Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973
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Christoph Ziegenrücker
PROBLEME DER STRUKTURENTWICKLUNG DER ARBEITERKLASSE IN DER DDR *)
Um die Mitte der sechziger Jahre vollzogen sich in der DDR sozi-
alökonomische Prozesse, die Veränderungen der gesellschaftlichen
Leitungsstruktur erforderlich machten: Neben der sich aus dem
Ende der extensiven Phase der Reproduktion, die das Wirtschafts-
wachstum weitgehend an den vermehrten Einsatz von Produktionsmit-
teln und Arbeitskräften gebunden hatte, ergebenden Notwendigkeit,
die erweiterte Reproduktion künftig vorrangig auf eine qualita-
tive Verbesserung des technischen Niveaus der Produktionsmittel
und der Qualifikation der Arbeitskräfte zu stützen, kündigte sich
eine neue Phase der Produktivkraftentwicklung an, die 'wissen-
schaftlich-technische Revolution'. So erforderte die gesell-
schaftliche Entwicklung neben der Neufestlegung der Entschei-
dungsstrukturen des ökonomischen Planungs- und Leitungssystems
eine genaue Analyse der sozialen Bedingungen, unter denen die An-
forderungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts nicht
nur 'bewältigt', sondern die ihm immanenten Möglichkeiten zur
Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaft umfassend re-
alisiert werden konnten 1).
Wie deren Funktionsbestimmung andeutet, stehen die seit dieser
Zeit intensiv betriebenen empirischen soziologischen Forschungen
in der DDR, insbesondere im Bereich der materiellen Produktion,
damit in Zusammenhang: "Diesem Ziel, der Schaffung wissenschaft-
licher Grundlagen für die planmäßige, vorausschauende Gestaltung
der sozialen Beziehungen in der sozialistischen Gesellschaft,
speziell im Bereich der Industrie, diente von Anfang an die indu-
striesoziologische Forschung" 2). Das für den Zeitraum bis 1970
festgelegte Forschungsprogramm über "Die Entwicklung des kul-
turell-technischen Niveaus der Werktätigen im Prozeß der techni-
schen Revolution" umfaßte Einzeluntersuchungen über die soziali-
stische Gemeinschaftsarbeit, das Verhältnis der Werktätigen zur
Arbeit, die Entwicklung von geistiger und körperlicher Arbeit und
die Auswirkungen der technischen Revolution auf die Sozialstruk-
tur der sozialistischen Gesellschaft 3); es signalisierte als we-
sentliches Problem der sozialen Entwicklung die Herstellung wach-
sender Übereinstimmung der sozialökonomisch determinierten Form
mit dem in erster Linie an den jeweiligen technischen Entwick-
lungsstand gebundenen Inhalt der Arbeit.
Der konstitutiven Bedeutung der Entfaltung des gesellschaftlichen
Arbeitsvermögens für die vorwiegend intensiv erweiterte Reproduk-
tion entspricht auch die Zunahme bildungsökonomischer Forschung
seit dieser Zeit mit dem Ziel der "Aufdeckung des sozialökonomi-
schen Inhalts der qualitativ neuen Rolle der Bildung bei der In-
tensivierung des volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses im
Sozialismus" und der Entwicklung von Planungsmethoden, "die dazu
beitragen können, die quantitativen Dimensionen des Wirkens der
objektiven Gesetze im Wechselverhältnis von gesellschaftlichem
Reproduktionsprozeß und Bildungswesen besser als bisher zu erfas-
sen und im Entscheidungsprozeß zu berücksichtigen" 4). In diesem
Aufsatz, dessen allgemeinster Problemhorizont damit umrissen ist,
geht es in diesem Zusammenhang um die von sowjetischen Soziologen
sowie seit einiger Zeit auch in der DDR geführte Diskussion über
die Frage, ob nicht die forcierte Entwicklung des Bildungswesens
zu einem ökonomisch und in seinen sozialen Konsequenzen uner-
wünschten Qualifikationsüberschuß der Produzenten führt, zu einer
'Überqualifikation', die in ihrer Disproportionalität einer har-
monischen Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft wider-
spricht.
Allerdings zeigt eine Analyse des Qualifikationsstandes der Ar-
beiterklasse, die vom Anspruch umfassender Teilnahme an der Pla-
nung und Leitung des Gesellschaftsprozesses ausgeht, immer noch
ein Qualifikationsdefizit der Produktionsarbeiter, das die nicht
geringste Ursache für einige Entwicklungsprobleme im Verhältnis
von Arbeiterklasse und Intelligenz darstellt; taucht doch dieser
defizitäre Befund immer dann auf, wenn von Angehörigen der Intel-
ligenz in Fragen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts
ein Führungsanspruch angemeldet wird und die schöpferischen Po-
tenzen der Arbeiterklasse negiert bzw. nicht planmäßig entfaltet
werden. Damit ergibt sich für die weitere gesellschaftliche Ent-
wicklung die Notwendigkeit der Analyse der "qualitativ neuen We-
senszüge der führenden Rolle der Arbeiterklasse, (der)... sich
vollziehenden Veränderungen im Charakter und in der Struktur der
Arbeiterklasse" 5), will man nicht konvergenztheoretischen Be-
hauptungen über die Schlüsselfunktion der Intelligenz in der
'entwickelten Industriegesellschaft' aufsitzen 6).
Der Nachweis der sozialen Formbestimmtheit dieser Prozesse bleibt
dabei insofern unvollständig, als die Entwicklung in der kapita-
listischen Gesellschaft der BRD nur angedeutet werden kann.
1. Zum Charakter der gegenwärtigen Phase
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des wissenschaftlich-technischen Fortschritts
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Eine Analyse der Entwicklung einzelner Aspekte der Tätigkeits-
struktur der Produzenten muß an deren Einordnung in das Produk-
tivkraftssystem anknüpfen, d.h. davon ausgehen, daß sich mit der
Entwicklung der Produktionsinstrumente (Arbeitsmittel, Arbeitsge-
genstände) auch die betriebliche Arbeitsteilung/Kooperation und
damit vor allem ihre erforderliche Qualifikation ändert 7). Dabei
ist der dialektische Zusammenhang objektiver und subjektiver Fak-
toren erst zureichend beschrieben, wenn der Mensch, das lebendige
Arbeitsvermögen, als bestimmendes Moment, als 'Hauptproduktiv-
kraft' ausgemacht wird: "Die Hauptproduktivkraft Mensch wirkt
ihrerseits auf die Höherentwicklung aller übrigen Produktivkräfte
zurück, setzt diese erst in Bewegung, kombiniert sie miteinander
und macht sie ökonomisch und gesellschaftlich wirksam" 8).
Die Entwicklung der Qualifikations- und Tätigkeitsstruktur der
Arbeiterklasse bringt dabei zum Ausdruck, daß die Qualität der
Produktionsmittel als vergegenständlichtes Wissen der Produzenten
sich auch in der sozialistischen Gesellschaft zunächst einmal auf
die Ebene des produktiven Gesamtarbeiters bezieht, nicht auf die
Ebene der Produktionsarbeiter, deren spezifische Tätigkeit gerade
den im jeweiligen Entwicklungsstadium dieser Gesellschaft er-
reichten Grad der Annäherung von geistiger und körperlicher Ar-
beit signalisiert.
Der enge Zusammenhang aller Produktivkraftfaktoren erweist sich
darin, daß die einzelnen Stufen der Produktivkraftentwicklung,
deren begriffliche Klärung hier ansteht, sich adäquat nur aus der
Analyse des Arbeitsprozesses ableiten lassen, also aus der Ver-
teilung der verschiedenen Arbeitsfunktionen auf Mensch und Ma-
schine 9). Diese Funktionen lassen sich folgenden untereinander
verbundenen Grundphasen jedes vollständigen Arbeitsprozesses zu-
ordnen:
1. Vorbereitungsphase des Arbeitsprozesses
(Logische Funktion: Zielsetzung, Festlegung des Arbeitsprogramms
= Einrichten)
2. Durchführungsphase des Arbeitsprozesses
(Antriebs-, Übertragungs- und Ausführungsfunktion;
Bedienungsfunktion: Zuführen und Herausnehmen des Arbeitsgegen-
standes, Ein-und Ausschalten des Arbeitsablaufs)
3. Kontrollphase des Arbeitsprozesses
(Steuer- bzw. Regelfunktion: Registrieren, Korrigieren der Ar-
beitsoperationen bzw. des Arbeitsprogramms).
Die Verbindung der einzelnen Phasen, insbesondere der Durchfüh-
rungs- und Kontrollphase, vollzieht sich auf der Grundlage stän-
diger Informationsgewinnung und -verarbeitung sowie eines ständi-
gen "Masse- und Energieflusses zwischen den Elementen des Ar-
beitsprozesses" 10).
Die Phasen der Produktivkraftentwicklung lassen sich mit diesen
Kategorien schematisch, unter Absehung von den "gegebenen histo-
risch-konkreten Bedingungen des jeweiligen Arbeitsprozesses in
einem bestimmten Industriezweig", so beschreiben: 11)
a) Manueller Arbeitsprozeß ohne bzw. mit nicht energiebetriebenem
Werkzeug.
1. Mensch: Logische Funktion, Antriebs-, Übertragungs-, Regi-
strier- und Regelfunktion
2. Mensch bzw. Mensch mit Werkzeug: Ausführungsfunktion.
b) Arbeitsprozeß mit energiebetriebenem Maschinenwerkzeug (Tech-
nisierung).
1. Mensch: Logische Funktion, Registrier- und Regelfunktion
2. Mensch mit Maschinenwerkzeug: Antriebs-, Übertragungs- und
Ausführungsfunktion.
c) Arbeitsprozeß an Maschinen und Anlagen (Mechanisierung).
1. Mensch: Logische Funktion, Bedienungs-, Registrier- und Regel-
funktion
2. Maschine: Antriebs-, Übertragungs- und Ausführungsfunktion.
Diese arbeitssoziologische Definition von 'Mechanisierung' als
Übergabe der unmittelbaren Bearbeitung des Arbeitsgegenstandes an
Maschinen bei gleichzeitiger Übernahme ihrer Steuerung und Bedie-
nung entspricht der Beschreibung des technischen Niveaus der Pro-
duktionsinstrumente als "Maschinen oder Anlagen mit Fernüberwa-
chung sowie manuell betätigter Fernsteuerung bzw. -regelung und
mechanisierter Ausführung der Hilfsarbeiten" 12).
d) 'Teilautomatisierung'.
1. Mensch: Logische Funktion
2. Mensch und Maschine: Regelfunktion
3. Mensch, z.T. Maschine: Bedienungsfunktion
4. Maschine: Antriebs-, Übertragungs-, Ausführungs- und Regi-
strierfunktion.
'Teilautomatisierung' meint also die beginnende Übergabe der Kon-
trollphase des Arbeitsprozesses an Maschinen, ohne vollständige
Ausschaltung des Menschen aus der Durchführungsphase (Bedienungs-
funktion): "Maschinen oder Anlagen mit selbsttätiger Steuerung
des Arbeitsablaufs mittels Steuermechanismen und manueller bzw.
mechanisierter, aber nicht selbsttätiger Ausführung der Hilfs-
arbeiten" 13).
e) 'Vollautomatisierung'.
1. Mensch: Logische Funktion
2. Maschine: Antriebs-, Übertragungs-, Bedienungs-, Ausführungs-
funktion; Registrier- und Regelfunktion.
Auf der Stufe der 'Vollautomatisierung' beschränkt sich die Ar-
beitstätigkeit des Menschen in der Fertigung auf die Vorberei-
tungsphase des Arbeitsprozesses: "Maschinen oder Anlagen mit
selbsttätiger Steuerung des gesamten Arbeitsablaufs mittels fle-
xibler Programme, einschließlich selbsttätiger Ausführung aller
Hilfsarbeiten" 14).
Bereits diese abstrakten Bestimmungen der Phasen der Produktiv-
kraftentwicklung, die später noch differenziert werden 15), deu-
ten folgende Richtung der Veränderungen in der menschlichen Ar-
beitstätigkeit an: 16)
1. Übertragung von Arbeitsfunktionen der Durchführungsphase auf
Maschinensysteme;
2. Zunahme des Anteils der Arbeitsfunktionen vorwiegend geistiger
Art (der Kontrollphase des Arbeitsprozesses - Registrier- und Re-
gelfunktion - sowie der logischen Funktion).
Dabei macht die technische Entwicklung nicht bei der Durchfüh-
rungsphase des Arbeitsprozesses halt; sie setzt sich als Automa-
tisierung der Kontrollphase fort. So sind "automatische Ferti-
gungsstraßen so angelegt ..., daß der Eingriff des Menschen nicht
nur im unmittelbaren Fertigungsprozeß, sondern auch in der Steue-
rung und Kontrolle der Produktion überflüssig wird. Erst dann ist
der Mensch vollständig vom Eingriff in den Produktionsprozeß be-
freit, und der Produktionsprozeß hängt seinerseits nicht mehr von
den physischen Möglichkeiten des Menschen ab" 17).
Dieser Vorgang des 'Heraustretens' des Menschen aus dem gesamten
Fertigungsprozeß sowie ansatzweise auch aus der "gesellschaft-
lichen Produktion" als Organisation der wissenschaftlichen
Vorbereitung der Produktion durch Forschung, Entwicklung und
Konstruktion neuer Erzeugnisse und Technologien 18) bildet den
wichtigsten Aspekt der 'wissenschaftlich-technischen Revolution',
den "revolutionierenden Kernprozeß in der Basis der materiellen
Produktion" 19). Damit hängt die Verlagerung des Schwerpunktes
der Intensivierung der Produktion von der Fertigung auf den
Bereich der 'gesellschaftlichen Produktion' bei immer stärkerer
Integration der Wissenschaft in den betrieblichen Reproduktions-
prozeß zusammen 20).
Nach der begrifflichen Klärung der einzelnen Stufen der Produk-
tivkraftentwicklung einige Daten über den Entwicklungsstand der
Produktivkräfte in der volkseigenen Industrie insgesamt und eini-
gen ausgewählten Industriezweigen der DDR:
1960 1962 1963 1965 1966 1967 1970 1971
Soz. Ind. ins- T: 57,0 59,3 60,8 62,3 62,8 63,8 - -
gesamt 21) M: 43,0 44,5 45,4 47,1 47,2 47,7 52,3 53,3
A: - - 4,2 4,8 4,8 5,1 6,6 7,6
Chem. Ind. T: 58,7 63,2 65,3 65,5 65,2 66,1 - -
22) M: 51,2 54,1 55,4 56,4 56,1 56,8 - 59,4
A: - - 7,6 8,7 8,7 9,3 10,2 10,7
Metallurgie T: 64,9 65,1 67,2 69,1 68,9 71,8 - -
M: 50,9 49,3 51,4 53,0 53,4 54,9 - 57,4
A: - - 4,9 ~,5 5,7 5,7 7,0 9,3
Allgemeiner T: 54,8 56,1 58,4 58,2 58,7 60,1 - -
Maschinenbau M: 40,7 41,0 42,7 42,5 42,0 43,5 - 46,0
A: - - 2,7 3,0 2,9 3,1 4,3 5,3
Elektrotech- T: 48,0 51,3 51,1 55,4 54,7 55,4 - -
nische In- M: 34,6 35,9 35,7 38,4 38,1 38,8 - 46,1
dustrie A: - - 3,0 3,3 3,7 4,5 5,6 7,8
Textilin- T: 72,9 72,8 73,0 72,8 72,7 72,8 - -
dustrie M: 63,6 61,9 61,2 60,6 60,2 59,7 - 65,7
A: - - 4,8 5,1 5,3 5,4 9,3 9,5
Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei Differenzierung zwischen
Haupt- und Hilfsprozessen der Produktion (Fertigung und innerbe-
trieblicher Transport, Reparaturwesen, Werkzeugbau, Verpackung,
Qualitätskontrolle); so beträgt im Bereich der Industrieministe-
rien "der Anteil der Produktionsarbeiter mit überwiegend manuel-
ler Tätigkeit an der Gesamtzahl der Produktionsarbeiter ... bei
den Hilfsprozessen 52,3 Prozent gegenüber 26,3 Prozent bei den
Hauptprozessen. Der Mechanisierungsgrad der Arbeit beiden Hilfs-
prozessen beträgt 32,5 Prozent und bei den Hauptprozessen 61,7
Prozent" 23)
Insgesamt ergibt sich, daß bei kontinuierlichem Anstieg des tech-
nischen Niveaus seit den 60er Jahren in der gegenwärtigen Ent-
wicklungsetappe der Schwerpunkt der sozialistischen Rationalisie-
rung noch auf der Mechanisierung und Teilautomatisierung, nicht
zuletzt der Hilfsprozesse liegt 24), die Automatisierung ganzer
Produktionsprozesse nur für ausgewählte volkswirtschaftliche Vor-
haben realisierbar ist 25).
2. Auswirkungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts
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auf die gesellschaftliche Arbeitskräftestruktur 26)
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Die Untersuchung der Auswirkungen der technischen Entwicklung auf
die Arbeitskräftestruktur im Bereich der materiellen Produktion
zeigt zunächst, daß die zunehmende Bedeutung der der Fertigung
vor- und nachgelagerten Bereiche mit der Veränderung des Umfangs
der einzelnen Beschäftigtengruppen 27) zu einer Erhöhung der Ge-
samtqualifikation führt.
1. In der sozialistischen Industrie nahm von 1960 bis 1970 die
Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten um 35.373 zu, die der
Produktionsarbeiter dagegen um 116.163 ab.
2. Nach Untersuchungen in 163 Betrieben im Bezirk Leipzig war
dort nach den vorgeschlagenen Planansätzen für den Zeitraum 1971-
1975 ein Absinken des Anteils der Produktionsarbeiter an den Ge-
samtbeschäftigten auf 59,3 Prozent vorgesehen. 28)
Eine Untersuchung über die Beschäftigtenstruktur in der zentral-
geleiteten chemischen Industrie brachte u. a. folgende Ergeb-
nisse:
3. Beschäftigtenzahl und Beschäftigtengruppen in der zentralge-
leiteten chemischen Industrie 1958 bis 1963 (in Prozent; 1958 =
100) 29)
Beschäftigte Produktions- Verwaltungs- Hoch- und Fach-
insgesamt arbeiter 30) personal 31) schulkader 32)
1959 102,0 101,5 104,5 134,2
1960 100,7 99,5 107,0 135,4
1961 99,1 98,0 106,6 150,7
1962 100,7 98,9 109,6 181,1
1963 102,0 97,6 114,5 216,4
Neuere Daten über die Zunahme der Hoch- und Fachschulkader im
einzelnen bestätigen diese Entwicklungstendenzen:
1. Anzahl der Hoch- und Fachschulkader auf 1.000 Beschäftigte in
der sozialistischen Industrie 1961 bis 1971 33)
Hochschul- Fachschul-
kader kader
1961 6,0 27,7 1969 15,5 59,1
1962 7,1 31,9 1970 17,4 62,2
1967 13,0 53,2 1971 19,4 68,3
1968 14,4 56,9 1972 21,8 68,9
2. Der Anteil der Hoch- und Fachschulkader an den Gesamtbeschäf-
tigten betrug in der sozialistischen Industrie 1966 9,2 Prozent
und 1970 11-12 Prozent; bis 1980 soll er auf ca. 18 Prozent stei-
gen 34).
Zusammenfassend sind folgende Tendenzen für die Entwicklung der
Beschäftigtenstruktur im Bereich der materiellen Produktion
festzuhalten:
1. Rückgang des Anteils der Produktionsarbeiter, die jedoch nach
wie vor die stärkste Beschäftigtengruppe darstellen;
2. Starkes Ansteigen des Anteils der Hoch- und Fachschulkader;
3. Geringere Zunahme des Verwaltungspersonals 35). Diese Tendenz
verweist auf die Notwendigkeit verstärkter Rationalisierungsmaß-
nahmen in diesem Bereich 36).
Beim Entwurf analytischer Kategorien zur Beschreibung der einzel-
nen Stufen der Produktivkraftentwicklung und der Untersuchung ih-
rer Auswirkungen auf die gesellschaftliche Arbeitskräftestruktur
ist auf die Arbeitsbedingungen der Produktionsarbeiter als wich-
tigster Beschäftigtengruppe nicht im einzelnen eingegangen wor-
den; daher ist jetzt zu untersuchen, ob die verzeichnete Tendenz
zur Höherqualifizierung des in der materiellen Produktion tätigen
Teils des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters auch für sie zu ei-
ner Vermehrung schöpferischer Momente in ihrer Arbeitstätigkeit,
insbesondere zur Erhöhung ihrer Qualifikation führt.
Mit der Kategorie der 'schöpferischen Arbeit' läßt sich für die
sozialistische Gesellschaft die Zielstellung angeben, in der die
in der Überwindung kapitalistischer Lohnarbeit angelegte Möglich-
keit von Ausbeutung befreiter, allseitiger Entwicklung der werk-
tätigen Persönlichkeit auf den Begriff gebracht ist. Marx
schreibt dazu in den 'Grundrissen': "Wirklich freie Arbeiten ...
ist grade zugleich verdammtester Ernst, intensivste Anstrengung.
Die Arbeit der materiellen Produktion kann diesen Charakter nur
erhalten, dadurch daß 1) ihr gesellschaftlicher Charakter gesetzt
ist, 2) daß sie wissenschaftlichen Charakters, zugleich allge-
meine Arbeit ist, nicht Anstrengung des Menschen als bestimmt
dressierter Naturkraft, sondern als Subjekt, das in dem Produkti-
onsprozeß nicht in bloß natürlicher, naturwüchsiger Form, sondern
als alle Naturkräfte regelnde Tätigkeit erscheint" 37).
Mit der entscheidenden, die anderen Bedingungen in ihrer Wirksam-
keit vermittelnden Bestimmung, daß nur die planmäßig vergesell-
schaftete Arbeit im Sozialismus frei sein kann, hängen weitere
Bestimmungen zusammen, den Inhalt der Arbeit betreffend: Die
schöpferische Arbeit setzt ein Qualifikationsniveau der Produzen-
ten voraus, das ihnen die Teilnahme an der Gestaltung neuer wie
der Vervollkommnung bereits vorhandener Arbeitsmittel, -gegen-
stände und Fertigungsverfahren (einschließlich des "Beschreitens
neuer Wege bei der Umsetzung dieser Erkenntnisse in der
Produktion") ermöglicht 38). Ein weiteres Moment der schöpfe-
rischen Arbeit (im Gegensatz zur körperlich oder geistig monoto-
nen Arbeit) ist der Wechsel der Arbeitsfunktionen 39), wie er
insbesondere für jene Arbeitstätigkeiten charakteristisch ist, in
denen sich "der geistige Anteil an der Arbeit jedes einzelnen er-
höht, der eigenes Mitdenken verlangt und zugleich fördert" 40).
Im Folgenden sollen Entwicklungsstand und -tendenz der Möglich-
keiten zu schöpferischer Arbeit durch folgende, in engem Zusam-
menhang stehende, aber nicht identische Kriterien faßbar werden:
1. Qualifikationsanforderungen
2. Arbeitsbelastungen physischer und psychischer Art (Grad der
Monotonie) 41).
Zu 1.
Zentraler Aspekt der Tätigkeitsstruktur der Produktionsarbeiter,
in dem sich die Veränderungen der Tätigkeit im einzelnen zusam-
menfassen, ist die Entwicklung der Qualifikationsanforderungen.
Dabei soll der in der Formveränderung der gesellschaftlichen Ar-
beit angelegte spezifische Wandel der Arbeitsinhalte die Basis
für die allseitige Entwicklung der Persönlichkeit in der soziali-
stischen Gesellschaft abgeben und sicherstellen, daß die Lei-
stungsanforderungen des Arbeitsprozesses mit den gesellschaftlich
determinierten Qualifikationsansprüchen (Teilnahme der Produzen-
ten an allen gesellschaftlichen Planungs- und Leitungsprozessen)
tendenziell zusammenstimmen.
1. Qualifikation der Produktionsarbeiter in der sozialistischen
Industrie insgesamt und in einzelnen Industriezweigen 1962 bis
1970 (in Prozent) 42)
1962 1964 1966 1968 1970
Sozialistische Industrie U: 13,6 12,0 11,7 10,4 9,6
insgesamt A: 42,0 43,0 41,0 39,5 37,9
F: 44,4 45,0 47,4 50,2 52,5
Chemische Industrie U: 12,3 8,6 8,9 7,5 6,0
A: 45,2 45,5 41,6 39,2 37,2
F: 42,5 45,9 49,5 53,3 56,8
Metallurgie U: 11,7 8,5 7,9 5,9 5,0
A: 41,4 41,3 37,2 37,2 35,1
F: 47,2 50,2 54,8 56,9 59,9
Maschinen- und U: 12,2 11,4 10,4 9,5 8,1
Fahrzeugbau A: 31,2 33,5 33,7 31,7 30,4
F: 56,6 55,1 55,9 58,8 61,5
Elektrotechnik/ U: 15,3 12,2 12,0 11,8 10,2
Elektronik/Gerätebau A: 46,7 47,2 46,8 44,4 43,2
F: 38,0 40,6 41,2 43,8 46,6
Textilindustrie U: 9,5 9,4 10,1 8,6 9,0
A: 56,3 55,4 51,4 49,1 43,4
F: 34,2 35,2 38,5 42,3 47,6
2. Entwicklung der Qualifikationsstruktur der Produktionsarbeiter
im Kombinat Leuna-Werke 'Walter Ulbricht' 1960 bis 1968 (in Pro-
zent) 43)
1960 1968
Ungelernte 1,2 0,2
Angelernte 35,4 27,8
Facharbeiter 63,4 72,9
Im gesamten Kombinat soll der Anteil der Facharbeiter bis 1975
auf 83 Prozent erhöht werden, im Bereich der Forschung sogar auf
92 Prozent 44).
In diesem Kombinat zeichnet sich bereits deutlich die Tendenz ab,
die längerfristig das gesamtindustrielle Niveau bestimmen wird;
so soll in der sozialistischen Industrie bis 1980 die Kategorie
der Ungelernten verschwinden, die der Angelernten auf einen An-
teil von 15 Prozent reduziert werden; 85 Prozent der Beschäftig-
ten sollen also eine Facharbeiter-, Fach- oder Hochschulausbil-
dung erhalten 45).
Diese Veränderungen spiegeln sich auch in Umfang und Struktur der
Qualifizierungsmaßnahmen wider:
1. Umfang und Struktur der Qualifizierungsmaßnahmen in der sozia-
listischen Industrie 1961 bis 1970 (in Prozent; 1961 = 100) 46)
1966 1970
Gesamtzahl der Schulungsteilnehmer : 142,5 156
Vermittlung und Erweiterung von Grundkenntnissen: 68,1 -
Qualifizierung zum Facharbeiter : 114,0 118
Weiterbildung von Facharbeitern : 115,9 189
Qualifizierung zum Meister : 101,1 -
Qualifizierung zum Techniker : 64,9 -
Ingenieur- bzw. gleichwertiges Fachschulstudium : 153,6
182 47)
Hochschulstudium : 167,3
Weiterbildung für Hoch- und Fachschulkader : 526,9 1690
Fachliche Sondermaßnahmen : 336,2 -
Systematische Allgemeinbildung : 249,4 -
Es dominieren also insgesamt die Zuwachsraten bei der Aus- und
Weiterbildung von Hoch-und Fachschulkadern sowie den Fachlichen
Sondermaßnahmen; das Ergebnis sahen wir bereits in der sehr ra-
schen Zunahme der Hoch- und Fachschulkader und ihrem steigenden
Anteil an den Gesamtbeschäftigten. Innerhalb der Qualifizierung
der Produktionsarbeiter überwiegt die Aus- und Weiterbildung von
Facharbeitern gegenüber der Ausbildung für Angelerntentätigkeit.
Diese steigende Bedeutung der Weiterbildung gegenüber der Ver-
mittlung von Grundkenntnissen kommt auch in folgenden Daten zum
Ausdruck:
2. "1965 betrug der Anteil der Qualifizierungsmaßnahmen zur Ver-
mittlung und Erweiterung beruflicher Grundkenntnisse an der ge-
samten Erwachsenenqualifizierung 26 Prozent; 1970 verringerte
sich dieser Anteil auf 14,8 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der
Weiterbildungsmaßnahmen bei Facharbeitern im gleichen Zeitraum
von 7,8 Prozent auf 10,9 Prozent; bei Hoch- und Fachschulkadern
von 2,3 Prozent auf 11,7 Prozent" 48).
Eine wesentliche Grundlage für diese Entwicklung ist die rapide
Erhöhung des allgemeinen Bildungsniveaus der Arbeiterklasse in
der DDR: 1959 hatten 2,9 Prozent, 1969 bereits 20 Prozent der ar-
beitsfähigen Bevölkerung über 18 Jahren Oberschulbildung; 1969
hatten 60 Prozent aller Lehrlinge einen 10- oder 12-klassigen
Oberschulabschluß 49).
Insgesamt ergibt sich folgende Entwicklung der Qualifikations-
struktur der Produktionsarbeiter seit Anfang der 60er Jahre:
- Seit Anfang der 60er Jahre Rückgang der Ungelernten, in der
Perspektive deren völliges Verschwinden;
- Zunahme des Anteils der Angelernten bis Mitte der 60er Jahre,
danach langsame Abnahme und in der Perspektive weiterer forcier-
ter Rückgang;
- Zunahme des Facharbeiteranteils seit Anfang der 60er Jahre; für
die zweite Hälfte der 60er Jahre und die Perspektive weiteres
kontinuierliches Ansteigen 50).
Unklar bleibt allerdings, ob sich diese permanente Qualifikati-
onserhöhung bereits seit Ende der 50er Jahre ungebrochen durchge-
setzt hat 51).
Soweit diese Entwicklung in den 60er Jahren auf Betriebs- und
z.T. Industriezweigebene nicht gradlinig vor sich ging, ist es
bestimmten Momenten der Produktivkraftentwicklung sowohl in der
Phase der extensiv wie der intensiv erweiterten Reproduktion ge-
schuldet:
1. Der vollen Ausschöpfung des gesellschaftlichen Arbeitsvermö-
gens durch die vermehrte Einbeziehung meist gering qualifizierter
weiblicher Arbeitskräfte in den Produktionsprozeß (52);
2. dem Wandel in der Struktur des Arbeitsprozesses, wie er beim
Übergang zur Mechanisierung in bestimmten Momenten der Maschinen-
arbeit angelegt ist: "In größerer Zahl werden angelernte Arbeits-
kräfte beschäftigt, deren Qualifikation trotz steigender Tendenz
auch durch die höhere Qualifikation ... weiterer Fachkräfte nicht
ganz ausgeglichen wird" 53).
Darauf weisen auch folgende Daten hin:
Qualifikationsgrad der Produktionsarbeiter der sozialistischen
Industrie 1962 bis 1966 (in Prozent) 54)
1962 1964 1966
Produktionsarbeiter insgesamt U: 13,6 11,8 11,4
A: 42,0 43,0 40,9
F: 44,4 45,2 47,8
Produktionsarbeiter an Maschinen oder Anlagen U: 8,4 7,2 7,4
(Maschinenarbeiter) A: 51,5 52,0 48,9
F: 40,1 40,8 43,7
Andere Untersuchungen über den Zusammenhang von Produktiv-
kraftentwicklung und Qualifikationsstruktur, die dieses Moment
für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung verallgemeinern, be-
stätigen die bisher ermittelten Trends nicht in allen Punkten:
1. Rückgang der Ungelernten in der Phase der Mechanisierung, wei-
tere Reduzierung beim Übergang zu Teil- und Vollautomatisierung;
2. Steigender Anteil der Angelernten in der Mechanisierungsphase
und in der Teilautomatisierung, starker Rückgang bei Vollautoma-
tisierung;
3. Rückgang des Facharbeiteranteils in der Mechanisierung, konti-
nuierlicher Anstieg in der Teil- und Vollautomatisierung 55).
Demgegenüber weist die reale Entwicklung des Verhältnisses von
Produktivkraft- und Qualifikationsstruktur in der DDR seit Anfang
der 60er Jahre die trotz partiellem Qualifikationsrückgang 56)
gesamtgesellschaftlich als permanente Höherqualifizierung zu cha-
rakterisieren ist, bereits auf das Problem der 'Überqualifi-
kation', dessen gesellschaftliche Bedeutung später zu diskutieren
sein wird.
Zu 2.
Die Ermittlung des Ausmaßes der physischen Arbeitsbelastungen so-
wie des Monotoniegrades und der damit verbundenen Arbeitsbela-
stungen psychischer Art gestaltet sich insofern schwierig, als in
dem Material, das ausgewertet werden konnte, auf den letztgenann-
ten Aspekt schöpferischer Arbeit nicht explizit Bezug genommen
wird 57); es kann nur versucht werden, diesen Zusammenhang in re-
lativ grober Form als Ergänzung und Differenzierung der bisheri-
gen Analyse der Arbeitsprozesse herzustellen:
1. Das in erster Linie für nicht mechanisierte Produktionspro-
zesse charakteristische Moment der Arbeitsbelastung ist die
schwere körperliche Arbeit.
2. Ein zweites Moment erhöhter Arbeitsbelastung ist die Fließ-
bandarbeit, gekennzeichnet durch die taktgebundene Bearbeitung
des Arbeitsgegenstandes, die den Arbeiter zu sich ständig wieder-
holenden Handgriffen zwingt und ihn damit zum Anhängsel der Ma-
schine macht 58): "Der spezifischen Methode der Steigerung der
Arbeitsproduktivität durch Fließsysteme und andere Unterteilung
von Arbeitstätigkeiten ist die latente Disposition für eine zeit-
weise Vereinfachung der Tätigkeit an bestimmten Arbeitsplätzen
immanent" 59).
3. Als charakteristisch neuer Aspekt unschöpferischer Arbeit läßt
sich auf der Stufe der Automatisierung die 'geistig monotone' Ar-
beit festmachen, auch als 'Beschäftigungsarmut' und 'einförmig
geistige Tätigkeit' bezeichnet. Die Möglichkeit 'geistiger Mono-
tonie' ist in der Zunahme des passiven Arbeitsanteils angelegt,
wie sie mit der Abgabe von Ausführungsfunktionen und der Verlage-
rung der menschlichen Arbeitstätigkeit auf die Kontrollphase ver-
bunden ist 60).
Diesen 'neuralgischen Punkten' der Produktivkraftentwicklung sol-
len die im empirischen Material vorgefundenen Kategorien in fol-
gender Weise zugeordnet werden:
1. Schwere körperliche Arbeit
= Körperliche Arbeit ohne energiebetriebenes Maschinenwerkzeug
Körperlich schwere Arbeit an Maschinen oder Anlagen;
2. Körperlich monotone Arbeit
= Körperliche Bedienungstätigkeit an Maschinen oder Anlagen 61);
3. Geistig monotone Arbeit
= Kontroll- und Überwachungstätigkeit an Maschinen oder Anlagen
62). Dazu einige Daten:
1. Der Anteil der Handarbeiter, d. h. der Produktionsarbeiter
ohne bzw. ohne energiebetriebenes Maschinenwerkzeug sank von 38,9
Prozent (1963) auf 35,5 Prozent (1968) und 33,9 Prozent (1971)
63).
2. Der Mechanisierungskoeffizient der Arbeit betrug 1971 53,3
Prozent 64).
3. Entwicklung der Tätigkeit der Produktionsarbeiter der soziali-
stischen Industrie 1960 bis 1967 (in Prozent; 1960 = 100) 65)
1964 1967
Körperliche Arbeit ohne energiebetriebenes Maschinen-
werkzeug : 88,3 80,3
Körperlich schwere Arbeit an Maschinen : 95,9 92,4
Körperliche Bedienungstätigkeit an Maschinen : 110,0 111,6
Körperliche Arbeit mit energiebetriebenem Maschinen-
werkzeug : 107,6 114,7
Kontroll- und Überwachungstätigkeit nicht
an Maschinen : 107,8 116,5
Geistige Bedienungstätigkeit an Maschinen : 109,9 121,4
Kontroll- und Überwachungstätigkeit an Maschinen : 106,3 121,6
4. Veränderungen in der Tätigkeit der Produktionsarbeiter der so-
zialistischen Industrie 1965 bis 1971 (in Prozent) 66)
Körperliche Arbeit ohne energiebetriebenes Maschinenwerkzeug: -30
Körperlich schwere Arbeit an Maschinen : -8
Körperliche Bedienungstätigkeit an Maschinen : +12
Körperliche Arbeit mit energiebetriebenem Maschinenwerkzeug : +15
Kontroll- und Überwachungstätigkeit nicht an Maschinen : +16
Geistige Bedienungstätigkeit an Maschinen : +20
Kontroll- und Überwachungstätigkeit an Maschinen : +22
5. Der Anteil der Maschinenarbeiter mit körperlich schwerer Ar-
beit sank von 7,6 Prozent (1967) auf 7 Prozent (1971); in dieser
Zeit stieg der Anteil der Maschinenarbeiter mit geistiger Bedie-
nungstätigkeit von 11,3 Prozent auf 12,1 Prozent. Der Automati-
sierungskoeffizient der Arbeit, d. h. der Anteil der Produktions-
arbeiter und des ingenieur-technischen Personals, die Kontroll-
und Überwachungsfunktionen an Maschinen oder Anlagen wahrnehmen,
lag 1971 bei 7,6 Prozent 67).
Aus diesen Angaben lassen sich folgende Entwicklungstendenzen ab-
leiten:
1. Die Kontroll- und Überwachungstätigkeit an Maschinen oder An-
lagen nimmt am stärksten zu, gefolgt von der geistigen Bedie-
nungstätigkeit 68).
2. In geringerem Maße nimmt die körperliche Arbeit mit energiebe-
triebenem Maschinenwerkzeug zu.
3. Die schwere körperliche Arbeit geht ständig zurück; ihr Anteil
ist jedoch insgesamt noch recht beträchtlich 69).
4. Die körperliche Bedienungstätigkeit nimmt am geringsten zu,
steigt aber noch an.
Mit der Zunahme vergegenständlichter Arbeit im Fertigungsprozeß
(Maschinen und Anlagen) gewinnt auch der Bereich der Instandhal-
tung an Bedeutung. Jedoch sagt erst der Produktivkraftstand in
diesem Bereich Genaueres darüber aus, inwieweit auch diese Ver-
schiebung bereits ein Moment der Höherqualifizierung darstellt
70).
In diesen Ergebnissen zeigt sich einerseits perspektivisch die
als dominierende Tendenz (neben dem Anwachsen 'geistiger Monoto-
nie') mit der Zunahme geistiger Arbeitsfunktionen verbundene Ver-
mehrung schöpferischer Möglichkeiten der Arbeit 71); andererseits
weisen sie schwere körperliche Arbeit, die mit dem Übergang zur
Mechanisierung vermindert wird, und körperlich monotone Arbeit,
die in dieser Phase von großer Bedeutung ist, als weiterhin aktu-
elle Probleme nach; das umso mehr, als vor allem hinsichtlich der
Kontroll- und Überwachungstätigkeit, aber auch bezüglich der gei-
stigen Bedienungstätigkeit das geringe absolute Niveau zu beach-
ten ist, auf das sich die hohen Zuwachsraten beziehen: "Die Tat-
sache, daß der größte Teil der Produktionsarbeiter einen relativ
hohen Anteil körperlicher Arbeit leistet, wird erst in einem län-
geren historischen Prozeß überwunden werden können. Ebenso wird
der an automatisierten Produktionssystemen vorwiegend geistig tä-
tige Arbeiter in der nächsten Zukunft keine Massenerscheinung
sein" 72).
Über das eben dargestellte quantifizierende Material zur Entwick-
lung der Tätigkeitsstruktur hinaus seien noch einige Äußerungen
von Gesellschaftswissenschaftlern der DDR erwähnt, die sich eben-
falls auf die genannten Aspekte erhöhter Arbeitsbelastung bezie-
hen. In einem 1972 veröffentlichten Bericht über industriesozio-
logische Untersuchungen heißt es: "In verschiedenen Industrie-
zweigen ist zu beachten, daß eine Erhöhung des Mechanisierungs-
grades zur Reduzierung der manuellen Arbeit, des Kraftaufwands
und auch der benötigten Arbeitszeit führt, daß jedoch nicht in
gleichem Maße alle Möglichkeiten für ein größeres Schöpfertum in
der Arbeit erschlossen werden. Jedoch gerade hier liegt ein
Springpunkt für die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Die Redu-
zierung und Beseitigung von körperlich schweren Arbeiten, von Ar-
beiten unter Hitze, Staub, Lärm, Nässe, Schmutz usw. ist eine
dringliche Aufgabe, aber sie muß auf das engste mit dem Abbau
auch anderer von den materiellen Arbeitsbedingungen ausgehenden
negativen Wirkungen auf die geistig-schöpferische Funktion der
Produktionsarbeiter verbunden werden. Die Praxis zeigt, daß in
vielen Fällen gerade durch die Verletzung dieses Grundsatzes die
vorher errechnete Effektivitätssteigerung nicht erreicht wurde"
73).
Die Kontinuität dieser Probleme machen die Untersuchungen von
Sachse (1965), Zimmermann (1968) und Müller (1969) deutlich, in
denen vor allem die Arbeitsbelastungen bei den "Handmontagepro-
zessen in der Bandfertigung" und in der "teilautomatisierten,
fließenden Großserienproduktion" beschrieben und Überwindungsmög-
lichkeiten diskutiert werden 74).
Die bereits erwähnten spezifischen Monotoniegefahren der Automa-
tisierungsphase bestätigen auch Lötsch/Weidig (1972) mit dem Hin-
weis, daß "in vielen Fällen zusammen mit der Einführung der elek-
tronischen Datenverarbeitung der Anteil der geistigen mechani-
schen Tätigkeit, die in der Regel mit hohen psychischen Belastun-
gen verbunden ist, rasch ansteigt" 75).
Diese ergänzenden Hinweise auf fortdauernde bzw. neu entstehende
Komponenten erhöhter Arbeitsbelastung auch in der sozialistischen
Gesellschaft machen deutlich, daß es ungeachtet der Notwendig-
keit, "die soziale Formbestimmtheit im Gegenstand, in der inhalt-
lichen Bestimmung der Arbeit selbst aufzuspüren" 76), keine me-
chanische Determination des Inhalts der Arbeit durch ihre gesell-
schaftliche Form gibt; vielmehr ist festzuhalten, daß "der Cha-
rakter der Arbeit nicht ausschließlich ein Problem der Eigentums-
und Verteilungsverhältnisse (ist). Für die sozialökonomische Spe-
zifik der Arbeit sind insgesamt natürlich diese Faktoren aus-
schlaggebend, jedoch hat die Arbeit stets auch technologische
bzw. technische und technologisch bedingte Merkmale. Sie ist der
Stoffwechselprozeß des Menschen mit der Natur, dessen jeweilige
Besonderheiten nie unabhängig davon sind, mit welchen Arbeitsmit-
teln er vollzogen wird" 77).
F. Müller verselbständigt allerdings den Inhalt gegenüber der
Form der Arbeit, wenn er zu den "allgemeinen Merkmalen" der tech-
nischen Entwicklung "unabhängig, ob sie sich unter kapitalisti-
schen oder sozialistischen Bedingungen vollzieht", mit der Ent-
wicklung der Arbeitsteilung auch die Veränderung der Qualifika-
tion der Arbeitskräfte rechnet 78). Die Qualifikationsentwicklung
der Arbeiterklasse stellt vielmehr einen Knotenpunkt dar, in dem
die aus den Produktionsverhältnissen resultierenden unterschied-
lichen Möglichkeiten technischer und sozialer Entwicklung zusam-
menlaufen; hier ist die dem kapitalistischen System 79) immanente
Deformation der Produktivkräfte als notwendiges Resultat der Ka-
pitalverwertungsinteressen nachzuweisen, sind äußerlich ähnliche
Erscheinungen in der sozialistischen Gesellschaft, sofern sie
partiell festzumachen sind, als system-unspezifische Auswirkungen
unzureichender sozialer Planung zu dechiffrieren, denen zwar ob-
jektive Möglichkeiten der Produktivkraftentwicklung, aber keine
gesellschaftlichen Interessen an ihrer Realisierung zugrundelie-
gen.
Das erweist sich in den Maßnahmen, mit denen die sozialistische
Gesellschaft im Interesse und mit der Initiative der Werktätigen
die Probleme der Qualifikationsentwertung bewältigt, den Wider-
spruch zwischen Form und Inhalt der Arbeit schrittweise überwin-
det. Diese Maßnahmen umfassen, der dialektischen Einheit von Form
und Inhalt der Arbeit entsprechend, Komponenten technischer und
sozialer Natur.
Auf der Ebene des betrieblichen Arbeitsprozesses ist als wesent-
lichstes Moment, das Monotonie und Dequalifizierung verhindern
bzw. einschränken kann, die Veränderung der Arbeitsorganisation,
also die Herstellung sozialistischer Formen der betrieblichen Ar-
beitsteilung, zu nennen: "Bei geringer werdenden Anforderungen am
neuen Arbeitsplatz sollte der Arbeitsbereich des betreffenden Ar-
beiters neu untersucht und erweitert ... werden. Das kann z.B.
durch eine Veränderung der Arbeitsteilung und der Arbeitsorgani-
sation geschehen" 80), etwa durch die Mehrplatzbedienung, physio-
logische Bandsteuerung und den planmäßigen Wechsel der Arbeits-
kräfte am Fließband 81). Ähnliche Bedeutung kommt den mit der
Herstellung sozialistischer Produktionsverhältnisse freigelegten
Möglichkeiten der Gestaltung der Arbeitsplatzstruktur hinsicht-
lich der Differenzierung der Maschinenarbeit in Bedienungs- und
Einrichtungstätigkeit zu: "Für die Lösung des Problems (sc. der
Rationalisierung - CZ) lagen im Betrieb zwei Varianten vor. Die
eine sah vor, die Funktion des Einrichtens von der des Bedienens
zu trennen. Damit entsteht ein Bedarf an höher qualifizierten
Facharbeitern und von weniger qualifizierten für das Bedienen der
Maschinen. So wäre die alte aus dem Kapitalismus übernommene Ar-
beitsteilung reproduziert worden. Das würde zu einer - im übrigen
auch ökonomisch ineffektiven - Unterforderung der Arbeitsfreude
und Leistungsbereitschaft führen. Die andere Konzeption - für die
man sich entschied - geht davon aus, die Funktion des Einrichtens
mit der des Bedienens der Maschine zu vereinigen. Die höheren An-
forderungen beim Einrichten werden somit noch durch die höheren
Anforderungen der Mehrmaschinenbedienung erweitert" 82).
Ähnliche Möglichkeiten der Zusammenfassung von Arbeitsfunktionen
zu einer Arbeitsaufgabe bestehen auch auf der Stufe der Automati-
sierung: "Nicht wenig Diskussionen gab es z. B. in einem Maschi-
nenbaubetrieb wegen eines neuen automatisierten Maschinensystems.
Diese neue Anlage schien an die Facharbeiter - Zerspanungsfachar-
beiter, Elektriker, Schlosser - geringere Anforderungen zu stel-
len. Die Organisation der Arbeit an der Anlage wurde jedoch so
gestaltet, daß die geistigen Forderungen an die Arbeiter wuchsen
und breitere Fachkenntnisse notwendig wurden, indem den mit Spe-
zialkenntnissen als Dreher, Schlosser, Elektriker ausgerüsteten
'Systembedienern' die Verantwortung für das Funktionieren der Ge-
samtanlage übertragen wurde. Bei Beibehaltung einer bestimmten
Spezialisierung erweiterten sich die Anforderungen zur Beherr-
schung des Gesamtsystems. Die Vielfalt der Arbeitsfunktionen,
insbesondere die Überwachung, Kontrolle, das Mitdenken über die
Vervollkommnung des Produktionsprozesses wird hier zur notwendi-
gen Ergänzung spezieller Funktionen bei der Arbeit" 83).
Mit den Hinweisen auf diese Möglichkeiten der Gestaltung der Ar-
beitsorganisation ist bereits eine, wenn auch nicht die entschei-
dende Determinante 84) dafür analysiert, daß sich die Höherquali-
fizierung des produktiven Gesamtarbeiters im Sozialismus als kon-
tinuierliche, alle Gruppen der Industriearbeiter erfassende Qua-
lifikationsverbesserung durchsetzt.
Derartige Maßnahmen entsprechen den neuen Maßstäben, die, wie die
Diskussion über die im nächsten Abschnitt dargestellten Probleme
zeigt, in der gegenwärtigen Phase der gesellschaftlichen Entwick-
lung der DDR für die Qualität einer differenzierten Sozialplanung
zu setzen sind 85); über die Unzulänglichkeiten der bisherigen
Praxis schreibt Liehmann: "Seit Jahrzehnten werden Betriebskol-
lektivverträge, Kader- und Bildungspläne, Programme zur Verbesse-
rung der Arbeits- und Lebensbedingungen erarbeitet. Jedoch sind
damit nicht alle Probleme der sozialen Planung erfaßt. Der BKV
z.B. ist ein Jahresprogramm und stellt sich nicht die Aufgabe,
die langfristigen Prozesse der Entwicklung der Arbeitskollektive
zu planen. Nicht selten sind die Bildungspläne ungenügend mit den
ökonomisch-technischen Vorhaben des Betriebes abgestimmt. ... Der
entscheidende Mangel aber ist die unzureichende Analysentätigkeit
und die Tatsache, daß wir uns wenig Zeit nehmen, über soziale
Entwicklungen im Betrieb nachzudenken" 86).
Die Sozialplanung, die in aufeinanderfolgenden Phasen die Beur-
teilung des gegenwärtigen Entwicklungsstandes, die Analyse der
realen Bedingungen zur Verbesserung der "sozialen Parameter der
Kollektiventwicklung" sowie die quantitative Bestimmung der ge-
planten Veränderungen umfaßt, bezieht sich vor allem auf folgende
Aspekte:
"Soziale Folgeerscheinungen der Einführung neuer Technik und
Technologie in der Planperiode; Erhöhung der allgemeinen und
fachlichen Bildung der Werktätigen; Veränderung in der sozialen
Struktur der Arbeiter, Angestellten und des ingenieur-technischen
Personals; Maßnahmen zur Regulierung der Fluktuation und der Ar-
beitskräftebewegung innerhalb der Produktion". 86a) Kernstück je-
der Planung der Entwicklung der Sozialstruktur im Betrieb ist da-
mit die Analyse der Perspektiven für die Veränderung der Berufs-
und Qualifikationsstruktur.
In der kapitalistischen Gesellschaft der BRD verläuft demgegen-
über die Qualifikationsentwicklung der Arbeiterklasse in system-
spezifisch anderer Weise: Neuere Untersuchungen haben nachgewie-
sen, daß angesichts der Tatsache, daß durch die technische Ent-
wicklung in ihrer kapitalistischen Variante neben hochqualifi-
zierten Tätigkeiten nicht zuletzt restriktive und qualifikations-
arme Arbeiten geschaffen bzw. perpetuiert werden, Entwicklungs-
schemata, die eine einheitliche Höherqualifizierung der Indu-
striearbeiterschaft unterstellen, als falsifiziert gelten müssen;
es sind gerade nicht die qualifizierten Momente der Industriear-
beit, die verallgemeinert werden: "Meist sind es ... einfache
Handarbeiten und repetitive Teilarbeiten, die trotz fortschrei-
tender Mechanisierung bestehen bleiben - seltener die qualifi-
zierten Varianten herkömmlicher Industriearbeit. Nach unseren
Ergebnissen impliziert die technische Entwicklung demzufolge
nicht nur eine Differenzierung der Gesamtgruppe der Industriear-
beiter, sie führt gleichzeitig auch zu einer Polarisierung der
Belegschaften an den technisch fortgeschrittenen Aggregaten" 87).
Dabei setzt sich längerfristig und als Haupttendenz auch unter
kapitalistischen Bedingungen die Höherqualifizierung der Arbei-
terklasse durch - aber auf äußerst widersprüchliche Weise, als
"'Polarisierung zwischen relativ wenigen Funktionen mit hohen be-
rufstheoretischen oder geistig-schöpferischen Anforderungen und
monotonen Routinearbeiten'" 88).
3. Probleme einer proportionalen Entwicklung
--------------------------------------------
des produktiven Gesamtarbeiters
-------------------------------
3.1 "Überqualifikation" oder:
-----------------------------
Was ist eine optimale Qualifikationsstruktur?
---------------------------------------------
Die bisherige Untersuchung hat gezeigt, daß die umfassende,
gleichmäßige Höherqualifizierung die dominierende Perspektive für
die Werktätigen darstellt; gleichfalls ist aber deutlich gewor-
den, daß beim gegenwärtigen Stand der Produktivkraftentwicklung
in der DDR die Automatisierung der Produktionsprozesse noch nicht
gesamtgesellschaftlich bestimmend ist. Das wirft die Frage auf,
ob nicht die Antizipation künftiger Strukturen des Arbeitsprozes-
ses, wie sie durch das sozialistische Bildungssystem realisiert
wird und sich bereits in der Qualifikationsstruktur nieder-
schlägt, zu 'Überqualifikation' führen und infolge des mit hoher
Allgemein- und fachlicher Bildung verbundenen Anspruchsniveaus an
die schöpferischen Möglichkeiten der Arbeitsinhalte als Faktor
für die Entstehung von Arbeitsunzufriedenheit wirken muß - eine
durch die mit der Arbeitsunzüfriedenheit verbundene Fluktuation
u.U. auch ökonomisch ineffektive Entwicklung 89). Befragt man das
vorliegende Material auf den Grad der Übereinstimmung zwischen
Qualifikations- und Arbeitsplatzstruktur, so ist zunächst darauf
hinzuweisen, daß zumindest bis in die Mitte der 60er Jahre das
Problem der Unterqualifikation der Produzenten für ihren Arbeits-
platz einige Bedeutung hatte:
1. Untersuchungen in Betrieben der VVB Werkzeugmaschinen und
Werkzeuge für die Zeit von 1958/59 bis 1966 ergaben, daß "in der
Mehrzahl der untersuchten Abteilungen die vorhandene Qualifika-
tion bzw. Lohngruppe der Produktionsarbeiter unter den Anforde-
rungen der Arbeit an die Qualifikation lag, soweit diese durch
die Lohngruppe der Arbeit widergespiegelt werden. Die Differenz
verringerte sich zwar in dem untersuchten Zeitraum ..., aber sie
bestand auch 1966 noch und drückte damit in einem bestimmten Um-
fang den Grad der ungenügenden Qualifikation der Produktionsar-
beiter aus" 90).
2. 1966 waren von 100 Teilnehmern an Facharbeiterlehrgängen der
zentralgeleiteten Industrie 49 als Facharbeiter, 50 als ange-
lernte oder ungelernte Arbeitskräfte und 1 als Brigadier bzw.
Meister tätig 91).
Aus der Gesamtentwicklung der Qualifikationsstruktur wie aus der
weiteren Erhöhung des Niveaus der Berufsausbildung (Einführung
der Grundberufe) läßt sich jedoch ableiten, daß das zukünftig be-
stimmende Moment einer im Verhältnis zur Arbeitsplatzstruktur
disproportionalen Arbeitskräftestruktur in der 'Überqualifika-
tion' liegen wird 92):
In Betrieben der chemischen Industrie stellte G. Bohring Mitte
der 60er Jahre fest, daß "eine beträchtliche Zahl Jugendlicher
nach Abschluß der Betriebsberufsschule nicht entsprechend der er-
haltenen Fachausbildung eingesetzt wird" 93). In einem 1968 ver-
öffentlichten Bericht heißt es: "Untersuchungen in der Braunkoh-
leindustrie ergaben, daß nur knapp 50 Prozent der ausgebildeten
Lehrlinge in dem Beruf verbleiben, für den sie ausgebildet wur-
den. Ein großer Teil dieser Arbeitskräfte wandert zu Tätigkeiten
ab, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegen. Im VEB Optima
haben beispielsweise 61,5 Prozent der männlichen Arbeitskräfte,
die angelernte Tätigkeit ausüben, eine Facharbeiterausbildung in
einem anderen Beruf hinter sich" 94).
Diese Belege, die hier für zahlreiche andere Hinweise stehen,
lassen sich bis in die jüngste Zeit verlängern: "Gegenwärtig ent-
stehen der Gesellschaft große Verluste, weil für einen bestimmten
beruflichen Einsatz ausgebildete Werktätige nicht in Übereinstim-
mung mit ihrer erworbenen Qualifikation tätig werden", was neben
den ökonomischen Verlusten auch "ernste Auswirkungen auf die so-
zialistische Persönlichkeitsentwicklung" hat 95).
Dieses Material verweist auf zwei zusammenhängende Momente dis-
proportionaler Qualifikationsentwicklung: Zum einen belegt es die
partiellen (aber, wie bereits dargestellt, nicht auf die gesamt-
gesellschaftliche Ebene durchschlagenden) Prozesse der Qualifika-
tionsentwertung, die neben unzureichender Planung der Berufs-
struktur vor allem in der technologischen Entwicklung begründet
sind, auf die bereits eingegangen wurde, zum anderen verweist es
auf die zunehmend bedeutsamer werdende Erscheinung der
'Überqualifikation' 96).
Es bleibt also festzuhalten, daß beim heutigen wissenschaftlich-
technischen Stand der Produktion noch nicht alle Arbeiter die
Möglichkeiten ihrer beruflich-fachlichen Bildung voll ausschöpfen
können. Angesichts der Perspektive, daß sich die "Disproportion
zwischen den schöpferischen Möglichkeiten der Arbeit und dem Ni-
veau der Ansprüche der jungen Generation der Arbeiterklasse" 97)
nur langsam verringern wird, vertreten einige Gesellschaftswis-
senschaftler die Meinung, diese "Vergeudung von Bildungsmitteln"
müsse durch eine engere Anpassung des Qualifikations- an das Pro-
duktionsmittelniveau beseitigt werden 98). Inwieweit dieser
Auffassung zuzustimmen ist, soll eine genauere Analyse des sozia-
listischen Qualifikationsbegriffs zeigen, die die Kriterien ent-
wickelt, die an ein optimales Bildungsniveau der Werktätigen ei-
ner sozialistischen Gesellschaft anzulegen sind.
Eine Komponente der Qualifikation ist durch die Anforderungen an
die Produzenten charakterisiert, wie sie sich aus ihrer Stellung
im gesellschaftlichen und betrieblichen arbeitsteiligen Produkti-
onsprozeß ergeben; diese Qualifikationskomponente reflektiert die
Funktion der Bildung als "effektivitätsbestimmender Faktor des
Wirtschaftswachstums im ökonomischen System des Sozialismus" 99),
indem sie den technisch bedingten Mindestbedarf an Kadern defi-
niert 100). Daß aber die gesellschaftlichen Verhältnisse bereits
in die technische Definition der Qualifikationsanforderungen ein-
greifen, wurde bereits deutlich gemacht: Erforderlich ist in er-
ster Linie nicht eine kurzfristig kostenminimale, sondern ein Ma-
ximum schöpferischer Arbeitsinhalte ermöglichende Gestaltung der
Arbeitsorganisation. In der sozialistischen Gesellschaft ist die
Bildung darüberhinaus nicht nur technisch bzw. ökonomisch defi-
nierter Wachstumsfaktor, sondern, als Konsequenz der Doppelfuhk-
tion der Werktätigen als Produzenten und sozialistische Eigentü-
mer, wesentliches Element ihres Strebens nach "allseitiger Ent-
wicklung der sozialen, geistigen und ästhetischen Anlagen und Fä-
higkeiten aller Mitglieder der Gesellschaft" 101); damit treten
für den Bereich der materiellen Produktion als weitere Komponente
die allgemeinen Anforderungen hinzu, die erst die aktive Teil-
nahme aller an der Planung und Leitung des Betriebes, insbeson-
dere der Weiterentwicklung seiner wissenschaftlich-technischen
Basis ermöglichen - also genaue Kenntnisse über die politischen,
ökonomischen und wissenschaftlich-technischen Zusammenhänge der
gesellschaftlichen Produktion 102). Somit stellt sich die opti-
male Qualifikation sozialistischer Produzenten als Einheit von
beruflichfachlicher Bildung (d.h. wissenschaftlich-technischer
Allgemeinbildung und beruflicher Spezialisierung) und politisch-
ideologischen Kenntnissen dar 103). Daher können alle Behauptun-
gen über eine 'Inflation der Bildung' nur bei einem verkürzten
Begriff ökonomischer Rationalität einen Schein von Berechtigung
haben; "berücksichtigt man jedoch die gesamte Vielfalt der sozia-
len Funktionen der Allgemeinbildung, kann eine derartige Lösung
des Problems in keiner Weise als optimal betrachtet werden. Das
allgemeine Bildungsniveau der Bevölkerung ist ein mächtiger sub-
jektiver Entwicklungsfaktor in vielen Bereichen des gesellschaft-
lichen Lebens. Es ist sozusagen ein Unterpfand der Vorwärtsbewe-
gung in der allseitigen Entwicklung der Persönlichkeit sowohl als
entscheidende Produktivkraft der Gesellschaft wie auch als Sub-
jekt des gesellschaftlichen Gesamtprozesses, der die verschieden-
sten Seiten der ökonomischen, politischen und geistigen Aktivität
der Werktätigen umfaßt" 104).
Auf der 2. Theoretischen Konferenz des FDGB von 1969 wurde eben-
falls betont, daß der Widerspruch zwischen dem Bildungsniveau und
den gegebenen Arbeitsbedingungen zu einer spezifischen Triebkraft
für deren weitere Verbesserung werden kann - "wenn die Wirt-
schafts- und Gewerkschaftsleitungen es verstehen, die Arbeitsbe-
dingungen unter Nutzung der schöpferischen Tätigkeit der Werktä-
tigen zu verändern" 105).
Im Prinzip ist also unter sozialistischen Produktionsverhältnis-
sen das Verhältnis von Arbeitsvermögen und unmittelbarer Lei-
stungsanforderung am Arbeitsplatz dadurch bestimmt, daß beide
nicht identisch sind, sondern ein ständiger Vorlauf des lebendi-
gen Arbeitsvermögens zu sichern ist: "Kennzeichnend für die so-
zialistische Gesellschaft überhaupt ist, daß das Bildungsniveau
der Werktätigen schneller wächst als der wissenschaftlich-techni-
sche Fortschritt durchgesetzt werden kann. Daher kommt es der Ar-
beiterklasse stets -. darauf an, das vorhandene Wissen und Können
des einzelnen bei der Veränderung und Gestaltung der Produktion
zweckmäßig zu nutzen und es im Prozeß der Arbeit zu vervollkomm-
nen" 106). Die Nicht-Identität von unmittelbarer Arbeitsanforde-
rung und Arbeitsvermögen muß also nicht Ausdruck unzureichend be-
wältigter Widersprüche sein, sondern wird zur Voraussetzung so-
zialistischer Rationalisierungspolitik, deren allgemeinstes Prin-
zip W. Ulbricht 1969 programmatisch formulierte: "Wir organisie-
ren die Automatisierung so, daß sie im Prozeß schöpferischer Ar-
beit der Menschen entsteht und gleichzeitig dazu beiträgt, neue
Bedingungen für schöpferische Arbeit zu schaffen" 107).
Gemessen an diesem strikten Anspruch umfassender Mitwirkung an
der Gestaltung der gesellschaftlichen Entwicklung, insbesondere
des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, ist (wie Untersu-
chungen zeigen, auf die an dieser Stelle nicht im einzelnen ein-
gegangen werden soll) 108) bei einem großen Teil der Produktions-
arbeiter allerdings noch ein Qualifikationsdefizit zu konstatie-
ren, das jede Behauptung von 'Überqualifikation' als zumindest
unreflektiert erweist.
Das Problem der 'Überqualifikation' hat noch einen weiteren
Aspekt, der in der DDR nicht weniger aktuell ist - die 'Über-
qualifikation' des produktiven Gesamtarbeiters, bezogen auf das
Verhältnis von Produktionsarbeitern und Hoch- und Fachschulkadern
109). Die objektive Tendenz der Erhöhung des Anteils der Hoch-
und Fachschulkader an den Beschäftigten, Ausdruck einer neuen
Stufe der Verwissenschaftlichung der Produktion, ist in der DDR
in den 60er Jahren, entsprechend der Fehleinschätzung des Tempos
der wissenschaftlich-technischen Entwicklung, offensichtlich
überschätzt worden 110); das zeigt die seit Anfang der 70er Jahre
zunehmende Kritik an dieser Entwicklung. So erklärte M. Honecker
auf dem VIII. Parteitag der SED: "Manche Formulierungen in
unserer Propaganda, beeinflußt von einigen nicht ganz reali-
stischen Prognosen, erweckten zeitweilig den Eindruck, als müßte
unsere Schule die Jugend in erster Linie auf das Studium an den
Hoch-und Fachschulen vorbereiten. Wir schätzen die Aufgabe, Hoch-
und Fachschulkader heranzubilden, nicht gering ... Die Tatsache,
daß sich der Charakter der Arbeit verändert, daß sich ein Prozeß
der zunehmenden Annäherung von körperlicher und geistiger Arbeit
vollzieht und das geistig-schöpferische Element in allen Arbeits-
prozessen und in der gesamten Lebenstätigkeit des sozialistischen
Staatsbürgers immer mehr zunimmt, kann und darf jedoch nicht so
ausgelegt werden, als ob jeder Absolvent der Schule ein Hoch-
oder Fachschulstudium aufnehmen müsse" 111).
Wie auf der 6.Tagung des ZK der SED vom Juli 1972 deutlich wurde,
hat diese Entwicklung bereits zu Einsatzproblemen der Hoch- und
Fachschulkader geführt: "Bekanntlich traten in diesem Jahr beim
Einsatz der Absolventen, vor allem der technischen und naturwis-
senschaftlichen Studienrichtungen, Schwierigkeiten auf. ... Die
Orientierung, mehr Arbeitskräfte in der materiellen Produktion
einzusetzen, wurde in einigen Betrieben und Kombinaten engstirnig
und z. T. falsch ausgelegt. Planstellen für wissenschaftliche Ka-
der wurden gekürzt und bereits abgeschlossene Verträge mit Absol-
venten gekündigt". Da es aber durchaus noch unterbesetzte Kader-
stellen gebe, komme es darauf an, durch bessere Planung diese
Disproportionalität zu beseitigen 112).
Bei diesem Aspekt der 'Überqualifikation' stellt sich auf einer
anderen Ebene wiederum die Frage, inwieweit zur Realisierung der
gesellschaftspolitischen Implikationen sozialistischer Bildung
eine permanent erweiterte Reproduktion der Qualifikationsstruktur
notwendig ist - also Weiterbildungsmaßnahmen, die mit einer Erhö-
hung der Qualifikationsstufe verbunden sind 113). Dazu schreiben
Lötsch/Weidig in ihrem 1972 veröffentlichten Aufsatz: "Wenn die
Orientierung, daß die Arbeiterklasse der entwickelten sozialisti-
schen Gesellschaft durch eine hohe und ständig steigende Qualifi-
kation gekennzeichnet sein muß, unhistorisch verstanden wird,
läßt sich leicht die Folgerung ableiten, daß der Prototyp des An-
gehörigen der Arbeiterklasse sozusagen der Werktätige mit Hoch-
oder aber zumindest Fachschulbildung sein müsse. Wird dann die
Ausbildung solcher Kader über die realen Möglichkeiten und Erfor-
dernisse hinaus erhöht, führt das zu großen Disproportionen und
zu der Erkenntnis, daß es nicht möglich ist, die Qualifikations-
struktur beliebig zu verändern: Einem Überangebot an Hoch- und
Fachschulkadern stände ein Mangel an Facharbeitern gegenüber. Die
Qualifikationsstruktur unterliegt objektiven Gesetzen, so daß
sich bei voller Auslastung des gegebenen Arbeitskräftepotentials
ein Überschuß bei einem Qualifikationstyp stets als Mangel bei
einem anderen darstellen muß. Analoges gilt für andere Struktur-
dimensionen" 114).
Diese Ausführungen provozieren die Frage, ob hier nicht die öko-
nomistische Betrachtungsweise reproduziert wird, die bereits oben
kritisiert wurde. Allein die einfache Reproduktion der Qualifika-
tion der Werktätigen, d. h. die Verbreiterung bzw. Umprofilierung
ihrer wissenschaftlich-technischen Kenntnisse entsprechend den
veränderten unmittelbaren Arbeitsanforderungen kann ihre effek-
tive, zunehmend intensiver werdende Beteiligung an der soziali-
stischen Rationalisierung angesichts der ständig wachsenden wis-
senschaftlich-technischen Anforderungen im Bereich der Produkti-
onsvorbereitung nur in begrenztem Maße vorantreiben; so könnten
gerade Produktionsarbeiter mit Techniker- oder gar. Ingenieurqua-
lifikation besonders effektiv in den Arbeits- und Forschungsge-
meinschaften, den Neuererkollektiven, bei der Planung und Leitung
im Betrieb mitarbeiten. Unter Berücksichtigung der erheblich hö-
heren Aufwendungen für die Ausbildung von Hoch- und Fachschulka-
dern 115) und des - möglicherweise - noch verschärften Problems
der Arbeitsunzufriedenheit ist dennoch, wie es auch der realen
gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR entspricht, der Haupt-
akzent zur Höherqualifizierung vorerst auf die weitere Erhöhung
des Facharbeiteranteils sowie auf die inhaltliche Umstrukturie-
rung der Facharbeiterausbildung im Sinne der Einbeziehung weite-
rer allgemeinbildender Elemente zu legen 116). Dabei ist aber ge-
genüber Lötsch/Weidig festzuhalten, daß die 'objektiven Gesetze'
der Qualifikationsstruktur nicht um die gesellschaftspolitische
Dimension politischer Bildung verkürzt werden dürfen.
3.2 Perspektiven der Disponibilität -
-------------------------------------
zur Struktur der Grundberufe
----------------------------
Aus der bisherigen Diskussion über den sozialistischen Qualifika-
tionsbegriff ergibt sich als Ziel sozialistischer Berufsausbil-
dung die Einheit von politisch-ideologischer und fachlicher Bil-
dung, die eine ständig erhöhte Disponibilität der Produzenten für
ihre Arbeitstätigkeit und ihre gesellschaftlichen Aktivitäten si-
chert Disponibilität meint dabei nicht die "Summe der Fertigkei-
ten vieler unterschiedlicher spezialisierter Tätigkeiten", son-
dern diejenigen "technischen, technologischen und ökonomischen
Kenntnisse und geistigen Fähigkeiten..., die sich durch hohe
Wertbeständigkeit der Bildung auszeichnen" 117).
Dieses Ziel soll in der Phase der wissenschaftlich-technischen
Revolution durch die Ausbildung in Grundberufen mit ihrem Kern-
stück, den neuen Grundlagenfächern, erreicht werden. Auf dem VII.
Parteitag der SED 1967 entwickelte W. Ulbricht die Grundzüge die-
ser Konzeption aus der Kritik der bisherigen Berufsausbildung,
die durch "zu enge Spezialisierung der Ausbildungsberufe und die
organisatorische Trennung von beruflicher Grundlagenausbildung
und spezieller Ausbildung" den perspektivischen Anforderungen
nicht mehr genüge; er betonte die Notwendigkeit, "eine Reihe bis-
her bestehender Ausbildungsberufe zu Grundberufen zusammenzufas-
sen, die durch technisch und technologisch verwandte Produktions-
prozesse gekennzeichnet sind. Die Ausbildung in einem Grundberuf
gewährleistet einen hohen Grad der Einsatzfähigkeit des einzelnen
Werktätigen und ist die Basis für eine ständige berufliche Wei-
terbildung" 118).
Der Ausbildungsinhalt der Grundberufe wird aus den Perspektiven
der technischen Entwicklung und den steigenden Anforderungen der
sozialistischen Demokratie abgeleitet; dadurch nimmt vor allem
die Bedeutung der allgemeinbildenden und beruflichen Grundlagen-
fächer zu 119). Grundlage für die Inhaltsbestimmung der einzelnen
Grundberufe sind gleiche bzw. ähnliche technische und technologi-
sche Arbeitsprozesse, was aber nicht heißt, daß die Ausbildungs-
inhalte bisheriger Berufe einfach zusammengefaßt werden 120);
vielmehr sind bei der inhaltlichen Struktur des Grundberufes vier
Bestandteile zu unterscheiden:
1. Bildungsinhalte, die allen Ausbildungsberufen eigen sind (EDV,
BMSR-Technik, Elektronik, Ökonomie);
2. Bildungsinhalte, die mehreren Ausbildungsberufen eigen sind
(z.B. Verfahrens- bzw. Fertigungstechnik, Technisches Zeichnen,
Maschinen- und Anlagenkunde, Werkstoffkunde, Qualitätssiche-
rung/Güterkontrolle);
3. Bildungsinhalte, die die Spezifik des betreffenden Grundbe-
rufes ausmachen (z.B. Technologie der Zerspanung);
4. Bildungsinhalte, die eine berufliche Spezialisierung innerhalb
des betreffenden Grundberufes ausmachen (z.B. Zerspanungsfachar-
beiter - Schleifen auf Außen-und Innenrundschleifmaschinen) 121).
Der Grundberuf verlangt mit der wesentlichen Erweiterung der be-
rufstheoretischen Inhalte das Niveau der Allgemeinbildung, das
bis zur 10. Klasse der allgemeinbildenden polytechnischen Ober-
schule vermittelt wird: Lag das Theorie-Praxis-Verhältnis in der
Berufsausbildung für den traditionellen Ausbildungsberuf bei
1:2,6, so liegt es bei den Grundberufen bereits zwischen 1:1,8
und 1:0,6 122). Das setzt außerdem einen hohen Anteil der Aus-
bildungszeit in der Berufsschule an der Gesamtausbildungszeit
voraus; er beträgt in der DDR etwa 39 Prozent, ist also fast dop-
pelt so hoch wie in der BRD 123).
Allgemeinbildende Fächer in der Berufsausbildung sind
- bei Abschluß der 10. Klasse: Staatsbürgerkunde, Sport 124);
- bei Abschluß der 8. Klasse: Deutsche Sprache und Literatur,
Staatsbürgerkunde, Geschichte, Mathematik 125).
Mit der Einführung der Grundberufe kommen zu dem Grundlagenfach
Betriebsökonomik für die Absolventen der 10. Klasse der Ober-
schule als neue berufliche Grundlagenfächer
- Grundlagen der Eletronik
- Grundlagen der Betriebs-, Meß-, Steuer-und Regeltechnik (BMSR)
- Grundlagen der Datenverarbeitung
hinzu 126).
Aus dem Ausbildungsradius des Grundberufes ergibt sich, daß in
jedem Grundberuf eine größere Zahl von Lehrlingen und Werktätigen
ausgebildet wird; er ist insofern ein Massenberuf. Seit Ende 1970
sollen 35 Prozent, in der Perspektive 75 Prozent aller Lehrlinge
in Grundberufen ausgebildet werden. Im Zuge der Einführung der
Grundberufe sank die Gesamtzahl der Ausbildungsberufe von 455
(1967) auf ca. 300 (1971) und-soll bis 1975 auf 273 zurückgehen,
während die Zahl der Grundberufe von 4 (1967) auf 28 (1971) an-
stieg. Nach vorläufigen Schätzungen wird es aber auch längerfri-
stig neben den Grundberufen ca. 200-250 Ausbildungsberufe geben
127).
Mit dieser zügigen, konsequent an perspektivischen technischen
und sozialen Erfordernissen orientierten Einführung der Grundbe-
rufe und ihren hohen Anforderungen scheint auch die Differenzie-
rung von Lehrlingsstrukturen zusammenzuhängen, auf deren Untrag-
barkeit für eine sozialistische Gesellschaft 1971 mit Nachdruck
hingewiesen wurde: "Jede Konstruktion von Rangfolgen der Berufe
entspricht weder den Erfordernissen der sozialistischen Entwick-
lung noch der prinzipiellen Haltung des Marxismus-Leninismus zur
Arbeit und zu den arbeitenden Menschen. Aus dieser Sicht ist auch
jegliches einseitiges propagandistisches Hervorheben der Grundbe-
rufe zu überwinden. Bei uns werden alle volkswirtschaftlich not-
wendigen Berufe und jede nützliche Arbeit gesellschaftlich geach-
tet" 128).
Damit dürfte deutlich geworden sein, daß die Konzeption des
Grundberufes von jenem sozialistischen Qualifikationsbegriff aus-
geht, der im vorhergehenden Abschnitt entwickelt worden ist und
in seine Zielsetzung alle Betätigungsweisen der sozialistischen
Persönlichkeit einbezieht 129).
Wie die Qualifikationsentwicklung der Arbeiterklasse in der DDR
insgesamt, läßt sich auch die Konzeption der Grundberufe nicht
adäquat begreifen ohne Berücksichtigung der gesamtgesellschaftli-
chen Zusammenhänge, auf die sie bezogen ist; das zeigt sich mit
alter Deutlichkeit im Vergleich mit den Reformkonzeptionen zur
Berufsausbildung in der BRD: Während die Ausbildung in Grundberu-
fen das Problem der einheitlichen Höherqualifizierung der Arbei-
terklasse für die Perspektive gelöst hat, perpetuiert das Konzept
der Stufenausbildung mit der intendierten geringen Durchlässig-
keit der einzelnen Ausbildungsstufen unter Minimierung der Aus-
bildungskosten jene Polarisierung der Industriearbeiterschaft,
die bereits als beherrschende Tendenz in der BRD festgestellt
wurde. Insofern mag es zwar den auch aus kapitalistischer Per-
spektive unabweisbaren Anforderungen des wissenschaftlich-techni-
schen Fortschritts genügen, aber auf Kosten der Arbeiter, denen
eine langfristig verwertbare Ausbildung verwehrt wird 130).
Mit der Ausbildung eines immer größeren Teils der jungen Werktä-
tigen in Grundberufen ist also das Problem der Disponibilität der
sozialistischen Produzenten für die Zukunft vorangebracht, nicht
aber für die bereits im Produktionsprozeß stehenden (zum größeren
Teil weiblichen) Werktätigen ohne Facharbeiterausbildung sowie
diejenigen Facharbeiter, die zu einer geringer qualifizierten Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf übergewechselt sind.
Für diese Gruppen ist die 'aufgaben- und objektbezogene Aus- und
Weiterbildung' der Hauptweg, um durch Höherqualifizierung den
veränderten Anforderungen in der Produktion zu entsprechen 131).
Dabei wird vor allem auf die richtige Verbindung zwischen einer
schnell produktionswirksamen und den langfristigen Interessen der
Werktätigen entsprechenden Ausbildung zu achten sein; das ge-
schieht durch die Zerlegung des Gesamtprogramms für die Ausbil-
dung in einem Grundberuf in spezielle Programme: "Die speziellen
Lehrprogramme werden für die aufgaben- und objektbezogene Ausbil-
dung für den Arbeitsplatz oder Arbeitsbereich genutzt. Dadurch
erreichen wir, daß der Werktätige schnell produktionswirksam ar-
beitet und daß er bei einer Qualifizierung zum Facharbeiter nur
noch die ihm fehlenden Spezialprogramme absolvieren muß" 132).
Auch dieses Programm der Aus- und Weiterbildung hat also wenig
mit der kapitalistischen Stufenausbildung zu tun, in der "große
Teile der Werktätigen bereits vor Erreichung der Facharbeiterqua-
lifikation 'stufenweise' aus dem Ausbildungsprozeß ausgeschieden
werden" 133): Diese Ergänzung zur Grundberufsausbildung baut ent-
weder auf einer Facharbeiterausbildung auf oder dient gerade dazu
sicherzustellen, daß bestimmte, bisher nicht genügend berücksich-
tigte Gruppen der Produktionsarbeiter den Anschluß an die allge-
meine Höherqualifizierung finden 134).
In dieser Arbeit, die einige Tendenzen der Entwicklung der Struk-
tur der Arbeiterklasse in der DDR in der gegenwärtigen Phase der
technischen Entwicklung aufzeigen sollte, ist auf dem angedeute-
ten Hintergrund der Entwicklung in der BRD vielleicht deutlich
geworden, daß die analysierten Prozesse nicht als Entwicklung au-
tonomer technologischer und sozialer Strukturen, sondern nur als
Erscheinungsformen durch die Eigentumsverhältnisse determinierter
gesamtgesellschaftlicher Prozesse zu begreifen sind 135).
_____
*) Das Manuskript wurde Ende August 1973 abgeschlossen.
1) Zur Formulierung und Durchsetzung dieser Politik vgl. SOZIALI-
STISCHE RATIONALISIERUNG UND STANDARDISIERUNG. Konferenz des ZK
der SED und des Ministerrates der DDR am 23. und 24.6.1966 in
Leipzig, Berlin 1966.
1) THEORETISCHE UND METHODOLOGISCHE PROBLEME DER MARXISTISCHEN
INDUSTRIESOZIOLOGIE, Berlin 1967, S. 9.
3) Vgl. INDUSTRIESOZIOLOGIE, S. 13.
4) U. Ludwig u.a.: BILDUNG ALS ÖKONOMISCHE POTENZ IM SOZIALISMUS,
Berlin 1972, S. 6.
5) "Zentraler Forschungsplan der marxistisch-leninistischen Ge-
sellschaftswissenschaften der DDR bis 1975", in: EINHEIT, 27.
Jg., 1972, S. 169 ff; hier: S. 174.
6) Auf diese Probleme der Auswirkungen des wissenschaftlich-tech-
nischen Fortschritts auf das Verhältnis von Arbeiterklasse und
Intelligenz wird in einem demnächst erscheinenden Aufsatz über
die 'Sozialistische Gemeinschaftsarbeit' eingegangen.
7) Vgl. dazu die quantitativen Angaben über den Zusammenhang zwi-
schen Arbeitsmitteln und -gegenständen und der Berufs- und Qua-
lifikationsstruktur bei Ludwig u. a., S. 277 f.
8) A. Knauer u. a. (Hg): SOZIALISTISCHE BILDUNGSÖKONOMIE, Berlin
1972, S. 189.
In der Vernachlässigung dieses Aspektes wird heute der Hauptfeh-
ler der 'technizistischen' Produktivkrafttheorie gesehen, wie sie
z.T. in den 50er Jahren vertreten wurde: "In der Bestimmung der
Produktivkräfte durch Aufzählung rangierte der Mensch als gleich-
berechtigtes Element neben den Produktionsinstrumenten bzw. den
Produktionsmitteln. Seine Bedeutung ... wurde weder durch die
Herausarbeitung seiner dominierenden Rolle als wichtigster Pro-
duktivkraft hervorgehoben, noch an der Bestimmung der ihn als
Hauptproduktivkraft kennzeichnenden vielgestaltigen Merkmale
sichtbar gemacht"; S. Heppener, "Marxistisch-leninistische Pro-
duktivkrafttheorie und weltanschaulich-theoretische Probleme der
wissenschaftlich-technischen Revolution", in: DEUTSCHE ZEIT-
SCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE (im folgenden zitiert als: DZfPh), 19.
Jg., 1971, S. 449 ff; hier: S. 456 f.
9) Diese systematische Analyse abstrahiert nur scheinbar von der
gesellschaftlichen Formbestimmtheit des Arbeitsprozesses; es wird
noch zu zeigen sein, daß die gesellschaftliche Form auf der Ebene
der 'Teilung der Arbeit im einzelnen' erst mit der Gestaltung des
Verhältnisses von Arbeitsfunktionen und Arbeitsaufgaben in den
Arbeitsinhalt eingreift.
10) Vgl. M. Kreyer: "Zu Strukturveränderungen der Arbeitskräfte
in der Industrie", in: BERUFSBILDUNG (im folgenden zitiert als:
Bb), 22. Jg., 1968, S. 476 ff; hier: S. 476 f; ferner F. Kutta:
"The Influence of Technical Development on Changes in Work Func-
tions and the Main Tendencies of Change in Personnel Structure",
in: CZECHOSLOVAK ECONOMIC PAPERS, 6/1966, S. 45 ff; hier: S. 46.
11) Kreyer in: Bb, 1968, S. 477. Gemeint ist hier immer der Fer-
tigungsprozeß.
Über die Vielzahl der vorhandenen Ansätze zur Gliederung der Pro-
duktivkraftentwicklung und die ihnen zugrundeliegenden Kategorien
informiert E. Ulrich: "Stufung und Messung der Mechanisierung und
Automatisierung", in: MITTEILUNGEN DES INSTITUTS FÜR ARBEITS-
MARKT- UND BERUFSFORSCHUNG, 1, 1968, S. 28 ff, S. 102 ff; vgl.
insbesondere S. 41 f.
12) F. Bochmann: "Methodik zur statistischen Erfassung des Stan-
des der Automatisierung in der Industrie", in: STATISTISCHE PRA-
XIS (im folgenden zitiert als: StP), 23. Jg., 1968,8. 274 ff.;
hier: S. 275.
13) Ebd. Hier zeigt sich der enger werdende Zusammenhang zwischen
der Durchführungs- und Kontrollphase des Arbeitsprozesses, ent-
sprechend dem Übergang von der "offenen Steuerung" zum
"geschlossenen Steuerkreis"; vgl. H. Kortum: "Die Definition der
Begriffe Mechanisierung und Automatisierung", in: Bb, 15. Jg.,
1961, S. 295 ff.; hier: S. 297 f.
14) Bochmann, in: StP, 1968, S. 275.
Zu dieser in Anlehnung an Kreyer, in: Bb, 1968, S. 477, vorgenom-
menen Bestimmung vgl. auch I. Fischer: "Einige Fragen der Mecha-
nisierung und Automatisierung der Produktion in Industriebetrie-
ben", in: WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT (im folgenden zitiert als: Ww),
21, 1973, S. 526 ff; hier: S. 529 und S. 532. Auch Schulzes Stu-
fung der Verteilung der Arbeitsfunktionen entspricht der hier ge-
wählten Einteilung; vgl. H. Schulze: "Qualifikationsentwicklung
durch Automatisierung, in: Bb, 20. Jg., 1966, S. 60 ff, S. 126
ff, S. 184 ff; hier: S. 126 ff.
15) Vgl. S. 36 ff. und S. 42 ff.
16) Vgl. Kreyer, in: Bb, 1968, S. 478.
17) DIE GEGENWÄRTIGE WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHE REVOLUTION, Ber-
lin 1972, S. 167.
"Der Arbeitsprozeß kann allmählich von den Schranken befreit wer-
den, die durch die begrenzten physischen und geistigen Fähigkei-
ten des Menschen hinsichtlich Genauigkeit, Schnelligkeit und Um-
fang der Bearbeitungs-, der Kontroll- und der Leitungsprozesse in
der Produktion bedingt sind"; Fischer, in: Ww, 1973, S. 532.
18) POLITISCHE ÖKONOMIE DES SOZIALISMUS UND IHRE ANWENDUNG IN DER
DDR, Berlin 1969, S. 312.
Neuere Arbeiten weisen darauf hin, daß "eine neue Abgrenzung zwi-
schen bisher typischen Hauptphasen des Reproduktionsprozesses und
auch innerhalb derselben nötig werden wird. Mit der Automatisie-
rung der technischen Vorbereitung der Produktion ... wird die
bisher übliche Einteilung in Forschung/Entwicklung, Konstruktion
und Projektierung sowie Technologie wohl kaum noch zu halten
sein"; Knauer u.a., 1972,8. 89 f.
19) W. Kalweit: "Marx und die Technik", in: EINHEIT, 28. Jg.,
1973, S. 846 ff; hier: S. 849.
20) Von geringerer Bedeutung ist demgegenüber die Entwicklung der
Arbeitsgegenstände, etwa die Verwendung neuer Werkstoffe und die
Substituierung von Grundstoffen (Chemisierung der Produktion);
vgl. dazu G. Schulz: "Die organische Verbindung der Errungen-
schaften der wissenschaftlich-technischen Revolution mit den Vor-
zügen des Sozialismus", in: EINHEIT, 27. Jg., 1972, S. 876 ff;
hier: S. 878 f.
21) Für die Daten zum Technisierungsgrad (T) vgl. STATISTISCHES
JAHRBUCH DER DDR 1967, Berlin 1967, S. 201 (1962, 1965) und
StatJb DDR 1968, Berlin 1968, S. 195 (1960, 1963, 1966, 1967).
Die Angaben beim Allgemeinen Maschinenbau beziehen sich für 1970
und 1971 auf den Maschinen- und Fahrzeugbau, die bei der Elektro-
technischen Industrie auf Elektrotechnik/Elektronik/Gerätebau.
Die Kategorie der 'Technisierung' bzw. der
"Technisierungskoeffizient der Arbeit" ist definiert als "Zahl
der Produktionsarbeiter, die an Maschinen oder Anlagen bzw. mit
energiebetriebenen Maschinenwerkzeugen arbeiten, bezogen auf die
Gesamtzahl der erfaßten Produktionsarbeiter"; Ministerrat der
DDR. Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (Hg): DEFINITIO-
NEN WICHTIGER KENNZIFFERN UND BEGRIFFE FÜR PLANUNG UND STATISTIK
- ERGÄNZUNGSAUSGABE, Berlin 1967, S. 139
Für die Daten zum Mechanisierungsgrad (M) vgl. StatJb DDR 1967,
S. 201 (1962, 1965); StatJb DDR 1968, S. 195 (1960, 1963, 1966,
1967);
Fischer, in: Ww, 1973, S. 529 (1970) und E. Eckstein/R. Massar:
"Die Mechanisierung von Haupt- und Hilfsprozessen in der soziali-
stischen Industrie", in: StP, 27. Jg., 1972, S. 219 ff; hier: S.
219 (1971). Die Kategorie der 'Mechanisierung' bzw. der
"Mechanisierungskoeffizient der Arbeit" ist definiert als "Zahl
der Produktionsarbeiter, die an Maschinen oder Anlagen arbeiten
(Maschinenarbeiter), bezogen auf die
Gesamtzahl der erfaßten Produktionsarbeiter"; Definitionen wich-
tiger Kennziffern,
S. 139.
Für die Daten zum Automatisierungsgrad (A) 1970 und 1971 vgl.
Stat Jb DDR 1973, Berlin 1973, S. 137. Die Kategorie der
'Automatisierung' bzw. der "Automatisierungskoeffizient der Ar-
beit" meint die "Zahl der Produktionsarbeiter und des ingeni-
eur-technischen Personals mit Kontroll- und Überwachungsfunktio-
nen an Maschinen oder Anlagen, bezogen auf die Anzahl der Produk-
tionsarbeiter insgesamt und des Teils des ingenieur-technischen
Personals, das Kontroll- und Überwachungsfunktionen an Maschinen
oder Anlagen ausübt"; Definition wichtiger Kennziffern, S. 139.
22) Für die volkswirtschaftliche Bedeutung einiger dieser Indu-
striezweige vgl. W. Wyniger: DEMOKRATIE UND PLAN IN DER DDR. Pro-
bleme der Bewältigung der wissenschaftlich-technischen Revolu-
tion, Köln 1971, S. 58 f.
23) Fischer, in: Ww, 1973, S. 529.
24) Das gilt insbesondere für den Reparaturbereich, dessen Mecha-
nisierungsgrad der Arbeit mit 29,5 Prozent unter dem Durchschnitt
aller Hilfsprozesse liegt, der aber mit 15,8 Prozent von den
Hilfsprozessen den größten Anteil an der Gesamtzahl der Produkti-
onsarbeiter der Industrie sowie die höchste Zuwachsrate hat. Nur
so kann eine ineffektiver werdende Nutzung des gesellschaftlichen
Arbeitsvermögens vermieden werden; vgl. Fischer, in: Ww, 1973, S.
530 und Stat Jb DDR 1973, S. 137.
25) Vgl. "Direktive des 8. Parteitages der SED zum Fünfjahrplan
für die Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR 1971 bis 1975",
in: PROTOKOLL DER VERHANDLUNGEN DES 8. PARTEITAGES DER SED, 15.
bis 19.6.1971, Bd. 2, Berlin 1971, S. 316 ff.; hier: S. 328.
Daß eine zu starke Akzentuierung der für die wissenschaftlich-
technische Revolution kennzeichnenden Prozesse der Automatisie-
rung die gegenwärtigen ökonomischen Möglichkeiten der DDR über-
steigt, zeigt folgende Einschätzung: "So erfolgreich die Orien-
tierung der Planung auf strukturell entscheidende Erzeugnisse und
Verfahren war - es zeigte sich 1970 jedoch auch deutlich, was
sich nicht bewährt hatte. In manchem hatten wir uns zu viel vor-
genommen. Wir entschlossen uns, bei der Automatisierung ganzer
Produktionsprozesse, in der Forschung ... gewisse, über die
Kräfte der DDR hinausgehende Ziele zurückzunehmen. Die übermäßige
Konzentration der Mittel auf derartige Vorhaben hatte es nicht
gestattet, die Energiewirtschaft sowie die Zuliefererindustrie
... im erforderlichen Maße zu entwickeln"; W. Florath: "Die so-
zialistische Planwirtschaft in der DDR", in: DIE DDR. Entwick-
lung, Probleme, Perspektiven, Ffm 1972, S. 46 ff; hier: S. 57.
Vgl. auch Kalweit's kritische Bemerkungen über die "modische
Überhöhung der wissenschaftlich-technischen Revolution, als ob
die ganze Produktion und alle Bereiche des gesellschaftlichen Le-
bens durch die 'Verwissenschaftlichung' bereits heute oder späte-
stens morgen revolutioniert würden"; in: EINHEIT, 1973, S. 849.
26) Die Analyse beschränkt sich auf die betriebliche Arbeitstei-
lung im Bereich der materiellen Produktion; die Entwicklung des
Sektors der nicht-materiellen Produktion wird hier, wie in der
gesamten Arbeit, nicht berücksichtigt.
27) Vgl. M. Laschke: "Probleme der Aus- und Weiterbildung als Be-
standteil des einheitlichen sozialistischen Reproduktionsprozes-
ses", in: Bb, 26. Jg., 1972, S. 267 ff; hier: S. 268.
28) Ebd.
29) Vgl. H. Handke: "Die Entwicklung der Beschäftigtenstruktur in
der chemischen Industrie der DDR unter besonderer Berücksichti-
gung der Jahre 1955 bis 1963", in: JAHRBUCH FÜR WIRTSCHAFTSGE-
SCHICHTE (im folgenden zitiert als: JbW), 4/1971, S. 1 ff; hier:
S. 20.
30) Arbeitskräfte, die in den produzierenden Einheiten des Be-
triebes für die Durchführung des technologischen Prozesses einge-
setzt sind (Produktionsgrundarbeiter) bzw. diese Arbeiten durch
Ausführung von Reparaturen, Transporten und sonstigen Hilfelei-
stungen unterstützen (Produktionshilfsarbeiter)"; vgl. Definitio-
nen wichtiger Kennziffern, S. 61.
31) "Arbeitskräfte, die in den Arbeitsbereichen mit den dort auf-
tretenden reinen Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben oder mit
Hilfsarbeiten beschäftigt sind"; ebd. Handke verwendet an dieser
Stelle die Kategorie 'Angestellte', meint aber eindeutig das mit
Verwaltungstätigkeit beschäftigte Personal.
32) Die Kategorie 'Hoch- und Fachschulkader' umfaßt die Wirt-
schaftler und das ingenieur-technische Personal (außer Meister).
33) Vgl. Statjb DDR 1972, S. 66 und Statjb DDR 1973, S. 66.
34) Für die Angabe 1966 vgl. H. Spann: "Milliarden aus dem Schöp-
fertum der Neuerer", in: StP, 26, 1971, S. 206; für 1980 vgl. A.
Knauer, u.a. (Hg): BILDUNGSÖKONOMIE. Aufgaben-Probleme-Lösungen,
Berlin 1968, S. 91 und A. Hegelheimer: BERUFSAUSBILDUNG IN
DEUTSCHLAND, Frankfurt am Main 1972, S. 89. Für 1970 liegt sowohl
die Angabe 10,9 Prozent - Spahn, ebd. - als auch die Angabe 12,5
Prozent - Hegelheimer, ebd. - vor.
35) Vgl. auch Knauer u.a., 1972, S. 90 ff. Eine genauere Analyse
als die Zurechnung dieser allgemeinen Tendenzen läßt das empiri-
sche Material, das benutzt werden konnte, nicht zu.
Auf die Bedeutung dieser Entwicklungen der Klassenstruktur der
sozialistischen Gesellschaft für das Verhältnis von Arbeiter-
klasse und Intelligenz wird in der Arbeit über 'Sozialistische
Gemeinschaftsarbeit' genauer einzugehen sein. Zur Analyse, wie
sich unter kapitalistischen Bedingungen die Kapitalverwertungsin-
teressen mit den höheren Anforderungen des wissenschaftlich-tech-
nischen Fortschritts an das gesellschaftliche Arbeitsvermögen
vermitteln, vgl. etwa I. Hansen: "Veränderungen in der gesell-
schaftlichen Qualifikationsstruktur und die soziale Lage der
technischen Intelligenz", in: FACIT, 29/1973, S. 1 ff., und Chr.
Kievenheim/A. Leisewitz (Hg): SOZIALE STELLUNG UND BEWUSSTSEIN
DER INTELLIGENZ, Köln 1973.
36) Vgl. PROTOKOLL DES 8. PARTEITAGES DER SED, Bd. 2, S. 328.
37) K. Marx: GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE, Ber-
lin 1953, S. 505.
38) Vgl. dazu R. Weidig: NEUERER IN DER TECHNISCHEN REVOLUTION,
Berlin 1965, S. 175 f, und G. Nolepa: "Probleme der Entfaltung
der schöpferischen Kräfte der Arbeiterklasse in der sozialisti-
schen Produktion", in: DZfPh, 21. Jg., 1973, S. 533 ff; hier: S.
546.
Hier zeigt sich die elementare Bedeutung der sozialistischen Ge-
meinschaftsarbeit und anderer Formen der Teilnahme der Werktäti-
gen an der Planung und Leitung des Produktionsprozesses, in denen
erst diese Bedingung schöpferischer Arbeit realisierbar ist, für
eine sozialistischen Verhältnissen entsprechende Gestaltung des
Arbeitsinhalts.
39) So üben etwa einer Analyse aus der SU zufolge Ingenieure und
Konstrukteure 3-5mal mehr Arbeitsfunktionen als ein Arbeiter an
einer komplizierten Universalmaschine; 10-12mal mehr Arbeitsfunk-
tionen als ein Hilfsarbeiter aus; vgl. W.J. Suslow: "Zur soziolo-
gischen Auffassung des Inhalts und Charakters der Arbeit", in:
SOWJETWISSENSCHAFT. Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge (im
folgenden zitiert als: SGB), 1970, S. 758 ff; hier: S. 765. Dabei
umfaßt diese Variation der Arbeitsfunktionen auch den Wechsel
zwischen körperlicher und geistiger Tätigkeit; vgl. etwa die Ar-
beitszeitanalyse bei O.I. Schkaratan: "Die Arbeiterklasse der so-
zialistischen Gesellschaft im Zeitalter der wissenschaftlich-
technischen Revolution", in: SGB, 1969, S. 350 ff; hier: S. 353.
40) Nolepa, in: DZfPh, 1973, S. 546; ferner: "Die organische Ver-
bindung der Errungenschaften der wissenschaftlich-technischen Re-
volution mit den Vorzügen des sozialistischen Wirtschaftssystems
und die Einheit von wissenschaftlich-technischem und sozialem
Fortschritt (Thesen)", in: Ww, 21. Jg., 1973, S. 481 ff; hier S.
495.
41) Dieser Operationalisierungsversuch deckt sich etwa mit Ja-
dow's Ansatz; vgl. W.A. Jadow, u.a.: DER MENSCH UND SEINE ARBEIT.
Soziologische Forschungen, Berlin 1971, S. 43.
42) U = Ungelernte; A = Angelernte; F = Facharbeiter.
Vgl. StatJb DDR 1967, S. 202 (1962 - Soz. Industrie insgesamt);
A. Zieger: "Der Einfluß der wissenschaftlich-technischen Revolu-
tion auf die Qualifikationsstruktur der Produktionsarbeiter", in:
StP, 22. Jg., 1967, S. 203 ff; hier: S. 205 (1962 - einzelne In-
dustriezweige); StatJb DDR 1972, Berlin 1972, S. 141 (1964-1970).
Die Angaben für 1962 beziehen sich auf den Allgemeinen Maschi-
nenbau und auf die Elektrotechnische Industrie.
43) Vgl. BERUFSAUSBILDUNG HEUTE UND MORGEN, Berlin 1970, S. 145.
Die Daten sind hier aggregiert und auf eine Dezimalstelle abge-
rundet.
44) A.a.O., S. 137 f.
45) Vgl. H.-J. Kloth: "Zur systematischen Entwicklung der Aus-
und Weiterbildung der Werktätigen", in: Bb, 24. Jg., 1970, S. 57
ff; hier: S. 60 f.
46) Für die Angaben 1966 vgl. D. Fitzner: "Zum Qualifikationsni-
veau der Arbeitskräfte in der sozialistischen Industrie", in: Bb,
21. Jg., 1967, S. 532 f; hier: S. 532. Für 1970 vgl. Laschke, in:
Bb, 1972, S. 291.
47) Diese Angabe bezieht sich auf die Ausbildung von Hoch- und
Fachschulkadern insgesamt.
48) Ludwig u.a.: S. 264.
49) Vgl. W. Lamberz: "Der Leninismus und Probleme der führenden
Rolle der Arbeiterklasse in der DDR", in: PROBLEME DES FRIEDENS
UND DES SOZIALISMUS, 13. Jg., 1971, S. 196 ff; hier: S. 201. Bis
1975 sollen 90 Prozent der Schüler mit Abschluß der 8. Klasse in
die 9. Klasse der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule
aufgenommen werden; vgl. "Gesetz über den Fünfjahrplan für die
Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR 1971-1975 vom
20.12.1971", in: GESETZBLATT DER DDR, 1/1971, S. 175 ff; hier: S.
187.
50) Vgl. auch Knauer u.a.: 1972, S. 90 ff.
51) Dagegen sprechen die folgenden Daten:
Qualifikation der Produktionsarbeiter der sozialistischen Indu-
strie 1958-1962 (in Prozent)
1958 1959 1961 1962
Ungelernte 8,8 8,7 7,3 7,7
Angelernte 38,2 40,1 40,5 40,2
Facharbeiter 53,0 51,2 52,2 52,1
Für die Angaben 1958 und 1962 vgl. E. Sachse: TECHNISCHE REVOLU-
TION UND QUALIFIKATION DER WERKTÄTIGEN, Berlin 1965, S. 61; für
die Angabe 1959 vgl. E. Sachse: "Der technische Fortschritt und
die Veränderungen der Qualifikations- und Berufsstruktur in der
DDR", in: Ww, 9. Jg., 1961, S. 254 ff; hier: S. 255. Für die An-
gabe 1961 vgl. H. Handke, u.a.: "Strukturprobleme der Arbeiter-
klasse", in: JbW, 4/1964, S. 130 ff; hier: S. 151.
Diese Angaben stimmen allerdings weder mit der des Statjb DDR für
1962 noch den bei Ludwig u.a., S. 339, für die Zeit seit 1957 ge-
gebenen Daten überein. Das empirische Material, das benutzt wer-
den konnte, läßt also keinen sicheren Schluß zu, ob die Qualifi-
kationsentwicklung, die aus den obengenannten Zahlen abzuleiten
wäre, nicht überhaupt nur durch unterschiedliche Erhebungsmetho-
den zustandegekommen und somit rein statistischer Natur ist. Zur
Problematik der Ermittlung der Qualifikationsstruktur vgl.
Sachse: 1965, S. 41 ff. und Knauer u.a.: 1968, S. 45.
52) So stieg der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der in der
Industrie beschäftigten Arbeiter und Angestellten von 37,8 (1955)
und 40,6 (1960) auf 43,3 Prozent (1972); vgl. Statjb DDR 1973, S.
59. Dabei besaßen noch 1966 nur 20,2 Prozent der weiblichen Be-
schäftigten die Facharbeiterqualifikation; vgl. Statjb DDR 1967,
S. 202. Bis 1971 stieg dieser Anteil auf 35,9 Prozent; vgl. H.
Kühn: "Mehr Frauen zu Facharbeitern qualifizieren", in: Bb, 27.
Jg., 1973, S. 49 f.
53) Schulze, in: Bb, 1966, S. 184. Die späteren Ausführungen sol-
len diese Entwicklung genauer an der Tätigkeitsstruktur festma-
chen; vgl. S. 27 ff.
54) Vgl. Statjb DDR 1967, S. 202; die Daten für 1964 und 1966
stimmen mit den auf S. 16 gegebenen nicht genau überein.
Vgl. auch ähnliche Angaben bei Zieger, in: StP, 1967, S. 206.
55) Vgl. Schulze, in: Bb, 1966, S. 184 f., und W. Draeger: "Zu
einigen Problemen der Quantifizierung der Bildungserfordernisse
in der sozialistischen Wirtschaft", in: Ww, 19. Jg., 1971, S. 62
ff; hier: S. 68. Einige neuere Arbeiten zu dieser Frage in der
'Sozialistischen Arbeitswissenschaft' konnten bei der Abfassung
dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden; vgl. Ludwig u.a., S.
278 f.
Zur Einschätzung solcher Untersuchungen weisen Knauer u.a. darauf
hin, daß gerade der Zusammenhang zwischen dem Technisierungsgrad
der Arbeit und der Qualifikationsstruktur der Beschäftigten noch
nicht exakt nachgewiesen werden kann, da "die Technisierung der
Arbeit zu pauschal erfaßt (wird), so daß keine Unterscheidung
zwischen der Teilautomatisierung und der Automatisierung ganzer
Prozesse möglich ist, was mit der sozialistischen Rationalisie-
rung immer dringender wird"; Knauer u.a.: 1972, S. 94.
56) Für einzelne Hinweise auf eine solche Tendenz vgl. Abschnitt
3.1.
57) In der Berichterstattung über die "Auswirkungen des techni-
schen Fortschritts auf die Art der Tätigkeit der Produktionsar-
beiter", die im Bereich der Industrie seit 1959 durchgeführt
wird, wird hauptsächlich nach folgenden Kategorien differenziert:
- Arbeit nicht an Maschinen oder Anlagen
- Arbeit an Maschinen oder Anlagen, unterschieden nach:
Körperlich schwerer Tätigkeit / Körperlicher Bedienungstätigkeit
/ Geistiger Bedienungstätigkeit / Kontroll- und Überwachungstä-
tigkeit
vgl. G. Lippold: DIE MATERIELLEN ARBEITSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTI-
GEN, Berlin 1970, S. 82 f.
58) Eine ähnliche Monotonie-Situation liegt auch dort vor, wo der
Hauptprozeß der Bearbeitung des Arbeitsgegenstandes von Maschinen
ausgeführt und dem Arbeiter nur dessen Zuführung und Abnahme
übertragen wird (Bedienungstätigkeit), eine Arbeitsanforderung,
die z.T. auch in der Phase der Teilautomatisierung besteht; vgl.
DIE GEGENWÄRTIGE WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHE REVOLUTION, S. 160.
"Arbeitsmonotonie" wird dabei definiert als "Zustand herabgesetz-
ter psychischer Aktivität, hervorgerufen durch eine länger andau-
ernde Wiederholtätigkeit in einer bestimmten einförmigen, reizar-
men Situation"; J. Zimmermann: "Probleme der persönlichkeitsför-
dernden sozialistischen Arbeitsgestaltung in der wissenschaft-
lich-technischen Revolution", in: H. Bober (Hg), MENSCH-TECHNIK-
GESELLSCHAFT" ALS LEITUNGSPROBLEM, Berlin 1968, S. 199 ff; hier:
S. 215.
59) Zimmermann: a.a.O., S. 247.
60) Vgl. dazu die Angaben bei Jadow u.a. über das Verhältnis von
körperlicher und geistiger Arbeit in diesen Tätigkeitsgruppen,
a.a.O., S. 46; ferner Kutta: a.a.O., S. 60 und G.I. Gleserman:
DER HISTORISCHE MATERIALISMUS UND DIE ENTWICKLUNG DER SOZIALISTI-
SCHEN GESELLSCHAFT, Berlin (2. Auflage) 1973, S. 204 f.
61) Mit dieser Kategorie dürften neben Fließbandarbeit und Ma-
schinenbedienung auch die für die Mechanisierung charakteristi-
sche Form der manuellen Maschinensteuerung erfaßt werden; vgl. O.
Eisenblätter: "Ergebnisse einer soziologischen Studie zur Ermitt-
lung objektiver Faktoren für die Veränderung des Verhältnisses
zwischen geistiger und körperlicher Arbeit", in: ERGEBNISSE UND
PROBLEME SOZIOLOGISCHER FORSCHUNGEN ZU FRAGEN DER ARBEIT IN SO-
ZIALISTISCHEN INDUSTRIEBETRIEBEN, Berlin 1967, S. 58 ff; hier: S.
82 f.
62) Für die 'Kontroll- und Überwachungstätigkeit' ist charakteri-
stisch, daß "keine unmittelbare Einflußnahme des Produktionsar-
beiters auf die Arbeitsoperation ... während des Arbeitsprozes-
ses" stattfindet; die 'Geistige Bedienungstätigkeit' ist dadurch
gekennzeichnet, daß "der Produktionsarbeiter aufgrund seiner Qua-
lifikation selbst die Maschine einrichtet und den Arbeitsablauf
bestimmt", also logische Funktion und Regelfunktion wahrnimmt; K.
Albrecht: "Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die
Art der Tätigkeit der Produktionsarbeiter in der Industrie", in:
StP, 17. Jg., 1962, S. 199 ff; hier: S. 199.
Nach Kreyer's Typisierung liegt der Unterschied zwischen den Ka-
tegorien 'Kontroll- und Überwachungstätigkeit' und 'Geistige Be-
dienungstätigkeit', die beide die logische Funktion einschließen
- weshalb auch die Kontroll- und Überwachungstätigkeit nicht auf
geistig monotone Arbeit reduziert werden kann -, in der Wahrneh-
mung der Registrier- bzw. der Regelfunktion. Dem entsprechen auch
die Angaben über die erforderliche Qualifikation für diese beiden
Tätigkeitsarten; vgl. S. 28. Beide Zuordnungsversuche zeigen die
Grenzen der Interpretierbarkeit dieses Materials; auch Eisenblät-
ter weist darauf hin, daß "der qualitative Inhalt der Tätigkeiten
nur unter Kenntnis konkreter objektiver und subjektiver Bedingun-
gen bestimmt werden kann, daß ferner eine eindeutige Definition
der Kategorien, welche die Tätigkeiten bezeichnen, notwendig
wird"; a.a.O., S. 81.
63) Vgl. Fischer, in: Ww, 1973, S. 529 und Eckstein/Massar, in:
StP, 1972, S. 219.
64) Vgl. S. 32.
65) Vgl. Kreyer, in: Bb, 1968, S. 478.
66) Vgl. M. Lötsch/R. Weidig: "Soziologische Probleme der Ent-
wicklung der Arbeiterklasse bei der Gestaltung der entwickelten
sozialistischen Gesellschaft", in: DZfPh, 20. Jg., 1972. S. 604
ff: hier: S. 618.
67) Vgl. Eckstein/Massar, in: StP, 1972, S. 219; R. Weidig: "Die
Arbeiterklasse im Prozeß der Gestaltung der entwickelten soziali-
stischen Gesellschaft", in: EINHEIT, 28. Jg., 1973, S. 430 ff;
hier: S. 435, und S. 32.
68) Diese Tendenz in der Veränderung der Tätigkeitsstruktur be-
schreibt Marx so: "Die Arbeit erscheint nicht mehr so sehr als in
den Produktionsprozeß eingeschlossen, als sich der Mensch viel-
mehr als Wächter und Regulator zum Produktionsprozeß selbst ver-
hält. ... Es ist nicht mehr der Arbeiter, der modifizierten Na-
turgegenstand als Mittelglied zwischen das Objekt und sich ein-
schiebt; sondern den Naturprozeß, den er in einen industriellen
umwandelt, schiebt er als Mittel zwischen sich und die unorgani-
sche Natur, deren er sich bemeistert. Er tritt neben den Produk-
tionsprozeß, statt sein Hauptagent zu sein"; Marx, GRUNDRISSE, S.
592 f.
69) Dabei ist der Anteil der Beschäftigten mit schwerer körperli-
cher Arbeit unter den Maschinenarbeitern wesentlich geringer als
unter den Nicht-Maschinenarbeitern; vgl. G. Otto, A. Zieger:
"Möglichkeiten zur Analyse der Mechanisierung und Automatisierung
in der Industrie", in: StP, 23. Jg., 1968, S. 437 ff, S. 492 ff;
hier: S. 438.
70) Vgl. S. 33, FN 24: Schulze, in: Bb, 1966, S. 126 und G. Fu-
kasz: "Die wissenschaftlich-technische Revolution und die Verän-
derungen der Arbeit", in: DZfPh, 21. Jg., 1973, S. 820 ff; hier:
S. 830 f.
Inwieweit die Zunahme der körperlichen Arbeit mit energiebetrie-
benem Maschinenwerkzeug mit der Ausdehnung des Instandhaltungsbe-
reichs zusammenhängt, ist ohne Daten über dessen Technisierungs-
grad der Arbeit nicht zu entscheiden. Dasselbe gilt für die Qua-
litätskontrolle und die Entwicklung der Kontroll- und Überwa-
chungstätigkeit nicht an Maschinen.
71) Damit ist die bereits konstatierte generelle Höherqualifizie-
rung der Produktionsarbeiter auch in der Veränderung der Tätig-
keitsstruktur festgemacht: Tätigkeitsart und Durchschnittsquali-
fikation der Produktionsarbeiter der sozialistischen Industrie
1966
Körperliche Arbeit ohne energiebetriebenes
Maschinenwerkzeug: 2,252
Körperlich schwere Arbeit an Maschinen: 2,255
Körperliche Bedienungstätigkeit an Maschinen: 2,270
Körperliche Arbeit mit energiebetriebenem
Maschinenwerkzeug: 2,549
Kontroll- und Überwachungstätigkeit nicht an Maschinen: 2,457
Geistige Bedienungstätigkeit an Maschinen: 2,591
Kontroll- und Überwachungstätigkeit an Maschinen: 2,510
Vgl. Kreyer, in: Bb, 1968, S. 478.
Zur Erläuterung: "Die Strukturanteile einzelner Qualifikations-
gruppen je Tätigkeitsart sind unterschiedlich. Je höher der Fach-
arbeiteranteil an den Produktionsarbeitern je Tätigkeitsart ist,
desto höher wird der Koeffizient der Durchschnittsqualifikation
nach 3,000 tendieren"; ebd.
72) Weidig in: EINHEIT, 1973, S. 435.
Ähnlich zurückhaltend äußerte sich auch Liehmann: "Verwechselt
man ... Tendenzcharakter mit heutigem Zustand, läßt man gegenläu-
fige Einflüsse außer acht, dann sind fehlerhafte Entscheidungen
unvermeidbar. ... In einem solchen Falle berauscht man sich an
Beispielen automatisierter Produktion, übersieht jedoch jene Ar-
beitsplätze, deren Charakter sich kaum verändert hat"; P. Lieh-
mann: "Warum wir soziale Prozesse planen", in: EINHEIT, 27. Jg.,
1972, S. 1192 ff; hier: S. 1196.
73) J. Kurtz/D. Schmidt: "Triebkräfte schöpferischer Initiative
in der sozialistischen Rationalisierung - Ergebnisse industrieso-
ziologischer Untersuchungen", in: Ww, 20. Jg., 1972, S. 1472 ff;
hier: S. 1484.
74) Vgl. Sachse: 1965, S. 140 f; Zimmermann: a.a.O., S. 216 ff;
F. Müller: GEMEINSCHAFTSARBEIT KONTRA MONOTONIE. Zu einigen theo-
retischen und praktischen Problemen der Bekämpfung der Monotonie-
erscheinungen bei der Fließbandarbeit, Berlin 1969, S. 53 ff. Die
Untersuchungen, von denen hier berichtet wird, sind Anfang bis
Mitte der 60er Jahre durchgeführt worden.
An anderer Stelle heißt es zur Bedienungstätigkeit: "Wird ... in
diesem Prozeß der Vorbereitung und Durchführung der Automatisie-
rung die Komplexität nicht beachtet, werden die Transport- und
Hilfsprozesse nicht automatisiert oder rationalisiert, dann wird
in solchen Betrieben der Anteil der Hilfsarbeiter wesentlich an-
steigen, was schließlich sogar zur Dequalifizierung einer Reihe
von Facharbeitern führen kann"; W. Liebig: "Politisch-ideologi-
sche Probleme der Automatisierung", in: EINHEIT, 24. Jg., 1969,
S. 144 ff; hier: S. 147.
75) Lötsch/Weidig, in: DZfPh, 1972, S. 619. Schulz schreibt dazu:
"Mit dem Übergang zu höheren Stufen der Automatisierung tritt
eine besondere Art psychischer Beanspruchung der Wartungskraft
auf. Sie wird hervorgerufen durch a) aufmerksames Beobachten von
Signalen, b) ständiges Bereitsein zum Tätigwerden. Das erzeugt
einen Spannungszustand, der in der unmittelbaren Produktion nicht
durch anderweitige Tätigkeiten abgebaut werden kann"; in: Bb,
1966, S. 186.
Auch Nolepa weist darauf hin, daß "nicht schlechthin jede gei-
stige Anreicherung der Arbeit den schöpferischen Anteil hebt. ...
Wachsende geistige Routinearbeit in den Überwachungs-, Bedie-
nungs- bzw. Kontrollfunktionen darf nicht als wachsende schöpfe-
rische Potenz interpretiert werden"; Nolepa, in: DZfPh, 1973, S.
548.
76) Chr. Kievenheim: "Zur Stellung der Intelligenz in der Klas-
sen- und Sozialstruktur des entwickelten Kapitalismus", in: Kie-
venheim/Leisewitz, SOZIALE STELLUNG UND BEWUSSTSEIN DER INTELLI-
GENZ, S. 111 ff; hier: S. 126.
77) E. Lassow: "Produktivkräfte und Sozialismus", in: DZfPh, 19.
Jg., 1971, S. 1007 ff; hier: S. 1008 f. Zu den Kategorien Charak-
ter, Form und Inhalt der Arbeit vgl. INDUSTRIESOZIOLOGIE, S. 87
ff.
78) Vgl. Müller: a.a.O., S. 29.
Ähnlich argumentiert auch Teßmann in seiner Rezension der Arbeit
von R. Weidig über 'Sozialistische Gemeinschaftsarbeit': "Ver-
schiedentlich erscheint die Darstellung des Autors so, als
folgten die steigenden Anforderungen an den schöpferischen Cha-
rakter der Arbeit, ... an das Qualifikationsniveau aller Arbeits-
kollektive ..., an die höhere Qualität der Sozialbeziehungen ...
aus dem technischen Prozeß an sich. Tatsächlich und theoretisch
richtig aber erfolgen sie aus dem sozialökonomischen Charakter
des Arbeitsinhalts und seiner bewußten Gestaltung"; K. Teßmann,
in: DZfPh, 19, 1971, S. 675 ff; hier: S. 678.
Vgl. dazu auch die in der DDR geführte Diskussion um den Begriff
der 'technischen Entfremdung'; Wyniger: a.a.O., S. 76 ff.
79) das, "während es die Tendenz hat, die Produktivkräfte ins
Maßlose zu steigern, ebenso die Hauptproduktivkraft, den Menschen
selbst, vereinseitigt, limitiert"; Marx, GRUNDRISSE, S. 325.
80) G. Huth: PRODUKTIVKRAFT PERSÖNLICHKEIT. Philosophische Bemer-
kungen über Qualifizierung und wissenschaftlich-technische Revo-
lution, Berlin 1966, S. 84.
81) Vgl. dazu vor allem Müller: a.a.O., S. 69 ff und Zimmermann:
a.a.O., S. 269.
82) Schulz, in: EINHEIT, 1972, S. 883. Von ähnlicher Bedeutung
ist auch die gleichzeitige Übernahme der Wartungstätigkeit durch
die Maschinenarbeiter.
Diese Bemühungen, durch planmäßige Arbeitsorganisation für die
Werktätigen eine hohe Qualifikation erfordernde Arbeitsbereiche
zu schaffen, datieren nicht erst aus jüngster Zeit - vgl. etwa
Handke, in: JbW, 4/1964, S. 151 f., und P. Haase-Rieger/ W.
Hieck: "Der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die Erhö-
hung der Disponibilität", in: Bb, 19. Jg., 1965, S. 165 ff; hier:
S. 167.
83) W. Fitze, u.a.: "Persönlichkeitsentwicklung und wissenschaft-
lich-technischer Fortschritt im Sozialismus", in: EINHEIT, 28.
Jg., 1973, S. 790 ff; hier: S. 794. Hierbei handelt es sich al-
lerdings um Einzelbeispiele, nicht um eine systematische Analyse,
inwieweit die "unterschiedliche Kombination der Anzahl der Arbei-
ter, ihres Bildungsniveaus und des Quantums der in Bewegung zu
setzenden Produktionsmittel" der Entwertung von Qualifikation
entgegenwirken kann; Ludwig u.a.: S. 132 f.
84) Die Begrenztheit der Möglichkeiten, die in der Gestaltung der
Arbeitsorganisation vor Abschaffung des entsprechenden Produkti-
onsverfahrens, vor allem der Fließbandarbeit, liegen, wird gerade
in jüngster Zeit deutlich betont: "Hier (sc. bei der Fließbandar-
beit - CZ) handelt es sich um einen Grad der Mechanisierung, der
eine gewisse Unterforderung hinsichtlich der Qualifikation und
Eintönigkeit in der Arbeit nicht restlos überwinden kann, selbst
wenn durch bestimmten Arbeitsplatzwechsel und die Anzahl der zu
einem Takt gehörenden Arbeitsgänge Gegenmaßnahmen ergriffen
werden können"; Fischer, m: Ww, 1973, S. 538.
Da im nächsten Abschnitt bei der Entwicklung des sozialistischen
Qualifikationsbegriffs auf die Stellung der Werktätigen als so-
zialistische Produzenten, die sich in umfassenden Mitwirkungsmög-
lichkeiten konkretisiert, noch ausführlich eingegangen wird, sei
hier auf diesen zweiten, ausschlaggebenden Punkt nur verwiesen.
Daß dieses Moment der Formbestimmung der gesellschaftlichen Ar-
beit ausschlaggebend ist, zeigen auch bestimmte Maßnahmen des
job-enlargement' in kapitalistischen Ländern; vgl. Müller:
a.a.O., S. 60 ff;, und Zimmermann: a.a.O., S. 238 ff.
85) Vgl. dazu W.I. Kasakow: "Planung sozialer Prozesse in Lenin-
grader Betrieben", in: EINHEIT, 27. Jg., 1972, S. 532 ff., und
zur Rezeption dieser Diskussion in der DDR P. Liehmann: in: EIN-
HEIT, 1972, S. 1192 ff.
86) Liehmann, in: EINHEIT, 1972, S. 1194. Für anfangs aufgetre-
tene Mängel in der komplexen Planung des wissenschaftlich-techni-
schen Fortschritts vgl. etwa R. Schulz, "Soziologische Aspekte
der Entwicklung der Arbeit unter dem Einfluß der wissenschaft-
lich-technischen Revolution, in: ERGEBNISSE UND PROBLEME SOZIOLO-
GISCHER FORSCHUNGEN, S. 39 ff; hier: S. 43. Noch 1966 wandte sich
G. Mittag gegen die Meinung einiger Leiter, "der Anteil der un-
und angelernten Arbeitskräfte werde sich auch in den nächsten
Jahren nicht verändern. ... Eine wichtige Aufgabe der Rationali-
sierung... besteht doch gerade darin, die Arbeitsplätze mit mono-
toner, manueller un- und angelernter Arbeit zugunsten solcher zu
vermindern, für die qualifizierte Facharbeiter benötigt werden";
G. Mittag: "Komplexe sozialistische Rationalisierung - eine
Hauptrichtung unserer ökonomischen Politik bis 1970", in: SOZIA-
LISTISCHE RATIONALISIERUNG UND STANDARDISIERUNG, S. 31. ff; hier:
S. 82 f.
86a) Vgl. L.N. Kogan: SOZIALE PLANUNG: Arbeit, Bildung, Lebens-
weise. Über die Planung der sozialen Entwicklung des Betriebskol-
lektivs, Berlin 1971, S. 25 f.
87) H. Kern/M. Schumann: INDUSTRIEARBEIT UND ARBEITERBEWUSSTSEIN,
Bd. 1, Ffm 1970, S. 138 f.
88) B. Kaufhold, u.a.: "Veränderungen in der Qualifikationsstruk-
tur der Industriearbeiterschaft", in: IPW-BERICHTE, 2/1972, S. 15
ff; hier: S. 16. Der hohe Anteil der Un- und Angelernten (1970
waren 21,1 Prozent Ungelernte, 37,2 Prozent Angelernte und nur
41,7 Prozent Facharbeiter) unter den Produktionsarbeitern in der
BRD, insbesondere der sehr geringe Anteil der Facharbeiterinnen
(1970 waren es 5,3 Prozent; vgl. Kaufhold, in: IPW-BERICHTE,
2/1972, S. 21) zeigen in aller Deutlichkeit diese Folgen kapita-
listischer Arbeitsteilung für die schöpferischen Potenzen der Ar-
beiterklasse; vgl. J. Marx: "Die Entwicklung des Gegensatzes von
körperlicher und geistiger Arbeit im Kapitalismus und ihre Wider-
spiegelung in der Entwicklung der Qualifikationsstruktur der Ar-
beiterklasse", in: Ww, 21. Jg., 1973, S. 720 ff; hier: S. 727.
89) Die Kategorien Unterqualifikation und 'Überqualifikation'
bringen den spezifischen Zustand der Beschäftigungsstruktur der
Gesellschaft als Maß der Übereinstimmung der beruflich-fachlichen
Qualifikationsstruktur mit der Arbeitsplatzstruktur zum Ausdruck;
vgl. ähnlich F. Janossy: DAS ENDE DER WIRTSCHAFTSWUNDER, Ffm
1966, S. 223 f. und S. 240.
90) D. Tröger: "Der Einfluß der Qualifikation von Produktionsar-
beitern auf die Dynamik des betrieblichen Reineinkommens", in:
Ww, 16. Jg., 1968, S. 1599 ff; hier: S. 1608.
91) Vgl. Fitzner, in: Bb, 1967, S. 533.
Auch der folgende Bericht deutet auf Unterqualifikation hin:
"Eine Analyse des Zentralvorstandes der IG Chemie in sieben Kom-
binaten und Betrieben ergab, daß etwa 40 Prozent der Produktions-
ausfälle auf Bedienungsfehler zurückzuführen waren, die auf man-
gelnde Qualifikation schließen lassen. In der Filmfabrik Wölfen
hatten z.B. in einem Direktionsbereich über 80 Prozent der dort
Beschäftigten für ihre Tätigkeit keinen gültigen Befähigungsnach-
weis"; C.-H. Janson/W.-D. Keim: Aufgaben der Berufsbildung bei
der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft",
in: EINHEIT, 26. Jg., 1971, S. 834 ff; hier: S. 842.
92) Ein permanent weiterwirkendes Moment möglicher Unterqualifi-
kation liegt darin, daß bereits die einfache Reproduktion des
Qualifikationsniveaus der Werktätigen permanente Weiterbildungs-
maßnahmen verlangt, "um ein vorhandenes Wissensniveau auf den ge-
sellschaftlich notwendigen Stand zu bringen"; Ludwig u.a.: S.
258.
93) G. Bohring: "Studien zur Verhaltensweise von Chemiearbeitern
zum wissenschaftlich-technischen Fortschritt", in: ders./K.
Braunreuther (Hg): Soziologie und Praxis, Berlin 1965, S. 77 ff;
hier: S. 79.
94) Knauer u.a.: 1968, S. 30.
Eine Analyse der Qualifikationsstruktur der Produktionsarbeiter
in einem Produktionsbereich des VEB Keramische Werke Hermsdorf
ergab, daß "'46 Prozent der Beschäftigten über einen abgeschlos-
senen Ausbildungsberuf verfügten, davon aber nur 24 Prozent eine
diesem Beruf entsprechende Tätigkeit ausübten'. Mit anderen Wor-
ten übten im genannten Produktionsbereich weniger als die Hälfte
(48 Prozent) der Facharbeiter eine Tätigkeit aus, die tatsächlich
ihrer erworbenen Qualifikation entspricht. Ähnliches ließe sich
in allen Zweigen konstatieren"; a.a.O., S. 86.
Vgl. auch Müller's Hinweis auf die Verwendung von jungen Fachar-
beitern mit 10jähriger Schulbildung am Fließband; a.a.O., S. 53.
95) G. Menge: "Die Berufs- und Qualifikationsstruktur planmäßig
entwickeln", in: Bb, 26. Jg., 1972,8. 257.
Auf denselben Sachverhalt bezieht sich G. Nolepa, wenn sie die
"dialektische Einheit der subjektiven und objektiven Bedingungen
für die Entwicklung und Entfaltung der schöpferischen Fähigkeiten
jedes einzelnen" betont und darauf hinweist, daß "sich durch den
langjährigen Prozeß der Entwicklung sozialistischer Persönlich-
keiten mit hohem Bildungsniveau und verantwortungsbewußtem Han-
deln ein Anspruch herausgebildet hat, der sich nicht mehr mit mo-
notoner bzw. unschöpferischer Arbeit befriedigen läßt"; Nolepa,
in: DZfPh, 1973, S. 541 f.
96) Der Unterschied zwischen Qualifikationsentwertung und
'Überqualifikation' ist an der historischen Dimension der Produk-
tivkraftentwicklung in der DDR festzumachen; die Qualifikations-
entwertung, zwangsläufige Folge der Produktivkraftentwicklung
auch im Sozialismus, bezieht sich zunächst auf die traditionell
ausgebildeten Facharbeiter, deren Kenntnisse und Fähigkeiten mit
der Mechanisierung und Automatisierung überflüssig werden bzw.
veralten, die 'Überqualifikation' auf die nach neuen Maßstäben
ausgebildeten jüngeren Werktätigen, deren Qualifikationsstand
über die dem jeweiligen Niveau der Produktionsmittel entsprechen-
den Anforderungen in Richtung ihrer künftigen Entwicklung bereits
hinausgeht. Obwohl diese Unterscheidung in der vorliegenden Lite-
ratur nicht immer herausgearbeitet wird, dürfte sie eine genauere
Einschätzung der Perspektive der sozialistischen Gesellschaft er-
lauben.
Mit Recht weist J. Marx daraufhin, daß die Entwertung von Quali-
fikation nur dann als 'Dequalifizierung' zu werten ist, wenn sie,
wie für die kapitalistische Gesellschaft charakteristisch, eine
Verschlechterung der Arbeits- (und Lebens)bedingungen der betrof-
fenen Werktätigen zur Folge hat - was mit der ständigen Verbesse-
rung der sozialen Planung in der sozialistischen Gesellschaft im-
mer seltener der Fall ist; vgl. Marx, in: Ww, 1973, S. 731.
97) Jadow u.a.: S. 319 f.
98) Knauer u.a.: 1968, S. 30. Auch Schulze führt den auftretenden
"Widerspruch zwischen erworbener und benötigter Disponibilität"
darauf zurück, daß "in der Berufsausbildung offensichtlich brei-
tere Fertigkeiten vermittelt werden, als es aufgrund der Arbeits-
teilung notwendig war"; in: Bb, 1966, S. 186.
Auf ähnliche Einstellungen bezieht sich wohl Fukasz' Kritik, daß
zuweilen "die Fachausbildung... - mit der Absicht, ein den unmit-
telbaren Ansprüchen der Produktion genügendes Wissen billiger und
in kürzerer Zeit anzueignen - auf demagogische Weise zu einer
nicht notwendigen, 'überschüssigen' Bildung erklärt (wird)"; in:
DZfPh, 1973, S. 831.
99) Knauer u.a.: 1972, S. 17.
100) Vgl. Ludwig u.a.: S. 197 f.
101) Knauer u.a.: 1972 S. 17.
102) Diese Komponente definiert sich nicht nur aus dem
"Bildungsbedürfnis der Werktätigen" - Ludwig u.a., S. 136 -, son-
dern nach den in der Realisierung der Eigentümerfunktion objektiv
begründeten Anforderungen.
103) Auch die Verfasser der 'Thesen' betonen die "Einheit
machtausübender und schöpferisch-tätiger Arbeit... Wenn... von
den produktiven Potenzen des Menschen die Rede ist, so dürfen
hierunter nicht nur seine Arbeitsfertigkeiten und Produktionser-
fahrungen verstanden werden. Der Mensch ist Hauptproduktivkraft
in seinem ganzen gesellschaftlichen Beziehungsreichtum, mit sei-
nen Kenntnissen und Fertigkeiten ebenso wie mit seinen politisch-
ideologischen und ethischen Einstellungen und Überzeugungen und
seiner objektiven Stellung zu den Produktionsmitteln"; in: Ww,
1973, S. 493. Dabei kann davon ausgegangen werden, daß in der Re-
gel die fachliche 'Überqualifikation' mit den erhöhten Anforde-
rungen in den Bereichen der gesellschaftlichen Aktivität zumin-
dest partiell zusammenstimmt; vgl. dazu auch Abschnitt 3.2.
104) Jadow u.a., S. 298 f.
105) SOZIALISTISCHES GESELLSCHAFTSSYSTEM, SOZIALISTISCHE DEMOKRA-
TIE UND GEWERKSCHAFTEN. Materialien der 2. Theoretischen Konfe-
renz des Bundesvorstandes des FDGB und der Hochschule der Deut-
schen Gewerkschaften 'Fritz Heckert' vom 17.-19.9.1969 in Bernau,
Berlin 1970, S. 393.
106) G. Opitz: Die ständige Entwicklung des Bildungsniveaus der
Arbeiterklasse, in: Bb, 25. Jg., 1971, S. 256 ff; hier: S. 257.
Vgl. ähnlich G. Huth: "Kultur und Persönlichkeit in der techni-
schen Revolution", in: Bb, 21, 1967, S. 475 ff; hier: S. 478, und
Huth, 1966,8.89.
107) Zit. nach P. Karsch: "Probleme der weiteren Entwicklung des
sozialistischen Charakters der Arbeit bei der sozialistischen
komplexen Automatisierung", in: Ww, 18. Jg., 1970, S. 655 ff;
hier: S. 655 f. Am deutlichsten als explizite Forderung nach
'Überqualifikation' wurden die Konsequenzen dieser Prinzipien für
die Qualifikation der Werktätigen durch Miller/Hoppe formuliert;
vgl. R. Miller/G. Hoppe: ARBEITGEMEINSCHAFT-PERSÖNLICHKEIT. So-
ziologische Studien, Berlin 1964, S. 109. Damit wird keinesfalls
das Prinzip "äußerer Proportionalität" des sozialistischen Bil-
dungswesens aufgehoben, das darin besteht, daß "das sozialisti-
sche Bildungswesen die für die Gestaltung der entwickelten sozia-
listischen Gesellschaft in der DDR erforderlichen Kader sowohl
politisch und fachlich als auch in bedarfsgerechter Struktur ent-
sprechend den gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen ausbildet";
vielmehr soll deutlich werden, an welchen Kriterien diese Propor-
tionalität zu orientieren ist; H. Maier, u.a.: "Probleme der
planmäßigen proportionalen Entwicklung von sozialistischem Bil-
dungswesen und gesellschaftlichem Reproduktionsprozeß", in: Ww,
20. Jg., 1972, S. 62 ff; hier: S. 64.
108) Vgl. J. Rittershaus/R. Weidig: "Über die Qualifizierung der
Werktätigen im Prozeß der technischen Revolution", in: EINHEIT,
20. Jg., 1965, S. 57 ff.; hier: S. 60 f. R. Weidig: SOZIALISTI-
SCHE GEMEINSCHAFTSARBEIT, Berlin 1969, S. 243 ff. Vgl. dazu im
einzelnen den demnächst erscheinenden Aufsatz zur Sozialistischen
Gemeinschaftsarbeit'.
109) Das empirische Material ist bereits im Abschnitt 1.2 präsen-
tiert worden.
110) Vgl. auch Abschnitt 1
111) PROTOKOLL DES 8. PARTEITAGES DER SED, Bd. 2, S. 79 f.
112) W. Jarowinsky: AUS DEM BERICHT DES POLITBÜROS AN DIE 6. TA-
GUNG DES ZK DER SED, Berlin 1972, S. 29 f.
Dieser "Orientierung, mehr Arbeitskräfte in der materiellen Pro-
duktion einzusetzen", entspricht die Kritik an einer übermäßigen
Forcierung des Rückgangs der Produktionsarbeiter, wie sie etwa in
163 Betrieben im Bezirk Leipzig bis 1975 mit der Reduktion des
Anteils der Produktionsarbeiter an den Gesamtbeschäftigten auf
59,3 Prozent vorgesehen war; vgl. Laschke, in: Bb, 1972, S. 268.
Auch die Untersuchung von Ludwig u.a. kommt zu dem Ergebnis, daß
"es in der DDR keinen h o h e n (Hervorhebung von mir - CZ)
Nachholebedarf an qualifizierten Kadern im Vergleich zu anderen
Ländern gibt". Soweit ein solcher Nachholebedarf in den Stellen-
plänen zum Ausdruck komme, könne dem vor allem mit der Entlastung
der Hoch-und Fachschulkader von Verwaltungsarbeiten zugunsten der
Tätigkeit an Anlagen in der Konstruktion/Projektierung sowie der
Produktionsleitung, wo der echte Bedarf am größten sei, Rechnung
getragen werden; a.a.O., S. 245 ff.
113) Vgl. a.a.O., S. 258 f.
114) Lötsch/Weidig, in: DZfPh, 1972, S. 619. Ähnlich vertreten
auch Ludwig u.a. die Auffassung, daß in Zukunft "die einfache Re-
produktion des Qualifikationsniveaus der Werktätigen stärker in
den Vordergrund rücken" werde; a.a.O., S. 317. Allerdings reiche
das Wissen über die "Wirkung solcher Bildungsgrade wie Facharbei-
ter-, Fachschul- und Hochschulbildung als effektivitätserhöhende
Faktoren der Produktion noch nicht aus ..., um zu exakten Schluß-
folgerungen über die Entwicklung des Bestandes an Facharbeitern,
Fach- und Hochschulkadern bei intensiv erweiterter Reproduktion
zu kommen"; S. 181.
115) Vgl. a.a.O., S. 43.
116) A.a.O., S. 317.
117) BERUFSAUSBILDUNG HEUTE UND MORGEN, S. 88 f.
118) PROTOKOLL DER VERHANDLUNGEN DES 7. PARTEITAGES DER SED, 17.-
22.4.1967, Bd. 1, Berlin 1967, S. 253 f.
119) Daher ist Hegelheimer zu widersprechen, wenn er in konver-
genztheoretischer Manier die Notwendigkeit dieser Umstrukturie-
rung der Berufsausbildung a l l e i n aus den Anforderungen der
Produktivkraftentwicklung ableiten will; aus den Inhalten der
Grundberufe ergibt sich der enge Zusammenhang von Ausbildung und
Produktionsverhältnissen, dessen Erscheinungsformen Hegelheimer
nur kommentarlos konstatiert; so stellt er etwa fest, daß in der
DDR größeres Gewicht auf die allgemeinbildenden Fächer als in der
BRD gelegt wird; "Während in der BRD das Verhältnis von berufs-
theoretischem zu allgemeinbildendem Unterricht durchgängig 5:3
beträgt, beläuft es sich in der DDR auf 1:2 im ersten Lehrjahr
sowie im zweiten und dritten Lehrjahr auf 3:4"; vgl. Hegelheimer,
a.a.O., S. 44. In ähnlicher Weise läuft auch Vogt's in vielen
Punkten zutreffende Beschreibung auf eine fragwürdige Verkürzung
hinaus, wenn er die Intention des Grundberufes so zusammenfaßt:
Die "grundlegend neue Qualität der Berufsausbildung wie auch der
Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung ... soll den
für die Meisterung der wissenschaftlich-technischen Revolution
erforderlichen Bildungsvorlauf schaffen und dabei eine wesentli-
che Erhöhung der Disponibilität zur Sicherung einer langfristig
erfolgreichen Berufsausbildung bewirken"; H. Vogt: "Berufsvor-
bereitende Elemente in den allgemeinbildenden Schulen. Allgemein-
bildend-studienvorbereitende Elemente in der Berufsausbildung der
DDR", in: DEUTSCHLAND-ARCHIV (im folgenden zitiert als DA), 4.
Jg., 1971, S. 1138 ff; hier: S. 1146.
120) Vgl. H. Holfeld, "Neue Systematik der Ausbildungsberufe mit
ersten Grundberufen", in: Bb, 22. Jg., 1968, S. 31 ff; hier: S.
31 f.
121) Vgl. A. Knauer: "Die Dynamik des Inhalts der Ausbildungsbe-
rufe der sozialistischen Berufsausbildung", in: Bb, 23, 1969, S.
350 ff; hier: S. 353 und H. Schmidt: "Die Berufsausbildung in der
DDR", in: DIE DDR, S. 226 ff; hier: S. 231, der die für den
Grundberuf charakteristischen Integrations- und Differenzierungs-
prozesse verdeutlicht.
122) Für die erste Angabe vgl. E. Lass: "Disponible Facharbeiter
durch Ausbildung in Grundberufen", in: Bb, 22. Jg., 1968, S. 228
ff; hier: S. 230, für die zweite Angabe vgl. Hegelheimer, a.a.O.,
S. 84 f. und S. 86, Tab. 17, sowie D. Kramer, u.a.: "Probleme des
Bildungswesens in BRD und DDR: Das System der Berufsausbildung",
in: BRD-DDR. Vergleich der Gesellschaftssysteme, Köln 1971, S.
385 ff; hier: S. 391.
Zu etwas anderen Ergebnissen kommt Vogt unter Ausklammerung der
allgemeinbildenden Fächer Staatsbürgerkunde und Sport; er errech-
net für einige Grundberufe ein Verhältnis Theorie - Praxis von
1:3 bzw. 1:2; vgl. H. Vogt: "Grundberufsausbildung in der DDR",
in: DA, 5. Jg. 1972, S. 1051 ff; hier: 1963. Allerdings kann er
damit nicht mehr nachweisen, als daß "noch keineswegs der Grad
von Theoretisierung erreicht (ist), der von den DDR-Berufspädago-
gen als notwendig angesehen wird"; ebd.
123) Hegelheimer meint dazu: "Die DDR legt damit ein größeres Ge-
wicht auf die Vermittlung theoretischer Grundkenntnisse in der
Berufsausbildung, da man langfristig steigende Qualifikationsan-
forderungen an die Arbeitskräfte erwartet"; a.a.O., S. 43. Das
ist wieder nur die halbe Wahrheit: die langfristig steigenden
Qualifikationsanforderungen werden nicht "erwartet", sondern sind
in dieser Form, d.h. als steigende Anforderungen an die Gesamt-
heit der Produktionsarbeiter, wie bereits dargestellt, das Ergeb-
nis zielbewußter gesellschaftlicher Planung.
124) Unterrichtet wird nach den Lehrplänen der 11. und 12. Klasse
der erweiterten Oberschule.
125) Das entspricht dem Inhalt der 9. und 10. Klasse der Ober-
schule; vgl. Vogt, in: DA, 1971, S. 1143.
126) Vgl. ebd. als weitere zukünftig mögliche Grundlagenfächer
werden u.a. Allgemeine Maschinen- und Automatenkunde, Allgemeine
Technologie, Organisations- und Rationalisierungstechnik, Kyber-
netik und Logik angeführt; vgl. BERUFSAUSBILDUNG HEUTE UND MOR-
GEN, S. 21.
127) Vgl. Hegelheimer, a.a.O., S. 87 und S. 89, ferner BERUFSAUS-
BILDUNG HEUTE UND MORGEN, S. 33.
Für die Entwicklung der Zahl der Ausbildungs- und Grundberufe
vgl. Hegelheimer, a.a.O., S. 17 und PROTOKOLL DES 8. PARTEITAGES
DER SED, Bd. 1, S. 92 f.
128) Janson/Keim, in: EINHEIT, 1971, S. 844.
129) So weisen Kramer u.a. auf die fundamentale Bedeutung der
Grundlagenbildung für die Entwicklung der sozialistischen Demo-
kratie hin: "Wenn die Lehrlinge, wie in dem Grundlagenfach Be-
triebsökonomik, mit den 'Grundlagen der sozialistischen Betriebs-
wirtschaftslehre, der wirtschaftlichen Rechnungsführung, der Ope-
rationsforschung' usw. vertraut gemacht werden, so werden damit
Voraussetzungen dafür geschaffen, daß die Lehrlinge die Gesetzmä-
ßigkeiten des Funktionierens ihrer Betriebe durchschauen und ihre
Rolle als sozialistische Eigentümer ausfüllen", a.a.O., S. 395.
Die mit den Grundberufen neu eingeführten Grundlagenfächer stel-
len daher sicher, daß auch unter durch den Einsatz neuer Pla-
nungs- und Leitungstechniken veränderten Bedingungen die soziali-
stische Demokratie weiter entfaltet werden kann: "Man kann sagen,
die Mitarbeit der Werktätigen wird vor allem dadurch und in dem
Maße forciert, wie es gelingt, die Operationsforschung, die EDV
und bestimmte mathematisch-ökonomische Verfahren so zu nutzen,
daß sie allen an der Entscheidungsfindung Beteiligten die Daten
und Informationen vermitteln, die sie für eine wissenschaftlich
begründete Entscheidung benötigen"; H. Nick/R. Weidig: "Mensch
und Automatisierung im Sozialismus - Probleme der Leitung und
Entwicklung sozialistischer Gemeinschaftsarbeit", in: EINHEIT,
25. Jg., 1970, S. 1149 ff.; hier: S. 1160.
130) Vgl. Hegelheimer: a.a.O., S. 68 ff. und Kramer, u.a.:
a.a.O., S. 392 f. Es versteht sich von selbst, daß diese Charak-
terisierung des Konzepts der Stufenausbildung genauer zu belegen
ist, als das in diesem Zusammenhang geschehen kann.
131) Diese Anforderungen stellen sich in modifizierter Form auch
für die Grundberuf-Facharbeiter, nämlich als Erwerb weiterer Spe-
zialisierungen, deren erste bereits in der Ausbildung im Grundbe-
ruf enthalten ist, und für die traditionell ausgebildeten Fachar-
beiter ; BERUFSAUSBILDUNG HEUTE UND MORGEN, S. 97.
132) "Aufgaben- und objektbezogene Aus- und Weiterbildung ziel-
strebig entwickeln", in: Bb, 26. Jg., 1972, S. 221 ff; hier: S.
224.
Vgl. als weiteres Beispiel E. Illge: "Etappenweise Qualifizierung
zu Facharbeitern", in: Bb, 26. Jg., 1972,8. 287 ff; hier: S. 228.
133) BERUFSAUSBILDUNG HEUTE UND MORGEN. S. 37.
134) Trotz seiner Einschätzung, daß die Konzeption der Grundbe-
rufe bzw. der Stufenausbildung "ihrer Einbettung in die jeweilige
strukturelle Gesamtkonzeption nach ... unterschiedlich fungie-
rende Glieder (sind)", kann der Versuch von H. Vogt, Konvergenz
und Divergenz in den Konzeptionen zur Reform der Berufsausbildun-
gen der BRD und der DDR zu analysieren, nicht überzeugen. Nach
seiner Meinung divergieren die beiden Systeme vor allem hinsicht-
lich der Möglichkeiten der Höherqualifizierung; Vogt, in: DA,
1972, S. 1064. Sofern der DDR-Konzeption letztere Möglichkeit ab-
gesprochen werden soll, geht Vogt über das im Grundberuf bereits
erreichte Qualifikationsniveau, das damit verbundene System der
Weiterbildung, insbesondere das Bemühen, mit Maßnahmen wie der
'aufgaben- und objektbezogenen Aus- und Weiterbildung' die Kate-
gorien der Un- und Angelernten drastisch zu reduzieren, einfach
hinweg; vgl. Hegelheimer: a.a.O., S. 76 und S. 79. Ebenso proble-
matisch ist seine Behauptung von Konvergenz hinsichtlich "Art und
Umfang der entspezialisierten Inhalte" der Ausbildung angesichts
des Verhältnisses von allgemeinbildendem und fachlichem bzw. be-
rufstheoretischem und -praktischem Wissen in der gegenwärtigen
und zukünftigen Praxis beider Systeme; vgl. a.a.O., S. 81 f. Da-
mit bleibt Vogt noch hinter den Einsichten seines realistischer
orientierten Kollegen Hegelheimer zurück.
135) Vgl. F. Deppe: DAS BEWUSSTSEIN DER ARBEITER, Studien zur po-
litischen Soziologie des Arbeiterbewußtseins, Köln 1971, S. 96.
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