Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1972
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Kyoichi Maekawa
STRUKTURANALYSEN DES JAPANISCHEN KAPITALISMUS
UND DIE HERRSCHAFT DER MONOPOLE
Der nachstehende Beitrag ist der erste einer Reihe von Aufsätzen
von Prof. Kyoichi Maekawa, Doshisha-Universität, Kyoto, die sich
mit der Entwicklung des japanischen Kapitalismus befassen. In den
folgenden Aufsätzen wird K. Maekawa auf die Abhängigkeit des ja-
panischen Monopolkapitals vom US-Imperialismus und auf die Ent-
faltung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Japan einge-
hen.
Ziel dieses Aufsatzes ist es, die strukturellen Eigenschaften des
japanischen Kapitalismus der Vor- und Nachkriegszeit und die
Herrschaft der Monopole in Japan zu untersuchen. Der einleitende
Teil über den japanischen Vorkriegskapitalismus basiert auf den
"Thesen 1932", die eine klassische marxistisch-leninistische Ana-
lyse des damaligen Japan sind. Arbeiten, die auf diesen Thesen
aufbauten, und die neuere Kollektivarbeit japanischer marxisti-
scher Wissenschaftler "Monopolunternehmen in Japan" (insbesondere
der 1. Band) bilden die Grundlage der Analyse des Vor- und Nach-
kriegskapitalismus in Japan. Für die Kapitalismus-Analyse der
Nachkriegszeit wurde das Material gesichtet, das im theoretischen
Organ der Kommunistischen Partei Japans "ZEN'EI" sowie in der
marxistisch-leninistischen Wirtschaftszeitschrift "KEIZAI" veröf-
fentlicht wurde und sich im wesentlichen auf die Lageanalyse des
KPJ-Programms stützt.
Da die Analysen der japanischen Marxisten in Europa wenig bekannt
sind, wird in der vorliegenden Arbeit das Schwergewicht auf die
Wiedergabe der Auffassungen dieser Autoren gelegt.
1. Struktureigenschaften des japanischen Kapitalismus
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vor dem 2. Weltkrieg und die Herrschaft der Monopole
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Bekanntlich ebnete die Meiji-Reform (1868) zwar den Weg zu einer
kapitalistischen Entwicklung der japanischen Gesellschaft; sie
war aber keinesfalls eine Revolution von unten: Die bürgerliche
Revolution wurde nicht zu Ende geführt. Die überlebte halbfeudale
Gesellschaftsform blieb in allen sozialen Bereichen bis zur Nie-
derlage Japans im zweiten Weltkrieg (1945) bestehen. Japan war
aber schon vor dem 2. Weltkrieg ein hochentwickelter kapitalisti-
scher Staat, der sich im imperialistischen Stadium seiner Ent-
wicklung befand. Zugleich konnte sich das absolutistische Tenno-
System auf das tief eingewurzelte halbfeudale Bodenbesitzsystem
stützen. Das Tenno-System repräsentierte zum einen den Klassen-
block der Großgrundbesitzer und des Monopolkapitals, zum anderen
behielt der Tenno seine relative Selbständigkeit und übte seine
absolutistische Gewalt aus. Das kaiserliche System war die barba-
rische Staatsmacht des japanischen Imperialismus. Es ermöglichte
mit seiner militärischen und polizeilichen Gewalt eine intensi-
vere Ausbeutung und Ausplünderung als andere monopolkapitalisti-
sche Länder. Das Volk wurde in rechtlosem Zustand gehalten und
die demokratische und revolutionäre Bewegung wurde mit grausamen
Methoden unterdrückt. Das Tenno-System konnte außerdem durch
seine Aggressionskriege die Nachbarvölker kolonisieren und aus-
plündern.
Die wissenschaftlichen Studien über den japanischen Kapitalismus
der Vorkriegszeit stammen einerseits aus der KOOZA-HA-Schule.
(Die Pionierleistung von EITAROO NORO und die Bücherreihe
"Vorlesungen über die Entwicklungsgeschichte des japanischen Ka-
pitalismus") und andererseits aus der ROONA-HA-Schule (Beispiels-
weise die Arbeiten von TSUNAO INOMATA, TAKAO TSUCHIHASHI,
RYOOKICHI MINOBE, MOSABUROO SUZUKI). Die ersteren definieren das
japanische Herrschaftssystem als absolutistische kaiserliche
Monarchie, halbfeudales parasitäres Großgrundbesitzertum und
"gierigen Monopolkapitalismus" und sahen hierin einen Impe-
rialismus mit militärisch-feudalistischen Zügen - entsprechend
den "Thesen 1932" - (den Thesen über die Lage in Japan und die
Aufgaben der Kommunistischen Partei Japans). Anhand dieser
Bestimmung wurde die Strategie der japanischen Revolution so
konzipiert, daß sich eine bürgerlich-demokratische Revolution mit
den Hauptzielen Zerschlagung der Monarchie und Agrarreform sehr
rasch in die proletarisch-sozialistische hinüberentwickeln müßte.
Die zweite theoretische Schule "ROONA-HA" vertrat die Ansicht,
daß das Kaiserregime nach der Meiji-Reform in eine bürgerliche
Monarchie umgewandelt und das halbfeudale System im wesentlichen
beseitigt sei bzw. allmählich verschwinde. Sie definierten das
japanische Herrschaftssystem als alleinige Herrschaft des
Finanzkapitals (also als abstrakten Imperialismus). Daraus
entwickelten sie eine Revolutionsstrategie, die beinhaltete, daß
die sozialistische Umwälzung ohne die bürgerlich-demokratische
Revolution zu verwirklichen wäre.
Verglichen mit den europäischen und amerikanischen imperialisti-
schen Staaten hatte der japanische Vorkriegsimperialismus eine
magere Rohstoffbasis und schwache Finanzkraft. "Es fehlte ihm an
den mächtigen modernen technischen Ausstattungen in der Schwer-
und Chemieindustrie; Wettbewerbsfähigkeit besaß nur die Leichtin-
dustrie, vor allem die Textilindustrie. Bei dieser Schwäche in
seiner Industriestruktur wurde "das Monopol des ... Finanzkapi-
tals zum Teil ergänzt, zum Teil ersetzt durch das Monopol der mi-
litärischen Macht, des unermeßlichen Gebiets oder der besonders
günstigen Gelegenheit, nationale Minderheiten, China usw. auszu-
plündern". 1)
Zur Zeit des ersten Weltkrieges war Japan finanziell von den
fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern wie den USA und Groß-
britannien abhängig, blieb aber politisch selbständig und gehörte
zu den Staaten, die über ein weites koloniales und halbkoloniales
Gebiet verfügten (Korea, Taiwan und China). Daher wies Lenin in
seiner Arbeit "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapita-
lismus" auf Japan hin, als er schrieb: "Am schnellsten wächst der
Kapitalismus in den Kolonien und den überseeischen Ländern. Unter
diesen Ländern entstehen neue imperialistische Mächte (Japan)".
2)
Und dieses kriegslüsterne aggressive imperialistische Land im
fernen Osten, das kaiserliche Japan, wurde schließlich neben dem
nazistischen Deutschland in Europa Hauptbrandstifter des Zweiten
Weltkriegs.
Die Monopole herrschten despotisch über die Arbeiter, Bauern und
anderen werktätigen Schichten des Volkes. Dabei stützten sie sich
auf die historisch entstandenen halbfeudalen Bedingungen. Bis zur
Niederlage Japans 1945 erkannten die Monopole das Vereins- und
Streikrecht der Arbeiter nicht an und alle Kämpfe um höhere Löhne
wurden grausam unterdrückt. Der größte Teil der Bauernschaft bil-
dete das Reservoir für die relative Überbevölkerung, was ein be-
sonderes Hindernis für die Überwindung der mit kolonialem Niveau
vergleichbar niedrigen Löhne darstellte.
Unter diesen Bedingungen wurden auch vorkapitalistische Ausbeu-
tungsformen benutzt wie Menschenhandel, "Sklavenlager", "Zwangs-
internat". Ein Beispiel hierfür war auch das japanische Lehr-
lingssystem, in dem der Lehrling als unbezahlte Arbeitskraft ohne
Vertrag schwere Arbeit zu verrichten hatte. Das militärische
Gefängnissystem des Kriegsnotstandes und die massenhafte Umsied-
lung von kolonialen Arbeitern aus Taiwan und Korea spielten eine
wesentliche Rolle bei der weiteren Senkung des Lohnniveaus. Wegen
dieser halbfeudalen Gesellschaftsformen war der japanische Vor-
kriegskapitalismus durch eine sehr hohe Mehrwertrate gekennzeich-
net und entwickelte sich die kapitalistische Produktion außeror-
dentlich rasch. Diese halbfeudalen Gesellschaftsformen sollten
eigentlich mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion
verschwinden, da die halbfeudale Ausbeutung der werktätigen Bau-
ern durch die Großgrundbesitzer den Spielraum der kapitalisti-
schen Ausbeutung einschränkt und hemmend auf das Eindringen des
Kapitalismus in die Landwirtschaft und die Ausdehnung des inneren
Marktes wirkt. Dennoch überlebten die halbfeudalen sozialen Zu-
stände so stark, daß sie die Reproduktion des japanischen Kapita-
lismus charakterisierten. Laut "Monopolunternehmen in Japan" ge-
schah dies aus folgenden Gründen:
Erstens mußte der japanische Kapitalismus die industrielle Revo-
lution erst durchlaufen, während der fortgeschrittene Kapitalis-
mus gerade den Übergang in das monopolkapitalistische Stadium
beendete. Der japanische Kapitalismus mußte in den kapitalisti-
schen Weltmarkt eindringen mit seiner Rückständigkeit, seinem
niedrigen Akkumulationsgrad und seiner daraus notwendig folgenden
ungleichen industriellen Struktur, in der das Schwergewicht auf
der Leichtindustrie lag. Diese speziellen Umstände in der Entste-
hungsperiode des Industriekapitalismus machten die schnelle Kapi-
talakkumulation unter Ausnutzung der halbfeudalen Gesellschafts-
formen notwendig.
Zweitens war der japanische Kapitalismus charakterisiert durch
einen Klassenblock der Großgrundbesitzer und der (Monopol-) Kapi-
talisten mit dem Tenno an der Spitze. Ferner muß erwogen werden,
daß sich der Weltkapitalismus schon in der allgemeinen Krise be-
fand, als sich in Japan, das seine kapitalistische Entwicklung am
Vorabend des imperialistischen Stadiums begonnen hatte, die
Grundlagen des Monopolkapitalismus entwickelten. Das heißt, als
sich die kapitalistische Großindustrie in Japan entwickelte und
die überlebte halbfeudale Gesellschaftsform sich in einen Hemm-
schuh für die Entwicklung der kapitalistischen Produktion umzu-
wandeln begann, mußte das Monopolkapital seine Klassenherrschaft
mit den Großgrundbesitzern und der kaiserlichen Macht zusammen
noch mehr verstärken, um die demokratische Volksbewegung zu un-
terdrücken und eine Expansionspolitik zu verwirklichen. Infolge-
dessen war es außerstande, selbst die halbfeudalen Überbleibsel
in der japanischen Gesellschaft zu beseitigen.
Hinsichtlich der Entwicklungsperioden des japanischen Kapitalis-
mus in der Vorkriegszeit sind folgende Punkte zu beachten.
1. In der Spätperiode des TOKUGAWA-Shogunats, die mit der MEIJI-
Reform endete, bestand die private Industrieproduktion im wesent-
lichen in der Produktion von Konsumgütern wie Reiswein, Soja-
Sauce, Seidenzwirn, Tücher, Keramik und Porzellan, Lackiererzeug-
nisse, Tee, Papier usw., die meistenfalls auf der Grundlage des
Verlagssystems betrieben wurde. Die Manufakturbildung war im
Brauereiwesen (Reiswein und Soja-Sauce), in der Weberei, im Kera-
mik- und Porzellanwesen, in der Gießerei, Eisengewinnung aus dem
Eisensand, Metallurgie, Erzförderung und auch dem Schiffbauwesen
zu beobachten. Zum überwiegenden Teil handelte es sich bei der
damaligen Manufaktur um die "Betriebe, welche durch die kleinen,
auf der Leibeigenschaft beruhenden Fürstenstaaten (HAN) verwaltet
wurden. ... Die Tatsache, daß sich diese Manufaktur auf die
dörfliche Hausindustrie stützte, bezeugt die Schwäche der bürger-
lichen Entwicklung dieses Staates und ihre auf der Leibeigen-
schaft beruhende Spezifik". 3)
Bei den Manufakturen, die direkt unter Kontrolle des Shogunats
bzw. der Regierungen der Fürsten standen, lag das Hauptgewicht
auf dem Sektor der militärischen Produktion auch nach der MEIJI-
Reform. Die private Produktion im Keramik- und Porzellanwesen so-
wie im Brauereiwesen stagnierte nach MEIJI. 4)
Die Wiederöffnung des Landes nach seiner 220jährigen (1639-1859)
Isolierung vom westlichen Ausland und die MEIJI-Reform entwickel-
ten den Außenhandel und erweiterten die gewerblichen Freiheiten
im Inland sprunghaft, wodurch die Voraussetzungen zur Entfaltung
der kapitalistischen Produktion verstärkt wurden. Die MEIJI-Re-
gierung gab nicht alle Industriesektoren dem privaten Kapitalis-
mus frei. Sie übernahm von den Shogunats bzw. HAN-Betrieben die
wichtigsten, deren Mittelpunkt die Militärbetriebe bildeten.
Diese Betriebe wurden unter staatliche Verwaltung gestellt und
mit staatlicher Unterstützung reorganisiert und verstärkt. Der
Staat gründete außerdem zahlreiche moderne Fabriken und schuf ein
modernes Verkehrssystem. Diese staatlichen Unternehmen gingen der
spontanen Entwicklung der nichtstaatlichen, privaten Unternehmun-
gen voraus. Zur Sicherung und zum Ausbau des Kerns der militäri-
schen Grundindustrie (Militärbetriebe, vor allem Schiffswerften,
grundlegende Transport- und Nachrichtenindustrie) verkaufte der
Staat außerordentlich günstig zu bevorzugten Bedingungen die
staatlichen Modellbetriebe an der Peripherie der staatlichen Pro-
duktion an einige mit der Regierung eng verbundene Großkapitali-
sten (MITSUI, MITSUBISHI, FURUKAWA, FUJITA, TANAKA, KAWASAKI,
ASANO etc.), wodurch der Staat bei der Bildung der japanischen
Familienkonzerne (ZAIBATSU), die entscheidende Rolle spielte. 5)
Es war "für die ursprüngliche Akkumulation in Japan charakteri-
stisch, daß der militärisch-halbfeudale Kapitalismus in einer In-
teressengemeinschaft zwischen Großgrundbesitz und Bourgeoisie mit
dem privilegierten Großkapital ZAIBATSU an der Spitze und gegen
die spontan von unten erfolgende Entfaltung der Warenwirtschaft
rasch von oben unter der absolutistischen Führung aufgebaut
wurde". 6)
2. Die Periode, die sich über die 10 Jahre vom Ende des japa-
nisch-chinesischen Krieges (1894-95) bis zu den Jahren nach dem
japanisch-russischen Kriege (1904-05) erstreckt, läßt sich als
die Aufbauphase des kapitalistischen Systems in Japan bezeichnen,
in der das Industriekapital endlich gefestigt war und der Proto-
typ der Reproduktionsstruktur des japanischen Kapitalismus gebil-
det wurde. Die japanischen Großgesellschaften nahmen ihre Ent-
wicklung vom Bankwesen - Trassiergesellschaften, Staats- und Pri-
vatbanken wurden in Japan zur Zeit des noch unreifen Kapitalismus
und des unterentwickelten Handelskredits vordringlich gegründet -
zu solchen Gebieten der Industrie wie Eisenbahn und Baumwollspin-
nerei hin. Zu dieser Zeit war jedoch die Kapitalanlage der Ge-
sellschaften im allgemeinen noch bescheiden. Unter den 1896 regi-
strierten 4549 Gesellschaften betrug der Anteil derer, deren Ka-
pitalanlage unter 100 000 Yen lag, 79%. Die Vergrößerung der Ka-
pitalanlagen erfolgte erst nach dem japanisch-russischen Krieg.
Wegen der Kosten des japanisch-russischen Krieges nahm der Import
von ausländischem Kapital rasch zu, so daß man die Jahre nach dem
Krieg als Periode des bisher nie dagewesenen Kapitalimports be-
zeichnete.
In der Periode nach dem japanisch-russischen Krieg bis zum ersten
Weltkrieg waren die Erweiterung bzw. Fusion der vorhandenen Ge-
sellschaften und die Neugründungen durch das Großkapital auffäl-
lig, wobei der Schwerpunkt auf anderen Branchen als Eisenbahn und
Bankwesen lag. Parallel zur riesigen Aufrüstung nach dem japa-
nisch-russischen Krieg entwickelte sich auf dem Schwerindustrie-
sektor die Schiffbau- und Marineindustrie, welche die Autarkie
der Marine ermöglichte. Gleichzeitig wurden solche Industrie-
zweige wie Eisenbahnwaggonbau, Maschinenbau und auch Eisen- und
Stahlindustrie von Privatkapitalisten entwickelt. Auf Grund des
Monopols für den koreanischen und chinesischen Markt sowie wegen
des steigenden Bedarfs auf dem US-Markt wurde der Exportmarkt we-
sentlich erweitert, was sich in der auffälligen Entwicklung der
Seidenindustrie, Baumwollspinnerei und -weberei widerspiegelte.
In der Baumwollweberei nahm die Zahl der Webmaschinen rasch zu.
7)
3. Die eigentliche Entfaltung des Monopolkapitalismus in Japan
ging erst im 1. Weltkrieg vor sich, als die Kapitalanlage der Un-
ternehmen weiter vergrößert und die Basis von solchen Zweigen der
Schwer- und Chemieindustrie wie Eisen- und Stahlindustrie und Ma-
schinenbau durch Subventionen und andere Förderungsmaßnahmen der
Regierung gefestigt wurde.
Bei der Betrachtung der Entstehung der monopolistischen Formen in
Japan kann man feststellen, daß das Kartell als niedrige Monopo-
lisierungsform den anderen Formen vorausging, wie es auch bei den
fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern der Fall war. Für das
japanische Kartell war vor dem ersten Weltkrieg charakteristisch,
daß es schon bei den noch schwach entwickelten Aktiengesellschaf-
ten zur Kartellbildung kam und daß die Kartellierung sich auf die
Leichtindustrie konzentrierte (während in den fortgeschrittenen
kapitalistischen Ländern das Kartell bereits in seinem frühen
Entwicklungsstadium vorwiegend in der Schwer- und Chemieindustrie
entstand. Die Kartelle wurden in Japan zuerst dort gebildet, wo
die japanische Industrie im Frühstadium ihrer Entwicklung Wettbe-
werbsschwierigkeiten hatte. Die niedrigen Löhne, die äußerst
schlechten Arbeitsbedingungen und die Konkurrenz mit dem Kapital
der fortgeschrittenen Länder durch die rasche Kartellbildung -
dies alles stand mit dem begrenzten Binnenmarkt und der Expansi-
onstendenz des japanischen Kapitalismus in Verbindung. Vor dem
ersten Weltkrieg kam es in einem Teil der Schwer- und Chemieindu-
strie sowie in der Lebensmittelindustrie zur Bildung neuer Kar-
telle. Nicht wenige von ihnen brachen nach kurzer Dauer zusammen.
Viele Verträge wurden bald außer Kraft gesetzt. Die Periode der
eigentlichen Kartell- bzw. Trustbildung fiel in der japanischen
Schwer- und Chemieindustrie erst in die Jahre nach dem ersten
Weltkrieg. 8)
Was die industrielle Antriebskraft anbetrifft, so lag "der Um-
schlagpunkt von der Dampfkraft zur Elektroenergie, der Zeitpunkt
nämlich, in dem der Elektrostrom als die Kraftquelle auftrat, in
den Jahren des ersten Weltkriegs. Bis 1916 nahmen unter den An-
triebsmaschinen die Dampfmotoren in ihrer Gesamt-PS-Zahl den er-
sten Platz ein, während die Elektromotoren seit 1917 die Dampfma-
schinen von diesem Platz verdrängten. Unter allen Motoren spiel-
ten nunmehr die Elektromotoren an Stelle der Dampfmotoren die
führende Rolle". 9)
Solche Veränderungen waren selbstverständlich eng mit der Mono-
polbildung und der eigentlichen Festigung der ZAIBATSU-Konzerne
verbunden.
So entstanden die japanischen Monopole abhängig von der halbfeu-
dalen Gesellschaftsform. Das führte dazu, daß die Monopole selbst
in Inhalt und Formen ihrer Herrschaft traditionell-japanische Ei-
genschaften aufwiesen. In den europäischen kapitalistischen Län-
dern entstanden mächtige Trusts und Konzerne, die auf Grund der
Produktions- und Kapitalakkumulation im Industriesektor die Pro-
duktion in wesentlichen Zweigen monopolisierten. Parallel hierzu
ging der Prozeß der Monopolbildung im Bankwesen. Als die Entwick-
lung der beiden Monopole ein hohes Niveau erreicht hatte, ver-
schmolzen sie zum Finanzkapital, der Herrschaft der Finanzoligar-
chie. In Japan dagegen ging die Entstehung der vom Handels- und
Wucherkapital stammenden monopolistischen Kapitalgruppen der Kon-
zentration der Produktion und der Bildung des Industriemonopols
voran. Die monopolistischen Kapitalgruppen unterwarfen sich die
wichtigsten Industriezweige mittels des Kreditsystems. Die typi-
schen japanischen ZAIBATSU-Konzerne fanden sich bereits in der
Entstehungsperiode des japanischen Kapitalismus (in den 10 Jahren
vom Ende der 1890-er Jahre bis nach dem japanisch-russischen
Krieg) vor. Am Ende dieser Periode drangen die sogenannten Regie-
rungslieferanten (SEISHOO), die sich während der Periode der För-
derungsmaßnahmen für Industrie und Handel der staatlichen Kapi-
talunterstützung erfreuten, in Bereiche wie Bergbau, Metallurgie,
Textil, Transport, Außenhandel und Bankwesen ein und entwickelten
sich zu monopolistischen Kapitalgruppen, welche als ZAIBATSU be-
zeichnet werden. Diese monopolistischen Kapitalgruppen ZAIBATSU
besaßen im wesentlichen noch den Charakter eines Frühmonopols,
wie es bei einer im allgemeinen noch schwachen Kapitalakkumula-
tion zu beobachten ist. Sie trugen, wenn auch nur im Ansatz, Cha-
rakter und Wesen des modernen Monopolkapitals, das sich aus der
Konkurrenz um die hochgradige Kapitalkonzentration ergibt. Dieser
Entwicklung des modernen Monopolkapitals, die im Schoß der mono-
polistischen Kapitalgruppen ZAIBATSU mit deren frühmonopolisti-
schen Charakter angelegt ist, kam erst nach dem ersten Weltkrieg
voll zur Geltung. Die ZAIBATSU verwandelten sich dann in moderne
Monopole, die jedoch ihren traditionellen Charakter aus dem
frühmonopolistischen Stadium nicht verloren hatten.
Durch die privilegierte Stellung bei der Ausplünderung der Kolo-
nien, mittels der halbfeudalen Ausbeutung der Bauern und kraft
des kolonieähnlichen niedrigen Lohnsystems konnten die ZAIBATSU
weitere Kapitalsmassen in ihren Händen konzentrieren. Der parasi-
täre Charakter der japanischen Vorkriegsmonopole verhinderte den
technischen Fortschritt und fixierte die besondere Industrie-
struktur mit dem Übergewicht auf der Leichtindustrie, was die
Entwicklung der Schwerindustrie und die Bildung der mächtigen Mo-
nopole auf diesem Rektor relativ stagnieren ließ. Bei der Entste-
hung der japanischen Vorkriegsmonopole, der ZAIBATSU-Konzerne,
spielte also das Bank- und Handelskapital die führende Rolle,
während dem Industriekapital nur eine sekundäre Rolle zukam.
Der überwiegende Teil der japanischen ZAIBATSU-Konzerne trat am
Anfang der Entwicklung des japanischen Kapitalismus als mächtiger
Repräsentant des Handels - also des Wucherkapitals auf den Plan.
Durch die sorgfältige Förderung der Regierung - die Gründung der
wesentlichsten ZAIBATSU-Konzerne rührte schließlich vom "Verkauf
der staatlichen Betriebe" zu extremen Vorzugsbedingungen her -,
ohne hinreichenden Konzentrationsgrad des Kapitals und der Pro-
duktion wurden die ZAIBATSU-Konzerne "von oben" geschaffen. Ana-
lysiert man den Entwicklungsprozeß der ZAIBATSU-Konzerne im De-
tail, so ist ein relativer Unterschied zwischen den einzelnen
Konzernen festzustellen. Der MITSUI-Konzern beispielsweise legte
schon in der Zeit des TOKUGAWA-Shogunats (vor 1868) den Schwer-
punkt seiner Tätigkeit auf Kreditwesen und Handel, entwickelte
sich in der frühen MEIJI-Zeit an Hand der MITSUI-Bank und Han-
delsgesellschaft MITSUI BUSSAN. Der Konzern SUMITOMO besaß dage-
gen neben seinem handels- bzw. wucherkapitalistischen noch einen
verhältnismäßig starken industriekapitalistischen Charakter durch
sein Engagement im Kupferbergbau während des TOKUGAWA-Shogunats.
Auch nach der MEIJI-Reform wuchs er als monopolistisches Indu-
striekapital weiter. Erst seit 1895 beschäftigte er sich mit dem
Bankwesen, wodurch er finanzkapitalistischen Charakter annahm.
Der Werdegang SUMITOMOs zeigt somit einen Gegensatz zu dem von
MITSUI.
Ein anderes Charakteristikum der japanischen ZAIBATSU, war ihre
Herrschaftsform. Wie oben erwähnt, konnten sie die alte frühmono-
polistische Tradition nicht abstreifen, auch nachdem sie sich zu
modernen Monopolen entwickelt hatten. So entstand die Herr-
schaftsform der ZAIBATSU-Konzerne, bei der die Hauptgesellschaft
der ZAIBATSU als Holdinggesellschaft und Hauptquartier fungierte,
die die Aktien der ihr direkt oder indirekt unterstehenden Banken
und Gesellschaften, ausschließlich besaß. Bei ihrer historischen
Entwicklung machten die japanischen Monopole keine lange
"Laissez-faire-Periode" durch. Ein kleiner Teil des Großkapitals
unterlag einer privilegierten, ungleich hochgradigen Kapitalkon-
zentration. Deswegen konnte der Kapitalmarkt nicht der breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die vier größten ZAI-
BATSU - MITSUI, MITSUBISHI, SUMITOMO und YASUDA - hatten über
ihre Familien-Holdinggesellschaften die Aktienmehrheit der ihnen
direkt unterstehenden Banken und Gesellschaften (1. Rang) bzw.
der ihnen indirekt unterstellten großen Gesellschaften (2. Rang)
in ihrem Besitz. Die ihnen direkt unterstehenden Banken und Ge-
sellschaften hielten die ihnen indirekt untergeordneten Gesell-
schaften unter Kontrolle, während diese wiederum über ihre Toch-
tergesellschaften (3. Rang) herrschten. Dies vertikale Herr-
schaftssystem wurde so gesichert, daß ohne den Besitz und die
Verwaltung des Kapitals voneinander zu trennen, die wenigen ZAI-
BATSU-Familien durch die Zentralisation des Aktienbesitzes die
innerfamiliäre erbliche Übernahme des nach dem feudalen Familien-
grundsatz akkumulierten Kapitals aufrechterhielten bei Holdingge-
sellschaften bzw. Peripheriegesellschaften zahlreiche tüchtige
Geschäftsführer einsetzten, um ihre despotische Farnilienherr-
schaft zu unterstützen.
Im Vorkriegsjapan war der Verteilungsgrad der Aktien auch bei den
Großunternehmen außerhalb der ZAIBATSU-Konzerne relativ niedrig,
worin sich die Unterentwicklung des Aktienmarktes widerspiegelte.
Im Jahre 1929 zählten 33 Gesellschaften über 10 000 und 8 Gesell-
schaften über 20 000 Aktionäre. Die höchste Zahl der Aktionäre
erreichte die TOKIO DENTOO (Elektrisches Licht) AG mit 57 561 Ak-
tionären 10).
Diese Zahlen stehen im krassen Gegensatz zu dem Ergebnis einer
Untersuchung von Berle und Means hinsichtlich der 200 größten Ak-
tiengesellschaften in den USA (außer Kreditinstituten). Bei 144
Gesellschaften hatten 20 Gesellschaften unter 5 000, 53 AG von
5 000 bis 19 999, 39 AG von 20 000 bis 49 999, 22 AG von 50 000
bis 99 999, 7 AG von 100 000 bis 199 999, 3 AG 200 000 bis
500 000 Aktionäre. Über die Hälfte der AG hatte also über 20 000
Aktionäre 11).
Die Herrschaft der japanischen Vorkriegsmonopole, ZAIBATSU, war
durch die oben genannten Besonderheiten gekennzeichnet. Das Prin-
zip, die im Familienbesitz befindlichen Aktien der Öffentlichkeit
vorzuenthalten oder auch den Besitz und die Verwaltung des Kapi-
tals innerhalb der Familie zu monopolisieren, geriet nach 1930
mit der Wirklichkeit in Widerspruch, denn jetzt wurde es wegen
der Kriegsvorbereitung, der Erweiterung des Sektors Schwer- und
Chemieindustrie sowie der Intensivierung der Energiebasis notwen-
dig, das vorhandene Kapital zu vergrößern. Diesen Widerspruch für
sich ausnutzend, ließen die sechs neu aufkommenden ZAIBATSU-Kon-
zerne zweiten Ranges (AYUKAWA, ASANO, FURUKAWA, OOKURA, NOMURA,
NAKAJIMA) hauptsächlich in der Militärproduktion und Koloniever-
waltung auf dem chinesischen Kontinent ihre Position durch staat-
liche Unterstützung stärken. Die bisherigen vier ZAIBATSU über-
brückten den Widerspruch zwischen ihrer monopolistischen Exklusi-
vität und der Notwendigkeit der Kapitalvergrößerung durch parasi-
täre Zusammenarbeit mit dem Staat während des Krieges. An ihrer
Exklusivität wurde aber im wesentlichen bis 1945 nichts geändert.
Am Ende des Jahres 1945 betrug die Gesamtzahl der japanischen Ge-
sellschaften 41 000 (3 511 offene Handelsgesellschaften, 7 091
Kommanditgesellschaften, 7 794 GmbH, 23 050 Aktiengesellschaften
und 6 Kommandit-AG etc.) Diese Zahl betrug ca. 50% der Gesamtzahl
der Gesellschaften im Jahre 1935. Die Differenz zeigt also an,
daß zwischen 1935 und 1945 die Konzentration bzw. Reorganisation
der Unternehmen stattfand. Unter diesen Gesellschaften zählten
diejenigen mit einer Kapitalanlage von über 1 Mio Yen 516; ihr
Anteil an der Gesamtkapitalsumme aller Gesellschaften betrug 68%.
Der überwiegende Teil dieser Großunternehmen gehörte zu den alten
ZAIBATSU-Konzernen. Die Summe des Einlagekapitals der Gesell-
schaften der 4 größten ZAIBATSU-Konzerne entsprach 24,5% der Ge-
samtsumme des Einlagekapitals aller japanischen Gesellschaften.
Dieser Prozentsatz war mehr als das Doppelte des Jahres 1937
(10,4%). Rechnet man noch die Kapitaleinlagen der sechs neuen
ZAIBATSU-Konzerne hinzu, so belief sich die Gesamtsumme der Kapi-
taleinlagen der japanischen ZAIBATSU-Konzerne auf 35,2%, was ein
weit höheres Konzentrationsniveau war als im Jahr 1937 (15,2%).
Nimmt man die überseeischen Unternehmen (bei denen der Anteil der
vier ZAIBATSU-Konzerne am gesamten Einlagekapital 80% betrug)
hinzu, wird deutlich, wie rasch die Kapitalkonzentration bei den
ZAIBATSU-Konzernen in den Kriegsjahren vor sich ging 12).
2. Struktureigenschaften des japanischen Kapitalismus
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nach dem Krieg und die Herrschaft der Monopole
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Wie aus der vorhergehenden Betrachtung ersichtlich, lagen die
Schwächen des japanischen Vorkriegskapitalismus in der Rückstän-
digkeit der Schwerindustrie, dem niedrigen technischen Niveau,
der unterentwickelten Finanzkraft und der mangelnden eigenständi-
gen Rohstoffbasis. Als "modernes Finanzkapital" auf der Grundlage
der "konzentrierten und monopolisierten Produktion" glich der ja-
panische Kapitalismus diese Schwäche durch den Expansionsdrang
und den militärisch-halbfeudalen Imperialismus des auf dem para-
sitären Großgrundbesitz basierenden, absolutistischen Tenno-Sy-
stems aus. Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde die
kaiserliche Armee aufgelöst. Außerdem gingen Japan die Kolonien
und Halbkolonien in China und Korea sowie die weiten Besatzungs-
gebiete im Krieg verloren. Ferner wurden nach der Kapitulation
eine Reihe von "demokratischen Reformen" durchgeführt, die die
Struktur des japanischen Kapitalismus erheblich veränderten.
Erstens verwandelte sich das militärische und polizeiliche Tenno-
System nach dem Zerfall seiner Macht in eine Art bürgerlich-kon-
stitutioneller Monarchie.
Zweitens wurde durch die Agrarreform das halbfeudale parasitäre
System des Bodenbesitzes (zumindest in bezug auf das Ackerland)
gründlich beseitigt.
Drittens wurden durch Einführung der neuen demokratischen Verfas-
sung und die neuen Arbeitsgesetze den Arbeitern das Vereins-,
Kollektivverhandlungs- und Streikrecht gewährt und die Freiheit
der Gewerkschaftsarbeit anerkannt.
Viertens wurden durch das "Grundgesetz der Arbeit" das Sklavenla-
ger, der Menschenhandel und die Nachtschicht für Jugendliche und
Frauen offiziell verboten und ihre Praktizierung erschwert, wozu
die gesetzliche Überwindung der patriarchalischen Züge in der Ge-
sellschaft beitrug. Der Achtstundentag wurde gesetzlich einge-
führt.
Diese "demokratischen" Reformen hatten bedeutenden Einfluß auf
die Kapitalakkumulation des japanischen Kapitals, das sich in der
Vorkriegszeit der halbfeudalen Überbleibsel bedient hatte. Jedoch
wurde die "Demokratisierung" der Nachkriegszeit im wesentlichen
auf die Maßnahmen beschränkt, die vom US-Imperialismus von oben
her inkonsequent eingeleitet wurden. Sie spiegelten den Kampf der
Volkskräfte um eine echte demokratische Reform von unten her nur
zu einem gewissen Grad wider. Der US-Imperialismus förderte die
"demokratischen" Reformen nur, um sich Japan als Absatzmarkt für
seine Waren und sein Kapital zu sichern und die Vorzüge der geo-
graphischen Lage Japans für seine aggressive Asienpolitik aus-
zunützen. Das japanische Monopolkapital mußte lediglich das para-
sitäre System des Großgrundbesitzes und andere bereits überholte
Gesellschaftsformen opfern, um neue Formen der Herrschaft und
Ausbeutung unter den historischen Bedingungen der Niederlage und
Abhängigkeit vom US-Imperialismus zu organisieren und zu verstär-
ken. 13)
Der US-Imperialismus nutzte als Besatzungsmacht die Schwäche des
japanischen Monopolkapitalismus maximal aus und zwang Japan mit
Hilfe der militärischen Unterordnung auf allen Gebieten wie Au-
ßenpolitik, Finanzen, Technik, Außenwirtschaft, Rohstoffen etc.
in eine abhängige, untergeordnete Position. Um den Kampf des ja-
panischen Volkes zu unterdrücken, dem Sozialismus und der natio-
nalen Befreiungsbewegung in Asien entgegenzutreten und so die
Konkurrenzfähigkeit gegenüber den europäischen Monopolen zu stei-
gern, brachte der japanische Monopolkapitalismus in Abhängigkeit
von den USA und gestützt auf die technischen und finanziellen Po-
tenzen der USA den staatsmonopolistischen Kapitalismus zur vollen
Entfaltung, trieb die Kapitalkonzentration rasch voran und wälzte
Elend und Armut auf die Schultern der Arbeiterklasse und aller
Werktätigen ab.
Die Arbeiterklasse Nachkriegsjapans, die das Subjekt der gesell-
schaftlichen Umwälzung ist, hat gegen diese moderne Verelendung,
die sich aus der Herrschaft der US-japanischen Monopole ergibt,
zu kämpfen. Gleichzeitig steht sie vor der historischen Aufgabe,
eine breite und mächtige Einheitsfront des Volkes, die nationale
demokratische Einheitsfront, zu schaffen mit dem Ziel der demo-
kratischen Volksrevolution, um das Grundübel dieser Verelendung
zu beseitigen, die gegen das Volk und die Nation gerichtete Herr-
schaft des US-Imperialismus und des japanischen Monopolkapitals
zu zerschlagen und die wahre Unabhängigkeit des Landes sowie eine
konsequente demokratische Umwälzung in der Politik, Wirtschaft
und Gesellschaft durchzuführen.
Japan wurde nach 1945 von seiner einstigen Position als imperia-
listische Macht verdrängt und geriet unter militärische Besatzung
der Alliierten. Nach dem Inkrafttreten des separaten Friedensver-
trages im Jahre 1952 änderte sich sein Status zu einem halbokku-
pierten, abhängigen Land. Unter diesen Bedingungen kam es beson-
ders seit der zweiten Hälfte der 60-er Jahre zur rapiden Wieder-
belebung des Militarismus und Imperialismus. Das Programm der
Kommunistischen Partei Japans charakterisiert das Wesen der ge-
genwärtigen Lage Japans folgendermaßen: "Gegenwärtig wird Japan
im wesentlichen durch den US-Imperialismus und durch dessen un-
tergeordneten Bündnispartner, das japanische Monopolkapital, be-
herrscht. Bei unserem Land handelt es sich um ein hochentwickel-
tes kapitalistisches Land, welches durch den US-Imperialismus
halb besetzt und faktisch von ihm abhängig ist." Daher müßte die
japanische Revolution den Charakter einer zweistufigen Revolution
tragen und von der demokratischen, antiimperialistischen und an-
timonopolistischen Revolution, die das Niederwerfen der Herr-
schaft des US-Imperialismus und des japanischen Monopolkapitals
zum Ziel hat, in die sozialistische Revolution kontinuierlich
hinüberwachsen. Zur Zeit spitzt sich zwischen dem japanischen
Volk und der japanisch-amerikanischen Reaktion "der Kampf um zwei
Wege Japans" zu. Dabei geht es um ein Entweder-Oder zwischen dem
"Weg des US-Imperialismus und des japanischen Monopolkapitals zur
Aufrechterhaltung der US-Hörigkeit und zur Wiederbelebung des ja-
panischen Militarismus und Imperialismus" und dem "Weg des Vol-
kes, das die Souveränität Japans wiederherstellen, die wahre Un-
abhängigkeit und Demokratie errichten und den Frieden und sozia-
len Fortschritt erreichen will". In den 70-er Jahren steht das
japanische Volk vor der Aufgabe, eine mächtige Einheitsfront al-
ler demokratischen Kräfte zu schaffen und auf dieser Grundlage
eine demokratische Koalitionsregierung zu bilden.
2.1. Die Nachkriegsentwicklung des japanischen Kapitalismus
-----------------------------------------------------------
und die verstärkte Herrschaft der Monopole
------------------------------------------
Untersuchen wir nun, welch erstaunliche Kapitalkonzentration
durch den japanischen Kapitalismus in Abhängigkeit vom US-Impe-
rialismus vollbracht wurde, und, wie das japanische Monopolkapi-
tal nach der Opferung der parasitären Großgrundbesitzer seine
Herrschaft verstärkte und eine mächtige Position in der Weltwirt-
schaft errang.
Bekanntlich ist das Wachstumstempo des japanischen Kapitalismus
in der Nachkriegszeit das höchste, unter den kapitalistischen
Ländern der Welt. Nach einer Kalkulation des sowjetischen Wirt-
schaftswissenschaftlers W. Rymalow 14) stand Japan mit seiner
Wachstumsrate der Industrieproduktion außer in den Jahren von
1938 und. 1948 (in denen der japanische Imperialismus durch den
zweiten Weltkrieg zusammenbrach) stets an der Spitze der kapita-
listischen Welt (s. Tab. 1).
Tabelle 1:
Index der Industrieproduktion in den wichtigsten kapitalistischen
Ländern
1913-1928 1928-1938 1938-1948 1948-1958 1958-1968
Kap. Welt 137 98 145 162 185
USA 167 91 220 136 177
GB 108 135 119 135 140
Frankreich 129 87 100 188 157
Italien 154 115 100 231 225
BRD 115 132 73 384 175
Japan 270 204 37 470 404
_____
Bezugsjahr ist jeweils das Anfangsjahr der Periode, also:
1913 = 100, 1928 = 100, 1938 = 100, 1948 =100, 1958 = 100.
Aus: "Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen", 4/1970, S.
33 (Rymalow, W.).
In der Periode nach dem zweiten Weltkrieg fiel die Entwicklung
der Industrieproduktion des japanischen Kapitalismus besonders
auf. Wie die Zahlen eindeutig zeigen, war die Wachstumsgeschwin-
digkeit weit höher als die der Industrieproduktion der BRD in den
50-er Jahren, die man "Wirtschaftswunder" nannte. In den 10 Jah-
ren von 1958 bis 1968 vervielfachte sich die japanische Indu-
strieproduktion. Das Ergebnis war, daß Japans Bruttosozialprodukt
im Jahre 1968 höher als das der BRD war und daß Japan hinter den
USA den zweiten Platz in der kapitalistischen Welt einnahm. Diese
sprunghafte Entwicklung der japanischen Industrieproduktion nach
dem zweiten Weltkrieg veränderte wesentlich die ungleichmäßige
Industriestruktur der Vorkriegszeit, in der das Schwergewicht auf
der Leichtindustrie gelegen hatte. Diese Veränderung führte die
schnelle Entwicklung der Schwer- und Chemieindustrie herbei. Mit
seiner Industrieproduktion nahm Japan z.B. im Schiffbau bereits
den ersten und in anderen wichtigen Industriezweigen wie Roh-
stahlerzeugung, Elektroenergieerzeugung, Zementproduktion, Erdöl-
verarbeitung, Chemiefaserproduktion, Stickstoffdüngern, Automo-
bilherstellung, Fernsehgerätebau etc. seit dem Jahr 1967 den
zweiten Platz unter den kapitalistischen Ländern ein. Diese hoch-
gradige Kapitalkonzentration und die rasche Entwicklung der
Schwer- und Chemieindustrie stellte gleichzeitig einen Prozeß
dar, in dessen Verlauf die ungeheuren Produktivkräfte der japani-
schen Industrie weiter entwickelt und die Herrschaft des Monopol-
kapitals schnell verstärkt wurden.
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals führt an sich
zur Monopolbildung. Aber besonders in der Schwer- und Chemieindu-
strie ist die Akkumulation nur (für Monopole) mit Hilfe des Staa-
tes möglich, weil das Kapitalminimum in diesen Industriezweigen
sehr hoch liegt. Außerdem fördert der japanische Staat konsequent
die Großfusionen. In den fundamentalen Sektoren der Schwer- und
Chemieindustrie wird die Zentralisation der Monopol unternehmen
unter dem Vorwand der "Liberalisierung" des Kapitals vorangetrie-
ben. Der japanische Staat legte in den 60-er Jahren großen Wert
auf die Bildung japanischer Unternehmen internationalen Formats
mittels Großfusionen in den Zweigen Stahl-, Chemie-, Auto- sowie
Schiffbauindustrie und unterstützte und verstärkte die Produktion
von EDV-Großanlagen, der Atomindustrie, des Großmaschinenbaus,
die Spezialstahlerzeugung etc.
Die sprunghafte Entwicklung der Industrieproduktion Nachkriegsja-
pans sah in den wichtigsten Zweigen wie folgt aus: In der Eisen-
und Stahlproduktion erzielte Japan im Jahre 1968 ca. 67 Mio t. Im
selben Jahr produzierte die BRD 47 Mio t. Die Produktion der USA
belief sich 1968 auf 120 Mio t. Vergleichen wir die Produktions-
summen im Jahre 1960, so betrugen sie in den USA 90,1 Mio t, in
der BRD 34,1 Mio t, in Großbritannien 24,7 Mio t und in Japan
22,1 Mio t, so daß Japan nicht einmal ein Viertel der Produkti-
onssumme der USA herstellte. In den darauf folgenden 10 Jahren
überholte Japan Großbritannien und die BRD, was auf ein enormes
Tempo der Konzentration und Akkumulation der Produktion hindeu-
tet. Damals wurde auch das "Unternehmen internationalen Formats
("Mammutunternehmen") geschaffen. Durch die Großfusion von YAWATA
und FUJI wurde SHIN NIHON SEITETSU am 1. April 1970 gegründet. Es
handelt sich hierbei mit der Kapitalsumme von 229 360 Mio Yen,
dem Umsatz von 1 150 Mrd Yen (Planziffer für 1969) sowie der Roh-
stahlproduktion von 31 Mio t um ein Mammutunternehmen im Weltmaß-
stab (seine diesjährige Produktion soll über der von US-Steel
liegen).
In der Autoindustrie betrug die Produktion von PKW und LKW im
Jahre 1960 in den USA 7 900 000, in der BRD 2 055 500, in Groß-
britannien 1 810 000, Frankreich 1 340 000, Italien 645 000 und
in Japan lediglich 482 000 Stück. Was die PKW-Produktion be-
trifft, lag Japan damals hinter Kanada auf dem 6. Platz in der
Welt. Die japanische Autoproduktion (PKW und LKW) belief sich im
Jahre 1968 bereits auf 4 086 000, nahm somit den 2. Platz hinter
den USA ein und überflügelte die BRD (3 107 000) mit einem deut-
lichen Vorsprung von ca. 1 Mio Stück. Mit dem Vordringen der 3
Großfirmen der USA-Autoindustrie ins Ausland wurde die interna-
tionale Konkurrenz auf dem Sektor Autoproduktion intensiviert. In
vielen Ländern kam es zur Fusion bzw. Zusammenarbeit, d.h. zur
Konzentration von einzelnen Monopolunternehmen in diesem Zweig.
Man redet sogar von einem "Autokrieg". Die japanischen Automono-
pole TOYOTA und NISSAN verwirklichten mit Hilfe des Staates mit-
tels der Ausbeutung der Arbeiter die Konzentration derart, daß
man sie nunmehr als Mammutunternehmen bezeichnet. In der Produk-
tion überholte TOYOTA 1969 die italienische Firma FIAT und nahm
den 5. Platz in der Welt für sich in Anspruch. NISSAN hat die
Aussicht, das englische BLMC hinter sich zu lassen und somit den
7. Platz zu erobern.
Im Zweig der Elektro- und elektronischen Industrie ging bereits
in den 50-er Jahren der Konzentrationsprozeß vor sich. Nach dem
Index für den Gesamtumsatz der Elektroindustrie (Starkstrom-
anlagen, Haushaltsgeräte, elektronische Erzeugnisse etc.) hatte
Japan (5 440 Mio US-Dollar) 1962 schon hinter den USA (28 770 Mio
Dollar) und der BRD (6 320 Mio Dollar) den dritten Platz inne und
stand vor Großbritannien (5 240 Mio Dollar). In der
internationalen Rangordnung der 200 größten Unternehmen der Welt
verbesserten sich die japanischen Firmen sehr schnell. 1962 waren
HITACHI auf dem 66., TOSHIBA auf dem 86., MATSUSHITA auf dem 116.
und MITSUBISHI DENKI auf dem 149. Platz, während im Jahre 1968
HITACHI auf dem 43., TOSHIBA auf dem 77. und MITSUBISHI auf dem
91. Platz standen.
In der Produktion der Hauptsortimente steht Japan in der petrol-
chemischen Industrie zwar auf dem 2. Platz in der kapitalisti-
schen Welt. Jedoch existieren keine solchen "Riesen", die in der
Liste der 200 weltgrößten Firmen namentlich angeführt sind wie:
die amerikanischen Erdölmonopole, das britische ICI, Höchst,
Bayer und BASF in der BRD, das italienische Montecatini, Pechiney
Saint-Gobain, Rhone-Poulenc oder auch Ugine und Kuhlmann aus
Frankreich. In diesem Sinne hat die japanische petrolchemische
Industrie noch nicht das Konzentrationsniveau erreicht, das durch
Mammutunternehmen gekennzeichnet wird 15).
Im großen und ganzen wuchs die Konzentration in den 60-er Jahren
in den Zweigen Eisen- und Stahl-, Auto-, Elektroindustrie, Ma-
schinenbau und Chemieindustrie durch Fusionen und Integrationen
einzelner Unternehmen sehr schnell. Die Zahl der japanischen Mam-
mutunternehmen nahm in den genannten Bereichen zu, so daß ihre
Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt relativ erhöht wurde.
Im Zusammenhang mit diesem schnellen Monopolisierungsprozeß in
der Industrieproduktion schritt auch der Monopolisierungsvorgang
im Bankwesen weit fort. Die Spareinlagen der sechs Großbanken:
MITSUBISHI, MITSUI, SUMITOMO, FUJI, DAIICHI und SANWA erhöhten
sich vom Ende September 1958 (2 800 Mrd Yen) bis zum Ende Septem-
ber 1968 (10 900 Mrd Yen) um das 3,8 Fache. In derselben Rech-
nungsperiode steigerte sich ihr ordentlicher Gewinn (?) auf das
4,8-fache und ihr laufender Gewinn (?) auf das 8,8-fache. Als Er-
gebnis derartiger Ausdehnung waren 11 japanische Großbanken auf
der Liste der 50 größten Banken der kapitalistischen Welt nament-
lich erwähnt 16).
Die von den alten ZAIBATSU stammenden sechs Großbanken bilden
durch enge Verbindung mit Treuhandbanken, Investmentgesellschaf-
ten, Lebens- und Sachversicherungsgesellschaften die großen fi-
nanzmonopolistischen Gruppen. Ihre finanzmonopolistische Herr-
schaft wird durch die Finanzfunktion der staatlichen Banken wie
der Zentralen Bank (Bank of Japan), der japanischen Kommerzbank
(Nippon Koogyoo Ginkoo), der Langfristigen Kreditbank, Entwick-
lungsbank, Export-Import-Bank etc. ergänzt.
Die Finanzoligarchie Japans entstand durch die Verschmelzung der
oben genannten ungeheuren Industriemonopole einerseits mit den
von der alten ZAIBATSU stammenden Finanzmonopolen andererseits.
Diese ZAIBATSU-Finanzmonopole sind durch Kreditgewährung, Kapi-
talbesitz und personelle Verflechtung usw. mit den Industriemono-
polen zu einem Organismus verschmolzen. Die Führungskader
(Großaktionäre und Manager) von Bankmonopolen, großen Handelsfir-
men und Monopolunternehmen in der Schwer- und Chemieindustrie
fällen wichtigste Entscheidungen über die Monopolgruppen. Sie
sind auch die wahren politischen Machthaber; sie können wirklich
die Regierung und ihre bürokratischen Organisationen beherrschen
und die Staatspolitik so bestimmen, daß ihre Herrschaft gestärkt
wird. Die staatsmonopolistischen Funktionen werden immer weiter
entwickelt, und in keiner anderen Periode wurde das Interesse ei-
ner Handvoll Monopolkapitalisten schamloser als das Interesse des
Staates, als dessen höchstes politisches Ziel hingestellt als
heute. In der gegenwärtigen japanischen Staatspolitik liegt das
Schwergewicht auf der Förderung der imperialistischen Expansion
der japanischen Monopole und der Militarisierung der Wirtschaft,
um die ökonomische Grundlage des Wiederauflebens des japanischen
Militarismus zu sichern.
2.2. Faktoren, die die rapide Entwicklung des japanischen
---------------------------------------------------------
Nachkriegskapitalismus ermöglichten
-----------------------------------
Die vorangehende Betrachtung verdeutlichte, daß der japanische
Kapitalismus der Nachkriegszeit das höchste Entwicklungstempo un-
ter den Ländern der kapitalistischen Welt aufwies. In einem Arti-
kel der "Weltbühne" deutete man auf das für Japan günstige Zusam-
menwirken spezieller Umstände hin:
"Begünstigt durch eine Reihe besonderer Umstände - die Ausnutzung
der Korea- und Vietnamaggressionen, die Übernahme vormals briti-
scher und niederländischer Märkte, die langfristige Beibehaltung
verhältnismäßig geringer eigener Militärausgaben und beachtliche
Erfolge auf dem Gebiet der wissenschaftlich-technischen Entwick-
lung -, vor allem aber rabiate Ausbeutungsmethoden ermöglichten
es der japanischen Großbourgeoisie, das Land in die Spitzengruppe
der Weltindustrienationen vorzuschieben" 17).
Die Ursachen für das außerordentlich rasche Wirtschaftswachstum
Japans nach dem zweiten Weltkrieg bestehen erstens in der allsei-
tigen Entfaltung der staatsmonopolistischen Politik und zweitens
in den speziellen objektiv-historischen Bedingungen, nach dem
zweiten Weltkrieg. Aus diesen historischen Bedingungen ergibt
sich folgendes 18):
Erstens: (Die Erneuerung des riesigen fixen Kapitals, welches
schon mehrmals hätte erneuert werden müssen, aber dessen Erneue-
rung erst nach dem Krieg" möglich wurde. Die Produktionskapazität
Japans wurde im zweiten Weltkrieg beträchtlich zerstört), Der
Zerstörungsgrad war viel höher als z.B. in Westdeutschland. Der
unzerstörte Teil des fixen Kapitals, welches schon mehrmals hätte
erneuert werden müssen, führte zusammen mit dem Wiederaufbau des
zerstörten Teils zu einer Erneuerung ungeheuren Ausmaßes. Dieser
Faktor wirkte besonders in der Periode gleich nach dem Zweiten
Weltkrieg, d.h. von der zweiten Hälfte der 40-er bis in die 50-er
Jahre.
Zweitens: Die Entstehung einer Reihe von neuen Industriezweigen,
neuen Produktionsanlagen und neuen Erzeugnissen durch die wissen-
schaftlich-technische Revolution regte besonders in den 60-er
Jahren zu neuen Investitionen an. Zur gleichen Zeit wurde der
staatsmonopolistische Kapitalismus allseitig entfaltet, um im
"offenen Wirtschaftssystem", das durch die "Liberalisierung"
herbeigeführt wurde, eine höhere Industriestruktur zu erreichen.
Neben der wissenschaftlich-technischen Revolution wirkte diese
schnell vor sich gehende Höherstrukturierung der Industrie - das
rapide Wachstum der Schwer- und Chemieindustrie - als starker
Stimulus auf die Investitionen ein.
Drittens: Die riesigen Investitionsfonds wurden durch starke Aus-
beutung der Arbeiterklasse, durch Realisierung des Mehrprofits
mittels Monopolpreises und durch Maßnahmen der staatsmonopolisti-
schen japanischen Regierung (Staatshaushaltsmittel, Subventionen,
Steuervergünstigung, Kreditgewährung mit niedrigen Zinsen etc.)
beschaffen. Außerdem trug es hierbei besonders zur Kapitalakkumu-
lation der Monopole bei, daß man den im Krieg errichteten Mecha-
nismus des staatsmonopolistischen Kapitalismus unter den Nach-
kriegsbedingungen der Abhängigkeit vom US-Imperialismus in einer
umorganisierten Form übernommen hatte und daß die Ablehnung von
demokratischen Rechten der Arbeiterklasse und der äußerst nied-
rige Lebensstandard, der während des Krieges den Arbeitern aufge-
zwungen war, auch nach dem Krieg trotz einer Reihe "demokrati-
scher Reformen" von oben im Interesse der Kapitalakkumulation
soweit wie möglich beibehalten wurden.
Japan gehörte zu den Ländern, wo der Lohn und das Sozialversiche-
rungssystem trotz der verhältnismäßig langen Arbeitszeit auf
niedrigstem Niveau gehalten werden. Dieser Zustand trug zum hohen
Wachstum der japanischen Wirtschaft bei, denn im Konkurrenzkampf
auf dem Weltmarkt wirkten sich die besonders niedrigen Lohnkosten
sowie die billigen Exportpreise sehr günstig aus.
Die Steigerung der Arbeitsproduktivität in Japan ist auch im in-
ternationalen Vergleich äußerst hoch. Jedoch handelt es sich
hierbei nicht allein um die Folge der wissenschaftlich-techni-
schen Revolution. Die hohe Produktivitätssteigerung resultiert
vielmehr aus der erbarmungslosen kapitalistischen "Rationalisie-
rung". Entlassungen, Umstellung der Arbeitsplätze, Erhöhung der
Fahrtgeschwindigkeiten der Maschinen, Verlängerung der effektiven
Arbeitszeit usw.
Besonders seit Beginn der 60-er Jahre drängen die amerikanischen
multinationalen Gesellschaften durch die Liberalisierung massiv
auf den japanischen Markt. Die japanischen Mammutunternehmen
streben danach, sich zu Weltunternehmen zu entwickeln. Unter die-
sen Bedingungen werden die Maßnahmen für die "Rationalisierung"
und Arbeitsintensivierung schrankenlos und extrem. Gleichzeitig
sind die materiellen Bedingungen vorhanden, um die mit Investi-
tionen und Automatisierung eingeführten amerikanischen Methoden
der Ausbeutung und Kontrolle der Arbeiter (Taylor-System, Ford-
System, daraus entwickeltes Industrial Engineering, Human Relati-
ons und neuerdings in die Mode gekommene Zero-Defect-Movement)
mit den japanischen Methoden (verschiedene Diskriminierungen, ge-
heimpolizeiähnliche Bespitzelung der Arbeiter oder auch kurzfri-
stige Hospitationen in den japanischen Selbstverteidigungskorps
zum Erlernen der "straffen Disziplinen") zu verbinden.
Viertens: Trotz der territorialen Verkleinerung der kapitalisti-
schen Welt wurde der internationale Kapitalmarkt in den hochent-
wickelten kapitalistischen Ländern erweitert. Und die kapitali-
stische Entwicklung in den Entwicklungsländern erschloß neue
Märkte (beispielsweise für Agrochemikalien, Agrotechnik, Trans-
portmittel, neue Fabrikanlagen etc.). Japans Export in die USA
und südostasiatische Länder nahm besonders im Anschluß an soge-
nannte "Vietnam-Sonderaufträge" - der japanischen Mitwirkung am
US-Aggressionskrieg in Vietnam und ganz Indochina - in den 60-er
Jahren beträchtlich zu.
Fünftens: Die "Agrarreform", welche in Japan nach dem Krieg
durchgeführt wurde, erschloß der Industrie einen neuen Markt für
landwirtschaftliche Produktionsmittel und erweiterte den Markt
der Verbrauchsgüter, indem die bis dahin autark lebenden Bauern
in Lohnarbeiter verwandelt wurden. Dieser Prozeß der Zersetzung
der bäuerlichen Schichten und der Verwandlung der Bauern in Lohn-
arbeiter wurde insbesondere in den 60-er Jahren durch die Agrar-
politik des staatsmonopolistischen Kapitalismus noch mehr be-
schleunigt.
In Japan ging der Abbau der Bauemschichten mit einem solch ra-
schen Tempo, wie in keinem der anderen kapitalistischen Länder,
vor sich, und die Zahl der Arbeiter nahm schnell zu. Der Anteil
der Bauern an der gesamten Bevölkerung Japans betrug im Jahre
1950 noch 44,5%. Aber schon 1965 sank dieser Anteil auf 24,3%.
Gleichzeitig stieg der Anteil der Arbeiter von 38,5% im Jahre
1950 auf 57,2% im Jahre 1965. Eine derartige Abnahme des bäuerli-
chen Anteils an der Landesbevölkerung hat in den anderen kapita-
listischen Ländern Dutzende von Jahren oder gar ein ganzes Jahr-
hundert gedauert. In Japan jedoch verlief dieser Prozeß in einem
Dutzend von Jahren. Dies wurde durch die bauernfeindliche Politik
der Liberaldemokratischen Regierung Japans begünstigt, die auf
die Liberalisierung des Agrarimports aus den USA und die
"Modernisierung" der japanischen Landwirtschaft abzielte. Die Be-
völkerung der Bauern- und Fischerdörfer und die Familienangehöri-
gen der Werktätigen in den Städten bildeten dabei die Reserve für
Lohnarbeiter und ermöglichten den niedrigen Lohnstand in Japan
19).
Sechstens: Die Entflechtung der ZAIBATSU nach der Kriegsnieder-
lage stärkte die Konkurrenz unter den monopolistischen Unterneh-
men und regte zu Investitionen um einen möglichst großen Marktan-
teil an.
2.3. Die Verstärkung der Monopolherrschaft im Nachkriegsjapan
-------------------------------------------------------------
und die Entwicklung der Herrschaftsformen
-----------------------------------------
Im raschen Entwicklungsprozeß des japanischen Nachkriegskapita-
lismus intensivierte sich die Monopolherrschaft, und die Position
der Monopole wurde viel gewichtiger als in der Vorkriegszeit. Es
ist nunmehr die verstärkte Herrschaft der japanischen Monopole,
die sich nach der "Entflechtung der ZAIBATSU" (1946-48) reorgani-
sierte und festigte, und die Entwicklung ihrer Herrschaftsformen
zu untersuchen.
Die ZAIBATSU-Entflechtung, die nach der Kapitulation auf Befehl
des US-Imperialismus durchgeführt wurde, zielte keineswegs auf
die Auflösung der japanischen Vorkriegsmonopole. Einzelne Mono-
polunternehmen, aus denen die ZAIBATSU bestanden, insbesondere
die Banken wurden kaum angetastet. Lediglich die Holdinggesell-
schaften, die die Zentrale der ZAIBATSU-Konzerne bildeten, wurden
durch diese Entflechtungsmaßnahmen betroffen. Diese Politik ent-
sprach der Forderung des amerikanischen Monopolkapitals, die
Herrschaft der japanischen Monopole zu schwächen. Gleichzeitig
aber wurden die engen Schranken des familiär geschlossenen Akti-
enbesitzes aufgehoben. Dies ermöglichte unter den Bedingungen der
Abhängigkeit von den USA eine breite Kapitalmobilisierung. Man
sprach von der "Demokratisierung" der Aktien, d.h. Verteilung des
Aktienbesitzes und Mobilisierung des Kleinkapitals durch die Ban-
ken und Kreditinstitute. Dadurch wurde der Weg zur massenhaften
Produktion, zur Kapitalakkumulation und somit zur Bildung der
neuen Monopolunternehmen gebahnt.
Als erste Folge der ZAIBATSU-Entflechtung ist die Auflösung der
Holdinggesellschaften, die doch in den alten ZAIBATSU-Konzernen
als oberstes Leitungsorgan die wichtigste Position einnahmen, zu
nennen. Die Neugründung von Holdinggesellschäften wurde durch das
Gesetz über das Verbot der Monopole untersagt. Hierdurch wurde
die aktienmäßige, personelle bzw. patriarchalische Herrschaft der
Konzernunternehmen durch die Angehörigen der ZAIBATSU-Familie so-
wie durch die ihnen unmittelbar dienenden Geschäftsführer wesent-
lich geschwächt. An ihre Stelle traten die modernen Berufsmana-
ger. Ferner wurde der bisherige familiär geschlossene Aktienbe-
sitz aufgehoben und auf den öffentlichen Aktienmarkt gebracht.
Hierin sehen wir eine deutliche Spur der 'Demokratisierung' der
Börse. Die Handelsgesellschaften der ZAIBATSU-Konzerne, MITSUI
BUSSAN und MITSUBISHI SHOOJI, welche bis zum Kriegsende eine
wichtige Rolle gespielt hatten, wurden aufgelöst, was die Bedeu-
tung des Handelskapitals innerhalb der Konzerne herabsetzte und
den handelskapitalistischen Charakter der Konzerne wesentlich
veränderte.
Durch die Auflösung der Holdinggesellschaften als Zentrale der
ZAIBATSU-Konzerne und durch die Auflösung der beiden großen Han-
delsgesellschaften MITSUI BUSSAN und MITSUBISHI SHOOJI wurde ein
neuer Ersatzmechanismus für die monopol-kapitalistische Herr-
schaft notwendig. Daher ist zu beachten, daß die Bank- und Kre-
ditinstitute nicht unmittelbar durch die "Entflechtung der ZAI-
BATSU" betroffen wurden. Die Banken mit den sechs Großbanken und
der Kommerzbank an der Spitze, welche ehemals als Kreditbanken
für die Militärproduktion fungiert hatten, wurden zum ausführen-
den Organ des "Nachkriegswiederaufbaus der Unternehmen" ernannt.
Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß die Unternehmen, welche
dank der wesentlich gemilderten Anwendung des "Gesetzes zur Be-
seitigung der übermäßigen Kapitalkonzentration" den Schlag rela-
tiv leicht hatten ertragen können, in der Nachkriegsperiode den
Anteil des fremden Kapitals erhöhten, bildete die Entwicklung
dieser ZAIBATSU-Banken einen entscheidenden Faktor für den späte-
ren Prozeß der Reorganisation und Wiederbelebung der Konzerne.
Das dritte Charakteristikum der ZAIBATSU-Entflechtung bestand
darin, daß diese Maßnahmen auf einzelne monopolistische Unterneh-
men unterschiedlich angewandt wurden, so daß nach der wesentli-
chen Milderung des Antikonzentrationsgesetzes die industriellen
Unternehmen mit Ausnahme von der Elektrizitätserzeugung kaum an-
getastet worden waren. So wurde die Grundbasis der Monopole, näm-
lich die Akkumulation und Konzentration der Produktion und die
Kombination einzelner grundlegender Industriezweige, zwar parti-
ell geschwächt, blieb aber in ihrer alten Form aufrechterhalten.
Dies wurde später die Grundvoraussetzung für die Wiederbelebung
der Konzerne 20).
Es bildeten sich auf Grund der Konzentration der Produktion und
des Kapitals sowie wegen der Verschmelzung des Industrie- und
Bankkapitals neue finanzmonopolistische Gruppen. Unter den drei
größten ZAIBATSU-Konzernen der Vorkriegszeit - den drei finanzmo-
nopolistischen Gruppen MITSUI, MITSUBISHI und SUMITOMO - nahm
MITSUBISHI, das sich in Verbindung mit der Schwer- und Chemiein-
dustrie entwickelte, vor MITSUI den ersten Platz ein. Die anderen
finanzmonopolistischen Gruppen machten nach dem Krieg einen
gründlichen Reorganisationsprozeß durch. Die Monopolgruppen ohne
Banken schlössen sich zu den Gruppierungen zusammen, zu denen
Banken gehören. Es entstand die Gruppe um die FUJI-Banken, die
sich in den Händen der YASUDA-Familie befanden (YASUDA, ASANO,
OOKURA und MORI). Durch die Verbindung von FURUKAWA und KAWASAKI
(DAIICHI-Banken) bildete sich die DAIICHI-Bank-Gruppe, um die
sich kleinere Unternehmen von SUZUKI, FUJIYAMA, MEIJI-SEITOO etc.
gesellten. Außerdem gab es eine neue Gruppe um SANWA-Banken, die
außerhalb der Verbindungen mit dem Vorkriegs-ZAIBATSU standen.
Diese 6 Gruppen repräsentierten das japanische Finanzkapital der
Gegenwart. Ferner bestehen noch die HITACHI - und die NISSAN-
Gruppe, die mit dem AYUKAWA-ZAIBATSU noch vor dem Krieg in Ver-
bindung standen. Sie besitzen jedoch keine eigene zentrale Bank.
Daher ist ihre Kohäsionskraft niedrig, so daß sich ein Teil von
den Gruppen an FUJI-Bank nähert. Solche Mammutunternehmen wie
SHIN NIHON SEITETSU, TOKIO DENRYOKU, KANSAI DENRYOKU, CHUUBU DEN-
RYOKU usf. gehören zu keiner bestimmten finanzmonopolistischen
Gruppe. Sie verbinden sich vielmehr mit dem ganzen japanischen
Finanzkapital (mittels Kreditgewährung) über die Japanische Kom-
merzbank und die Langfristige Kreditbank, welche vom Finanzkapi-
tal Japans zur Bewältigung der Investitionsfonds für die Grundla-
genindustrie wie Stromerzeugung, Eisen- und Stahlindustrie, Elek-
troindustrie etc. gemeinsam gegründet wurden.
Bezüglich der oben genannten 6 finanzkapitalistischen Gruppen
zeigen die Tabelle 2 und 3 die monopolistischen Gruppierungen des
Industriekapitals, welche sich mit ihnen verbinden, und die die-
sen Gruppierungen entsprechenden Gruppierungen der Finanzorgane
21).
Wie aus der Tabelle 2 ersichtlich, besitzen die Gruppe MITSUBISHI
und MITSUI im Bereich der Eisen- und Stahlindustrie keine be-
stimmten Unternehmen. Sie betrachten es als vorteilhaft, sich
daran nicht direkt zu beteiligen, sondern SHIN NIHON SEITETSU im
Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus auszunützen, weil
dieser Industriezweig ein allzu großes Kapital fixiert. Diese
Tendenz ist in der Stromerzeugung noch deutlich. Hier beteiligt
sich keine der sechs finanzmonopolistischen Gruppen unmittelbar.
Die Erdölraffinerie stützt sich sogar völlig auf das ausländische
Kapital. MITSUI unterhält mit ESSO, MOBIL und CALTEX Verbindun-
gen, MITSUBISHI mit SHELL und GETTI. IDEMITSU, welches man für
nationales Kapital hält, gehört zur GULF-SUMITOMO-Gruppe. MARUZEN
gehört zur SANWA-Gruppe und steht unter Kontrolle von BRITISH
PETROLEUM (formell von UNION).
Tabelle 2
Bindungen zwischen den finanzmonopolistischen Gruppen und den mo-
nopolistischen Industrieunternehmen
Gruppe Autoindustrie Chemie Textil Elektroindustrie
MITSUBISHI MITSUBISHI- MITSUBISHI- MITSUBISHI- MITSUBISHI-
JUUKOO KASEI RAYON DENKI
HONDA MITSUBISHI-
YUKA
MITSUI TOYOTA TOOYOO- TOOYOO- TOOSHIBA
KOOATSU RAYON
HINO MITSUI- KANEBO
KAGAKU
MITSUI-SEKI-
YU-KAGAKU
SUMITOMO TOOYOO- SUMITOMO- TOOYOOBOO NIPPON-DENKI
KOOGYOO KAGAKU ASAHI-KASEI MEIDENSHA
MATSUSHITA-
DENSAN
SANYOO-DENKI
FUJI NISSAN SHOOWA- TOOHOO- HITACHI-
DENKOO RAYON SEISKU
OKI-DENKI
HAYAKAWA-
DENKI
DAIICHI ISUZU entfällt entfällt FUJI-DENKI
FUJI-
TSUUSHINKI
SANWA DAIHATSU UBE-KOOSAN TEIJIN entfällt
NIPPON-RAYON
Gruppe Schiff- und NE-Metalle Eisen-Stahl- Glas- u.
Maschinenbau Aluminium Industrie Zement-
Industrie
MITSUBISHI MITSUBISHI- MITSUBISHI- entfällt MITSUBISHI-
JUUKOO KINZOKU- SEMENTO
KOOGYOO
MITSUBISHI- ASAHI-GARASU
KASEI
MITSUBISHI-
RAYNOLS
MITSUI MITSUI- MITSUI- entfällt ONODA-
ZOOSEN KINZOKU- SEMENTO
KOOGYOO
ISHIKAWAJI- SENTORARU-
MA-HARIMA (?) GARASU
SUMITOMO URAGA- SUMITOMO- SUMITOMO- SUMITOMO-
JUUKOO KINZOKU- KINZOKU SEMENTO
KOOZAN
SUMITOMO- SUMITOMO- NIPPON
KIKAI KEIKINZOKU ITAGARASU
FUJI NIPPON- SHOOWA- NIPPON- NIPPON-
KOOKAN DENKOO KOOKAN SEMENTO
SHOOWA-
ALUMI
SUKAI-ALUMI
DAIICHI KAWASAKI- FURUKAWA- KAWASAKI- entfällt
JUUKOOGYOO KOOGYOO SEITETSU
ISHIKAWAJIMA- NIPPON-
HARIMA KEIKINZOKU
FURUKAWA-
ALUMI
SANWA HITACHI- KOOBE- KOOBE- OOSAKA-
ZOOSEN SEIKOO SEIKOO SEMENTO
Wie aus der bisherigen Betrachtung hervorgeht, entstand im Prozeß
der raschen Erweiterung der Schwer- und Chemieindustrie im Nach-
kriegsjapan eine immense Kapitalnachfrage auf der Seite der Indu-
strie und auf der Seite der Finanzorgane die Notwendigkeit, sich
eng an Industrie zu binden, so daß sich finanzkapitalistische
Gruppen bildeten, die mit ihrem Potential den ZAIBATSU-Konzernen
der Vorkriegszeit weit überlegen sind. Die Monopole wie MITSUI,
MITSUBISHI und SUMITOMO nämlich, welche bereits vor dem Krieg
über Bankorgane und Industriekapital verfügten, erweiterten in
dem Prozeß ihre Domäne als Finanzkapital immer mehr. Diejenigen
Industriemonopole jedoch, welche entweder mit den alten ZAIBATSU-
Konzernen vor dem Krieg keine Verbindungen unterhielten, oder zu
den Gruppierungen der neuen ZAIBATSU gehörten oder erst nach dem
Krieg in rapide Entfaltung geraten sind, wurden gezwungen, mit
einer der bestehenden finanzkapitalistischen Gruppen Verbindung
aufzunehmen. Die Bankunternehmen, die entweder über nur wenige
Industrieunternehmen Kontrolle ausübten bzw. keine besonders fe-
sten Bindungen zu den anderen Industriezweigen aufwiesen (z.B.
DAIICHI-Bank sowie FUJI-Bank, die aus YASUDA-Bank hervorging),
oder die als sogenannte Handelsbanken keine engen Verbindungen
zum Industriekapital unterhielten, mußten u.a. wegen der Konkur-
renz im Bankwesen selbst ihren Kontakt mit den Industrieunterneh-
men ausweiten. Auf solche Weise wurden durch die rapide Kapital-
akkumulation der Nachkriegszeit und die zyklischen Krisen hin-
durch MITSUI, MITSUBISHI und SUMITOMO vergrößert und gefestigt
und gleichzeitig die drei Gruppen von FUJI, DAIICHI und SANWA fi-
nanzmonopolistisch neu organisiert.
Tabelle 3
Bindungen zwischen den finanzmonopolistischen Gruppen und den
entsprechenden Finanzorganen
Gruppe Bank Treuhand- Lebens- Sach- Effekten-
gesellsch. versicherung versicherung gesell.
(Haupt-
übern.)
MITSUBISHI MITSU- MITSUBISHI- MEIJI- TOKIO- NIKKOO-
BISHI- SHINTAKU SEIMEI KAIJOO- SHOOKEN
GINKGO KASAI YAMAICHI-
SHOOKEN
2)
MITSUI MITSUI- MITSUI- MITSUI- TAISHOO- entfällt
GINKOO SHINTAKU SEIMEI KAIJOO- 3)
KASAI
SUMITOMO SUMITOMO- SUMITOMO- SUMITOMO- SUMITOMO- DAIWA-
GINKOO SHINTAKU SEIMEI KAIJOO- SHOOKEN
KASAI
FUJI FUJI- YASUDA- YASUDA- YASUDA- YAMAICHI-
GINKOO SINTAKU SEIMEI KAIJOO- SHOOKEN
KASAI 4)
NIPPON-
KANGYOO-
KAKUMARU-
SHOOKEN
5)
DAIICHI DAIICHI- CHUUOO-1) ASAHI- entfällt entfälllt
GINKOO SHINTAKU SEIMEI
SANWA SANWA- TOOYOO- NIPPON- entfällt NOMURA-
GINKOO SHINTAKU SEIMEI SHOOKEN
_____
1) Aktienanteil: DAIICHI-Bank 50%, TOOKAI-Bank 50%
2) Aktienanteil: MITSUBISHI-Bank 50%, FUJI-Bank 50%
3) Der Hauptübernehmer ist meist NOMURA-SHOOKEN.
4) siehe Anmerkung 2.
5) Aktienanteil: FUJI-Bank 50%, NIPPON-KANGYOO-Bank 50%
Worin nun sich dieses in den Nachkriegsjahren reorganisierte ja-
panische Finanzkapital, die finanzmonopolistischen Gruppen näm-
lich, von den alten ZAIBATSU der Vorkriegszeit unterscheidet, sei
an Hand der Kollektivarbeit "Monopolunternehmen in Japan" zusam-
menfassend dargestellt:
Erstens: Die modernen finanzmonopolistischen Gruppen basieren auf
der schnellen Entwicklung der kapitalistischen Produktion, mit
der sich die Vorkriegsproduktion nicht messen kann, und auf der
Entfaltung der Schwer- und Chemieindustrie sowie auf der riesigen
Konzentration der Produktion. Voraussetzung für ihr Wachstum ist
die nie dagewesene Entwicklung der Kredit- und Finanzinstitute,
die gründliche Mobilisierung der persönlichen Ersparnisse in man-
nigfaltigen Formen (wie Sparkassen, Treuhandgesellschaften für
Investment, Verbreitung des kleinen Aktienbesitzes, Lebens- und
Sachversicherung etc.) und die riesenhafte Konzentration der
Bankgeschäfte mit den Stadtbanken (sechs Großbanken).
Zweitens: Im Unterschied zu den Vorkriegs-ZAIBATSU, in denen das
Bank- und Handelskapital für eine lange Zeit den überwiegenden
Einfluß ausübte und das Industriekapital im großen und ganzen nur
eine sekundäre Rolle spielte, nahm in den modernen finanzmonopo-
listischen Gruppen das Gewicht und die Bedeutung der Industriemo-
nopole in der Schwer- und Chemieindustrie außerordentlich zu.
Trotzdem darf man die Rolle der sechs Großbanken, die die Kredit-
institute wie Treuhand-, Versicherungs-, Effektengesellschaften
etc. systematisch miteinander verknüpfen und dirigieren, keines-
falls unterschätzen. Die zentrale Position der finanzmonopolisti-
schen Gruppen, die vor dem Krieg durch die Holdinggesellschaft
eingenommen wurde, besetzen heute die Banken, die nun als ihr
Zentrales Nervensystem fungieren.
Drittens: In den ZAIBATSU-Konzernen der Vorkriegszeit gab es eine
eindeutige Vorherrschaft des Aktienbesitzes. Nach dem Krieg aber
bildet der Zusammenschluß der Banken und Aktiengesellschaften,
welche früher ein- und demselben ZAIBATSU-Konzern angehörten und
nun die Aktien gegenseitig übernehmen, den Kern der modernen fi-
nanzmonopolistischen Gruppen. Dieser Zusammenschluß wird durch
Bankkredite oder auch durch Personalunion ergänzt. Die finanzmo-
nopolistischen Gruppen ordnen sich weiter mittelgroße nichtmono-
polistische Unternehmen (z.B. SONY, FUJIKOSHI etc.) und auch
zahlreiche mittlere und kleine Zulieferungsbetriebe unter.
Viertens: Die modernen finanzmonopolistischen Gruppen verfügen
über keine Leitzentrale, wie vor dem Krieg die Hauptgesellschaft
der ZAIBATSU. Dafür aber bestehen Konferenzen der Generaldirekto-
ren und ähnliche Einrichtungen, welche sozusagen eine kollektive
Leitungstätigkeit darstellen. Ein despotisches Leitungssystem
kann über eine solche Gruppe nicht ganz errichtet werden. Um am
verschärften internationalen Konkurrenzkampf teilnehmen zu kön-
nen, versuchen die Repräsentanten der japanischen Monopolunter-
nehmen, ihr jetziges auf der Grundlage des Bankkapitals beruhen-
des Herrschaftssystem durch ein System von Holdinggesellschaften
zu ersetzen.
Die Abhängigkeitsbeziehungen der japanischen Monopole vom US-Im-
perialismus (ihre allseitige Abhängigkeit hinsichtlich des Kapi-
tals, der Technik, der Rohstoffe, des Absatzmarktes etc.), die
aktuelle Entwicklung der US-japanischen Beziehungen, die totale
Entfaltung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Japan und
andere Probleme sollen in einer späteren Arbeit behandelt werden.
_____
1) Lenin: WERKE, Bd. 23. "Der Imperialismus und die Spaltung des
Sozialismus", S. 113.
2) Lenin: WERKE, Bd. 22. DER IMPERIALISMUS ALS HÖCHSTES STADIUM
DES KAPITALISMUS, S. 279.
3) Kobayashi, Ryoosei: NIHON-SANGYOO-NO KOOSEI (Der Aufbau der
japanischen Industrie), S. 8.
4) Yamada, Moritaroo: NIHON-SHIHONSHUGI BUNSEKI (Die Analyse des
japanischen Kapitalismus), S. 9 f.
5) Giga, Sooichiroo: GENDAI NIHON-NO DOKUSEN-KIGYOO (Monopol-
unternehmen im modernen Japan), S. 4-8.
6) Moriya, Norio: KEIZAISHI (Wirtschaftsgeschichte), S. 73.
7) Giga, Sooichiroo: op. cit., S. 17-27.
8) Giga, Sooichiroo: op. cit., S. 40-41.
9) Kanbayashi, Teijiroo: NIHON SANGYOO-KIKOO KENKYUU (Studien zur
Struktur der japanischen Industrie), S. 233.
10) Masuji, Yoojiroo: KABUSHIKJGAISHA (Die Aktiengesellschaft), S
92-99.
11) Giga, S.: op. cit, S. 29.
12) Noguchi, Tasuku: GENDAI NIHON KEIEISHI (Neuzeitliche Ge-
schichte der japanischen Betriebe), Bd. 1, S. 29.
13) Vgl. hierzu: NIHON-NO DOKUSEN-KIGYOO (Monopolunternehmen in
Japan), 12-13.
14) Rymalow, W.: "Index der Industrieproduktion in den wichtig-
sten kapitalistischen Ländern (Tab.)", in: WELTWIRTSCHAFT UND IN-
TERNATIONALE BEZIEHUNGEN, 4/1970, S. 33.
15) Yokote, Fumio: 60-NENDAI NIHON SHIHONSHUGI-NO HATTEN-TO 70-
NENDAI-NO TENBOO (Die Entwicklung des japanischen Kapitalismus in
den 60-er Jahren und die Perspektive auf die 70-er Jahre), Teil
1. ZEN'EI 1970/7.
16) Autorenkollektiv: NIHON-NO DOKUSEN-KIGYOO (Monopolunternehmen
in Japan), S. 15 f.
17) Andrekath, A.-P.: "Für wen reiste der Tenno? " (H), in: WELT-
BÜHNE, 26. Okt. 1971,8. 1359 f.
18) Vgl. hierzu: Hayashi, Naomichi: "Sengo-Sekai-Shihonshugi-no
junkan to Kyookoo" (Zyklen und Krisen des Weltkapitalismus nach
dem Krieg), in: KEIZAI 1970/7; Aoyama, Shiroo: "Nihon-keizai-no
"Koodo seichoo" to Junkan-no mondai" (Das "Hochwachstum" der ja-
panischen Wirtschaft und das Problem der Zyklen), in: KEIZAI
1970/7, u.a.m.
19) Kudoo, Akira: "Anpo-jooyaku-to Nihon keizai" (Der Sicher-
heitsvertrag und die japanische Wirtschaft), S. 77, in: ZEN'EI
Sondernummer 1969/4: 70-NEN TOOSOO-TO TOOITSUSENSEN (Kampf im
Jahre 1970 und die Einheitsfront).
20) Noguchi, Tasuku: op. cit., S. 39-41.
21) Nach: Ootsuki, Hisashi: "Nihon keizai-o shihai suru muttsu-no
kin'yuu-shihon" (Die 6 finanzkapitalistischen Gruppen, die die
japanische Wirtschaft beherrschen), aus: KEIZAI, Tokio 1967, De-
zember-Heft.
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