Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971


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       Paul Boccara
       

II. DER STAATSMONOPOLISTISCHE KAPITALISMUS, DIE AKKUMULATION DES KAPITALS UND DIE ÖFFENTLICHE FINANZIERUNG DER PRODUKTION

Zweiter Vortrag von Paul Boccara auf der Konferenz von 1966 in Choisy-le-Roy. Wir stellen hiermit der Diskussion einen partiellen Ansatz vor, der nicht alles zu erklären beabsichtigt, sondern lediglich zur Erklärung des staatsmonopolistischen Kapitalismus beizutragen sucht. Wir werden uns mit der öffentlichen Finanzierung der kapi- talistischen Produktion auseinandersetzen. In diesem Bereich der Produktion scheint die neue Intervention des Staates sich am mei- sten seiner traditionellen oder noch genauer seiner klassischen Rolle und selbst den Prinzipien des Kapitalismus entgegenzuset- zen. Wir werden in schematischer Form eine Erklärung des spezifi- schen Charakters der öffentlichen Finanzierung, sowie sie sich in Frankreich ergibt, entwerfen, ausgehend von einer Hypothese, die auf der marxistischen Theorie der Überakkumulation von Kapital basiert. I. Die marxistische Theorie der Überakkumulation ------------------------------------------------ und der Entwertung des Kapitals ------------------------------- 1. Die Analyse von Marx und ihre Systematisierung ------------------------------------------------- Die Analyse der Überakkumulation des Kapitals und seiner Entwer- tung befindet sich (...) im 15. Kapitel des dritten Bandes des "Kapital". Dieses Kapitel beendet den dritten Teil, der dem Ge- setz des tendenziellen Falls der Profitrate gewidmet ist, und ist tituliert: "Die Entfaltung der inneren Widersprüche des Geset- zes". Ein in die Tiefe gehendes Studium der Geschichte der ökono- mischen Theorien zeigt auf, daß jede politische Ökonomie des K a p i t a l i s m u s sich um das Gesetz der wesentlichen Ten- denz des Kapitals bewegt, des Falls der Profitrate und seiner Ma- nifestierung in der konkreten Realität: der Überakkumulation. Das ist übrigens auch die Ansicht von Marx, der erklärt: "Bei der großen Wichtigkeit aber, die dies Gesetz für die kapitalistische Produktion hat, kann man sagen, daß es das Mysterium bildet, um dessen Lösung sich die ganze politische Ökonomie seit Adam Smith dreht, und daß der Unterschied zwischen den verschiednen Schulen seit A. Smith in den verschiedenen Versuchen zu seiner Lösung be- steht." (MEW 25, 223) Was die bürgerliche politische Ökonomie nach Marx betrifft, so kann man die Ansicht von Keynes zitieren: "Die Schwäche der Ver- anlassung zur Investition (welche ihm gemäß von der Grenzlei- stungsfähigkeit des Kapitals, d.h. im großen und ganzen von der von der neuen Akkumulation erwarteten Profitrate abhängt, P.B.) ist zu allen Zeiten der Schlüssel zum wirtschaftlichen Problem gewesen." (Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin, 3. Aufl. 1966, S. 294) Um in der allergedrängtesten Form die Theorie der Überakkumula- tion darzustellen, betrachten wir das Kapital in seiner abstrak- testen Form. Es ist dann ein Wert, der sich verwertet, der einen zusätzlichen Wert produziert, einen Mehrwert. Oder, in etwas kon- kreterer Form, es ist dies ein in Geld ausgedrückter Tauschwert, der einen Profit einbringt. Man kann hier das gesellschaftliche Kapital auf der Ebene einer kapitalistischen Gesamt-Volkswirt- schaft im Auge haben. Aus dieser Sichtweise sind die individuel- len Kapitale die Elemente des gesamten gesellschaftlichen Kapi- tals, und ihre einzelnen Profite sind die Elemente des Gesamtpro- fits oder des gesamten Mehrwerts. Überakkumulation von Kapital bezeichnet ein Ü b e r m a ß v o n K a p i t a l a k k u m u l a t i o n, in einer gegebenen kapi- talistischen Gesellschaft, i m V e r h ä l t n i s z u d e n G r e n z e n d e r G e s a m t s u m m e d e s M e h r- w e r t s o d e r d e s P r o f i t s, der überhaupt bei der Verwertung dieses Kapitals erzielt werden kann. Im Extremfall der absoluten Ü b e r a k k u m u l a t i o n kann der Anwendung einer zusätzlichen Menge von Kapital überhaupt kein zusätzlicher Profit entspringen. Der zusätzliche Profit ist gleich Null. Da das Ziel der kapitalistischen Akkumulation defi- nitionsgemäß die Verwertung - der Profit - ist, erfährt unter diesen Bedingungen der Akkumulationsprozeß im Prinzip eine Unter- brechung. Im Falle der r e l a t i v e n Ü b e r a k k u m u l a t i o n entspricht, um es so zu sagen, ein zusätzliches Kapital nicht ei- ner zusätzlichen Profitmasse, so daß sie die notwendige Minimal- profitrate ergeben könnte. In der Praxis scheint man von einem gewissen Grad des Absinkens des zusätzlichen Profits an, der ei- nem zusätzlichen Kapital entspricht, einer tatsächlichen Unter- brechung des Akkumulationsprozesses beizuwohnen. Marx schreibt: "Überproduktion von Kapital, nicht von einzelnen Waren - obgleich die Überproduktion von Kapital stets Überproduk- tion von Waren einschließt -, heißt daher weiter nichts als Über- akkumulation von Kapital. Um zu verstehn, was diese Überakkumula- tion ist (ihre nähere Untersuchung folgt weiter unten), hat man sie nur absolut zu setzen. Wann wäre die Überproduktion des Kapi- tals absolut? Und zwar eine Überproduktion, die sich nicht auf dieses oder jenes oder auf ein paar bedeutende Gebiete der Pro- duktion erstreckt, sondern in ihrem Umfang selbst absolut wäre, also sämtliche Produktionsgebiete einschlösse? Es wäre eine absolute Überproduktion von Kapital vorhanden, so- bald das zusätzliche Kapital für den Zweck der kapitalistischen Produktion gleich Null. Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist aber Verwertung des Kapitals, d.h. Aneignung von Mehrarbeit, Produktion von Mehrwert, von Profit. Sobald also das Kapital ge- wachsen wäre in einem Verhältnis zur Arbeiterbevölkerung, daß we- der die absolute Arbeitszeit, die diese Bevölkerung liefert, aus- gedehnt, noch die relative Mehrarbeitszeit erweitert werden könnte (das letztere wäre ohnehin nicht tubar in einem Fall, wo die Nachfrage nach Arbeit so stark, also Tendenz zum Steigen der Löhne); wo also das gewachsene Kapital nur ebensoviel oder selbst weniger Mehrwertmasse produziert als vor seinem Wachstum, so fände eine absolute Überproduktion von Kapital statt; d.h., das gewachsene Kapital C + delta C produzierte nicht mehr Profit oder gar weniger Profit, als das Kapital C vor seiner Vermehrung durch delta C." (MEW 25, S. 261/62) Im Falle der Überakkumulation von Kapital macht der Versuch, ein zusätzliches Kapital der Verwertung zuzuführen, wegen der Suche nach Akkumulation durch verschiedene individuelle Kapitalien not- wendig, daß ein Teil des gesamtgesellschaftlichen Kapitals sich nicht mehr verwertet, also sozusagen entwertet wird. Ein gesamt- gesellschaftliches Kapital gäbe einen Gesamtprofit delta K. Die Akkumulation eines zusätzlichen Kapitals K' könne beispielsweise keinerlei zusätzlichen Profit erzeugen. Wenn K' dennoch akkumu- liert wird und den Versuch der Verwertung unternimmt, so gibt es ein überschüssiges Kapital, das K' äquivalent ist. An diesem Punkt der Unterbrechung sind drei Lösungen vorstellbar, die zur Entlastung des Überschusses führen. 1. Einem Teil des Gesamtkapitals, das wenigstens K' gleich sein muß, gelingt es nicht, sich zu verwerten. Es erzielt einen Pro- fit gleich Null. Es kann nicht weiter als Kapital fungieren. Es ist gewissermaßen als Kapital brachgelegt. 2. Ein Teil des Gesamtkapitals, größer als K', verwertet sich zu einer geringeren Profitrate, wesentlich geringer als jene des Restes des Gesamtkapitals, von dem die Profitrate also folglich erhöht wird. 3. Ein Teil des Gesamtkapitals, niedriger als K', verwertet sich negativ. Seine Anwendung ruft an Stelle von positiven Profiten Verluste hervor. Ein Teil des Wertes des akkumulierten Kapitals wird als Kapitalwert zerstört. Es kann sich in Revenue, in Pro- fit, umwandeln. Der Fall der relativen Überproduktion kann auf analoge Weise ab- gehandelt werden. Diese drei Lösungsmöglichkeiten, Verwertung gleich Null, verrin- gert oder negativ, entsprechen dem, was wir als Entwertung eines Teils des Gesamtkapitals bezeichnen, was im Prinzip die Fortfüh- rung der Verwertung anderer Kapitale oder des Gesamtkapitals er- laubt. In dem Textteil des 15. Kapitels des dritten Bandes des "Kapi- tal", der im Zustand des Entwurfs verblieben ist, verwendet Marx den Ausdruck der Ü b e r a k k u m u l a t i o n. (Obwohl er viel öfter den Begriff der Überproduktion von Kapital verwendet.) Aber er verwendet nicht den Begriff der E n t w e r t u n g systematisch. Indessen finden sich die drei Fälle, die wir unterschieden haben, in seinem Text, obwohl der Fall mit dem Profit gleich Null den Ausdruck liefert, den Marx am häufigsten anwendet, wenngleich nicht ausschließlich, den der B r a c h- l e g u n g von Kapital. So schreibt er: "Eine Brachlegung von einem Teil des alten Kapi- tals müßte unter allen Umständen stattfinden, eine Brachlegung in seiner Kapitaleigenschaft, soweit es als Kapital fungieren und sich verwerten soll... Die Weise der Ausgleichung ist schon ent- halten in dem bloßen Aussprechen des Konflikts, um dessen Aus- gleichung es sich handelt. Sie schließt eine Brachlegung und selbst eine teilweise Vernichtung von Kapital ein, zum Wertbetrag des ganzen Zusatzkapitals delta C oder doch eines Teils davon." (MEW 25, 263) Er erwähnt auch die Verwertung zu einer v e r m i n d e r t e n P r o f i t r a t e oder die V e r- l u s t e. 2. Die Anwendung der Analyse auf die Entwicklung ------------------------------------------------ des Kapitalismus durch Marx --------------------------- In diesem Kapitel wendet Marx seine Theorie vor allem auf den Fall der zyklischen Krise an. Aber er benutzt sie auch in bezug auf die Perspektive der kapitalistischen Entwicklung. So verweist er auch als Schlußfolgerung seiner Analyse auf die Angst Ricardos in bezug auf den Fall der Profitrate. Er präzisiert: "Es zeigt sich hier in rein ökonomischer Weise, d.h. vom Bourgeoisstand- punkt, innerhalb der Grenzen des kapitalistischen Verstandes, vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion selbst, ihre Schranke, ihre Relativität, daß sie keine absolute, sondern nur eine histo- rische, einer gewissen beschränkten Entwicklungsepoche der mate- riellen Produktionsbedingungen entsprechende Produktionsweise ist." (MEW 25, 270) Darüberhinaus wendet Marx seine Theorie im selben Kapitel auf zwei praktische Entwicklungstendenzen des Kapitalismus an. So wendet er sie auf den Kapitalexport an, den er wesentlich auf die Überakkumulation von Kapital bezieht. Außerdem wendet er sie auch noch auf die Entwicklung des Aktienkapitals derjenigen Unterneh- mungen an, die wie die Eisenbahnen einen a u ß e r g e w ö h n- l i c h h o h e n A n t e i l v o n k o n s t a n t e m K a- p i t a l umfassen, wie er sagt. In diesen Unternehmungen kann das Kapital nicht die Durchschnittsprofitrate realisieren, sondern lediglich einen Teil derselben in Form von Zinsen erzielen. Es handelt sich hier nicht um die klassische Aufteilung zwischen Unternehmensgewinn und Zins, sondern um einen Teil des Kapitals, der, obwohl er in der Produktion angewandt ist, insgesamt (die Kosten abgezogen) lediglich Zinsen erzielt. Wir haben hier zwei charakteristische Elemente des Imperialismus: Kapitalexport und, wie wir glauben, das Finanzkapital selbst, die in Beziehung stehen zum Prozeß der Entwertung von Kapital. Aber der Text von Marx geht noch weiter. Indem er auf die Möglichkeit der monopolistischen Herrschaft über das Kapital verweist, eine Herrschaft, die die Entwertung verhin- dert, spielt er auf eine tatsächliche Blockierung des Wachstums aufgrund der Überakkumulation an, (wie es auch genau während der Depression der 30er Jahre der Fall gewesen zu sein scheint). Er schreibt: "Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern." (MEW 25, 269) Hier spricht er ganz genau von der historischen Grenze der kapitalistischen Produktionsweise. Man kann hier noch auf eine Ergänzung verweisen, die Passage von Engels im Anti-Dühring, wo er die Notwendigkeit der öffentlichen Eigentumsform nach jener des monopolistischen Trusts erwähnt. Diese Passage beinhaltet eine Analyse der Widersprüche der kapitalistischen Produktion, die im wesentlichen die zyklische Krise und damit die Überakkumu- lation von Kapital hervorhebt. In diesem Kontext steht unsere Ar- beitshypothese. II. Die Hypothese der Anwendung der Theorie der Überakkumulation ---------------------------------------------------------------- und der Entwertung von Kapital auf die öffentliche Finanzierung --------------------------------------------------------------- der Produktion -------------- 1. Die Hypothese ---------------- Der Begriff der K a p i t a l e n t w e r t u n g würde ein er- klärendes Element des historischen Ausgangs eines Zustandes der Überproduktion von Kapital liefern, die die kapitalistische Öko- nomie auf viel tiefergehende und andauernde Weise angreift, als es in einer zyklischen Krise, die von einer zeitweiligen Entwer- tung begleitet ist, der Fall ist. Unter ganz bestimmten Bedingungen könnten die Perspektiven der Stagnation, die durch diese Situation eröffnet würden, nicht ernsthaft zurückgedrängt werden, außer durch eine strukturelle Umwälzung des Kapitalismus inmitten zugespitzter sozialer Kämpfe, die allein die Fortsetzung des Anwachsens der Produktion und der kapitalistischen Akkumulation selbst erlauben würden. Einige qualitativ und quantitativ begrenzte Fraktionen des ge- samtgesellschaftlichen Kapitals wären aufgrund struktureller Mo- difikationen in gewisser Weise permanent durch eine gewisse Ent- wertung betroffen. Die anderen Teile des Gesamtkapitals könnten entsprechend nicht nur die hinreichende Profitrate erringen, son- dern sogar noch zu akkumulieren fortfahren. In gleicher Weise gäbe es eine Art von Akkumulation von Kapital, das teilweise ent- wertet ist. Die Wirtschaft würde in ihrer Gesamtheit ihr Wachstum fortsetzen mit der kapitalistischen Akkumulation und der Fortent- wicklung der Produktivkräfte. Zumindest prinzipiell würde sich mit der Krise und der großen De- pression Anfang der 30er Jahre eine solche Überakkumulation von Kapital ergeben, daß sie in der Mehrzahl der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder eine dauernde Blockierung des Wachstums hervorrufen würde, oder wenigstens eine solche Abschwächung, daß, um von ihr freizukommen, eine massive Entwicklung der chronischen Kapitalentwertung erforderlich würde, und zwar in der Form der öffentlichen Finanzierung der Produktion. Durch die direkte oder indirekte Übernahme eines Teils des Wertes der Produktionsmittel durch den Staat wird das Kapital, das diese Produktionsmittel re- präsentiert, damit entwertet. Wenn Produktionsmittel öffentlich finanziert sind, können sie für sich nicht mehr den gleichen Pro- fit wie die privat angewandten in Anspruch nehmen. Diese relative Entkapitalisierung, die sich im Rahmen des Kapitalismus ergibt, hat nichtsdestoweniger das Anwachsen des Profits der übrigen Fraktionen des gesellschaftlichen Gesamtkapitals als Resultat. Sie bedeutet auch nicht, daß das entwertete Kapital nicht mehr an der Produktion des allgemeinen Mehrwerts teilhat. 2. Erste Verifizierung der Hypothese ------------------------------------ Die Verifizierung der Hypothese scheint sich zunächst in zwei Stufen vollziehen zu müssen, die den beiden in der Theorie ange- wandten Begriffen entsprechen. Erste Stufe: Die Formen der aktu- ellen öffentlichen Finanzierung stellen eine Entwertung von Ka- pital dar. Zweite Stufe: Diese Entwertung wurde durch einen Zustand von Überakkumulation von Kapital determiniert. Die e r s t e S t u f e kann vor allem als beschreibend er- scheinen. Sie unterteilt sich in zwei Fragestellungen. E r s t e F r a g e s t e l l u n g: Es muß die neue quantitative und qua- litative Bedeutung der öffentlichen Finanzierung der Produktion gezeigt werden, z.B. nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich. Zweite Fragestellung: Es muß untersucht werden, ob man diese Fi- nanzierung in den unterschiedlichen konkreten Fällen als eine Entwertung von Kapital charakterisieren kann. Die Konstatierung der neuen Bedeutung und Rolle der öffentlichen Finanzierung im Verhältnis zur vorhergehenden Periode ist fast ein Gemeinplatz geworden. Man beobachtet seit nunmehr schon zwan- zig Jahren trotz Schwankungen, daß diese Finanzierung auf einem sehr angehobenen Niveau beibehalten wird, so daß man sie nicht mehr als das Ergebnis eines Zufalls betrachten kann, sondern nur noch als eine wirkliche Strukturveränderung, die im übrigen noch durch das Aufkommen neuer Institutionen markiert ist. Beim augenblicklichen Zustand der Dokumentation in unserem Land ist die Diskussion über genauere Zahlen sehr komplex und wir kön- nen uns hier nicht auf sie einlassen. Wir können lediglich einige Größenordnungen angeben. Die öffentlichen Fonds im eigentlichen Sinne, die in der Phase des Wiederaufbaus (nach dem Zweiten Weltkrieg) mehr als die Hälfte dessen, was man die Investitionen nennt, in Frankreich fi- nanziert haben sollen, sind seit 1963 nicht mehr unter 20% gesun- ken (10. Bericht des Verwaltungsrats des FDES (Fonds de develop- pement economique et social) vom Juni 1965). Wenn sie, bedingt durch Fluktuationen, eine fallende Tendenz erfahren haben, (die sich z.B. von 22,6% 1958 auf 20,1% 1963 bewegt), so bewahren sie sich doch auf dem sehr hohen Niveau von 1/5 der Investitionen und vor allen Dingen wird diese fallende Tendenz kompensiert durch das tendenzielle Anwachsen anderer Fonds, die halböffentlich oder para-öffentlich sind. Z.B. steigt der Anteil der Eigenmittel (nicht einbegriffen die aufgenommenen Mittel) der sogenannten "spezialisierten Organe" und der Versicherungsgesellschaften (im wesentlichen handelt es sich hierbei um halböffentliche Finanzie- rungsorgane) in der Finanzierung von Investitionen von 1958 bis 1963 von 6,1% auf 10%, was die r e l a t i v e Verringerung der öffentlichen Fonds im engeren Sinne des Wortes mehr als kompen- siert. Tatsächlich ist die Definition der öffentlichen Fonds sehr eng, während im Gegenteil diejenige der Investition extrem weitreichend ist. Im übrigen handelt es sich hier um die Herkunft der Fonds und nicht um die Natur der Unternehmungen. Wenn man die sogenannten produktiven Investitionen der öffentlichen und priva- ten Unternehmen von 1959 und 1963 betrachtet, einer anderen Kate- gorie unserer Statistiken, so vereinigen die öffentlichen Unter- nehmen auf sich allein 36% bzw. 31%. Wenn man insbesondere all diejenigen Fonds betrachtet, die mehr oder weniger öffentlichen Charakters sind, so wachsen die Prozentzahlen noch beträchtlich an und alle Investitionen von einigermaßen Bedeutung sind betrof- fen. Wie bereits Francois Bloch-Laine 1961 erkannte. "Man kann davon sprechen, daß seit dem Zweiten Weltkrieg wenige Investitionen wirklich privat geblieben sind, daß die Mehrzahl auf irgendeine Weise "gemischten" Charakter hat... Diejenigen In- vestitionen, die auf traditionelle Art und Weise finanziert sind, außerhalb jeglicher öffentlicher Intervention, ...bilden ledig- lich noch eine reduzierte Minderheit... Jedes Unternehmen von einiger Bedeutung muß heute mit der staat- lichen Finanzierung rechnen." ('A la recherche d'une économie concertée, 2. Aufl. 1961, S. 8-9) Und jetzt zur zweiten Fragestellung: Stellen die Bedingungen der öffentlichen Finanzierung eine Entwertung dar? Die Antwort scheint ziemlich evident, wenn man die Fakten studiert. Tatsäch- lich werden die öffentlichen oder halböffentlichen Gelder zu Zinssätzen verliehen, die deutlich unterhalb denen des Marktes liegen, oder sie werden sogar gratis vergeben. Die öffentlichen oder nationalisierten Unternehmen sind insgesamt nur sehr schwach rentabel oder oft sogar defizitär trotz ihres materiellen Auf- schwunges. Sprechen wir nicht von der Ertragslosigkeit der Inve- stitionen in öffentlichen Bauvorhaben in der Infrastruktur der Produktion. Genau gesprochen erscheint die Entwertung von Kapital auf dieser Ebene eher als eine Art A u s d r u c k zur Bezeich- nung der gemeinsamen Basis der Regeln des Funktionierens derjeni- gen Institutionen, die aus der öffentlichen Finanzierung oder aus den Organen, die diese Finanzierung verteilen, Nutzen ziehen. Die eigentliche Verifizierung der Hypothese unterstellt, daß diese 'Kapitalentwertung', deren Bezeichnung wir gerechtfertigt haben, effektiv als notwendiges Ergebnis der Überakkumulation zuge- schrieben werden kann. Es handelt sich hier also um die z w e i t e S t u f e d e r V e r i f i z i e r u n g. Man müßte (was extrem schwierig ist) die Entwicklung der Kapital- akkumulation und die ihr entsprechende Entwicklung des Profits studieren können. Aber stellen wir jetzt schon fest, daß, wenn die Depression Anfang der 30er Jahre als Ausgangspunkt genommen wird, die Überakkumulation zu diesem Zeitpunkt als evident erscheint. (Die Ansichten können lediglich über die exakten Ursachen dieser damals offensichtlichen Disproportion zwischen Akkumulation und Profit auseinandergehen.) Im übrigen ergibt sich die Wiederbelebung des Wachstums zur gleichen Zeit wie die Entwicklung der öffentlichen Finanzierung der Produktion. Schließlich ruft in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg jede Verlangsamung des Wachstums eine Steigerung der öffentlichen Finanzierung hervor, wie z.B. 1955 oder jetzt in unseren Tagen. Bemerken wir noch als Stärkung unserer Hypothese, daß die Ana- lyse, die J.M. Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie der Beschäf- tigung, des Zinses und des Geldes" in bezug auf die Situation des Kapitalismus während der 30er Jahre gibt, in ihrem Gehalt sehr nahe an die Marxsche herankommt. Dieses 1936 veröffentlichte Werk stellt unserer Meinung nach die tiefstgehende Bewußtwerdung der Entwicklungstendenz zum staatsmonopolistischen Kapitalismus in der bürgerlichen ökonomischen Theorie dar. Sie hat eine völlige Erneuerung der Denkansätze der akademischen Theorie hervorgerufen (woher sich auch der Ausdruck der K e y n e s' s c h e n R e v o l u t i o n ableitet). Die anderen akademischen Bestre- bungen derselben Epoche, z.B. die Neo-Wicksellianischen Theorien, bewegen sich objektiv um den gleichen Problembereich. Mit seinem Begriff von der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals bezieht sich Keynes in Wirklichkeit auf den zusätzlichen Profit, der aus einer zusätzlichen Akkumulation von Kapital gezogen wer- den kann, d.h., natürlich trotz aller tiefgreifenden Differenzen, auf welche ich hier nicht eingehen will, auf den in der Marxschen Theorie zentralen Begriff der Überakkumulation. Er betrachtet das Problem der absoluten Überakkumulation in Be- griffen, die den Marxschen nahe kommen, wo er jenes Gemeinwesen entwirft, wo "die Vollbeschäftigung realisiert ist" und "die so gut mit Kapital ausgerüstet ist, daß dessen Grenzleistungsfähig- keit Null ist und mit jeder zusätzlichen Investition negativ würde." (Allgemeine Theorie..., S. 182) Er unterscheidet auch das, was wir die relative Überakkumulation nennen. Er betrachtet schließlich in diesem Fall auch die Lösung, die wir Entwertung nennen, auf seine Weise natürlich: "Die Unternehmer (werden) not- wendigerweise Verluste erleiden, wenn sie fortfahren, Beschäfti- gung auf einer Skala anzubieten, die den gesamten bestehenden Be- stand an Kapital ausnützt. Der Bestand an Kapital und das Niveau der Beschäftigung werden folglich schrumpfen müssen... das Gleichgewicht (muß) somit unter Verhältnissen des laissez faire eine Lage einnehmen, in der die Beschäftigung niedrig genug und die Lebenshaltung genügend elend ist, um die Ersparnisse auf Null zu bringen." (Ebda., S. 182) Er erklärt, daß diese Theorie sich genau auf die Situation zwi- schen den beiden Kriegen bezieht. "Die Nachkriegserfahrungen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind in der Tat leben- dige Beispiele dafür, wie eine Anhäufung von Vermögen - das so groß ist, daß seine Grenzleistungsfähigkeit rascher gefallen ist, als der Zinsfuß... bei einem Vorwiegen von Bedingungen des lais- sez faire, einem angemessenen Niveau der Beschäftigung und einer dem technischen Stand der Erzeugung entsprechenden Lebenshaltung im Wege stehen kann." (Vgl. S. 183) 1) Keynes strebt, wie man weiß, wesentlich an, den durch den Unter- gang bedrohten Kapitalismus zu retten. Er faßt dafür die Inter- vention des Staates in die Finanzierung der Produktion ins Auge. "Ich denke mir daher, daß eine ziemlich umfassende Verstaatli- chung der Investition sich als das einzige Mittel zur Erreichung einer Annäherung an Vollbeschäftigung erweisen wird; obschon dies nicht alle Arten von Zwischenlösungen und Verfahren ausschließen muß, durch welche die öffentliche Behörde mit der privaten In- itiative zusammenarbeiten wird... die Ausdehnung der Aufgaben der Regierung... verteidige ich... sowohl als das einzige durchführ- bare Mittel, die Zerstörung der bestehenden wirtschaftlichen For- men in ihrer Gesamtheit zu vermeiden, als auch als die Bedingung für die erfolgreiche Ausübung der Initiative des Einzelnen." (Ebda., S. 319/321) 1) Tatsächlich ist die öffentliche Investition nicht durch eine un- zureichende Profitrate begrenzt, wie Keynes an einer anderen Stelle seines Werkes nebenbei bemerkt. "Endlich gibt es eine zu- nehmende Gruppe von Investitionen, die durch oder auf Gefahr von öffentlichen Behörden unternommen werden, die in ihrer Investi- tion unumwunden durch die allgemeine Voraussetzung geleitet wer- den, daß mit der Investition voraussichtlich soziale Vorteile verbunden sind, wie immer ihr kaufmännisches Erwägnis während ei- nes langen Zeitabschnittes sein mag..." (Ebda., S. 138) 1) Offensichtlich betreffen die sozialen Vorteile, von denen hier die Rede ist, wesentlich und in letzter Hinsicht die Kapitali- stenklasse. Wir lassen selbstverständlich auch die Kritik der Keynesianischen Begriffe und der ideologischen Illusionen, die sich damit verbinden, beiseite. 3. Die konkrete Anwendung der Hypothese --------------------------------------- und die Notwendigkeit ihrer Entwicklung --------------------------------------- In dem Augenblick, wo man sich an das konkrete Studium der Frage begibt, verrät sie die ganze Schwierigkeit der Verifizierung der Hypothese. Sie macht neue theoretische Entwicklungen notwendig. Führen wir bloß zwei der gestellten Probleme an. Man beobachtet beispielsweise die Existenz von b e s o n d e r e n B e r e i- c h e n der Produktion, die viel wesentlicher von der Entwertung des Kapitals betroffen werden, verschiedene Unternehmensformen, die zu unterschiedlichen Proportionen und Bedingungen von der öffentlichen Finanzierung profitieren sowie F i n a n z q u e l- l e n und Finanzierungsorgane unterschiedlichster öffentlicher Formen. Es stellt sich hier die Frage: Warum betrifft die Kapitalentwer- tung diese besonderen Bereiche und nimmt sie diese präzisen For- men an? Im selben Augenblick ist das Verhältnis zwischen Entwer- tung und Überakkumulation auf der Ebene des Konkreten gestellt, oder, um mit Marx zu sprechen, auf der der Oberfläche der Konkur- renz. Eine zweite Frage betrifft die Beziehungen der augenblicklichen Umwälzungen, die durch die Staatsinterventionen gekennzeichnet sind, zu jenen Umwälzungen, die zum Imperialismus am Ende des 19. Jahrhunderts führen. Diese zweite Frage ist übrigens auf das In- nigste mit der vorhergehenden verbunden, wie wir später sehen werden. Man muß bemerken, daß diese Umwälzungen, die zur Entwicklung des Monopolismus, des Finanzkapitals ebenso wie des massiven Kapital- exports führten, genau am Ende der langen Phase depressiver Ten- denzen der Jahre 1874-1896 aufkamen. Diese Jahre werden augen- blicklich von unseren Wirtschaftshistorikern genau untersucht, und sie sind schon zu ihrer Zeit von Engels als eine Periode c h r o n i s c h e r S t a g n a t i o n charakterisiert wor- den (Vorwort von 1892 zur 2. deutschen Ausgabe der "Lage der ar- beitenden Klassen in England"). Diese Periode zeichnet sich durch eine offensichtliche Überakku- mulation von Kapital aus. Zu jenem Zeitpunkt kamen die Theorien auf, die jene von Keynes ankündigten, z.B., die von Hobson über den Exzeß des Sparens oder jene von Wicksell über das Ungleichge- wicht zwischen Angebot und Nachfrage beim Sparen. Unsere Hypothese macht diese ersten Umwälzungen, die zum Stadium des einfachen Monopolismus führten, ebenfalls an der Überakkumu- lation und Entwertung von Kapital fest. Was den K a p i t a l e x p o r t betrifft, so ist schon ex- pressis verbis von Marx im 15. Kapitel des III. Bandes davon die Rede. Die Analyse von Lenin in "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" meint letztlich diese Analyse von Marx, wenn er schreibt: "Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird da- durch geschaffen, daß in einigen Ländern der Kapitalismus "überreif" geworden ist und dem Kapital ... ein Spielraum für "rentable" Betätigung fehlt", und vor allen Dingen, wo er er- klärt, daß "die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße er- reicht hat. Es entstand ein ungeheurer "Kapitalüberschuß" in den fortgeschrittenen Ländern." (LW Bd. 22, S. 245) Sicherlich zitiert Lenin die Analyse des "Kapital" über die Be- ziehungen der Überakkumulation und des Kapitalexports nicht ex- plizit. Aber Bucharin zitiert sie explizit in seinem Werk "Weltwirtschaft und Imperialismus", das mit einem lobenden Vor- wort von Lenin erschienen ist. D i e m o n o p o l i s t i s c h e n F o r m e n selbst hat- ten nach Lenin die Konsequenz, daß "die 'Schwerindustrie' sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht." (LW Bd. 22, S. 220) Lenin unterstreicht auch die Beziehung zwischen den Krisen (genauer gesagt der Jahre der depressiven Tendenz von 1873-1896) und der Entwicklung der Monopole. Engels setzt in seinen Anmer- kungen zum III. Band des "Kapital" die Entwicklung der monopoli- stischen Trusts schon mit der Situation des Endes des 19. Jahr- hunderts in Beziehung, welche er folgendermaßen charakterisiert: "Chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite, kurz: die altgerühmte Freiheit der Kon- kurrenz ist am Ende ihres Latein und muß ihren offenbaren skanda- lösen Bankrott selbst ansagen." (MEW Bd. 25, S. 453) Wir verbinden, was uns betrifft, die monopolistischen Formen mit der Überakkumulation und der Entwertung von Kapital. Sie würden eine erhöhte Abschöpfung von dem gesellschaftlichen Gesamtprofit durch das monopolistische Kapital erlauben zu Lasten der nicht- monopolistischen Sektoren und Unternehmungen, deren Kapital durch diese Tatsache eine gewisse Entwertung erleiden würde. Was das dritte Kennzeichen des Imperialismus betrifft, das sich im F i n a n z k a p i t a l darstellt, so hat Marx bereits den Zusammenhang mit der Theorie der Überakkumulation angedeutet, wo er im 15. Kapitel des III. Bandes des "Kapital" von jenen Teilen des industriellen Kapitals spricht, die dank der Entwicklung der Aktiengesellschaften nur noch den Zins beziehen. Er erklärt an anderer Stelle: "Ein Teil des Kapitals wird im Fortschritt der kapitalistischen Produktion, der mit beschleunigter Akkumulation Hand in Hand geht, nur als zinstragendes Kapital berechnet und angewandt... Diese Kapitale (werfen), obgleich in große produk- tive Unternehmungen gesteckt, nach Abzug aller Kosten nur große oder kleine Zinsen, sogenannte Dividenden (ab), z.B. in Eisenbah- nen. Sie gehen also nicht in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate ein, da sie eine geringere als die Durchschnittspro- fitrate abwerfen." (MEW Bd. 25, S. 250) Im Jahre 1895 verbindet Engels in seiner Ergänzung zum III. Band des "Kapital" de facto die neue Bedeutung der Börse und des indu- striellen Aktienkapitals mit der Überakkumulation, indem er aus- führt: "Die Akkumulation ist seit der Krise von 1866 mit einer stets wachsenden Schnelligkeit vorgegangen, und zwar so, daß in keinem Industrieland, am wenigsten England, die Ausdehnung der Produktion mit der der Akkumulation Schritt halten ... konnte." (MEW Bd. 25, S. 917/918) Die Ausdehnung des Finanzkapitals, definiert als gegenseitige Durchdringung von Bank-und Industriekapital, erlaubte einem wach- senden Teil von Kapital, das dauerhaft in industriellen Unterneh- mungen angelegt ist, sich mit dem den Kunden des Bankkapitalisten offerierten Zinsfuß zufrieden zu geben. Auf diese Weise erfährt das Eigenkapital der Finanzoligarchie eine Erhöhung seiner Pro- fitrate. Das Beispiel der gemischten Banken in Deutschland ist sehr bekannt. Aber es gibt noch viele andere Fälle in dieser Richtung und die Geschichte der französischen Eisenbahnobligatio- nen ist besonders aufschlußreich. Hilferding hat übrigens genau wie Lenin die übernormalen Profite des Finanzkapitals analysiert (Gründergewinn, Verwässerung von Kapital usw.), die sich auf dem Rücken der Rentiers und aus dem Ruin und den Verlusten der Sparer, deren Kapital so entwertet wird, ergeben. Auch Marx erwähnt in seiner Analyse der Entwertung die Vernichtung der Kapitalwerte in Form von Wertpapieren. Bemerken wir schließlich, daß, wenn erst alle diese Formen der chronischen Kapitalentwertung in die Struktur eingebracht sind, sie auf vorbeugende Art als Beschleunigung der Kapitalakkumula- tion agieren können. Man kann sich fragen, warum diese Analyse der Überakkumulation nicht schon vorher ausgiebiger angewandt worden ist. Man muß sich bei der Antwort u.a. daran erinnern, daß die marxistischen Kon- troversen über die praktischen Probleme der Überakkumulation be- reits vor dem Erscheinen des III. Bandes des "Kapital" begannen, z.B. mit den ersten Arbeiten von Tugan-Baranowsky über die Krise (1. russische Ausgabe von 1894). Diese Diskussionen haben sich vor allen Dingen an den Problemen der R e a l i s i e r u n g und an den Reproduktionsschemata des II. Bandes festgemacht. Man muß sich außerdem das Gewicht der rechten Abweichung z.B. von Tu- gan-Baranowsky mit dem Problem des U n t e r s p a r e n s (sous-épargne) und der linken Abweichung z.B. von Rosa Luxemburg mit dem Problem der U n t e r k o n s u m t i o n vor Augen führen. Diese Abweichungen haben, obwohl sie die Schwierigkeit einer tiefergehenden Analyse der Überakkumulation, die dialek- tisch mit der der Realisierung verbunden sein muß, klargemacht haben, die Debatte, die so falsch gestellt wurde, belastet. Die Schwierigkeit einer tiefergehenden Analyse der Überakkumulation und der Entwertung bleibt. Wir haben sie hier ganz beträchtlich vereinfacht. Sie befindet sich in einem komplexen Modell, das ich hier nicht präzisieren kann, indem sie die Probleme der Realisie- rung und der Absatzmärkte integriert, um mittels der Analyse der Überakkumulation zu erklären, wie sich in der konkreten erschei- nenden Realität das wesentliche Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate manifestiert. Aber in unseren Tagen haben die öf- fentlichen Formen die Entwertung von Kapital offensichtlich ge- macht. Wir leben in einer Epoche, in der, wie Marx es bereits für andere Formen bemerkt hatte, die entwickelteren Formen die unter- entwickelten viel klarer haben werden lassen. Wie soll man nun diese Erklärung mit jener der öffentlichen Fi- nanzierung verbinden? Es ist zu unterstellen, daß diese Finanzierung einer qualitativ neuen Etappe der Überproduktion und Entwertung von Kapital ent- spricht. Einesteils stellt sich das Problem der Überproduktion von neuem auf erweiterter Basis durch die Möglichkeit der Fort- setzung der Akkumulation mittels der früheren imperialistischen Lösungen. Und vor allen Dingen vertiefen die Lösungen, die den neuen Formen des Stadiums des einfachen Monopolismus entsprechen, durch ihre Ausdehnung die Widersprüche der Überakkumulation. Das ist z.B. der Fall mit der Entwicklung der weltweiten Überak- kumulation und der Krise des Kolonial-Imperialismus oder auch noch mit den Phänomenen der finanziellen "Überkapitalisierung". Die katastrophenartigen Bankzusammenbrüche enthüllen eine wirkli- che Strukturkrise des Kreditsystems (die z.B. schon von Varga be- merkt wurde), die, wie es scheint, mit der verallgemeinerten Aus- nutzung des Finanzkapitals durch die monopolistische Oligarchie als Vorbeugungsmaßnahme oder als Lösung der Überakkumulation ver- bunden ist. Das Risiko der katastrophenartigen Entwertung paraly- siert tendenziell das Finanzkapital im Rahmen des im wesentlichen noch privaten und partiell elastischen Kreditsystems. Diese Krise würde eine öffentliche Garantie des Kredit- und Währungssystems, auf welche sich das Finanzkapital und die öffentliche Finanzie- rung stützen, notwendig machen. Das Kreditsystem entwickelt sich vom einfachen Monopolismus zum Staatsmonopolismus. Schließlich blockiert oder bremst die Tendenz zur monopolisti- schen Blockierung der Preise oder der Produktion während der De- pression, die notwendige Entwertung von Kapital bis hin zu einer Verhinderung des weiteren Wachstums. Die relative Blockierung der klassischen Phänomene der Kapitalentwertung war während der De- pression der 30er Jahre o f f e n s i c h t l i c h. Sie war (mit unterschiedlichen Begriffen) von zahlreichen bürger- lichen Spezialisten bemerkt worden. Sie war auch von Marxisten bemerkt worden und Stalin verweist z.B. auf sie in seinem Bericht zum 17. Kongreß der KPdSU (B) der UdSSR im Januar 1934. (Fragen des Leninismus, S. 636) Aber die Marxisten analysierten die Pro- bleme der monopolistischen Blockierung im Rahmen der Entwertung nicht so, wie diese vorher von Marx selber analysiert worden war. Diese Vertiefung der kapitalistischen Widersprüche verhindert die andauernde Wiederaufnahme des Wachstums. Sie würde in Hinsicht auf die Fortsetzung der Kapitalakkumulation und des Kapitalismus selber den Übergang zu den öffentlichen Formen der Entwertung notwendig machen, um auf den Druck der Konkurrenz der anderen kapitalistischen Länder, auf die revolutionären Kämpfe der Arbeiterklasse sowie auf den Wettbewerb mit der sozialistischen Wirtschaft zu antworten. Auf diese Weise kann man das öffentliche Unternehmen als eine dialektische Entwicklung der einfachen oder privaten monopoli- sierten Formen und die öffentliche Finanzierung im allgemeinen als eine Entwicklung des Finanzkapitals betrachten. (Wir lassen hier das Problem des öffentlichen Kapitalexports oder des Exports von Kapital nach entwickelten Ländern selbst beiseite, genauso, wie jenes der Verbindung der Entwicklung des staatsmonopolisti- schen Kapitalismus mit der Auflösung der Kolonialreiche unter den Schlägen der internationalen Befreiungsbewegungen). Indessen haben wir mit der zweiten Frage nach den Verbindungen zwischen den Umwälzungen, die zum einfachen Monopolismus, und je- nen, die zum Staatsmonopolismus führen, die erste Frage der be- sonderen Bereiche und der konkreten Bedingungen der Entwertung wiedergefunden. Diese Frage betrifft ... (es fehlt eine Zeile im Originaltext, A.d.Ü) die Konkurrenz die von Marx nicht in den Plan des "Kapital" einbezogen wurde, obwohl er viele und anre- gende Hinweise zu diesem Gegenstand gegeben hat. III. Die Bereiche und Quellen der öffentlichen Finanzierung ----------------------------------------------------------- In der begrenzten Zeit, die mir noch verbleibt, kann ich nur in sehr schneller und oberflächlicher Weise auf diese doppelte Serie von Problemen, die die B e r e i c h e und die Q u e l l e n der öffentlichen Finanzierung betreffen, eingehen. Ich werde im übrigen fast ausschließlich von den Bereichen sprechen. 1. Bereiche der öffentlichen Finanzierung ----------------------------------------- und Formen der Finanzunternehmen -------------------------------- a) Vergesellschaftung der Produktivkräfte ----------------------------------------- Betrachten wir die besonderen Bereiche, deren sich das öffentli- che Monopol oder wenigstens die öffentliche Finanzhilfe haupt- sächlich bemächtigt. Es handelt sich im allgemeinen, wie Marx es bereits in bezug auf die Kapitalentwertung bei der Eisenbahn be- merkt hat, um Branchen, wo die organische Zusammensetzung des Ka- pitals besonders hoch ist, d.h., die Wertzusammensetzung von c/v als Ausdruck der technischen Zusammensetzung. Man versteht, daß diese Branchen sehr schwer wiegen können bei der Umverteilung der Mehrwertmasse in Profit. Aber das genügt nicht, um ihre Umwand- lung zu erklären, die sich auf der Ebene der Konkurrenz ergibt. Marx hat das bereits im 15. Kapitel des III. Bandes unterstri- chen, wo er schreibt: "Solange alles gut geht, agiert die Konkur- renz, wie sich bei der Ausgleichung der allgemeinen Profitrate gezeigt, als praktische Brüderschaft der Kapitalistenklasse, so daß sie sich gemeinschaftlich, im Verhältnis zur Größe des von jedem eingesetzten Loses, in die gemeinschaftliche Beute teilt. Sobald es sich aber nicht mehr um Teilung des Profits handelt, sondern um Teilung des Verlustes, sucht jeder soviel wie möglich sein Quantum an demselben zu verringern und dem anderen auf den Hals zu schieben. Der Verlust ist unvermeidlich für die Klasse. Wieviel aber jeder einzelne davon zu tragen, wieweit er überhaupt daran teilzunehmen hat, wird dann Frage der Macht und der List, und die Konkurrenz verwandelt sich dann in einen Kampf der feind- lichen Brüder. Der Gegensatz zwischen dem Interesse jedes einzel- nen Kapitalisten und dem der Kapitalistenklasse macht sich dann geltend, ebenso wie vorher die Identität dieser Interessen sich durch die Konkurrenz praktisch durchsetzte." (MEW Bd. 25, S. 263) Tatsächlich wird mit der wachsenden organischen Zusammensetzung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, aber vor allem auch in ei- nigen Branchen der gesellschaftliche Charakter der Produktiv- kräfte deutlich, indem eine wachsende Masse kristallisierter, vergesellschafteter Arbeit gegeben ist, die durch die lebendige Arbeitskraft in Bewegung gesetzt wird. An der Oberfläche macht sich dies insbesondere durch die Entwicklung des fixen Kapitals bemerkbar. Wie Marx im 15. Kapitel erklärt: "Dagegen ist es ge- rade das Charakteristische der steigenden Produktivkraft der Ar- beit, daß der fixe Teil des konstanten Kapitals eine starke Ver- mehrung erfährt..." (MEW Bd. 25, S. 271) Mit den fixen Anlagen entwickelt sich der kollektive Charakter der materiellen Bedingungen der Produktion. Auf einem gewissen Grad der Entwicklung lassen diese Bestimmungen die Konkurrenz im Fall der Krise bzw. der Entwertung von Kapital, besonders katastrophenhaft werden. Im Gegensatz zum variablen Kapital kann der Kapitalist zunächst nicht aufhören, konstantes Kapital vorzuschießen, indem er Pro- duktionsmittel stillegt, z.B. um seine Schulden zu bezahlen oder sein Kreditbedürfnis relativ zu mindern. Schließlich bleibt das fixe Kapital im Gegensatz zum zirkulierenden konstanten Kapital, das auch im Fall der Einschränkung der Produktion nichtsdestowe- niger weiter benutzt werden kann, zum großen Teil außerhalb des Umschlags. Oder, ebenfalls im Gegensatz zum zirkulierenden kon- stanten Kapital kann es nicht den Produktionszweig wechseln, ebenso, wie es zum größten Teil nicht die technischen Bedingungen der Produktion wechseln kann. Dieses fixe Kapital fährt also im- mer fort, auf dem Kapital des Unternehmens zu lasten, ohne irgen- detwas einzubringen. Das wirkt sich noch schwerwiegender aus in dem Fall, wo es Anleihen entspricht, deren Zinsen auf jeden Fall ständig weiter gezahlt werden müssen. In bezug auf diesen letzten Punkt muß man bemerken, daß die Form der Entwertung durch Aktien- kapital oder Obligationen im weitesten Rahmen, wie es schon En- gels gezeigt hatte, dem Monopol vorhergehen. Daher hat der Kapi- talist, bevor er die Produktion gänzlich einstellt, in der Kon- kurrenz im Inneren dieser besonders entwickelten Branchen im Falle einer Überakkumulationskrise ein Interesse w e i t u n- t e r h a l b s e i n e s i n d i v i d u e l l e n P r o- d u k t i o n s p r e i s e s zu verkaufen, wenn er auf diese Weise überhaupt etwas verkaufen und einen Teil seiner auf jeden Fall unvermeidlichen Kosten kompensieren kann. Aber wenn alle Unternehmungen das gleiche tun, so bewirken sie tendenziell die gegenseitige Zerstörung. Marx hatte, als er die Konkurrenz zu analysieren begann, im "Kapital" erklärt: "Der Konkurrenzkampf wird durch Verwohlfeile- rung der Waren geführt." (MEW 23, 654) Er hatte auch auf der Not- wendigkeit der Preissenkung und des Verkaufs unter dem individu- ellen Wert zur Hebung des Absatzes insistiert. Er hatte die Grenze unterstrichen, die der Kostpreis konstituiert, der vom Wert, aber auch vom Produktionspreis selber unterschieden ist. Dennoch hatte er erklärt, daß die systematische Analyse der Kon- kurrenz außerhalb des Planes des 'Kapital' liege. Man weiß, wie sehr die Analyse der Oberfläche der Konkurrenz, ei- ner Lieblingsdomäne der bürgerlichen Ökonomen, sehr speziali- sierte und wertvolle Arbeiten hervorgebracht hat, ohne die man im Studium der sich augenblicklich ergebenden Phänomene keinen Schritt vorankommt. Zitieren wir insbesondere eine schon ältere Studie von 1923 von dem amerikanischen Ökonomen John Maurice Clark, betitelt "Studies on the Economy of Overhead Costs" Diese Studie zeigt sehr gut, inwieweit in die kapitalistische Konkur- renz durch die Entwicklung des fixen Kapitals und der konstanten Kosten in gewissen Zweigen eine Veränderung eingeführt worden ist. Diese Entwicklung, die die "Konkurrenz bis aufs Messer" oder bis zum gegenseitigen "Gurgeldurchschneiden" hervorruft, führt notwendig zum Monopol. Unter diesen Bedingungen, schreibt John Maurice Clark, "ist das einzige Preisniveau, das sämtliche Produktivkräfte betreffen kann, das des Bankrotts. Von den Produzenten das Spiel der freien Konkurrenz zu fordern, scheint sich darauf zu reduzieren, die Konkurrenz - und mit ihr das private Unternehmen - sich selber den Tod geben zu lassen." "Daher ist das Monopol lebensnotwendig für die Privatindustrie." (Französische Übersetzung, S. 263) Andere Autoren haben gezeigt, wie das Phänomen sich nicht ledig- lich auf die Schwierigkeiten der Krise begrenzen läßt. Es ten- diert dazu, chronisch in jenen besonderen Produktionszweigen zu werden, in denen die Produktivkräfte mehr und mehr kollektiviert sind und wo die "Stufenwirtschaft" (economie d'echelle) eine zu- nehmende Verringerung des Kostpreises mit dem Wachsen der Unter- nehmensdimension erlaubt. Diese tendiert dann dazu, einen wach- senden Anteil des nationalen Marktes zu erobern, was eine kata- strophenartige Konkurrenz zwecks Erhöhung des Absatzes zur Folge hat. Der kollektive Charakter der materiellen Produktivkräfte und die katastrophalen Kosten, die daraus im Falle kapitalistischer Konkurrenz entspringen können, ist schon sehr früh für die großen fixen Anlagen wie dem Distributions- und Verkehrsnetz, das eine ganze Region verbinden kann, offensichtlich geworden. Die Exi- stenz eines zweiten derartigen Unternehmens verdoppelt tatsäch- lich ohne jeden Nutzen die Kosten eines solchen Netzes. b) Die öffentliche Infrastruktur -------------------------------- Schon im klassischen Stadium des Kapitalismus ist der Bereich der öffentlichen Infrastruktur des Transportwesens beispielsweise größtenteils der öffentlichen Finanzierung reserviert. Adam Smith bemerkte, daß einige Ausgaben, die dem Staat zufallen, obwohl sie der Gesellschaft als ganzes profitabel wären, dieses nicht für den einzelnen Unternehmer, der sich damit belastete, sein würden. (Richesse des Nations, Buch 5, Kapitel l, S. 65) Aber dieser Be- reich ist mit der Entwicklung des gesellschaftlichen Charakters der Produktivkräfte erheblich angewachsen. Die Theorie der öf- fentlichen Infrastruktur ist vor dem Zweiten Weltkrieg z.B. von Rosenstein-Rodan entworfen worden und sie wird in unseren Tagen weiterentwickelt von angelsächsischen, italienischen und franzö- sischen Autoren, insbesondere, was die unterentwickelten Länder betrifft. Diese Theorien bestehen auf dem unteilbaren Charakter der öffentlichen Arbeit und ihrem Mangel an Spezifiziertheit - sagen wir besser auf ihrem kollektiven Charakter - und auch auf der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den Ausgaben für die In- frastruktur und der Kostensenkung oder der Anhebung des Profits der Unternehmen, die daraus den Nutzen ziehen. Wir haben es hier mit Bereichen zu tun, die, wenn sie kapitalistisch wären, eine extrem hohe organische Zusammensetzung des Kapitals darstellen würden. Sie könnten z.T. sogar völlig aus konstantem Kapital in seiner fixen Form zusammengesetzt sein. Ihr Charakter dauerhafter und unteilbarer Anlagen erlaubt ihnen nicht, mit den Fluktuatio- nen der Nachfrage, gemäß der Konjunktur zu variieren. Das Angebot muß prinzipiell den Spitzenbelastungen einer bestimmten Periode entsprechen. Im übrigen handelt es sich um kollektive Einrichtun- gen, deren Kosten minimal sind, wenn diese z.B. den Bedürfnissen der Produzenten einer ganzen Region Rechnung tragen, wie z.B. ein Hafen. Wenn diese Bereiche auf kapitalistische Art und Weise aus- gebeutet werden würden, so würden sie periodisch von einer massi- ven Überproduktion von Kapital betroffen sein. Der Zusammenbruch oder das Monopol, das den Rest der Wirtschaft übervorteilt, wären die obligatorische Folge. c) Die neuen öffentlichen Unternehmungen ---------------------------------------- Im 19. Jahrhundert erscheinen eine große Anzahl neuer Sektoren, die analoge Besonderheiten kennzeichnen. Das ist z.B. der Fall mit den Eisenbahnen, dem städtischen Transportwesen und der städ- tischen Gasversorgung. Die Geschichte der Eisenbahnen in Frankreich ist besonders bezeichnend durch die Notwendigkeit der "Obligation", die einzig und allein den Zins erzielt. Eine Tatsa- che, die erlaubt, den ersten Finanzkrisen zu entgehen, außerdem gibt es noch das Monopol, das vom Staat den verschiedenen Netzen zugewiesen wurde, um eine verhängnisvolle Konkurrenz zu verhin- dern. Schließlich, am Ende des 19. Jahrhunderts, geht die wach- sende Unterstützung des Staats einher mit der Tarifkontrolle, um die der Wirtschaft durch das Monopol erwachsenden Lasten zu er- leichtern, eine Kontrolle, die im übrigen die Profitrate verrin- gert. Diese staatliche Hilfe wächst unaufhörlich bis zur Quasi- Verstaatlichung an, wie sie in der Form der société nationale d'economie mixte im Jahre 1937 geschaffen wurde. Die anderen Be- reiche erleben eine ganz ähnliche Entwicklung. Zunächst nur Ausnahmen, dann anwachsend verallgemeinern sich die Bedingungen, die traditioneller Weise die öffentliche Infrastruk- tur kennzeichnen, mit der zweiten Etappe der industriellen Revo- lution gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sicherlich gibt es bedeutende Unterschiede, die sich insbesondere am Beibehalten eines bedeutenden Anteils des variablen und zirku- lierenden Kapitals zeigen. Die Schwierigkeiten erscheinen im all- gemeinen lediglich mit dem Aufkommen der periodischen Überakkumu- lation des Kapitals auf gesamtgesellschaftlicher Stufenleiter. Diese Bedingungen bringen das Monopol mit sich, und von einem ge- wissen Grad der Entwicklung an zieht das Monopol die öffentliche Intervention nach sich. Tatsächlich führt das Monopol mit der Fortsetzung der Akkumulation zur Erzeugung großer Schwierigkeiten und neigt sogar dazu, wie wir bereits angedeutet hatten, das Wachstum zu blockieren, vor allem in einem Land mit in bezug auf den Weltmarkt wenig vorteilhaften Produktionsbedingungen. Dies ist besonders schwerwiegend in den Basisbereichen, deren Entwick- lung die gesamte Wirtschaft beeinflußt und wo die "Stufen- wirtschaft" und die Tendenz, einen einzigen ökonomischen Organis- mus für die gesamte Nation zu bilden, besonders rein sind. Nehmen wir z.B. die Kohle und die Elektrizitätswirtschaft. Was die Kohlenminen betrifft, bemerkt P. Gardent (Leiter der Stu- dien über die lothringischen Kohlenbergwerke): "Die freie Konkur- renz zwischen den produktiven Unternehmen würde im Abschwung der Konjunktur zu Preiszusammenbrüchen führen, da die Produzenten eher ein Interesse haben, momentan zu Verlusten zu verkaufen, als ihre Produktion zu reduzieren." Woraus sich, wie er erklärt, die schlagartige Schließung der verwundbarsten Minen ergibt, während auf der Gegenseite das unzureichende Angebot und das exzessive Ansteigen der Preise im zyklischen Wiederaufschwung zur Monopoli- sierung oder zur wachsenden Karteiisierung führen. (Le Charbon, 1962, S. 118-119) Etienne Aubert, damals Präsident der französischen Kohlewirt- schaft, hat auf die Ausbeutung der Knappheit von 1924-1927 durch die Kohleproduzenten in Form von Superprofiten verwiesen und um- gekehrt auf die Vernachlässigung der unabdingbaren Arbeiten zur Bewahrung der Produktionskapazität während der 30er Jahre. (Tribulations et perspectives des Charbonnages français, 1949) Von 1938 an führt die Abschwächung des Wachstums durch den Kohle- preis zur Intervention des Gesetzgebers auf die Preise. Man weiß im übrigen aus anderer Quelle, daß zur Zeit der Befreiung der technische Rückstand der Minen und vor allen Dingen der schrei- ende Mangel an Kohle einen lebensbedrohenden Engpaß darstellte. Hätten die Wiedererrichtung und die massiven Investitionen zum Wiederaufbau und zur Modernisierung sowie das Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zu schwer auf dem Rest der Wirtschaft ge- lastet, wenn sie nach den Normen des Privatkapitalismus verwirk- licht worden wären? Hätten sie überhaupt stattfinden können? Es geht gewiß nicht darum, die außergewöhnlichen politischen Um- stände der Befreiung zu unterschätzen, genauso, wie die Situation des Mangels. Indessen beweist die Entwicklung der Kohlewirtschaft weit vor der Nationalisierung und in den anderen Ländern genauso wie das augenblickliche Beibehalten der übertriebenen privatwirt- schaftlichen Regeln (Defizit usw.), daß die Umstände der Befrei- ung sich einerseits nur ausgewirkt haben zugunsten der kühnen Lö- sung der Fortsetzung des materiellen Wachstums gegen die sich als Bremsen auswirkenden traditionellen kapitalistischen Produkti- onsverhältnisse, sowie andererseits zugunsten der fortgeschritte- nen antimonopolistischen und demokratischen Form, die die Natio- nalisierung darstellt, anstelle anderer Formen der öffentlichen Finanzierung. Der kollektive Charakter der Produktivkräfte und die Annäherung an die öffentliche Infrastruktur ist in der Elek- troenergie noch viel stärker ausgeprägt, vor allen Dingen auf na- tionaler Ebene. Edmond Roux, damals Präsident des Syndicat des Producteurs et Distributeurs d'electricite schrieb: "Unter gewöhnlichen Bedin- gungen haben jene beiden, Kennzeichen die Masse der Investition und die geringe Anzahl der Beschäftigten eher vorteilhafte Konse- quenzen für die Führung der Unternehmen... Unglücklicherweise ist das nicht so, wenn sich eine verlängerte Krise ergibt... Die fi- xen Belastungen, die sich im wesentlichen aus den Anleihen erge- ben, können praktisch nicht verringert werden. Was das zweite Merkmal betrifft, das aus der geringen Zahl der Beschäftigten be- steht, so wirkt es in demselben Sinne." ("Energie életrique et civilisation", 1945, S. 129) Derselbe Autor unterstreicht die außergewöhnliche Bedeutung der Anleihen in der Elektroindustrie, das rechtliche oder tatsächli- che Monopol der Verteilung und der Übertragung von Elektrizität, das mit den Lichtkonzessionen verbunden ist und dem sehr kost- spieligen Charakter der Konkurrenz geschuldet ist. Er rechtfer- tigt außerdem vom kapitalistischen Standpunkt aus die Beibehal- tung der Kapitalerträge während der Krise und der Depression An- fang - der 30er Jahre, wohingegen zahlreiche Sektoren Verlusten ausgesetzt waren. Er erinnert an die staatliche Intervention nach dem Ersten Weltkrieg (gelegentliche Übernahme der Infrastruktur, Subventionen, Zinsgarantien). Er unterstreicht die staatliche In- tervention 1938, (die auf die Erlasse, die den Strompreis senk- ten, folgte): finanzielle Unterstützung des Programms, die Her- ausbildung einer Elektrizitätsgruppe, Beginn der Lastverteilung usw. Offensichtlich will dieser Repräsentant der Elektromonopole - wir befinden uns im Jahre 1945 - zeigen, daß eine sehr weitge- hende staatliche Intervention durchaus praktikabel und zuverläs- sig ist, ohne daß es gleich nötig wird, bis zur Verstaatlichung zu schreiten. Ein anderer Autor, Jean-Marcel Jeanneney, erinnert seinerseits an den plötzlichen Investitionsstop der Elektroindustrie in den 30er Jahren. Er unterstreicht die Hilfe und Initiative der Öf- fentlichkeit für das neue Programm von 1938 und 1939 ("Economie et Droit de l'Electricité", 1950, S. 56). Im selben Buch erinnert Claude-Albert Colliard an die Verzerrungen, die seit 1930 zwi- schen dem Elektrizitätspreis und dem allgemeinen Preisniveau be- stand, die ein bemerkenswertes Ansteigen des relativen Preises der Elektrizität mit sich brachte und eine Einschränkung des Ver- brauchs. Er erinnert an die im Jahre 1935 gegenüber dem Jahre 1929 um 35% gestiegenen Profite, während es in den "nicht ge- schützten" Sektoren im Gegenteil ein Absinken um 66% gegeben hätte (ebenda, S. 107). Er unterstreicht die Bedeutung der öf- fentlichen Mittel während der zwei Weltkriege und des Amortisati- onsfonds von 1936. Man weiß aus anderer Quelle, daß mit dem Be- ginn der Ausdehnung und mit dem relativ niedrigen industriellen Elektrotarif von 1938, die der öffentlichen Intervention geschul- det waren, mehrere Industriegesellschaften damit aufhörten, ihre Energie selbst zu produzieren und es als vorteilhafter empfanden, das nationale Netz zu benutzen, ("Revue d'Economie Politique", 1938) Die Verstaatlichung krönt diese Entwicklung mit massiven Investi- tionen, die von den unmittelbaren Beschränkungen des privaten Profits befreit sind, aber die auch eine Entwicklung der Preise mit sich bringt, die die realen Elektrizitätspreise im Verhältnis zu den Preisen - im Privatsektor erheblich senkt, die Kosten ver- ringert und die Profitrate der kapitalistischen Nutznießer an- steigen läßt. d) Öffentlich finanzierte Privatunternehmen ------------------------------------------- Man könnte auf gleiche Weise die Stahlindustrie untersuchen, von der man weiß, daß sie, obwohl nicht verstaatlicht, nach dem Zwei- ten Weltkrieg einen erheblichen Anteil an der Verteilung öffent- licher Mittel hatte, vor allen Dingen für die weitestgehend kol- lektiven Anlagen (wie etwa Walzstraßen, die dank der öffentlichen Mittel gemeinsamen Filialen für alle großen Trusts bildeten). Dagegen sind die Stahlpreise insgesamt schneller gestiegen als alle anderen. (Vgl. "Revue Economique", 1961) Man müßte außerdem die Atomenergie, die chemische Schwerindu- strie, Schiffahrt und Luftfahrt sowie die Erdölindustrie usw. an- führen. Außerdem müßte man die besonderen Fälle der Landwirt- schaft und des Wohnungsbaus darstellen. Was man unterstreichen muß, ist die progressive Ausdehnung der öffentlichen Finanzierung auf alle Sektoren der Produktion seit der Befreiung. Es handelt sich vor allen Dingen um zwei besondere Interventionsbereiche, die jeder für sich genommen eine eigene Untersuchung verdienten, wo der kollektive Charakter des fixen Kapitals sehr deutlich ist. Auf der einen Seite die Einrichtung neuer Produktionseinheiten im Rahmen der "Raumordnung" und öf- fentliche Unterstützung der "Strukturreform" (Umstrukturierung, Dezentralisation, Konzentration usw.); außerdem der Bereich der Grundlagenforschung, der sich in vollem Aufschwung befindet, wo die öffentliche Finanzierung augenblicklich am schnellsten voran- schreitet. Die Spezialisten unterstreichen im übrigen die Analo- gie zwischen der Grundlagenforschung und dem fixen Kapital, was die Kosten betrifft. Das ist z.B. der Fall hinsichtlich der Sta- bilität des qualifizierten Personals, das möglichst gehalten wer- den muß, ohne Rücksicht auf Fluktuationen oder auch in bezug auf die Dauer der Ausgaben, die keinen Ertrag bringen. Auch das zeigt den wachsenden kollektiven Aspekt, der als "öffentlicher Dienst" der Forschung bezeichnet wird. ("La Recherche-Developpement", Cahiers de l'I.S.E.A., Serie T, Nr. 1, 1959) 2. Finanzierungsquellen und Finanzierungsorgane ----------------------------------------------- Eine andere Untersuchung erlaubt es, die verschiedenen öffentli- chen Finanzierungsquellen und ihre unterschiedlichen Bedingungen mit der Kapitalüberakkumulation und seiner Entwertung, so wie sie sich auf der Ebene der Konkurrenz darstellt, in Beziehung zu set- zen. Aber wir haben nicht die Zeit, sie hier auszuführen. Die Vergesellschaftung der Geldmittel, die auf der verallgemeinerten Kreditwirtschaft basiert, erlaubt die Ausplünderung der großen Masse der Bevölkerung, ihrer Einkünfte und ihrer Rücklagen, um die öffentlichen Fonds zu versorgen. Es hätte gezeigt werden müs- sen, wie man von den Steuern, die schon im Stadium des klassi- schen Kapitalismus ein entwertetes Kapital darstellen können, über die noch direktere Entwertung, wie sie die Anleihen reprä- sentieren, übergeht zur allgemeinen Entwertung durch das Geld und den Kredit mit der Abschöpfung durch die Inflation. Die Konvertierbarkeit des Geldes in Gold ist im Inneren ausge- setzt (Oktober 1936). Die Notenbank ist fortschreitend verstaat- licht (1936, und vor allem 1945). Der Staat regelt die Geldaus- gabe zu Zwangskursen, ebenso wie die Kreditpolitik, die dank die- ses Geldes eine formell unbegrenzte Elastizität besitzt. Dem pe- riodischen Risiko des deflationistischen Bankzusammenbruchs, der eine öffentliche Rettung durch die Vergesellschaftung der Verlu- ste notwendig macht (wie während der 30er Jahre), und den episo- dischen inflationistischen Pressionen von Seiten des Staates, wirkt eine Verwässerung der Inflation tendenziell entgegen. Das unbegrenzt elastische Kreditsystem, das durch den Staat kontrol- liert wird, und das auf der staatlichen Notenbank beruht, bemüht sich das Risiko der verhängnisvollen Entwertung des Bankkapitals zu vermeiden durch eine Flucht nach vorn in die chronische Infla- tion. Es kann dies aber nicht die periodisch anfallenden Verstärkungen der Inflation verhindern, und die Schwierigkeiten der "Stabilisierungsmaßnahmen". Diese Inflation lastet schwer auf den tarifgebundenen Einkommen wie etwa den Löhnen oder in zweiter Hinsicht auf den Volksersparnissen, die Reserven für den Ver- brauch bilden. Allgemein gesehen entwickelt dieses System die Wi- dersprüche der öffentlichen Finanzierung der Produktion und des Verbrauchs mit der Akkumulation von Kapital, zu deren Nutzen es nichtsdestoweniger beiträgt. Indem es vom einfachen Monopolkapitalismus zum Staatsmonopolismus übergeht, spiegelt das Finanzsystem die wachsende Vergesellschaf- tung der monetären Funktionen wider. Diese Vergesellschaftung ist indessen antagonistisch und vertieft die kapitalistischen Wider- sprüche im nationalen und internationalen Maßstab, weil sie zum Nutzen der Finanzoligarchie geschieht. Es hätten ebenso die verschiedenen Bedingungen der öffentlichen Finanzierung gezeigt werden müssen, von den eigentlichen ö f f e n t l i c h e n Fonds hin zu den h a l b ö f f e n t- l i c h e n Finanzorganen (die z.B. Reservefonds außerhalb kapi- talistischer Prinzipien verwalten), wie die Depositenkasse bis zur Kreditpolitik, insbesondere den mittelfristigen Krediten. Diese Kredite, deren Bedeutung groß ist, basieren auf der öffent- lichen Garantie (der der Notenbank) bezüglich der verstaatlichten Depots genannten Banken und der halböffentlichen Finanzierungs- institutionen. Daher der Ausdruck der p a r a - ö f f e n t- l i c h e n Fonds, den wir für sie benutzen. 2) Wenn man das Finanzkapital mit der Kapitalentwertung verbindet, sieht man, wie die öffentliche, die halböffentliche und die para- öffentliche Finanzierung die Finanzform des Kapitals entwickelt, indem es seine inneren Widersprüche vertieft. Bemerken wir noch, daß als allgemeine Regel die öffentliche Fi- nanzierung, wie es die Spezialisten bezeichnen, als "Umwandler" fungiert, (d.h., in Wirklichkeit als Umwälzer der verschiedensten Fonds von Kapitalien, die Investition der liquiden Reserven der Bevölkerung in fixes Kapital erlaubt) und als "Differential" (d.h., als Entwerter dieser Kapitalien dank gesenkter Zinsfüße). Der relative Anteil der öffentlichen Fonds strictu sensu tendiert im übrigen dazu, geringer zu werden. Woraus unserer Meinung nach die irrtümlichen Spekulationen von rechts und von links über den Rückzug der öffentlichen Intervention in Frankreich resultieren. Tatsächlich entwickelt sich zur selben Zeit im Gegenteil die Intervention der semi- oder para-öffentlichen Fonds. Diese indi- rekte Intervention erlaubt, mit einer geringeren Masse öffentli- cher Fonds im eigentlichen Sinne eine viel ausgedehntere Intervention in die gesamte Wirtschaft. "Eine Anleihe, die durch den Staat garantiert und vergütet wird, (d.h. durch die Übernehme eines Teils der Zinsen durch den Staat) entspricht für den Kreditnehmer, erklärt Michel Lagache, einer Ausrüstungsanleiheaus öffentlichen Geldern. Andererseits bringt die Staatskasse nur eine relativ geringe Summe auf." ("Les inve- stissements privés et le concours financierde l'Etat", 1959, S. 117) Solange alles gut geht, braucht die Staatsgarantie nicht in An- spruch genommen zu werden. Auf diese Art und Weise kann trotz der stärker eingeschränkten öffentlichen Fonds im eigentlichen Sinne die Masse des Kapitals, die durch die öffentliche Entwertung be- günstigt wird, wachsen. Mehr noch, diejenigen Formen, die am offensten staatlich sind und die den Kapitalismus am direktesten bedrohen, können zurückge- drängt werden. Diese hervorstechende Entwicklung hat bedeutende wirtschaftliche und politische Ursachen, aber wir können uns hier dabei nicht aufhalten. Nach der Analyse der Quellen und der Bereiche der Finanzierung würde eine weitergehende Analyse zu erklären erlauben, wie neue Widersprüche sich entwickeln und wie die Antagonismen der Tendenz zur Überakkumulation sich mit der öffentlichen Finanzierung im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus vertiefen. Wir können uns damit hier nicht aufhalten. Aber wir können z.B. auf das schwierige Problem, das mit "Koordination" bezeichnet wird, verweisen, welches sich im Bereich der Produktion zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor ergibt sowie auf das Problem der Verschwendung, die aus ihrer ungleichen Konkurrenz erwächst. Führen wir noch ein anderes Beispiel an: Das Problem der Schwie- rigkeiten der Transformation und Konsolidierung der für die öf- fentliche Finanzierung geschaffenen Fonds (einbegriffen die neuen Bedingungen des Geld- und Kreditwesens), die die Front der anti- monopolistischen Schichten, in erster Hinsicht aller Lohnabhängi- gen, durch die chronische Inflation und ihre zyklischen Ausbrüche zusammenschweißt. 3) Diese Schwierigkeiten führen in gleicher Weise die Rationierung der gesellschaftlichen Ausrüstung mit sich, die an den kollekti- ven Verbrauch gebunden sind, (Gesundheits- und Ausbildungswesen etc.), die mit der langfristigen Entwicklung der Produktivkräfte in Widerspruch tritt. Als Schlußfolgerung machen wir nur drei Bemerkungen: Die Anwendung der Theorie der Überakkumulation auf die öffentli- che Finanzierung macht neue und schwierige theoretische Entwick- lungen auf der Oberfläche der Konkurrenz notwendig. Der hier vorgestellte theoretische Ansatz hat nur partiellen Cha- rakter. Er ist notwendig mit unterschiedlichen Ansätzen ver- knüpft. Insbesondere muß er sich durch eine Untersuchung, die die öffentliche Intervention in den Bereichen des Verbrauchs (privat oder kollektiv) und der Dienstleistung betrifft, vervollständi- gen. Abgesehen von den sehr bedeutenden parasitären Formen des Verbrauchs, wie die der Rüstung, fallen diese Bereiche aus der eigentlichen Sphäre der materiellen Produktion heraus, obwohl sie sehr eng mit ihr verbunden sind. Schon im Bereich der Aufwendun- gen für die Grundlagenforschung handelt es sich um eine intellek- tuelle Produktion. Indessen handelt es sich bei der öffentlichen Wirtschaft, des Ausbildungs- und Gesundheitswesens um die Produk- tion der Menschen selber. Die öffentliche Finanzierung kann der Gegenstand von drei haupt- sächlichen Formender Kritik sein, wie sie in Frankreich erkennbar sind und die zur allgemeinen Kritik des staatsmonopolistischen Kapitalismus gehören. 1 - E i n e r e a k t i o n ä r e K r i t i k. Diese prote- stiert gegen den Staatsinterventionismus, der die kapitalistische Freiheit vergewaltigt im Namen eines sogenannten "Liberalismus". 2 - E i n e r e f o r m i s t i s c h e K r i t i k. Diese vergißt, daß das Nichtrespektieren der Regeln des Profits zugun- sten der Profite der Kapitalisten und vor allen Dingen der Oligarchie geschieht. Sie stellt sich vor, daß die staatliche In- tervention schon in einer gewissen Weise Sozialismus repräsen- tiert und daß es ausreicht, sie beherzt auf die Art der weniger direkten Unterwerfung unter die Kontrolle der Oligarchie zu entwickeln, ohne diese frontal anzugreifen. 3 - Eine revolutionäre Kritik. Diese zeigt den Antagonismus zwi- schen den neuen öffentlichen Formen (die enthüllen, daß der Kapi- talismus überlebt hat) und ihrer Anwendung im kollektiven Inter- esse des Kapitalismus des Monopols, der Finanzoligarchie, der die kapitalistischen Widersprüche zwischen den Produktionsverhältnis- sen und den Produktivkräften vertieft, zwischen Arbeit und Kapi- tal. Diese Kritik zeigt die Möglichkeit, aber auch die Erforder- nisse der Überwindung dieser öffentlichen Formen durch die Über- nahme der demokratischen Kontrolle des Staates und eine entschie- den a n t i m o n o p o l i s t i s c h e O r i e n t i e- r u n g. Diese Orientierung, die sich auf die objektive anti- monopolistische Bewegung der modernen Produktivkräfte und der Volksmassen, die um das Proletariat gruppiert sind, stützt, wird die Wirtschaft in den Dienst des Volkes stellen und so den Weg zum Sozialismus eröffnen. _____ 1) Anmerkung der Übersetzer: Der von P. Boccara zitierte franzö- sische Text weicht hier sowohl vom englischen Original als auch von der deutschen Fassung stark - wenngleich nicht sinnentstel- lend - ab. 2) Als einen kurzen Überblick über die verschiedenen französi- schen Finanzorganisationen nach dem Zweiten Weltkrieg erlauben wir uns auf unseren Beitrag zum Colloquium über das Finanzkapi- tal, das durch die N.R.I. in Prag im März 1964 organisiert wurde, zu verweisen. In: Economie et Politique, September 1964, Titel: "Das Finanzkapital im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapita- lismus in Frankreich." 3) Der inflationistische Ausbruch berührt als teilweiser Ersatz der Arbeitslosigkeit (welche erlaubt, das variable Kapital auf dem Rücken der Arbeiterklasse zu entwerten und auf die Löhne zu drücken, um den Mehrwert zu erhöhen) alle Kategorien von Lohnab- hängigen, Inbegriffen jene, die nicht traditionell von Arbeitslo- sigkeit betroffen werden, wie die Beamten oder einige Kategorien der Angestellten des Privatsektors. zurück