Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1972


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       Diskussion, Besprechung
       

ANTWORT AUF KRITIK AM ENTWURF DER THESEN DER DKP

Die Kritik Joachim Bischoffs am Thesen-Entwurf der DKP (vgl. SOPO Nr. 14/15, S. 103 ff.) stellt, im Unterschied zu den verschieden- sten Kritiken ultralinker Gruppierungen, einen Versuch sachlicher und ernsthafter Auseinandersetzung dar. Von dem umfangreichen Text befassen sich vier Fünftel damit, die Grundlagen für eine Kritik an unseren Thesen zu erarbeiten, wobei diese dann folgende Kritik leider in wichtigen Passagen nicht mehr so argumentativ ist, wie die vorausgestellten Darlegungen. Die Arbeit zeugt von Sachkenntnis, insbesondere hinsichtlich Marx und Engels. Es wur- den zahlreiche ihrer Hinweise zur Strategie und Taktik verarbei- tet. Es fällt jedoch auf, daß von den strategisch-taktischen Ar- beiten Lenins praktisch nur "Was sind die Volksfreunde" und "Der linke Radikalismus" Berücksichtigung finden, der auch noch falsch interpretiert wird. Insbesondere werden Lenins Schriften zur Theorie des Imperialismus und des staatsmonopolistischen Kapita- lismus nicht verarbeitet. Joachim Bischoff grenzt sich eindeutig von ultralinken Sektierern ab. Dennoch kann man nicht daran vorbeigehen, daß er in der Sache letztlich selbst gewisse ultralinke Positionen nicht überwunden hat. I. Über einige grundsätzliche Fehler ------------------------------------ In der Auseinandersetzung mit der Kritik am Entwurf der Thesen der DKP wollen wir zunächst auf einige grundsätzliche Fehler Bi- schoffs aufmerksam machen. 1. Die Leninsche Theorie des Imperialismus und des staatsmonopo- listischen Kapitalismus sind in der vorliegenden Kritik ausge- klammert. Ohne diese Theorie läßt sich jedoch der heutige Kapita- lismus nicht verstehen. Eine richtige Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung für unsere Periode läßt sich nur auf der Grund- lage dieser Theorie entwickeln. Genosse Bischoff geht zwar davon aus, daß es zwei verschiedene Entwicklungsstufendes Kapitalismus gibt. Aber dabei ist nicht der Unterschied zwischen dem Kapitalismus der freien Konkurrenz und dem imperialistischen Stadium des Kapitalismus gemeint, sondern es geht ihm darum, ob sich das Kapitalverhältnis bereits so weit herausgebildet hat, daß die "Übergangsklassen" weitestgehend ver- schwunden seien. In Abhängigkeit von diesen beiden Entwicklungs- stufen gebe es auch zwei verschiedene allgemeine Taktiken. In Ländern mit noch nicht voll ausgebildetem Kapitalverhältnis sei die allgemeine Taktik die des Kampfes um Demokratie und für ein breites demokratisches Bündnis. In Ländern mit entwickeltem Kapi- talverhältnis gehe es dagegen um die Diktatur des Proletariats und um eine Politik der Aktionseinheit. Zweifellos ist für die Arbeiterbewegung das Entwicklungsniveau des Kapitalverhältnisses von größter Bedeutung. Allerdings be- schränkt Genosse Bischoff den Grad der Entwicklung des Kapital- verhältnisses auf die quantitative Seite. Er übersieht die quali- tativen Veränderungen, die in der Entwicklung des Kapitalverhält- nisses auftreten. Die entscheidende qualitative Veränderung ist der Übergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum monopoli- stischen Kapitalismus. Nach Bischoffs Argumentation gäbe es die gleiche allgemeine Tak- tik für das vormonopolistische u n d das monopolistische Eng- land sowie die USA und die Bundesrepublik einerseits, eine andere allgemeine Taktik für das vormonopolistische Kontinentaleuropa und das in der Ausbildung des Monopolkapitals begriffene zaristi- sche Rußland. Hier wird ganz deutlich, daß das Monopol, als das letztlich im imperialistischen Stadium des Kapitalismus entschei- dende Kapitalverhältnis, für Bischoff sekundär geworden ist. Bei der richtigen Einschätzung des Kapitalverhältnisses in den entwickelten kapitalistischen Ländern kommt heute jener Entwick- lung entscheidende Bedeutung zu, die Lenin als Tendenz bereits in der Periode des ersten Weltkrieges entdeckte: der Vereinigung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates zum staatsmonopoli- stischen Kapitalismus. Den Imperialismus hat Lenin in seinem Werk "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" und in anderen Schriften in seinen ökonomischen, politischen und ideologischen Aspekten gründlich analysiert und daraufhin Schlußfolgerungen für die Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung abgeleitet. Folglich ist es nicht richtig, wenn Bischoff die Grundmerkmale der Lenin- schen Strategie und Taktik vorrangig von Lenins Arbeit über die Volksfreunde her bestimmt und von daher nur die Identität Lenins mit den taktischen Auffassungen von Marx und Engels herausarbei- tet, die qualitative Weiterentwicklung des Marxismus durch Lenin jedoch übersieht. Das drückt sich zunächst aus in einer falschen Einschätzung der Leninschen Schrift gegen den "Linken Radikalis- mus". Es wird in einer Übertreibung der völlig richtigen Warnung Lenins davor, mechanisch die Erfahrungen der Bolschewiki auf jedes Land zu übertragen behauptet, Lenin hätte mit dieser Arbeit "keinesfalls zeigen" wollen, "daß die Taktik der Bolschewiki als einer spezifischen Ausprägung der Taktik für Länder mit unentwic- keltem Kapitalverhältnis, nun ohne Rücksicht für Länder mit glei- chem Entwicklungsstadium des Kapitalismus wie Rußland Richtschnur zu sein hätte, noch weniger beabsichtigte er, diese Taktik für die Metropolen des Kapitalismus zu empfehlen." /134/ Schrieb nicht Lenin vielmehr in der Einleitung seines Werkes: "... daß einige Grundzüge unserer Revolution nichtörtliche, nicht spezifisch nationale, nicht ausschließlich russische, sondern in- ternationale Bedeutung haben"? (Lenin: "Der linke Radikalismus", Verlag Marxistische Blätter, Frankfurt/M., Seite 3) Sagte er nicht, daß dazu "... ihre Fähigkeit" gehöre, "... sich mit den breitesten Massen der Werktätigen, in erster Linie mit den prole- tarischen, a b e r a u c h m i t d e n n i c h t p r o l e- t a r i s c h e n Werktätigen zu verbinden"? (Ebenda, S. 8) Daß Lenin im übrigen damit nicht nur die Probleme Rußlands meinte, hat Gorter, der Lenin von ultralinken Positionen aus kritisierte, schon damals genau verstanden, als er Lenin entgegnete: Die "westeuropäischen Marxisten", würden immer wieder bei einem Punkt in den Schriften Lenins vorsichtig, nämlich dort "wo Sie sprachen über die Arbeiter u n d d i e a r m e n B a u e r n. Sie tun das sehr, sehr oft. Und überall sprechen Sie von diesen beiden Kategorien als revolutionäre Faktoren auf der ganzen Welt. Und nirgends, wenigstens soweit ich gelesen habe, betonen Sie klar und deutlich den s e h r g r o ß e n U n t e r s c h i e d, d e r v o n d i e s e r F r a g e z w i s c h e n R u ß- l a n d (und einigen osteuropäischen Ländern) und W e s t e u- r o p a (d.h. Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Hol- land, der Schweiz und den Skandinavischen Ländern, vielleicht sogar Italien) b e s t e h t. Und doch liegt, meines Erachtens, der Grund der Differenz Ihrer Auffassung über die Taktik, in den gewerkschaftlichen und parlamentarischen Fragen und der der sogenannten Linken in Westeuropa im Unterschied zwischen Rußland und Westeuropa in diesem Punkte." (zitiert nach A. Pannekok, H. Gorter: "Organisation und Taktik der proletarischen Revolution", Frankfurt 1969, S. 170 f.) Uns scheint, dieses Zitat Gorters, aus seiner 1920 gegen Lenin verfaßten Schrift, zeigt deutlich, daß die von dem Kritiker unse- rer Thesen entwickelten Auffassungen bereits damals vorgetragen wurden. Bereits damals wurde die Auffassung vertreten, daß für die entwickelten kapitalistischen Länder eine breite Bündnispoli- tik nicht notwendig sei. Das Studium der Leninschen Arbeit über den "Linken Radikalismus" zeigt eindeutig, daß darin - wie in allen anderen Werken Lenins - die Probleme gerade auch der entwickelten kapitalistischen Länder verarbeitet wurden. Die Analyse der Entwicklung des Kapitalismus und der Arbeiterbewegung in den fortgeschrittenen Ländern nimmt darum einen sehr großen Raum ein, weil Lenin davon ausgeht, daß der Imperialismus ein Weltsystem darstellt und die Fragen der Strategie und Taktik nur auf der Grundlage der allgemeingültigen Grundsätze und der nationalen Besonderheiten erarbeitet werden können. Gerade darum genügt es für die Erarbeitung einer richti- gen Strategie und Taktik auch nicht, nur von der Entwicklung des Kapitalverhältnisses eines gegebenen Landes auszugehen. Die Unterschätzung der Weiterentwicklung des Marxismus durch Le- nin kommt weiter darin zum Ausdruck, daß die Leninschen Arbeiten und Hinweise für die Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung in den entwickelten kapitalistischen Ländern während und im Zusam- menhang mit dem III. und IV. Komintern-Kongreß von Bischoff völ- lig außer acht gelassen wurden. 2. In Bischoffs Darstellung der Entwicklung des Kapitalismus fällt ein mechanistischer Zug auf. Dieser drückt sich insbeson- dere darin aus, daß er davon ausgeht, mit der Entwicklung des Ka- pitalverhältnisses verschwänden automatisch die Mittelschichten und damit die Probleme der Bündnispolitik und des demokratischen Kampfes. Selbstverständlich ist es richtig, daß mit der Entwicklung des Imperialismus sich das quantitative Gewicht der traditionellen Mittelschichten verringert. Das trifft insbesondere auf die Bau- ernschaft zu. Allerdings haben sowohl Marx und Engels, als auch Lenin immer wieder vor der Vorstellung eines "reinen Kapitalis- mus" gewarnt. Selbst in so hochentwickelten kapitalistischen Län- dern wie der Bundesrepublik oder den Vereinigten Staaten, ist die Bauernschaft auch heute noch numerisch eine nicht unbedeutende Kraft, die für den Kampf gegen das Monopolkapital eine große po- litische Bedeutung hat. Selbstverständlich stimmen wir dem Autor der Thesenkritik zu, daß es nicht Aufgabe einer marxistischen Bündnispolitik sein kann, die Illusionen kleiner Eigentümer zu bewahren oder gar zu verstärken. Die Partei der Arbeiterklasse muß vielmehr unter ihnen die Erkenntnis wecken, daß sie ihre Zu- kunft nur an der Seite der Arbeiterklasse und im Übergang zu ge- nossenschaftlichen Formen der Produktion bei demokratischer Selbstverwaltung haben. Das setzt allerdings voraus, daß die Ar- beiterklasse die Bauern auch im Kampf um ihre unmittelbarsten Probleme unterstützt und sie nicht der sozialen Demagogie der Rechtskräfte überläßt. Was die Handwerker und den Dienstleistungsbereich angeht, so geht auch dort ein ständiger Prozeß der Ruinierung vor sich. Gleich- zeitig bringt der heutige Kapitalismus aus seinen eigenen Produk- tionsbedürfnissen ständig erneut kleinere und mittlere Dienstlei- stungsbetriebe hervor. Von besonderer Bedeutung ist jedoch die quantitative und qualita- tive Zunahme des Gewichts der Intelligenz. Das hängt mit der Ent- faltung der wissenschaftlich-technischen Revolution zusammen, die die Wissenschaft in eine unmittelbare Produktivkraft verwandelt. Dabei wird in These 28 darauf aufmerksam gemacht, daß ein wach- sender Teil insbesondere der technischen Intelligenz zu einem Teil der Arbeiterklasse wird. Der größte Teil der Intelligenz steht jedoch seiner sozial-ökonomischen Stellung nach zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie. Angesichts der Tatsache, daß mit der Verwissenschaftlichung aller Bereiche des gesell- schaftlichen Lebens die Intelligenz immer wichtiger wird, kommt der Frage, auf welcher Seite sie im Klassenkampf steht, aller- größte Bedeutung zu. Schon diese wenigen Erwägungen zeigen, welche gewaltige Rolle die Bündnispolitik im antimonopolistischen Kampf hat. Vom Verschwin- den der "Übergangsklassen" kann doch keine Rede sein, solange es sich immerhin um etwa 20 Prozent der Bevölkerung der Bundesrepu- blik handelt, um deren Gewinnung der Kampf zwischen Arbeiter- klasse und Monopolbourgeoisie geführt wird. 3. In diesem Zusammenhang muß auf einen weiteren grundlegenden Fehler aufmerksam gemacht werden: auf die Gegenüberstellung von Aktionseinheits- und Bündnispolitik. Bischoff versucht, zwei all- gemeine Taktiken herauszuarbeiten, deren Kernstück jeweils e n t w e d e r die Aktionseinheit o d e r die Bündnispolitik ist. Ein solches Entweder-Oder gibt es im Marxismus nicht. Vielmehr ergibt sich aus den Grundthesen der Theorie von Marx, Engels und Lenin über die historische Mission der Arbeiterklasse, daß der Kampf um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse die Generallinie der Politik unter allen Bedingungen des Kampfes sein muß. "Die Notwendigkeit der Aktionseinheit ergibt sich daraus, daß keine einzige gesellschaftliche Aufgabe ohne den Einsatz der vollen Kraft der Arbeiterklasse im Sinne des gesellschaftlichen Fort- schritts gelöst werden kann. Sie ist erforderlich, weil in der Arbeiterbewegung verschiedene Strömungen wirken. Sie ist unab- dingbar, weil der Arbeiterklasse ein hochorganisierter Gegner ge- genübersteht, ihr gemeinsamer Hauptfeind, das Großkapital. Grund- lage der Aktionseinheit ist die objektive Gemeinsamkeit der In- teressen aller Gruppen innerhalb der Arbeiterklasse. Der Front des Großkapitals muß die Arbeiterklasse die einheitliche Front ihres Handelns entgegenstellen. Der Kampf um die Herstellung der Aktionseinheit ist darum eine Kernfrage kommunistischer Politik." (aus These 29) Die Aktionseinheit ist auch der Kristallisationspunkt für ein breites antimonopolistisches Bündnis, für die Sammlung aller an- timonopolistischen Kräfte um die Arbeiterklasse. Unter allen Be- dingungen und Etappen des Kampfes um den Sozialismus stellt sich die Frage: Wer ist die Hauptkraft dieses Kampfes, wer ist der konkrete Feind, welche Klassenkräfte gilt es zu neutralisieren und mit welchen Gruppen und Schichten muß sich die Hauptkraft im Kampf gegen den konkreten Feind verbinden? Daraus folgt, daß nicht nur die Gegenüberstellung von Aktionseinheits- und Bündnis- politik nicht richtig ist, sondern auch ihre Behandlung als Fra- gen der T a k t i k, Aktionseinheits- und Bündnispolitik sind Grundfragen der marxistischen S t r a t e g i e. Hinter den von uns kritisierten Auffassungen über die Strategie und Taktik steckt offensichtlich ein ökonomistisches Herangehen an die Probleme, eine Trennung von Ökonomie und Politik. Das führt dazu, daß die objektiven Voraussetzungen für den Sozialis- mus mehr oder weniger aus ihrem Zusammenhang mit den notwendigen subjektiven Voraussetzungen gelöst werden. II. Zur Begründung unseres Kampfes um antimonopolistische --------------------------------------------------------- Demokratie und Sozialismus -------------------------- Wir bemerkten einleitend, Bischoffs eigentliche Kritik am Thesen- Entwurf der DKP sei nicht so klar und argumentativ, wie der weit längere, die Kritik vorbereitende Teil seines Aufsatzes. Mit der doch recht schematischen Ableitung und Gegenüberstellung von zwei allgemeinen Taktiken setzten wir uns bereits kritisch auseinan- der. Wir bemängeln auch das Fehlen der Problematik des Imperia- lismus, des staatsmonopolisitschen Kapitalismus. Wir müssen au- ßerdem bemerken, daß Genösse Bischoff die konkreten Klassenbezie- hungen und das Bewußtsein von Arbeitermassen aus seinen Erörte- rungen über die Probleme einer richtigen Politik seltsamerweise ausklammert. Einen sehr wesentlichen Punkt seiner Kritik an den DKP-Thesen sehen wir des weitern in einer stillschweigend gemach- ten Voraussetzung. Es handelt sich um die These, die erst noch zu beweisen wäre, daß es nämlich aus objektiven Gründen für die Bun- desrepublik nur einen und zwar unvermittelten Übergang zum Sozia- lismus gäbe. Dies vorausgesetzt kann man die antimonopolistische Strategie und Taktik der DKP freilich insofern als falsch erklären, als sie die antimonopolistische Macht von der sozialistischen abhebt, obwohl auf den Kapitalismus - Bischoffs Voraussetzung einmal angenommen - nur die sozialistische Macht folgen kann. Freilich fällt die ganze Argumentation in sich zusammen, wenn man Bischoffs Voraussetzungen nicht teilt. Es geht also um das Pro- blem der antimonopolistischen Demokratie und ihres Verhältnisses zum Sozialismus. Das Ziel der DKP als marxistischer Partei der Arbeiterklasse ist der Sozialismus. Diesem Endziel ist ihre ganze Tätigkeit untergeordnet. Die Notwendigkeit des Sozialismus ergibt sich dabei keineswegs aus den Wunschvorstellungen der Kommunisten. Vielmehr drängen die grundlegenden gesellschaftlichen Erfordernisse heute stärker als je zuvor zu einer neuen Gesellschaftsordnung. Der Sozialismus ist notwendig, weil das kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln und die politische Herrschaft des Groß- kapitals die Hauptursachen für soziale Unsicherheit, für Preis- treiberei und Währungsspekulation, für Bildungsnotstand und stei- gende Ausbeutung, weil die kapitalistischen Besitz- und Machtver- hältnisse das Haupthindernis des gesellschaftlichen Fortschritts sind. Der Sozialismus ist notwendig, weil die arbeitende Bevölkerung eine wahrhaft menschliche Gesellschaft braucht, in der sich der Mensch schöpferisch entfalten kann, in der er nach seinen Lei- stungen für die Gesellschaft und nicht nach dem Geldbeutel gemes- sen wird. Der Sozialismus ist notwendig, damit mit der Beseiti- gung des kapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln die Ursachen für die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und für die Ausrottung des Menschen durch den Menschen beseitigt und die Grundlagen für ein Leben in Frieden, Freiheit und Sicherheit geschaffen werden. Der Sozialismus ist notwendig, weil nur auf der Grundlage des ge- sellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln die Möglich- keiten des Fortschritts von Wissenschaft und Technik zur Verbes- serung des Lebensstandards der arbeitenden Menschen voll genutzt und die Sicherheit der Arbeitsplätze gewährleistet werden kann. Der Sozialismus ist notwendig, weil die Entwicklung der Produk- tivkräfte, die Konzentration der Produktion, die Notwendigkeit, immer größere gesellschaftliche Mittel für Investitionen aufzu- wenden, eine gesamtgesellschaftliche Planung erfordern. Beim heu- tigen Stand der Vergesellschaftung der Produktion und der Ver- flechtung der Produktionszweige untereinander ist es eben z.B. für die Stahlindustrie immer notwendiger, zu wissen, wie sich der Maschinenbau, die Autoindustrie, der Schiffbau und andere Berei- che entwickeln, wie viel und welche Stahlerzeugnisse gebraucht werden, in welchem Maße und auf welchen Gebieten Stahl durch Kunststoffe ersetzt wird usw. Ein effektiver Produktionsablauf fordert eine gesamtgesellschaftliche Planung. Dem steht jedoch das kapitalistische Eigentum an den Produktionsmitteln und das darauf begründete kapitalistische Profitstreben entgegen. Der Sozialismus ist notwendig, weil der Kapitalismus den arbei- tenden Menschen die aktive Teilnahme an den wichtigen Entschei- dungen in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft verweigert. Die Pra- xis des Sozialismus in der Sowjetunion, der DDR und den anderen sozialistischen Ländern zeigt dagegen, daß dort, wo die Arbeiter- klasse die Macht ausübt, nicht nur die aktive demokratische Mit- wirkung aller Werktätigen möglich wird, sondern daß das Mitpla- nen, Mitentscheiden und Mitregieren jedes einzelnen Werktätigen eine Grundbedingung für die erfolgreiche Entwicklung des Sozia- lismus ist. Wenn die DKP von der Notwendigkeit des Sozialismus spricht, so sagt sie in ihren Thesen aber auch unmißverständlich, welche Grundvoraussetzungen der Sozialismus erfordert. Eine solche deut- liche Aussage ist notwendig, um sich sowohl von verschwommenen Sozialismusvorstellungen, wie vor allem von direkten Verfälschun- gen abzugrenzen. So erstreben sicherlich viele Jungsozialisten unter der Losung "demokratischer Sozialismus" grundlegende ge- sellschaftliche Veränderungen, wenn ihre Vorstellungen auch nur selten dem entsprechen, was die Klassiker des Marxismus-Leninis- mus als Grundvoraussetzung des Sozialismus konzipiert haben. Im Munde rechter sozialdemokratischer Führer dient das Schlagwort vom "demokratischen Sozialismus" dagegen eindeutig dem Ziel, den realen Sozialismus als undemokratisch zu verleumden, und die ei- gene Praxis der Verteidigung der großkapitalistischen Ausbeuter- ordnung zu verschleiern. Die DKP nennt in ihrer Grundsatzerklärung und in den Thesen des Düsseldorfer Parteitages drei Grundvoraussetzungen für den Sozia- lismus: 1. Die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im Bündnis mit den anderen werktätigen Volksschichten. 2. Das gesellschaftliche Eigentum an allen wichtigen Produktions- mitteln. 3. Die gesamtgesellschaftliche Planung zum Wohle des Volkes. Diese von Marx, Engels und Lenin konzipierten Grundvoraussetzun- gen für den Sozialismus sind unverzichtbar. Nur wo sie verwirk- licht werden, wird der Sozialismus verwirklicht. Nur wer für ihre Verwirklichung kämpft, ist ein wirklicher Sozialist und Revolu- tionär. Wenn die DKP im Thesenentwurf ihr sozialistisches Ziel und die Notwendigkeit des Sozialismus nachdrücklich unterstreicht, so geht sie andererseits davon aus, daß es unter den konkreten Be- dingungen der Bundesrepublik notwendig ist, den Kampf um Über- gangsforderungen zu führen, die den Weg zum Sozialismus ebnen. Die Notwendigkeit von Übergangsforderungen und die Möglichkeit von Etappen im Kampf um den Sozialismus wird dabei keineswegs zum ersten Mal und nicht allein von der DKP ausgesprochen. In seiner Arbeit "Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen muß", die in der Periode des Übergangs von der bürgerlich demokrati- schen Februarrevolution zur sozialistischen Oktoberrevolution 1917 geschrieben wurde, spricht Lenin von der Möglichkeit, daß auf dem Weg zum Sozialismus zunächst ein Staat der revolutionären Demokratie erkämpft wird. Lenin betont, daß damit die Herrschaft des Großkapitals völlig untergraben werden könne, daß sich die Arbeiterklasse in dieser Kampfetappe bereits den entscheidenden, maßgeblichen Einfluß in Staat und Gesellschaft erkämpfen könne. Das Klassenwesen dieser revolutionären Demokratie charakterisie- rend, schrieb Lenin, "ist n o c h k e i n Sozialismus, aber s c h o n k e i n Kapitalismus m e h r. Das ist ein gewalti- ger S c h r i t t zum Sozialismus." (Lenin: "Werke", Band 25, S. 371) Als nach der Oktoberrevolution die Kommunistische Internationale unter Leitung Lenins die Strategie und Taktik der internationalen kommunistischen Bewegung ausarbeitete, ließ sie sich davon lei- ten, daß der Kampf der Arbeiterklasse um die Errichtung ihrer po- litischen Macht, entsprechend den jeweiligen Verhältnissen ver- schiedene Etappen durchlaufen kann. So betonte 1922 der IV. Kon- greß der Komintern, der die Taktik der Einheitsfront ausarbei- tete: "Zwischen der gegenwärtigen Periode der Herrschaft der of- fenen bürgerlichen Reaktion und dem vollen Sieg des revolutio- nären Proletariats über die Bourgeoisie liegen verschiedene Etap- pen und sind verschiedene vorübergehende Episoden möglich." (Vgl. "Die Kommunistische Internationale", Verlag Marxistische Blätter, 1970, S. 195) Der Kongreß stellte die Losung von der "Arbeiter- regierung" als möglicher Form des Übergangs zur Herrschaft der Arbeiterklasse auf. Eine solche Regierung sollte eine Reihe von politischen, ökonomischen und finanzpolitischen Maßnahmen durch- führen, die die Verfügungsgewalt der Kapitalisten über die Produktionsmittel und den kapitalistischen Profit begrenzten und den Weg für den weiteren Kampf um den Sozialismus ebneten. Der VII. Kongreß der Komintern entwickelte diese Ideen weiter und stellte die Aufgabe des Kampfes um die Volksfrontregierung, in der er eine mögliche Übergangsform zur Errichtung der Herrschaft der Arbeiterklasse sah. Dabei ist das Problem möglicher Etappen auf dem Weg zum Sozialis- mus nicht nur eine Frage der Theorie und der Programmatik. Die Entwicklung der sozialistischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt, daß sich dort der Weg zur Herrschaft der Arbeiterklasse, zum Sozialismus, gerade über solche Etappen, die unter der Be- zeichnung Volksdemokratie oder in der DDR unter dem Begriff anti- faschistisch-demokratische Ordnung bekannt geworden sind, vollzo- gen hat. In der gegenwärtigen Situation des weltweiten Klassenkampfes, die gekennzeichnet ist durch den Kampf der beiden Weltsysteme, die Befreiung der ehemaligen Kolonien, die Schwächung oder den Sturz der imperialistischen Herrschaft in einer Reihe von Ländern und durch die Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in den Hochburgen des Kapitals, gehen die kommunistischen Parteien davon aus, daß sich eine neue Möglichkeit der Entwicklung zum So- zialismus herausgebildet hat; die Errichtung einer antimonopoli- stischen Demokratie durch die mit den anderen demokratischen Kräften verbündete Arbeiterklasse, einer Demokratie, die den Wi- derstand der inneren und äußeren Reaktion zu brechen vermag und den Weg zum Sozialismus öffnet. So hat die Internationale Beratung der Kommunistischen und Arbei- terparteien 1969 festgestellt, daß günstige Voraussetzungen für den Zusammenschluß aller demokratischen Strömungen zu einem sol- chen politischen Bündnis entstehen, "das fähig ist, die Rolle der Monopole im Wirtschaftsleben des Landes entscheidend einzuschrän- ken, der Macht des Großkapitals ein Ende zu bereiten und solche grundlegenden politischen und ökonomischen Umgestaltungen durch- zuführen, die die günstigsten Bedingungen für den Kampf um den Sozialismus schaffen." (Vgl. "Internationale Beratung der Kommu- nistischen und Arbeiterparteien", Moskau 1969, Dietz-Verlag 1969, S. 31) Der Kampf um eine antimonopolistische Demokratie auf dem Weg zum Sozialismus spiegelt sich unter dieser oder jener Bezeichnung in den programmatischen Dokumenten fast aller kommunistischen Par- teien in den entwickelten kapitalistischen Ländern wider. Die DKP stellt in den Thesen des Düsseldorfer Parteitags fest: "Wie sich die Entwicklung zum Sozialismus konkret vollziehen wird, darüber entscheidet der Klassenkampf. ... Aufgrund der heutigen Bedingun- gen des Klassenkampfes geht die DKP davon aus, daß der Kampf der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kräfte um die demo- kratische Erneuerung von Staat und Gesellschaft, um eine antimo- nopolistische Demokratie, am besten geeignet ist, den Weg zum So- zialismus zu öffnen...." These 9) Es stellt sich die Frage, welches sind die wichtigsten Faktoren, die uns zu dem Schluß kommen lassen, daß auf dem Weg zum Sozia- lismus in der Bundesrepublik der Kampf um eine antimonopolisti- sche Demokratie notwendig ist? Wir möchten vor allem auf zwei Faktoren hinweisen: 1. Marx, Engels und Lenin haben stets darauf hingewiesen, daß für den erfolgreichen Kampf um den Sozialismus sowohl objektive wie subjektive Voraussetzungen notwendig sind. Was die objektiven Voraussetzungen betrifft, so stellt die DKP in den Thesen fest, daß die Bundesrepublik mit dem hohen Entwick- lungsstand der Produktivkräfte, mit dem Grad der Konzentration der Produktion in Großbetrieben, mit der engen Verflechtung der Betriebe und Produktionszweige untereinander und der Notwendigkeit immer weitergehender direkter Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsprozeß in dieser Beziehung nicht nur reif, sondern überreif für den Sozialismus ist. Gleichzeitig betonen wir aber: "Die Entwicklung zum Sozialismus vollzieht sich jedoch nicht automatisch. Er kann weder importiert werden, noch kommt er durch einen Putsch oder eine Verschwörung zustande. Der Sozialismus kann nur das Ergebnis des Kampfes der Arbeiterklasse und der Volksmassen selbst sein." These 9) Es stellt sich also mit Notwendigkeit die Frage nach dem subjektiven Faktor, nach der gesellschaftlichen Kraft, die den Kapitalismus zu stürzen und die sozialistische Gesellschaft aufzubauen vermag, nach dem Grad ihrer Entwicklung, ihrem Bewußtsein und ihrer Kampfbereitschaft. Marx und Engels stellten bereits im "Manifest der Kommunistischen Partei" fest, daß der Totengräber des Kapitalismus und der Bau- meister der neuen sozialistischen Gesellschaft die Arbeiterklasse ist. Davon geht die DKP auch in den Thesen aus: "Die Arbeiter- klasse ist aufgrund ihrer Klassenlage die entscheidende Kraft im Kampf um den gesellschaftlichen Fortschritt.,. Sie ist nicht nur die zahlenmäßig stärkste Klasse, sondern die einzige, die mit der Entwicklung der Produktion auch zahlenmäßig wächst. Der Anteil der Arbeiter, Angestellten und Beamten an der sogenannten er- werbstätigen Bevölkerung in der Bundesrepublik ist von etwa 70 % im Jahre 1950 auf gegenwärtig mehr als 80% angewachsen. Die Ar- beiterklasse ist die wichtigste gesellschaftliche Produktivkraft, das entscheidende Ausbeutungsobjekt des Monopolkapitals... Mit ihrer Konzentration in großen Industrien, mit ihrer Organisiert- heit, mit ihrer revolutionären Partei, die mit der wissenschaft- lichen Theorie von Marx, Engels und Lenin ausgerüstet ist, sind der Arbeiterklasse die wichtigsten objektiven Bedingungen für einen erfolgreichen Kampf um grundlegende Verbesserungen ihrer Lage und die endgültige Befreiung von kapitalistischer Ausbeutung gegeben." (These 27) Wie sieht es aber heute um das Bewußtsein der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik aus, in welchem Ausmaß ist sie sich ihrer Klassenlage und ihrer geschichtlichen Aufgabe bewußt? Zwischen dem Autor der Kritik an den Thesen des Düsseldorfer Parteitags der DKP und uns gibt es sicherlich keine Meinungsverschiedenhei- ten darüber, daß jene Bedingung für den erfolgreichen Kampf um den Sozialismus in der Bundesrepublik nicht erfüllt ist, von der Engels in seiner letzten Arbeit, der "Einleitung zu Marx Klassen- kämpfen in Frankreich" sagt: "Wo es sich um eine vollständige Um- gestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie mit Leib und Leben eintreten sollen." (Marx/Engels: "Werke", Band 22, Seite 523) Wir müssen nüchtern feststellen: Das Bewußtsein großer Massen der Arbeiter und Angestellten unseres Landes ist gegenwärtig noch da- durch gekennzeichnet, daß sie der Politik der SPD-Führung folgen, sich nicht auf sozialistischen oder auch nur bewußt antimonopoli- stischen Positionen befinden. Sie glauben - ob uns das gefällt oder nicht - daß der Kapitalismus im Großen und Ganzen funktio- niert, daß er Vollbeschäftigung und ausreichenden Lebensstandard bietet, daß in der Bundesrepublik im wesentlichen Demokratie herrsche und grundlegende Veränderungen nicht notwendig seien. Die Hoffnung, unter solchen Bedingungen ohne den Kampf um vermit- telnde Übergangsforderungen zum Sozialismus zu kommen, ist rein- ster Wunderglauben. Die Partei der Arbeiterklasse darf in ihrer Strategie jedoch nicht auf Wunder bauen, sondern muß eine nüch- terne Politik betreiben. Natürlich wollen auch die sozialdemokratisch beeinflußten Arbei- ter eine gerechtere Ordnung. Seit der Krise von 1967 und den im- mer hektischeren Ausbrüchen der kapitalistischen Währungskrise ist auch bei vielen von ihnen ein Gefühl der Unsicherheit vorhan- den. In den Herbststreiks 1969, 1970 und 1971 haben sich wichtige neue Ansätze für ein elementares Klassenbewußtsein bei einem Teil der Arbeiter entwickelt. All das muß die Partei der Arbeiter- klasse in ihrer Politik berücksichtigen. Sie muß dabei jedoch im- mer nüchtern von der Tatsache ausgehen, daß selbst bei den fort- geschrittensten Teilen der Arbeiterklasse in größerem Umfang kein politisches Klassenbewußtsein oder gar sozialistisches Bewußtsein vorhanden ist. Unter diesen Bedingungen gibt es, wenn man mit den Beinen auf dem Boden bleiben und nicht in Wunschträume verfallen will, nur eine Möglichkeit, revolutionäre, sozialistische Politik zu betreiben. Man muß eine solche Strategie entwickeln, die die Mehrheit der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen an den Kampf um den Sozialismus heranführt. Entscheidend ist dabei, die Arbeiter- klasse auf der Grundlage ihrer eigenen, praktischen Kampferfah- rungen an die Notwendigkeit des Kampfes um den Sozialismus heran- zuführen. Diese eigenen Kampferfahrungen führen jedoch zunächst an die Notwendigkeit des Kampfes um die Zurückdrängung und schließliche Überwindung der Macht des Monopolkapitals und noch nicht unmittelbar an die Notwendigkeit der endgültigen Überwin- dung des Kapitalismus überhaupt heran. Wir möchten das an einem Beispiel erläutern: Elementare Kampferfahrungen sammeln die Arbeiter z.B. im Lohn- kampf. In ihren Köpfen vorhandenes sozialpartnerschaftliches Den- ken wird mit dem profitegoistischen Verhalten der Unternehmer konfrontiert, die den Arbeitern notwendige Lohnerhöhungen trotz hoher Profite verweigern, die nach der Polizei rufen, um Streik- brecher zu schützen oder, wie jetzt in Baden-Württemberg, den lieben "Sozialpartner" aussperren. Sie sammeln Erfahrungen über die Rolle der verschiedenen Parteien und der "freien Presse", die pausenlos die Unternehmerargumente gegen die Arbeiter vertritt und über den "demokratischen" Staat, der angeblich über den Klas- sen steht, in Wirklichkeit jedoch mit seinem Zwangsapparat und mit dem Versuch, die Gewerkschaften an staatliche Lohnleitlinien zu binden, im Interesse des Kapitals in die Auseinandersetzungen eingreift. Eine der elementarsten Erfahrungen, die jeder Arbeiter und jede Arbeiterfrau im Zusammenhang mit Lohnkämpfen sammelt, besteht auch darin, daß ein beträchtlicher Teil der erkämpften Lohnerhö- hungen immer wieder durch Preissteigerungen und Steuererhöhungen zunichte gemacht wird. Hier können und müssen Sozialisten anknüp- fen, um die Erkenntnis bei den Arbeitern zu wecken, daß der Lohn- kampf, so wichtig er ist, allein nicht ausreicht, daß es notwen- dig ist, gleichzeitig den Kampf z.B. um die Verwirklichung der alten gewerkschaftlichen Forderung nach "gläsernen Taschen", d.h. nach Einsicht in die tatsächliche Profitsituation der Betriebe zu führen, um so neue Impulse für den Kampf um Lohnerhöhungen und gegen Preistreiberei zu erhalten. Wenn man der Preistreiberei Schranken setzen will, dann muß man den Kampf um die Verwirklichung einer antimonopolistischen Mitbe- stimmung führen, die nicht sozialpartnerschaftliches Aushänge- schild ist, sondern Mitbestimmung über alle wirtschaftlichen Fra- gen, über Investitionen, Gewinnverteilung, Preispolitik u.a. ein- schließt, die tatsächlich Eingriffe der Arbeiter in die Profit- sphäre des Kapitals ermöglicht. Aus den Erfahrungen der Preistreiberei kann auch die antimonopo- listische Forderung nach Überführung der Schlüsselindustrien und großen Konzerne in öffentliches Eigentum bei demokratischer Kon- trolle durch die Arbeiter und ihre Organisationen begründet wer- den, denn es wird eben deutlich, daß die großen Konzerne die Zen- tren des Preisdiktats sind. Ihre Macht muß zurückgedrängt und überwunden werden, wenn man ihrem Preisdiktat Einhalt gebieten will. Die Erfahrungen mit der Rolle des monopolkapitalistischen Staates als Vorreiter von Preissteigerungen, als Beschützer der großkapitalistischen Preistreiberei oder als denjenigen, der durch seine arbeiterfeindliche Steuerpolitik einen beträchtlichen Teil der Lohnerhöhungen im Interesse des Großkapitals eintreibt, schafft Ansatzpunkte, um die Erkenntnis zu vermitteln, daß es notwendig ist, auch auf der politischen Ebene tiefgehende Verän- derungen zugunsten der Arbeiter durchzusetzen. Ähnliche Ansätze für die Vermittlung antimonopolistischer Er- kenntnisse ergeben sich in Rote-Punkt-Bewegungen, Mieteraktionen, Bewegungen gegen die Umweltverschmutzung durch die Konzerne, Ak- tionen für fortschrittliche Veränderungen im Bildungswesen usw. Stets richtet sich dieser Kampf in erster Linie gegen die produk- tions- und marktbeherrschenden Unternehmen, gegen die Monopole und ihre Macht. Sie sind der Hauptfeind. Darum ist die aus unse- ren heutigen Kampfbedingungen hervorgehende konkrete Kampfetappe der Kampf gegen die Monopole, um die Zurückdrängung und um die Überwindung ihrer Macht, um die antimonopolistische Demokratie. Sie ist das wichtigste Vermittlungsglied zwischen der gegenwärti- gen Lage und dem Kampf um das sozialistische Ziel. Aus diesen Darlegungen zeigt sich auch, wie falsch es ist, wenn Bischoff meint, aus dem Diskussionsbeitrag des Genossen Gerns auf der 9. Tagung des Parteivorstands der DKP die Schlußfolgerung ziehen zu müssen, daß es besonders schwierig sei, die Notwendig- keit des antimonopolistischen Kampfes zu vermitteln. F ü r d i e A r b e i t e r ist es leichter zu begreifen, daß es not- wendig ist, den Kampf gegen die Flick und Schleyer zu führen, als um die Überwindung des Kapitalismus überhaupt. Wenn es Pro- bleme gibt bei der Vermittlung der Notwendigkeit des antimonopo- listischen Kampfes, so handelt es sich dabei u m u n g e- d u l d i g e S t u d e n t e n u n d n i c h t u m d i e M a s s e n d e r A r b e i t e r u n d A n g e s t e l l- t e n. 2. Die Notwendigkeit des Kampfes um die antimonopolistische Demo- kratie ergibt sich zum zweiten unter dem Gesichtspunkt der Bünd- nispolitik. Wir stellen in den Thesen fest, daß der staatsmonopo- listische Kapitalismus die Vereinigung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates ist. Dieses Machtkartell kann nur durch eine starke Gegenkraft überwunden werden. Die Gegenkraft wird da- bei umso stärker sein, je mehr es gelingt, alle Gegner des Mono- polkapitals, alle Gruppen und Schichten, die - und wenn dies auch nur in Teilfragen der Fall ist - in Widersprüche zum staatsmono- polistischen System geraten, in ein von der Arbeiterklasse ge- führtes, breites antimonopolistisches Bündnis zusammenzuführen. Ein solches antimonopolistisches Bündnis ist aber heute nicht nur notwendig, sondern auch objektiv möglich. Diese Möglichkeit er- gibt sich sowohl unter ökonomischen, wie auch unter politischen Gesichtspunkten. Ökonomisch sind die Ansatzpunkte für ein brei- tes, antimonopolistisches Bündnis darum vorhanden, weil der staatsmonopolistische Kapitalismus nicht nur die Arbeiterklasse ausbeutet, sondern auch die Bauern, die Handwerker, die große Masse der Intelligenz ausplündert und mit dem Mechanismus der Um- verteilung des Nationaleinkommens über den Staatshaushalt im In- teresse der Superprofite der Konzerne seine Hand selbst auf einen Teil des Profits der kleinen und mittleren Kapitalisten legt. Po- litisch geraten breite Schichten in Widersprüche zum Monopolkapi- tal und seinem Staat, weil deren friedensgefährdende Politik eben auch wiederum nicht nur die Arbeiterklasse allein bedroht. Auch der weitere Abbau der demokratischen Rechte und Freiheiten be- trifft nicht nur die Arbeiter und Angestellten. So werden mit der immer direkteren Verschmelzung von Monopolen und Staat, von Fi- nanzoligarchie und Staatsbürokratie eben auch selbst die kleinen und mittleren Kapitalisten faktisch völlig von der Machtausübung ausgeschlossen. Der heutige monopolkapitalistische Staat ist zum Machtinstrument der kleinen Gruppe der Finanzoligarchie gegen alle übrigen Teile der Bevölkerung geworden. Wenn wir die Notwen- digkeit und die objektiven Möglichkeiten für ein breites antimo- nopolistisches Bündnis betonen, so übersehen wir allerdings kei- nesfalls die Schwierigkeiten und die Widersprüchlichkeiten eines solchen Bündnisses. Diese ergeben sich vor allem aus dem schwan- kenden Charakter kleinbürgerlicher Schichten und daraus, daß die kleinen und mittleren Kapitalisten natürlich nicht nur Widersprü- che zum Monopolkapital haben, sondern gleichzeitig durch antago- nistische Widersprüche von der Arbeiterklasse getrennt sind. Das wird besonders deutlich im Lohnkampf, wo auch der kleinste Kapi- talist an der Seite der Monopole gegen die Arbeiter kämpft. Den- noch muß die Politik der Arbeiterklasse darauf gerichtet sein, die schwankenden kleinbürgerlichen Schichten auf ihre Seite zu ziehen, kleine und mittlere Kapitalisten in solchen Fragen, in denen sich die Möglichkeit dazu ergibt, in Bündnisse, und seien es sachlich und zeitlich noch so sehr begrenzte Bündnisse, gegen das Monopolkapital und seinen Staat einzubeziehen. Die DKP geht in ihren Thesen davon aus, daß zwischen dem Kampf um antimonopolistische Demokratie und dem Kampf um unser sozialisti- sches Ziel ein enger und untrennbarer Zusammenhang besteht. Die- ser Zusammenhang ergibt sich vor allem aus dem Klassencharakter der antimonopolistischen Demokratie, aus den politischen und öko- nomischen Machtverhältnissen in dieser Etappe des Kampfes um den Sozialismus. "Eine antimonopolistische Demokratie hat die grund- legende Veränderung des politischen Kräfteverhältnisses, die Er- kämpfung einer von der Arbeiterklasse geführten und gemeinsam mit allen antimonopolistischen Kräften getragenen Staatsmacht zur Voraussetzung. Durch die Überführung der Grundstoff- und Schlüs- selindustrien, der marktbeherrschenden Unternehmender Bankkon- zerne und großen Versicherungsgesellschaften, der Pressemonopole und Kulturkonzerne in gesellschaftliches Eigentum - bei demokra- tischer Kontrolle durch die Arbeiterklasse, die anderen antimono- polistischen Kräfte und ihre Organisationen - wird die ökonomi- sche Macht des Monopolkapitals gebrochen." (These 9) Mit der Brechung der politischen und ökonomischen Macht der Mono- pole wird aber das Haupthindernis auf dem Weg zum Sozialismus be- seitigt und dem heutigen Kapitalismus, der ja Monopolkapitalismus ist, das Rückgrat gebrochen. Wir teilen darum die Meinung derje- nigen kommunistischen Gesellschaftswissenschaftler, die davon ausgehen, daß angesichts der überragenden Rolle der Monopole im heutigen Kapitalismus mit ihrer Überwindung durch ihre Überfüh- rung in demokratisch kontrolliertes Eigentum des Staates der an- timonopolistischen Demokratie, praktisch der Kapitalismus auf- hört, als geschlossene Gesellschaftsformation zu existieren. In diesem Sinne läßt sich auf die antimonopolistische Demokratie das von uns eingangs gebrauchte Leninzitat aus seiner Arbeit "Die drohende Katastrophe..." anwenden. Die antimonopolistische Demo- kratie, das ist schon kein Imperialismus mehr, aber auch noch kein Sozialismus. Es ist jedoch ein gewaltiger Schritt zum Sozia- lismus, mit dem entscheidend der Sieg für das weitere Voran- schreiten zur endgültigen Überwindung der kapitalistischen Aus- beuterordnung geebnet wird. So wie es falsch wäre, die antimonopolistische Demokratie als eine Entwicklungsstufe des Kapitalismus zu betrachten, - denn ein Kapitalismus mit einer von der Arbeiterklasse geführten und ge- meinsam mit allen anderen antimonopolistischen Kräften getragenen Staatsmacht, in dem das Eigentum der Monopole in das Eigentum dieses Staates der antimonopolitischen Demokratie überführt wird, ist ja wohl schwer vorstellbar - so wäre es aber auch nicht richtig, die antimonopolistische Demokratie mit dem Sozialismus gleichzusetzen. Zwischen der antimonopolistischen Demokratie und dem Sozialismus bestehen noch wichtige Unterschiede und zwar sowohl politische als auch ökonomische. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art des Bündnisses, in der Breite des Bündnisses, das die Macht ausübt. Lenin hat die politische Macht der Arbeiterklasse, die Herrschaft im Sozialismus bekanntlich definiert als eine "besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat, der Avantgarde der Werktätigen, und den zahlreichen nichtproleta- rischen Schichten der Werktätigen (Kleinbürgertum, Kleinbesitzer, Bauernschaft, Intelligenz usw.) oder deren Mehrheit, eines Bünd- nisses gegen das Kapital, eines Bündnisses, um das Kapital rest- los zu stürzen, den Widerstand der Bourgeoisie und Restaurations- versuche von ihrer Seite endgültig niederzuschlagen, eines Bünd- nisses, um den Sozialismus einfürallemal zu errichten und zu fe- stigen." (Lenin: "Werke", Band 29, S. 370) Bei der antimonopolistischen Demokratie handelt es sich dagegen um eine Staatsmacht, die von einem von der Arbeiterklasse geführ- ten Bündnis getragen wird, das breiter ist, dem neben anderen werktätigen Schichten auch nichtwerktätige, vom Monopolkapital bedrängte Schichten oder Teile dieser Schichten angehören, die bereit sind, gegen das Monopolkapital zu kämpfen. Diese antimono- polistische Macht ist ein Bündnis nicht gegen das gesamte Kapi- tal, sondern gegen das Monopolkapital. Es hat die Aufgabe, den Widerstand des Monopolkapitals zu brechen, ihm durch die Enteig- nung der Monopole und ihre Überführung in Eigentum des Staates der antimonopolistischen Demokratie auch die ökonomische Macht zu nehmen. Wenn ein solches breites antimonopolistisches Bündnis zustande kommt, werden auch neben dem gesellschaftlichen Eigentum des Staates der antimonopolistischen Demokratie für eine gewisse Übergangszeit noch kleines und mittleres kapitalistisches Eigen- tum und das Produktionsmitteleigentum der kleinen Warenproduzen- ten in Stadt und Land weiter bestehen. Durch die Teilnahme nicht- werktätiger Schichten oder Teile dieser Schichten am Bündnis der antimonopolistischen Demokratie ist dieses Bündnis nicht frei von Widersprüchen und Auseinandersetzungen. Es hat also noch nicht jene innere Stabilität, die für das Klassenbündnis der Arbeiter- klasse mit den übrigen Werktätigen im Sozialismus charakteri- stisch ist. Das Bündnis der antimonopolistischen Demokratie muß darum in dem Maße, wie nichtwerktätige antimonopolistische Schichten oder Teile von ihnen Widerstand gegen weitergehende Maßnahmen des Staates der antimonopolistischen Demokratie lei- sten, in dem Maße, wie sich das Bewußtsein und die Kampfkraft der Arbeiterklasse entwickeln, wie sie die übrigen Werktätigen noch enger um sich zusammenschließt, weitergeführt werden zur politi- schen Macht der Arbeiterklasse. Mit der Führung der Arbeiter- klasse im Bündnis der antimonopolistischen Demokratie werden da- bei schon in dieser Etappe des Kampfes wesentlich die Weichen für das weitere Voranschreiten zum Sozialismus gestellt. In der Auseinandersetzung mit unserer Politik des Kampfes um eine antimonopolistische Demokratie als Bestandteil des Kampfes um den Sozialismus greifen ultralinke Kritiker (damit ist Genosse Bi- schoff nicht gemeint!) nicht selten zu Entstellungen der Politik der DKP. Wir möchten auf zwei solcher Entstellungen aufmerksam machen. Da wird zunächst recht oft der Versuch unternommen, die Dinge so darzustellen, als ob die DKP eine historische Unvermeidlichkeit und Gesetzmäßigkeit der antimonopolistischen Demokratie verkün- det. (Offensichtlich geht auch der Autor der Thesenkritik von dieser falschen Voraussetzung aus) In Wirklichkeit sprechen wir in den Thesen ausdrücklich davon, daß die konkreten Bedingungen des Klassenkampfes darüber entscheiden werden, wie sich die Ent- wicklung zum Sozialismus in der Bundesrepublik vollzieht. Auf- grund der heutigen Bedingungen des Klassenkampf es gehen wir da- von aus, daß der Kampf der Arbeiterklasse und der anderen demo- kratischen Kräfte um eine antimonopolistische Demokratie am be- sten geeignet ist, den Weg zum Sozialismus zu öffnen. Die Bedin- gungen des Klassenkampfes sind jedoch nicht ein für allemal gege- ben. Sie verändern sich. Es geht also bei der antimonopolisti- schen Demokratie um eine M ö g l i c h k e i t auf dem Weg zum Sozialismus, ausgehend von den heutigen Bedingungen des Klassen- kampfes, jedoch nicht um eine historisch unvermeidliche Gesetzmä- ßigkeit. Unabdingbar notwendig ist dagegen, daß wir heute den Kampf mit der Spitze gegen das Monopolkapital und für die Über- windung seiner Herrschaft führen, also für die demokratische Er- neuerung von Staat und Gesellschaft, deren Klasseninhalt die an- timonopolistische Demokratie ist. Die Notwendigkeit dieses Kampfes als heute konkreter Kampf um den Sozialismus ergibt sich aus der Entwicklung des staatsmonopoli- stischen Kapitalismus, aus dem Bewußtsein und der Kampfbereit- schaft der Arbeiterklasse, aus der Notwendigkeit und den Möglich- keiten antimonopolistischer Bündnispolitik. Die DKP unterscheidet also zwischen der Notwendigkeit des a n t i m o n o p o l i- s t i s c h e n K a m p f e s und der Möglichkeit der Er- kämpfung einer a n t i m o n o p o l i s t i s c h e n D e m o- k r a t i e auf dem Weg zum Sozialismus. Gegen unsere Politik des Kampfes um eine antimonopolistische De- mokratie auf dem Weg zum Sozialismus versuchen ultralinke Kriti- ker zum anderen häufig die Auseinandersetzung ins Feld zu führen, die Georgi Dimitroff in seinem Bericht auf dem VII. Weltkongreß der Komintern mit rechtsopportunistischen Auffassungen führte. Diese Kritiker zitieren folgende Passage aus dem Bericht Dimi- troffs: "Die Rechtsopportunisten aber versuchten, ein besonderes 'demokratisches Zwischenstadium' zwischen der Diktatur der Bour- geoisie und der Diktatur des Proletariats herzustellen, um in der Arbeiterschaft die Illusion eines friedlichen parlamentarischen Spazierganges aus der einen Diktatur in die andere zu erwecken. Dieses fiktive 'Zwischenstadium' nannten sie auch 'Übergangsform' und beriefen sich sogar auf Lenin! Aber es war nicht schwer, die- sen Schwindel aufzudecken: Sprach doch Lenin von einer Form des Übergangs und des Herankommens an die 'Proletarische Revolution', d.h. an den Sturz der Diktatur der Bourgeoisie, und nicht von ir- gendeiner Übergangsform zwischen der Diktatur der Bourgeoisie und der proletarischen Diktatur." (Vgl. "VII. Weltkongreß der Kommu- nistischen Internationale", Verlag Marxistische Blätter, Frank- furt a.M., 1971, S. 124) Was ist dazu zu sagen? Zunächst muß man darauf aufmerksam machen, daß die ultralinken Kritiker unserer Politik - wie sie das ja gern tun - diese Pas- sage aus ihrem Zusammenhang reißen. Dimitroff schickt den zitier- ten Worten nämlich folgendes voraus: "Vor 15 Jahren hat uns Lenin aufgefordert, unsere ganze Aufmerk- samkeit darauf zu konzentrieren, 'Formen des Übergangs oder des Herankommens an die proletarische Revolution ausfindig zu ma- chen'." "Möglicherweise wird die Einheitsfrontregierung in einer Reihe von Ländern sich als eine der wichtigsten Übergangsformen erweisen." Und weiter: "Die linken Doktrinäre haben sich stets über diesen Hinweis Lenins hinweggesetzt, als beschränkte Propa- gandisten haben sie immer nur vom 'Ziel' gesprochen, ohne sich je um die 'Übergangsform' zu kümmern." (ebenda) Man kann also Dimitroff nur gegen die DKP ins Feld führen, wenn man ihn aus dem Zusammenhang reißt und entstellt, denn unser Kampf um antimonopolistische Demokratie entspricht eben genau der Leninschen Forderung "Formen des Übergangs oder des Herankommens" an den Kampf um den Sozialismus ausfindig zu machen. Die Kritik Dimitroffs an den linken Doktrinären, die immer nur vom Ziel sprechen (also Bernsteins bekannte Formel nur mechanisch umkeh- ren, völlig undialektisch verfahren), sich also nicht um die Übergangsformen kümmern, trifft dagegen bei unseren ultralinken Kritikern genau ins Schwarze. Wenn Dimitroff die Rechtsopportunisten kritisiert, weil sie ein besonderes demokratisches Zwischen-Stadium konstruieren, um in der Arbeiterschaft die Illusion eines friedlichen Spaziergangs zum Sozialismus zu erwecken, so unterscheidet sich die Politik der DKP von dieser Position der Rechtsopportunisten prinzipiell. Erstens säen wir keine Illusionen über einen friedlichen Spazier- gang zum Sozialismus. Es wäre doch völlig wirklichkeitsfremd, wenn man nicht davon ausgehen würde, daß die Monopole, solange sie über die politische und wirtschaftliche Macht, über Justiz, Polizei und Militär verfügen, diese nicht auch rücksichtslos zur Erhaltung ihrer Macht einsetzen würden. Darum muß die entschei- dende Auseinandersetzung auf dem Wege zum Sozialismus bereits in der Phase des Kampfes um die antimonopolistische Demokratie ge- führt werden. Es wird dies also eine Periode erbitterten Klassen- kampfes sein. Ob die Reaktion dabei zu blutiger Gewalt greifen kann, das hängt vor allem von der Stärke der Arbeiterklasse, von der Einheit und Geschlossenheit der antimonopolistischen Bewegung ab. Schon für diese Kampfetappe gilt, was wir in der Grundsatzer- klärung sagen und in den Thesen wiederholen: "Die DKP erstrebt den für das arbeitende Volk der Bundesrepublik günstigsten Weg zum Sozialismus, einen Weg ohne Bürgerkrieg. Es waren immer die herrschenden reaktionären Klassen, die zur Rettung ihrer Macht und ihrer Vorrechte blutige Gewalt gegen das Volk anwandten. Nur im harten Klassen- und Volkskampf gegen den unvermeidlichen Wi- derstand der großkapitalistischen Interessengruppen kann die so- zialistische und antimonopolistische Volksbewegung die Kraft er- langen, um die Reaktion an der Anwendung von Gewalt zu hindern," (Vgl. "Grundsatzerklärung der DKP", S. 46 f.) Natürlich wird auch nach der Errichtung des Staates der antimono- polistischen Demokratie und nach der Überführung des monopolkapi- talistischen Eigentums in das Eigentum dieses Staates auf dem weiteren Weg zum Sozialismus der Klassenkampf nicht aufhören. Zweitens konstruieren wir kein besonderes, vom Kampf um den So- zialismus und vom einheitlichen revolutionären Prozeß des Über- gangs vom Kapitalismus zum Sozialismus getrenntes demokratisches Zwischen-Stadium. Die antimonopolistische Demokratie, um die wir kämpfen, ist keine eigene Gesellschaftsformation. Schon Lenin hat sehr deutlich ge- macht, daß es zwischen der staatsmonopolistischen Entwicklungs- stufe des Kapitalismus und dem Sozialismus keine eigene Gesell- schaftsformation geben kann. Wir sehen die antimonopolistische Demokratie darum als eine mögliche Durchgangsphase vom staatsmo- nopolistischen Kapitalismus zum Sozialismus, in der der Weg zum Sozialismus geebnet wird. Die antimonopolistische und sozialisti- sche Umwälzung sind Stadien eines einheitlichen revolutionären Prozesses des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Es ist also völlig unhaltbar, zwischen Dimitroff und der Politik des VII. Weltkongresses der Komintern einerseits und der Politik der DKP andererseits einen Gegensatz aufbauen zu wollen. Die Strategie und Taktik der DKP ist vielmehr die schöpferische An- wendung der Theorie von Marx, Engels und Lenin, der Erfahrungen der internationalen kommunistischen Bewegung, wie sie unter ande- ren in der Politik des VII. Weltkongresses der Komintern und der Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien von 1969 zum Ausdruck kommt, auf die konkreten Bedingungen des Klassenkampfes in unserem Lande. Wir möchten abschließend noch einmal hervorheben, daß sich die kritischen Bemerkungen zu den Thesen der DKP, die von dem Autor des Aufsatzes gemacht werden, mit dem wir uns hier auseinanderge- setzt haben, durch ihre Sachlichkeit und ihre Sachkenntnis von ultralinken und anderen Kritikern abheben. Unsere Antwort auf diese kritischen Bemerkungen soll dem Ziel dienen, den sachlichen Meinungsstreit um die den heutigen Bedingungen des Klassenkampfes am besten entsprechende Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung voranzutreiben. Willi Gerns, Robert Steigerwald zurück