Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971
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Hans-Dieter Heilmann, Bernd Rabehl
DIE LEGENDE VON DER 'BOLSCHEWISIERUNG' DER KPD II
2. Das Problem vom 3. KI-Kongreß bis zur Oktoberniederlage
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Wenn davon ausgegangen wird, daß unter monopolkapitalistischen
Bedingungen der Kampf des Proletariats ausgeht vom und entschei-
dend stattfindet im wichtigsten gesellschaftlichen Bereich, den
Betrieben, sich die Organisation des Proletariats also auszurich-
ten hat nach dieser wichtigsten Basis ihres Kampfes, und jedes
Prinzip des Aufbaus der Organisation dem zu entsprechen hat, wird
auch die Zugrundelegung des demokratischen Zentralismus als Prin-
zip für die Durchführung der gesamten Aktivität der Partei beim
Fehlen der Basis der Organisation in den Betrieben von vornherein
abstraktes Postulat bleiben.
Das alte sozialdemokratische Übel der bürokratisierten Partei,
der formalen Demokratie und des realen bürokratischen Zentralis-
mus, der Trennung in Funktionäre und Fußvolk, kann in der konkre-
ten Durchführung des Prinzips des demokratischen Zentralismus
seine Aufhebung finden.
Die unter monopolkapitalistischen Bedingungen notwendige Einheit
des Proletariats bedingt gleichermaßen die Einheit der proletari-
schen Partei, die möglichst große Einheit in ihrer gesamten Akti-
vität. Diese relativ a b s t r a k t e Begründung reicht aber
für die Notwendigkeit der zentralen Durchführung der Aktivität
der Partei nicht aus. Der Zentralismus erhält seine konkrete Be-
gründung als notwendige Funktion der Einheit allein dadurch, daß
das, was zentral durchgeführt werden soll, Produkt der Aktivität
der Parteimitglieder ist; nur wenn die Beschlüsse der Partei Er-
gebnisse der Diskussionen der Mitglieder sind, wird ihre zentrale
Durchführung möglich, denn dann werden die Beschlüsse aus Über-
zeugung durchgeführt und nicht aus purer Disziplin, erhält die
disziplinierte Durchführung der Beschlüsse auch seitens derer,
die gegen sie gestimmt haben, seine Berechtigung. Die inhaltliche
Diskussion ist aber nur möglich, wenn jedes Mitglied praktisch
arbeitet, in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen; in der Par-
tei des Proletariats ergibt sich notwendig das Schwergewicht der
Arbeit in den Betrieben, ergibt sich notwendig die Zusammenfas-
sung der Kommunisten in den Betriebszellen als Grundorganisation
der Partei, als Zentren der Aktivität der Partei und als Aus-
gangspunkt der Beschlüsse und ermöglicht so die Aufhebung der
Trennung in Funktionäre und Fußvolk. Die Parteidemokratie ver-
liert ihren abstrakten, demokratischen Charakter. Nur unter Be-
achtung dieser konkreten Begründung des Zentralismus kann die
Parteidemokratie funktionieren.
Umgekehrt bedingt das Funktionieren des Zentralismus nicht nur,
daß sämtliche Aktivitäten direkt oder indirekt von allen Mitglie-
dern gleichberechtigt und mit gleichen Pflichten wahrgenommen
werden, sondern daß alle Funktionäre und Leitungen von den Mit-
gliedern gewählt werden, ihnen rechenschaftspflichtig sind und
jederzeit absetzbar.
Die Aufhebung des Gegensatzes von Demokratie, revolutionärer Dis-
ziplin, Spontaneität und zentralem Organisationsaufbau im Leben
der Partei dekretieren zu wollen - erstmals unternommen vom 3.
KI-Kongreß 243) - war aus jenem Grunde der fehlenden Basis unter
der Arbeiterschaft, in den Betrieben, eine Illusion.
Die politischen Konsequenzen der fehlenden Verankerung in den Be-
trieben, des undurchführbaren Prinzips des demokratischen Zentra-
lismus, fanden ihren Ausdruck im Scheitern der vom 3. KI-Kongreß
richtig aus den ökonomischen und politischen Bedingungen abgelei-
teten Einheitsfronttaktik. Diese nimmt ihre konkrete politische
Form an in den proletarischen Kampf- und Abwehrorganisationen,
den proletarischen Hundertschaften, dem RFB, der Roten Hilfe, der
IAH u.a., die allein als Einheitsfrontorgane Kampfinstrumente des
gesamten Proletariats sein können. In der praktischen Arbeit u.a.
in diesen Organen hat sich die Avantgarderolle der kommunisti-
schen Partei zu beweisen, haben die Kommunisten sich das Ver-
trauen der Arbeiter zu erwerben und die führende, anleitende
Rolle der Kommunisten im Kampf gegen die Bourgeoisie zu beweisen.
1921 mußte die Dekretierung des demokratischen Zentralismus für
die KPD ein umso hilfloserer Versuch bleiben, als sich durch
Spaltung, die verlustreichen Kämpfe, durch die Demoralisierung
der Arbeiterklasse 244) die - später so genannten - Ultralinken
mit ihrer 'Auffassung' von der Rolle der Partei, mit ihren
'Analysen', ihrer sektiererischen Politik in der KPD vor allem in
der Führung immer stärker durchsetzen konnten und bis 1925 die
KPD als Partei des Proletariats zugrunde richteten.
Das Schwergewicht der Betriebszellen, inhaltlich erstmals in den
Leitsätzen des 3. KI-Kongresses versucht, 245) wurde danach vom
EKKI so angegeben:
"Betriebszellen sind in erster Hand in solchen Betrieben zu grün-
den, deren Arbeiter in der revolutionären Bewegung wichtige Be-
deutung haben. Hierbei ist selbstverständlich die Anzahl der Ar-
beiter im Betriebe ein wichtiger Umstand, keineswegs aber der al-
lein bestimmende Grund. Z.B. solche Betriebe am Orte, wie Muniti-
onswerkstätten, Reparaturwerke der Eisenbahnen, Kraftstationen
der allgemeinen Beleuchtungswerke, Typographien und dgl. sind je-
denfalls bei der Bildung der Zellen in erster Linie zu berück-
sichtigen." 246)
Die Diskussion des Organisationsproblems wurde im EKKI und in der
KPD zu diesem Zeitpunkt 247) hauptsächlich auf dem Hintergrund
der erwarteten bevorstehenden 'Endkämpfe' geführt. Nachdem die
Bildung von Betriebszellen in der Parteidiskussion kaum eine
Rolle gespielt hatte, soweit sich das aus den hierfür geeigneten
Organen ablesen läßt 248), versuchte man ohne genügende Diskus-
sion 249) ab August 1923 unter dem Druck der Ereignisse die Sache
übers Kreuz zu brechen:
"Schon sind unter dem Druck der politischen Notwendigkeit an
zahlreichen Orten die Betriebszellen aufgebaut, die Zentralgrup-
pen zu politischen Arbeitsgruppen geworden und aus dem Betriebs-
zellenaufbau für die Organisation der Orte und Bezirke die
Schlüsse gezogen worden. Daß das überall und schnell geschieht,
dazu sollen die Richtlinien helfen." 250)
Nachdem schon Anfang 1923 erkannt worden war, daß "die Partei ...
wohl imstande (ist), mit dem vorhandenen Organisationsapparat
eine Wahlbewegung mehr oder weniger gut durchzuführen, die Kraft
der Partei ... jedoch nicht (ausreicht), Aktionen wirklich zu
leiten und vorwärts zu treiben" 251), zeigten die spontanen
Kämpfe auf dem Höhepunkt der Inflation, daß die KPD mit den Kämp-
fenden kaum verbunden war, geschweige ihrem Anspruch als Avant-
garde gerecht werden konnte:
"Besonders krass tritt die Passivität vieler Organisationen in
Erscheinung, wenn in irgendeinem Gebiet des Reiches eine Massen-
bewegung der Arbeiter sich entwickelt. Statt sofort darauf zu
reagieren und die Kämpfenden zu unterstützen, verhalten sich die
Organisationen, als ob ihnen (sie) dies alles nichts angeht."
252)
Der 9. Parteitag stellte hinsichtlich der Auguststreiks fest, es
habe sich gezeigt, "daß die Partei nicht genügend mit den Betrie-
ben verbunden ist und deshalb nicht imstande war, breite Massen
schnell zu mobilisieren. Die Parteileitungen fühlten sich nicht
als Kampfleitungen, sondern ließen sich trotz ihrer leitenden
Funktionen zu weniger wichtigen Versammlungstouren verleiten, so-
daß in verschiedenen Bezirken eine tatsächliche Kampfleitung
zeitweise nicht existierte." 253) Genauso verhielt es sich mit
der Verbindung der einzelnen Leitungsorgane untereinander; der
Zentralismus funktionierte nicht. 254)
Von daher ist der Putschismus-Vorwurf gegen die Taktik der KPD im
Oktober jedenfalls gerechtfertigt. 255)
Um die praktischen Organisationsprobleme zusammenzufassen sei
Thälmann zitiert, der bezüglich des Hamburger Aufstandes
schreibt, daß "die Hamburger Kämpfer ... die volle Sympathie der
Arbeiter in den Betrieben (besaßen), aber... organisatorisch
keine Verbindung mit ihnen (hatten). Es zeigte sich die ganze Un-
brauchbarkeit, die verhängnisvolle Rückständigkeit unserer alten
sozialdemokratischen Wohnorganisation. Die Wahlmaschine taugt
nicht für die Barrikaden! Die schwerste Lücke in der Hamburger
Kampffront war das Fehlen kommunistischer Betriebszellen." 256)
Das Problem theoretisch und perspektivisch richtig erkannt - also
nicht funktional bezüglich bevorstehender Endkämpfe - wurde be-
reits vor dem Oktober von jenen Genossen, für die es ein Element
ihrer Praxis war; die Forderung nach Umstellung auf Betriebszel-
len ging aus und wurde unterstützt von den Arbeitern in der Par-
tei. 257)
Maßgeblich beeinflußt wurde die Diskussion durch Ulbricht, der zu
dieser Zeit Mitglied des Orgbüros war und sich des Parteispitzna-
mens "Genosse Zelle" erfreute. In einer Reihe von Aufsätzen for-
mulierte Ulbricht alle die Probleme, denen sich die Partei 1923
angesichts der ökonomischen und politischen Entwicklung aufgrund
ihres organisatorischen Zustandes konfrontiert sah 258): Die not-
wendige Verankerung der Partei in den Betrieben, "wo Massen von
Arbeitern täglich gemeinsam fronden müssen und im Kampf um das
nackte Leben zusammengeschweißt werden"; wo "die Peitsche der
großindustriellen Diktatur auf die Arbeiter unmittelbar nieder-
saust"; die sich daraus ergebende Aufgabe der Partei, durch die
Arbeit ihrer Zellen "den Abwehrwillen und die Empörung der Arbei-
ter umzumünzen in revolutionäre Kraft"; "das Selbstbewußtsein
(der Arbeiter) zu stärken und Kampfpositionen zu erobern";
erst wenn die Partei auf aktiven Betriebszellen aufgebaut sei,
sei sie imstande, "die Sabotage der reformistischen Gewerk-
schaftsführer zu brechen, die Teilkämpfe vorwärts zu treiben, zu
verbreitern, zusammenzufassen, mit konzentrierter Kraft zu stei-
gern und über den ursprünglichen wirtschaftlichen Rahmen hinaus-
zutreiben". "Die allgemeinen Kampfaufgaben der Kommunistischen
Partei in jedem Betrieb, Ort und Bezirk in Verbindung zu bringen
mit den dort vorhandenen speziellen Nöten der Arbeiter" sei erst
möglich, wenn der Zentralismus funktioniere durch direkte Zusam-
menarbeit der Leitungen mit den Betriebszellen.
Die Einheitsfronttaktik bleibe solange undurchführbar, solange in
den Ortsgruppen die Passivität grassiere. Ulbricht erkennt rich-
tig, daß ohne Massenbasis in den Betrieben die Einheitsfront il-
lusorisch bleiben muß.
Nicht nur den aktuellen Kampfaufgaben stehe die Organisation nach
Wohnbezirken entgegen, sondern auch dem Ziel, der proletarischen
Revolution: "Eine Partei, die auf territorialer Grundlage ba-
siert, kann unmöglich die Sowjetdiktatur mit Hilfe breiter Massen
der Arbeiter erkämpfen, weil die Räte in den Betrieben ihr festes
Fundament haben." 259)
Ulbricht ist sich auch klar über das zentrale Problem des Ver-
hältnisses von Massenbewegung und Organisation, das von der KPD
in ihrer Geschichte nie gelöst wurde: das Problem der organisato-
rischen Zusammenfassung der sich mit und in den Kampagnen und De-
monstrationen der Partei solidarisierenden, ihre Kampfbereit-
schaft manifestierenden Arbeiter, einerseits in den Kampforganen
des Proletariats, den Räten und den verschiedenen Einheitsfront-
organen, den Massenorganisationen, andererseits in der Partei
selbst, vor allem beim Abflauen der spontanen Kämpfe, bedingt
durch die Maßnahmen der Konterrevolution, wobei beidesmal den Be-
triebszellen entscheidende Bedeutung zukommt. 260)
Die Gefahren des Anwachsens des kleinbürgerlichen Elements in der
Partei aufgrund der Radikalisierung der expropriierten Kleinbür-
ger im Gefolge der Inflation erforderten die Konzentration der
Partei auf die Industriearbeiterschaft, "indem die Betriebszellen
das Fundament der Partei im weitesten politischen und organisato-
rischen Sinne des Wortes bilden", um den Arbeitern den entschei-
denden Einfluß in der Partei zu sichern. 261)
Ulbricht wendet sich damit gegen die in den Parteiorganisationen
weitverbreitete sozialdemokratische Praxis, die Ortsleitung in
der allgemeinen Mitgliederversammlung wählen zu lassen "statt da-
hin zu wirken, daß die von den Betriebszellen der Großbetriebe
vorgeschlagenen Genossen sowie die Ressortleiter die Ortsleitung
bilden". Das Wahlergebnis sei zumeist ein Zufallsresultat mit der
Folge, daß "die ungenügende Verbindung der auf sozialdemokrati-
sche Art und Weise gewählten Parteileitung mit den ausführenden
Organen der Parteibeschlüsse" oft Differenzen zeitige, "weil die
Beschlüsse oft undurchführbar sind." 262)
Es ist notwendig, auf die Kritik der vorherrschenden Zustände in
den Parteiorganisationen näher einzugehen, um den formalen, ab-
strakten Charakter der Parteidemokratie praktisch zu beweisen,
entsprechend dem obigen Abschnitt:
"In der alten SPD wurde 'demokratisch' gewählt. Aber die Wahl war
hinter den Kulissen so gut vorbereitet und die alten Herren wur-
den aus Tradition so selbstverständlich 'mit großer Mehrheit'
wiedergewählt, daß mit der so korrigierten Demokratie auszukommen
war..."
Ebenso in der KPD:
"Jemand macht Vorschläge, und der Vorsitzende fragt: Werden wei-
tere Vorschläge gemacht? Dann hagelt es Namen und dann wird
'gewählt' ... In einer kleinen Ortsgruppe, wo einer den anderen
kennt, mag man das nicht so ernst nehmen. In der größeren Orts-
gruppe kennen sich die Genossen aber oft kaum und wissen wenig
oder nichts von der Parteiarbeit der Vorgeschlagenen. So ist es
möglich, daß Zufallswahlen zustande kommen, durch die in die
Ortsleitung Genossen gewählt werden, die durch irgend einen Um-
stand bekannt geworden sind, die aber nicht genug Selbstkritik
haben, um ihre Unzulänglichkeit für das betreffende Parteiamt zu
erkennen." 263)
Ulbricht beschloß seinen "Internationale"-Artikel mit dem Hin-
weis, "wir sind uns klar über die Widerstände, die in einzelnen
Organisationen (gegen die Forderungen des Orgbüros (d. Verf.))
entstehen". Und richtig: Im Zentralausschuß im August 1923 werden
die Forderungen des Orgbüros entscheidend verwässert; anstelle
der Betriebszellen als Grundorganisation - was "im weitesten po-
litischen und organisatorischen Sinne" nur bedeuten konnte 264) -
bleiben die Ortsgruppen Grundlage der Organisation, "deren haupt-
sächlichste Arbeitskörper die Betriebszellen und die Zehnergrup-
pen sind" 265); die Parteirechte mußten also nach wie vor in der
Wohnbezirksorganisation wahrgenommen werden. 266)
Der 9. Parteitag maß den ZA-Richtlinien folglich Kompromißcharak-
ter bei, "die weitergehende Formulierung des Orgbüros wurde von
den leitenden Körperschaften abgelehnt." 267) Ein Fortschritt war
aber, daß künftig die Bezirks- und Ortsleitungen "mindestens zur
Hälfte aus Mitgliedern der wichtigsten Großbetriebszellenleitun-
gen bestehen" sollten. 268)
3. Das Problem unter der Fischer-Maslow-Führung
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Die Oktoberniederlage und ihre Folgen beendeten die organisatori-
schen Anstrengungen der KPD abrupt 269). Nicht nur hatte die KPD
die Situation falsch eingeschätzt, nicht nur war sie organisato-
risch gar nicht in der Lage, bewaffnete Kämpfe anzuleiten 270),
die KPD brach auch unter den Schlägen der Konterrevolution, der
beginnenden Massenarbeitslosigkeit und der 'Säuberung' der Be-
triebe von Kommunisten, während der Illegalität notwendig organi-
satorisch zusammen aufgrund ihrer mangelnden Verankerung in den
Betrieben.
"Das Verbot der Partei machte die Organisationen vorübergehend
aktionsunfähig, weil die Illusion der Legalität und die grund-
sätzlichen organisatorischen Mängel der Partei es unmöglich mach-
ten, die Arbeit illegal so fortzusetzen, wie es notwendig gewesen
wäre." 271)
Hinter der Feststellung "die Jahre 1924 und 1925 sind die bitte-
ren Kerker- und Zuchthausjahre der deutschen kommunistischen Par-
tei" 272) stand der Terror der Militärdiktatur Seeckts, die Ver-
folgungen durch die bürgerliche Klassenjustiz: in 16 Monaten wur-
den 7000 Kommunisten angeklagt, 3 zum Tode verurteilt, 5774 ver-
urteilt zu 11.625 Jahren und 4 Monaten Gefängnis, Zuchthaus und
Festung; in 19.349 politischen Prozessen und Untersuchungsverfah-
ren leistete die Juristische Zentrale der KPD Rechtshilfe. 273)
"Ein Monat deutsche Republik (brachte) die gleiche Zahl Jahre po-
litischer Haft für Proletarier ... wie zehn Jahre Sozialistenge-
setz und das Mehrfache der politischen Strafen in der ganzen üb-
rigen Zeit des Bestehens des Wilhelminischen Reiches bis Kriegs-
beginn." 274)
Ende 1924 befanden sich "7000 der besten revolutionären Kämpfer
hinter Zuchthaus- und Gefängnismauern." 275)
Die Befürchtung, in der Illegalität von den Massen isoliert zu
werden, bewahrheitete sich insofern, als sich die KPD unter dem
Einfluß der Fischer-Maslow von den Massen isolierte. Das Nichter-
kennen der Bedeutung des Inflationsendes und der Währungsreform;
des Konjunkturanstiegs in der Wirtschaft; des Verhältnisses von
relativer Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft und Arbeitslo-
sigkeit aufgrund der Rationalisierungen; des auf der relativen
Verbesserung der Lage der Arbeiter basierenden steigenden Ein-
flusses der reformistischen Organisationen in der Arbeiterklasse
korrespondiert mit der Sozialfaschismustheorie; der sektiereri-
schen Einheitsfront "von unten"; der "Revolutionierung" der Ge-
werkschaften; der Gleichsetzung von Arbeiter- und Bauernregierung
und Diktatur des Proletariats; der Erwartung neuer, "ent-
scheidender Kämpfe" binnem kurzem: der KP als "einziger Ar-
beiterpartei". Die KPD verlor nicht nur die Hälfte ihrer Mitglie-
der, verlor nicht nur ein Drittel ihrer Wähler vor allem in den
Industriebezirken 276), sie verlor faktisch die Verbindung mit
der Arbeiterklasse. Besaß die KPD 1923 noch 2700 Fraktionen in
den Gewerkschaften, waren es Anfang 1925 noch 200 277); die Ge-
werkschaftsabteilung der KPD war zu Beginn des Jahres 1925 "fast
völlig liquidiert" 278); die Abonnentenzahl der KP-Zeitung ging
um 40% zurück. 279)
Die Meinung der Zentrale: "Unsere politische Linie ist richtig;
ihr dürfte kein Rückgang des Einflusses entsprechen, darüber
herrscht Einigkeit in der Partei." 280)
Sehr viel aussagekräftiger hingegen über den Zusammenhang von
'richtiger politischer Linie' und 'Einfluß' dürfte folgendes ty-
pisches Zitat aus einem Antrag der Fischer-Maslow zum IX. Partei-
tag:
"Die KPD ist die Partei des Proletariats. Sie ist stark genug,
das Proletariat in den Machtkampf zu führen, sobald es die Situa-
tion gestattet. Wenn sie die Einheitsfront von unten organisiert,
tut sie das, um die großen Massen des Proletariats in Kämpfe zu
führen, und nicht, weil sie 'allein' zu schwach ist, sondern weil
sie 'allein' stark genug ist, die Massen in Kämpfe zu führen. Die
KPD wird gerade durch dieses Bewußtsein sich von jedem Putschis-
mus freihalten." 281)
Die Situation der Partei an der Basis war eine völlig andere.
Über die Aktivität der Mitglieder wurde 1923 bemerkt, sie seien
"radikal in den Parteiversammlungen, passiv und stumm im Betrieb.
Haben wir doch festgestellt, daß in Großbetrieben mit 4000 Arbei-
tern, wo 200 Kommunisten beschäftigt sind, die Fraktion aus 15
Genossen besteht. Ein Beweis, daß unsere Genossen die Selbstver-
ständlichkeit der Mitarbeit in den Betriebszellen durchaus noch
nicht begriffen haben." 282)
Ebenso repräsentativ für 1924 dürfte folgender Passus aus dem
Rundschreiben einer Bezirksleitung sein:
"Die Arbeiterschaft sieht in uns nicht mehr die Partei, die sie
zum Siege führen kann. Die Arbeiterschaft glaubt nicht mehr an
die Kommunistische Partei als die Partei, die mit Aussicht auf
Erfolg den Kampf gegen die Reaktion und den Kapitalismus aufneh-
men kann. Deshalb fühlen sich die breiten Arbeitermassen allein-
gelassen und ohne Führung. An diesem entsetzlichen Zustand sind
in erster Linie schuld die breiten Schichten unserer Funktionäre
in den Ortsgruppen und vor allem in den Betrieben. Trotz der Ok-
toberniederlage, trotz der schweren Verfolgungen durch die Ille-
galität der Partei ist äußerlich die Partei intakt geblieben.
Aber innerlich, ist die Partei schwach. Die Oktoberereignisse und
die unbedingt notwendige Umstellung der Partei haben die Partei
auf das schwerste erschüttert." 283)
Der Zusammenhang zwischen einer Politik, die aufgrund der konkre-
ten Analyse der konkreten Situation die Bedürfnisse und Tagesfor-
derungen der Arbeiterklasse aufzunehmen und zu formulieren ver-
steht und dafür kämpft, der Verankerung in der Arbeiterklasse und
ihre organisatorische Lösung durch die Betriebsparteiorganisation
wurde nach dem Oktober ansatzweise von der damaligen Zentrale-
Mehrheit versucht herzustellen. 284) Von den Thesen der kommenden
'Linken' hingegen kann davon überhaupt nicht die Rede sein; nicht
einmal das Wort 'Betriebszelle' taucht auf; stattdessen die nun
schon hinlänglich ausgebreiteten 'Vorstellungen' der Fischer-Mas-
low davon, wie die Partei den Massen ihr "Rettungsprogramm"
"einhämmert", dergestalt die Revolution organisiert entfesselt,
namentlich "durch schleunigsten gründlichen Ausbau der Betriebs-
räte (!) zu Sowjets, d.h. Organe des Aufstands..." und einer re-
lativ detaillierten Aufstellung darüber, wer "zu beseitigen", was
"zu nehmen, zu halten, zu sprengen usw..." ist. 285)
Umso eigenartiger erscheint dann das Ergebnis der Januar-Tagung
des EKKI 1924, das als eine der Lehren aus den deutschen Ereig-
nissen die Resolution über die Betriebszellenorganisation als
Grundlage der Partei faßte 286) - unter voller Zustimmung der Fi-
scher-Maslow - aber ohne zu erkennen, daß die zugrundegelegte po-
litisch-ökonomische Einschätzung der Fischer-Maslow-Sinowjew und
die daraus abgeleitete Taktik dem Inhalt dieser Resolution diame-
tral entgegengesetzt war.
Es war oben notwendig, die 'linken' Phrasen der Fischer-Maslow
wiederholt breitzutreten, da nur so ihr Widerstand in der Praxis
gegen die organisatorische Umstellung als einem der Gründe für
das Scheitern der Verankerung der KPD in den Betrieben erklärbar
wird; die Umstellung der Parteiorganisation war in erster Linie
überhaupt kein organisatorisches Problem, wovon die Webersche
Darstellung ausgeht, d.h. ein taktisches Mittel einer Gruppe von
Funktionären, die zufällig für die Betriebszellen kämpfen und die
Umstellung als Keule gegen andere Funktionäre schwingen, die da-
gegen sind, weil sie ihre Basis zufällig in der Wohnorganisation
haben. 287) Die organisatorische Umstellung war ein politisches
Problem; ihren politischen Inhalt beweist gerade der Zusammenhang
zwischen (in diesem Fall) verkommener Theorie, sektiererischer
Praxis und entsprechender Organisation.
Die verbale Zustimmung, aber praktische Sabotierung des Beschlus-
ses durch die Fischer-Maslow stellte sich so dar:
"Solange die Betriebszellenfrage nur diskutiert wurde und sich in
der Praxis nur als Verstärkung der Betriebsarbeit auswirkte, be-
standen in der Partei fast keine Meinungsverschiedenheiten. Erst
als wir die konsequente Umstellung auf Betriebszellen verlang-
ten... zeigte sich die prinzipielle Gegnerschaft eines Teils der
Genossen." 288)
Diese Politik der "doppelten Buchführung", der verbalen Zustim-
mung und der praktischen Sabotage, die schließlich mit zum regel-
rechten Sturz der Fischer-Maslow-Zentrale führte 289), konnte
sich hinsichtlich der Organisationsfrage voll durchsetzen, nach-
dem die Fischer-Maslow auf dem IX. Parteitag die Führung der KPD
übernahm.
An der Betonung der Notwendigkeit der Umstellung auf Betriebszel-
len fehlte es auf diesem Parteitag nicht 290), und es wurde auch
ein entsprechender Beschluß gefaßt. 291) Bezeichnend ist aber,
daß "über die Organisationsresolution ... ausführlich zu spre-
chen" "die Redaktionskommission keine Möglichkeit" hatte. 292)
Dahinter stand, wie Klaws aufgrund internen Materials nachweisen
konnte, daß "die Ultralinken den Parteitag das von der Organisa-
tionskommission ausgearbeitete neue Parteistatut nicht diskutie-
ren und keinen eindeutigen Beschluß zur Reorganisation fassen
(ließen). Dem Antrag einer Gruppe von Delegierten, die Organisa-
tionsfrage als besonderen Tagesordnungspunkt zu behandeln, wurde
nicht stattgegeben." 293)
Stattdessen wurde der Januar-Beschluß des EKKI (verbal) angenom-
men, die praktische Durchführung aber dem (von Scholem geleite-
ten) Orgbüro überwiesen 294), mit der Folge, "daß die in Deutsch-
land geschaffenen Betriebszellen zum größten Teil nicht lebensfä-
hig (waren), da sie keine Parteirechte (besaßen)". 295)
Die deutsche Partei wie die anderen kommunistischen Parteien Eu-
ropas begingen den großen Fehler, nicht nur neben den Betriebs-
zellen die Wohnorganisation praktisch aufrechtzuerhalten, sondern
ihnen "faktisch die führende Rolle in der Partei" zu belassen
296), d.h. die Betriebszellen behielten den Charakter von Be-
triebsfraktionen. 297)
Obwohl der 5. Kongreß für alle kommunistischen Parteien beschloß,
"allein die Betriebszelle ist die Grundlage der Parteiorganisa-
tion", die Straßen- bzw. Wohnzellen "die Betriebszellen nicht be-
einträchtigen" dürften und "diesen an Bedeutung und Rolle keines-
wegs gleichgestellt" seien 298), die Parteistruktur also bezüg-
lich Ortsgruppe, Kassierung und Leitung nicht nur oberflächlich
sondern grundlegend umgewandelt werden müsse hinsichtlich aller
Parteirechte, die die Betriebszellen als Grundorganisation haben
sollten; obwohl der 5. Kongreß dies im neu beschlossenen Statut
der Kl bekräftigte 299), versuchte die deutsche Parteiführung die
praktische Durchführung weiter hinauszuzögern mit der Begründung,
"die Betriebszellen (müßten) zunächst durch Stellung politischer
Propaganda- und Agitationsaufgaben in ihrem inneren Leben ge-
stärkt werden..., um sich für die volle Umstellung der Organisa-
tion reif zu erweisen." 300)
Klarer konnte die organisatorische Konsequenz der Fischer-Maslow-
schen 'Vorstellung', die Massen Richtung Revolution in Bewegung
zu setzen vermittels des Einhämmerns des KP-Rettungsprogramms
nicht zu Tage treten; die praktische Auswirkung:
"Die meisten Parteiorganisationen glauben ihre Aufgaben zu erfül-
len, wenn sie allgemeine Agitation treiben. Sie kümmern sich in
der Regel wenig um die organisatorische Auswertung, um die orga-
nisatorische Sicherung der agitatorischen Erfolge." 301)
Die sich immer stärker bemerkbar machenden Folgen der Politik der
KP-Führung, die verlogene Offene-Brief-Politik, der Verlust der
Verbindung mit den Arbeitern, die Erfolglosigkeit der Umstellung
auf Betriebszellen, die Folgenlosigkeit der - bezüglich der Be-
triebszellenfrage im Stil des IX. Parteitages abgefaßten - Be-
schlüsse der Januar-Tagung des ZA 302), veranlaßten mehrere in
Opposition zur Führung Stehende zu Appellen ans EKKI, das ein-
greifen müsse, um eine Änderung der Lage in der Partei zu bewir-
ken.
"Die objektive Lage der Partei ist sehr schlecht. Die subjektive
Lage noch schlechter... Es droht ein Zerfall der Partei, wenn die
Komintern und Profintern es nicht verstehen werden, die Krise an
der Wurzel zu packen. Die Partei kann von einem Zerfall nur durch
einen vollständigen Neuaufbau gerettet werden." 303)
Das zentrale Thema des Erweiterten EKKI-Plenums im März/April
1925 war die Bolschewisierung der kommunistischen Parteien. Be-
rechtigt kann von einer 'Bolschewisierung' der KPD - d.h. einer
Partei nach all dem Vorbildlichen, das die KPR 'unter' Lenin aus-
zeichnete - dann gesprochen werden, wenn darunter zunächst ver-
standen wird der Versuch der Bestimmung der revolutionären Poli-
tik in der Epoche des Imperialismus, d.h. konkret bezüglich der
KPD die Zugrundelegung der Marxschen Theorie und Wiederanwendung
der marxistischen Methode auf die Analyse der gesellschaftlichen
Erscheinungen und Verhältnisse in ihrer gegenseitigen Abhängig-
keit und ihren Zusammenhängen, bestimmt durch den Akkumulations-
prozeß des Kapitals im Weltmaßstab in der Epoche des Imperialis-
mus 304), und von daher der Bestimmung der konkreten Taktik der
revolutionären Partei:
"Auf jeder Entwicklungsstufe, in jedem Moment muß die Taktik des
Proletariats diese objektiv unvermeidliche Dialektik der men-
schlichen Geschichte berücksichtigen, indem sie einerseits die
Epoche der politischen Stagnation oder der schneckenhaft lang-
samen, sogenannten 'friedlichen' Entwicklung ausnutzt, um das Be-
wußtsein, die Kraft und Kampffähigkeit der fortgeschrittenen
Klasse zu entwickeln, und indem sie andererseits diese ganze Ar-
beit auf das 'Endziel' der Bewegung der betreffenden Klasse aus-
richtet und darauf eingestellt, diese Klasse zur praktischen Lö-
sung der großen Aufgaben in den großen Tagen zu befähigen, 'worin
sich 20 Jahre zusammenfassen' 305)."
Aus der Analyse des Kräfteverhältnisses der Klassen, der ökonomi-
schen Entwicklung des Kapitalismus unter den Bedingungen des Im-
perialismus, der Rolle des Staates, aus dem Begreifen der Dialek-
tik von Reform und Revolution, dem Kampf um die Tagesforderungen
der Arbeiterklasse in Verbindung mit dem Ziel der Vorbereitung
der proletarischen Revolution unter diesen Bedingungen, hat sich
die Bestimmung der Taktik der revolutionären Partei abzuleiten
sowie ihre eigene Bestimmung in den Klassenkämpfen.
Lenin leitete in seiner Imperialismusanalyse die Ursachen des
spontanen revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse (und unter
russischen Bedingungen der Bauernschaft), ihre radikaldemokrati-
sche Zielrichtung gegenüber der bürgerlichen Ideologie, ihrer
Propaganda und Manipulation ab aus den objektiven und politischen
Entwicklungstendenzen des Kapitalismus in der Etappe des Imperia-
lismus; für die Taktik der revolutionären Partei als Teil und
Avantgarde der Klassenbewegung bedeutete das die Unterstützung
der revolutionären Massenkämpfe und der radikalen Demokratie in
den Massenorganisationen mit dem Ziel der Ersetzung der bürgerli-
chen Staatsorgane durch die Organe der revolutionären Klasse; für
die Bestimmung der Rolle der revolutionären Partei bedeutete das
nicht die Einschränkung der sich in den Massenorganisationen ma-
nifestierenden Spontaneität und Initiative der Massen mit dem
Ziel irgendeiner 'Organisierung der Revolution' nach Schreib-
tischvorstellungen. Die Kommunisten konnten nur dann diese Mas-
senorganisationen durch ihre Propaganda und Agitation beeinflus-
sen, wenn sie die Stimmung der Massen richtig begriffen, ihre
Vorstellungen richtig zusammenfaßten, um konkret die nächsten
Schritte angeben zu können, fand die Spontaneität ihre Schranken
in den Maßnahmen der Konterrevolution. Diese Bedingung der Rolle
der revolutionären Partei schloß einen organisatorischen Mecha-
nismus von selbsternannter Avantgarde und Massenorganisationen,
der die Partei notwendig zur Sekte verdammt, aus. Daraus erhellt
bereits, daß 'Bolschewisierung' bezüglich der Organisationsform
keinesfalls ein rein technisches oder administrativ lösbares
O r g a n i s a t i o n s problem sein kann. Die Organisations-
form der Partei des Proletariats hängt ab von und muß entsprechen
den Bedingungen ihrer Praxis, die wiederum zweifach abhängt von
den konkreten, jeweils spezifischen gesellschaftlichen Bedingun-
gen unter denen der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie
vor sich geht, und der revolutionären Strategie und Taktik, die
die revolutionäre Partei anzugeben versucht aufgrund einer mög-
lichst allseitigen Analyse dieser jeweiligen gesellschaftlichen
Bedingungen. In diesem Sinne von einer Bolschewisierung der KPD
zu sprechen ist nicht möglich. In Wahrheit begriff die KPD die
Bolschewisierung nahezu allein als organisatorisches Problem -
wovor z.B. Sinowjew ausdrücklich gewarnt hatte 306) -, d.h. sie
verstand unter Bolschewisierung vornehmlich die Verankerung in
den Betrieben auf dem Wege der puren Organisiererei, zu dem die
Organisationsarbeit werden mußte ohne Begreifen der Bolschewisie-
rung als hauptsächlich politisches Problem:
"Weil wir die Unzulänglichkeit unseres Parteiapparates für die
Organisierung der Revolution, für die Führung selbst der klein-
sten Arbeiterkämpfe eingesehen haben, deswegen stellen wir die
Partei auf die Grundlage der Betriebszellen um." 307)
Geschke im Orgreferat auf dem 10. Parteitag: "Reden ist nichts,
organisieren alles." 308)
Die Untersuchung der Einschätzung der Situation durch das EKKI-
Plenum Anfang 1925, vervollkommnet in Bucharins Stabilisierungs-
analyse, hatte gezeigt, daß die Marxsche Methode ersetzt wurde
durch Bucharinschen Soziologismus - mit allen Konsequenzen für
die Taktik der Kl und der KPD.
Von einer grundlegenden Kritik an den von Wunschvorstellungen ge-
prägten bisherigen Einschätzungen kann nicht gesprochen werden;
symptomatisch dafür mag Neumanns Antwort auf dem EKKI-Plenum auf
die rhetorische Frage sein, warum man die Stabilisierung nicht
'schon' 1924 konstatiert habe: "Auch Lenin irrte zuweilen Inder
Beurteilung der Dauer gewisser Phasen." (309)
Im Gegenteil wurde die Kontinuität betont; die Kl und die KPD
versperrten sich so die Möglichkeit, die Ursache ihrer Fehler zu
erkennen.
Die These der "Organisierung der Revolution" wurde ebenso beibe-
halten 310) wie die falsche Betonung des Schwergewichts der Ein-
heitsfronttaktik als Mittel zur Entlarvung der sozialdemokrati-
schen Führung 311) anstelle der Betonung der notwendigen Einheit
des Kampfes der Arbeiterklasse gegen das Kapital und seinen Staat
Dasselbe trifft zu auf die Frage des demokratischen Zentralismus
in der Partei, weil die Verankerung der proletarischen Organisa-
tion in den Betrieben als Grundbedingung seiner Funktionsfähig-
keit ungeheuer erschwert wurde einerseits durch die objektiven
Bedingungen 312), zum anderen durch den sich gegenseitig bedin-
genden Zusammenhang zwischen dieser fehlenden Betriebsbasis, sek-
tiererischer Politik, falschen Analysen - was sich notwendig auf
das ganze Leben der Partei auswirkte; in der Ersetzung der theo-
retischen Diskussion und ideologischen Auseinandersetzung durch
die "Leninphilologie, ähnlich der Goethephilologie in Deutschland
oder der Pandektenliteratur des Mittelalters", ... "an Stelle der
lebendigen Kritik tritt der Gedanke: autos epha, der Meister
hat's gesagt" 313); durch Diffamierung (Luxemburgismus, Trotzkis-
mus, Brandlerianertum, etc.); durch Ausschluß 314) und später
durch physische Liquidierung, der die KPD in völliger Hilflosig-
keit gegenüberstand; die Partei verkam in der völligen Bürokrati-
sierung, im Personenkult, in der Degenerierung der Parteitage zu
bloßen Akklamationsinstrumenten.
Zweifellos bedeutet aber die Erkennung der Fehler der sektiereri-
schen Politik bezüglich der Arbeit in den Gewerkschaften einen
gewissen Fortschritt, ebenso wie die Ablehnung bloßer agitatori-
scher Kampagnen und stattdessen die Konzentrierung auf die Durch-
setzung der Tagesforderungen der Arbeiter und die Konzentrierung
auf die Betriebe in der politischen und organisatorischen Arbeit.
315)
Im Rahmen dieser Arbeit kann aber nur die "organisatorische Seite
der Bolschewisierung" 315a), die Reorganisation der KPD weiter-
verfolgt werden. 315b)
Parallel zum V. EKKI-Plenum tagte die 1. Organisationskonferenz
der KI, deren alleiniges Thema die Umstellung der kommunistischen
Parteien auf Betriebszellen war.
Prinzipiell lehnt kein Delegierter mehr die Umstellung ab 316),
doch war das auch alles hinsichtlich der vor allem von der deut-
schen 'Betriebszellenfraktion' erhobenen Forderung, die Wohnzel-
len als Grundorganisation aufzulösen und die Betriebszelle als
alleinige Grundorganisation einzuführen. Obwohl Piatnitzki - der
in seinen Beiträgen vor allem die Schwächen der bestehenden Be-
triebszellen kritisierte, die vorgelegten Berichte als teilweise
schönfärberisch bezeichnete und dafür vor allem von der deutschen
Delegation heftigen Widerspruch erntete 317) - eine "Kombination
zwischen Wohn- und Betriebszelle als Grundorganisation" für
"unmöglich" erklärt 318), faßte diesbezüglich die Orgkonferenz
keinen entsprechenden Beschluß, der eindeutig gewesen wäre, son-
dern forderte lediglich "die Umstellung ... energisch fortzuset-
zen..." 319)
Die deutschen 'linken' Delegierten begründeten ihren (indirekten)
Widerstand gegen die konsequente Umstellung praktisch mit den
Folgen ihrer eigenen Politik: der Gefahr des Verlustes vieler
Mitglieder, hauptsächlich passiver. 320)
Die Kritik, die Piatnitzki diesbezüglich an der deutschen Partei-
führung vor allem übte:
"Wir spüren bis jetzt wenig davon, daß die politische Arbeit der
Zentralen auf die Zellen eingestellt ist. In einem offiziellen
Berichte aus Deutschland, der unmittelbar vor der Beratung einge-
troffen ist, beklagen sich die Genossen aus dem Orgbüro (Zelle),
daß eine gewisse Kluft zwischen politischer Leitung und organisa-
torischer Leitung besteht." 321)
Den Hintergrund dieser Kritik erhellt eine Abstimmung der Orgkon-
ferenz, die sich gegen die Stimmen der KPD-Delegation gegen die -
vor allem in der KPD bestehende - Institution der Funktionäre "in
der heutigen Form" aussprach, d.h. nach bester sozialdemokrati-
scher Tradition die Entscheidung von Parteifragen durch Funktio-
närskonferenzen anstatt durch Ortsparteikonferenzen, die sich aus
den Zellendelegierten hätten zusammengesetzt. 322) Einmal war
dies direkte Folge der Passivität der Mitglieder, zum anderen be-
gründete dies jene Passivität ständig neu. Obwohl Piatnitzki
richtig erkennt, "ohne Auflösung der (Wohnorganisation) wird es
schwer sein, die Parteimitglieder zu veranlassen, die Zellen-
versammlungen zu besuchen und in den Zellen zu arbeiten", wurde
von der Orgkonferenz der gordische Knoten nicht durchhauen: der
Zusammenhang von sektiererischer Politik in der Praxis, Angst vor
Verlust der (notwendig passiven) Mitglieder, passiven Betriebs-
zellen, unterlassener Auflösung der Wohnorganisation. Die KPD
drehte sich weiterhin in der Organisationsfrage im Kreis, wenn
sie die Auflösung der Wohnzellen nur in den Bezirken vornahm, "wo
die Mehrheit der Parteimitglieder b e r e i t s in Betriebszel-
len organisiert" war. 323) So richtig die Vermeidung der
"unvorsichtige(n) Auflösung der Straßenzellen" 324) war, so prin-
zipiell falsch war, damit den "Kompromiß" 325) in der Frage der
'Auflösung' der Wohnorganisation zu begründen. 326)
Daß der 10. Parteitag eine Farce war, wurde schon erwähnt. 327)
Bezüglich der Organisationsfrage wurde im neuen Parteistatut 328)
und der Resolution zur Organisationsfrage formal den Ergebnissen
des zweijährigen Kampfes für die Umstellung auf Betriebszellen
Rechnung getragen. Die Praxis war aber eine ganz andere Sache
329); dies bestätigt Ulbricht für die Zeit vor und nach dem Par-
teitag:
"Überall zeigt sich dieselbe Tendenz, daß die Orgarbeit als eine
Aufgabe betrachtet wird, die außerhalb des Rahmens der politi-
schen Parteiarbeit liegt. Wie falsch das ist, zeigte sich beson-
ders bei der Anwendung der Einheitsfronttaktik. Die besten Richt-
linien über Durchführung der Einheitsfronttaktik bleiben ledig-
lich Papier, wenn die Partei nicht versteht, ihre Arbeit in den
Betrieben so zu verwurzeln, daß eventuelle Spitzenverhandlungen
unter dem Massendruck der Arbeiter stattfinden. Alle Diskussionen
über Einheitsfronttaktik ändern an dieser Tatsache, die wir schon
seit 1921 in Deutschland erfahren haben, absolut nichts." 330)
Insofern ist es gerechtfertigt, die Feststellung über den Partei-
tag in Zusammenhang zu bringen mit der 'Lösung' der Organisati-
onsfrage.
Statut und Organisationsresolution entsprechen dem Stand der Dis-
kussion auf der Orgkonferenz; die Funktionärkonferenzen werden
abgeschafft zugunsten der Delegiertenkonferenzen der Zellen 331);
aber wiewohl die Betriebszelle nun als Fundament der Parteiorga-
nisation verbindlich festgelegt wird 332), wird der Mangel der
Orgkonferenzbeschlüsse reproduziert inform der Dualität bezüglich
der Angliederung von Mitgliedern entweder an die Betriebszelle
oder an die Straßenzelle. 333)
Die Darstellung der diesbezüglichen Frage der Praxis und Situa-
tion in der Partei war auf dem 10. Parteitag - wie gewöhnlich un-
ter der Fischer-Maslow-Führung - eine abgewogene Mischung aus
Lüge und Wahrheit.
Der Bericht über den Stand der Umstellung sagt garnichts aus über
die wirkliche Reorganisation: "Am stärksten ist die Umstellung
erfolgt in Berlin (626), Erzgebirge (330) und Wasserkante (290),
am schwächsten in Ostpreußen und Hessen-Waldeck, wo so gut wie
keine Zellen bestehen." 334) Über die wirkliche Reorganisation
sagt etwas aus die Durchführung der Kassierung in den Betriebs-
zellen; der Brief der Orgabteilung des EKKI ist diesbezüglich
vernichtend vor allem für die traditionellen Hochburgen der Fi-
scher-Mas-low: in Berlin wurde nur in 4 von 626 Betriebszellen
kassiert, im Bezirk Wasserkante in 13 von 290. 335)
Der Orgbrief des EKKI konstatierte nicht nur, daß die bestehenden
Betriebszellen in der "Mehrzahl wenig aktiv" seien und "die Reor-
ganisation der Orts- und Stadtorganisationen auf der Basis der
Betriebszellen ... nur in wenigen Ausnahmen durchgeführt" sei,
sondern auch einen allgemeinen Rückgang der Betriebszellenarbeit
seit dem Parteitag und belegt die Behauptung, daß dies "vor allem
Folge der Vernachlässigung der Zellenarbeit durch die Parteilei-
tungen" sei durch Beispiele: weder bei der Zentrale (bzw. ab dem
Parteitag dem ZK) noch bei den Bezirksleitungen wurden
"Orgabteilungen zur systematischen Führung der Organisationsar-
beit geschaffen" 336); die Verbindung von Organisation und poli-
tischen Kampf innerhalb der Kampagnen wurde dadurch verhindert,
"daß das Flugblatt zum Antikriegstag am 8. August nur von der
Wohnbezirksorganisation und nicht durch die Betriebszellen ver-
teilt" wurde, weil "die Zellenorganisation - im Gegensatz zur
Wohnbezirksorganisation - dafür noch nicht genügend vorbereitet"
gewesen sei nach Ansicht der BL Berlin-Brdbg. 337)
Durch das Nebeneinander von Betriebszellen und alten Wohnorgani-
sationen wurde "die Zellenarbeit direkt unmöglich" gemacht; es
bestehe eine allgemeine Unfähigkeit der Leitungen, die Arbeit der
Betriebszellen zu führen, bei der Durchführung der Beschlüsse zu
helfen und die technischen Fragen zu regeln. 338) Parteiarbeit
leisteten fast nur die Funktionäre; der demokratische Zentralis-
mus funktioniere nicht, wenn "die gründliche Vorberatung der Be-
schlüsse in den Zellen" unterbleibe, die Beschlüsse also "meist
nur aus Disziplin mehr oder weniger schlecht ausgeführt" würden.
339)
Wie es in der Partei aussah, charakterisieren die Auseinanderset-
zungen bzw. die Abrechnung mit Fischer-Maslow auf dem VI. EKKI-
Plenum; Manuilski:
"Sie, Ruth Fischer, in der Rolle der Retterin der Komintern! La-
chen Sie nicht. Sie, die sie beinahe die Kommunistische Partei
Deutschlands zugrundegerichtet haben. Was ist in der KPD nach Ih-
nen übrig geblieben? Im Ruhrgebiet, dieser ihrer Bedeutung nach
wichtigsten Organisation, sind Ihnen nur noch 4000 Parteimitglie-
der übrig geblieben. Nachdem sie fort waren, ist es innerhalb we-
niger Monate gelungen, die Zahl der Parteimitglieder um mehr als
das Doppelte zu erhöhen..." 340)
Im "politischen Bericht der Zentrale" vor dem Parteitag hieß es,
der KPD sei es "gelungen, ihren Einfluß auch in Zeiten der
Flaute, der scheinbaren Stabilisierung zu behaupten und das Ver-
trauen unter Millionen Arbeitern zu festigen." 341) In Wahrheit
war die Führung der KPD, zumindest Ruth Fischer, ganz anderer
Meinung, einer Meinung, die selbst offen den eigenen Bankrott er-
klärt; die Demoralisierung, die Passivität der Mitglieder wie der
Arbeiterklasse wird nicht etwa auf die Folgen der eigenen Politik
zurückgeführt, sondern auf die SPD 342) und voll Zynismus auf
eine unter den Mitgliedern angeblich verbreitete mystische Unter-
gangssehnsucht:
"Ich glaube, daß die Ursache der Schwierigkeiten aus zwei Haupt-
quellen kommt, die aber im Zusammenhang miteinander stehen. Er-
stens aus einer versteckten Liquidatorenstimmung tief in der
Masse der Mitgliedschaft, die sagt: wir haben keinen Sieg errun-
gen, wozu sollen wir uns plagen, eine kommunistische Partei auf-
zubauen. Wir können ebenso gut Klassenkampf in der Sozialdemokra-
tie machen. Als Beispiel, als Beweis dafür gilt, daß unsere Par-
teigenossen mit geradezu leidenschaftlicher Begeisterung Demon-
strationen und Roten Frontkämpferbund machen. Warum ? Weil sie
sich damit vorspiegeln, daß sie an der Eroberung der Macht ste-
hen, daß sie damit spielen können, Revolution zu machen, ohne die
kleine Organisationsarbeit zu leisten. Meine Überzeugung ist, daß
der Demonstrationscharakter überwiegt, weil unsere Leute sich
flüchten in diese Demonstrationen, um die tägliche Arbeit · in
den Gewerkschaften und Betrieben nicht machen zu müssen." 343)
Die Lösung der Organisationsfrage, die praktische Durchführung
der Beschlüsse des 10. Parteitages war in der KPD nur noch mög-
lich durch den Kampf gegen Personen, durch die Absetzung der Füh-
rung. 344)
Der Offene Brief des EKKI, der in der KPD wie eine Bombe ein-
schlug und den Sturz der Fischer-Maslow-Führung einleitete 345),
fand in der KPD sehr schnell volle Unterstützung vor allem die
der Betriebsarbeiter und der Betriebszellen. 346)
Durch neue Richtlinien für die Durchführung der Reorganisation,
347) durch den Umbau der Orgabteilung, wurden die technischen
Möglichkeiten für die Durchführung der Reorganisation geschaffen
348); die Bildung einer neuen Gewerkschaftsabteilung schaffte die
Voraussetzungen für die diesbezügliche Durchführung der Be-
schlüsse des 10. Parteitages. 349)
"Eine der wichtigsten organisatorischen Konsequenzen", die auf-
grund der Parteidiskussion über den Offenen Brief sofort durchge-
führt werden sollte, war die "Neuwahl aller Organe von den Be-
triebszellen bis zu den Bezirksleitungen" nicht aufgrund
"technischer Maßregelungen oder Ersetzungen" sondern durch
"Auswahl der besten Parteiarbeiter für alle leitenden Funktio-
nen", das hieß, "die besten Genossen aus den Betriebszellen in
die leitenden Körperschaften der Partei." 350) Ob die Diskussion
"gründlich und sachlich" geführt werden konnte, ist zu bezwei-
feln, wenn gleichzeitig von vornherein dekretiert wurde "wer ge-
gen den Brief stimmt, entscheidet sich gegen die Komintern und
gleichzeitig gegen Sowjet-Rußland." 351) Genauso im Offenen
Brief: "Jede bisherige Abweichung von der kommunistischen Politik
begann in Deutschland mit einer Attacke gegen Sowjetrußland, die
RKP, die Komintern." 352)
Der "Arbeitsplan" von August bis November bestimmte: "Die kommen-
den zwei Monate sollen in erster Linie einer umfassenden gründli-
chen Organisationsarbeit gewidmet sein; Demonstrationen und Ver-
sammlungskampagnen nur bei ganz dringenden Anlässen." In einer
"Revisions- und Reorganisationswoche" vom 1. bis 15. November
sollte der tatsächliche Stand der Arbeit und der Organisation in
allen Bezirken sowie die Organisation der Betriebszellen in den
wichtigsten Bereichen festgestellt werden. 353)
Das bedeutete aber keineswegs, daß die KPD nun auch mit ihrer
sektiererischen 'Auffassung' von der "einzigen Arbeiterpartei",
der 'organisierten Revolution' und den übrigen Phrasen brach:
"Die Teuerung steigt, die Massen kommen in Bewegung ... Jetzt
gilt es für die Partei zu beweisen, daß sie die einzige Arbeiter-
partei ist, d.h. die Führung bei diesen Massenmobilisationen in
den Händen hat und in den Händen behält. Jetzt ist Organisation
alles." 354)
Zur 1. Reichsparteikonferenz, die das ZK umbildete 355) und dem
10. Parteitag entsprechende Beschlüsse zur Einheitsfrontpolitik,
Gewerkschaftsarbeit, zur Frage der innerparteilichen Demokratie
und zur Reorganisation 356) faßte, waren zum ersten Mal die Dele-
gierten auf der Grundlage der Betriebszellen gewählt worden. 357)
Das Problem war theoretisch klar. 358) Aus den Erfahrungen der
russischen Revolution, dem Kampf der Linken im Weltkrieg, den re-
volutionären Kämpfen 1918/19, dem Kapp-Putsch, den Ruhrkämpfen,
der Oktoberniederlage und der Illegalität hatte die KPD in der
Organisationsfrage o r g a n i s a t o r i s c h die richtigen
Konsequenzen gezogen. Die neue Führung der KPD sollte die prakti-
sche Durchführung leisten.
4. Die Durchführung in der Praxis
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In den vorhergehenden Teilen dieser Arbeit wurde versucht, die
Organisationsfrage zu untersuchen unter der Dialektik von objek-
tiven Bedingungen des Kampfes der Arbeiterklasse in der monopol-
kapitalistischen Gesellschaft - deren richtige, konkrete Analyse
in der revolutionären Partei erscheint - und (damit) der Schaf-
fung der Voraussetzung, die die Partei zu dieser Taktik erst be-
fähigen (vornehmlich ihr Ursprung in der Arbeiterklasse, ihre
Verankerung in den Betrieben). Es wurde gezeigt, daß in der hier-
für entscheidenden Phase, der Zeit von 1920/21 bis 1925, die KPD
der Bewältigung dieses dialektischen Zusammenhangs, die den Cha-
rakter der Partei als revolutionäre Partei, als Avantgarde des
Proletariats beweist, weder in der Theorie noch in ihrer Praxis
gerecht wurde. 360)
Im folgenden werden die zusätzlichen objektiven Schwierigkeiten
dargestellt, die zu überwinden unter den oben angegebenen fehlen-
den Voraussetzungen prinzipiell unmöglich war; vor allem aber in
der Phase, in der die Widersprüche in den Bourgeoisfraktionen ge-
genüber der Phase von 1918-1923 in viel geringerem Maße zu Tage
traten, die Herrschaft der Bourgeoisie sich gegenüber jener Phase
stabilisiert hatte, die spontanen Massenkämpfe notwendig versan-
deten.
Wenn behauptet wird, daß die Lösung des zentralen Organisations-
problems der KPD zu spät in Angriff genommen wurde, geschieht das
unter diesem Aspekt.
Der Kampf, die Verankerung in den Betrieben ist objektiv unmög-
lich in einer Phase der erstarkenden Konterrevolution ohne
gleichzeitige, direkte, massive Unterstützung der in den Betrie-
ben Kämpfenden durch den Kampf der Massen auf der Straße. In der
Phase, in der diese Voraussetzungen - zumindest eher - bestand,
beging die KPD jenes - wie Lenin es nannte - "größte Verbrechen"
Die 'zusätzlichen Schwierigkeiten', mit denen die KPD zu kämpfen
hatte, und die dazu beitrugen, ihre Verankerung in den Betrieben
zu verhindern, charakterisiert am besten der folgende Satz:
"Das liegt daran, daß wir viele Genossen verloren haben, die ak-
tiv tätig waren bis Oktober 1923 und die Genossen, die wir noch
haben, sind durch die Genossen, die wir verloren haben, flau ge-
worden. Wenn wir zusammen kommen in einem roten Kartell und Stel-
lung nehmen zu den Aufgaben der Zellen, dann sehen wir, daß der
eine Genösse sagt: was meinst Du wohl, ich bin jetzt im Betrieb,
ich lag 1 1/2 Jahre auf der Straße, ich habe Frau und Kinder zu
ernähren, ich bin froh, daß ich jetzt wieder Arbeit habe, ich
kann es nicht machen. Ein anderer sagt, bei uns im Betrieb da ist
es so mies, da ist es überhaupt nicht möglich." 361)
"Ist die Zellenbekämpfung schon in den privaten Betrieben ebenso
notwendig wie schwer, so ist es für die staatlichen Betriebe noch
wesentlich notwendiger, aber auch viel schwieriger, weil hier
seitens der KPD noch viel vorsichtiger gearbeitet wird."
Diese Schreiben des "Reichskommissars für die Überwachung der öf-
fentlichen Ordnung" 362) weist an sich bereits ausreichend darauf
hin, sowie sein Hinweis an die Länder "daß die Betriebszellenar-
beit illegalen Charakter trägt...", die Betriebszellen straf-
rechtlich Verschwörerorganisationen seien 363), daß das Kapital,
'sein' Staatsapparat und - bei Gelegenheit - gleichfalls Sozial-
demokratie und Gewerkschaften nicht etwa so beschränkt sind, und
in den Betrieben nicht die Basis der Gesellschaft erkannten, ih-
rer Ökonomie und ihrer Herrschaft, ganz im Gegenteil: 364) nir-
gendwo ist die herrschende Klasse schneller bereit zum Zuschlagen
und schlägt sie brutaler zu als bei 'Störung des Betriebsfrie-
dens' und bedient sich dabei der in aller Primitivität 'legal'
ausgeübten Gewalt: sie läßt Streiks nicht nur durch Polizei und
Armee zerschlagen, die Streikenden durch ihre Justiz verfolgen;
sie ruft nicht nur dazu auf "schlagt ihre Führer tot" 365), sie
setzt auch Kopfgelder auf Kommunisten aus 366), sie setzt nicht
nur politische Polizei und Werkspitzel 367), sondern auch Detek-
tivagenturen auf Kommunisten an 368); sie bedient sich solcher
funktional terroristischer Institutionen wie der "Teno" 369), der
"Werkspolizei" 370), sog. "Werksportvereine" 371) oder bildet
selbst Betriebszellen: die sog. "weißen" oder "gelben", wie z.B.
dies der frühere Reichsminister des Inneren, Jarres, tat, und da-
für aus dem "Republikschutzfonds" des Reichsinnenministeriums die
finanziellen Mittel bekam. 372) In ländlichen Gebieten übernehmen
offen faschistische Verbände diese Arbeit; 373) in den Industrie-
zentren werden SA-Kasernen in unmittelbarer Nähe der großen Be-
triebe eingerichtet. 374)
Dies alles sowie die zusätzlichen Denunziationen durch die Büro-
kraten der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften 375) zwang die
Betriebszellen der KPD von Anfang an zur illegalen Arbeit: "Die
Verfolgung durch die Polizei und die Staatsbehörden und durch die
Pinkertons der Sozialdemokratie haben einen derartig großen Um-
fang angenommen, daß die Betriebszellen es überhaupt nicht wagen
dürfen, sich öffentlich zu betätigen." 376)
Die unmittelbarste und wirksamste Maßnahme der vereinigten Kon-
terrevolution bestand in der Entlassung eines jeden Arbeiters,
schon allein wenn er "eine Zellenzeitung bei sich trägt"; 377)
"kommunistischer Sympathien überführte Arbeiter" kommen auf die
unter den Unternehmern zirkulierenden 'Schwarzen Listen'; vor al-
lem in den Großbetrieben und vor allem dort, wo rationalisiert
wird, wird "jeder neu eingestellte Arbeiter vorher auf Herz und
Nieren auf seine politische Zuverlässigkeit geprüft." 378)
Auf der ersten Orgkonferenz wurde festgestellt, daß "in Deutsch-
land unsere besten Genossen aus den Betrieben verjagt worden
sind." 379)
Klaws konnte als erster den Zusammenhang zwischen Rationalisie-
rung, Entlassungen, den davon in erster Linie betroffenen Kommu-
nisten und dem Zurückgehen der Betriebszellenzahlen am Beispiel
Großberlins nachweisen: 380)
Arbeitslosigkeit in Berlin 381)
10.10.1925 49 395 eingetragene Arbeitslose
01.12.1925 100 000 " "
16.01.1926 189 337 " "
30.01.1926 233 124 " "
30.03.1926 246 812 " "
17.07.1926 276 917 " "
22.01.1927 284 612 " "
Auswirkungen der Rationalisierung/Entlassungen
Beschäftigte
Frühjahr 1925 Frühjahr 1926
AEG-Ackerstraße (Zähler) 4 200 2 150 (a)
AEG-Kabelwerk Oberspree 7 300 3 800
NAG-Oberschöneweide (Metall) 4 200 1 300
AEG-Henningsdorf (Stahl + W-Werk) 4 900 2 650
Bergmann-Rosenthal 4 300 2 200
Schwarzkopf/Maffei 4 000 1 900
Borsig 7 000 3 000
Siemens Verminderung um 50%
und Kurzarbeit (b)
a) gleichzeitig Steigerung der Arbeitsproduktivität um 100%, Zäh-
lerproduktion auf Fließband eingeführt 1924
b) gleichzeitig Steigerung der Arbeitsproduktivität um 100%,
Fließbandproduktion 1925 eingeführt.
Schwächung der Betriebszellen durch Entlassungen am Beispiel der
Zelle AEG-Henningsdorf:
Frühjahr 1925: 112 Zellenmitglieder
bis Frühjahr 1926: 42 Zellenmitglieder entlassen
Zahl der Berliner Betriebe 1925: 1 424
Zahl der Berliner Betriebszellen 1925: 626 382)
Zahl der Berliner Betriebszellen
am 31.5.26: 522 (12 105 Mitglieder)
= 407 Betriebszellen
115 Straßenzellen
Zahl der Berliner Betriebszellen 1927: 316 Betriebszellen
187 Straßenzellen 383)
Zahl der Berliner Betriebszellen 1929: 270 Betriebszellen 384)
Betriebszellenmitglieder Straßenzellenmitglieder
1925/26 7 264 4 808
1926 60 %Parteimitgl. 385)
1927 40,8% Parteimitgl. 386) 49,1% 386)
50,9% Parteimitgl.(ein-
schl. Zugeteilten) 386)
1928 3 944 = 29% Parteimitgl. 25 9 252 = 71% 387)
1929 25 % Parteimitgl. 388)
In Berlin gab es 1925/26 86 Zellen in Großbetrieben (1000 Be-
schäftigte und mehr) und 240 Zellen in Mittelbetrieben (300-1000
Besch.) und 300 Zellen in Kleinbetrieben. 389)
Mitgliederstärke der Zellen in Berlin
Großbetriebszellen 3 - 150 Mitglieder
Mittelbetriebszellen 3 - 40 Mitglieder
Kleinbetriebszellen 1 - 15 Mitglieder
Beschäftigte KPD-Mitglieder in Berlin-Brandenburg in
Großbetrieben 20 - 25% (1925/26)
Kleinbetriebe 42 - 50% (1925/26)
Arbeitslos 35 - 38% (1925/26)
Für 1927 liegen nur allgemeine Zahlen vor, es waren 51,7% in Be-
trieben beschäftigt; 18% waren arbeitslos. 391) Im Oktober 1930
waren 45,4% in Betrieben beschäftigt. 392)
Die beschäftigten Parteimitglieder in einem industriellen Stadt-
bezirk Berlins Ende 1925 verteilten sich wie folgt: 393)
Kleinbetriebe bis 50 Beschäftigte auf 6 Arb. 1 Kommunist
Kleinbetriebe von 50-100 Beschäftigte auf 24 Arb. 1 Kommunist
Mittelbetriebe von 100-500 Beschäftigte auf 49 Arb. 1 Kommunist
Mittelbetriebe von 500-1000 Beschäftigte auf 58 Arb. 1 Kommunist
Großbetriebe 1000-5000 Beschäftigte auf 137 Arb. 1 Kommunist
Großbetriebe 5000-10000 Beschäftigte auf 189 Arb. 1 Kommunist
Kaasch gibt für 1927 die prozentuale Verteilung der Mitglieder
der Berliner Parteiorganisation an: 394)
in Betrieben bis 50 Arb. 18,7% der Mitgl.
in Betrieben von 51-100 Arb. 5,8% der Mitgl.
in Betrieben von 101-500 Arb. 13,0% der Mitgl.
in Betrieben von 501-1000 Arb. 5,7% der Mitgl.
in Betrieben von 1001-3000 Arb. 5,2% der Mitgl.
in Betrieben von 3001-5000 Arb. 1,8% der Mitgl.
in Betrieben über 5000 Arb. 1,5% der Mitgl.
Die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg gibt für 1925/26 an, daß
"fast die Hälfte aller Parteimitglieder (im Berliner Stadtgebiet)
... arbeitslos" wurden. 395) Eine andere Quelle stellt auch für
Berlin fest: "Die Entlassungen trafen selbstverständlich unsere
besten Genossen." 396);
Was hier für Berlin exakt bewiesen werden konnte, trifft glei-
chermaßen auf die Situation der Kommunisten in den Betrieben im
ganzen deutschen Reich zu und verschlechterte sich ständig, vor
allem während der Wirtschaftskrise ab 1928. Von entscheidender
Bedeutung für die zunehmende Einflußlosigkeit der Kommunisten in
den Arbeitskämpfen und gleichzeitig für das Scheitern der Veran-
kerung in den Betrieben war, daß die Kommunisten vor allem aus
den Großbetrieben flogen, den proletarischen Zentren, in denen
das jeweilige Kapital aufgrund seiner Monopolstellung am hem-
mungslosesten unter den Arbeitern, vor allem unter den kommuni-
stischen, wüten kann. Nicht nur sank der Anteil der in Betrieben
beschäftigten Kommunisten ständig, zusätzlich kam es - innerhalb
der Tendenz des Kapitals, aufgrund seiner Verwertungsbedingungen
die Produktionskosten auf Kosten der Ware Arbeitskraft zu senken,
d.h. unter anderem laufende Dequalifizierung der Arbeitskraft -
dazu, daß die KPD-Mitglieder erstens vor allem in Klein- und Mit-
telbetrieben beschäftigt waren, in denen der Anteil der qualifi-
zierten Arbeitskräfte höher ist, die KPD-Zellen also sich vor al-
lem aus qualifizierten Arbeitern zusammensetzten 397), in den
großen entscheidenden Industriezentren also schwach waren. Ein
Vergleich der 28 KPD-Bezirke zeigte 1928, "daß in den Bezirken
Mitteldeutschlands, in Berlin, Wasserkante und Sachsen in den
Großbetrieben stärkere kommunistische Betriebszellen vorhanden
(waren), als dies noch in den Bezirken der gewaltigsten Trustma-
gnaten an der Ruhr, an der Saar und in Oberschlesien der Fall
(war)." 398)
Die Reichskontrolle der KPD ergab für 1927, daß von den 143 172
Mitgliedern 53, 28% in Betrieben beschäftigt waren, und 21,6% ar-
beitslos. 399) Piatnitzki gibt auf dem XI. EKKI-Plenum im März
1931 den Prozentsatz der Betriebsarbeiter an der Gesamtmit-
gliedschaft für 1928 mit 62,3%; für 1929 mit 51,6%; für 1930 mit
32,2%; für 1931 mit 20 bis 22 % an. 400) Diese Tendenz setzte
sich bis zur Zerschlagung der KPD fort.
Dies wurde von Koenen Ende Januar 1931 auf einer Mitgliederver-
sammlung der KPD in Halle so zum Ausdruck gebracht:
"Im Leunawerk müßte bei den 11 000 bis 12 000 dort beschäftigten
Arbeitern mindestens eine Zelle von 600 bis 700 Kommunisten be-
stehen. Das wäre das mindeste. Aber wir haben nicht einmal die-
ses. Man schämt sich, es offen auszusprechen, wir haben im Leuna-
werk Null komma nischt." 401)
Das Resümee zog Piatnitzki 1933:
"Man kann schätzungsweise annehmen, daß bis zum Hitlerumsturz die
Zahl der in den Betrieben, und zwar nicht in den größten Betrie-
ben, beschäftigten Kommunisten nicht mehr als elf Prozent der Ge-
samtzahl der Parteimitglieder ausmachte... Der Partei ist es bis
auf den heutigen Tag nicht gelungen, sich in den Betrieben Stütz-
punkte zu schaffen..." 402)
Oben wurde festgestellt, daß je größer die Betriebe waren, desto
kleiner die Anzahl der dort arbeitenden Kommunisten. Für 1927 er-
gab die Reichskontrolle 53,28% Betriebsarbeiter in der KPD, davon
arbeiteten:
in Betrieben 381) (bez. auf die Mitgliederzahl)
bis 50 bis 100 bis 500 bis 1000
36,35% 11,98% 9,01% 9,01%
19,37% 6,39% 11,88% 4,8%
bis 3000 bis 5000 üb. 5000
13,29% 4,92% 2,55%
7,08% 2,39% 1,36%
von 69 % Betriebsarbeitern 1928 404)
bis 50 bis 100 bis 500 bis 1000
39,00% 11,43% 18,76% 9,59%
bis 3000 bis 5000 üb. 5000
14,81% 3,1% 3,4%
Wie groß die Zahl der KPD-Großbetriebszellen war, zeigen folgende
Angaben: 1929 hatte die KPD 1 411 Betriebszellen in den 191 211
deutschen Betrieben mit mehr als 10 Arbeitern, d.h. lediglich in
0,79 % aller deutschen Betriebe. 1 050 Betriebszellen bestanden
in Klein- und Mittelbetrieben und 361 Zellen in Großbetrieben.
405)
Anzahl der Betriebe Belegschaftsstärke Prozentsatz der Betr.
mit Zellen mit Zellen zur Gesamt-
zahl der Betr.
in 33 von 71 über 5000 46,478%
in 328 von 1051 von 1000-5000 31,208%
in 345 von 1780 von 500-1000 13,747%
in 702 von 40188 von 50-500 1,747%
in 103 von 148112 von 10-50 0,070%
Der Vergleich mit dem bezüglich Berlins oben angegebenen Verhält-
nis von Kommunisten zu Arbeitern mit dem entsprechenden Verhält-
nis im Ruhrgebiet zeigt den weitaus geringeren Einfluß der KPD in
der Schwerindustrie gegenüber der verarbeitenden Industrie: im
Bezirk Ruhrgebiet waren im Mai 1927 54% der KPD-Mitglieder in
268 Betriebszellen in 220 Betrieben mit zusammen 495 927 Arbei-
tern: 406)
Betriebe Belegschafts- Gesamtbeleg- Kommu- auf ein
mit Zellen stärke schaft nisten Arbeiter Komm.
28 500-1000 19 560 277 70 "
152 1000-3000 278 777 1955 147 "
31 3000-5000 119 190 665 172 "
9 über 5000 82 450 391 235 "
Terror und Entlassung zerschlugen die Betriebszellen der KPD; Ra-
tionalisierung, Akkordarbeit samt alledem, was den Großbetrieb
nach Marx als Zuchthaus auszeichnet, zwang viele Kommunisten vom
Groß- in den Klein- und Mittelbetrieb und sogar in die Straßen-
zellen und zellenlosen Ortsgruppen überzuwechseln. 407)
Insgesamt gelang die Umstellung der KPD auf Betriebszellen nicht,
im Gegenteil nahm nicht nur die Zahl der Straßenzellen ab 1926
ständig zu, sondern auch die Zahl der darin zusammengefaßten Mit-
glieder, unter ihnen ein großer Anteil Betriebsarbeiter, so daß
die KPD mehrmals gezwungen war, die Straßenzellen zu teilen, 408)
und wiederholt die "systematische Säuberung der Straßenzellen",
in denen sich "immer noch viele betriebstätige Genossen" herum-
drücken, gefordert wurde. 409)
Der Grad der erreichten Umstellung ist abzulesen am Prozentsatz
der in Betriebszellen, Straßenzellen und Ortsgruppen ohne Zellen
erfaßten Mitglieder:
in Betriebszellen in Straßenzellen in Ortsgruppen o.Z.
1927 15% 410) 47% 411) 31% 411)
1928 12% 410) 42% 411) 43% 411)
1929 14,7% 412) 45% 413) 40,3% 413)
Für die folgenden Jahre liegen keine Angaben für die KPD insge-
samt vor, jedoch zeigt der Vergleich des Standes einzelner Be-
zirke, für die mehrere Angaben vorliegen, daß der Prozentsatz der
in Betriebszeilen organisierten Mitglieder sank:
Bezirk Betr.Z. Stra.Z. Ortsgr. o.Z.
1925 Ergeb.Vogtl. 50% (A)
1927 Südbayern 15,53% (B) 46,62% (B) 37,88% (B)
1927 Ostpreußen 11,93% (B) 89,07% (B)
1927 Pfalz 16,20% (B) 33,57% (B) 49,09% (B)
1927 Ergeb.Vogtl. 11,05% (C)
1928 Hessen/Frkft. 12,00% (D) 60,00% (D) 28,00% (D)
1929 Niederrhein 14,00% (E)
1929 Oberschlesien 34,00% (F)
1929 Saarland 33,00% (F)
1929 Erzgebirge 24,00% (F)
1929 Ostpreußen 9,59% (G) 48,49% (G) 41,42% (G)
1929 Halle-Mersebg. 13,59% (G) 33,27% (G) 53,14% (G)
1929 Thüringen 10,51% (G) 37,97% (G) 51,70% (G)
1929 Ruhrgebiet 34,12% (G) 58,20% (G) 7,76% (G)
1929 Hessen/Frkft. 4,20% (G) 59,51% (G) 46,29% (G)
1929 Baden 14,05% (G) 71,12% (G) 34,83% (G)
1929 Südbayern 6,15% (G) 57,93% (G) 35,92% (G)
1930 Ruhrgebiet 1/3 (H)
1930 Halle-Merstbg. 13,00% (H)
1930 Thüringen 10,00% (H)
1930 Ostpreußen 9,00% (H)
1930 Hessen 4,00% (H)
1932 Oberschlesien 11,09 % (I)
1932 Halle-Mersebg. 8,50 % (I)
1932 Tharingen 5,70 % (I)
1932 Niederrhein 7,00 % (I) etwa
1932 Saargebiet 16,00 % (I) etwa
1932 Baden/Pfalz 9,00 % (I) etwa
_____
A = BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 453
B = Kaasch, a.a.O., S. 1057.
C = errechnet nach den Angaben Piatnitzkis, in: KOMM. INTERNATIO-
NALE, 8. Jg. (1927), H. 18, S. 881.
D = Piatnitzki: DAS PROBLEM DER ORGANISATORISCHEN VERANKERUNG,
a.a.O., S. 2676.
E = DER REVOLUTIONÄR, Diskussions- und Mitteilungsblatt der
KPD/Niederrhein/Düsseldorf, April 1929, zit. n. Weber, a.a.O., S.
269, Anm. 83 (59% der Mitglieder waren Betriebsarbeiter)
F = PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 247.
G = Piatnitzki: BRENNENDE FRAGEN, a.a.O., S. 25/26.
H = Weber, a.a.O., S. 269.
I = DER PARTEIARBEITER, 10. Jg. (1932), H. 1, S. 12.
Über den Einfluß der KPD in den Betrieben vermag auch die quanti-
tative Stärke ihrer Betriebszellen im Jahre 1929 etwas auszusa-
gen: 414) (bei 1411 Betriebszellen)
Stärke der Zellen in Betrieben
bis 10 Mitglieder 761
bis 15 Mitglieder 240
bis 20 Mitglieder 164
bis 30 Mitglieder 123
bis 40 Mitglieder 56
bis 50 Mitglieder 31
mehr als 50 Mitglieder 36
Eine ähnliche Aufstellung für die 2404 Straßenzellen zeigt, daß
das Schwergewicht der Partei auf diesen ruhte: 415)
Stärke der Zellen Straßenzellen
bis 20 Mitglieder 1216
bis 30 Mitglieder 559
bis 40 Mitglieder 305
bis 75 Mitglieder 160
bis 100 Mitglieder 158
mehr als 100 Mitglieder 6
Tabellarische Übersicht über den Stand der Betriebszellen von
1923-1931
1923 keine, mit wenigen Ausnahmen 416)
1924 1. 8.: 1 092 417)
1924 30.12.: 1 853 418)
1925 31. 5.: 2 673 419)
1 384 420)
1926 2 243 421)
1927 2 107 422)
2 135 423)
1928 1 556 424)
1929 1 411 425)
1930 1 524 426)
1931 Febr. 1 808 427)
Bei der Darstellung der Schwierigkeiten, auf die die organisato-
rische Umstellung stieß, können solche, die Elemente der allge-
meinen Lebenslage des Arbeiters unter dem Kapitalismus darstel-
len, - vor allem solche, die wesentlich Ergebnis des kapitalisti-
schen Arbeitsprozesses sind, - nicht stark genug betont werden.
Von Anfang an wurde die Betriebszellendiskussion auf der Ebene
der praktischen Durchführung davon beherrscht, und hauptsächlich
wurde sie diesbezüglich geführt von Arbeitern in der Großindu-
strie.
Gegenüber früheren Produktionsweisen ist die Großindustrie in ih-
rer technischen Basis revolutionär. Unter kapitalistischen Bedin-
gungen bedeutet das für die Arbeiterklasse:
"Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andre Methoden wälzt
sie beständig mit der technischen Grundlage der Produktion die
Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen
des Arbeitsprozesses um. Sie revolutioniert damit ebenso bestän-
dig die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und schleu-
dert unaufhörlich Kapitalmassen und Arbeitermassen aus einem Pro-
duktionszweig in den ändern. Die Natur der großen Industrie be-
dingt daher Wechsel der Arbeit, Fluß der Funktion, allseitige Be-
weglichkeit des Arbeiters. Andrerseits reproduziert sie in ihrer
kapitalistischen Form die alte Teilung der Arbeit mit ihren knö-
chernen Partikularitäten. Man hat gesehn, wie dieser absolute Wi-
derspruch alle Ruhe, Festigkeit, Sicherheit der Lebenslage des
Arbeiters aufhebt, ihm mit dem Arbeitsmittel beständig das Le-
bensmittel aus der Hand zu schlagen und mit seiner Teilfunktion
ihn selbst überflüssig zu machen droht; wie dieser Widerspruch im
ununterbrochenen Opferfest der Arbeiterklasse, maßlosester Ver-
geudung der Arbeitskräfte und den Verheerungen gesellschaftlicher
Anarchie sich austobt." 428)
Was Marx aus der Entwicklung der Industrie systematisiert hätte,
formulierte die KPD aufgrund ihrer praktischen Arbeit als direkte
Folge:
"Der deutsche Arbeiter betrachtet noch heute nicht nur den Kapi-
talisten, sondern auch den Betrieb als seinen Feind, von dem er
sich gern löst. Insbesondere bei jedem Konflikt, bei jedem Streik
oder gar Aufstand verlassen die Arbeiter fluchtartig den Betrieb,
statt sich im Betrieb zu vereinigen und die Kampfmaßnahmen zu be-
schließen." 429)
Diese Situation, die im übertragenen Sinne zu Beginn der Indu-
strialisierung im 19. Jahrhundert zur Maschinenstürmerei führte,
führte in den Zwanziger Jahren bei Einführung der Arbeitsplatzbe-
wertungssysteme, der Fließbandarbeit und angesichts der vereinig-
ten Gewalt von Kapital und Staat dazu,
"daß ein großer Teil der revolutionär denkenden Arbeiter diese
Großbetriebe meidet und, wenn ihn die wirtschaftlichen Verhält-
nisse zwingen, mal in einem derartigen Betrieb Arbeit zu nehmen,
danach trachtet, den Betrieb so schnell als möglich zu wechseln."
430)
Dieser von Marx beschriebene Charakter des Arbeitsprozesses im
Großbetrieb bedingt die erneute Zersplitterung der Arbeiter-
klasse; u.a. hervorgerufen durch die Verunmöglichung jeglicher
Kommunikation am Arbeitsplatz: durch 5- oder 4-Schichtarbeit;
Über- und Untertagearbeit, die Zerstreuung der Arbeiter auf dem
Werksgelände. Nicht genug damit verschärft das Kapital die Ar-
beitsbedingungen, um jegliche Solidarisierung der Arbeiter im
Keim zu ersticken: "Man muß die Zellen außerhalb aufbauen, wenn
man zu den politischen Dingen Stellung nehmen will, weil Beleg-
schaftsversammlungen seit Jahren in den Werken der chemischen In-
dustrie nicht mehr stattgefunden haben. Die Arbeitsordnung läßt
das nicht zu." 431)
"Wenn ein Genosse oder ein Betriebsrat auch nur wagt, in einen
anderen Betrieb zu gehen, um sich nach irgend etwas zu erkundi-
gen, so muß er genau die Gründe und den Zweck des Besuches ange-
ben. Wenn er das nicht tut, wird er bestraft und gemaßregelt. Es
hat in dem Betrieb keiner die Berechtigung, in einen anderen Be-
trieb zu gehen. Die Genossen können sich nicht einmal im Bad
sprechen, weil sie alle zu verschiedenen Zeiten arbeiten." 432)
Sowie die KPD z.B. im Leunawerk gezwungen war, Block-, Bau-, Ab-
teilungs- und Schichtzellen zu bilden 433), mußte sie im Unterta-
gebetrieb - in dem aufgrund der weit auseinanderliegenden Stei-
gerreviere die Verbindung zwischen den Arbeitern unmöglich war
und der Kontakt während der An- und Ausfahrt durch die Zechenlei-
tung verhindert wurde, indem sie revierweise an- und ausfahren
ließ - den Kontakt über die privilegierten Betriebsausschußmit-
glieder versuchen herzustellen, d.h. sie mußte diese Position
erst erobern. 434) Die explosionsartige Entwicklung der deutschen
Industrie nach 1871 ließ zumeist weitab vom teuren - weil infra-
strukturell am geeignetsten - Industriegelände die Arbeiterkaser-
nen entstehen. War schon die Zellenversammlung im Betrieb unmög-
lich (
435), so wirkte sich zusätzlich die große Entfernung Arbeitsplatz
- Wohnung nachteilig auf die Aktivität der Zellenmitglieder aus:
"Die Genossen gingen lieber abends in ihren Zahlabend als sofort
nach Schluß des Betriebes in die Zellensitzung..." 436)
Das Wohnproblem vor allem war ein Grund, der den Aufbau arbeits-
fähiger, aktiver Betriebszellen behinderte 437), was sich vor al-
lem bei Aktionen bemerkbar machte. Z.B. stellte bei der Lieb-
knecht-Luxemburg-Demonstration am 28.1.1925 "gerade der Bezirk
Neukölln, in dem kein einziger Großbetrieb und nur wenige Mittel-
und Kleinbetriebe sind, die meisten Demonstranten, hauptsächlich
Sympathisanten..." Das Gegenteil war in Bezirken mit Großbetrie-
ben der Fall. 438)
Alles was bisher über die Schwierigkeiten beim Aufbau der Be-
triebszellen gesagt wurde, muß berücksichtigt werden, um die ver-
breitete Passivität der Betriebszellen zu verstehen. 439) Das
darf aber nicht dazu verleiten, den politischen Ausgangspunkt zu
verdrängen, in dem in der Hauptsache das Scheitern der Betriebs-
zellenorganisation der KPD begründet ist. Selbst die dieses Pro-
blem erkennende Kritik in der KPD versucht nur den Teufel mit
Beelzebub auszutreiben, wenn sie als Konsequenz die
"Politisierung der Zellenarbeit" fordert:
"Die Mitgliederzahlen der Partei stagnieren. Das Leben in den
Zellen wird durch die ungeheure organisatorische Kleinarbeit, die
auf jedem Mitglied in der Organisation lastet, und durch den
vielfach vorherrschenden Schematismus, aber besonders durch die
nicht genügende Politisierung der Zellenarbeit gelähmt. Dauernd
wird geklagt über mangelhafte Verbindung der Kampagnen miteinan-
der. Man versucht, die Mängel mit Hilfe organisatorischer Maßre-
geln zu beseitigen. Der Mangel ist jedoch im Grunde kein organi-
satorischer, sondern ein politischer." 440)
Unter "Politisierung" verstand die KPD nichts anderes als das De-
kret, daß es anders werden muß.
Die Kritik:
"Wenn man jedoch die konkrete Einstellung, die konkrete prakti-
sche Arbeit vieler Parteileitungen analysiert, dann stellt man
oft eine erschreckende Fülle von Uninteressiertheit, Verständnis-
losigkeit, Unbeholfenheit gegenüber der Betriebsarbeit, in den
primitivsten Fragen der Streikforderungen, der Taktik bei der
Vorbereitung, Führung und den Abbruch von Wirtschaftskämpfen
fest. Es gibt sogar Bezirksleitungen, U.B. und Ortsleitungen der
Partei, die zu wichtigsten Bewegungen in einzelnen Industrien
ihres Gebietes überhaupt nicht Stellung genommen haben."
Das Dekret:
"Der Beschluß des Politbüros, will diesen Zuständen radikal ein
Ende bereiten. Durch die doppelte Kontrolle von oben und unter
tatkräftiger Kontrolle von unten seitens der Mitgliedschaft müs-
sen diese verhängnisvollen Mängel beseitigt werden. Parteileitun-
gen, die nicht die Initiatoren, die Organisatoren des Widerstan-
des, des Streiks, der Betriebsarbeiter und Erwerbslosen sind,
müssen so schnell wie möglich beseitigt und durch kampfwillige
Genossen ersetzt werden, die fähig sind, die Hauptaufgaben der
Partei in der praktischen Organisierung des Kampfes (und nicht
der Rederei über den Kampf) zu erfüllen. Nur wenn es der Partei
gelingt, diese Wendung zur Streikorganisierung durchzuführen, er-
füllt sie ihre historische Funktion." 441)
Anfangs bildete das entscheidende Kriterium für erfolgreiche
Zellenarbeit nicht etwa die Rolle der in ihr zusammengefaßten
Kommunisten bei Betriebskonflikten, Streiks, ihr Einfluß auf und
im Betriebsrat und in den Massenorganisationen, sondern nach al-
ter sozialdemokratischer Gewohnheit, Anzahl, s Auflagenhöhe, und
Verbreitung der Betriebszeitung. 442)
In einer Zeit aber, in der quantitativ die KPD größer wurde, die
Fluktuation aber bis zu 70% betrug 443) und die Betriebszellen
gekennzeichnet waren von Auszehrung, wird ihre Arbeit vor allem
gemessen am "Erfolg" oder "Fehlen einer planmäßigen Werbearbeit."
444)
Vom "revolutionären Wettbewerb der Jüngsten" bis zur "Betriebs-
und Werbeoffensive", vom detaillierten "Plan für die Streikreif-
machung des Betriebes Glanzstoff AG" bis zur Carole "Organisiert
den roten Massensturm auf die Betriebe" feierte die revolutionäre
Phrase wahre Orgien. 445)
Die Politik der KPD, die Praxis ihrer Grundorganisationen, hatte
nichts mehr mit der realen Situation und den Kämpfen der Arbei-
terklasse zu tun:
"Selbstkritische Stellungnahme der Siemenszellen
Mit größter Klarheit und Entschlossenheit an neue Aufgaben...
Nach Feststellung der Schwächen in den Zellen und Fraktionen der
einzelnen Fabriken kommt die Mitgliederversammlung zu folgender
konkreter (!) Aufgabenstellung: Die Hauptaufgabe der Partei ist
in der gegenwärtigen Situation: Die Eroberung der Mehrheit der
Arbeiterklasse! Kampf gegen Kriegsgefahr, Lohnraub und Notverord-
nungsdiktatur, für den Kampf 'Klasse gegen Klasse', für ein
'freies, sozialistisches Rätedeutschland!' Diese Aufgaben ver-
wirklichen, heißt die festgestellten Mängel überwinden. Die Gene-
ralmitgliederversammlung gelobt, ihre ganze Kraft einzusetzen, um
zu erreichen..." 446) - (folgen 29 'gute Vorsätze')
_____
243) "Leitsätze über den Organisationsaufbau der kommunistischen
Parteien, über die Methoden und den Inhalt ihrer "Arbeit", in:
THESEN UND RESOLUTIONEN DES III. WELTKONGRESSES DER KI, Moskau,
26.6.-12.7.1921, Bibl. der KI XX, Hamburg 1921, S. 105 ff.; vgl.
dazu BERICHT 2.(7.) PARTEITAG; Org.satzungen, § 2, a.a.O., S.
432.
244) Vgl. BERICHT 3. PARTEITAG, a.a.O., S. 12, 14, 16, 17.
245) "Leitsätze", a.a.O.; vgl. dazu auch das Organisationsrefe-
rat Koenens, PROTOKOLL 3. KONGRESS, a.a.O., S. 956 ff.
246) "Über die Bildung der kommunistischen Zellen und Arbeits-
gruppen", in: DIE TÄTIGKEIT DER EXEKUTIVE UND DES PRÄSIDIUMS DES
EKKI v. 13.7.-1.2.22, Petrograd 1922, S. 182 ff. hier S. 187.
247) Vgl. BERICHT 3.(8.) PARTEITAG, a.a.O., S. 55, S. 221 und
vgl. DER PARTEIARBEITER, 1. Jg., 1923, Nr. 1, S. 3 und Nr. 6, S.
41.
248) Im Zeitraum 1921-23 die KOMMUNISTI. PARTEIKORRESPONDENZ,
sie weist lediglich 5 diesbezügliche Artikel rein handwerkleri-
schen Charakters auf. Vgl. Jg. 22, Nr. 12, 13, 15, 22 und Jg.
1923, Nr. 2/3; durch Beschluß des 3. (8.) Parteitages wurde mit
der Publikation DER PARTEIARBEITER dieser Zustand geändert.
"... hat die KPD bisher der systematischen Förderung des organi-
satorischen Aufbaus der Partei die notwendige Aufmerksamkeit ge-
widmet? Wir antworten nein. Die organisatorischen Fragen werden
meist nur als verwaltungstechnische Aufgaben behandelt." W. Ul-
bricht: "Einige politisch-organisatorische Fragen", DIE INTERNA-
TIONALE, 6. Jg. 1923, H. 16, S. 464.
Bereits auf der ZA-Tagung Mitte Mai 1923, dem ersten Schritt auf
Umstellung auf Betriebszellen, auf der Ulbricht das wichtigste
Referat hielt, wurde die "Schaffung von Betriebszellen als Funda-
mente der Parteiorganisation" gefordert; (vgl. PARTEIARBEITER, 1.
Jg. 1923, Nr. 4, S. 21); die Resolution des ZA ist abgedruckt in:
DOKUMENTE UND MATERIALIEN, VII, 2, S. 329 ff.
249) Im PARTEIARBEITER wurde gefordert, "wenn der Aufbau der Be-
triebszellen sich so schnell vollziehen soll, wie es die politi-
schen Aufgaben der KPD dringend erfordern, dann muß sich auch die
Presse der KPD mehr auf diese Aufgabe einstellen, als es bisher
der Fall ist." (PARTEIARBEITER, 1. Jg., 1923, Nr. 7).
"Gegenwärtig werden in der kommunistischen Presse organisatori-
sche Fragen fast nicht besprochen, obwohl das zur Anregung der
Tätigkeit jedes einzelnen Mitglieds dringend notwendig ist." (W.
Ulbricht: "Einige politisch-organisatorische Fragen, a.a.O., S.
465).
250) Eiserne Kohorte, a.a.O., S. 4.
Ulbricht warnte vor einer Überstürzung der Durchführung der Um-
stellung: "Die Durchführung des Organisationsaufbaus ... erfor-
dert eine lange zähe Arbeit und darf nicht überstürzt geschehen,
damit der Parteiapparat keine Schädigung erleidet." (Ulbricht:
"einige org.-polit. Fragen", a.a.O., S. 467).
Ebenso THESEN UND RESOLUTIONEN 3. KONGRESS, a.a.O., S. 111; wie
sich die administrative Umstellung auswirkte, zeigte später
1924/25 der KJVD, der auf diese Art fast die Hälfte seiner Mit-
glieder verlor. Vgl. Werner Scholem; "Einige noch ungelöste orga-
nisatorische Fragen", DIE INTERNATIONALE, 8. Jg. 1925, Sonderheft
zum Reichsparteitag, S. 63. Die Zehnergruppen wurden auf Beschluß
des 2.(7.) Parteitags gebildet zur Zusammenfassung der Arbeit in-
nerhalb der Wohnorganisation; vgl. BERICHT 2.(7.) PARTEITAG,
Org.Satzung, § 3, a.a.O., S. 432 f.
251) W. Ulbricht: "Schafft Kommunistische Betriebszellen!", DER
PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1923, H. 3.
252) Ulbricht: "Einige polit.-org. Fragen", a.a.O., S. 464.
253) BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 54.
254) Ebda., S. 55.
255) Inwiefern die KP-Führung vom EKKI zum Losschlagen gezwungen
wurde, wie dies das politische Büro der BL-Berlin Brandenburg
1924 angibt (vgl. "Skizzen zu Thesen über die politische Situa-
tion und über die Lage der Partei, vorgelegt vom Pol. Büro der
BL-Berlin-Brandenburg", DIE INTERNATIONALE, 6. Jg., Jan. 1924,
Ergänzungsheft Nr. 1, S. 55) kann hier nicht untersucht werden.
256) Ernst Thälmann: "Die Lehren des Hamburger Aufstandes", DIE
ROTE FAHNE v. 23.10.1925, abgedruckt in: ZUR GESCHICHTE DER KOM-
MUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS. Eine Auswahl von Mat. und Dok.
aus den Jahren 1924-46, Hrsg. v. M-E-L-Stalin-Institut beim ZK
der SED, Berlin 1955, S. 156.
257) Vgl. BERICHT IX. PARTEITAG, a.a.O., S. 55.
258) PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1923, Nr. 3, S. 13 ff; S. 17 ff / Nr.
4, S. 21 ff; S. 26 ff. / Nr. 5, S. 31 ff; S. 35 ff.
DIE INTERNATIONALE, 6. Jg. 1923, H. 16, S. 462 ff.
Diese und andere Aufsätze sind z.T. verändert in: Ulbricht: ZU
FRAGEN DER PARTEIARBEIT, Berlin 1960 und Ulbricht: ZUR GESCHICHTE
DER DT. ARBEITERBEWEGUNG, Bd. 1, Berlin 1963, abgedruckt.
259) PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1923, Nr. 4, S. 21.
260) Vgl. dazu: PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1923, Nr. 5, S. 32.
261) Ulbricht: DIE INTERNATIONALE, 1923, a.a.O.
262) Ulbricht: PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1923, Nr. 1, S. 4.
263) Ebda.
264) Schon am 10. Juni hatte Ulbricht auf einer Sitzung des Be-
zirksausschusses der KP-Groß-Thüringen die Betriebsfraktionen als
"überlebten Kompromiß zwischen den veralteten Organisationsfor-
men und den revolutionären Aufgaben der KPD bezeichnet."
Zit. n. Walter Klaws: "Das Ringen der KPD...", a.a.O., BZG, 1968,
H. 3, S. 496. Daß Ulbricht hier nicht offen die Betriebszelle als
Grundorganisation fordert, ist mit Sicherheit zurückzuführen auf
den "Widerstand" aber auch die Vorsicht vor einer Überstürzung
der Umstellung; vgl. zu letztem: PARTEIARBEITER, 1. Jg., 1923,
H. 5, S. 19.
265) Eiserne Kohorte, a.a.O., S. 5.
266) Welcher Art der "Widerstand" war, erhellt, daß Ulbricht auf
dem 9. Parteitag nicht mehr in die Zentrale kam; er blieb noch
kurze Zeit "Sekretär für die umorganisierten Betriebszellen" in
der Zentrale (Klaws, BZG, a.a.O., S. 501); daß er im August 1924,
nach der Unterstellung der "Abteilung Zelle" unter die direkte
Kontrolle des vom "Ultralinken" Scholem geleiteten Orgbüros
"gezwungen (wurde), seine Tätigkeit in der KPD zeitweilig einzu-
stellen." (Fieber, a.a.O., S. 56 f., Anm. 107); darüberhinaus
wurde versucht, Ulbrichts Arbeit im Orgbüro des EKKI unmöglich zu
machen und ihn an der Teilnahme zu der ersten Orgkonferenz 1925
zu hindern. (Fieber, ebda., S. 57) Ähnlich wie Ulbricht erging
es Zetkin, Schumann, Pieck, Meyer, Frölich, Eberlein u.a.
267) BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 54.
268) Eiserne Kohorte, a.a.O., S. 21.
269) Obwohl Anfang Dez. 1923 von der Zentrale Org. Richtlinien
erlassen worden waren, daß die illegale Arbeit in erster Linie
von den Betriebszellen durchgeführt werden sollte, ihnen also
"der entscheidende Einfluß in der Parteiorganisation gesichert
werden" müsse (BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 56 f).
270) Ebda.
271) "Illusion der Legalität" ist typisch für die Fischer-Maslow-
Gruppe.
272) Ruth Fischer: "Parteitag der Bolschewisierung", DIE INTERNA-
TIONALE, 8. Jg. 1925, Sonderheft zum Reichsparteitag, S. 5.
273) INPREKORR., 5. Jg., Nr. 88, S. 1209 f.; die 16 Monate bezie-
hen sich auf die Zeit vom 1.1.24-30.4.25. Nach dem Kapp-Putsch
gab es 711 Verfahren und einen Verurteilten, den Polizeipräsiden-
ten von Berlin, Jagow, der für seine führende Rolle "fünf Jahre
Festungshaft (erhielt), ebensoviel wie Genosse Heinrich Brandler
für einen Artikel." (KPD-TASCHENKALENDER 1923, S. 49).
274) Richard Schaible: "Festung Groden bei Cuxhaven, der Kommu-
nist im Kerker", DIE INTERNATIONALE, 8. Jg. 1925, H. 12, S. 749.
275) KPD-TASCHENKALENDER 1925, S. 82.
276) Ca. 1 Mill. Stimmen bei der Reichstagswahl vom 7.12.1924 ge-
genüber der vom 4.5.1924. Vgl. Weber, a.a.O., S. 361.; vgl. Fie-
ber, a.a.O., S. 51 f.
277) PROTOKOLL ERW. EXEKUTIVE MÄRZ/APRIL 1925, a.a.O., S. 175. Zu
den wichtigsten Gewerkschaften:
1923 1925 (Januar)
Metallarbeiterverband 400 42 Fraktionen
Holzarbeiterverband 200 12 Fraktionen
Transportarbeiterverband 100 6 Fraktionen
278) Fieber, a.a.O., S. 64.
279) Ebda., S. 48.
280) Fieber, a.a.O., S. 212 (IML, ZPA, 3/1/495, BL. 154).
281) BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 124.
282) PARTEIARBEITER, 1. Jg. 1925, Nr. 3, S. 16; der Verfasser
macht hier den Fehler, Fraktion und Zelle gleichzusetzen.
283) Rundschreiben Bezirksleitung Niederrhein an die Ortsgruppen
v. Juni 1924, zit. nach: DER BONZENSPIEGEL. Splitter und Späne.
Aus dem Klassenkampf für den Klassenkampf, Berlin 1926, S. 61.
284) Vgl. "Thesen zur Taktik des Oktoberrückzugs und zu den näch-
sten Aufgaben der Partei", DIE INTERNATIONALE, 6. Jg. 1924, Er-
gänzungsheft 1, S. 14 ff. Es handelt sich um die spätere
"Mittelgruppe".
285) "Zur Lage in Deutschland und zur Taktik der Partei", ebda.,
S. 57 ff., insbes. S. 62f. (Zusatz in Klammern von uns).
286) Lehren der dt. Ereignisse, a.a.O., S. 114 ff. Die Resolution
galt für alle kommunistischen Parteien bis auf die KPR, die schon
seit 1902 das Problem der Verankerung in den Betrieben praktisch
löste. Vgl. Lenin, "Brief an einen Genossen über unsere organisa-
torischen Aufgaben", WERKE, Bd. 6, Berlin 1967, insbes. S. 235
und 240 f. Die Umstellung der kommunistischen Parteien, insbes.
die der KPD, geschah auf dem Hintergrund der Praxis der KPR und
nach deren organisatorischem Beispiel: vgl. BERICHT TÄTIGKEIT
EKKI 1921/22, a.a.O., S. 186 JAHRBUCH FÜR WIRTSCHAFT, POLITIK UND
ARBEITERBEWEGUNG 1922/23, Hamburg o.J., S. 466 ff.; DER PARTEIAR-
BEITER, 1. Jg. 1923, Nr. 1, S. 3; DER PARTEIARBEITER, 3. Jg.
1925, Nr. 2, S. 14 und 16 f.; BERICHT TÄTIGKEIT EKKI VOM 4.-5.
WELTKONGRESS, a.a.O., S. 98 f.; INPREKORR, 9. Jg. 1926, H. 4, S.
47.; INPREKORR, 8. Jg. 1925, Nr. 106, S. 1463; Ernst Schneller:
"Heraus mit der Sprache", DIE INTERNATIONALE, 8. Jg. 1925, Son-
derheft zum Reichsparteitag, S. 70; Klaws, BZG, a.a.O., S. 496
(Ulbrichts diesbezgl. Argumentation in der Disks. 1923); über die
russischen Gewerkschaftsfraktionen und Parteizellen, Isaac Deut-
scher: DIE SOWJET. GEWERKSCHAFTEN. Ihr Platz in der sowjet.
Arbeitspolitik, Frankfurt/M. 1969, S. 56 f.
Als Material über Org. Fragen zur Information über den Aufbau der
KPR und die Tätigkeit ihrer Betriebszellen, angekündigt von der
Org.Abteilung (BERICHT TÄTIGKEIT EKKI v. 4./5. WELTKONGRESS,
a.a.O., S. 99), werden 1925 angegeben: neben einer Aufsatzsamm-
lung "Lenin über Org. Fragen" und Stalins "Lenin und der Leninis-
mus" (= Grundlagen des Leninismus).
Kaganowitsch: DER AUFBAU DER KPR(B); Sinowjew: DIE GESCHICHTE DER
KPD (vgl. INPREKORR., 5. Jg. 1925, Nr. 117, S. 1670 und ARBEITER-
ZEITUNG BL-Frankfurt, Beilage v. 17.9.1925). Die Umstellung
sollte in der KPD binnen zwei Monaten beendet sein.
287) Vgl. die Darstellung Webers, a.a.O., S. 152 und 270. Es soll
nicht bestritten werden, daß die Fischer-Maslow in den Straßen-
zellen mehr Anhänger hatten; das zeigten z.B. die Abstimmungen
für oder gegen die "Ultralinken" nach dem "Offenen Brief"; in
Berlin stimmten von den Betriebszellenmitgliedern 78,4% = 3263
für den "Offenen Brief"; von den Straßenzellenmitgliedern 71,6 %
= 1532; (Bericht der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg v.
15.11.25 bis 31.5.26, zit. n. W. Klaws: "Vom Anfang der Be-
triebsparteiorganisation. Die 'goldenen 20er Jahre'. Arbeits-
titel: Das Ringen um die Durchsetzung der Betriebszellen in der
Berliner Parteiorganisation der KPD in den Jahren 1924-29",
Berlin 1967-69. Unv. Manuskript).
288) Ulbricht, IML, ZPA, 3/2/1086, Bl. 86: zit. n. Klaws, BZG,
a.a.O., S. 497.
289) Vgl. PROTOKOLL ERW. EXEKUTIVE DER KI, Moskau, 17.2.-
15.3.1926 Hamburg-Berlin 1926.
290) Vgl. BERICHT 9. PARTEITAG, S. 83, Sinowjew-Brief; S. 124
Thesen der 'Linken'; S. 188 Thesen der Org. Kommission.
291) Ebda., S. 385 ff.
292) Ebda., S. 337.
293) Klaws, BZG, a.a.O., S. 500 f.; vgl. Ulbricht auf dem Partei-
tag, (BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 284); vgl. den Statu-
tenentwurf, ebda., S. 189 ff. Die Umstellung sollte vom 1. Mai
bis 1. Juli abgeschlossen sein (ebda., S. 193 f.).
294) Vgl. ebda., S. 337.
295) Piatnitzki in der Org. Kommission des 5. Weltkongresses.
("Die Organisation der Betriebszellen. Organisatorische Fragen
und Beschlüsse des V. Weltkongresses", a.O., o.J., S. 8, zit. n.
Klaws, BZG, S. 501).
296) BERICHT TÄTIGKEIT EKKI, vom 4. bis 5. Weltkongreß, a.a.O.,
S. 99, Bericht der Org. Abteilung des EKKI.
297) Vgl. Klaws, BZG, a.a.O.; vgl. BERICHT TÄTIGKEIT EKKI vom 4.
bis 5. Weltkongreß, a.a.O.
298) "Resolution über den Umbau der Partei auf Grundlage der Be-
triebszellen", THESEN UND RESOLUTIONEN DES 5. WELTKONGRESSES DER
KI, Moskau, vom 17.6. bis 8.7.1924, Hamburg 1924, S. 90 f.
299) § 5 der "Statuten der KI", THESEN UND RESOLUTIONEN 5. WELT-
KONGRESS, a.a.O., S. 83.
300) So die von R. Fischer angeleitete Bl-Berlin-Brandenburg.
IML, ZPA, 5/2 1202, Bl. 37, zit. n. Klaws, S. 501 f.; vgl. auch
Fieber, a.a.O., S. 65, der als Zentrum des Widerstands das Org.
Büro unter Scholem angibt.
301) Ulbricht: "Zur Methode der Reorganisation auf der Basis der
Betriebszellen", DIE KOMM. INTERN., 6. Jg. 1925, H. 8, abgedr.
in: ZU FRAGEN DER PARTEIARBEIT, Berlin 1960, S. 47.
302) Vgl. "Die KPD - die einzige Arbeiterpartei im Dawes-Deutsch-
land", a.a.O., S. 25 und S. 28.
303) Philipp Dengel an S.A. Losowski am 4.12.1924; IML, ZPA,
3/4/1005, Bl. 109 und 111, zit. n. Fieber, a.a.O., S. 67; so
auch Meyer und P. Fröhlich in Briefen ans EKKI, (Fieber, ebda.);
vgl. auch Brief E. Meyers an Fischer vom 5.1.1925, abgedr. b. We-
ber, a.a.O., S. 408 f. und den Rundbrief der Jannack-Gruppe,
ebda., S. 409 ff; vgl. auch Clara Zetkins Rede auf dem 5.
Erw. EKKI-Plenum, März/April 1925, PROTOKOLL, a.a.O., S. 170
ff.
304) W.I. Lenin, "Karl Marx. Kurzer biographischer Abriß mit ei-
ner Darlegung des Marxismus", WERKE I, Bd. 21, Berlin 1967, S.
43.
305) Ebda., S. 64.
306) "Die Bolschewisierung der Parteien der KI", INPREKORR 1925,
Nr. 12, S. 136; vgl. auch "Thesen über die Bolschewisierung der
komm. Parteien", THESEN UND RESOLUTIONEN, Erw. EKKI, März/April
1925, a.a.O., S. 41, 6. Teil.
307) PARTEIARBEITER, 3. Jg. 1925, Nr. 3, S. 26.
308) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 425 (fettgedruckt). Die
Folge davon liefert G. gleich mit, indem er die bestehenden Zei-
len kritisiert als "wohl Zellen der Betriebe, aber nicht Zellen
der Partei in den Betrieben." a.a.O., S. 434. Vgl. auch Ernst
Schneller, "Zur Org.Frage", INTERNATIONALE 1925, H. 7, S. 431/32.
Das beste Beispiel für dieses Begreifen der Bolschewisierung als
Organisationsaufgabe ist die Schrift: Heinz Neumann, WAS IST BOL-
SCHEWISIERUNG? Hamburg 1925, die in der Partei als die Abhand-
lung empfohlen wurde: "Neben Stalins 'Lenin und der Leninismus',
ist es das Buch, das die Frage der Bolschewisierung in einfacher,
verständlicher und doch meisterhafter umfassender Weise behan-
delt", (Rundschreiben des "Org. Büro Zelle" vom 3.4.1925 an die
Betriebszellen, zit. n. Weber, a.a.O., S. 87, Anm. 172); vgl.
gleichermaßen PARTEIARBEITER 3. Jg. 1925, S. 27; wie wenig Neu-
mann das Problem der Bolschew. für die KPD als politisches be-
greift, zeigt entlarvend (insbes. S. 5 und 75) der Passus über
die "Organisierung der Revolution" (a.a.O., S. 57 u. 105) und die
Einschätzung der Sozialdemokratie als Partei der Arbeiteraristo-
kratie (a.a.O., S. 14); vgl. die (nur z.T. richtige) Kritik von
K.S. (= Kurt Sauerland) an Neumann, DIE INTERNATIONALE, 8. Jg.
1925, H. 6, S. 377 ff.
309) PROTOKOLL ERW. EKKI März/April 1925, a.a.O., S. 326.
310) THESEN UND RESOLUTIONEN, Erw. EKKI März/April 1925, a.a.O.,
S. 9.
311) Ebda., S. 36.
312) In dieser Hinsicht war die Bolschewisierung auf jeden Fall
zu spät unternommen worden; darüber im letzten Kapitel.
313) Paul Levi, "Vorwort" zu Trotzki: DIE LEHREN DES OKTOBER,
Berlin 1924, S. 7.
314) So setzte es z.B. die. deutsche Delegation auf dem 5. EKKI-
Plenum durch, daß die "Thesen über die Bolschewisierung" im 5.
Teil, D. 10 bezüglich der innerparteilichen Auseinandersetzungen
entscheidend verkürzt wurden um den Passus "keinesfalls mit Hilfe
mechanischer Säuberungen" (vgl. PROTOKOLL Erw. EKKI März / April
1925, a.a.O., S. 322).
315) THESEN UND RESOLUTIONEN, Erw. EKKI März/April 1925, a.a.O.,
S. 36.
315a) W. Ulbricht, Zur Methode der Reorganisation auf der Basis
der Betriebszellen, Die Kommunistische Internationale, 1925, H.
8, abgedr. in: ZU FRAGEN DER PARTEIARBEIT, a.a.O., S. 47.
315b) Die Fortsetzung der Analyse der Revision des Marxismus in
den Analysen und der Politik der KPD, der Bürokratisierung der
Parteiorganisation bis einschließlich des VII. KI-KONGRESSES er-
scheint zusammen mit der Kritik an der AO-Analyse im nächsten
Heft.
Das eigentliche Schlußkapital, die empirische Analyse des Schei-
terns der Betriebszellen-Organisation der KPD wird bereits an
dieser Stelle abgedruckt.
316) Vgl. INPREKORR, 1925, Nr. 83, S. 1125.
317) Piatnitzki, Information über die Tätigkeit der Org. Ab-
teilung des EKKI, INPREKORR 1925, Nr. 40, S. 597 ff., und Nr. 45,
S. 649 ff. und S. 646 f.
318) INPREKORR, 1925, Nr. 40, S. 598.
319) "Resolution der Org. Konferenz", THESEN UND RESOLUTIONEN,
Erw. EKKI, März/April 1925, a.a.O., S. 103.
320) INPREKORR, 1925, Nr. 40, S. 598.
321) INPREKORR, 1925, Nr. 45, S. 655.
322) Piatnitzki: "Die Ergebnisse der Org. Konferenz der Sektionen
der KI", INPREKORR, 1925, Nr. 83, S. 1127.
323) INPREKORR, 1925, Nr. 83, S. 1126 (Hervorhebung von uns).
324) INPREKORR, 1925, Nr. 83, S. 1137.
325) Meinung der dt. Delegation über das diesbezügliche Ergebnis
in der Resolution "Der organisatorische Aufbau der kommunisti-
schen Parteien"; vgl. INPREKORR, 1925, Nr. 45, S. 657.
326) Wie schon gesagt, eine andere Frage ist, ob die KPD diese
Frage zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch prinzipiell und konse-
quent lösen konnte.
Im "Musterstatut", das auf der Konferenz für alle Sektionen ver-
bindlich angenommen wurde, um eine "einheitliche Form der Par-
teiorganisationen in allen Sektionen der KI" zu schaffen
(INPREKORR., 1925, Nr. 83, S. 1129) las sich das so:
"Parteimitglieder, die in keinem Betrieb arbeiten, werden i n
d e r R e g e l an die im Orte bestehende Betriebszelle ange-
gliedert, s o n s t b i l d e n s i e
S t r a ß e n z e l l e n." (INPREKORR., 1925, Nr. 83, S. 1141;
Hervorhebung von uns) Damit war dem Verbleiben in der bevorzugten
Wohnzelle unter Verschiebung subjektiver und objektiver Hinde-
rungsgründe Tür und Tor geöffnet. Auf dieses Dilemma stützten
sich auch die Rückzugsgefechte der Ultralinken in dieser Frage
(vgl. W. Scholem: "Einige noch ungelöste organisatorische Fra-
gen", a.a.O., S. 62 ff.).
327) Vgl. dazu Clara Zetkins Beitrag auf dem 6. Erw. EKKI-Plenum,
(PROTOKOLL ERW. EXEKUTIVE DER KI, Moskau v. 27.2.-15.3.26, Ham-
burg-Berlin 1926, S. 249); vgl. das "Vorwort zum X. Parteitags-
bericht", a.a.O., insbes. S. IV - V;
vgl. "Brief des EKKI an alle Organisationen und die Mitglieder
der KPD", abgedr. in: DER NEUE "KURS, Reden der Genossen Bucharin
und Sinowjew, Brief des EKKI, Hg. ZK der KPD, Berlin, den
25.9.1925, S. 54.
328) Bericht 10. Parteitag, a.a.O., S. 232 ff.; es ersetzte je-
nes von 1921 und blieb bis 1933 in Kraft; "Resolution zur Organi-
sationsfrage", ebda., S. 226 ff.
329) Dies bezieht sich ebenso auf das verabschiedete Aktionspro-
gramm, d.h. Minimalprogramm der KPD (S. 220 ff.); die Resolution
zur Gewerkschaftsfrage (S. 241 f.); die Durchführung der Ein-
heitsfrontpolitik; alles verbaler Ausdruck des schon auf der Mai-
Tagung des ZA eingeleiteten versuchten Bruchs mit der sektiereri-
schen Politik (vgl. zur ZA-Tagung, Fieber, a.a.O., S. 71 f.);
vgl. bezüglich "Aktions-" oder "Minimal"-programm die Scholastik
Thälmanns, DIE INTERNATIONALE, 1925, Sondern, zum Reichspartei-
tag, S. 3); Die Org.frage, Resolution und Statut waren von den
einzelnen Parteiorganisationen vor dem Parteitag nicht diskutiert
worden; das EKKI erhielt die Entwürfe erst nach Beginn des Par-
teitages; vgl. "Der Brief der Org.abteilung des EKKI", in: DER
NEUE KURS, a.a.O., S. 68; vgl. Köhler - Württemberg, Diskussion
zum Org.referat, BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 448; Müller -
Erzgebirge-Vogtland, ebda., S. 453.
330) M. Ulbricht: "Bemerkungen zu den Organisationsfragen in der
KPD", DIE INTERNATIONALE, 1925, H. 9, S. 571.
331) Bericht 10. Parteitag, a.a.O., S. 234 f.; der Delegierten-
konferenz entsprach die Parteikonferenz, die aber nur dreimal
stattfand bis 1933.
332) Ebda., Statut § 12, S. 233.
333) Dies betraf vor allem Erwerbslose, nicht in Betrieben Be-
schäftigte, aber eben vor allem auch Arbeiter, die zu weit vom
Betrieb wegwohnten und andere objektive und subjektive Gründe
geltend machten, um nicht in der Betriebszelle zu arbeiten. Daß
nicht alle Parteimitglieder automatisch den Betriebszellen ange-
gliedert werden sollten, um diese nicht zu "ersticken", die Stra-
ßenzellen auch unter den Bedingungen regionaler (ländlicher) und
industriebezogener Unterschiede weiter bestehen sollten, war klar
und wurde von Ulbricht z.B. auch betont. (Vgl. "Bemerkungen zu
den Org.fragen", a.a.O., S. 573); vgl. auch Piatnitzki: "Die
letzten Erfahrungen der Zellenarbeit", INPREKORR., 1925, Nr. 117,
S. 1631. Das war aber nicht die prinzipielle Frage, um die sich
die Org.debatte drehte. Die Unklarheiten, die in der Resolution
"Reorganisation der Partei" eindeutig auf eine Verzögerung der
Umstellungen hinauslief (vgl. BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S.
227, I, e-g) wurde nach dem Parteitag von der Org.abteilung des
EKKI kritisiert (vgl. Brief der Org. abteilung des EKKI, a.a.O.,
S. 71). Wie unklar aufgrund der praktischen Schwierigkeiten das
Verhältnis Betriebs - Straßenzellen war, zeigt der Artikel Ul-
brichts zur Vorbereitung der 2. Org.konferenz ("Die Straßenzel-
len", INPREKORR, 1926, Nr. 4, S. 77 ff) und die Diskussion auf
der 2. Org.konferenz (vgl. INPREKORR., 1926, Nr. 60, S. 854 ff.;
Nr. 65, S. 945.; Nr. 68, S. 1069 ff.).
334) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 121.
335) "Brief der Org.abteilung", a.a.O., S. 71; In dem Bezirk, der
als erster dem "Offenen Brief" zustimmte, wurde in 264 von 330
Betriebszellen (Erzgebirge) kassiert; in Württemberg in 116 von
148; Thüringen 162 von 176; Ruhrgebiet 29 von 122; Halle-Merse-
burg 7 von 71; Hessen-Waldeck war ein ultralinker Bezirk; in Ber-
lin wurde am 31.12.24 in 2 Zellen kassiert, 6 Monate später also
in zwei weiteren; der Bericht auf dem Parteitag spricht nur all-
gemein von einer Kassierung in 796 Zellen, d.h. 30% (BERICHT 10.
PARTEITAG, a.a.O., S. 123); die Kassierung war das
"organisatorische Gerippe" der Betriebszelle, wie vorher auch der
Wohnorganisation; die Kassierung sollte "den Zusammenhalt und die
Übersicht über die Mitgliedschaft" garantieren, (vgl. "Die Zelle,
das Fundament der Partei", INPREKORR., 1926, Nr. 4, S. 51; dieser
Artikel ist ein Teil der Richtlinien der KPD vom 7.9.1925 für die
Durchführung der Reorganisation).
336) "Brief der Org.abteilung", a.a.O., S. 71.
337) Ebda., S. 73.
338) Ebda., S. 74.
339) Ebda., S. 77.
340) PROTOKOLL ERW. EKKI Febr./März 1926, a.a.O., S. 627. 1923
hatte der Bezirk Ruhrgebiet 21 259 Mitglieder, vgl. Weber,
a.a.O., S. 374.
341) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 30.
342) "Ich habe schon darauf hingewiesen, daß breite Schichten der
Arbeiterschaft in die Arme der Reaktion zurückgetrieben wurden
durch die Politik der Sozialdemokratie. Aber es kommt noch
schlimmer. Die Arbeiterschaft ist demoralisiert, ist gespalten,
die Verärgerung und die Passivität in der Gewerkschaftsfrage ist
ein Hauptresultat jener Politik." (BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O.,
S. 505, "Lage-Referat R. Fischers".)
343) Aus der Rede R. Fischers in der dt. Kommission des EKKI-Prä-
sidiums auf den Beratungen ders 2. dt. Delegation vom 12.-
14.8.25, abgedr. in: "Brief des EKKI", a.a.O., S. 47; vgl. dazu
Fieber, a.a.O., S. 140 f.
344) Die Fischer-Maslow-Führung hatte nicht nur die Beschlüsse
des 10. Parteitages nicht durchgeführt, entscheidend für ihren
Sturz war gleichermaßen die "doppelte Buchführung" gegenüber der
KI, z.T. aus Furcht vor einer 'Rechtswendung' der KI, wobei aber
nicht erwartet werden darf, daß dies etwa Ergebnis der Einsicht
in die Revision des Marxismus durch Stalin und Bucharin gewesen
wäre. Der einzige, der dazu in der Lage war in der dt. KP und die
Ansätze auch lieferte, Karl Korsch, wurde von den Fischer-Maslow
schon seit Jahren bekämpft. Andere Gründe für den Sturz waren das
versteckte Paktieren mit den (aus der Führung ausgeschlossenen)
'Ultralinken'; die Rebellion gegen die persönliche Diktatur Ruth
Fischers und die Verunmöglichung der Parteidemokratie; vgl. dazu
"EKKI-Brief", Brief der Org.abtlg.", a.a.O.; vgl. die Diskussion
auf dem 6. EKKI-Plenum, a.a.O., vgl. Weber a.a.O., S. 120 ff;
vgl. Fieber, a.a.O., S. 140 ff.
Der ultralinke Scholem 'zur Schuldfrage': "Die Verantwortung für
den Zusammenbruch der linken Berliner Organisation trägt, das
kann ernsthaft nicht bestritten werden, die Genossin Ruth Fi-
scher." (Werner Scholem: "Die Berliner Organisation wieder ein
Damm gegen die Rechten", DIE INTERNATIONALE, 1925, H. 10, S.
623).
345) Nach der ersten Parteikonferenz (31.1O.-1.1.25), auf dem
Plenum des ZK am 6.11.25 wurden Fischer und Maslow aus dem Pol.
Büro (vgl. Fieber, a.a.O., S. 193 f.) und im August 1926 aus der
KPD ausgeschlossen (vgl. Weber, a.a.O., S. 161).
346) Vgl. "Aus der Praxis der Reorganisation", INPREKORR., 1926,
Nr. 4, S. 60 ff., insbesondere S. 61; in dem hier veröffentlich-
ten Material der Org.abteilung der KPD kommt zum Ausdruck, daß
sich keine einzige Betriebszelle gegen den Offenen Brief ausge-
sprochen hatte. Vgl. dazu auch die bei Wilhelm Ersil, Ernst La-
boor auszugsweise abgedruckten Briefe ("Die Parteidiskussion im
Sept./Okt. 1925 und ihre Bedeutung für die marxist.-leninist.
Entwicklung der KPD", BZG, 1966, H. 4, S. 601).
347) "Die Zelle, das Fundament der Partei", a.a.O.
348) Vgl. Fieber, a.a.O., S. 149 f.
349) Ebda., S. 150; erst 1928 hatte die KPD quantitativ etwa den
Einfluß in den Gewerkschaften von 1923; (Piatnitzki: "Das Problem
der organisatorischen Verankerung des ideologischen Einflusses
der kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern",
in: KOMM. INTERNATIONALE, 1928, H. 38, S. 2347.).
350) Referentenmaterial Nr. 1, FÜR DIE PARTEIDISKUSSION, hrsg. v.
ZK, Berlin 25.9.25, S. 3 (nur als Manuskript gedruckt).
351) Ebda., S. 3 f.
352) Brief des EKKI, a.a.O., S. 48. Welche Auswirkungen das
hatte, zeigt der die 1. Abstimmung der Berliner Bezirksleitung
und des Zentralvorstandes gegen den Offenen Brief revidierende 2.
Beschluß, der nicht etwa aus Einsicht in die falsche Politik der
Fischer-Maslow erfolgte, sondern um den Eindruck der 1. Abstim-
mung zu vermeiden, "die Berliner Spitzenkörperschaften (wären)
gegen die Komintern. Das ist für uns untragbar. Wir sehen ein,
daß alle unsere Vorbehalte zu Fragen zweiter und dritter Ordnung
herabsinken, angesichts der Tatsache, daß wir in erster Linie
klarstellen müssen, ob wir für oder gegen die Komintern sind."
(Referentenmaterial Nr. 1), a.a.O., S. 29) Das ist nichts anderes
als die politische Erscheinung der Bucharinschen Stabilisierungs-
Analyse.
353) KPD-RUNDSCHREIBEN NO. 1, Arbeitsplan August/November, hrsg.
v. ZK der KPD, Berlin, 25.8.1925 an die Bezirksleitungen, Redak-
tionen, Unterbez.-Leitungen, Arbeitsgebietsleitungen, Ortsgrup-
penleitungen, Zellenleitungen, nur als MS gedruckt, S. 3; S. 30.
354) KPD-RUNDSCHREIBEN NO. 1, a.a.O., S. 6 und 25. Es ist mög-
lich, daß das Rundschreiben noch ohne Berücksichtigung des Offe-
nen Briefes und des damit eingeleiteten "Neuen Kurses" verfaßt
wurde, das Gewicht dieser Ausführungen evtl. relativiert werden
müßte, zumal im Offenen Brief gefordert wurde, "weniger davon (zu
reden), daß die kommunistische Partei Deutschlands die einzige
Arbeiterpartei ist!" ("Brief des EKKI", a.a.O., S. 58).
Im RUNDSCHREIBEN NO. 5 wird darauf hingewiesen, daß dieses
"vorzeitig" herausgegeben worden sei, "weil durch die Veröffent-
lichung des EKKI-Briefes eine neue innerparteiliche Situation ge-
geben ist." (RUNDSCHREIBEN NO. 5. Unsere Arbeit; Ok-
tober/November, Arbeitsplan Oktober/November, hrsg. vom ZK der
KPD Berlin, den 26.9.1925, an die Bezirksleitungen usw. S. 4.)
Im Arbeitsplan selbst wird aber beständig auf das RUNDSCHREIBEN
NO. 1 verwiesen, bezüglich der "allgemeinen Arbeit", also Kampa-
gnen, Org.Arbeit, Wahlen etc., (vgl. RUNDSCHREIBEN NO. 5, a.a.O.,
S. 2 und 3).
355) Vgl. Fieber, a.a.O., S. 193.
356) "Resolution zur Organisationsfrage, angenommen auf der 1.
Reichsparteikonferenz der KPD in Berlin am 1.11.1925", abgedr.
in: GESCHICHTE DER DEUTSCHEN ARBEITERBEWEGUNG, Bd. 4, a.a.O., S.
434/35.
357) Von 253 Delegierten kamen 168 unmittelbar aus den Betrieben
(vgl. Fieber, a.a.O., S. 176). Diese Zahl ergibt sich auch aus
den Angaben Piatnitzkis ("Vor der 2. Internationalen Organisati-
onsberatung der Sektionen der KI", INPREKORR, 1926, Nr. 4, S.
38); Weber gibt 249 an (a.a.O., S. 133).
358) Die 2. Orgkonferenz vom 10. bis 17.2.1926 beschäftigte sich
in Fragen der Betriebszellenorganisation nur noch "rein prak-
tisch" mit der "Organisierung und Tätigkeit der Zellen" (vgl.
Piatnitzki: "Vor der 2. ...", a.a.O., S. 38).
359) entfällt.
360) Daß dies auch für die anschließende Phase, vor allem ab An-
fang 1928 zutrifft, wurde schon bemerkt.
361) De Vries, Nordwest, BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 471.
362) Vom 22.9.1924, zit. n. Klaws, BZG, a.a.O., S. 503.
363) Nach § 128 STGB; zit. n. Klaws, ebda., Anm. 31.
364) Vgl. etwa einen diesbezüglichen Abschnitt aus "Der Arbeitge-
ber", zit. in: PARTEIARBEITER, 10. Jg. 1932, Nr. 2, S. 52/53; so
auch die Geschäftsleitung der "Vereinigung der Dt. Arbeitgeber-
verbände", zit. bei Fieber, a.a.O., S. 131.
365) "Solange die KPD noch ihre Führer hat - für rechtzeitigen
Ersatz und für die Heranbildung dieses Ersatzes hat sie längst
Sorge getragen - solange besteht die kommunistische Gefahr für
Deutschland und für die ganze Welt weiter." ("Der Arbeitgeber",
zit. n. PARTEIARBEITER, 10. Jg. 1932, Nr. 2, S. 53).
366) So z.B. die Direktion der Anilinwerke zur Ergreifung des
Herstellers der Parteizellenzeitung 3000 Mark, vgl. INPREKORR
1925, Nr. 40, S. 605 u. 602.
367) Vgl. Prot. Erw. Exekut. Febr./März 1926, a.a.O., S. 521;
vgl. BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O., S. 121.
368) So z.B. die Pinkerton Gesellschaft, einer internationalen
Agentur, die den Unternehmern per Werbebrief ihre diesbezüglichen
Dienste offerierte. Vgl. PARTEIARBEITER, 5. Jg. 1927, Nr. 3 und
6. Jg. 1928, Nr. 1, S. 30 f.
369) Technische Nothilfe, entsprechend dem heutigen Werkschutz,
Vgl. BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 120.
370) Ebda., S. 121.
371) Vgl. PARTEIARBEITER, 5. Jg. 1927, Nr. 6, S. 189.
372) Gustav Herzog: "Weiße Betriebszellen in Deutschland", INPRE-
KORR, 5. Jg. 1925, Nr. 112, S. 1762/63; diese Betriebszellen der
Unternehmer arbeiteten eng mit der Teno zusammen, die genauso in-
ternational organisiert war, wie die "Gelben". Die SPD ging ab
1925 im Verein mit den Gewerkschaften dazu über, ebenfalls Be-
triebsorganisationen aufzubauen; obwohl sie u.a. zur "Schwächung
der KPD", zur "Abwehr gegen die bösartige Zersetzungs- und Ra-
daupolitik der Kommunisten in den Gewerkschaften..." gegründet
wurden, ist ihr grundsätzlicher Zweck nicht der Terror gegen die
Kommunisten; Vgl. PARTEIARBEITER, 4. Jg. 1926, H. 2, S. 163 f;
vgl. W. Ulbricht: "Organisationsfragen der Sozialdemokratie",
INPREKORR, 1925, Nr. 84, S. 1154 ff.; vgl. INPREKORR 1925, Nr.
117, S. 1632; INPREKORR, 1926, Nr. 4, S. 39/40.
Auch die Faschisten bilden schon ab 1925 Betriebszellen, vgl. IN-
PREKORR, 1925, Nr. 117, S. 1632; vgl. "Die Komintern vor dem 6.
Weltkongreß", a.a.O., S. 19; vgl. PARTEIARBEITER, 10. Jg. 1932,
H. 1, S. 21.
Kaasch gibt für 1927 an, daß vor allem die Großbetriebe von SPD,
Zentrum und Faschisten beherrscht wurden, bes. in der ehem. Indu-
strie, (vgl. Kaasch, Wienand: "Die soziale Struktur der KPD", DIE
KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE, 1928, H. 19, S. 1058).
373) Vgl. BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 455.
374) Vgl. PARTEIARBEITER, 1932, H. 1, S. 21/22.
375) Vgl. H. Remmele: "Zur Gewerkschaftsarbeit der KPD", KOMMUN.
INTERN., 1928, H. 7/8, S. 423; vgl. BERICHT 10. PARTEITAG,
a.a.O., S. 121; vgl. Klaws, BZG, S. 503; vgl. INPREKORR, 1925,
Nr. 40, S. 601; vgl. PROT. ERW. EXEKUT., Febr./März 1926,
a.a.O., S. 521; vgl. "Die Komintern vor dem 6. Weltkongreß",
a.a.O., S. 15; die gewerkschaftlich organisierten Kommunisten
mußten nicht nur Reverse unterschreiben, sich jeder Arbeit gegen
die Gewerkschaften zu enthalten, sondern auch solche, gegen die
KPD zu kämpfen, (vgl. PARTEIARBEITER, 1929, Nr. 3, S. 73 ff.).
376) INPREKORR, 1925, Nr. 40, S. 602; vgl. ebenso: "Die Komintern
vor dem 6. Weltkongreß", a.a.O., S. 15.
377) Anweisung der Leunadirektion, (Vgl. INPREKORR, 1925, Nr.
40, S. 605); die Arbeitsordnung der chemischen Großindustrie
verbot jeglichen Schriftenvertrieb. (Vgl. PARTEIARBEITER, 1926,
H. 3, S. 75).
378) "Die Komintern vor dem 6. Weltkongreß", a.a.O., S. 14 u. 15.
379) INPREKORR, 1925, Nr. 45, S. 655; der Anteil der arbeitslosen
Funktionäre am Funktionärskörper der einzelnen Bezirke war 1931
fast überall größer als 1/3, August Creutzburg: "Der Stand der
Organisationsarbeit der KPD und ihre nächsten Aufgaben", KOMM.
INTERN., 1931, H. 7, S. 290).
380) Walter Klaws: "Vom Anfang der Betriebsparteiorganisation.
Die 'goldenen zwanziger Jahre'." Arbeitstitel: DAS RINGEN UM DIE
DURCHSETZUNG DER BETRIEBSZELLEN IN DER BERLINER PARTEIORGANISA-
TION DER KPD IN DEN JAHREN 1924 bis 1929, Berlin 1967/69, unver-
öffentlichtes Manuskript.
Im Folgenden alle nicht anders gekennzeichneten Angaben danach.
381) Landesarbeitsamt Berlin, nach Klaws.
382) Berlin nach den 20 Verwaltungsbezirken; darunter auch Sam-
melzellen, d.h. mehrere Betriebe gleicher oder ungleicher Bran-
che, z.B. "Betriebszelle rund um den Lützowplatz"; (vgl. dazu
auch PARTEIARBEITER, 1925, Nr. 1, S. 5).
383) Kaasch: "Soziale Struktur", a.a.O., S. 1057.
384) Das bedeutete, daß nicht einmal in allen 313 Berliner Be-
trieben mit über 500 Beschäftigten Zellen existierten; das Ver-
hältnis von eingegangenen zu neugegründeten Betriebszellen war
Anfang 1928 41:6; ab 1929 mit Zunahme der Arbeitslosigkeit zer-
fielen die Betriebszellen rapide.
385) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 247 (Bezirk Brandenburg).
386) Kaasch, a.a.O., S. 1057 (Bezirk Berlin-Brandenburg).
387) Bericht BL-Bln.-Brdbg. v. 31.1.1929, S. 251, zit. n. Klaws;
in der Provinz Brdbg. befanden sich nur 174 Mitglieder = 6,1%
der Gesamtmitglieder in Betriebszellen.
388) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 247.
389) Bericht BL-Bln.-Brdbg. 1925/26, zit. n. Fieber, S. 65/66.
390) Ebda.
391) Kaasch, a.a.O., S. 1057.
392) Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 25.
393) PARTEIARBEITER, 1926, Nr. 1, S. 2.
394) Kaasch, a.a.O., S. 1056.
395) Bericht BL-Bln.-Brdbg. v. 15.11.1925 - 31.5.1926, S. 27,
zit. n. Klaws; (Zusätze in Klammer von uns); in einigen Orten
betrug die Arbeitslosigkeit bis zu 70%, (Bericht 10. Parteitag,
S. 121).
396) IML, ZPA 4/12, Bl. 94, zit. n. Klaws; direkte Auswirkungen
der Entlassungen ist die "empfindliche Schwächung der Betriebs-
zellenzeitungen" (Jan. 26:3; Febr. 26:3; März 26:12; April 26:17
jeweils in ganz Berlin; (Bericht BL, Bln.-Brdbg., a.a.O.).
397) 1927: Industriearbeiter insgesamt 68,1% der Gesamtmitglie-
der.
Gelernte: 39,92 % - Ungelernte: 28,18% - Handwerkliche und Ge-
werbl. Arbeiter: 9,57% (Kaasch, a.a.O., S. 1052);
1928: 39,92 % Gelernte, 18% Ungelernte (Piatnitzki: "Das Pro-
blem...", a.a.O., S. 2688).
398) H. Remmele: "Zur Gewerkschaftsarbeit", a.a.O., S. 422.
399) Kaasch, a.a.O., S. 1060.
400) O. Piatnitzki: BRENNENDE FRAGEN. DIE ARBEIT UNTER DEN AR-
BEITSLOSEN. Partei- und Gewerkschaftsarbeit im Betrieb. Die Fluk-
tuation im Mitgliederbestand. Bücherei des Parteiarbeiters, Bd.
2, Hamburg Berlin 1931, S. 25; im Oktober 1931 waren von den
23 000 Neuaufgenommenen nur 19,9% Betriebsarbeiter. (PARTEIAR-
BEITER, 1932, H. 1, S. 9).
401) DIE KOMMUNISTEN UND DIE GEWERKSCHAFTEN. (Hg.) DMV, Berlin
o.J. 1931, Bl. 7,1; vgl. Piatnitzki: "Das Problem...", a.a.O., S.
2681: 1928 bestand der Betriebsrat der Leunawerke "in der Mehr-
zahl aus Kommunisten", ebenso die Vertrauensleute, bzw. waren
letzte Sympathisierende; P. beziffert die gesamte Arbeiterschaft
der Leunawerke damals mit 28 000.
402) Piatnitzki: "Die gegenwärtige Lage in Deutschland.
Erg."Stenogramm eines Referats in der "Intern. Leninschule" vom
11.4.1933, Hamburg 1933, S. 28.
403) Kaasch, a.a.O., S. 1055.
404) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 248; die dortigen Angaben
für 1927 weichen geringfügig von denen Kaasch's ab.
405) Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 29.
406) Vgl. Kaasch, a.a.O., S. 1056.
407) Vgl. dazu PARTEIARBEITER, 1926, H. 2, S. 1 u. 39 ff.; H. 3,
S. 66; H. 4, S. 107 ff. ("Mehr Kontrolle über die Straßenzelle");
vgl. auch "über die Durchführung unserer nächsten Aufgaben", Re-
solution des Plenums des ZK der KPD v. 8./9.9.1927; PARTEIARBEI-
TER, Sonderbeilage zu Jg. 5, H. 10, S. 17; vgl. auch Piatnitzki:
"Das Problem...", a.a.O., S. 2349 u. Tätigkeitsbericht EKKI,
Febr.-Nov. 1926, S. 19.
408) Vgl. Piatnitzki: "Brennende Fragen", S. 28 u. 38.
409) Vgl. Kaasch, a.a.O., S. 1057; im Ruhrgebiet steckten 1927
26% der Betriebsarbeiter in Straßenzellen (ebda., S. 1058).
410) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 246; Piatnitzki gibt für
1927 15,61%, für 1928 18,96% an, a.a.O., S. 25 (Brennende Fra-
gen).
411) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 246.
412) Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 25.
413) Ebda., S. 25.
414) Ebda., S. 27.
415) Ebda.
416) Sept. 1923: 3321 Ortsgruppen (BERICHT 9. PARTEITAG, a.a.O.,
S. 58); Die Angabe stammt von Piatnitzki: "Der Parteiaufbau in
den Sektionen der KI", INPREKORR, 1925, Nr, 17, S. 198, Sonder-
nummer.
417) Mickiewicz-Kapsukas, Die Reorganisation der kommunistischen
Parteien auf der Grundlage der Betriebszellen, INPREKORR, 1925,
Nr. 12, S. 146. Diese Zahl gilt bis 1.8.1924; nach Max Hesse
(Die Tätigkeit einer Betriebszelle in Deutschland, INPREKORR,
1925, Nr. 17, S. 202) wurden diese von Mai bis August 1924 aufge-
baut und waren "arbeitsfähig"; die Zahl entstammt dem Bericht der
Zentrale der KPD an die Org.Abtlg. des EKKI (vgl. Kurzer Tätig-
keitsbericht der Org.abteilung des EKKI, Juli-Dez. 1924, INPRE-
KORR, 1925, Nr. 17, S. 207).
418) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 121.
419) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 121, davon allein 1800 im
Bezirk Bln.-Brdbg., von denen aber nur 540 aktiv waren, (vgl. IN-
PREKORR, 1925, Nr. 45, S. 650) bzw. "einigermaßen" (INPREKORR,
1925, Nr. 83, S. 1126); vgl. dazu PARTEIARBEITER, 1925, Nr. 2, S.
3; Geschke nennt auf der 1. Org. Konferenz "ungefähr 4000", ver-
mutlich zählt er zu den KPD Zellen die des KJVD (vgl. INPREKORR,
1925, Nr. 40, S. 601). Über die einzelnen Bezirke liegen folgende
Angaben vor: (alle Angaben nach BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O.)
Württemberg: 116, UB-Stuttgart 85 (S. 450)
bzw.: 160, UB-Stuttgart 120 (kassiert 126) S. 480)
Wasserkante: 290 (S. 121)
Erzgeb.-Vogtl: 330 (S. 121); dagegen 434 (S. 453), von denen
50% kassiert wurden. Im Juni 1924 über 100 mit
1200 Mitgl. (S. 459)
Hall. Merseburg: 71 (S. 459)
Thüringen: 178 (größtenteils kassiert) S. 457)
Berlin: 626 (S. 121) dagegen 623 (S. 475) 646
(Piatnitzki, Zur 2. Org. Ber., a.a.O., Komm.
Intern. 1926, H. 2, S. 130).
420) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 245, nach Angaben des ZK
der KPD; 110 Straßenzellen (so auch Piatnitzki: "Brennende Fra-
gen", S. 24 und ders., Das Problem..., a.a.O., S. 2349).
421) Piatnitzki: "Brennende Fragen", S. 24; 1928 Straßenzellen
(10. Plenum, S. 245), (so auch Piatnitzki: "Das Problem...",
a.a.O., S. 2349).
422) PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O., S. 245; 2597 Straßenzellen,
Ortsparteiorganisationen ohne Zellen 1963; Zahlen auch bei Piat-
nitzki: "Das Problem...", a.a.O., S. 2349.
423) Einige ausgewählte Bezirke: (Kaasch, a.a.O., S. 1057)
Berlin-Brdbg.: 316 Betr.zellen 187 Str.zellen
Oberschlesien: 34 Betr.zellen 20 Str.zellen
Erzgeb.-Vogtl.: 164 Betr.zellen 47 Str.zellen (i. Chemnitz)
Ruhrgebiet: 240 Betr.zellen 210 Str.zellen
Thüringen: 114 Betr.zellen 106 Str.zellen
Hessen/Frankfurt: 40 Betr.zellen 90 Str.zellen
Die Zahl 2135 stammt von Creutzburg: DIE ORG.ARBEIT DER KPD, Ham-
burg, Berlin 1931, S. 56 f., zit. n. Weber, a.a.O., S. 269.
Das EKKI gab für Ende 1927 an, daß "fast alle Organisationen" der
KPD umgestellt seien. ("Die Komintern vor dem 6. Weltkongreß",
a.a.O., S. 17; so auch B.W. "Einige organisatorische Probleme der
KI", DIE KOMM. INTERNATIONALE, 1928, H. 33/34, S. 2150; das
stimmte nicht (vgl. dazu die Forderungen nach restloser etc. Um-
stellung auf dem 11. Parteitag - BERICHT 11. PARTEITAG, a.a.O.,
S. 29, ebenso Waffen für den Klassenkampf, BESCHLÜSSE DES XII.
PARTEITAGES DER KPD., Berlin o.J., S. 83 ff.
424) Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 24, so auch PRO-
TOKOLL 10. PLENUM, S. 245.
2461 Straßenzellen und 2358 Ortsparteiorganisationen ohne Be-
triebszellen, (PROTOKOLL 10. PLENUM, a.a.O.). Die Zahl der Be-
triebszellen ging in den Bezirken Ruhrgebiet um 123, Halle-Merse-
burg um 63, Niederrhein um 60 gegenüber 1927 zurück; insgesamt in
22 von 27 KPD-Bezirken (PROTOKOLL 10. PLENUM, S. 245/46).
425) Piatnitzki: "Brennende Fragen", S. 24; Straßenzellen 2519
(ebda.); Betriebszellenangaben auch bei Creutzburg: DIE
ORG.ARBEIT, a.a.O., zit. n. Weber, S. 269; Niederrhein: 111 Be-
triebszellen, 231 Straßenzellen (Weber, S. 269, Anm. 83).
426) Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 24; Straßenzellen
2824 (ebda.); Betriebszellenangabe auch bei Creutzburg, a.a.O.,
zit. n. Weber, a.a.O. und Creutzburg: "Der Stand der Org.arbeit",
a.a.O., S. 293. Anfang 1930 wurden 188 Betriebszellen neugegrün-
det sowie 522 Ortsgruppen (Creutzburg, Stand der Org.arbeit,
a.a.O., S. 291).
427) Weber, a.a.O., S. 364; 5231 Ortsgruppen (ebda.).
428) Marx: KAPITAL, Bd. 1, MEW, Bd. 23, Bln. 1968, S. 511.
429) "Die Komm. Partei - Die eiserne Kohorte", a.a.O., S. 14.
430) PARTEIARBEITER, 1926, H. 2, S. 39 ("Der Betriebsrevolutio-
när").
431) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 458, Schröder, Halle-Mer-
seburg.
432) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O., S. 473, Herbert Müller,
Rhein/Saar, er berichtet von BASF, wo 4-Schichtbetrieb war.
433) PARTEIARBEITER, 1926, H. 3, S. 75.
434) Ebda., S. 85.
435) Dies war einer der wesentlichsten Unterschiede zu den Bedin-
gungen im Vergleich zum russ. Vorbild der Zellenorganisation. Au-
ßerdem wohnten die russ. Arbeiter nicht sehr weit vom Arbeits-
platz. (Piatnitzki: "Der Aufbau...". IXPREKORR, 1925, Nr. 17, S.
199). Dazu kam, daß die KPR keine sozialdemokratische Wohnorgani-
sationstradition hatte, da einmal die Illegalität sie die richti-
gen Schlüsse schon sehr früh ziehen ließ, zum anderen die Wahlen
zur Duma, z.B. in der kurzen Legalitätsphase 1905, die für die
Arbeiterschaft auf Betriebsbasis durchgeführt wurden; 3. war der
Organisationsgrad der Bourgeoisie ein viel geringerer als in
Deutschland, es gab z.B. in Rußland keine -Arbeitgeberverbände
und deshalb auch keine schwarzen Listen.
436) BERICHT 10. PARTEITAG, a.a.O.. S. 121; "Zahlabend" hieß die
Zellenversammlung der Wohnzellen.
437) Vgl. INPREKORR, 1925. Xr. 45, S. 655: ebda., S. 145, 199,
207.
438) INPREKORR, 1925, Nr. 40, S. 601, Geschke.
439) Der Grad der Passivität der Zellenmitglieder schwankte zwi-
schen 50 und 70%; vgl. Thesen und Resolutionen. Erw. Exekutive
März/April 1925, a.a.O., S. 104; INPREKORR, 1926, Nr. 4, S. 38,
INPREKORR, 1925, S. 1125/26, S. 647, S. 1908. DER NEUE KURS,
a.a.O., S. 70; Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 32 und
36; PARTEIARBEITER, 1927, H. 11, S. 326 ff.; 1932, H. l, S. 9;
PROTOKOLL 10. PLENUM, S. 246/248 und 249/250/262.
440) Max Köhler: "Warum braucht die Komm. Intern, ein Aktionspro-
gramm? "DIE INTERNATIONALE, 10. Jg., 1927, H. 24, S. 781.
441) Franz Dahlem: "Die brennendste Aufgabe", PARTEIARBEITER,
1931, Nr. 11. S. 291.
442) Vgl. "Protokoll der 1. Org.Konferenz", INPREKORR, 1925, Nr.
40, Nr. 45, Nr. 83 passim.
443) Eine Umfrage unter 36 Betriebszellen ergab 1932, daß "nur in
2 von diesen der Agitprop-Mann, der in der Zelle eine zentrale
Funktion ausübte, länger als 1/4 Jahr seine Funktion inne hatte."
(PARTEIARBEITER, 1932, Nr. 3, S. 88); vgl. zur Fluktuation u.a.
Piatnitzki: "Brennende Fragen", a.a.O., S. 39, 42, 46; Creutz-
burg: "Stand der Org.Arbeit", a.a.O., S. 289; Kaasch, a.a.O., S.
1063; PARTEIARBEITER, 1928, Nr. 5, S. 147 ff.
444) In der Zeit vom 1.6.-29.7.31 bekamen folgende Zellen fol-
gende neue Mitglieder: AEG-Henningsdorf 3 / AEG-Brunnenstraße 8 /
AEG-Trafowerk 1 / AEG-Treptom 3 / AEG-Ackerstraße 3 / Kabelwerk
Oberspree 9 / (PARTEIARBEITER, 1931, Nr. 9, S. 264); im Oktober
und November 1931 nahm von 5 verglichenen Großbetrieben eine ein-
zige Betriebszelle überhaupt Mitglieder auf, nämlich ein einzi-
ges. (PARTEIARBEITER, 1932, H. 1, S. 10, zit. ebda.); in Berlin
zerfielen die Betriebszellen ab 1929 rasch. (Mündl. Mitteilung
von Klaws).
445) PARTEIARBEITER, 1932 passim; der Parteiarbeiter war die
"Monatsschrift für die Praxis revolutionärer Organisationsar-
beit".
446) PARTEIARBEITER, 1932, Nr. 4, S. 108-110 (Zusätze in Klammern
von uns).
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