Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970


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       Dokumente und Materialien zum revolutionären Kampf in Brasilien
       
       Carlos Marighella
       

MINIHANDBUCH DES STADTGUERILLOS

Die Zeitschrift TRICONTINENTAL, theoretisches Organ des Exekutiv- sekretariats der Organisation der Solidarität der Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, veröffentlichte in ihrer Nummer 16 (Januar-Februar 1970) diese Arbeit über die Stadtguerilla in Bra- silien. Ihr Autor ist Carlos Marighella, der am 4. November 1969 in Sao Paulo von der Polizei ermordet wurde. Dieser Text wurde im Juni 1969 geschrieben und in ihm schildert Marighella die Erfah- rungen der Nationalen Befreiungsallianz (ALN), die diese in ihrem Kampf gegen die brasilianische Diktatur bis zu diesem Moment auf- zuweisen hatte. Marighella trat mit 18 Jahren in die Kommunistische Partei ein, die er knapp 40 Jahre später, nachdem er Mitglied der Exekutiv- kommission geworden war, verließ. Marighella war einer der bedeu- tendsten revolutionären Kämpfer des lateinamerikanischen Konti- nents. Seine theoretischen Fähigkeiten schlagen sich in Dokumen- ten wie dem Brief an die KP Brasiliens, in dem er den Austritt aus der Partei bekanntgibt, sowie in Büchern wie WESHALB ICH DEM HAFTBEFEHL WIDERSTAND, DIE BRASILIANISCHE KRISE, DER INTERNE KAMPF, ERKLÄRUNG DER KOMMUNISTISCHEN GRUPPIERUNG VON SAO PAULO usw. nieder. Mit einer unbeugsamen kämpferischen Hingabe nahm er nicht nur an vielen Aktionen der Stadtguerilla teil, sondern schrieb auch über sie. Seiner Hand entstammen "Operationen und Taktiken der Guerilla", dieses MINIHANDBUCH und andere Texte für die Praxis. Zu dem Zeit- punkt, als Marighella im Alter von 58 Jahren in einem Hinterhalt der Polizei erschossen wurde, war seine ganze Anstrengung darauf gerichtet, den revolutionären Krieg in Brasilien auf die zweite Stufe zu heben: den bewaffneten Kampf auf dem Lande. Sein MINI- HANDBUCH ist einer genaueren Betrachtung wert, da es aus dem Blickwinkel der besonderen brasilianischen Erfahrung eine Reihe von Informationen bietet, die allgemeine Gültigkeit für ganz La- teinamerika haben. Das MINIHANDBUCH erlaubt es, einen taktischen Aspekt des revolutionären Krieges kennenzulernen, der heute Län- der wie Brasilien, Uruguay und Guatemala erschüttert. Es ist ei- gentlich überflüssig, darauf zu verweisen, daß das MINIHANDBUCH dem politischen Kontext Brasiliens entspricht, einem Land also, in dem revolutionäre Kräfte gezwungen sind, wegen der faschisti- schen Diktatur den revolutionären Kampf in beschleunigter Form voranzutreiben. Als Einleitung -------------- Diese Arbeit möchte ich unseren Genossen Edson Souto, Marco Anto- nio Bras de Carvhalo, Nelson Jose de Almeida ('Escoteiro') und allen anderen heldenhaften Kämpfern und Stadtguerilleros widmen, die durch die Mörderhände der Militärpolizei, der Marine, der Luftwaffe und der DOPS (Abteilung für öffentliche und soziale Ordnung) fielen - jenen verhaßten Repressionsinstrumenten der Mi- litärdiktatur. Ferner möchte ich sie widmen, jenen mutigen Kame- raden und Kameradinnen, die in den mittelalterlichen Kerkern der brasilianischen Regierung verhaftet und dort Folterungen ausge- setzt sind, die in ihrer Grausamkeit denen der Nazipraktiken in nichts nachstehen. Es ist unsere Pflicht, genau das zu tun, was jene unsere Kamera- den, deren Andenken wir hochhalten, und jene, die im Kampf ver- haftet wurden, getan haben: nämlich zu kämpfen. Jeder Genosse, der gegen die Diktatur ist und gegen sie kämpfen will, kann ir- gendetwas tun, kann irgendeine Aufgabe übernehmen, selbst wenn sie noch so bedeutungslos scheint. An jene, die dieses Minihand- buch lesen und beschließen, nicht länger ruhig zu bleiben, möchte ich appellieren, die Anweisungen zu befolgen, die hier gegeben sind, und sich von jetzt an dem Kampf anzuschließen. Ich tue dies, weil es unter allen Umständen die Pflicht eines jeden Revo- lutionärs ist, die Revolution zu machen. Es ist eine wichtige Voraussetzung, daß dieses Handbuch nicht nur gelesen, sondern auch verbreitet wird. Verbreitung wird nur dann möglich sein, wenn jene, die mit seinem Inhalt einverstanden sind, dazu übergehen, dieses Minihandbuch hektographisch zu ver- vielfältigen oder es als Pamphlet zu drucken - auch dann, wenn dies die Anwendung von Waffen erfordert. Es bleibt noch zu sagen, daß meine Unterschrift unter diesem Minihandbuch seinen Grund darin hat, daß die hier geäußerten und zusammengefaßten Ideen die persönlichen Erfahrungen einer in Brasilien kämpfenden Gruppe von bewaffneten Männern widerspiegeln, der anzugehören ich die Ehre habe. Um zu verhindern, daß bestimmte Personen den Inhalt dieses Minihandbuchs in Zweifel ziehen, die Tatsachen leugnen und wei- terhin behaupten, die Bedingungen des Kampfes seien nicht gege- ben, war es angebracht, die Verantwortung für das zu übernehmen, was gesagt und getan wird. Wichtig ist, daß es Patrioten gibt, die bereit und entschlossen sind, wie einfache Soldaten zu kämp- fen - je größer ihre Zahl, desto besser. Die Beschuldigung, ein Räuber oder Terrorist zu sein, hat heute nicht mehr die abschätzige Bedeutung, die ihr früher anhaftete. Sie hat ein neues Gewand, neue Farben erhalten, sie erschreckt nicht mehr, sie ist nicht mehr abfällig, im Gegenteil: sie ist geradezu zu einer Attraktion geworden. Ein Räuber und Terrorist zu sein, ist eine Eigenschaft, die jeden ehrlichen Menschen ehrt, denn sie bezeichnet genau die würdige Einstellung des Revolutio- närs, der bewaffnet gegen die schändliche Militärdiktatur und ihre Ungeheuerlichkeiten kämpft. Was ist ein Stadtguerillero? ---------------------------- Die chronische Strukturkrise, die die brasilianische Situation charakterisiert und die politische Instabilität hervorruft, hat das Entstehen des revolutionären Krieges in unserem Land be- stimmt. Der revolutionäre Krieg äußert sich in der Stadtguerilla, im psychologischen Krieg und in der Landguerilla. Stütze der Stadtguerilla und des psychologischen Krieges in der Stadt ist der Stadtguerillero. Der Stadtguerillero kämpft bewaffnet gegen die Militärdiktatur und wendet dabei unkonventionelle Mittel an. Als revolutionärer Politiker und leidenschaftlicher Patriot kämpft er für die Be- freiung seines Landes; er ist ein Freund des Volkes und der Frei- heit. Das Gebiet des Stadtguerillero ist das der großen brasilia- nischen Städte. In diesen Ballungszentren sind aber auch die Ban- diten tätig, die üblicherweise als 'Marginales' 1) bezeichnet werden. Oft werden die Überfälle dieser Banditen für Aktionen der Stadtguerilleros gehalten. Der Stadtguerillero unterscheidet sich dennoch radikal von den 'Marginales'. Diese trachten in ihrer Aktivität nach einem per- sönlichen Vorteil und greifen an ohne Unterscheidung zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern. Unter ihren Opfern befinden sich daher auch Männer und Frauen des Volkes. Der Stadtguerillero da- gegen verfolgt ein politisches Ziel und greift nur die Regierung, die großen Kapitalisten und die ausländischen Imperialisten, ins- besondere die nordamerikanischen, an. Ein anderes Element, das ebenfalls in den städtischen Gebieten tätig und nicht weniger schädlich als die "Marginales" ist, sind die Konterrevolutionäre von rechts, die Verwirrung stiften, indem sie Banken überfallen, Bomben legen, Entführungen organisieren, morden und furchtbare Verbrechen gegen die Stadtguerilleros, die revolutionären Prie- ster, die Studenten und die antifaschistischen, freiheitliebenden Bürger begehen. Der Stadtguerillero ist ein unerbittlicher Feind der Regierung und führt daher systematisch Aktionen aus, die den Behörden und Männern, die das Land beherrschen oder die Macht ausüben, schaden. Die wichtigsten Aufgaben der Stadtguerilleros sind es, die Militärdiktatur und die Kräfte der Repression abzu- lenken, sie aufzureiben und zu demoralisieren; ferner hat er die Güter und Besitztümer der Nordamerikaner, anderer ausländischer Unternehmen und die der brasilianischen Großbourgeoisie zu über- fallen und sie zu zerstören oder zu plündern. Der Stadtguerillero ist entschlossen darauf bedacht, das beste- hende ökonomische, politische und gesellschaftliche System Brasi- liens zu entlarven und zu zerstören, sein Ziel ist es, die Land- guerilla zu unterstützen und beim Aufbau einer neuen gesell- schaftlichen Struktur im Land mitzuhelfen, an deren Spitze das bewaffnete Volk steht. Der Stadtguerillero muß sich ein Minimum an politischen Kenntnis- sen aneignen und daher versuchen, gedruckte oder in Form von Pam- phleten abgezogene Arbeiten zu lesen, z.B. "Der Guerilla-Krieg" von Che Guevara. "Die Erinnerungen eines Terroristen", "Einige Fragen der Guerillas in Brasilien", "Aktionen und Taktiken der Guerillas", "Über strategische Probleme und Prinzipien", "Einige taktische Prinzipien für die Kameraden, die Guerillaaktionen durchführen", "Organisationsfragen", "O Guerilleiro", eine Zeit- schrift der brasilianischen revolutionären Gruppe u.a. Persönliche Eigenschaften des Stadtguerilleros ---------------------------------------------- Der Stadtguerillero ist durch seinen Mut und seine Entscheidungs- kraft gekennzeichnet. Er muß ein guter Taktiker sein und gut schießen können. Er muß schlau und umsichtig sein, um damit die Tatsache zu kompensieren, daß er an Waffen, Munition und Ausrü- stung nicht stark genug ist. Das Berufsmilitär und die Polizei, die der Regierung dient, verfügen über moderne Waffen und Fahr- zeuge und können sich frei zu jedem beliebigen Ort bewegen, wobei sie alle Mittel der bestehenden Staatsmacht zur Verfügung haben. Der Stadtguerillero verfügt nicht über solche Mittel - seine Pra- xis ist die des Untergrunds. Oft liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor oder er ist schon verurteilt - und daher gezwungen, ge- fälschte Ausweise zu benutzen. Der Stadtguerillero hat dennoch einen Vorteil gegenüber dem Berufsmilitär und der Polizei. Mili- tär und Polizei handeln auf der vom Volk verhaßten Seite des Feindes, während der Stadtguerillero eine gerechte Sache, nämlich die Sache des Volkes vertritt. An Waffen ist der Stadtguerillero dem Feind unterlegen, vom moralischen Standpunkt aus besitzt er aber eine nicht zu leugnende Überlegenheit. Diese moralische Überlegenheit ist die Stütze des Stadtguerillero, mit der er seine wichtigste Pflicht erfüllen kann, nämlich a n z u g r e i- f e n u n d z u ü b e r l e b e n. Der Stadtguerillero ist gezwungen, die Waffen des Gegners zu er- beuten. Da seine Waffen enteignet oder unter anderen Umständen in seine Hände gelangten, besitzt er keine einheitliche Bewaffnung und sieht sich vor dem Problem der Mannigfaltigkeit der Feu- erwaffen und des Mangels an Munition. Er verfügt außerdem nicht über Ausbildungs- und Übungsplätze, auf denen Schieß- und Treff- sicherheit geübt werden können. Diese Schwierigkeiten müssen überwunden werden - und dazu muß der Stadtguerillero auf seinen E r f i n d u n g s g e i s t zurückgreifen, jene Fähigkeit, ohne die er nicht in der Lage wäre, seine revolutionäre Rolle auszuüben. Die Eigenschaften des Stadtguerilleros sind I n i t i a t i v e, Einfallsreichtum, Flexibilität, Vielseitigkeit und Geistesgegen- wart. Vor allem die Fähigkeit zur Initiative muß er in besonderem Maße besitzen. Es ist nicht möglich, alle Situationen vorauszuse- hen; trotzdem darf es nicht vorkommen, daß der Stadtguerillero nicht weiß, was zu tun ist, nur weil ihm entsprechende Anweisun- gen fehlen. Es ist seine Pflicht zu handeln, eine angemessene Lö- sung für jedes auftretende Problem zu finden und diesem nicht auszuweichen. Es ist besser, zu handeln und Fehler zu machen als nicht zu handeln, um Fehler zu vermeiden. Ohne Initiative gibt es keine Stadtguerilla. Weiter notwendige Fähigkeiten des Stadtgue- rilleros sind die folgenden: Er muß ein guter Läufer sein, muß Müdigkeit, Hunger, Regen und Hitze ertragen können, er muß Wache halten und sich verstecken, sich verkleiden und jeder Gefahr ins Auge sehen können. Er muß bei Tag und bei Nacht handeln, darf sich nicht überhasten, muß eine unbegrenzte Geduld haben. Er muß stets die Ruhe bewahren und seine Nerven auch unter ungünstigsten Bedingungen und in ausweglosen Situationen kontrollieren können. Niemals darf er Spuren oder Hinweise hinterlassen. Vor allem darf er sich nicht entmutigen lassen. Nicht selten desertieren oder entfernen sich Kameraden von der Stadtguerilla, wenn sie sich vor nahezu unüberwindbaren Schwierigkeiten gestellt sehen. Die Aktion der Stadtguerilla ist aber nicht das Geschäft einer Handelsgesellschaft, die Tätigkeit an einem gewöhnlichen Arbeits- platz oder die Vorführung eines Theaterstücks. Die Stadtguerilla ist - wie auch die Landguerilla - eine Verpflichtung, die der Guerillero sich selbst gegenüber auf sich nimmt. Wenn er nicht in der Lage ist, den Schwierigkeiten entgegenzutreten oder nicht über die notwendige Geduld verfügt, um abwarten zu können, ohne die Nerven zu verlieren, oder zu verzweifeln, dann ist es besser für ihn, von dieser Verpflichtung Abstand zu nehmen, fehlen ihm doch die in der Tat elementarsten Fähigkeiten, um ein Stadtgue- rillero zu werden. Wie lebt und erhält sich der Stadtguerillero? --------------------------------------------- Der Stadtguerillero muß es verstehen, inmitten des Volkes zu le- ben, er muß darauf achten, nicht als Fremder zu erscheinen oder sich vom normalen Leben eines Durchschnittsbürgers zu unterschei- den. Er darf in seiner Kleidung nicht von der gewöhnlichen ande- rer Personen abweichen. Ausgefallene Kleidung und die neueste Mode für Männer und Frauen sind oft unangebracht, wenn der Stadt- guerillero beauftragt ist, in Arbeiterbezirke oder dorthin zu ge- hen, wo eine solche Mode nicht üblich ist. Das gleiche muß beach- tet werden, wenn der Guerillero sich im Land von Süden nach Nor- den oder umgekehrt begibt. Der Stadtguerillero muß von seiner normalen beruflichen Beschäftigung leben. Wird er jedoch von der Polizei gesucht, ist er ihr bekannt, schon verurteilt oder liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor, so muß er in den Untergrund gehen und oft versteckt leben. Auf keinen Fall darf der Stadtguerillero jemandem etwas über seine Aktivität mitteilen, zumal dies einzig und allein Sache der revolutionären Organisation ist, in der er arbeitet. Der Stadtguerillero muß über eine gute Beobachtungsgabe verfügen, muß über alles gut informiert sein, vor allem über die Bewegungen des Feindes. Er muß sich gut orientieren können und das Gebiet, in dem er lebt, sich befindet oder in welchem er sich bewegen muß, genau kennen. Am wichtigsten und entscheidend für den Stadt- guerillero ist aber, daß er mit der Waffe kämpft, was ihm oft nicht ermöglicht, seinem normalen Beruf nachzugehen, ohne identi- fiziert zu werden. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Ent- eignung deutlich. Für den Stadtguerillero ist es unmöglich, ohne den Enteignungskampf zu überleben. Der bewaffnete Kampf des Stadtguerilleros hat daher zwei wesentliche Ziele, die mit unauf- hörlicher Verschärfung zu verfolgen sind: a) die physische Beseitigung von Führern und untergeordneten Per- sonen innerhalb der Streitkräfte und der Polizei; b) die Enteignung der Regierung, der großen Kapitalisten, Groß- grundbesitzer und Imperialisten. Die kleineren Enteignungen die- nen der individuellen Unterhaltung des Stadtguerilleros, die großen der Unterhaltung der Revolution. Es ist klar, daß der bewaffnete Kampf des Stadtguerilleros auch andere Ziele hat, aber hier beziehen wir uns nur auf die beiden wesentlichen, von denen das der Enteignung vorrangige Bedeutung hat. Wichtig ist für jeden Stadtguerillero, sich jederzeit bewußt zu sein, daß er nur überleben kann, wenn er entschlossen ist, Po- lizisten und all jene zu töten, die der Repression als ausfüh- rende Organe dienen, und wenn er entschlossen ist, w i r k- l i c h e n t s c h l o s s e n ist, die großen Kapitalisten, die Großgrundbesitzer und Imperialisten zu enteignen. Eines der wichtigsten und wesentlichsten Merkmale der brasiliani- schen Revolution ist, daß sie sich von Anfang an durch die Ent- eignung der Großbourgeoisie, der Imperialisten und Großgrundbe- sitzer entwickelt hat, ohne Ausschluß der reichsten und mächtig- sten Import- und Exporthändler. Die brasilianische Revolution versucht durch die Enteignung der gefährlichsten Feinde des Vol- kes diese in ihren lebenswichtigen Zentren zu treffen; sie greift daher vornehmlich und in systematischer Form das Banknetz an, d.h. sie versetzt dem Nervensystem des Kapitalismus ihre konzen- triertesten Schläge. Die von den brasilianischen Stadtguerilleros durchgeführten Über- fälle auf Banken haben die großen Kapitalisten, wie z.B. Moreira Salles, getroffen. Desgleichen wurden die ausländischen Versiche- rungen und Rückversicherungsgesellschaften sowie das Bankkapital, die imperialistischen Firmen, die Bundesregierung und die Länder- regierungen bis jetzt in systematischer Form enteignet. Die Einnahmen aus diesen Enteignungen wurden für die Schulung und technische Perfektionierung der Stadtguerilleros verwendet, für den Kauf, die Herstellung und den Transport von Waffen und Muni- tion für das städtische Gebiet, für den Sicherheitsapparat der Revolutionäre, für die tägliche Unterhaltung der Kämpfenden und jener, die durch bewaffnete Aktionen aus den Gefängnissen be- freit, die verwundet oder von der Polizei verfolgt wurden; des- gleichen, um solchen Problemen entgegentreten zu können, die ent- stehen, wenn einzelne Kameraden verhaftet, eingekerkert oder von der Polizei und den Militärs der Diktatur ermordet werden. Die erheblichen Ausgaben für den revolutionären Krieg müssen auf die großen Kapitalisten, die Imperialisten und Großgrundbesitzer ab- gewälzt werden, gleichzeitig aber auch auf die Regierung, sowohl die Bundesregierung als auch auf die Länderregierungen, denn sie alle sind Ausbeuter und Unterdrücker des Volkes. Die Regierungs- agenten, die Agenten der Diktatur und des nordamerikanischen Im- perialismus haben für die gegen das brasilianische Volk begange- nen Verbrechen zu zahlen. Der Umfang und die Intensität der Aktionen, die von den Stadtgue- rilleros bereits durchgeführt und in deren Verlauf Menschen getö- tet, Sabotage betrieben, Waffen, Sprengstoff und Munition erbeu- tet, Banken überfallen und Gefangene befreit wurden, stellen ein bedeutendes politisches Gewicht dar und lassen keinen Raum für Zweifel an den tatsächlichen Zielen und der Entschlossenheit der Revolutionäre. Die Hinrichtung des CIA-Spions Charles Chandler, jenes nordamerikanischen Militärs, der aus dem Vietnam-Krieg hierher kam, um sich bei den brasilianischen Studenten einzu- schleichen sowie die bei blutigen Zusammenstößen mit den Stadt- guerilleros getöteten Häscher zeugen davon, daß wir uns inmitten des revolutionären Krieges befinden und daß der Kampf nur mit ge- waltsamen Mitteln durchgeführt werden kann. Dies ist der Grund dafür, daß der Stadtguerillero zur bewaffneten Aktion übergeht und sich nur erhalten kann, wenn er seine Aktivität auf die phy- sische Beseitigung der Agenten der Repression konzentriert und sich 24 Stunden am Tag der Enteignung der Enteigner des Volkes widmet. Die technische Vorbereitung des Stadtguerillero ----------------------------------------------- Niemand kann ein Stadtguerillero werden, der nicht seiner techni- schen Vorbereitung besondere Aufmerksamkeit widmet. Diese techni- sche Vorbereitung reicht vom körperlichen Training bis zur Per- fektionierung oder Erlernung von Berufen und Fähigkeiten aller Art, vor allem einer handwerklichen Geschicklichkeit. Der Stadtguerillero kann nur dann eine gute physische Wider- standskraft haben, wenn er systematisch trainiert. Er kann kein guter Kämpfer sein, wenn er nicht die Kunst des Kämpfens erlernt hat. Er muß mehrere Formen des Kampfes, des Angriffes und der Selbstverteidigung erlernen und üben. Weitere sinnvolle Formen physischen Trainings sind Wanderungen, Zelten, Übungen im Dschun- gel, Besteigen von Bergen, Rudern, Schwimmen, Tauchen, Training als Froschmann, Fischen, Tiefseejagd, Jagd von Vögeln und anderer größerer und kleinerer Tiere. Wichtig ist, ein Auto fahren, ein Flugzeug führen und Schiffe steuern zu können, sowohl Motor- als auch Segelschiffe; weiter Kenntnisse der Kraftfahrzeugmechanik und der Elektrotechnik zu besitzen, um z.B. Radios und Telefone reparieren zu können. Von gleicher Wichtigkeit sind elementare Kenntnisse der Topogra- phie sowie die Fähigkeit, sich mit Instrumenten und praktischen Mitteln orientieren, Entfernungen abschätzen, Landkarten und La- gepläne herstellen, eine Skala benutzen, Zeitrechnungen herstel- len, mit dem Winkeltransporter, dem Kompaß usw. umgehen zu kön- nen. Kenntnisse der Chemie, die Mischung von Farben, die Herstel- lung von Stempeln, das Beherrschen der Schreibtechnik und Schriftfälschung sowie andere Fähigkeiten bilden einen Teil der technischen Vorbereitung des Stadtguerilleros, der gezwungen ist, Dokumente zu fälschen, um in einer Gesellschaft leben zu können, die er zerstören will. Auf dem Gebiet der medizinischen Hilfe übt natürlich ein Arzt eine fundamentale Rolle aus; dennoch sind Kenntnisse der Medizin, der Krankenversorgung, der Apothekerkunst, Kenntnisse über Dro- gen, über Elemente der Chirurgie und der Ersten Hilfe unerläß- lich. Das Wichtigste bei der technischen Vorbereitung des Stadtgueril- leros ist jedoch das Erlernen der Waffenhandhabung, z.B. des Ma- schinengewehrs, des Revolvers, der automatischen Gewehre, des FAL's, der verschiedenen Typen von Gewehren, Stutzen und Mörsern. Die Kenntnis der verschiedenen Waffenarten und Sprengkörper ist ein Punkt, der berücksichtigt werden muß, erfordert doch der Ge- brauch von Feuerbomben, Rauchbomben und Bomben anderer Art not- wendig Vorkenntnisse. Unter den Sprengstoffen muß besonders der Umgang mit Dynamit bekannt sein. Ein Stadtguerillero muß Waffen herstellen und reparieren, Molotowcocktails, Granaten, Minen und Eigenbau-Plastikbomben bauen können. Er muß Brücken zerstören und Eisenbahnschienen entfernen oder unbrauchbar machen können, da er diese Arbeiten nicht auf eine untergebene Ebene delegieren kann. Die erste Stufe der technischen Vorbereitung des Stadtguerilleros wird im 'Zentrum zur technischen Perfektionierung' vermittelt, aber zu diesem Zentrum kann nur derjenige zugelassen werden, der schon ein 'Vorexamen' geleistet, d.h., die Feuerprobe in einer revolutionären Aktion, in der Auseinandersetzung mit dem Feind bestanden hat. Die Waffen des Stadtguerilleros ------------------------------- Die Waffen des Stadtguerilleros sind leichte und leicht ersetz- bare Waffen, die im allgemeinen vom Feind erbeutet, gekauft oder selbst hergestellt wurden. Leichte Waffen haben den Vorteil der schnellen Bedienung und des leichten Transports. Sie besitzen in der Regel einen kurzen Lauf, so wie viele automatischen Waffen. Die automatischen oder halbautomatischen Waffen vergrößern ganz erheblich die Feuerkraft des Stadtguerilleros. Der Nachteil die- ser Waffen ist für uns ihre relativ schwierige Kontrolle, was sich in der Verschwendung und dem übermäßigen Verbrauch von Muni- tion ausdrückt. Dies kann nur durch eine hohe Treffsicherheit ausgeglichen werden. Wenig geübte Männer verwandeln ein automati- sches Gewehr in eine Munitionsmülltonne. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die für den Stadtguerillero am meisten geeignete Waffe das leichte Maschinengewehr ist. Diese Waffe ist außerordentlich wirkungsvoll, kann schnell in Stellung gebracht werden - bei Aktionen innerhalb des städtischen Gebietes von unschätzbarem Wert ", und flößt den Gegnern erheblichen Re- spekt ein. Der Stadtguerillero muß die Handhabung des Maschinen- gewehres, das jetzt ebenso populär wie unerläßlich in der brasi- lianischen Stadtguerilla geworden ist, genau kennen. Das ideale Maschinengewehr für den Stadtguerillero ist das 'Ina' mit dem Ka- liber 45. Es können auch andere Maschinengewehre mit verschie- denen Kalibern verwendet werden, doch taucht hier das Problem der Munition auf. Es ist daher vorteilhaft, wenn die industrielle Lo- gistik der Stadtguerilleros ein Maschinengewehr für die allge- meine Benutzung herstellt, so daß die verwendete Munition genormt werden kann. Jede Feuergruppe der Stadtguerilleros muß über ein Maschinengewehr verfügen, das von einem guten Schützen bedient wird. Die anderen Mitglieder der Gruppe sollten mit einem Revol- ver Kaliber 38 ausgerüstet sein. Wir haben auch einen Revolver Kaliber 32 verwandt, doch ist das Kaliber 38 vorteilhafter, da diese Munition den Feind im allgemeinen außer Gefecht setzt. Auch Handgranaten und konventionelle Rauchbomben können zu den leich- ten Waffen gezählt werden, da sie für die Defensivtaktik, bei der Deckung und beim Rückzug der Stadtguerilleros Verwendung finden. Langläufige Waffen sind schwerer zu transportieren und fallen we- gen ihrer Größe auf. Wichtige langläufige Waffen sind das FAL, die Mausergewehre, Winchester-Jagdbüchsen und andere. Die Jagd- büchsen können auf kurze Entfernung gut verwendet werden, auch von einem wenig trainierten Mann; dies vor allem in der Nacht, wenn eine Präzisionswaffe wenig ausrichten kann. Ein Luftgewehr kann vorteilhaft beim Üben der Treffsicherheit angewandt werden. Die Benutzung von Bazookas und Mörsern erfordert es, entspre- chende Bedingungen zu schaffen, da sie nur von geübten Leuten ge- handhabt werden können. Die Aktionen der Stadtguerilleros dürfen aber nicht auf die Anwendung schwerer Waffen gestützt werden, da deren Nachteile zu groß sind für eine Kampfesart, in der wir durch Schnelligkeit unsere Mobilität und Bewegungsfreiheit si- chern müssen. Eigenbauwaffen sind manchmal nicht weniger wir- kungsvoll wie die besten einer spezialisierten Industrie und selbst ein Gewehr mit gekürztem Lauf ist eine ausgezeichnete Waffe für den Stadtguerillero. Wenn dieser gleichzeitig Waffen- schmied ist, stellt er die beste Kombination dar, die es gibt. Der Waffenschmied verwahrt die Waffen, er weiß sie zu reparieren und ist in vielen Fällen in der Lage, eine Werkstatt einzurich- ten, um wirksame kleinere Waffen herzustellen. Der Metallarbeiter und der Dreher sind deshalb wichtige Elemente der Stadtguerilla und sie muß sich ihrer innerhalb ihrer industriellen Logistik, d.h., bei der Herstellung von Waffen, bedienen. Anfertigung von und Lehrgänge über die Anwendung von Explosivwaffen müssen orga- nisiert werden. Die Rohstoffe für die praktischen Arbeiten bei dieser Ausbildung müssen zuvor besorgt werden, um eine unvoll- ständige Schulung, d.h., einen Mangel an Möglichkeiten, selbst zu experimentieren, zu verhindern. Molotowcocktails, Benzin, Eigenbauwaffen, Katapulte, Mörser, Knallkörper, aus Tuben und Büchsen hergestellte Granaten, Rauch- bomben, Minen, konventionelle Sprengstoffe wie Dynamit und Kali- umchlorate, Plastikbomben, Gelantinekapseln und Munition aller Art sind für den Erfolg des Stadtguerilleros unverzichtbare Re- quisiten. Notwendige Materialien und Munition müssen durch Kauf oder durch Anwendung von Gewalt in gut geplanten und entsprechend durchgeführten Enteignungsaktionen besorgt werden. Der Stadtgue- rillero muß darauf achten, Explosivwaffen und andere Materialien, die Unfälle verursachen können, nicht zu lange aufzubewahren; er muß versuchen, sie sofort gegen die ins Auge gefaßten Ziele anzu- wenden. Die Waffen des Stadtguerilleros sowie seine Fähigkeit, diese zu bedienen, bilden seine Feuerkraft. Indem er sich moder- ner Waffen bemächtigt und Neuerungen bei der Bewaffnung und in der Anwendung bestimmter Waffen berücksichtigt, kann er oft die Taktiken der Stadtguerilla verändern. Ein Beispiel hierfür sind die von den brasilianischen Stadtguerillas bei Banküberfällen eingesetzten Maschinengewehre. Wenn der massive Einsatz von gleichartigen Maschinengewehren möglich ist, wird die Stadtgue- rilla in unserem Land neue Taktiken anwenden können. Die Feuer- gruppe, die eine Vereinheitlichung ihrer Waffen und der entspre- chenden Munition erreicht und gleichzeitig für eine vernünftige Lagerhaltung sorgt, hat den größtmöglichen Wirkungsgrad. Der Stadtguerillero ist umso wirkungsvoller, je größer seine Feuer- kraft ist. Das Schießen: Die Existenzbasis ------------------------------- Existenzbasis und unabdingbare Voraussetzung seines Handelns und seines Überlebens ist das Schießen. Gut schießen zu können ist die Notwendigkeit des Kampfes, in dem der Stadtguerillero sich befindet. Wird im konventionellen Krieg der Kampf in der Regel mit weitreichenden Waffen auf große Entfernungen geführt, so wird im unkonventionellen Krieg, der Kampfform der Stadtguerilla, auf kurze Entfernung operiert, manchmal sogar im Nahkampf. Will er nicht selbst getötet werden, so muß der Stadtguerillero als er- ster schießen, ohne das Ziel zu verfehlen. Dabei darf er weder Waffen leichtfertig aufs Spiel setzen noch Munition verschwenden, da er über beides nur in geringen Mengen verfügen kann. Verloren- gegangene Waffen und verschwendete Munition können bei den in kleinen Gruppen kämpfenden Guerilleros nicht kurzfristig ersetzt werden, da jeder zunächst auf sich zu achten hat. Der Stadtgue- rillero muß ein gutes Reaktionsvermögen haben und in der Lage sein, blitzartig zu schießen. Eine grundsätzliche Regel, die wir nicht genügend betonen und in ihrer Wichtigkeit hervorheben können, ist die, daß der Stadtgue- rillero nicht durch fortwährendes Schießen seine Munition er- schöpfen darf. Falls der Feind in einem solchen Fall das Feuer nicht erwidert und wartet, bis der Guerillero seine Munition ver- schossen hat, liegt dieser dann - ohne die Möglichkeit zu finden, sich neu zu munitionieren - in einem Kugelhagel des Feindes und kann getötet oder verhaftet werden. Obgleich er sich oftmals der Überraschung bedient und daher seine Waffen meist nicht anzuwen- den braucht, kann sich der Stadtguerillero nicht den Luxus lei- sten, den Kampf aufzunehmen, ohne schießen zu können. Während des Kampfgeschehens muß er immer wieder einen Standortwechsel vorneh- men, damit er kein ruhendes Ziel bietet, das leicht zu treffen ist. Das Leben des Stadtguerilleros ist abhängig von seiner Schießkunst, von seiner Fähigkeit, die vorhandenen Waffen optimal einzusetzen und selbst nicht getroffen zu werden. Wenn wir von Schießen reden, so ist davon untrennbar die Treffsicherheit. Diese muß so lange geübt werden, bis das Schießen und das Treffen für den Stadtguerillero zu einer Reflexreaktion geworden ist. Um gut und treffsicher schießen zu können, muß er systematisch trai- nieren und dabei die verschiedensten Methoden anwenden. Er hat jede Gelegenheit zu Schießübungen auszunutzen, auch auf Rummel- plätzen und zu Hause mit einem Luftgewehr. Treffsicheres Schießen ist für ihn so lebenswichtig wie Wasser und Luft. Die letzte Stufe der perfekten Schießkunst stellt eine besondere Form des Stadtguerilleros dar: den Heckenschützen - einen einsamen Kämp- fer, der unablässig Einzelaktionen durchführt. Er beherrscht das Schießen auf kurze und lange Distanz und seine Waffen sind für beides eingerichtet. Die Feuergruppe --------------- Um Aktionen durchführen zu können, muß der Stadtguerillero in kleinen Gruppen organisiert sein. Sie umfaßt nicht mehr als 4 bis 5 Männer und heißt Feuergruppe. Mindestens zwei von ihnen, rigo- ros unterteilt und von einer oder zwei Personen organisiert und koordiniert, bilden eine Feuermannschaft. Zwischen den Mitglie- dern einer Feuergruppe muß unbedingtes Vertrauen herrschen. Wer die Schießkunst am besten beherrscht und das Maschinengewehr am besten zu bedienen weiß, liefert bei den Operationen letztlich die Deckung. Die Feuergruppe plant und führt die Aktionen der Stadtguerilla aus, verschafft und versteckt ihre Waffen und stu- diert und korrigiert die angewandten Taktiken. Sind Aufgaben zu erfüllen, die vom strategischen Kommando entwickelt worden sind, so haben diese unbedingten Vorrang. Dennoch kann es keine Feuer- gruppe ohne eigene Initiative geben. Damit ein Maximum an Initia- tive für die einzelnen Feuergruppen gewährleistet ist, ist es notwendig, jede rigide Organisationsform zu vermeiden. Die alte Hierarchie und der Stil der traditionellen Linken ist in unserer Organisation liquidiert. Das bedeutet, daß mit Ausnahme der den strategischen Interessen untergeordneten und deshalb vor- rangigen Aufgaben jede Feuergruppe einen Banküberfall, eine Ent- führung, eine Hinrichtung - sei es die eines Agenten der Dikta- tur, einer genau identifizierten Person der Reaktion oder eines nordamerikanischen Spions - beschließen und durchführen und jede Art von Propaganda und Nervenkrieg gegen den Feind führen kann, ohne vorher das strategische Kommando zu konsultieren. Eine Feu- ergruppe darf nie in Erwartung von Befehlen passiv bleiben. Ihre Pflicht ist es, zu handeln. Jeder einzelne Stadtguerillero, der eine Feuergruppe bilden und in die Organisation eintreten will, kann dies tun und sich in die Organisation integrieren. Diese Form des Vorgehens beseitigt die Sorgen darüber, von wem Aktionen durchgeführt werden, denn die Initiative ist frei. Was zählt, ist der wachsende Umfang der Guerilla-Aktivität, die die Regierungs- macht aufreibt und sie zwingt, sich in eine Defensivstellung zu- rückzuziehen. Die Feuergruppe ist das Instrument der organisierten Aktion. In ihr werden die Unternehmungen und Taktiken der Guerillas geplant und durch sie wird es möglich, sie erfolgreich auszuführen. Das allgemeine Kommando muß allerdings auf die Feuergruppen für die Ausführung strategisch wichtiger Aufgaben in jedem Teil des Lan- des zurückgreifen können. Auf der anderen Seite hilft das Kom- mando den Feuergruppen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten und bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Die Organisation ist ein unzerstörbares Netz von Feuergruppen, sie funktioniert auf einfache und praktische Weise, mit einem allgemeinen Kommando, das ebenfalls am Kampf teilnimmt, denn was nicht reine und einfa- che revolutionäre Aktion ist, wird in einer solchen Organisation nicht geduldet. Die Logistik der Stadtguerilla ------------------------------ Die konventionelle Logistik kann durch die Formel ausgedrückt werden N-K-A-M, d.h., N (Nahrungsmittel), K (Kraftstoff), A (Ausrüstung), M (Munition). Die konventionelle Logistik bezieht sich auf Versorgungsprobleme eines Heeres oder regulärer Streit- kräfte und verfügt über Fahrzeuge mit festen Basen und eine indu- strielle Logistik. Der Stadtguerillero dagegen verfügt nicht über ein Heer, sondern über kleine bewaffnete Gruppen und eine kleine Organisation, die bewußt fragmentarisch ist. Er besitzt weder Fahrzeuge noch feste Basen. Seine industrielle Logistik ist mangelhaft und wenig ent- wickelt. Sie kann, selbst wenn es notwendig sein sollte, nicht immer aufgebaut werden, nicht einmal unter dem rudimentären Aspekt einer Waffenindustrie innerhalb eines Hauses. Während die konventionelle Logistik zum Ziel hat, Mittel für den Krieg gegen die Guerilla zu beschaffen, Mittel, die für die Un- terdrückung der städtischen und ländlichen Rebellion benötigt werden, ist die Logistik des Stadtguerillero dazu bestimmt, Ope- rationen und Taktiken zu unterstützen, die einem nicht-konventio- nellen, von der Militärdiktatur ausgelösten und gegen die nord- amerikanische Herrschaft im Land gerichteten Krieg inhärent sind. Die Logistik des Stadtguerillero, der bei Null anfängt und zunächst über keine Stütze verfügt, kann mit der Formel M-G-W-M-S beschrieben werden, die folgendes ausdrückt: M (Motorisierung), G (Geld), W (Waffen), M (Munition), S (Sprengkörper und Spreng- stoff). Eine der Säulen revolutionärer Logistik ist die Motori- sierung, die aber ihrerseits untrennbar ist vom Fahrpersonal. Der Stadtguerillero, der ein Auto fahren kann, ist genau so wichtig, wie einer, der ein Maschinengewehr bedient. Ohne einen von beiden haben die Maschinen keine Funktion, Auto und Maschinengewehr wer- den zu toten Gegenständen. Da man nicht von heute auf morgen aus einer unerfahrenen Person einen Kraftfahrzeugfahrer machen kann, ist es notwendig, früh mit der Ausbildung zu beginnen. Jeder gute Stadtguerillero ist gezwungen, ein guter Kraftfahrer zu sein. Das benötigte Fahrzeug selbst wird der Stadtguerillero notwendiger- weise enteignen müssen. Verfügt er schon über Mittel, so kann er die Enteignung mit anderen Arten von Beschaffungsmitteln kombi- nieren. Der Zwang zur Enteignung von Geld, Waffen, Munition, Explosivwaf- fen, und Fahrzeugen bedeutet . für den Stadtguerillero, Banken und Waffenlager zu überfallen und sich der Munition und Explo- sivwaffen zu bemächtigen, wo immer er sie findet. Keine dieser Operationen beschränkt sich auf nur einen Zweck. Bei der Beschaffung von Geld müssen auch die Waffen der Wachen mitge- nommen werden. Die Enteignung ist die erste Stufe in der Organi- sation unserer Logistik, sie hat einen bewaffneten Charakter und setzt ständige Mobilität voraus. Der nächste Schritt des Stadt- guerillero ist die Stabilisierung und Erweiterung seiner Logi- stik, er wendet Hinterhalte und Täuschungsmanöver an, um den Feind zu überraschen und seine Waffen, Munition, Fahrzeuge und anderes zu erbeuten. Verfügt er über größere Mengen von Waffen Munition und Sprengstoffen, so tritt in der Logistik des Gueril- leros das ernsteste Problem auf, nämlich jederzeit und überall Verstecke für sein Material sowie Transportmittel zu finden, um es dort zu lagern, wo es benötigt wird. Dies muß sogar dann mög- lich sein, wenn der Feind schon aufmerksam geworden ist und die Wege blockiert. Die Kenntnis des Terrains und der benutzten und benutzbaren Verstecke sowie die hierfür speziell ausgebildeten und rekrutierten Führer bilden die Grundelemente für die Lösung dieses immer wiederkehrenden Problems der Logistik des Revolutio- närs. Die Technik des Stadtguerilleros -------------------------------- Im allgemeinsten Sinne ist Technik die Zusammenfassung aller Mit- tel, deren der Mensch sich zur Durchführung irgendwelcher Aktivi- täten bedient. Die Aktivität des Stadtguerilleros ist die des psychologischen Krieges in der Stadt und daher ist seine Technik die der Stadtguerilla und die des psychologischen Krieges. Diese Technik umfaßt fünf wichtige Komponenten: a) jenen Teil, der die besonderen, die Technik beinhaltenden Merkmale umfaßt; b) einen Teil, der sich auf die mit diesen Merkmalen harmonisie- renden Erfordernisse bezieht, nämlich solche, die durch eine Reihe von ursprünglichen Vorteilen repräsentiert werden, ohne die der Stadtguerilleros nicht erfolgreich handeln kann; c) einen Teil, der sich auf die bestimmten unddefinierten Ziele der von den Stadtguerilleros unternommenen Aktionen bezieht; d) einen Teil, der sich auf die Typen und die Natur der verschie- denen Aktionsformen der Stadtguerilleros bezieht; e) einen Teil, der sich mit den Durchführungsmethoden dieser Ak- tionen beschäftigt. Merkmale der Technik der Stadtguerilleros ----------------------------------------- Die Technik der Stadtguerilleros zeigt die folgenden Merkmale: a) Sie ist eine aggressive Technik, d.h., sie hat offensiven Cha- rakter. Es liegt jedoch auf der Hand, daß die Offensive der offe- nen Feldschlacht mit dem Feind für uns den sicheren Tod bedeuten würde, da wir dem Feind an Feuerkraft und Ausrüstung unterlegen sind und einem konzentrierten Angriff der Gorillas nicht begegnen könnten. Dies ist auch der Grund dafür, daß unsere Technik nicht die der Einrichtung und Verteidigung fester Basen sein kann, auch nicht die, an einem bestimmten Ort die Umzingelung der Reaktion abzuwarten, um diese dann zu durchbrechen. . , b) Es ist eine Technik, die Angriff und Rückzug kombiniert und so unsere Kräfte schont. c) Es ist eine Technik zur Entfaltung der Stadtguerilla, deren Funktion darin besteht, feindliche Kräfte aufzureiben, zu demora- lisieren und auseinanderzureißen. Damit ermöglicht sie den Aufbau und die Erhaltung der Stadtguerilla, die berufen ist, innerhalb des revolutionären Krieges eine entscheidende Rolle zu überneh- men. Die ursprünglichen Vorteile des Stadtguerillero ----------------------------------------------- Die Dynamik der Stadtguerilla besteht im gewaltsamen Zusammenstoß mit militärischen und polizeilichen Kräften der Diktatur. Bei ei- nem solchen Zusammenstoß liegen die Vorteile zunächst auf Seiten der Polizei, die Nachteile auf Seiten der Stadtguerilleros. Die Paradoxe liegt in der Tatsache, daß der schwächere Stadtgueril- lero den Angriff ausführen muß. Die Kräfte der Polizei und des Militärs beantworten diesen Angriff, indem sie erheblich größere Mittel in der Verfolgung der Stadtguerilleros mobilisieren und konzentrieren. Einer Niederlage kann er nur entgehen, wenn erur- sprüngliche Vorteile auf seiner Seite buchen und diese bis zum Ende ausnutzen kann und damit seine materielle Schwäche und Un- terlegenheit ausgleicht. Ursprüngliche Vorteile sind: 1. die Überraschung des Feindes; 2. die bessere Kenntnis des Gebietes, in dem die Aktion durchge- führt wird; 3. eine größere Beweglichkeit und Schnelligkeit als die Polizei und die übrigen Kräfte der Repression; 4. ein Informationsapparat, der besser ist als der des Feindes; 5. eine Entschlossenheit und Geistesgegenwart, die alle auf unse- rer Seite Kämpfenden stimuliert und nicht schwanken läßt, die feindliche Seite entmutigt und paralysiert, damit zur Gegenwehr unfähig macht. Die Überraschungstaktik ----------------------- Um seine allgemeine Schwäche und seine Überlegenheit an Waffen gegenüber dem Feind auszugleichen, bedient sich der Stadtgueril- lero der Überraschungstaktik. Dem hat der Feind nichts entgegen- zusetzen, er ergibt sich ohne Gegenwehr oder wird vernichtet. Seit Beginn des bewaffneten Stadtkampfes in Brasilien zeigt sich, daß der Stadtguerillero immer die Überraschungstaktik angewandt hat, um erfolgreich zu sein. Die Technik der Überraschung ist be- gründet auf vier wesentliche Voraussetzungen: a) Während wir die Situation des anzugreifenden Feindes im allge- meinen durch umfassende Information und gründliche Beobachtung genau kennen, weiß der Feind nichts über den vorbestehenden An- griff und die Situation des Angreifers. b) Während uns die Kräfte des anzugreifenden Feindes bekannt sind, bleiben ihm unsere eigenen unbekannt. c) Durch den Überraschungsangriff sparen und erhalten wir unsere Kraft, während der Feind diese Möglichkeit nicht hat und den Er- eignissen ausgeliefert ist. d) Wir bestimmen Zeitpunkt und Ort des Angriffes, seine Dauer und seine Ziele. Der Feind befindet sich darüber in Unkenntnis. Die Kenntnis des Terrains ------------------------- Der Stadtguerillero hat im Terrain seinen besten Alliierten und ist daher bestrebt, dieses genau kennenzulernen. Als Alliierter muß das Terrain intelligent in seinen Unebenheiten, Höhenunter- schieden und Unregelmäßigkeiten, in seinen normal zugänglichen und geheimen Orten, verlassenen Gegenden, Buschwerken usw. bei der Aktion eingesetzt werden. All diese Dinge sind mit Nutzen finden Erfolg der bewaffneten Aktion, für die Flucht, den Rück- zug, die Deckung und die Tarnung heranzuziehen, Verengungen, Sackgassen, Straßenarbeiten, Polizeikontrollen, Militärzonen, Sperrzonen, vom Feind schließbare Tunneleingänge, unbedingt zu benutzende Straßen und von Polizei oder Ampel kontrollierte Kreu- zungen müssen in allen Einzelheiten bekannt und studiert sein, damit fatale Fehler vermieden werden. Unsere Aufgabe ist es, einen Weg zu finden und genau zu wissen, wohin und wie wir uns zurückziehen können, um dabei den Feind in ein Gebiet zu locken, dessen Geländeverhältnisse er nicht kennt. Indem der Stadtguerillero sich mit Alleen, Straßen, Gassen, Kur- ven und Kreuzungen der Städte mit all ihren Brücken, der Kanali- sation usw. vertraut macht, ist er später in der Lage, sich in unbewegsamen und schwierigem Gelände sicher und ohne Schwierig- keiten zu bewegen, das der Polizei nicht bekannt ist und wo diese in einen Hinterhalt oder eine Falle gelockt werden kann. Be- herrscht der Stadtguerillero das Terrain, so kann er sich dort zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Auto, Jeep oder Lastwagen bewegen, ohne jemals ertappt zu werden. Da er in einer kleinen Gruppe handelt, kann er diese jederzeit an vereinbarten Orten treffen und neue Guerilla-Aktionen vorbereiten oder aus der Umzingelung der Poli- zei entkommen und diese mit einer für den Feind unfaßbaren Kühn- heit demoralisieren. Für die Polizei ist es im Labyrinth der großen Städte ein unlösbares Problem, zu fangen, was nicht zu se- hen, zu unterdrücken, was nicht zu fangen und zu umzingeln, was nicht zu finden ist. Die Erfahrung lehrt, daß der ideale Stadtguerillero der ist, der innerhalb seiner eigenen Stadt mit der genauen Kenntnis ihrer Straßen, Vororte, Verkehrsprobleme und übrigen Eigentümlichkeiten agiert. Der von außerhalb in eine Stadt kommende Guerillero ist, wenn er die dortigen Verhältnisse nicht kennt, ein schwacher Punkt und kann, wenn er neu an einer bestimmten Operation teil- nimmt, diese in Gefahr bringen. Um schwerwiegende Fehler zu ver- meiden, ist es notwendig, die Stadt genau kennenzulernen und über die Verkehrsdichte auf den Straßen zu den verschiedenen Tageszei- ten genau im Bilde zu sein. Mobilität und Schnelligkeit --------------------------- Um eine Mobilität und Schnelligkeit zu erreichen, der die Polizei nichts entgegenzusetzen hat, muß der Stadtguerillero die folgen- den Voraussetzungen schaffen: a) Motorisierung, b) Kenntnis des Gebietes, c) Vernichtung oder Störung der Kommunikations- und Transportmittel des Feindes, d) leichte Bewaffnung. Der Stadtguerillero muß sich nach den systematischen, nur wenige Minuten dauernden Operationen sofort mit Kraftfahrzeugen vom Ort entfernen und beim Rückzugskampf die Verfolgung verhindern. Er muß den einzuschlagenden Weg in allen Einzelheiten kennen und den vorher vereinbarten Zeitablauf genau trainieren, um zu verhin- dern, daß er in Sackgassen, Straßenstockungen oder von Ampel auf- gehalten wird. So bleibt der Polizei sein Fluchtweg unbekannt und sie verfolgt ihn blind; während der Stadtguerillero sich schnell von dem Ort entfernen kann, da er das Gelände genau kennt, ver- liert die Polizei die Spur und muß die Verfolgung aufgeben. Der Stadtguerillero führt seine Aktionen weit entfernt von den logistischen Basen der Polizei durch. Diese Form der Operation hat den ursprünglichen Vorteil, daß wir uns in optimaler Entfer- nung von den Basen der Verfolger befinden und leichter fliehen können. Ober diese Vorsichtsmaßnahme hinaus muß das Kommunikati- onssystem des Feindes berücksichtigt werden. Das Telefon ist da- bei erstes Zielobjekt der Technik, die Kommunikation des Feindes zu verhindern. Auch dann, wenn der Feind über die Guerilla-Aktion informiert wurde, hängt seine logistische Unterstützung in hohem Maße von den modernen Transportmitteln ab, die im dichten Stra- ßenverkehr bewußt aufgehalten werden können. Es ist klar, daß eine Verkehrsstörung sowohl für den Feind als auch für uns nach- teilig sein kann, wenn wir uns nicht gleichzeitig einen Vorsprung verschaffen. Wenn wir einen größeren Sicherheitsfaktor benötigen und bleibende Spuren vermeiden wollen, können wir folgende Mittel anwenden: a) die Polizei mit anderen Kraftfahrzeugen bewußt aufhalten, technische Mängel oder Pannen vortäuschen - doch dürfen in diesem Fall die verwendeten Fahrzeuge keine echten Nummernschilder tra- gen; b) den Weg mit umgestürzten Bäumen, mit Steinen oder durch Gräben und falsche Verkehrszeichen versperren oder umleiten - andere Mittel müssen in der jeweiligen Situation mit viel Phantasie ent- wickelt werden; c) den Weg der Polizei verminen oder mit verschüttetem Kraftstoff oder Molotowcocktails die Fahrzeuge in Brand setzen; d) mit Maschinengewehren und anderen Waffen, wie z.B. dem FAL auf Motor und Reifen der verfolgenden Fahrzeuge schießen. Entsprechend der typischen Arroganz und Feigheit der Polizei und der faschistischen Militärbehörden versucht der Feind, uns mit schweren Waffen und Ausrüstungen sowie mit bis an die Zähne be- waffneten Männern zu bekämpfen. Dies muß der Stadtguerillero durch leichte und einfach zu transportierende Waffen ausgleichen, damit er stets mit größter Schnelligkeit fliehen kann, ohne je- mals den offenen Kampf aufnehmen zu müssen. Der Stadtguerillero hat keine andere Aufgabe als anzugreifen und sich zurückzuziehen. Wir würden eine schreckliche Niederlage riskieren, wenn wir uns mit schweren Waffen und dem furchtbaren Gewicht ihrer Munition überladen, denn damit verlieren wir unsere wertvolle Beweglich- keit. Sind wir motorisiert, so haben wir gegenüber einem mit Ka- vallerie verfolgenden Feind keinen Nachteil. Ein Auto ist schnel- ler als ein Pferd. Zudem können wir den berittenen Polizisten vom Fahrzeug aus beschießen und ihn mit dem Maschinengewehr, dem Re- volver oder durch Molotowcocktails oder Granaten zum Sturz brin- gen. Auch ein Stadtguerillero, der zu Fuß ist, kann ohne Mühe auf einen berittenen Polizisten schießen. Murmeln, Kronenkorken und über die Straße gespannte Seile sind ebenfalls sehr wirksam und bringen Pferd und Reiter zu Fall. Der große Nachteil der Kavalle- rie ist, daß sie dem Stadtguerillero zwei hervorragende Ziele bietet: Pferd und Reiter. Obgleich ein Hubschrauber schneller als die Kavallerie ist, bie- tet er bei der Verfolgung keine größeren Vorteile. Im Vergleich zum Auto ist die Kavallerie zu langsam und der Hubschrauber zu schnell. Da er sich mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h be- wegt, ist er nicht in der Lage, ein sich innerhalb der Massen und Fahrzeuge auf der Straße verlierendes Ziel zu treffen. Er kann auch nicht inmitten der Straße landen, um irgendjemanden zu ver- folgen. Zudem ist er beim Versuch eines Niedrigfluges den Schüs- sen der Stadtguerilleros ausgeliefert. Die Information --------------- Die Möglichkeit der Regierung, Stadtguerilleros zu entdecken und zu vernichten, ist umso geringer, je größer und konzentrierter das Potential von Feinden der Diktatur in den Volksmassen ist. Diese Konzentration der Opposition gegen die Diktatur erfüllt eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Beschaffung von In- formationen über die Schritte der Polizei und Regierungsagenten und verhindert die Bekanntgabe unserer Aktivität an diese. Dar- über hinaus kann der Feind durch falsche Informationen irrege- führt werden, was für ihn wegen des großen Verschleisses beson- ders nachteilig ist. Auf jeden Fall sind die potentiellen Infor- mationsquellen der Stadtguerilleros größer als die der Polizei. Der Feind wird beobachtet, weiß aber nicht, daß jemand aus dem Volke dem Stadtguerillero Informationen liefert. Militär und Po- lizei sind wegen ihrer gegen das Volk begangenen Ungerechtigkeit und Gewalttätigkeiten verhaßt und dies erleichtert es. Informa- tionen aus dem Volk zu erhalten, mit denen man den Aktivitäten der Regierungsagenten schaden kann. Die Information aus dem Volk, die für den-Feind praktisch nicht ins Gewicht fällt, da er keine bekommt, bedeutet ein unschätzbares Potential in den Händen der Stadtguerilleros. Dennoch ist es für uns wichtig, einen Informa- tionsapparat zu schaffen und zu organisieren. Dem Stadtguerillero muß das Nötige über Pläne und Bewegungen des Feindes, seinen Auf- enthaltsort, die Transporte der Bankmittel, die Kommunikations- mittel und geheimen Maßnahmen der Regierung bekannt sein. Die zu- verlässigen Informationen, die den Stadtguerillero erreichen, er- möglichen ihm sichere Schläge gegen das System der Diktatur. Diese kann gegen solche Informationen, durch die ihre Interessen geschädigt und unsere vernichtenden Angriffe erleichtert werden, nichts unternehmen. Der Feind versucht natürlich, Erfahrungen über unsere Schritte zu sammeln, um uns zu vernichten oder unsere Handlungsfähigkeit einzuschränken. In diesem Zusammenhang ist die Gefahr des Verrats ständig vorhanden, der Feind unterstützt ihn fortwährend und schleust Spione in die Organisation ein. Diese Technik des Feindes beantwortet der Stadtguerillero mit der De- nunzierung der Verräter, Spione, Informanten und Provokateure ge- genüber dem Volk. Da unser Kampf den Massen bekannt ist und man mit ihrer Sympathie rechnen kann, während der Feind wegen seiner Grausamkeit, Korrup- tion und Unfähigkeit unbeliebt ist, werden Verräter, Polizeispit- zel und andere Informanten vom Volk bekämpft, sie erhalten keine Unterstützung und werden dem Stadtguerillero ausgeliefert; in vielen Fällen erhalten sie die verdiente Strafe. Der Stadtgueril- lero darf sich nicht seiner Pflicht entziehen, Spione und Infor- manten, die bekannt geworden sind, physisch zu beseitigen. Dieses Vorgehen ist gerecht, wird vom Volk begriffen und unterstützt und vermindert erheblich die Gefahr der Infiltration und der feindli- chen Spionage. Für einen vollständigen Sieg im Kampf gegen Spione und Denunzian- ten ist es notwendig, einen Apparat der Gegenspionage und Ge- geninformation aufzubauen. Das Problem der Information beschränkt sich aber nicht nur auf die Kenntnis der feindlichen Vorhaben und die Verhinderung der feindlichen Infiltration. Die Information muß weitreichend sein und selbst scheinbar unbedeutende Dinge um- fassen. Der Stadtguerillero muß die vorhandenen Möglichkeiten, an Informationen zu gelangen, beherrschen. Die Technik besteht darin, jemanden auf vollkommen natürliche und unverfängliche Weise auszuhorchen - so, als ob man ein ganz normales Gespräch führt. Da der Stadtguerillero sich inmitten des Volkes befindet und bewegt, hat er auf alle möglichen Unterhaltungen und men- schlichen Beziehungen zu achten, dabei aber mit viel Phantasie und Geschicklichkeit seine eigenen Interessen zu verbergen. Am Arbeits-, Studien- und Wohnort kann er unzählige Informationen über Zahlungen, Geschäfte, Pläne, Standpunkte, Meinungen, persön- liche Stimmungen, Reisen, Gebäude, Geschäftsräume, Säle, Operati- onszentren usw. sammeln. Beobachtungen, Nachforschungen, Aufklä- rungsaktionen und Geländeuntersuchungen sind weiter ausgezeich- nete Informationsquellen. Ein Stadtguerillero wird niemals unauf- merksam und ohne die Wachsamkeit des Revolutionärs irgendeinen Ort passieren, er ist immer auf der Suche nach Möglichkeiten für eine Aktion. Sein Gedächtnis nimmt alles, was für die Aktivität des Kämpfers sofort oder zukünftig wichtig sein kann, auf, er hat ständig offene Augen und Ohren und hellwache Sinne. Die genaue Lektüre der Zeitungen, das Verfolgen der übrigen Massenkommunika- tionsmittel, das Ordnen der gesammelten Daten, die Weiterleitung von Nachrichten und allem, was Aufmerksamkeit erregt, ständige Eigeninformation und die Informierung anderer Revolutionäre - dies alles umfaßt der riesige und schwer durchschaubare Komplex der Informationstechnik, der dem Stadtguerillero einen entschei- denden Vorteil verschafft. Die Entscheidungsfähigkeit -------------------------- Es genügt für den Stadtguerillero nicht, die Überraschung, Schnelligkeit, Geländekenntnis und Informationen auf seiner Seite zu wissen. Er muß zusätzlich Entscheidungsfreude und -fähigkeit besitzen, denn ohne diese sind die anderen Vorteile wertlos. Selbst eine gut geplante Aktion kann nicht durchgeführt werden, wenn sich der Guerillero unentschlossen, unsicher und wankelmütig verhält. Auch eine anfänglich erfolgreiche Aktion kann scheitern, wenn während der praktischen Durchführung plötzlich Entschei- dungswille und -fähigkeit ausfallen; ist beides nicht vorhanden, dann wird die entstandene Leere gewöhnlich durch Wankelmut und Angst gefüllt. Der Feind wird diese Schwäche nutzen und uns ver- nichten. Der Geheimnis der erfolgreichen Aktion, einer leichten oder schwierigen, einfachen oder komplizierten, besteht darin, daß man auf entschlossene Männer zählen kann. In der Tat gibt es keine leichten Aktionen, denn jede muß mit den gleichen Vorkehrungen durchgeführt werden, die man bei den schwierigsten trifft, ange- fangen bei der Wahl der teilnehmenden Personen. Diese müssen ent- scheidungswillige und -fähige Leute sein, die ihre Eigenschaften einmal unter Beweis gestellt haben. Es kann schon vorher gesagt werden, ob eine Aktion erfolgreich sein wird oder nicht, wenn man in der Vorbereitungszeit die Verhaltensweisen der ausführenden Personen beobachtet. Wenn sie zu spät kommen, Kontakte verlieren, leicht zu verwirren sind, Dinge vergessen und niedrigste Arbeits- normen nicht erfüllen, handelt es sich möglicherweise um wenig entschlossene Menschen, die Schaden anrichten können. Es ist bes- ser, sie nicht in die Aktion einzubeziehen. Sich entscheiden zu können bedeutet Entschlossenheit, Kühnheit und nicht zu erschüt- ternde Standfestigkeit bei der Durchführung des vorgesehenen Pla- nes. Aktionsziele der Stadtguerilleros --------------------------------- In seiner entwickelten Technik stützt sich der Stadtguerillero bei den Aktionsformen auf den Angriff, der seinerseits im brasi- lianischen Fall zum Ziel hat: a) das Lebensdreieck des brasilianischen staatlichen Systems und der nordamerikanischen Herrschaft in Brasilien zu erschüttern, ein Dreieck, dessen Ecken Rio, Sao Paulo und Belo Horizonte sind und dessen Basis die Achse Rio-Sao Paulo ist und in dem sich ein gigantischer industrieller, finanzieller, ökonomischer, politi- scher, kultureller, militärisch-polizeilicher Komplex befindet, der die ganze Entscheidungsmacht des Landes in sich vereinigt; b) das lokale und nationale Sicherheitssystem zu schwächen, indem wir die Gorillas angreifen und sie in die Verteidigung drängen, wodurch die Regierung in eine Defensivposition gerät und ihre Truppen aus Angst vor einem Angriff auf ihre nervlichen und stra- tegischen Zentren, auf die Verteidigung dieses nationalen Lebens- komplexes konzentrieren muß, ohne jemals zu wissen, woher, wie und wann ein solcher Angriff kommen wird; c) von verschiedenen Seiten mit einer großen Zahl von bewaffneten Gruppen anzugreifen, die untereinander nur eine lose oder über- haupt keine Verbindung aufweisen - mit dem Ziel, die Kräfte der Regierung bei der Verfolgung einer fragmentarischen Organisation auseinanderzureißen statt ihr die Möglichkeit zu bieten, ihren Repressionsapparat auf die Zerschlagung einer geschlossenen Orga- nisation auf nationaler Ebene zu konzentrieren; d) Proben unserer Kampfbereitschaft, Entschlossenheit, Beharr- lichkeit, Zielstrebigkeit und Ausdauer im Angriff gegen die Mili- tärdiktatur zu geben, damit alle Unzufriedenen die Möglichkeit sehen, unserem Beispiel folgend die Taktiken des Stadtguerilleros anzuwenden; die Regierung verliert dadurch Zeit und Energien und wird ständig in Atem gehalten, denn sie ist unfähig, die Gue- rilla-Aktionen in der Stadt zu unterbinden und so gezwungen, vor den Banken, Industrieanlagen, Waffenläden, Garnisonen, Gefängnis- sen, öffentlichen Büros, Radio- und Fernsehstationen, nordameri- kanischen Firmen, Gaswerken, Raffinerien, Schiffen, Flugzeugen, Häfen, Flughäfen, Krankenhäusern, Blutbanken, Kaufhäusern, Gara- gen, Botschaften, Wohnungen hoher Persönlichkeiten des Regimes und der Minister und Generäle, Polizeistationen sowie anderen Stationen der offiziellen Organe ihre Truppen zu postieren; e) graduell die Aktivität der Stadtguerilla in einer unablässigen Folge unvorhersehbarer Aktionen so zu verstärken, daß die Truppen der Regierung das städtische Gebiet nicht zur Verfolgung der Gue- rillas im Innern des Landes verlassen können, ohne die Gefahr un- geschützter Städte und wachsender Rebellion im Küstengebiet und im Innern auf sich zu nehmen; f) durch einen ständigen Alarmzustand und eine wachsende nervli- che Spannung in Erwartung eines Angriffs bzw. bei der Suche nach Spuren, die wie Rauch verschwinden, dem Heer und der Polizei, eingeschlossen die Kommandanten und untergeordneten Führer, den relativen Komfort und die relative Ruhe der Garnisonen und Routi- nefreizeiten nicht genießen zu lassen; g) offene Kämpfe und entscheidende Schlachten mit der Regierung zu vermeiden, indem wir uns auf kurze und schnelle Angriffe be- schränken und dabei blitzartig Erfolge erzielen; h) dem Stadtguerillero eine maximale Bewegungsfreiheit zu ver- schaffen, ohne daß wir dabei jemals auf die Anwendung bewaffneter Gewalt verzichten, weiter mit Entschlossenheit an der Entfaltung der Guerilla auf dem Land zu arbeiten und sie bei der Bildung ei- nes nationalen Befreiungsheeres zu unterstützen; Über Arten und Natur der Aktionsformen des Stadtguerilleros ----------------------------------------------------------- Damit er die vorher aufgezählten Ziele erreichen kann, ist der Stadtguerillero gezwungen, Aktionsarten verschiedenster Natur und möglichst vielseitiger Art anzuwenden. Es ist nicht Sache der willkürlichen Entscheidung, ob zu dieser oder jener Art der Ak- tion gegriffen wird. Einige der Aktionen sind einfach, andere sind komplizierter. Der unerfahrene Stadtguerillero muß bei Ak- tionen und Operationen eingesetzt werden, die zunächst einfach sind und dann immer schwieriger werden. Er beginnt mit kleinen Missionen und Aufgaben und wird nach und nach zu einem erfahrenen und vollkommenen Stadtguerillero. Vor dem Beginn jeder Aktion hat der Stadtguerillero an die Mittel und die Mannschaft zu denken, die er für die Durchführung benö- tigt. Operationen und Aktionen, deren Ausführung einer techni- schen Vorbereitung bedürfen, können niemandem übertragen werden, dem diese Vorbereitung fehlt. Wenn dies beachtet wird, können wir die folgenden Aktionsarten des Stadtguerilleros aufzählen: a) Überfälle, b) Eindringen in feindliche Objekte c) Besetzungen, d) Hinterhalte, e) Straßentaktiken, f) Streiks und Arbeitsunterbre- chungen, g) Desertionen, Waffenumleitung, Fang und Enteignung von Waffen, Munition und Explosiwvaffen, h) Befreiung von Gefangenen, i) Hinrichtungen, j) Entführungen, k) Sabotage, 1) Terrorismus, m) bewaffnete Propaganda, n) Nervenkrieg. Überfälle --------- Der Überfall ist ein bewaffneter Angriff mit dem Ziel, Mittel zu enteignen, Gefangene zu befreien, Explosivwaffen, Maschinenge- wehre und andere Waffen und Munition zu erbeuten. Überfälle kön- nen am hellichten Tag und in der Nacht durchgeführt werden; am Tag jene, deren Ziel zu anderen Zeitpunkten nicht erreicht werden kann, wie z.B. bei Geldtransporten der Banken, die nachts nicht stattfinden. Nachtüberfälle können bei anderen Objekten für den Stadtguerillero vorteilhafter sein. Der Überfall bei Nacht ist ideal, da das Überraschungsmoment stärker zur Wirkung kommt und die Dunkelheit bei der Flucht und der Tarnung hilft. Der Stadt- guerillero muß dennoch darauf vorbereitet sein, in jeder Situa- tion bei Tag und bei Nacht zu handeln. Bei folgenden Objekten führen überfalle am ehesten zum Erfolg: a) Kreditinstitute, b) Handels- und Industrieunternehmen, einschließlich der Waffen- und Sprengstofflager, c) Militäranlagen, d) Polizeistationen, e) Ge- fängnisse, f) Regierungsgebäude, g) Anlagen der Massenkommunika- tionsmittel, h) nordamerikanische Firmen und ihr Eigentum, i) Fahrzeuge der Regierung, des Militärs, der Polizei, und zwar auch Lastwagen, gepanzerte Fahrzeuge, Geldtransporte, Züge, Schiffe und Flugzeuge. Überfälle auf Gebäude sind immer gleicher Natur, da wir uns vor Anlagen befinden, die feste Angriffsziele bieten. Solche Überfälle werden als Guerilla-Operationen geplant und den Erfordernissen entsprechend vorbereitet, je nach dem, ob es sich um Banken, Handelshäuser, Industrieanlagen, Polizeistationen, Ge- fängnisse, Radiostationen, Kaufhäuser von Imperialisten usw. han- delt. Überfälle auf Fahrzeuge, Geldtransporte, gepanzerte Fahr- zeuge, Züge, Schiffe, Flugzeuge sind wegen der beweglichen Ziele anderer Natur. Die Natur der Operation hat sich der jeweiligen Situation und Gegebenheit anzupassen, d.h., je nachdem, ob der Überfall einem fahrenden oder einem stationären Objekt gilt. Ge- panzerte Fahrzeuge, auch die des Militärs sind durch Minen ver- wundbar. Hindernisse auf den Wegen, Hinterhalte, Fallen, Aufhal- ten durch andere Fahrzeuge, Molotowcocktails, Einsatz schwerer Waffen - das alles sind wirksame Mittel bei überfallen auf Fahr- zeuge. Schwere Fahrzeuge, Flugzeuge am Boden und Schiffe vor An- ker können übernommen, die Besatzung und die Wachen überrumpelt werden. Flugzeuge in der Luft können zur Kursänderung gezwungen werden, sowohl durch Gruppen- als auch durch Einzelaktionen. Schiffe und Züge in Fahrt können Gegenstand von Guerilla-Opera- tionen werden, um uns der Waffen und der Munition zu bemächtigen oder den Transport von Truppen zu verhindern. Der Banküberfall, populärste Art des Überfalls ---------------------------------------------- Banküberfälle sind zu der populärsten Art von Überfällen gewor- den. In Brasilien hat die Stadtguerilla damit begonnen, den Bank- überfällen als einer ihrer Operationen organisierten Charakter zu verleihen. Diese Überfallart wird heute weitestgehend benutzt und dient dem Stadtguerillero als eine Art Vorexamen, in dem die Technik des revolutionären Krieges erlernt werden kann. Die Tech- nik des Banküberfalles hat inzwischen bedeutende Verbesserungen erfahren, durch die Flucht, Erbeutung des Geldes und unerkanntes Entkommen garantiert werden. Dazu hat insbesondere beigetragen die Zerstörung der Fahrzeugreifen, um die Verfolgung zu verhin- dern; die Personen in die Toilettenbank einsperren oder sie zwin- gen, sich auf den Boden zu setzen, die Bankwachen fesseln und entwaffnen, sie zwingen, Geldkassetten und Panzerschränke zu öff- nen, die Benutzung von Verkleidungen auf unserer Seite. Versuche, Alarmanlagen in den Banken zu installieren, sie mit Wa- chen und nordamerikanischen elektronischen Geräten auszurüsten, führen zu keinem Erfolg, wenn es ein politischer Überfall ist und dieser entsprechend der Taktik des Stadtguerilleros ausgeführt wird. Dieser versucht, mit neuen Mitteln die taktischen Verbesse- rungen des Feindes aufzuheben und ihnen zu begegnen. Diese Tech- nik wendet eine täglich wachsende, arglistiger werdende und mehr wagende Feuerkraft an und setzt jedesmal eine größere Anzahl von Revolutionären ein. Dadurch wird der Erfolg von bis ins letzte Detail geplanten Aktionen gesichert. Der Banküberfall ist eine typische Enteignungsaktion, bei der - wie bei jeder bewaffneten Enteignungsaktion - der Revolutionär mit einer doppelten Konkurrenz zu rechnen hat: a) die des 'Marginale', b) die des rechten Konterrevolutionärs. Diese Kon- kurrenz ist ein Faktor, der das Volk verunsichert. Um dies zu verhindern, muß der Stadtguerillero zwei Dinge beachten: a) Er muß auf die Technik der 'Marginales' verzichten, d.h., er darf nicht unnötige Gewalt anwenden und die Güter und Sachen des Volkes nicht antasten. b) Der Überfall muß schon während der Ausführung als Mittel der Propaganda genutzt werden, und zwar durch das Verteilen von Rund- schreiben und Briefen, die über Ziele und Zwecke der Aktionen des Stadtguerilleros und den Sinn der Enteignung aufklären. Eindringen in feindliche Objekte -------------------------------- Dieses Eindringen ist eine Art von schnellen Angriffen auf Anla- gen in Vororten und auch im Stadtzentrum, auf kleinere militäri- sche Stationen, Polizeistationen, Krankenhäuser usw. mit dem Ziel, Schaden anzurichten, Waffen zu erbeuten, den Feind zu ter- rorisieren, Repressalien auszuüben oder verwundete, gefangene und unter Polizeiaufsicht stehende Personen zu befreien. Diese Aktion wird auch mit dem Ziel durchgeführt, in Garagen und Depots Fahr- zeuge und Anlagen zu zerstören, vorwiegend die der nordamerikani- schen Firmen. Sie ist ebenso auf Autobahnen und Landstraßen in entfernten Gebieten sinnvoll, um den Feind zu kostspieligen Bewegungen zu zwingen, die für ihn völlig nutzlos sind, da er dort niemanden mehr finden wird, den er bekämpfen könnte. Wird sie gegen bestimmte Wohnungen, Büros, Archive und öffentliche Bü- ros angewendet, so dient sie der Entwendung geheimer Dokumente und Papiere zur Aufdeckung von Betrügereien, Abmachungen und der Korruption der Regierungsbeamten sowie, um ihre schmutzigen Ge- schäfte und kriminellen Transaktionen mit Nordamerikanern nach- weisen zu können. Erfolgversprechend ist ein Eindringen in feind- liche Objekte bei Nacht. Besetzungen ----------- Besetzungen werden als Angriffsart von den Stadtguerilleros durchgeführt und angewandt, um bestimmte Anlagen und Orte zur Durchführung einer Propagandaaktion in die Hand zu bekommen. Dem Feind wird dabei nur für die Zeit der Besetzung Widerstand gelei- stet. Fabriken und Schulen werden bei Streiks und in anderen Si- tuationen besetzt, um zu protestieren oder die Aufmerksamkeit des Feindes von anderen Aktionen abzulenken. Rundfunkstationen werden zum Zwecke der Propaganda besetzt. Die Besetzung hat als Aktion große Bedeutung; damit aber in unseren Reihen keine persönlichen und materiellen Verluste auftreten, ist stets eine Rückzugsmög- lichkeit offenzuhalten, die entsprechend zu planen und im gegebe- nen Augenblick durchzuführen ist. Besetzungen haben immer nur vorübergehenden Charakter, je überraschender sie erfolgen, desto besser sind sie. Der Hinterhalt -------------- Beim Hinterhalt, einem typischen Überraschungsangriff, wird der Feind, während er eine Landstraße überquert, bei einer Polizei- razzia oder beim Umzingeln eines Hauses oder größeren Grundstüc- kes überfallen. Der Feind kann mittels einer falschen Nachricht in eine Falle gelockt und so in den Hinterhalt geraten. Sein wichtigstes Ziel ist die Erbeutung von Waffen und die Ver- nichtung des Feindes, doch können in einem organisierten Hinter- halt auch Personenzüge zu Zwecken der Propaganda angehalten wer- den; handelt es sich aber um einen Truppentransportzug, so sind die Truppen zu vernichten und ihre Waffen zu erbeuten. Der zum Heckenschützen ausgebildete Stadtguerillero ist für diese Kampfesart besonders geeignet, da er sich in den Geländeuneben- heiten, auf Dächern, Baugelände und in Zimmerfluchten leicht ver- stecken und von dort das ausgesuchte Zielobjekt sicher treffen kann. Im Hinterhalt werden dem Feind schwere Schäden zugefügt, er wird entnervt, verunsichert und verängstigt. Die Straßentaktik ----------------- Straßentaktiken werden angewandt, um die Massen in Straßenkämpfe mit dem Feind mit hineinzuziehen. 1968 haben brasilianische Stu- denten solche Taktiken hervorragend gegen Truppen und Polizei eingesetzt, z.B., als die Demonstranten entgegengesetzt der Ver- kehrsrichtung liefen und gegen die Kavallerie Schleudern und Murmeln als Waffen benutzten. Andere Straßentaktiken bestehen darin, Barrikaden zu bauen, Pflastersteine aus der Straße zu rei- ßen und mit ihnen die Polizei bewerfen, Gegenstände wie Flaschen, Ziegelsteine, Mülleimer und ähnliche Projektile aus Fenstern von Gebäuden und Büros auf die Polizei werfen. Im Bau befindliche Ge- bäude können für die Flucht, als Versteck und als Stützpunkt für Überraschungsangriffe benutzt werden. Wir müssen den Taktiken des Feindes antworten können. Schützt die Polizei sich mit Schildern gegen Wurfgeschosse, dann müssen wir in zwei Gruppen, eine von vorn und eine von hinten, angreifen. Tritt eine von beiden dann in Aktion, hat sich die andere zurück- zuziehen, damit sie nicht selbst getroffen wird. Ebenso wichtig ist es, der Einkreisung durch die Polizei zu begegnen. Sind ei- nige Polizisten beauftragt, in die Menge einzudringen, um Demon- stranten zu verhaften, müssen sie von einer größeren Gruppe Stadtguerilleros umzingelt, entwaffnet und bestraft werden; gleichzeitig erhält der zu Verhaftende Zeit zur Flucht. Diese Operation der Stadtguerilleros nennen wir U m z i n g e l u n g i n n e r h a l b d e r U m z i n g e l u n g. Wenn die Polizei Lehranstalten, Fabriken, Versammlungsorte und andere Punkte umstellt, darf sich der Guerillero nicht überra- schen lassen und sich nicht ergeben. Der Feind ist hierbei darauf angewiesen, Polizisten in Privatfahrzeugen zu transportieren und auf den Straßen strategisch wichtige Punkte einzunehmen, um in das Gebäude oder das Lokal einzudringen. Ein Stadtguerillero darf aber niemals ein Gebäude oder Lokal betreten oder sich dort mit anderen treffen, ohne vorher zu wissen, wie der Fluchtweg aus- sieht, wie der Umzingelung zu entkommen ist, welche strategisch wichtigen Punkte von der Polizei besetzt werden können, und wel- che Wege unweigerlich in einer Umzingelung enden; er muß andere strategisch wichtige Punkte besetzen können, von denen aus er den Feind schlagen kann. Wege und Parkplätze, die von der Polizei be- nutzt werden müssen, sind zu verminen, damit die Fahrzeuge in die Luft gesprengt werden. Den Polizisten müssen verlustreiche Fallen gestellt werden, in denen sie Opfer eines Hinterhaltes sind. Die Einkreisung muß durch Fluchtwege umgangen werden können, die der Polizei unbekannt sind. Die alles umfassende Planung des Rückzu- ges ist die beste Garantie, um Einkreisungsversuche des Feindes zu verhindern. An Orten, die nicht den Bedingungen des Fluchtpla- nes entsprechen, müssen Versammlungen und Zusammenkünfte vermie- den werden, da der vom Feind versuchten Umzingelung vielleicht nicht zu entkommen ist. Bei diesen Straßentaktiken hat sich der Typ eines neuen Stadtgue- rilleros herausgebildet, der an Massendemonstrationen teilnimmt und ihn nennen wir den demonstrierenden Stadtguerillero. Er nimmt an Märschen und anderen Demonstrationsarten des Volkes mit spezi- fischen und genau definierten Aufgaben teil. Diese bestehen darin, Steine und andere Projektile zu werfen, mit Benzin Feuer zu legen, auf Polizisten zu schießen und ihre Waffen zu erbeuten, Agenten des Feindes und Provokateure zu entführen, daneben mit absoluter Treffsicherheit auf Häscher, Folterknechte und Polizei- chefs, die, um nicht erkannt zu werden, in Privatwagen mit falschen Nummern fahren, zu schießen. Er hat weiter die Taktik der Umzingelung in der Umzingelung anzuwenden, Regierungsund Po- lizeifahrzeuge nach Waffen und Geld zu durchsuchen und solche Dinge sich anzueignen, die Fahrzeuge umzustürzen und anzuzünden. Heckenschützen üben in Zusammenarbeit mit den demonstrierenden Stadtguerilleros eine wichtige Funktion aus. An strategisch wich- tigen Punkten versteckt, setzen sie den Feind mit Jagdgewehren, Maschinengewehren usw. außer Gefecht. Streiks und Arbeitsunterbrechungen: ----------------------------------- Der Streik als Aktionsform wird vom Stadtguerillero in Arbeits- und Lehranstalten angewandt, um durch Arbeits- und Studienunter- brechungen den Feind zu schädigen. Der Streik ist eine der ge- furchtesten Waffen der Ausgebeuteten und Unterdrückten und daher wendet der Feind gegen sie eine große Feuerkraft und abscheuliche Gewalttaten an. Streikende werden in Gefängnisse gesteckt, brutal mißhandelt und oftmals ermordet. Ein Streik ist so vorzubereiten, daß niemals Spuren die Führer dieser Aktion verraten können. Er ist dann am erfolgreichsten, wenn er über kleine Gruppen organi- siert wird, die darauf achten, ihn geheim und mit größter Vor- sicht vorzubereiten. Waffen, Munition, Molotowcocktails, Eigen- bauwaffen - das alles muß vorhanden sein, bevor dem Feind entge- gengetreten werden kann. Eine gleichzeitig durchgeführte, gut ge- plante Sabotageaktion richtet überall großen Schaden an, der dem Feind aber auch schon durch kurze Arbeits- und Studienunterbre- chung zugefügt wird. Dabei genügt es, an verschiedenen Ortsteilen gleichzeitig aufzutreten, das tägliche Leben zu stören und nach Guerillataktik ständig die Standorte zu wechseln. Bei Streiks und einfachen Arbeitsunterbrechungen kann der Stadtguerillero Lokale besetzen oder in sie eindringen. Dabei kann er Geiseln fangen und feindliche Agenten entführen, die gegen verhaftete Streikende ausgetauscht werden können. Streiks und Arbeitsunterbrechungen dienen auch der Vorbereitung von Fallen und Hinterhalten, in denen Polizisten physisch beseitigt werden, die wegen ihrer grau- samen Foltermethoden bekannt sind. Wichtig ist, daß dem Feind ma- terielle und moralische Schäden zugefügt werden und er sich da- durch abnutzt. Desertion, Waffenumleitung, Fang und Enteignung ----------------------------------------------- von Waffen, Munition und Sprengstoffen -------------------------------------- Desertion und Waffenumleitung werden gegenwärtig in Kasernen, Mi- litärkrankenhäusern, auf Schiffen usw. praktisch durchgeführt. Ein Stadtguerillero, der gleichzeitig Militärangehöriger ist, muß im geeigneten Augenblick desertieren und dabei moderne Waffen und Munition mitnehmen, die der brasilianischen Revolution zur Verfü- gung gestellt werden. Ein solcher Augenblick ist gegeben, wenn er einen Guerillakameraden verfolgen und bekämpfen soll. Statt den Befehlen der Gorillas zu folgen, schließt er sich den Revolutio- nären an und übergibt ihnen die in den Kasernen vorgefundenen Waffen und Munition. Diese Methode hat den Vorteil, daß die Revo- lutionäre Waffen und Munition von Heer, Marine, Luftwaffe, Mili- tärpolizei, Zivilpolizei oder Feuerwehr in die Hände bekommen - und das noch mit den Transportmitteln der Regierung. Der Militärguerillero muß stets auf alle möglichen Situationen in den Kasernen gefaßt sein. Im Falle von Nachlässigkeit der Be- fehlsstäbe, von bürokratischem und lässigem Dienst seitens des untergeordneten und inneren Personals muß der Militärguerillero sofort die Organisation in Kenntnis setzen und allein oder be- gleitet desertieren. Dabei hat er alles mitzunehmen, was ihm in die Hände fällt. Aufgrund der Information und Teilnahme durch den Militärguerillero kann zwecks Waffenerbeutung in Kasernen und militärische Anlagen eingedrungen werden. Wenn bei der Desertion keine Möglichkeit vorhanden ist, Waffen und Munition mitzunehmen, muß er durch Sabotage Waffen- und Munitionslager anzünden und zur Explosion bringen. Diese Technik der Desertion unter Mitnahme von Waffen und Munition, das Eindringen und die Sabotage in Kasernen ist eine wirksame Methode, um die Gorillas zu verwirren, zu demo- ralisieren und in Verzweiflung zu bringen. Der Waffenfang wird vom Stadtguerillero durchgeführt, um sich der Waffen zu bemächtigen, die vom Feind individuell mitgeführt wer- den. Sie sind meist im Besitz von Wachen und Personen mit ähnli- chen Aufgaben und werden durch Gewaltanwendung, eine Arglist oder eine Falle erbeutet. Nach der Entwaffnung ist der Feind immer gründlich nach weiteren Waffen zu durchsuchen, sonst wendet er eine nicht gefundene Waffe gegen den Stadtguerillero an. Die Me- thode des Waffenfanges ermöglicht es, uns die wichtigste Waffe der Stadtguerilla, das Maschinengewehr, anzueignen. Die Ausbeute kleinerer Aktionen kann für den persönlichen Gebrauch, die Be- waffnung und Versorgung der Feuergruppen verwandt werden. Wegen der unbedingten Notwendigkeit, den Stadtguerillero zu be- waffnen, sind wir gezwungen, einzelne Waffen zu kaufen oder bei Aktionen zu erbeuten. Unsere Kraft basiert auf unserer Entschlos- senheit und Kühnheit und wird durch den Waffenbesitz multipli- ziert. Bei Banküberfällen müssen die Waffen der Wachen, die aus den Panzerschränken und die des Kassierers oder Bankdirektors mitgenommen werden. Um weitere Waffen zu erhalten, können wir auf die Taktik des Hinterhalts, in den Polizisten mit ihren Fahrzeu- gen gelockt werden, zurückgreifen sowie in Polizeistationen ein- dringen. Der Militärguerillero kann Waffen, Munition und Spreng- stoff enteignen, indem er Waffengeschäfte, Industrien und Waffen- fabriken überfällt. Befreiung verhafteter Stadtguerilleros -------------------------------------- Verhaftete Stadtguerilleros werden durch eine bewaffnete Aktion befreit. Die Gefahr einer Verhaftung und Verurteilung zu vielen Jahren Zuchthaus ist beim täglichen Kampf gegen den Feind vorhan- den. Das Gefängnis beendet aber nicht den revolutionären Kampf des Guerilleros, er bereichert seine Erfahrung, die er auch in seinem Kerker anwendet. Der verhaftete Stadtguerillero betrachtet das Gefängnis als ein Gelände, das er zwecks einer befreienden Guerillaoperation genau kennen muß. Auf keiner Insel und in kei- ner Stadt gibt es ein Gefängnis, das nicht mit Kühnheit, Arglist und Feuerkraft der Revolutionäre eingenommen werden könnte. Für den freien Stadtguerillero ist das feindliche Zuchthaus ein Ter- rain, in dem unvermeidlich bewaffnete Aktionen durchgeführt wer- den müssen. Die Aktion der Gefangenenbefreiung ist gekennzeichnet durch die Kombination: freier Stadtguerillero und verhafteter Stadtguerillero. Zur Befreiung können die folgenden Guerillaope- rationen durchgeführt werden: a) Aufstände in den Zuchthausanstalten der sogenannten Rehabili- tierungskolonien und -inseln sowie an Bord der Gefangenentrans- porte; b) Überfälle auf Stadt- und Landgefängnisse, Polizeistationen, Gefangenenlager und andere Zuchthäuser, in denen sich die Gefan- genen vorübergehend oder ständig aufhalten; c) Überfälle auf Züge und andere Fahrzeuge, die dem Gefangenen- transport dienen; d) Eindringen "in Gebäude, in denen Gefangene festgehalten wer- den; e) Hinterhalte auf dem Weg der Gefangenentransporte." Die Hinrichtung --------------- Durch die Hinrichtung werden nordamerikanische Spione, Agenten der Diktatur, Polizisten, die wegen ihrer Foltermethoden bekannt sind, faschistische Persönlichkeiten der Regierung, die Patrioten verfolgt und ermordet haben oder daran beteiligt waren, Verräter, Polizeiinformanten und -provokateure getötet. Alle, die aus ei- genem Antrieb bei der Polizei Guerilleros anklagen, denunzieren oder Hinweise geben, die zur Erkennung von Guerilleros führen, müssen vom Stadtguerillero hingerichtet werden, sobald sie in seinen Händen sind. An der immer geheimen Aktion einer Hinrich- tung nehmen nur die unbedingt notwendigen Stadtguerilleros teil. Oft genügt ein einziger Heckenschütze, der einsam und unbekannt, aber geduldig und kaltblütig im Untergrund wartet und handelt. Die Entführung -------------- Bei der Entführung werden Polizeiagenten, nordamerikanische Spione, politische Persönlichkeiten und notorische und gefährli- che Feinde der revolutionären Bewegung gefangengenommen, an einen geheimen Ort gebracht und bewacht. Ziel ist, sie gegen gefangene revolutionäre Kameraden auszutauschen oder deren Folterungen in den Kerkern der Militärdiktatur ein Ende zu setzen. Die Entfüh- rung bekannter, aber unpolitischer Persönlichkeiten des künstle- rischen Lebens, des Sports und anderer Berufe kann der Propaganda für die patriotischen und revolutionären Ziele des Stadtguerille- ros dienen, jedoch hat sie unter besonderen Umständen zu erfolgen und muß vom Volk begriffen und verstanden und gut aufgenommen werden. Die Entführung von Nordamerikanern. die hier wohnen oder sich zu Besuch aufhalten, stellt einen Protest gegen das imperia- listische Eindringen und Beherrschen unseres Landes durch die Vereinigten Staaten dar. Die Sabotage ------------ Die Sabotage hat einen zerstörenden Charakter und kann von weni- gen Personen, manchmal von einer einzigen, durchgeführt werden. Die erste Phase beim Übergang zur Sabotage ist die isolierte Sa- botage, der die Phase der verallgemeinerten, vom Volk ausgeführ- ten Sabotage folgt. Soll sie erfolgreich sein, so erfordert sie ein genaues Studium, eine detaillierte Planung und eine sehr sorgfältige Ausführung. Charakteristische Formen der Sabotage sind Dynamitexplosionen, Brände und Verminungen. Etwas Sand im Getriebe, kleine Lecks im Kraftstofftank, falsche Ölung, entfernte Schrauben, Kurzschlüsse, Holz- und Eisenstücke können nicht zu reparierende Schäden anrichten. Durch die Sabotage werden lebenswichtige Anlagen des Feindes be- schädigt, zerstört und unbrauchbar gemacht. Zielobjekte können sein: a) die Wirtschaft des Landes; b) die landwirtschaftliche oder industrielle Produktion; c) das Transport- und Kommunikationssystem; d) das Militär- und Polizeisystem einschließlich der Anlagen und Lager; e) das Unterdrückungssystem von Militär und Polizei; f) Unternehmen und Besitz der Nordamerikaner, die sich im Land befinden. Der Stadtguerillero muß die Wirtschaft des Landes vor allem unter dem finanziellen Aspekt schädigen, dabei u.a. das innere und äu- ßere Handelsnetz, Banksystem, das Devisengeschäft, die Steuerein- nahme. Leichte Sabotageobjekte sind öffentliche Büros, Dienstlei- stungsbetriebe und Lager der Regierung. Wenn der Guerillero gut über die lokale Situation informiert ist, kann die landwirt- schaftliche und industrielle Produktion vor seinen Sabotageaktio- nen nicht geschützt werden. Stadtguerilleros erfüllen als Indu- striearbeiter hervorragend die Bedingungen der Sabotage. Sie sind es, die im Gegensatz zu einem nicht Eingeweihten genau wissen, welche Industrieanlagen, Maschinen und Maschinenteile zu zerstö- ren sind, um einen ganzen Wirtschaftszweig lahmzulegen. Das Transport- und Kommunikationssystem des Feindes angefangen beim Eisenbahnnetz, ist systematisch zu sabotieren. Doch dürfen dabei keine Passagiere getötet werden, vor allem nicht bei den Stadt- und den Landzügen. Die großen Sabotageziele sind Lastwagen und das übrige fahrende und stehende Material, um Militärtransporte zu verhindern. Dazu können Schienen und Schwellen beschädigt oder entfernt werden, durch Explosionen verschüttete Tunneleingänge der Eisenbahn sowie durch entgleiste Wagen blockierte Tunnel ver- ursachen große Schäden. Durch die Entgleisung eines Zuges, der Kraftstoff transportiert, wird der Feind an einer wunden Stelle getroffen. Das gleiche erreicht man mit gesprengten Brücken. We- gen Größe und Gewicht des rollenden Materials dauert die Wieder- herstellung Monate. Landstraßen können mit umgestürzten Bäumen, quergestellten Fahrzeugen, Gräben, durch Explosionen gelockerte Sockel, und zerstörte Brücken blockiert werden. Schiffe können an Ankerplätzen der Küsten- und Binnenhäfen und in den Docks beschä- digt werden. Flugzeuge können auf dem Boden durch Sabotage zer- stört werden. Telefonleitungen können systematisch durch Umlegen der Stangen und Beschädigen der Kabel unbrauchbar gemacht werden. Transport- und Kommunikationsmittel müssen von jetzt an sabotiert werden, denn der revolutionäre Krieg hat in Brasilien schon be- gonnen, und der Feind muß daran gehindert werden, Truppen, Waffen und Munition frei zu bewegen. Ölleitungen, Kraftstofftanks, Bomben- und Munitionslager, Pulver- magazine und Arsenale, Kasernen und Polizeistationen müssen zu den beispielgebenden Sabotageobjekten werden; Fahrzeuge der Poli- zei und des Militärs, vor allem Lastwagen, müssen überall dort, wo sie vorgefunden werden, zerstört werden. Die polizeilichen und militärischen Unterdrückungszentren sowie deren spezifische Or- gane sind vom sabotierenden Stadtguerillero genau und sehr auf- merksam zu beobachten. Unternehmen und Besitztümer der Nordameri- kaner müssen mit einer Aktivität sabotiert werden, die die Aktio- nen gegen die anderen lebenswichtigen Punkte des Feindes weit übertrifft. Der Terrorismus --------------- Bei der Ausübung des Terrorismus werden Bomben und andere Spreng- körper dort zur Zündung gebracht, wo ihre Wirkung nicht mehr gutzumachende Schäden anrichtet. Der Terrorismus erfordert vom Stadtguerillero theoretische und praktische Vorkenntnisse bei der Herstellung von Sprengkörpern. Obwohl er scheinbar leicht durch- zuführen ist, unterscheidet er sich nicht von den übrigen Aktio- nen, deren Erfolg von der genauen Planung abhängt. Während der Aktion muß sich der Stadtguerillero außerordentlich kaltblütig, ruhig und entschlossen verhalten. Wird der Terrorismus zunächst mit Bomben und Explosionen in Verbindung gebracht, so kann den- noch auch die Hinrichtung und die Brandstiftung in Anlagen, Be- sitz und Lagern der nordamerikanischen Firmen usw. eine seiner Formen sein. Die Wichtigkeit von Bränden, der Herstellung von Brandbomben und der Benutzung von Kraftstoff für die revolutio- näre Technik des Terrorismus muß betont werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Plünderungen, zu denen der Stadtguerillero die durch die Gewinnsucht der großen Händler verarmten und in Not geratenen Massen verleiten kann. Auf den Terrorismus als Waffen kann der Revolutionär niemals ver- zichten. Die bewaffnete Propaganda ------------------------- Jede einzelne und die Gesamtheit der bewaffneten Aktionen des Stadtguerilleros sind Formen der bewaffneten Propaganda. Die Be- richterstattung über die mit genau festgelegten Zielen durchge- führten Aktionen in den Massenkommunikationsmitteln wird unwei- gerlich zur Propaganda, wie auch Banküberfälle, Hinterhalte, De- sertionen, Waffenumleitungen, Gefangenenbefreiung, Hinrichtungen, Entführungen, Sabotage, Terrorismus und der Nervenkrieg. Flug- zeugentführung und überfallene und unter Kontrolle gebrachte Schiffe können manchmal reine Propagandaaktionen der Revolutio- näre sein. Dennoch kann der Stadtguerillero nicht auf eine Untergrunddrucke- rei, Vervielfältigungsmaschinen und ähnlichem zur Herstellung von kleinen Untergrundzeitungen, Pamphleten, Flugblättern und anderem Propagandamateriel gegen die Diktatur verzichten. Der als Drucker arbeitende Stadtguerillero erleichtert in erheblichem Maße die Einbeziehung von Teilen des Volkes in den revolutionären Kampf, die nicht als revolutionärer Einzelkänpfer ihr Leben aufs Spiel setzen, dennoch aber in der revolutionären Propaganda ständig mitarbeiten wollen. Dem Erfindungsgeist des Stadtguerilleros ist die Entwicklung von Katapulten, Mörsern und anderen Geräten über- lassen, mit denen das Propagandamaterial aus entfernten Positio- nen an bestimmte Orte geschleudert werden können. Andere Formen der Propaganda sind Tonbandaufnahmen, Besetzungen von Radiosta- tionen und Lautsprecherzentralen, Bemalen von Hauswänden und an- deren, kaum zu erreichenden Flächen. Ihre Anwendung verlangt den Charakter einer bewaffneten Aktion. Mit Briefen, die an bestimmte Anschriften gerichtet sind und die Ziele der bewaffneten Aktionen erklären, kann auf bestimmte Bevölkerungsgruppen Einfluß genommen werden. Unsere Anstrengungen können jedoch nicht erreichen, daß durch Propaganda für die Aktionen der Stadtguerilleros die Unter- stützung aller gewonnen werden kann. Es genügt, durch die Popula- risierung der folgenden Losung die Unterstützung eines Teils zu gewinnen: "Wer nichts zugunsten der Revolutionäre unternehmen will, soll nicht gegen sie arbeiten." Der Nervenkrieg --------------- Der Nervenkrieg oder psychologische Krieg ist eine aggressive Technik, bei der durch die Massenkommunikationsmittel und münd- liche weitergegebene Nachrichten die Regierung demoralisiert wer- den soll. Beim psychologischen Krieg ist die Regierung von vorn- herein im Nachteil. Sie übt bei den Massenkommunikationsmitteln die Zensur aus und befindet sich in der Defensive, wenn sie ver- hindern will, daß eine für sie schädliche Nachricht die Zensur umgeht. Diese Defensive läßt sie verzweifeln und widersprüchlich werden. Sie verliert Ansehen, Zeit und Energien bei einer entner- venden Kontrolle, die jederzeit durchbrochen werden kann. Ziel des Nervenkrieges ist es, durch Lügen über Behörden falsche In- formationen zu geben. Wenn dies die ganze Bevölkerung tut, wird in der Regierung ein nervöser Zustand der Diskreditierung, der Unsicherheit, der Ungewißheit und der Beunruhigung geschaffen. Der Stadtguerillero kann im Nervenkrieg auf die folgenden Mittel zurückgreifen: a) über Telefon und Post an Polizei und Regierung falsche Hin- weise über die Stadtguerilla geben, einschließlich der Bomben- und Terrorismusdrohungen an öffentliche Büros und Lokale, Ent- führungs- und Morddrohungen usw.; indem die Behörden diesen falschen Informationen Glauben schenken, werden sie abgenutzt; b) falsche Pläne in die Hände der Polizei kommen lassen, um sie abzulenken; c) durch Verbreitung von Gerüchten innerhalb der Regierung Unruhe auslösen; d) durch die verschiedensten Mittel die Irrtümer, Entgleisungen und Korruptionen der Regierung ausbeuten, um sie zu zwingen, durch Selbstdarstellungen und Berichtigungen in den Massenkommu- nikationsmitteln sich selbst zu demaskieren; e) bei ausländischen Botschaften, der UNO, dem apostolischen Nun- tius, den internationalen Menschenrechts- und Pressefreiheitskom- missionen Anklage zu erheben gegen jeden tatsächlichen Gewaltakt und jede Verletzung internationaler Rechte, dabei klarstellen, daß der revolutionäre Krieg fortschreiten und vor keinem Feind des Volkes haltmachen wird; Die Durchführungsmethode der Aktion ----------------------------------- Der Stadtguerillero, der seine Ausbildung durchlaufen hat und nun zum Handeln übergeht, muß bei der Aktion der Durchführungsmethode große Aufmerksamkeit widmen, ihm darf bei ihr kein Fehler unter- laufen. Jede Nachlässigkeit bei der Erlernung und Anwendung der Methode bedeutet ein sicheres Unheil, wie die tägliche Erfahrung zeigt. Die 'marginales' machen wegen der von ihnen angewandten Methode oft Fehler; der Stadtguerillero muß sich daher stets be- mühen, die revolutionäre Technik und nicht die der Banditen anzu- wenden. Es hat niemand den Namen Stadtguerillero verdient, der die revolutionäre Handlungsmethode nicht kennt oder darauf ver- zichtet, sie bei der Planung und Ausführung der Aktion genau zu beachten. Den Riesen erkennt man an seinen Fingern. Gleiches kön- nen wir vom Stadtguerillero sagen, den man von weitem durch die korrekte Anwendung der Methode und die Zuverlässigkeit seiner Mittel erkennen kann. Die revolutionäre Vorgehensweise bei der Aktion verlangt zwangsläufig die obligatorische Aneignung und An- wendung der folgenden Elemente: a) Nachforschungen und Information; b) Beobachtung und Wachsam- keit; c) Durchsuchung und Aufklärung des Gebietes; d) Studium und Probemessung des geplanten Zeitablaufes; e) Planung; f) Motorisierung; g) Auswahl und notfalls Ablösung des Personals; h) Auswahl der Feuerkraft; i) Studium und Übung der Ausführung; j) Ausübung; k) Deckung; l) Rückzug; m) Zerstreuung; n) Befrei- ung; o) Beseitigung von Spuren; p) Rettung der Verwundeten. Einige Bemerkungen über die Methode ----------------------------------- Wenn Aktionen nicht aufgrund von Informationen erfolgen, so kön- nen Beobachtungen, Nachforschungen und Nachrichten von beob- achtenden Leuten die Grundlage sein. Auch diese Methode zeigt gute Ergebnisse. In allen Fällen ist es notwendig, die Objekte sorgfältig zu überwachen, auch dann, wenn schon eindeutig Infor- mationen vorliegen, die dann überprüft werden können. Aufklärung und Erforschung des Geländes, Studium und Aufstellung von Zeit- plänen sind sehr wichtig, ohne sie würde man gleichsam einen Sprung in die Dunkelheit riskieren. Im allgemeinen wird die Be- deutung der Motorisierung für die Durchführung von Aktionen un- terschätzt und oft leichtsinnig an den Schluß der Vorbereitung gestellt. Die Motorisierung muß ernsthaft bedacht und lange vor Beginn der Aktion gesichert werden; sie erfordert eine rigorose Planung und dies beginnt bereits mit den ersten Beobachtungen und Überwachungen, damit sie mit Sorgfalt und Vorsicht durchgeführt werden kann. Das Verbergen, Reparieren, Überprüfen und Umfrisie- ren der enteigneten Fahrzeuge sind wesentliche Bestandteile der Motorisierung. Gelingt sie nicht planmäßig, dann ist damit die wichtigste Aktion gefährdet, was schwerwiegende materielle und moralische Konsequenzen für den Stadtguerillero nach "sich zieht. Bei der Auswahl des Personals ist sorgfältig darauf zu achten, daß Unentschlossene und Schwankende nicht eingesetzt werden, denn ihr Verhalten könnte sich auf die anderen Teilnehmer übertragen. Der Rückzug ist mindestens ebenso wichtig wie die Operation an sich. Das geht sogar so weit, daß er auch für einen möglichen Fehlschlag geplant werden muß. Dabei ist zu verhindern, daß Ret- tungsaktionen oder das Umsteigen auf bestimmte Fahrzeuge durch die Mitnahme von Kindern oder auffälligen Dingen erschwert wer- den. Es empfiehlt sich, Umsteigeaktionen mit größter Selbstver- ständlichkeit durchzuführen, und zwar, an Stellen, an denen das Gelände schwer eingesehen werden und durch sehr schmale Engpässe das Begegnen mit anderen Fahrzeugen vermieden werden kann. Spu- renbeseitigung ist eine zwangsläufige Notwendigkeit; dabei sind vor allem Fingerabdrücke und andere für den Feind wichtige Hin- weise zu beseitigen. Mangelhafte Spurenbeseitigung ruft in unse- ren Reihen Nervosität hervor und ist oft vom Feind ausgenutzt worden. Die Rettung von Verwundeten --------------------------- Das Problem der Verwundeten in der Stadtguerilla verdient beson- dere Beachtung. Während der Operationen der Stadtguerilla kann es schon einmal vorkommen, daß einer unserer Kameraden von der Poli- zei verwundet oder angeschossen wird. Wenn sich innerhalb einer Feuergruppe ein Guerillero mit Kenntnissen in Erster Hilfe befin- det, so kann dieser den Verwundeten sofort behandeln. Der verwun- dete Stadtguerillero darf unter gar keinen Umständen am Kampfort oder in Händen des Feindes zurückgelassen werden. Wir müssen daher darauf achten, daß wir kleinere Kurse in Erster Hilfe für Frauen und Männer durchführen, in denen der Stadtgue- rillero die elementare Technik der Ersten Hilfe erlernt. Der Stadtguerillero, der zugleich entweder Arzt oder Medizin-Student, Krankenhelfer, Pharmazeut ist oder einfach sonst Kenntnisse über Erste Hilfe besitzt, ist eine der Notwendigkeiten des modernen revolutionären Kampfes. Von denen, die aufgrund ihrer Kenntnisse dann in der Lage sind, ist ein Handbuch der Ersten Hilfe für den Stadtguerillero zu verfassen, das dann in hektographierten Blät- tern verteilt wird. Bei der Planung und Ausführung der bewaffneten Aktion darf der Stadtguerillero auf keinen Fall die Organisation der ärztlichen Logistik vergessen. Dieses Problem kann durch ein bewegliches Po- liklinikum gelöst werden, desgleichen kann eine ambulante Behand- lungsstelle in einem Kraftfahrzeug von Nutzen sein. Eine andere Lösung ist die, daß Kameraden und Kameradinnen, die Krankenhelfer sind, in einem bestimmten Haus oder an einem bestimmten Ort mit ihren Instrumenten warten und die Verwundeten dann dorthin zur Behandlung gebracht werden. Das Ideale wäre, wenn wir eine gut ausgerüstete Klinik besäßen - aber dies würde sehr viel Geld ko- sten, es sei denn, wir könnten enteignetes Material verwenden. Wenn die oben genannten Mittel nicht ausreichen, dann ist es oft notwendig, auf legale Kliniken zurückzugreifen, und dafür müssen eventuell die Waffen angewandt werden, um die Ärzte zu zwingen, unsere Verwundeten zu behandeln. Für den Fall, daß auf Blutbanken zurückgegriffen werden muß, um Blut oder Plasma zu kaufen, dürfen keine richtigen Adressen und noch viel weniger, jene Adressen hinterlassen werden, unter denen die Verwundeten, die sich in un- serer Obhut befinden, tatsächlich gefunden werden können. Es dür- fen auch niemals sonstige Adressen von Mitgliedern der Organisa- tion, die sich bereits durch ihre Untergrundarbeit kompromittiert haben, an die Krankenhäuser und Krankenanstalten gegeben werden, in die wir unsere Verwundeten zur Pflege bringen. Diese Vor- sichtsmaßnahmen sind unerläßlich, wenn wir auch die kleinste Spur und den geringsten Hinweis beseitigen wollen. Die Häuser, in denen die Verwundeten untergebracht werden, dürfen niemandem bekannt sein mit Ausnahme der kleinsten Gruppe von Ka- meraden, die die Aufgabe hat, sie zu verpflegen und zu transpor- tieren. Laken, blutige Verbände, Arzneien und irgendein anderer Hinweis auf die Behandlung, der im Kampf gegen die Polizei ver- wundeten Kameraden müssen anschließend unbedingt von dem Ort, an dem diese Kameraden ärztlich behandelt worden sind, weggeschafft werden. Die Sicherheit des Guerilleros ------------------------------ Der Stadtguerillero lebt in ständiger Gefahr, weil immer die Mög- lichkeit besteht, entdeckt oder angezeigt zu werden. Das wichtig- ste Problem der Sicherheit ist, die Garantie zu haben, daß wir gut versteckt und gut geschützt sind, und mit Sicherheit verhin- dert werden kann, daß die Polizei bis zu unserem Unterkunftsort oder unserem Aufenthaltsort kommt. Der schlimmste Feind des Stadtguerillero und die größte Gefahr, der er ausgesetzt ist, ist die Unterwanderung der Organisation durch Spione oder andere Per- sonen, die der Polizei Hinweise über uns geben. Der Spion, der innerhalb unserer Organisation gefaßt wird, muß mit dem Tod be- straft werden. Das gleiche geschieht mit jenen, die desertieren und der Polizei erzählen, was sie wissen. Ein gutes Sicherheitssystem gibt das Bewußtsein, daß der Feind keine Spione und Agenten innerhalb unserer Mitte hat und daß er keine Informationen über uns erhalten kann, auch nicht auf indi- rektestem und entferntestem Wege. Die wichtigste Maßnahme, um dies sicherzustellen, ist die sorgfältige Prüfung von neuen Mit- gliedern bei ihrer Aufnahme in die Organisation. Es kann auch nicht zugelassen werden, daß sich alle gegenseitig kennen und jeder alles weiß. Jeder darf nur das kennen, was sich auf seine Arbeit bezieht. Diese Regel ist ein weiterer wesentli- cher Punkt für die Sicherheit des Stadtguerilleros. Unser Kampf gegen den Feind ist ein schwerer und schmerzlicher Kampf, denn es handelt sich um einen Klassenkampf. Jeder Klassenkampf ist eine Sache von Leben oder Tod, wenn die Klassen antagonistische Klas- sen sind. Der Feind möchte uns vernichten und er sucht hartnäc- kig, uns zu entdecken und uns niederzuschlagen, da unsere große Waffe gegen ihn darin besteht, daß wir uns vor ihm verstecken und ihn überraschend angreifen. Besonders ärgerlich ist es, wenn ein Stadtguerillero sich aus mangelnder Vorsicht selbst verrät oder sich durch fehlende Auf- merksamkeit entdecken läßt. Es ist daher unzulässig, daß der Stadtguerillero seine eigenen oder irgendeine andere Unter- grundadresse dem Feind gibt oder daß er ganz allgemein zu viel spricht. An den Rand von Zeitungen geschriebene Bemerkungen, ver- gessene Dokumente, Visitenkarten, Briefe oder Geldscheine sind Spuren, die die Polizei niemals verachten wird. Die Adressenbü- cher und die Terminkalender, in denen Adressen und Telefonnummern aufgeschrieben werden, müssen abgeschafft werden und es dürfen keine Papiere geschrieben oder aufgehoben werden. Aufstellungen von legalen oder illegalen Namen, biographische Hinweise, Stadt- pläne, Straßen, Lagepläne oder Landkarten dürfen ebenfalls nicht aufgehoben werden. Die Treffpunkte dürfen nicht aufgeschrieben, sondern nur im Gedächtnis aufgehoben werden. Der Stadtguerillero, der diese Normen nicht einhält, muß von dem ersten, der die Über- tretung bemerkt, darauf hingewiesen werden und im Fall der Wie- derholung ist die weitere Zusammenarbeit mit ihm zu meiden. Die Notwendigkeit für den Stadtguerillero, sich ständig zu bewe- gen, und zwar in relativer Nähe zur Polizei, da diese die Stadt an strategischen Punkten umzingeln kann, bedingt die Einführung von flexiblen Sicherheitsmaßnahmen, die von den Bewegungen des Feindes abhängen. Hierzu ist es notwendig, ein tägliches Informa- tionssystem über die beobachtbaren Bewegungen des Feindes zu be- sitzen, also über plötzliche Razzien und Umzingelungen der Poli- zei und über die Punkte und Engpässe, die von dieser kontrolliert werden. Die tägliche Lektüre der Polizeiberichte in den Zeitungen ist dafür eine optimale Informationsquelle. Das oberste Prinzip für die Sicherheit des Guerilleros ist, daß wir unter keinen Um- ständen auch nur die geringsten Anzeichen von Nachlässigkeit oder Trägheit bei der Erfüllung der Sicherheitsmaßnahmen und der Wach- samkeitsregeln zulassen dürfen. Die Sicherheitsmaßnahmen des Stadtguerilleros müssen gerade auch im Fall einer Festnahme ein- gehalten werden. Der verhaftete Guerillero darf der Polizei nichts verraten, was die Organisation schädigen könnte. Er darf nichts sagen, was die Festnahme von anderen Kameraden, die Ent- deckung von Adressen und Verstecken, den Verlust von Waffen und Munition usw. zur Folge haben könnte. Die sieben Sünden des Stadtguerilleros -------------------------------------- Auch dann, wenn der Stadtguerillero mit großer Exaktheit die re- volutionäre Technik anwendet und die Sicherheitsregeln genau er- füllt, ist er nicht vor Fehlern gefeit. Es gibt keinen perfekten Stadtguerillero. Das einzige, was getan werden kann, ist, sich zu bemühen, den Spielraum der Fehler möglichst klein zu halten, denn die Perfektion kann nicht erreicht werden. Ein Mittel, das wir bei der Einengung des Fehlerspielraums anwenden können, besteht darin, die sieben Sünden des Stadtguerilleros zu kennen und sie zu bekämpfen. Die erste Sünde des Stadtguerilleros ist die Uner- fahrenheit. Der Stadtguerillero, der diese Sünde begeht, glaubt, daß der Feind dumm ist, unterschätzt seine Intelligenz, glaubt, daß die Aktionen einfach durchzuführen sind und hinterläßt Spuren mit katastrophalen Folgen. Infolge seiner Unerfahrenheit kann der Stadtguerillero die Kräfte des Feindes auch überschätzen und ihn daher für stärker halten, als er tatsächlich ist. Läßt er sich von dieser Annahme irreleiten, dann kann er sich leicht ein- schüchtern lassen und wird unsicher und unentschlossen, gelähmt und ohne Initiative. Die zweite Sünde des Stadtguerilleros ist die, mit den von ihm ausgeführten Aktionen anzugeben und sie in alle vier Himmelsrich- tungen auszuposaunen. Die dritte Sünde des Stadtguerilleros ist die, daß ihm der Kamm schwillt. Der Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, versucht die Probleme der Revolution dadurch zu lösen, daß er Aktionen in der Stadt auslöst, ohne sich dabei um den Beginn und das Überle- ben der Guerillera auf dem Land zu kümmern. Von den erreichten Erfolgen geblendet, organisiert er eine Aktion, die er für ent- scheidend hält, und in der er alle Mittel und Kräfte der Organi- sation aufs Spiel setzt. Da die Stadt ein Gebiet innerhalb der strategischen Umzingelung durch die Kräfte der Repression ist, die wir verhindern oder durchbrechen können, wenn die Landgue- rilla noch nicht entfaltet oder für den Sieg stark genug ist, dann wird der fatale Fehler begangen, der dem Feind den entschei- denden Angriff auf uns erlauben wird. Die vierte Sünde des Stadtguerillero ist es, seine eigenen Kräfte zu überschätzen und daher Aktionen durchführen zu wollen, deren Voraussetzungen er noch nicht erfüllen kann, da er noch nicht über eine geeignete Infrastruktur verfügt. Die fünfte Sünde des Stadtguerillero ist die Voreiligkeit. Der Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, verliert die Geduld, wird nervös, kann nicht abwarten und wirft sich daher stürmisch in die Aktionen, in denen er notgedrungen unerwartete Rückschläge erleiden muß. Die sechste Sünde des Stadtguerilleros ist, den Feind dann an- zugreifen, wenn dieser gerade besonders gereizt und wütend ist. Die siebte Sünde des Stadtguerilleros besteht darin, die Aktionen nicht genau zu planen und sich auf die Improvisation zu verlas- sen. Die Unterstützung des Volkes ---------------------------- Es muß eine ständige Sorge des Stadtguerilleros sein, sich mit der Sache des Volkes zu identifizieren, um dessen Unterstützung zu gewinnen. Wo sich die Handlungsweise der Regierung als korrupt entpuppt, darf der Stadtguerillero mit seinem Auftreten nicht zö- gern, und er muß zeigen, daß er die Regierung bekämpft, um so die Symphatien der Massen zu gewinnen. Die jetzige Regierung erlegt dem Volk schwere finanzielle Forderungen auf und verlangt die Zahlung von hohen Steuern. Der Stadtguerillero muß das System der Steuereinziehung angreifen und die Aktivität der Finanzbehörden behindern, indem er gegen sie das gesamte Gewicht der revolutio- nären Gewalt richtet. Aber der Stadtguerillero wendet sich nicht nur gegen die Steuern und das Einziehungssystem. Es ist genauso wichtig, daß die revolutionäre Gewalt auch die für die Erhöhung der Preise zuständigen Organe der Regierung, die für diese Organe verantwortlichen Personen wie auch die reichsten in-und ausländi- schen Händler und Grundstücksbesitzer erreicht; die Gewalt muß also gegen alle angewendet werden, die riesige Gewinne aus der Verteuerung der Lebenshaltung, durch die Hungerlöhne, durch die Preiserhöhungen und durch die Mieterhöhungen scheffeln. Die ausländischen Trust, wie z.B. die Besitzer von Kühlanlagen, und die nordamerikanischen Unternehmen, die die Herstellung und Verteilung der Nahrungsmittel monopolisieren, müssen vom Stadt- guerillero systematisch angegriffen werden. Die Rebellion des Stadtguerilleros und seine ständige Parteinahme in den Angelegen- heiten des Volkes, sind die besten Mittel, die Unterstützung des Volkes für unsere Sache zu gewinnen. Wir wiederholen und betonen nochmals: e s i s t d i e b e s t e F o r m, d i e U n- t e r s t ü t z u n g d e s V o l k e s z u g e w i n n e n. Von dem Augenblick an, von dem ein angemessener Teil der Bevölkerung ernsthaft an den Aktionen des Stadtguerilleros teil- zunehmen beginnt, ist der Erfolg gesichert. Für die Regierung gibt es keine andere Wahl als ihre Unterdrüc- kungsmaßnahmen zu verstärken. Polizeirazzien, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen von Unschuldigen und Verdächtigen, Absperren von Au- tobahnen und Landstraßen machen das Leben in der Stadt unerträg- lich. Die Militärdiktatur beginnt eine massive politische Verfol- gung. Die politischen Morde und der Polizeiterror werden zu einer Routineerscheinung. Trotzdem scheitert die Polizei ständig. Die Kräfte des Heeres, der Marine und der Luftwaffe werden mobili- siert, um von nun ab die Polizeifunktionen zu übernehmen. Aber dennoch gelingt es ihnen nicht, Spuren zu finden, die Operationen der Stadtguerilleros zu unterbinden oder die revolutionäre Orga- nisation zu zerschlagen, da diese in kleine Gruppen unterteilt ist, die sich innerhalb des nationalen Gebietes ständig bewegen und den Brand ständig weiter entfachen. Das Volk weigert sich, mit den Behörden zu kollaborieren, und es entsteht ein allgemeines Gefühl der Empörung über die Ungerech- tigkeit der Regierung und ihre Unfähigkeit, den Schwierigkeiten nicht mit anderen Mitteln beikommen zu können als dadurch, ihre Opponenten physisch zu liquidieren. Die politische Situation des Landes verwandelt sich in eine militärische, in der die Gorillas sich immer mehr als die Verantwortlichen für die Fehlschläge und für die Anwendung von Gewalt herauskristallisieren, während gleichzeitig die Verschlechterung der Lebensbedingungen des Vol- kes katastrophale Ausmaße annimmt. Aber jetzt tauchen die Beschwichtiger auf, die es immer in den herrschenden Klassen gibt, und die rechten Opportunisten, die für den friedlichen Kampf sind. Sie sehen die Militärs und die Dikta- tur am Rande des Abgrunds und fürchten nun die Folgen des revolu- tionären Krieges, der sich dann schon auf einer entwickelten und nicht mehr rückgängig zu machenden Stufe befindet. Hinter den Ku- lissen beginnen sie mit ihren Machenschaften und bitten die Hen- ker um Wahlen, um eine "Redemokratisierung", um Verfassungsre- formen und andere Zutaten, die die Massen betrügen und den revo- lutionären Kampf der Städte und des Landes bremsen sollen. Aber das Volk hat jetzt seinen Blick auf die Revolutionäre gerichtet und es versteht nun, daß es eine Farce ist, an Wahlen teilzuneh- men, deren einziges Ziel ist, das Weiterleben der Militärjunta zu garantieren und ihre Morde zu sanktionieren. Mit dem offenen An- griff auf die Wahlfarce und die sogenannte "politische Öffnung", die den Opportunisten so sehr gefällt, muß der Stadtguerillero noch aggressiver und gewalttätiger werden, und unaufhörlich auf Sabotage, Terrorismus, Enteignung, Überfälle, Entführungen, Hin- richtungen usw. zurückgreifen. Dies vereitelt jeden Versuch, die Massen durch die "Öffnung" des Kongresses und durch die Reorgani- sierung von Parteien - der sowohl die Regierung als auch die Op- position zustimmt - zu betrügen, zumal gerade das Parlament und diese Parteien dazu berufen sind, nur im Rahmen von Gnade und Er- laubnis der Militärdiktatur zu funktionieren, ein grandioses ge- mischtes Spektakel aus Marionettentheater und dressierten Hunden. Um das Volk zu gewinnen, muß der Stadtguerillero weiterkämpfen und dabei die Interessen der Massen berücksichtigen; gleichzeitig muß er die Umstände für die Regierung immer unerträglicher ma- chen. Diese für die Diktatur auswegslose Situation erlaubt den Revolutionären, die Guerilla auf dem Land zu entfalten, während in der Stadt die Rebellion für die Gorillas immer weniger kon- trollierbar wird. Der Stadtguerillero führt die revolutionäre Ak- tion zugunsten des Volkes aus, sucht durch sie Massen für den Kampf gegen die Militärdiktatur und für die Befreiung des Landes vom Joch der USA zu gewinnen. Indem wir von der Stadt ausgehen und die Unterstützung des Volkes dort gewinnen, wird die Stufe der Landguerilla schnell erreicht und deren Infrastruktur sorg- fältig aufgebaut, während in den Städten die Rebellion weiter- geht. Die Stadtguerilla, Auswahlschule des Guerilleros ------------------------------------------------ Die Revolution ist ein gesellschaftliches Ereignis, das von Men- schen, Waffen und Material abhängt. Waffen und Material sind im Lande vorhanden und können erbeutet werden, aber dazu ist man auf Menschen angewiesen. Ohne sie haben weder Waffen noch irgendwel- ches Material irgendeinen Sinn. Die Menschen müssen ihrerseits in jedem Fall zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllen: a) sie müs- sen eine politisch-revolutionäre Handlungsmotivation haben; b) sie müssen eine geeignete technisch-revolutionäre Ausbildung be- sitzen. Wir finden Männer mit politisch-revolutionärer Handlungsmotiva- tion im riesigen unverkennbaren Kontingent der Feinde der Dikta- tur und der Herrschaft des US-Imperialismus überall im Land. Diese Männer kommen fast täglich in die Stadtguerilla, und das ist der Grund dafür, daß die Reaktion nicht mehr täglich die Ver- nichtung der revolutionären Gruppen meldet, um am nächsten Tag nicht erneut zugeben zu müssen, daß sie gegen sie kämpfen muß. Die besttrainierten und erfahrensten Männer, die gleichzeitig an der Stadt und an der Landguerilla teilnehmen, bilden das Rückgrat des revolutionären Krieges und somit der brasilianischen Revolu- tion. Aus diesem Rückgrat entwickelt sich der Kern des revolutio- nären Heeres der Nationalen Befreiung, das aus der Guerilla her- vorgeht. Es ist dies ein innerer Kern, in dem Bürokraten und Opportuni- sten, die sich in den Apparaten verstecken, leere Schwätzer und Schreiberlinge von Resolutionen, die auf dem Papier bleiben, kei- nen Platz finden. Dieser Kern besteht aus Kämpfern. Er besteht aus den Männern und Frauen, die vom ersten Moment an zu allem entschlossen und bereit waren, die persönlich an den revolutio- nären Aktionen teilnehmen, die weder schwanken noch leere Worte machen. Es ist ein geschulter und disziplinierter Kern, der eine große strategische und taktische Übersicht besitzt, die sich auf die Anwendung der marxistischen Theorie, der Theorie des Leninis- mus und der Theorien von Castro und Che Guevara auf die konkreten Verhältnisse der brasilianischen Realität gründet. Dieser Kern führt die Rebellion durch die Etappe der Guerilla. Aus ihm werden Männer und Frauen mit einer politisch-militärischen Bildung, die von nun an eine unzertrennliche Einheit bildet, hervorgehen, und sie werden in der Zukunft die Aufgabe übernehmen, nach dem Sieg der Revolution den Aufbau der neuen brasilianischen Gesellschaft zu führen. Unter den Frauen und Männern, die die Stadtguerilla von nun an auswählt, sind Arbeiter, 'campesinos', die die Stadt als Ar- beitskräfte angezogen hat, und die sowohl in politischer als auch technischer Hinsicht vorbereitet aufs Land zurückkehren, Studen- ten, Intellektuelle und Geistliche. Dies ist das Material, mit dem, ausgehend von der Stadtguerilla, die bewaffnete Allianz von Arbeitern und Bauern, Studenten, Intellektuellen und Geistlichen aufgebaut wird. Die Arbeiter besitzen die notwendigen Kenntnisse über die indu- strielle Sphäre, und sie sind daher für revolutionäre Aufgaben in der Stadt optimal geeignet. Der Arbeiter-Stadtguerillero nimmt am jetzigen Kampf durch die Herstellung von Waffen teil, durch die Sabotage und die Vorbereitung von Sabotage- und Dynamitaktionen, durch die persönliche Teilnahme an den bewaffneten Aktionen oder durch die Organisierung von Streiks und Arbeitsniederlegungen mit Anwendung von Gewalt auf der Seite der Massen in Fabriken, Werken oder anderen Arbeitsstätten. Die 'campesinos' besitzen eine hervorragende Intuition für das Terrain, die Schlauheit, dem Feind zu begegnen und die Verfassung und Einstellung, die notwendig ist, mit den Massen der Gedemütig- ten zu kommunizieren. Der 'campesinos'-Guerillero nimmt schon an unserem Kampf teil, und er ist es, der die Guerillaachsen dar- stellt, der Stützpunkte auf dem Land errichtet, Verstecke für Personen, Waffen und Munition sowie Nahrungsmittel ausfindig macht, die Saat und die Einbringung von Getreide für den Bedarf der Guerillas organisiert, der die Orte auswählt, an denen das Vieh gezüchtet und die Reittiere ausgebildet und einsatzbereit gemacht werden, der die Führer für die Guerilleros aus der Stadt aussucht und der ein Informationssystem auf dem Land herstellt. Die Studenten bringen schon von sich aus genügend politische Schroffheit und Rohheit mit, um sämtliche Tabus zu zerstören. Wenn sie sich der Stadtguerilla anschließen, wie es jetzt in großem Maße der Fall ist, dann zeigen sie spezielles Talent für die Ausübung der revolutionären Gewalt, und sie erreichen gewöhn- lich einen hohen politisch-militärischen Ausbildungsstand. Die Studenten verfügen über viel Freizeit, da sie systematisch durch die Diktatur von ihren Schülern getrennt, zeitweilig oder ganz relegiert werden, und diese Zeit kann in sehr vorteilhafter Weise der Revolution zur Verfügung gestellt werden. Die Intellektuellen stellen die zentrale Säule des Widerstandes gegen die Willkür, gegen die gesellschaftliche Ungerechtigkeit und gegen die unmenschliche Inkongruenz der Gorilladiktatur. Sie geben der Revolution ständig neue Impulse und sie haben ein rie- siges Kommunikationspotential und einen großen Einfluß auf das Volk. Der intellektuelle Stadtguerillero oder der Künstler-Stadt- guerillero sind die neuesten Bereicherungen des revolutionären Krieges in Brasilien. Die Geistlichen, d.h., die Pfarrer und Priester der verschiedensten Hierarchien und Konfessionen stellen einen Sektor mit einer besonderen Kommunikationsfähigkeit zum Volk dar, insbesondere zu den Arbeitern, den Bauern und den Frauen. Der geistliche Stadtguerillero ist ein sehr aktives Mit- glied des brasilianischen revolutionären Krieges und er stellt eine mächtige Waffe im Kampf gegen die militärische Macht und die Macht des nordamerikanischen Imperialismus dar. Die Teilnahme der brasilianischen Frauen am revolutionären Krieg und hauptsächlich ihre Teilnähme an der Stadtguerilla ist durch unübertreffliche Kampfbereitschaft und Ausdauer gekennzeichnet, und daher ist es nicht zufällig, warum so viele Frauen wegen ihrer Teilnahme an Guerillaaktionen gegen Banken, Kasernen usw. angeklagt worden sind, sich viele von ihnen in den Kerkern befinden und viele von der Polizei gesucht werden. Die Stadtguerilla ist eine Schule der Selektion, und sie bildet sowohl Männer als auch Frauen aus - beide müssen in ihr die glei- che Verantwortung und das gleiche Effizienzniveau erreichen; sie müssen die gleichen Gefahren teilen, indem sie für die Versorgung der Stadtguerilla sorgen, indem sie als Kuriere, als Kraftfahrer, Matrosen oder Flugzeugführer agieren, indem sie geheime Informa- tionen beschaffen, indem sie Propagandaarbeit leisten und an der politischen Schulung teilnehmen. l Juni 1969 Carlos Marighella _____ 1) Marighella benutzt hier den Begriff 'marginales' im einge- schränkten Sinne. Zunächst ist er nichts als eine klassifizie- rende Bezeichnung für den in lateinamerikanischen Großstädten vorfindbaren Typ des Lumpenproletariats, denen Soziologen den Na- men 'marginale' gegeben haben, weil sie 'am Rande' der Gesell- schaft und des 'Wirtschaftsprozesses' stehen, d.h., diesen nicht 'zugeordnet' werden können. (Übersetzer) zurück