Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1971
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Wilhelm M. Breuer
WARENPRODUKTION UND SOZIALISMUS
Zu einigen Aspekten der Diskussion über
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die politische Ökonomie des Sozialismus
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Eine alte Streitfrage der politischen Ökonomie des Sozialismus
ist in jüngster Zeit in Westberlin und in der BRD wieder aktuell
geworden - die Frage, ob Sozialismus und Warenproduktion mitein-
ander vereinbar sind. Diese erstaunliche Renaissance einer alten
Debatte muß in dem Zusammenhang gesehen werden, daß heute inner-
halb der westeuropäischen Linken wieder alle Richtungen und
Schattierungen vertreten werden, die je einmal in der Geschichte
der Arbeiterbewegung - wenn auch zumeist nur kurzfristig und oft
an ihrer Peripherie - eine Rolle gespielt haben. Mit Wehmut und
zugleich mit Verbissenheit klammern sich einige Gruppierungen an
alles, was sie als Spuren ansehen, die die internationale Arbei-
terbewegung auf dem langen Weg ihrer Geschichte zurückgelassen
hat. Daß wir dieser Erscheinung nun auch auf dem Feld der politi-
schen Ökonomie begegnen, ist daher nicht so verwunderlich, wie es
zunächst scheinen mag.
Es fällt jedoch auf, daß in der neu belebten Diskussion über Fra-
gen der politischen Ökonomie des Sozialismus die großen Erfahrun-
gen, die in einem Drittel der Welt im Prozeß des Aufbaus des So-
zialismus gesammelt wurden, entweder bewußt ignoriert oder grob
verzerrt werden. Es scheint daher, als gelte auch hier das Wort
Werner Hofmanns: "Was die Einsicht in sozio-ökonomische Sachver-
halte heute erschwert, ist vielfach nicht so sehr in der Sache
selbst gelegen als vielmehr in der interesse-bedingten Einstel-
lung, die sie erfahren haben mag." 1) Einem Teil der ihrem An-
spruch nach "nicht-revisionistischen" Theoretikern geht es denn
auch bei der Diskussion über die Warenproduktion weniger darum,
Klarheit über Grundfragen der politischen Ökonomie zu gewinnen,
als vielmehr darum, ihre bereits aus antiautoritären oder gar
noch früheren Tagen stammende "Kritik" des real existierenden So-
zialismus neu zu drapieren.
So muß nun auch die Warenproduktion dazu herhalten, "linke" Vari-
anten der Konvergenztheorie zu stützen. Großzügig läßt etwa Wolf-
gang Müller alle Unterschiede zwischen Kapitalismus und
Sozialismus im gemeinsamen Begriff der "Warengesellschaft" 2)
(verschwinden, ein Kunststück, an dem Brzezinski und Galbraith
ihre Freude hätten. Horst Kurnitzky und Alex Schubert gelangen
auf eine noch elegantere Weise zum selben Ziel. Ausgehend vom
Entfremdungsbegriff der Pariser Manuskripte reduzieren sie den
Sozialismus auf ein Ziel: "Diese Entfremdung aufzuheben, das ist
die historische Aufgabe der Übergangsperiode." 3) Nach dieser Er-
kenntnisleistung stellen sie dann fest: "Nun sind aber alle (!)
Kategorien der Nationalökonomie, wie Geld, Ware, Gewinn, ableit-
bar aus der entfremdeten Arbeit." 4) Daraus muß dann schlüssig
folgen, daß die Fortexistenz der Warenproduktion im Sozialismus
eine Perpetuierung entfremdeter Arbeit bedeute, sich also folg-
lich gegenüber dem Kapitalismus nicht geändert habe. Auch Günter
Maschke - gestützt auf die doch etwas widersprüchlichen Kronzeu-
gen Stojanovic, Gorz und Mandel - gelangt zu einem ähnlichen Er-
gebnis, das seiner Meinung nach sogar auf marxistischen Katego-
rien beruhe: "... die betreffenden Gesellschaften erfüllen nicht
die Bedingungen, aufgrund derer sie als Übergangsgesellschaften
bezeichnet werden könnten" 5), "...so endet das Ganze bestenfalls
in einer entfremdeten Konsumgesellschaft." 6) Etwas schwerer tut
sich da Philip Neumann. Da für ihn bis zum XX. Parteitag der
KPdSU die Welt noch weitgehend in Ordnung war, kann er erst an
den Wirtschaftsreformen der 60er Jahre kritisch ansetzen. Doch
auch er findet den richtigen Dreh durch eine strikte Trennung von
Politik und Ökonomie. Daß administrative Lenkungsmethoden die
Entwicklung der Produktivkräfte hemmen können, stört ihn nicht,
da er "administrativ" und "politisch" gleichsetzt und-damit die
administrative Lenkung mit einer höheren Würde als die schnöde
ökonomische Lenkung versieht, die ja Profitmaximierung anstrebe.
So gelangt er zum folgenden Zerrbild: "Als administrativ wird die
Bestimmung der Ziele und Methoden der Tätigkeit der Betriebe
durch überbetriebliche Institutionen nach politischen Kriterien
bezeichnet. Ökonomisch werden die Betriebe dann geplant und ge-
leitet, wenn sie bei einer größeren Selbständigkeit von den über-
geordneten Planungsinstanzen durch ökonomische Hebel zur Erzie-
lung eines höchstmöglichen Gewinns orientiert werden." 7) Die Al-
ternative "administrativ" oder "ökonomisch" ist dann auch
schließlich für ihn einer der Punkte, an denen sich entscheidet,
ob sich die sozialistische Gesellschaft zur klassenlosen Gesell-
schaft hinentwickelt oder ob erneut eine bürgerliche Klasse die
Herrschaft ausübt." 8) Dergleichen Zerrbilder könnten endlos
fortgesetzt werden, sind sie doch zu einer vertrauten Erscheinung
in den Spalten der "linken" Gazetten geworden. Sinnvoller als die
Kritik antikommunistischer Alpträume erscheint jedoch die Klärung
der prinzipiellen theoretischen Fragen zu sein.
Ware, Warenproduktion und Kapitalismus
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Beginnen wir zunächst mit der begrifflichen Klärung des Zusammen-
hangs von Warenproduktion und Kapitalismus. Marx grenzt den Be-
griff der Ware als eine der zentralen Kategorien der politischen
Ökonomie vom Begriff des Produkts ab und verweist damit auf die
gesellschaftlichen Bedingungen der Warenproduktion: "Ein Ding
kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu
sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt,
schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzie-
ren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Ge-
brauchswert für andre, gesellschaftlichen Gebrauchswert." 9) Spä-
ter ergänzt Engels in der vierten Auflage des Ersten Bandes des
"Kapitals" diese Stelle präzisierend: "Um Ware zu werden, muß das
Produkt dem anderen, dem es als Gebrauchswert dient, durch den
Austausch übertragen werden." 10) Bedingung der Warenproduktion
ist somit, daß arbeitsteilig erzeugte Produkte durch Austausch
übertragen werden. Kapitalistische Produktion ist daher Warenpro-
duktion, doch ist damit Warenproduktion nicht - was bei der sim-
plen Gleichsetzung übersehen wird - unbedingt kapitalistische
Produktion. Die Warenproduktion ist weit älter als der Kapitalis-
mus - sie entstand historisch mit der Auflösung der Urgemein-
schaft und der Herausbildung des Privateigentums an den Produkti-
onsmitteln. Marx stellt daher fest: "Warenproduktion und Waren-
zirkulation sind... Phänomene, die den verschiedensten Produkti-
onsweisen angehören, wenn auch in verschiedenem Umfang und Trag-
weite. Man weiß also noch nichts von der differentia specifica
dieser Produktionsweisen und kann sie daher nicht beurteilen,
wenn man nur die ihnen gemeinschaftlichen, abstrakten Kategorien
der Warenzirkulation kennt." 11) Darauf soll später zurückzukom-
men sein.
Die sozialökonomische Bedeutung der privaten Warenproduktion hat
Marx bereits in den "Grundrissen" skizziert: "Die Notwendigkeit
selbst, das Produkt oder die Tätigkeit der Individuen erst in die
Form des Tauschwerts, in Geld, zu verwandeln, daß sie in dieser
sachlichen Form ihre gesellschaftliche Macht erhalten und bewei-
sen, beweist zweierlei:
1. daß die Individuen nur noch für die Gesellschaft und in der
Gesellschaft produzieren;
2. daß ihre Produktion nicht unmittelbar gesellschaftlich ist,
nicht the offspring of association, die die Arbeit unter sich
verteilt." 12)
Die private Warenproduktion ist somit ein "Ausdruck des antagoni-
stischen Widerspruchs zwischen privater und gesellschaftlicher
Arbeit". 13) Zwar vollzieht sich die Produktion arbeitsteilig und
damit gesellschaftlich, doch regelt die Gesellschaft nicht bewußt
den Produktionsprozeß. Aus dem Privateigentum an den Produktions-
mitteln resultiert, daß "die Verteilung dieser gesellschaftlichen
Arbeit und ihre wechselseitige Ergänzung, der Stoffwechsel ihrer
Produkte, die Unterordnung unter und Einschiebung in das gesell-
schaftliche Triebwerk, dem zufälligen, sich wechselseitig aufhe-
benden Treiben" 14) der durch das Privateigentum voneinander ge-
trennten Warenproduzenten überlassen bleibt. Der Zusammenhang der
arbeitsteiligen Produktion wird erst durch den Austausch der Ar-
beitsprodukte auf dem Markt hergestellt. Erst der Austausch der
Produkte zu ihrem Tauschwert regelt die gesellschaftliche Produk-
tion. Das Wertgesetz bestimmt die Verteilung der gesellschaftli-
chen Arbeit, doch da sich die privaten Warenproduzenten "nur als
Warenbesitzer gegenübertreten... setzt sich das innere Gesetzt
nur durch vermittelst ihrer Konkurrenz, ihres wechselseitigen
Drucks aufeinander, wodurch sich die Abweichungen gegenseitig
aufheben. Nur als inneres Gesetz, den einzelnen Agenten gegenüber
als blindes Naturgesetz, wirkt hier das Gesetz des Werts und
setzt das gesellschaftliche Gleichgewicht der Produktion inmitten
ihrer zufälligen Fluktuationen durch." 15)
Diese allgemeine Bestimmung der Kategorie der Ware und der Waren-
produktion reicht noch nicht aus, die kapitalistische Produkti-
onsweise zu charakterisieren: "Waren zu produzieren, unterschei-
det sie nicht von anderen Produktionsweisen wohl aber dies, daß
Ware zu sein, der beherrschende und bestimmende Charakter ihres
Produkts ist." 16) Was die kapitalistische Warenproduktion von
früheren Produktionsweisen unterscheidet und sie zur höchsten
Form privater Warenproduktion macht, ist, daß hier alles zur Ware
wird. Dies bedeutet vor allem, "daß der Arbeiter selbst nur als
Warenverkäufer und daher als freier Lohnarbeiter, die Arbeit also
überhaupt als Lohnarbeit auftritt." 17) "Was also die kapitali-
stische Epoche charakterisiert, ist, daß die Arbeitskraft für den
Arbeiter selbst die Form einer ihm gehörigen Ware, seine Arbeit
daher die Form der Lohnarbeit erhält." 18) Gilt für die einfache
Warenproduktion noch, daß die Produzenten zugleich Eigentümer der
Produktionsmittel waren und der Widerspruch zwischen privater und
gesellschaftlicher Arbeit daraus resultierte daß die Produzenten
durch ihr Privateigentum voneinander getrennt waren, so kommt für
die kapitalistische Warenproduktion die Trennung der Produzenten
von den Produktionsmitteln hinzu. Grundlegend wird hier der Wi-
derspruch zwischen gesellschaftlicher Arbeit und privater Aneig-
nung. Warenproduktion in der kapitalistischen Produktionsweise
impliziert daher "die Produktion des Mehrwerts als direkter Zweck
und bestimmendes Motiv der Produktion". 19)
Das Ergebnis unserer begrifflichen Klärung können wir nun zusam-
menfassen:
1. Warenproduktion ist arbeitsteilige Produktion von Produkten,
die durch Austausch übertragen werden.
2. Der in der privaten Warenproduktion zu Tage tretende Wider-
spruch zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit resultiert
aus dem Privateigentum an den Produktionsmitteln.
3. Kapitalistische Warenproduktion trägt den doppelten Charakter
"1. des Produkts als Ware, und 2. der Ware als Produkt des Kapi-
tals". 20) Warenproduktion allein charakterisiert daher noch
nicht den Kapitalismus, präziser ist daher von "Ware als kapita-
listisch produzierte(r) Ware" 21) zu reden.
4. Kapitalistische Warenproduktion basiert auf der Trennung der
Produzenten von den Produktionsmitteln, also auf Lohnarbeit. Da-
her gilt: "Die kapitalistische Warenproduktion ist ein Produkti-
onsverhältnis der Ausbeutung und der Unterdrückung. Das findet
seine Widerspiegelung in jeder kapitalistisch produzierten Ware."
22)
5. In der kapitalistischen Warenproduktion zielt die Produktion
auf die Erzeugung von Mehrwert. Der sich in der kapitalistischen
Warenproduktion zeigende grundlegende Widerspruch ist daher der
zwischen gesellschaftlicher Arbeit und privater Aneignung.
6. Da in der kapitalistischen Produktionsweise die Produktion
nicht gesellschaftlich geregelt wird, setzt sich über den Aus-
tausch der Waren das Wertgesetz blind durch und erscheint als
fremde Macht.
Warenproduktion im Sozialismus
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Mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution des Jahres 1917,
in der zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Arbei-
terklasse die Macht erobern und behaupten konnte, begann eine
neue historische Epoche - die Epoche des Übergangs vom Kapitalis-
mus zum Sozialismus. Nach dem zweiten Weltkrieg triumphierte der
Sozialismus auf einem Drittel des Erdballs. Ein sozialistisches
Weltsystem, das heute 14 Staaten umfaßt, begann mit dem Aufbau
und der Entwicklung einer neuen Gesellschaftsordnung.
Diese neue Gesellschaftsordnung basiert auf der politischen Macht
der Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten anderen Werktäti-
gen und auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktions-
mitteln. Politische Macht und gesellschaftliches Eigentum an den
Produktionsmitteln ermöglichten den Sieg der sozialistischen Pro-
duktionsverhältnisse. Die jahrhundertealte Trennung der Produzen-
ten von den Produktionsmitteln wurde aufgehoben und damit die
Ausbeutung beseitigt. Gesellschaftliches Eigentum an den Produk-
tionsmitteln überwand die antagonistischen Widersprüche in den
ökonomischen Beziehungen der Menschen zueinander, ermöglichte die
planmäßige Organisation des gesellschaftlichen Reproduktionspro-
zesses. Diese planmäßige Organisation auf der Grundlage des ge-
sellschaftlichen Eigentums ist das Wesen der sozialistischen Pro-
duktionsweise, damit zugleich aber auch der gesamten Gesell-
schaftsformation des Sozialismus. Nachdrücklich muß dabei der
Klassenaspekt betont werden: "Sozialistische Planwirtschaft ist
nicht einfach nur staatliche Planung, sondern Verfügung über die
gesellschaftliche Produktion ... im Interesse der arbeitenden Be-
völkerung auf der Grundlage des sozialistischen Eigentums an den
Produktionsmitteln." 23) Daß es also hier nicht nur um ökonomi-
sche, sondern um zentrale politische Fragen geht, machte Walter
Ulbricht auf der Internationalen wissenschaftlichen Session des
ZK der SED zum 150. Geburtstag von Karl Marx deutlich: "Die so-
zialistische Planwirtschaft und die mit ihr verbundene zentrale
staatliche Planung sind Lebensgrundlagen der sozialistischen Ord-
nung. Die zentrale staatliche Planung ist für uns Marxisten-
Leninisten nicht eine Frage schlechthin der Administration, son-
dern die zentrale staatliche Planung, das ist die Frage der Wah-
rung der politischen Macht der Arbeiterklasse in ihren entschei-
denden Grundlagen auf ökonomischem Gebiet" 24)
Eine lange Zeit theoretische umstrittene Frage ist nun, ob ge-
sellschaftliches Eigentum und zentrale Planung zur Beseitigung
der Warenproduktion führen müssen. Die Anhänger dieser These kön-
nen sich auf einige Stellen im Werk der Klassiker berufen. So be-
tont Marx in der Kritik des Gothaer Programms: "Innerhalb der ge-
nossenschaftlichen, auf Gemeineigentum an den Produktionsmitteln
gegründeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte
nicht aus" 25), ähnlich heißt es bei Engels im "Anti-Dühring":
"Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesell-
schaft ist Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des
Produkts über die Produzenten." 26) Ebenso formulierte Lenin vor
der Oktoberrevolution: "Was den Sozialismus anbelangt, so besteht
dieser bekanntlich in der Aufhebung der Warenwirtschaft." 27) Die
Praxis des Aufbaus des Sozialismus zwang jedoch zur Überprüfung
dieser Thesen und zur Entwicklung einer politischen Ökonomie des
Sozialismus. Wer dies nicht für legitim hält und glaubt, sich im
Festhalten an zwei oder drei Zitaten aus dem Lebenswerk der Klas-
siker als Marxist zu erweisen, geht am Marxismus-Leninismus vor-
bei und verkennt seinen schöpferischen Charakter. Der Marxismus
ist zwar eine Anleitung zum revolutionären Handeln, liefert je-
doch keine "Rezepte für die Garküche der Zukunft". 28) Engels
machte dies deutlich: "...wir haben nicht die Absicht, der
Menschheit endgültige Gesetze zu diktieren. Vorgefaßte Meinungen
in bezug auf die Organisation der zukünftigen Gesellschaft? Davon
werden Sie bei uns keine Spur finden. Wir sind schon zufrieden,
wenn wir die Produktionsmittel in die Hände der ganzen Gesell-
schaft gebracht haben." 29) Das eindrucksvollste Beispiel für die
Weiterentwicklung des Marxismus in der Epoche der sozialistischen
Revolution bietet W.I. Lenin, der mit der Ausarbeitung der Neuen
Ökonomischen Politik die Bedeutung der Warenbeziehungen für den
Aufbau des Sozialismus klärte 30). Mit der Schaffung sozialisti-
scher Produktionsverhältnisse erhielten die Ware-Geld-Beziehungen
durch das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln
einen völlig neuen sozialökonomischen Inhalt und wurden zu einem
Instrument der planmäßigen Leitung. Otto Rennert bemerkt daher:
"daß Lenin mit vollem Recht so lange eine negative Haltung zur
Warenproduktion einnahm, wie er sie als etwas aus dem Kapitalis-
mus Übernommenes, daher zu Überwindendes ansah und ansehen mußte.
Diese Auffassung änderte er, als er aus der gesellschaftlichen
Praxis heraus erkannte, daß sich die Warenproduktion im Sozialis-
mus offensichtlich aus im Sozialismus und nur im Sozialismus ge-
gebenen Bedingungen, also aus dem Sozialismus wesenseigenen Ursa-
chen ergab, daß daher die Entfaltung der Ware-Geld-Beziehungen
dem Aufbau des Sozialismus diente und zur Festigung der soziali-
stischen Produktionsverhältnisse führte." 31)
Woraus ergibt sich nun die Notwendigkeit der Warenproduktion im
Sozialismus? Das Buch "Politische Ökonomie des Sozialismus und
ihre Anwendung in der DDR" gibt eine umfassende Antwort auf diese
Frage: "Die Warenproduktion im Sozialismus ergibt sich objektiv
aus dem Wesen des sozialistischen Aneignungsprozesses und damit
aus der Gesamtheit des Entwicklungsstandes der Produktivkräfte
und der Produktionsverhältnisse in der arbeitsteilig organisier-
ten sozialistischen Produktionsweise. In diese Gesamtheit der Ur-
sachen sind sowohl der heutige Stand der gesellschaftlichen Ar-
beitsteilung und der Charakter der Arbeit als auch die notwendige
ökonomische Verbindung zwischen den gesellschaftlichen Erforder-
nissen und Einzel Interessen durch materielle Interessiertheit
und Aneignung nach Leistung eingeschlossen. Auch der Entwick-
lungsstand des gesellschaftlichen Bewußtseins sowie der Einfluß
der historischen Kontinuität in den Formen der wirtschaftlichen
Tätigkeit, die Tradition in der Gestaltung ökonomischer Beziehun-
gen erklären die Notwendigkeit der Warenproduktion als historisch
begründete Produktionsweise im Sozialismus." 32) Objektive Ursa-
che der Notwendigkeit der Warenproduktion ist also zunächst die
Tatsache, daß - erinnern wir uns an die Marxsche Begriffsbestim-
mung der Ware - der gegenwärtige Stand der Produktivkräfte den
Austausch arbeitsteilig erzeugter Produkte impliziert.
Die Notwendigkeit des Austauschs hängt mit dem Charakter der Ar-
beit zusammen. Wie eingangs erwähnt wurde, zeigten Marx und En-
gels an der Kategorie der privaten Warenproduktion den Wider-
spruch zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit auf und
schlössen daraus, daß mit der Vergesellschaftung der Produktions-
mittel die Arbeit unmittelbar gesellschaftlichen Charakter an-
nehme, auf das Verschwinden der Warenproduktion. Wie Fred Matho
aufgrund der Erfahrungen aus dem Aufbau des Sozialismus betont,
ist die "Entwicklung des unmittelbar gesellschaftlichen Charak-
ters der Arbeit ... jedoch selbst ein historischer Prozeß. Diese
Entwicklung beginnt mit der Vergesellschaftung der Produktions-
mittel, und sie wird erst in der zweiten Phase der kommunisti-
schen Gesellschaft ihren Abschluß finden." 33) Im Sozialismus als
der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft trägt die Ar-
beit einen doppelten Charakter - einmal ist sie zwar bereits auf-
grund des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln
unmittelbar gesellschaftlich, dies aber jedoch andererseits auf-
grund des Niveaus der Produktivkräfte noch nicht vollständig 34).
Ihr unmittelbar gesellschaftlicher Charakter zeigt sich darin,
daß die "gesellschaftliche Arbeit ... in der sozialistischen Pro-
duktionsweise in ihren Grundproportionen durch den sozialisti-
schen Staat geplant und, entsprechend den objektiven Erfordernis-
sen einer hocheffektiven Struktur der Volkswirtschaft, auf die
einzelnen Zweige verteilt" 35) wird; somit ist die gesellschaft-
liche Arbeit im Sozialismus "planmäßige Verausgabung von Arbeit
in ihrer nützlichen, konkreten oder gebrauchswertbildenden Form."
36) Ihr doppelter Charakter resultiert jedoch aus dem vom Stand
der Produktivkräfte abhängigen Charakter der Arbeitsteilung. Denn
das "gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln führt
nicht dazu, die Volkswirtschaft als einen gesellschaftlichen Pro-
duktionsapparat zu konstituieren, in dem die Beziehungen zwischen
den einzelnen Teilen nur eine Art betriebliche Arbeitsteilung
zwischen technisch-organisatorischen Einheiten sind. Die Arbeits-
teilung zwischen den Produzentenkollektiven ist gesellschaftli-
cher Natur, ist Ausdruck der Beziehungen ökonomisch eigenverant-
wortlicher gesellschaftlicher Produzenten." 37)
Wenn die Arbeit daher im Sozialismus qualitativ bereits unmittel-
bar gesellschaftliche Arbeit ist, da der gesamtgesellschaftliche
Zusammenhang nicht mehr wie in/früheren Produktionsweisen spontan
hergestellt, sondern bewußt geplant wird, so schließt dies den-
noch nicht aus, "daß zwischen dem unmittelbar gesellschaftlichen
Charakter der Arbeit und ihrer Verausgabung in der wirtschaftli-
chen Tätigkeit der sozialistischen Betriebe Widersprüche auftre-
ten. Sie entstehen, wenn die in den Betrieben konkret aufgewandte
Arbeit nicht oder nicht voll dem gesellschaftlichen Bedarf ent-
spricht oder der betriebsindividuelle Aufwand über dem gesell-
schaftlich notwendigen Arbeitsaufwand liegt." 38) Wenn diese Wi-
dersprüche zwar auch nicht antagonistisch sind, so erwächst aus
ihnen doch die Notwendigkeit, daß die in den Betrieben aufge-
wandte Arbeit "durch die Realisierung ihres Produkts, durch die
Umwandlung der Ware in Geld ihre gesellschaftliche Natur bewei-
sen" 39) muß. Der gegenwärtige Stand der Produktivkräfte macht es
daher erforderlich, daß die arbeitsteilig erzeugten Produkte aus-
getauscht werden - daß sie also als Waren produziert werden: "Der
sozialistische Aneignungsprozeß vollzieht sich als eine Bewegung,
in der jedes Produkt erst als Gebrauchswert gefragt sein muß, be-
vor es sich als Wert realisieren kann, und es ist erst in der
Lage, als Gebrauchswert zu dienen, wenn es sich als Wert reali-
siert hat." 40) Für diese Verbindung der arbeitsteiligen Wirt-
schaftseinheiten ist es notwendig, "die individuell verausgabte
Arbeit auf ein einheitliches gesellschaftliches Maß zu beziehen,
an diesem Maß die ökonomische Leistung zu messen" 41), um so die
Äquivalenz des Warenaustausches herstellen zu können. Aus der
Marxschen Werttheorie folgt, daß das einheitliche Maß der konkre-
ten Arbeiten die abstrakte Arbeit, der Wert, ist. Daher gilt für
die sozialistische Warenproduktion, daß der Austausch der Pro-
dukte nach dem Wert, d.h. nach dem gesellschaftlich notwendigen
Arbeitsaufwand erfolgt.
Da der Warenaustausch impliziert, daß "jedem sozialistischen Be-
trieb im Austauschprozeß die von ihm aufgewandte Arbeit bei der
Produktion materieller Güter im Maße der zur Produktion gesell-
schaftlich notwendiger Arbeit äquivalent" 42) ersetzt wird, "ist
der Wert im Sozialismus eine wichtige Triebkraft zur Entwicklung
der Produktivkräfte" 43): "Die Ausnutzung des Werts zwingt ökono-
misch, den gesellschaftlichen Arbeitsaufwand zur Produktion mate-
rieller Güter einzuhalten und ständig zu senken." 44)
Diese Ausnutzung der Kategorien der Warenproduktion setzt voraus,
daß die Produktionseinheiten als ökonomische Einheiten verstanden
werden. Sozialistische Warenproduktion bedeutet daher die Eigen-
verantwortlichkeit der Wirtschaftseinheiten für ihren Reprodukti-
onsprozeß im Rahmen und auf der Grundlage des staatlichen Plans.
Am Beispiel der DDR bedeutet dies, "daß sie sowohl über ökonomi-
sche Rechte und eigene Fonds verfügen als auch für die Erfüllung
ihrer Pflichten gegenüber der Gesellschaft materiell haften" 45).
Die Eigenverantwortlichkeit der Betriebe auf der Grundlage des
staatlichen Plans gewährleistet die Übereinstimmung der individu-
ellen und kollektiven Interessen mit den gesellschaftlichen Er-
fordernissen. Nicht zuletzt durch die materielle Interessiertheit
wird sichergestellt, "daß jeder Werktätige seine Funktion als Ei-
gentümer der Produktionsmittel, als Miteigentümer des Betriebes,
des Kombinates oder der VVB auch für ihn spürbar wahrnehmen kann
und in der Praxis auch tut." 46) Ware-Geld-Beziehungen sind daher
nicht mehr wie im Kapitalismus Ursache und Ausdruck der Entfrem-
dung, sondern fördern "die Einsicht in die Übereinstimmung ge-
sellschaftlicher, kollektiver und individueller Interessen, die
Einsicht in die Abhängigkeit der eigenen und der kollektiven Le-
benslagen, von der eigenen und kollektiven Leistung." 47)
Die Realisierung des Werts durch den Austausch der Waren erfolgt
über den Markt. Ebenso wie die anderen Kategorien der Warenpro-
duktion hat der Markt im Sozialismus aufgrund der neuen Produkti-
onsverhältnisse einen anderen Charakter als in früheren Produkti-
onsweisen, denn "nicht der Markt bestimmt den Ablauf des gesell-
schaftlichen Reproduktionsprozesses, sondern das Wirken der öko-
nomischen Gesetze des Sozialismus, die in der volkswirtschaftli-
chen Planung ihren Ausdruck finden müßten." 48) Warenproduktion
und Eigenverantwortlichkeit der sozialistischen Warenproduzenten
bedeuten daher nicht, wie Erich Honnecker deutlich macht, "den
Weg der Selbständigkeit der Betriebe 'unabhängig vom Plan'. Es
geht nicht darum, den Betrieben ein größtmögliches Maß an Selb-
ständigkeit gegenüber der Gesellschaft zu geben, sondern es geht
darum, ihre eigene Verantwortung, die sie für die Lösung der ge-
samtgesellschaftlichen Aufgaben besitzen, hervorzuheben. Das be-
trachten wir als eine konstruktive Lösung des Problems, den Be-
trieben, ausgehend vom zentralen staatlichen Plan, den notwendi-
gen Spielraum für die volle Ausnutzung der objektiven ökonomi-
schen Gesetze des Sozialismus zu verschaffen." 49) Nicht der
Markt, sondern der Plan und das sozialistische Eigentum stellen
die entscheidende Verbindung zwischen den sozialistischen Waren-
produzenten her. Der Reproduktionsprozeß wird also nicht spontan
durch den Markt, sondern bereits vor der Realisierung durch den
Plan geregelt - sozialistische Warenproduktion ist daher planmä-
ßig organisierte Warenproduktion. Zu Recht wird daher im Buch
"Politische Ökonomie des Sozialismus" festgestellt: "Der Markt
erfüllt nur dann seine Funktionen mit höchster Effektivität für
Produzent und Konsument, wenn Angebot, Nachfrage und Preise be-
reits im Plan bilanziert und die sich vollziehenden Veränderungen
planmäßig berücksichtigt werden, bevor sie auf dem Markt als
reale Kategorien in Erscheinung treten. Der Anerkennungsfunktion
des sozialistischen Marktes muß schon bei der Planung entsprochen
werden, weshalb sie nicht mit der Anerkennungsfunktion des Mark-
tes in der auf dem Privateigentum beruhenden Warenproduktion
gleichgesetzt werden kann. Sie ist nicht das Gegenstück zur Pla-
nung ...., sondern ihr Bestandteil." 50) Dieser Charakter des so-
zialistischen Marktes kann wiederum auf den besonderen Charakter
der Arbeit im Sozialismus zurückgeführt werden: "der Markt wird
ein geplanter Markt, da infolge des gesellschaftlichen Eigentums
an den Produktionsmitteln konkrete und abstrakte Arbeit zwei Sei-
ten des unmittelbar gesellschaftlichen Charakters der Arbeit
sind. Die Verwandlung von Ware in Geld auf dem Markt ist deshalb
nicht mehr die Bewegung des antogonistischen Widerspruchs der
Verwandlung von Privatarbeit in gesellschaftliche Arbeit, sondern
von unmittelbar gesellschaftlicher Arbeit einer Form, worin sie
nicht vergleichbar ist, in miteinander vergleichbare unmittelbar
gesellschaftliche Arbeit." 51)
"Die Einstellung zur Warenproduktion ... erweist sich als Prüf-
stein für das wirkliche Begreifen der Natur des Sozialismus." 52)
Wer glaubt, aus dem Fakt Warenproduktion im Sozialismus konver-
genztheoretische Folgerungen ableiten zu können, hat weder etwas
von der Kategorie der Warenproduktion noch vom Wesen einer Ge-
sellschaftsordnung, die durch die Macht der Arbeiterklasse und
das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln charak-
terisiert ist, begriffen. Aus der Tatsache, daß der Sozialismus
die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln aufgeho-
ben und das gesellschaftliche Eigentum geschaffen hat, folgt, daß
sozialistische Warenproduktion eine Warenproduktion mit einem
völlig neuen gesellschaftlichen Inhalt ist. Sozialistische Waren-
produktion ist eine planmäßige "Warenproduktion der von der Aus-
beutung befreiten sozialistischen Produzenten, ... Sie ist durch
die Grundlagen und das Ziel der gesellschaftlichen Produktion im
Sozialismus bestimmt, auf denen sie beruht und denen sie dient."
53) Die Beurteilung der Warenproduktion kann nicht an der ab-
strakten Kategorie der Warenzikulation, die objektiv vom Niveau
der Produktivkräfte abhängt, ansetzen, sondern allein an ihrer
gesellschaftlichen Bedeutung: "Ihr Wesen ist nur dann richtig zu
verstehen, wenn vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse un-
tersucht werden, auf denen die Warenproduktion beruht, die mate-
riellen und gesellschaftlichen Beziehungen als eine sich gegen-
seitig durchdringende Einheit erfaßt werden." 54) Bei einer sol-
chen Analyse wird die "diametral entgegengesetzte soziale Be-
stimmtheit" 55) der sozialistischen und der privaten Warenproduk-
tion deutlich. Das Spezifische der sozialistischen Warenproduk-
tion liegt darin, daß sie "nicht mehr dem beschränkten Profit-
zweck, sondern unmittelbar der immer besseren Befriedigung der
Bedürfnisse aller Mitglieder der Gesellschaft" 56) dient. Ist in
der kapitalistischen Warenproduktion der Wert der unmittelbare
Zweck der Produktion, so ist "der Gebrauchswert das übergreifende
Moment in der sozialistischen Warenproduktion." 57) Der Wert ist
nicht länger die Verdinglichungunbewußter Beziehungen, sondern
wird im Sozialismus zum Ausdruck bewußt gestalteter gesellschaft-
licher Beziehungen der sozialistischen Produzenten zueinander.
Ware-Geld-Beziehungen setzen sich nicht blind durch, sie bedeuten
weder Spontanität noch Schwächung der gesamtgesellschaftlichen
Leitung des Reproduktionsprozesses, sondern dienen im Sozialismus
"zur Festigung der planmäßigen Leitung der Volkswirtschaft und
zur Föderung der Initiative der Betriebe" 58).
Ware-Geld-Beziehungen im Sozialismus sind daher fundamental von
denen im Kapitalismus unterschieden, sie "stellen also einen
neuen gesellschaftlichen Typ der Warenproduktion dar". (59) Ware-
Geld-Beziehungen sind kein dem Sozialismus fremdes Element, kein
Relikt des Kapitalismus. Sie existieren, "weil sie zutiefst in
den gegenwärtigen konkreten Bedingungen des Wechselverhältnisses
von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen verwurzelt
sind" 60); "es handelt sich um eigene ökonomische Kategorien des
Sozialismus, die die objektiven Erfordernisse und den Charakter
der Produktivkräfte widerspiegeln und die qualitativ durch das
Wesen des gesamten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus be-
stimmt werden." 61)
Einige Bemerkungen zu Kuba
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In der Diskussion über die Warenproduktion im Sozialismus verwei-
sen diejenigen, die Ware-Geld-Beziehungen ablehnen, häufig auf
Kuba und die von Ernesto Che Guevara in der Planungsdebatte der
Jahre 1963/64 vertretene Position. Dies macht einige Bemerkungen
zu den kubanischen Erfahrungen erforderlich.
Ausgelöst wurde die kubanische Planungsdebatte durch die ökonomi-
schen Schwierigkeiten, die sich ab 1961 in der Verlangsamung des
wirtschaftlichen Wachstums, zum Teil auch in Produktionsrückgän-
gen zeigten. Diese Schwierigkeiten können auf mehrere Ursachen
zurückgeführt werden. Zunächst wären hier die durch die nordame-
rikanische Blockade bedingten Engpässe in der Versorgung mit Roh-
stoffen und Ersatzteilen, der akute Mangel an Technikern, quali-
fiziertem Verwaltungspersonal und Facharbeitern und die aus der
überspannten Entwicklungsstrategie der gleichzeitigen Diversifi-
zierung der Agrarproduktion und der beschleunigten Industriali-
sierung resultierenden Disproportionen zu nennen.
Zum Teil müssen die Ursachen der ökonomischen Schwierigkeiten je-
doch auch in dem überzentralisierten Planungssystem gesucht wer-
den, das zwar die rasche Durchsetzung einer an groben Schwerpunk-
ten orientierten Entwicklungspolitik ermöglichte, jedoch keine
Feinabstimmung auf die konkreten Bedingungen der Produktionsbe-
triebe gestattete. Auf einer unzulänglichen statistischen Basis
beruhend, erwies sich das Planungssystem als zu träge, als daß
Fehleinschätzungen schnell hätten korrigiert werden können.
Auch die zentralisierte Leitungs- und Organisationsstruktur er-
wies sich häufig als ineffizent. Während sie auf der einen Seite
die Initiative der Produktionsbetriebe hemmte, konnte sie auf der
anderen Seite auch nicht den Fluß der Informationen von unten
nach oben und der Direktiven von oben nach unten sicherstellen.
Die Verbindungen zwischen den zentralen Leitungsorganen, den Pro-
vinzebenen und den Produktionseinheiten waren zu träge und zu
starr, um eine effiziente Leitung zu ermöglichen. Zu schwerwie-
genden Mängeln kam es immer wieder bei der Zuteilung von Ressour-
cen durch die zentralen Leitungsinstanzen an die Produktionsein-
heiten.
Während ab 1963 in der kubanischen Landwirtschaft erste Elemente
des Systems der wirtschaftlichen Rechnungsführung eingeführt wur-
den, um so die Verbindung zwischen zentralem Plan und Vollzug des
Reproduktionsprozesses in den Produktionseinheiten zu festigen,
plädierte Guevara als damaliger Industrieminister für die völlige
Abschaffung von Ware-Geld-Beziehungen. Im Gegensatz zu Marx iden-
tifizierte er Warenproduktion schlechthin mit kapitalistischer
Produktion: "Die Ware ist die ökonomische Zelle der kapitalisti-
schen Gesellschaft. Solange sie existiert, werden ihre Auswirkun-
gen auf die Organisation der Produktion und folglich auf das Be-
wußtsein spürbar sein." 62) Guevara lehnte die Auffassung ab, daß
sich beim gegebenen Stand der Produktivkräfte die arbeitsteilige
Produktion nicht nur in verschiedenen Produktionseinheiten, son-
dern damit auch in unterschiedlichen Wirtschaftseinheiten voll-
ziehe: "Wir bestreiten die Existenz der Kategorie der Ware in der
Beziehung zwischen staatlichen Unternehmen, und wir betrachten
alle Betriebe als Teil des einzigen großen Unternehmens, welches
der Staat ist." 63) Warenbeziehungen könnten in der sozialisti-
schen Wirtschaft nicht existieren, weil kein Austausch erfolgt.
64) Mit der Warenproduktion lehnte Guevara zugleich auch das Sy-
stem der wirtschaftlichen Rechnungsführung ab. Das von ihm propa-
gierte Budget-Finanzierungssystem sah vor, daß weder die Produk-
tionsbetriebe noch ihre Vereinigungen Entscheidungsbefugnisse er-
hielten oder die von ihnen benötigten Mittel selbst erwirtschaf-
teten. Alle für die Produktion und für Investitionen benötigten
Mittel werden nach diesem System ausschließlich vom Zentralplan
bestimmt und über die Nationalbank zugeteilt, alle Erlöse fließen
wiederum direkt in den Staatshaushalt. Damit werden nicht nur
alle Formen materieller Anreize verhindert, die die kollektiven
Interessen mit den gesellschaftlichen in Übereinstimmung bringen
könnten, sondern darüber hinaus wird auch jede indirekte Kon-
trolle der Produktion über das Finanzwesen beseitigt.
Vom System der Budget-Finanzierung erhoffte sich Guevara folgende
Effekte 65):
"Erstens: durch seine Tendenz zur Zentralisierung tendiert es zu
einer rationelleren Ausnutzung des nationalen Fonds.
Zweitens: tendiert es zu einer größeren Rationalisierung des ge-
samten staatlichen Verwaltungsapparates.
Drittens: dieselbe Tendenz zur Zentralisierung zwingt innerhalb
angemessener Grenzen zur Schaffung von größeren Betriebseinhei-
ten, die Arbeitskraft einsparen und die Produktivität der Arbei-
ter erhöhen.
Viertens: durch die Integration in ein einziges Normensystem
macht es aus dem ganzen Ministerium und aus allen Ministerien,
wenn möglich, ein einziges großes staatliches Unternehmen...
Fünftens: ...kann die Kontrolle der Investitionen sehr verein-
facht werden...."
Daß sich im kubanischen Industriesektor, in dem Guevara dieses
Leitungssystem eingeführt hatte, weniger die erhofften Vorzüge
als vielmehr die zahlreichen Schwächen der Planung und Leitung
zeigten, führte Guevara nicht auf dieses System selbst zurück.
Die Lösung aller Probleme versprach er sich ausschließlich von
technischen Verbesserungen des Planungsapparates durch
"mechanische Datenverarbeitung und Gebrauch von elektronischen
Computern" 66): "Wenn einmal alle Kriterien, Methoden und Scha-
blonen der Rechnungsführung in allen Sektoren der Wirtschaft ein-
geführt worden sind, wird die Verwaltung zu einer mechanischen
Aufgabe (!), frei von ernsten Problemen (!)." 67) Die Regelung
des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses sei dann nicht etwa
eine umfassende politische Aufgabe der organisierten Arbeiter-
klasse, sondern vollziehe sich im Selbstlauf: "Wir haben den Ehr-
geiz, aus der Planung ein mathematisch rigoroses Instrument der
automatischen Zielsetzung (!) zu machen." 68)
Im Ergebnis der Planungsdebatte wurde zunächst die zentralisti-
sche Organisationsstruktur der dem Industrieministerium unter-
stellten Industriezweige zum System der Budget-Finanzierung aus-
gebaut; ab 1965 - nachdem Guevara Kuba bereits verlassen hatte -
wurde diese Konzeption zur allgemeinen Richtschnur der Wirt-
schaftsorganisation und auf die Bereiche außerhalb der Industrie
ausgedehnt. Seit Ende 1965 wird der gesamte staatliche Sektor der
Landwirtschaft und der überwiegende Teil der Industrie und des
Handels nach diesem Modell geleitet. Seit Ende 1964 bemühte man
sich überdies um eine zunehmende Integration der landwirtschaft-
lichen mit der industriellen Produktion. Um die Kluft zwischen
zentraler Planung und spontanen Prozessen an der Basis zu über-
winden, werden die so entstandenen Kombinate direkt von der ober-
sten Planungsbehörde oder vom Spezialministerium geleitet, inner-
halb eines Kombinats liegt die Leitung jeweils bei der Stufe der
industriellen Verarbeitung.
Dies hatte entscheidende Auswirkungen auf das Planungssystem.
Entsprechend der Politik der agro-industriellen Integration, die
vielfach dazu führte, daß Spezialverwaltungen für einzelne Pro-
duktionsbereiche an die Stelle gesamtgesellschaftlichen Organe
treten, gewinnen seit 1965 Spezialpläne (planes especiales) für
einzelne Sektoren zunehmend an Gewicht und sind heute charakteri-
stisch für das gesamte kubanische Planungssystem. Man sieht sie
als die geeignete Methode an, die aus dem Budget-Finanzierungssy-
stem resultierende Rigidität einer von der Basis losgelösten Pla-
nung zu überwinden. Doch ist dies nur vordergründig als eine Lö-
sung des Dilemmas anzusehen, da die Spezialpläne zugleich eine
Schwächung der Zentralplanung als Kernstück der gesellschaftli-
chen Regelung des Reproduktionsprozesses auf der Grundlage des
gesellschaftlichen Eigentums bedeuten. Heute liegt kein geschlos-
sener Globalplan, sondern eine Vielzahl von Einzelplänen vor,
denen es häufig an Kompatibilität mangelt.
Die Ablehnung der Ware-Geld-Beziehungen führt daher zwangsläufig
in ein Dilemma der unzureichenden Koordination der gesellschaft-
lichen Arbeit, der Schwächung der planmäßigen Lenkung und der
tendenziellen Zunahme spontaner Prozesse. Der gesellschaftliche
Reproduktionsprozeß wird so für die Produzenten, nicht überschau-
barer, wie Guevara annahm, sondern wird tendenziell - genau ent-
gegen der mit der Vernachlässigung der Kategorie der Ware verbun-
denen Intention - zu einem sich spontan, unplanmäßig vollziehen-
den Prozeß 68a). Deutlich zeigte sich dies etwa während der
Zuckerrohrernte des Jahres 1970, in der nicht nur das 10-
Millionen-Tonnen-Ziel nicht erreicht wurde, sondern die darüber
hinaus zu zahlreichen Engpässe und Disproportionen in anderen
Bereichen der Wirtschaft führte 69).
Schlußbemerkung
---------------
Das kubanische Beispiel zeigt, welche Folgen es hat, wenn man in
der sozialistischen Produktionsweise die Kategorien der Warenpro-
duktion subjektivistisch eliminieren will. Gerade die kubanischen
Erfahrungen belegen unsere These, daß die Warenproduktion eine
objektive Kategorie des Sozialismus ist, deren Vernachlässigung
schädliche Folgen hat, deren planmäßige Ausnutzung jedoch sich
als eine Triebkraft der Produktivkräfte erweist.
Die Warenproduktion im Sozialismus ist somit kein Relikt der ka-
pitalistischen Produktionsweise, sozialistische und kapitalisti-
sche Warenproduktion unterscheiden sich so fundamental wie das
gesamte Gesellschaftssystem des Sozialismus vom Kapitalismus. Der
Sozialismus ist daher keine Übergangsgesellschaft im Sinne einer
"Gesellschaft des Zusammenstoßens von Elementen der alten kapita-
listischen und der künftigen sozialistischen Gesellschaft". 70)
Lindners absurde These, im Sozialismus gebe es "noch keine herr-
schende Produktionsweise" 71), zeigt, daß der Autor weder das We-
sen des sozialistischen Eigentums noch der Macht der Arbeiter-
klasse begreift. Übergang ist der Sozialismus nur in dem Sinn,
daß er die Vorstufe zum Kommunismus ist, gleichzeitig ist er je-
doch auch bereits die erste Phase der kommunistischen Produkti-
onsweise: "In den grundlegenden, das Wesen und die wichtigsten
Seiten des gesellschaftlichen Lebens bestimmenden Charakteristika
ist der Sozialismus dem Kapitalismus direkt entgegengesetzt und
vom gleichen Typ wie die höhere Phase des Kommunismus." 72)
Die Warenproduktion, die im Sozialismus einen völlig neuen ge-
sellschaftlichen Inhalt hat, wird nicht dadurch verschwinden, daß
sie per Dekret abgeschafft wird. Im dialektischen Prozeß der
Überwindung der Warenproduktion geht es vielmehr darum, diese
"Kategorie zu entfalten, ihren Inhalt zu ändern, und durch diese
Entfaltung die Bedingungen zu schaffen für ihre eigene Überwin-
dung." 73) Aufgrund des aus dem gesellschaftlichen Eigentum re-
sultierenden unmittelbar gesellschaftlichen Charakters haben die
sozialistischen Warenbeziehungen bereits ihren spezifischen Wa-
reninhalt, der mit dem Privateigentum an den Produktionsmitteln
verbunden ist, verloren. Sozialistische Warenproduktion bedeutet
planmäßige proportionale Entwicklung der Volkswirtschaft und ste-
tige Steigerung der Arbeitsproduktivität. In der planmäßigen Wa-
renproduktion der von Ausbeutung befreiten sozialistischen Produ-
zenten werden die Voraussetzungen für die kommunistische Gesell-
schaft geschaffen.
_____
1) Werner Hofmann: GRUNDELEMENTE DER WIRTSCHAFTSGESELLSCHAFT, Ein
Leitfaden für Lehrende, Reinbek bei Hamburg 1969, S. 16.
2) Wolfgang Müller: "Einleitung" zu: Bettelheim, Castro u.a.:
WERTGESETZ, PLANUNG UND BEWUSSTSEIN, Die Planungsdebatte in Cuba,
Frankfurt/M. 1969, S. 7 passim.
3) Horst Kurnitzky und Alex Schubert: "Vorwort" zu: Ernesto Che
Guevara: ÖKONOMIE UND NEUES BEWUSSTSEIN, Westberlin 1969, S. 10.
4) Ebenda.
5) Günter Maschke: Entfremdung - Herrschaft - Produzentendemokra-
tie, Bemerkungen zum Problem der Übergangsperiode", in: KURSBUCH
23, März 1971, S. 89.
6) Ebenda, S. 87.
7) Philip Neumann: "Der 'Sozialismus als eigenständige Gesell-
schaftsformation', Zur Kritik der Politischen Ökonomie des Sozia-
lismus und ihrer Anwendung in der DDR", in: KURSBUCH 23, S. 119.
Zur Kritik des Neumannschen Elaborats siehe im übrigen Volker
Gransow: "Konkrete Analyse, präzise Begriffe oder gewöhnlicher
Antikommunismus", in: SOPO 11, S. 109 ff.
8) Neumann, a.a.O., S. 122.
9) Karl Marx: DAS KAPITAL, Erster Band, MEW Bd. 23, S. 55.
10) Ebenda.
11) Ebenda, S. 128, Anm. 73.
12) Karl Marx: GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE
(Rohentwurf), Berlin 1953, S. 76.
13) Georg Ebert, Gerhard Koch u.a.: ÖKONOMISCHE GESETZE IM GE-
SELLSCHAFTLICHEN SYSTEM DES SOZIALISMUS, Berlin 1969, S. 146.
14) Karl Marx: DAS KAPITAL, Dritter Band, MEW Bd. 25, S. 887.
15) Ebenda.
16) Ebenda, S. 886.
17) Ebenda.
18) Karl Marx: DAS KAPITAL, Erster Band, MEW Bd. 23, S. 184, Anm.
41.
19) Karl Marx: DAS KAPITAL, Dritter Band, MEW Bd. 25, S. 887.
20) Ebenda.
21) Ebenda.
22) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS UND IHRE ANWENDUNG IN DER
DDR, Berlin 1969, S. 261.
23) Bernd Hartmann: "Die Ereignisse in der CSST aus marxistischer
Sicht", in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, Heft
9/1968, S. 918.
24) Walter Ulbricht: "Die Bedeutung und die Lebenskraft der Leh-
ren von Karl Marx für unsere Zeit, Rede auf der internationalen
wissenschaftlichen Session des ZK der SED zum 150. Geburtstag von
Karl Marx", Berlin 1968, S. 10.
25) Karl Marx: "Kritik des Gothaer Programms", in: MEW Bd. 19, S.
19 f.
26) Friedrich Engels: HERRN EUGEN DÜHRINGS UMWÄLZUNG DER WISSEN-
SCHAFT (Anti-Dühring), MEW Bd. 20, S. 264.
27) W.I. Lenin: "Die Agrarfrage in Rußland am Ausgang des 19.
Jahrhunderts", in: Werke, Bd. 15, S. 129.
28) Karl Marx: "Nachwort" zur zweiten Auflage des Ersten Bandes
des "Kapitals" in MEW Bd. 23, S. 25.
29) Friedrich Engels: "Interview mit dem Korrespondenten der
30) Zeitung 'Le Figaro'", 8. Mai 1893, in: MEW Bd. 22, S. 542.
Zur historischen Entwicklung der Theorie und Praxis sozialisti-
scher Ware-Geld-Beziehungen siehe: G. Koslow: "Die Entwicklung
der Warenproduktion in der UdSSR", in: DER MARXISMUS-LENINISMUS -
DIE WAHRHEIT UNSERER ZEIT, Zum 100. Jahrestag des Erscheinens des
ersten Bandes des "Kapitals" von Karl Marx und zum 50. Jahrestag
des Erscheinens der Arbeit von W. I. Lenin "Der Imperialismus als
höchstes Stadium des Kapitalismus", Berlin 1967, S. 44-67.
31) Otto Rennert: "Lenin über das Prinzip der wirtschaftlichen
Rechnungsführung", in: WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT, Heft 5/1970, S.
645.
32) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 264.
33) Fred Matho: WARE-GELD-BEZIEHUNGEN IM NEUEN ÖKONOMISCHEN SY-
STEM, Berlin 1965, S. 32.
34) Vgl. W. Wygodski: "Das 'Kapital' von Karl Marx und einige
ökonomische Probleme der kommunistischen Gesellschaft", in: "DAS
KAPITAL" VON KARL MARX UND SEINE INTERNATIONALE WIRKUNG, Beiträge
ausländischer Teilnehmer an der wissenschaftlichen Session "100
Jahre 'Das Kapital'", veranstaltet vom ZK der SED am 12. und 13.
September 1967 in Berlin, Berlin 1968, S. 253.
35) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 273.
36) Ebenda.
37) G. Ebert u.a.: ÖKONOMISCHE GESETZE, a.a.O., S. 150.
38) POLTISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 274.
39) W. Wygodski: "Das Kapital", a. a. O., S. 253.
40) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 265.
41) G. Ebert u.a.: ÖKONOMISCHE GESETZE, a.a.O., S. 149.
42) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 267.
43) Ebenda.
44) Ebenda, S. 266.
45) Ebenda, S. 267.
46) Walter Ulbricht: "Bedeutung und Lebenskraft", a.a.O., S. 28.
47) Erich Hahn: "Ideologische Probleme bei der Gestaltung des
ökonomischen Systems des Sozialismus in der DDR", in: DIE WACH-
SENDE ROLLE DER KOMMUNISTISCHEN UND ARBEITERPARTEIEN IM REVOLU-
TIONÄREN PROZESS DES AUFBAUS DES SOZIALISMUS UND KOMMUNISMUS, In-
ternationale wissenschaftliche Konferenz, Berlin 16. bis 18. Juni
1970, Berlin 1970, S. 429.
48) Walter Ulbricht: "Der Leninismus und die Gestaltung des ent-
wickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus (Die Ver-
wirklichung der Leninschen Ideen in der Deutschen Demokratischen
Republik)", in: LENINISMUS UND INTERNATIONALE REVOLUTIONÄRE AR-
BEITERBEWEGUNG, Probleme des Kampfes um die Einheit des Proleta-
riats und aller antiimperialistischer Kräfte, (Moskau 1969)
Frankfurt/M. 1971, S. 101.
49) Erich Honecker: "Die Verwirklichung der Leninschen Lehre von
der führenden Rolle der Partei durch die Sozialistische Ein-
heitspartei Deutschlands in der Deutschen Demokratischen Repu-
blik", in: DIE WACHSENDE ROLLE DER KOMMUNISTISCHEN UND ARBEITER-
PARTEIEN, a.a.O., S. 45.
50) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 273.
51) Ebenda, S. 270.
52) I. Kusminow: "Lenin und die Probleme der Wirtschaftstheorie
des Sozialismus", in: Suslow, Fedosejew u. a.: LENINISMUS UND DIE
GEGENWART, Zur Philosophie, Ökonomie, zum revolutionären Weltpro-
zeß, Frankfurt/M. 1970, S. 219 f.
53) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS, a.a.O., S. 261 f.
54) Ebenda, S. 262.
55) G. Ebert u.a.: ÖKONOMISCHE GESETZE, a.a.O., S. 128.
56) Ebenda, S. 152.
57) Ebenda.
58) DIE DIREKTIVEN DES XXIV. PARTEITAGES DER KPDSU ZUM FÜNFJAHR-
PLAN FÜR DIE ENTWICKLUNG DER VOLKSWIRTSCHAFT DER UDSSR IN DEN
JAHREN 1971-1975, Moskau 1971, S. 57.
59) Karl Bichtler: "Die Marxsche Theorie von der Gesellschafts-
formation und das entwickelte gesellschaftliche System des Sozia-
lismus", in: KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE HEUTE, 100 Jahre
'Das Kapital', hrsg. v. Walter Euchner und Alfred Schmidt, Frank-
furt und Wien 1968, S. 327.
60) Walter Ulbricht: "Die Bedeutung des Werkes "Das Kapital" von
Karl Marx für die Schaffung des entwickelten gesellschaftlichen
Systems des Sozialismus in der DDR und Kampf gegen das staatsmo-
nopolistische Herrschaftssystem in Westdeutschland", Referat auf
der Internationalen wissenschaftlichen Session "100 Jahre 'Das
Kapital'", Berlin 12./13. September 1967, Berlin 1967, S. 39.
61) Walter Ulbricht: "Die Bedeutung und Lebenskraft", a.a.O., S.
33.
62) Ernesto Che Guevara: "Mensch und Sozialismus auf Cuba", in:
Ders.: PARTISANENKRIEG - EINE METHODE, MENSCH UND SOZIALISMUS AUF
CUBA, Zwei Studien, Köln und München 1966, S. 44.
63) Ernesto Che Guevara: "Über das Budget-Finanzierungssystem",
in: Bettelheim, Castro u.a.: WERTGESETZ, a.a.O., S. 68.
64) Vgl. Ernesto Che Guevara: "Über den Begriff des Wertes, Erwi-
derung auf einige Behauptungen zum Thema, ebenda, S. 45 f., ähn-
lich auch in seinem Artikel "On Production Costs", in: VENCERE-
MOS!, The speeches and writings of Ernesto Che Guevara, ed. John
Gerassi, London 1968, S. 251.
65) Ernesto Che Guevara: "Budget-Finanzierungssystem", a.a.O., S.
54.
66) Ernesto Che Guevara: "Our Industrial Tasks", in: VENCEREMOS!,
a.a.O., S. 199.
67) Ernesto Che Guevara: "On Froduction Costs", a.a.O., S. 255.
68) Ernesto Che Guevara: "On the Cuban Experience", in: VENCERE-
MOS!, a.a.O., S. 262.
68a) Daß der gesellschaftliche Zusammenhang des Reproduktionspro-
zesses vom Einzelnen nur unzureichend begriffen wird, zeigt sich
unter anderem am katastrophalen Rückgang der Arbeitsdisziplin in
den letzten Jahren, dem nun - da er durch eine Intensivierung mo-
ralischer Anreize nicht aufgehalten werden konnte - mit admini-
strativen Maßnahmen begegnet werden soll.
69) Vgl. dazu die Rede Fidel Castros vom 26.7.1970, in: GRAMNA,
Weekly Review, 2.8.1970.
70) Walter Lindner: AUFBAU DES SOZIALISMUS ODER KAPITALISTISCHE
RESTAURATION? , Zur Analyse der Wirtschaftsreformen in der DDR
und CSSR, Erlangen 1971, S. 1
71) Ebenda, S. 4.
72) Autorenkollektov der Parteihochschule in Zusammenarbeit mit
der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU:
POLITISCHE ÖKONOMIE. Bd. 3, "Der Sozialismus; die erste Phase der
kommunistischen Produktionsweise". russ., Moskau 1970, S. 121,
zitiert bei Werner Kalweit/Hans Luft, "Neue sowjetische Werke zur
politischen Ökonomie des Sozialismus", in: EINHEIT, Heft 4/1971,
S. 437.
73) Klaus Steinitz: Diskussionsbeitrag, in: KRITIK DER POLITISCHE
ÖKONOMIE HEUTE, a.a.O., S. 351.
***
SOPO 11 (Juni 71) enthält u.a. auf 120 Seiten:
P. Boccara, Zum staatsmonopolistischen Kapitalismus
D. Klein, Imperialistische Zukunftsforschung im staatsmonopoli-
stischen Kapitalismus
W. Erdmann, Klassenkämpfe und Volkswirtschaft in der Türkei
Bericht, IMSF-Tagung "Ökonomische Theorie, Politische Strategie
und Gewerkschaften"
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