die Besetzung hat als Aktion
große Bedeutung; damit aber in unseren Reihen keine persönlichen
und materiellen Verluste auftreten, ist stets eine Rückzugsmög-
lichkeit offenzuhalten, die entsprechend zu planen und im gegebe-
nen Augenblick durchzuführen ist. Besetzungen haben immer nur
vorübergehenden Charakter, je überraschender sie erfolgen, desto
besser sind sie.
Der Hinterhalt
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Beim Hinterhalt, einem typischen Überraschungsangriff, wird der
Feind, während er eine Landstraße überquert, bei einer Polizei-
razzia oder beim Umzingeln eines Hauses oder größeren Grundstüc-
kes überfallen. Der Feind kann mittels einer falschen Nachricht
in eine Falle gelockt und so in den Hinterhalt geraten.
Sein wichtigstes Ziel ist die Erbeutung von Waffen und die Ver-
nichtung des Feindes, doch können in einem organisierten Hinter-
halt auch Personenzüge zu Zwecken der Propaganda angehalten wer-
den; handelt es sich aber um einen Truppentransportzug, so sind
die Truppen zu vernichten und ihre Waffen zu erbeuten. Der zum
Heckenschützen ausgebildete Stadtguerillero ist für diese
Kampfesart besonders geeignet, da er sich in den Geländeuneben-
heiten, auf Dächern, Baugelände und in Zimmerfluchten leicht ver-
stecken und von dort das ausgesuchte Zielobjekt sicher treffen
kann. Im Hinterhalt werden dem Feind schwere Schäden zugefügt, er
wird entnervt, verunsichert und verängstigt.
Die Straßentaktik
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Straßentaktiken werden angewandt, um die Massen in Straßenkämpfe
mit dem Feind mit hineinzuziehen. 1968 haben brasilianische Stu-
denten solche Taktiken hervorragend gegen Truppen und Polizei
eingesetzt, z.B., als die Demonstranten entgegengesetzt der Ver-
kehrsrichtung liefen und gegen die Kavallerie Schleudern und
Murmeln als Waffen benutzten. Andere Straßentaktiken bestehen
darin, Barrikaden zu bauen, Pflastersteine aus der Straße zu rei-
ßen und mit ihnen die Polizei bewerfen, Gegenstände wie Flaschen,
Ziegelsteine, Mülleimer und ähnliche Projektile aus Fenstern von
Gebäuden und Büros auf die Polizei werfen. Im Bau befindliche Ge-
bäude können für die Flucht, als Versteck und als Stützpunkt für
Überraschungsangriffe benutzt werden.
Wir müssen den Taktiken des Feindes antworten können. Schützt die
Polizei sich mit Schildern gegen Wurfgeschosse, dann müssen wir
in zwei Gruppen, eine von vorn und eine von hinten, angreifen.
Tritt eine von beiden dann in Aktion, hat sich die andere zurück-
zuziehen, damit sie nicht selbst getroffen wird. Ebenso wichtig
ist es, der Einkreisung durch die Polizei zu begegnen. Sind ei-
nige Polizisten beauftragt, in die Menge einzudringen, um Demon-
stranten zu verhaften, müssen sie von einer größeren Gruppe
Stadtguerilleros umzingelt, entwaffnet und bestraft werden;
gleichzeitig erhält der zu Verhaftende Zeit zur Flucht. Diese
Operation der Stadtguerilleros nennen wir U m z i n g e l u n g
i n n e r h a l b d e r U m z i n g e l u n g.
Wenn die Polizei Lehranstalten, Fabriken, Versammlungsorte und
andere Punkte umstellt, darf sich der Guerillero nicht überra-
schen lassen und sich nicht ergeben. Der Feind ist hierbei darauf
angewiesen, Polizisten in Privatfahrzeugen zu transportieren und
auf den Straßen strategisch wichtige Punkte einzunehmen, um in
das Gebäude oder das Lokal einzudringen. Ein Stadtguerillero darf
aber niemals ein Gebäude oder Lokal betreten oder sich dort mit
anderen treffen, ohne vorher zu wissen, wie der Fluchtweg aus-
sieht, wie der Umzingelung zu entkommen ist, welche strategisch
wichtigen Punkte von der Polizei besetzt werden können, und wel-
che Wege unweigerlich in einer Umzingelung enden; er muß andere
strategisch wichtige Punkte besetzen können, von denen aus er den
Feind schlagen kann. Wege und Parkplätze, die von der Polizei be-
nutzt werden müssen, sind zu verminen, damit die Fahrzeuge in die
Luft gesprengt werden. Den Polizisten müssen verlustreiche Fallen
gestellt werden, in denen sie Opfer eines Hinterhaltes sind. Die
Einkreisung muß durch Fluchtwege umgangen werden können, die der
Polizei unbekannt sind. Die alles umfassende Planung des Rückzu-
ges ist die beste Garantie, um Einkreisungsversuche des Feindes
zu verhindern. An Orten, die nicht den Bedingungen des Fluchtpla-
nes entsprechen, müssen Versammlungen und Zusammenkünfte vermie-
den werden, da der vom Feind versuchten Umzingelung vielleicht
nicht zu entkommen ist.
Bei diesen Straßentaktiken hat sich der Typ eines neuen Stadtgue-
rilleros herausgebildet, der an Massendemonstrationen teilnimmt
und ihn nennen wir den demonstrierenden Stadtguerillero. Er nimmt
an Märschen und anderen Demonstrationsarten des Volkes mit spezi-
fischen und genau definierten Aufgaben teil. Diese bestehen
darin, Steine und andere Projektile zu werfen, mit Benzin Feuer
zu legen, auf Polizisten zu schießen und ihre Waffen zu erbeuten,
Agenten des Feindes und Provokateure zu entführen, daneben mit
absoluter Treffsicherheit auf Häscher, Folterknechte und Polizei-
chefs, die, um nicht erkannt zu werden, in Privatwagen mit
falschen Nummern fahren, zu schießen. Er hat weiter die Taktik
der Umzingelung in der Umzingelung anzuwenden, Regierungsund Po-
lizeifahrzeuge nach Waffen und Geld zu durchsuchen und solche
Dinge sich anzueignen, die Fahrzeuge umzustürzen und anzuzünden.
Heckenschützen üben in Zusammenarbeit mit den demonstrierenden
Stadtguerilleros eine wichtige Funktion aus. An strategisch wich-
tigen Punkten versteckt, setzen sie den Feind mit Jagdgewehren,
Maschinengewehren usw. außer Gefecht.
Streiks und Arbeitsunterbrechungen:
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Der Streik als Aktionsform wird vom Stadtguerillero in Arbeits-
und Lehranstalten angewandt, um durch Arbeits- und Studienunter-
brechungen den Feind zu schädigen. Der Streik ist eine der ge-
furchtesten Waffen der Ausgebeuteten und Unterdrückten und daher
wendet der Feind gegen sie eine große Feuerkraft und abscheuliche
Gewalttaten an. Streikende werden in Gefängnisse gesteckt, brutal
mißhandelt und oftmals ermordet. Ein Streik ist so vorzubereiten,
daß niemals Spuren die Führer dieser Aktion verraten können. Er
ist dann am erfolgreichsten, wenn er über kleine Gruppen organi-
siert wird, die darauf achten, ihn geheim und mit größter Vor-
sicht vorzubereiten. Waffen, Munition, Molotowcocktails, Eigen-
bauwaffen - das alles muß vorhanden sein, bevor dem Feind entge-
gengetreten werden kann. Eine gleichzeitig durchgeführte, gut ge-
plante Sabotageaktion richtet überall großen Schaden an, der dem
Feind aber auch schon durch kurze Arbeits- und Studienunterbre-
chung zugefügt wird. Dabei genügt es, an verschiedenen Ortsteilen
gleichzeitig aufzutreten, das tägliche Leben zu stören und nach
Guerillataktik ständig die Standorte zu wechseln. Bei Streiks und
einfachen Arbeitsunterbrechungen kann der Stadtguerillero Lokale
besetzen oder in sie eindringen. Dabei kann er Geiseln fangen und
feindliche Agenten entführen, die gegen verhaftete Streikende
ausgetauscht werden können. Streiks und Arbeitsunterbrechungen
dienen auch der Vorbereitung von Fallen und Hinterhalten, in
denen Polizisten physisch beseitigt werden, die wegen ihrer grau-
samen Foltermethoden bekannt sind. Wichtig ist, daß dem Feind ma-
terielle und moralische Schäden zugefügt werden und er sich da-
durch abnutzt.
Desertion, Waffenumleitung, Fang und Enteignung
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von Waffen, Munition und Sprengstoffen
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Desertion und Waffenumleitung werden gegenwärtig in Kasernen, Mi-
litärkrankenhäusern, auf Schiffen usw. praktisch durchgeführt.
Ein Stadtguerillero, der gleichzeitig Militärangehöriger ist, muß
im geeigneten Augenblick desertieren und dabei moderne Waffen und
Munition mitnehmen, die der brasilianischen Revolution zur Verfü-
gung gestellt werden. Ein solcher Augenblick ist gegeben, wenn er
einen Guerillakameraden verfolgen und bekämpfen soll. Statt den
Befehlen der Gorillas zu folgen, schließt er sich den Revolutio-
nären an und übergibt ihnen die in den Kasernen vorgefundenen
Waffen und Munition. Diese Methode hat den Vorteil, daß die Revo-
lutionäre Waffen und Munition von Heer, Marine, Luftwaffe, Mili-
tärpolizei, Zivilpolizei oder Feuerwehr in die Hände bekommen -
und das noch mit den Transportmitteln der Regierung.
Der Militärguerillero muß stets auf alle möglichen Situationen in
den Kasernen gefaßt sein. Im Falle von Nachlässigkeit der Be-
fehlsstäbe, von bürokratischem und lässigem Dienst seitens des
untergeordneten und inneren Personals muß der Militärguerillero
sofort die Organisation in Kenntnis setzen und allein oder be-
gleitet desertieren. Dabei hat er alles mitzunehmen, was ihm in
die Hände fällt. Aufgrund der Information und Teilnahme durch den
Militärguerillero kann zwecks Waffenerbeutung in Kasernen und
militärische Anlagen eingedrungen werden. Wenn bei der Desertion
keine Möglichkeit vorhanden ist, Waffen und Munition mitzunehmen,
muß er durch Sabotage Waffen- und Munitionslager anzünden und zur
Explosion bringen. Diese Technik der Desertion unter Mitnahme von
Waffen und Munition, das Eindringen und die Sabotage in Kasernen
ist eine wirksame Methode, um die Gorillas zu verwirren, zu demo-
ralisieren und in Verzweiflung zu bringen.
Der Waffenfang wird vom Stadtguerillero durchgeführt, um sich der
Waffen zu bemächtigen, die vom Feind individuell mitgeführt wer-
den. Sie sind meist im Besitz von Wachen und Personen mit ähnli-
chen Aufgaben und werden durch Gewaltanwendung, eine Arglist oder
eine Falle erbeutet. Nach der Entwaffnung ist der Feind immer
gründlich nach weiteren Waffen zu durchsuchen, sonst wendet er
eine nicht gefundene Waffe gegen den Stadtguerillero an. Die Me-
thode des Waffenfanges ermöglicht es, uns die wichtigste Waffe
der Stadtguerilla, das Maschinengewehr, anzueignen. Die Ausbeute
kleinerer Aktionen kann für den persönlichen Gebrauch, die Be-
waffnung und Versorgung der Feuergruppen verwandt werden.
Wegen der unbedingten Notwendigkeit, den Stadtguerillero zu be-
waffnen, sind wir gezwungen, einzelne Waffen zu kaufen oder bei
Aktionen zu erbeuten. Unsere Kraft basiert auf unserer Entschlos-
senheit und Kühnheit und wird durch den Waffenbesitz multipli-
ziert. Bei Banküberfällen müssen die Waffen der Wachen, die aus
den Panzerschränken und die des Kassierers oder Bankdirektors
mitgenommen werden. Um weitere Waffen zu erhalten, können wir auf
die Taktik des Hinterhalts, in den Polizisten mit ihren Fahrzeu-
gen gelockt werden, zurückgreifen sowie in Polizeistationen ein-
dringen. Der Militärguerillero kann Waffen, Munition und Spreng-
stoff enteignen, indem er Waffengeschäfte, Industrien und Waffen-
fabriken überfällt.
Befreiung verhafteter Stadtguerilleros
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Verhaftete Stadtguerilleros werden durch eine bewaffnete Aktion
befreit. Die Gefahr einer Verhaftung und Verurteilung zu vielen
Jahren Zuchthaus ist beim täglichen Kampf gegen den Feind vorhan-
den. Das Gefängnis beendet aber nicht den revolutionären Kampf
des Guerilleros, er bereichert seine Erfahrung, die er auch in
seinem Kerker anwendet. Der verhaftete Stadtguerillero betrachtet
das Gefängnis als ein Gelände, das er zwecks einer befreienden
Guerillaoperation genau kennen muß. Auf keiner Insel und in kei-
ner Stadt gibt es ein Gefängnis, das nicht mit Kühnheit, Arglist
und Feuerkraft der Revolutionäre eingenommen werden könnte. Für
den freien Stadtguerillero ist das feindliche Zuchthaus ein Ter-
rain, in dem unvermeidlich bewaffnete Aktionen durchgeführt wer-
den müssen. Die Aktion der Gefangenenbefreiung ist gekennzeichnet
durch die Kombination: freier Stadtguerillero und verhafteter
Stadtguerillero. Zur Befreiung können die folgenden Guerillaope-
rationen durchgeführt werden:
a) Aufstände in den Zuchthausanstalten der sogenannten Rehabili-
tierungskolonien und -inseln sowie an Bord der Gefangenentrans-
porte;
b) Überfälle auf Stadt- und Landgefängnisse, Polizeistationen,
Gefangenenlager und andere Zuchthäuser, in denen sich die Gefan-
genen vorübergehend oder ständig aufhalten;
c) Überfälle auf Züge und andere Fahrzeuge, die dem Gefangenen-
transport dienen;
d) Eindringen "in Gebäude, in denen Gefangene festgehalten wer-
den;
e) Hinterhalte auf dem Weg der Gefangenentransporte."
Die Hinrichtung
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Durch die Hinrichtung werden nordamerikanische Spione, Agenten
der Diktatur, Polizisten, die wegen ihrer Foltermethoden bekannt
sind, faschistische Persönlichkeiten der Regierung, die Patrioten
verfolgt und ermordet haben oder daran beteiligt waren, Verräter,
Polizeiinformanten und -provokateure getötet. Alle, die aus ei-
genem Antrieb bei der Polizei Guerilleros anklagen, denunzieren
oder Hinweise geben, die zur Erkennung von Guerilleros führen,
müssen vom Stadtguerillero hingerichtet werden, sobald sie in
seinen Händen sind. An der immer geheimen Aktion einer Hinrich-
tung nehmen nur die unbedingt notwendigen Stadtguerilleros teil.
Oft genügt ein einziger Heckenschütze, der einsam und unbekannt,
aber geduldig und kaltblütig im Untergrund wartet und handelt.
Die Entführung
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Bei der Entführung werden Polizeiagenten, nordamerikanische
Spione, politische Persönlichkeiten und notorische und gefährli-
che Feinde der revolutionären Bewegung gefangengenommen, an einen
geheimen Ort gebracht und bewacht. Ziel ist, sie gegen gefangene
revolutionäre Kameraden auszutauschen oder deren Folterungen in
den Kerkern der Militärdiktatur ein Ende zu setzen. Die Entfüh-
rung bekannter, aber unpolitischer Persönlichkeiten des künstle-
rischen Lebens, des Sports und anderer Berufe kann der Propaganda
für die patriotischen und revolutionären Ziele des Stadtguerille-
ros dienen, jedoch hat sie unter besonderen Umständen zu erfolgen
und muß vom Volk begriffen und verstanden und gut aufgenommen
werden. Die Entführung von Nordamerikanern. die hier wohnen oder
sich zu Besuch aufhalten, stellt einen Protest gegen das imperia-
listische Eindringen und Beherrschen unseres Landes durch die
Vereinigten Staaten dar.
Die Sabotage
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Die Sabotage hat einen zerstörenden Charakter und kann von weni-
gen Personen, manchmal von einer einzigen, durchgeführt werden.
Die erste Phase beim Übergang zur Sabotage ist die isolierte Sa-
botage, der die Phase der verallgemeinerten, vom Volk ausgeführ-
ten Sabotage folgt. Soll sie erfolgreich sein, so erfordert sie
ein genaues Studium, eine detaillierte Planung und eine sehr
sorgfältige Ausführung. Charakteristische Formen der Sabotage
sind Dynamitexplosionen, Brände und Verminungen. Etwas Sand im
Getriebe, kleine Lecks im Kraftstofftank, falsche Ölung,
entfernte Schrauben, Kurzschlüsse, Holz- und Eisenstücke können
nicht zu reparierende Schäden anrichten.
Durch die Sabotage werden lebenswichtige Anlagen des Feindes be-
schädigt, zerstört und unbrauchbar gemacht. Zielobjekte können
sein:
a) die Wirtschaft des Landes;
b) die landwirtschaftliche oder industrielle Produktion;
c) das Transport- und Kommunikationssystem;
d) das Militär- und Polizeisystem einschließlich der Anlagen und
Lager;
e) das Unterdrückungssystem von Militär und Polizei;
f) Unternehmen und Besitz der Nordamerikaner, die sich im Land
befinden.
Der Stadtguerillero muß die Wirtschaft des Landes vor allem unter
dem finanziellen Aspekt schädigen, dabei u.a. das innere und äu-
ßere Handelsnetz, Banksystem, das Devisengeschäft, die Steuerein-
nahme. Leichte Sabotageobjekte sind öffentliche Büros, Dienstlei-
stungsbetriebe und Lager der Regierung. Wenn der Guerillero gut
über die lokale Situation informiert ist, kann die landwirt-
schaftliche und industrielle Produktion vor seinen Sabotageaktio-
nen nicht geschützt werden. Stadtguerilleros erfüllen als Indu-
striearbeiter hervorragend die Bedingungen der Sabotage. Sie sind
es, die im Gegensatz zu einem nicht Eingeweihten genau wissen,
welche Industrieanlagen, Maschinen und Maschinenteile zu zerstö-
ren sind, um einen ganzen Wirtschaftszweig lahmzulegen. Das
Transport- und Kommunikationssystem des Feindes angefangen beim
Eisenbahnnetz, ist systematisch zu sabotieren. Doch dürfen dabei
keine Passagiere getötet werden, vor allem nicht bei den Stadt-
und den Landzügen. Die großen Sabotageziele sind Lastwagen und
das übrige fahrende und stehende Material, um Militärtransporte
zu verhindern. Dazu können Schienen und Schwellen beschädigt oder
entfernt werden, durch Explosionen verschüttete Tunneleingänge
der Eisenbahn sowie durch entgleiste Wagen blockierte Tunnel ver-
ursachen große Schäden. Durch die Entgleisung eines Zuges, der
Kraftstoff transportiert, wird der Feind an einer wunden Stelle
getroffen. Das gleiche erreicht man mit gesprengten Brücken. We-
gen Größe und Gewicht des rollenden Materials dauert die Wieder-
herstellung Monate. Landstraßen können mit umgestürzten Bäumen,
quergestellten Fahrzeugen, Gräben, durch Explosionen gelockerte
Sockel, und zerstörte Brücken blockiert werden. Schiffe können an
Ankerplätzen der Küsten- und Binnenhäfen und in den Docks beschä-
digt werden. Flugzeuge können auf dem Boden durch Sabotage zer-
stört werden. Telefonleitungen können systematisch durch Umlegen
der Stangen und Beschädigen der Kabel unbrauchbar gemacht werden.
Transport- und Kommunikationsmittel müssen von jetzt an sabotiert
werden, denn der revolutionäre Krieg hat in Brasilien schon be-
gonnen, und der Feind muß daran gehindert werden, Truppen, Waffen
und Munition frei zu bewegen.
Ölleitungen, Kraftstofftanks, Bomben- und Munitionslager, Pulver-
magazine und Arsenale, Kasernen und Polizeistationen müssen zu
den beispielgebenden Sabotageobjekten werden; Fahrzeuge der Poli-
zei und des Militärs, vor allem Lastwagen, müssen überall dort,
wo sie vorgefunden werden, zerstört werden. Die polizeilichen und
militärischen Unterdrückungszentren sowie deren spezifische Or-
gane sind vom sabotierenden Stadtguerillero genau und sehr auf-
merksam zu beobachten. Unternehmen und Besitztümer der Nordameri-
kaner müssen mit einer Aktivität sabotiert werden, die die Aktio-
nen gegen die anderen lebenswichtigen Punkte des Feindes weit
übertrifft.
Der Terrorismus
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Bei der Ausübung des Terrorismus werden Bomben und andere Spreng-
körper dort zur Zündung gebracht, wo ihre Wirkung nicht mehr
gutzumachende Schäden anrichtet. Der Terrorismus erfordert vom
Stadtguerillero theoretische und praktische Vorkenntnisse bei der
Herstellung von Sprengkörpern. Obwohl er scheinbar leicht durch-
zuführen ist, unterscheidet er sich nicht von den übrigen Aktio-
nen, deren Erfolg von der genauen Planung abhängt. Während der
Aktion muß sich der Stadtguerillero außerordentlich kaltblütig,
ruhig und entschlossen verhalten. Wird der Terrorismus zunächst
mit Bomben und Explosionen in Verbindung gebracht, so kann den-
noch auch die Hinrichtung und die Brandstiftung in Anlagen, Be-
sitz und Lagern der nordamerikanischen Firmen usw. eine seiner
Formen sein. Die Wichtigkeit von Bränden, der Herstellung von
Brandbomben und der Benutzung von Kraftstoff für die revolutio-
näre Technik des Terrorismus muß betont werden. Ein weiterer
wichtiger Punkt sind Plünderungen, zu denen der Stadtguerillero
die durch die Gewinnsucht der großen Händler verarmten und in Not
geratenen Massen verleiten kann.
Auf den Terrorismus als Waffen kann der Revolutionär niemals ver-
zichten.
Die bewaffnete Propaganda
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Jede einzelne und die Gesamtheit der bewaffneten Aktionen des
Stadtguerilleros sind Formen der bewaffneten Propaganda. Die Be-
richterstattung über die mit genau festgelegten Zielen durchge-
führten Aktionen in den Massenkommunikationsmitteln wird unwei-
gerlich zur Propaganda, wie auch Banküberfälle, Hinterhalte, De-
sertionen, Waffenumleitungen, Gefangenenbefreiung, Hinrichtungen,
Entführungen, Sabotage, Terrorismus und der Nervenkrieg. Flug-
zeugentführung und überfallene und unter Kontrolle gebrachte
Schiffe können manchmal reine Propagandaaktionen der Revolutio-
näre sein.
Dennoch kann der Stadtguerillero nicht auf eine Untergrunddrucke-
rei, Vervielfältigungsmaschinen und ähnlichem zur Herstellung von
kleinen Untergrundzeitungen, Pamphleten, Flugblättern und anderem
Propagandamateriel gegen die Diktatur verzichten. Der als Drucker
arbeitende Stadtguerillero erleichtert in erheblichem Maße die
Einbeziehung von Teilen des Volkes in den revolutionären Kampf,
die nicht als revolutionärer Einzelkänpfer ihr Leben aufs Spiel
setzen, dennoch aber in der revolutionären Propaganda ständig
mitarbeiten wollen. Dem Erfindungsgeist des Stadtguerilleros ist
die Entwicklung von Katapulten, Mörsern und anderen Geräten über-
lassen, mit denen das Propagandamaterial aus entfernten Positio-
nen an bestimmte Orte geschleudert werden können. Andere Formen
der Propaganda sind Tonbandaufnahmen, Besetzungen von Radiosta-
tionen und Lautsprecherzentralen, Bemalen von Hauswänden und an-
deren, kaum zu erreichenden Flächen. Ihre Anwendung verlangt den
Charakter einer bewaffneten Aktion. Mit Briefen, die an bestimmte
Anschriften gerichtet sind und die Ziele der bewaffneten Aktionen
erklären, kann auf bestimmte Bevölkerungsgruppen Einfluß genommen
werden. Unsere Anstrengungen können jedoch nicht erreichen, daß
durch Propaganda für die Aktionen der Stadtguerilleros die Unter-
stützung aller gewonnen werden kann. Es genügt, durch die Popula-
risierung der folgenden Losung die Unterstützung eines Teils zu
gewinnen: "Wer nichts zugunsten der Revolutionäre unternehmen
will, soll nicht gegen sie arbeiten."
Der Nervenkrieg
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Der Nervenkrieg oder psychologische Krieg ist eine aggressive
Technik, bei der durch die Massenkommunikationsmittel und münd-
liche weitergegebene Nachrichten die Regierung demoralisiert wer-
den soll. Beim psychologischen Krieg ist die Regierung von vorn-
herein im Nachteil. Sie übt bei den Massenkommunikationsmitteln
die Zensur aus und befindet sich in der Defensive, wenn sie ver-
hindern will, daß eine für sie schädliche Nachricht die Zensur
umgeht. Diese Defensive läßt sie verzweifeln und widersprüchlich
werden. Sie verliert Ansehen, Zeit und Energien bei einer entner-
venden Kontrolle, die jederzeit durchbrochen werden kann. Ziel
des Nervenkrieges ist es, durch Lügen über Behörden falsche In-
formationen zu geben. Wenn dies die ganze Bevölkerung tut, wird
in der Regierung ein nervöser Zustand der Diskreditierung, der
Unsicherheit, der Ungewißheit und der Beunruhigung geschaffen.
Der Stadtguerillero kann im Nervenkrieg auf die folgenden Mittel
zurückgreifen:
a) über Telefon und Post an Polizei und Regierung falsche Hin-
weise über die Stadtguerilla geben, einschließlich der Bomben-
und Terrorismusdrohungen an öffentliche Büros und Lokale, Ent-
führungs- und Morddrohungen usw.; indem die Behörden diesen
falschen Informationen Glauben schenken, werden sie abgenutzt;
b) falsche Pläne in die Hände der Polizei kommen lassen, um sie
abzulenken;
c) durch Verbreitung von Gerüchten innerhalb der Regierung Unruhe
auslösen;
d) durch die verschiedensten Mittel die Irrtümer, Entgleisungen
und Korruptionen der Regierung ausbeuten, um sie zu zwingen,
durch Selbstdarstellungen und Berichtigungen in den Massenkommu-
nikationsmitteln sich selbst zu demaskieren;
e) bei ausländischen Botschaften, der UNO, dem apostolischen Nun-
tius, den internationalen Menschenrechts- und Pressefreiheitskom-
missionen Anklage zu erheben gegen jeden tatsächlichen Gewaltakt
und jede Verletzung internationaler Rechte, dabei klarstellen,
daß der revolutionäre Krieg fortschreiten und vor keinem Feind
des Volkes haltmachen wird;
Die Durchführungsmethode der Aktion
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Der Stadtguerillero, der seine Ausbildung durchlaufen hat und nun
zum Handeln übergeht, muß bei der Aktion der Durchführungsmethode
große Aufmerksamkeit widmen, ihm darf bei ihr kein Fehler unter-
laufen. Jede Nachlässigkeit bei der Erlernung und Anwendung der
Methode bedeutet ein sicheres Unheil, wie die tägliche Erfahrung
zeigt. Die 'marginales' machen wegen der von ihnen angewandten
Methode oft Fehler; der Stadtguerillero muß sich daher stets be-
mühen, die revolutionäre Technik und nicht die der Banditen anzu-
wenden. Es hat niemand den Namen Stadtguerillero verdient, der
die revolutionäre Handlungsmethode nicht kennt oder darauf ver-
zichtet, sie bei der Planung und Ausführung der Aktion genau zu
beachten. Den Riesen erkennt man an seinen Fingern. Gleiches kön-
nen wir vom Stadtguerillero sagen, den man von weitem durch die
korrekte Anwendung der Methode und die Zuverlässigkeit seiner
Mittel erkennen kann. Die revolutionäre Vorgehensweise bei der
Aktion verlangt zwangsläufig die obligatorische Aneignung und An-
wendung der folgenden Elemente:
a) Nachforschungen und Information; b) Beobachtung und Wachsam-
keit; c) Durchsuchung und Aufklärung des Gebietes; d) Studium und
Probemessung des geplanten Zeitablaufes; e) Planung;
f) Motorisierung; g) Auswahl und notfalls Ablösung des Personals;
h) Auswahl der Feuerkraft; i) Studium und Übung der Ausführung;
j) Ausübung; k) Deckung; l) Rückzug; m) Zerstreuung; n) Befrei-
ung; o) Beseitigung von Spuren; p) Rettung der Verwundeten.
Einige Bemerkungen über die Methode
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Wenn Aktionen nicht aufgrund von Informationen erfolgen, so kön-
nen Beobachtungen, Nachforschungen und Nachrichten von beob-
achtenden Leuten die Grundlage sein. Auch diese Methode zeigt
gute Ergebnisse. In allen Fällen ist es notwendig, die Objekte
sorgfältig zu überwachen, auch dann, wenn schon eindeutig Infor-
mationen vorliegen, die dann überprüft werden können. Aufklärung
und Erforschung des Geländes, Studium und Aufstellung von Zeit-
plänen sind sehr wichtig, ohne sie würde man gleichsam einen
Sprung in die Dunkelheit riskieren. Im allgemeinen wird die Be-
deutung der Motorisierung für die Durchführung von Aktionen un-
terschätzt und oft leichtsinnig an den Schluß der Vorbereitung
gestellt. Die Motorisierung muß ernsthaft bedacht und lange vor
Beginn der Aktion gesichert werden; sie erfordert eine rigorose
Planung und dies beginnt bereits mit den ersten Beobachtungen und
Überwachungen, damit sie mit Sorgfalt und Vorsicht durchgeführt
werden kann. Das Verbergen, Reparieren, Überprüfen und Umfrisie-
ren der enteigneten Fahrzeuge sind wesentliche Bestandteile der
Motorisierung. Gelingt sie nicht planmäßig, dann ist damit die
wichtigste Aktion gefährdet, was schwerwiegende materielle und
moralische Konsequenzen für den Stadtguerillero nach "sich zieht.
Bei der Auswahl des Personals ist sorgfältig darauf zu achten,
daß Unentschlossene und Schwankende nicht eingesetzt werden, denn
ihr Verhalten könnte sich auf die anderen Teilnehmer übertragen.
Der Rückzug ist mindestens ebenso wichtig wie die Operation an
sich. Das geht sogar so weit, daß er auch für einen möglichen
Fehlschlag geplant werden muß. Dabei ist zu verhindern, daß Ret-
tungsaktionen oder das Umsteigen auf bestimmte Fahrzeuge durch
die Mitnahme von Kindern oder auffälligen Dingen erschwert wer-
den. Es empfiehlt sich, Umsteigeaktionen mit größter Selbstver-
ständlichkeit durchzuführen, und zwar, an Stellen, an denen das
Gelände schwer eingesehen werden und durch sehr schmale Engpässe
das Begegnen mit anderen Fahrzeugen vermieden werden kann. Spu-
renbeseitigung ist eine zwangsläufige Notwendigkeit; dabei sind
vor allem Fingerabdrücke und andere für den Feind wichtige Hin-
weise zu beseitigen. Mangelhafte Spurenbeseitigung ruft in unse-
ren Reihen Nervosität hervor und ist oft vom Feind ausgenutzt
worden.
Die Rettung von Verwundeten
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Das Problem der Verwundeten in der Stadtguerilla verdient beson-
dere Beachtung. Während der Operationen der Stadtguerilla kann es
schon einmal vorkommen, daß einer unserer Kameraden von der Poli-
zei verwundet oder angeschossen wird. Wenn sich innerhalb einer
Feuergruppe ein Guerillero mit Kenntnissen in Erster Hilfe befin-
det, so kann dieser den Verwundeten sofort behandeln. Der verwun-
dete Stadtguerillero darf unter gar keinen Umständen am Kampfort
oder in Händen des Feindes zurückgelassen werden.
Wir müssen daher darauf achten, daß wir kleinere Kurse in Erster
Hilfe für Frauen und Männer durchführen, in denen der Stadtgue-
rillero die elementare Technik der Ersten Hilfe erlernt. Der
Stadtguerillero, der zugleich entweder Arzt oder Medizin-Student,
Krankenhelfer, Pharmazeut ist oder einfach sonst Kenntnisse über
Erste Hilfe besitzt, ist eine der Notwendigkeiten des modernen
revolutionären Kampfes. Von denen, die aufgrund ihrer Kenntnisse
dann in der Lage sind, ist ein Handbuch der Ersten Hilfe für den
Stadtguerillero zu verfassen, das dann in hektographierten Blät-
tern verteilt wird.
Bei der Planung und Ausführung der bewaffneten Aktion darf der
Stadtguerillero auf keinen Fall die Organisation der ärztlichen
Logistik vergessen. Dieses Problem kann durch ein bewegliches Po-
liklinikum gelöst werden, desgleichen kann eine ambulante Behand-
lungsstelle in einem Kraftfahrzeug von Nutzen sein. Eine andere
Lösung ist die, daß Kameraden und Kameradinnen, die Krankenhelfer
sind, in einem bestimmten Haus oder an einem bestimmten Ort mit
ihren Instrumenten warten und die Verwundeten dann dorthin zur
Behandlung gebracht werden. Das Ideale wäre, wenn wir eine gut
ausgerüstete Klinik besäßen - aber dies würde sehr viel Geld ko-
sten, es sei denn, wir könnten enteignetes Material verwenden.
Wenn die oben genannten Mittel nicht ausreichen, dann ist es oft
notwendig, auf legale Kliniken zurückzugreifen, und dafür müssen
eventuell die Waffen angewandt werden, um die Ärzte zu zwingen,
unsere Verwundeten zu behandeln. Für den Fall, daß auf Blutbanken
zurückgegriffen werden muß, um Blut oder Plasma zu kaufen, dürfen
keine richtigen Adressen und noch viel weniger, jene Adressen
hinterlassen werden, unter denen die Verwundeten, die sich in un-
serer Obhut befinden, tatsächlich gefunden werden können. Es dür-
fen auch niemals sonstige Adressen von Mitgliedern der Organisa-
tion, die sich bereits durch ihre Untergrundarbeit kompromittiert
haben, an die Krankenhäuser und Krankenanstalten gegeben werden,
in die wir unsere Verwundeten zur Pflege bringen. Diese Vor-
sichtsmaßnahmen sind unerläßlich, wenn wir auch die kleinste Spur
und den geringsten Hinweis beseitigen wollen.
Die Häuser, in denen die Verwundeten untergebracht werden, dürfen
niemandem bekannt sein mit Ausnahme der kleinsten Gruppe von Ka-
meraden, die die Aufgabe hat, sie zu verpflegen und zu transpor-
tieren. Laken, blutige Verbände, Arzneien und irgendein anderer
Hinweis auf die Behandlung, der im Kampf gegen die Polizei ver-
wundeten Kameraden müssen anschließend unbedingt von dem Ort, an
dem diese Kameraden ärztlich behandelt worden sind, weggeschafft
werden.
Die Sicherheit des Guerilleros
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Der Stadtguerillero lebt in ständiger Gefahr, weil immer die Mög-
lichkeit besteht, entdeckt oder angezeigt zu werden. Das wichtig-
ste Problem der Sicherheit ist, die Garantie zu haben, daß wir
gut versteckt und gut geschützt sind, und mit Sicherheit verhin-
dert werden kann, daß die Polizei bis zu unserem Unterkunftsort
oder unserem Aufenthaltsort kommt. Der schlimmste Feind des
Stadtguerillero und die größte Gefahr, der er ausgesetzt ist, ist
die Unterwanderung der Organisation durch Spione oder andere Per-
sonen, die der Polizei Hinweise über uns geben. Der Spion, der
innerhalb unserer Organisation gefaßt wird, muß mit dem Tod be-
straft werden. Das gleiche geschieht mit jenen, die desertieren
und der Polizei erzählen, was sie wissen.
Ein gutes Sicherheitssystem gibt das Bewußtsein, daß der Feind
keine Spione und Agenten innerhalb unserer Mitte hat und daß er
keine Informationen über uns erhalten kann, auch nicht auf indi-
rektestem und entferntestem Wege. Die wichtigste Maßnahme, um
dies sicherzustellen, ist die sorgfältige Prüfung von neuen Mit-
gliedern bei ihrer Aufnahme in die Organisation.
Es kann auch nicht zugelassen werden, daß sich alle gegenseitig
kennen und jeder alles weiß. Jeder darf nur das kennen, was sich
auf seine Arbeit bezieht. Diese Regel ist ein weiterer wesentli-
cher Punkt für die Sicherheit des Stadtguerilleros. Unser Kampf
gegen den Feind ist ein schwerer und schmerzlicher Kampf, denn es
handelt sich um einen Klassenkampf. Jeder Klassenkampf ist eine
Sache von Leben oder Tod, wenn die Klassen antagonistische Klas-
sen sind. Der Feind möchte uns vernichten und er sucht hartnäc-
kig, uns zu entdecken und uns niederzuschlagen, da unsere große
Waffe gegen ihn darin besteht, daß wir uns vor ihm verstecken und
ihn überraschend angreifen.
Besonders ärgerlich ist es, wenn ein Stadtguerillero sich aus
mangelnder Vorsicht selbst verrät oder sich durch fehlende Auf-
merksamkeit entdecken läßt. Es ist daher unzulässig, daß der
Stadtguerillero seine eigenen oder irgendeine andere Unter-
grundadresse dem Feind gibt oder daß er ganz allgemein zu viel
spricht. An den Rand von Zeitungen geschriebene Bemerkungen, ver-
gessene Dokumente, Visitenkarten, Briefe oder Geldscheine sind
Spuren, die die Polizei niemals verachten wird. Die Adressenbü-
cher und die Terminkalender, in denen Adressen und Telefonnummern
aufgeschrieben werden, müssen abgeschafft werden und es dürfen
keine Papiere geschrieben oder aufgehoben werden. Aufstellungen
von legalen oder illegalen Namen, biographische Hinweise, Stadt-
pläne, Straßen, Lagepläne oder Landkarten dürfen ebenfalls nicht
aufgehoben werden. Die Treffpunkte dürfen nicht aufgeschrieben,
sondern nur im Gedächtnis aufgehoben werden. Der Stadtguerillero,
der diese Normen nicht einhält, muß von dem ersten, der die Über-
tretung bemerkt, darauf hingewiesen werden und im Fall der Wie-
derholung ist die weitere Zusammenarbeit mit ihm zu meiden.
Die Notwendigkeit für den Stadtguerillero, sich ständig zu bewe-
gen, und zwar in relativer Nähe zur Polizei, da diese die Stadt
an strategischen Punkten umzingeln kann, bedingt die Einführung
von flexiblen Sicherheitsmaßnahmen, die von den Bewegungen des
Feindes abhängen. Hierzu ist es notwendig, ein tägliches Informa-
tionssystem über die beobachtbaren Bewegungen des Feindes zu be-
sitzen, also über plötzliche Razzien und Umzingelungen der Poli-
zei und über die Punkte und Engpässe, die von dieser kontrolliert
werden. Die tägliche Lektüre der Polizeiberichte in den Zeitungen
ist dafür eine optimale Informationsquelle. Das oberste Prinzip
für die Sicherheit des Guerilleros ist, daß wir unter keinen Um-
ständen auch nur die geringsten Anzeichen von Nachlässigkeit oder
Trägheit bei der Erfüllung der Sicherheitsmaßnahmen und der Wach-
samkeitsregeln zulassen dürfen. Die Sicherheitsmaßnahmen des
Stadtguerilleros müssen gerade auch im Fall einer Festnahme ein-
gehalten werden. Der verhaftete Guerillero darf der Polizei
nichts verraten, was die Organisation schädigen könnte. Er darf
nichts sagen, was die Festnahme von anderen Kameraden, die Ent-
deckung von Adressen und Verstecken, den Verlust von Waffen und
Munition usw. zur Folge haben könnte.
Die sieben Sünden des Stadtguerilleros
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Auch dann, wenn der Stadtguerillero mit großer Exaktheit die re-
volutionäre Technik anwendet und die Sicherheitsregeln genau er-
füllt, ist er nicht vor Fehlern gefeit. Es gibt keinen perfekten
Stadtguerillero. Das einzige, was getan werden kann, ist, sich zu
bemühen, den Spielraum der Fehler möglichst klein zu halten, denn
die Perfektion kann nicht erreicht werden. Ein Mittel, das wir
bei der Einengung des Fehlerspielraums anwenden können, besteht
darin, die sieben Sünden des Stadtguerilleros zu kennen und sie
zu bekämpfen. Die erste Sünde des Stadtguerilleros ist die Uner-
fahrenheit. Der Stadtguerillero, der diese Sünde begeht, glaubt,
daß der Feind dumm ist, unterschätzt seine Intelligenz, glaubt,
daß die Aktionen einfach durchzuführen sind und hinterläßt Spuren
mit katastrophalen Folgen. Infolge seiner Unerfahrenheit kann der
Stadtguerillero die Kräfte des Feindes auch überschätzen und ihn
daher für stärker halten, als er tatsächlich ist. Läßt er sich
von dieser Annahme irreleiten, dann kann er sich leicht ein-
schüchtern lassen und wird unsicher und unentschlossen, gelähmt
und ohne Initiative.
Die zweite Sünde des Stadtguerilleros ist die, mit den von ihm
ausgeführten Aktionen anzugeben und sie in alle vier Himmelsrich-
tungen auszuposaunen.
Die dritte Sünde des Stadtguerilleros ist die, daß ihm der Kamm
schwillt. Der Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, versucht
die Probleme der Revolution dadurch zu lösen, daß er Aktionen in
der Stadt auslöst, ohne sich dabei um den Beginn und das Überle-
ben der Guerillera auf dem Land zu kümmern. Von den erreichten
Erfolgen geblendet, organisiert er eine Aktion, die er für ent-
scheidend hält, und in der er alle Mittel und Kräfte der Organi-
sation aufs Spiel setzt. Da die Stadt ein Gebiet innerhalb der
strategischen Umzingelung durch die Kräfte der Repression ist,
die wir verhindern oder durchbrechen können, wenn die Landgue-
rilla noch nicht entfaltet oder für den Sieg stark genug ist,
dann wird der fatale Fehler begangen, der dem Feind den entschei-
denden Angriff auf uns erlauben wird.
Die vierte Sünde des Stadtguerillero ist es, seine eigenen Kräfte
zu überschätzen und daher Aktionen durchführen zu wollen, deren
Voraussetzungen er noch nicht erfüllen kann, da er noch nicht
über eine geeignete Infrastruktur verfügt.
Die fünfte Sünde des Stadtguerillero ist die Voreiligkeit. Der
Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, verliert die Geduld,
wird nervös, kann nicht abwarten und wirft sich daher stürmisch
in die Aktionen, in denen er notgedrungen unerwartete Rückschläge
erleiden muß.
Die sechste Sünde des Stadtguerilleros ist, den Feind dann an-
zugreifen, wenn dieser gerade besonders gereizt und wütend ist.
Die siebte Sünde des Stadtguerilleros besteht darin, die Aktionen
nicht genau zu planen und sich auf die Improvisation zu verlas-
sen.
Die Unterstützung des Volkes
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Es muß eine ständige Sorge des Stadtguerilleros sein, sich mit
der Sache des Volkes zu identifizieren, um dessen Unterstützung
zu gewinnen. Wo sich die Handlungsweise der Regierung als korrupt
entpuppt, darf der Stadtguerillero mit seinem Auftreten nicht zö-
gern, und er muß zeigen, daß er die Regierung bekämpft, um so die
Symphatien der Massen zu gewinnen. Die jetzige Regierung erlegt
dem Volk schwere finanzielle Forderungen auf und verlangt die
Zahlung von hohen Steuern. Der Stadtguerillero muß das System der
Steuereinziehung angreifen und die Aktivität der Finanzbehörden
behindern, indem er gegen sie das gesamte Gewicht der revolutio-
nären Gewalt richtet. Aber der Stadtguerillero wendet sich nicht
nur gegen die Steuern und das Einziehungssystem. Es ist genauso
wichtig, daß die revolutionäre Gewalt auch die für die Erhöhung
der Preise zuständigen Organe der Regierung, die für diese Organe
verantwortlichen Personen wie auch die reichsten in-und ausländi-
schen Händler und Grundstücksbesitzer erreicht; die Gewalt muß
also gegen alle angewendet werden, die riesige Gewinne aus der
Verteuerung der Lebenshaltung, durch die Hungerlöhne, durch die
Preiserhöhungen und durch die Mieterhöhungen scheffeln.
Die ausländischen Trust, wie z.B. die Besitzer von Kühlanlagen,
und die nordamerikanischen Unternehmen, die die Herstellung und
Verteilung der Nahrungsmittel monopolisieren, müssen vom Stadt-
guerillero systematisch angegriffen werden. Die Rebellion des
Stadtguerilleros und seine ständige Parteinahme in den Angelegen-
heiten des Volkes, sind die besten Mittel, die Unterstützung des
Volkes für unsere Sache zu gewinnen. Wir wiederholen und betonen
nochmals: e s i s t d i e b e s t e F o r m, d i e U n-
t e r s t ü t z u n g d e s V o l k e s z u g e w i n n e n.
Von dem Augenblick an, von dem ein angemessener Teil der
Bevölkerung ernsthaft an den Aktionen des Stadtguerilleros teil-
zunehmen beginnt, ist der Erfolg gesichert.
Für die Regierung gibt es keine andere Wahl als ihre Unterdrüc-
kungsmaßnahmen zu verstärken. Polizeirazzien, Hausdurchsuchungen,
Verhaftungen von Unschuldigen und Verdächtigen, Absperren von Au-
tobahnen und Landstraßen machen das Leben in der Stadt unerträg-
lich. Die Militärdiktatur beginnt eine massive politische Verfol-
gung. Die politischen Morde und der Polizeiterror werden zu einer
Routineerscheinung. Trotzdem scheitert die Polizei ständig. Die
Kräfte des Heeres, der Marine und der Luftwaffe werden mobili-
siert, um von nun ab die Polizeifunktionen zu übernehmen. Aber
dennoch gelingt es ihnen nicht, Spuren zu finden, die Operationen
der Stadtguerilleros zu unterbinden oder die revolutionäre Orga-
nisation zu zerschlagen, da diese in kleine Gruppen unterteilt
ist, die sich innerhalb des nationalen Gebietes ständig bewegen
und den Brand ständig weiter entfachen.
Das Volk weigert sich, mit den Behörden zu kollaborieren, und es
entsteht ein allgemeines Gefühl der Empörung über die Ungerech-
tigkeit der Regierung und ihre Unfähigkeit, den Schwierigkeiten
nicht mit anderen Mitteln beikommen zu können als dadurch, ihre
Opponenten physisch zu liquidieren. Die politische Situation des
Landes verwandelt sich in eine militärische, in der die Gorillas
sich immer mehr als die Verantwortlichen für die Fehlschläge und
für die Anwendung von Gewalt herauskristallisieren, während
gleichzeitig die Verschlechterung der Lebensbedingungen des Vol-
kes katastrophale Ausmaße annimmt.
Aber jetzt tauchen die Beschwichtiger auf, die es immer in den
herrschenden Klassen gibt, und die rechten Opportunisten, die für
den friedlichen Kampf sind. Sie sehen die Militärs und die Dikta-
tur am Rande des Abgrunds und fürchten nun die Folgen des revolu-
tionären Krieges, der sich dann schon auf einer entwickelten und
nicht mehr rückgängig zu machenden Stufe befindet. Hinter den Ku-
lissen beginnen sie mit ihren Machenschaften und bitten die Hen-
ker um Wahlen, um eine "Redemokratisierung", um Verfassungsre-
formen und andere Zutaten, die die Massen betrügen und den revo-
lutionären Kampf der Städte und des Landes bremsen sollen. Aber
das Volk hat jetzt seinen Blick auf die Revolutionäre gerichtet
und es versteht nun, daß es eine Farce ist, an Wahlen teilzuneh-
men, deren einziges Ziel ist, das Weiterleben der Militärjunta zu
garantieren und ihre Morde zu sanktionieren. Mit dem offenen An-
griff auf die Wahlfarce und die sogenannte "politische Öffnung",
die den Opportunisten so sehr gefällt, muß der Stadtguerillero
noch aggressiver und gewalttätiger werden, und unaufhörlich auf
Sabotage, Terrorismus, Enteignung, Überfälle, Entführungen, Hin-
richtungen usw. zurückgreifen. Dies vereitelt jeden Versuch, die
Massen durch die "Öffnung" des Kongresses und durch die Reorgani-
sierung von Parteien - der sowohl die Regierung als auch die Op-
position zustimmt - zu betrügen, zumal gerade das Parlament und
diese Parteien dazu berufen sind, nur im Rahmen von Gnade und Er-
laubnis der Militärdiktatur zu funktionieren, ein grandioses ge-
mischtes Spektakel aus Marionettentheater und dressierten Hunden.
Um das Volk zu gewinnen, muß der Stadtguerillero weiterkämpfen
und dabei die Interessen der Massen berücksichtigen; gleichzeitig
muß er die Umstände für die Regierung immer unerträglicher ma-
chen. Diese für die Diktatur auswegslose Situation erlaubt den
Revolutionären, die Guerilla auf dem Land zu entfalten, während
in der Stadt die Rebellion für die Gorillas immer weniger kon-
trollierbar wird. Der Stadtguerillero führt die revolutionäre Ak-
tion zugunsten des Volkes aus, sucht durch sie Massen für den
Kampf gegen die Militärdiktatur und für die Befreiung des Landes
vom Joch der USA zu gewinnen. Indem wir von der Stadt ausgehen
und die Unterstützung des Volkes dort gewinnen, wird die Stufe
der Landguerilla schnell erreicht und deren Infrastruktur sorg-
fältig aufgebaut, während in den Städten die Rebellion weiter-
geht.
Die Stadtguerilla, Auswahlschule des Guerilleros
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Die Revolution ist ein gesellschaftliches Ereignis, das von Men-
schen, Waffen und Material abhängt. Waffen und Material sind im
Lande vorhanden und können erbeutet werden, aber dazu ist man auf
Menschen angewiesen. Ohne sie haben weder Waffen noch irgendwel-
ches Material irgendeinen Sinn. Die Menschen müssen ihrerseits in
jedem Fall zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllen: a) sie müs-
sen eine politisch-revolutionäre Handlungsmotivation haben; b)
sie müssen eine geeignete technisch-revolutionäre Ausbildung be-
sitzen.
Wir finden Männer mit politisch-revolutionärer Handlungsmotiva-
tion im riesigen unverkennbaren Kontingent der Feinde der Dikta-
tur und der Herrschaft des US-Imperialismus überall im Land.
Diese Männer kommen fast täglich in die Stadtguerilla, und das
ist der Grund dafür, daß die Reaktion nicht mehr täglich die Ver-
nichtung der revolutionären Gruppen meldet, um am nächsten Tag
nicht erneut zugeben zu müssen, daß sie gegen sie kämpfen muß.
Die besttrainierten und erfahrensten Männer, die gleichzeitig an
der Stadt und an der Landguerilla teilnehmen, bilden das Rückgrat
des revolutionären Krieges und somit der brasilianischen Revolu-
tion. Aus diesem Rückgrat entwickelt sich der Kern des revolutio-
nären Heeres der Nationalen Befreiung, das aus der Guerilla her-
vorgeht.
Es ist dies ein innerer Kern, in dem Bürokraten und Opportuni-
sten, die sich in den Apparaten verstecken, leere Schwätzer und
Schreiberlinge von Resolutionen, die auf dem Papier bleiben, kei-
nen Platz finden. Dieser Kern besteht aus Kämpfern. Er besteht
aus den Männern und Frauen, die vom ersten Moment an zu allem
entschlossen und bereit waren, die persönlich an den revolutio-
nären Aktionen teilnehmen, die weder schwanken noch leere Worte
machen. Es ist ein geschulter und disziplinierter Kern, der eine
große strategische und taktische Übersicht besitzt, die sich auf
die Anwendung der marxistischen Theorie, der Theorie des Leninis-
mus und der Theorien von Castro und Che Guevara auf die konkreten
Verhältnisse der brasilianischen Realität gründet. Dieser Kern
führt die Rebellion durch die Etappe der Guerilla. Aus ihm werden
Männer und Frauen mit einer politisch-militärischen Bildung, die
von nun an eine unzertrennliche Einheit bildet, hervorgehen, und
sie werden in der Zukunft die Aufgabe übernehmen, nach dem Sieg
der Revolution den Aufbau der neuen brasilianischen Gesellschaft
zu führen.
Unter den Frauen und Männern, die die Stadtguerilla von nun an
auswählt, sind Arbeiter, 'campesinos', die die Stadt als Ar-
beitskräfte angezogen hat, und die sowohl in politischer als auch
technischer Hinsicht vorbereitet aufs Land zurückkehren, Studen-
ten, Intellektuelle und Geistliche. Dies ist das Material, mit
dem, ausgehend von der Stadtguerilla, die bewaffnete Allianz von
Arbeitern und Bauern, Studenten, Intellektuellen und Geistlichen
aufgebaut wird.
Die Arbeiter besitzen die notwendigen Kenntnisse über die indu-
strielle Sphäre, und sie sind daher für revolutionäre Aufgaben in
der Stadt optimal geeignet. Der Arbeiter-Stadtguerillero nimmt am
jetzigen Kampf durch die Herstellung von Waffen teil, durch die
Sabotage und die Vorbereitung von Sabotage- und Dynamitaktionen,
durch die persönliche Teilnahme an den bewaffneten Aktionen oder
durch die Organisierung von Streiks und Arbeitsniederlegungen mit
Anwendung von Gewalt auf der Seite der Massen in Fabriken, Werken
oder anderen Arbeitsstätten.
Die 'campesinos' besitzen eine hervorragende Intuition für das
Terrain, die Schlauheit, dem Feind zu begegnen und die Verfassung
und Einstellung, die notwendig ist, mit den Massen der Gedemütig-
ten zu kommunizieren. Der 'campesinos'-Guerillero nimmt schon an
unserem Kampf teil, und er ist es, der die Guerillaachsen dar-
stellt, der Stützpunkte auf dem Land errichtet, Verstecke für
Personen, Waffen und Munition sowie Nahrungsmittel ausfindig
macht, die Saat und die Einbringung von Getreide für den Bedarf
der Guerillas organisiert, der die Orte auswählt, an denen das
Vieh gezüchtet und die Reittiere ausgebildet und einsatzbereit
gemacht werden, der die Führer für die Guerilleros aus der Stadt
aussucht und der ein Informationssystem auf dem Land herstellt.
Die Studenten bringen schon von sich aus genügend politische
Schroffheit und Rohheit mit, um sämtliche Tabus zu zerstören.
Wenn sie sich der Stadtguerilla anschließen, wie es jetzt in
großem Maße der Fall ist, dann zeigen sie spezielles Talent für
die Ausübung der revolutionären Gewalt, und sie erreichen gewöhn-
lich einen hohen politisch-militärischen Ausbildungsstand. Die
Studenten verfügen über viel Freizeit, da sie systematisch durch
die Diktatur von ihren Schülern getrennt, zeitweilig oder ganz
relegiert werden, und diese Zeit kann in sehr vorteilhafter Weise
der Revolution zur Verfügung gestellt werden.
Die Intellektuellen stellen die zentrale Säule des Widerstandes
gegen die Willkür, gegen die gesellschaftliche Ungerechtigkeit
und gegen die unmenschliche Inkongruenz der Gorilladiktatur. Sie
geben der Revolution ständig neue Impulse und sie haben ein rie-
siges Kommunikationspotential und einen großen Einfluß auf das
Volk. Der intellektuelle Stadtguerillero oder der Künstler-Stadt-
guerillero sind die neuesten Bereicherungen des revolutionären
Krieges in Brasilien. Die Geistlichen, d.h., die Pfarrer und
Priester der verschiedensten Hierarchien und Konfessionen stellen
einen Sektor mit einer besonderen Kommunikationsfähigkeit zum
Volk dar, insbesondere zu den Arbeitern, den Bauern und den
Frauen. Der geistliche Stadtguerillero ist ein sehr aktives Mit-
glied des brasilianischen revolutionären Krieges und er stellt
eine mächtige Waffe im Kampf gegen die militärische Macht und die
Macht des nordamerikanischen Imperialismus dar. Die Teilnahme der
brasilianischen Frauen am revolutionären Krieg und hauptsächlich
ihre Teilnähme an der Stadtguerilla ist durch unübertreffliche
Kampfbereitschaft und Ausdauer gekennzeichnet, und daher ist es
nicht zufällig, warum so viele Frauen wegen ihrer Teilnahme an
Guerillaaktionen gegen Banken, Kasernen usw. angeklagt worden
sind, sich viele von ihnen in den Kerkern befinden und viele von
der Polizei gesucht werden.
Die Stadtguerilla ist eine Schule der Selektion, und sie bildet
sowohl Männer als auch Frauen aus - beide müssen in ihr die glei-
che Verantwortung und das gleiche Effizienzniveau erreichen; sie
müssen die gleichen Gefahren teilen, indem sie für die Versorgung
der Stadtguerilla sorgen, indem sie als Kuriere, als Kraftfahrer,
Matrosen oder Flugzeugführer agieren, indem sie geheime Informa-
tionen beschaffen, indem sie Propagandaarbeit leisten und an der
politischen Schulung teilnehmen.
l
Juni 1969
Carlos Marighella
_____
1) Marighella benutzt hier den Begriff 'marginales' im einge-
schränkten Sinne. Zunächst ist er nichts als eine klassifizie-
rende Bezeichnung für den in lateinamerikanischen Großstädten
vorfindbaren Typ des Lumpenproletariats, denen Soziologen den Na-
men 'marginale' gegeben haben, weil sie 'am Rande' der Gesell-
schaft und des 'Wirtschaftsprozesses' stehen, d.h., diesen nicht
'zugeordnet' werden können. (Übersetzer)
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