Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971


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ZUR POLITISCHEN ENTWICKLUNG UND PUBLIKATIONSSTRATEGIE DER SOZIALISTISCHEN POLITIK

I Bei der Kennzeichnung der Entwicklung des Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Phase können offensichtliche Tendenzen bzw. allge- meinste Bestimmungen angegeben werden, wenngleich die theoreti- sche Aufarbeitung der wirklichen Bewegung zu großen Teilen noch zu leisten ist. So ist die Situation in den entwickelten kapitalistischen Ländern gekennzeichnet durch die zunehmende Verschärfung ökonomischer und politischer Widersprüche. Verstärkte Konzentration der Produktion und beschleunigte Zentralisation des Kapitals als grundlegende Erscheinungen eines Prozesses tendenzieller Monopolisierung fin- den ihren Ausdruck u.a. in der Verschmelzung von Bank- und Indu- striekapital zu gigantischen Finanzgruppen und in der Zuspitzung des Konkurrenzkampfes im internationalen Rahmen. Diese Entwick- lung ist charakterisiert durch die Verstärkung der politisch-öko- nomischen Rolle des Staates, die Verquickung von ökonomischer und politischer Macht, die Herstellung von Herrschaftsverhältnissen, die die Ausübung ökonomischer und außerökonomischer Macht zur Si- cherung monopolistischer Profite für das um die Aufrechterhaltung seiner Verwertungsbedingungen kämpfende Kapital ermöglichen sol- len. Gleichzeitig weist das Kapital seine eigenen Schranken auf in der Entwicklung zum Monopol, ist dieses doch zugleich Ausdruck der wachsenden Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktion wie auch selbst vorantreibendes Moment der Vergesellschaftung, Stufe der materiellen Vorbereitung des Sozialismus. Verlangen die Pro- duktivkräfte ihre gesellschaftliche Anwendung, so stoßen sie gleichwohl an die Grenzen des kapitalistischen Systems, der sich im Zwang zur maximalen Kapitalverwertung, zur höchstmöglichen Re- alisierung von Profit ausdrückenden privaten Aneignung. Ökonomi- sche und politische Macht vereinigt das kapitalistische System, um das von ihm selbst erzeugte 'Mittel' seiner revolutionären Überwindung - die Arbeiterklasse - zu unterdrücken und damit sei- nen eigenen unvermeidlichen Untergang hinauszuschieben. Die krisenhafte Entwicklung der kapitalistischen Länder widerlegt alle 'neuen' und alten Vorstellungen von einem in der direkten Auseinandersetzung nicht zu überwindenden 'Ultraimperialismus' und weist eindringlich auf die revolutionäre Kraft der Arbeiter- klasse im nationalen und internationalen Rahmen hin. In den mei- sten entwickelten kapitalistischen Ländern liegt der Anteil der Lohnarbeiter an der Erwerbsbevölkerung zwischen 70 und 90%. Die zunehmende Stärke der Arbeiterbewegung ist ablesbar am Anwachsen und der sozialen Breite der Klassenkämpfe. Im Westen Deutschlands war die Entwicklung nach der Zerschlagung des Faschismus gekennzeichnet durch die mit Hilfe ausländischer Kapitalinvestitionen sowie politischem und militärischem Druck ermöglichte Restauration des Kapitalismus. Die breite Bewegung der westdeutschen Arbeiterklasse für Aktionseinheit, Sozialisie- rung und Mitbestimmung, gegen Betriebsverfassungsgesetz und West- integration wurde mit zunehmender Restaurierung zerschlagen, Hierbei ging die Stoßrichtung hauptsächlich gegen die Kommuni- sten, die diese Bewegung weitgehend anführten. Im Zuge der welt- weiten Auseinandersetzung mit dem Sozialismus ermöglichte die US- amerikanische Politik das Wiedererstarken des deutschen Imperia- lismus, was sich in der Remilitarisierung Westdeutschlands wie auch im KPD-Verbot 1956 ausdrückte. Der Widerstand gegen diese aggressive Politik wurde durch die SPD- und DGB-Führung zunächst kanalisiert und dann abgewürgt - eine neue Variante der Politik linker Phrase und rechter Praxis. Diese Faktoren ermöglichten, in Verbindung mit dem auf extensiver Ausweitung der Produktion basierenden 'Wirtschaftswunder' - das sich in relativ starken Lohnsteigerungen und geringer Arbeitslo- sigkeit darstellte - und dem abgeschwächten zyklischen Verlauf der kapitalistischen Produktion, die nahezu vollständige Unter- werfung des Proletariats unter die Herrschaft der bürgerlichen Politik. Während die herrschende Klasse Lohnforderungen bis zu einem gewissen Grade aus politischen und ökonomischen Gründen nachkommen mußte, verschärfte sie gleichzeitig die politische Unterdrückung. So wurden allein bis 1961 im Zusammenhang mit dem KPD-Verbot eine halbe Million Westdeutscher mittelbar oder unmit- telbar strafrechtlicher politischer Verfolgungsmaßnahmen ausge- setzt. Die durch die reale Produktivitätssteigerung geförderten Illusio- nen über die Stabilität und Krisenfreiheit der kapitalistischen Wirtschaft, die ihrerseits auch wieder die Vorurteile des Anti- kommunismus verfestigen halfen, wurden durch die Krise von 1966/67 zerstört. Die Verschärfung der Widersprüche der kapitali- stischen Produktion führte 1966/67 zu einer zyklischen Krise, die mit den Erscheinungen einer Strukturkrise (Kohlenkrise) verknüpft war. Die Bourgeoisie reagierte mit der Bildung der Großen Koali- tion, der Verabschiedung der Notstandsgesetze und einer 'neuen' Wirtschaftspolitik, der 'konzertierten Aktion', welche die ökono- mischen Kämpfe der Arbeiterklasse durch Lohnleitlinien im gemein- samen Interesse der Kapitalisten zu dirigieren versucht. Hierbei fand sie ihre willfährigen Erfüllungsgehilfen in der Führung der SPD, die diese Politik gegen die Opposition breitester Teile der Mitglieder der Partei selbst durchzusetzen wußte. Die Streiks im September 1969 signalisierten den Widerstand der Arbeiterklasse gegen diese Politik, wobei auch die Diskrepanz zwischen dem fort- geschritteneren Bewußtseinsstand weiter Teile der Gewerkschafts- mitglieder und der 'Sozialpartnerschafts-Politik' führender Ge- werkschaftsfunktionäre zum Ausdruck kam. Der Widerstand gegen die Politik der Herrschaftssicherung, die den antagonistischen Gegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bour- geoisie verschärft, fand einerseits seinen Ausdruck ökonomisch in der zunehmenden Anzahl der Streiks seit 1966. Andererseits konn- ten und mußten die Kommunisten - ohne den bisherigen Kampf gegen das KPD-Verbot aufzugeben - angesichts dieser Entwicklung die Möglichkeiten des legalen Kampfes ausweiten und organisatorisch absichern. Dies geschah durch die Gründung der DKP. In ihr orga- nisierten sich die durch den Faschismus und die antikommunisti- schen Verfolgungen während der Restauration des Kapitalismus de- zimierten Kader des klassenbewußten Proletariats. Die sich aus der besonderen Situation Westberlins ergebende noch massivere Unterwerfung der Arbeiterklasse unter die Politik der Bourgeoisie kam seit 1945 in der von den Organen der Bourgeoisie systematisch und institutionell aktualisierten Hetze des Antikom- munismus zum Ausdruck. Zwar konnte die kommunistische Partei in Westberlin aufgrund der besonderen rechtlichen Situation von der herrschenden Klasse formell nicht verboten werden, doch waren die Kommunisten der permanenten politischen, rechtlichen und ökonomi- schen Verfolgung ausgesetzt, die 1961 in der fast völligen Zer- schlagung ihrer Betriebskader und der weitgehenden Verhinderung der legalen Parteiarbeit einen Höhepunkt fand. Seit der Sicherung der Staatsgrenzen der DDR 1961 und dem teilweisen Funktionsver- lust Westberlins als Schaufenster des Kapitalismus ist eine zu- nehmende Instabilität der Westberliner Wirtschaft, die sich in Betriebsschließungen, Verlagerungen und damit Unsicherheit der Arbeitsplätze zeigt, zu verzeichnen. Ausdruck dieser Entwicklung ist eine Zunahme ökonomischer Kämpfe und die fortschreitende Kon- solidierung der SEW als die revolutionäre Partei der Westberliner Arbeiterklasse. II Die Verschärfung der gesellschaftlichen Antagonismen in der Bun- desrepublik und Westberlin nach einer Phase relativen Klassen- friedens drückte sich neben den zunehmenden ökonomischen Konflik- ten auch in vermittelteren gesellschaftlichen Verhältnissen aus. So entsprach die bisherige Struktur der Schul- und Berufsausbil- dung längst nicht mehr dem erreichten Entwicklungsstand der Pro- duktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit. Dieser Widerspruch zwischen entwickelten Potenzen gesellschaftlicher Arbeit und dem Ausbildungssystem erhielt in der Krise des Ausbildungssektors, zuerst an den Hochschulen, seinen krassesten Ausdruck. Sie fiel zusammen mit der Zuspitzung der Widersprüche des Imperialismus im internationalen Rahmen - der US-Aggression in Vietnam. Die Mobilisierung breiter Teile der Studentenschaft für Demokra- tisierung der Universitäten und im moralischen Protest gegen im- perialistische Aggressionen resultierte nicht zuletzt aus der spezifischen Situation von Studenten als einem Teil der Intelli- genz, die aufgrund ihrer intellektuellen Qualifikation in der Lage waren, bestimmten gesellschaftlichen Widersprüchen und Klas- seninteressen nachzuspüren. Der demokratische Ansatz breiter Teile der Studentenschaft wurde im Gang der Auseinandersetzung - nicht zuletzt durch das massive Durchgreifen der Staatsmaschine- rie - zum radikaldemokratischen Kampf, der dann auch Teile der jungen Arbeiter und Schüler erfaßte, ausgeweitet. Da im Verlauf dieser Bewegung immer mehr der Staat, respektive der Kapitalismus als ursächliches Moment der lokal aufgedeckten Mißstände, und da- mit als Hauptfeind, den es zu bekämpfen galt, erkannt wurde, und andererseits für die Majorität der westdeutschen und Westberliner Arbeiterklasse das Bewußtsein der eigenen Klassenlage verschüttet war und sie daher in Kampfaktionen nur sporadisch in Erscheinung trat, begriff sich diese Bewegung immer mehr als der vorantrei- bende Faktor, mußte sie sich in ihrem Selbstverständnis zum revo- lutionären Subjekt hochstilisieren. Über die Heterogenität dieser Bewegung konnte es von Beginn an keinen Zweifel geben, einerseits angesichts unterschiedlicher Klassenherkunft der in dieser Bewegung vereinten Elemente und an- dererseits angesichts der nach wie vor gültigen Funktionsbestim- mung des Ausbildungssektors innerhalb der bürgerlichen Gesell- schaft, daß in ihm nicht nur die Qualifikation von künftiger Ware Arbeitskraft besorgt wird, sondern daß in ihm sich zugleich die Rekrutierung des Nachwuchses für die ideologischen Repräsentanten der verschiedenen Fraktionen der herrschenden Klasse vollzieht. Erst der Bankrott 'antiautoritärer Politik', das Entdecken der Schriften von Marx, Engels, Lenin und die damit einhergehende Re- zeption der Marxschen Theorie führten zur Aufgabe ihrer Orientie- rung auf die 'nicht integrierten Randgruppen' und rückten das Proletariat als objektiven Träger der Klassenkämpfe, das es zu mobilisieren galt, in den Mittelpunkt studentischer Reflexionen. Die exponiertesten Richtungen dieser Wendung zum Proletariat hin wurden manifest in dem Teil der sich sozialistisch verstehenden Studentenschaft, der - vermeintlich bewaffnet mit der marxisti- schen Theorie und der Einsicht über den Adressaten seiner Agita- tion und Propaganda - sich jetzt in der Avantgarde-Rolle gefiel und diesen elitären Führungsanspruch in Form diverser 'Partei- Aufbau-Initiativ-Organisationen' zum Ausdruck brachte. Während ein großer Teil der radikaldemokratischen Studenten dieser dogma- tischen und perspektivlosen Rezeption und Umsetzung der Marxschen Theorie, bei gleichzeitiger Zersplitterung und Befehdung der ver- schiedenen Sekten untereinander, ablehnend und frustriert gegen- überstand und daher aus der politischen Bewegung nur zu oft gänz- lich herausfiel, wandte sich die andere Hauptrichtung auf der theoretischen Ebene einem intensiveren Studium der Kritik der po- litischen Ökonomie zu. Der wissenschaftliche Sozialismus ist seinem Wesen nach undogma- tisch. Das kann zwar nicht heißen, daß die dem Kapitalverhältnis immanenten grundlegenden Gesetze, wie sie von Marx formuliert worden sind, aufgegeben werden können, aber die dogmatische Ver- engung der Theorie setzt dort ein, wo außer Acht gelassen wird, daß die Entfaltung der dem Kapital immanenten Tendenzen selbst noch an die Schranken der dem Kapital äußerlichen Bedingungen seiner Verwertung stößt, so daß die jeweils gegebene k o n k r e t e Entwicklung die Vermittlung der von den Klassi- kern entwickelten Theorie notwendig macht. Wo dieses Spannungs- verhältnis nicht ständig theoretisch reflektiert wird, ist der erste Schritt in Richtung auf einen sektiererischen Dogmatismus getan, der zwar dem Anspruch nach revolutionär bleiben kann, in seinem Wesen sich jedoch zunehmend von der wirklichen revolutio- nären Bewegung entfernt. Die besondere Situation der Intelligenz im Verhältnis zum Gesamt- arbeitsprozeß belastet sie mit einer gewissen Borniertheit, was die Auseinandersetzung um die praktische Notwendigkeit des revo- lutionären Kampfes betrifft. Wenngleich also die Intelligenz we- gen der sich entwickelnden Produktivkraft der Arbeit und der sich daraus ergebenden Veränderung der Struktur des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters zunehmend ein objektives Interesse an den Diskus- sionen der revolutionären Strategie und Taktik gewinnt, so heißt dies noch nicht, daß ihre Argumentation schon immer objektiv be- gründet sein muß. Vielmehr neigt sie von der konkreten Qualifika- tion ihrer Arbeitskraft her zur Verabsolutierung des theoreti- schen Anspruchs, also zur dogmatischen Verengung. Von dem Augenblick an, wo die Arbeiterklasse von der Intelligenz als das eigentliche revolutionäre Subjekt 'entdeckt' war, mußte sich zeigen, inwieweit aus dieser Entdeckung die praktisch und theoretisch richtigen Konsequenzen gezogen werden oder nicht. So ist die konkrete Geschichte der westdeutschen und Westberliner Studentenbewegung die Geschichte des Auflösungsprozesses einer zunächst spontanen Bewegung in revolutionäre Fraktion und dogma- tische Sekten. Auch innerhalb der Redaktionskonferenz der SOPO vollzog sich dieser Differenzierungsprozeß, und es kam zunehmend zu Konflikten, die schließlich zum Bruch an der Frage führten, was P o l i t i k a u f B a s i s d e s w i s s e n- s c h a f t l i c h e n S o z i a l i s m u s heißt. Für denjenigen Teil der Redaktionskonferenz, der die Notwendig- keit begriffen hatte, daß der Kampf um die Stärkung der Arbeiter- bewegung in der BRD und Westberlin nicht abstrakt an den wirkli- chen Klassenauseinandersetzungen vorbeigeführt werden kann, son- dern immer nur bezogen auf sie entwickelt werden muß, war klar geworden, daß das praktische Ignorieren von dogmatisch-sektiere- rischen Positionen innerhalb der Redaktionskonferenz zu einer Ge- fahr für die Entwicklung der SOPO zu einer marxistischen Zeit- schrift geworden war. Muß das augenblickliche Ziel einer jeden revolutionären Strategie in der Herstellung der Einheit der Ar- beiterklasse zu sehen sein, so kann diese Einheit nicht mit der Taktik erreicht werden, klassenspalterischen Tendenzen Raum zur freien Entfaltung zu gewähren. Und der Dogmatismus, da er sich in Theorie und Praxis nicht an der wirklichen Bewegung orientiert, sondern an einer unreflektierten Verabsolutierung der Theorie, kann zu praktischer Relevanz allein da gelangen, wo er das Ge- schäft der Spaltung der Arbeiterklasse betreibt. Eine solche Ten- denz wird z.B. dort offensichtlich, wo in idealistischer Selbst- verklärung auch heute noch der elitäre Führungsanspruch der Intelligenz behauptet wird, bzw. die initiierende Rolle der Studentenbewegung zur Form gerät, die schließlich die Studentenschaft und nicht die Arbeiterklasse zum revolutionären Subjekt werden läßt. III Der Versuch die sich aus der Herkunft der meisten Intellektuellen ergebende bornierte Position zu durchbrechen, d.h. die Hinwendung zur realen Arbeiterbewegung ist kein gradliniger Prozeß. Die sub- jektive Schwierigkeit, sich den wissenschaftlichen Sozialismus anzueignen, korrespondiert mit den objektiven Bedingungen des re- volutionären Prozesses. Und dazu gehört vor allem die lange Zeit beinahe vollständige Unterwerfung der Arbeiterklasse unter die Politik der Bourgeoisie, gehören die trotz ihrer historischen Er- fahrungen und ihrer Entwicklung seit der Zerschlagung des Fa- schismus und der Rekonstruktion des Kapitalismus in der BRD und Westberlin relativ jungen und in einer nicht widerspruchsfreien Entwicklung befindlichen kommunistischen Parteien. Diese wider- sprüchliche Entwicklung wird durch das in der Konfrontation mit dem Kapital keinesfalls ausreichende Niveau der politischen und gewerkschaftlichen Organisiertheit, der politischen Bewußtheit der Arbeiterklasse bestätigt. Probleme des Verhältnisses von un- mittelbarer Forderung und revolutionärer Strategie, Änderungen in der Struktur der Arbeiterklasse, stellen Anforderungen, denen man nur nachkommen kann auf der Grundlage konkreter sozio-ökonomi- scher Analysen. Die zentralen Fragen revolutionärer Taktik müssen unter den Bedingungen des heutigen Kapitalismus konkretisiert und einer ständigen Überprüfung unterzogen werden. Die langfristige Realisierung der Ziele revolutionärer Politik wird weitgehend da- von abhängen, wie die Einheit der Arbeiterklasse hergestellt wird, und wie es den bewußtesten Teilen der Arbeiterklasse ge- lingt, den notwendigen ideologischen Klärungsprozeß, die Ausein- andersetzung mit den verschiedensten bürgerlichen und revisioni- stischen Auffassungen, mit allen Erscheinungsformen des Opportu- nismus und Anarchismus voranzutreiben. Eine derartige Bestimmung der Phase der westdeutschen und Westberliner Arbeiterbewegung legt auch den Charakter der notwendig zu führenden Auseinander- setzungen um Fragen revolutionärer Taktik bloß. Unterschiedliche Auffassungen wichtiger Grundfragen bedürfen einer offenen Erörte- rung, deren Ergebnisse mit dazu beitragen, eine richtige Bestim- mung sozialistischer Politik vorzunehmen und die Einheit der Ar- beiterklasse zu schaffen. Für die SOPO kommt es daher darauf an, einerseits auf der Grund- lage des wissenschaftlichen Sozialismus jene theoretischen Pro- bleme anzugehen, die sich aus der Frontstellung gegen das Kapital ergeben und andererseits den Prozeß der Hinwendung zur wirklichen Arbeiterbewegung und den in ihrer politischen Partei organisier- ten revolutionären Arbeitern sowohl theoretisch einsichtig zu ma- chen, wie auch selbst durch die theoretische Arbeit einen Beitrag zur Stärkung der Arbeiterbewegung zu leisten. In diesem Sinne können die nächsten Ausgaben u.a. bestimmt werden als die der radikalen Kritik und der Destruktion dogmatischer An- sätze und Politik, als die eines entschiedenen Kampfes gegen Sub- jektivismus und Idealismus, gegen die Verflachung und Einengung des Marxismus durch jene Überreste der studentischen Revolte, die weiterhin eine angeblich initiierende Rolle der Studenten bei den Klassenkämpfen und daraus abgeleitet einen Führungsanspruch der Intelligenz gegenüber der Arbeiterklasse geltend machen wollen. Es gilt daher, auch die Auswirkungen des bürgerlichen Antikommu- nismus, Formendes 'linken' Antikommunismus und Traditionen des linken Sektierertums wissenschaftlich zu bekämpfen. Im Hinblick auf die bisherigen Ausführungen nimmt die Perspektive für Umgestaltung und Ausbau der SOPO konkrete Formen an. Es ist eine Verbindung der Bearbeitung theoretischer Fragen und der In- terpretation aktuell-politischer Probleme zu schaffen. Die in der SOPO zu leistende theoretische Arbeit wird damit beitragen zur adäquaten Bestimmung sozialistischer Politik. Die Hinwendung zur realen Arbeiterbewe- gung, die theoretische Arbeit in organisatorischer Selbständig- keit, bedeutet eine Offenheit für verschiedene theoretische An- sätze, für Kritik und Auseinandersetzung mit theoretischen Posi- tionen in- und außerhalb der Arbeiterbewegung. Im Zentrum stehen dabei Untersuchungen der konkreten Bedingungen des Kampfes der Arbeiterklasse. Ausgehend von dieser politischen und theoretischen Bestimmung soll die Struktur der SOPO künftig gegliedert sein in: 1. längere theoretische A u f s ä t z e und umfangreiche A n a l y s e n, 2. K u r z a n a l y s e n, die in knapper Form aktuelle poli- tische Entwicklungen aufgreifen und B e r i c h t e von wissen- schaftlichen Tagungen, Konferenzen und Kongressen, 3. D i s k u s s i o n über Beiträge in der SOPO oder auch ak- tuelle politische Fragen und B e s p r e c h u n g e n wichti- ger Veröffentlichungen, 4. D o k u m e n t a t i o n wichtiger Materialien, Kurzrefe- rate von Veröffentlichungen in internationalen marxistischen Zeitschriften sowie I n f o r m a t i o n über relevante Neuer- scheinungen. Redaktionsrat der SOPO zurück