Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1970
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Diskussion
ZUM PROBLEM DER ZENTRALISATION UND KONKURRENZ DER KAPITALE
Zur Rezension von Christel Neusüß: J. Huffschmid,
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Die Politik des Kapitals, SOPO 4, S. 118
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In der letzten Nummer der SOZIALISTISCHEN POLITIK erschien die
Rezension des Buches von J. Huffschmid 1), in der scharfe Kritik
an diesem Buch geübt wird. Mir scheint die Kritik aber zum Teil
eine falsche Beurteilung der historischen Entwicklung der kapita-
listischen Produktionsweise zum Ausdruck zu bringen. Sehen wir
von den mehr oder weniger nebensächlichen Angriffen von Ch.
Neusüss auf Huffschmid ab, z.B. von der Behauptung, er sei in den
"Vorstellungen der bürgerlichen Ökonomie" verfangen und somit "an
die Begriffe und damit auch an die Inhalte bürgerlicher Ökonomie"
fixiert, so ist der Hauptvorwurf die Vernachlässigung des Wider-
spruchs zwischen dem Kapital und-der Arbeit durch Huffschmid. Sie
sagt:
"In der abstrakten Gegenüberstellung von "Bedürfnissen der Kapi-
talexpansion" und "Bedürfnissen der Verbraucher" verschwinden die
Widersprüche von Produktion von Mehrwert und seiner Realisierung
ebenso wie der Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit."
Untersucht man aber genau das Buch Huffschmids, so ist derartiges
nicht der Fall. Er behauptet ja e x p l i z i t, daß durch die
historische Entwicklung des Kapitals der Widerspruch zwischen
Produktion (von Waren und nicht von Mehrwert) und Konsumtion auf-
gehoben wird, somit auch die Krisen aus der Realität der kapita-
listischen Produktionsweise verschwinden. Es ist also nicht eine
"abstrakte Gegenüberstellung", sondern die explizite Darstellung
der Zentralisation des Kapitals (was Huffschmid fälschlich als
Konzentration des Kapitals bezeichnet), die ihn zur Behauptung
veranlaßt, daß heute die Produktionskrisen nicht mehr notwendig
seien, was nichts anderes heißt, als daß er aus der Zentralisa-
tion des Kapitals die Stabilität der kapitalistischen Produkti-
onsweise abzuleiten versucht.
Versuchen wir den für uns wichtigen Kern der Argumentation Huff-
schmids zu rekonstruieren. Er behauptet: unter den Bedingungen
von Konkurrenz zwischen den Kapitalien ist es dem einzelnen Kapi-
tal nicht möglich, den auf ihn anfallenden Teil des Marktes vor-
auszusehen, so daß unverkäufliche Produkte hergestellt werden.
Die Anarchie der Warenproduktion führt zu Schwankungen der
Produktion, also auch zu Schwankungen der Beschäftigung, und
damit zu ständigen Krisen. Dieser, wenn auch nicht explizit
dargestellten Situation wird die heutige gegenübergestellt, in
der große Monopolisten oder große Konzerne den Markt völlig
überschauen können, damit auch die Produktion kontrollieren und
somit auch die Krisen bewußt vermeiden können. In der heutigen
Phase der kapitalistischen Produktionsweise spielt dementspre-
chend der Staat ebenfalls eine stabilisierende Funktion, die
darin besteht, jene Irrtümer der großen Konzerne, die trotz deren
weiten Überblicks über den Markt auftreten, durch entsprechende
Ausgaben bzw. Ausgabeneinschränkungen zu korrigieren. Der
Anarchie der Warenproduktion unter den Bedingungen der Konkurrenz
stellt Huffschmid eine veränderte historische Situation gegen-
über, nämlich die, mit seinen Worten, des "Kollektivkapitalismus"
und der "gesamtwirtschaftlichen Steuerung".
In den zusammen mit U. Ströhle zur Arbeitskonferenz der ROTEN
PRESSE KORRESPONDENZ vorgelegten Thesen sagt Huffschmid:
"Durch die zunehmende Kollektivierung der kapitalistischen Pla-
nung werden auch die traditionellen Krisenmechanismen des Kapita-
lismus entschärft. Die gemeinsame Planung sowohl innerhalb ein-
zelner Branchen als auch in Zusammenarbeit mit den hierfür zuneh-
mend spezialisierten und legitimierten (?) wirtschaftspolitischen
Instanzen des Staatsapparates läßt die Entstehung krasser Dispro-
portionalitäten und damit neuer Strukturkrisen vermeidbar er-
scheinen." (RPK-Nr. 43/44/45)
Denn, so steht an der gleichen Stelle:
"Innerhalb der Kapitalistenklasse können die Großunternehmer und
Konzerne als die perspektivisch allein relevanten Produktions-
einheiten das Problem der Konkurrenz, wenigstens was die Preis-
konkurrenz angeht, im nationalen Rahmen als weitgehend gelöst be-
trachten und im internationalen Rahmen als lösbar."
Also die "gemeinsame Planung" der Unternehmen, die "das Problem
der Konkurrenz als gelöst bzw. lösbar betrachten können", "läßt
die Entstehung krasser (!) Disproportionalitäten (wessen?) und
damit neuer Strukturkrisen vermeidbar erscheinen". Auf den Kern
gebracht heißt dies: weil sich die Kapitalisten einbilden, sie
könnten den Widerspruch der kapitalistischen Produktion lösen,
erscheint dem einfachen Betrachter das Auftreten von Krisen als
vermeidbar. 2) Das hier von Strukturkrisen gesprochen wird, lenkt
nur ab, denn die Behauptung ist die, daß überhaupt keine Überpro-
duktion von Waren (im Verhältnis zur Konsumtionskraft der Gesell-
schaft) erfolgen kann, da die Kapitalisten einen "spezialisier-
ten" und sogar "legitimierten" Staatsapparat zur Verfügung haben.
Zu dieser Ableitung der kapitalistischen Stabilität kommt Huff-
schmid durch die Darstellung der Zentralisation des Kapitals. In
seinem Buch geschieht dies durch empirisches Material, das rich-
tig verstanden auch sehr wertvoll ist. In den Thesen der RPK wird
dem sog. "Industriekapitalismus" eine "Wirtschaft" entgegenge-
setzt, "die durch zunehmende Monopolisierung und durch den
Staatseingriff in Permanenz gekennzeichnet ist." (In der Aus-
drucksweise kommt wieder die Verwirrung zum Vorschein. Denn ob
Konkurrenz vorherrscht oder der Markt monopolisiert ist, ist eine
Bestimmung, die den Markt, also die Form des Warenaustausches be-
trifft, die Bestimmung des Kapitalismus als Industriekapitalismus
betrifft dagegen das Kapital im Produktionsprozeß. Daher wird bei
Huffschmid/Ströhle der Industriekapitalismus zu einer "Wirtschaft
die..." usw. Richtig wäre es gewesen, dem Industriekapitalismus
den Imperialismus gegenüberzustellen, oder besser ausgedrückt,
den Unterschied zwischen diesen zwei Formen des Kapitalismus zu
entwickeln, Dann wären aber ihre Thesen hinfällig geworden!)
Der Prozeß der Zentralisation und damit der Aufhebung der Konkur-
renz kann nicht geleugnet werden (schon angesichts eben des Mate-
rials, das Huffschmid vorlegt). Aber dieser Prozeß ist durchaus
nicht so neu, wie das Huffschmid vorzuschweben scheint, schrieb
schon vor fünfzig Jahren:
"Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol. Die Folge ist ein gi-
gantischer Fortschritt Vergesellschaftung der Produktion. Im be-
sonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und
Vervollkommnungen vergesellschaftet.
Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz
zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für
den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren..." 3)
Und gleich darauf:
"Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch
bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben
Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine
Rahmen der formell anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen,
und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölke-
rung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher."
(Ibid., S. 784)
Dennoch kritisiert Ch. Neusüss bei Huffschmid gerade das, was bei
diesem richtig ist. Denn statt von dem unleugbaren Entwicklungs-
stand der Zentralisation des Kapitals aus die falschen Schlußfol-
gerungen Huffschmids aufzuzeigen, hält sie ihm die Konkurrenz ge-
genüber, die er ja nicht einmal leugnet. (Denn er behauptet
nicht, daß es überhaupt keine Konkurrenz zwischen den Kapitali-
sten gäbe, sondern daß diese ihren bestimmenden Charakter für das
Kapital verloren hat. Er spricht von einem "Nachlassen bzw. ten-
denziellen Verschwinden des Konkurrenzdrucks". Siehe RPK
43/44/45, S. 15) Sie schreibt:
"So wird die 'Kooperation' der großen Kapitale nachgewiesen an
der Kooperation einzelner großer Unternehmen, wobei völlig außer-
acht gelassen wird, daß selbst die wenigen großen Konzerne nach
wie vor untereinander und vor allem mit den großen ausländischen
Konzernen in Konkurrenz stehen." (SOPO 4, S. 120)
Und nach einem sich gleich anschließenden Zitat aus den
"Grundrissen" von Marx schreibt sie:
"Und die Einschränkung der Konkurrenz im entwickelten Kapitalis-
mus leitet Marx als Ankündigung "seiner Auslösung und der Auflö-
sung der auf ihm beruhenden Produktionsweise" (Grundrisse, S.
544) her. Huffschmid demgegenüber beharrt darauf, daß durch die
von ihm behauptete "Kooperation der Kapitale" sich an den Bewe-
gungsgesetzen des Kapitalismus als Verwertungszusammenhang vieler
aufeinander bezogener Einzelkapitale nichts ändere."
Hier liegt ein Mißverständnis seitens Ch. Neusüss vor. Sie ver-
wechselt offenbar den historischen Prozeß der "Ankündigung der
Auflösung" kapitalistischer Produktionsverhältnisse mit dem Pro-
zeß der Aufhebung dieser Verhältnisse, also zwei verschiedene
Stufen der Entwicklung derselben. Wenn Marx sagt, die Aufhebung
der Konkurrenz deute auf die Auflösung der kapitalistischen Pro-
duktionsweise hin, so ist damit natürlich nicht gemeint, daß der
Kapitalismus zusammen mit dieser Aufhebung verschwindet. Eine
derart einfache Vorstellung über die Revolutionierung der Produk-
tionsverhältnisse darf man bei ihm nicht herauslesen. Aber noch
größer-ist das Mißverständnis, wenn sie sagt, Huffschmid würde
leugnen, daß sich durch die "Kooperation der Kapitale" an den Be-
wegungsgesetzen des Kapitalismus nichts ändere. Ist es doch ge-
rade er, der darauf hinweist, daß heute "der Verwertungszusammen-
hang vieler aufeinander bezogener Einzelkapitale" eine ganz an-
dere historische Form angenommen habe als unter den Bedingungen
der Konkurrenz. Was Huffschmid in einer zugegebenermaßen recht
umständlichen Weise zu zeigen versucht, ist, daß durch die Auf-
hebung der Konkurrenz sich das Kapital auf sich selbst nicht mehr
als ein gegensätzliches bezieht, sondern als gemeinsames, einzi-
ges, dessen Interesse nicht im Sieg über das andere Kapital liegt
(Konkurrenz), sondern im Sieg über die Arbeit, in der Unter-
drückung der Arbeiterklasse. Daß er dabei den Begriff
"Verbraucher" verwendet, ist zwar nicht richtig, es entspricht
durchaus dem Bewußtsein der Vergesellschaftung der Produktion,
die jetzt nicht nur im Gegensatz zu einer Klasse stattfindet,
sondern im Gegensatz zur Gesellschaft insgesamt. Der Begriff
"Verbraucher" ist hier ebenso gerechtfertigt wie die Benutzung
des Begriffes "Bevölkerung" durch Lenin in dem oben zitierten
Absatz.
Was Ch. Neusüss hier durcheinander bringt ist die Tatsache, daß
innerhalb, oder auf der Grundlage kapitalistischer Produktions-
verhältnisse die Produktion vergesellschaftet wird, und zwar in
einem immer größer werdenden Maße, mit der anderen, daß sich in
diesem historischen Prozeß der Wandlung des Kapitalismus von ei-
nem bornierten, beschränkten und gegensätzlichen System der Pro-
duktion zu einem gesellschaftlichen System die Grundlage dessel-
ben beibehalten wird. Sie verwechselt also den Prozeß der Verge-
sellschaftung der Entwicklung der Produktivkräfte mit dem Prozeß
der Veränderung der Produktionsverhältnisse. Sie verfällt damit
(sicherlich ungewollt) in die gleiche Flachheit des Revisionis-
mus, der diese beiden Entwicklungen nicht nur innerhalb des Kapi-
talismus verwechselt, sondern auch in der Übergangsgesellschaft.
Damit fällt nämlich die Notwendigkeit der revolutionären Aktion
aus der historischen Notwendigkeit heraus, und sie verwandelt
sich in eine Notwendigkeit der Entwicklung der Produktivkräfte,
oder wie es so schön ausgedrückt wird, in die technisch-wissen-
schaftliche Revolution. Durch seinen Trieb zur Entwicklung der
Produktivkräfte, der aus dem Wesen des Kapitals entspringt, er-
schließt das Kapital immer mehr Gebiete der Natur, wobei dieser
Prozeß immer mehr einen gesellschaftlichen Charakter annimmt.
Dazu ist aber nicht nur die Entwicklung der Produktivkräfte not-
wendig, sondern auch eine ungeheure Akkumulation von Kapital.
Diese Bewegung, die aus der Natur des Kapitals hervorgeht, unab-
hängig von dessen Vereinzelung, also unabhängig davon, ob es in
viele Kapitalien aufgeteilt ist, muß sich natürlich in der Bewe-
gung des vereinzelten Kapitals zeigen. Die Akkumulation von Kapi-
tal ist der Ausdruck der notwendigen Bewegung des Kapitals, unab-
hängig von seiner konkreten Erscheinungsform. Die Konzentration
des Kapitals dagegen ist ein Ausdruck für die Form die diese Ak-
kumulation in der Realität annimmt, also dort, wo wir es nicht
mit dem Kapital zu tun haben, sondern mit vielen Kapitalien. Die
Konzentration des Kapitals findet wie Marx sagt, "im Unterschied
gegen viele Kapitalien" (Grundrisse, S. 484! statt. Der Prozeß
der Konzentration des Kapitals ist nur eine historische Aus-
drucksform des Prozesses der Entwicklung der Produktivkräfte in-
nerhalb der kapitalistischen Produktionsweise. Daher ist die Kon-
zentration von Kapital gleichzeitig eine Konzentration von Pro-
duktivkräften. Hier zeigt sie sich in ihrer positiven Bestimmung.
Negativ aber zeigt sich der Konzentrationsprozeß des Kapitals in
dessen Zentralisation, also in der Negation der vereinzelten Kon-
zentration. Wenn ursprünglich die Konzentration das sicherste
Mittel ist, die Konkurrenz zwischen den Kapitalien hervorzurufen
(durch die Teilung des Kapitals, z.B. durch Erbschaft usw.), so
schlägt dies in der weiteren Entwicklung in sein Gegenteil um.
Wenn sich nämlich das Kapital der Produktion von Gebrauchswerten
zuwendet, die eine riesige Konzentration von Produktivkräften er-
fordert, so ist damit nicht nur eine riesige Akkumulation von Ka-
pital notwendig, sondern auch seine Zentralisation, also die Auf-
hebung seiner Vereinzelung. Damit wird das Kapital nicht nur sei-
ner adäquaten Form nach gesetzt, als fixes Kapital, sondern
gleichzeitig als seine Negation, als zentralisiertes fixes Kapi-
tal. Es sind dies nur verschiedene Seiten desselben Prozesses der
Entwicklung der Produktivkräfte. Marx erklärt dies in der folgen-
den Weise:
"Der quantitative Umfang, worin, und die Wirksamkeit (Intensi-
tät), worin das Kapital als capital fixe entwickelt ist, zeigt
daher überhaupt den degree an, worin das Kapital als Kapital, als
die Macht über die lebendige Arbeit entwickelt ist und sich den
Produktionsprozeß überhaupt unterworfen hat. Auch nach der Seite
hin, daß es die Akkumulation der vergegenständlichten Produktiv-
kräfte ausdrückt und ebenso der vergegenständlichten Arbeit."
(Grundrisse, S. 587)
Wenn somit ganze Produktionszweige dem Produktionsprozeß
e i n e s Kapitals unterworfen werden, wie das heute nicht sel-
ten der Fall ist (man betrachte nur die riesigen internationalen
Konzerne, die sich aus kolonisierten Ländern die Arbeitsmittel
holen, und diese bis zum letzten Arbeitsprozeß innerhalb ihres
eigenen Produktionsprozesses verarbeiten), so erscheint dort un-
mittelbar die Allgemeinheit des einzelnen Kapitals, die im Be-
griff des Kapitals im allgemeinen enthalten ist. Diese Allgemein-
heit erscheint nicht vermittelt durch den Markt oder durch die
Konkurrenz, sondern unmittelbar im einzelnen Kapital. Unter den
Bedingungen der Vereinzelung des Kapitals gilt, was Marx wie
folgt beschreibt:
"Das Wirken der Kapitalien als einzelner aufeinander wird so
grade ihr Setzen als allgemeiner und Aufheben der scheinbaren Un-
abhängigkeit und selbständigen Bestehns der Einzelnen. Noch mehr
findet diese Aufhebung statt im Kredit. Und die äußerste Form,
wozu die Aufhebung geht, die aber zugleich das u l t i m a t e
S e t z e n des Kapitals in seiner ihm adäquaten Form das Akti-
enkapital." (Grundrisse, S. 550)
Unter den Bedingungen der Zentralisation des Kapitals, dessen Er-
scheinungsform das Aktienkapital ist, erfolgt die Aufhebung der
Vereinzelung nicht wie unter den Bedingungen der Konkurrenz durch
die Nachfrage, die Zufuhr, die Preise, Produktionskosten usw.,
also nicht durch den Markt, sondern sie erscheint jetzt in der
Form des Kapitals selber. Mit der Entstehung von Aktiengesell-
schaften entsteht eine "ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der
Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich
waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsun-
ternehmungen waren, werden gesellschaftliche". (Kapital III, S.
452)
Damit tritt das ein, was Marx an der gleichen Stelle beschreibt:
"Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise
beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktions-
mitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die
Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Indi-
viduen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen
treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Pri-
vatunternehmungen.
Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb
der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst."
(Ibid., S. 452)
Und zwei Seiten danach:
"Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise
innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher
ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als blo-
ßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt.
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erschei-
nung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und for-
dert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine
neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von
Projektmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein gan-
zes System des Schwindels und des Betrugs mit Bezug auf Gründun-
gen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne
die Kontrolle des Privateigentums." (Ibid., S. 454)
Sehen wir wieder von der umständlichen und selbst verfangenen Art
ab, in der Huffschmid in seinem Buch zum Begriff des
"Kollektivkapitalismus" kommt, so werden wir erkennen, daß sich
dahinter eben der Prozeß versteckt, den Marx an vielen Stellen
des "Kapital" und der "Grundrisse" beschreibt, nämlich der Prozeß
der Zentralisation des Kapitals. Huffschmid entwickelt dies durch
die Gegenüberstellung zweier Ideologien der herrschenden Klasse,
und kann daher nicht auf den Kern dringen, was nicht ohne Folgen
bleibt. Aber er trifft zumindest den wichtigen Punkt: die Zentra-
lisation des Kapitals, oder besser, die Zentralisation der vielen
Kapitalien. Ch. Neusüss stellt ihm aber die Konkurrenz gegenüber,
denn, so scheint sie aus dem Marx-Zitat herauszulesen, existiert
keine Konkurrenz, so wäre der Kapitalismus schon längst aufgeho-
ben. Das ist aber falsch. Die Aufhebung der kapitalistischen Pro-
duktionsweise wird eben nicht von der Entwicklung der Produktiv-
kräfte hervorgerufen; sondern durch das revolutionäre Handeln der
Mitglieder der kapitalistischen Gesellschaft. Die Zentralisation
des Kapitals hebt nicht die kapitalistischen Produktionsverhält-
nisse auf, sondern sie drängt dem Kapital Formen auf, die in Wi-
derspruch zu sich selbst stehen, daher drängt sie der unterdrück-
ten Klasse das Bewußtsein der Notwendigkeit ihrer Revolutionie-
rung auf. Marx schreibt:
"Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation
vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative
Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die
bewußte technische Anwendung der Wissenschaft, die planmäßige
Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur ge-
meinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Pro-
duktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombi-
nierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völ-
ker in das Netz des Weltmarkts, und damit der internationale Cha-
rakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmen-
den Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwand-
lungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse
des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Aus-
beutung, aber auch der Empörung der stets anschwellenden und
durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses
geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapi-
talmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und un-
ter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel
und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo
sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie
wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums
schlägt. Die Expropriateurs werden expropiiert." (Kapital I, S.
791)
Mit dieser Stelle aus dem "Kapital" wird aber jetzt der grundle-
gende Fehler des Huffschmidschen Buches sichtbar, den Christel
Neusüss sehr treffend formuliert hat, wenn sie sagt:
"Nirgendwo (im Huffsch. Buch A.S.) werden die Hebel der Verände-
rung sichtbar."
Während Marx die Zentralisation des Kapitals als einen zur kapi-
talistischen Produktionsweise widersprüchlichen Prozeß aufzeigt,
glaubt Huffschmid, daß mit der Aufhebung der Konkurrenz durch die
Zentralisation auch gleichzeitig die Stabilität des Kapitalismus
erreicht wird. Er sieht in der Staatseinmischung das Mittel der
Stabilisierung, der e r f o l g r e i c h e n Stabilisierung,
der Selbsterhaltung und der Expansion. Dies muß auch notwendig
der Fall sein, da er nicht den Versuch unternimmt, den Prozeß der
Zentralisation aus den Gesetzen der kapitalistischen Produktion
zu entwickeln, und er versucht auch nicht zu zeigen, daß der heu-
tige Entwicklungsstand notwendig ist. Er stellt vielmehr diesen
Entwicklungsstand für heute fest und vergleicht ihn mit der Ideo-
logie der herrschenden Klasse, um dann wiederum festzustellen,
daß die eine Ideologie dieser Klasse längst veraltet ist, daß die
andere (die der Herren Repräsentanten des Großkapitals) erst ent-
wickelt werden muß. Dies ist wahrlich ein seltsames Verfahren der
Darstellung der kapitalistischen Entwicklung. Als ob die Ideolo-
gie der herrschenden Klasse jemals die Realität hätte wiedergeben
können! Allerdings liegt es nicht nur am Glauben an die Stabili-
tätskünstler, daß Huffschmid aus der Zentralisation die Stabili-
tät des Kapitals herleitet. Wenn man nämlich bei der Darstellung
der "Politik des Kapitals in der BRD" die Beziehungen auf den
Weltmarkt, die Beziehungen zur gesellschaftlichen Entwicklung in
den sozialistischen Ländern vernachlässigt sowie die Rückwirkun-
gen des revolutionären Krieges in der ganzen Welt völlig unbeach-
tet läßt, und außerdem noch eine falsche Vorstellung der Pro-
fitrate hat (wie im Aufsatz "Zur Methode der Bilanzanalyse" in
der RPK, Nr. 42, den er zusammen mit B. Jansen schrieb), dann ist
es natürlich kein Wunder, daß er sagt:
"Die politische und gesellschaftspolitische Formierung der Ge-
sellschaft, selber ein Stabilitätszwang der ökonomischen Entwick-
lung, gelingt (!!!) durch den Appell an den ökonomischen
"Sachverstand" - ein Sachverstand freilich, der die Interessen
des Kapitals für die Interessen der Gesellschaft ausgibt..." (S.
136)
Und an dieser falschen Beurteilung ändert nichts, daß die Inter-
essen des Kapitals den Interessen der Gesellschaft nicht entspre-
chen, und noch viel weniger, daß die "Steuerungskriterien" nicht
"mehr auf den Wohlstand, die Versorgung oder die Befreiung der
Menschen, sondern nur noch auf Selbsterhaltung und Expansion ge-
richtet sind." (S. 136)
Denn die Frage ist nicht, auf was die "Steuerungskriterien" ge-
richtet sind, sondern ob die kapitalistische Produktion überhaupt
gesteuert werden kann, so daß die Selbsterhaltung und die Expan-
sion tatsächlich bewußt ermöglicht wird. Diese Illusion zu ver-
breiten sollte Genösse Huffschmid den Geschäften der Kapitalisten
überlassen und stattdessen die von ihm auch als notwendig aner-
kannte Analyse der Konzerne durchführen und uns zeigen, wie in
diesen Konzernen, um es mit den Worten Engels auszudrücken, "der
künftigen Expropriation durch die Gesamtgesellschaft, die Nation,
aufs erfreulichste vorgearbeitet" wird.
Alex Schubert
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1) Christel Neusüss: J. Huffschmid: DIE POLITIK DES KAPITALS,
SOPO 4/69, S. 118.
2) Eine recht seltsame Logik versteckt sich auch hinter der Vor-
stellung, daß, weil, wie der damalige Finanzminister Schmücker
selbst bestätigt hat, die Rezession von 1967 und die sich ihr an-
schließenden Krisenerscheinungen gewollt herbeigeführt wurden
(durch die Regierung Erhards), diese Rezession nicht notwendig
war. Es wird also so getan, als sei das Wollen der kapitalisti-
schen Agenten unabhängig von den Notwendigkeiten des kapitalisti-
schen Produktionsprozesses.
3) W.I. Lenin: AUSGEWÄHLTE WERKE, Bd. l, S. 783/784 ("Der Impe-
rialismus als höchstes Stadium...").
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