Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1972


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       Paul Boccara
       
       Übersicht über die Theorie der Überakkumulation -
       Entwertung des Kapitals und die Perspektiven der
       fortschrittlichen Demokratie (II) *)
       

EINIGE PERSPEKTIVEN DER KRISE DES STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS UND DER ERRICHTUNG DER FORTSCHRITTLICHEN DEMOKRATIE

1. Allgemeine Perspektiven des staatsmonopolistischen ----------------------------------------------------- Kapitalismus - die Notwendigkeit der fortschrittlichen ------------------------------------------------------ Demokratie im ökonomischen und politischen Bereich -------------------------------------------------- a) Die momentane Strukturkrise und die neue Richtung der -------------------------------------------------------- Klassenkämpfe gegen den staatsmonopolistischen Kapitalismus ----------------------------------------------------------- Ab 1967-69, mit dem Beginn der internationalen Krise des kapita- listischen Währungssystems, mit den neuauftauchenden Problemen der Inflation und der Arbeitslosigkeit, den großen Massenkämpfen und deren neuen Formen in verschiedenen Ländern, mit der in in- ternationalem und nationalem Maßstab beschleunigten monopolisti- schen Konzentration und einer relativen Modifizierung der Politik der Monopole und der monopolistischen Staaten, werden die Merk- male einer tiefgreifenden Veränderung in der Entwicklung des Ka- pitalismus allmählich offensichtlich. Diese Anzeichen werden inzwischen immer deutlicher. Sogar von staatlicher Seite wird von Krise gesprochen, die aber als "Ergebnis" der staatlichen Subventionierungs-Politik in den vom Kapitalismus beherrschten Ländern dargestellt wird. 1) Die in diesen Ländern wachsende Arbeitslosigkeit, der Kampf um die Kon- trolle und Nationalisierung der nationalen Bodenschätze, vom Kup- fer Lateinamerikas bis zum Öl Nordafrikas und des nahen Ostens, ist eng verbunden mit dem Problem der Ergiebigkeit der Rohstoff- quellen und dem Substanzverlust des Dollars. Hier liegen die un- überwindbaren und wachsenden Schwierigkeiten des Währungssystems, das als "Gold-Devisen-Währung" auf dem Dollar beruht, und der in allen kapitalistischen Ländern sich verschärfenden Inflation. Die Koexistenz von ausgedehnter Arbeitslosigkeit und wachsende Infla- tion nimmt vor allem in Großbritannien, aber auch in Frankreich und in den Vereinigten Staaten auch über die Dauer der Rezession von 1969-71 hinaus zu. Diese Krise wird "Zivilisations"-Krise, genannt. Mit ihr kam das "Unbehagen", das mit der Unangemessen- heit der Infrastruktur, der staatlichen Einrichtungen und der Bildung, besonders in den hochentwickelten kapitalistischen Län- dern, verbunden ist. Ende 1967 war es schwierig, die Wende der langen Konjunkturperiode angesichts der neuen Phänomene der Ar- beitslosigkeit in Westeuropa und der Abwertung des Pf. Sterlings zu erkennen. 1969 war es dann allerdings nicht mehr kompliziert, außer dem stabilen Charakter der Krise des Währungssystems und des Dollars auch den Trend zur ständigen Ausdehnung der Inflation und der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen, die weit über die amerika- nische Rezession, die Ende 1969 begann, hinausgeht. 2) Die wissenschaftliche Theorie kann, als Ergebnis einer langen Praxis, dazu beitragen, die Bedeutung der Ereignisse sowie die Richtung ihrer Bewegung zu klären, indem sie die wichtigsten Tat- sachen der notwendigen ökonomischen Prozesse und ihre Entwick- lungstendenzen aufzeigt. Unsere dialektische Theorie ist immer materialistische Theorie. Dagegen sieht die empiristische Haltung als notwendige Ergänzung dogmatischer oder ekklezistischer Kon- zeptionen, die Zukunft als "Verlängerung der Vergangenheit". So behauptet sie zum Beispiel, von der 1970er Rezession in den USA, die für die Nachkriegszeit ungewöhnlich lange dauerte, daß hier etwas Neues geschehe. Sie beschränkt und deformiert und mißt der Überproduktionskrise eine übermäßige Bedeutung zu. Unter dem Vor- wand der Sachzwänge wagt sie es wieder auf jene Wissenschaftler zurückzugreifen, über die Marx ironisch bemerkte, daß die Ge- schichte ihnen nur ihr "a posteriori" zeige. Wahre Klugheit je- doch heißt nicht, auf eine begrenzte Vergangenheit ausgerichtet bestimmte Dinge zu behaupten, sondern sich auf die vergangene Wirklichkeit im weitesten Sinne und auf die gegenwärtig sich ent- wickelnde Wirklichkeit zu stützen, um sich somit zu befähigen, nach vorn zu blicken. Vor allen Dingen wäre es ein schwerer Feh- ler, die Krise des Kapitalismus (sei es um seine Konzeption zu billigen oder zu kritisieren) mit der Überproduktionskrise vom Typ der zehnjährigen Phase verwechseln - obwohl beide auf unter- schiedliche Art und Weise durch Überakkumulation von Kapital ent- stehen können, d.h. aus den kapitalistischen Produktionsverhält- nissen und nicht aus Entwicklungsfehlern unabhängig von ökonomi- schen Gegebenheiten. Und es wäre auch falsch, die Strukturkrise des Kapitalismus auf die Ausdehnung und momentane Dauer von Depressionen zu reduzie- ren. Die Phasen zwischen den Depressionen werden zwar nicht auf- gehoben, aber doch weitgehend modifiziert zu langen, tendenziell depressiven Phasen. Diese Modifizierungen bringen sicherlich dau- erhaftere Schwierigkeiten depressiver Art, aber sie sind in Wirk- lichkeit in ihren verschiedenen Erscheinungsformen Funktion der historischen strukturellen Bedingungen der langen Phase, von der hier die Rede ist. Lenin sprach schon 1915 von der Krise des Kapitalismus 3), indem er die allgemeine Krise erwähnte, die vom imperialistischen Krieg enthüllt, aber gleichzeitig auch, trotz des erhöhten Wachstums der Kriegsproduktion, mit hervorgerufen wurde (bezogen auf die Absatzmärkte und die Interessensphären des überschüssigen Mono- polkapitals). Die Krise bezeichnet also (in Verbindung mit dem Anfang der langen tendenziell depressiven Phase) die Verschärfung der kapitalistischen Widersprüche bis zu einem Punkt, an dem die Veränderung des bestehenden Systems notwendig wird. Somit konnte die Entwicklung des Monopolkapitalismus zum staatsmonopolisti- schen Kapitalismus mit der Kriegswirtschaft schon 1917 von Lenin genauestens analysiert werden. Auch konnte auf dieser Basis nach der sozialistischen Revolution der historische Prozeß des Über- gangs zum Sozialismus in der Sowjetunion beginnen. Aber im Gegensatz zu sektiererischen und mechanischen Voraussagen zur allgemeinen Krise des Kapitalismus, z.B. der Thesen von der kontinuierlichen oder permanenten Verschärfung der Schwierigkei- ten, (wenn nicht sogar einem Zurückgehen der Produktion) oder von der der sozialistischen Welt-Revolution, zeigt sich die dialekti- sche Wirklichkeit in mehreren Zyklen sowie in der Beständigkeit der zwischengeschalteten Phase (mit den Krisen von 1921, 1929, 1937) und darüber hinaus in einer langen Periode zeitweiliger Stabilisierung, die trotz der "schwachen" Krisen oder "Rezessio- nen" mit dem Aufschwung des staatsmonopolistischen Kapitalismus nach dem zweiten Weltkrieg zusammenhing. Diese letzte lange Periode ist vorbei. Das heißt aber keines- falls, daß man zu mechanistischen oder defaitistischen Vorstel- lungen über die weitere Entwicklung kommen müßte. Diese Entwick- lung wird gekennzeichnet sein durch einen relativ dauerhaften und immer unerträglicher werdenden Charakter der ökonomischen und so- zialen Schwierigkeiten, trotz aller Anpassungsversuche der mono- polistischen Oligarchie. Die Veränderungen in der Politik der Mo- nopole und der monopolistischen Staaten werden die neuen schweren Probleme nicht lösen können. Waren die Schwierigkeiten besonders im Währungs- und Beschäftigungssektor schon im Laufe der "Prosperität" der 20-er Jahre offenkundig geworden, so hatte ihre Verschärfung in den 30-er Jahren tiefgreifende Strukturverände- rungen unumgänglich gemacht. Diese sind jedoch auf Kosten be- stimmter monopolistischer Sektoren gegangen (besonders im Bereich des Kreditwesens und der Grundstoffindustrie). Diese Änderungen fanden unter dem Druck verschärfter Klassenkämpfe statt. Beson- ders in Frankreich haben die Kämpfe der Volksfront und der Be- freiungsfront die reaktionärsten (faschistischen) Formen des staatsmonopolistischen Kapitalismus zurückdrängen und wichtige demokratische und gesellschaftliche Errungenschaften erzwingen können. Heute bietet sich mit dem Aufschwung der neuen Massenkämpfe seit 1968-69 der friedliche Weg tiefgreifender Strukturveränderungen sowie die Aufsicht auf gesellschaftliche Errungenschaften an, die die früheren weit übertreffen. Mit dem Übergang zu einer ökonomi- schen und politischen Demokratie wird die Herrschaft der Monopole gebrochen und der Weg zu einem entwickelten Sozialismus geöffnet. Man muß sich davor hüten, die aktuelle Strukturkrise einfach nach den "Erscheinungen" der Vergangenheit zu beurteilen, statt sich zu bemühen, das "Wesen" der tatsächlichen Bewegung nachzuweisen, um ihre zukünftige Entwicklung einbeziehen zu können. Z.B. könnte eine weniger schwerwiegende Arbeitslosigkeit als in den 30-er Jahren morgen mit vollem Recht als wesentlich unerträglicher an- gesehen werden, auf Grund der heutigen Möglichkeiten der Produk- tivkräfte und der staatlichen ökonomischen Eingriffe sowie der wachsenden Bewußtwerdung über die Vermeidbarkeit von Arbeitslo- sigkeit 4). Zusammenfassend kann gesagt werden: Wird die Beson- derheit der momentanen Krise nicht als eine neue Phase der allge- meinen Krise des Kapitalismus (staatsmonopolistischer Kapitalis- mus) verstanden, so besteht die Gefahr, daß einfach die herkömm- lichen Formeln über die allgemeine Krise wiederholt werden, ohne daß versucht wird, auf ökonomischer Ebene alle Möglichkeiten der sozialen Kämpfe zu durchschauen. b) Der relativ stabile Charakter ökonomischer Schwierigkeiten ------------------------------------------------------------- Der relativ stabile Charakter der Schwierigkeiten der Überakkumu- lation einer langen Periode und ihre Verallgemeinerung resultie- ren, wie in der Vergangenheit, aus der strukturellen Blockierung der massiven Kapitalentwertung und aus der Notwendigkeit struktu- reller Entwertungen neuerer Art. Auf der einen Seite begünstigt die der heutigen Etappe entsprechende ökonomische Struktur die Kapitalakkumulation und alle Veränderungen im Rahmen dieser Struktur haben bisher und werden auch in Zukunft zur ständigen Überakkumulation führen. Auf der anderen Seite setzt sich unter dem Druck der kapitalistischen Konkurrenz die um jeden Preis die Profitrate erhalten will, eine massive Entwertung des konstanten Kapitals durch. Die Entwertung des konstanten Kapitals aber zieht grundsätzlich die Verschärfung der Absatzprobleme sowie die Ver- schärfung der Tendenz der chronischen Arbeitslosigkeit nach sich. Beides wiederum verstärkt die Schwierigkeiten der gesamten Akku- mulation, solange die Struktur nicht tiefgreifend verändert wird und neue Bedingungen der Produktion und Konsumtion eingeführt werden. Heute können wir den Sinn und die Tragweite der struktu- rellen Blockierung und der Strukturveränderungen viel besser durchschauen als in den 30-er Jahren. 5) Unter den Bedingungen der Krise des staatsmonopolistischen Kapi- talismus haben alle staatlichen Interventionen sowie die Anpas- sung der Politik der Mächtigen nur ein bestimmendes Ziel: die Profite und die Akkumulation des Monopolkapitals, das die Nation beherrscht, zu schützen und zu begünstigen. Dieses zeigt in Frankreich besonders der VI. Plan, der die Unterordnung des ge- samten gesellschaftlichen Lebens unter diese Akkumulation ver- schärft betreibt, und dieses als "Industrialisierung" bezeichnet. Deshalb können staatliche Eingriffe die Überakkumulation nur ver- schärfen, selbst wenn sie beabsichtigen, gewisse unmittelbare Folgen zu bekämpfen und manche Liquiditätsschwierigkeiten der Überakkumulation zeitweilig auszugleichen. Die Bemühungen des Staates die ökonomischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus durch die Sti- mulierung der "Investitionsneigung" der Monopole und durch ver- stärkte direkte Subventionierung des Monopolkapitals zu überwin- den, erhöhen nur den Überschuß an privatem Kapital und die Maßlo- sigkeit seiner Profitansprüche 6). Diese Maßnahmen zielen also auf eine Erhöhung des inflationistischen Druckes der Vorschüsse auf den Profit und der Akkumulation (wegen ihrer nominellen Auf- blähung in Bezug auf die Grenzen der wertmäßigen Möglichkeit, in- dem sie mit dem beschleunigten Ansteigen der Preise der Produk- tion auf erweiterter Stufenleiter die ökonomische Anarchie und die Tendenz zur Überproduktion in dieser oder jener Branche, für diesen oder jenen monopolistischen Sektor, die Schwierigkeiten der kleinen und mittleren Unternehmen, die Spekulation, die Ten- denz zur Arbeitslosigkeit in einer neuen und anwachsenden Ausdeh- nung provozieren. Tendenzen, die eine Beschränkung der staatlichen Finanzierung der verstaatlichten Industrie und die Reprivatisierung einiger Sekto- ren anstreben, bieten ebenfalls keine Möglichkeit, kapitalisti- sche Verhältnisse zu erhalten. Sie setzen für gewisse Zeiträume Gelder frei, um die monopolistische Akkumulation zu unterstützen und die Monopolprofite zu erhöhen, indem das verstaatlichte Kapi- tal nur sehr geringe Profitansprüche geltend macht 7) und so dem überschüssigen Kapital neue Anlagemöglichkeiten geboten werden. So aber steigt dann auch die private Akkumulation sowie die mono- polistischen Profitansprüche und führen zu einer Verschärfung der Überakkumulation. Die mono- polistische Akkumulation wird als "Investition" bezeichnet, selbst wenn sie zur Kapitalflucht, zur Spekulation und zur The- saurierung (= Schatzbildung, Hortung) führt. Um möglichst viele Gelder für die monopolistische Akkumulation freizusetzen, sind halbstaatliche Banken gegründet worden, wie z.B. die Depositenkasse (Caisse de Dépôts), die auf Kosten der Gemeinschaftsaufgaben (Sozialleistungen etc.) mit Steuergeldern finanzschwache Industrien unterstützt. Es werden systematische Anstrengungen unternommen, um die Kosten der Gemeinschaftsaufga- ben und der Bildung so weit wie möglich zu verringern und sie mit den antagonistischen und kurzsichtigen Partialinteressen der In- dustriemonopole in "Einklang" zu bringen. 8) Es geht bei all die- sen Maßnahmen darum, die staatlichen Abzüge von der Profitmasse (Kapitalsteuern) so klein wie möglich zu halten und so die Pro- fit r a t e unmittelbar zu erhöhen. Unter dem Vorwand der Notwendigkeit der ökonomischen Öffnung zum Weltmarkt verschärft der VI. Plan den schon zuvor schädlichen ökonomischen Kurs (in Frankreich) und begünstigt vor allem die Exportindustrie 9) - durch eine sogenannte "Reform" des Kreditwe- sens. So werden die Einschränkungen des Massenkonsums gerechtfer- tigt, die notwendig sind, um einen Warenüberschuß zu exportieren und die Gewinne aus diesem Handel für Investitionen zu benutzen, die dazu dienen, die Profite weiter zu erhöhen. 10) In Wirklich- keit handelt es sich darum, die Realisierung der Profite sowie die Kapitalakkumulation und den Kapitalexport zu begünstigen. Da- mit einher geht eine stärkere Ausbeutung der Arbeiter, die Redu- zierung der notwendigen Sozialleistungen. Schon 1967 hatte die Verschärfung der Arbeitslosigkeit die Schäd- lichkeit des eingeschlagenen Kurses gezeigt. Inlands- und Aus- landsnachfrage ließen nach. Die Exportkredite wurden schon Ende 1968 und im Jahre 1969 für Spekulationen mißbraucht. Durch die Bereitstellung staatlicher Hilfe für den Waren- und Kapitalexport wird diese Entwicklung noch verschärft. 11) Die Anstrengungen um den Kampf gegen die Lohnforderungen und die Ausgleichung der Bedingungen der Massenkaufkraft stützen sich auf die angebliche Maßlosigkeit der Forderungen der Arbeiter und Ge- werkschaften. Mit der erlogenen Behauptung, daß die Inflation durch Lohnerhöhungen gefördert wird, wird einfach vergessen, daß es die Profitinhaber sind - vor allem die Monopolisten - die den Preis festsetzen und daß die Profitrate, die sie zu diesem Zweck in Rechnung stellen, sich auf viele andere Faktoren bezieht, die wesentlich bedeutender sind als die Löhne. Diese Behauptungen zeigen aber nur die eigene hoffnungslose Verstrickung und Verhaf- tung an die systembedingte Unausweichlichkeit von Inflationen. Die Notwendigkeit der Befriedigung wesentlich höherer Lohnforde- rungen kann angesichts des Drucks auf die Kaufkraft, der Infla- tion der Profite und der monopolistischen Akkumulation, des An- wachsens des Steuerwesens, der Verringerung der Sozialleistungen auf allen Ebenen sowie angesichts der durch die neuen technischen Bedingungen erhöhten Bedürfnisse und durch den erreichten Grad der Intensivierung der Arbeit aufgezeigt werden. 12) Um den großen Bedarf an sozialen Ausgaben zu erklären, muß in Betracht gezogen werden, daß zu der relativen Veralterung der Ausstattung der öffentlichen Einrichtung diese Bedingungen und diese Intensi- vierung der Arbeit hinzukommen. 13) Die Unzulänglichkeit der öf- fentlichen Ausgaben verstärkt den Bedarf an direkter Sicherstel- lung und Befriedigung dieser Bedürfnisse durch Lohnerhöhungen, wie auch unzureichende Bildungseinrichtungen zu der Tendenz füh- ren, Qualifikation auf privater Basis (Privatschulen) zu erwer- ben. Im Augenblick handelt es sich hauptsächlich um die Verteidi- gung der Bedürfnisse gegen die beschleunigte Inflation, die durch die Profite und die Akkumulation hervorgerufen wird. Angesichts dieser Verteidigungskämpfe ist der einzelne Kapitalist gezwungen nachzugeben, und er kann es aufgrund der Extraprofite und der allgemeinen Aufgeblähtheit der Profite auch, während die Vertre- ter der allgemeinen Kapital Interessen sich bemühen, diese Ver- teidigung in schärfster Weise zu verhindern. Der Kampf der Arbeiter ist, obwohl er der Erhöhung der Mehr- wertrate Grenzen setzt, weit davon entfernt, der wesentliche Grund der Schwierigkeiten zu sein. Im Gegenteil, es ist haupt- sächlich die unerhörte Bedeutung der Kapitalakkumulation, insbe- sondere in der Form des konstanten Kapitals (auch als fiktives, mehr oder weniger spekulatives Kapital), die den maßlosen An- spruch der Profite erklärt. Daher das Bemühen die Profite durch die Inflation, durch die Verringerung der realen Kaufkraft der Löhne aller Werktätigen und durch die Entwertung der Ersparnisse der arbeitenden Menschen noch zu erhöhen. 14) Man beginnt, den relativ stabilen Charakter der ökonomischen Schwierigkeiten trotz des Auf und Ab der Zwischenphasen der kon- junkturellen Entwicklung zu verstehen. Dieser relativ stabile Charakter, der seit Ende 1967 für die kapitalistische Welt und seit Ende 1969 (speziell) für die USA vorausberechnet wurde, bestätigt sich heute. Seit Beginn des 2. Trimesters 1971 werden in den USA ge- wisse Zeichen einer langsamen Wirtschaftsbelebung von der Auf- rechterhaltung des hohen Standes der Arbeitslosigkeit (und selbst der Beginn eines erneuten Steigens), von einer Inflation, die durch staatlichen Antrieb wiederbelebt wird, von einem wachsenden Druck auf die Zahlungsbilanz und den Dollar, von zögernder Inve- stitionsbereitschaft in der Produktion begleitet. Dieses läßt einen Rückfall befürchten. Italien erfährt den Beginn eines Rück- gangs der Industrieproduktion, England seinen höchsten Stand der Arbeitslosigkeit nach dem Krieg, die BRD die größte Inflation seit ihrer Gründung, daher auch ihre Politik der "Stabilisie- rung". Trotz der Steigerung und des allgemeinen Fortschritts der Produktion in Westeuropa in den Jahren 1969/70 (trotz gewisser Stagnationen, die auf den Einfluß des amerikanischen Rückgangs von 1970 zu rückzuführen sind) werden die Belastungen deutlicher, denen die französische Konjunktur ausgesetzt ist. Verständlich werden vor allem die durchaus gerechtfertigten Befürchtungen einer weiteren Erhöhung des Inflationslevels und der Arbeits- losigkeit, wie es im Rahmen des VI. Plans "vorgesehen" ist In Frankreich treffen kurz nach der Abwertung des Franc und der Aufwertung der DM aufs Neue eine Tendenz des Nachlassens der Inlandnachfrage mit düsteren Aussichten auf den Auslandmärkten zusammen 15), während das Bemühen um eine "Ankurbelung der Wirt- schaft" die Inflation der Profite und die Akkumulation wiederbe- lebt hat. In Verbindung mit dem Steigen der Preise, die sich ständig weiter erhöhen, wird die Verschärfung der gesellschaftli- chen Widersprüche von Gesamtimperialistischen Spannungen beglei- tet, die sich vor allem im Währungsbereich abzeichnen und so die Verschärfung der Demagogie der Herrschenden erklärt 16). Ende 1971 wird sich in der kapitalistischen Welt vermutlich der Trend zur Produktionseinschränkung bemerkbar machen. Aber selbst ein eventuell später stattfindender Wirtschaftsaufschwung wird durch die neuen Probleme der Inflation und der Arbeitslosigkeit gekenn- zeichnet sein. Die kapitalistischen Zwänge, die zu einer Verrin- gerung des konstanten Kapitals pro Produktionseinheit führen (= Ökonomie des konstanten Kapitals), vergrößern sich unter dem Druck der internationalen kapitalistischen Konkurrenz und unter dem Trend einer weltweiten Überproduktion. Auf dem Hintergrund neuer Bedingungen des technischen Fortschritts handelt es sich im Rahmen des Systems um eine Ausdehnung der wirtschaftlichen Dimen- sionen, verbunden mit dem Bemühen um vertikale und horizontale Konzentration, um Konzentrationen zwischen den großen mehr oder weniger monopolistischen Kapitalisten und auf der Stufe supra-na- tionaler Gesellschaften. Diese Zwänge führen zu einer Auflösung kleiner und mittlerer Industrieunternehmen, die nicht direkt von den Monopolen abhängig sind 17), sowie der Auflösung der kleineren und mittleren Be- triebe in Landwirtschaft und Handel. Man spricht dabei von Ein- sparungen und "Rationalisierung" zur Entlastung des staatlichen Industriesektors, und der Möglichkeit seiner Reprivatisierung. 18) Aber diese Bemühungen und Anstrengungen sind antagonistischer Na- tur. Während sie die Erhöhung der monopolistischen Akkumulation fördern, die ihrerseits für die Überakkumulation verantwortlich ist, versucht sie gesamtgesellschaftlich die Investitionstätig- keit zu bremsen und versteht dabei die staatlichen Interventionen als Regulator, nicht als Mittel für eine gesellschaftliche Umge- staltung. Deshalb wird auf eine begrenzte Entspannung eine Ver- schärfung der F a k t o r e n der Überproduktion und der Ar- beitslosigkeit folgen. c) Die Verstärkung der monopolistischen Bemühungen -------------------------------------------------- um Anpassung und Reform. Enthüllung der Grenzen: ------------------------------------------------ Die staatsmonopolistischen Strukturen ------------------------------------- Es reicht nicht, über den relativ stabilen Charakter der ökonomi- schen Schwierigkeiten Betrachtungen anzustellen und es ist falsch, nur eine einfache mechanische Tendenz der Verschärfung dieser Schwierigkeiten zu erwägen. Ohne die Hochs und Tiefs der Konjunktur und der Kämpfe genauer zu analysieren, sollen im fol- genden die Perspektiven qualitativer Veränderung aufgezeigt wer- den: Die sich verstärkenden Klassenkämpfe zwischen Monopolisten und Arbeitern werden - im Rahmen des Systems und auf der Basis des Fortschritts der Produktivkräfte - Veränderungen nach sich zie- hen, deren grobe Umrisse sich schon abzeichnen. Gleichzeitig wer- den die Notwendigkeit und die Dringlichkeit erweiterter a n t i m o n o p o l i s t i s c h e r Strukturformen wachsen, die allein in der Lage sind, wirklich demokratische Erneuerung zu bewirken. Betrachten wir zunächst diese Veränderungen unter dem Gesichts- punkt der allgemeinen Perspektiven bzw. von der Gesamtheit der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus her. Die Möglich- keiten des Instrumentariums staatlicher Interventionen (sie be- treffen vor allen Dingen die staatliche Finanzierung der kapita- listischen Produktion und der gesellschaftlichen Konsumtion) und die Ansprüche der gesamten imperialistischen Konkurrenz können, unter dem Druck der Kämpfe der Arbeiter, zur politischen Gefahr für die Staatsmacht werden. Das könnte soweit gehen, daß die Exi- stenz des ökonomischen Systems selbst betroffen "wird und so der Staat zu noch stärkeren Eingriffen gezwungen wird. Der Druck der verschiedenen Gruppen der Arbeiter kann Maßnahmen erzwingen; die eine Begrenzung der schädlichen Auswirkungen der ökonomischen - und der Währungsanarchie zum Inhalt haben. Unter Schäden sind be- sonders die beständige Arbeitslosigkeit, gewisse Auswüchse der Spekulationsgeschäfte und die schlimmsten Mißstände in der sozia- len Versorgung der Bevölkerung zu verstehen. Trotzdem werden alle mehr oder weniger staatlichen Interventionen im Rahmen des Systems der Monopolprofite weiterhin dazu beitragen, Überakkumu- lation und inflationistischen Druck durch Profite und steigende Akkumulationstätigkeit weiter verstärkt zu begünstigen. Staatli- che Interventionen stellen in immer größerem Maße Hilfen für die monopolistische Akkumulation und in verhältnismäßig geringem Maße Ausgaben für die Infrastruktur und die Verbesserung der gesell- schaftlichen Konsumtion, wie z.B. für die Verbesserung der Le- bensbedingungen in den Städten oder den Ausbau des Bildungssy- stems (dort wo sie für die wirtschaftliche Entwicklung lebensnot- wendig werden) dar. Die Inflation ruft aufs Neue den circulus virtuosus des Trends zur Überproduktion, der Rationalisierungsbemühungen, die die Ko- sten des konstanten Kapitals betreffen und die die Arbeitslosig- keit weiter verstärken, hervor. Da die Stärke der Inflation immer weiter zunimmt, können die Eingriffe, die zu einer Unterbrechung dieses circulus notwendig wären, nicht mehr aufgebracht werden. Das Problem der Arbeitslosigkeit, der Unsicherheit der Ar- beitsplätze und die Gefahr wachsender Arbeitslosigkeit (insbesondere für Jugendliche und Alte) wird nicht im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus gelöst werden können. Gleich- zeitig wird die Gefahr der Zerrüttung der Währungen größer werden einschließlich des für die Kapitalisten unausweichlichen Hangs zur Kapitalflucht, zur Spekulation und zur Thesaurierung. Die Stillegung der in riesigen Mengen Goldes und in flüssigem Kapital vergegenständlichten Arbeit, trägt zur Arbeitslosigkeit bei und vergrößert durch stetigen Formwechsel die Unsicherheit der kon- junkturellen Entwicklung und die Wirksamkeit der Wirtschaftspoli- tik. Die Versuche staatlicher Kontrolle der Beschäftigungsstruk- tur und Währung berühren tatsächlich nicht die Wurzeln des Sy- stems, d.h. die Herrschaft der Monopole, obwohl sie tendenziell neue Qualität entwickeln. Im Gegenteil, die allgemeinen staatli- chen Eingriffe machen die Monopolherrschaft eher noch erdrücken- der. Es zeigt sich somit, daß eine effektive staatliche Kontrolle ohne tatsächlichen demokratischen Gehalt, ohne die Verstaatli- chung des gesamten Finanzsektors und der Schlüsselindustrien un- möglich ist. Im Laufe der Entwicklung werden die Gründe des relativ stabilen Charakters der Schwierigkeiten offensichtlich werden. Die Verän- derungen betreffen insbesondere d i e s y s t e m a t i- s c h e n B e m ü h u n g e n d e r "R e f o r m v o n o b e n", die mit wachsender Willkür, sowie den Versuch auf die vermeintlichen Ursachen der ökonomischen Schwierigkeiten einzu- wirken, durchgesetzt werden. Trotz gewisser Zeiten der Beruhigung und vieler Versuche immanenter Lösungen, werden unter diesen Bedingungen die wahren Gründe für die Konstanz der Schwierig- keiten offensichtlich: die Herrschaft der privaten Monopole und die staatlichen Eingriffe zugunsten der Monopolprofite. Die mono- polistische Struktur strebt nicht nur danach, die Kapitalent- wertung zu verhindern. Die tatsächlich unumgängliche Entwertung des Gesamtkapitals und alle kapitalistischen Ökonomisierungs- versuche 19) untergraben die Möglichkeit eines Aufschwungs der Gesamtnachfrage unter den neuen Produktionsbedingungen. Ein ähnlicher Druck auf die Gesamtnachfrage hatte schon während der Krise des einfachen Monopolkapitalismus in den 30-er Jahren stattgefunden. Heute wie damals wird es in dieser Situation notwendig, unter dem Druck der Klassenkämpfe und der riesigen strukturellen Entwertungen, bestimmte monopolistische Formen abzuschaffen. Aber nach der Einführung eines staatlichen Sektors, der für die private Akkumulation entscheidend ist, sind es die staatlichen Eingriffe des staatsmonopolistischen Kapitalismus selbst, d.h. die systematische Verwendung des staatlichen Sektors für das monopolistische Privatinteresse, um das es sich hier han- delt, die die strukturellen Barrieren bilden; unabhängig davon, wie die Reformen aussehen, die im Rahmen dieser Wirtschaftsstruk- tur in Angriff genommen werden. Die Herrschaft der kapitalistischen Monopole selbst verhindert die Ausdehnung und das Aufblühen der Wirtschaft entsprechend den Bedürfnissen und Möglichkeiten, die sich der arbeitenden Bevölke- rung aufgrund der neuen technologischen Revolution und der Ent- wicklung der Qualifikationen der Menschen eröffnen. Die notwendi- gen Strukturänderungen der Produktivitäts- und Konsumtionsbedin- gungen betreffen nicht mehr eine begrenzte Entwertung des Kapi- tals, deren Resultat die Belebung der p r i v a t e n A k k u- m u l a t i o n a l s h e r r s c h e n d e s C h a r a k t e- r i s t i k u m der Wirtschaft ist. Es handelt sich zukünftig darum, das d o m i n i e r e n d e Ziel, die kapitalistische Akkumulation und den kapitalistischen Profit, zu beseitigen. Ohne jedoch die Akkumulation und den privaten Profit abzuschaffen, muß mit der fortschreitenden Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und des Finanzsektors darum, beides auf einen untergeordneten Sektor begrenzt, sowie ihre "relative Bedeutung verringert werden. Die Verstaatlichung, die mit der Führung und Umgestaltung des Staates durch die demokratischen Kräfte und alle Werktätigen verbunden ist, liefert erst die Voraussetzung staatlicher Eingriffe, für ein anderes Ziel als das der Akkumulation des privaten Kapitals und seines Profits. Es wird das Ziel zum allein bestimmenden, das als die Antwort auf die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen der Arbeiter angesehen werden kann. Indem so der staatsmonopolistische Kapitalismus gebrochen wird, wird die hochentwickelte Demokratie im ökonomischen und politischen Bereich errichtet, die endgültig die echte Lösung der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus darstellt. Ohne - aufgrund des noch bestehenden kapitalistischen Sektors - schon Sozialismus zu sein, öffnet sie doch auf revolutionäre Weise den Weg zum Übergang zum Sozialismus. Diese heute schon sich abzeichnende Entwicklung wird die Notwendigkeit weiterer antimonopolistischer Veränderungen verstärken, gleichzeitig wird sie eine Bewußtwer- dung möglich machen und damit die Ansprüche der Menschen an die weitere Entwicklung konkretisieren. Unter diesem Gesichtspunkt ist es notwendig einige Perspektiven der Entwicklung weiter aus- zuführen. 2. Genaueres über die Krise des staatsmonopolistischen ------------------------------------------------------ Kapitalismus. Welches sind die Voraussetzungen des -------------------------------------------------- Übergangs zur wirklich fortschrittlichen Demokratie? ---------------------------------------------------- Daß die wirtschaftlich und politisch fortschrittliche Demokratie, die den Weg zum Sozialismus öffnet, die n o t w e n d i g e L ö s u n g der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus in einem Land wie Frankreich sei, heißt nicht, daß dies die e i n z i g m ö g l i c h e L ö s u n g ist. Die zukünftige Entwicklung wird durch die konkrete Entwicklung der Klassenkämpfe bestimmt. Deshalb sind Art und Ausgang der Klassenkämpfe sehr wichtig. Große Bedeutung hat auch der Zeitpunkt von bestimmten Aktionen. Indessen können die Aufklärung über die Notwendigkeit des demo- kratisches Weges wie auch der Bewußtseinsstand viel zu den Kämp- fen beitragen. Die laufenden theoretischen Untersuchungen, so un- genau sie auch noch sein mögen, sollen den ideologischen Kampf unterstützen. Sie unterstützen die Mobilisierung der Massen, in- dem sie die Zusammenhänge von individuellen Bestrebungen und Hoffnungen mit den Zielen der Bewegung aufdecken. Diese Untersuchungen, die nicht ohne Auseinandersetzung abgehen, und dieser ideologische Kampf machen einen langwierigen Prozeß aus. Auf dem Hintergrund der Krise des staatsmonopolistischen Ka- pitalismus, der oben angedeutet worden ist, ist es möglich, ei- nige besondere Perspektiven etwas näher auszuführen. Diese Präzi- sion kann dazu beitragen, den illusionistischen Charakter der Lö- sungen der Strukturkrise durch mehr oder weniger "entschlossene Reformen" aufzuzeigen, die von den Herrschenden zur Zeit durchge- führt werden und die die Interessen des Großkapitals durchsetzen. Auf diese Art und Weise kann man einige Aspekte der vorhersehba- ren Verstärkung nicht nur der gesellschaftlichen Notwendigkeit, sondern auch des Wunsches der Bevölkerung nach dem Übergang zu einer grundlegend erneuerten Demokratie überprüfen. Unter diesem Gesichtspunkt wollen wir kurz einerseits die Frage des unausweichlichen Fortschritts der Sozialisierung der materi- ellen Produktivkräfte seit dem Beginn der technischen und wissen- schaftlichen Revolution und andererseits das Problem der Entwick- lung zur überstaatlichen monopolistischen Integration und zum Eu- ropa der Finanzoligarchie im allgemeinen Rahmen der wirtschafts- politischen Reformen der Monopolstaaten betrachten. a) Einige Probleme, die sich durch die Entwicklung der ------------------------------------------------------ Produktivkräfte im Lauf der Krise des staatsmonopolistischen ------------------------------------------------------------ Kapitalismus stellen -------------------- Die Entwicklung der Produktivkräfte geht - trotz der gegenwärtig verstärkten allgemeinen Stagnation der monopolistischen Struktur, einer Abschwächung der möglichen Beschleunigung der Entwicklung - unausweichlich in Richtung Kommunismus, weil die Klassenkämpfe der Werktätigen, die monopolistische und interimperialistische Konkurrenz sowie der Wettbewerb mit dem entwickelten Sozialismus nur diese Richtung der Entwicklung zulassen. Dieses klassische Stadium des Kollektivismus, das den Kapitalismus ganz und gar überschreitet, ist gerade durch die neue technologische Revolu- tion, die sich auf die Automation gründet, unentbehrlich und mög- lich gemacht worden. Aber die Vorherrschaft der kapitalistischen Monopole bewirkt eine systematische Spaltung der verschiedenen Gruppen der Arbeiterschaft und ihre absolute Unterordnung unter die Maschine, in Verbindung mit Lohnbegrenzungen und der Auf- rechterhaltung niedriger Löhne. Daraus resultiert nicht nur die Beibehaltung der "Lückenbüßer" der Mechanisierung 20), sondern vor allem die Tendenz zur Beibehaltung der Spaltung der Arbeiter- schaft, die Ausbeutung und Arbeitsplatzunsicherheit für die Masse der Arbeiter in den Bereichen, die vollautomatisiert, teilweise automatisiert oder auch "halbautomatisiert" werden. Die Vorherrschaft des Monopolkapitals zieht auch die neuen Ten- denzen zur Arbeitslosigkeit aufgrund der kapitalistischen "Rationalisierung" und aufgrund der ungenügenden Ausbildung (Arbeitslosigkeit der Alten, Arbeitslosigkeit der Jungen) nach sich. Die Bedrohung durch die "moderne", zu stark spezialisierte Ausbildung wird dabei immer mehr zu berücksichtigen sein. Die Vollendung der Vollautomatisierung und der Industrialisierung zielt gewiß zum Teil - in einem Land wie Frankreich - auf die Be- reiche ab, die von der materiellen Kleinproduktion unterhalten werden wie auch auf die Ausweitung der "unabhängigen" unprodukti- ven Beschäftigungen und der unproduktiven Tätigkeiten alten Typs 21). Sie macht es weiterhin notwendig, die "Vollautomatisierung" bis zur A u t o m a t i s i e r u n g im strengen Sinne zu ver- vollkommnen (vollständiges Eliminieren der Hand, die mit dem Werkzeug umgeht, aber nicht der menschlichen Korrekturfunktion), und weiter bis zu den heutigen technologischen Grenzen des Fort- schritts der A u t o m a t i o n (Tendenz zur Auflösung der menschlichen Überwachungs- und Korrekturfunktionen an die Werk- zeugmaschine) zu gehen 22). Dieser Entwicklungsprozeß beginnt aber nicht erst heute. Die Wi- dersprüche, die durch die kapitalistischen Bedingungen begründet sind, in denen sich diese Entwicklung vollzieht, sind so stark geworden, daß sie für den Arbeiter offensichtlich werden 23). Die heutigen industriellen Umwälzungen sind in Frankreich wesentlich gekennzeichnet durch das Bemühen der-kapitalistischen Monopole, unter den Umständen der dauerhaften Überakkumulation, die unmit- telbaren Mehrwertquellen kurzfristig massiv anwachsen zu lassen, um alle Arbeiter dem unmittelbaren Profitstreben zu unterwerfen, sowie das gesamte gesellschaftliche Leben einer "rentablen" Akku- mulation unterzuordnen. Auf der einen Seite schrecken die Monopole vor den Schwierigkei- ten, die der Ruin vieler Kleinproduzenten, ausgedehnte Arbeitslo- sigkeit oder die Rückstufung der stark spezialisierten Facharbei- ter in niedrigere Lohngruppen bringen, nur unter dem Druck der Klassenkämpfe der Werktätigen und vor dem sozialen und politi- schen Risiko zurück, weil die staatlich aufzubringenden Kosten für diese kapitalistische Vergeudung viel schwerer wiegen, als kleine Profiteinbußen. Auf der anderen Seite aber bemühen sich die Monopole und ihr Staat, die Arbeiter durch eine geschlossene Haltung (Unternehmerverbände) und verstärkte ideologische Beein- flussung zu entzweien. Aber auch die Aktionen der Arbeiter haben sich verändert: sie legen ein großes Gewicht auf diese Fragen - mit dem wachsenden Kampfgeist der Arbeiter und der sich vergrö- ßernden Solidarität der verschiedenen Gruppen der Werktätigen, die mit immer ähnlicheren Problemen konfrontiert werden 24). Schließlich bevorzugen die Monopole die "Investitionen", die sich auf dem Markt am schnellsten rentieren, einschließlich der Kapi- talexporte, der Spekulation und der Thesauration (= Schatzbil- dung) gegenüber den größeren, feststehenden Investitionen, die zwar technisch am weitesten fortgeschritten, aber nicht "profitabel" gemäß den aktuellen Normen des Marktes sind. Sie be- mühen sich, soweit wie möglich das unausweichliche Anwachsen der gemeinschaftlichen Einrichtungen und der Sozialausgaben, insbe- sondere derjenigen, die die allgemeine Ausbildung und die Grund- lagenforschung betreffen, zu begrenzen. Dennoch würde die technische Entwicklung unter der Einwirkung der Konkurrenz und der sozialen Kämpfe unter den Bedingungen der dau- erhaften Überakkumulation von nun an dahin zielen, sich tendenzi- ell im Sinne der massiven Wertminderung des konstanten Kapitals pro Produkteinheit (d.h. der Arbeit, die in den Produktionsmit- teln enthalten ist), Minderung, gekoppelt an eine Erhöhung der t e c h n i s c h e n Zusammensetzung des Kapitals (Reduzierung der Zahl der produktiven Arbeiter in bezug auf die Menge des an- gewandten konstanten Kapitals zu vollziehen. Diese Umwälzungen hängen zusammen mit dem Zwang zur allmählichen allgemeinen Aus- breitung der industriellen Automation im Rahmen der Entwicklung der weltweiten technischen und wissenschaftlichen Revolution. Das Ganze tendiert dahin, trotz allem einen Bedarf nach beträchtli- cher Erhöhung der Qualifikation der produktiven Arbeiter zu er- zeugen, ein Bedarf nach schnellerer Zunahme der Zahl der Techni- ker, Ingenieure und Führungskräfte (cadres), ein Bedarf nach ver- stärkter Entwicklung der Tätigkeiten, die außerhalb der im stren- gen Sinne materiellen Produktion liegen: Verwaltungstätigkeit, Forschungsarbeit - industrielle und produktionsvorbereitende Ent- wicklung, angewandte und Grundlagenforschung auf allen Gebieten - Bildungsarbeit für jedes Alter, Informationstätigkeit etc.; einen Bedarf nach grundlegender Neuordnung der arbeitsfreien Zeit des Einzelnen: Freizeit, Zeit zur Wiederherstellung der Kräfte, Zeit für Bildung, Zeit für politische und private Betätigungen etc. 25). Die Struktur des staatsmonopolistischen Kapitalismus, charakteri- siert durch die verstärkte gesellschaftliche Macht der privaten Monopole mit entschiedener Unterstützung durch staatliche Mittel bewirkt, daß das gesamte gesellschaftliche Leben vom Streben nach Akkumulation und Profit des Großkapitals beherrscht ist, daß sich die tote, angeeignete Arbeit und Mehrarbeit auf Kosten der leben- digen Arbeiter durchsetzt. Dadurch wirkt diese Struktur als Schranke für den Verlauf der tiefgreifenden technischen Umwälzun- gen und lenkt ab von der unumgänglich notwendigen Verwirklichung technischer Umwälzung oder deformiert sie. Die eventuelle Be- schleunigung einiger dieser "Modernisierungen" vollzieht sich un- ter dem Druck der Konkurrenz und der sozialen Kämpfe auf antago- nistische Art und Weise aufgrund des Wirkens dieser allgemeinen Schranke des (staatsmonopolistischen) Kapitalismus; daher die verkrampfte Entwicklung und die immer stärkere Infragestellung der kapitalistischen Strukturen. Was die industrielle Automation anbetrifft, erleben wir gegenwär- tig eine Verlangsamung der schnellen und notwendigen Erhöhung der technischen Zusammensetzung des Kapitals, sogar in den fortge- schrittensten Bereichen und trotz der offensichtlichen Notwendig- keit des technischen Fortschritts im staatlichen Sektor, wie z.B. dem Bereich der Raumfahrt im Verhältnis zu dem gewaltigen Stand des kapitalistischen Profits. Diese Verlangsamung ist an die - im Vergleich zu den Löhnen - noch zu hohen Preise (und auch den Wert) der Elemente des konstanten Kapitals gebunden, die nicht erlauben, in den Unternehmen Einsparungen vorzunehmen 26). Dennoch läuft die Entwicklung (einschließlich der technologischen Verbesserungen) unter dem Druck der kapitalistischen Konkurrenz und der Kämpfe der Arbeiter in Richtung der Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals. Sie wird gegenwärtig hauptsäch- lich aufgehalten - trotz der aufschlußreichen Zusammenbrüche in der Elektronik, verbunden mit der amerikanischen Rezession von 1969-71 - von den Veränderungen monopolistischer Organisations- Formen und durch staatliche Intervention zugunsten der Monopole, die eine schnelle und sich allgemein verbreitende Inflation er- zeugen, aber gleichzeitig auch die Möglichkeiten einer bis dahin nur latenten Überproduktion verstärken. Diese ökonomischen und sozialen Bedingungen verschärfen auf entschiedene Weise die Schwierigkeit, die Aufrechterhaltung des Stadiums der Teilautoma- tion oder der Halbautomation selbst in den fortgeschrittensten Bereichen technologisch zu rechtfertigen. In diesem Stadium bleibt die Tätigkeit des Überwachens, der Kor- rektur (und des Befehls) des Industriearbeiters, die nun ganz dem vorgeschriebenen Verrichtungsablauf folgt, der den materiellen Produktionsmitteln (als den Trägern der eigentlichen Automations- möglichkeiten) entspricht, in überwiegender Weise die Sache von menschlichen Operateuren mit stärkerer Nerven- und Geistesarbeit, immer noch aufgespalten und streng dem konstanten Kapital in ty- pisch proletarischer Weise untergeordnet 27). Aber die subjektiven Grenzen der proletarischen Operateure, die sich mit der Ausdehnung der Produktionsprozesse entwickeln wer- den, werden zweifellos die Erhöhung der technischen Zusammenset- zung des Kapitals vorantreiben, weil sie das Sinken des Wertes des konstanten Kapitals und eine weniger beschränkte Ausbildung der Arbeiter, entsprechend den Notwendigkeiten der automatisier- teren Maschinen, erforderlich machen. Je mehr die Verringerung der Arbeit, die in den Produktionsmit- teln enthalten ist, oder die Wertsenkung des konstanten Kapitals dahin wirkt, die organische Zusammensetzung des Kapitals herabzu- drücken, und je mehr die Erhöhung der technischen Zusammensetzung spürbar wird, desto mehr werden sich die Probleme der Ausbildung der Menschen und der neuen gesellschaftlichen Organisation ihrer verschiedenen Tätigkeiten zuspitzen. 28) Dann allerdings werden sich auf der allgemeinen Ebene der Tendenz zur Überproduktion die Tendenz zur massiven Arbeitslosigkeit, die ungenügenden Ausgaben für die Qualifikation und die Umschulung, hierin eingeschlossen die Ausbildungszeit der Arbeiter, die unzu- reichenden Bedingungen und die ungenügende Zeit zur Wiederher- stellung der Arbeitskraft im Verhältnis zu den Grenzen der Erhö- hung der Intensität der Arbeit 29), die Tendenz zur Spaltung der Arbeiterschaft und zur Deklassierung, sei es wegen des erforder- lichen qualitativen Niveaus der Verrichtungen, sei es in Verbin- dung mit der Arbeitslosigkeit sehr qualifizierter Arbeiter, Inge- nieure und Führungskräfte 30), verstärken. Das wird immer stärker die Notwendigkeit der staatlichen Intervention enthüllen, die sich auf einer anderen ökonomischen Basis und mit neuen politi- schen und gesellschaftlichen Bestimmungen des Staates einen Weg bahnen muß. In Verbindung mit dem Fortschritt der industriellen Automation und den elektronischen Informationsmaschinerien in anderen ge- sellschaftlichen Tätigkeitsbereichen, widersetzen sich die neuen Bedürfnisse der unproduktiven Arbeit, der Ausbildungs- und Frei- zeit, dem System des Mehrwerts und des Kapitals. Die gesell- schaftliche Notwendigkeit und Erfordernis erwachsen aus einem Sy- stem, das den Fortschritt der Produktivität wesentlich auf der Entwicklung der Fähigkeiten der Arbeiter aufbaut und das Ziel hat, die Entwicklung dieser Fähigkeiten zu bestimmen, d.h. das dringende Bedürfnis des revolutionären Schritts zum Kollektivsy- stem und sogar des allmählichen Schritts zur klassisch-kommuni- stischen Form, in dem jede Form des Kapitalismus vollständig überwunden wird. Außerdem verstärken die neuen Produktionsmittel, insbesondere jene, die außerhalb der streng materiellen Produkti- onssphäre liegen und die sich immer mehr auf die Informations- technologie gründen, die auf die Elektronenrechner zurückgeht, die Mittel und die Notwendigkeiten des flüssigsten Informations- austausches und der größten Verteilung der Verantwortlichkeiten. Sie verstärken also die Möglichkeiten und die Erfordernisse einer wahren Demokratie, nicht nur in den Produktionsunternehmen und ihrer Leitung, sondern auch in der staatlichen Verwaltung und in den anderen Bereichen gesellschaftlicher Tätigkeit. Im Gegensatz zum wachsenden Bedürfnis nach einer wirklichen Mitbestimmung in allen Bereichen bemüht sich die herrschende Klasse bereits, die neuen technischen Möglichkeiten zu verwerten, um die Profitzwänge unter dem Vorwand einer angeblichen Rationalität der behandelten Probleme besser durchzusetzen. Daher die Dringlichkeit der Ver- stärkung und Differenzierung des ideologischen Kampfes gegen die Integration im Sinne der Ziele der Monopole und der Betonung, daß mehr Demokratie notwendig ist, je weiter die Entwicklung der Pro- duktivkräfte fortschreitet. Schon jetzt tendiert die staatliche Intervention - unter dem Druck der internationalen Konkurrenz und der Arbeiterkämpfe - im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, (was z.B. die Be- rufsausbildung und Bildung, die Umschulung und die permanente Ausbildung etc. angeht,) dahin, sich auszuweiten. Dennoch sind in Anbetracht der Herrschaft der kapitalistischen Monopole nicht nur die Maßnahmen hinsichtlich der Notwendigkeiten des technischen Fortschritts und der Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeiter quantiativ sehr unzureichend, sondern sie begründen sogar noch eine direktere und engere Intervention der Privatinteressen der Großbourgeoisie in der Verwendung der Steuergelder und der Lei- tung des staatlichen Bildungswesens. Daraus resultieren die Ten- denzen zur Zersplitterung der Ausbildungsgänge und zur Differen- zierung der Berufssparten untereinander. Die besondere Be- schränktheit der ergriffenen Maßnahmen und die Unsicherheit ihrer Ergebnisse folgen aus der Tatsache, daß sie die Menschen als ein- fache Anhängsel der kapitalistischen Maschinerien behandeln. Schließlich begünstigen sie das Anwachsen des ökonomischen und ideologischen Drucks der Großbourgeoisie auf die Arbeiter 31). Wie dem auch sei, der Fortschritt der modernen industriellen Or- ganisationsformen, mehr oder weniger an den Fortschritt der Auto- mation gebunden, zieht im kapitalistischen Rahmen eine Neigung zur wachsenden Unterordnung aller unproduktiven Tätigkeiten - Er- ziehung, Forschung, Verwaltung - unter die ökonomischen Zwänge der Monopole nach sich. Aber unter diesen Bedingungen verstärkt sich auch die Notwendig- keit nach einer Verbindung "materielle Produktion - andere Tätig- keiten" auf kollektiver und demokratischer Basis, die auf die Verstaatlichung der Hauptproduktionsmittel gegründet ist. Alle Reformen zur "Modernisierung", die die Herrschenden unter den Bedingungen der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus durchzuführen versuchen, tragen im wesentlichen unvollständigen Charakter. Sie sind durch eine sehr ungenügende Finanzierung und durch ihren gesellschaftlich antagonistischen Inhalt gekennzeich- net. Da sie den Monopolen durch den Fortschritt der Klassenkämpfe der Arbeiter aufgezwungen und in der Konkurrenz zum Überleben der Monopole notwendig sind, werden diese Reformen - als Ausdruck der Strukturkrise - nicht dazu beitragen, den staatsmonopolistischen Kapitalismus zu stärken. Weil sie grundsätzlich unzureichend und antagonistisch sind, tendieren sie im Gegenteil dazu, in der Pra- xis und für die breiten Massen die von dem System selbst aufer- legten Grenzen, die konkrete Unvereinbarkeit der Herrschaft der Monopole im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus mit den echten, notwendigen revolutionär verändernden Reformen aufzu- decken. Die Massen erfahren den Widerspruch zwischen den hoch- trabenden Versprechen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter- schaft, mit denen die Minister Frankreichs nicht geizen, oder den theoretischen, wahrhaft erstaunlichen Möglichkeiten des gegenwär- tigen technischen Fortschritts einerseits und den tatsächlichen Geschehnissen und Maßnahmen andererseits. Die jeweilige Be- schränktheit der Reformen zeigt am besten die Entfremdung, Kärg- lichkeit und Unsicherheit, durch die sie im Ganzen charakteri- siert sind. Sie zeigt, daß Verbesserungen der Lage der Arbeiter nur unter dem Druck der Arbeiterschaft von der Ausbeuterregierung zugestanden werden. Das trägt dazu bei, daß diese Herrschaft im- mer weniger ertragen wird. Die Aktionseinheit aller Gruppen der Werktätigen gegen die tiefgreifenden Schwierigkeiten des Systems werden verstärkt gegen die wachsende Vorherrschaft der Monopole im staatsmonopolistischen Kapitalismus, der sich in der Krise be- findet. b) Einige Probleme, die sich auf Grund der vermehrten Bildung ------------------------------------------------------------- supranationaler Konzerne und der Krise des staatsmonopolistischen ----------------------------------------------------------------- Währungssystems stellen ----------------------- Die Anpassungsversuche des staatsmonopolistischen Kapitalismus an die Internationalisierungstendenzen der Produktion und an die Verallgemeinerung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts, widerspiegeln neue Dimensionen der gegenwärtigen Probleme, die an die beschleunigte Vergesellschaftung der Produk- tivkräfte gebunden sind, jedoch gerade dies zu verhindern versu- chen. Die mächtigsten kosmopolitischen Monopole arbeiten hier wie in anderen Bereichen darauf hin, ihre Herrschaft zu stärken und gegen die demokratischen, antimonopolistischen Umwälzungen Vor- sorge zu treffen. Die Expansion der Supranationalen monopolistischen Unternehmen bringt nicht die Lösung der relativ dauerhaften Überproduktion, und damit der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Sie läßt die dazu notwendige massive und anhaltende Verminderung der Akkumulation des konstanten Kapitals nicht zu. In der Tat ist es so, daß wenn sie dazu neigt, die Akkumulation dieses oder jenes ausgeschalteten Unternehmens zu verringern oder die "Spar- maßnahmen" zu vergrößern, dann um ihre Globalakkumulation zu erhöhen. Außerdem trägt die Expansion dazu bei, die Unzulänglich- keit der staatlichen Interventionen dadurch zu vergrößern, daß sie den Widerstand der monopolistischen Struktur gegen die natio- nale Vollbeschäftigungspolitik, gemeinnützige Aktivitäten und Einrichtungen im Interesse der Arbeiter der einzelnen Länder ver- stärken, je mehr sich ihr supranationaler Charakter zuspitzt. Die Verdichtung des Netzwerkes ausländischer Neugründungen entspricht den kosmopolitischen Strategien und verschärft den Widerspruch zwischen dem Streben nach größtmöglichen Profiten und gesell- schaftlichen Schwierigkeiten (und deren nationaler Bewältigung). Die spekulative Profit- und Kapitalflucht ist stark erleichtert worden. Gewinn- und Produktionsausfälle aufgrund monopolistischer Konkurrenz werden nicht verhindert, sondern können sogar noch verstärkt werden 32). Die aktuelle gegenseitige Durchdringung der kapitalistischen Wirtschaftssysteme enthüllt bereits im Gemeinsa- men Markt der EWG die Empfindlichkeit gegenüber ausländischen Schwierigkeiten, die abnehmende Wirksamkeit nationaler Konjunk- turpolitik, die anwachsende Konkurrenz der "gemeinsamen" Produk- tion, (weitaus bedeutender als die Konkurrenz durch Importe der Gemeinschaft) im Rahmen der tiefgreifenden Überakkumulation mit dauerhafter Tendenz. Es ist besonders notwendig, die Illusion zu bekämpfen, die aktu- ellen Schwierigkeiten der Überproduktion des Kapitals und insbe- sondere der Krise des kapitalistischen Währungssystems seien durch eine europäische Währungsintegration zu lösen. Alle Lösungsversuche über die Veränderung der Währungsparitäten, die seit 1968 vor allem unter dem Druck der Vereinigten Staaten angegangen wurden, haben sich bereits im wesentlichen als unwirk- sam herausgestellt, denn sie berühren nicht die wirklichen Grund- lagen der Defizite der Zahlungsbilanzen, der Spekulationen und der sich gegenwärtig allgemein verbreitenden Inflation. Die rela- tiv dauerhafte Überakkumulation des Monopolkapitals und die wech- selseitigen, verstärkten inflationären Tendenzen der staatlich geförderten Profite und Akkumulation sind die wirklichen Grundla- gen, nicht die Währungsoder Haushaltspolitik selbst, losgelöst von den Produktionsverhältnissen des staatsmonopolistischen Kapi- talismus, handele es sich nun um die Politik "expansionistischer" Tendenz (der Profite und des Kapitals) die die Gesamtheit der ka- pitalistischen Länder und insbesondere die Vereinigten Staaten kennzeichnet, oder um dämpfende Maßnahmen einer "Stabilisie- rungs"-Politik. Die Vereinigten Staaten behaupten als Erwiderung auf die Kritik ihrer imperialistischen Kumpane 33), daß ihre außenpolitischen Militärausgaben ihr Defizit verursachen würden, daß diese eine Bürde seien, die ungerechterweise von ihnen allein im Interesse der anderen Länder der freien Welt getragen würde. Oder sie ver- sichern gar aus dem Munde gewisser Experten, daß ihre expansioni- stische Währungspolitik die gesamte kapitalistische Welt an- treibe. Sie beanstanden demgegenüber den Eigennutz der nicht kon- zertierten Politik der anderen imperialistischen Mächte hinsicht- lich des Zinsfußes und der Stabilisierungsmaßnahmen. In Wirklich- keit vergessen alle Imperialisten und ihre Repräsentanten, daß die Politik des staatlichen Ansporns in den Vereinigten Staaten wie auch anderswo (auch in Bezug auf die Militärausgaben) eine solche Situation in den Jahren 1944-1958 nicht nach sich zog. Sie vergessen, daß nach 1958 der Schritt zur dauerhaften Überakkumu- lation erst allmählich die beschleunigte Inflation erzeugt hat, auch in den Vereinigten Staaten, und d a n n die Tendenzen zum Kapitalüberschuß und zur w e l t w e i t e n Überproduktion. Auf dieser Basis hat sich zunächst der amerikanische Handelsüber- schuß verringert, was einen Widerspruch darstellt zu der zentra- len Rolle, die der Dollar einnimmt. Gleichzeitig haben sich die amerikanischen Militärausgaben im Ausland und die Kapitalexporte der USA sehr vergrößert: daher das Ausmaß und die Verschlechte- rung der negativen Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten gleich- zeitig mit der Vergrößerung der Masse überzähliger Dollars außer- halb der Vereinigten Staaten 34). Die Krise des kapitalistischen Währungssystems und des Dollars kommt im Jahre 1968 mit der Schaffung des doppelten Goldmarktes 35) zum Ausdruck. Enorme Mengen von flüssigem supranationalem Kapital haben sich schnell gebildet, während die Tendenzen zur Spekulation und zur Thesauration sich entwickelten und die Kämpfe um Absatzmärkte sich belebten. Die Krise des Währungssystems drückt die dauer- hafte Überakkumulation und die Strukturkrise des staatsmonopoli- stischen Kapitalismus aus. Es sind die kapitalistischen Produkti- onsverhältnisse im heutigen Stadium des Imperialismus, die in Frage stehen und nicht einfach Politik, selbst wenn es sich um die Politik der Weltvorherrschaft der Vereinigten Staaten han- delt. Unter den aktuellen Bedingungen, der dauerhaften Überakkumulation und der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus, verschär- fen sich die Differenzen zwischen den objektiven Situationen der verschiedenen Länder immer mehr, denn sie betreiben die Wirt- schaftspolitik dazu, sich selbst zuzuarbeiten und die Schwierig- keiten der Nachbarn zu vergrößern. Das Bestreben nach Absprache und Einheit wächst auch an, aber gleichzeitig die Möglichkeiten der Herrschaft der Stärkeren über die Schwächeren unter dem Vor- wand der Koordination. Der interimperialistische Kampf zwischen den Gruppen des Monopolkapitals verhindert übrigens jegliche Ko- ordination im gegenseitigen Interesse. Ohne aufzuhören, sich zu bekämpfen, versuchen die Kapitalisten, sich auf dem Rücken der Völker zu einigen. Aber sie versuchen trotzdem mehr denn je, die wachsenden ökonomischen sozialen und politischen Risiken auf die Bevölkerung der Nachbarstaaten abzuwälzen. Ihre Kämpfe wie ihre Übereinstimmungen berücksichtigen in keiner Weise die Interessen der verschiedenen Gruppen der Werktätigen und der Nationen - sie verfolgen nur ihre Kapital Interessen - trotz all ihrer Proklamationen bezüglich des nationalen Interes- ses. Die aktuelle Währungssituation (Frühjahr 1971) bringt die Bestä- tigung dieser tendenziellen Verschärfung der interimperialisti- schen ökonomischen Widersprüche. Die Dollarkrise hat sich mehr als je zuvor verschärft. Am Ende des 1. Quartals 1971 erwies sich der Überschuß der Han- delsbilanz der Vereinigten Staaten noch als geringer als der im 1. Quartal 1970 36). Im April und Mai hat die Spekulation direkt und massiv zur Schwächung des Dollars geführt, da vor allem auf die DM gesetzt wurde. Goldverkäufe wurden vom I.W.F. (Inter- nationaler Währungsfonds) in 14 Länder und sogar vom ameri- kanischen Schatzamt an verschiedene Zentralbanken getätigt, und der Goldpreis erhöhte sich auf dem freien Markt 37). Vor der Not- wendigkeit, den Dollarfluß zu bremsen, sind die Brüsseler Abkom- men vom Februar zwischen den Sechs des Gemeinsamen Marktes, die den (sehr progressiven) Schritt zu einer Währungsunion vorsahen (der eventuell einen Neubeginn möglich gemacht hätte), direkt er- probt worden 38). Was die Perspektive angeht, die die Brüsseler Abkommen eröffnet haben, so darf man weder die Verschleierung ihrer Bedeutung über- sehen, noch den Beteuerungen glauben, daß sie den Charakter eines unwiederbringlichen Prozesses hätten, der zu einer echten, ein- heitlichen europäischen Währung führt. Aufgrund der Angst vor der Entwicklung der interimperialistischen Widersprüche wie auch der damit zusammenhängenden Möglichkeiten des Widerstandes der Bevöl- kerung der Länder sind die Abkommen nur sehr graduell und rück- fällig geblieben 39). Sehr schnell haben sich die unmittelbaren Schwierigkeiten als viel schwerwiegender als vorhergesehen erwie- sen - mit der Krise vom Mai 1971 und der französisch-deutschen Währungsspannung. Während das Bestreben nach einer Währungs- und Haushaltsübereinstimmung etc. bleibt, insbesondere die gegenwär- tigen deutschen Bestrebungen nach einer Stabilisierungspolitik, hat sich der amerikanische Einfluß in Europa noch verstärkt, der sich bisher hauptsächlich auf Großbritannien beschränkt hatte. Wie dem auch sei, eine europäische Währungsunion, wird, wenn sie geschaffen werden sollte und wie auch immer ihre Form sein mag, weder die Spekulation beenden und eine Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten garantieren, noch die Krise des kapitali- stischen Währungssystems zu lösen vermögen. Entweder zielt eine derartige, ziemlich lockere Währungsunion darauf ab, die Herrschaft des Dollars zu unterstützen und damit das Defizit der Vereinigten Staaten für das Anwachsen ihrer Herr- schaftsbemühungen in der europäischen Industrie auszunutzen. Oder aber, sie riskiert, die Widersprüche zwischen den Europäern zu vergrößern und gleichzeitig die amerikanische Vorherrschaft im In- und Ausland zu bekämpfen, was sehr viel härter wäre 40). In den beiden Fällen wird sich hinsichtlich der relativ dauerhaf- ten Überakkumulation die Notwendigkeit der Dollarbewertung im Verhältnis zum Gold verstärken: - sei es - langfristig - allein der allgemeine Druck der Tenden- zen zu divergierenden Preis- und Währungsentwicklungen, zur Über- produktion, zur Spekulation, zur Thesauration; - sei es - kurzfristiger - neben diesem allgemeinen Druck, die Auswirkung einer strafferen europäischen Währungsunion mit bei- spielsweise einer Handelsunion. Aber dann würde trotz der Finanz- verluste, die sich aus der massiven Abwertung des Geldkapitals ergeben würden - diese Abwertung auf ungeheure Weise die Konkur- renz der Produktion der Vereinigten Staaten verstärken. In beiden Fällen würde das Sinken der Goldpreise und die weltweiten Kapi- talverluste die Tendenz zur Thesauration und zur Arbeitslosigkeit verstärken, weil die notwendigen tiefgreifenden antimonopolisti- schen demokratischen Umwälzungen nicht durchgeführt werden. In beiden Fällen werden auf verschiedene Art und Weise die Vereinig- ten Staaten ihre Vorherrschaft und Durchdringung der ausländi- schen Produktion verstärken, während die interimperialistischen Widersprüche sich ebenfalls verschärfen werden. Im Augenblick haben sich die kapitalistischen Interessengegen- sätze zwischen der BRD und Frankreich bestätigt, gegenüber dem Druck der Vereinigten Staaten, die sich auf die vage Spekulation einer größeren Währungsflexibilität, die eine tatsächliche Neufestsetzung der europäischen Währungen mit sich bringt und das Verhältnis des Dollars zum Gold unberührt läßt, festgelegt haben. Der Kompromiß des "vorübergehenden Floating" der D-Mark (und des niederländischen Guldens) steht in direktem Gegensatz zu den Brüsseler Abkommen über die Annäherung der Währungen. Die in- terimperialistischen Widersprüche haben sich angesichts der un- terschiedlichen, wenn nicht sogar relativ auseinandergehenden Rentabilitäts- und Inflationsbedingungen zwischen den beiden Län- dern zugespitzt. Auf diese Weise wurde durch die Schwäche des Franc und die relative Konkurrenzlage der in Frankreich ansässi- gen Monopolisten riskiert, Frankreich in eine D-Mark-Scheinzone (quasi-zone mark) eintreten zu lassen, wenn der Franc dem Floa- ting gefolgt wäre 41). Umgekehrt war die Entwicklung des Kapital- und Warenverkehrs zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Rest der kapitalistischen Welt aufs Spiel gesetzt, besonders aber der Warenverkehr mit den Vereinigten Staaten - die übrigens die BRD besonders bevorzugen, weil hier insbesondere langfristige Ka- pitalexporte gute Gewinne erbracht haben - durch eine direkte Be- schränkung der Kapitalbewegung in Deutschland; oder aber diese Beschränkungen wären nicht praktikabel gewesen. Aber auch das neue und übereilte französisch-britische Abkommen über das Pfund Sterlin wird mit Großbritannien keinen neutralen Schiedsrichter in den gemeinsamen Markt eintreten lassen. Im Gegenteil, die Divergenzmöglichkeiten werden sich vergrößern, während sich vor allem der Einfluß der Vereinigten Staaten (deren besondere Verbindungen zu Großbritannien bekannt sind) auf die "Koordination" der Währungs- und Haushaltspolitik der bedeutend- sten imperialistischen Mächte, z.B. im Rahmen der O.E.C.D., erhö- hen wird. Gleichzeitig mit den stärker werdenden Zoll- und Handelskriegs- drohungen, erhöhte sich mehr und mehr der Druck der Vereinigten Staaten bezüglich einer Liberalisierung des Handels zu ihren Gun- sten. Während allein Westdeutschland oder Japan die USA wirklich beunruhigen können 42), erscheint Frankreich schwach in diesen weltweiten Auseinandersetzungen und Verbindungen 43). Die franzö- sischen "Drohungen" in Bezug auf die Außenhandelsbeschränkungen sind illusorisch, aufgrund der wachsenden Abhängigkeit der Wirt- schaftspolitik der französischen Regierung gegenüber dem Waren- austausch und den ausländischen Währungsvereinbarungen im Rahmen der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus; auch aufgrund des Interesses Westdeutschlands am Handel mit den Vereinigten Staaten und den von ihnen abhängigen Ländern. Allein eine antimo- nopolistische Demokratie, die in Frankreich errichtet wird, könnte sich auf die Ausdehnung des Binnenmarktes stützen, um eine unabhängige Politik der Zusammenarbeit zu machen. Eine solche De- mokratie, übrigens weit entfernt davon, die Übereinkünfte inter- nationaler Koordination und selbst der Koproduktion zu verhin- dern, könnte sich hinsichtlich wirtschaftlicher Infrastrukturen (Transporte, Energie, Verkehr) oder sogar der Entwicklungs- und Wissenschaftsforschung auf die Tendenzen zur Vergesellschaftung auf internationaler Ebene stützen, um die Beschränktheit Westeu- ropas zu überwinden. Sie könnte auf diesen Gebieten auf gesamteu- ropäischer Ebene, auch mit den sozialistischen Ländern, unter Be- achtung des gegenseitigen Vorteils zusammenarbeiten. Zudem könnte eine sehr enge Koordination im Interesse der Arbeiter, in der Produktion und der Planung auch in engerem Rahmen verwirklicht werden - unter der Voraussetzung demokratischer Umwälzungen bei den unmittelbaren Nachbarn. Das Bestreben, zu einer gegenseitigen Unterstützung und einer mehr oder weniger vorangetriebenen Koordination der Währungs- und Haushaltspolitik der mächtigsten monopolistischen Staaten auf eu- ropäischer und eventuell auf der Ebene des O.E.C.D. zu gelangen, manifestiert sich trotz der Widersprüche unter den Bedingungen der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus. In dem Maß, wie diese Koordination im Rahmen der Schwierigkeiten der Kapital- akkumulation, praktikabel sein wird wird sie die Ansprüche der stärksten supranationalen Monopolgruppen verstärken, ohne deren Kämpfe einzustellen. Sie wird - mit einer staatlichen Wirt- schaftspolitik, die nicht demokratisch geführt und kontrolliert wird - die Trennung zwischen den Bedürfnissen aller Gruppen von Werktätigen, zwischen den verschiedenen Produktions-Bereichen und den verschiedenen Regionen in jeder Nation verschärfen. Das Scheitern der "Reformen" im Rahmen des staatsmonopolistischen Ka- pitalismus wird in Verbindung mit entmystifizierenden politischen Kämpfen auch in diesem Bereich die Notwendigkeit des Übergangs zur fortschrittlichen Demokratie 44) verstärken. In jedem Fall bedeutet eine entschlossen entmystifizierende Haltung nicht Ab- stinenz vom demokratischen Kampf und von den Bemühungen um inter- nationale Koordination der Kämpfe der Arbeiter und der demokrati- schen Kräfte im Rahmen neuer Bedingungen, neuer Politik und even- tuell neuer Währungsinstitutionen. Auch könnte die fortschrittli- che Demokratie dann diese oder jene neue Form benutzen, diese oder jene Technik, darunter auch jene, die auf die Koordination der Währungs- und Haushaltspolitik oder gar der Planungen 45) ab- zielen. Auf allen innen- und außenpolitischen Gebieten werden reaktionäre Reformen von den herrschenden Klassen mit Verbissenheit immer weiter versucht und verfolgt. Sie werden im wesentlichen machtlos bleiben angesichts der Überakkumulation, die sie schließlich ver- stärken werden. Indessen werden sie durch ihr allgemeines Schei- tern dazu beitragen, auf Grund eines intensiven ideologischen Kampfes, die Notwendigkeit von systematisch antimonopolistischen Umwälzungen zu verstärken. Und selbst die wesentlichen Grenzen des besonderen Inhalts jeder praktizierten Reform, werden dazu beitragen, die wahren demokratischen Lösungen genauer zu er- forschen und die demokratischen Ansätze und Theorien von falschen, opportunistischen, technokratischen oder utopischen Lö- sungen freimachen. 3. Ein realistisches Erneuerungsprogramm, das ökonomische --------------------------------------------------------- und politische Demokratie gewährleisten soll, muß notwendig ----------------------------------------------------------- systematisch antimonopolistisch sein ------------------------------------ a) Von der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus zu einem ----------------------------------------------------------------- wirklich demokratischen Wirtschafts-und politischen Programm ------------------------------------------------------------ Aufgrund der Entwicklung der Analyse der Krise des staatsmonopo- listischen Kapitalismus ist es möglich, ein theoretisches Pro- gramm für die fortschrittliche Demokratie aufzustellen, das von den heutigen Problemen, der nationalen Krise, von der Unzufrie- denheit und den großen Hoffnungen der Massen ausgeht. Die Analyse zeigt, daß es weder darum geht durch Gewalttätigkeit einer Min- derheit die Krise zu verschärfen, noch darum, die Strukturkrise auf eine Krise der Doktrin und Personalpolitik mit Perspektive auf die Wahlen zu beschränken. Die Analyse der Krise des staats- monopolistischen Kapitalismus trägt dazu bei, auf rationelle Art und Weise die Kriterien für ein Programm der Werktätigen und an- deren demokratischen Kräfte, sowohl bezüglich der Mittel als auch der Ziele zu bestimmen, so daß die Realisierung dieses Programmes wirklich den ernsten objektiven Schwierigkeiten und den Erwartun- gen und Hoffnungen der Massen gerecht werden kann, indem es mit dem staatsmonopolistischen Kapitalismus selbst und nicht nur mit seinem Flickwerk Schluß macht und so den Weg zum Sozialismus un- ter hiesigen und heutigen Bedingungen frei macht. Man hat es schon erkannt: alle Schichten innerhalb der werktäti- gen Bevölkerung fühlen in wachsendem Maße tiefes Unbehagen und wünschen tiefgreifende Veränderungen. - Nicht nur alle Gruppen der Lohnarbeiter, die zahlenmäßig immer weiter zunehmen 46), son- dern auch das Kleinbürgertum in Stadt und Land, das 1968/69 noch den Gaullismus unterstützte. Trotzdem bleibt noch eine große An- zahl von Werktätigen, vor allem in den "oberen" Schichten der An- gestellten und im Kleinbürgertum - und nicht nur dort - die, ob- wohl sie vom "Unbehagen" und von der "Zivilisationskrise" berührt sind, immer noch den "Reformen" der Herrschenden ihr Vertrauen schenken, oder doch wenigstens mehr daran glauben, als an die Al- ternativen, die zur Zeit von den werktätigen und anderen demokra- tischen Kräften aufgezeigt werden, oder sie bleiben völlig pas- siv, weil sie keinen erfolgversprechenden Ausweg sehen. Diese Be- völkerungsgruppen werden in zunehmendem Maße von der tendenziell andauernden Unordnung berührt und betroffen. Sie werden sich dann erst von den herrschenden Zuständen losreißen, und aus ihrer be- sorgten Passivität herauskommen, wenn ihnen bewußt wird, daß die kapitalistischen Monopole und deren staatlich ausgeübte Macht verantwortlich sind für diese Unordnung und diese Schwierigkei- ten, ja daß diese weiterhin auch verantwortlich sind für alle linksradikalen Auswüchse, weil sie nicht in der Lage sind zu den Problemen unserer Zeit wirkliche Lösungen zu finden und immer wieder ihrem Wesen nach unzulängliche "Reformen" anbieten oder zu repressiven Maßnahmen greifen müssen. Im Gegensatz dazu werden die Werktätigen und anderen demokrati- schen Kräfte, deren Einheitlichkeit zunehmend organisatorische Form finden wird und auf ein wirkliches Einheitsprogramm gestützt wird, sich als der einzige Garant demokratischer Ordnung und ent- schiedenen Widerstandes der gesamten Nation herausstellen, und die konstruktiven Energien der Massen freisetzen. Die politische, massenmobilisierende Tragweite der kühnen Perspektiven der fort- schrittlichen (ökonomischen, politischen und kulturellen) Demo- kratie, der detaillierten, ausgearbeiteten Antwort auf die Hoff- nungen der Werktätigen, ihre "Glaubwürdigkeit", werden immer grö- ßer und damit werden auch die konkreten Perspektiven des Weges zum Sozialismus unter den in Frankreich herrschenden Bedingungen immer realer. Die Erfordernisse des wirklichen sozialen Fortschritts und die fundamentalen (systemimmanenten) Hindernisse auf die er trifft, werden immer weiter aufgedeckt durch die Krise des staatsmonopo- listischen Kapitalismus in unserem Land. Sie sind die reale Ba- sis, auf der wir das tiefgreifend erneuernde Programm erarbeiten, das wir als Programm für die fortschrittliche Demokratie vorle- gen. Die sozioökonomischen Ziele des Programms entsprechen genau den sich zur Zeit verschlimmernden Unzulänglichkeiten in der Be- friedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung und den sich auswei- tenden Kämpfen der Arbeiter. Es geht in dem Programm um Löhne und Kaufkraft, Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, 5-Tage-Woche, Urlaub und Pensionsalter. Aber es geht darüberhinaus auch um die Lebens- bedingungen, den Verkehr, die Wohnbedingungen, das Gesundheitswe- sen und die Sozialversicherungen, die Erziehung in allen Erzie- hungs- und Ausbildungsbereichen, um die Weiterbildung, Freizeit und Freizeitgestaltung. Es geht um eine Anti-Arbeitslosigkeits- "politik" und demokratisch geplante Übergänge und Umschulungen zwischen verschiedenen Berufen und Arbeitsplätzen, um Berufsbil- dung und den Zugang der Jugend zu neuen Berufen, um ein ausgegli- chenes Verhältnis der Entwicklung von Stadt und Land etc. ... Das heißt im Gegensatz zu den Einwänden des kapitalistischen Manage- ments, das nur die Hindernisse der Profitgier der monopolisti- schen Akkumulation sieht, daß an allen Fronten massive demokrati- sche Fortschritte trotzdem notwendig und möglich sind. Bisher konnten wichtige Siege durch die Kämpfe der Arbeiter er- rungen werden - nicht nur in Bezug auf Löhne und Arbeitsbedingun- gen, sondern auch in Bezug auf soziale Errungenschaften auf na- tionaler Ebene 47). Trotzdem - die Bewußtwerdung in diesen Kämp- fen, die begrenzten Resultate, die wesentlichen Hindernisse und die Schlagkraft der vereinigten Massen tragen dazu bei, aufzuzei- gen und zu klären, welches die Voraussetzungen für bestimmte so- ziale Errungenschaften sind: Eine strukturelle Transformation des gesamten Systems, die erst durch die Machtübernahme der werktäti- gen und anderen demokratischen Kräfte möglich wird, die sich auf die Verstaatlichung der Banken und der Schlüsselindustrien stützt! Die verschiedenen sozialen Errungenschaften, die systematisch und groß angelegt, zu einer Gesamtkonzeption vereinigt sind, stützen sich darüberhinaus gegenseitig und leisten einen wichtigen Bei- trag zur Beschleunigung der Zunahmen der Arbeitsproduktivität un- ter den modernen technologischen Bedingungen, unter der Voraus- setzung, daß auf der Basis der antimonopolistischen Verstaatli- chung und ihrer fortschreitenden Ausweitung die Befriedigung der Bedürfnisse der Werktätigen Stück für Stück in den Mittelpunkt der Wirtschaft gestellt wird, anstelle des Profitinteresses und der kapitalistischen Akkumulation. Nicht nur die Schranken der Produktion, die durch die Vorherr- schaft des monopolistischen Profitstrebens bedingt sind, werden durch die antimonopolistische Verstaatlichung der Banken und Schlüsselindustrien beseitigt. Es fallen dadurch auch die Gewinne weg, die große Unternehmen mit der Verschwendungs- und Vernich- tungswirtschaft erzielten 48). Schließlich fallen die Verluste der heutigen Industrie durch verstärkte Rationalisierung und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die durch die antimono- polistische Verstaatlichung erreicht wird, weg 49). Die Wei- terentwicklung auf allen Gebieten und die planmäßige Verwendung aller menschlichen Fähigkeiten des Landes garantieren eine konti- nuierliche Entwicklung. b) Die Verstaatlichung der Monopole der Schlüsselindustrien ist --------------------------------------------------------------- der Mittelpunkt des Programmes der fortschrittlichen Demokratie --------------------------------------------------------------- Die Erkenntnis, daß die Grundlage der Krise des staatsmonopoli- stischen Kapitalismus in der relativ dauerhaften Überakkumulation von Kapital zu suchen ist, erlaubtes, gegen die von der monopoli- stischen Bourgeoisie und ihrer staatlichen Macht verbreiteten Il- lusionen zu kämpfen, daß es eine Möglichkeit der Stabilisierung gäbe, daß es möglich wäre, aus den anhaltenden Schwierigkeiten durch die Einführung einer "neuen Gesellschaft" herauszukommen, und die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse innerhalb des kapi- talistischen Systems durch kapitalistische Reformen sicherzustel- len. Gleichzeitig stellt sich die marxistische Analyse des staatsmono- polistischen Kapitalismus gegen die mehr oder weniger reaktio- nären oder rechts-reformistischen Illusionen im Schlepptau der Großbourgeoisie, die an die umwälzende Kraft von Reformen und Veränderungen in der Personalstruktur der Regierungen glauben, die die ökonomische Basis, die durch das private monopolistische Eigentum gekennzeichnet ist, unberührt lassen. Die Analyse der Überakkumulation des Kapitals legt besonderen Akzent auf die M i n i m a l s c h w e l l e einer antimonopolistischen Natio- nalisierung, durch die garantiert ist, daß die Akkumulation und der monopolistische Profit nicht mehr die gesamte nationale Wirt- schaft beherrschen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine quan- titative Schwelle, z.B. die zahlenmäßige Mehrheit des Gesamtkapi- tals. Die Analyse zeigt auch, daß es vor allem die Produktionsbe- reiche sind, in denen das Schwergewicht der Kosten auf dem kon- stanten Kapital liegt - besonders in der Form von Maschinensyste- men -, und die Bereiche, in denen das Schwergewicht der Kosten in der Forschung und anderen nicht-produktiven Arbeiten liegt, zu den Schlüsselbereichen gehören, die heute für die dauerhafte Überakkumulation verantwortlich sind. Es sind weiterhin die Grundstoffindustrien und die am stärksten monopolisierten Berei- che, die vom Wucher und mit Hilfe staatlicher Subventionen leben 50). Weiterhin muß das Kreditwesen und der gesamte Finanzsektor verstaatlicht werden, damit die gesamte Wirtschaft des Landes kontrolliert werden und auf die neuen Ziele in Zusammenhang mit der Vorherrschaft des staatlichen industriellen Sektors orien- tiert werden kann 51). Die Theorie der Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus macht es auch möglich, die linksradikalen Illusionen zu bekämp- fen, die weder die revolutionäre Tragweite dieser Verstaatli- chungsschwelle - wichtigstes Charakteristikum dessen, was wir "fortschrittliche Demokratie" nennen - erkennen, noch die Mög- lichkeit und die Notwendigkeit des Weges zum Sozialismus von die- ser "Phase revolutionärer Umgestaltung" aus. Die opportunisti- schen linken Konzeptionen ergänzen so die rechten Meinungen - die sagen, daß eine fortschreitende Einführung des Sozialismus mög- lich sei, obwohl ein privater monopolistischer Bereich weiterhin die Mehrheit im Staate hält, höchstens "eingedämmt" wird durch gewisse Planifikationsmaßnahmen -, wenn sie auf geradezu mystifi- zierende Weise auf der "Selbstverwaltung" und der Arbeiterkon- trolle auf betrieblicher Ebene bestehen 52). Diese Konzeptionen machen die demokratische Verwaltung und die wirkliche Arbeiter- kontrolle in der Industrie von vornherein unmöglich, da diese nur durch die Verstaatlichung beträchtlicher Teile der nationalen Mo- nopole möglich ist, durch die demokratische Umgestaltung des Staates und durch eine wirklich nationale Planung, verbunden mit den Möglichkeiten technischer und ökonomischer Dezentralisierung, die eng mit dem Grad des Fortschrittes der technischen Revolution zusammenhängen. In Bezug auf die Umsetzung und Realisierung der sozialen Ziele des Programms der fortschrittlichen Demokratie, muß betont wer- den, daß noch weitere Verstaatlichungen folgen müssen. Ihr Ausmaß ist die Grundlage für demokratische Planung und Verwaltung. Wenn man die Krise des staatsmonopolistischen Kapitalismus durch die Überakkumulation erklärt, ist sofort deutlich, daß eine punktu- elle Verstaatlichung auch im Bereich der Schlüsselindustrien die von gewissen Leuten vorgeschlagen wird, absolut unnütz wäre. Sie würde das Profit- und Akkumulationsstreben der privaten monopoli- stischen Strukturen erhalten und objektiv nur den staatsmonopoli- stischen Kapitalismus stützen und erhalten, auch wenn man diese Unterstützung "sozialistisch" nennt. Weiterhin würde die Ver- staatlichung eine demokratische Neuordnung in allen Bereichen möglich machen, was besonders im Bereich der Finanzen dringend nötig ist. Die weitere zukünftige Ausdehnung der Verstaatlichung, die notwendig wird um alle Hindernisse zu beseitigen, die der Re- alisierung des Programms der fortschrittlichen Demokratie und ih- rer ständigen Weiterentwicklung im Wege stehen, wird jedoch auf keinen Fall eine Sozialisierung der Verluste sein, denn dadurch würden die Bereiche gestärkt, die am wenigsten unter Schwierig- keiten zu leiden haben. Kriterium für eine weitere Ausdehnung der antimonopolistischen Verstaatlichung ist einzig und allein der Fortschritt in der Verwirklichung der Ziele der demokratischen Planung, die durch die ganze Nation, durch alle Werktätigen aller Tätigkeitsbereiche, beschlossen wird. Sicher muß die durch die demokratische Planung realisierte Beschränkung der wichtigsten privaten Industrien, die nach der Verstaatlichung der Schlüssel- industrien noch übrigbleiben, bestimmt werden durch die jeweili- gen Gesetzmäßigkeiten der betroffenen Bereiche. Aber gleichzeitig müssen die schädlichen Auswirkungen dieser Gesetzmäßigkeiten neu- tralisiert werden, und der Übergang der großen Kapitale in die Hand des demokratischen Staates muß gesichert werden, damit die Schwierigkeiten soweit wie möglich vermieden werden, die die Ka- pitalisten des In- und Auslandes bereiten werden. Auf keinen Fall jedoch dürfen diese unausweichlichen Schwierigkeiten zum Anlaß genommen werden, wieder hinter den erreichten Stand der Verstaat- lichung zurückzufallen, vielleicht sogar mit dem Anspruch demo- kratischer Freiheit verbrämt. In Wirklichkeit ist demokratische Freiheit nicht nur das Recht und die Möglichkeit zu der Aufklä- rung des Volkes über die wahren Ursachen der Schwierigkeiten ih- rer Existenz, sondern auch die Unveräußerlichkeit der demokrati- schen Rechte des Volkes 53). c) Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, ---------------------------------- Planung und Politik der Wirtschaft ---------------------------------- Man beruft sich manchmal auf die realistische Flexibilität der Verwaltung, um eine beschränkte oder punktuelle Verstaatlichung zu rechtfertigen, und verwechselt dabei Flexibilität mit kapita- listischer Konkurrenz und deren Nachteilen. Flexibilität und Ef- fektivität der Verwaltung können auch nicht für eine Autonomie der Verwaltung stehen, die die nationalen Ökonomischen Gesetzmä- ßigkeiten mißachtet. Das gibt es nirgendwo und das wäre anarchi- stischer als die Konkurrenz im staatsmonopolistischen Kapitalis- mus. In Wirklichkeit muß sich die autonome demokratische Verwal- tung der verstaatlichten Betriebe und ihrer Abteilungen in den Rahmen einfügen der durch die demokratische Verwaltung und den demokratischen Plan gesetzt ist, die beide unter Mitwirkung aller Werktätigen auf nationaler Ebene erstellt wird. Gesetzmäßigkeiten der Verwaltung, Planung und Politik der Wirtschaft, die demokra- tisch beschlossen werden, bestimmen die Bedingungen in denen sich die Verwaltung und die Eigeninitiativen der Betriebe, ihrer Ab- teilungen, der Organisationen der Werktätigen und der Individuen sich entwickeln können. Das gilt auch für alle Aktivitäten die außerhalb der materiellen Produktion ablaufen. Von dem Beginn der fortschrittlichen Demokratie an - wenn unter der Beteiligung der Bevölkerung die notwendigen vorläufigen Maß- nahmen durchgeführt worden sind, besonders die Preiskontrolle, die Kontrolle des Kredits und der Kapitalbewegung und auch die Rechte der Arbeiter und ihrer Organisationen in den Betrieben ge- sichert sind - wird die Untrennbarkeit von Demokratie und der wissenschaftlichen Unerbittlichkeit der Planung in der Praxis of- fenbar werden. Zum Beispiel könnte man eine erste öffentliche Be- standsaufnahme der ökonomischen und sozialen Lage in Frankreich erstellen, um so der Geheimniskrämerei der Unternehmen und Ver- waltungen ein Ende zu bereiten. In Verbindung mit dieser Gesamt- bilanz könnte eine nationale Diskussion und Aussprache in allen Bereichen des Lebens stattfinden, die die Verwirklichung des be- schlossenen Kampfprogrammes und der gewählten Regierungsform zum Ziel hat, und die Grundlage für einen ersten demokratischen Plan legt. Nicht allein der erste Plan muß sich in einen langfristigen Plan für die Zukunft einordnen; denn er wird sofort alle Probleme be- züglich der Prinzipien und Kriterien der Planung nach den neuen Gesetzmäßigkeiten der Verwaltung der Wirtschaft auf die Tagesord- nung setzen. Sicher kann man zurecht annehmen, daß in der ersten Etappe der fortschrittlichen Demokratie die Formulierung der de- taillierten sozialen Ziele aus der Kritik an den alten Zuständen in der Krise des Staatsmonopolistischen Kapitalismus in unserem Land erwachsen wird, einer Kritik die zu den großen nationalen Forderungen geführt hatte, die im Programm der Regierung einen wichtigen Platz einnehmen. Und auch der Gebrauch der neuen Mög- lichkeiten wird vor allem durch die Kritik an der früheren Ver- schwendung und Unterdrückung bestimmt. Die politische Macht der Werktätigen und anderen demokratischen Kräfte, sowie die neuen Verstaatlichungen im Finanzwesen und in der Industrie erlauben nicht nur eine ökonomische Prioritätensetzung und die Freisetzung der Mittel, die dafür notwendig sind, sondern auch den demokrati- schen Gebrauch der großen Instrumente der Wirtschaftspolitik, der Planung und Verwaltung die bereits lange bestehen, da sie sich jetzt auf das Wissen und das Eingreifen der Werktätigen i n a l l e n B e r e i c h e n verlassen kann, wenn ökonomische Entscheidungen gefällt, kontrolliert und durchgeführt werden müs- sen. Gleichzeitig stellt sich von Anfang an das Problem der Umorien- tierung dieser Instrumente. Genauer gesagt: Die Probleme der na- tionalen Planung und der Regulierung der Verwaltung der verstaat- lichten Unternehmen werfen das übergeordnete Problem, die Frage nach den Grundsätzen einer ö k o n o m i s c h e n G e s a m t- r e g u l i e r u n g **) auf. Je weiter wir uns vom Beginn der Etappe entfernen, umso mehr wird dieses Problem an Bedeutung gewinnen. Denn es ist unmöglich die demokratischen Hoffnungen der Massen zu enttäuschen und in dogmatischer Beschränktheit die Bedeutung dieses Problems zu übersehen, oder sich sogar einen eklektizistischen Kompromiß mit der vom staatsmonopolistischen Kapitalismus übernommenen Planung und Verwaltung vorzustellen, oder aber einfach ausländische Modelle einzuführen. Im Gegenteil, es scheint notwendig, eine neue theoretische Ausarbeitung zu erstellen, die sich auf die ökonomischen Gesetze stützt, die durch die historische Erfahrung bestätigt sind und ausgeht von unseren hiesigen Bedingungen. Diese würde es erlauben, sich systematisch und konsequent mit den rechten Technokraten und den linken Utopisten auseinanderzusetzen. Die Technokratie stellt sich vor, daß es ausreiche, die heutigen Techniken der politi- schen Ökonomie der Verwaltung und Planung für andere Ziele zu be- nutzen, oder sie geringfügig zu verbessern und zu perfektionie- ren, ohne daß fundamentale Änderungen notwendig seien. Das ist nicht richtig. Derartige Veränderungen, die sich gegen die Dikta- tur des Profits und der Akkumulation des Monopolkapitals richten, werden die wirkliche Beteiligung der Massen auf wissenschaftli- cher Grundlage möglich machen und tragen deshalb dazu bei, eine Etappe wirklich erneuerter Demokratie in ökonomischer, politi- scher und kultureller Hinsicht zu schaffen - in einem Prozeß re- volutionärer Veränderungen, die zum Sozialismus führen. Sie würde es auch erlauben, den linken Utopismus zurückzudrängen, der sich in den Mythos der "Selbstverwaltung" der Betriebe oder in einen Voluntarismus flüchtet, der die Existenz objektiver ökonomischer Gesetze und allgemeiner Erfahrungen nicht zur Kenntnis nimmt und die Probleme der ökonomischen Gesamtregulation nicht erkennen kann. Deshalb wird von jetzt ab das Problem der ökonomischen Gesamtre- gulation der fortschrittlichen Demokratie, als der Phase des Überganges zum Sozialismus intensiv erforscht werden. Diese Ar- beit geschieht gleichzeitig mit der Analyse der Krise des staats- monopolistischen Kapitalismus und der Kritik an den "Reformen", die vom monopolistischen Staat durchgeführt werden. Sie ist eine Voraussetzung für bereits begonnene Projekte, die die konkrete Anwendung unseres vorgelegten Kampf- und Regierungsprogrammes be- treffen 54), in der Vorbereitung einer wirklich erneuerten Demo- kratie, die den Weg zum Sozialismus öffnet. _____ *) Der erste Teil dieser Studie mit dem Titel: "Einige Ausführun- gen über den aktuellen Stand der Theorie der Überakkumulation - Entwertung des Kapitals als Entfaltung (Weiterentwicklung) der marxistischen Theorie und über ihre Anwendung auf den staatsmono- polistischen Kapitalismus", ist in SOPO 16, Februar 1972 erschie- nen. Vgl. auch die Veröffentlichung des Aufsatzes von P. Boccara: "Einführung in die Frage des staatsmonopolistischen Kapitalis- mus", in: SOPO 11, Juni 1971. 1) "Wir erreichen eine entscheidende Phase, selbst eine Krisen- phase in der Geschichte dieser neuen und eindrucksvollen Unter- nehmen internationaler Kooperation" (L.B. Pearson: "Rede vor der Weltbank zur Einführung seines Berichts von 1969 über die 'Dritte Welt'"). 2) Über die neuen Bedingungen der wirtschaftlichen Belebung und darüber hinaus über die Rezession und über die Überproduktions- krise 1970 in den USA wurde berichtet in: "Die Krise des staats- monopolistischen Kapitalismus und die Arbeiterkämpfe", in: ECONO- MIE ET POLITIQUE, Jan.-Febr. 1970. 3) In seinen Notizen über den 1. Mai 1915. 4) Außerdem befinden wir uns erst am Anfang einer langen depres- siven Phase. Gegen Ende der 70-er und in den 80-er Jahren könnte sich im internationalen Maßstab in vollem Umfang die Notwendig- keit durchsetzen, die in den Produktionsmitteln vergegenständ- lichte Arbeit zu reduzieren und somit die Gefahren ständiger Ar- beitslosigkeit verstärken, wenn nicht sehr tiefgreifende antimo- nopolistische Strukturänderungen eintreten. 5) Dies ist übrigens zu sehen in Verbindung mit der großen ge- sellschaftlichen Bedeutung der Anfänge der technischen Revolution und Automatisierung und der wissenschaftlichen Revolution, die im vorigen Artikel beschrieben wurde. 6) Vor allem sind die Bemühungen der Regierung der USA von 1970 bekannt, die monopolistischen Unternehmen und Finanzgruppen vor der Kettenreaktion zu schützen, die von dem Konkurs der Eisen- bahngesellschaft "Pen Central" und den allgemeinen Liquiditäts- schwierigkeiten hätte ausgehen können. Der Staat ist zum einen mit direkter und spezieller Hilfe, wie im Falle der Firma Lock- heed, die gegen den Konkurs von RollsRoyce geschützt werden sollte, eingeschritten, zum anderen mit Hilfe der Kreditpolitik. So hat noch keines der Finanzkonglomerate, selbst nicht die durch den Spekulationsdrang Ende der 60-er Jahre aufgeblähten Unterneh- men, Konkurs angemeldet. Der Einfluß der großen Unternehmen, de- ren Überakkumulation staatlich abgesichert wird, trägt dazu bei, einen wirklichen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft zu ver- hindern. 7) In Frankreich stand 1970 die sehr geringe Vergrößerung des Ka- pitals der staatlichen Unternehmen in starkem Kontrast zu den Vergrößerungen des Kapitals der privaten Unternehmen. 8) Man muß auch den neuen Anteil des staatlichen Industriesektors an der Inflation mit in Betracht ziehen. 9) Der VI. Plan sieht übrigens ausdrücklich vor, die sogen. "Gemeinschaftsaufgaben" stärker als vorgesehen unter Berücksich- tigung der bestehenden Bedürfnisse zu kürzen, wenn die wirt- schaftliche Entwicklung, besonders im internationalen Maßstab, eine Einschränkung der Ausgaben "erfordern" sollte. 10) Einschließlich der beträchtlichen Rüstungsexporte, deren "Konkurrenz"-charakter durch Vergeudung parasitärer staatlicher Konsumtion und durch spezielle Begünstigung der Exportkredite aufrecht erhalten wird. Beides trägt zur besonders kräftigen In- flation in Frankreich bei. 11) Vergl. die Studie des VI. Plans über die Absicht, wieder hauptsächlich Kapitalexporteur zu werden. 12) Es ist notwendig, daran zu erinnern, daß die niedrigen Löhne im Gegenteil den erwünschten technischen Fortschritt durch die Erhöhung der technischen Zusammensetzung des Kapitals im Gegen- satz zu den Steigerungen bremsen. Diese Erhöhungen entsprechen nur den neuen Bedürfnissen, die mit dem Druck der neuen techni- schen Bedingungen verbunden sind. Sie begünstigen neue aber teure Materialinvestitionen und wenden sich gegen die Vergeudung men- schlicher Arbeitskraft für Aufgaben, die durch Maschinen erledigt werden könnten. 13) Die neuen technologischen Bedingungen (wachsende Anforderun- gen, aber auch Fortschrittsmöglichkeiten) und die Grenzen des Verschleißes, die durch die Intensivierung der Arbeit bewirkt werden, finden sich übrigens in den neuen Bedürfnissen wieder, die die Dauer der täglichen, wöchentlichen und jährlichen Ar- beitszeit, die Freizeit und die Ferien, die Zeit für Bildung und Umschulung, das Rentenalter etc. betreffen. 14) Der Trend zur Erhöhung der nominellen und der ausgezahlten Löhne in allen fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern zeigt die Notwendigkeit dieser Erhöhungen aufgrund der Preissteigerun- gen, die durch die beschleunigte Inflation und die Schwierigkei- ten hervorgerufen wird, die wiederum durch die beständige Überak- kumulation provoziert werden. Diese Erhöhungen sind in Deutsch- land z.B. größer als in Frankreich, aber auch in England sind sie, trotz der beständigen Arbeitslosigkeit größer als in Frankreich. Der Druck der wachsenden Arbeitslosigkeit auf die Löhne verhindert nicht die Beschleunigung der Inflation, übrigens auch nicht den Erfolg der Lohnkämpfe unter den jetzigen Bedingun- gen der kapitalistischen Konkurrenz zwischen den Monopolen. 15) Es handelt sich nicht mehr um die Außenhandelsbilanz, sondern auch um ihr Volumen: so fällt das unsichere Gleichgewicht vom Frühjahr 1971 in die rückläufige Entwicklung des Handels. 16) Die offiziellen Kreise (so z.B. der Direktor der Bank Credit Lyonnais) bestätigen intern den inflationistischen Charakter der übertriebenen "Verwendung" von Ersparnissen zu Investitionszwec- ken und die inflationistischen Gefahren der Akkumulationsrate, die im VI. Plan vorgesehen ist. Sie geben auch zu, daß es unge- wöhnlich einfach ist, die Gewinnspannen durch Preiserhöhungen zu erweitern. Im Rahmen der zugespitzten Währungskrise in Europa nehmen die äußeren Zwänge zugunsten von Stabilisierungsmaßnahmen zu, die die Währungsspekulation und die Preiserhöhungen auf den Rücken der Arbeiter abwälzen. Aber die Herrschenden gefährde;; die Stabilisierungsmaßnahmen, indem sie mehr als zuvor die Löhne für die Preissteigerungen verantwortlich machen. (So wie der Dieb selbst schreit: Haltet den Dieb!) 17) Man weiß, daß für den VI. Plan die beschleunigte Verstaatli- chung nicht mehr rentabler oder schlecht geführter Unternehmen (die von den "kleinen und mittleren gesunden und gut geführten Unternehmen" zu unterscheiden sind) ein bevorzugtes Mittel ist, um die Produktivität der Industrie zu steigern. (Vergl. "Allgemeiner Bericht über den VI. Plan".) 18) Ohne von der Verringerung der staatlichen Ausgaben zu reden, die im Interesse der Bevölkerung liegen. 19) Bei allen kapitalistischen Rationalisierungen, die im Rahmen des staatsmonopolistischen Kapitalismus möglich sind, handelt es sich immer um die beschleunigte monopolistische Konzentration, um die Vergrößerung des staatlichen Sektors und der "Gemeinschafts- aufgaben" des Staates oder auch die "Einsparungen", die durch die Umgruppierung der örtlichen Verbände möglich sind. 20) Man benutzt insbesondere den Druck der niedrigen Löhne der eingewanderten Arbeiter. Ihre Beförderung würde nicht nur die Er- höhung der Löhne der anderen Arbeiter begünstigen, sondern auch die Aufhebung des Preisstops der billigen Arbeitskräfte in der Vollmechanisierung in den rückständigsten Bereichen. 21) Unproduktive Beschäftigungen, die die "industrialistische" Ideologie des VI. Plans bestrebt ist, mit den modernsten unpro- duktiven Tätigkeiten (Bildung, Forschung etc.) zu vermengen. 22) Die "automatische" Produktion wie Vollendung der Mechanisie- rung, die aus der industriellen Revolution hervorgegangen ist, (die die Hand wesentlich durch die Werkzeugmaschine ersetzt) so- wie auch ihre Verbindung mit und ihr wesentlicher Unterschied zu der eigentlichen Automation sind seit langem charakterisiert wor- den. (Z.B. in unseren Artikeln, die 1961 in ECONOMIE ET POLITIQUE über die Entwicklung des KAPITAL von K. Marx erschienen sind.) 23) Der Fortschritt der Vollmechanisierung und der Automatisie- rung ist im Laufe der 1950er Jahre in Frankreich nicht nur durch das Anwachsen der Zahl der Ingenieure, Techniker und Führungs- kräfte (cadres) im Unternehmenspersonal gekennzeichnet, sondern auch durch das absolute und relative Anwachsen der Zahl der spe- zialisierten Arbeiter, die mit den neuen Geräten Handreichungen ersetzen, und auch der Facharbeiter. Gleichzeitig schreitet im Namen der "Produktivität" die Intensivierung und die Ausbeutung der Arbeit voran, besonders durch die Einführung des "Stück- lohns", bestimmt von der Maschine. Daher die Kämpfe, die seit dieser Epoche geführt wurden (cf. ECONOMIE ET POLITIQUE, Anhang zu Nr. 13, Juni 1965: "Die Produktivität gegen die Arbeiter"). Im Laufe der 1960er Jahre hat sich die relative Zahl der Facharbeiter stabilisiert, aber die Gesamtbeschäftigungslage ist unsicherer geworden. Die Intensivierung der Arbeit hat sich wei- ter beträchtlich vergrößert, die Verantwortung und die geforder- ten Kenntnisse eines Facharbeiters haben sich im allgemeinen er- höht. 24) Das kürzliche Beispiel vom Streik der Facharbeiter von Ren- ault in Le Mans würde eine Bestätigung des aktuellen Reifegrades des Problems der Klassierung und Deklassierung bringen. Die er- sten Resultate: Wiedereinstufung und Lohngarantie, gegen die Her- absetzungen, für Wechsel des Arbeitsplatzes nehmen in der Tat ein weites Problem in Angriff, das wohl nicht nur die hier betroffe- nen Arbeiter betrifft. Die Probleme der Einstufung und des Sta- tuts verschärfen sich übrigens Zusehens für die Gesamtheit der manuellen und intellektuellen Arbeiter. (Vgl. auch Lothar Peter: "Klassenkämpfe in Frankreich: Renault 71", in: SOPO 13, Okt. 1971, S. 33 ff. - Red.) 25) Die allgemeine Tendenz zu viel direkterer und engerer Verbin- dung aller unproduktiven Tätigkeiten (Bildung, Forschung etc.) mit der materiellen Produktion verhindert nicht, sondern bedingt im Gegenteil die tiefgreifende und langfristige Tendenz der wis- senschaftlichen Revolution: die Tendenz zur Verringerung der men- schlichen Beschäftigungszeiten mit eigentlich produktiver Arbeit. Diese Verringerung kann übrigens die Form einer Kombination von Tätigkeiten produktiver und unproduktiver Art annehmen. Die un- produktiven Tätigkeiten bedingen immer mehr die materielle Pro- duktion (die auf sie zurückwirkt) und neigen dazu, direkten Ein- fluß auf sie zu nehmen mittels neuer fester Einrichtungen der in- dustriellen Automation, die mehr und mehr kollektiv und "kommunikativ" sind. 26) Das wäre insbesondere der Fall in der Petrochemie. Anstelle von vollautomatisierten Einrichtungen, die am Ende der 1960er Jahre, in Betrieb genommen wurden, zieht man vor, hier im Jahre 1971 Einrichtungen zu installieren, deren Automation viel unvoll- kommener ist. Diese Bevorzugung verbindet sich mit dem Stand der Technik und ihrer Wirkung auf den erhöhten relativen Wert des konstanten Kapitals, indem es eine Ausflucht vor dem technologi- schen Hindernis ausdrückt, aber auch mit den hinsichtlich ihrer Wertbasis überhöhten Preisen der materiellen Einrichtungen und der Lohn- und Beschäftigungsbedingungen. Siehe auch die Rolle der Petrolmonopole, der elektrotechnischen Monopole (in Verbindung mit den Preisen und den Werten der aktu- ellen Materialien) im Aufhalten der notwendigen Expansion der Kernenergie, deren industrielle Techniken jedoch durch den öf- fentlichen Sektor, einschließlich in den Vereinigten Staaten, ge- fördert werden. 27) Siehe insbesondere die soziologischen Studien über die Auto- mation in der Zementindustrie in Frankreich. 28) Die Krise von 1969-70 einer amerikanischen Industrie wie der für Lehrmittel im Computergestützten Unterricht wäre, trotz der geringen Größe dieser Industrie, schon sehr aufschlußreich. Die Kosten für die alten Lehrmittel und die beste Befriedigung der Bedürfnisse der Benutzer der Geräte werden verbunden, um die Rolle der unproduktiven Arbeit zu entwickeln, und die Einstellung der Programme auf Kosten des Materialaufwands zu begründen, wäh- rend sie die Mitverantwortung und damit auch die Freizeit der Un- terwiesenen fördern. 29) Nicht nur die Kadenzen, Unfälle und Berufskrankheiten, son- dern auch zweifellos immer mehr der nervliche Verschleiß. 30) Cf. die Arbeitslosigkeit Zehntausender von Ingenieuren und wissenschaftlichen Arbeitern im Jahr 1970 in den Vereinigten Staaten, insbesondere in der Raumfahrtindustrie. 31) Ein kürzliches Beispiel - die Informatiktechniker betreffend, das aber entsprechende Bedeutung für die Arbeiter in anderen Be- reichen hat - illustriert diese allgemeine Tendenz der Bour- geoisie (patronat). Der Streik der "Elektronenrechner"-Aufscher des technischen Hilfsdienstes der Burroughs-Gesellschaft, der im Mai 1971 beschlossen wurde, betrifft nicht nur die Arbeitsbedin- gungen (Nacht- und Sonntagsarbeit), sondern auch die Erhöhung der Löhne gemäß dem Anwachsen der Kenntnisse und der Verantwortlich- keiten. Die Techniker machen darauf aufmerksam, daß, indem die Ausbildung getrennt wird, die Direktion sie aufs größte "rentabilisiert" hat, die Qualifikation vernichtend, um den Lohn zu drücken. Das Fortschreiten der Karrieren ist gefährdet, um so mehr, als die Techniker an zweijährige Ausbildungsverträge gebunden sind. Da sie "im Stücklohn" (wie die Facharbeiter bei Renault) an Maschi- nen, die sich sehr schnell entwickeln, bezahlt werden, läuft das Ende der beruflichen Laufbahn Gefahr, für viele Dequalifikation zur Folge zu haben. 32) Die Konkurrenz der drei oder vier großen überstaatlichen Fir- men jeder Branche auf nationalem Gebiet widersetzt sich der Ra- tionalisierung der Produktion und dem Fortschritt der Produktivi- tät, die die antimonopolistische Verstaatlichung erlaubt. Diese Verstaatlichung würde auch die Dezentralisation der Entscheidun- gen gestatten, wenn sie förderlich ist, wie auch eine äußerst entschlossene Politik von internationaler Zusammenarbeit in bezug auf äußerst starke Garantien gegen das Risiko der äußeren (Vor)Herrschaft. 33) Sie setzen auf ihren Mangel an Währungs-"Disziplin" und las- sen die anderen ihre Inflation und ihre Expansion nach außen tra- gen, indem sie ihnen die Dollarüberschüsse auferlegen. 34) Im Jahre 1965 übersteigen die offiziellen Goldreserven der USA kaum ihre NETTO-schulden im Ausland. Aber 1967 zeigt eine starke Zunahme des Defizits ihrer Zahlungsbilanz, begleitet von einem ernsthaften Goldverlust. 35) Offizieller Kursmarkt des Dollars zwischen den Zentralbanken, freier Markt für die Privatleute (particuliers), an die die Zen- tralbanken kein Gold mehr verkaufen. 36) Wohingegen die Investitionen im Ausland der amerikanischen Unternehmen im Jahre 1970 rapide angewachsen wären. 37) Trotz des verzweifelten Auswegs des doppelten Goldmarktes, der im März 1968 errichtet wurde und aufschlußreich für den tief- greifenden Wendepunkt ist, sieht man sogleich, daß die Reden über das angebliche Dollarwährungssystem, das anstelle der Devisen- oder Goldwährung errichtet werden würde und einen vorgeblichen Wendepunkt der Währungsbeziehungen öffnen würde, der Illusion oder der Verwirrung unterliegen. Die Realität ist die tiefgrei- fende und dauerhafte Krise der Devisen-Goldwährung, die sich ins- besondere durch das Anwachsen der Sonderziehungsrechte im Inter- nationalen Währungsfonds (I.W.F.) manifestiert. 38) Während die Verkleinerung der Amplitude der Währungsschwan- kungen des Gemeinsamen Marktes für den 15. Juni vorgesehen war, wohnte man im Gegenteil einer Ausdehnung dieser Amplituden bei. 39) Die Abkommen von Februar 1971 sahen eine erste Etappe 1971- 1973 vor, an deren Ende eine Besinnungszeit von zwei Jahren die Rückkehr zur Situation vor den Abkommen erlauben würde, d.h. eine totale Rückfälligkeit. Die erste Etappe begründete einen mittel- und kurzfristigen Finanzwettkampf angesichts des Kampfes gegen die Auswirkungen der Spekulation und der Verkleinerung der Kurs- bandbreiten zwischen den Währungen des Gemeinsamen Marktes. Diese erste Etappe bereits hat gerade ein ernsthaftes Scheitern durchgemacht. Wenn nichtsdestoweniger der Schritt nach vorn wie- der aufgenommen wird und selbst, wenn er bis ans Ende geht, würde dies deshalb nicht eine alleinige Währung nach 1975 bedeuten, da sich die sehr schwerwiegenden Probleme der Kontrolle der Ausgabe- bank (banque d'émission) und der vereinigten politischen Institu- tionen aufwerfen. Man hat einfacher die Schaffung einer gemeinsa- men Rechnungseinheit (eventuell an das Gold geknüpft) ins Auge fassen können. Aber das wirft immer noch das Problem der tief- greifenden Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Situationen der verschiedenen Länder und der divergierenden Entwicklungsmög- lichkeiten bezüglich der Rechnungseinheit auf. 40) Man darf nicht vergessen, daß die industriellen Unternehmen und die Banken, deren Muttergesellschaft in den Vereinigten Staa- ten ist, die besteingerichtesten im gesamten Gemeinsamen Markt und in Großbritannien sind, also die "europäischten". Amerikani- sche Finanzgruppen haben übrigens gerade mit den beiden herr- schenden Finanzgruppen Frankreichs engere Bande geknüpft: mit der Gruppe von Paris und den Niederlanden und der von Suez. 41) Mit der Notwendigkeit einer Hilfe in Mark und den Export- schwierigkeiten. 42) Japan tendiert dahin, eine Situation ähnlich der der Bundes- republik Deutschlands zu erfahren. Seine Kapitalexporte wachsen sehr schnell an. Aber der Spekulationsdruck auf den Yen manife- stiert sich nichtsdestoweniger. 43) Eine europäische Rechnungseinheit könnte der Mark tatsächlich eine bestimmende Rolle geben. Übrigens würde ein eventuelles re- latives Schwanken aller "vereinten" Währungen des Gemeinsamen Marktes und des Dollars, nachdem z.B. einmal eine neue Parität der Mark festgesetzt ist, auf keinen Fall verhindern, daß sich die Situationsunterschiede und die Widersprüche zwischen den ver- schiedenen imperialistischen Ländern, insbesondere zwischen denen des Gemeinsamen Marktes, manifestieren, indem sie ihre Wirtschaft stören angesichts des Anhaltens der weltweiten kapitalistischen Überakkumulation. 44) Das Gold, das in sich die kristallisierte lebendige Arbeit darstellt, wird den erforderlichen Charakter seiner Diktatur im kapitalistischen Rahmen, einschließlich im staatsmonopolistischen Kapitalismus, enthüllen. Die Dringlichkeit des revolutionären Überwindens wird sich dank einer rationellen und demokratischen Planung verstärken, indem seine Bedingungen aufgedeckt werden: die Aufhebung der kapitalistischen Akkumulation und des kapitali- stischen Marktes. 45) Darüber hinaus könnte sie selbst andere Verfahren der Koope- ration und der Koordination einführen, die sich auf eine andere Verrechnungsbasis beziehen als die monetäre Rechnungsführung, die in letzter Instanz auf dem Gold basiert. 46) Dieser Umfang der Lohnarbeit verallgemeinert die kapitalisti- schen Verhältnisse und verschärft die Vorherrschaft der großen Kapitale. Er trägt dazu bei, die Möglichkeit und Notwendigkeit der Etappe der ökonomischen und politischen Demokratie, der Über- gangsphase zum Sozialismus, auf die Tagesordnung zu setzen. 47) Das ist auch der Grund warum die Kommunistische Partei Frankreichs nationale Kampagnen zu wichtigen sozialen Problemen durchführt. 48) Die Doppelarbeit und die überflüssigen parasitären Ausgaben im Konkurrenzkampf der Monopole und die unnötigen Repressionen, die Verluste durch Spekulation (Geld- oder Aktienspekulation), die Arbeitslosigkeit. 49) Das sieht man auch an der Produktivitätserhöhung, die damals durch die Verstaatlichung verschiedener Konkurrenzfirmen möglich war, wie zum Beispiel bei den Verstaatlichungen in der Elektrizi- tätsversorgung. 50) Die wachsende Konzentration in der Lebensmittelindustrie, mit Hilfe von staatlicher Hilfe und die strategische Bedeutung dieses Sektors für die Landwirtschaft und den Kleinhandel, scheint auch diese Branche zu einer Schlüsselindustrie zu machen, wenigstens seine monopolisierten Bereiche und die Bereiche, die Bestandteil supranationaler Trusts sind. 51) Der nicht-verstaatlichte Sektor wird nach einer Verstaatli- chung der Schlüsselindustrien wichtige strategische Bedeutung für die Kapitalisten im In- und Ausland haben. Deshalb muß auch die- ser Bereich durch die Planung vollständig erfaßt werden. Die Ver- staatlichung der Schlüsselindustrien wird die neue Orientierung der gesamten Wirtschaft möglich machen. Die Verstaatlichung des Bank- und Finanzwesens ;. j wird die Kontrolle des privaten kapitalistischen Bereichs, auch des ausländischen Kapitals und des Außenhandels möglich machen. 52) Sie berufen sich, obwohl sie sich als Kritiker fühlen, auf eine Idealisierung der "Jugoslawischen Selbstverwaltung" anstatt die ökonomische und technologische Basis dieser "Verdrehung" in der Praxis zu studieren und zwar auf der Ebene des Betriebes UND auf der Ebene des Staates. 53) So wie die Grundrechte, die durch die Revolution von 1789-94 für immer erworben wurden, so kann weder die nationale politische Souveränität der Bürger, veräußert werden, noch kann aus einem Vertrag Sklaverei entstehen. Genauso sollten die verstaatlichten Unternehmen unveräußerlich sein. **) ökonomische Gesamtregulation übersetzt aus "regulation écono- mique d'ensemble" (bedeutet: staatliche Gesamtplanung, wobei das staatliche aber nicht so wichtig wie das Übergreifende Moment ist, das Obergeordnetsein über die Interessen der einzelnen Be- triebe etc.). - Anm. d. Übersetzers. 54) Der Parteienpluralismus und der weltliche Charakter des Staa- tes der fortschrittlichen Demokratie hindern nicht sondern för- dern die Einheitlichkeit der demokratischen Parteien, nicht nur in Bezug auf das politische Programm, sondern auch in Bezug auf die Prinzipien der Planung. Genauso fördern sie die Ausarbeitung und demokratische Anwendung von fortschrittlichen Veränderungen auf der Basis einer wissenschaftlichen Analyse, begründet auf der marxistischen Theorie. zurück