Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973


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       Richard Albrecht
       

DIE GEGENWÄRTIGE KORSCH-RENAISSANCE IN DER BRD UND WESTBERLIN

Bedingungen, Ursachen, Folgen *) -------------------------------- I In den letzten Jahren, genauer: seit 1966, sind auf dem offiziel- len Buchmarkt der BRD und Westberlins fast in schöner Regelmäßig- keit viele Arbeiten von Karl Korsch wiedererschienen. Wurde zu Beginn der 60er Jahre in der BRD dieser Autor zunächst nur als "Lehrer von Berthold Brecht" wiederentdeckt und als solcher sowohl dem Kampf gegen den "östlichen Totalitarismus" wie insbe- sondere einem größeren bürgerlichen Publikum 1), aber auch der fortschrittlichen literarischen Intelligenz 2) schmackhaft zu ma- chen versucht, so wurde der derzeit in der BRD und Westberlin zu beobachtenden Korsch- R e n a i s s a n c e, ja Korsch- M y- s t i f i k a t i o n durch einen Aufsatz von Erich Gerlach in einem Publikationsorgan der sich damals herausbildenden "Neuen Linken" der Boden bereitet 3), ebenso wie in vergleichbaren Publikationsorganen in Westeuropa sich etwa zur gleichen Zeit eine zunehmende Orientierung auf politische Praxis und Ideologie von Korsch 4) und - etwas später gleichermaßen scheinradikale Ideologen, etwa Anton Pannekoek, abzeichnete. So verwundert es nicht, festzustellen, daß namentlich von diesen scheinradikalen Ideologen des allseitigen weltanschaulichen Chaos der bürgerlichen Gesellschaft auf dem Stadium des entfalteten Im- perialismus, in trauter Zusammenarbeit mit den Ideologen der so- genannten "Frankfurter Schule" der "kritischen Theorie der Ge- sellschaft" 5), der - wenn man so will - theoretische Leichnam Karl Korsch exhumiert und für den bürgerlichen Hausbedarf aufbe- reitet wurde. Eine bürgerliche Verlagsinstitution, die gewerkschaftlich orien- tierte Europäische Verlagsanstalt, deren Programm in wesentlichen Momenten kennzeichnet, daß sie ganze Büchereien "ü b e r Marx und ü b e r den Marxismus" 6) bereitstellt 7), fand sich zur Herausgabe der Arbeiten von Korsch schnell bereit und entdeckte alsbald, daß die Herausgabe der größeren wie kleineren Schriften dieses Autors ein recht einträgliches Geschäft für ganze Abtei- lungen des kommerziellen Kapitals sein kann. Ob allerdings, wie vom Verlag verlautbart wird, "das in den letzten Jahren in allen Ländern (gemeint: in den westeuropäischen imperialistischen Me- tropolen - R. A.) sprunghaft gestiegene Interesse an den Schrif- ten Karl Korschs" deutlich zeigt, "wie aktuell sein Beitrag zur Diskussion des Sozialismus beim gegenwärtigen Stand der Arbeiter- bewegung ist" 8), muß aus guten Gründen bezweifelt werden. Frei- lich ist nicht anzuzweifeln, daß ein bürgerlicher Verlag, welcher als Abteilung des kommerziellen Kapitals, den Gesetzen des kapi- talistischen Warenmarktes gehorchend, stets darum bemüht sein muß, seine feilgebotenen Waren als etwas Besonderes, als Waren, die der Konkurrent auf dem Publikationsmarkt linker Prägung nicht verkaufen kann, darzubieten: dazu bedient sich die Europäische Verlagsanstalt (EVA) - wie jeder kommerzielle Kapitalist - einer entsprechenden Verpackung. In diesem Fall jener, die auf den "gegenwärtigen Stand der Arbeiterbewegung" zielt. Es verdient gleich eingangs festgehalten zu werden, daß noch die derzeitige Dominanz der bürgerlichen Linie in der westdeutschen Arbeiterbe- wegung zum Moment der profitträchtigen Umtriebe eines kapitali- stischen Verlages in der BRD gerinnt. II Marxisten können sich nicht mit den Feststellungen der Ideologen des Handelskapitals mit dem ursachenlosen "sprunghaften Anstieg" begnügen oder gar noch diesen unbestreitbaren Tatbestand als Zu- fälligkeit oder als bare Münze nehmen. Jedem Marxisten, der die- ses Geschehen auf dem Buchmarkt der BRD und Westberlins und ge- rade auf jenem Teil, der linke Publikationen feilbietet, regi- striert, drängen sich folgende Fragen auf: Welche Tendenzen, insbesondere welche Form bürgerlicher und revi- sionistischer Ideologie, drücken diese neuerlichen Herausgaben von Karl Korsch aus? Welche Aufgabe haben dabei die Vor- und Afterworte der als Her- ausgeber fungierenden Ideologen? Welche ideologisch-politischen Zwecke verfolgen diese Neuheraus- gaben in der BRD und Westberlin? Welche reale Bedeutung, welche Verbreitung kommt diesen Neuher- ausgaben zu? Welche besondere Rolle kommt ihnen, gemäß der speziellen Adressa- ten, im Zusammenhang der ideologischen Hauptorientierung Korsch's auf der politisch-ideologischen Seite des realen Klassenkampfs heute zu? Dazu sind zunächst, noch bevor die Struktur der Korsch'schen Ideologie in ihren Grundzügen und die Funktion im politisch-ideo- logischen Klassenkampf der BRD und Westberlins darzustellen sind, einige Sachverhalte vorauszuschicken. Die Korsch-Renaissance in der BRD und Westberlin wurde zunächst durch die von Erich Gerlach besorgte Neuherausgabe der zuerst 1923 erschienenen philosophischen Arbeit "Marxismus und Philoso- phie" einschließlich der Korsch'schen "Antikritik" von 1930, ein- schließlich ferner einiger kleinerer Arbeiten zur Dialektik: "Der Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung" (1922), "Die Marxsche Dialektik" (1923) und "Über materialistische Dia- lektik" (1924) eingeleitet 9). Diese Neuherausgabe von "Marxismus und Philosophie", von jenem Text also, der Korsch in den Augen eines 'Teils seiner bürgerlichen Epigonen zum "Erneuerer" des "revolutionären Humanismus" des "jungen Marx", der (ähnlich Lu- kacs' zur gleichen Zeit) die "marxsche Vision vom selbstbewußt handelnden und damit die Wirklichkeit und sich umwälzenden Prole- tariat" 10) wiederaufgenommen habe, kurz: "zu einem der größten Marxisten aller Zeiten" 11) über das triste Grau der einfachen Marxisten emporhob, war zweifellos die erfolgreichste Unterneh- mung von Verlag und Ideologen: bis Ende Juli 1972 waren 10.100 Exemplare von "Marxismus und Philosophie" aufgelegt 12). 1967 erschien die von Korsch 1937/38 verfaßte Arbeit "Karl Marx", die 1963 in New York als fotomechanische Neuherausgabe des eng- lischen Originals schon zugänglich war 13). Sie erlebte bisher eine Gesamtauflage von 6.500 Exemplaren. 1968 erschien, in gekürzter Fassung, die Arbeit "Arbeitsrecht für Betriebsräte" von 1922 14) (Auflage: 9.000). In dieser Arbeit wird versucht, ähnlich wie in den Arbeiten von Korsch zur "Sozialisierung" 1919/20, ein aktivistisches Konzept der Verbin- dung von ökonomischem und politischem Kampf auf der Ebene des Einzelunternehmens zu entwerfen. Korsch erscheint hier in der Tat als ein Vorläufer der heutigen bürgerlich-reformistischen Konzep- tion der "industriellen Demokratie" - was ihn natürlich umso mehr als Mentor der bürgerlichen Arbeiterpolitik auch für die heutigen gewerkschaftlichen Führungskräfte akzeptabel macht. 1969 erschienen die "Schriften zur Sozialisierung" 15). Diese Herausgabe stand dabei sicherlich im Zusammenhang mit der damals heftigen Bewegung von fortschrittlichen Kräften der jüngeren bür- gerlichen Intelligenz, deren Wollen sich um "direkte Demokratie", Räteorganisation und syndikalistische und neo-anarchistische Uto- pien zentrierte. Diese Ausgabe enthält die frühen Arbeiten von Korsch zu Problemen der "Sozialisierung" (1919/20), ferner die Untersuchungen des Autors zur Pariser Commune (1929/31), in denen in der bakuninschen Interpretation Korsch's das aktivistische Mo- ment seiner Ideologie deutlich im Vordergrund steht, sowie die syndikalistischen Interpretationen der Sozialisierungsfrage in Katalonien zur Zeit des Spanischen Bürgerkrieges (1938/39). 1970 erschien keine Neuherausgabe, dafür 1971: "Die materialistische Geschichtsauffassung" 16). Diese Ausgabe enthält, neben nicht zu- friedenstellenden Anmerkungen zu den Texten von Gerlach, der sich der Problematik seiner eigenen Zusammenstellung nicht einmal hin- sichtlich des verfolgten Zweckes der Glorifizierung des "undogmatischen Marxismus" von Korsch bewußt ist, einen fotome- chanischen Nachdruck der zuerst im "Grünberg-Archiv" 1930 er- schienenen Kautsky-Kritik, ferner einige kleinere Arbeiten von Korsch. So die bereits in der "Marxismus und Philosophie"-Ausgabe desselben Verlags erschienene Skizze "Über materialistische Dia- lektik", so die Skizze "Lenin und die Komintern" (1924), die Re- zension der damaligen Lukac'schen idealistischen Verbrämung der "revolutionären Realpolitik" Lenins von 1924 17), die zuerst im "Proletarischen Feuilleton" des K.P.D.-Organs für Mitteldeutsch- land und Mittelthüringen "Neue Zeitung" und später in der "Internationale" (Nov. 1924) erschienene Rezension von Stalins "Fragen des Leninismus", so die Sammelrezension der rechtstheore- tischen Arbeiten Renners und Paschukanis von 1930 ("Grünberg-Ar- chiv"), die damals in der BRD auch schon in zweiter Auflage wie- der erschienen war 18), ferner eine "Erstveröffentlichung": "Die Krise des Marxismus" (1931) sowie eine Skizze zur "dialektischen Methode im 'Kapital'", die zuerst 1932 erschien und der Einlei- tung der Korsch'schen Ausgabe des 'Kapital' (1. Bd.) 19) in etwa entspricht. Aber auch diese Skizze war dem westdeutschen Leser schon teilweise bekannt, jedenfalls zugänglich 20). In ihr ent- wickelt Korsch seine Interpretation der Marxschen "Methode der politischen Ökonomie", die er als axiomatisch-quasi-mathematische begreift, um sie so - was in "Karl Marx" später dann ausdrücklich geschieht - umso besser für den bürgerlichen Horizont aufzuberei- ten und und sie der bürgerlichen Sozialwissenschaft anzuempfehlen 21). Damit allerdings erschöpft sich die Exhumierung nicht. Wie der Verlag auf Anfrage mitteilte, ist darüber hinaus eine auf minde- stens zwei Bände angelegte Herausgabe der "Gesammelten Aufsätze" von Korsch als Reihe geplärrt. So soll im Februar 1973 im Rahmen des "allgemeinen Buchprogramms" eine von Gerlach herausgegebene Aufsatzsammlung: "Gesammelte Aufsätze I" erscheinen. Bedenkt man, daß neben der Untersuchung "Um die Tariffähigkeit revolutionärer Gewerkschaften" (Berlin 1928) in der Tat nur noch kleinere veröf- fentlichte und unveröffentlichte Korsch-Arbeiten greifbar sind, so ist zu mutmaßen, daß die geplanten Bände auch nur Vorstudien zu größeren (und inzwischen vom Verlag selbst veröffentlichten) Arbeiten, Dispositionen und Fragmente enthalten können. Nament- lich Aufsätze aus "Die Internationale" (1923/24/25), aus der von Harro Schulze-Boysen herausgegebenen Zeitschrift "Der Gegner" (1932), aus Franz Pfempferts "Aktion" (1929/32), später dann aus den von Paul Mattick in den USA herausgegebenen Zeitschriften "Living Marxismus" und "New Essays" 22). Will man das Ausmaß der Exhumierungsversuche verdeutlichen, müssen ferner die verschie- denen sogenannten "Raubdrucke" erwähnt werden. Diese sind in der BRD und Westberlin seit 1968/69 erschienen und brachten fast al- les, was in der scheinradikalen Vorstellungswelt in den 20er Jah- ren Rang und Namen hatte, insbesondere natürlich diverse Arbeiten von Korsch, unter die Leute. Die Flut dieser Raubdrucke und ihre Verbreitung ist, insbesondere was die Arbeiten von Korsch be- trifft, in der BRD und Westberlin kaum zu überblicken. Es er- schienen aber mindestens zwei textgleiche Ausgaben der "Materialistischen Geschichtsauffassung" vor der EVA-Ausgabe 1971, ebenso wie kleinere Arbeiten von Korsch. Beispielsweise kam auf die eben geschilderte Art und Weise Korsch's kommentierte Ausgabe der Marxschen Kritik am Gothaer Programm - geschrieben 1922 - unter die Leute, ebenso Nachdrucke der Korsch-Aufsätze aus "Der Gegner"; hier lehnt sich Korsch an seine zuerst in "Marxismus und Philosophie" begonnene Untersuchung der Rezepti- onsproblematik der verschiedenen europäischen Strömungen des "Marxismus" nach Marx und Engels sowie insbesondere an seine Sy- stematik des 1929 geschriebenen "Labriola-Gutachtens" 23) an, da in dieser Skizze zuerst systematisch die formale und objektivi- stische Strukturierung der Ströme des "Marxismus" seit den 1890er Jahren von Korsch in Angriff genommen wurde. Ferner ist ausdrücklich hinzuweisen auf die Göttinger Studenten- zeitschrift "politicon", die "unter dem Einfluß Gerlachs und an- derer Ideologen stehend - sich dem "Marxismus" Korsch's ausdrück- lich verpflichtet weiß. Hier wurde eine Arbeit von Korsch eben- falls "zum ersten Mal" nachgedruckt 24). Darüber hinaus erschien kürzlich eine Fassung der Korsch'schen Antrittsvorlesung an der Universität Jena (1923) mit entsprechenden Kommentaren von Jürgen Seifert 25), in denen versucht wird, den "undogmatischen Marxis- mus" und die rechtstheoretischen und rechtsphilosophischen An- sätze von Korsch der Kritik der bürgerlichen Rechtswissenschaft nutzbar zu machen. Schließlich ist etwa Mitte 1972 eine von anonymer Seite besorgte, dabei formal und philologisch in Text und Kommentar sorgfältig vorgehende Sammlung von 19 "unbekannten" Arbeiten Korsch's zur Politik, politischen Ökonomie und Geschichtstheorie erschienen (Arbeiten aus den Jahren 1912-1926) 26). Diese neueste, ihrem Selbstverständnis nach "anti-bürgerliche" und dem kommerziellen, offiziösen Buchmarkt entzogene Korsch-Herausgabe mit dem Schwer- punkt auf den Arbeiten von Korsch zur "Sozialisierung" sowie zur politischen Ökonomie aus "Die Internationale" bietet darüber hin- aus die umfassendste und wissenschaftlich fundierteste Hyposta- sierung der Aktualität der Korsch'schen Arbeiten für die heutige revolutionäre und anti-imperialistische Bewegung im entwickelten Imperialismus. "Neu" und "unbekannt" freilich sind die Korsch- Texte, zumindestens der größte Teil nach der im Juli 1972 abge- schlossenen Neuherausgabe der "Internationale" in der BRD, gewiß nicht. III Man sieht: die Korsch- R e n a i s s a n c e steht dem bürger- lichen Publikationsrummel in der BRD gut zu Gesicht. Sie wäre auch unter dem Gesichtspunkt der Textvergleiche für Marxisten durchaus aufschlußreich zu untersuchen 27). Daß es - am Beispiel der Schriften von Korsch in aller Deutlichkeit nachzuvollziehen - natürlich auch darum geht, mit der "Erstveröffentlichung" bzw. der allerneuesten Neuherausgabe usw. für seine und die jeweils nur vom jeweiligen Unternehmen vertriebene Ware Korsch Reklame zu machen, versteht sich von selbst und entspricht den Gepflogenhei- ten, die der kapitalistische Warenmarkt und das profitable Ge- schäft mit der geistigen Arbeit anderer, insbesondere das mit - wirklichen oder vermeintlichen, toten oder lebendigen - "großen" "marxistischen" "Theoretikern", diktiert. Zumeist handelt es sich freilich in der BRD um das Geschäft mit den vermeintlichen Marxi- sten. Es versteht sich ferner von selbst, daß bei derlei trüben kapita- listischen Unternehmungen es dem Monopolisten der Korsch-Arbeiten - der EVA - freisteht, dem Leser - wie geschehen - in verschie- denen Ausgaben nicht nur längst in der BRD wieder veröffent- lichte, sondern in den eigenen verschiedenen Korsch-Ausgaben je- weils den gleichen Text aufzutischen und ihm dafür sein Geld aus der Tasche zu ziehen. Diese Methode kapitalistischer Geschäftema- cherei bezeichnet der Volksmund allerdings zu Recht als E t i k e t t e n s c h w i n d e l. Neben dem kommerziellen Kapitalisten der Verlagsanstalten scheint aber in nicht unbeträchtlichem Maße eine Schar von Ideologen, de- ren Hauptnahrungszweig die Aufbereitung, Kommentierung, die Ver- sehung der Korsch-Texte mit Vor- und Afterworten ist, an diesem profitablen Unternehmen beteiligt zu sein. Handelt es sich zunächst typischerweise um jene Kategorien des bürgerlichen Pu- blikationsbetriebs, die vornehmlich von der (geistigen) Arbeit anderer zu leben scheinen, so machen diese Exploiteure der Pro- dukte fremder (geistiger) Arbeit - auch wenn es die von Karl Korsch ist - darüber hinaus die Herausbildung von Illusionen über sich selbst und ihre geistige Wahlverwandtschaft wie über den Im- perialismus überhaupt - so scheint es am Beispiel Korsch einmal mehr - zu ihrem Hauptnahrungszweig. Zwar liegt die politisch-ideologische Funktion solcherart geisti- ger Parias weniger offen zutage: aber auch hier handelt es sich am Beispiel der Produktion einer "wachsenden Menge von Sekundär- literatur" mittels Vor- und Afterworten zu den "Neuauflagen der Schriften jeglicher pseudo-marxistischer Spielart aus den ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts", die in der BRD zudem "fortlaufend vermehrt wird" 28), einerseits um das "Bereitstellen 'amtlicher' oder 'halbamtlicher' O r i e n t i e r u n g s- h i l f e n" 29) im herrschenden anti-marxistischen und anti- kommunistischen Kampf der BRD. Diese bedient sich - wie Beyer treffend feststellt - zudem noch häufig genug der Methode der "Leser- M a s s a g e" 30) durch Auswahl und Kommentierung der Wiederveröffentlichungen. Andererseits aber handelt es sich um ein t y p i s c h i m p e r i a l i s t i s c h e s M a n ö v e r im ideologisch- weltanschaulichen Bereich des Klassenkampfes, wozu sich derzeit die Arbeiten von Karl Korsch vorzüglich eignen: die in den letz- ten Jahren in Bewegung geratene studierende Jugend und jüngere geisteswissenschaftliche Intelligenz, die bestimmte Widersprüche des westdeutschen Imperialismus praktisch erfuhr und dagegen zu revoltieren begann, die insbesondere die Hohlheit und Brüchigkeit der von ihr hinterfragten bürgerlichen Ideologie zu erkennen be- gann, diese Intelligenz soll an der logischen und einzig mögli- chen Konsequenz dieser Entwicklung, an der Beschäftigung mit den heutigen Marxisten und heutigen marxistischen Arbeiten zur poli- tischen Theorie, Strategie und zur anti-imperialistischen Praxis unter den heute in Westeuropa herrschenden Bedingungen und somit indirekt an der aktiven Teilnahme an der demokratischen und Ar- beiterbewegung gehindert werden 31). Dazu bedienen sich die Ideo- logen, die - aus welchen Gründen in ihrem Selbstverständnis wie zur Rechtfertigung sie das auch immer tun mögen - schon seit Jah- ren des "kritischen" und "undogmatischen Marxismus" von Korsch, dessen Arbeiten sie aufbereiten und feilbieten 32) und somit die Gelegenheit der Bevor-Wortung und Kommentierung der Korsch-Texte ausgiebig wahrnehmen. Die Ideologie von Karl Korsch eignet sich aus verschiedenen Grün- den dazu hervorragend. Zum einen, weil sie in sich recht wider- sprüchlich ist und durchaus als eine typische, moderne Intellek- tuellenideologie im entwickelten Imperialismus fungieren kann, zum anderen, weil sie ihrem - von den Ideologen für bare Münze genommenen - Selbstverständnis nach "kritisch", "undogmatisch", "antidogmatisch" und überhaupt "ideologiekritisch" ist, und zum dritten, weil sich in ihr durchgängig voluntaristische und akti- vistische Tat-Elemente im Vordergrund finden. Viertens enthält diese Ideologie schon die, dem heutigen Bedürfnis der Rechtferti- gung und Verschleierung der herrschenden Verhältnisse unterm westdeutschen Imperialismus angemessenen Momente der scheinradi- kalen "marxistischen" Kritik an der "konterrevolutionären" oder gar "kapitalistischen" Sowjetunion. Fünftens bietet diese Ideolo- gie, gerade im Hinblick auf die Legitimationsproblematik, zu der der Sozialismus in bürgerlich-intellektuellen Kreisen immer noch und wieder herunterkommt, eine idealistische Scheinlösung. Sech- stens schließlich birgt die Ideologie von Korsch bei entsprechen- der Anwendung schon immer die Möglichkeit, die Widersprüche der sozialistischen Gesellschaftsformation zum Zwecke der Subversion des realen Sozialismus überhaupt zu erkennen 33). Diese vielfäl- tigen Momente werden als verbindende ideologische Klammer von der Verkennung und Negierung des Prinzips der bewußten und schöpferi- schen proletarischen Parteilichkeit in politischer Praxis, Theo- rie und Wissenschaft des Marxismus umspannt. Erst hieraus erklä- ren sich auch die zunächst disparat erscheinenden diversen Vor- satzstücke der Korsch'schen Ideologie. IV Zur Kritik an der Ideologie Korsch's ist es relativ belanglos, ob nun "Marxismus und Philosophie" oder "Karl Marx" von den modernen bürgerlichen Ideologen als "Hauptwerk" bezeichnet wird. Es mag in dieser Hinsicht den berufsmäßigen Marxologen, Marx-Deutern und vermeintlichen Marx-Philologen, namentlich den Herren Fetscher und Negt in der BRD überlassen bleiben, ihr Publikum und diejeni- gen, die immer noch ihre Bücher kaufen, in dieser Hinsicht zu be- einflussen 34). Fest steht, daß für den antimarxistischen und insbesondere für den antileninistischen Kampf - das belegen nicht zuletzt die Ar- beiten von Fetscher 35) und Negt 36) selbst - von den Ideologen stets "Marxismus und Philosophie", zur Rechtfertigung ihrer eige- nen sozialwissenschaftlichen Tätigkeit wie zur Einbürgerung die- ser Art "Marxismus" in die empirische Sozialforschung zur metho- dologischen Begründung stets "Karl Marx" mit dem Korsch'schen Plädoyer für die streng empirische einzelwissenschaftliche For- schung herangezogen wird 37), zumal hier die materialistische Dialektik als Kern der Marxistischen Theorie völlig zertrümmert ist. Korsch selbst hatte - bevor er, einerlei ob mit "Marxismus und Philosophie", mit "Karl Marx" oder mit anderen Arbeiten, in den Augen der Ideologen und berufsmäßigen Korsen-Deutern zum "großen" "theoretischen" "Marxisten" avancierte - immer schon die t y p i s c h e I n t e l l e k t u e l l e n k r i t i k an der Marx'schen Theorie und an der sozialistischen Praxis vertre- ten, die stets bestimmte Oberflächenerscheinungen der marxisti- schen Theorie wie der kämpfenden Arbeiterbewegung zum Wesen des Marxismus hypostasierten. Dieses Phänomen kann im übrigen in klassischer Form anhand der Bürokratismuskonzeption Robert Mi- chels 38) und Max Webers Herrschaftssoziologie 39), aber auch bei der literarischen und Bohemeintelligenz in Deutschland, insbeson- dere bei dem Kreis um die "Aktion" 40),herausgearbeitet werden. Es muß hier festgehalten werden, daß Korsch bereits in der Zeit seiner Mitgliedschaft in der englischen "Fabian Society" - jener liberalintellektuellen Vereinigung, die seit den 1880er Jahren für die "Umgestaltung der Gesellschaft durch Überzeugung" (Ber- nal) 41) eintrat - schon die "herrschenden Dogmen des Marxismus" in Form der "Inhaltslosigkeit", der "nichtssagenden Formel" von der "Vergesellschaftung der Produktionsmittel" als "sozialisti- sche Organisation der Volkswirtschaft" anprangerte und - getreu der Hauptorientierung der englischen Fabier - um den Einfluß dieser Art positiv-utopischen, in Wirklichkeit des "reaktionären oder Bourgeoissozialismus" (Marx/Engels) "auf die intellektuelle Jugend" bangte 42). Es versteht sich fast schon von selbst, daß für derlei ideologi- sches Sozialismus-Verständnis entweder das Proletariat als An- hängsel der politischen Bewegung der liberalen Bourgeoisie, wel- che die "ungebildeten Arbeiter" in der "volkstümlichen Ansprache" in der Art der englischen "Fabians" aufzuklären habe 43), er- scheint, oder aber daß - insbesondere in Zeiten der revolutio- nären Gärung der Arbeiterbewegung wie 1918/19 und in der ersten Phase der Weimarer Republik bis 1923 in Deutschland - eine e i n f a c h e N e g a t i o n des ersten ideologischen Stand- orts vorgenommen wird. Diese plumpe Umstülpung, wie sie Korsch als t y p i s c h e r Vertreter der bürgerlichen Intelligenz vornimmt, hat allerdings weder mit der Hegelschen Triade noch mit der negierten Negation, der bestimmten Negation der Negation, ir- gendetwas zu tun. Sie bleibt oberflächliche Makulatur: nun er- scheint vielmehr das kämpfende Proletariat als universalge- schichtlicher deus ex machina, als praktisch gewordener Welt- geist. Die proletarische Revolution, die stets nur als "reine" Form gedacht und aus dem Kopf gesetzt werden kann, erscheint die- ser Art intellektueller Revoluzzerei als Verkörperung der Ge- schichte und ihrer Logik schlechthin; so sagt beispielsweise Korsch selbst in seiner Antrittsvorlesung: "Das Proletariat ist die erste Klasse, die mit einem vollständigeren und klaren Be- wußtsein ihre weltgeschichtliche Aufgabe zu erfüllen unternimmt. Es will das Naturrecht seiner Klasse, um dessen Verwirklichung es seine heutigen Kämpfe führt, nach seinem Siege nicht verewigen, sondern mit den Klassen und Klassengegensätzen zugleich auch das Recht der Arbeiterklasse aufheben." 44) Beide Varianten der ideologischen und typisch idealistischen, identitätsphilosophisch orientierten Scheinlösung der philosophi- schen Subjekt-Objekt-Problematik, mit deren Hilfe die zentrale revolutionstheoretische Fragestellung gelöst werden soll, igno- rieren sträflich die reale Dialektik der Entwicklung der gesell- schaftlichen Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse, sie ignorieren die grundlegende materialistisch-dialektische und hi- storisch-materialistische Erkenntnis, "daß in der menschlichen Gesellschaft, unabhängig vom Willen der Menschen, Gesetzmäßigkei- ten und Zusammenhänge wirken, die von den Menschen erkannt, be- rücksichtigt, gefördert oder gehemmt werden können" 45). So wurde für Korsch selbst, ähnlich wie heute unter weltge- schichtlich veränderten Bedingungen der historischen Offensive des Sozialismus für seine Adepten im kapitalistischen Westeuropa und insbesondere in Westdeutschland und Westberlin, schon zu Be- ginn seiner Orientierung auf die revolutionär-sozialistische Ar- beiterbewegung der proletarische Klassenkampf und die proletari- sche Revolution zum Identitätsproblem. Für ihn gilt jetzt die So- zialisierung der Produktionsmittel als "Identität von histori- schem Entwicklungsprozeß und umwälzender menschlicher Tätigkeit" 46), die "Vereinigung von Theorie und Praxis" in der marxisti- schen Philosophie entspräche - so vermeint Korsch - der "Identität von gegenständlicher Erkenntnis und Tätigkeit" 47). Diese identitätsphilosophischen Spekulationen, die Korsch be- kanntlich aus dem Hegelschen philosophischen S y s t e m ent- lehnte, bestimmen von nun an das Korsch'sche Denken und seine In- terpretation der materialistischen Dialektik von Marx und Engels. In "Marxismus und Philosophie" unternimmt Korsch dann den ersten systematischen, dabei noch tastenden Versuch, anhand der Heraus- bildung und Entwicklung der marxistischen Philosophie selbst nachzuweisen, daß Marx und Engels "auch in der zweiten, positiv- wissenschaftlichen (philosophischen) Periode" seit Beginn der 1850er Jahre von "solch (dualistisch) metaphysischer Auffassung des Verhältnisses von Bewußtsein und Wirklichkeit", jenem großen Grundmangel des "Vulgärsozialismus", dem "Festhalten an jenem naiven Realismus, mit dem der sog. gesunde Menschenverstand ... zwischen dem Bewußtsein und seinem Gegenstand eine scharfe Tren- nungslinie (zieht)" 48) weit entfernt gewesen sein sollen. Denn auch die "marxistisch-materialistische Dialektik" sei, Hegel fol- gend, durch das Z u s a m m e n f a l l e n v o n B e w u ß t- s e i n u n d W i r k l i c h k e i t" 49) gekennzeichnet und erst dadurch von jenem vulgären "naiven Realismus" abgehoben. Logische Konsequenz dieses chaotischen, ideologisch-identitäts- philosophischen archimedischen Punktes der Philosophie wie der politischen Ideologie und Praxis Korsch's ist die falsche und ideologische, der marxistischen Philosophie fremde Auffassung der Leugnung der realen, objektiven Dialektik. Für Korsch reduziert sich demnach Dialektik auf die bloße Begriffsdialektik, auf die "Sphäre der menschlichen geschichtlichen Praxis" 50). Die marxi- stische Bestimmung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses und insbeson- dere die Leninsche Bestimmung der materialistischen Dialektik in "Materialismus und Empiriokritizismus" (1909) 51) und in den phi- losophischen Nachlaßfragmenten (1914-1916) 52) erklärt Korsch da- gegen als "metaphysisch", "naiv", "dualistisch", kurz: als bür- gerlich. Denn der philosophische Materialismus Lenins gehe "von der metaphysischen Vorstellung eines absolut gegebenen Seins" aus: "Indem Lenin und die Seinen die Dialektik einseitig in das Objekt, die Natur und die Geschichte verlegen, und die Erkenntnis als eine bloße passive Widerspiegelung und Abbildung dieses ob- jektiven Seins in dem subjektiven Bewußtsein bezeichnen, zerstö- ren sie tatsächlich jenes dialektische Verhältnis zwischen dem S e i n und dem B e w u ß t s e i n, und in einer notwendigen Konsequenz hiervon dann auch das dialektische Verhältnis zwischen der T h e o r i e und der P r a x i s." 53). Gegenüber sol- chermaßen "kritischen" und "undogmatischen" Revisionsversuchen der materialistischen Dialektik bleibt zuallererst festzuhalten, daß "die Dialektik als objektive Gesetzmäßigkeit der Bewegung der Materie nicht nur dort (existiert), wo ein Subjekt, der Mensch, vorhanden ist, sondern unabhängig von jedwedem Subjekt, vom Men- schen (wirkt)" 54). Ferner bleibt festzuhalten, daß in der marxistischen Theorie und insbesondere für Lenin die materialistische Dialektik und Er- kenntnis "die ewige, unendliche Annäherung des Denkens an das Ob- jekt (ist). Die Widerspiegelung der Natur im menschlichen Denken ist nicht "tot", nicht "abstrakt", nicht ohne Bewegung, nicht ohne Widersprüche, sondern im ewigen Prozeß der Bewegung, des Entstehens der Widersprüche und ihrer Lösung aufzufassen" 55). Da kein Denken wie kein Subjekt ohne Objekt existieren kann, sind die "Subjekt-Objekt-Beziehungen der menschlichen geschichtlichen Praxis als Sondersphäre der natürlichen und historischen Wirk- lichkeit" 56) aufzufassen. Korsch und seinen modernen Apologeten bleibt diese richtige Auffassung der materialistischen Dialektik dagegen fremd und unbegriffen. Zur historischen Exemplifizierung seiner idealistisch-identitäts- philosophischen und in der theoretischen Orientierung auf die elementarsten Fragen der materialistischen Dialektik und Erkennt- nistheorie schon subjektivistischen Interpretation der marxisti- schen Philosophie bedient sich Korsch in "Marxismus und Philoso- phie" der Methode, die "materialistische Geschichtsauffassung" und die Methode des historischen Materialismus "a u c h a u f d i e m a t e r i a l i s t i s c h e G e s c h i c h t s- a u f f a s s u n g s e l b s t" 57) anzuwenden. Es ist dies - Beyer hebt das zu Recht hervor 58) - die methodologische Grund- legung der modernen bürgerlichen und revisionistischen Marxolo- gie. Ihre Aufgabe besteht darin, den Marxismus von innen her theoretisch-ideologisch auszuhöhlen. Darin besteht, einhergehend mit einem philosophischen Relativismus, dem Einheitlichkeit und Geschlossenheit der marxistischen Theorie wie - in der politi- schen Praxis - des sozialistischen Lagers ein Dorn im Auge sein muß, auch diese "u n d o g m a t i s c h e u n d a n t i- d o g m a t i s c h e, h i s t o r i s c h e u n d k r i t i- s c h e" (Korsch) Bedeutung dieser philosophischen und "ideolo- giekritischen" revisionistischen Lehre. Im übrigen wissen das Herausgeber und Aufbereiter des revisionistischen Klassikers Korsch sehr gut. Beispielsweise heißt es in der Verlagsreklame zu "Karl Marx", nachdem festgestellt wurde, daß sich "im Marx-Buch" gegenüber "Marxismus und Philosophie" der "Akzent" in "heute noch höchst akuter Weise verschoben" habe und daß in "Karl Marx" das "szientifische Element, das Verhältnis der Marxschen Methoden und Analysen zu modernen empirisch-wissenschaftlichen Methoden" im Vordergrund stehe: "Dieser Aspekt könnte gerade heute in einer Situation, in der dem herkömmlichen Marxismus die materielle Ba- sis verlorengegangen zu sein scheint und in der die Marxisten selbst den Marxismus mehr und mehr als eine metaphysische Lehre neben anderen zu betrachten bereit sind, einen die Auseinander- setzung vertiefenden und aktualisierenden Ansatzpunkt bieten" 59). Abgesehen davon, daß es sich hier um Wunschträume der imperiali- stischen Ideologen handelt, kann man dem Verlag nur dankbar dafür sein, daß er in so offenherziger Weise die programmatischen Vor- stellungen der Ideologen für die politisch-ideologische Sphäre des Klassenkampfs in seiner Reklame ausplaudert. Denn es ist klar, daß mit der Methode des Totschweigens wie insbesondere der heute bereits unglaubwürdigen Methode des "Marxtötens" des alten Preußen Heinrich von Treitschke den ideologischen Legitimations- bedürfnissen des Imperialismus angesichts der allseitig erfahrba- ren Verschärfung der Widersprüche des entwickelten Imperialismus und des Erstarkens des Sozialismus wohl kaum angemessen entspro- chen werden kann. Dazu bedarf es seit der Herausbildung des Impe- rialismus entsprechend subtilerer und diffizilerer Methoden und entsprechender Ideologen. Lenin selbst kennzeichnete diese moder- nen Methoden des Imperialismus in der politisch-ideologischen Sphäre in "Materialismus und Empiriokritizismus" in einer Weise, die heute nach wie vor treffend ist: "Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antima- terialistische Lehren als Marxismus auszugeben - das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkenntnistheorie ebenso wie in der Soziologie." 60). V Es wäre objektivistisch, würden Marxisten auf Analyse und Dar- stellung derjenigen Personengruppe, deren Hauptnahrungszweig die "immer raffinierteren Verfälschungen des Marxismus" (Lenin) ist, verzichten. Am Lebensschicksal von Karl Korsch selbst müssen die wesentlichen Momente der gesellschaftlichen und Klassenlage wie des Wirkens dieser Intellektuellenkategorie herausgearbeitet wer- den. Dabei zeigen sich für die sozialen Träger des modernen Revi- sionismus wie der modernen imperialistischen Marxologie, von denen für das imperialistische System richtungweisende und ver- wertbare ideologische wie strategische Anstöße nur ausgehen kön- nen, einige allgemeine Züge: E r s t e n s zeigt sich, daß diese Ideologen zumeist in der Arbeiterbewegung - zeitweilig so- gar in leitenden Funktionen - jahrelang arbeiteten, so daß sie die marxistische und Arbeiterbewegung aus der eigenen Erfahrung kennen. Z w e i t e n s entfernten sich diese Ideologen jeweils an einem bestimmten historischen Wendepunkt der Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung von dieser wie vom realen Sozialismus, um schließlich offen in politischer Praxis und Ideologie die sozia- listische Bewegung zu bekämpfen. D r i t t e n s ist dieser Entwicklungsprozeß schließlich durch die Aufgabe jeder - zeitwei- lig durchaus vorhandenen - fortschrittlichen Momente in ihrer Po- litik und Ideologie gekennzeichnet. Ergebnis ist die völlige Ver- kennung der realen Möglichkeiten der revolutionären, antiimperia- listischen und Arbeiterbewegung wie der demokratischen Bewegung überhaupt. Es ist dies der Punkt, an welchem vom Standpunkt des antiimperialistischen Lagers aus Meinungen, Anschauungen und Po- sitionen dieser Personen als völlig von der Wirklichkeit gelöste, als besondere Form der Sozialpathologie anzusehen sind. Durch das Zusammenspiel dieser Momente ist diese Personengruppe für die ideologischen Machenschaften des Imperialismus hervorragend ge- eignet. In politisch-ideologischer Hinsicht ist die Entwicklung des Ideo- logen Korsch im Zuge des Scheiterns des ersten revolutionären An- sturms der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik zu skizzie- ren 61). Korsch kam im Zuge der Vereinigung der Mehrheit der USPD mit der KPD Ende 1920 in die VKPD 62), wo er bis zu seinem Aus- schluß am 30. April 1926 63) in leitenden Funktionen arbeitete. So war er u.a. militärischer Instrukteur in Thüringen, vorüberge- hend Justizminister im Koalitionskabinett der "Arbeiterregierung" in Thüringen, Redakteur der "Internationale", Landtags-und Reichstagsabgeordneter sowie mit verschiedenen besonderen Aufga- ben betraut. Natürlich konnten, da objektiv bis 1923, zuminde- stens aber durchgängig in der KPD und im Bewußtsein der Mitglie- der und Funktionäre, die sozialistische Revolution geschichtlich möglich war und es schien, als verschärfte sich bis 1923 das Ent- wicklungstempo der Bewegung der Arbeiterklasse, weder Korsch noch die verschiedenen "ultralinken" Gruppierungen in der KPD, die al- lesamt bedingungslos an der Möglichkeit des schnellen Übergangs zum Sozialismus und an der proletarischen Revolution festhielten und ihre Ideologie und aktivistische politische Praxis daran aus- richteten, in einen offenen Gegensatz zu den realen Bedingungen des Klassenkampfs in dieser Periode geraten. Erst als sich im Zuge der Anerkennung der Verlangsamung des Tempos der revolutio- nären Bewegung im Deutschen Reich in der zeitweiligen "Stabili- sierung" der monopolkapitalistischen Verhältnisse, ferner im Zusammenhang mit der "Bolschewisierung" der Sektionen der KOMINTERN und der KPD (ab Mitte 1925) zeigte, daß der bedingungs- lose Aktivismus den veränderten Bedingungen des Klassenkampfs nicht gerecht werden konnte, geriet Korsch in offenen, scharfen Gegensatz zu KOMINTERN und zur Leitung der KPD. Zwar beteiligte sich Korsch - was von seinen Adepten tunlichst verschwiegen wird - zunächst an der "ideologischen" "Bolschewisierung" der KPD 64). Von seinem ideologischen, antileninistischen Standpunkt jedoch ist er niemals abgewichen. Konnte er den Leninismus nur als be- sondere "Ideologie" des sozialökonomisch und sozialkulturell zu- rückgebliebenen Rußland begreifen, so verstand er niemals die Be- deutung Lenins als Theoretiker, der nicht nur den revolutionären Marxismus wiederherstellte, sondern die marxistische Theorie, insbesondere durch die Imperialismustheorie, weiterentwickelte. So reduziert sich für Korsch, entgegen seiner syndikalistischen Ausrichtung der "Sozialisierungsarbeiten" 65) der Aufbau des So- zialismus in der Sowjetunion unter schwierigsten geschichtlichen Bedingungen auf die Etablierung des "proletarischen Staatskapita- lismus" entsprechend den Bedingungen der Periode der Neuen Ökono- mischen Politik 66). Dementsprechend finden sich auch schon bei Korsch all jene Elemente "ultralinker", in Wirklichkeit typisch scheinradikaler Kritik am Marxismus-Leninismus und an der So- wjetunion, die bis heute für die Richtung der Feinde des Sozia- lismus und der Subversanten der Arbeiterbewegung und der anti-im- perialistischen Bewegung überhaupt kennzeichnend sind 67): Praxis und Theorie sei nicht revolutionär, sondern "opportunistisch entartet", allenfalls "sozialdemokratisch". Die KOMINTERN ordne sich wie ihre einzelnen Sektionen zunehmend den außen- (und in- nen-)politischen Sicherheitsbedürfnissen der Sowjetunion unter. Diese sei "konterrevolutionär" usw.; und vor allem für die Weima- rer Republik zu Beginn des Jahres 1926 bei Korsch: die Entwick- lung enthalte "alle objektiven Elemente für eine konkret revolu- tionäre Politik" 68), wobei hier natürlich in typischer Manier des Ideologen unter "revolutionärer Politik" die Ausrichtung auf die unmittelbare ökonomische Krise und die bevorstehende gewalt- sam durchzuführende proletarische Revolution verstanden wird. Nach seinem Ausschluß aus der KPD gab Korsch, zusammen mit den ehemaligen KPD-Funktionären Schwarz und Schlagewerth, das von Reichstagsdiäten finanzierte "Diskussionsblatt" der "Entschiede- nen Linken", die "Kommunistische Politik", heraus 69). Charak- teristisch für die objektive Hilflosigkeit der politischen Ideologie dieser scheinradikalen Gruppe außerhalb der Arbeiterbe- wegung, charakteristisch aber auch für die Hypostasierung der "Revolution" als Tagesaufgabe wie für die Hauptstoßrichtung gegen die Sowjetunion und gegen die KPD ist für Korsch in jener Zeit, daß die Sowjetunion und die Kommunistischen Parteien schlicht "konterrevolutionär" waren 70). In den folgenden Jahren bis zum schließlichen Sieg der faschisti- schen Konterrevolution im Deutschen Reich zerfielen die "ultralinken" Gruppierungen immer mehr. Korsch, dem die faschi- stische thüringische Landesregierung die Professur an der Univer- sität Jena entzogen hatte, übersiedelte nach Berlin. Dort arbei- tete er ab 1929 gelegentlich an der "Aktion" - die damals schon Sprachrohr der deutschen Trotzkisten wie Trotzkis selbst war - mit 71), hielt Gastvorlesungen an der Berliner Universität und organisierte Studienzirkel zum "kritischen Marxismus" in Berlin- Neukölln 72) und arbeitete - wie andere Linksradikale - an der "Sozialwissenschaftlichen Vereinigung" Paul Levis mit. Ferner ar- beitete er an der "Gesellschaft für empirische Philosophie" mit 73) und publizierte in kleineren und heute kaum mehr bekannten, noch weniger zugänglichen Zeitschriften. Außerdem stand Korsch in seiner Berliner Zeit in Verbindung mit der sich - als Vorläufer der "IV. (trotzkistischen) Internationale" - herausbildenden und organisierenden "linken Opposition". Von der sozialen und Klas- senlage aus betrachtet, mußte Korsch in jener Zeit als der Typus des sozial desintegrierten, "frei schwebenden" Intellektuellen im Sinne Alfred Webers und Karl Mannheims 74) erscheinen. In dieser Zeit in Berlin, dem Zentrum der bürgerlich-imperiali- stischen Kultur, konnte Korsch einige fortschrittliche Intellek- tuelle im Sinne seines "kritischen Marxismus" 75) beeinflussen und um sich scharen. Von den Faschisten zur Emigration gezwungen, lebte Korsch zeitweilig bei Brecht in Swendborg und versuchte dann, sich in London einzurichten. In der Emigrationszeit - Korsch mußte Ende 1935 Großbritannien verlassen und konnte schließlich mit Hilfe seiner Freunde in die USA einwandern - gab es für Korsch kaum die Möglichkeit, zu publizieren und sich poli- tisch-organisatorisch zu betätigen, so daß für diese Zeit seinen Briefen erhebliche Bedeutung zukommt 76). Da es hier nicht auf eine detaillierte Rekonstruktion und Analyse der Entwicklung und "Akzentverschiebung" der Korsch'schen Ideolo- gie geht, sollen nur zur Verdeutlichung der Möglichkeiten des Einwirkens dieser Art Marxologie auf fortschrittliche bürgerliche Intellektuelle im eigenen scheinbar "klassenfreien" Milieu (Mannheim), aber auch auf verzweifelte und resignierende Funktio- näre der Arbeiterbewegung - beispielsweise auf aus reformisti- scher und - rechtssozialdemokratischer Politik einen Auswegsu- chende Gewerkschaftsfunktionäre, insbesondere aber der Möglich- keit des Einwirkens auf die Sozialistische Bewegung und das so- zialistische Lager, nur einige programmatische Passagen aus einem Brief von Korsch an seine Freunde und Gesinnungsgenossen in der Emigration vom März 1935 zitiert werden. Dort heißt es im zweiten Teil dieses "Rundbriefs" unter dem Titel "Stellung zu Rußland und zur KP", mutmaßlich im Zusammenhang der Möglichkeiten der organi- satorischen Vereinheitlichung verschiedener scheinradikaler und trotzkistischer Gruppen in Westeuropa 77): "Die Anwendung des Hegelschen Prinzips 'Was wirklich ist, ist vernünftig' auf den heutigen russischen Staat und die auf ihn be- zogene und durch ihn gehaltene kommunistische Parteibewegung in den anderen Ländern gilt nicht nur für jene allgemein freiheitli- chen und fortschrittlichen Schichten, aus denen in einer Zeit an- steigender revolutionärer Bewegung das kämpfende Proletariat Zu- zug, Unterstützung und Verbreiterung seiner Front erhält, sondern bis zu einem gewissen Grade auch für die Arbeiter selbst. M a n k a n n g e g e n e i n e R e a l i t ä t n i c h t e i n f a c h i m N a m e n e i n e s a b s t r a k t e n P r i n z i p s p r o t e s t i e r e n. Es gibt heute nirgends auf der Welt mehr eine Organisation revolutionär gesinnter Arbei- ter oder eine auch nur geistig-ideell wirklich existierende und in sich zusammengehaltene 'Richtung', die man der 'entarteten' und 'das nationale Staatsinteresse über das internationale prole- tarische Klasseninteresse stellenden' russischen kommunistischen Partei als die w i r k l i c h r e v o l u t i o n ä r e B e- w e g u n g gegenüberstellen könnte. Wenn für die vom Kommu- nismus angezogenen Arbeiter der außerrussischen Länder der Glaube an den 'Aufbau des Sozialismus in Sowjetrussland' nur noch ein metaphysischer Trost, ein Mythos, eine revolutionäre Jenseits- Gläubigkeit ist, so steht dieser Jenseits-Gläubigkeit heute nir- gends mehr eine r e v o l u t i o n ä r e D i e s s e i t i g- k e i t in irgendwie faßbarer Gestalt gegenüber." Man sieht: aufgrund des falschen und ideologischen Standpunkts von Korsch, für den die Sowjetunion seit 1927/28 "konterrevo- lutionär" ist, ist er zu jeglicher Objektivation des dialekti- schen Verhältnisses der revolutionären Arbeiterbewegung zur Sowjetunion unfähig. Als Interpretationsraster verbleibt ihm nur der Rekurs auf sozialpsychologische Mechanismen, so daß in die revolutionäre Arbeiterbewegung ein eschatologisches Moment hineinprojiziert wird. Darüber hinaus unterstellt Korsch, daß durch die Unterstützung der Sowjetunion die Arbeiterbewegung und die Kommunistischen Parteien der KOMINTERN in Passivität verfie- len. Nachdem Korsch die weltgeschichtliche Bedeutung der von den Bol- schewiki geführten Russischen Oktoberrevolution hervorgehoben und dann im Gegensatz die Niederlagen der Arbeiterbewegung in Europa gekennzeichnet hat, fährt er fort: "Alles, was den Arbeitern über die staatskapitalistische Fortset- zung, Wiederherstellung und Verschärfung der hergebrachten Formen der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung in Rußland er- zählt wird, kommt entweder aus dem Munde ihrer altbekannten Feinde, Kapitalisten, Faschisten und Sozialdemokraten oder bleibt unvermeidlich äußerst vag , abstrakt, unverständlich und unsympa- thisch. Alle diese Kritiken enthalten nicht oder können zur Zeit nicht irgendeinen Aufruf zum Handeln für die revolutionären Ar- beiter enthalten. Aus allen diesen Gründen ist es unvermeidlich, daß bis zu der Entstehung einer neuen, selbständigen Klassenbewe- gung des internationalen Proletariats auch die Arbeiterklasse selbst, und gerade ihre revolutionärsten Bestandteile, auf das heutige Sowjetrußland als auf die w i r k l i c h e und daher revolutionäre v e r n ü n f t i g e Erfüllung ihrer im eigenen Lande heute unerfüllten Zielsetzung blicken." Während einerseits ein "Aufruf zum Handeln" nicht nur zu Beginn des Jahres 1935 deklamatorischen und "möglichen" Charakter hatte, sondern zur Abwehr des europäischen Faschismus für die Arbeiter- klasse dringend notwendig und - denkt man an die unite populaire in Frankreich seit dem Frühjahr 1934, denkt man aber auch an die Bestrebungen in der deutschen Arbeiterbewegung - durchaus reali- stisch war, kann Korsch selbst keine Kampfperspektive aufzeigen. Dies führt nicht nur zu einer Unterschätzung der Kriegsgefahr, die vom Faschismus aktuell ausging, sondern in der implizit vor- genommenen Gleichsetzung der verschärften Ausbeutung der Arbei- terklasse im faschistischen Imperialismus und in der Sowjetunion zu einer - könnte diese Konzeption auch nur irgendeinen prakti- schen Einfluß ausüben - Desorientierung der Arbeiterbewegung und der anti-imperialistischen Bewegung überhaupt, wenn nicht gar - wie ebenfalls impliziert und angedeutet - zur Zerschlagung der kämpfenden Arbeiterbewegung und der Sowjetunion. Es scheint, als sei sich Korsch dieser notwendigen Folgen seiner Konzeption von "Arbeiterpolitik" sehr wohl bewußt gewesen - freilich schreckte er vor der praktischen Konsequenz zurück und zog sich auf einen moralisierenden Standpunkt zurück. Selbst wenn man zur eingehenderen Beurteilung dieses dokumentari- schen Briefs von Korsch berücksichtigt, daß er in einer Stimmung tiefster Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung Korsch's geschrieben sein mag, so kann doch unschwer die Folie des zeitgenössischen Anti-Marxismus und Anti-Kommunismus erkannt werden. Es finden sich in gedrängter Form nahezu alle ihre Spielarten - von der je- suitischen, die den Marxismus und die sozialistische Arbeiterbe- wegung zur religiösen Eschatologie herunterbringen will, bis zur imperialistischen Totalitarismusdoktrin, die stets auf die Ver- nichtung des sozialistischen Lagers orientiert ist. Später bezeichnete Korsch dann auch die "politische Theorie des Sowjetmarxismus nach Lenins Tod" als "revolutionäre Theorie mit einer konterrevolutionären Praxis" zum "Wohl der Bourgeoisie". Der "Bolschewismus Stalins" war für Korsch 1940 das "bloß russi- sche Gegenstück des Hitlerschen Nationalsozialismus" 78). Damit fiel Korsch noch hinter den konsequenten b ü r g e r l i c h e n Antifaschismus beispielsweise Thomas Manns zurück, ebenso wie heute der Korsch-Adept Negt in seiner Kritik an der Sowjetunion und den dort in den 30er Jahren herrschenden - zugegeben: theo- riefeindlichen - schwierigsten Bedingungen sich noch nicht einmal auf die Höhe der Erkenntnisse des konservativen, bürgerlichen und gewiß jeder marxistischen Tendenz unverdächtigen, geistesge- schichtlichen Forschers Ernst Nolte heraufarbeiten konnte 79). Korsch selbst entwickelte in den folgenden Jahren in den USA, wo er sich mit Hilfe des bekannten experimentellen Sozialpsychologen und Feldtheoretikers Kurt Lewin um eine Professur für Soziologie in den USA bemühte und in engem Kontakt mit Paul Mattick stand, sein Konzept der Anwendung der Methode des historischen Materia- lismus und der Kritik der politischen Ökonomie zur Begründung em- pirischer Forschung 80). In diesem Zusammenhang steht neben der Arbeit "Karl Marx" und neben dem Aufsatz von Kurt Lewin und Karl Korsch zur Lösung des Quantifizierungsproblems in den Sozialwis- senschaften mittels mathematischer Hilfskonstruktionen 81) ein ausführlicher Brief von Korsch an Gerti und Kurt Lewin 82). Beide Dokumente wären zur gründlichen Interpretation dieser Versuche, an einer allgemeinen Methodologie der Sozialwissenschaften zu ar- beiten, heranzuziehen - was freilich den Korsch-Apologeten bisher nicht eingefallen ist. Gleichwohl bleibt grundlegend gegenüber jeglichen Versuchen dieser Prägung festzuhalten und einzuwenden, daß sie, ähnlich wie der "logische Empirismus" und "kritische Ra- tionalismus" hier nur allzuleicht einer Fiktion anhängig sind; denn "es wäre überhaupt ein Trugschluß, anzunehmen, daß alle Ele- mente des Systems der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse quantifiziert werden können" 83). Korsch gelang es in jener Zeit nicht, größere Menschengruppen im Sinne seines "kritischen" und "undogmatischen" Marxismus zu be- einflussen. Zwar entstanden in der Emigration noch einige Gele- genheitsarbeiten 84) und Pläne der Aufarbeitung bestimmter Ent- wicklungsströme des "Marxismus" 85) - einen bedeutenden Einfluß konnte Korsch und sein identitätsphilosophischer, aktivistischer Revisionismus und Subjektivismus zu seinen Lebzeiten nicht mehr erlangen. Allenfalls einige bürgerliche und revisionistische Marx-Deuter 86) und rechtssozialdemokratische Ideologen 87) rezi- pierten ihn durch "Marxismus und Philosophie" und insbesondere durch die relativistischen und historizistischen "10 Thesen über Marxismus heute" 88). Es bedurfte erst einer bestimmten, für Teile der fortgeschritte- nen Intelligenz in Westeuropa erfahrbaren Situation - indem ei- nerseits sich die Bedingungen unter dem entwickelten Imperialis- mus für geistige Arbeit und Qualifikation überhaupt verschärften, indem andererseits durch die immer offensichtlicher werdende hi- storische Defensive des Imperialismus dieser, besonders in der BRD und Westberlin, seiner ideologischen Legitimation und seiner tradierten Lebenslügen immer mehr verlustig ging -, bevor der Bo- den zur Aufnahme des Korsch'schen "Marxismus" im Interesse und zum Nutzen des entwickelten Imperialismus bereitet war. Daß die- ser gesellschaftliche Boden aufgrund der besonderen Bedingungen des Klassenkampfes in wirtschaftlicher, politisch-organisatori- scher und ideologisch-kultureller Hinsicht am besten in West- deutschland und in Westberlin bestellt sein konnte, ist offen- sichtlich und wird von den Ideologen des Imperialismus sicherlich nicht unbewußt als soziale Rahmenbedingung ihrer Exhumierungsbe- strebungen wie ihrer ideologischen Desorientierungsversuche über- haupt gern in Kauf genommen. VI Entsprechend der Struktur der Ideologie von Karl Korsch, die nur als ein exotisches Ragout identitätsphilosophischer Gemeinplätze, scientistischer Aufbereitungen des historischen Materialismus, moralisierender Kritik an Sozialismus und revolutionärer Arbei- terbewegung und schließlich ein bedingungsloses und abstraktes Bekenntnis zum scheinradikalen Aktivismus wie zur syndikalisti- schen Selbstorganisation der unmittelbaren Produzenten zu be- zeichnen ist und sowohl die marxistische Theorie und Strategie wie die Praxis der sozialistischen Arbeiterbewegung von "links" wie gleichzeitig von "rechts" zu desorientieren in Angriff nimmt, entsprechend dieser Struktur ist die der Urteile über den Korsch'schen "Marxismus" von den hauptsächlichen Aufbereitern wie den modernen, intellektuellen und scientistischen Adepten von Korsch. So finden sich in der Vorbereitungsphase der gegenwärtigen Kor- sen-Renaissance nahezu all jene Elemente der Glorifikation, die später nur noch ausschweifender und in gelehriger Form wiederge- käut werden. Mattick, der als erster die Renaissance vorbereiten half, betont, Korsch habe den Marxismus "von seinen ideologischen und dogmatischen Fesseln" zu "befreien" versucht. Da Mattick selbst besonders auf die "linkskommunistische" Rätekonzeption An- ton Pannekoeks 89) und Hermann Gerters abhebt, stellt sich für ihn Korsch als "marxistischer Kritiker des Marxismus" dar, der zudem den Glauben an die schließliche "sozialistische Revolution" in Ost und West mit allen "links-" und "rätekommunistischen" Ideologen teile und der an die Möglichkeit einer dieser erhofften Bewegung angemessenen "Theorie" nach wie vor glaubte 90). Erich Gerlach dagegen stellte in der Vorbereitungsphase der ge- genwärtigen Korsch-Renaissance das Moment der seit der Herausbil- dung des Imperialismus "andauernden Krise des Sozialismus" in den Vordergrund. Diese könne mit Hilfe der Denkansätze Korsch's - Gerlach nennt ihn hier, in einem theoretischen Organ der sich herausbildenden "Neuen Linken" in der BRD, "nur mit Vorbehalt einen 'Marxisten'" - anscheinend gelöst werden. Denn: Korsch "hat Marx tiefer verstanden als die meisten anderen Marxisten" 91). Für diese Behauptung muß Gerlach freilich jeden Beleg schuldig bleiben - es sei denn, dieses "tiefe" Marx-"Verständnis" bezieht sich auf die von Gerlach hervorgehobene "Unreife der Arbeiter" 1918/19 zur "vollgenossenschaftlichen Produktion" 92), die Korsch in seiner programmatischen Schrift "Was ist Sozialisierung" kon- statierte 93), es sei denn, dies "tiefe" Verständnis bezöge sich auf die "Weiterentwicklung" der "Marxschen Methode" inform der "modernen Informationstheorie" und deren "interessante Fundie- rung" durch Korsch 94). Einerlei: Beide Begründungen sind zwei- fellos sowohl für die rechte Gewerkschaftsführung als auch für die bürgerliche Sozialwissenschaft im entwickelten staatsmonopo- listischen System der BRD akzeptabel, ebenso akzeptabel wie die Korsch'sche "Ideologiekritik", wenn sie sich nur gegen Marxismus und Sozialismus richtet. In der veränderten englischen Fassung seiner frühen Korsch-Glori- fizierung avancieren die Gerlach'schen "Vorbehalte" ein gutes Jahr später zum Korsch'schen "u n d o g m a t i s c h e n M a r x i s m u s" sui generis. Dieser soll sich dadurch aus- zeichnen, daß er sozusagen alles über Bord wirft, "was (in der marxistischen Theorie) den heutigen Bedingungen nicht mehr ent- spricht". Hierin soll auch Korsch's Vermächtnis für die "jünge- re Generation revolutionärer Marxisten" liegen (95). Nachdem solchermaßen der Boden für den Verkauf der Korsch'schen "klassischen Schriften des Marxismus" (Gerlach) (96) bereitet, dabei die marxistische Theorie im Sinne der funktionalistischen bürgerlichen Soziologie auf ein Generationsproblem herunterge- bracht wurde, war der Rahmen für die kapitalistische Verpackung dieses "marxistischen Klassikers" abgesteckt: "Marxismus und Phi- losophie" wurde als "aktueller Beitrag zur zeitgenössischen so- zialistischen Diskussion", der "in konsequenter Fortsetzung der Marxschen Auffassung auch den Marxismus und die historisch-mate- rialistische und ideologiekritische Untersuchung einbezieht", bezeichnet. Wohlwollend-väterlich betont Gerlach auch hier das "starke Interesse bei der jungen Generation an Korsch" 97), wel- ches er schließlich erst wecken will. Auch Langkau betont 1968 in seiner Ausgabe von "Karl Marx", daß bei Korsch "das Denken von Marx selbst zum Gegenstand einer mate- rialistisch verstandenen Ideologiekritik" wird 98) und versichert sich, "einen Beitrag zur Selbstverständigung der Linken über ihre eigene Geschichte" 99) vorgelegt zu haben, grenzt aber gleich ein, daß durch "Objektivierungen" in "Karl Marx" - gemeint ist anscheinend die formalistische und objektivistische Strukturie- rung der Rezeptionsproblematik - der Text sich "äußerlich gele- gentlich dem Erscheinungsbild der akademischen Marx-Interpreta- tion (annähert)" 100). Die Neuherausgabe des Korschschen "Arbeitsrechts für Betriebs- räte" sollte Korsch als Ideologen der rechtsgewerkschaftlichen Mitbestimmungs- und "industrielle Demokratie"-Konzeption dem ge- werkschaftlichen Funktionärskorps näherbringen. In dem Gerlach- schen Vorwort wie in der Einleitung des IG-Metall-Funktionärs Dieter Schneider wird dieser Zusammenhang auf der Basis einer ty- pisch rechtssozialdemokratischen, "integrationistischen" Inter- pretation der historischen Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse ständig hergestellt. Dabei wird Korsch's "Was ist Sozialisierung" von 1919 als der "beste Beitrag zur industriellen Demokratie..., über den wir in Deutschland aus dieser Zeit verfügen" 101) gefei- ert. Zwar betont Schneider, "Arbeitsrecht für Betriebsräte" - de- ren erster Teil als "theoretische" Begründung der "industriellen Demokratie" im wesentlichen vorliegt; weggelassen ist die Kritik am Betriebsrätegesetz des Deutschen Reiches vom 4. Februar 1920 - "spricht für sich selbst" und "bedarf keines besonderen Kommen- tars" 102). Umso unverständlicher bleibt es, wenn im Schlußabsatz "die Schriften Karl Korsch's" als "ein wesentlicher Beitrag auf dem Wege zu einer Ordnung, in der Arbeitnehmer in allen Berei- chendes Gesellschaftslebens über ihr Schicksal mitbestimmen," 103) bezeichnet werden. Es handelt sich hier um einen klassischen Fall von "Leser-Massage" (W.R. Beyer). In den "Schriften zur Sozialisierung" wird der übergreifende Zu- sammenhang, von der syndikalistischen und Rätebewegung, der "direkten Rätedemokratie" zur "revolutionären Jugend in den alt- kapitalistischen Ländern" 104) von Gerlach hergestellt, ebenso wie auf "die kurzfristige Übernahme der Betriebe durch die Arbei- terräte in Ungarn im Jähre 1956 und vor allem auf das jugoslawi- sche Experiment" 105) hin m a s s i e r t wird. In der "Studienausgabe" der "Materialistischen Geschichtsauffas- sung" verweist Gerlach dagegen wieder auf die methodische Seite des Korsch'schen Revisionismus, auf die "Anwendung des histori- schen Materialismus auf den Marxismus" 106); damit habe Korsch "mit der Konsequenz des Marxismus ernst gemacht" 107). In Wirk- lichkeit aber hat Korsch natürlich nur versucht, die revolutio- näre marxistische Theorie ihres Klassencharakters und ihrer Par- teilichkeit zu berauben, sie für den bürgerlichen Hausbedarf auf- zubereiten und die marxistische Theorie als Waffe des Proletari- ats im Klassenkampf untauglich zu machen. Dies auszudrücken hütet sich Gerlach wohlweislich. Die ausführlich dokumentierte Aufbereitung, die in den weiteren Schriften über Korsch ihre Fortsetzung findet, hebt also ab auf vier Besonderheiten des Korsch'schen Revisionismus und program- miert ihre gewünschte Rezeption in vier wesentlichen Bereichen vor: E r s t e n s in der Wendung historisch-materialistischer Momente auf die marxistische Theorie und Arbeiterbewegung selbst. Z w e i t e n s in der Hervorhebung des aktivistischen, syndika- listisch aufbereiteten Tatgedankens, mit welchem insbesondere die fortschrittliche Intelligenz und "Jugend" überhaupt, aber auch mittels der unterliegenden sozialdemokratischen Mitbestimmungs- konzeption auch die gewerkschaftliche und Arbeiterbewegung selbst an den Sozialdemokratismus und somit an das staatsmonopolistische System selbst gebunden werden soll. D r i t t e n s im Angriff gegen den realen Sozialismus, der - auch in der scheinradikalen Form - immer zugleich die Politik des Imperialismus und insbeson- dere die der Sozialdemokratie und der rechten Gewerkschaftsfüh- rung rechtfertigen soll. V i e r t e n s schließlich soll der Sozialismus als reale gesellschaftverändernde Kraft geschwächt, d e r K a m p f f ü r d e n S o z i a l i s m u s f ü r I n t e l l e k t u e l l e a l s m o r a l i s c h e s u n d L e g i t i m a t i o n s p r o b l e m, a l s i n n e r- t h e o r e t i s c h e u n d e r k e n n t n i s t h e o r e- t i s c h e F r a g e dargestellt werden. Insbesondere hier wird mittels, des identitätsphilosophischen Ausgangspunkts von Korsch und dessen idealistischer Scheinlösung an der Marxschen Problemstellung der geistigen Aneignung der "konkreten Totalität" (108) scheinbar angeknüpft " freilich ver- kommt das revolutionstheoretisch und methodologisch immer zur Hinwendung zu den "reinen Formen". Gilt es methodologisch noch einmal festzuhalten, daß von Marx selbst am Beispiel der Konkur- renz der Kapitale Bewegung in reinen Formen als idealistischer Wunschtraum denunziert wurde: "...in der Theorie wird vorausge- setzt, daß die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sich rein entwickeln. In der Wirklichkeit besteht immer nur Annähe- rung; aber diese Annäherung ist umso größer, je mehr die kapita- listische Produktionsweise entwickelt ist und je mehr ihre Verun- reinigung und Verquickung mit Resten früherer ökonomischer Zu- stände beseitigt ist" 109), so bietet sich zur Ablenkung von den realen gesellschaftlichen Problemen die Korsch'sche Ideologie und Methodologie an: schließlich wird Hier gerade für den Aneignungs- prozeß der Gesamtwirklichkeit durch fortschrittliche Teile der geistes- und sozialwissenschaftlichen Intelligenz Scheinproblema- tisierung und Scheinlösung angeboten. Hier soll die widersprüch- liche Entwicklung dieser Intelligenzkategorien zur marxistischen Theorie und ins sozialistische Lager unterbrochen und in bürger- liches Fahrwasser umgeleitet werden. VII Diese letzte, besondere Aufgabe nehmen in der Korsch-Aufbereitung und - Interpretation besonders jene westdeutschen Autoren wahr, die sich - auch hierin ihrem Mentor Fetscher ähnlich - in den letzten Jahren eine Professur ermarxologeln konnten. So hebt Negt, ähnlich wie Gerlach, hervor, daß das Korsch'sche Denken "großen Einfluß" auf die "revolutionäre Intelligenz der letzten Jahrzehnte ..." 110) ausüben konnte. Nun gehört es zwei- fellos zum Marketing des Kapitals, dem Käufer zu schmeicheln. Und so ist auch diese Gerlach-Negtsche Attributisierung der "Intelli- genz", gar der "Jugend", als "revolutionär" nichts als Schmei- chelei. Wirklich und wahr wird sie auch durch stetiges Wie- derholen nicht. Negt-Gerlach fallen auch hier wieder hinter die früher bürgerliche Aufklärung zurück: anstatt über Illusionen aufzuklären, werden neue, hier eine besondere, moderne Intellek- tuellentheorie und -ideologie, produziert. Auch hier ist festzu- stellen, daß - ebenso wie in methodologischer Hinsicht - im Hin- blick auf die soziale Funktion der dem Korsch'schen in vielerlei Hinsicht ähnliche Mannheim'sche Irrationalismus fröhliche Urständ feiert 111). Dieser Irrationalismus ist für Professor Negt aller- dings die logische Konsequenz aus seiner Orientierung auf "Theorie" überhaupt. So glorifiziert er insbesondere die Korsch'sche "Fähigkeit", "Theoriebewußtsein zu bilden" 112). Die dahinterstehenden Implikationen, die die alte Plato'sche Idee des Philosophenkönigtums aufnehmen und im entwickelten Imperialismus rechtfertigen sollen, sind die reaktionäre Isolierung von revolu- tionärer marxistischer Theorie und revolutionärer marxistischer Praxis im Klassenkampf zugunsten einer Superstruktur "Theorie" zum einen. Zum anderen handelt es sich um die irrationalistische und reaktionäre Schaffung von Illusionen, die sich die Intelli- genz über sich selbst und ihre Rolle im Klassenkampf macht - was vor einigen Jahren in der BRD auf der Höhe der Studenten- und Li- teratenrevolte bekanntlich dazu führte, daß die "revolutionäre Intelligenz", namentlich die Ideologen der "Frankfurter Schule", zum "kollektiven Theoretiker" des Proletariats und zum Strategen des proletarischen Klassenkampfs hypostasiert wurde 113). Der andere professorale Korsch-Adept Seifert kann sich auf die Höhe solch philosophisch untermauerter Revoluzzerei nicht empor- schwingen. Er verbleibt gänzlich auf dem Boden des formellen Scientizismus und betont stereotyp und formelhaft die besondere scienti-fische Bedeutung von Korsch, die, um einmal die gröbste Formel zu zitieren, neben der "historischen Spezifizierung" in der "Anwendung des Marxismus auf den Marxismus" 114) liege. Am deutlichsten wird die politische Bedeutung der Korsch-Exhumie- rung für Teile der Intelligenz in Westdeutschland und Westberlin in einer programmatischen redaktionellen Erklärung der Göttinger Studentenzeitschrift "politicon". Hier sind alle Momente der Korsch-Mystifizierung durch Gerlach und andere reproduziert. Zum einen erscheint Korsch als "Theoretiker" der "direkten Demokratie der Arbeiterräte", als "bedeutendster Theoretiker der Rätediskus- sion 1918-20" 115). Zum anderen als "Kritiker" der Sowjetunion ab Ende der 20er Jahre 116). Schließlich könne die "sozialistische Intelligenz" die "Methode der radikalen Historisierung" - welche freilich wiederum relativisiert und ihrer "idealistischen Mo- mente" entledigt werden müsse, die dem Korsch'schen "Programm" noch anhaften - "an Korsch's Kritik der alten und neuen Marx-Or- thodoxie das kritische, pragmatische und aktivistische Element der Marx'schen Gesellschaftstheorie wiederfinden" 117). Dies freilich nicht im Sinne Negts, nicht also im Sinne der Nutzbarma- chung der Korsch'schen Ideologie und Methodologie für die schul- philosophische "Konstitutionsproblematik", sondern unter aktuell- praktischen Fragestellungen zur "Lösung" der, "Organisations- frage" der "internationalen S t u d e n t e n b e w e g u n g", aber auch der proletarischen Bewegung. Dies, indem die "p r a k- t i s c h e n Erfahrungen" der "wirklichen Kämpfe und ihres Scheiterns", wie insbesondere deren Verallgemeinerung durch Korsch selbst rezipiert wird (118). Hier unterscheidet sich - so scheint es - die bürgerliche, akademische Marxologie des Profes- sor Negt von der der aktivistisch zur politischen P r a x i s drängenden Vertretern der westdeutschen Studentenbewegung, auf deren Beeinflussung Gerlach in seiner Korsch-Aufbereitung so sehr abhob. Freilich sind diese Unterschiede noch lange nicht Wider- sprüche. Beide heute in der BRD aktuell-herrschenden Folien der Korsch-Glorifizierung erinnern an nicht mehr als an den Loslö- sungsversuch der Schüler von der "Frankfurter Schule" und nament- lich von Mentor Th. W. Adorno in der Hochphase der Studentenre- volte. Und auch hier wird aufgrund des unbegriffenen realdialek- tischen Theorie-Praxis-Verhältnisses der damalige Schüler und heutige Mentor Negt sich bestenfalls in den Schmollwinkel des Goetheschen Hexenmeisters zurückziehen können. VIII Beim Prozeß der Korsen-Rezeption durch die Teile der Intelligenz, bei denen sich das Unbehagen am gewöhnlichen Imperialismus west- deutscher Provenienz vielfach festmacht, ist vorab zu berücksich- tigen, daß ihre Klassenbasis bekanntlich nicht "staatsmonopoli- stisch" - im Gegensatz etwa zum klassischen "Rechtsopportunismus" in der Arbeiterbewegung, beispielsweise im gewerkschaftlichen Funktionärskorps, für den ja auch die Korsch-Exhumierung die ideologische Überhöhung der Praxis der bürgerlichen Arbeiter- politik bereithält -, sondern immer noch im wesentlichen "klein- bürgerlich" ist 119). Somit steht auch bei dieser wichtigsten Adressatengruppe der gegenwärtigen Korsch-Renaissance nicht - wie bei den berufsmäßigen Marxologen - die wissenschaftstheoretische und methodologische Seite der Korsch'schen Ideologie im Vordergrund, sondern der aktivistisch-syndikalistische Grundtenor und Tatgedanke. Dadurch werden in politischer Praxis und Ideologie die antimarxistischen und antikommunistischen Grunddog- men und Grundmythen des Imperialismus in linker Verkleidung ins Lager der fortschrittlichen Intelligenz eingebracht 120). Der Entwicklungsprozeß dieser Intelligenz verläuft besonders hin- sichtlich der Aneignung der revolutionären Theorie des Marxismus- Leninismus wie hinsichtlich des praktischpolitischen Kampfes an der Seite der Hauptkraft des anti-imperialistischen Lagers, der sozialistischen Arbeiterbewegung, nicht linear, sondern notwendig in zugespitzter Widersprüchlichkeit. Er ist vermittelt sowohl durch die sich ständig unter dem entwickelten Imperialismus ver- schlechternden Lebensbedingungen der Intelligenz im allgemeinen 121) wie durch den Klassenkampf der Arbeiterbewegung und der an- tiimperialistischen Bewegung überhaupt und insbesondere durch den theoretischen Kampf der Marxisten gegen alle Formen der bürgerli- chen und revisionistischen Ideologie 122). Denn die imperialisti- sche Ideologie droht immer wieder, sich im Lager der fortschritt- lichen Intelligenz einzunisten. Ferner steht dieser Entwicklungs- prozeß in engstem Zusammenhang mit sichtbaren politischen und or- ganisatorischen Erfolgen, die die marxistische und kommunistische Bewegung auch im Lager dieser Intelligenz durch ihre unermüdliche und zähe Arbeiterfuhr 123). So finden sich denn auch in der fortschrittlichen akademischen Sozialwissenschaft erste Ansätze einer wirklich kritischen und dialektischen Betrachtung der Rolle der Intellektuellen im Klas- senkampf, beispielsweise bei Lothar Peter 124). Ebenso wird, was für die Entwicklung der gegenwärtigen Korsch-Renaissance in der BRD von einiger Bedeutung sein kann, angedeutet, daß man sich - hier im Zusammenhang der Beziehung Lukacs-Korsch - nicht mit dem "bloßen Aufweis dogmengeschichtlicher Parallelitäten" begnügen könne und daß "die übliche Gegenüberstellung von kritisch-dialek- tischem und dogmatisch-stalinistischem Marxismus" von Gerlach, Negt usw. die Probleme "unzulässig verkürzt" 125). Es wird erahnt, daß die Korsch-Renaissance zur ideologischen Vernebelung und Desorientierung beitragen soll. Wenn auch die Notwendigkeit des Kampfes gegen die bürgerliche und revisionistische Ideologie des Imperialismus unbestritten ist, so kann nur betont werden, daß. im staatsmonopolistischen System niemals der Kampf gegen die intellektuell-revoluzzerische und klassisch "linksradikale" Ideologie und politische Praxis die hauptsächliche Seite des gesamten und allseitigen politisch-ideo- logischen Kampfes der Marxisten sein kann. Trotzdem ist deutlich geworden, daß der Kampf gegen diese Tendenzen, der Kampf um die Stärke und Geschlossenheit des anti-imperialistischen Lagers in der BRD und Westberlin einer Auseinandersetzung mit der besonde- ren Form der Korsch'schen, klassisch revisionistischen Ideologie wie der modernen Marxologie überhaupt nicht ausweichen darf. Schließlich handelt es sich am Beispiel der gegenwärtigen Korsch- Renaissance in der BRD und in Westberlin um nichts anderes als um ein ideologisches Manöver des imperialistischen Systems und sei- ner Ideologen, Teile der fortschrittlichen, hauptsächlich gei- stes- und sozialwissenschaftlichen Intelligenz ideologisch zu desorientieren, um sie umso besser im Zusammenhang mit den übri- gen Machenschaften des Imperialismus an einer politischen und or- ganisatorischen Annäherung an das anti-imperialistische Lager und die sozialistische Arbeiterbewegung zu hindern. Diesem Versuch der massiven Desorientierung soll die derzeitige Exhumierung des theoretischen Leichnams Karl Korsch in hervorra- gender Weise dienen. Sie erfüllt damit sowohl brennend aktuelle Probleme der "integrativen" Taktik des Imperialismus, schwächt einmal mehr die antifaschistische Widerstandskraft der Intelli- genz auf deutschem Boden, erfüllt aber gleichzeitig perspektivi- sche Bedürfnisse des westdeutschen Imperialismus. Einerseits zum Kampf gegen das sozialistische Lager und besonders gegen die DDR; andererseits kann ferner, da sich die derzeit noch so "revolutionär" gebärdende Intelligenz schließlich mit ihrer eige- nen geistigen Arbeit als Lohnarbeiter ihren Lebensunterhalt si- chern muß, perspektivisch ein weiteres Bedürfnis nach Sicherung der vereinigten Macht der Monopole und ihres Staates angepeilt werden: ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Intelligenzkatego- rien dürfte im nächsten Jahrzehnt im imperialistischen Propa- ganda-, Publizistik- und Wissenschaftsbetrieb verbleiben. Und schließlich dürfte weiter ein nicht unerheblicher Teil, gerade wenn man die derzeit in der westdeutschen Gewerkschaftsbewegung bestehende, nicht einmal den formalen bürgerlichen Ansprüchen nach Demokratisierung genügenden innerorganisatorischen Struktu- ren betrachtet, in diesem Bereich unmittelbar in der westdeut- schen Arbeiterbewegung später als Funktionäre arbeiten. Und auch hier bietet, wie gezeigt wurde, die Korsch'sche Ideolo- gie einen Ansatz, alles beim Alten zu belassen, wenn nicht gar die Arbeiterbewegung trotz subjektiv ehrlichen Wollens noch kräf- tiger zu desorientieren. In dieser realen, dialektischen Einheit, wie sie der "undogmatische", "kritische", "radikale", "histo- rische" und "revolutionäre" "Marxismus" von Korsch hervorragend verkörpert, liegt auch seine Bedeutung für das staatsmono- polistische System der BRD zum Zwecke von Desorientierung, Ver- wirrung und Spaltung der Arbeiterbewegung wie der anti-imperiali- stischen Kräfte überhaupt mittels linker" und "rechter" Manöver. Beide sind bei Korsch gleichermaßen vorhanden und werden derzeit der imperialistischen Strategie nutzbar gemacht. Hier liegt das wirkliche "Vermächtnis" und die reale Bedeutung der revisionistischen, marxologischen Ideologie von Karl Korsch. Die aktuelle theoretische Exhumierung durch die imperialistischen Ideologen hat also einige praktische Bedeutung. Die Marxisten, die sozialistische Arbeiterbewegung und das anti- imperialistische Lager überhaupt werden auch diesen Manövern al- lerdings nach wie vor in Praxis und Theorie mit aller Kraft im Interesse der Stärkung der gesamten anti-imperialistischen Bewe- gung entgegentreten. _____ *) Der hier abgedruckte Aufsatz ist Teil eines demnächst im Ver- lag Marxistische Blätter erscheinenden Taschenbuchs. 1) W.D. RASCH: "Berthold Brechts marxistischer Lehrer". In: MER- KUR XVII. Jg. 1963, S. 988-1003. 2) DIE ALTERNATIVE. Zeitschrift für Literatur und Diskussion. 8. Jg. 1965, Heft 41: "Karl Korsch - Lehrer Berthold Brechts". 3) E. GERLACH: "Karl Korsch und der Marxismus". In NEUE KRITIK. 18/1963, S. 16-21. 4) P. MATTICK: "Karl Korsch: His Contribution to Revolutionary Marxism." In CONTROVERSY. Vol. I. 1/1962, S. 11-21 (1963 franzö- sisch erschienen); E. GERLACH: "Karl Korsch's Undogmatic Mar- xism." In: INTERNATIONAL SOZIALISM (London) Winter 1964/65, S. 22-27. 5) Korsch selbst bezeichnet diese ihm bekannten Ideologen, na- mentlich Horkheimer, als "Metaphysiker", mit denen ihn weniger verbinde als etwa mit dem modernen logischen Empirismus Carnaps, machte sich über die "impotente Philosophie" der "Institutsleute" des Instituts für Sozialforschung (damals: in New York) lustig und stand dem Publikationsrummel, den diese in den USA entfach- ten, ablehnend gegenüber (s. Brief an Paul Mattick vom 23. Dez. 1938 - zit. nach dem Original im Institut für Internationale So- zialgeschichte, Amsterdam: "Korsch-Nachlaß"). 6) W.R. BEYER: TENDENZEN BUNDESDEUTSCHER MARXBESCHÄFTIGUNG, Köln 1968 (Pahl-Rugenstein-Verlag), zit. S. 32. 7) Europäische Verlagsanstalt. GESAMTVERZEICHNIS (1. Halbjahr) 1972 Frankfurt/M. (1972). 8) VERLAGSMITTEILUNG DER EVA (Allgemeines Buchprogramm) (Etwa Mitte 1972), S. 20. 9) K. KORSCH: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE. Hrgg. u. eingel. v. E. GERLACH. Frankfurt/M. 1966 (EVA). 3. Aufl. 1971. - Obwohl häufig genug die bibliographischen Angaben der Korsch-Arbeiten nicht ex- akt sind, verzichte ich hier auf bibliographische Richtigstellun- gen - schließlich gehts ja nicht vordringlich um die Machenschaf- ten der Korsch-Aufbereiter und -epigonen. 10) I. FETSCHER: "Von der Philosophie des Proletariats zur prole- tarischen Weltanschauung". In: MARXISMUSSTUDIEN. 2. Folge. Tübin- gen 1957, S. 26-60, zit. S. 57. 11) P.C. LUDZ: In: G. LUKACS: SCHRIFTEN ZUR IDEOLOGIE UND POLITIK. Hrg. u. eingel. v. P.C. LUDZ. Neuwied/Berlin 1967, zit. S. 721 (Anmerkung). 12) Schriftliche Mitteilung des Verlages an mich v. 9. Aug. 1972 13) K. KORSCH: KARL MARX. Im Auftrag des Internationalen Insti- tuts für Sozialgeschichte hrgg. v. G. LANGKAU. Frankfurt/M. 1967 (EVA) 3. Aufl. 1971 14) K. KORSCH: ARBEITSRECHT FÜR BETRIEBSRÄTE (1922). Hrgg. u.m.e. Vorwort v. E. GERLACH. Eingel. v. D. SCHNEIDER. Frankfurt/M. 1968 (EVA). 3. Aufl. 1972 15) K. KORSCH: SCHRIFTEN ZUR SOZIALISIERUNG. Hrgg. u. eingel. v. E. GERLACH. Frankfurt/M. 1969 (EVA). Derzeit vergriffen. (Auflage 5.000). 16) K. KORSCH: DIE MATERIALISTISCHE GESCHICHTSAUFFASSUNG UND AN- DERE SCHRIFTEN. Hrgg. v. E. GERLACH. Frankfurt/M. 1971 (EVA- "basis"-Studienausgabe). (Auflage 8.200). 17) Diese Arbeit erschien auch nicht zufällig wieder in der BRD: G. LUKACS: LENIN. Studie über den Zusammenhang seiner Gedanken. Neuwied/Berlin 1967 (Luchterhand-Verlag). 3. Aufl 1969 18) Als Einleitung zu: E. PASCHUKANIS: ALLGEMEINE RECHTSLEHRE UND MARXISMUS. Versuch einer Kritik juristischer Grundbegriffe. Frankfurt/M. 1969 (Verlag neue Kritik). 2. Aufl. 1969, S. I - XL 19) K. MARX: DAS KAPITAL, 1. Bd. Hrgg. u. eingel. v. K. KORSCH. Berlin 1932 (Kiepenheuer). 20) Vgl. das wiederabgedruckte Geleitwort von KORSCH in: K. MARX: DAS KAPITAL. 1. Bd. Berlin-Frankfurt/M. 1969 (Ullstein-Verlag), S. V-XXVII (gekürzt). 21) Vgl. insbesondere, neben KARL MARX: K. LEWIN/K. KORSCH: "Mathematical Constructs in Psychology ans Soziology". Paper, sent in for 5tn international Congress for the Unity of Science. In: THE JOURNAL OF UNIFIED SCIENCE - (Erkenntnis). Vol. IX (1939); Ed. by R. CARNAP/H. REICHENBACH. Chicago / III. 1939, S. 113-121. 22) Die für den heutigen antimarxistischen, besonders den anti- leninistischen Kampf zweifellos wichtigste Arbeit aus dieser Zeit erschien bereits auf dem Höhepunkt der antiautofitären Studenten- bewegung in der BRD. S. K. KORSCH: "Zur Philosophie Lenins" (1938). In: A. PANNEKOEK: LENIN ALS PHILOSOPH, (1938). Hrgg. v. A. Schmidt, m.e. Vorwort v. P. MATTICK u. einer Rez, v. K. KORSCH. Frankfurt/M. 1969 (EVA), S. 127-138. 23) K. KORSCH: "Gutachten über Antonie Labriola und seine Bedeu- tung für Theorie und Geschichte des Marxismus." Berlin 1929 (unveröffentlichtes Ms.). 24) Diese, dem zutiefst bürgerlichen Verfahren des jus prima noce, des Rechts auf die Jungfräulichkeit der Frau, entsprechende Beteuerung der "Erstveröffentlichung" , des "ersten Nachdrucks" usw., die wir am Beispiel der Texte von KORSCH erleben, die win- selnden Beteuerungen der Herausgeber usw. - die häufig genug, so auch hier, keineswegs zutreffen -, sind überhaupt ein Zeichen da- für, welche Bedeutung die Ware "Korsch-Text" in der BRD inzwi- schen erreicht hat. - Hier handelt es sich um: K. KORSCH: "Von der bürgerlichen Arbeiterpolitik zum proletarischen Klassen- kampf." (Zuerst 1930). In: POLITICON 33/1970, S. 22-24; Auch die- ser Text erschien, was die Herausgeber nicht zu wissen scheinen, als AUSGANG DER MARX-ORTHODOXIE. Bernstein-Kausky - Luxemburg - Lenin", in einem "Raubdruck" aus der GEGNER (6/1932) schon 1969 wieder in der BRD (leicht verändert und ohne die Schlußabsätze der Fassung von 1930). - Es steht zu vermuten, daß diese typisch kapitalistische Reklametechnik der EVA, die als Monopolist die Konkurrenten zwingt, auch die unwichtigsten oder in anderer Fas- sung sattsam bekannten Korsch-Arbeiten als die allerneueste Ver- öffentlichung auszugeben, die Umsätze steigern und das Säckel dieses Unternehmens erheblich zu füllen vermochte. 25) K. KORSCH: "Jus belli ac pacic im Arbeitsrecht". J. SEIFERT: "Anmerkungen zu Korschs Rechtstheorie." In: KRITISCHE JUSTIZ. 2/1972 (EVA), S. 142-149, S. 149-153. 26) K. KORSCH: KOMMENTARE ZUR DEUTSCHEN 'REVOLUTION' UND IHRER NIEDERLAGE. Neunzehn unbekannte Texte zur politischen Ökonomie, Politik und Geschichtstheorie. S'Gravenhage 1972 (Rotkdruck-Gie- ßen, Bd. 21). 27) Vgl. BEYER: TENDENZEN..., S. 32 - 60; vgl. H.G. HELMS: "Zur Kritik der westdeutschen Marx / Engels-Ausgaben." In: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK. 12. Jg. 1967, Heft 12, S. 1272-1287. 28) H.G. HELMS: "Zur Kritik...," hier zit. nach: FETISCH REVOLU- TION. Marxismus und Bundesrepublik, Neuwied/Berlin 1969 (Luch- terhand-Verlag), S. 173 -200, zit. S. 186. 29) W.R. BEYER: TENDENZEN..., S. 38. 30) BEYER: TENDENZEN..., S. 56. 31) Vgl. R. STEIGERWALD: MARXISTISCHE KLASSENANALYSE ODER SPÄT- BÜRGERLICHE MYTHEN, Frankfurt/M. 1972. 32) Zu den Veröffentlichungen MATTICKs und insbesondere GERLACHs s.u. (Anm. 2 und 3). Ferner sind die Arbeiten von Fetscher, Al- fred Schmidt, Oskar Negt, Jürgen Seifert u.a., also hauptsächlich der Rest der inzwischen zersetzten "Frankfurter Schule" bzw. ih- rer derzeitigen philosophischen Häupter, zu erwähnen. 33) So hat beispielsweise P.C. LUDZ, einer der derzeitigen Lei- tungsideologen des westdeutschen Imperialismus, seine Karriere als "Ideologiekritiker" "undogmatischer", scheinradikaler Prägung begonnen. S. dazu die "Einleitung" von Ludz zu: Lukacs: SCHRIFTEN ZUR IDEOLOGIE UND POLITIK, a.a.O., (Anm. 11) S. XI - LV. S. schon früher: P.C. Ludz: "Dialektik u. Ideologie in der Philosophie He- gels. Ein Beitrag zur Phänomenologie des Ideologischen." In: AR- CHIV FÜR RECHTS- UND SOZIALPHILOSOPHIE. XLVII Jg. 1961. Neu- wied/Berlin 1961. S. 133 - 146. S. auch die Diss. des Autors: "Der Ideologiebegriff des jungen Marx und seine Fortentwicklung im Denken von Georg Lukacs und Karl Mannheim" (Phil. Diss., FU Berlin) 1956. Die kürzlich von D. Kehler: "Peter Christian Ludz - seine Rolle in der psychologischen Kriegsführung gegen die DDR" (ZfG 5 / 1971, S. 648-653) entworfene Skizze verkennt diesen Zusammenhang. 34) O. NEGT: "Theorie, Empirie und Klassenkampf. Thesen zur Kon- stitutionsproblematik bei Korsch." In: POLITICON 38 / 1971, S. 15-19, behauptet: "Das Hauptwerk von Korsch ist nicht "Marxismus und Philosophie", sondern sein Buch "Karl Marx." (S. 16). Diese POLITICON-Nr. enthält neben fünf KORSCH-Glorifikationen (anonym; J. Seifert; O. Negt, G.E. Busconi, G. Vacca) die deutsche Über- setzung von: K. KORSCH: "A Non-dogmatic Approach to Marxism." (zuerst: 1946; teilweise wiederabgedruckt in ALTERNATIVE 41/1965). Dort arbeitete KORSCH eigene Fragmente von 1931 / 32 wieder ein. 35) FETSCHER: "Von der Philosophie..., a.a.O., (Anm. 10). 36) O. NEGT: "Marxismus als Legitimationswissenschaft. Zur Gene- sis stalinistischer Philosophie". Einleitung zu: A. DEBORIN / N. BUCHARIN: KONTROVERSEN ÜBER DIALEKTISCHEN UND MECHANISCHEN MATE- RIALISMUS. Hrgg. und eingel. v. O. NEGT. Frankfurt/M. 1969, S. 7- 48. 37) O. NEGT: "Theorie, Empirie, Klassenkampf...," a.a.O., (Anm. 34), S. 16/17: zur Lösung der "K o n s t i t u t i o n s- f r a g e" sei es notwendig, an der Korschschen "Begründung einer m a t e r i a l i s t i s c h e n S o z i a l f o r- s c h u n g, ohne welche die Marxsche Theorie ihren empirischen Gehalt zu verlieren droht" anzuknüpfen. Praktisch wurde dieser Versuch beispielsweise auf dem Politologenkongress in Westberlin, auch hier wiederum an Korsch anknüpfend, unternommen. S. die Beiträge zur Tagung der "Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft" (Westberlin, Herbst 1969). In: POLITISCHE VIERTEL- JAHRESSCHRIFT PVS ), Sonderheft 2/1970, (Köln-Opladen 1971), S. 53-152 zum Rahmenthema: "Räte als politische Organisations- prinzip". - Wie sich Negt selbst die p r a k t i s c h e Inangriffnahme im Rahmen der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit vorstellt, s. O. Negt: SOZIOLOGISCHE PHANTASIE UND EXEMPLARISCHES LERNEN. Zur Theorie der Arbeiterbildung. Frankfurt/Main 1968; insbesondere die identitätsphilosophische Klassenbewußtseinstheorie ist an Korsch-Lukacs orientiert. S. Negt, ebenda, "Geschichtsbewußtsein und klassenlose Gesellschaft", S. 66-77. 38) R. MICHELS: ZUR SOZIOLOGIE DES PARTEIWESENS IN DER MODERNEN DEMOKRATIE. Untersuchungen über die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens, (1910), Leipzig 2. Auflage 1925, Neuauflage Stutt- gart 1957. 39) M. Weber: WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT. 2. Bd.e. Köln/Berlin 1964, Studienausgabe, bes. Abschnitt 2 und 8 des IX. Kapitels. 40) Vgl. neuerdings: L. PETER: LITERARISCHE INTELLIGENZ UND KLAS- SENKAMPF. Die Aktion 1911-1932. Köln 1972. 41) J.D. BERNAL: WISSENSCHAFT. Sciency in History. 4. Bd. e. Reinbek bei Hamburg 1970, zit. 4., S. 1015 42) K. KORSCH: "Die sozialistische Formel für die Organisation der Volkswirtschaft". In: DIE TAT (Jena). 4. Jg. 1912, H. 9, S. 507-509. Wiederabgedruckt in: K. KORSCH: KOMMENTARE, a.a.O., (Anm. 26), S. 4-7. Aufschlußreich für den politischen Standort von Korsch vor 1914 ist ebenfalls der Artikel: "Die Fabian Society." In: DIE TAT (Jena). 4. Jg. 1912, H. 8, S. 422-427. Hier fällt Korsch noch hinter die bürgerliche Aufklärung zurück. 43) K. KORSCH: "Vorbemerkung" des Hrg. zu B. SHAW: DER SOZIALIS- MUS UND DIE GEISTIG BEGABTEN. Eine Erwiderung an Herrn Mallock, Hannover (1919) (Verlag Freies Deutschland: Praktischer Sozialis- mus. Eine Schriftreihe.- Hrgg. v. K. KORSCH. Bd. 2), zit. S. 6/7. Korsch's Vorwort richtet sich aus, das "Massenproblem" der "Befürchtungen" vor der Nivellierungstendenz im "Sozialismus" der "großen, in den letzten Jahrzehnten konstituierten Gesellschafts- klasse der höheren Angestellten", der Privatbeamten in leitenden Stellungen in Handel und Industrie" (S. 5) zu zerstreuen. Unab- hängig von den dahinterstehenden klassentheoretischen Implikatio- nen - natürlich waren weder damals noch heute diese Kategorien von Werktätigen jemals eine eigene "Gesellschaftsklasse" - wird deutlich, daß der Sozialismus zur Legitimationsproblematik ver- kommt. 44) K. KORSCH: "Jus belli ac pacis im Arbeitsrecht", a.a.O. (Anm. 25), zit. S. 149; vgl. ähnliche Tendenzen bei Georg Lukacs im Aufsatz "Verdinglichung...": G. LUKACS: GESCHICHTE UND KLASSENBE- WUSSTSEIN. STUDIEN ÜBER MARXISTISCHE DIALEKTIK. Berlin 1923. 45) H. BEYER: "Revolutionärer Marxismus und der linke Revolu- tionarismus gestern und heute". In: DZfPH, 16. Jg. 1968, H. 10, S. 1191-1206, zit. S. 1193. 46) K. KORSCH: "Grundsätzliches über Sozialisierung" (1920). In: SCHRIFTEN ZUR SOZIALISIERUNG, a.a.O., (Anm. 15), zit. S. 81. 47) K. KORSCH: Grundsätzliches über Sozialisierung, a.a.O., zit. S. 71. 48) K. KORSCH: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 9), zit. S. 126 / 127 49) K. KORSCH: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., zit. S. 128 50) R. RICHTA / J. ZELENY: "Der Leninsche Begriff der Dialektik und die Gegenwart". In: PHILOSOPHENKONGRESS DER DDR 1970 (Teil V). Berlin / DDR 1970, S. 85 - 97, zit. S. 90. 51) WERKE Bd. 14. 52) WERKE Bd. 38. 53) K. KORSCH: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 9), zit. S. 62 ("Antikritik"). 54) RICHTA / ZELENY: "Der Leninsche Begriff der Dialektik und die Gegenwart", a.a.O., zit. S. 90. 55) W.I. LENIN: "Konspekt zu Hegels "Wissenschaft der Logik". Die Lehre vom Begriff". WERKE Bd. 38, hier zit. S. 185. 56) RICHTA / ZELENY: a.a.O., zit. S. 91. 57) K. KORSCH: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 9), zit. S. 34 / 45 ("Antikritik"). 58) W.R. BEYER: TENDENZEN..., a.a.O., (Anm. 6), S. 32-60 ("Die Marxologen"). 59) Europäische Verlagsanstalt: Verlagsreklame für: Karl Korsch: KARL MARX. o.O. o.J. (hektographiertes Blatt). 60) W.I. LENIN, "Materialismus und Empiriokritizismus", a.a.O., zit. S. 334. 61) Vgl. M. THOM: "Das theoretische Wesen und politische Funktion des neuhegelianischen Revisionismus in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts in Deutschland (unter besonderer Berücksichtigung von Georg Kukacs und Karl Korsch)". Leipzig 1964 (Phil. Diss.). Vgl. ferner: H. TITZMANN: "Der Kampf des Thälmannschen Zentral- kommitees um die Anwendung der materialistischen Dialektik bei der Analyse der Periode der relativen Stabilisierung des Kapita- lismus in Deutschland - notwendiges Element zur Durchsetzung der marxistisch-leninistischen Theorie in der KPD." Berlin 1965 (Diss. - IffGw b. ZK d. SED). Vgl. weiter: D. UHLIG: "Marxistisch-leninistische Philosophie und relative Stabilisierung". Leipzig 1965 (Phil. Diss.). 62) S. die biographischen Fragmente in MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 9), S. 178 / 179. S. ferner die Kurzbiographie in: H. WEBER: DIE WANDLUNG DES DEUTSCHEN KOMMUNISMUS. Die Stali- nisierung der KPD 1924 - 1929. 2. Bd. e. Frankfurt/M. 1969 (EVA) / Bd. 2, S. 192/193. 63) S. dazu: INPREKORR (Internationale Presse Korrespondenz) Nr. 91 v. 6. Juli 1926, S. 1487. S. weiter zur eingehenden Begrün- dung: D. MANUILSKY: "Über umgestülpten Menschewismus und Sozial- faschismus." In: DIE KOMMUNISTISCHEN INTERNATIONALE. 7. Jg. Ham- burg 1927, S. 342-365. 64) S. Korsch's ausführliche und überschwengliche Besprechung von Stalins "Fragen des Leninismus". Wiederabgedruckt in: DIE MATE- RIALISTISCHE GESCHICHTSAUFFASSUNG..., a.a.O., (Anm. 16), S. 151- 156. 65) Vgl. SCHRIFTEN ZUR SOZIALISIERUNG, a.a.O., (Anm. 15) - durch- gehend. 66) Vgl. K. KORSCH: "Vom Imperialismus zum proletarischen Staats- kapitalismus. Vier Thesen für leninistische Kurse." In: NEUE ZEI- TUNG. 6. Jg. 1925. Jena 1925 v. 21. März 1925 ("Proletarisches Feuilleton"). 67) Vgl. R. STEIGERWALD, a.a.O., (Anm. 31). 68) K. KORSCH: "Der Weg der Komintern." (Rede auf einer KPD-Funk- tionärskonferenz im April 1926). Anhang: Plattform der Lin- ken/Berlin) 1926, hier zit. S. 19, ("Plattform"). 69) KOMMUNISTISCHE POLITIK. Diskussionsblatt der Linken. Berlin 1926/1927 (erschien von Mai 1926 bis Dez. 1927). 70) K. KORSCH: ("Reichstagsrede gegen den weißen Terror in der Sowjetunion"). Reichstag III. Wahlperiode. 327. Sitzung. Freitag den 24. Juni 1927. Protokoll S. 11051-11054. 71) S. u.a.: K. KORSCH: "Blutiger Mai in Berlin". In: DIE AK- TION. 19. Jg. Berlin 1929, H. 34, Sp. 91-94; K. KORSCH: "Die Stellung des revolutionären Proletariats zur Wehrfrage". DIE AK- TION. 19. Jg. Berlin 1929, H. 5/6/7/8, Sp. 181-184. K. KORSCH: "Kommunistischer Klassenkampf gegen Marx' Kapital." DIE AKTION 22. Jg. Berlin 1932, H. l - 4, Sp. 36 - 42. Ferner die beiden Commune-Artikel, die in SCHRIFTEN ZUR SOZIALISIERUNG, a.a.O., (Anm. 15), S. 91-108, wiederabgedruckt sind. 72) S. hierzu ein faksimiliertes Programm in: DIE ALTERNATIVE, a.a.O., (Anm. 2), S. 92. 73) S. K. KORSCH: "Der Empirismus in der Hegelschen Philosophie." Vortrag, gehalten in der deutschen Gesellschaft für empirische Philosophie am 27. Okt. 1931 (Berlin 1931, Rededisposition.) - Hier wird philosophisch anhand der Hegel-Rezeption im faschisti- schen Italien und bolschewistischen Rußland die Totalitarismus- doktrin philosophisch-ideologisch entwickelt. 74) Vgl. K. MANNHEIM: IDEOLOGIE UND UTOPIE (1929). Bonn 1930. Neuauflage: Frankfurt/M. 1952. 75) S. die Ironisierung von Brecht in den FLÜCHTLINGSGESPRÄCHEN. In: GESAMMELTE WERKE. Frankfurt/M. 1968 (Suhrkamp-Verlag). Bd. 14, S. 1440 ("Zipfel"). 76) Im "Korsch-Nachlaß" befinden sich u.a.: Briefwechsel Korsch - Paul Partos, (1933-1956). Briefwechsel Korsch - Berthold Brecht (1943-1953). Korsch - Paul Mattick (1935-1950). Ferner einzelne Briefe an Korsch-Schüler. Für eine kritische Analyse der Korschen Marxologie dürfte ferner die Auswertung des Briefwechsels Korsch - Roman Rosdelsky (1950-1954) von einigem Interesse sein. 77) K. KORSCH: "Stellung zu Rußland und zur KP" (Rundbrief an Freunde v. März 1935). - Zit. nach "Korsch-Nachlaß" im IIfSG in Amsterdam. 78) K. KORSCH: "Rez. v. J.B.S. HALDANS: The Marxist Philosophy and the Sciences (New York 1939)." In: LIVING MARXISM. Ed. by P. MATTICK. Vol. I., No. 1. Spring 1940. Chicago / III., S. 59-61. - Zum späteren politischen Standort Korsch's s. den Brief in SOUTHERN ADVOCATO FOR WORKERS COUNCIL. No. 46. July-Aug. 1948 (Melbourne / Australia), S. 9/10 und natürlich die "Zürcher The- sen" vom Sommer 1950 in: DIE ALTERNATIVE, a.a.O., (Anm. 2), S. 89/90). 79) Vgl. O. NEGT: "Marxismus als Legitimationswissenschaft...", a.a.O. (Anm. 36) - durchgehend, dagegen hier: E; NOLTE: DER FA- SCHISMUS IN SEINER EPOCHE. München 1963, hier S. 470/471. 80) Den einzigen vergleichbaren Versuch, der mir bekannt ist, un- ternahm in strenger, nach Popperschen Verifikations- und Falsifi- kationskriterien ausgerichteten Form der revisionistische Sozial- wissenschaftler Andrezij MALEWSKI in seinem Beitrag zur Exempli- fizierung der Marxschen Revolutionstheorie und des historischen Materialismus. S.A. MALEWSKI: DER EMPIRISCHE GEHALT DER THEORIE DES HISTORISCHEN MATERIALISMUS' In: KÖLNER ZEITSCHRIFT FÜR SOZIO- LOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE (KZfSS), Jg. 11, Köln 1968, S. 281 - 305. 81) K. LEWIN / K. KORSCH, a.a.O., (Anm. 21). 82) Brief an K. u. C. LEWIN v. 3. Mai 1937; s. auch Brief von KORSCH an MATTICK (23. Dez. 1938): "Korsch-Nachlaß" - IIfSG Am- sterdam. 83) F. DEPPE: "Zu einigen methodischen und inhaltlichen Problemen der empirischen Untersuchung des gesellschaftlichen Bewußtseins der Arbeiter". In: DAS BEWUSSTSEIN DER ARBEITER. Studien zur po- litischen Soziologie des Arbeiterbewußtseins. Köln 1971, zit. S. 128. 84) Beispielsweise eine Interpretation der Weimarer Republik, die eng an die Arthur Rosenbergs angelehnt ist: K. KORSCH: "Prelude to Hitler. The internal politics of Germany: 1918 - 1933; A lec- ture at the Institute of german studies." New York City. May, 1940 (als Ms. gedruckt). - Ferner einige Rezensionen, Vortrags- disposi-tionen, Glossen und Exzerpte. 85) Beispielsweise eine geplante Arbeit über die Ideologie MAO- TSE-TUNGS, die im Zusammenhang mit dem XX. Parteitag der KPdSU (Febr. 1956) stand und einmal mehr den "revolutionären Marxismus" wieder herstellen sollte. 86) S.R. ROSDOLSKY: ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES MARXSCHEN "KAPITAL". Der Rohentwurf des 'Kapital' 1857-1858. 2. Bd. e. Frankf./M 1968, ² 1969 (EVA). 3. Aufl. 1971 ("basis"-Studienaus- gabe der EVA). Ferner u.a. A. SOHN-RETHEL: KÖRPERLICHE UND GEI- STIGE ARBEIT. Frankfurt /Main. 1970 (Suhrkamp-Verlag). 87) Insbesondere nach der Korschen Vortragsreise in der Schweiz und in der BRD im Sommer 1950; S. die Ideologen der MARXISMUSSTU- DIEN: Fetscher, Nürnberger, v. Oertzen, Matthias, Gerlach, Lands- hut, Fraenkel, Thier, Landgrebe, Ramm, Lange, Dahrendorf u.a. der "Marxismuskommission der Studiengemeinschaft der Evangelischen Akademien"; vgl. MARXISMUSSTUDIEN, 2. Folge, a.a.O., (Anm. 10), S. VII-IX. 88) Wiederabgedruckt in: DIE ALTERNATIVE. a.a.O., (Anm. 2), S. 89/90. - Mit diesen Thesen allerdings sind die Ideologen von Ger- lach bis hin zu denen der "Frankfurter Schule" und den "politicon"-Autoren so gar nicht einverstanden. Sie scheinen mit dem Instinkt des Handelskapitalisten zu ahnen, daß die dort ver- tretene nabelschauerische, relativistische Position, die auf jede "Wiederherstellung" der "marxschen Lehre" zugunsten eines plura- listischen Sammelsuriums von Thomas Morus, Auguste Blanqui, Mi- chail Bakunin, Marx, Georges Sorel und Lenin verzichtete, keinen Hund aus der Hütte hervorzulocken, geschweige denn sich zur mar- xistischen Theorie hinbewegende Intellektuelle von diesem Weg ab- bringen könnte. Dies erahnte allerdings schon Korsch selbst, der an Rosdolsky am 16. März 1951 entschuldigend schrieb: Die Thesen "sagen über meine gegenwärtige Stellung so wenig aus - eine 'Gelegenheitsarbeit' in jedem Sinn des Wortes, für ein bestimm- tes, nicht eben günstiges Publikum von stehengebliebenen und sich selbst verbrennenden Dogmatikern in der deutschen Emigration in Zürich..." (zit. "Korsch-Nachlaß" - IIfSG Amsterdam) bestimmt. Freilich muß festgehalten werden, daß diese "Zürcher Thesen" über Korsch's "Marxismus" das aussagen, was in ihnen steht _ nicht mehr und nicht weniger. Und das ist für jeden Marxisten aller- dings reichlich genug: KORSCH kommt hier an den logischen End- punkt seiner widersprüchlichen ideologischen Entwicklung. 89) Vgl. P. MATTICK: "Anton Pannekoek". In: CAHIERs du COMMU- NISME. (Okt.) 1968, No. 1. und: P. MATTICK, Vorwort zu LENIN ALS PHILO- SOPH, a.a.O., (Anm. 22). 90) Vgl. P. MATTICK: "Karl Korsch...", a.a.O., (Anm. 4), zit. S. 14, 21. 91) E. GERLACH: "Karl Korsch und der Marxismus", a.a.O., (Anm. 3), zit. S 16. 92) E. GERLACH: a.a.O., S. 16. 93) K. KORSCH: a.a.O., (Anm. 15), S. 15 - 49. 94) E. GERLACH: a.a.O., (Anm. 8, 9), S. 20. 95) E. GERLACH: "Karl Korsch's Undogmatic Marxism.", a.a.O., (Anm. 4), zit. S. 27. 96) E. GERLACH: "Vorwort" zu: "MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 9), zit. S. 8. 97) E. GERLACH: ebenda, zit. S. 5, 6, 7. 98) G. LANGKAU: "Vorbemerkung" zu: Karl KORSCH: KARL MARX, a.a.O., (Anm. 13), S. VI. 99) LANGKAU: a.a.O., S. VII. 100) LANGKAU: ebenda, S. VI. 101) E. GERLACH: Vorwort, a.a.O., (Anm. 14), zit. S. 5. 102) D. SCHNEIDER: "Einleitung", a.a.O., zit. S. 20. 103) D. SCHNEIDER: "Einleitung", a.a.O., zit. S. 21 - Es. handelt sich hier um die rechtsgewerkschaftliche, sozialdemokratische Lesart der "Mitbestimmung". - Vgl. dazu etwa: Rudolf Hilferdings Referat auf dem "Kieler Parteitag" der SPD.: "Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik". In: SOZIALDEMOKRATISCHEN PAR- TEITAG 1927 in Kiel, Protokoll (...), Berlin 1927. Vgl. insbesondere die heutigen, radikal erscheinenden Varianten dieser Konzeption bei: F. VILMAR: MITBESTIMMUNG AM ARBEITSPLATZ. Neuwied/Berlin 1971 (Luchterhand-Verlag-Typoskript). 104) E. GERLACH: "Einleitung" zu: K. KORSCH: SCHRIFTEN ZUR SOZIA- LISIERUNG. a.a.O., (Anm. 15), zit. S. 6. 105) E. GERLACH: ebenda. 106) E. GERLACH: Einleitende Anmerkungen zu: K. KORSCH: DIE MATE- RIALISTISCHE GESCHICHTSAUFFASSUNG..., a.a.O., (Anm. 16), zit. S. VIII. 107) E. GERLACH: ebenda. 108) K. MARX: "Einleitung" zu: ZUR KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONO- MIE (1859), In: MEW 13, S. 615 - 642. 109) K. MARX: DAS KAPITAL. 3. Bd.: MEW 25, hier zit. S. 184. 110) O. NEGT: "Theorie, Empirie und Klassenkampf...", a.a.O., (Anm. 37), S. 15 111) K. MANNHEIM: IDEOLOGIE UND UTOPIE, a.a.O., (Anm. 74). 112) O. NEGT, a.a.O., S. 18. 113) H.J. KRAHL: "Thesen zum allgemeinen Verhältnis von wissen- schaftlicher Intelligenz und proletarischem Klassenbewußtsein". In: SOCIALISTISCHE KORRESPONDENZ. Hrgg. v.d. Projektgruppe 'März'. Frankfurt/M. o.J. (1969), S. 3-12. (Wiederabgedruckt in: H.J. KRAHL: KONSTITUTION UND KLASSENKAMPF. Zur historischen Dia- lektik von bürgerlicher Emanzipation und proletarischer Revolu- tion. Frankfurt/M. 1971 (Verlag NEUE KRITIK)). 114) J. SEIFERT: "Anmerkungen...", in der von ihm mitherausgege- benen KRITISCHEN JUSTIZ, a.a.O., (Anm. 25), zit. S. 152, Vgl. seine Anmerkungen zu: Karl Korsch: MARXISMUS UND PHILOSOPHIE, a.a.O., (Anm. 34), wo es genauso lapidar heißt: "ANWENDUNG DES MARXISMUS AUF DEN MARXISMUS SELBST." (S. 12). Weshalb sich Seifert bei dieser grobschlächtigen Denkfigur nicht die Mannheimsche Wissenssoziologie, in der bekanntlich - etwa zur gleichen Zeit der zweiten Auflage von MARXISMUS UND PHILOSOPHIE und der Korschen MATERIALISTISCHEN GESCHICHTSAUFFASSUNG - die marxistische Ideologiekonzeption demagogisch ihres materiellen Gehalts beraubt, auf sich selber formalisiert wurde, anlehnt und M a n n h e i m als Kronzeugen seines Unternehmens benennt, läßt nur auf seine Unkenntnis schließen. Es zeigt aber darüberhinaus einmal mehr, auf welch hoffnungsloser und verzweifelter Position in der geschichtlichen Perspektive die wissenschaftlichen Ideolo- gen des westdeutschen Imperialismus stehen. 115) POLITICON, 33/1970, S. 21. 116) Ebenda, S. 22/23. 117) POLITICON, 38/1971, S. 3-6, zit. S. 3 118) M. BUCKMILLER: "Bemerkungen zu Oskar Negts Korsch-Kritik". In: POLITICON 39 / 1972, S. 3-8. 119) R. STEIGERWALD: "Probleme des Kampfes gegen den kleinbürger- lich-linken Revisionismus". In: PHILOSOPHENKONGRESS DER DDR 1970 (Teil V), a.a.O., S. 49 - 60, zit. S, 49. 120) Vgl. R. STEIGERWALD: MARXISTISCHE KLASSEN ANALYSE ODER SPÄT- BÜRGERLICHE MYTHEN..., a.a.O., (Anm. 31), S. 27-48, S. 49-81. 121) Vgl. K. ZETKIN: "Die Intellektuellenfrage" (1924). In AUSGE- WÄHLTE WERKE. Bd. 3 Berlin/DDR 1960, S. 9-56. 122) Vgl. vor allem: W.R. BEYER: TENDENZEN..., a.a.O., (Anm. 6), H.G. HELMS: FETISCH REVOLUTION..., a.a.O., (Anm. 28), H. ADAMO: ANTILENINISMUS IN DER BRD. Frankfurt/M. 1970 (Verlag Marxistische Blätter); R. STEIGERWALD; MARXISTISCHE KLASSEN ANALYSE..., a.a.O., (Anm. 31). 123) In der BRD vor allem durch den Kampf des MSB SPARTAKUS und die Hochschulgruppen der Deutschen Kommunistischen Partei, in Westberlin vor allem durch die Arbeit der Sozialistischen Ein- heitspartei Westberlins und an den Hochschulen durch die Aktions- gemeinschaften von Demokraten und Sozialisten (ADSEN). 124) L. PETER: Literarische Intelligenz und Klassenkmapf..., a.a.O., (Anm. 40). 125) J. KAMMLER: "Entstehung, Struktur und historischer Praxisbe- zug der politischen Theorie von Georg Lukacs in ihrer Entwicklung bis 1929" (Dissertation. Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Philipps-Universität). Marburg 1971 (Ms). zurück