Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973


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       Hans Burbaum, Olaf Cless, Eberhard Dähne, Hannelore Fetthauer,
       Bernd Güther, Heinz Jung, Christof Kievenheim, Ursel Schmilz
       

DIE KLASSENSTRUKTUR DER BRD UND WESTBERLIN 1950-1970 *)

Das erste Jahr der Untersuchungsperiode markiert in etwa zugleich das Ende des Zeitabschnitts, in dem der deutsche Imperialismus auf einem geschlossenen Teil des ehemaligen Territoriums des frü- heren Deutschland sowie im Gebiet des von der Deutschen Demokra- tischen Republik umschlossenen Westberlin die monopolkapitalisti- sche Ausbeuteordnung rekonstruiert und die Verfügungsgewalt über einen zentralen Staatsapparat erlangt hatte. Dieser Restauration der für das monopolistische System kennzeichnenden sozialökonomi- schen Strukturen und der ihnen gemäßen Aneignungsverhältnisse entsprach, daß die für das monopolistische Stadium des Kapitalis- mus charakteristischen sozialen Klassen und Schichten qualitativ voll herausgebildet waren. Bei dieser Aussage darf aber nicht übersehen werden, daß sowohl das System der Produktionsverhältnisse als auch das in sie einge- bettete Produktivkraftsystem noch durch eine Reihe von Ungleich- gewichten gekennzeichnet waren, die teils aus den Folgen des fa- schistischen Krieges, teils als Konsequenz der von der deutschen Bourgeoisie im Verein mit den ausländischen Imperialisten vollzo- genen Spaltung Deutschlands resultierten. Das galt auch im Hin- blick auf die quantitativen Proportionen der sozialen Klassen und Schichten. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil Unzulänglich- keiten der sozialstatistischen Analyse nicht nur aus dem ungenü- genden Datenstand für das Jahr 1950 und dem im Vergleich zu 1961 und 1970 andersartigen Erhebungsmodus resultieren. Sie haben zum Teil auch inhaltliche Ursachen. Zumindest in der ersten Hälfte der 50er Jahre sind viele sozialökonomische Veränderungen nicht nur als Voraussetzung und Konsequenz der Haupttriebkräfte der ge- sellschaftlichen Entwicklung zu begreifen. Häufig werden Dispro- portionalitäten abgebaut und quantitative Relationen wiederherge- stellt, die bereits vor dem 2. Weltkrieg bestanden haben. 1) Die Rekonstruktion der Verteilung der gesellschaftlichen Gesamt- arbeit in quantitativer und qualitativer, in horizontaler und vertikaler Dimension tritt also neben die Prozesse, die die Ent- wicklung der Klassen- und Schichtstruktur in der Untersuchungspe- riode vorrangig bestimmten. Die Arbeiterklasse ------------------ Das wichtigste Ergebnis der sozialstrukturellen Prozesse der Nachkriegsjahrzehnte in der BRD und Westberlin ist das absolute und relative Wachstum der Arbeiterklasse. Ihr Anteil an der akti- ven Bevölkerung wuchs 1950-1970 von 64,5 % auf 71,9% und ihr An- teil an der Wohnbevölkerung von 65,4% auf 70,0%. Die Arbeiter- klasse stellt damit nicht nur die überwiegende Mehrheit der west- deutschen Bevölkerung, sondern sie leistet auch den überwiegenden Teil der Produktionsarbeit und der Arbeit in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses. Sie ist die wich- tigste Produktivkraft der modernen Gesellschaft; ihr Wachstum ist Bestandteil der Entwicklung der Produktivkräfte und die Verände- rung ihrer inneren Struktur in die Veränderung der modernen Pro- duktivkräfte eingeschlossen. In der kapitalistischen Gesellschaft nehmen die Elemente des Pro- duktions- und Reproduktionsprozesses Kapitalform an. Ihre Bewe- gung und Entwicklung vollzieht sich im Rahmen der Gesetze der ka- pitalistischen Akkumulation. Das betrifft auch die Arbeitskraft bzw. das Arbeitspotential der Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse als wichtigste Produktivkraft ist damit in die Verhältnisse und Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise eingezwängt, deren Widersprüche und zunehmende sozialen Gebrechen ihre Lebens-, Ent- wicklungs- und Verwirklichungsbedingungen einengen. Deshalb sto- ßen die Bedürfnisse und Interessen der Arbeiterklasse immer wie- der an die Grenzen der kapitalistischen Gesellschaft und führen sie zur aktuellen Konfrontation mit der Herrschaft des Kapitals und der Kapitalistenklasse. Unter den Bedingungen der wissen- schaftlich-technischen Revolution, die in der Mitte der 50er Jahre einsetzt und sich in den 60er Jahren verstärkt, erreicht dieser objektive Widerspruch eine neue Phase. Gegen Ende der 60er Jahre verschärfen sich in allen entwickelten kapitalistischen Ländern Westeuropas die Klassenkämpfe 2). Jetzt aktualisiert sich, daß auch unter den Bedingungen der um- fassenden Herausbildung des SMK - trotz verschiedener entgegen- wirkender Tendenzen - die kapitalistische Akkumulation die Pola- risierung der Sozialstruktur vorangetrieben hat und ihre Pole in zunehmende Entgegensetzung geraten sind. Das Wachstum der Arbei- terklasse bedeutet zuerst einmal, daß das absolute und relative Gewicht jener Klasse zugenommen hat, die von ihrer objektiven Stellung im System der Produktionsverhältnisse, in der Wirtschaft her nicht an der Aufrechterhaltung des Systems der kapitalisti- schen Lohnarbeit und der Ausbeutung des Menschen interessiert ist. Die Arbeiterklasse kann ihre Lage als im Lohnverhältnis aus- gebeutete, kommandierte, zum Verwertungsmaterial des Kapitals de- gradierte und durch das staatsmonopolistische System unterdrückte Klasse nur durch die Überwindung des kapitalistischen Systems selbst grundlegend ändern. Ihr "geschichtlicher Beruf" ist des- halb "die Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise und die schließliche Abschaffung der Klassen". 3) Diesen Beruf kann sie nur erfüllen, wenn sich in ihren Reihen das Bewußtsein dieser Aufgabe entwickelt, wenn sie sich organisiert und jene Instrumente schafft, insbesondere die von dieser Ziel- setzung getragene Kampfpartei, ohne die sie zur Ohnmacht verdammt ist. Deshalb ist die Erfüllung des "geschichtlichen Berufs" von der Entwicklung dieser Momente, der Entwicklung der Klasse "an sich" zur Klasse "für sich" abhängig und deshalb auch die ent- scheidende Aufgabe aller auf dem Boden der Interessen der Arbei- terklasse wirkenden Kräfte. Seine Begründung erhält er jedoch aus der objektiven Stellung der Arbeiterklasse. Mit der Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses durch die wachsende Stärke des sozialistischen Systems und des interna- tionalen Charakters der Arbeiterklasse sind die äußeren Entwick- lungsbedingungen dafür günstiger als in jeder vorhergehenden Ent- wicklungsphase des Kapitalismus. Sozialökonomischer Umfang ------------------------- Die sozialökonomische Stellung der Arbeiterklasse als Klasse, die keine Produktionsmittel und keine Privilegien besitzt, kommt darin zum Ausdruck, daß die Arbeitskraft ihrer Angehörigen in diesem System eine Ware ist, deren Produktions-, Reproduktions- und Austauschbedingungen den Gesetzen der kapitalistischen Waren- produktion unterworfen sind. Diese Arbeitskraft ist Lieferant von Mehrarbeit, die sich in der Produktion in Mehrwert fixiert. Je- doch ist die Ausbeutung der Arbeiterklasse nicht auf die Ausbeu- tung ihrer in der materiellen Produktion tätigen Gruppen be- schränkt; darüber hinaus ist die Ausbeutung der Arbeiterklassen- gruppen außerhalb der materiellen Produktion ein notwendiges Mo- ment der Aneignung des Mehrwerts durch die Kapitalistenklasse. Das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital, Arbeiterklasse und Ka- pitalistenklasse muß deshalb als gesamtgesellschaftliches Klas- senverhältnis begriffen werden. Ist der Kauf der Arbeitskraft durch den Kapitalisten die Vorbe- dingung der Ausbeutung, so findet die Ausbeutung selbst erst im Arbeits- und Produktionsprozeß statt. Damit wird der jeweilige sozialökonomische Umfang der Arbeiterklasse am Niveau der Repro- duktionsbedingungen jenes Kerns der Arbeiterklasse auch empirisch bestimmbar, der im Bereich der materiellen Produktion auf großer Stufenleiter ausgebeutet wird - und damit auch unmittelbar mit den modernen Produktivkräften verbunden ist - und für dessen Ar- beitskraft sich der Warencharakter voll entfaltet hat. Die historische Entwicklung des modernen Proletariats vollzieht sich deshalb noch nicht mit der Entstehung eigentumsloser Lohnar- beiter, sondern erst mit ihrer Unterwerfung durch die kapitali- stische Industrie. Erst in diesem Prozeß kommt es zur Differen- zierung von der Gegenklasse, wird der Rückzug zu alten Arbeitsbe- dingungen endgültig abgeschnitten und entfaltet sich der Waren- charakter ihrer Arbeitskraft., Ist das Industrieproletariat je- doch einmal entstanden, so fallen auch alle anderen Lohnarbeiter- gruppen, die qualitativ gleiche Reproduktionsbedingungen besit- zen, deshalb auch immer Rekrutierungsreservoir des Industriepro- letariats sind oder umgekehrt, in den sozialökonomischen Umfang der Arbeiterklasse. Die Proportionen, in denen die Arbeiterklasse auf die materielle Produktion, den Handel, die Dienstleistungen oder den Staatsbereich verteilt und angewandt wird, die Propor- tionen, in die sich die Arbeiterklasse nach dem konkreten Typ der Arbeitsverausgabung gliedert usw. wird durch die Entwicklung der Produktivkräfte, des gesamten Reproduktionsprozesses und des ka- pitalistischen Gesamtsystems bestimmt. Für die theoretische und empirische Bestimmung des sozialökonomischen Umfangs der Arbei- terklasse müssen heute die Veränderungen im Bereich der materiel- len Produktion auf großer Stufenleiter berücksichtigt werden. Es zeigt sich hier eine Ausweitung des Reproduktionsniveaus des so- zialökonomischen Kerns der Arbeiterklasse, in den nun auch zuneh- mend Gruppen von technischen Angestellten einbezogen sind. Diese Entwicklung hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Klassensi- tuation vergleichbarer Lohnarbeitergruppen in anderen Bereichen, d.h. konkret vergleichbarer Angestellten- und Beamtengruppen. Deshalb müssen heute nicht mehr nur die Gruppen der Arbeiter- schaft - unabhängig von ihren Anwendungsbereichen und Funktionen im Reproduktionsprozeß - als Gruppen der Arbeiterklasse angesehen werden, sondern auch absolut und relativ wachsende Gruppen der Angestellten und Beamten. Ist unter den Bedingungen des SMK in die kapitalistische Akkumulation auch die Polarisierung der Sozi- alstruktur eingeschlossen, so bringt die umfassende Herausbildung des SMK in der BRD auch entgegenwirkende Tendenzen hervor. Sie bestehen vor allem darin, daß ein zunehmender Teil der Erwerbstä- tigen vor allem aus der Arbeiterklasse im unmittelbaren Macht- und Gewaltapparat angewendet wird. Diese Gruppen befinden sich in einer der Arbeiterklasse vergleichbaren ökonomischen Situation, sie fallen jedoch infolge ihrer Funktionen, die sie gegen die Ar- beiterklasse stellen, aus der Arbeiterklasse heraus. Diese Grup- pen sind vor allem in den 60er Jahren schnell gewachsen. Tabelle 1: Die Arbeiterklasse: sozialökonomischer Umfang und arbeitsrechtli- che Gruppen Soziale Gruppen Arbeiterklasse Entwicklung 1970 zu 1950 1961 1970 1950 (= 100) 1961 (= 100) 1 2 3 4 5 in Tsd 1. Aktive Arbeiterklasse (Akl) 15.151 18.326 19.412 128,1 105,9 2. Gruppen im Machtapparat in der Lage der Akl 194 370 543 279,9 146,8 3. 1. u. 2. 15.345 18.696 19.955 130,0 106,7 4. Gruppen im Militärapparat in der Lage der Akl - 319 455 - 142,6 5. 3. u. 4. 15.345 19.015 20.410 133,0 107,3 6. Aktive Akl (einschl. Gruppen im Machtapp.) 15.345 18.696 19.955 130,0 106,7 7. davon: - Arbeiter 11.967 12.878 12.608 105,4 97,9 8. - Angestellte 2.730 5.025 6.493 237,8 129,2 9. - Beamte 648 793 854 131,8 107,7 in v.H. 1.a Aktive Arbeiterklasse (Akl) 100,0 100,0 100,0 2.a Gruppen im Machtapp, in der Lage der Arbeiterklasse 1,3 2,0 2,8 3.a 1.a u. 2.a 101,3 102,0 102,8 4. a Gruppen im Militärapparat in der Lage der Akl - 1,7 2,3 5.a 3.a u. 4.a 101,3 103,7 105,1 6.a Aktive Akl (einschl. Gruppen im Machtapparat) 100,0 100,0 100,0 7.a davon: - Arbeiter 78,0 68,9 63,2 8.a - Angestellte 17,8 26,9 32,5 9.a - Beamte 4,2 4,2 4,3 _____ Quelle: Berechnungen des IMSF Zwischen 1950 und 1970 hat der aktive Teil der Arbeiterklasse - wir rechnen hierzu auch die Arbeitslosen - um 4,3 Mio. Personen zugenommen, davon in den 50er Jahren um 3,2 Mio. In dieser Phase der vorwiegend extensiven Ausweitung der Produktion und Wirt- schaftstätigkeit wurden vor allem die Frauen der Arbeiterklasse zunehmend in den Ausbeutungsprozeß einbezogen. In den 60er Jahren nimmt der aktive Teil der Arbeiterklasse weiter um 1,1 Mio. Per- sonen zu. In dieser Periode wachsen jedoch die Gruppen der aus- ländischen Arbeiter und Angestellten (+1,3 Mio.) - der Zuwachs der Frauen der Arbeiterklasse (+0,55 Mio.) geht nahezu aus- schließlich auf das Konto weiblicher Ausländerinnen - schneller. Ihr zunehmender Umfang war also eine Voraussetzung der Erweite- rung der Gruppen im Macht- und Militärapparat um 0,2 Mio. Gleich- zeitig geht hieraus hervor, daß der Umfang der aktiven Arbeiter- klasse mit BRD-Staatsangehörigkeit in den 60er Jahren stagniert. Für die 60er Jahre steht also weniger das absolute Wachstum der aktiven Arbeiterklasse im Vordergrund, als die Intensivierung der Ausbeutung auch der neuen Gruppen der Arbeiterklasse. Die Prole- tarisierung geht stärker in die Tiefe. Umgruppierung der arbeitsrechtlichen Gruppen -------------------------------------------- Für den gesamten Zeitraum geht der Zuwachs der aktiven Arbeiter- klasse (einschließlich der Gruppen in der Lage der Arbeiterklasse im staatlichen Machtapparat - ohne Militär) um 4,6 Mio. mit 0,6 Mio. auf das Konto der Arbeiter, mit 3,8 Mio. auf das der Ange- stellten und mit 0,2 Mio. auf das der Beamten. In den 60er Jahren wirkten auf das Gesamtwachstum von knapp 1,3 Mio. folgende Kompo- nenten: Abnahme der Arbeiter um 0,3 Mio., Zunahme der Angestell- ten und Beamten um 1,5 bzw. 0,1 Mio. Die Arbeiterschaft nimmt also ab. Berücksichtigt man die Entwicklung bis zu Beginn der 70er Jahre, so kommt es per Saldo zur Umschichtung von etwa 2,5 Mio. Arbeitern mit BRD-Staatsangehörigkeit vor allem in Ange- stelltentätigkeiten. Diese Verlagerung vollzieht sich zu einem großen Teil in der Generationenfolge: Söhne und Töchter aus Ar- beiterfamilien werden Angestellte. Außerdem führt die zusätzliche Mobilisierung der Frauen aus Arbeiterfamilien vor allem in den Angestelltenbereich. Diese Strukturverlagerungen sind für die Formierungsbedingungen der Arbeiterklasse in der BRD und Westber- lin von großer Tragweite. Sie beruhen sowohl auf Veränderungen innerhalb der Sphäre der materiellen Produktion als auch auf ei- ner relativ schnelleren Ausweitung jener Wirtschaftsabteilungen, wie Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe, Dienstleistungen, Gebietskörperschaften, in denen traditionell der Beschäftigten- status des Angestellten und Beamten auch für die Gruppen der Ar- beiterklasse vorherrscht. In diesen Bereichen überwiegt außerdem - abgesehen von den Beamtenbereichen - die Frauenbeschäftigung: Diese Entwicklung hat innerhalb der Arbeiterklasse zu einer star- ken Anteilerhöhung der Gruppen im arbeitsrechtlichen Status der Angestellten und Beamten geführt. Der Anteil der Arbeiter ist von 1950 = 78% auf 1970 = 63% zurückgegangen. Daran zeigt sich auch ein Rückgang des traditionellen Typs manueller Arbeitsverausga- bung in der Arbeiterklasse. Bereichsstruktur ---------------- Die Umschichtungstendenzen werden aus den Angaben der Tabelle 2 noch deutlicher, mit denen Umfang und Anteil wichtiger Gruppen der Arbeiterklasse widergegeben sind. Wir hatten an anderer Stelle ausführlicher erörtert, weshalb die I n d u s t r i e- a r b e i t e r s c h a f t - vor allem in den Großbetrieben - auch heute den Kern der Arbeiterklasse darstellt 4). Diese Rolle ergibt sich nicht nur daraus, daß hier unter den jeweils modern- sten Bedingungen kapitalistische Ausbeutung und kapitalistische Mehrwertproduktion stattfindet, daß diese Gruppe der Arbeiter- klasse am härtesten von den Widersprüchen des kapitalistischen Reproduktionsprozesses, insbesondere der zyklischen Entwicklung betroffen wird, die soziale Polarisierung zur Gegenklasse am ausgeprägtesten ist, sich Arbeiterklasse und Kapitalisten in den einzelnen Industriezweigen und -branchen ohne die Pufferzone der selbständigen Mittelschichten gegenüberstehen und der in die Produktionsverhältnisse eingeschlossene Antagonismus von Lohn- arbeit und Kapital also zur scharfen objektiven Entgegensetzung führt, sondern auch daraus, daß die Konzentration der Ar- beiterklasse und die Disziplinierung durch die industriemäßige Arbeitsteilung zu einem hohen Grad an Organisiertheit und Akti- onsfähigkeit führen. Hinzu kommt, daß in industriellen Schlüssel- bereichen die Industriearbeiterschaft (besonders die Facharbei- ter) städtische und erbliche Arbeiterschaft ist, die Bindung an die selbständigen Mittelschichten also eine geringe Rolle spielt. Unter diesen Bedingungen weist die Industriearbeiterschaft nicht nur einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad auf, sondern verfügt auch über feste betriebliche Kommunikations- und Vertre- tungssysteme. Diese Charakteristika treffen auch für die Arbeiter in den Großbetrieben der Bau- und Verkehrswirtschaft zu. Tabelle 2: Wichtige Bereichsgruppen u.a. Gruppen der Arbeiterklasse Bereichsgruppen Arbeiterklasse Entwicklung 1970 zu u.a. Gruppen 1950 1961 1970 1950 (= 100) 1961 (= 100) 1 2 3 4 5 in Tsd 1. Landarbeiter 1.152 490 251 21,8 51,2 2. Industriearbeiter (Beschäftig- te 4.158 6.674 6.471 155,6 97,0 darunter: Bergarbeiter a) 956 651 380 39,7 58,4 Arbeiter in Großbe- 2.700 2.600 96,3 trieben b) 3. Bauarbeiter 1.542 1.675 1.608 104,3 96,0 4. Arbeiterklassengruppen bei Bundesbahn u. Bundespost 743 809 767 103,2 94,8 5. Arbeiter u. Angestellte im Handel c) 1.330 2.140 2.361 177,5 110,3 6. ungelernte Arbeiter d) 2.885 2.726 2.556 88,6 93,8 7. Arbeiterklassengruppen der kaufm. An- gestellten e) 2.338 4.122 4.780 204,4 116,0 8. Arbeiterklassengruppen der technischen An- gestellten e) 269 592 808 300,4 136,5 9. Arbeiter in Städten über 20.000 Einwohner 4.835 5.816 5.905 122, 101,5 in v.H. der Arbeiterklasse f) 1.a Landarbeiter 7,6 2,7 1,3 2.a Industriearbeiter (Beschäftig- te 27,4 36,4 33,3 darunter: Bergarbeiter a) 6,3 3,6 2,0 Arbeiter in Großbe- 14,7 13,4 trieben b) 3.a Bauarbeiter 10,2 9,1 8,3 4.a Arbeiterklassengruppen bei Bundesbahn und Bundespost 4,9 4,4 4,0 5.a Arbeiter und Angestellte im Handel e) 8,8 11,7 12,2 6.a Ungelernte Arbeiter d) 19,0 14,9 13,2 7.a Arbeiterklassengruppen der kaufm. An- gestellten e) 15,4 22,5 24,6 8.a Arbeiterklassengruppen der technischen An- gestellten e) 1,7 3,2 4,2 9.a Arbeiter in Städten über 20.000 Einwohner 31,9 31,7 30,4 _____ Quelle: Berechnung des IMSF a) einschl. Arbeiter in der Energie- wirtschaft; b) Betriebe mit über 1000 Beschäftigten; c) in den Angestelltenzahlen sind hier noch lohnabhängige Mittelschichten, angestellte Intelligenz und Managergruppen enthalten; d) Arbeiter der Leistungsgruppe 3; e) absolute Zahlen 1950=1951; 1961=1962; 1970=1966; f) aktive Arbeiterklasse ohne Der Umfang der Industriearbeiterschaft hat sich in den 50er Jah- ren schnell erweitert. In den 60er Jahren bewirkt die Einschrän- kung des Bergbaus, der eine starke Konzentration auf Großbetriebe aufweist, insgesamt einen Rückgang des Umfangs und Anteils der Industriearbeiterschaft. Betrachtet man nur die verarbeitende In- dustrie, so wächst dagegen sowohl die Industriearbeiterschaft als Ganzes wie auch ihr Kern in den Großbetrieben leicht weiter. Hat- ten in den 50er Jahren mit der extensiven Ausweitung der indu- striellen kapitalistischen Produktion bei schon zunehmenden Ange- stelltenanteilen die Industriearbeiter schnell zugenommen, so kommt es in den 60er Jahren unter dem Einfluß von Strukturkrisen und der kapitalistischen Rationalisierung zu Stagnationstendenzen der Arbeiterbeschäftigung bei weiterer Zunahme des Umfangs und Anteils der Industrieangestellten (die Industrieangestellten wuchsen von 1950 = 0,78 Mio. über 1961 = 1,64 Mio. auf 1970 = 2,13 Mio.). Diese Zahlen deuten an, daß die Arbeiterklasse in der Industrie als Ganzes auch in den 60er Jahren gewachsen ist. Von Bedeutung ist auch die Tatsache, daß sich vor allem in den 50er Jahren eine schnelle Konzentration der Arbeiterbeschäftigung auf die Industrie vollzogen hat: Waren 1950 erst 35% aller Arbei- ter der BRD und Westberlin in der Industrie beschäftigt, so wuchs dieser Anteil über 1961 = 52% auf 1970 = 54%. Dem entspricht auch die Zunahme der Arbeiter in Städten über 20.000 Einwohnern, in denen die Industrie vor allem konzentriert ist, von 1950 bis 1970 um 1,1 Mio. Personen. Für die Gesamtentwicklung der Arbeiterschaft fällt vor allem die Verlagerung aus der L a n d w i r t s c h a f t und dem B e r g b a u in andere Bereiche ins Gewicht. Der Anteil dieser früher auch quantitativ wichtigen Gruppen der Arbeiterklasse an der gesamten Arbeiterklasse machte 1970 nur noch 1,3% bzw. 2,0% aus. Die Industriearbeiterschaft umfaßt 1970 1/3 der westdeutschen Arbeiterklasse und ist nach wie vor auch ihre quantitativ größte Abteilung. Die A r b e i t e r k l a s s e n g r u p p e n b e i B u n d e s b a h n u n d B u n d e s p o s t, zweifel- los Kerngruppen der westdeutschen Arbeiterklasse mit hohem objek- tiven und gewerkschaftlichen Organisationsgrad, stellen 1970 = 4% und die B a u a r b e i t e r 8,3% der westdeutschen Arbeiter- klasse. Eine auch in den 60er Jahren wachsende Gruppe der Arbeiterklasse ist das H a n d e l s p r o l e t a r i a t. 1970 entspricht ihr Umfang dem der Gruppen bei Bundesbahn, Bundespost und der Bauwirtschaft. Es muß bei der Einschätzung der Klassenkampfpoten- zen dieser Gruppe der Arbeiterklasse jedoch berücksichtigt wer- den, daß der Konzentrationsgrad hier relativ gering ist, die Mehrzahl Frauen, darunter viele Teilzeitbeschäftigte, sind und ein großer Teil bei den Mittelschichten beschäftigt ist. Immerhin wurden aber auch hier 1970 0,8-0,9 Mio. Angehörige der Arbeiter- klasse in Unternehmen des mittleren und des Groß- und Monopolka- pitals ausgebeutet. Wir betrachten jetzt einige wichtige Gruppen der Arbeiterklasse, die aus der Bereichsgliederung herausfallen, jedoch hinsichtlich ihrer Ausbildung, ihrer Arbeitssituation u.a. gemeinsame Merkmale aufweisen und die Spannweite der inneren Differenzierung der Ar- beiterklasse deutlich machen: die Arbeiterklassengruppen der technischen Angestellten, der kaufmännischen Angestellten und der ungelernten Arbeiter. Wenn die t e c h n i s c h e n A n g e s t e l l t e n (in der Tabelle ohne Meister) innerhalb der Arbeiterklasse quantitativ auch nach wie vor erst von geringer Bedeutung sind, so weisen sie jedoch das schnellste Wachstum aller in der Tabelle aufgeführten Gruppen der Arbeiterklasse auf. Ihr Umfang verdreifacht sich zwi- schen 1950 und 1970. Sie sind zum großen Teil unmittelbar in die Produktion und die vor- und nachgelagerten Bereiche integriert und verfügen über ein Qualifikationsniveau, in das wesentliche Elemente einer mehr theoretischen Ausbildung eingegangen sind. Gemeinsam mit den qualifizierten Facharbeitern in technologischen Spitzenindustrien verkörpern sie einen Produzententyp mit vorwie- gend nichtmanueller Arbeitsverausgabung, dessen Umfang unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution zweifel- los weiter wachsen wird. Der Männeranteil ist 1950 und 1970 mit 85% sehr hoch. Demgegenüber vermindert sich die Schicht auf dem unteren Ende der Qualifikationsskala der in der materiellen Produktion eingesetz- ten Arbeiterklasse: die u n g e l e r n t e n A r b e i t e r. In absoluten Zahlen ist diese Gruppe allerdings 1970 noch dreimal größer als die Arbeiterklassengruppe der technischen Angestell- ten; ihr zahlenmäßiger Umfang verringert sich jedoch, und zwar auch in den 60er Jahren wesentlich schneller als der der gesamten Arbeiterschaft und ihr Anteil an der gesamten Arbeiterklasse geht von 1950 = 19% auf 1970 = 13% zurück. Von wachsendem Umfang sind auch die Arbeiterklassengruppen der k a u f m ä n n i s c h e n A n g e s t e l l t e n, die 1970 zu 67% (1950 = 61%) aus Frauen bestehen. Diese Gruppen sind in der staatlichen und privatkapitalistischen Verwaltung, im Handel, den Banken, Versicherungen und den öffentlichen und privaten Dienstleistungen beschäftigt. In diesen Bereichen stellen sie die Masse der Kommandierten und Ausgebeuteten. Sie nehmen hier eine ähnliche Stellung ein wie die Arbeiterschaft in der materiellen Produktion. Sie stellen heute 1/4 (1950 = 15%) der westdeutschen Arbeiterklasse. Diese Gruppen sind überdurchschnittlich in den großen Städten konzentriert, den nationalen und regionalen Ver- waltungs-, Handels- und Dienstleistungszentren. In ihren Be- schäftigungsbereichen ist die Interaktion mit der Arbeiterschaft in der Regel gering, sie stehen noch in starkem Maße unter dem sozialen Einfluß der lohnabhängigen Mittelschichten, der Intelli- genz und des kapitalistischen Managements. Ihr gewerkschaftlicher Organisationsgrad ist erst gering. Die Abschwächung-der Wachs- tumstendenz in den 60er Jahren wird nicht zuletzt durch die im time-lag zur materiellen Produktion nun auch in diesen Bereichen einsetzende kapitalistische Rationalisierung verursacht. Damit setzt sich in ihren Bereichen die Tendenz zur industriemäßigen Arbeitsteilung - die reelle Subsumtion unter das Kapital - durch und technologische "Freisetzungen" und Beschäftigungsprobleme treten für sie stärker auf die Tagesordnung. Es kann angenommen werden, daß sich die Rekrutierungsbasis dieser Gruppen - auch der Arbeiterklassengruppen der technischen Angestellten - stärker in die Arbeiterschaft verlagert hat, daß nicht nur die Annäherung von Arbeitssituation und sozialer Lage, sondern auch die soziolo- gische Verschmelzung dieser Gruppen mit der Arbeiterschaft zu ge- nommen hat. Diese hier vorgelegten Strukturdaten der Arbeiterklasse machen darauf aufmerksam, daß ihre innere Differenzierung unter ver- schiedenen wichtigen Gesichtspunkten zugenommen hat. Für die For- mierung der Arbeiterklasse ist die Einbeziehung vor allem der An- gestelltengruppen in den Klassenkampf ein zentrales, in der Zu- kunft noch zunehmendes Problem geworden. Gliederung der Arbeiterklasse nach sozialökonomischen Sektoren -------------------------------------------------------------- Diese Gliederung zeigt, welchen Ausbeutergruppen die Arbeiter- klasse im einzelnen gegenübersteht. Sie macht auch deutlich, wie sich im Rahmen der gesamten Gesellschaft die kapitalistische Ak- kumulation als Konzentration der Verteilung der Arbeiterklasse auf das Privatkapital und den Staat durchgesetzt und ausgewirkt hat. Vor allem aber wird der Umfang jenes sozialökonomischen Kerns der Arbeiterklasse sichtbar, der mit der Wirtschaftstätig- keit auf großer Stufenleiter unmittelbar verbunden ist und dem Groß- und Monopolkapital direkt gegenübersteht. Tabelle 3: Gliederung der beschäftigten Arbeiterklasse nach sozialökonomi- schen Sektoren und Bereichen in der BRD und in Westberlin Beschäftigte Gruppen Gruppe der Arbei- der Arbeiterklasse Entwicklung 1970 zu terklasse im Sek- 1950 1961 1970 1950 (= 100) 1961 (= 100) tor 1 2 3 4 5 in Tsd 1. Landarbeiter 1.152 490 251 21,8 51,2 2. Heimarbeiter, Hausange- stellte - 544 547 - 100,6 3. Gewerbliche Mittel- schichten 1.996 2.438 2.406 120,5 98,7 4. privatkapitalistischer Sektor a) 8.133 12.792 13.813 169,8 108,0 davon: - kleines u. mittleres Kapital - (8.173)(8.631) - (105,6) - Groß- und Monopol- kapital - (4.619)(5.182) - (112,2) 5. Staat b) 2.153 3.533 4.226 196,3 119,6 1.-5. Zusam- men 13.434 19.797 21.243 158,1 107,3 in v. H. 1.a Landwirtschaft 8,6 2,5 1,2 2.a Heimarbeiter, Hausangestellte 2,8 2,6 3.a Gewerbliche Mittel- schichten 14,9 12,3 11,3 4.a privatkapitalistischer Sektor a) 60,5 64,6 65,0 davon: - kleines u. mittleres Kapital - (41,3) (40,6) - Groß- und Monopol- kapital - (23,2) (24,4) 5.a Staat b) 16,0 17,8 19,9 1.a-5.a Zusammen 100,0 100,0 100,0 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; a) privatkapitalistischer Sektor im gewerblichen Bereich; b) einschließlich Militärpersonal und deut- schem Personal bei den Dienststellen ausländischer Nato-Truppen. Während d i e A r b e i t e r k l a s s e n g r u p p e n i n d e r L a n d w i r t s c h a f t, die 1950 immerhin noch fast 9% der Arbeiterklasse ausmachen, und in den P r i v a t h a u s- h a l t e n, deren Tätigkeiten vor allem von Bourgeoisfamilien konsumiert werden, sowie die H e i m a r b e i t e r im Rahmen der Gesamtklasse nur noch von peripherer Bedeutung sind, besitzen die Gruppen, die durch die g e w e r b l i c h e n M i t t e l- s c h i c h t e n ausgebeutet werden, noch quantitativ beträcht- liches Gewicht. Ihr absoluter Umfang stagniert allerdings in den 60er Jahren. Sie stellen 1970 11% der Arbeiterklasse der BRD und Westberlins (2,4 Mio. Personen). Es handelt sich um Lehrlinge, Gesellen, Arbeiter, Verkaufspersonal, Köche, Kellner usw. in kleinen Handwerks-, Handels-, Dienstleistungs-, Bau-, Verkehrsbe- trieben. Diese Gruppe der Arbeiterklasse ist stark zersplittert; die Ausbeutung ist noch patriarchalisch verbrämt; vielfach handelt es sich um Verwandte und Familienmitglieder der Betriebsinhaber, die im Lohnverhältnis beschäftigt werden. Diese Gruppe der Arbeiterklasse steht stark unter dem sozialen Einfluß der selbständigen Mittelschichten. Schon die gewerkschaftliche Organisierung stößt hier auf beträchtliche Schwierigkeiten. Diese Gruppen konnten in der Vergangenheit nur bei scharfen Zuspit- zungen im gesamtgesellschaftlichen Rahmen in den Klassenkampf einbezogen werden. Das höchste Zuwachstempo verzeichnet nicht der privatkapitalisti- sche, sondern der s t a a t l i c h e S e k t o r. Es ist dies ein Ausdruck der umfassenden Herausbildung des SMK. Dieser Zu- wachs beruht jedoch nicht auf der Ausweitung der unmittelbaren Wirtschaftstätigkeit, hier ist vielmehr die Beschäftigung rück- läufig, sondern ist durch den Ausbau des Macht- und Gewaltappa- rates und der übrigen Staatsbereiche bedingt. Jeder fünfte Ange- hörige der Arbeiterklasse ist heute in diesem Sektor tätig und unterliegt hier der Anwendung und Ausbeutung durch das staatsmo- nopolistische System. Dieser Anteil erhöht sich noch beträcht- lich, wenn die Unternehmen mit wesentlicher Staatsbeteiligung in privater Rechtsform in die Betrachtung einbezogen werden. Die einzelnen Gruppen der Arbeiterklasse unterliegen vielfältigen Re- glementierungen und Beschneidungen ihrer Rechte, die den Waren- charakter ihrer Arbeitskraft einschränken. Dies gilt besonders für die Arbeiterklassengruppen der Beamten und für jene Gruppen im Repressionsapparat, die funktionell aus der Arbeiterklasse herausfallen. Die erkennbaren Tendenzen verweisen darauf, daß der Umfang und Anteil der Arbeiterklassengruppen im Staatssektor wei- ter wachsen wird. Gruppen wie die Arbeiterklasse bei Bundesbahn, Bundespost, bei Flughäfen, Seehäfen usw. halten zweifellos Kno- tenpunkte des Wirtschaftslebens besetzt. Sie spielen auch in den aktuellen Kämpfen eine aktive Rolle und müssen dem Kern der Ar- beiterklasse zugeordnet werden. Der dominierende Anteil d e s p r i v a t k a p i t a l i- s t i s c h e n S e k t o r s verweist auf den hohen sozial- ökonomischen Entwicklungsstand des Kapitalismus in der BRD und Westberlin; das Anwachsen des hier ausgebeuteten Teils der Arbeiterklasse von 1950 = 60,5% auf 1970 = 65% zeigt die auch noch in die Breite gehende unmittelbare Unterwerfung der Wirtschaft unter das Kapital; die Verlagerung auf den groß- und monopolkapitalistischen Sektor schließlich ist ein Ausdruck der zunehmenden Konzentration und Monopolisierung. In diesem Sektor steht die Arbeiterklasse unmittelbar der Kapita- listenklasse gegenüber. Die patriarchalische Dämpfung des Ausbeu- tungsverhältnisses und der personelle unmittelbare Druck der Ka- pitalisten und damit auch der unmittelbare soziale Einfluß der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse nimmt i.d.R. mit der Größe der kapitalistischen Unternehmen ab. Freilich muß berücksichtigt werden, daß gerade in groß- und monopolkapitalistischen Betrieben auf der Grundlage der Monopolprofite das sozialpolitische System zur Integration wichtiger Gruppen der Arbeiterklasse und die Sta- tusdifferenzierung zur Spaltung der Belegschaften weit fortge- schritten sind. Jedoch haben die Kämpfe der letzten Jahre ge- zeigt, daß damit zwar der Formierung der Arbeiterklasse entgegen- wirkende Tendenzen wirksam geworden sind, bei einer Zuspitzung der Interessengegensätze jedoch gerade hier die Arbeiterklasse in der Lage ist, zur Aktion zu gelangen. 1970 wird etwa 1/4 der Arbeiterklasse unmittelbar in den Unter- nehmen des Groß- und Monopolkapitals ausgebeutet. Diesem Kern der Arbeiterklasse kommt als unmittelbarem Antipoden des Groß- und Monopolkapitals in den Klassenauseinandersetzungen entscheidende Bedeutung zu. Deshalb liegt auch in der Orientierung auf diesen Kern unter den Bedingungen der BRD der zentrale Ansatzpunkt aller auf dem Boden der Interessen der Arbeiterklasse wirkenden politi- schen Kräfte. Dieser Kern der Arbeiterklasse ist in den 60er Jah- ren, trotz der rückläufigen Entwicklung im Bergbau, um 0,6 Mio. Personen gewachsen. Sein Schwerpunkt liegt, wie schon in früheren Abschnitten dargelegt wurde, eindeutig in der Industrie. Hier ist der groß- und monopolkapitalistische Sektor auch relativ wesent- lich umfangreicher. 1970 waren 40,2% aller Industriebeschäftigten in Großbetrieben tätig und bezieht man die größeren Mittelbe- triebe (500-999 Beschäftigte) ein, 53,4% (1950 = 34,1% bzw. 45,8%). Die nachfolgenden Angaben machen nochmals an der Verteilung der Großunternehmen nach Wirtschaftsabteilungen die Schwerpunkte der Wirtschaftstätigkeit auf großer Stufenleiter deutlich. Als Staatsunternehmen sind hier die Unternehmen von Anstalten, Stif- tungen und Körperschaften des öffentlichen Rechts ausgewiesen, nicht jedoch die unmittelbaren Einrichtungen von Gebietskörper- schaften. Anzahl der Großunternehmen und ihre Verteilung auf Wirtschaltsbe- reiche 1970 5): Wirtschaftsbereich Unterneh- darunter: mit über darunter: men mit mit 1000- 5000 Be- Staatsun- über 1000 4999 Be- schäftig- ternehmen Beschäf- schäftigten ten tigten Gewerbliche Landwirtschaft 1 1 - Bergbau/ Energiewirtschaft 79 62 17 (15) Verarbeitendes Gewerbe 1098 952 146 - Baugewerbe 73 61 12 - Verkehr/Nachrichten 40 34 6 (4) Handel 120 106 14 - Kredit- u. Versicherungs- gewerbe 95 83 12 (26) Dienstleistungen 53 52 1 (6) ------------------------------------- zusammen 1970 1559 1350 209 (51) (1961) (1440) (1235) (205) (39) Wird aus den dargelegten Zahlenangaben auch die große potentielle Kraft sichtbar, die von der einheitlichen Aktion der Arbeiter- klasse in den Zentren der Wirtschaftstätigkeit auf großer Stufen- leiter ausgehen kann, so deutet auf der anderen Seite der Umfang der Arbeiterklassengruppen in den Sektoren der Mittelschichten, des kleinen und mittleren Kapitals und des Staates, die die über- wiegende Mehrheit der Arbeiterklasse ausmachen, die Probleme der Formierung der gesamten Klasse an, die nur in dem Maße fort- schreiten kann, wie der Klassenkampf den betrieblichen und groß- betrieblichen Rahmen überschreitet und politische Züge annimmt. Wir fassen in Tabelle 4 Angaben über einige weitere Gruppen der Arbeiterklasse zusammen, die die innere Struktur der Arbeiter- klasse weiter erhellen. Während beim männlichen Teil der aktiven Arbeiterklasse die Ar- beiter die Mehrheit stellen, sind es beim weiblichen Teil die weiblichen Angestellten und die Beamtinnen. Wird am wachsenden Anteil der F r a u e n an d e r a k t i v e n A r b e i- t e r k l a s s e (1950 = 32%, 1970 = 36%) sichtbar, daß die Frauen der Arbeiterklassenfamilien zunehmend in den Aus- beutungsprozeß einbezogen wurden, eine den Wert der Arbeiter- schaft senkende Tendenz, so macht ihre Aufgliederung nach dem ar- beitsrechtlichen Status deutlich, daß sie zunehmend in Angestell- tenbereichen eingesetzt werden. Machte der Anteil der Arbeiterin- nen an allen aktiven weiblichen Angehörigen der Arbeiterklasse 1950 noch 69% aus, so sank er bis 1970 auf 48%. Im entsprechenden Maße wuchs der Anteil der weiblichen Angestellten und Beamtinnen, wobei der Anteil der Beamtinnen allerdings sehr gering ist (1950 = 1,4%, 1970 =1,8%). Es ist nachzuweisen, daß die Industriearbei- terinnen eine im Rahmen ihrer Klasse besonders benachteiligte und diskriminierte Gruppe der Arbeiterklasse sind, deren Ausbeutung und Unterbezahlung die Quelle von Extraprofiten für das Kapital ist. Tabelle 4: Einzelne Gruppen und Schichten der Arbeiterklasse Gruppen Soziale Gruppen/ der Arbeiterklasse Entwicklung 1970 zu Schichten 1950 1961 1970 1950 (= 100) 1961 (= 100) tor 1 2 3 4 5 in Tsd 1. Erwerbstätige Frauen der Ar- beiterklasse 4.939 6.682 7.243 146,6 108,4 2. Lehrlinge in gewerblichen und Angestellten- berufen 975 1.424 1.188 121,8 83,4 3. Ausländische Beschäf- tigte - 476 1.839 - 386,3 4. Registrierte Arbeits- lose 1.869 181 149 8,0 82,3 5. Obere Randgruppen der Ar- beiterklasse 895 1.523 1.802 201,3 118,3 in v.H. der aktiven Arbeiterklasse 1) 1.a Erwerbstätige Frauen der Ar- beiterklasse 32,2 35,7 36,3 2.a Lehrlinge in gewerblichen und Angestellten- berufen 6,4 7,6 6,0 3.a Ausländische Beschäftigte - 2,5 9,2 4.a Registrierte Arbeitslose 12,2 1,0 0,7 5.a Obere Randgruppen der Ar- beiterklasse 5,8 8,1 9,0 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; 1) Aktive Arbeiterklasse einschließlich der Gruppen in der ökono- mischen Lage der Arbeiterklasse im staatlichen Macht- und Gewalt- apparat (ohne Militärpersonal) Auch die Ausbeutung der L e h r l i n g e o d e r A u s z u b i l d e n d e n, die überproportional im Bereich der selbständigen Mittelschichten und des kleinen Kapitals angewendet werden, ist in hohem Maße eine Quelle von Extraprofiten. Diese Gruppe ist jedoch noch nicht in vollem Umfang dem Ausbeutungspro- zeß unterworfen. Die "Produktion" ihrer Arbeitskraft ist noch die bestimmende Seite ihrer Existenz. Diese Seite gerät jedoch nicht nur in Widerspruch zu überholten und unzureichenden Ausbildungs- methoden, sondern auch mit ihrer Funktion als billige Arbeits- kräfte. Infolge der Verlängerung der Schulzeit für die Ausbildung des Nachwuchses der Arbeiterklasse ist in den 60er Jahren der An- teil der Lehrlinge an der Arbeiterklasse gesunken. Von zunehmender Bedeutung innerhalb der Arbeiterklasse der BRD sind die a u s l ä n d i s c h e n A r b e i t e r u n d A n g e s t e l l t e n. Schon 1970 betrug ihr Anteil an der Ar- beiterklasse der BRD und Westberlins 9,2%. Ihr Umfang und Anteil hat sich in den folgenden Jahren noch beträchtlich erhöht. 1972 betrug ihr Umfang schon 2,2 Mio. Personen und der Anteil der aus- ländischen Arbeiter an der Arbeiterschaft schon 1971 = 16%. Die ausländischen Arbeiter und Angestellten sind eine in ihrem Rechtsstatus und ihren Arbeits- und Lebensbedingungen besonders diskriminierte Gruppe. Das staatsmonopolistische System hat sie in eine Ghettosituation gedrängt und sie zum Spielball arbeits- markt- und sozialpolitischer Manipulation gemacht. Die Auswirkun- gen der zyklischen Entwicklung haben in der Vergangenheit beson- ders diese Gruppe der Arbeiterklasse getroffen. Mit dem zunehmen- den "Import" ausländischer Arbeitskräfte versucht das staatsmono- polistische System das für industrielle Expansion erforderliche Arbeitskräftepotential bereitzustellen und den von der industri- ellen Reservearmee ausgehenden Druck auf die Arbeiterklasse auf- recht zu erhalten. Diese Strategie des SMK kann nur dann durch- kreuzt werden, wenn die Arbeiterklasse die völlige Gleichstellung der ausländischen Arbeiter und Angestellten auf allen Gebieten durchsetzt. Wir hatten in vorhergehenden Abschnitten gezeigt, daß die offi- ziellen A r b e i t s l o s e n z a h l e n den jeweiligen Um- fang der industriellen Reservearmee, das Ausmaß der Arbeitslosig- keit und die Rolle, die sie für die Arbeiterklasse nach wie vor spielt, nur völlig verzerrt zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus kann die Proportion zwischen brachliegender und fungierender Ar- beiterklasse nicht allein mit der Zahl der registrierten Arbeits- losen erfaßt werden. Die Tabellenangaben verweisen deshalb nur auf die 1961 und 1970 gegenüber 1950 beträchtlich veränderte Si- tuation. Von wesentlicher Bedeutung für die Struktur der Arbeiterklasse ist schließlich die Existenz o b e r e r R a n d g r u p p e n d e r A r b e i t e r k l a s s e, die unter verschiedenen Merkmalen (Einkommen, Aufsichtsfunktionen u.a.) aus der Arbeiter- klasse herauswachsen und unter den heutigen Bedingungen in der Arbeiterklasse eine ähnliche Rolle spielen, wie früher die Arbei- teraristokratie, als sich die Arbeiterklasse noch zu 80-90% aus Arbeitern zusammensetzte. Sie sind die sozialen Verbindungsgrup- pen vor allem zu den lohnabhängigen Mittelschichten. Diese Gruppe umfaßt 1970 schätzungsweise 1,8 Mio. Personen, davon 0,25 Mio. im arbeitsrechtlichen Status von Arbeitern, 1,45 Mio. von Angestell- ten und 0,1 Mio. von Beamten. Diese Gruppen stellen innerhalb der Arbeiterklasse ein besonders agiles Element dar. Individuelle Aufstiegsillusionen sind hier stark ausgeprägt. Unter den Bedin- gungen des SMK haben sich Umfang und Anteil dieser Obergruppen der Arbeiterklasse stark vergrößert. Fließende Obergänge bestehen jedoch nicht nur zu den lohnabhängi- gen Mittelschichten, sondern auch zwischen s e l b s t ä n d i- g e n M i t t e l s c h i c h t e n in Landwirtschaft und gewerblicher Wirtschaft und der A r b e i t e r k l a s s e existiert eine beachtliche Fluktuationszone. Ihr Umfang wird aus folgenden Angaben sichtbar: - In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurden jährlich um 75.000 Arbeiter Selbständige. Vielfach handelt es sich um Erben von Kleinbetrieben, die vorher als Arbeiter erwerbstätig waren. - Der Bereich der h a l b p r o l e t a r i s c h e n Z o n e bindet in der gewerblichen Wirtschaft 1970 etwa 0,6 Mio. Personen und in der Landwirtschaft 0,5 Mio., die in der Statistik als Selbständige und Mithelfende fungieren. - Die Nebenerwerbsbauern, die im Hauptberuf überwiegend Arbeiter und Angestellte sind, machen Ende der 60er Jahre 0,5 Mio. Perso- nen aus. Der Umfang dieser Zone ist im Verlauf der Nachkriegsentwicklung geschrumpft. Er hatte seinen größten Umfang in den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Damit wurde auch der Einflußbereich der selb- ständigen Mittelschichten in die Arbeiterklasse eingeengt. Jedoch muß auch heute berücksichtigt werden, daß nach wie vor große Gruppen der Arbeiterklasse über familiäre Beziehungen, kleinen Grundbesitz u.a. mit den Mittelschichten und Kleinbesitzerinter- essen verbunden sind. Mittelschichten und Intelligenz ------------------------------- Die Existenzbasis aller Gruppen der Mittelschichten ist in erster Linie die eigene Arbeit, die entweder wie bei den selbständigen Mittelschichten auf der Grundlage des Kleinbesitzes oder wie bei den lohnabhängigen Mittelschichten und den Hauptgruppen der In- telligenz in Ausübung spezifischer Funktionen der gesellschaftli- chen Organisation der Arbeit des staatsmonopolistischen Systems geleistet wird. Im Kampf der gesellschaftlichen Grundklassen nehmen die Mittel- schichten eine zwiespältige Position ein. Sie stellen heute weder als Gesamtheit noch in einzelnen Gruppen eine Hauptkraft der ge- sellschaftlichen Entwicklung dar, spielen aber in den sozialen Beziehungen eine wichtige Rolle und können als Bündnispartner des einen oder anderen antagonistischen Pols im Verlauf der Klassen- kämpfe von großer Bedeutung sein. Das gilt auch unter den Bedin- gungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, mit dessen umfas- sender Herausbildung ihr sozialökonomischer und sozialer Bereich weiter geschrumpft ist. Die Einengung des Mittelschichtenbereichs als Ganzem von 1950 = 31,4% auf 1970 = 22,3% der Erwerbsbevölkerung ist ein wichtiges Ergebnis der Entwicklung der Nachkriegsjahrzehnte. Dabei kommt es zwischen den Hauptbereichen der Mittelschichten zu Verlagerungen, die die Grundkonstellation der sozialen Kräfte beeinflußt haben und beeinflussen. Machte der Bereich der lohnabhängigen Mittel- schichten und der lohnabhängigen Intelligenz 1950 erst etwa 18% an den Mittelschichten als Ganzes aus, so 1970 31% - und bezieht man die Gruppen im staatlichen Machtapparat in der Lage der Ar- beiterklasse mit ein, deren Situation in wichtigen Gesichtspunk- ten derjenigen der lohnabhängigen Mittelschichten vergleichbar ist, so wuchs der Anteil von 20% auf 41%. Diese Verlagerung kann für die Akzentuierung der antimonopolisti- schen Bündnispolitik, wie sie von der kämpferischen Arbeiterbewe- gung vertreten wird, nicht ohne Einfluß bleiben. Neben den quan- titativen Verhältnissen sind dabei auch die Wachstumstendenzen der Intelligenz und wichtiger Gruppen der lohnabhängigen Mittel- schichten zu berücksichtigen sowie die Tatsachen, daß ihr Wachs- tum zum großen Teil mit der Entwicklung der Produktivkräfte unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution ver- bunden ist und sie einen beträchtlichen sozialen Einfluß auf große Gruppen der Arbeiterklasse ausüben. Die soziale Schicht der Intelligenz ----------------------------------- Auf der Grundlage des vorhandenen statistischen Materials war es nur möglich, die Kerngruppen der Intelligenz zu erfassen, also jene Personen, deren Existenzgrundlage die Verwertung ihrer durch ein Hochschulstudium erworbenen Spezialistenqualifikation ist, die also spezifische Funktionen in der gesellschaftlichen Organi- sation der Arbeit, die einen höher qualifizierten Typ geistiger Arbeit erfordern, ausüben. Es fallen hier jene Hochschulabsolven- ten heraus, die als Eigentümerkapitalisten fungieren oder die in- nerhalb des staatsmonopolistischen Systems primäre Aneignungs- und Herrschaftsfunktionen ausüben. 6) Zweifellos sind unter den heutigen Bedingungen darüber hinaus noch Teile der Ingenieurschulabsolventen und der Absolventen Hö- herer Fachschulen, für die die Verwertung ihrer Spezialistenqua- lifikation ebenfalls Grundlage ihrer Existenz ist, dem unteren Bereich der sozialen Schicht der Intelligenz zuzuordnen. Sie sind in unseren Tabellen vor allem im Bereich der lohnabhängigen Mit- telschichten mit erfaßt. Die soziale Überlappung und Verflechtung von Intelligenz und lohnabhängigen Mittelschichten ist jedoch nicht nur ein statistisches Erfassungsproblem, sondern sie exi- stiert auch in der sozialen Realität. Für die Massen der Fach- schulabsolventen ist dies jedoch nicht der Fall. Sie fallen unter den heutigen Bedingungen in den Reproduktions- und Rekrutierungs- bereich der Arbeiterklasse (z.B. angestellte Techniker), der selbständigen Mittelschichten, also vorwiegend des mittleren Auf- sichts- und Leitungspersonals (z.B. Absolventen von Verwaltungs- fachschulen). Tabelle 5: Die Kerngruppen der Intelligenz der BRD und Westberlins Soziale Gruppen Erwerbspersonen 1950 1961 1969/70 1 2 3 in Tsd 1. Kerngruppen der Intelligenz - im Staatssektor - 359 448 2. - im privatkapitalistischen Sektor - 201 251 3. - im Bereich der freien Berufe - 96 120 4. - insgesamt - 656 819 5. Hochschulabsolventen 584 1) 772 964 6. Ingenieurschulabsolventen 183 1) - 398 7. Fachschulabsolventen - 1.584 2) 2.244 in v.H. aller Erwerbspersonen (mit Militär) 1.a Kerngruppen der Intelligenz - im Staatssektor - 1,3 1,7 2.a - im privatkapitalistischen Sektor - 0,7 0,9 3.a - im Bereich der freien Berufe - 0,4 0,4 4.a - insgesamt - 2,4 3,0 5.a Hochschulabsolventen 2,5 1) 2,9 3,6 6.a Ingenieurschulabsolventen 0,8 1) - 1,5 7.a Fachschulabsolventen - 5,9 2) 8,3 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; 1) Zahlen für 1957; Bezugsbasis = 1950; 2) einschließlich Ingenieurschulabsolventen. Die soziale Stellung der Intelligenz ist durch eine Mittel- schichtlage charakterisiert, wobei sie im Spektrum der Mittel- schichten spezifische Strukturen ausprägt, die vor allem aus den Reproduktionsbedingungen ihrer Arbeitskraft und ihren Funktionen in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit resultieren. Die Entwicklung der modernen Produktivkräfte führt nicht nur in der Sphäre der materiellen Produktion zu einem erhöhten Bedarf nach Spezialisten mit Intelligenzqualifikation, sondern bewirkt auch die Zunahme der Bedeutung und des Umfangs der Bereiche der Entwicklung der Wissenschaft und der Bereiche zur Reproduktion der Arbeitskraft (Bildungs-, Gesundheits-, Sozialwesen) und damit eine aufsteigende Wachstumstendenz der sozialen Schicht der In- telligenz. So wuchs der Umfang der Kerngruppen der Intelligenz zwischen 1961 und 1969/70 um +25%, der erwerbstätigen Hochschul- absolventen zwischen 1957 und 1969/70 um 65% und der Ingenieur- schulabsolventen sogar um 113%. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Erhöhung der Anteile an der Erwerbsbevölkerung wider. Auf eine anhaltende und aufsteigende Wachstumstendenz verweisen die Anteile der Studienanfänger an Hochschulen an den entspre- chenden Geburtsjahrgängen: 1952 = 4,5%, 1961 = 6,1%, 1970 = 10,9%. Wenn der Anteil der Intelligenz an der Gesamtbevölkerung heute auch noch relativ gering ist, so ist er in der jüngeren Ge- neration auch quantitativ schon bedeutsam. Diese Entwicklung kommt auch darin zum Ausdruck, daß den 964.000 erwerbstätigen Hochschulabsolventen von 1969/70 432.000 Studenten an Hochschulen (1970/71) gegenüberstanden (1957 = 584.000 erwerbstätige Hoch- schulabsolventen und 155.000 Studenten - 1955/56). In diesem Prozeß hat sich das Rekrutierungsfeld der Intelligenz stärker in die Arbeiterklasse verlagert: stammten 1950/51 erst 19,4% aller Studenten aus der Arbeiterklasse - aus der Arbeiter- schaft 3,6% -, so 1966/67 28,7% - 5,7% aus der Arbeiterschaft. Mit dem Anwachsen des Umfangs hat sich aber auch die "Aufstiegsperspektive" der jüngeren Intelligenz beträchtlich ein- geengt. Bei einer Realisierung der Zielsetzungen der staatsmono- polistischen Hochschul- und Studienreform muß damit gerechnet werden, daß sich in der Zukunft die soziale Qualität eines Hoch- schulabschlusses ändert, daß es zu relativen und absoluten Dequa- lifizierungen kommt, eine stärkere soziale Differenzierung schon in den Hochschulbereich einprogrammiert wird und der heutige Be- reich der lohnabhängigen Mittelschichten stärker mit Hochschulab- solventen besetzt wird und in diesem Prozeß auch Übergänge in die Arbeiterklasse entstehen. Für die Beschäftigung der Kerngruppen der Intelligenz spielt heute der S t a a t s s e k t o r die entscheidende Rolle: ge- gen Ende der 60er Jahre waren hier etwa 55% der Angehörigen der Kerngruppen der Intelligenz beschäftigt, davon etwa 3/4 im Bil- dungs- und Erziehungswesen. Gerade für letztere Gruppen besitzt der Staat heute ein nahezu geschlossenes Beschäftigungsmonopol. Ihre Arbeits- und Reproduktionsbedingungen werden unmittelbar durch den Staat diktiert. Konsequente Demokraten und Sozialisten werden durch Berufsverbote diskriminiert. Es zeigt sich, daß die Entwicklung der Intelligenz nicht als unmittelbare Resultante ei- nes naturwüchsigen ökonomischen Prozesses begriffen werden kann, vielmehr wirken Produktivkraftentfaltung und Widersprüche des Sy- stems der Kapitalverwertung in politisch vermittelter Form, we- sentlich beeinflußt durch den Klassenkampf. Die ökonomischen und sozialen Widersprüche des SMK werden für Existenz und Entwicklung der Intelligenz also auf spezifische Weise wirksam. So schlägt sich die sozialrestriktive Ausgabenpolitik des staatsmonopolisti- schen Systems nicht nur im Hochschulbereich, also der "Produk- tionsstätte" der Intelligenz nieder, sondern schränkt auch unmittelbar ihre Beschäftigungsmöglichkeiten ein. Bei Fortsetzung der gegenwärtigen Tendenzen werden ab Mitte der 70er Jahre Be- schäftigungsprobleme die soziale Existenz größerer Gruppen der Intelligenz einschneidend beeinflussen. Das relative Gewicht der s e l b s t ä n d i g e n I n t e l- l i g e n z g r u p p e n im Bereich der freien Berufe hat sich in den 60er Jahren 7) vermindert, während ihr absoluter Umfang nahezu unverändert blieb. 1969/70 waren knapp 15% der Kerngruppen der Intelligenz hier tätig, davon etwa 55% als Ärzte. Bei dieser Berufsgruppe der Intelligenz, die im Abhängigen- und Selbstän- digensektor verankert ist, findet zwischen beiden Sektoren ein intensiver Austausch statt. Beide Bereiche sind eng miteinander verflochten. Hieran zeigt sich nicht zuletzt, daß das spezifische Beschäftigungsverhältnis nicht als konstitutiv für die Intelligenz als soziale Schicht angesehen werden kann. Gleichwohl bestimmen die Proportionen beider Sektoren wesentlich das soziale Antlitz und die Herausbildung antimonopolistischer Interessen der Intelligenz. Die relative Bedeutung der freien Berufe für die Beschäftigung der Intelligenz wird in Zukunft weiter abnehmen, aber für einzelne Berufsgruppen nach wie vor eine Rolle spielen. Der p r i v a t k a p i t a l i s t i s c h e S e k t o r ab- sorbiert gegen Ende der 60er Jahre etwa 36% aller Hochschulabsol- venten und knapp 31% der Kerngruppen der Intelligenz. Für die hier beschäftigte Intelligenz ist ihre Spezialistentätigkeit stärker mit unmittelbarer Leitungstätigkeit, also dem Kommando über Lohnarbeit, verknüpft als für die Hauptgruppen im Staatssek- tor. Bei letzteren (z.B. in den Erziehungsberufen) dominiert ein- deutig die ausführende Spezialistentätigkeit. Deshalb ist die Verflechtung mit den lohnabhängigen Mittelschichten und der Über- gang in das kapitalistische Management auch stärker ausgeprägt. Während sich in Zukunft die "Aufstiegsmöglichkeiten" einengen werden, wird die bereits heute latent vorhandene Konkurrenzsitua- tion zu den Gruppen der lohnabhängigen Mittelschichten mit zu- nehmendem Absolventen "out-put" zunehmen, woraus sich für das Mo- nopolkapital die Möglichkeit ergibt, diese beiden Gruppen gegen- einander auszuspielen und den antimonopolistischen Kampf zu schwächen. In den Bereichen der Wirtschaftstätigkeit auf großer Stufenleiter konzentrieren sich die Intelligenzgruppen auf Stabs-, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, wobei wiederum die Konzerne i.d.R. überdurchschnittliche Spezialistenquoten mit Intelligenzqualifi- kation aufweisen. Hier haben Hauptbereiche der Intelligenzbe- schäftigung an der Spitze schon eine industriemäßige Arbeitstei- lung. Das hat jedoch nicht zu einem der Entwicklung des Umfangs dieser Bereiche proportionalen Wachsen der Intelligenzbeschäfti- gung geführt, sondern vor allem die Beschäftigtenkategorien mit abgespaltenen Intelligenzfunktionen erweitert. Innerhalb dieser Bereiche vorwiegend geistiger Arbeit reproduziert sich also eine Hierarchie, die den Gruppen der Intelligenz die oberen und mitt- leren Ränge vorbehält. Die B e r u f s g r u p p e n s t r u k t u r der Hochschulab- solventen und ihre Veränderung macht das Gewicht der einzelnen Gruppen der Intelligenz und ihre Entwicklungstendenz deutlich: Berufsgruppen Anteil an allen erwerbs- Entwick- tätigen Hochschulab- lung 1969 solventen in % zu 1961 1961 1969 (in %) 1. Erziehungs- und Lehrberufe 35,3 35,6 +26 2. Gesundheitsdienstberufe 17,0 19,0 +40 3. Ingenieure, Techniker u.a. 12,7 12,9 +26 4. Kaufm., Organis.-, Verwaltungs- berufe 12,8 12,3 +21 5. Rechtsberufe 6,4 5,2 +12 6. Wissenschaft u. Kultur 2,5 5,0 +149 7. Kirchliche Berufe 4,6 3,2 -12 8. Handelsberufe 3,4 2,9 +8 (Alle Hochschulabsolventen) (100,0) (100,0) (+25) Innerhalb der Intelligenz kommt den Lehrern, Ärzten und Ingenieu- ren das größte Gewicht zu. Jedoch kann die soziale Rolle der In- telligenz und ihrer einzelnen Gruppen nicht unmittelbar aus ihrem zahlenmäßigen Umfang abgeleitet werden. Es handelt sich um eine Schicht, die über ihre Vermittlungs- und Dienstleistungstätigkei- ten und die damit verbundenen Interaktionen sozialen Einfluß auf große Gruppen der Bevölkerung ausübt, deren Gewicht innerhalb der öffentlichen Meinung überproportional ist und aus der sich ein großer Teil der Führungs- und Leitungskräfte der bürgerlichen Parteien, Verbände und auch von demokratischen Bewegungen rekru- tiert. Vielfältige Anknüpfungspunkte für die antimonopolistische Bewegung ergeben sich nicht zuletzt im Bereich der Reproduktion der Arbeitskraft, wo diese Gruppen häufig wegen ihrer Artikulati- onsfähigkeit, ihren Verwaltungskenntnissen usw. Auslöser und Trä- ger von Initiativen sind. Ihre Forderungen und Vorstellungen kön- nen sie jedoch meistens nur im Bündnis mit der Arbeiterklasse durchsetzen. Die aus der kapitalistischen Akkumulation unter den Bedingungen des SMK hervorgehenden Tendenzen und Widersprüche wirken direkt u n d vermittelt auf die Existenzbedingungen der Intelligenz ein und forcieren soziale Differenzierungs- und Polarisierungspro- zesse in ihren Bereichen. Eine Politik der Einbeziehung der In- telligenz in antimonopolistische Bündnisbeziehungen und demokra- tische Bewegungen muß nicht nur die innere Differenzierung der jeweiligen Gruppen sondern auch ihre spezifische Rolle und Funk- tion in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit des SMK berücksichtigen. Hieraus ergibt sich, daß vor allem Gruppen, bei denen ausführende Spezialistenarbeit dominiert, wie bei Lehrern, selbst dann, wenn ihre Arbeitsbereiche relativ abgeschlossen sind und der Grad der Arbeitsteilung niedrig ist und bleiben wird, eine starke antimonopolistische Potenz darstellen. Die gemeinsa- men Interessen mit der Arbeiterklasse resultieren hier nicht zu- letzt aus Berufsgruppeninteressen, die sich z.B. im Falle der Lehrer nur dann realisieren können, wenn die soziale Öffnung und der Ausbau des Bildungswesens im Kampf gegen das staatsmonopoli- stische System erzwungen wird. Gleichzeitig wirken jedoch in allen Gruppen der Intelligenz die charakteristischen Mittelschichteninteressen, die sich der Ent- privilegierung entgegenstemmen. Gerade dann, wenn die Arbeiter- klasse und ihre Bewegung den spezifischen Existenz- und Reproduk- tionsbedingungen dieser Schicht nicht oder nur ungenügend Rech- nung trägt, resultieren hieraus die Anknüpfungspunkte der "Bündnispolitik" der Monopolbourgeoisie und der ihr aggregierten Gruppen. Die lohnabhängigen Mittelschichten ---------------------------------- Die lohnabhängigen Mittelschichten der BRD und Westberlins rekru- tieren sich aus den oberen und mittleren Rängen der Angestellten und Beamten. Es handelt sich um das Aufsichts-, Leitungs- und Spezialistenpersonal ohne Intelligenzqualifikation und -funktion unterhalb der Ebene des kapitalistischen Managements bzw. der bourgeoisen Spitzengruppe des Staatsapparates im privatkapitali- stischen und staatlichen Sektor. Diese Gruppen besitzen keine Produktionsmittel und stehen in einem Lohnverhältnis. Ihre Exi- stenzgrundlage ist die lohnabhängige Arbeit. Gleichzeitig sind diese Gruppen jedoch durch spezifische Funktionen in der gesell- schaftlichen Organisation der Arbeit, die sich auch im Wert bzw. Preis ihrer Arbeitskraft niederschlagen, von der Arbeiterklasse abgehoben und ihr teilweise entgegengesetzt. Sie befinden sich in einer Mittelschichtenlage. In unserer Erfassung enthalten die lohnabhängigen Mittelschichten auch die unteren Gruppen der lohnabhängigen Intelligenz (z.B. In- genieurschulabsolventen). Die Entwicklung dieser Schicht muß des- halb hier auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der lohnabhän- gigen Intelligenz gesehen werden. Darüber hinaus kommt es in der sozialen Wirklichkeit sowohl hinsichtlich der Stellung in den je- weiligen Hierarchien als auch der konkreten Arbeits- und Aufga- benbereiche zu vielfältigen Überschneidungen, Überlappungen und Verflechtungen auch mit den Kerngruppen der Intelligenz. Diese heben jedoch die Unterschiede der Reproduktionsbedingungen, hier vor allem die Unterschiede in der Ausbildung der Arbeitskraft, und damit des spezifischen Rekrutierungsmodus nicht auf. In die Qualifikation der lohnabhängigen Mittelschichten gehen in höherem Maß die sogenannten Sozialqualifikationen ein, also die spezifischen Einstellungen und Verhaltensnormen, die das Kapital und der Staat von seinen ausführenden Leitungs- und Aufsichts- kräften aber auch von privilegierten Spezialistengruppen verlangt und die für das Funktionieren des Ausbeutungsprozesses und die Aufrechterhaltung des Ausbeutungssystems unabdingbar sind. Diese "Qualifikations"komponente - Firmenverbundenheit und positive Einstellung und Haltung zum kapitalistischen System - muß berück- sichtigt werden, wenn von einer im Vergleich zur Arbeiterklasse höheren Qualifikation die Rede ist. Die Qualifikationsskala des kapitalistischen Systems orientiert sich am Doppelcharakter des kapitalistischen Produktionsprozesses. Ihr Klassencharakter be- steht gerade darin, daß die Qualifikation zur vorwiegend manuel- len und zur Produktionsarbeit auf die untere Hälfte der Skala verwiesen wird, obwohl die Tätigkeit eines Facharbeiters ein un- gleich höheres Maß an Geschicklichkeit und Kenntnissen verlangt, die nur durch frühzeitige Einübung und lebenslange Erfahrung zu erwerben ist, als es z.B. für die Tätigkeit eines Verwaltungsin- spektors erforderlich ist. Die durch theoretische Ausbildung ver- mittelte Fertigkeit zur geistigen Arbeit ist in der kapitalisti- schen Klassengesellschaft nach wie vor privilegiert. Die starren Grenzen werden unter den Bedingungen des SMK erst in dem Maße aufgelöst, wie der wissenschaftlich-technische Fortschritt die geistigen Komponenten der industriellen Produktionsarbeit erhöht, damit die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft des Indu- strieproletariats ausdehnt und die sozialökonomischen Grenzen der Arbeiterklasse erweitert. Damit setzen für den traditionellen Angestellten- und Beamtensek- tor folgende z.T. gegenläufige Tendenzen ein, die sich auf den Umfang der lohnabhängigen Mittelschichten auswirken: - Mit der Erweiterung des Reproduktionsniveaus der Arbeiter- klasse, d.h. hier ihres Kerns, des Industrieproletariats, ver- schiebt sich die Differenzierungslinie innerhalb des Angestell- tenbereichs nach oben. - Das Eindringen der Mechanisierung und kapitalistischen Rationa- lisierung in den Angestelltenbereich schafft einfache Detailar- beit, führt zur Dequalifizierung, befördert die Differenzierung der Mittelgruppen und zieht Umschichtungen in den hierarchischen Strukturen nach sich. - Mit dem verstärkten Einsetzen der wissenschaftlich-technischen Revolution wächst der Bedarf nach neuen höheren Spezialistengrup- pen, das traditionelle "middle-management" gliedert sich um und reproduziert sich auf einer höheren Ebene. - Das rasche Fortschreiten der Zentralisierungsprozesse verwan- delt Teile der früher selbständigen Betriebs- und Unternehmensin- haber und -leiter in angestellte Geschäftsführer, Filialleiter, Werkstattleiter usw. Es finden Umschichtungen von den selbständi- gen in die lohnabhängigen Mittelschichten statt. Unter dem Einfluß dieser Faktoren bleibt trotz zunehmender Prole- tarisierung des gesamten Angestelltensektors, im Zuge des gewal- tigen Anwachsens der Angestelltenbeschäftigung insgesamt, der ab- solute Umfang der lohnabhängigen Mittelschichten in den letzten 20 Jahren relativ stabil. In vermittelter Form wirken diese Tendenzen auch im Staatsbe- reich, darunter auch für die Beamtenbeschäftigung. Hier verlaufen die Differenzierungsprozesse infolge des spezifischen Rechtssta- tus, aus dem sich Barrieren gegen die Abstufung ergeben, noch auf niedrigerem Niveau. Dies bewirkte in den vergangenen Jahrzehnten im Zusammenhang mit der Ausweitung der Staatsbereiche, insbeson- dere des Macht- und Gewaltapparates, ein absolutes Anwachsen der Gruppen der lohnabhängigen Mittelschichten im Staatsbereich und auch die Bedeutungszunahme des Staatsbereichs für diese Schichten (1961 waren 15% aller aktiven Angehörigen der lohnabhängigen Mit- telschichten im Staatsbereich beschäftigt, 1970 schon 20%) Tabelle 6: Die lohnabhängigen Mittelschichten der BRD u. Westberlins Soziale Gruppen Erwerbspersonen Entwick- 1950 1961 1969/70 lung 1970 zu 1961 (= 100) 1 2 3 4 in Tsd 1. Lohnabhängige Mittelschichten (Lo.Ms.) im pri- vatkapitalistischen Sektor - 997 836 83,9 2. Lo.Ms. im Staatssektor 1) - 183 212 115,8 3. Lo.Ms. - insgesamt (1. u. 2.) 1.305 2) 1.180 1.048 88,8 4. Obere Randgruppen der Arbeiterklasse 895 1.523 1.802 118,3 5. Lo.Ms. u. obere Randgr. der Akl (3. u. 4.) 2.200 2) 2.703 2.850 105,4 in v.H. aller Erwerbspersonen (ohne Militär) 1.a Lo.Ms. - im privatkap. Sektor - 3,7 3,1 2.a Lo.Ms. - im Staatssektor 1) - 0,7 0,8 3.a Lo.Ms. - insgesamt 5,6 2) 4,4 3,9 4.a Obere Randgruppen der Akl 3,8 5,7 6,7 5.a Lo.Ms. u. obere Randgruppen der Akl 9,4 2) 10,1 10,6 Lohnabhängige Mittelschichten nach Sektoren in v.H. 1.b Lo.Ms. im privatkapitali- stischen Sektor - 84,5 79,8 2.b Lo.Ms. im Staatssektor 1) - 15,5 20,2 3.b Lo.Ms. insgesamt - 100,0 100,0 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; 1) Einschließlich Militärpersonal; 2) 1950 einschließlich Kerngruppen der Intelligenz Von besonderer Bedeutung für die Klassenbeziehungen im Angestell- ten- und Beamtensektor sind die fließenden Übergänge zwischen Ar- beiterklasse und Mittelschichten. Die Differenzierungs- und Pola- risierungsprozesse sind dabei bei weitem noch nicht abgeschlos- sen. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten führte vor allem in diesen Bereichen zu einem Anwachsen der oberen Randgruppen der Arbeiterklasse, die zwar unter den sozialökonomischen Hauptkrite- rien in den Umkreis der Arbeiterklasse fallen, jedoch unter ver- schiedenen Gesichtspunkten (Einkommen, untere Aufsichtsfunktionen u.a.) aus ihr herauswachsen und das eigentliche soziale Scharnier zwischen Arbeiterklasse und lohnabhängigen Mittelschichten dar- stellen. Vor allem über diese Gruppen ergeben sich breite soziale Einbruchs- und Einflußzonen der Mittelschichten in die Arbeiter- klassengruppen der Angestellten und Beamten. Der soziale Einfluß der Mittelschichten auf die Arbeiterklassengruppen der Angestell- ten und Beamten ist vor allem dort besonders intensiv, wo, wie im Büro- und Verwaltungsbereich, Angestellte und Beamte die Basis darstellen und die Interaktion mit der Arbeiterschaft im Arbeits- bereich schwach ist. Der soziale Einfluß der Mittelschichten auf die Arbeiterklassengruppen der Angestellten war in der Vergangen- heit e i n Faktor, der der gewerkschaftlichen Organisierung dieser Arbeiterklassengruppen und ihrer Einbeziehung in Aktionen des Klassenkampfes entgegenwirkte. Von zunehmender Bedeutung für die Mobilisierung dieser Gruppen ist neben der Einbeziehung der lohnabhängigen Mittelschichten in antimonopolistische Bündnisse auch die Haltung der Kerngruppen der Intelligenz. Faßt man die oberen Gruppen der Arbeiterklasse, die lohnabhängi- gen Mittelschichten und die lohnabhängige Intelligenz zusammen, so hat sich ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung von 1950 = 9,4% über 1961 = 12,1% auf 1970 = 13,2% erhöht. Dabei fällt zusätzlich ins Gewicht, daß diese Gruppen überwiegend aus Männern bestehen. 1966/70 betrug der Frauenanteil an den Angestelltengruppen der lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz nur etwa 12%. Nicht zuletzt machen diese Zahlen die Bedeutung der lohnabhängi- gen Mittelschichten in den Klassenverhältnissen des staatsmonopo- listischen Kapitalismus und den Stellenwert, der einer antimono- polistischen Bündnispolitik gegenüber diesen Schichten zukommt, deutlich. Ihre Gewinnung für demokratische Umgestaltungen würde das staatsmonopolistische System einer seiner vitalsten und ein- flußreichsten sozialen Stützen berauben und gleichzeitig eine we- sentliche Bedingung der Mobilisierung der Angestellten- und Beam- tengruppen der Arbeiterklasse darstellen. In den kommenden Jahren wird sich infolge der schnellen Zunahme der ins Erwerbsleben eintretenden Hochschulabsolventen die Kon- kurrenz der traditionellen lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz um die Beschäftigungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze verstärken. Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, daß für die Kon- zerne die zusätzliche "Vermittlung" der "Sozialqualifikationen" im Vordergrund steht. 8) Die verschiedenen antigewerkschaftlichen Mitbestimmungskonzeptionen, die eine institutionelle Verankerung der "leitenden Angestellten" zu erreichen suchen, finden in der Existenz und den schichtspezifischen Interessen der lohnabhängi- gen Mittelschichten eine reale soziologische Grundlage. Sie zie- len auf die Entfremdung dieser Schichten von der Arbeiterklasse und ihren Gewerkschaften und auf die Spaltung der Belegschaften. Die Gewinnung der lohnabhängigen Mittelschichten für grundlegende antimonopolistische Veränderungen und tiefgreifende gesellschaft- liche Umgestaltungen besitzt auch für die sozialistische Perspek- tive der Entwicklung große Bedeutung. Denn ihre Existenz ist un- mittelbar auch mit der Wirtschaftstätigkeit auf großer Stufenlei- ter verbunden. Erst unter den Bedingungen gesellschaftlichen Ei- gentums an den Produktionsmitteln können sie von ihrer zwiespäl- tigen Lage befreit werden und ihre spezifischen Qualifikationen in den Dienst der Gesellschaft stellen. Die selbständigen Mittelschichten --------------------------------- Die Existenz dieser sozialen Schicht beruht in erster Linie auf der Verwertung eigenen Besitzes und eigener Arbeitsmittel durch die Teilnahme am Arbeitsprozeß, was in unterschiedlichem Ausmaß auch die Anwendung und Ausbeutung von Lohnarbeit zuläßt. Dieser auf Kleinbesitz und im Kern auf der kleinen Warenproduktion beru- hende Sektor ist also an eine Eigentumsform gebunden, in der der Eigentümer in der Regel noch nicht aus dem unmittelbaren Arbeits- prozeß ausgeschieden ist. Die im Bereich dieser sozialen Schicht eingesetzten Produktionsmittel, das umlaufende Geld und die Wa- renvorräte sind unter heutigen Bedingungen erst in geringem Maße im sozialökonomischen Sinne Kapital, das erweitert reproduziert werden kann und eine Revenue abwirft, die eine Lebenshaltung ge- stattet, die deutlich über dem Niveau der Arbeiterklasse liegt. Diese Merkmale grenzen die selbständigen Mittelschichten gegen- über den selbständigen Kleinkapitalisten ab. Selbstverständlich ist diese Scheidelinie ebenso wie die Grenze dieser Schicht ge- genüber der Arbeiterklasse nicht in allen Merkmalen eindeutig. Sowohl nach "oben" als auch nach "unten" ist die Existenz von Zwischen- und Übergangsgruppen zu berücksichtigen. Wir hatten bereits ausgeführt, daß im Zuge der Entwicklung des Kapitalismus diese Schichten insgesamt ständig an Bedeutung ver- lieren, was aber nicht ausschließt, daß sich einzelne ihrer Grup- pen über kürzere oder längere Perioden zahlenmäßig ausweiten kön- nen. Diese generelle Entwicklung - insgesamt rückläufige Bedeu- tung bei relativem oder absolutem Wachstum einzelner Gruppen - spiegelt sich auch in der Periode 1950-1970 deutlich wider. Tabelle 7: Die selbständigen Mittelschichten der BRD und Westberlins Soziale Gruppen Erwerbspersonen Entwicklung 1970 zu 1950 1961 1970 1950 1961 (= 100) (= 100) 1 2 3 4 5 in Tsd 1. Selbständige Mittelschichten i.d. Landwirtsch. 3.703 2.802 2.004 54,1 71,5 2. Selbst. Mittelschichten i.d. gewerbl. Wirtsch. 2.378 2.521 2.151 90,5 85,3 a) 3. Insgesamt (1. u. 2.) 6.081 5.323 4.155 68,3 78,1 a) 4. darunter: Halb- proletarier - 1.591 1.055 - 66,3 in v.H. aller selbständigen Mittelschichten b) 1.a Selbst. Ms. in der Landwirtschaft 60,9 52,6 48,2 2.a Selbst. Ms. im Verarbei- tenden Gewerbe 12,1 11,4 12,2 3.a Selbst. Ms. in der gewerbl. Landwirtschaft 4,7 4,5 5,5 u. im Bau- u. Verkehrswesen 4.a Selbst. Ms. in Handel, Kredit- u. Versicherungsgewer- be, Dienstleistungen 22,3 31,4 34,1 5.a insgesamt (1.a-4.a) 100,0 100,0 100,0 6.a darunter: Halb- proletarier - 29,9 25,4 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; a) 1950 = einschließlich selbständige Intelligenz; b) Die Prozentangaben für die Gliederung der Mittelschichten im gewerblichen Bereich sind Schätzwerte, die auf einer Kombination von Erwerbstätigen- und Beschäftigtenangaben beruhen. Zwischen 1950 und 1970 hat die Zahl der Erwerbspersonen dieses Bereichs der Mittelschichten um nahezu ein Drittel abgenommen. Ihr Anteil an Erwerbspersonen insgesamt verminderte sich von rd. 26% (1950) über knapp 20% (1961) auf gut 15% im Jahre 1970. Die agrarischen Mittelschichten haben sich fast halbiert, während die zusammengefaßte Gruppe der selbständigen gewerblichen Mittel- schichten lediglich um 10% abgenommen hat. Innerhalb dieser letz- ten Gruppierung haben die Mittelschichten des verarbeitenden Ge- werbes deutlich abgenommen, während die der Mittelschicht zugehö- rigen Selbständigen und Mithelfenden im Bereich der Waren- und Geldzirkulation sowie im Sektor der Dienstleistungen entweder zeitweilig oder über die gesamte Periode sogar noch zahlenmäßig angewachsen sind. Im Rahmen der sozialökonomischen Umschichtungsprozesse hatte le- diglich in den 50er Jahren der Aufstieg in den Bereich der klei- nen Kapitalisten eine gewisse Bedeutung, während in den 60er Jah- ren - besonders in ihrer zweiten Hälfte - der massenhafte Ruin nahezu die alleinige Richtung der Entwicklung markierte: Entweder in der Form des Erlöschens selbständiger Existenzen über den Ge- nerationswechsel, oder in Form des Hinüberwechseins in abhängige Tätigkeiten. Darauf ist auch der absolute Rückgang der Einmannbe- triebe ("Halbproletarier") 9) zurückzuführen. Diese Gruppe machte aber auch 1970 noch mehr als ein Viertel der gesamten Schicht aus. Der Rückgang der a g r a r i s c h e n M i t t e l s c h i c h- t e n vollzog sich über den gesamten hier untersuchten Zeitraum. Auch hier erfolgte der Abbau und die Einschränkung der im Ar- beitsprozeß fungierenden Teile dieser Schicht in den 50er Jahren mit einem etwas geringeren Tempo als in der darauffolgenden Periode, obwohl sich der Anteil dieser Gruppe an den selb- ständigen Mittelschichten zwischen 1950 und 1961 bereits von 61% auf 53% vermindert hatte. Die Abnahme betrug: 1950-1961 900 000 Personen (= 24%); 1961-1970 800 000 Personen (= 28%). Dieser Rückgang spiegelt zugleich die staatsmonopolistische Durchdringung des Agrarbereichs. In der Phase der extensiv und intensiv erweiterten Reproduktion des Kapitals war der direkte ökonomische und soziale Druck, den das Kapital auf die vor- und nachgelagerten Bereich ausübte, erst relativ gering. Das Monopolkapital und sein Staat konnten ihren mehr indirekten Druck auf die agrarischen Produzenten noch weitgehend unter dem Schleier der "Familienbetriebsideologie" ausüben. Diese Ideologie verkündete der werktätigen Bauernschaft, daß die Landwirtschaft "ein typischer Bereich der Kleinunternehmungen" bleiben würde, "in dem unternehmerische Eigenschaften auch zukünftig gedeihen und nachwachsen könnten, das breite Fundament der selbständigen Unternehmerschicht und ein Bereich, in dem Freiheit und Eigenver- antwortung in besonderer Weise wirksam und lebendig bleiben." 10) Sie konnte z.B. zu ihrer Rechtfertigung darauf verweisen, daß bis weit in die 50er Jahre hinein die Zahl der Betriebe ab der Be- triebsgrößenklasse 7,5 bis unter 10 ha noch zunahm. Der Rückgang der Zahl der Betriebe mit weniger als 7,5 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) ließ sich lange Zeit als eine "Entzerrung" der im Gefolge von Wirtschaftskrise und Krieg stark angewachsenen Be- triebszahlen in der Größenklasse unter 10 ha und als Wiederher- stellung einer "gesunden" Betriebsgrößenstruktur darstellen. In dieser ersten Periode der Nachkriegszeit waren zudem die Möglich- keiten zur Intensivierung der Produktion - zur Steigerung der Flächenproduktivität - noch mit relativ geringem Aufwand (Düngung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, verbessertes Saatgut usw.) zu nutzen. Im Kern liegt der Entwicklung in dieser Phase aber zugrunde, daß das Arbeitspotential der bäuerlichen Familie, die zu dieser Zeit in der Regel noch aus drei Generationen be- stand, unter den Bedingungen der erst angelaufenen Mechanisierung noch produktiv im agrarischen Arbeitsprozeß eingesetzt werden konnte. Es handelte sich um eine große Zahl von billigen und willigen produktiven Arbeitskräften, die entweder wegen ihres Alters (Alte und Kinder) oder wegen ihrer engen häuslichen Bindungen (Ehefrauen mit vielen Kindern) in der Industrie nicht ausgebeutet werden konnten. Neben dem starken Abbau der Lohnarbeitskräfte ist für die Land- wirtschaft in der ersten Phase der Nachkriegsentwicklung vor al- lem der Rückgang der Mithelfenden unter den selbständigen Mittel- schichten charakteristisch. Dabei handelt es sich vor allem um Töchter, die traditionell auf den Höfen ohne Berufsausbildung ar- beiteten und um unverheiratete Verwandte der Inhaberfamilie, die entweder im Generationswechsel aus dem Produktionsprozeß aus- schieden oder in gewerbliche Tätigkeiten überwechselten. Die Ab- nahme von Personen mit dem sozialstatistischen Status der "Selbständigen" setzt zunächst erst langsam ein. Auf der skizzierten sozialökonomischen Grundlage vollzog sich ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre, mit einer erheblichen Tem- posteigerung in den 60er Jahren der Übergang zunächst zur teil- weisen und dann immer mehr zur vollen Mechanisierung der agrari- schen Produktion. Dabei ist nicht nur die Tatsache bemerkenswert, daß die dafür notwendigen gewaltigen Investitionen fast aus- schließlich aus dem Arbeitsprodukt der bäuerlichen Familie be- stritten wurden. Genauso wichtig ist der Umstand, daß hier eine ganze soziale Schicht innerhalb kürzester Zeit den Arbeitsprozeß von tierischer auf motorische Zugkraft, von überwiegender Hand- auf Maschinenarbeit umstellte. Die Qualifizierung für diese tech- nische Umwälzung der Produktion ist gewissermaßen "naturwüchsig" auf "eigene Rechnung und Risiko" und auf dem Rücken der Bauern und ihrer Familien erfolgt. Mit der fortschreitenden Verwissenschaftlichung, Mechanisierung und Chemisierung sowie der damit einhergehenden Intensivierung der Agrarproduktion verstärkte sich die Wirkung des klassischen Ausbeutungsmittels der einfachen Warenproduktion in der Landwirt- schaft, die Preisschere. Besonders in der zweiten Hälfte des Un- tersuchungszeitraums traten die Erzeugerpreise für landwirt- schaftliche Produkte einerseits, die Kosten für die landwirt- schaftlichen Betriebsmittel andererseits besonders deutlich aus- einander. Der über diesen Mechanismus abgepreßte Teil des Neupro- dukts stieg wegen des erhöhten inputs an Betriebsmitteln und der beträchtlichen Erhöhung der Produktmengen sowohl nach Rate als auch nach Umfang stark an. Diese Entwicklung hatte für die Pro- fite des Konzernkapitals also ein ähnliches Resultat wie eine Er- höhung der Mehrwertrate über die Steigerung der Arbeitsprodukti- vität und -intensität, aber mit dem Unterschied, daß die dafür notwendigen Investitionen dem Monopolkapital keinen Pfennig geko- stet hatten. Im Zusammenhang mit der Mechanisierung der Agrarpro- duktion, den damit einhergehenden baulichen Maßnahmen usw. stieg auch die Verschuldung der Landwirtschaft stark an, so daß zusätz- lich über Zinsen und Bearbeitungsgebühren ein wachsender Teil des Wertprodukts der agrarischen Produktion in die Verfügungsgewalt des Finanzkapitals fiel. Die staatsmonopolistischen Regulierungs- maßnahmen waren zum einen darauf gerichtet, die notwendigen in- frastrukturellen Voraussetzungen für diesen Prozeß der erhöhten Exploitation zu schaffen, zum anderen darauf, ihn nach Kräften zu fördern. Besonders ab der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurde ein Konzept der horizontalen und vertikalen Integration der Landwirt- schaft verfolgt. Dabei hatten die horizontalen Zusammenschlüsse die Funktion, Einkaufs- und Absatzmengen zu bündeln, um die Marktbeziehungen mit den Konzernen der vor- und nachgelagerten Stufen zu rationalisieren, während die vertikale Integration die volle Einbeziehung der agrarischen Produzenten in den Verwer- tungsprozeß der Kapitale auf der vor- und nachgelagerten Stufe zum Ziele hatte. Anders als in den übrigen Wirtschaftsbereichen war die Polarisie- rung - Wachstum des sozialökonomischen Sektors der Bourgeoisie, schwindende Bedeutung der Mittelschichten und Übergang ihrer Un- tergruppen ins Proletariat hier nicht voll ausgeprägt. Die Masse des kapitalistischen Elements in der Landwirtschaft, die Großbau- ern "sank" in den Bereich der selbständigen Mittelschichten ab. Diese selbst gaben die selbständige agrarische Existenz als Haupteinkommensquelle zu großen Teilen auf und wurden zu einem Teil des Proletariats. Manchmal wird dabei die Zwischenstufe des "Zuerwerblandwirts" durchlaufen. Die Kluft zwischen der Familienbetriebsideologie und der sozialen Wirklichkeit des Proletarisierungsprozesses in der Landwirtschaft wurde so groß, daß die Propagandisten des SMK zu einer "sowohl- als auch-Ideologie" übergehen mußten: Auf der einen Seite "gesunde, große, leistungsfähige Betriebe", auf der anderen Seite Nebenerwerbswirtschaften als "Ausgleich für die einseitige Bela- stung durch die Industriearbeit", als "sichere Heimstätte der Fa- milie" und eine "Quelle von Nebeneinkommen". Die soziale, politi- sche Zielsetzung dieser Ideologie besteht darin, diese halbprole- tarischen und neuen Schichten des Proletariats sozial von den Kerngruppen der Arbeiterklasse abzuheben und den Prozeß ihrer ge- werkschaftlichen und politischen Organisierung zu bremsen, die Reproduktionskosten der Arbeitskraft zu senken und der Verödung des "flachen Landes", die langfristig auch die Verwertungsbedin- gungen des Kapitals verschlechtern würde, entgegenzuwirken. Gerade im Bereich der selbständigen agrarischen Mittelschichten und den Teilen der Arbeiterklasse, die aus ihnen stammen, wird die Tatsache, daß Klasseneinheitspolitik mit antimonopolistischer Bündnispolitik verbunden ist, besonders deutlich. Dabei ist ins- besondere zu berücksichtigen, daß in der Industrie und in der Bauwirtschaft viele Arbeiter arbeiten, die weder objektiv noch nach ihrem Bewußtsein die Trennung vom Milieu der einfachen Wa- renproduktion völlig vollzogen haben. Diese Tatsache wird von der Monopolbourgeoisie dazu benutzt, die Arbeiterklasse zu desorien- tieren und "mittelständisches Eigentümerbewußtsein" in sie hin- einzutragen. Andererseits wohnen in der BRD heute viele Angehö- rige der Arbeiterklasse in agrarischen Regionen, auf dem "flachen Land". Sie müssen auch im Bereich der Reproduktion ihrer Arbeits- kraft angesprochen werden. Zugleich könnten sie tendenziell zu sozialen Vermittlungsgliedern der Politik des antimonopolisti- schen Bündnisses werden. Die angedeuteten Verhältnisse und Ent- wicklungen müssen selbstverständlich auch bei der inhaltlichen Gestaltung von gewerkschaftlichem und politischem Aufklärungsma- terial berücksichtigt werden. Politisch kommt es darauf an, sol- che Forderungen und Aktionen der werktätigen Bauernschaft und der Arbeiterklasse zu fördern, die das antimonopolistische Bündnis vorantreiben und zugleich auch die Einheit der Arbeiterklasse fördern. Das gilt z.B. für den Kampf um die demokratische Mitbe- stimmung. Der Anteil der g e w e r b l i c h e n M i t t e l s c h i c h- t e n an den selbständigen Mittelschichten insgesamt ist zwischen 1950 und 1970 auf Kosten der agrarischen Mittelschichten von 39% auf 52% angestiegen. Dabei blieb der relative Anteil des verarbeitenden Gewerbes bis 1970 etwa auf dem Stand von 1950, während der Anteil der Gruppen im Bereich der übrigen materiellen Produktion sowie im sog. "tertiären Sektor" anstieg. Innerhalb des v e r a r b e i t e n d e n G e w e r b e s ist die Zahl der zur selbständigen Mittelschicht zählenden Selbstän- digen und Mithelfenden über den gesamten Untersuchungszeitraum laufend zurückgegangen: Die Zahl der Schichtzugehörigen in diesem Sektor der materiellen Produktion - nach den Erwerbstätigenanga- ben - sank von 826 000 im Jahre 1950 über 1961 = 632 000 (-23%) auf 525 000 im Jahre 1970 (-17%). Zweigen des verarbeitenden Ge- werbes, in denen die selbständige Kleinproduktion deutlich zuge- nommen hat, stehen andere gegenüber, die über den gesamten Zeit- raum hinweg einem Auszehrungsprozeß unterworfen waren. Daß die rückläufige Quote in der zweiten Hälfte des Untersuchungszeit- raums niedriger als in den 50er Jahren war, hat folgende Ursa- chen: - das "Abnahmepotential" hat sich abgeschwächt, weil die Verdrän- gung der kleinen Warenproduktion z.B. in solchen Zweigen wie dem Bekleidungs- und Holzgewerbe ihren Höhepunkt bereits in den 50er Jahren erreichte. - die für die zweite Untersuchungsphase charakteristische Inten- sivierung des kapitalistischen Akkumulationsprozesses hat für eine Reihe von Zweigen des "mittelständischen" Kleingewerbes ver- stärkt "Marktnischen" entstehen lassen, die für die kapitalisti- sche Warenproduktion nicht rentabel auszufüllen waren, weil der geringe Umfang des Marktes den Übergang zur Großserienfertigung oder anderen Formen der kapital-intensiven Produktion nicht zu- ließ. Die zuletzt bezeichnete Tendenz schwächt sich aber in ihrer Wir- kung tendenziell ab, weil entweder die groß- oder monopolkapita- listisch organisierte Handelsstufe vordringt (z.B. beim Repara- turhandwerk), oder neue technische Verfahren es möglich machen, bisher vom Handwerk geleistete Arbeit in die industrielle, kapi- talistische Produktion einzubeziehen (z.B. die Heizungsmonteure und Klempner im Zusammenhang mit dem Übergang zur Fertigbau- weise). Im Baugewerbe sind die selbständigen Mittelschichten zwischen 1950 und 1961 - nach den Erwerbstätigenangaben - deutlich zurück- gegangen und haben sich dann bis 1970 (152 000 Personen) etwa auf dem Niveau von 1961 (149 000 Personen) gehalten. Diese zunächst rückläufige, dann stagnierende Bewegung ihrer Zahl trat ein, ob- wohl über die gesamte Periode hinweg das Bauvolumen ein in der Geschichte des deutschen Kapitalismus bis dahin unerreichtes Aus- maß hatte. Das verweist darauf, daß vor allem die Bourgeoisie den Vorteil von dieser Entwicklung hatte. Das Niveau der maschinellen Ausstattung, die 1950 noch auf einem sehr niedrigen Niveau lag, ist gerade im Baugewerbe außerordentlich angestiegen. Die Wirkungen der staatsmonopolistischen Regulierung 1972/73 - bei der die von den Konzernen und ihrem Staat verschuldete Infla- tion durch außerordentlich scharfe Restriktionsmaßnahmen im Bau- gewerbe gemildert werden soll - wird bereits kurz- und mittelfri- stig zu einer weiteren Dezimierung der selbständigen Mittel- schichten in diesem Bereich führen. Von diesen sich z.Zt. ab- zeichnenden Regulierungsmaßnahmen wird auch der noch starke klein- und mittelkapitalistische Sektor im Baugewerbe betroffen. Innerhalb des Verkehrssektors hat sich der Umfang der selbständi- gen Mittelschichten - nach den Erwerbstätigenangaben - zwischen 1950 (88 000 Personen) und 1970 (85 000 Personen) nur wenig ver- ändert. Dem liegen gegenläufige Prozesse in den Bereichen, in denen diese Schicht traditionell stark verankert war, zugrunde: Im Bereich der Binnenschifffahrt wurden die selbständigen Mittel- schichten faktisch liquidiert, im Bereich des Gütertransports mit Lastkraftwagen und im Speditionsgewerbe ist ihre Zahl beträcht- lich angestiegen. Letzteres hängt mit der Vertiefung der gesell- schaftlichen Arbeitsteilung der Produktion und der damit vermit- telten Kooperation zusammen, die Kommunikations- und Transport- prozesse anschwellen ließ. Schließlich spielte eine Rolle, daß dem Transportwesen eine wichtige Funktion bei der Beschleunigung des Kapitalumschlags zufällt. Die selbständigen Mittelschichten dieses Bereichs, von denen ein Teil in die Kapitalistenklasse aufgestiegen ist 11), haben aber ihren Höhepunkt auch hier er- reicht, weil - neue Lösungen im Bereich des Gütertransports (Stichwort: Containerverkehr) nur von den kapitalistischen Unter- nehmen verwirklicht werden können; sich die Tendenz abzeichnet, daß das Industriekapital und im Bereich der Zirkulation der Han- del diese Stufe des Warenumschlags unter eigene Regie nehmen. Daß dieser Prozeß nur zögernd abläuft, ist darauf zurückzuführen, daß die Rate des Neuwerts, den das Finanz- und Monopolkapital sich vom produzierten Wertprodukt dieser Gruppe der selbständigen Mittelschicht einverleibt, außerordentlich hoch ist. Beim gegebe- nen Grad der gewerkschaftlichen Organisation und den bestehenden Minimalsicherungen der Arbeitsgesetzgebung, ließe sich beim gege- benen Stand der Technik aus lohnabhängigen Arbeitskräften häufig nicht soviel Mehrwert abpressen, wie an Neuwert aus diesen Grup- pen der selbständigen Mittelschichten abgepreßt wird. Im Bereich des H a n d e l s war sowohl 1950 als auch 1970 die Masse der selbständigen Mittelschichten des gewerblichen Bereichs konzentriert. Die 833 000 Selbständigen und Mithelfenden, die den Mittelschichten im Jahre 1950 zuzuzählen waren, stiegen - nach den Erwerbstätigenangaben - bis 1961 auf 946 000 Personen an (+14%) und haben sich bis 1970 noch unter das Ausgangsniveau von 1950 auf 782 000 vermindert. Der prozentuale Rückgang zwischen 1961 und 1970 betrug -17%. In der gegenläufigen Entwicklung der beiden Teilperioden des Un- tersuchungszeitraums spiegelt sich die kapitalistische Durchdrin- gung dieses Sektors in den 60er Jahren. In der ersten Periode führte der steile Anstieg der produzierten Warenmassen und die Vertiefung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zu einer Zunahme der Warenzirkulation, die über den Handel vermittelt wird. Das fand seinen Niederschlag nicht nur im Anstieg der Beschäftigten- zahlen, sondern auch im Wachstum der selbständigen Mittelschich- ten, während der Aufstieg aus dieser Schicht in die Kapitalisten- klasse eine geringe Rolle spielte. Seit der Mitte der 50er Jahre, verstärkt in den 60er Jahren, ge- riet der Handel in allen seinen Bereichen unter den Druck des In- dustrie- und Finanzkapitals. Unter dem Gesichtspunkt des Um- schlags von Gebrauchswerten mußte seine Leistungsfähigkeit erhöht werden, unter dem der Wertrealisation hatte er einen Beitrag zur Beschleunigung der Umschlagsgeschwindigkeit des Kapitals zu lei- sten, um dessen Verwertungsbedingungen zu verbessern. Vorausset- zung dafür war die Intensivierung der Handelsleistung, das Vor- dringen kapitalintensiverer Umschlagsformen auf allen Stufen der Warenzirkulation. Außerdem verlangten die kapitalintensiveren Vertriebsformen auch größere Warenströme, damit sich das im Han- del angelegte Kapital profitabel verwerten konnte. Auch dies ließ sich nur durch eine Bündelung der bisher von den selbständigen Mittelschichten umgesetzten Warenmengen erreichen. Die gleichen Ursachen liegen auch der Erscheinung zugrunde, daß viele Unternehmen dazu übergingen, die Handelsleistung in den Funktionsbereich des industriellen Kapitals einzubeziehen, um keinen Abzug von Handelsprofit zu erleiden. Voraussetzung dafür war die in der abgelaufenen Periode erfolgte Konzentration der Produktion und des Kapitals. Die Verdrängung der selbständigen Mittelschichten erfaßte zunächst diejenigen Bereiche, in denen ein Massenumschlag möglich war. Das trifft zunächst für die Nahrungsmittel, aber auch für Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs zu. Unter dem Druck der Öko- nomie handelskapitalistischer Verwertung gehen aber vor allem die großen Warenhäuser dazu über, auch ein differenziertes Warenange- bot umzuschlagen und sich zunehmend Dienstleistungsbetriebe ein- zuverleiben. Unter diesem Gesichtspunkt und angesichts der Tatsa- che, daß durch eine forcierte Werbung die "Wünsche" der Verbrau- cher normiert und ihre Nachfrage gebündelt werden können, ergibt sich für die Zukunft, daß nahezu alle Bereiche des "einfachen Wa- renhandels" unter den Druck der großen Handelskapitale geraten werden und daß die Rückgangstendenz der selbständigen Mittel- schichten sich noch beschleunigen wird. Neben der zahlenmäßigen Verringerung dieser Schicht spielt im Handel die Unterwerfung der selbständigen Mittelschichten unter das Diktat der Handels- und Finanzmonopole bei formellem Fortbe- stand der selbständigen Existenz zunehmend eine Rolle. Dem Wachstum der selbständigen Mittelschichten im Bereich des G e l d- u n d V e r s i c h e r u n g s w e s e n s (1950 rd. 12 000, 1970 ca. 37 000) liegt zum einen die parasitäre Auswei- tung von selbständigen Bank- und Börsenjobbern zugrunde. Zugenom- men haben auch die Versicherungsvertreter, deren Masse mit dem Lösschlagen sog. konsumtiver Versicherungen (Hausrats-, Lebens- versicherungen usw.) beschäftigt ist. Ihre Aufgabe ist es, klein- ste und allerkleinste Geldbeträge aus der Sicht des Finanzkapi- tals einzusammeln, die über die zentralen Versicherungsfonds dann in die Akkumulationsfonds der großen Konzerne geleitet werden können. Hier besteht die Tendenz, daß die großen Versicherungs- konzerne, nachdem der Umfang des Marktes im großen und ganzen ab- gesteckt ist, dieses Geschäft in eigener Regie übernehmen. Ähnliche Tendenzen wie für den Handel waren auch im D i e n s t- l e i s t u n g s b e r e i c h zu beobachten. Nach einem An- stieg der selbständigen Mittelschichten - nach den Beschäf- tigtenangaben - von 638 000 (1950) auf 839 000 (1961) oder um +32% ging ihre Zahl bis 1970 um -8% auf 769 000 zurück. Wegen der großen Differenziertheit dieser Branche lassen sich hier kaum für den gesamten Sektor gültige Entwicklungstrends ableiten. Sicher ist nur, daß die selbständigen Mittelschichten dieses Bereichs - in die Zahlen ist auch die selbständige Intelligenz einbezogen - insgesamt auch in Zukunft abnehmen werden. Dabei werden die Mitglieder dieser Schicht, vor allem im Bereich einer Reihe von Wirtschaftsdiensten und parasitären Diensten des Konsumbereichs (wie Hundesalons und dgl.) auch in Zukunft wachsen. Dadurch wird aber die Gesamttendenz der weiteren Auszehrung der selbständigen Mittelschichten nicht aufgehalten. Die Beschäftigten im unmittelbaren Macht- und Gewaltapparat ----------------------------------------------------------- des staatsmonopolistischen Systems ---------------------------------- Der Ausbau des unmittelbaren Macht- und Gewaltapparats des staatsmonopolistischen Systems ist ein charakteristischer und we- sentlicher Zug der westdeutschen Nachkriegsentwicklung. Existenz und Entwicklung dieses Apparates sind Ausdruck des Klassencharak- ters der westdeutschen Gesellschaft und der expansiven außenpoli- tischen Zielsetzungen des westdeutschen Monopolkapitals in dieser Periode. Dieser Apparat ist das unmittelbare Macht- und Gewaltin- strument des kapitalistischen Systems, das im Kern gegen die Ar- beiterklasse und ihre Bestrebungen gerichtet ist. Diese Apparate sind parasitär; sie üben keine notwendigen Funk- tionen des Reproduktionsprozesses aus, sondern in erster Linie unmittelbaren Herrschafts- und potentielle Aggressionsfunktionen. Für diese Zwecke wird nicht nur ein zunehmender Teil der arbeits- fähigen Bevölkerung eingespannt, sondern auch ein wachsender Teil der Arbeiterklasse. Die Beschäftigten in den entsprechenden staatlichen und privaten Apparaten machten 1970 etwa 1,3 Mio. Personen oder knapp 5% der westdeutschen Erwerbsbevölkerung aus. Der extensive Ausbau dieser Apparate und die entsprechende Zu- nahme der Beschäftigung fällt vor allem in die 50er Jahre, setzt sich aber auch in den 60er Jahren fort. Berücksichtigt werden muß, daß die Beschäftigten in diesen Apparaten überwiegend Männer sind und aus diesem Grund der Anteil an allen männlichen Erwerbs- personen über 7% liegt. In den vorliegenden Angaben wird der unmittelbare staatliche Machtapparat nahezu vollständig - Apparate außerhalb des unmit- telbaren staatlichen Sektors nur teilweise - erfaßt. Berücksich- tigt sind nur jene Personen, für die die Tätigkeit in diesen Ap- paraten statistisch sichtbare Erwerbs- und Existenzgrundlage ist, nicht jedoch Reservistenverbände und dgl. Hierunter fallen im Staatsbereich die Beschäftigten der obersten Staatsorgane, der Justiz, der Zivilverwaltung der Bundeswehr, der inneren Verwal- tung, der Polizei, der Sicherheitsund Ordnungsbehörden, das Per- sonal des Bundesgrenzschutzes und der Bundeswehr. In diesen Zah- len sind auch die Wehrpflichtigen enthalten. Es liegt auf der Hand, daß ihre funktionelle Eingliederung in diese Apparate nur zeitweilig ist und ihre soziale Stellung auch nur für diese Peri- oden bestimmt. Für diese Gruppe besitzt die soziale Herkunft ein weit größeres Gewicht als für die Dauerbeschäftigten und Berufs- soldaten. Sie fallen also nur zeitweise funktionell aus ihrem "normalen" Klassenzusammenhang heraus. Daraus erwächst für die demokratischen Kräfte die Aufgabe, ihnen auch in dieser Periode die Probleme der antimonopolistischen Bewegung und der Arbeiter- klasse nahe zu bringen. Tabelle 8: Beschäftigte im unmittelbaren Macht- und Gewaltapparat des staatsmonopolistischen System der BRD und Westberlins Erwerbstätige/ Soziale Gruppen Beschäftigte Entwicklung 1970 zu 1950 1961 1970 1950 1961 (= 100) (= 100) 1 2 3 4 5 in Tsd (ohne Militär) 1. Beschäftigte i. staatl. Machtapparat (o. Militär- personal) 247 453 658 266 145 davon: - Gruppen i.d. ökonom. Lage der Arbeiterklasse 194 370 543 280 147 - Mittelschichten- gruppen 51 78 108 - - - bourgeoise Gruppen 2 5 7 - - in v.H. aller Erwerbstätigen (ohne Militär) 1.a Beschäftigte im staatl. Machtapp. (o. Militär- personal) 1,1 1,7 2,5 - - davon: - Gruppen i.d. ökon. Lage der Arbeiterklasse 0,8 1,4 2,0 - - - Mittelschichtengruppen 0,3 0,3 0,5 - - - bourgeoise Gruppen in Tsd (mit Militär) 2. Beschäftigte i. staatl. Machtapp, (mit Militärpersonal) 247 798 1.159 469 145 davon: - Gruppen i.d. ökon. Lage d. Arbeiterklasse 194 689 998 - 145 - Mittelschichten- gruppen 51 102 150 - - - bourgeoise Gruppen 2 7 11 - - in v.H. aller Erwerbstätigen (mit Militär) 2.a Beschäftigte i. staatl. Machtapp. (mit Militärpersonal) 1,1 3,0 4,3 - - davon: - Gruppen i.d. ökon. Lage d. Arbeiterklasse 0,8 2,6 3,7 - - - Mittelschichten- gruppen 0,3 0,4 0,6 - - - bourgeoise Gruppen in Tsd (mit Militär) 4. Personal i. Dienststellen d. ausl. Nato-Truppen - 159 94 - - 5. Werkschutz u.ä. 1) 52 75 80 - - 6. Beschäftigte i. staatl. Machtapp. u. 4. u. 5. 299 1.032 1.333 - 129 in v.H. aller Erwerbstätigen (mit Militär) 4.a Personal i. Dienststellen d. ausl. Nato-Truppen - 0,6 0,3 - - 5.a Werkschutz u.ä. 1) 0,3 0,3 0,3 - - 6.a Beschäftigte i. staatl. Machtapp. u. 4.a u. 5.a 1,3 3,9 4,9 - - _____ Quelle: Berechnung des IMSF; 1) 5%o der Beschäftigten im sozialökonomischen Sektor des Privat- kapitals. Bei den entsprechenden Apparaten außerhalb des Staatssektors sind die deutschen Beschäftigten bei den Dienststellen der ausländi- schen Nato-Truppen, die Beschäftigten des Werkschutzes, der Si- cherheitsorgane von Konzernen und kapitalistischen Verbänden, pa- ramilitärische Verbände wie das "Technische Hilfswerk", privat- wissenschaftliche "Sicherheits"firmen wie Wachorganisationen, De- tekteien, Spitzelorganisationen u.a. zu berücksichtigen. Zu Be- ginn der 50er Jahre waren die paramilitärischen Apparate der Be- satzungstruppen noch umfangreich. Sie sind in den Tabellenangaben jedoch nicht erfaßt. Die Macht- und Sicherheitsapparate sind keine sozial homogenen Organisationen; in ihnen schlägt sich die Klassenstruktur der Ge- samtgesellschaft nieder und findet unter spezifischen Bedingungen eine Reproduktionsbasis. Die überwiegende Mehrheit der Beschäf- tigten in diesen Institutionen übt kommandierte Tätigkeiten aus und rekrutiert sich aus der Arbeiterklasse; ihre Bezahlung orien- tiert sich am Preis der Arbeitskraft der aktiven Angehörigen der Arbeiterklasse. Deshalb sind sie grundsätzlich gewerkschaftlich organisierbar. Gleichzeitig unterliegen sie jedoch verschärften Loyalitätsbindungen. Funktion und Zielsetzung der unmittelbaren Macht- und Gewaltapparate durchdringen und bestimmen ihre kon- krete Tätigkeit. In der Ausübung ihrer Tätigkeiten werden sie - allerdings abgestuft nach den konkreten Funktionsbereichen - ge- gen die Arbeiterklasse gestellt. Sie sind deshalb als besondere Gruppe anzusehen, die funktionell aus der Arbeiterklasse heraus- fallen. Im Staatssektor umfassen diese Gruppen 1970 1 Mio. Per- sonen. Das waren bezogen auf den aktiven Teil der Arbeiterklasse 5,1% (1950 = 1,2%; 1961 = 3,7%) oder 3,7% aller westdeutschen und Westberliner Erwerbspersonen (1950 = 0,8%, 1961 = 2,6%). Der Aus- bau des unmittelbaren Macht- und Gewaltapparates wirkte also in gewisser Weise dem Wachstum der Arbeiterklasse in dieser Periode entgegen und schwächte es ab. Neben den Gruppen in der ökonomischen Lage der Arbeiterklasse re- produzieren sich auf den mittleren und oberen Rängen dieser Appa- rate Gruppen der Mittelschichten und Bourgeoisie, die innerhalb ihrer Klassen und Schichten eine besondere Stellung einnehmen, jedoch aus ihrem Klassenzusammenhang nicht herausfallen. Die ent- sprechenden Gruppen wurden deshalb von uns nicht besonders ausge- gliedert. Die Kapitalistenklasse ---------------------- Die Kapitalisten sind Repräsentanten und Nutznießer des Kapitals, das ein Aneignungsverhältnis ist. Den Kern der Kapitalistenklasse stellen die kapitalistischen Eigentümer, die fungierenden Eigen- tümerkapitalisten und die nicht mehr mit der eigentlichen Kapi- talanwendung befaßten Eigentümerkapitalisten. Gegenüber den selbständigen Mittelschichten grenzen sich die fun- gierenden Eigentümerkapitalisten durch das Heraustreten aus dem Arbeitsprozeß und die Realisierung von Profiten ab, die einen solchen Umfang erreicht haben, der nicht nur die persönliche Kon- sumtion der Kapitalistenfamilie auf dem Niveau ihrer Klasse, son- dern auch die erweiterte Reproduktion des Kapitals in der Regel sicherstellt. Die Ausbeutung ist die Existenzgrundlage der Kapi- talistenklasse. Wir hatten bereits darauf verwiesen, daß der Zusammenhang der Bourgeoisie als Klasse breiter ist als die Gruppe der fungieren- den Kapitalisten und als die Gruppe der kapitalistischen Eigentü- mer. In der nachfolgenden Tabelle und den entsprechenden Zahlen- angaben ist nur der aktive Teil der Kapitalistenklasse erfaßt, der in irgendeiner Form noch als "Erwerbsperson" in der Statistik auftaucht. Das trifft jedoch nur für die fungierenden Eigentümer- kapitalisten, die kapitalistischen Manager und die bourgeoisen Gruppen im Staatsapparat zu. Ein großer Teil der kapitalistischen Eigentümer ist schon auf der Ebene des mittleren Kapitals, mehr noch aber auf der Ebene des Groß- und Monopolkapitals aus dem "Geschäft" und damit auch aus der Erwerbsstatistik herausgetre- ten. Sie sind ausschließlich parasitäre Gruppen. Die traditionelle Differenzierung der Kapitalistenklasse ergibt sich aus der unterschiedlichen Funktion der Einzelkapitale und Kapitalgruppen im Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Ge- samtkapitals und dem unterschiedlichen Kapitalumfang, also dem Maß seiner Beteiligung an der produzierten Mehrwert- und Profit- masse. Schon mit der wachsenden Bedeutung von Gesellschaftskapi- tal, der beginnenden Monopolisierung - Tendenzen, die sich mit dem Übergang zum und der Entwicklung des imperialistischen Stadi- ums des Kapitalismus verstärken, verbreitern und vertiefen - ge- winnen die Trennung von Kapitaleigentum und Kapitalanwendung in- nerhalb der kapitalistischen Unternehmen und die Herausbildung entsprechender neuer sozialer Gruppen der Kapitalistenklasse an Bedeutung. Es entwickelt und vergrößert sich die Fraktion der ka- pitalistischen Manager. Diese Fraktion ist jedoch nicht nur eine der Bourgeoisie funktionell aggregierte Gruppe, sondern sie Ist auch soziologisch mit dem Kern der Bourgeoisie, den kapitalisti- schen Eigentümern, verschmolzen. Freilich trifft dies auch heute für ihre einzelnen Angehörigen in unterschiedlichem Maße zu und ein dauerhafter, sicherer Platz in der Bourgeoisie ergibt sich für sie erst mit der Beteiligung am Profit auf der Grundlage von Eigentumstiteln, also nicht mehr nur aus der Profitbeteiligung auf der Grundlage ihrer Tätigkeit als Funktionäre und Repräsen- tanten des Kapitals. Mit dem Übergang zum Imperialismus wird in der gesellschaftlichen Hierarchie des Kapitals die Trennung zwischen Monopolkapital und Finanzoligarchie auf der einen Seite und der nichtmonopolisti- schen Bourgeoisie auf der anderen Seite mehr und mehr zur ent- scheidenden Differenzierungslinie. Bei der heutigen Entwicklungs- stufe des Kapitalverhältnisses auf der Ebene des SMK gewinnt fer- ner die Fraktion der Repräsentanten des Ausbeutungs-prozesses auf staatlicher Ebene wachsende Bedeutung. Wie die Manager des indi- viduellen und des Gesellschaftskapitals sowie ihrer Verbände und Zusammenschlüsse, ist auch diese Fraktion der herrschenden Klasse funktionell und soziologisch aggregiert. Auch unter den heutigen Bedingungen kommt den kapitalistischen Eigentümern innerhalb der Bourgeoisie das qualitativ entscheidende Gewicht zu. Ihr Platz innerhalb der Bourgeoisie und ihre Beteiligung am Profit ist durch Eigentumstitel gesichert. Auf der Ebene des Groß- und Mono- polkapitals bleibt in ihren Händen die strategische finanzpoliti- sche Kontrollfunktion, die jetzt im Rahmen des SMK realisiert wird. Die wesentlichen Trends der quantitativen Entwicklung der ver- schiedenen Fraktionen und Gruppen des aktiven Teils der Bour- geoisie sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Der Anteil des "erwerbstätigen" Teils der Klasse an allen Er- werbspersonen der BRD und Westberlins ist zwischen 1950 und 1970 von 3,2% auf 2,1% zurückgegangen. Diese Abnahme ist aber nahezu ausschließlich auf den Rückgang der fungierenden Eigentümerkapi- talisten in der Landwirtschaft - überwiegend Großbauern - zurück- zuführen. Sie machten 1970 nur noch 16% des Standes von 1950 aus, was darauf zurückzuführen ist, daß sie in ihrer Masse zu einem Teil der werktätigen Bauernschaft geworden sind. Die Eigentümer- kapitalisten in der gewerblichen Wirtschaft nahmen zwischen 1950 und 1961 per Saldo um 48 000 (= 20%) zu, während das Wachstum in der folgenden Periode mit +7 000 (= +2%) nahezu stagnierte. Dies wurde dadurch verursacht, daß in der letzten Phase des Untersu- chungszeitraumes auch die Klein- und Mittelbourgeoisie zunehmend in den Sog der Konzentration und Zentralisation des Kapitals ge- riet. Das deckt sich mit den bereits dargestellten Tendenzen in der Verteilung der Beschäftigung nach sozial-ökonomischen Sekto- ren. Am deutlichsten haben die der Kapitalistenklasse aggregier- ten Gruppen mit dem sozial-statistischen Status von "Angestellten" und "Beamten" zugenommen: - Die kapitalistischen Manager und die ihnen eng verbundenen Gruppen wuchsen im Untersuchungszeitraum mit nahezu 50 000 Perso- nen um fast ein Drittel ihres Ausgangsbestandes von 1950; - die bourgeoisen Gruppen im Staatsapparat nahmen um 12 000 oder 54% zu. Innerhalb der fungierenden Eigentümerkapitalisten, die 1950 und 1961 zu etwa 95% und 1970 zu etwa 93% kleine Kapitalisten sind, kommt es infolge des Absinkens der kapitalistischen Elemente der Bauernschaft zum einen zu einer deutlichen Verlagerung des quan- titativen Schwerpunkts in die gewerbliche Wirtschaft, zum anderen aber auch innerhalb der gewerblichen Wirtschaft zu einer Ver- schiebung zugunsten der fungierenden (kleinen) Kapitalisten in der Zirkulations- und Dienstleistungssphäre. Letztere stellten 1950 erst 31% aller fungierenden Eigentümerkapitalisten im Be- reich der gewerblichen Wirtschaft, 1961 jedoch schon 37% und 1970 39%. Auf der untersten Stufe der H i e r a r c h i e d e r B o u r- g e o i s i e fungieren die K l e i n k a p i t a l i s t e n, die je nach dem Urnfang des angewandten Kapitals und der ausgebeuteten Lohnarbeit eine Reihe von sozialen Merkmalen mit den selbständigen Mittelschichten gemeinsam haben. Diese Gruppe umfaßte 1950 noch fast 3/4 der gesamten Kapitalistenklasse und ist bis 1970 auf einen Anteil von gut 55% zurückgefallen. Dies ist aber allein auf das Absinken der Großbauern in den Bereich der werktätigen Bauernschaft, der selbständigen agrarischen Mittelschichten zurückzuführen. Tabelle 9: Die Bourgeoisie (Kapitalisten und eng verbundene Gruppen) der BRD und Westberlins Erwerbstätige/ Entwick- Erwerbspersonen/ Soziale Gruppen Beschäftigte lung 1970 Beschäftigte zu in v.H. 1950 1961 1970 1950 1950 1961 1970 (= 100) (= 100) 1 2 3 4 5 6 7 a. Hauptfraktionen 1. Fungierende Eigentümerkapitalisten i.d. Landwirt. 349 199 54 15,5 46,1 28,5 9,3 2. Fungierende Eigentümerkapitalisten i.d. gewerbl. Wirt. 236 284 291 123,3 31,1 40,7 50,3 3. 1. u. 2. Fungierende Eigentümerkapitalisten insgesamt 585 483 345 59,0 77,2 69,2 59,6 4. Kapitalistische Manager u. eng verbundene Gruppen 151 187 200 132,5 19,9 26,8 34,5 5. Bourgeoise Gruppen im Staatsapparat (einschl. Militär) 22 28 34 154,5 2,9 4,0 5,9 6. 3.-5. Kapitalisten u. eng verbundene Gruppen insgesamt 758 698 579 76,4 100 100 100 7. Z. 6 in v.H. der Erwerbsbevölkerung (mit Militär) (3,2%) (2,6%) (2,1%) b. Bereichsstruktur der fungierenden Eigentümerkapitalisten 8. Landwirtschaft 349 199 54 15,5 59,6 41,2 15,7 9. Sphäre d. materiellen Produktion d. gewerbl. Wirt. 163 178 178 109,2 27,9 36,9 51,6 10. Andere gewerbliche Bereiche 73 106 113 154,8 12,5 21,9 32,7 11. insgesamt 585 483 345 59,0 100 100 100 c. Hierarchie der Bourgeoisie 12. Groß- und Monopolbour- geoisie 18 22 25 138,9 2,4 3,1 4,3 davon: - Fungierende Eigentümerkapita- listen 1 1 1 100,0 0,1 0,1 0,2 - Manager des Groß-u. Monopol- kapitals 15 18 20 133,3 2,0 2,6 3,4 - Oberste Spitzengruppe des Staats- apparates 2 3 4 200,0 0,3 0,4 0,7 13. Mittlere Bourgeoisie 180 217 234 130,0 23,7 31,1 40,4 davon: - Fungierende Eigentümerkapita- listen 24 23 24 100,0 3,2 3,3 4,1 - Managergruppen u. eng verbundene Grup- pen a) 136 169 180 132,4 17,9 24,2 31,1 - Bourgeoise Gruppen im Staatsappa- rat a) 20 25 30 150,0 2,6 3,6 5,2 14. Kleine Kapitalisten 560 459 320 57,1 73,9 65,8 55,3 davon: - in der Land- wirt. b) 342 196 51 14,9 45,1 28,1 8,8 - in der gewerbl. Wirt. 218 263 269 123,4 28,8 37,7 46,5 15.12.-14. Ins- gesamt 758 698 579 76,4 100 100 100 _____ Quelle: Berechnung des IMSF; a) Diese Gruppen sind nicht nur der mittleren Bourgeoisie zuzu- ordnen, sondern sie fallen zum großen Teil in die Untergruppen der Bourgeoisie; b) Großbauern. In der Landwirtschaft hat sich im Zusammenhang mit den veränder- ten Produktionsbedingungen und der wachsenden Einbeziehung der Bauernschaft in den staatsmonopolistischen Ausbeutungszusammen- hang eine spezifische Variante der Polarisierung durchgesetzt. Sie fand anders als etwa im Verarbeitenden Gewerbe oder anderen Bereichen der gewerblichen Wirtschaft nur zum kleinen Teil inner- halb des agrarischen Sektors selbst statt. Sie vollzieht sich vielmehr gegenüber den vor- und nachgelagerten Bereichen und mit progressiv wachsender Verschuldung gegenüber dem Finanzkapital. Beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung in der Landwirtschaft gruppieren sich auf dem einen Pol die Masse der Bauern, auf dem anderen die Großbanken, die vor- und nachgeschalteten Industrie- stufen sowie die großen Handelskonzerne. Die in der zweiten Hälfte des Untersuchungszeitraums deutlich ab- geschwächte Zunahme der fungierenden Eigentümerkapitalisten im Bereich der kleinen Kapitalisten zeigt an, daß die Voraussetzun- gen für ihre Expansion in den 60er Jahren zunehmend eingeschränkt werden: Die von ihnen ausgefüllten Nischen im Bereich der Produk- tion, Warenzirkulation und Dienstleistungen werden funktionell entweder als Unternehmensabteilung in die großen Konzerne einge- gliedert oder sie sind zu Anlagesphären des großen Kapitals ge- worden. In der Regel sind damit grundlegende Veränderungen der Produktions- und Zirkulationsweisen in solchen Bereichen verbun- den, die die kleinen Kapitale nur ausnahmsweise mit vollziehen können. Sie werden in mittelbare Abhängigkeit versetzt, aufgeso- gen oder vernichtet. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, daß sich sowohl der Pro- zeß des Abstiegs der Großbauern in die werktätige Bauernschaft als auch der Prozeß der zunehmenden Verdrängung der kleinen Kapi- tale in Zukunft weiter fortsetzen wird. Damit entstehen objektiv günstigere Bedingungen für punktuelle Bündnisse der Arbeiter- klasse mit diesem Teil der nichtmonopolistischen Bourgeoisie. Ob allerdings diese besseren Bedingungen zur Neutralisierung von Teilen der kleinen Kapitalisten genutzt werden können oder ob sie zu aktiven Propagandisten reaktionärer und faschistischer Gesell- schaftspolitik und Bewegungen werden, hängt in erster Linie von der Stärke und Kampfkraft der Arbeiterklasse ab. Anders als die kleinen Kapitalisten hat die Bedeutung der M i t- t e l b o u r g e o i s i e im Untersuchungszeitraum zugenommen. Innerhalb dieser Schicht der Bourgeoisie spielen die fungierenden Eigentümerkapitalisten zahlenmäßig nur eine relativ geringe Rolle, obwohl ihr Anteil an der gesamten Kapitalistenklasse von 1950 = 3,2% auf 1970 = 4,1% gestiegen ist. Im Unterschied zum Kleinkapitalisten nimmt der Eigentümer in diesem Bereich in der Regel lediglich noch die Kapitalfunktion wahr. Die Verwertungsbedingungen der eingesetzten Kapitale differieren nach Kapitalgröße und Branche. Insgesamt läßt sich aber sagen, daß die Kapitale dieses Bereichs zunehmend ein Objekt der Zentra- lisation durch das Groß- und Monopolkapital geworden sind. Die in diesem Bereich fungierenden Kapitale sind häufig nicht große ge- nug, um entscheidende Sprünge der technisch-ökonomischen Entwick- lung, die für die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit notwendig sind, zu vollziehen. Im Sektor der mittleren Bourgeoisie ist die Masse der Kapitalma- nager und der diesen eng verbundenen Gruppen sowie der bourgeoi- sen Gruppen im Staatsapparat konzentriert. Die Managergruppen auf dieser Ebene haben zwischen 1950 und 1970 um 32% zugenommen und machten 1970 fast 1/3 der gesamten aktiven Bourgeoisie aus. In der Regel repräsentieren sie im Bereich des mittleren Kapitals die Spitzenfunktionen der Kapitalanwendung oder sie sind unter- halb der Top-Ebene des Managements in den großen Konzernen bis zum Rande des "middle management" angesiedelt. Zu Teilen dürfte es sich am unteren Rande um eine Übergangsgruppe zu den lohnab- hängigen Mittelschichten und zur lohnabhängigen Intelligenz han- deln. Diese Gruppe auf der Ebene der mittleren Bourgeoisie sind in ihrer Klassenzugehörigkeit jedoch durch die kommandierende Wahrnehmung von Kapitalfunktionen definiert. Ihre deutliche Zunahme im hier untersuchten Zeitraum ist Ausdruck der wachsenden Vergesellschaftung der Produktion und Reproduk- tion, unter den heutigen Bedingungen damit gleichzeitig Ausdruck der Konzentration und Zentralisation des Kapitals und der fort- schreitenden Monopolisierungsprozesse. Im Zuge dieser Entwicklung konzentrieren sich hier auch die Funktionen der Kapitalverwer- tung, die vorher im Bereich des kleinen Kapitals von Eigentümer- kapitalisten oder lohnabhängigen Mittelschichten ausgeübt worden waren. Ebenso wie das personelle Wachstum des Staatsapparats Ausdruck der Vergesellschaftung des Reproduktionsprozesses und der zuneh- menden gesellschaftlichen Widersprüche ist, spiegelt sich u.a. auch in der Zunahme seiner bourgeoisen Gruppen - von 22 000 im Jahre 1950 auf 34 000 im Jahre 1970 - die spezifische staatsmono- polistische Qualität dieses Prozesses. Der Zuwachs dieser Gruppen ist zugleich Indiz der zunehmenden Vereinigung der Macht Her Mo- nopole mit der des Staates. Groß- und Monopolbourgeoisie ---------------------------- Die Verschmelzungstendenz erscheint auf der obersten Ebene der Bourgeoisie als personolle Austauschbarkeit zwischen Spitzenmana- gern des Monopolkapitals und der Spitzengruppe des Staatsbe- reichs. Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz an der Sozialstruktur des militärisch-industriellen Komplexes sichtbar. Dieses Geflecht von Generalität, Spitzenbürokraten und bürgerlichen Spitzenpoliti- kern. Managern und Eigentümern der mit der Rüstungsproduktion verbundenen oder daran interessierten Konzerne und Finanzgruppen ist nicht nur ein spezifischer Ausdruck des SMK, sondern hier konzentrieren sich die dieser Phase eigenen reaktionären Grund- züge in potenzierter Form. Nach einer Untersuchung von Max Kruk, der 381 der größten Unter- nehmen der BRD und Westberlins im Hinblick auf ihre Führungskader untersucht hat, stammte von den Vorstandsmitgliedern, die von au- ßerhalb des Unternehmens in diese Position wechselten (209 von 1331), die Mehrzahl aus dem Staatsapparat. 12) Der Anteil von ehemaligen Beamten war naturgemäß in den öffentlich-rechtlichen Unternehmen am höchsten; hier waren früher 31% (!) aller Vor- standsmitglieder im öffentlichen Dienst als Beamte tätig. Im Be- reich der übrigen Unternehmensformen, waren es 67 von 1 186 Vor- standsmitgliedern, also fast 6%. 13) Diese ehemaligen Beamten hatten nach Kruks Ermittlungen "bisher schon Kontakte zu dieser Firma und ihren leitenden Männern und kennen die Verhältnisse". 14) Dieser Umstand kann nur voll gewürdigt werden, wenn man be- rücksichtigt, daß es sich bei den 381 Unternehmen um die größten Monopole der BRD handelt und daß die adäquate Herkunftsgruppe - nämlich die Beamten im Bereich der Groß- und Monopolbourgeoisie - auch 1970 maximal 4 000 Personen ausmachte. Die personelle Ver- quickung von Monopolen und Staat ist also auch in dieser Hinsicht außerordentlich groß. Nach den Ergebnissen der sozialstatistischen Analyse umfaßt die Schicht der Groß- und Monopolbourgeoisie 1970 etwa 25 000 Perso- nen. das waren 4,3% der gesamten Kapitalistenklasse und 0,09% al- ler hier erfaßten Erwerbspersonen. Der Umfang dieser sozialen Spitzengruppe des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems, die zwischen 1950 und 1970 um 7 000 Personen angewachsen ist, deckt sich für 1970 in etwa mit den von Kruk in einer weiteren Untersu- chung ermittelten Zahlen von 31 427 Personen. 15) Auch mit einer vom "Spiegel" in Auftrag gegebenen Befragung - "Das top- und middle-management" - decken sich die Größenordnungen ungefähr: Hier werden 32 000 Personen ermittelt, die ein monatliches Netto- Einkommen von 8 000,- DM und mehr haben. 16) In der in Tabelle 9 aufgeführten Spitzengruppen des staatsmonopo- listischen Systems sind die Repräsentanten des Kapitaleigentums - soweit sie überhaupt noch eine aktive Rolle im Prozeß der staats- monopolistischen Herrschaftsausübung erfüllen - nicht erfaßt. Diese Großaktionäre und Mitglieder "der großen Familien" dürften zwischen 5%-10% der gesamten Gruppe ausmachen, so daß sich die Annäherung an die auf dem Wege von Befragungen ermittelten Werte noch erhöht. Der hier erfaßte Personenkreis besteht in der Hauptsache aus Ma- nagern des Groß- und Monopolkapitals, in geringerem Maße aus der Spitzengruppe des Staatsapparates und einer sehr geringen Anzahl von fungierenden Eigentümerkapitalisten. In diesem Bereich fun- giert überwiegend Gesellschaftskapital, so daß Kapitaleigentum und Kapitalanwendung in nahezu allen Fällen auseinanderfallen. Innerhalb dieser Gruppe der Groß- und Monopolbourgeoisie der BRD und Westberlins sind heute vor allem auch jene Gruppe zu berück- sichtigen, die das Auslandskapital und die internationalen Kon- zerne ausländischer Herkunft repräsentieren und einen zunehmenden Einfluß ausüben. Hier kommt die internationale Verflechtung des Kapitals auf der heutigen Ebene personell zum Ausdruck. Gleiches gilt auch für die Spitzenbürokraten internationaler kapitalisti- scher Gremien und der Behörden der kapitalistischen Integrations- gebilde. Die in Tabelle 9 erfaßte Gruppe der Groß- und Monopolbourgeoisie bildet das unmittelbare Reservoir, aus dem sich die Spitzengruppe der Monopolbourgeoisie - hier sind natürlich vor allem auch die in unseren Angaben nicht erfaßten monopolistischen Eigentümer, die nicht mehr im Erwerbsleben fungieren, zu berücksichtigen - und die staatsmonopolistische Oligarchie rekrutiert, die in die- sem System die strategischen Entscheidungen trifft. Der eigentli- che Machtkern ist also zahlenmäßig wesentlich kleiner als die von uns erfaßte Gruppe. Selbst die 2 053 Unternehmer der Kruk'schen Befragung, "die als Vorstände, Aufsichtsräte, Inhaber oder Mitinhaber an der Spitze der 381 größten Unternehmen der BRD standen" 17), dürften für den Monopolbereich der Wirtschaft noch zu weit gefaßt sein. Gleich- wohl - zusammen mit den durch die sozialstatistische Analyse er- mittelten Spitzen des Staatsapparates - ergeben sich ganze 6 000 Personen. Das sind weniger als ein Zehntausendstel Prozent der Bevölkerung der BRD und Westberlins, die die zahlenmäßig noch ge- ringere "staatsmonopolistische Oligarchie" einrahmen. Folgt man der Erhebung von Kruk, die allerdings durch die Einbeziehung der Beamten modifiziert würde, dann handelt es sich hierbei um eine Gruppe, die sich nach ihrer Herkunft schwerpunktmäßig aus den verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie und den Mittelschichten und nur in die Regel bestätigenden Ausnahmefällen aus der Arbei- terklasse rekrutiert. 18) Diese "staatsmonopolistische Oligarchie", die über Kapitalver- flechtungen und die Verbände des Monopolstaates weit über den na- tionalen Rahmen hinausgreift, ist institutioneller und personel- ler Ausdruck der Vereinigung der Macht der Monopole mit der des Staates, des erreichten Grades der Monopolisierung und staatsmo- nopolistischen Durchdringung des kapitalistischen Reproduktions- prozesses. Es ist dieser Machtkern, gegen den die antimonopolistische Poli- tik unmittelbar gerichtet ist. Aber es darf nicht übersehen wer- den, daß die herrschende Schicht der Groß- und Monopolbour- geoisie, die der soziale Nutznießer des staatsmonopolistischen Ausbeutungssystems ist, wesentlich breiter ist, daß sich auch un- ter den heutigen Bedingungen die Massen der Bourgeoisie und der ihr aggregierten Gruppen an dieser Schicht orientieren und in ihr die Stütze des Systems der Ausbeutung sehen. Dabei kann jedoch nicht außer acht gelassen werden, daß sich mit dem Übergang zum monopolistischen Stadium des Kapitalismus innerhalb der Kapitali- stenklasse die Differenzierung zwischen monopolistischer und nichtmonopolistischer Bourgeoisie auf der Grundlage objektiver Interessengegensätze entwickelt und mit dem Übergang zum staats- monopolistischen Kapitalismus noch verstärkt hat. Wird diese Tatsache berücksichtigt, dann schließt die gegen die Monopolbourgeoisie gerichtete antimonopolistische Politik den Kampf um ihre gesellschaftspolitische Isolierung und um die Neu- tralität und das punktuelle Bündnis mit Teilen der nichtmonopoli- stischen Bourgeoisie ein. Friedrich Engels hatte im Vorwort zur 3. deutschen Ausgabe des "Manifest der Kommunistischen Partei" als Grundgedanken dieser Geburtsurkunde des wissenschaftlichen Sozialismus und der auf ih- rer Grundlage organisierten modernen Arbeiterbewegung bezeichnet, "daß die ökonomische Produktion und die aus ihr mit Notwendigkeit folgende gesellschaftliche Gliederung einer jeden Geschichtsepo- che die Grundlage bildet für die politische und intellektuelle Geschichte dieser Epoche" 19), daß demgemäß seit der Auflösung des Gemeinschaftsbesitzes an Grund und Boden die Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen ist, sich die Geschichte der ganzen bisherigen Gesellschaft "in Klassengegensätzen" bewegt 20), daß aber erst mit dem Kapitalismus die Klassengegensätze und der Klassenkampf eine Stufe erreicht haben, wo sich die-ausgebeu- tete Klasse nur dadurch selbst befreien kann, daß sie die ganze Gesellschaft von Ausbeutung, Unterdrückung und Klassenkämpfen be- freit. Dies bestimmt seither den Inhalt des weltgeschichtlichen Prozes- ses und charakterisiert im Weltmaßstab insbesondere unsere Epoche als Übergangsepoche vom Kapitalismus zum Sozialismus. _____ *) Der folgende Auszug aus BEITRÄGE DES IMSF NR. 3 "Klassen- und Sozialstruktur 1950-1970", Theorie. Diskussion. Sozialstatisti- sche Analyse. Teil II: Sozialstatistische Analyse, Institutsaus- gabe des IMSF, Frankfurt/M., Dezember 1973, kommt hier mit freundlicher Genehmigung der Herausgaber zum Vorabdruck. Die Buchausgabe in zwei Halbbänden zu je DM 15,50 erscheint im 1. Quartal 1974 im Verlag Marxistische Blätter GmbH, Frankfurt/M. 1) Zur Illustration sei auf die rasche Dezimierung der Arbeiter- klasse in der Landwirtschaft zwischen 1950 und 1957 verwiesen, die nicht nur eine Konsequenz der Steigerung der Arbeitsprodukti- vität in dieser Periode, sondern zugleich Abbau eines im Ver- gleich zur Vorkriegszeit deutlichen Überbesatzes mit Lohnarbeits- kräften war. Solche Verzerrungen lassen sich auch für die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, für den Bereich des öffentli- chen Dienstes und andere Teile des gesellschaftlichen Produkti- onsapparates aufweisen. 2) Wir verweisen hier auf einige im Rahmen der Arbeit des IMSF entstandene Veröffentlichungen: L. Peter: KLASSENKÄMPFE IN FRANKREICH HEUTE, Ffm 1972; H. Koppel: KLASSENKÄMPFE IN ITALIEN HEUTE, Ffm 1973; K. Pickshaus, D. Raulf: KLASSENKÄMPFEN IN GROSSBRITANNIEN HEUTE, Ffm 19/3; ARBEITSMATERIALIEN DES IMSF 2, "Internationale Konzerne und Arbeiterklasse", Ffm 19/2; ARBEITS- MATERIALIEN DES IMSF 3, "Probleme des Klassenkampfes und des Kampfes um gewerkschaftliche Einheit in Italien", Ffm 19/2; AR- BEITSMATERIALIEN DES IMSF 5, "Probleme des Kampfes um eine anti- monopolistische Demokratie in Frankreich", Ffm 19/3; ferner auf: D. Albers, W. Goldschmidt, P. Oehlke: KLASSENKÄMPFE IN WESTEU- ROPA, Hamburg 1971. 3) Karl Marx: Nachwort zur 2. Auflage von DAS KAPITAL (18/3), MEW, Bd. 23, S. 22. 4) Vgl. H. Jung: "Zu den klassentheoretischen Grundlagen einer sozialistischen Analyse der Klassen- und Sozialstruktur der BRD", in: KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD 1950-1970, Teil I, Frank- furt 1972, Absch. 5.1.2. 5) Stat. BA, FS C. AZ vom 27.5.1970, H. 6; FS C, AZ vom 6.6.1961, H. 4. 6) Diese Gruppe machte 1969/70 etwa 150.000 Personen oder 15% al- ler erwerbstätigen Hochschulabsolventen aus. Diese 15% verteilen sich mit 1,5% auf kapitalistische Unternehmer im Bereich der freien Berufe, mit 3,5% auf die Spitzengruppe im Staatsbereich und mit 10% auf fungierende Eigentümerkapitalisten und kapitali- stische Manager. 7) Diese Tendenz kommt in Tabelle 5 nicht zum Ausdruck, da wir dort wegen fehlender Gesamtangaben für 1961 die Aufgliederungsre- lationen von 1969 auf 1961 umgelegt haben. Tatsächlich betrug die Anzahl der Selbständigen mit Hochschulabschluß im Bereich der freien Berufe 1961 und 1969 etwa 130.000 - darunter etwa 10.000 mit kapitalistischen Einkommen. Bezogen auf alle erwerbstätigen Hochschulabsolventen machten die Absolventen in den freien Beru- fen also tatsächlich 1961 = 18,1% und 1969 = 14,3% aus. 8) Vgl. hierzu M. Boni, F. Deppe, M. Maase, G. Wilbert: "Kaderschule für das Kapital". Theorie und Praxis der Harzburger Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft, INFORMATIONSBERICHTE DES IMSF, Bd. 10, Frankfurt/Main 1971. 9) Für die Landwirtschaft Zuerwerbslandwirte. 10) H. Priebe: "Der bäuerliche Betrieb", in: AGRARPOLITIK IN DER SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT. Wortlaut der Vorträge und Diskussionen auf der fünften Arbeitstagung der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft am 13. März 1956 in Bad Godesberg, Ludwigsburg 1956, S. 35. 11) Die Zahl der fungierenden Eigentümerkapitalisten ist in die- ser Wirtschaftsabteilung zwischen 1950 und 1970 von 4000 auf 10 000 angestiegen. 12) Max Kruk: DIE GROSSEN UNTERNEHMER, Woher sie kommen, wer sie sind, wie sie aufstiegen, Frankfurt 1972, S. 158. 13) Ebenda, Tabelle 39 im Anhang. 14) Ebenda, S. 158. 15) M. Kruk, Die oberen 30 000. Industrielle, Bankiers, Adlige, Wiesbaden 1967. 16) Spiegel-Verlag, (Hg.): DAS TOP- UND MIDDLE-MANAGEMENT. Eine Untersuchung über das Informationsverhalten, über Position und Funktion im Unternehmen und über das private Konsumverhalten der Manager, Hamburg, o.J. (1972), Tabelle 88. 17) M. Kruk: DIE GROSSEN UNTERNEHMER, S. 10. 18) Kruk faßt in seiner Untersuchung "Arbeitersöhne und Männer, die aus bedrückten sozialen Verhältnissen stammen", zusammen, was seine Zahlenangaben nahezu wertlos macht. Ohnehin macht auch diese Gruppe nur 5,8% der Befragten aus. Außerdem läßt er unbe- rücksichtigt, daß sich in seinem Sample 39 Mitbestimmungsgesell- schaften (39 Arbeitsdirektoren!) und die drei großen Gewerk- schaftsunternehmen GEG, Volkswohl, Bank für Gemeinwirtschaft und eine Reihe von kommunalen Versorgungsunternehmen befinden. Zwar kann die monopolistische Qualität dieser Unternehmen angenommen werden. Mit einiger Sicherheit herrschten hier aber zumindest an- dersartige Karrieremuster als in der übrigen gewerblichen Wirt- schaft. 19) Friedrich Engels: Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1883, MEW, Bd. 4, S. 577. 20) Karl Marx, Friedrich Engels: "Manifest der Kommunistischen Partei", MEW, Bd. 4, S. 480. zurück