Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971


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       Diskussion und Besprechung
       Intelligenz im Klassenkampf
       

DIE GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE INTELLIGENZ IM SYSTEM DES STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS

1.1.1. Zum monopolistischen und ------------------------------- staatsmonopolistischen Kapitalismus ----------------------------------- "Solange das Kapital schwach ist, sucht es selbst noch nach den Krücken vergangner oder mit seinem Erscheinen vergehnder Produk- tionsweisen. Sobald es sich stark fühlt, wirft es die Krücken weg und bewegt sich seinen eignen Gesetzen gemäß. Sobald es anfängt, sich selbst als Schranke der Entwicklung zu fühlen und gewußt zu werden, nimmt es zu Formen Zuflucht, die, indem sie die Herr- schaft des Kapitals zu vollenden scheinen, durch Züglung der freien Konkurrenz, zugleich die Ankündiger seiner Auflösung und der Auflösung der auf ihm beruhenden Produktionsweise sind." (Marx: "Grundrisse", S. 544/545) Daß das Kapital selbst seine ei- genen Schranken setzt, kommt im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate zum Ausdruck, und dies Gesetz ist die eigentliche Triebkraft zur Herausbildung des monopolistischen und staatsmono- polistischen Kapitalismus. Konzentration und Zentralisation des Kapitals führen auf einer bestimmten Stufe zum Monopol (monopolistische Produktionsverhält- nisse) (Industrie-, Bank-, Handels-, Verkehrs-, Boden-, Kolonial- monopol), wobei das Monopol wesentlich durch die Aneignung von Monopolprofit gekennzeichnet ist. Die Aneignung von Monopolprofit bedeutet, daß sich ein Kapital aufgrund von ökonomischer und au- ßerökonomischer Macht größeren Mehrwert verschafft, als dies nach dem Gesetz der Durchschnittsprofitrate der Fall wäre. Der Unter- schied zum vormonopolistischen Extraprofit besteht darin, daß dieser immer wieder entsteht und verschwindet, und auf der ver- stärkten Ausbeutung der e i g e n e n Arbeiter beruht, während der Monopolprofit d a u e r h a f t e U m v e r t e i l u n g auch aus anderen Produktionssphären beinhaltet und nicht in er- ster Linie der höheren Produktivität entspringt, sondern Gewalt und Zwang und politische Macht eine entscheidende Rolle spielen. Da die freie Konkurrenz durch die monopolistische verdrängt wird und neben letzterer weiterexistiert, wird das Gesetz der Bildung einer Durchschnittsprofitrate modifiziert: Die monopolistische Konkurrenz wird zum Exekutor der ökonomischen Gesetze. War die Herausbildung der Monopole die r e l a t i v e Anpas- sung der Produktionsverhältnisse an die Produktivkräfte im Rahmen des Kapitalismus, so führt die weitere Entwicklung der Produktiv- kräfte insbesondere die wissenschaftlich-technische Revolution im Rahmen der Systemauseinandersetzung zum staatsmonopolistischen Kapitalismus (staatsmonopolistische Produktionsverhältnisse). Dies bedeutet eine qualitative Veränderung der Funktion des Staa- tes. Während der Staat in der Phase der freien Konkurrenz die Entwicklung des Kapitals gegen a u ß e r ö k o n o m i s c h e H i n d e r n i s s e zu schützen hatte, besteht seine Haupt- funktion heute darin, mit ökonomischer und politischer Macht ge- gen die ö k o n o m i s c h e n H i n d e r n i s s e der ka- pitalistischen Entwicklung zu agieren, sie im Interesse des Fi- nanzkapitals hinwegzuräumen und die Bedingungen der monopolisti- schen Verwertung des Kapitals durch Unterordnung aller gesell- schaftlichen Bereiche unter das Monopol zu sichern. Staatsmonopo- listische Regulierung ist Setzen staatlicher Monopolbedingungen (Heß). Dies Setzen staatlicher Monopolbedingungen zeigt sich be- sonders im Bereich der Wissenschaft, indem der Staat die Produk- tivkraft Wissenschaft zunehmend monopolisiert und dem Monopolka- pital zur Verfügung stellt, wobei er Kapital anwendet aber nicht verwertet, so daß sich der Profit bei den Monopolen realisiert. Das mit dem "Wissenschaftskaptial" verbundene hohe Risiko der Ka- pitalentwertung wird auf die gesamte Gesellschaft abgewälzt. Zugleich wird durch diese staatsmonopolistische Maßnahme dem für das Gesamtkapital geltende Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate für das Monopolkapital entgegengewirkt, selbstver- ständlich ohne es aufheben zu können. 1.1.2. Die wissenschaftlich-technische Revolution ------------------------------------------------- im staatsmonopolistischen Kapitalismus -------------------------------------- Mit der Herausbildung und zunehmenden Erstarkung des sozialisti- schen Weltsystems und dem Zerfall der Kolonialsysteme nach dem 2. Weltkrieg entstand für das imperialistische Lager die Notwendig- keit einer Neuordnung seiner internationalen Beziehungen, wobei die Monopolbourgeoisie der USA die Führung übernahm. Während sich die dem Kapitalismus immanenten Widersprüche verschärften, spitzte sich die Auseinandersetzung der beiden Systeme zu. Dies fand in der BRD einerseits in der rasch zunehmenden Monopolisie- rung, die durch amerikanische Kapitalexporte, Finanzierungshilfen usw. über den westdeutschen Staat gefördert wurde, andererseits in der Militarisierung und Eingliederung in die NATO seinen Aus- druck. Sowohl die militärische Seite der imperialistischen Glo- balstrategie gegen die sozialistischen Länder, als auch die Not- wendigkeit der wissenschaftlich-technischen Revolution unter die- sen Bedingungen zu bewältigen, machten eine forcierte Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus erforderlich. Darüberhinaus zwang auch die Konkurrenz der kapitalistischen Staaten untereinander das Problem des Wachstums der nationalen Monopole - in entscheidender Weise eine Frage der Produktivitäts- steigerung - in den Vordergrund zu stellen. Die Schaffung neuer Verwertungsmöglichkeiten für das Monopolkapital führt unter die- sen Bedingungen zur staatsmonopolistischen Regulierung des Sy- stems der Wachstumsfaktoren (s. D. Klein: "7. Extra Rote Korre- spondenz"), die mit einem beschleunigten Monopolisierungsprozeß, d.h. zunehmender Vergesellschaftung der Produktion koordiniert ist. Dabei zeigt sich, daß in entscheidender Weise von Bildung und Wissenschaft die Verwertungsmöglichkeiten des Monopolkapitals ab- hängen. Ohne eine qualitativ neue Gewichtung dieser Bereiche ist die Einführung und Weiterentwicklung technischer Innovation in der Produktion "verwissenschaftlichter Unternehmensführung" (Operations Research usw.) sowie deren Beherrschung und Anwendung nicht möglich. Die Verwertung des Kapitals ist darüberhinaus an die Struktur des kapitalistischen Systems als ganzes, an das "Funktionieren" staatsmonopolistischer Wirtschafts- und Gesell- schaftspolitik gebunden, was auch die Verwissenschaftlichung die- ser Bereiche beinhaltet. "Eine staatsmonopolistische Programmie- rung auf der Basis langfristiger Prognosen und futurologischer Konzeptionen wird unabdingbar für den Imperialismus" (Klein, S. 4). Der kapitalistische Staatsapparat, der als Agentur der Mono- pole das System von Wissenschaft und Ausbildung auf deren Verwer- tungsbedingungen kurz- und langfristig hinzutrimmen hat, ist also selbst auf dieses System angewiesen, und zwar nicht nur im Hin- blick auf die Entwicklung notwendiger Konjunktur- und Wirt- schaftspolitik überhaupt und der damit zusammenhängenden Planung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts über den Ausbau des Bildungssystems, sondern in all seinen Funktionen: Ideologische Manipulation der Massen, Niederhaltung der gesellschaftlich fort- schrittlichen und sozialistischen Kräfte, internationale imperia- listische Kooperation usw. Die Verschärfung des Klassenkampfes auf nationaler und interna- tionaler Ebene zwingt in vielerlei Hinsicht den Staat der Mono- pole, die wissenschaftlich-technische Revolution voranzutreiben; neben der Konkurrenzfähigkeit der kapitalistischen Unternehmen auf dem Weltmarkt, die zur entscheidenden Existenzfrage des impe- rialistischen Weltsystems geworden ist, sind die Fragen der Auf- rechterhaltung neokolonialer Herrschaft und Ausbeutung (etwa Rü- stungsforschung und Subversionsstrategien zur Vorbereitung und Durchführung imperialistischer Kriege) sowie das Problem der Ma- nipulation mit Hilfe des Informationswesens, der Biochemie usw. von der Forcierung wissenschaftlicher Teilbereiche in hohem Maße abhängig geworden. Das Auftreten des Staates als Zentralagentur für die Planung und Verwirklichung von Ausbildung und Forschung, wie es sich in der BRD z.B. in der Konstituierung des Bundesforschungsministeriums, der Kultusministerkonferenz, des Wissenschaftsrates und der Groß- und Projektforschung sowie an der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen von Euratom, ELDO und ESRO (alle vorwiegend von militä- rischer Bedeutung) gezeigt hat, ist auf zwei wesentliche Tatsa- chen zurückzuführen. Erstens ist der notwendige Aufwand für For- schung und Entwicklung, wie er sich an den Erfordernissen des Mo- nopolkapitals orientiert, unter den Bedingungen der verschärften Systemkonkurrenz im Vergleich zu den Mitteln, die unmittelbar in die Produktion fließen, äußerst stark gewachsen. Dieser Aufwand, der weitgehend Kapitalcharakter hat, kann aber von den privaten Monopolen nicht mehr aufgebracht werden, weil sie auf kurzfri- stige Verwertung angewiesen sind. Dasselbe gilt für die Infra- struktur (Investition, Verkehr, Gesundheitswesen). Zweitens kann der notwendige Aufwand nur im Rahmen einer längerfristigen Expan- sionsstrategie und antizyklischer Wirtschaftspolitik beurteilt werden. Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung der staatlichen Pla- nung und Finanzierung von Ausbildung, Forschung und Entwicklung, die natürlich unter Beteiligung der führenden Monopole an der Planung stattfindet - ihre Vertreter sitzen in allen wesentlichen Beratungsorganen, z.B. in der deutschen Atomkommission, der Kom- mission für Weltraumforschung, der DFG, dem Wissenschafts- und Bildungsrat - wenn man das Problem der Grundlagen- und das der Rüstungsforschung betrachtet. Vom Standpunkt des einzelnen Mono- pols aus, dessen Wachstum von der nationalen und internationalen Konkurrenzfähigkeit abhängt, kann die Grundlagenforschung nicht vorangetrieben werden, weil eine unmittelbare Verwertbarkeit der Ergebnisse nicht gegeben ist, diese teilweise überhaupt fraglich, bzw. nicht voraussehbar; andererseits ist die Monopolisierung der Ergebnisse patentrechtlich nicht möglich. Über die Grundlagenfor- schung hinaus wird der Staat zur Planung und Finanzierung einge- setzt, "wo die deutsche Industrie in technologischen Fort- schrittsbereichen Wettbewerbsverzerrungen ausgesetzt ist, die durch große staatliche Forschungs-, Entwicklungs- und Beschaf- fungsprogramme anderer Länder hervorgerufen werden" und wo "zukunftsträchtige Technologie von der Industrie deshalb nicht aufgegriffen wird, weil eine breite Anwendung kurzfristig nicht abzusehen ist, oder weil der Mittelbedarf die Leistungsfähigkeit einzelner Unternehmen oder Firmengruppen übersteigt" ("Bundesfor- schungsbericht III"). Im übrigen wird die Grundlagenforschung - wie alle staatlich un- terstützte Forschung - in all den Wissenschaftsgebieten vorrangig finanziert, die für die Finanzoligarchie von besonderem Interesse sind. Dies zeigt sich z.B. in der Konzeption der Sonder- forschungsbereiche an den Universitäten und in den Bereichen der Stipendienpolitik (Dissertationsstipendien der VW-Stiftung nur für bestimmte Bereiche: Biochemie, Molekularbiologie, Datenverar- beitung, Bildungsplanung u.a. (s. "Begabtenförderungsbericht 1969"). Was die Rüstungsforschung betrifft, liegt es hier auf der Hand, daß zentrale Planung unabdingbare Voraussetzung ist. Die Rü- stungsindustrie realisiert ihre Profite über den Staatsauftrag aus dem Steueraufkommen, wobei die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im voraus "subventioniert werden". Die Rüstungsfor- schung und -produktion ist folglich ein "sicheres Geschäft", das für die Monopole und ihren Staat viele Vorteile hat, die alle der Aufrechterhaltung der Herrschaft des staatsmonopolistischen Kapi- talismus dienen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß in der BRD die "Verteidigungs"forschung anteilmäßig das Schwerpunktprogramm ist, das alle anderen Bereiche durchdringt: Ein Drittel der staatlichen Ausgaben für Wissenschafts- und Studienförderung fließen ihr direkt zu, was hinreichend die Militarisierung der Forschung, die destruktive Deformation der Produktivkraft Wissen- schaft im Kapitalismus belegt. Daß die Konzerne der Rüstungsindu- strie für die Zukunft eine weitere Ausrichtung der wissenschaft- lich-technischen Revolution auf ihre Macht- und Profitinteressen planen, zeigt die Ausstellung neuer Techniken während des Kon- gresses für Zukunftsforschung und -planung "System 69", der be- zeichnenderweise in München stattfand. Der überwiegende Teil der vorgestellten Projekte trug eindeutig militärischen Charakter. Dazu kamen als zweiter Komplex Großcomputeranlagen, die Zugriffs- zeiten hatten, wie sie nur von den Militärs gefordert werden (s. "7. Extra Rote Korrespondenz", S. 43). Das Anwachsen der Militärproduktion, das in allen kapitalisti- schen Staaten mit der sich zuspitzenden Monopolisierung einher- geht, ermöglicht der Finanzoligarchie zwar die Realisierung von Superprofiten und ein reaktionär-aggressives Auftreten, das auch die Mittel der militärischen Unterwerfung und atomarer Drohung nicht scheut, zugleich vertieft es aber die entscheidenden Wider- sprüche des ganzen Systems, dessen Version der wissenschaftlich- technischen Revolution dem Bedürfnis der werktätigen Bevölkerung nach Frieden und sozialem Fortschritt in jeder Hinsicht zuwider- läuft. Im folgenden sollen die Ursachen der Verschärfung der Widersprü- che zwischen Monopolbourgeoisie und großen Teilen der Intelligenz dargestellt werden, wie sie als notwendige Folge der wissen- schaftlich-technischen Revolution im staatsmonopolistischen Kapi- talismus ausgeprägt werden. 1.2.1. Zur Klassenlage der Intelligenz -------------------------------------- Bei der Intelligenz handelt es sich um eine Schicht, die nicht durch einheitliche Klassenkriterien charakterisiert ist, d.h. sie muß als eine sozialökonomisch inhomogene Bevölkerungsschicht ein- geordnet werden, deren spezifische Zusammensetzung nur unter Be- rücksichtigung der jeweiligen historischen Bedingungen analysiert werden kann. Das auch im staatsmonopolistischen Kapitalismus un- ter den Voraussetzungen der wissenschaftlich-technischen Revolu- tion forcierte Eindringen der Wissenschaft in die Produktion führte zum Abbau der herkömmlichen Bildungsschranken und einer sich entwickelnden Umstrukturierung der Intelligenz, die sich "im Kapitalismus vorwiegend aus der mittleren Bourgeoisie, dem selb- ständigen Kleinbürgertum, den oberen und mittleren Angestellten- und Beamtenpositionen sowie vor allem aus der bürgerlichen Intel- ligenz selbst rekrutierte." (Steiner: "Soziale Strukturverände- rungen im modernen Kapitalismus", S. 80). Die bereits angedeute- ten Verwertungsschwierigkeiten der Monopole in den führenden im- perialistischen Staaten führten aber keineswegs zum Abbau des ka- pitalistischen Bildungsprivilegs überhaupt, sondern reproduzier- ten es in neuen Formen. Dieser Prozeß äußerte sich u.a. in den verschiedensten technokratischen Forderungen nach Aufhebung des "Bildungsnotstandes", im Ausbau der naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten, in der Konstituierung der kapitalistischen "Bildungsökonomie", was alles den antagonisti- schen Widerspruch von Produktions- und Bildungsniveau lösen soll. Entsprechend der Modifizierung herkömmlicher Bildungsschranken zeichnet sich ein schnelles Wachstum der Intelligenz, insbeson- dere des wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Personals in der Industrie ab, "Die massenhafte Zunahme von Akademikern und anderen Spezialisten 'entwertet' ihre Tätigkeit, verstärkt die Konkurrenz unter ihnen, führt zu einer Senkung des Werts ihrer Arbeitskraft, macht sie durch die im Prozeß der technischen Ent- wicklung vor sich gegangene Zergliederung der Tätigkeit zu De- tailarbeiten leichter austauschbar und führt zu einem Gestaltwan- del der intellektuellen Arbeit. Aus einer einst privilegierten, wurde eine ihren Arbeitsbedingungen gemäß gehobene und bevorrech- tigte 'Arbeiter'tätigkeit in den Betrieben, was mit vielerlei Mo- difikationen als Entwicklungstendenz auch in den anderen Sphären geistiger Tätigkeit seine Wirklichkeit fand." (Steiner, S. 120 f). Der Übergang von der freischaffenden zur Angestelltentätigkeit bedeutet im allgemeinen für die Intelligenz einen sozialen Sta- tusverlust. Als Freischaffender war ein Angehöriger dieser Schicht sozialökonomisch dem selbständigen "Mittelstand" ähnlich, als Angestellter wird er zumeist einem Prozeß der Proletarisie- rung unterworfen. Bei großen Teilen der wissenschaftlich-technisch qualifizierten Lohnarbeiter ist dieser Vorgang am weitesten fortgeschritten. Sie sind wie das traditionelle Industrieproletariat frei von Produk- tionsmitteln und müssen zum Erhalt ihres Arbeitsvermögens ihre Arbeitskräften den Kapitalisten verkaufen. Dabei ist es völlig gleichgültig, daß diese qualifizierten Arbeiter in hohem Maße Kopfarbeit leisten, da - wie Marx schreibt - "... mit der Ent- wicklung der reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital... nicht der einzelne Arbeiter, sondern mehr und mehr ein s o z i a l k o m b i n i e r t e s A r b e i t s v e r m ö- g e n d e r w i r k l i c h e F u n k t i o n ä r des Gesamt- prozesses wird, und die verschiedenen Arbeitsvermögen... in sehr verschiedener Weise an dem unmittelbaren Prozeß der Waren- oder besser hier Produktbildung teilnehmen, der eine mehr mit der Hand, der andere mehr mit dem Kopf arbeitet,... so werden mehr und mehr F u n k t i o n e n v o n A r b e i t s v e r- m ö g e n unter den unmittelbaren Begriff der p r o d u k- t i v e n A r b e i t und ihre Träger unter den Begriff der p r o d u k t i v e n A r b e i t e r, direkt vom Kapital ausgebeuteter und seinem Verwertungs- und Produktionsprozeß überhaupt untergeordneter Arbeiter einrangiert." ("Resultate", S. 65/66) Diese wissenschaftlich-technischen Kader, die unmittelbar an der Produktion von Mehrwert beteiligt sind, verschmelzen mehr und mehr mit einzelnen Abteilungen der Arbeiterklasse, was in der Tendenz "... zur Herausbildung eines neuen Typs des Primärprodu- zenten des Mehrwerts, des hochqualifizierten Produktionsarbei- ters" (Jung: "Argument 61", S. 680/681) führt. Im Zuge der Verwissenschaftlichung des Produktionsprozesses ge- winnen jene Funktionen und ihre Träger immer mehr an Bedeutung, die sich zum Produktionsprozeß als Wächter und Regulator verhal- ten, also n e b e n ihn treten, bzw. auch jene Teile der Intel- ligenz, die ihr Arbeitsvermögen v o r dem unmittelbaren Produk- tionsprozeß verausgaben, d.h. qualifizierte Arbeit in den For- schungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsbüros verrichten. Sie gehören ebenso zur Lohnarbeiterklasse wie diejenigen, die mit be- grenzten Leitungstätigkeiten ihre Reproduktion sichern. Zur Arbeiterklasse sind auch diejenigen Teile der Intelligenz zu zählen, die in entsprechenden Funktionen als Zirkulationsagenten ihr Arbeitsvermögen veräußern. Diese kommerziellen Lohnarbeiter unterscheiden sich zwar von den im Produktionsprozeß beschäftig- ten Produzenten dadurch, daß sie nicht an der Produktion von Mehrwert beteiligt sind, jedoch leisten sie einerseits unbezahlte Mehrarbeit und helfen andererseits die Umschlagszeit des Gesamt- kapitals zu verkürzen, wodurch sie die jeweils gesetzten Schran- ken der Mehrwertproduktion erweitern. Aus den angegebenen Kriterien, die die objektive Lage großer Teile der Intelligenz als zur Arbeiterklasse zugehörig angeben, kann nicht geschlossen werden, daß es nicht noch viele Unter- schiede zwischen intellektuellen Arbeitern und dem traditionellen Industrieproletariat gibt (höhere Qualifikation, höhere Löhne, "Statussymbole" etc.). Doch sind dies abgeleitete Unterschei- dungsmerkmale, die einige rechts- und linksopportunistische Grup- pen dazu verleiten, die objektive Klassenlage zu vernachlässigen und diesen Teil der sich als Lohnarbeiter reproduzierenden Intel- ligenz zum Bündnispartner des Proletariats zu reduzieren. Damit helfen sie, tradierte Bewußtseinsformen zu perpetuieren. Hingegen muß es Aufgabe der Kommunisten sein, die zunehmende An- näherung der Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Teile der in- tellektuellen Produzenten an die der Arbeiterklasse aufzuzeigen, stets die gemeinsamen Klasseninteressen, die alle Gruppen der Ar- beiterklasse verbinden, zu propagieren und die Solidarität und Einheit der verschiedenen Fraktionen der Arbeiterklasse zu er- kämpfen. Neben der kleinbürgerlichen (Ärzte, Rechtsanwälte usw.) gibt es weitere Gruppen der Intelligenz (Studienräte, Studenten), die auch nicht zur Arbeiterklasse gehören, aber aufgrund ihrer ge- sellschaftlichen Stellung sich im Gegensatz zum Monopolkapital befinden und ebenfalls Bündnispartner der Arbeiterklasse sind. Ein geringer Teil der Intelligenz übt als Agent der Monopole di- rekte Kapitalfunktionen aus. Zu dieser Gruppe gehören auch alle jene Überbauspezialisten, die als Büttel und Ideologen der Mono- polbourgeoisie fungieren. Es lassen sich folglich als die wesentlichen Auswirkungen der wissenschaftlich-technischen Revolution auf die Intelligenz im System des staatsmonopolistischen Kapitalismus zusammenfassen: a) reelle Subsumtion der Wissenschaft, damit der Intelligenz, un- ter die Interessen der Finanzoligarchie, b) Angleichung der Arbeitsbedingungen großer Teile der Intelli- genz an die der Industriearbeiter, c) Polarisierung innerhalb der Intelligenz. Was die Frage des Bewußtseins der sich der Arbeiterklasse annä- hernden bzw. schon in ihr aufgegangenen Teile der Intelligenz an- geht, so ist es gegenwärtig weitgehend noch von einer kleinbür- gerlichen rechtsopportunistischen Haltung geprägt, die sich als Aufstiegsorientierung und Reformgläubigkeit äußert. Bewußt genährt wird diese Erscheinung durch die verschiedenartigsten Konstruktionen der Monopolideologen, wie etwa Konvergenztheorie, post-industrielle Gesellschaft usw. Damit wird die Arbeiterbewe- gung in hohem Maße vor das Problem gestellt, die Verfälschung ih- rer theoretischen Grundlagen zu verhindern. 1.2.2. Zur Bildung und Ausbildung in der BRD und Westberlin ----------------------------------------------------------- Für die weitere Entwicklung der Produktivkräfte wird es für das Monopolkapital zur unumgänglichen Aufgabe, Einfluß auf die Pro- duktion qualifizierter Arbeitskräfte zu nehmen. Das bedeutet eine Ausbildung, die die Basis zur Umstellung auf neue Produktions- techniken abgibt, die also die Arbeitskraft befähigt, mit der Verwissenschaftlichung des Produktionsprozesses Schritt zu hal- ten, kurz eine Ausbildung, welche die Arbeitskraft disponibel und fungibel im Interesse des Kapitals macht. Dies schließt jedoch ein, daß dieses Feld auf bestimmte Abteilungen der Arbeiterklasse ausgedehnt werden muß, da das traditionelle Rekrutierungsfeld wissenschaftlich qualifizierter Arbeitskraft (selbständiges Kleinbürgertum, Beamte, bürgerliche Intelligenz) allein nicht mehr ausreicht, um den Bedarf des Kapitals an qualifizierten Ar- beitskräften zu befriedigen. Dieser objektive Zwang erzeugt jedoch Widersprüche innerhalb des Kapitalverhältnisses: Die Notwendigkeit umfassender Qualifikation der Ware Arbeitskraft steht im Gegensatz zu den unmittelbaren Verwertungsinteressen des Kapitals, da der Ausbau des Ausbil- dungssektors für das Kapital eine Schmälerung seines Profits be- deutet. Außerdem birgt eine qualifizierende Ausbildung breiterer Schichten der Bevölkerung die umfassende Gefahr in sich, daß diese ihre Interessen als denen der Monopole entgegengesetzte leichter erkennen und den Kampf dagegen aufnehmen könnten. Dieser permanente Interessenkonflikt zwischen kurz- und langfri- stigen Kapital Interessen findet gegenwärtig an den Universitäten seinen Ausdruck einerseits im Ausbau der Lehr- und Forschungs- stätten und andererseits in der forciert durchgeführten Ökonomi- sierung des Studiums, was eine Intensivierung und Rationalisie- rung bedeutet. D.h. mit Einführung von Studienzeitbeschränkung, Zwischenprüfungen, Numerus clausus, sowie der Unterteilung in Grund-, Haupt- und Aufbaustudium mit selbständigen Abschlüssen wird eine "überschüssige" Qualifikation im Beruf verhindert (siehe dazu die frappante Analogie zum Krupp-Stufenplan). Eine derartige, den Verwertungsinteressen konforme Ausbildung nimmt die im Beruf sinnlich manifest werdende Dequalifizierung der wissenschaftlich ausgebildeten Arbeitskraft bereits während des Studiums vorweg. An der Universität deutet sich die Polarisierung der breiten Massen der Studenten und den im Aufbaustudium befindlichen Elitestudenten an. Dies bedeutet, daß schon ein Großteil der Studenten aufgrund der erfahrenen Studien- und späteren Berufssituation zumindest objektiv im Gegensatz zum Monopolkapital steht. Es gilt diesen Studenten bewußt zu machen, daß sie ihre Interessen nur im Bündnis mit der Arbeiterklasse durchsetzen können. 1.3.1. Funktion der Soziologen im Produktions- ---------------------------------------------- und Reproduktionsprozeß ----------------------- Im Zuge der Auseinandersetzung um die inhaltliche und organisato- rische Gestaltung des Studiums am Institut für Soziologie scheint es notwendig, noch einmal auf die Konzeption eines "Soziali- stischen Studiums", so wie es von ultralinken Gruppen vertreten wird, einzugehen. Einige Gruppen haben inzwischen die Aufforderung, in die Betriebe zu gehen, fallen gelassen, da mittlerweile wohl die "sinnliche Erfahrung" gemacht wurde, daß der "Massen"andrang der Studenten auf die Betriebe ausgeblieben ist. Es konnten sich offenbar nur wenige, von ihren Eltern gut abgesicherte,, Studenten leisten, ihr Studium für längere Zeit zu unterbrechen und damit den Stu- dienabschluß hinauszuschieben. Nachdem nun diese "revolutionäre Massenlinie" durch die materiellen Verhältnisse selbst liquidiert worden ist, entwickelt man munter Zukunftsvisionen. Vor der Wahl zwischen "katastrophischem Chaos" (Flugblatt einer "links"oppor- tunistischen Organisation) und sozialistischer Revolution ste- hend, entscheidet man sich mutig für die sozialistische Revolution und erhebt sich selbst zum Motor der Weltgeschichte: "Wir wollen unsere Arbeit in den Bereichen, wo der Klassenkampf vorangetrieben werden kann. "Angesichts dieser hehren Aufgabe ist es in der Tat schnöder Materialismus, von Berufsperspektive und materieller Reproduktion der Arbeitskraft zu sprechen. "Sozialistisches Studium" ist gleichbedeutend mit Ausbildung im dialektischen Materialismus, darauf basierenden Analysen und ent- sprechender "revolutionärer Praxis". Angenommen eine solche Kon- zeption ließe sich durchführen: Nach Abschluß dieses Studiums be- geben sich die frisch diplomierten "Sozialisten" zum Brennpunkt des revolutionären Geschehens, z.B. zum Industriezweig X. Späte- stens im Personalbüro entlarven sich die revolutionären Phrasen - an diplomierten "Sozialisten" besteht nämlich kein Bedarf und ob noch Hilfsarbeiter gebraucht werden, ist ebenfalls abhängig von der Verwertungssituation und technischen Ausrüstung des Betrie- bes, So vertreten diese Gruppen in Wirklichkeit die Massenlinie in die Arbeitslosigkeit und in das Lumpenproletariat, was einer Eliminierung der sozialistischen Intelligenz aus der Arbeiterbe- wegung gleichkommt. In dieser Konsequenz offenbaren sich die zutiefst rückschrittli- chen ideologischen Implikationen der revolutionären Phraseologie: Durch einen Willensakt glaubt man, sich von materiellen Zwängen befreien zu können und das Ideal bürgerlicher Freiheit und Auto- nomie des Individuums verwirklichen zu können, wodurch die Anhän- ger dieser bürgerlichen Ideologie reinsten Wassers umso bewußtlo- ser der materiellen Gewalt der kapitalistischen Verhältnisse un- terworfen werden. Anhand dieser Kritik sollte verdeutlicht werden, worauf die Ver- weigerungsstrategien aller Schattierungen hinauslaufen. Bei dem Versuch, eine Perspektive für die Intelligenz nach Beendigung des Studiums anzugeben, und das Studium selbst als Vorbereitung dafür zu gestalten, muß von der Notwendigkeit der materiellen Reproduk- tion der Arbeitskraft ausgegangen werden. Für Soziologen bedeutet das, daß sie sich Klarheit verschaffen müssen über ihre späteren Tätigkeitsbereiche als Soziologen und ihre Funktion im gesell- schaftlichen Reproduktionsprozeß. Im folgenden sollen dazu einige Thesen formuliert werden, die aufgrund der geringen Vorarbeiten auf diesem Gebiet nur sehr grob die Problematik umreißen können. Die zahlenmäßige Zunahme der Soziologen seit dem II. Weltkrieg ist Ausdruck der wachsenden Bedeutung der bürgerlichen Soziologie im staatsmonopolistischen Herrschaftssystem. Mit der voranschrei- tenden Vergesellschaftung der Produktion ergibt sich die Notwen- digkeit, neben den ökonomischen und technologischen Momenten der Kooperation auch deren soziale Seite theoretisch zu erfassen und praktisch manipulierbar zu machen. Entsprechend der vielfältigen Erscheinungsformen des grundlegenden Klassenwiderspruchs in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft bildeten sich die Spe- zial-Soziologen weiter heraus, die für ihren eng begrenzten Be- reich Manipulationsinstrumentarien zu entwickeln haben (Industrie- und Betriebssoziologie, Organisationssoziologie, Ju- gend- und Familiensoziologie, Soziologie der Bildung usw.). Die ideologische Funktion der Soziologie ist nach wie vor von größter Bedeutung. Die bürgerliche Ideologie wird gleichsam "wissenschaftlich" aufbereitet und in differenzierter Form auf die Zielgruppen zugeschnitten verbreitet. Das Spektrum der Beein- flussung reicht von der Veröffentlichung akademischer Facharbei- ter, deren populär-wissenschaftliche Verdünnung bis zu ihrer mas- senwirksamen Zubereitung und Verwendung in den modernen Kommuni- kationsmitteln. Über Rundfunk, Presse, Fernsehen, Werbung usw. ist es der Bourgeoisie heute möglich, permanent in demagogischer Weise auf die Bevölkerung einzuwirken und ihr die Ideologien vom "Sozialstaat", der "Mittelstandsgesellschaft", der "Freizeit- und Konsumgesellschaft", der Chancengleichheit, der Konvergenz von Kapitalismus und Sozialismus usw. einzutrichtern. Neben der ideologischen Funktion der Soziologie rückt die prakti- sche immer stärker in den Vordergrund. Die Soziologie hat der Mo- nopolbourgeoisie und ihren Vertretern Unterlagen und Instrumenta- rien für ihre Leitungstätigkeit zu liefern. Zum Beispiel bildet die bürgerliche Industrie- und Betriebssoziologie einen wesentli- chen Bestandteil in der fachlichen Ausbildung kapitalistischer Leitungskader. Analysen der innerbetrieblichen Klassenbeziehun- gen, der Arbeitsorganisation, der Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die Beschäftigten, des Betriebsklimas usw., die- nen zur Entwicklung sozialer Techniken, die sowohl die Ar- beitsproduktivität erhöhen, als auch zur partiellen und temporä- ren Eindämmung der Klassenwidersprüche dienen. Mit der Vergesellschaftung von Leitung und Lenkung werden produk- tive Unternehmerfunktionen an Arbeitskräfte delegiert, die sich zunehmend auch aus der Arbeiterklasse rekrutieren. Von daher er- gibt sich für die Bourgeoisie die Notwendigkeit zu deren ideolo- gischer Korrumpierung. Sowohl unter diesem als auch unter dem schon genannten praktischen Aspekt ist die Verbreitung der Sozio- logie als Nebenfach für alle möglichen - auch technischen - Hauptfächer zu beurteilen. Zur Verwirklichung der ideologischen und praktischen Apologetik durch die bürgerliche Soziologie bedarf es einer wachsenden Zahl von Arbeitskräften mit der entsprechenden Fachausbildung. Inso- fern ist ein wesentlicher Tätigkeitsbereich für Soziologen der Ausbildungssektor (Hochschule, Fachschule, Sozialarbeiterschulen, Volkshochschulen usw.). Die zahlreichen anderen Tätigkeitsberei- che dürfen bei den Überlegungen zur Berufsperspektive nicht will- kürlich gestrichen werden, können aber hier nur kurz angedeutet werden: Organisationen, Verbände, Meinungs- und Verbrauchsfor- schungsinstitutionen, "Public"-und "Human-Relations" in Betrie- ben, Behörden, die verschiedensten Positionen in Monopolbetrie- ben. 1.3.2. Zur gesellschaftlichen Lage der Soziologen; -------------------------------------------------- Polarisierung der Soziologen ---------------------------- Die spezifischen Widersprüche, die sich aus der Stellung der So- ziologen im gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionspro- zeß in seiner kapitalistischen Form ergeben, lassen sich an die- ser Stelle selbstverständlich nur als allgemeine Tendenzen ange- ben. Es wird daher eine der wichtigsten Aufgaben der zu gründen- den Organisation sein, diesen Prozeß weiter zu analysieren und zu konkretisieren, um eine konsequente Interessenvertretung der So- ziologie-Studenten auf einer wissenschaftlichen Grundlage durch- führen zu können. Es wurde bereits oben schon die Tendenz aufge- zeigt, die sich aus der Vergesellschaftung der Produktion und der damit verbundenen Verschärfung des Grundwiderspruchs ergibt, die Soziologie in verselbständigte Spezial-Soziologien aufzulösen. Dies bedeutet, daß der Grad der Vergesellschaftung der soziolo- gisch-wissenschaftlichen Arbeit sich erhöht hat und in den Prozeß fortschreitender Arbeitsteilung einbezogen wird. Dieser Prozeß ist aber nicht wertfrei zu sehen, sondern ist Bedingung dafür, die Soziologie unmittelbar den Interessen der Bourgeoisie nutzbar zu machen. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, daß die Forderung nach Ab- schaffung der Soziologie in bezug auf die Tatsache, daß sie der Bourgeoisie Herrschaftswissen vermittelt, unrealistisch und in bezug auf die steigende Vergesellschaftung der Produktion irreal ist. Die Aufsplitterung der Soziologie in Spezialsoziologien wird zwangsläufig die Gegentendenz hervorrufen, die einander verselb- ständigten Teile wieder zusammenzufügen, um die gesamtgesell- schaftliche Bewegung für die Bourgeoisie manipulierbar zu machen. Es ist notwendig, diese Tendenz an dieser Stelle aufzuzeigen, weil sich daraus die Polarisierung der Soziologen ableitet: eine winzige Minderheit wird sozialwissenschaftliche Forschungsergeb- nisse in Entscheidungsprozesse führender Stäbe einbringen (Bsp. Dahrendorf; eine solche Stellung entspricht dem Top-Management), während der Gegenpol von Soziologen gebildet wird, die sich in ihrer gesellschaftlichen Stellung der Arbeiterklasse annähern bzw. in sie eingehen - deren Stellung in etwa der der wissen- schaftlich-technisch qualifizierten Arbeiter entspricht ("Sozial- techniker"). Dieser Pol wird in der Tendenz die Mehrheit der Soziologen umfassen, er ist das Ergebnis eines Prozesses, der z.B. in den USA schon viel weiter fortgeschritten ist. Diese Be- wegung ist begründet in der Aufsplitterung wissenschaftlicher Ar- beit, der Ausbildung der Soziologen zu Detailarbeitern im wissen- schaftlichen Forschungsprozeß - die in der Bildung von Spezialso- ziologen zum Ausdruck kommt, dort aber nicht stehen bleibt, son- dern sich selbst in ihnen noch fortsetzt (Bsp. Kybernetik in Be- triebssoziologie). Dieser Pol wird aber auch von jenen gebildet, die Soziologie im Ausbildungsprozeß einzubringen haben (deren ob- jektive Aufgabe es ist, die bestehenden Verhältnisse "wissenschaftlich" zu legitimieren). Die Anzahl der Soziologen mit solchen und vergleichbaren Aufgaben wird schnell wachsen: heute aber befindet sich die Mehrheit der Soziologen noch in ei- ner Übergangssituation. Z.B. in Stellungen wie Dozenten, höhere Verwaltung u.ä.m. Die Vergesellschaftung der Soziologie nimmt unter kapitalisti- schen Verhältnissen Formen an, die den Interessen der Soziologen widersprechen. Mit der Reduzierung zum "Detailwissenschaftler" verselbständigt sich der Inhalt ihrer Arbeit ihnen gegenüber. Sie wird damit eintönig und erzeugt Gleichgültigkeit. Indem die So- ziologen ihr Wissen nur betätigen können in der Kooperation, die- ser Zusammenhang aber über das Kapital vermittelt wird, werden sie im steigenden Maß abhängig von ihm. Mit der dem Kapitalismus spezifischen Teilung der wissenschaftlichen Arbeit und der Ent- wicklung der Wissenschaft verbunden ist die Gefahr, daß ihr er- worbenes Detailgeschick veraltet, ihr Wissen entwertet wird und sie ihre Arbeitskraft nicht mehr als Soziologen verkaufen können. Der immanente Trieb des Kapitals, den Preis der Arbeitskraft zu senken, verschafft sich ihnen gegenüber in mehrfacher Weise Gel- tung: den Wert ihrer Arbeitskraft durch möglichst geringe Ausbil- dungskosten zu senken, sowie mit den Mitteln der Konkurrenz (Aufstiegsmöglichkeiten, wissenschaftliche Reservearmee) und durch Regulierungsmaßnahmen wird den Forderungen der Soziologen vom Kapital begegnet. Damit ist verbunden - wie oben gezeigt - die Herausbildung von "Elitesoziologen" (im Studiengang bereits angelegt durch Maßnahmen des Hochschulrahmengesetzes). Aufgrund ihrer Stellung in der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion, ihrer materiellen Lage, gerät die Mehrheit der So- ziologen zunehmend in direkten Widerspruch zum Monopolkapital. Die wichtigste Forderung , die sich aus den aufgezeigten Tenden- zen für ihre Ausbildung ergibt, ist die nach u m f a s s e n- d e r (Vermittlung von Wissen über die Grundstrukturen der Gesellschaft) und q u a l i f i z i e r t e r Ausbildung (gründliche Vermittlung von sozialwissenschaftlichen Techniken auf einer breiten Basis, die es auch später ermöglicht, sich neue Techniken leichter anzueignen) und die Vermittlung der Einsicht in ihre derzeitige und spätere gesellschaftliche Stellung. Geht man davon aus, daß die Mehrheit der Soziologen gezwungen ist, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, ist der Schluß, ihre Kennt- nisse nicht dem Kapital zur Verfügung zu stellen, sondern sich andere Beschäftigungen zu suchen, falsch. Einmal ist es illuso- risch zu meinen, daß Kapital könnte damit langfristig gesehen die Sozialwissenschaften zur Durchsetzung seiner Interessen nicht be- nutzen und zum anderen ist das Argument, daß ein Teil der Sozio- logen Funktionen in Leitungsprozessen wahrnimmt, die den Interes- sen der Arbeiterklasse entgegenstehen, nicht stichhaltig, sondern bloß moralisierend. Denn auch die Idee, der Arbeiterklasse daraus einen Vorwurf zu machen, daß sie ihren Gegensatz, nämlich Kapital produziert, kommt schließlich auch niemand. Es wird dabei abstra- hiert von dem Doppelcharakter der Leitung, der objektiven Notwen- digkeit kooperative Prozesse zu leiten und die spez. Formen, un- ter denen das unter dem Kapitalverhältnis geschieht. Es wird dar- über hinaus von den Möglichkeiten abstrahiert, während der Aus- übung des Berufes im fortschrittlichen Sinne tätig zu werden. (Im Grunde kann man das n u r am Arbeitsplatz, wenn man nicht als Triebkraft der Geschichte die Verteilung von Flugblättern vor den Betrieben ansieht). Es ist überhaupt ein Kennzeichen des staats- monopolistischen Kapitalismus, daß mit der Vergesellschaftung der Leitungstätigkeit die Mehrheit, die diese Tätigkeiten ausübt, von ihren Interessen her im Widerspruch zum Kapital steht. Dabei ist im Hinblick auf ihre Klassenlage es durchaus gleichgültig, ob dieser Interessengegensatz schon erkannt ist, b e v o r eine entsprechende Tätigkeit aufgenommen wurde oder ob er erst in Aus- übung der gesellschaftlichen Funktion bewußt wird. Der Grad des Engagements und die konkreten Forderungen der Soziologen sind in erster Linie abhängig vom allgemeinen Stand der Klassenkämpfe. Die Verschärfung der Widersprüche macht bereits heute folgende Möglichkeiten antizipierbar: a) Beteiligung und Organisation von gewerkschaftlichen Kämpfen zusammen mit Kollegen, b) Vermittlung demokratischer und sozialistischer Ideen durch spezielle Schulungskurse, aber auch am Arbeitsplatz selbst, be- sonders von denen, die im Ausbildungssektor tätig sind, c) Unterstützung der Arbeiterbewegung durch Analyse gesellschaft- licher Prozesse (Projekte), d) Weiterleitung von Informationen die sie aufgrund ihrer Stel- lung im Produktionsprozeß erhalten (wichtig für die Arbeiterbewe- gung, um richtige Forderungen aufstellen zu können), e) durch aktive Teilnahme am ideologischen Klassenkampf, durch Veröffentlichungen in den verschiedenen Medien. Selbstverständlich können die Soziologen dies nicht als verein- zelte Einzelne tun. Es ist notwendig, daß sie in die Gewerkschaf- ten eintreten, woraus sich ein weiteres Feld ihrer aktiven Ein- flußnahme ergibt. 1.3.3. Konsequenzen für den Aufbau des Studiums ----------------------------------------------- Die Ausbildung muß beide Momente beinhalten, die Qualifizierung ihrer Arbeitskraft sowie gewerkschaftlicher und politischer Pra- xis Rechnung tragen. Der Widerspruch, in dem sie sich künftig be- wegen, muß im Studium selbst antizipiert sein. Die Durchsetzung eines solchen Programms kann nur gegen die In- teressen der Bourgeoisie erkämpft werden, ist also selbst gegen das staatsmonopolistische Herrschaftssystem gerichtet. Um die So- ziologen zu konsequenten Gegnern des Imperialismus zu erziehen, ist es notwendig, den wissenschaftlichen Sozialismus und speziell die marxistisch-leninistische Soziologie in allen Phasen des Stu- diums zu vermitteln und zwar nicht auf freiwilliger Basis (Hobby- Marxisten), sondern in institutionalisierter Form. Das Programm des bereits herrschenden Grundstudiums geht von ähn- lichen Voraussetzungen aus, wie - oben entwickelt. Es gilt jetzt, den Erstsemestern die Schwierigkeiten, die sich bei der Durchfüh- rung des Programms ergeben haben, als Auseinandersetzung zwischen bürgerlichem und proletarischem Standpunkt mit den sich daraus ergebenden Gremienkämpfen klarzumachen, d.h. die "Anti-Revisioni- sten" als umgestülpte Kleinbürger und ihre Theorie nur als beson- dere Variante der Konvergenztheorie zu entlarven. Als Forderung für die künftige Gestaltung des Grundstudiums muß die Notwendig- keit der kritischen Vermittlung der Geschichte der Soziologie un- terstrichen werden. Für das Fachstudium ergibt sich die Notwendigkeit der kritischen Vermittlung von Wissen, das der Qualifizierung der Arbeitskraft dient. Dazu ist es unerläßlich, die Kritik der bürgerlichen So- ziologie in allen Bereichen durchzuführen. Diese Vorgehensweise impliziert den Abbau von "professoralen Freiräumen" und die Inte- gration der marxistisch-leninistischen Soziologie. Welche Berei- che in das Lehrprogramm des Instituts für Soziologie aufgenommen werden, ist in erster Linie abhängig von der Entwicklung des Ka- pitalverhältnisses selbst und kann nicht abhängig gemacht werden von bloß subjektiven Wünschen. Eine Ausbildung ist dann sinnvoll, wenn sie die Arbeitskraft so qualifiziert, daß sie im gesell- schaftlichen Produktions- und Reproduktionsprozeß verwertbar ist. Um aber die bürgerliche Soziologie von ihren Voraussetzungen her zu kritisieren, wird es notwendig sein, den Bereich der Wissen- schaftstheorie auszubauen. Um die Bedeutung dieses Bereiches zu erfassen, sollte man sich der Kritik von Marx an den "voraussetzungslosen" Denkern vor Auge führen. Indem er ihre tatsächlichen Voraussetzungen aufzeigte, gelang es ihm, die bür- gerliche Ideologie auf den Begriff zu bringen. Heute bedeutet dies, daß z.B. die Kritik des Positivismus mit marxistisch- leninistischen Kategorien am Institut ernsthaft in Angriff genom- men werden muß. Das Schwergewicht des Fachstudiums muß auf dem Projektstudium liegen. Dabei sind mindestens folgende Momente zu berücksichti- gen: a) Das Projektstudium muß die Fähigkeit zur selbständigen und qualifizierten Forschungsarbeit vermitteln. b) Der Inhalt der Projekte muß an die Bedürfnisse der Arbeiter- klasse anknüpfen bzw. dem ideologischen Klassenkampf dienen. c) Ein drittes Moment, das bisher völlig herausfiel, ist darin zu sehen, mit Hilfe der Projekte dem Institut in der wissenschaft- lichen Auseinandersetzung eine solche Geltung zu verschaffen, daß der Senatsbürokratie erschwert wird, gegen die Studien-und Institutsreform vorzugehen (siehe Schaubühne am Halleschen Ufer). Da vom Institut für Soziologie bisher keine hinreichende berufs- qualifizierende Ausbildung vermittelt wurde und die Kritik der bürgerlichen Soziologie noch ganz am Anfang steht - die Aufarbei- tung polit-ökonomischer Kategorien ist zwar eine Voraussetzung dafür, allein aber noch völlig unzureichend - ist die zu grün- dende Organisation gezwungen, Ausbildungsgänge für bestimmte Be- rufe (Bereiche wie Organisation und Planung oder Sozialisation) institutionell zu verankern ohne ihre gesellschaftliche Relevanz vorher stringent ableiten zu können. Diese Untersuchungen neben der Einrichtung entsprechender Kurse durchzuführen wird Aufgabe der Organisation sein, wie es eine andere sein wird, der jetzt zwangsläufig bis zu einem gewissen Grad auseinanderfallenden Ver- mittlung des historischen Materialismus und der bürgerlichen So- ziologie aufzuheben, d.h. in eine kritische Vermittlung bürgerli- cher Soziologie und Methoden zu überführen. 2.1. Die Veränderung des politischen Überbaus --------------------------------------------- Die bürgerliche Demokratie war die adäquate Herrschaftsform der aufsteigenden Bourgeoisie unter den Bedingungen des Kapitalismus der freien Konkurrenz (Freiheit des Kaufs und Verkaufs, doppelte Freiheit des Lohnarbeiters, formale juristische und politische Freiheit.) Sie wurde gegen den Feudalismus erkämpft und war in ihrem Klasseninhalt zugleich Ausdruck des gesellschaftlichen Fortschritts. Auf einer bestimmten Stufe der Vergesellschaftung der Produktion verlor die Bourgeoisie ihre fortschrittliche Rolle in der Geschichte, Mit der Herausbildung des Imperialismus wurden außerökonomische Macht und Gewalt ein notwendiges Element für die Verwertung des monopolistischen Kapitals, für die Aneignung des Monopolprofits. Im monopolistischen und staatsmonopolistischen Kapitalismus erlangt der Staat - als politischer Überbau eines historisch überlebten Systems - eine neue Qualität in der Aus- übung politischer Unterdrückung. Er muß unmittelbar in den ge- sellschaftlichen Reproduktionsprozeß eingreifen, um die Verwer- tungsbedingungen des Monopolkapitals zu sichern und das Gesamtsy- stem zu stabilisieren. Durch die Notwendigkeit der Formierung al- ler Bereiche der Gesellschaft, ihre Unterwerfung unter die Inter- essen der Monopole, gerät die Finanzbourgeoisie zunehmend in Wi- derspruch zur bürgerlichen Demokratie. Dem Wesen des staatsmono- polistischen Kapitalismus entspringt daher die Tendenz zum Abbau bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten (KPD-Verbot, Not- standsgesetze, Handgranatengesetz, Aushöhlung der parlamentari- schen Kontrolle). 2.2. Zur Strategie der Arbeiterbewegung --------------------------------------- Die Bestimmung der Strategie der Arbeiterbewegung muß sowohl von der Entwicklung des Kapitalverhältnisses als auch von dem Grad der Organisiertheit und dem Bewußtsein der Arbeiterbewegung abge- leitet werden. Aufgrund der geringen Entfaltung der Klassen- kämpfe, des mangelnden Bewußtseins des Proletariats und des dar- aus resultierenden Kräfteverhältnisses der Klassen in Westberlin und der BRD kann von der sozialistischen Revolution als Tagesauf- gabe nicht ausgegangen werden. Es gilt daher, von den unmittelba- ren politischen und ökonomischen Interessen der Arbeiterklasse ausgehend Zwischenziele zu bestimmen, deren Erkämpfung die Akti- onseinheit der Arbeiterklasse und ihr Bewußtsein festigt, die Macht der Bourgeoisie schwächt und die Ausgangspositionen der Ar- beiterbewegung für den Sturz der Bourgeoisie verbessert. Der Kampf und die Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten der Arbeiterklasse im Rahmen des Kapitalismus muß als demokrati- scher Kampf bezeichnet werden. Erschließt den Kampf um die Erhal- tung bürgerlich-demokratischer Rechte mit ein, geht aber weit darüber hinaus. Er orientiert sich nicht am Ideal des bürgerli- chen Parlamentarismus, sondern trägt den Strukturveränderungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus Rechnung und richtet sich gegen die Machtzentren der Großindustrie der Banken, Unternehmer- verbände und staatlicher Regulierungsorgane Der demokratische Kampf der Arbeiterbewegung bedeutet die Erringung von Gegenmacht- positionen gegen das Monopolkapital. "Der Begriff Gegenmachtposition trägt dem Antagonismus der Klas- seninteressen im Kapitalismus Rechnung und drückt aus, daß es Machtpositionen a n s i c h nicht geben kann, sondern Gegen- machtpositionen immer nur im Verhältnis zur Macht des Kapitals stehen und begriffen werden können. Dabei ist eine Begriffsab- grenzung notwendig, da sonst die Meinung entstehen kann, als könne die Gegenmacht der Arbeiterklasse quantitativ (evolutionär) ausgedehnt werden bis ein Machtgleichgewicht erreicht ist und bis sie schließlich die Macht des Monopolkapitals überrundet. Tatsächlich ist dagegen das Monopolkapital die h e r r- s c h e n d e M a c h t der spätkapitalistischen Gesell- schaft... D i e s e H e r r s c h a f t i s t u n t e i l- b a r. ... Die Überwindung der Herrschaft des Großkapitals ist eine qualitative (revolutionäre) Veränderung. Diese herrschende Macht kann nicht Schritt um Schritt abgebaut werden. Diese Macht ist aber auch nicht schrankenlos. Ihr Rahmen wird durch viele Faktoren beeinflußt, vor allem durch die Initiative und Kampf- kraft der Arbeiterklasse. Und 'Gegenmacht' oder 'Macht der Arbeiterklasse' drückt aus, daß das herrschende System die Inte- ressen der arbeitenden Massen in dem Maße berücksichtigen muß, wie sie sich organisieren, Initiative entfalten und das System selbst in Frage stellen. G e g e n m a c h t p o s i t i o n e n b e r u h e n i m S p ä t k a p i t a l i s m u s n i c h t i n e r s t e r L i n i e a u f d e r V e r t r e t u n g v o n I n s t i- t u t i o n e n, s o n d e r n a u f d e r F ä h i g k e i t z u r M a c h t e n t f a l t u n g (unter Ausnutzung von In- stitutionen)" ("Mitbestimmung als Kampfaufgabe", S. 308 ff) und zielen auf die Kontrolle des Kapitals durch die Arbeiterklasse und ihrer Organisationen. Die Mitbestimmung ist integraler Be- standteil dieser Konzeption. "Deshalb sind Initiativen der Erweiterung der institutionellen Mitbestimmung unter dem Gesichtspunkt zu beurteilen, ob sie die Gegenmachtpositionen be- gründen und erweitern ... Dieser Gesichtspunkt macht deutlich, daß Mitbestimmung nicht auf die Frage der Institutionen oder der formalen Besetzungsverhältnisse von Institutionen beschränkt wer- den kann." (ebenda, S. 309) Der demokratische, antiimperialistische Kampf beinhaltet den Kampf gegen Faschismus, Militarismus, imperialistische Aggression und für den Frieden. Im Verlauf des demokratischen Kampfes werden der Arbeiterklasse die objektiven Grenzen quantitativer Veränderungen deutlich, die Notwendigkeit des revolutionären Sturzes der Bourgeoisie und die Eroberung der politischen Macht unmittelbar einsichtig. Gleich- zeitig schafft der Kampf um Gegenmachtpositionen durch die Verän- derung des Kräfteverhältnisses der Klassen zugunsten des Proleta- riats die Voraussetzungen dafür. 2.2.1. Der Kampf der Studenten gegen ------------------------------------ staatsmonopolistische Formierung -------------------------------- Aufgrund der Unterwerfung der Universität unter die monopolisti- schen Verwertungsbedingungen und der Berufsperspektive gerät der überwiegende Teil der Studenten in einen Gegensatz zum Monopolka- pital. Da aber die Studenten nicht im Produktionsprozeß stehen, muß der Teil der Studenten, der mit der Arbeiterklasse gemeinsame Interessen aufweist, als Bündnispartner bezeichnet werden. Grund- lage des Bündnisses mit der Arbeiterbesteht darin, daß die Stu- denten ihre antimonopolistischen Interessen nur mit Hilfe der Ar- beiterklasse durchsetzen können, diese aber im Zuge der wissen- schaftlich-technischen Revolution ein verstärktes Interesse hat an einer Ausbildung, die sich am gesellschaftlichen Fortschritt orientiert und an der Verhinderung der Pervertierung der Wissen- schaft zur Destruktivkraft durch den staatsmonopolistischen Kapi- talismus. Dieses Bündnis muß sich in der Etappe des demokrati- schen Kampfes realisieren und somit der Kampf an der Hochschule als Teil des demokratischen Kampfes auf gesamtgesellschaftlicher Ebene begriffen werden. In den 60er Jahren wurde die Tatsache immer deutlicher, daß die CDU-Herrschaft als politischer Ausdruck des Kapitalverhältnisses, die Priorität ihrer Politik eindeutig durch die Rekonstruktion und Konsolidierung der kapitalistischen Verhältnisse in der BRD und in Westberlin bestimmte bei gleichzeitiger Vernachlässigung des infrastrukturellen Sektors. Diese allein durch die Verwer- tungsinteressen des Kapitals diktierte Politik wurde auf der po- litischen Ebene durch die Systemauseinandersetzung von Kapitalis- mus und Sozialismus auf deutschem Boden begleitet, bei der es galt, die Leistungsfähigkeit und "Attraktivität" des kapitalisti- schen Systems durch hohe Produktivität und Zunahme der Pro-Kopf- Leistung für den Konsumenten in einem großen Warenangebot ausge- drückt, zu demonstrieren. Die Krise im Ausbildungssektor, d.h. zuerst an den Universitäten, resultierte einmal aus diesem schon bei Gründung der BRD angelegten Widerspruch, wobei verschärfend hinzutrat, daß mit dem Jahre 1961 der Zustrom qualifizierter Ar- beitskräfte aus der DDR radikal unterbrochen wurde und zum ande- ren aus der spezifischen Situation von Studenten als einem Teil der Intelligenz, die aufgrund ihrer intellektuellen Qualifikation und auf dem Hintergrund ihrer objektiven Situation in der Lage waren, die verschärften gesellschaftlichen Widersprüche und Klas- seninteressen aufzuzeigen und ihnen im Kampf um Demokratisierung der Universitäten, und auf politischer Ebene, in ihrem morali- schen Protest gegen imperialistische Aggression (Vietnamkrieg) Ausdruck zu verleihen. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen, die forciert wurden durch das massive Eingreifen des Staatsapparates, wurde der Kampf der Studenten zum radikal-demokratischen, der nun auch Teile der jun- gen Arbeiter und Schüler erfaßte. Der Kapitalismus wurde in der antiautoritären Bewegung zunehmend als Ursache der aufgedeckten Widersprüche - und damit als der Feind, den es in erster Linie zu bekämpfen galt - erkannt. Da andererseits der Klassenkampf und das Bewußtsein der Arbeiter in der BRD und in Westberlin wenig ausgebildet waren, begriff sich diese Bewegung immer mehr als vorwärtstreibender Faktor und revolutionäre Avantgarde im Klas- senkampf. Als sich herausstellte, wie wenig die antiautoritäre Bewegung im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderung hatte bewirken können, wurden die Schriften der Klassiker des Marxismus-Leninismus wie- derentdeckt. Über die Aufarbeitung der Marxschen Theorie kam man dazu, das Proletariat als Träger der Klassenkämpfe zu erkennen. Die Orientierung auf nicht integrierte Randgruppen wurde fallen- gelassen. Die wesentlichen Richtungen, die aus dieser Wendung zum Proleta- riat wuchsen, waren einerseits der Teil der Studenten, der sich in seiner Rolle als Avantgarde gefiel und in dem Glauben, sich bereits mit der Theorie bewaffnet zu haben, sich in die Praxis stürzte und die Gründung verschiedener Parteiaufbauorganisationen in Angriff nahm. Ein Teil der Studenten, der der Dogmatisierung und Fraktionierung innerhalb der Studentenschaft relativ hilflos und ablehnend gegenüberstand, fiel aus den politischen Kämpfen heraus, während ein weiterer bedeutender Teil sich dem intensive- ren Studium der politischen Ökonomie zuwandte. Mit der Aneignung des wissenschaftlichen Sozialismus als dem Aus- druck der realen Bewegung, der seine organisierte Gestalt in dem Teil des Proletariats findet, der bereits "die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proleta- rischen Bewegung" ("Manifest") hat, d.h., also in der kommunisti- schen Partei, konnte die Orientierung dieses Teils der Intelli- genz sich nicht ahistorisch an den PAOs festmachen, sondern mußte die real existierenden Arbeiterparteien, die sich sowohl durch eine selbständige Politik als auch durch die Verankerung im Pro- letariat auszeichnen, in den Mittelpunkt seiner theoretischen Ar- beit stellen. So wichtig die letztgenannte Richtung innerhalb des theoretischen Klärungsprozesses vor allem auch in bezug auf die Abstreifung der "Theorie" der initierenden Rolle der Studentenschaft sein mag, so kann sozialistische Arbeit an der Universität andererseits nicht bedeuten, daß die Majorität der Studenten sich zum theoretischen Verständnis der geschichtlichen Bewegung hinaufarbeitet und dann Klassenverrat betreibt. Vielmehr muß an den Widersprüchen en- geknüpft werden, die von der Mehrzahl der Studenten erfahren wer- den. Bei Aufnahme unmittelbarer studentischer Interessen kann je- doch nicht stehen geblieben werden, sondern dies kann nur die Ba- sis zur Entfaltung und Vorantreibung des demokratischen Kampfes an der Universität abgeben. Der demokratische Kampf an der Hoch- schule muß sich an folgenden Punkten festmachen: - Mitbestimmung der demokratischen und sozialistischen Hoch- schulangehörigen und der Organisationen der Arbeiterklasse über Inhalt und Organisation von Forschung und Lehre. - Durchsetzung der materiellen Interessen der Hochschulangehöri- gen - Brechung des Bildungsprivilegs - Kampf gegen Militarisierung der Wissenschaft - Kampf gegen reaktionäre Kräfte an der Hochschule (Bund Freiheit der Wissenschaft und seinen Westberliner Ableger die Notgemein- schaft) - Kampf gegen Eingriffe der Senatsbürokratie - Kampf gegen das Hochschulrahmengesetz - Ausbildung im wissenschaftlichen Sozialismus durch Marxisten - Umfassende Qualifizierung der Studenten für den Beruf, die die Reflexion über die spätere Stellung im Reproduktionsprozeß mit einbezieht - Vorbereitung auf die Möglichkeiten gewerkschaftlicher und poli- tischer Praxis am Arbeitsplatz - Unterstützung des allgemeinen demokratischen, antiimperialisti- schen Kampfes. In der Arbeit an der Universität kann es also nicht darum gehen, daß man die eh Sozialisten zusammenschließt, die dann die Aufar- beitung des wissenschaftlichen Sozialismus im Dienste des Prole- tariats betreiben, sondern man muß den überwiegenden Teil der Studenten, der sich später als Lohnarbeiter zu reproduzieren hat, anhand der objektiven Interessen mobilisieren und aufzeigen, daß der Kampf der Studenten (in ihrer Übergangssituation, der Ausbid- lung für den Produktions- und Reproduktionsprozeß) im Bündnis mit der Arbeiterklasse zu führen und voranzutreiben ist. 3. Zur zukünftigen Organisation am Institut für Soziologie ---------------------------------------------------------- Die Zerschlagung des ASTA durch das Universitätsgesetz stellte die linken Studenten vor die Aufgabe, neue gesamtuniversitäre Or- ganisationsformen zu entwickeln, die geeignet waren, der mit die- sem Gesetz intendierten Zersplitterung und Atomisierung der Stu- dentenbewegung auf einzelne Fachbereiche und Institute wirkungs- voll entgegenzutreten. Dieser Funktion konnten die an den meisten Instituten gegründeten Roten Zellen in dem Maße immer weniger ge- recht werden, in dem die verschiedenen "Parteiaufbauorgani- sationen" diese studentischen Organisationen gleichsam nur als Rekrutierungsfeld für eigene "Kader" ansahen und die verschiedenen Roten Zellen in ihrem Sinne zu fraktionieren versuchten. Ihr eigenes Parteisüppchen kochend, isolierten sie sich mehr und mehr von der Masse der antikapitalistisch ori- entierten Studenten und wurden Zusehens unfähiger, diese für ein breites Aktionsbündnis gegen reaktionäre Übergriffe und für den Kampf der Studenten um Mitbestimmung in allen Fragen der For- schung und Lehre zu mobilisieren. Im Zuge dieser Entwicklung ge- wannen die an einzelnen Instituten gegründeten Studentengewerk- schaften und späteren Aktionsgemeinschaften demokratischer und sozialistischer Hochschulangehöriger (ADSH), die zuerst relativ schwach waren, zunehmend an Bedeutung, da-sie richtig an den an- timonopolistischen Interessen der breiten Masse der Studenten an- setzten, und gleichzeitig diesen Kampf weitertrieben, indem sie ihn in den demokratischen Kampf auf gesamtgesellschaftlicher Ebene einordneten. Deswegen ist es notwendig, neben dem Kampf um eine umfassende Be- rufsausbildung, die die Reflexion über die spätere Stellung im Produktions- und Reproduktionsprozeß einschließt und insofern die Basis für eine gewerkschaftliche und politische Praxis am späte- ren Arbeitsplatz darstellt, und neben der Erkämpfung von Mitbe- stimmung in allen Fragen der Arbeitsinhalte und -formen, den Kampf der Arbeiterklasse zu unterstützen, indem man sich mit ih- ren allgemeinen Forderungen solidarisiert, sie aktiv mitträgt und die Zusammenarbeit mit den gewerkschaftlichen und politischen Or- ganisationen der Arbeiterklasse anstrebt. Die Unterstützung des Kampfes der Westberliner und westdeutschen Arbeiterbewegung um Demokratie und Sozialismus durch die antika- pitalistischen Studenten impliziert jedoch auch das Eintreten für Forderungen, deren Verwirklichung objektiv im Interesse der West- berliner und westdeutschen Arbeiterklasse liegt: Anerkennung der in Europa existierenden Grenzen, völkerrechtliche Anerkennung der DDR, Solidarität mit den unterentwickelt und in Abhängigkeit ge- haltenen Ländern, die um ihre nationale Befreiung kämpfen. Die Organisationsdebatte am Institut für Soziologie kann unserer Meinung nach am besten ihre organisatorische Wendung in der Gründung einer Aktionsgemeinschaft demokratischer und sozialisti- scher Hochschulangehöriger (ADSSOZ) erfahren, einer Massenorgani- sation, die die unmittelbaren und politischen Interessen der Hochschulangehörigen vertritt: Oberster Grundsatz muß stets die Einheit der Aktion im Kampf am Institut, auf gesamt-universitärer und außeruniversitärer Ebene sein, wobei jedoch überstimmten Minderheiten oder Fraktionen die Teilnahme an bestimmten Aktionen nicht aufgezwungen werden kann, sofern sie die Durchführung nicht verhindern oder stören. Ulrich Garling, Dietrich von der Lühe, Wilgart Schuchardt, Elfi Witten zurück