Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971
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Paul Boccara
I. EINFÜHRUNG IN DIE FRAGE DES
STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS
I. Der staatsmonopolistische Kapitalismus
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als Phase der kapitalistischen Entwicklung.
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1. Die Entwicklungsstadien des Kapitalismus und der
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staatsmonopolistische Kapitalismus.
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Die marxistische Theorie unterscheidet drei fundamentale Stadien
in der Entwicklung des Kapitalismus:
1 - das ursprüngliche oder noch manufakturelle Stadium;
2 - das klassische Stadium des Fabrikwesens oder der freien Kon-
kurrenz;
3 - das imperialistische oder im allgemeinen monopolistische Sta-
dium.
Die innere Entwicklung eines Stadiums bereitet das folgende Sta-
dium durch tiefgreifende Umwälzungen der ökonomischen Struktur
des Kapitalismus vor. Man kann z.B. feststellen, wie im Verlauf
des manufakturellen Stadiums die Entwicklung im Rahmen einer na-
tionalen Volkswirtschaft mit zunächst noch vorherrschenden nicht-
kapitalistischen Verhältnissen zur Herrschaft kapitalistischer
Verhältnisse über die Gesamtheit der Volkswirtschaft voranschrei-
tet. Desgleichen kennt das Stadium des Fabrikwesens eine wach-
sende Konzentration und Zentralisation von Kapital: von dem stän-
digen Anwachsen der Zahl der Kapitalisten als dominierender Ten-
denz geht die Entwicklung zur Tendenz der "Kapitalvernichtung",
der Bezeichnung von Marx folgend, weiter. So charakterisiert sich
das imperialistische Stadium durch Umwälzungen, die von der
freien Konkurrenz zum einfachen Monopolismus führen, und vom ein-
fachen Monopolismus zum Staatsmonopolismus. Von einem gewissen
Grad der Entwicklung an kann man, scheint es, eine völlig neue
Phase im Inneren des imperialistischen Stadiums unterscheiden:
Die Phase des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Die chronolo-
gischen Abgrenzungen sind selbstverständlich völlig relativ und
können aufgrund von Definitionen vereinbart werden.
2. Die Chronologie des staatsmonopolistischen Kapitalismus
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Der staatsmonopolistische Kapitalismus, angekündigt bereits durch
bedeutsame Umwälzungen, die seit Anfang des imperialistischen
Stadiums am Ende des 19. Jahrhunderts stattfanden, erscheint wäh-
rend des Krieges von 1914 - 1918 in den kriegführenden kapitali-
stischen Ländern, wobei er der Gesamtheit der nationalen Volks-
wirtschaft sein Gepräge gibt.
Nach einer Periode relativen oder scheinbaren Rückgangs erfährt
er eine bemerkenswerte Weiterentwicklung während der "Großen De-
pression" der Jahre um 1930. Zu diesem Zeitpunkt stellen die
Nazi-Ökonomie Hitlerdeutschlands und die Wirtschaftspolitik, die
in den Vereinigten Staaten durch den New Deal Roosevelts einge-
leitet wurde, zwei besonders bezeichnende Beispiele der Entwick-
lung des staatsmonopolistischen Kapitalismus dar - zwei unter-
schiedliche Versuche (einer von rechts, der andere von links),
den sich in der Krise befindlichen Kapitalismus zu retten, dessen
Wachstum blockiert ist, während die sozialistische Planung ihre
ersten Erfolge davonträgt.
Nach der Verallgemeinerung seiner Entwicklung während des 2.
Weltkrieges entfaltet sich der staatsmonopolistische Kapitalismus
in der letzten Periode in allen fortgeschrittenen kapitalisti-
schen Ländern.
Er bemüht sich jetzt inmitten eines sich zuspitzenden Klassen-
kampfes die weitere Entwicklung der Produktivkräfte und des mate-
riellen Wachstums zu ermöglichen, trotz der tödlichen Herausfor-
derung an die kapitalistische Produktionsweise, die sich durch
die sich augenblicklich ergebende Vergesellschaftung der Produk-
tivkräfte, den Fortschritt der revolutionären Kämpfe der Arbei-
terklasse - die nationalen Befreiungsbewegungen eingeschlossen -
und das beschleunigte und krisenlose sozialistische Wachstum er-
gibt. Dadurch verschärft er die Widersprüche des Kapitalismus und
treibt diese auf ihre Schwanken zu. Seit dem Ende des 2. Welt-
krieges stützt sich die demokratische und die Arbeiterbewegung
auf die objektiven Prozesse, die den staatsmonopolistischen Kapi-
talismus entwickeln, um den demokratischsten und fortgeschritten-
sten Umwälzungen im Kampf gegen die monopolistische Oligarchie
Geltung zu verschaffen. Aber die Oligarchie bemüht sich (und sie
hat in der augenblicklichen Periode Erfolg damit), die Bewegung
einzugrenzen, die neuen öffentlichen Formen ihres demokratischen
Aspektes zu berauben, um sie zum Wiedererstarken des Kapitalismus
und der Herrschaft der Monopole zu benutzen. Sie bemüht sich, im
Rahmen des Möglichen die Volkswirtschaft zu "reprivatisieren". In
Wirklichkeit entwickelt sie den Staatsinterventionismus nur noch
mehr, aber in den indirektesten und nach außen am wenigsten
durchschaubaren Formen.
II. Die marxistisch-leninistische Definition des
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staatsmonopolistischen Kapitalismus als Phase des Imperialismus
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1. Von Engels zu Lenin
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Engels unterstrich seit etwa 1880 im Anti-Dühring (3. Teil, Kapi-
tel II) die notwendige Vergesellschaftung der Produktionsmittel
unter zunächst kapitalistischer Form. Er unterschied die kapita-
listische Vergesellschaftung, die einerseits durch die Trusts
hervorgerufen wurde, von der, die durch den kapitalistischen
Staat hervorgerufen wurde. Er erklärt in Hinsicht auf die Produk-
tionsmittel diesen "steigenden Zwang zur Anerkennung ihrer ge-
sellschaftlichen Natur, der die Kapitalistenklasse selbst nötigt,
soweit dies innerhalb des Kapitalverhältnisses überhaupt möglich,
sie als gesellschaftliche Produktivkräfte zu behandeln." (MEW 20,
258)
Er zeigt, daß "die Formen der Vergesellschaftung" durch die
"Aktiengesellschaft" auf einer gewissen Stufe der Entwicklung un-
zureichend wird. Die Entwicklung geht zunächst zum "Trust", sagt
er, und dann vom Trust zum "Staatseigentum". Er präzisiert: "In
den Trusts schlägt die freie Konkurrenz um ins Monopol (...) So
oder so, mit oder ohne Trusts, muß schließlich der offizielle Re-
präsentant der kapitalistischen Gesellschaft, der Staat, die Lei-
tung der Produktion nehmen. Diese Notwendigkeit der Verwandlung
in Staatseigentum tritt zuerst hervor bei den großen Verkehrsan-
stalten..." (MEW 20, 259 und 617) Er fügt hinzu: "Denn nur in dem
Falle, daß... die Verstaatlichung ökonomisch unabweisbar gewor-
den, nur in diesem Falle bedeutet sie, auch wenn der heutige
Staat sie vollzieht, einen ökonomischen Fortschritt, die Errei-
chung einer neuen Vorstufe zur Besitzergreifung aller Produktiv-
kräfte durch die Gesellschaft selbst." (MEW 20, 259) Und außer-
dem: "Die Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapi-
talverhältnis wird nicht aufgehoben, es wird vielmehr auf die
Spitze getrieben. Aber auf der Spitze schlägt es um. Das Staats-
eigentum an den Produktivkräften ist nicht die Lösung des Kon-
flikts, aber es birgt in sich das formelle Mittel, die Handhabe
der Lösung." (MEW 20, 260) Und endlich: Die kapitalistische Pro-
duktionsweise"... zeigt selbst den Weg an zur Vollziehung dieser
Umwälzung. D a s P r o l e t a r i a t e r g r e i f t d i e
S t a a t s g e w a l t u n d v e r w a n d e l t d i e
P r o d u k t i o n s m i t t e l z u n ä c h s t i n
S t a a t s e i g e n t u m." (MEW 20, 261)
Der Ausdruck des staatsmonopolistischen Kapitalismus wird im
Jahre 1917 von Lenin verwandt. Ein Jahr nachdem er seine berühmte
Broschüre "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalis-
mus" redigiert hat, und nur einige Monate nachdem er sie veröf-
fentlicht hat, entwickelt Lenin, weit davon entfernt, seine Ana-
lyse vom neuen Stadium, das etwa seit 1880 beginnt, zu wiederho-
len, diese im Lichte der Umwälzungen des Kapitalismus während des
Weltkrieges weiter im Hinblick darauf, durch die Kenntnisse der
objektiven ökonomischen Bewegung der Gesellschaft die Kämpfe der
sowjetischen Revolution zu führen.
In der Broschüre "Die drohende Katastrophe und wie man sie be-
kämpfen soll", die im Oktober 1917 veröffentlicht wurde, befindet
sich der Leninsche Entwurf über den staatsmonopolistischen Kapi-
talismus. Lenin zeigt dort die Bedeutung der neuen Umwälzungen
für das Verständnis der praktischen Wege des demokratisch-revolu-
tionären Kampfes. Er behandelt dort insbesondere die Nationali-
sierung der Banken und der großen Monopole. Er unterstreicht dort
die Tatsache, daß, ohne daß sie bereits sozialistische sind,
diese demokratisch-revolutionären Maßnahmen, die sich auf objek-
tive Prozesse im Kapitalismus stützen, eine Etappe in Richtung
auf den Sozialismus bedeuten, genauso wie "der demokratisch-revo-
lutionäre Staat" einen immensen Schritt in Richtung auf den So-
zialismus konstituiert. Gewiß kann diese Leninsche Analyse nicht
losgelöst werden von den konkreten Bedingungen des Zarenreiches
von 1917, dem ökonomischen Debakel, das der imperialistische
Krieg dort hervorgerufen hat, und vor allem den Besonderheiten
der demokratischen Etappe der russischen Revolution von 1917.
Aber diese Analyse hat darüberhinaus eine allgemeine Bedeutung,
die Lenin in den folgenden Sätzen präzisiert: "Die Dialektik der
Geschichte ist gerade die, daß der Krieg, der die Umwandlung des
monopolistischen Kapitalismus in den staatsmonopolistischen Kapi-
talismus ungeheuer beschleunigte, d a d u r c h die Menschheit
dem Sozialismus außerordentlich nahe gebracht hat... Und das
nicht nur deshalb, weil der Krieg mit seinen Schrecken den prole-
tarischen Aufstand erzeugt - keinerlei Aufstand kann den Sozia-
lismus schaffen, wenn er nicht ökonomisch herangereift ist -,
sondern deshalb, weil der staatsmonopolistische Kapitalismus die
vollständige m a t e r i e l l e Vorbereitung des Sozialismus,
seine unmittelbare V o r s t u f e ist, denn auf der histori-
schen Stufenleiter gibt es zwischen dieser Stufe und derjenigen,
die Sozialismus heißt, k e i n e r l e i Z w i s c h e n s t u-
f e n m e h r." (LW 25, 370)
So ist für Lenin der staatsmonopolistische Kapitalismus eine
wirkliche historische Phase des Kapitalismus. Und noch in "Staat
und Revolution", geschrieben gegen Ende 1917, charakterisiert Le-
nin den Imperialismus als die "Epoche des Bankkapitals, die Epo-
che der gigantischen kapitalistischen Monopole, die Epoche des
Hinüberwachsens des monopolistischen Kapitalismus in den staats-
monopolistischen Kapitalismus" (LW 25, 423), ohne daß er sich auf
dogmatische Art und Weise an seine Definition des Imperialismus
gebunden fühlt, die er einige Monate vorher veröffentlicht hatte.
2. Von 1917 bis in unsere Tage
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Zwischen den beiden Kriegen sind die Hinweise, die Lenin über den
staatsmonopolistischen Kapitalismus gegeben hatte - weit davon
entfernt, weiterentwickelt zu werden - eher vernachlässigt wor-
den.
Sicher beziehen sich eine bestimmte Anzahl von Studien auf die
neue Rolle des Staates, besonders um das Jahr 1920. Während sich
der staatsmonopolistische Kapitalismus zur Zeit der Depression
Anfang der 30er Jahre entwickelt, betont indessen eine der besten
marxistischen Analysen jener Zeit, betitelt "Die große Krise und
ihre politischen Folgen. Wirtschaft und Politik, 1928-1934" von
Eugen Varga, veröffentlicht im Jahre 1934, gerade die offenkun-
dige Entwicklung der Rolle des Staates.
Varga schreibt: "Das Hauptergebnis der Versuche zur künstlichen
Überwindung der Krise bzw. der ganzen kapitalistischen Wirt-
schaftspolitik während der Krise ist eine bis ins einzelne ge-
hende Einmischung des Staates in die Wirtschaft zugunsten der
herrschenden Klassen im allgemeinen, des Monopolkapitalismus und
der Großagrarier im besonderen. Das Monopolkapital nützt seine
Herrschaft über den Staatsapparat aus, um die Verteilung des Na-
tionaleinkommens systematisch zu seinen Gunsten zu verschieben,
die Staatskasse unter den verschiedensten Formen und Vorwänden zu
berauben. Die "staatskapitalistischen" Tendenzen erfuhren eine
starke Entwicklung: es findet in gewissem Sinne ein Übergang vom
Monopolkapitalismus zu einem "staatlichen Kriegs-Monopolkapita-
lismus" statt, wie Lenin den Kapitalismus in der Periode des
Weltkriegs nannte." (Eugen Varga: "Die Krise des Kapitalismus und
ihre politischen Folgen", Frankfurt 1969, S. 287/288).
In diesem bedeutenden Text findet sich in dem Kapitel mit der
Überschrift "Die erfolglosen Versuche zur künstlichen Überwindung
der Krise" die Schlußfolgerung, daß alle Versuche zur Überwindung
der Krise zwar vom Standpunkt der allgemeinen Krise des Kapita-
lismus als Produktionsweise aus vergeblich sind, jedoch nicht vom
Standpunkt der besonderen Depression Anfang der 30er Jahre. Wenn-
gleich Varga sieht, daß die Bourgeoisie ihren Ausweg im Krieg
sucht, so berücksichtigt er nicht, daß der Krieg den staatsmono-
polistischen Kapitalismus wieder erstarken lassen kann, und somit
den Bemühungen zur Überwindung der Krise einen provisorischen Er-
folg erlauben kann. Er sieht vor allen Dingen nicht die neuen
Waffen, die die objektiven Prozesse, die zum staatsmonopolisti-
schen Kapitalismus führen, dem Kampf des Proletariats, der demo-
kratisch-revolutionären Bewegung anbieten.
Die Intervention des Staates wird nur vom Standpunkt der Bour-
geoisie aus betrachtet, allein der Versuch, die Krise zu überwin-
den, und nicht auch vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus
als objektive Vorbereitung des Sozialismus, auf welche sich der
Klassenkampf zu stützten hat. Selbst vom Standpunkt der Bour-
geoisie aus wird seine relative Wirksamkeit weitestgehend unter-
schätzt, genauso wie die Lebensfähigkeit des staatsmonopolisti-
schen Kapitalismus außerhalb der kriegsmäßigen oder kriegsvorbe-
reitenden Bedingungen.
Die marxistische Literatur tendiert allgemein mehr und mehr dazu,
die erste Analyse von Lenin in seiner Imperialismusschrift zu
wiederholen. Während die Leninsche Analyse nicht nur den Parasi-
tismus und die Fäulnis des Kapitalismus in seinem höchsten Sta-
dium dialektisch unterstreicht, sondern auch den Übergang, den
dieses Stadium in Richtung auf eine "höhere ökonomische und so-
ziale Ordnung" darstellt, neigt man selbst dazu, einseitig die
negativen Aspekte der imperialistischen Fäulnis hervorzuheben.
Ein Beispiel dieser Tendenz, die Analyse von "Der Imperialismus
als höchstes Stadium des Kapitalismus" zu wiederholen und einzig
und allein auf dem negativen Aspekt der Fäulnis zu insistieren,
wird in dem Werk von Eugen Varga und Leo Mendelson geliefert mit
dem Titel "Neue Materialien zu W.I. Lenins Arbeit 'Der Imperia-
lismus...'". Diese Studie, gegen 1937/38 redigiert, stützt sich
auf die Phänomene der großen Depression Anfang der 30er Jahre, um
hinsichtlich der Entwicklung des Imperialismus seit Lenin auf der
Zersetzung und dem Parasitismus des Kapitalismus zu insistieren.
Der einzige Aspekt, unter dem die neue Rolle des Staates er-
scheint, ist in einigen Angaben über das Anwachsen der Bürokratie
und der Rüstungsausgaben gegeben. Man neigt sogar zu einer Kon-
zeption der a l l g e m e i n e n K r i s e, die in eine Vi-
sion einer katastrophenartigen Entwicklung des Kapitalismus aus-
mündet, anstatt im Zentrum der a l l g e m e i n e n K r i s e
des Kapitalismus die Umwälzung der ökonomischen Struktur zu se-
hen, die den staatsmonopolistischen Kapitalismus kennzeichnet.
Nach dem zweiten Weltkrieg ist der staatsmonopolistische Kapita-
lismus eine ins Auge fallende Realität geworden. Die kommunisti-
schen Parteien, die in Europa insbesondere für die demokratische
Verstaatlichung kämpfen, sind tagtäglich mit dem Problem des
staatsmonopolistischen Kapitalismus konfrontiert. Dennoch besteht
Stalin noch im Jahre 1952 in seinen "Ökonomischen Problemen des
Sozialismus in der UdSSR" hartnäckig darauf, ihn totzuschweigen.
Er spricht lediglich vom "aktuellen Kapitalismus", der, wie er
näher bestimmt, "Monopolkapitalismus" ist. Trotzdem kann sein so-
genanntes "grundlegendes ökonomisches Gesetz des augenblicklichen
Kapitalismus" letztlich nur Phänomene des staatsmonopolistischen
Kapitalismus berücksichtigen, obwohl es seine typischsten Er-
scheinungsformen außer acht läßt. Seine Vorstellungen, die das
Wachstum der kapitalistischen Produktion unter den zeitgenössi-
schen Bedingungen betreffen, und die die Leninsche These über die
rapide Entwicklung des Kapitalismus im Stadium des Imperialismus
verwerfen, kehren der Realität den Rücken. Indem er nichts desto
weniger nebenbei die offensichtliche Rolle des Staates im heuti-
gen Kapitalismus beschwört, erklärt Stalin, daß man "von der Un-
terordnung des Staatsapparates unter die Monopole" sprechen
müsse. Er verwirft den Begriff der "Fusion" der Monopole mit dem
Staatsapparat einzig und allein, weil dieser überflüssig und nur
deskriptiv sei und nicht den ökonomischen Sinn der Annäherung der
Monopole an den Staat zeige, welche nicht allein die Fusion mit
sich brächte.
Indessen ist der Leninsche Entwurf über den staatsmonopolisti-
schen Kapitalismus niemals vergessen worden. Er stand jedoch in
keiner Weise im Zentrum der Analyse des Kapitalismus. Er wurde
lediglich im Vorübergehen verkürzt erwähnt oder nur marginal stu-
diert. Besonders seit 1955 bemühen sich zahlreiche Arbeiten, ihn
weiter zu entwickeln, man neigt dazu, und das mit Recht, das Kon-
zept vom staatsmonopolistischen Kapitalismus ins Zentrum der Ana-
lyse des zeitgenössischen Kapitalismus zu stellen.
Kann man sagen, daß es augenblicklich eine gültige marxistische
Theorie über den staatsmonopolistischen Kapitalismus gibt? Nein,
nach unserer Erkenntnis gibt es eine solche entwickelte Theorie
von allgemeiner Gültigkeit nicht. Wenn gewisse Formulierungen
allgemein gültig sind, so konstituieren sie noch nicht eine Theo-
rie, sondern lediglich die Abgrenzung der Fragestellungen, sie
bezeichnen die ersten Bemühungen der Verallgemeinerungen der be-
kannten Phänomene, die nicht schon streng ihre Notwendigkeit er-
klären, die noch nicht die notwendigen Gesetze ihrer Erscheinung
und ihrer Entwicklung bzw. ihrer verschiedenen Bewegungsformen
hergeben. Es wäre ein schwerer Fehler, sich über die Reichweite
dieser Formulierungen zu täuschen, deren große Nützlichkeit unbe-
streitbar ist, aber provisorisch und relativ bleibt. Diese Nütz-
lichkeit darf jedoch nicht die gebieterische Notwendigkeit der
Entwicklung einer marxistischen Theorie des staatsmonopolisti-
schen Kapitalismus verdecken.
Drei hauptsächliche Entwürfe scheinen uns nacheinander im inter-
nationalen Maßstab vorgestellt worden zu sein. Der des sowjeti-
schen "Handbuch der Politischen Ökonomie" von 1955, der der
"Nouvelle Revue Internationale" vom Oktober 1958 und der der Kon-
ferenz der 81 kommunistischen und Arbeiterparteien von 1960.
Im Handbuch von 1955 heißt es:
"Der staatsmonopolistische Kapitalismus besteht in der Unterwer-
fung des Staatsapparates unter die kapitalistischen Monopole, in-
dem dieser dazu benutzt wird, in die Führung der Volkswirtschaf-
ten der einzelnen Länder zu intervenieren, (insbesondere durch
ihre Militarisierung), um den Monopolen den Maximalprofit zu si-
chern und die Allmacht des Finanzkapitals zu begründen."
Der Artikel der "Nouvelle Revue Internationale" von 1958 präzi-
siert:
"Der staatsmonopolistische Kapitalismus ist ein komplexes System
der Ausnutzung des bürgerlichen Staates durch das Monopolkapital,
das in der Hauptsache das Staatseigentum, den Staatshaushalt und
die Kontrolle und Regulierung durch den Staat einschließt."
Diese zweite Definition ist viel weitgehender als die erste. Sie
bedeutet einen erheblichen Fortschritt, indem sie einerseits auf
den verschiedenen Aspekten der normalen Staatsintervention, die
einen ganzen organischen Komplex bilden, insistiert, aber auch
auf neue Formen.
Indessen neigt man in dieser Periode von 1955-1958, obwohl man
sich mehr und mehr auf die Formulierungen von Lenin bezieht, im
großen und ganzen dazu, in der Denkweise der vorangegangenen Epo-
che zu verbleiben. Dies ist z.B. aus den beiden vorhergehenden
Formulierungen zu erkennen. Gemäß dieser Denkhaltung ist der heu-
tige Kapitalismus der Monopolkapitalismus. Die Monopole unterwer-
fen sich den Staat und nutzen ihn mehr und mehr zu ihren Gunsten
aus.
Man neigt dazu, den staatsmonopolistischen Kapitalismus als eine
Art privilegiertes Instrument der Monopole zu begreifen, der le-
diglich einige Aspekte des ökonomischen Lebens betrifft
(öffentliche Intervention im Dienste der Monopole). Ungefähr so
wie schon Kautsky den Imperialismus nicht als eine "Phase" be-
greifen wollte, indem er es verwarf, den Imperialismus mit dem
zeitgenössischen Kapitalismus zu identifizieren und in ihm ledig-
lich eine vom Kapitalismus bevorzugte Politik sah. Obwohl Lenin
schon im Jahre 1917 festgestellt hatte, daß die ganze ökonomische
Struktur, der ganze Kapitalismus selbst sich umwandelt, indem er
vom Monopolkapitalismus zum staatsmonopolistischen Kapitalismus
übergeht.
(Ebenso wie nicht jeder Kapitalist Monopolist ist in der Epoche
des Monopolkapitalismus und dennoch das Monopol der ganzen Volks-
wirtschaft seinen Stempel aufdrückt, ebenso ist selbstverständ-
lich nicht alles öffentliche Intervention in der Epoche des
staatsmonopolistischen Kapitalismus.)
Die Konferenz der 81 Parteien von 1960 entwickelte eine Formulie-
rung, die in diesem Punkte völlig mit den vorhergehenden brach.
Sie erklärte:
"Die Widersprüche des Imperialismus haben die Umwandlung des Mo-
nopolkapitalismus beschleunigt. Indem er den Einfluß der Monopole
auf das nationale Leben erhöht, vereinigt der staatsmonopolisti-
sche Kapitalismus die Macht der Monopole und die des Staates in
einem einheitlichen Mechanismus, der dazu bestimmt ist, das kapi-
talistische Regime zu retten und die Profite der imperialisti-
schen Bourgeoisie durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse und die
Ausplünderung großer Teile der Bevölkerung auf das Maximum anzu-
heben." ("Nouvelle Revue Internationale", Dezember 1960, S. 159-
160)
Diese letzte Formulierung setzt, indem sie vom einheitlichen Me-
chanismus, der die Macht der Monopole mit der des Staates zusam-
menfaßt, spricht, den Akzent auf die Existenz neuer Formen und
Prozesse auf der Ebene der ganzen kapitalistischen Gesellschaft,
die neu sind im Vergleich zu den Formen und Prozessen des einfa-
chen Monopolkapitalismus. Im übrigen werden die neuen Formen
nicht allein durch die Monopole benutzt, sie können vielmehr der
revolutionären Bewegung neue Waffen in die Hand geben.
3. Der staatsmonopolistische Kapitalismus
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als letzte Phase des Imperialismus
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Noch in unseren Tagen zögern einige Marxisten, den staatsmonopo-
listischen Kapitalismus als neue Phase innerhalb des imperiali-
stischen Stadiums aufzufassen und eindeutig festzustellen, daß
der heutige Kapitalismus nicht mehr der einfache Monopolkapita-
lismus ist, sondern der staatsmonopolistische Kapitalismus.
Unter den Zögernden begegnet man zwei einander widersprechende
Tendenzen.
- Die einen bevorzugen Begriffe wie "aktueller Kapitalismus"
oder "zeitgenössischer Kapitalismus" ohne weiteren Zusatz, wenn
sie nicht überhaupt bloß vom "modernen" Kapitalismus sprechen.
Sie wollen nicht einmal provisorisch die ökonomische Struktur der
fortgeschrittenen kapitalistischen Länder durch den Begriff des
staatsmonopolistischen Kapitalismus definieren. Mit dem Ausdruck
des aktuellen Kapitalismus, der ohne weitere Präzision angewandt
wird, fällt man in gewisser Weise sogar hinter das Konzept des
Monopolkapitalismus zurück, während, wenn man vom staatsmonopoli-
stischen Kapitalismus spricht, dies sehr wohl anzeigt, daß es
sich um eine Phase der monopolkapitalistischen Entwicklung im
allgemeinen handelt. Manchmal wird es sogar abgelehnt, dem Staat
eine zentrale Rolle im heutigen Kapitalismus zuzubilligen, trotz
der offensichtlichsten Tatsachen.
- Andere wiederum fürchten ganz im Gegenteil, daß mit der Verwen-
dung dieses Begriffes der heutige Kapitalismus nicht mehr als Mo-
nopolkapitalismus begriffen werde, (wenn nicht gar überhaupt
nicht mehr als Kapitalismus begriffen wird). Sie wollen nicht,
daß der staatsmonopolistische Kapitalismus als eine neue histori-
sche Phase im imperialistischen Stadium bezeichnet wird. Sie be-
wahren so in gewisser Weise die Haltung von 1955 und 1958.
Manchmal lehnen sie es sogar ab, von einer Modifizierung der Pro-
duktionsverhältnisse zu sprechen.
Man darf die Tatsache, daß der Kapitalismus immer Kapitalismus
bleibt, (oder die Monopole immer Monopole) nicht mit der Nicht-
Modifizierbarkeit der Produktionsverhältnisse oder der
Nichttransformierbarkeit der ökonomischen Struktur konfundieren.
Der marxistischen Theorie zufolge sind die Produktionsverhält-
nisse der Gegenstand eines unaufhörlichen Umwälzungsprozesses,
wie es das "Kapital" von Marx zeigt Mit dem Übergang von einem
Stadium zum anderen erfährt z.B. die organische Gesamtheit der
ökonomischen Verhältnisse, die ökonomische Struktur der Gesell-
schaft, eine bemerkenswerte Umwälzung. Das verhindert jedoch
nicht das Weiterbestehen und die Vertiefung ihres kapitalisti-
schen Wesens mit dem Fortbestehen des fundamentalen Ausbeutungs-
verhältnisses zwischen Kapitalisten und Proletariern.
Man trifft selbst in unseren eigenen Reihen Auffassungen, die,
obwohl sie anerkennen, daß es neue Formen gibt, es ablehnen, von
der Transformation der Produktionsverhältnisse zu sprechen, indem
sie auf diese Weise ihre Formen mit ihrem Wesen verwechseln, oder
die, obwohl sie von der Phase des Niedergangs des Kapitalismus
sprechen, es ablehnen, von einer neuen Phase der Entwicklung zu
sprechen.
Ausgehend von dem richtigen Ausdruck der Formulierung von 1960,
der die Verstärkung des Einflusses der Monopole auf das nationale
Leben feststellt, sagen einige: es gibt lediglich eine Verstär-
kung der Hegemonie der Monopole über die Gesellschaft. Aber gibt
es lediglich eine Verstärkung der Hegemonie der Monopole oder ist
diese Verstärkung nicht ebenfalls gezwungen, originäre Prozesse
zu entwickeln, die die Widersprüchlichkeit des Kapitalismus ver-
tiefen und ihn auf dialektische Weise dem Sozialismus näher brin-
gen? Diese Prozesse liefern dem Kapitalismus ökonomische Waffen
völlig neuen Typs, aber auch der demokratischen und revolutio-
nären Bewegung. Und diese kann sie entscheidend gegen die Mono-
pole wenden, wenn sie die Kontrolle des Staates übernimmt. Sie
kann sie in den Dienst des Volkes stellen und zur Erbauung einer
neuen Gesellschaft nutzen, zum revolutionären Übergang zum Sozia-
lismus auf friedlichen Wegen.
Der staatsmonopolistische Kapitalismus ist die letzte Phase des
Imperialismus. Wenn die demokratische und die Arbeiterbewegung
dahin gelangt, die Kontrolle über den Staat, die politische Herr-
schaft, der monopolistischen Oligarchie zu entreißen, wird sie
sich bemühen, das ökonomische Leben tiefgreifend zu demokratisie-
ren. Durch die Nationalisierung und demokratische Planung können
die neuen öffentlichen Formen in einem antimonopolistischen Sinne
und im Dienste der Nation beträchtlich entwickelt werden. Unter
diesen Bedingungen wird sich die revolutionär-demokratische Bewe-
gung bemühen, fortschreitend die Monopole zu isolieren und zu
zerstören. Der staatsmonopolistische Kapitalismus und der Impe-
rialismus werden dann eine Krise des Verfalls erfahren und können
zerstört werden. Aber wenn in dieser Hypothese der Kapitalismus
noch erhalten bleibt, so kann er, die neue entscheidende Rolle
des demokratischen Staates vorausgesetzt, charakterisiert werden
als ein demokratischer Staatskapitalismus, der eine revolutionäre
Epoche des direkten, friedlichen Übergangs zum Sozialismus eröff-
net.
Wenn der staatsmonopolistische Kapitalismus eine neue Phase dar-
stellt, die von dem einfachen Monopolkapitalismus unterschieden
ist, macht er eine neue originäre Erklärung notwendig, (die je-
doch auf der Theorie des Kapitalismus im allgemeinen basieren
muß). Von der Umreißung der Fragestellung Ln der Geschichte des
Kapitalismus und der marxistischen Lehre gehen wir jetzt über zu
der Umreißung der Fragestellung unter dem Aspekt der augenblick-
lichen Forschungen.
III. Der staatsmonopolistische Kapitalismus
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als ökonomische Totalität
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Als Phase des Imperialismus umfaßt der staatsmonopolistische Ka-
pitalismus offensichtlich nicht nur eine soziale und ökonomische
Totalität, sondern zugleich auch Aspekte politischer, ideologi-
scher Natur etc. ... In diesem Abschnitt jedoch wird die Frage-
stellung im wesentlichen unter dem Aspekt der marxistischen öko-
nomischen Analyse betrachtet.
1. Organisch-dialektische Einheit der verschiedenen
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Prozesse des staatsmonopolistischen Kapitalismus
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Wenn in der Hypothese der staatsmonopolistische Kapitalismus als
eine Phase des Imperialismus betrachtet wird, so resultiert dar-
aus, daß er eine organische Totalität bildet. Unserer Ansicht
nach gibt es zwei entgegengesetzte Weisen, diese Totalität auf
undialektische Weise zu betrachten.
Auf der einen Seite kann man irrtümlicherweise den Prozeß, der
den staatsmonopolistischen Kapitalismus entwickelt, als einen li-
nearen und nicht (oder nicht genügend) als einen widersprüchli-
chen Prozeß betrachten.
In Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine einfache Fortset-
zung der Umwälzungen, die der Monopolkapitalismus erfuhr, welcher
seinerseits eine einfache Progression der Transformation, die den
vormonopolistischen Kapitalismus bewegten, erfahren haben würde.
Von einem gewissen Grad der Entwicklung an erscheinen qualitativ
neue Formen, die sich (relativ) den vorhergehenden Formen e n t-
g e g e n s t e l l e n.
Man kann z.B. nicht davon ausgehen, daß es sich im wesentlichen
um die Entwicklung eines kapitalistischen Konzentrationsprozesses
handelt, der einerseits in die Monopole münden würde und die Mo-
nopole wiederum in das öffentliche Monopol. Schon wo er die Ent-
wicklung des Monopols studiert, zeigt Lenin, daß es nicht allein
ein Resultat vorhergehender Tendenzen ist, (welche sich übrigens
auch nicht einzig auf die Konzentration zurückführen lassen),
sondern daß es dieser, dialektisch widerspricht, ohne sie indes
zu eliminieren.
"Der Imperialismus", sagt Lenin, "erwuchs als Weiterentwicklung
und direkte Fortsetzung der Grundeigenschaften des Kapitalismus
überhaupt. Zum kapitalistischen Imperialismus aber wurde der Ka-
pitalismus erst auf einer bestimmten, sehr hohen Entwicklungs-
stufe, als einige seiner Grundeigenschaften in ihr Gegenteil um-
zuschlagen begannen, als sich auf der ganzen Linie die Züge einer
Übergangsperiode vom Kapitalismus zu einer höheren ökonomischen
Gesellschaftsformation herausbildeten und sichtbar wurden. Ökono-
misch ist das Grundlegende in diesem Prozeß die Ablösung der ka-
pitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Mono-
pole.
Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus
und der Warenproduktion überhaupt. Das Monopol ist der direkte
Gegensatz zur freien Konkurrenz... Zugleich beseitigen aber die
Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, son-
dern bestehen über oder neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe
besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Kon-
flikte." (LW 22, 269 f)
Wenn die kapitalistische Konzentration auch eine sehr bedeutende
und offensichtliche Rolle spielt, so bedeutet das nicht, daß das
Monopol einzig und allein aus einem hohen Grad der Konzentration
resultiert, genausowenig wie das öffentliche Monopol oder die öf-
fentliche Intervention zugunsten der Monopole Prozesse darstel-
len, deren Wesen darin besteht, diese Konzentration auf ein noch
höheres Niveau anzuheben. Z.B. sind die Regeln der Geschäftsfüh-
rung in öffentlichen Unternehmen kategorisch den Regeln der Ge-
schäftsführung in privaten Unternehmen entgegengestellt, i n
g e w i s s e r H i n s i c h t w e n i g s t e n s, und bil-
den mit diesen Regeln eine gewisse Antinomie. Die öffentlichen
ökonomischen Formen konstituieren qualitativ neue Formen der
k a p i t a l i s t i s c h e n V e r g e s e l l s c h a f-
t u n g.
In gleicher Weise behauptet man hin und wieder, daß die anwach-
sende Konzentrationsbewegung in der F u s i o n der Monopole
mit dem Staat kulminiere. Wir glauben nicht, daß dieser Begriff
von F u s i o n glücklich ist (obwohl wir ihn nicht aus den
gleichen Gründen wie Stalin kritisieren). Die Formulierung von
1960 spricht mit viel größerer Berechtigung von der Zusammenfas-
sung in einem einheitlichen Mechanismus. Der Begriff der Fusion
verdeckt die Dialektik des Prozesses. Wenn es eine Fusion gibt,
so will das heißen, daß die beiden vorhergehenden Elemente (z.B.
die Monopole) verschwunden sind und daß sie in einer neuen Reali-
tät begründet sind. W ä h r e n d d i e M o n o p o l e
n i c h t v e r s c h w u n d e n s i n d, e l i m i n i e r t
n i c h t u n d k a n n d e r s t a a t s m o n o p o l i-
s t i s c h e K a p i t a l i s m u s d i e p r i v a t e n
M o n o p o l e n i c h t e l i m i n i e r e n. I n d e n
n e u e n F o r m e n v e r e i n i g t s i c h d i e
ö k o n o m i s c h e A k t i o n d e r M o n o p o l e u n d
d e s k a p i t a l i s t i s c h e n S t a a t s i n e i-
n e r e i n z i g e n e i n h e i t l i c h e n o r g a n i-
s c h e n T o t a l i t ä t, d i e g e m ä ß e i g e n e r
M o d a l i t ä t e n f u n k t i o n i e r t. Aber wenn es
daher eine Verbindung, eine gegenseitige Durchdringung, Kombina-
tion gibt, so gibt es doch keine Fusion, sondern im Gegenteil
immer noch Reibung, Widersprüche und Konflikte im Inneren dieses
einheitlichen Organismus.
Vielmehr können die öffentlichen Formen, die von der monopolisti-
schen Oligarchie benutzt werden, endgültig gegen sie selbst ge-
wendet werden, wenn die Bewegung der Arbeiter und Demokraten sich
der Kontrolle des Staates bemächtigt. Die neuen öffentlichen For-
men des staatsmonopolistischen Kapitalismus negieren zwar die
private kapitalistische Form der Volkswirtschaft, aber um ver-
zweifelt zu versuchen, sie in ihrer Gesamtheit zu erhalten.
Ganz allgemein muß die Analyse des staatsmonopolistischen Kapita-
lismus zeigen, wie sehr er die Widersprüche des Kapitalismus ver-
tieft, indem er vorgibt, sie zu lösen, insbesondere den Wider-
spruch zwischen der privaten Form der Produktionsverhältnisse und
dem gesellschaftlichen Charakter der Produktivkräfte.
Unserer Meinung nach besteht eine weitere Art, den staatsmonopo-
listischen Kapitalismus undialektisch zu betrachten, darin, daß
man nicht genügend die Einheit des Funktionierens des Ganzen
sieht und man versucht, die widersprüchlichen Elemente voneinan-
der zu trennen. Dies stellt einen Irrtum dar, der dem vorherge-
henden genau entgegengesetzt ist.
Wenn es Widersprüche zwischen den neuen öffentlichen Formen gibt
und den vorhergehenden monopolistischen Formen, die sich weiter
erhalten, so sind es nicht wesentlich unterschiedene Gesetze, die
die privatökonomische Aktion und öffentlich-ökonomische Aktion im
Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus erklären. Die Ge-
samtheit konstituiert sich in einem organischen Ganzen, das be-
strebt ist, den Kapitalismus zu retten, aber nichts desto weniger
eine höhere Stufe der Produktion vorbereitet. Man kann nicht, wie
man es verschiedentlich getan hat, im Rahmen des staatsmonopoli-
stischen Kapitalismus, wenn man auf das Wesen abzielt, die Aktio-
nen des Staates im eigentlichen öffentlichen Sektor, die den
"Staatskapitalismus" bilden würden, den Aktionen des Staates in
der Privatwirtschaft gegenüberstellen, die die öffentliche Inter-
vention zugunsten der Monopole im "heutigen Kapitalismus" dar-
stellen würden.
Selbst wenn man den wesentlichen Gegensatz bloß potentiell faßt
als eventuelle M ö g l i c h k e i t des "Staatskapitalismus im
eigentlichen Sinne des Wortes", der auf öffentlichem Eigentum be-
gründet ist, nicht dem Profitgesetz zu gehorchen und daher im an-
timonopolistischen Sinne zu agieren, so scheint uns diese These
nicht korrekt. Das will nicht sagen, daß sie nicht, etwa wie die
vorhergehende These, einen Teil der Realität reflektiere. Sie re-
flektiert gerade besonders den wesentlichen Widerspruch zwischen
den öffentlichen Formen und ihre Indienststellung durch die
Oligarchie.
Es erscheint uns dennoch, daß alle öffentlichen Interventionen
des Staates (und nicht allein jene, die an das Staatseigentum an
öffentlichen Unternehmungen gebunden sind) vom Steuerwesen bis
zum öffentlichen Verbrauch, über die Kreditregelung usw. ..., ob-
wohl sie versuchen, den kapitalistischen Profit zu erhöhen und zu
garantieren, w e s e n t l i c h begründet sind in derselben
Besonderheit wie die öffentlichen Unternehmungen: zu handeln,
ohne dem Gesetz des Profits Rechnung tragen zu müssen. Und das,
seit es den staatsmonopolistischen Kapitalismus gibt, zum Vorteil
der Monopole. In der Tat resultiert der vorteilhafte Charakter
der Staatsintervention für den Profit der Monopole aus der Tatsa-
che, daß der Staat nicht den Profit für sich selber sucht, son-
dern für die Kapitalisten, für die Monopolisten, für die Finanzo-
ligarchie.
Vom Standpunkt des Profitgesetzes aus führt man z.B. die
"Subventionen" unter jenen Elementen an, in denen es eine
"wesentliche Differenz" mit dem "eigentlichen Kapitalismus" gäbe,
der auf dem öffentlichen Eigentum an den Produktionsmitteln be-
gründet sei. Aber was ist denn eine Subvention, wenn nicht ein
potentielles Kapital, das Staatseigentum ist und das dieser be-
nutzen kann, ohne daß er daraus einen Profit ziehen muß, außer-
halb der Regeln des Profits also, selbst wenn es darum geht, die
Profite eines subventionierten Unternehmens anzuheben in dem
Falle, wo die Subventionen einem kapitalistischen Unternehmen zu-
kommen?
Die Verneinung des Profits existiert, seit es den staatsmonopoli-
stischen Kapitalismus gibt und in allen öffentlichen Interventio-
nen, aber zugunsten des kapitalistischen Profits. Die gesamte
Entwicklung des Kapitalismus besteht in seiner Selbstverneinung,
verbunden mit der Entwicklung seiner inneren Widersprüche. Wie
schreitet die Zentralisation des Kapitals fort wenn nicht durch
die Enteignung der Kleinkapitalisten durch die Großen? Und das
Monopol - ist es nicht die Negation der Konkurrenz, obwohl es
nichtsdestoweniger die kapitalistische Konkurrenz beibehält? Das
kapitalistische Staatseigentum entwickelt diese Negation, aber
sie wird dazu benutzt, das privatkapitalistische Privateigentum
in anderen Sektoren zu retten.
Daß man uns nicht falsch verstehen möge! Wir denken, daß es wirk-
lich einen sehr bedeutenden Unterschied zwischen dem öffentlichen
Unternehmen und den anderen öffentlichen Formen gibt. (Dies ist
eine der realen Grundlagen desjenigen Standpunktes, den wir kri-
tisieren). Das öffentliche Unternehmen widersetzt sich nicht we-
sentlich als Begründer des Staatskapitalismus den ändern öffent-
lichen Formen des heutigen Kapitalismus, aber die Gesamtheit bil-
det eine öffentliche Intervention im staatsmonopolistischen Kapi-
talismus, charakterisiert durch ein einheitliches organisches
Funktionieren und durch die gleichen dialektischen Gesetze. In-
dessen bilden die öffentlichen Unternehmungen den Scheitelpunkt
d i e s e r g l e i c h e n wesentlichen Entwicklung, die am
weitesten fortgeschrittene Negation der Formen des einfachen Mo-
nopol Ismus durch die Formen der öffentlichen Monopole. Sie stel-
len eine Herausforderung für die Grundlagen des Kapitals selber
dar, die höchste Form des staatsmonopolistischen Kapitalismus,
die sich gegen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse der
materiellen Produktion selber wendet. Daher spielen sie eine vor-
rangige Rolle im Klassenkampf im staatsmonopolistischen Kapita-
lismus. So gibt das Projekt des demokratischen Programms unserer
Partei den Nationalisierungen einen privilegierten Platz, ohne
sie den anderen Aspekten der öffentlichen Interventionen entge-
genzustellen, denen allen ein hohes antimonopolistisches Poten-
tial eigen ist.
Am anderen Pol der Gesellschaft und auf die gleiche Weise bemerkt
man das tiefgehende Mißtrauen der monopolistischen Bourgeoisie,
was das öffentliche Unternehmen betrifft und, zumindest so weit
wie möglich, die Suche nach indirekten oder gemischten Wegen der
Staatsintervention, Kontrollmaßnahmen, die möglichst das gering-
ste Ausmaß haben und sich nur auf Umwegen ergeben sollen. Das
hindert die Oligarchie übrigens nicht, die öffentlichen Unterneh-
men systematisch auszunutzen.
2. Beschreibungen, partielle theoretische
-----------------------------------------
Untersuchungen und Synthese
---------------------------
Wenn der staatsmonopolistische Kapitalismus eine organische Tota-
lität bildet, so scheint die deskriptive Methode der Untersuchung
unzureichender denn je. Dabei ist die Beschreibung der wesentli-
chen Aspekte des staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht nur
nützlich, sondern sogar notwendig. Dies ist übrigens der Weg, den
historisch die akademische nicht-marxistische Forschung beschrit-
ten hat, und auf den auch wir nicht verzichten können. Dies ist
es auch, worum unsere ökonomische Literatur am meisten bemüht
ist, welche die deskriptive Analyse mit einigen theoretischen Re-
flexionen und kritischen Anmerkungen oder normativen Vorschlägen
ausstattet.
Aber die vollständigsten Beschreibungen (und sie können niemals
vollständig werden), mögen sie auch zehn Bände und mehr umfassen
und selbst die erschöpfendsten Klassifizierungen der Phänomene
vornehmen, können, wenn man der Formel von 1958 folgen will, nie-
mals aus sich heraus zu einer wirklichen Erklärung gelangen. Das
was wir brauchen, ist eine Theorie, die sich bemüht, die ver-
schiedenen in der Ausdehnung befindlichen Phänomene untereinander
zu verbinden, nicht durch irgendeine allgemeine Idee, sondern
durch ihr eigenes Wesen und die Entdeckung ihrer notwendigen Be-
wegung, die auf die gleiche Weise auch die neuen Phänomene mit
den alten und ihre Erklärung mit der angewandten Theorie des Ka-
pitalismus verbindet; und die schließlich die Gesetze des Funk-
tionierens und der Entwicklung der verschiedenen Phänomene bis zu
dem Punkt liefert, an dem ihr weiterer Ablauf vorhersehbar wird.
Das ist es gerade, was Marx im "Kapital" gemacht hat in bezug auf
den Kapitalismus im ailgemeinen und sein klassisches Stadium im
besonderen.
Die theoretische Erklärung geht aus der vorhergehenden Theorie
hervor, um sie auf deren Niveau zu überholen im Lichte der neuen
Praxis, um sie anzuwenden und sie gleichzeitig zu verneinen, in-
dem sie sie in eine neue weitere Gesamtheit integriert.
Um das vorher Erreichte wirklich zu überwinden, obwohl man es
ausnutzt, darf man es jedoch nicht als eine Zusammenfassung von
abgeschlossenen Resultaten betrachten, sondern als einen Prozeß,
eine unvollendete Bewegung. In unserer Epoche zwingt sich mehr
denn je die Notwendigkeit auf, zu verstehen, daß das ökonomische
Werk von Marx so grandios es auch immer sein mag, doppelt be-
schränkt und begrenzt ist. Nicht nur, weil es die Epoche des
Marxschen Lebens reflektiert, sondern auch, weil es einen Unter-
suchungsprozeß darstellt, der durch den Tod von Marx unterbrochen
worden ist. Es ist im übrigen auch bewußt eingeschränkt und es
ist dieser Punkt, der seine größte Stärke darstellt. Man kennt
den Plan von Marx am Anfang von "Zur Kritik der politischen Öko-
nomie".
Man weiß, daß das "Kapital" nur einen begrenzten Teil des ur-
sprünglichen Plans repräsentieren sollte, selbst wenn dies der
grundlegende Teil ist. Marx spricht sehr oft im "Kapital" von
Problemen, die er dort nicht behandeln kann, weil sie außerhalb
seines Plans sind, und Bestandteil der Fortsetzung, die er ihnen
nach Bedarf geben würde, wie z.B. den Phänomenen der Konkurrenz.
Es handelt sich dabei oft um die aktuellsten Probleme, wie jene,
die, um in den Begriffen des ersten Marxschen Planentwurfs zu
sprechen, die unproduktive Klasse oder den Staat betreffen. Es
ist kein Zufall, denn die Entwicklung der Theorie und der Gesell-
schaft war sicherlich noch nicht reif genug, um diese Probleme
dann in all ihrer Bedeutung behandeln zu können.
Indessen haben wir im "Kapital", was das behandelte Gebiet be-
trifft, eine vollkommen entwickelte Theorie. Was Lenin betrifft,
der seinen ökonomischen Untersuchungen nur sehr viel weniger Zeit
widmen konnte als Marx, betrifft die Unentwickeltheit unserer
Meinung nach die theoretische Erklärung des I m p e r i a l i s-
m u s selbst. In seinem "Gemeinverständlichen Abriß" (wie er
"Der Imperialismus..." selbst ohne falsche Bescheidenheit be-
zeichnet), verbleibt er weitgehend noch auf dem Niveau der
synthetischen Klassifizierung der beschreibenden Materialien,
welche er im übrigen einige Monate später verändert, indem er die
Transformation in den staatsmonopolistischen Kapitalismus betont.
Die theoretische Erklärung ist durch Lenin nur roh entworfen
worden und wir müssen sie beherzt weiter verfolgen.
Man muß jenseits des Stadiums der Beschreibung der verschiedenen
Aspekte des staatsmonopolistischen Kapitalismus von theoretischen
Hypothesen ausgehen und sie begrifflich weiterentwickeln durch
ihre Anwendung auf die praktische ökonomische Realität. So sagt
Lenin z.B. in "Wer sind die Volksfreunde...?", indem er über die
materialistische Geschichtsauffassung spricht, so wie sie z.B. im
Vorwort von "Zur Kritik der politischen Ökonomie" ausgedrückt
ist: "Heute - seit dem Erscheinen des 'Kapital' - ist die mate-
rialistische Geschichtsauffassung schon keine Hypothese mehr,
sondern eine wissenschaftlich bewiesene These." (LW 1, 133)
Diese theoretischen Hypothesen können auf den verschiedensten Ni-
veaus der ökonomischen Realität angesiedelt sein. Man kann
zunächst Hypothesen ins Auge fassen (und man hat das tatsächlich
getan) auf dem Niveau der Entwicklung der ökonomischen Struktur,
auf dem Niveau der Modifizierung der ökonomischen kapitalisti-
schen Verhältnisse der Produktion, der Zirkulation, der Vertei-
lung und der Konsumtion in Verbindung mit dem Fortschritt der ma-
teriellen Produktivkräfte.
In diesem Bereich scheinen zwei Fragen besonders erwägenswert.
Die erste betrifft die Entwicklung der Produktivkräfte. So sind
in diesem Zusammenhang z.B. die Hypothesen entwickelt worden,
über den Übergang vom Stadium des Handwerksbetriebs zum Stadium
des Fabrikwesens am Ende des 19. Jahrhunderts (die die zweite
Etappe der industriellen Revolution bildete), schließlich von der
Fabrik zur technologischen Revolution der Gesamtheit der Automa-
tion. Die zweite Frage, die mit der ersten sehr eng verknüpft
ist, bezieht sich auf die Modifizierung der Klassen und der so-
zialen Schichten.
Sie wird beherrscht von dem Problem der Ausweitung der Dienstlei-
stungen - außerhalb der eigentlichen materiellen Produktion - und
von der Verallgemeinerung des Lohnverhältnisses auf alle gesell-
schaftlichen Aktivitäten. Diese Verallgemeinerung ist von ent-
scheidender strategischer Bedeutung wegen der wachsenden ökonomi-
schen Interessengleichheit der Masse der Lohnempfänger, in deren
Mitte das Industrieproletariat situiert ist. Die Ausplünderung
aller Schichten der werktätigen Bevölkerung (im besonderen durch
die Steuer und noch mehr durch die Inflation usw.) macht aus dem
Staat des staatsmonopolistischen Kapitalismus einen kollektiven
Ausbeuter, der stets die grundsätzliche kapitalistische Ausbeu-
tung verstärkt. Die Polarisierung der Gesellschaft in die monopo-
listische Oligarchie und die große Mehrheit der Bevölkerung ten-
diert dazu, auf die Spitze getrieben zu werden, während gleich-
zeitig das Proletariat immer mehr das Symbol der allgemeinen Un-
terdrückung und das Herz der allgemeinen Emanzipation wird.
Diese Annäherung an die Struktur ist notwendig. Sie liefert den
Rahmen der Analyse der neuen ökonomischen Formen. Aber soweit sie
begrenzt bleibt auf die sozioökonomischen Verhältnisse, ohne die
funktionellen ökonomischen Formen ihrer Bewegung zu betrachten
(wie es Marx im "Kapital" macht), enthüllt sie ihre Unzulänglich-
keiten.
Andere Hypothesen können auf anderen Niveaus ins Auge gefaßt wer-
den, z.B. auf der Ebene der Widersprüche der wesentlichen Wir-
kungsweise des Kapitalismus, wie etwa der Widerspruch zwischen
der kapitalistischen Form der Produktion, wie sie sich z.B. in
den zyklischen Krisen manifestiert und in der Überproduktion des
Kapitals.
Viele andere Hypothesen sind möglich und notwendig, z.B. über das
Problem der Umwandlung der warentauschenden Volkswirtschaft durch
die Verallgemeinerung der Kreditwirtschaft oder desgleichen über
die Beziehungen zwischen den neuen öffentlich Ökonomie sehen For-
men und den Umwälzungen innerhalb der Weltwirtschaft.
Allgemein betrachtet betreffen diese Hypothesen die neue Vertie-
fung der Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise. Die
private Form des Eigentums an den Produktionsmitteln tritt in
einen zugespitzten und direkten Konflikt mit der Vergesellschaf-
tung der materiellen Produktivkräfte, nicht mehr bloß auf peri-
odische Art und Weise, sondern schon auf chronische. Des weiteren
ist es nicht nur die bürgerliche Leitung der Volkswirtschaft,
sondern die Wurzel der kapitalistischen Verhältnisse selbst, die
Bedingungen der Existenz des Proletariats, ausgebeutet und von
der Beherrschung der Produktionsbedingungen ausgeschlossen, wel-
che in Konflikt gerät mit der augenblicklichen Vergesellschaftung
der gegenständlichen Bedingungen der Arbeit. Diese Vergesell-
schaftung wird immer mehr die Entfaltung der Fähigkeiten aller
Individuen als freier Produzenten notwendig machen, d.h. den So-
zialismus und den Kommunismus.
Man muß ebenfalls die Möglichkeit einer theoretischen Synthese
der Gesamtheit in Betracht ziehen, welche die Ebenen der Struk-
tur, des Funktionierens und der konkreten gesellschaftlichen
Kämpfe, die die Verbindung zwischen den Beziehungen und den öko-
nomischen Formen herstellen, vereinigen. Aber es wäre keinesfalls
vernünftig, die Erarbeitung dieser Synthese in einem Ansatz zu
beanspruchen. Sie macht zahlreiche individuelle und kollektive
nationale und internationale Untersuchungen notwendig.
(In seinen abschließenden Bemerkungen betont P. Boccara - indem
er sich unmittelbar an die Teilnehmer der Konferenz wendet - die
Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit, was die Ent-
wicklung einer Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus
betrifft.)
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