Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970


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REPLIK ZU ALEX SCHUBERT

In der Tradition der Theorie der Arbeiterbewegung findet die Zen- tralisation der Kapitale - das Zentralthema bei Huffschmid und in der Kritik Alex Schuberts an meiner Rezension des Huffschmidschen Buches in der SOPO Nr. 4 - zwei entgegengesetzte Interpretatio- nen. Die revisionistischen Theoretiker (z.B. Bernstein und Hil- ferding) sahen in ihr das erste Anzeichen des beginnenden Sozia- lismus innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft: "Organisier- ter Kapitalismus bedeutet also in Wirklichkeit den prinzipiellen Ersatz des Prinzips der freien Konkurrenz durch das sozialistische Prinzip planmäßiger Produktion. Diese planmäßige, mit Bewußtsein geleitete Wirtschaft unterliegt in viel größerem Maße der Möglichkeit der bewußten Einwirkung der Gesellschaft, d.h. nichts anderes, als der Einwirkung durch die einzige bewußte und mit Zwangsgewalt ausgestattete Organisation, der Einwirkung durch den Staat." 1) Die Interpretation der Zentralisation der Kapitale als Aufhebung der 'Anarchie des Marktes' und als Basis einer planmäßig geleiteten Produktion durch den bürgerlichen Staat in Zusammenarbeit mit den großen Kapitalen bildet dabei die ökonomische Legitimierung für die praktizierte Politik der "Zusammenarbeit der Klassen", und das heißt des Versuchs der SPD zur Liquidierung des Klassenkampfes. 2) Demgegenüber hebt schon Rosa Luxemburg in ihrer Kritik an Bernstein und in Anlehnung an die Marxsche Theorie hervor: Die Kartelle und Trusts erscheinen "in ihrer endgültigen Wirkung auf die kapitalistische Wirtschaft nicht nur als kein 'Anpassungsmittel', das ihre Widersprüche ver- wischt, sondern geradezu als eines der Mittel, die sie selbst zur Vergrößerung der eigenen Anarchie, zur Austragung der in ihr ent- haltenen Widersprüche, zur Beschleunigung des eigenen Untergangs geschaffen hat." 3) Der These von der abnehmenden Schärfe des ka- pitalistischen Krisenzusammenhangs durch Zentralisation der Kapi- tale setzen Rosa Luxemburg ebenso wie Lenin in ihren Imperialis- musanalysen die Demonstration der sich verschärfenden kapitali- stischen Widersprüche entgegen und begründen so auch die objek- tive Notwendigkeit des Klassenkampfes. Denn, so sagt Rosa Luxem- burg: "Nimmt man mit Bernstein an, die kapitalistische Entwick- lung gehe nicht in der Richtung zum eigenen Untergang, dann hört der Sozialismus auf, eine o b j e k t i v e N o t w e n d i g- k e i t z u s e i n." Er wird zum "bloßen Ideal". 4) Die sozialdemokratische Strategie - Zusammenarbeit der Klassen - war also durchaus folgerichtig aus der Theorie vom organisierten Kapitalismus abgeleitet, dem infolge der fortschreitenden Kapi- talkonzentration und -zentralisation die Aufhebung seiner Krisen möglich sein sollte. 5) Demgegenüber formuliert Huffschmid zwar auf der einen Seite eine Neuauflage der Theorie vom organisierten Kapitalismus, auf der anderen Seite aber hält er an der Notwen- digkeit des Klassenkampfes fest. Diesen Widerspruch wollte ich bezeichnen, wenn ich in meiner Rezension in der letzten Nummer der SOPO, wie Alex Schubert kritisiert, "mißverständlich" formu- lierte: Huffschmid beharre darauf, daß durch die von ihm be- hauptete 'Kooperation der Kapitale' sich an den Bewegungsgesetzen des Kapitalismus a l s V e r w e r t u n g s z u s a m m e n- h a n g v i e l e r a u f e i n a n d e r b e z o g e n e r E i n z e l k a p i t a l e nichts ändere. 6) Die These von der Möglichkeit der Planung der Produktion durch die friedlich koope- rierenden Einzelkapitale impliziert nämlich, daß die kooperieren- den Kapitale nicht mehr als einzelne dem Zwang zur Akkumulation unterliegen. Gemeinsame Planung der Produktion durch die koope- rierenden Kapitale und Zwang für jedes Einzelkapital, sich zu verwerten, schließen sich gegenseitig aus. 7) Entweder führt die Zentralisation der Kapitale zum dauerhaften Krisenmanagement durch das Großkartell Staat-Kapital - und dies ist nur möglich, wenn das Einzelkapital vom Zwang der Verwertung befreit ist, also auch nicht mehr Kapitalist ist -, und dann wird der Klassenkampf zur volutaristischen Phrase; oder sie verschärft "in ihrer end- gültigen Wirkung" (R. Luxemburg) die kapitalistischen Krisen und verändert damit die objektive Voraussetzung für Klassenkämpfe. Aber es geht nicht an, auf der einen Seite dem Kapitalismus seine verstärkte Lebensfähigkeit zu bescheinigen, auf der anderen Seite dagegen auf der Notwendigkeit des Klassenkampfes zu beharren. Meine Kritik versuchte also zu zeigen, daß Huffschmid seine falsche These nicht konsequent zu Ende führt. Das Problem, das den marxistischen und sozialdemokratischen Theo- retikern bei der Beurteilung und Analyse der Kapitalkonzentration und -zentralisation vorlag, scheint mir allerdings nicht hinrei- chend präzise bezeichnet, und damit auch nicht lösbar, wenn man - und hier sind sich Huffschmid und Alex Schubert einig - die Kon- kurrenz als ein entscheidendes Moment für das Handeln der einzel- nen Kapitalisten völlig aus der Betrachtung ausschließt, bzw. als irrelevant abtut. Dies geschieht bei Schubert zum einen, indem er die Akkumulation des Kapitals, die "aus seiner Natur hervorgeht" als "unabhängig von dessen Vereinzelung, also unabhängig davon, ob es in viele Kapitalien aufgeteilt ist" darstellt. Aber nach Marx realisiert sich die allgemeine Bestimmung des Kapitals, "sich verwertender Wert" zu sein, also akkumulieren zu müssen, nicht aus dem Bewegungsgesetz des Einzelkapitals und sei es, daß zum "einzigen" Kapital hypostasierte "Kapital im allgemeinen" im Sinne von Alex Schubert, vielmehr wird diese Bestimmung erst durch die Konkurrenz v e r w i r k l i c h t. 8) So wirkt die Konkurrenz als M o t o r der Akkumulation. Schubert dagegen will mit seiner These über die Akkumulation ausdrücken, daß nicht erst in der Phase des monopolistischen Kapitalismus, sondern schon eh und je die Kapitalisten unter dem Akkumulationszwang standen, ohne daß dazu der äußere Druck der Konkurrenz notwendig gewesen wäre. Damit erklärt er alle Ausführungen von Marx als ir- relevant, in denen dieser darauf besteht, daß die "innere Tendenz des Kapitals", nämlich zu akkumulieren, dem einzelnen Kapitali- sten "als ein Zwang, der ihm von fremden Kapital angetan wird" erscheint. (Grundrisse, 316/17) Das Verhältnis zwischen dem Kapital im allgemeinen und den ver- einzelten Kapitalen ist eben nicht so, daß die Existenzweise des Kapitals als viele einzelne Kapitale irrelevant für die Bewegung der Akkumulation und damit für den "Werwolfsheißhunger des Kapi- tals nach Mehrarbeit" wäre. Am Beispiel der Fabrikgesetzgebung macht Marx deutlich, daß der einzelne Kapitalist eben deshalb nicht die Freiheit hat, seine Arbeiter mehr oder weniger auszu- beuten, weil ihm die Konkurrenz der Einzelkapitale die maßlose Ausdehnung des Arbeitstags aufzwingt. Er kann folglich nicht als moralisches Individuum handeln, sondern nur als Charaktermaske des Kapitals. D a s i n n e r e G e s e t z d e s K a p i- t a l s i m A l l g e m e i n e n w i r d i h m a l s ä u ß e r e N o t w e n d i g k e i t a u f g e h e r r s c h t v e r m i t t e l s d e r K o n k u r r e n z. Z u m a n d e r n schließt sich Schubert Huffschmids These von der tendenziellen Aufhebung der Konkurrenz im Monopolkapitalismus an. Diese These aber von der "Aufhebung der Konkurrenz", aufgrund derer "sich das Kapital auf sich selbst nicht mehr als ein gegen- sätzliches bezieht, sondern a l s g e m e i n s a m e s, e i n z i g e s (!), dessen Interesse nicht im Sieg über das an- dere Kapital liegt (Konkurrenz), sondern im Sieg über die Arbeit, in der Unterdrückung der Arbeiterklasse" (Schubert), ist falsch. 9) Im Gefolge dieser These gelingt es Schubert deshalb nicht, seinen Einwand gegen Huffschmid, der Kapitalismus könne nicht krisenfrei funktionieren, inhaltlich zu begründen. Er stellt Huffschmid Marx-Zitate entgegen, die von der Verschärfung der Krisen unter der Bedingung der Existenz von Kapitalmonopolen sprechen, ohne die theoretische Herleitung dieser Tendenz bei Marx nachzuvollziehen. Marx hat in der Tat nie, ebensowenig wie Lenin, in der Tendenz zur Zentralisation des Kapitals, eine Ten- denz zur Bildung von Kapitalmonopolen gesehen, die das Geschäft der Ausbeutung der Arbeiterklasse als v e r e i n i g t e s G e s a m t k a p i t a l, als "m a t e r i e l l e r" Gesamt- kapitalist g e m e i n s a m vollziehen, so wie Huffschmid und Schubert dies tun. Die Belege, die Schubert anführt, um seine These vom materiellen Gesamtkapitalisten durch Marx und Lenin zu bekräftigen, sind aus dem Zusammenhang gerissen, oder besagen selbst sogar das Gegenteil. Im "Imperialismus als höchstes Sta- dium des Kapitalismus" stellt Lenin die Aufhebung der freien Kon- kurrenz durch das Monopol dar, meint damit jedoch die Aufhebung jener F o r m der Konkurrenz, die als Konkurrenz zwischen Pri- vateigentümern den Nährboden für die bürgerliche Ideologie von der 'Freisetzung der Individuen in der freien Konkurrenz' bildete ('freie Entfaltung der Unternehmerinitiative', 'Chancengleichheit auf dem Markt', 'Befreiung von den feudalen Fesseln der Produk- tion durch freie Konkurrenz' etc.). Doch wurden eben auch in die- ser Form der Konkurrenz, die den Schein der Freiheit der bürger- lichen Individuen erzeugte, nicht die Individuen, sondern das Ka- pital freigesetzt, (vgl. Grundrisse, 544) Die Freisetzung des Ka- pitals, seine Befreiung selbst von den Schranken des Privateigen- tums, vollzieht sich in der Bildung von Aktiengesellschaften, die zwar, ebenso wie Kartelle, die freie Konkurrenz im borniert bür- gerlichen Sinne als K o n k u r r e n z d e r P r i v a t- e i g e n t ü m e r aufheben, jedoch auf der anderen Seite die Konkurrenz der E i n z e l k a p i t a l e, auch wenn diese die Form von "Gesellschaftskapital" (Marx) annehmen, verschärfen. Die Leninsche Imperialismustheorie ist daher nicht als Beleg für die These vom Einen Kapital, sondern als Darstellung des Prozesses der Verschärfung der Konkurrenz, jetzt vor allem auf der E b e n e d e s W e l t m a r k t s zu verstehen, die durch das Dazwischentreten des Staates als 'Monopol physischer Gewaltsamkeit' die Konkurrenz der Kapitale zur Form der kriegeri- schen Auseinandersetzung zwischen Staaten treibt. Seine schärf- sten Angriffe richtet Lenin folglich in seiner Imperialismusana- lyse gegen Kautskys Theorie vom "Ultraimperialismus", die von der Aufhebung der Konkurrenz der Kapitale auf dem Weltmarkt und der Herausbildung eines internationalen 'materiellen Gesamtkapitali- sten' spricht, von der "gemeinsamen Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Gesamtkapital" 10), so wie Schubert aus der Zentralisation der Kapitale die 'gemeinsame Unterdrückung der Arbeiterklasse' durch das friedlich vereinte Großkapital herlei- tet. Wenn Marx im Zusammenhang der Darstellung der Aktiengesellschaf- ten (Zitate siehe Schubert) von "P r i v a t p r o d u k t o h n e d i e K o n t r o l l e d e s P r i v a t e i g e n- t u m s" spricht, so hält er gerade mit der Verwendung des Begriffs P r i v a t produkt daran fest, daß die Aktiengesell- schaften, auch wenn hier die Produktion ohne Begrenzung durch das Privateigentum erfolgt, W a r e n produzieren, die erst durch den A u s t a u s c h in gesellschaftlichen Zusammenhang treten. Auch die Aktiengesellschaften können den in den Waren enthaltenen Wert nur im Austausch realisieren. "Da der Wert die Grundlage des Kapitals bildet, es also notwendig nur durch Austausch gegen Gegenwert existiert, stößt es sich notwendig von sich selbst ab. Ein Universalkapital, ohne fremde Kapitalien sich gegenüber, mit denen es austauscht, ...ist daher ein Unding." (Grundrisse, S. 324). Auch wenn unter der Bedingung der Kapitalzentralisation dem Einzelkapital der Markt nicht mehr so unbekannt ist, wie unter den Bedingungen der freien Konkurrenz zersplitterter Kapitale, auch wenn das Einzelkapital jetzt seine Produktion für den Markt partiell planen kann, so ändern doch diese neuen Bestimmungen kapitalistischer Entwicklung nichts an der Tatsache, daß sich der in den Waren inkorporierte Wert erst im Austausch realisieren kann. (Vgl. Anm. 7) Wenn Hilferding sich von der "Aufhebung der freien Konkurrenz" der Aufhebung der "Anarchie des Marktes" die Möglichkeit der Planung der Produktion versprach, so ging er dabei von einem völlig falschen Verständnis des Verhältnisses von Produktions- und Zirkulationssphäre aus. Vorausgesetzt nämlich, daß der "kapitalistische Produktionspro- zeß... Wesentlich in der Produktion von Mehrwert" (Kap. III, 271) besteht, kann keine Beseitigung der Anarchie des Marktes den letzten Grund aller Krisen, den Widerspruch zwischen Produktions- kraft und Konsumtionskraft der Massen beseitigen. Dieser Wider- spruch entspringt nämlich nicht der Zirkulationssphäre, hat also mit der Konkurrenz der Kapitale nichts zu tun. 11) Aber dieser Widerspruch zwingt die Konkurrenz umgekehrt immer wieder hervor. So schreibt Marx bei der Darstellung des Gesetzes vom tendenziel- len Fall der Profitrate: "Sobald es sich aber nicht mehr um die Teilung des Profits handelt, sondern um die Teilung des Verlu- stes, sucht jeder soviel wie möglich sein Quantum an demselben zu verringern und dem ändern auf den Hals zu schieben. Der Verlust ist unvermeidlich für die Klasse. Wieviel aber jeder einzelne da- von zu tragen hat, wird dann Frage der Macht und der List, und die Konkurrenz verwandelt sich dann in einen Kampf der feindli- chen Brüder." (Kapital III, 281/82) Und: "Der mit der Akkumula- tion verbundene Fall der Profitrate bringt notwendig die Konkur- renz hervor." (ebda, S. 285) Wenn Schubert einerseits von der Vi- rulenz kapitalistischer Krisen ausgeht, auf der anderen Seite aber auch von der friedlichen Vereinigung der Kapitale zu einem nicht mehr in sich konkurrierenden Gesamtkapital spricht, so kon- struiert er einen noch größeren immanenten Widerspruch als Huff- schmid, der Krisen und Konkurrenz gleichzeitig verschwinden sieht. Huffschmid wiederum verfällt aber der Illusion der Kapitalisten, denen die Höhe der Profitrate als alleiniges Ergebnis der Konkur- renz erscheint, und die deshalb davon ausgehen, durch Kapitalkon- zentration, d.h. durch Abbau der Konkurrenz dauerhaft die Pro- fitrate halten zu können. 12) Diese Illusion hat allerdings eine reale Basis in der Tatsache, daß es Kapitalmonopolen durch zeit- weilige Ausschaltung der Konkurrenz gelingen kann, Extraprofite für längere Zeit zu realisieren. Hier aber beginnen die Probleme, unter denen die konkrete Untersuchung des Verhältnisses von Kapi- talzentralisation und Konkurrenz im monopolistischen Kapitalismus angegangen werden müßte. Während nämlich der Fall der Profitrate unabhängig von der Konkurrenz erfolgt, ist die Ausbildung einer allgemeinen Durchschnittsprofitrate unmittelbares Ergebnis der Konkurrenz der Einzelkapitale und bildet zugleich den R e g e l m e c h a n i s m u s d e r k a p i t a l i s t i- s c h e n P r o d u k t i o n. "Die Konkurrenz der Kapitali- sten, die diese Bewegung der Ausgleichung (der besonderen Profitraten) ist, besteht hier darin, daß sie den Sphären, wo der Profit auf längere Zeit unter dem Durchschnitt, allmählich Kapital entzieht, und den Sphären, wo er darüber, ebenso allmählich Kapital zuführt." (Kapital, Bd. III, S. 400) "Die Anarchie des Marktes" bewirkt also gerade die Ausgleichung der Profitraten der Einzelkapitale. Durch die Konkurrenz setzt sich das "Gesetz des Werts" zwar als "blindes Naturgesetz" durch, aber stellt eben dadurch das gesellschaftliche Gleichgewicht der Produktion inmitten ihrer zufälligen Fluktuationen her. Im Prozeß der Ausbildung einer Durchschnittsprofitrate wird die Verteilung von Kapital und Arbeit in die verschiedenen Produktionssphären (Industriebranchen und -zweige) gemäß den "wechselseitigen Be- dürfnissen" (vgl. Kapital, Bd. III, 203, 939) bewirkt. Es ist eben nicht so, daß - wie die Theorien vom organisierten Kapita- lismus meinen - die "Anarchie der Produktion" in Form von Dispro- portionen zwischen den einzelnen Industriezweigen und zwischen den verschiedenen Abteilungen (Produktionsgüter und Konsumtions- güter) einfache Konsequenz der Anarchie des Marktes und mit ihr folglich aufzuheben sei. Unter den Bedingungen der warenproduzie- renden Gesellschaft wird, wenn überhaupt, zeitweiliges Gleichge- wicht der P r o d u k t i o n nur über den Markt hergestellt, sei es als Krise des Verwertungsprozesses, sei es aufgrund der Ausbildung einer Durchschnittsprofitrate, wobei zu betonen ist, daß beides eng zusammen hängt. (Hier liegt übrigens auch der ra- tionale Kern der neoliberalen Ideologie mit ihren Beschwörungen der freien Konkurrenz). Die Wirkung des Wertgesetzes auf die Ver- teilung der Produktionsagentien gemäß den wechselseitigen Bedürf- nissen kann nun im Zuge der Zentralisation der Kapitale zeitwei- lig außerkraftgesetzt werden. Dies bedeutet nicht eine Aufhebung der Widersprüche in der Produktionssphäre, sondern eher ihre Ver- schärfung, weil der einzige kapitalistische Regulierungsmechanis- mus - das Wertgesetz - beschränkt wird unter Beibehaltung der ka- pitalistischen Produktionsweise. In diesem Sinne ist auch Marx zu verstehen, wenn er sagt: Der Prozeß der "Zentralisation der Kapi- tale in wenigen Händen und Entkapitalisierung vieler... würde bald die kapitalistische Produktion zum Zusammenbruch bringen, wenn nicht widerstrebende Tendenzen beständig wieder dezentrali- sierend neben den zentripetalen Kräften wirkten." (Kapital, Bd. III, S. 274) Das Verhältnis von Kapitalzentralisation und Konkurrenz muß im Zusammenhang des tendenziellen Falls der Profitrate und des Pro- blems der Bildung der Durchschnittsprofitrate im monopolistischen Kapitalismus untersucht werden. Darauf wollte ich mit meiner ver- suchsweisen Formulierung des Problems in Replik auf Alex Schu- berts Kritik hinweisen. Dann wird auch deutlich, daß Zentralisa- tion der Kapitale und Konkurrenz nicht zwei einander ausschlie- ßende Momente der kapitalistischen Produktion sind, im Gegenteil. Christel Neusüss _____ 1) PROTOKOLL DES PARTEITAGS DER SPD 1927, S. 168. 2) Vgl. auch Bernstein, DIE VORAUSSETZUNGEN DES SOZIALISMUS UND DIE AUFGABEN DER SOZIALDEMOKRATIE, Stuttgart 1899, S. 79 ff. Vgl. dazu ausführlich: Erika König, VOM REVISIONISMUS ZUM 'DEMOKRATISCHEN SOZIALISMUS', Berlin 1964. ... 3) Rosa Luxemburg, "Sozialreform oder Revolution? " in: Dieselbe, POLITISCHE SCHRIFTEN I, Frankfurt 1966, S. 62. Im vorhergehenden Text begründet Rosa Luxemburg ausführlich diese These. Vgl. dazu auch Lenin, "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus". 4) Rosa Luxemburg, ebda, S. 54/55. 5) Historisch war der Weg umgekehrt; die Theorie vom organisier- ten Kapitalismus wurde als nach-s fragliche Legitimation der so- zialdemokratischen Politik in der Weimarer Republik entwickelt. 6) Daß trotz gewaltiger Zentralisation des Kapitals dennoch die vielen Einzelkapitale eine Rolle spielten, macht bereits ein Blick in die Statistik sichtbar. 1968 gab es in der BRD immerhin 2,9 Mio. "Selbständige" und es würde daher die Unterstellung ei- nes groben Unsinns bedeuten, Huffschmid die Nichtbeachtung des Verwertungszusammenhangs vieler aufeinander bezogener Einzelkapi- tale zu unterschieben. 7) Eugen Varga, "Probleme der Monopolbildung und die Theorie vom organisierten Kapitalismus", in: ders.: DIE KRISE DES KAPITALIS- MUS UND IHRE POLITISCHEN FOLGEN, Frankfurt 1969, S. 26/27: "Unter Kapitalismus verstehen wir eine warenproduzierende Gesellschaft, deren Mechanismus durch das Wertgesetz beherrscht wird, das sei- nerseits den Markt zu seiner Entfaltung bedingt. Im "organisierten Kapitalismus" in seiner Vollendung, im weltumfas- senden Generalkartell, gibt es nur noch einen Arbeitgeber, einen Eigentümer aller Güter. Es gibt keinen Markt, sondern eine Zutei- lung, keine Waren, kein Wertgesetz, keine Konkurrenz, keine Not- wendigkeit der Akkumulation... keinesfalls wäre (dies) eine kapi- talistische Gesellschaft." In diesem Aufsatz wendet sich Varga auch ausführlich gegen die Hilferdingsche These von der totalen Aufhebung der Konkurrenz durch das Monopol und stellt dar, wo, in welchen Formen und warum Konkurrenz der Einzelkapitale auch das monopolistische Stadium des Kapitalismus unweigerlich beherrscht. 8) "Was in der Natur des Kapitals liegt, wird nur reell herausge- setzt als äußere Notwendigkeit durch die Konkurrenz, die weiter nichts ist, als daß die vielen Kapitalien die immanenten Bestim- mungen, des Kapitals einander aufzwingen und sich selbst aufzwin- gen." (GRUNDRISSE, S. 543). 9) Vgl. dazu auch den Aufsatz von Varga, s.o. 10) Zitiert bei Lenin, Imperialismus... Berlin 1962, S. 100. 11) Vgl. dazu auch den Aufsatz von E. Altvater in diesem Heft und Varga, s.o., "Da in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Konsumtionskraft immer niedriger ist als die Produktionskraft, würde auch dann, wenn alle Warenarten von Monopolen produziert und verkauft würden, die Konkurrenz um einen höheren Anteil am Markt um die eigene Warenart bestehen bleiben." (S. 29). 12) Zunehmende Konzentrationsprozesse in der Krise sind also nicht nur als Konzentrationsprozesse, sondern als Ausdruck ver- schärfter Konkurrenz zu analysieren. Dementsprechend müßte auch das von Huffschmid ausgebreitete Mate- rial nicht nur einfach als Beleg für die unleugbare Tatsache der Zentralisation der Kapitale genommen werden, sondern es müßte un- ter dem Gesichtspunkt des widersprüchlichen Prozesses von Kapi- talzentralisation und Konkurrenz analysiert werden. zurück