Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973


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       Jürgen Ostrowsky/Karl Unger
       

ZUR THEORIE DES NEOKOLONIALISMUS UND ZUR SPEZIFIK DES SÜDLICHEN AFRIKA

"Die Germanen (sind) die Mystiker des souveränen Privateigen- tums." 1) Der folgende Beitrag wurde unmittelbar und in seiner konkreten Themenstellung durch die Arbeit von R. Tetzlaff 2) hervorgerufen. Dieser Aufsatz lohnte keine Erwiderung, wäre er in irgendeiner der fortschrittlichen Zeitschriften der BRD abgedruckt. In einer Zeitschrift aber, die "auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus jene theoretischen Probleme anzugehen" gewillt ist, "die sich aus der Frontstellung gegen das Kapital ergeben", und die durch diese theoretische Arbeit, "einen Beitrag zur Stärkung der Arbeiterbewegung leisten" 3) will, bekommt Tetzlaffs Arbeit einen spezifischen Stellenwert. Formal und für jedermann ersicht- lich stellt sie sich in den Diskussionszusammenhang marxistischer Wissenschaft und erhebt zumindest implizit den Anspruch, auch Produkt marxistischer Wissenschaft zu sein. Aber das wäre noch nicht weiter erwähnenswert. Unter den gegenwärtigen Bedingungen des Klassenkampfes jedoch wird Tetzlaffs Arbeit zum Paradigma. Oder, um uns der Sprache des fortschrittlichen "Imperialismus- forschers" zu bedienen: sie ordnet sich in das berühmte Suhrkamp- Rowohlt-aktuell-Syndrom ein 4). Eine Hauptlinie des ideologischen Klassenkampfes liegt an der Leninschen Imperialismustheorie und ihrer Weiterentwicklung in den sozialistischen Staaten. Besonderes Gewicht erlangt hierbei die "linke" Kritik, die vor allem durch ihre häufigen Hinweise auf Komplexität, Differenziertheit, Multikausalität etc. inzwi- schen viel Liebe erlangt. Ihre Quantität steht aber in keinem Verhältnis zur Qualität. Die vielfältigen ideologischen Angriffe auf die Imperialismus- theorie geschehen auch zu recht. Denn sie ist die allgemeinste Grundlage marxistischer Gesellschaftsanalyse und der daraus re- sultierenden taktischen und strategischen Entwürfe für den Kampf der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten. An drei Problembereichen soll nachgewiesen werden, daß Tetzlaffs Arbeit objektiv dazu angetan ist, Verwirrung nicht nur bezüglich der Imperialismustheorie zu stiften. Diesen ist der erste Teil gewidmet. Im zweiten Abschnitt werden die Beziehungen zwischen der BRD und der Republik Südafrika (RSA) untersucht, zumal gerade dieser Themenbereich von Tetzlaff am kürzesten behandelt wird. Die Kritik der politischen Einschätzungen und Schlußfolgerungen bildet den Inhalt des dritten Teils. Die Darstellung ist natür- lich durch den Gegenstand bedingt. Da der Gegenstand aber unter dem bereits erreichten Niveau der Diskussion um die Theorie des Neokolonialismus liegt, kann es hier nicht unsere Aufgabe sein, die bereits erzielten Resultate kritisch zu würdigen. I Zur Theorie des Neokolonialismus ---------------------------------- a) Einleitende Bemerkungen über das Wesen der Klassik ----------------------------------------------------- und ihre Vergänglichkeit ------------------------ "Und er, der es begriff, begriff es auch nicht." 5) Es mehren sich die Zeichen, so schreibt unser Augur, daß immer mehr auch nicht marxistische Wissenschaftler den "klassischen Im- perialismus als notwendiges Produkt des industriellen Kapitalis- mus... begreifen." /24/ Daraus folgert zweierlei: 1. Die Zeiten des "klassischen Imperialismus" sind vorbei, sonst wäre er schwerlich "klassisch". 2. Er war ein notwendiges Produkt des Ka- pitalismus. Da es aber, wie Tetzlaff schreibt, heute noch immer Imperialismus gibt, muß die Unterscheidung zwischen den beiden Formen des Imperialismus genau hier liegen. Ansonsten wäre nicht einzusehen, warum Tetzlaff die Beifügung verwendet. Nebenbei sei noch darauf hingewiesen, daß der "klassische Impe- rialismus" nur Produkt des industriellen Kapitalismus ist. Der agrarische, der moralische, der grüngestreifte und alle anderen vielfältigen und komplexen Formen des Kapitalismus bringen also keinen "klassischen Imperialismus" hervor. Diese Feststellung ist in der Tat sehr wichtig, da sie das Untersuchungsgebiet wesent- lich einengt. Was aber ist nun der "klassische Imperialismus"? Dies erfahren wir leider nicht, da sich der Autor begnügt ihn zu begreifen. Dieses notwendige Produkt des Kapitalismus wird begriffen, als Disproportionalität seiner Wirtschaftsexpansion, als konjunktur- politisches Regulativ, als nationale Abwehrstrategie, als auf Herrschaftsstabilisierung zielende Ablenkung von dringenden Sozi- alreformen, als überwiegend innen- und sozialpolitisch determi- nierte Defensivwaffe gegen eine sich emanzipierende Arbeiter- klasse oder auch als (illusionäres) Allheilmittel gegen sozial- ökonomische Krisen /24/. Bedenkt man, daß Tetzlaff die Periode des klassischen Imperialis- mus auf 1880-1914 datiert, dann läßt sich erahnen, was für Tetzlaff der "klassische Imperialismus" ist: er ist identisch mit der imperialistischen Kolonialpolitik. 1914 war nämlich die Aufteilung der Welt durch die imperialisti- schen Kolonialmächte abgeschlossen. Der Kampf um die Neuauftei- lung der Welt, vor allem von der Bourgeoisie des Deutschen Rei- ches initiiert, mußte sich zwangsläufig in anderen Formen voll- ziehen. Dieser Unterschied in den Formen bestimmt somit das Peri- odisierungsschema Tetzlaffs. Die Reduzierung des Imperialismusbe- griffes auf Außenwirtschafts- und -politische Beziehungen muß den Autor notgedrungen vor ein zentrales Problem stellen: Der Impe- rialismus muß logischerweise mit der Dekolonisation enden. (Und in der Tat wird heute von z.B. dringenden Sozialreformen nicht durch den Erwerb von Kolonien und die sie umgebende Kolonialpro- paganda abgelenkt.) Wie entgeht nun Tetzlaff, der ja über heutige Imperialismusstra- tegien schreibt, dieser Schwierigkeit? Durch die Übernahme des Wehlerschen Begriffspaares von formellen und informellen Imperia- lismus /24/ kann er die zerbrochene Kontinuität wieder kitten. Doch auch dabei ist der Imperialismus auf die Außenbeziehungen reduziert, da unter informellen Imperialismus die "indirekte, in- formelle Herrschaft entwickelter Industriestaaten über die weni- ger entwickelten Regionen der Erde" /24/ verstanden wird. Explizit öffnet sich ihm der "Zugang zur Kontinuität imperiali- stischer Politik" aus der "Überbau-Basis-Divergenz, de(m) Wider- spruch also zwischen nationalistischer Kolonialpropaganda und of- fizieller Kolonialpolitik ('formeller Imperialismus') einerseits und tatsächlicher Mehrwertrealisierung in nicht direkt politisch okkupierten Ländern andererseits ('informeller Imperialismus')" /24/. Was mag sich R. Tetzlaff vorgestellt haben, als er diesen Satz geschrieben hat? Versuchen wir diesen Widerspruch, der uns die Kontinuität gibt, zu verstehen. Wenn der Widerspruch zwischen of- fizieller Kolonialpolitik und Mehrwertrealisierung in nicht di- rekt okkupierten Gebieten besteht, dann kann das doch nur meinen, daß in den Kolonien selbst kein Mehrwert realisiert wird. Dies möchte die offizielle Kolonialpropaganda gerne beweisen, um so den Klassencharakter der Kolonialpolitik zu verschleiern. Doch daß die Kolonien ebenso ein Ort der Ausbeutung waren, weiß Tetzlaff ohne Zweifel. Meint er vielleicht jene Kolonialpropa- ganda, die auf Hilfe, Bündnis, Entwicklung etc. abstellt und wo hinter diesem Schutzschild die Ausbeutung fröhlich weiter geht? Aber auch das kann unser Autor nicht meinen. Propaganda ist doch generell im Dienste ökonomischer und politischer Interessen funk- tionalisiert. Daß sie für manchen fortschrittlichen Moralisten zum Widerspruch wird, macht sie noch lange nicht zu einem für die Gesellschaftsanalyse relevanten Antagonismus. Der Abschnitt 'Zum Problem von Kontinuität und Wandel des Impe- rialismus', so können wir zusammenfassend feststellen, hat seine zentrale Schwäche in einer auf Erscheinungen fixierten Imperia- lismustheorie. Die Kontinuität ergibt sich aus der weiterbeste- henden Ausbeutung und der Wandel aus veränderten Formen. So gese- hen aber, könnte man bereits von einem Imperialismus des Römi- schen Reiches sprechen, da auch hier die Provinzen in Europa, Afrika und Asien ausgebeutet wurden, und die für die betroffenen Völker in "bedrohlichem Maße 'Krise' zum Merkmal - und zwar als konstituierendes (nicht akzidentelles) - hat(te)" /24 f./. Dabei ist die Aufzählung verschiedener Erscheinungsformen durch- aus nicht unrichtig. Ebenso sind die Hinweise auf Komplexitäten, Multikausalitäten in gewissem Sinne berechtigt. Sie sind es aber nur, wenn man selbst eine Imperialismustheorie zu bieten hat, was für Tetzlaff nicht zutrifft, und sich gegen dogmatische Verabso- lutierungen abgrenzen will, Dann müßten letztere aber auch nam- haft gemacht werden, da ansonsten die allgemeinen Hinweise den Charakter von Gemeinplätzen bekommen. b) Multikausale Klötze und ein grober Keil ------------------------------------------ Im Gegensatz zu Tetzlaff, der voll von Dominanzen, Dependenzen etc. steckt, und dabei den Blick für das wesentliche verliert, hat sich ein gewisser Lenin vor Jahren gefragt, was denn der Im- perialismus nun eigentlich sei. Vor die Aufgabe gestellt, eine kurze aber umfassende Definition des Imperialismus zu geben, schreibt er, daß sie "die folgenden fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde: 1. Konzentra- tion der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwick- lungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirt- schaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses 'Finanzkapitals'; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolisti- sche Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet" 6). Ist diese Aufzählung als willkürliche zu verstehen? An den Anfang, als Ausgangskategorie, setzt Lenin das Monopol. Im Monopol erblickt er das Grundverhältnis des Impe- rialismus. Erst mit dem Monopol ist die Entwicklung der Finanzo- ligarchie, des Kapitalexports etc. möglich. Das bedeutet nicht, daß es vorher etwa keinen Kapitalexport gegeben hätte (wiewohl er umfangmäßig relativ unbedeutend war), sondern, daß er keine, für die Reproduktion des Kapitalverhältnisses, notwendige Erscheinung war. Festzuhalten ist noch, daß auch vom Kapitalexport, von der Finan- zoligarchie etc. Impulse zur verstärkten Herausbildung des Mono- pols ausgehen. Die Bedeutung des Monopols wird von Lenin noch hervorgehoben, wenn er schreibt: "Würde eine möglichst kurze De- finition des Imperialismus verlangt, so müßte man sagen, daß der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist." 7) Damit stellt Lenin im Gegensatz zu Luxemburg 8), Kautsky 9) und unserem Autor, keinen Teilbereich sondern den zentralen gesamtge- sellschaftlichen Aspekt in den Mittelpunkt seiner Imperialismus- theorie. Dabei ist zu beachten, daß der Begriff des Monopols hier eine an- dere Bedeutung als allgemein üblich hat. Monopol wird nicht al- lein als Marktform verstanden 10), sondern als "mit ökonomischer und außerökonomischer Macht und Gewalt verbundene Veränderung der Ausbeutungsbedingungen, die es dem Kapital erlauben, auf der Ba- sis einer gewaltigen Konzentration der Produktion Verfügungsge- walt über Kapital zu erlangen, die den Rahmen des 'eigenen' Kapi- tals weit übersteigt, daher auch über weit höhere Akkumulations- mittel zu verfügen, als ihm nach dem immanenten kapitalistischen Verteilungsgesetz - jedem entsprechend seiner eigenen Kapital- macht - zusteht" 11). Die Bedeutung des ökonomischen Monopols als gesellschaftliche Kategorie wird noch deutlicher, wenn man einen Vergleich zum Konkurrenzkapitalismus zieht. Für den Konkurrenzka- pitalismus gilt allgemein, daß alle Ressourcen einer nützlichen Verwendung zugeführt werden müssen. Produktive Investitionen und die Entwicklung der Technologie, wie allgemein der Produktiv- kräfte sind erzwungen durch den Mechanismus der Konkurrenz. Er- höhte Profite in einzelnen Zweigen der Industrie ziehen zusätzli- ches Investitionskapital an und damit senkt sich die Profitrate auf den nationalen Durchschnitt. Voraussetzung ist die Mobilität der einzelnen Kapitale, d.h. relativ geringe Investitionskosten pro jeweils optimaler Betriebseinheit und ein geringer Anteil des fixen Kapitals am Gesamtkapital. Der Mechanismus des Ausgleichs der Profitraten regelt die Verteilung der Ressourcen und hält das System im Gleichgewicht. In diesem Prozeß selbst liegen aber bereits die Wurzeln seiner Auflösung. Der aus dem Konkurrenzmechanismus entspringende Zwang zum technologischen Fortschritt beeinträchtigt die Mobilität der einzelnen Kapitale und fördert, da die Investitionskosten pro je- weils optimaler Betriebseinheit immer, mehr steigen ebenso wie der Anteil des fixen Kapitals am Gesamtkapital, die zunehmende Zentralisation und Konzentration des Kapitals in den Händen immer weniger Kapitaleigentümer. Dieser Prozeß wird begünstigt - sowie induziert selbst - durch die periodischen Krisen, die dem System immanent sind und deren Ursächlichkeit bereits in den allgemeinen Bedingungen der kapitalistischen Warenproduktion gegeben sind. Die Herausbildung der Monopole setzt an die Stelle der Durch- schnittsprofitrate den Monopolprofit als bestimmendes Vehikel ka- pitalistischer Betätigung. Weiter erreicht durch den Monopolisie- rungsprozeß die Akkumulation des Kapitals enorme Dimensionen, die die Bedürfnisse der erweiterten Reproduktion in den Zentren des Kapitals übersteigt. Diese beiden Prozesse sind es, die zur Her- ausbildung eines Kapitalüberschusses führen. Dieser ist aber nicht absoluter, sondern nur relativer Natur. Denn "wäre der Ka- pitalismus imstande, die Landwirtschaft zu entwickeln, die jetzt überall weit hinter der Industrie zurückgeblieben ist, könnte er die Lebenshaltung der Massen der Bevölkerung heben, die trotz des schwindelerregenden Fortschrittes ein Hunger- und Bettlerdasein fristet - dann könnte von einem Kapitalüberschuß nicht die Rede sein" 12). "Aber", so hebt Lenin gleichzeitig hervor, "dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus." 13) Hier ist auch der Ort, wo die Leninsche These vom parasitären Charakter und der Fäulnis des Imperialismus ihre volle Berechti- gung hat. Denn unter den Bedingungen des Konkurrenzkapitalismus waren gesamtgesellschaftlicher Fortschritt und Profitstreben der herrschenden Klasse relativ identisch, da die Mobilisierung aller vorhandenen Ressourcen - das zentrale Problem dieser Epoche 14) - resultierend aus dem Streben nach höheren Profiten, die allgemeine Erweiterung der Reproduktion zur Folge hatte. Im Impe- rialismus hingegen müssen Ausmaß und Struktur der erweiterten Re- produktion beschränkt werden, um die Maximierung der Monopolpro- fite zu erreichen. Damit stellt sich das Monopol objektiv gegen den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt. Das ist der Fäulnischa- rakter. In welcher Form sich die daraus resultierenden Widersprü- che konkret zeigen, ob in periodischer Brachlegung von Kapazitä- ten (Wirtschaftskrisen) oder in permanenter, ist dabei von sekun- därer Bedeutung 15). Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, daß das ökonomische Monopol die allgemeinste Kategorie zur Analyse des Imperialismus als spezifische Gesellschaftsform (aber nicht Formation) des Ka- pitalismus ist. Daher ergibt sich die Kontinuität dieses Systems nicht aus irgendwelchen Überbau-Basis-Divergenzen, sondern durch die kontinuierliche Existenz des Monopols. Der Wandel der impe- rialistischen Politik hingegen ergibt sich aus einer Reihe von tiefgreifenden politischen und ökonomischen Veränderungen. Die Analyse der Beziehungen zwischen "Industrie- und Entwick- lungsländern", wie Tetzlaff sie nennt /25/, stellt somit nicht schlechthin das Problem der Imperialismusforschung dar. Sie ist ein besonderer Aufgabenbereich innerhalb der Imperialismusfor- schung, nämlich der Theorie vom Neokolonialismus 16). c) Der einfache Neokolonialismus -------------------------------- Die gleiche theoretische und begriffliche Verwirrung, die Tetzlaff gegenüber dem Imperialismus aufweist (einmal spricht er sogar vom "Kolonialismus-Imperialismus-Militarismus-Syndrom" be- züglich eines Erdölabkommens in Angola /28/), zeigt sich auch gegenüber dem Neokolonialismus. Einmal lehnt er es ab, die Aktivitäten der BRD im südlichen Afrika "als ein Beispiel 'neokolonialer Ausbeutung'" /23/ zu be- trachten, da man hier auf eine "äußerst komplexe imperialistische Strategie" /23/ trifft, wo natürlich viel "Multikausalität" /23/ im Spiel ist, zum anderen - und dies ist wirklich der kunstvoll- ste aller seiner geistigen Höhenflüge - bezeichnet er Äthiopien, Uganda, Zaire, Nigeria und den Senegal als neokolonialistische Staaten /47/ 17). Im folgenden soll nun ein kurzer Abriß einer Theorie des Neokolo- nialismus gegeben werden. Es soll gezeigt werden, daß sie sehr wohl in der Lage ist, unterschiedlichste Phänomene zu analysieren und allgemein, also auch auf das südliche Afrika, anwendbar ist. Eine Theorie des Neokolonialismus hat die Aufgabe Aufschluß zu geben über Ursachen und Funktion neuer Erscheinungen wie etwa der Entwicklungshilfe im Verhältnis zwischen den hochindustrialisier- ten imperialistischen Staaten und den Entwicklungsländern (EL) 18) sowie der Bedeutung dieser Beziehungen für die Reproduktion des imperialistischen Systems. Die Veränderungen in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten- gruppen rekurrieren auf eine Reihe unterschiedlicher und un- gleichgewichtiger Ursachen. Seiner Bedeutung nach wichtigster Faktor ist das Entstehen des realen Sozialismus und die Heraus- bildung des sozialistischen Weltsystems. Unmittelbare Auswirkun- gen hatte dies auf Umfang und Regionalstruktur der Kapital- und Warenexporte der Monopole. Reale und potentielle Regionen für Au- ßenwirtschaftsaktivitäten wurden versperrt. Bedeutender ist aber die indirekte Auswirkung, die sich aus der Existenz des sozialistischen Weltsystems auf alle Staaten dieser Erde ergibt. Der Sozialismus wurde von der Wissenschaft zur Re- alität. Die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapita- lismus konnte real zum Ausdruck kommen. Im Rahmen der sich ent- wickelnden Systemkonkurrenz 19) bekamen auch die Klassenauseinan- dersetzungen innerhalb der imperialistischen Staaten eine neue Qualität. Besonders wichtige Auswirkungen hatte der Sieg der Oktoberrevolu- tion auf die unterdrückten Kolonialvölker. "Der Sieg des Proleta- riats über die Bourgeoisie ist", wie Marx bereits 1847 sagte, "zugleich das Befreiungssignal aller unterdrückten Nationen." 20) Auch wenn dieser Sieg nur in einem Land erfolgte, hat sich diese Tatsache bestätigt. Die ideologischen Impulse, die vom Sieg der Bolschewiki ausgingen, führten nicht nur zu einer quantitativen Verbreiterung der nationalen Befreiungsbewegung, sondern auch zu qualitativen Veränderungen. Nun kämpften nicht mehr nur einzelne Stämme (wenn auch oft locker miteinander verbunden), sondern ge- samtnationale Organisationen, die fast alle Klassen und Schichten des Volkes vertraten. Ihre politischen Programme waren wesentlich klarer und beschränkten sich nicht mehr nur auf politische Unab- hängigkeit 21). Die Anziehungskraft des Sozialismus übte auch nach der Dekolonisation eine wichtige Funktion aus, da die Ent- wicklung der Sowjetunion für die Entwicklungsländer zum Paradigma einer schnellen nachholenden Akkumulation wurde. Das zwingt auf der anderen Seite imperialistische Staaten, wenn sie das Ausscheren der Entwicklungsländer aus dem kapitalisti- schen System verhindern wollen, dort Potenz und Entwicklungsmög- lichkeit des Imperialismus zu demonstrieren. Das übersteigt aber, sowohl was die friedlichen als auch was die militärischen Mittel betrifft, die Möglichkeiten des privaten Monopols. Das darf frei- lich, vor allem was die friedlichen Mittel betrifft, nicht abso- lut gesehen werden. Aber das private Monopol trifft seine Ent- scheidungen nicht direkt im Interesse der Systemerhaltung, wenn- gleich dies als Faktor mitspielt, sondern unter dem Gesichtspunkt der Profitmaximierung. Letzterer verbietet per se eine Reihe von aus Gründen der Systemauseinandersetzung notwendigen Investitio- nen. Die staatliche Entwicklungshilfe übernimmt diese Aufgabe durch die Vergabe von Krediten und Schenkungen 22). Doch die Aufgaben des Staates reichen über diese direkt ökonomischen Tätigkeiten hinaus. Er setzt seine Mittel auch zur politischen 23), militäri- schen 24) und ideologischen 25) Beeinflußung ein. Die zweite wesentliche Erscheinung unserer Zeit ist der Zerfall des imperialistischen Kolonialsystems und die Herausbildung einer eigenen Staatengruppe, die gemeinhin Entwicklungsländer genannt wird. "Die Hauptkriterien für die Zusammenfassung dieser Länder unter dem Begriff 'Entwicklungsländer' sind ihre b e s o n d e- r e S t e l l u n g im System der Weltwirtschaft und Weltpoli- tik, d a s N i v e a u d e r w i r t s c h a f t l i c h e n E n t w i c k l u n g und die spezifischen M e r k m a l e d e r R e p r o d u k t i o n, sowie die Besonderheiten der s o z i a l ö k o n o m i s c h e n S t r u k t u r." 26) Die- ses Gemeinsame ist aber gleichzeitig das Besondere, das diese Länder von den imperialistischen und sozialistischen Staaten unterscheidet. Der augenfälligste Unterschied zu der Situation vor und zwischen den beiden Weltkriegen liegt in der Tatsache, daß inzwischen fast alle ehemaligen Kolonien die politische Unabhängigkeit erreicht haben. Bedeutsam daran ist die Tatsache, daß dieser Prozeß der Entkolonisierung kein mechanischer und kein von den Koloniallän- dern induzierter war. Er war fast überall das Ergebnis des Kampfes der Volksmassen. Dabei waren Breite und Intensität des Kampfes von Region zu Region, ja von Land zu Land verschieden. Dem steht keineswegs entgegen, daß verschiedene Länder die poli- tische Unabhängigkeit erreichten, ohne daß es bislang dort zu um- fassenden antikolonialistischen Manifestationen gekommen war. Es handelt sich dabei nur um den Versuch durch politische Zugeständ- nisse, die langfristig ohnehin unvermeidbar waren, die betreffen- den Länder ökonomisch und ideologisch noch fester in Griff zu be- kommen. Solche Praktiken können daher auch nicht als fortschritt- lich bezeichnet werden, sondern nur als einsichtiger 27). Bedeutet allein schon die Tatsache der politischen Unabhängigkeit eine gewisse Erhöhung des Risikos privater ökonomischer Beziehun- gen, vornehmlich bei Direktinvestitionen, so wird dies durch die Erfolge der nationalen Befreiungsbewegung, die in vielen Fällen zu einer theoretischen und praktischen Stabilisierung und Wei- terentwicklung der betreffenden Bewegung führte, noch zusätzlich erhöht. Der Aufbau einer eigenen nationalen Industrie fördert auch die Herausbildung der Arbeiterklasse in den jungen Nationalstaaten, Tempo, Richtung und Breite sind dabei direkt abhängig von der Wirtschaftspolitik im jeweiligen Land. Daher erstarkt die Arbei- terklasse sowohl quantitativ wie qualitativ in Ländern, die An- sätze zum nicht-kapitalistischen Entwicklungsweg zeigen bzw. die- sen selbst beschreiten schneller als bei Ländern, die den Versuch einer kapitalistischen Entwicklung unternehmen. Die numerische Stärke der Arbeiterklasse setzt sich zwar nicht direkt in politi- sche um, doch sind kommunistische und Arbeiterparteien in einem bedeutendem Maß erstarkt, ebenso die Gewerkschafts- und Bauernbe- wegung. Dies bedeutet eine weitere Erhöhung des politischen Risi- kos für den privaten Investor. Nur mit dem Rückhalt einer starken Militärmacht wird dieses Risiko ertragbar. Dies ist einer der Gründe, warum der Anteil der Direktinvestitionen am privaten Ka- pitalexport in die Entwicklungsländer bei den USA zwar 70% be- trägt, aber bei den europäischen nur ca. 33% 28). Andererseits hat die Erkämpfung der politischen Unabhängigkeit auch positive Auswirkungen auf die Außenwirtschaftsbeziehungen der imperialistischen Staaten. Besonders jene Länder, wie die BRD, die bei der Aufteilung der Welt durch die imperialistischen Staaten und Monopole zu kurz gekommen sind, verfügen jetzt über eine bessere Ausgangssituation, da die von den Kolonialmächten aufgerichteten Schranken gegen ausländisches Kapital und Handel weggefallen sind. Hier ergibt sich auch für die BRD ein spezifi- scher Widerspruch. Einerseits haben die Monopole nun die Möglich- keit in bisher nicht erfaßte Gebiete einzudringen, zum anderen werden sie aber, wegen der engen ökonomischen und politischen Be- ziehungen zu Staaten wie der RSA, der sie traditionell durch Ka- pital- und Handelsbeziehungen verbunden sind, und wo augenblick- lich die politischen Risiken minimal sind, in ihrem Handlungs- spielraum eingeschränkt. Diese Möglichkeiten erhöhen sich aber wieder, da die jungen Nationalstaaten im Kampf für ihre wirt- schaftliche Unabhängigkeit bereit sind eher mit anderen Ländern, als mit ihren ehemaligen 'Mutterländern' ökonomische Verbindungen einzugehen, um die ohnehin bestehende Abhängigkeit nicht noch zu verstärken 29). Da die Entwicklungsländer zum Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen den beiden Weltsystemen geworden sind, ergeben sich zu- sätzlich Faktoren, die auf die Beziehung mit ihnen einwirken. Es gilt die Entwicklungsländer im kapitalistischen Weltwirt- schaftssystem zu erhalten. In jenen Ländern, wo sich der Kapita- lismus embryonal herausgebildet hat, seine volle Ausbildung zu fördern und dort, wo er sich voll herausgebildet hat ihn zu sta- bilisieren. Dazu wird vor allem die Entwicklungshilfe verwendet, die ökonomisch gesehen eine Umverteilung des Nationaleinkommens zu Lasten der Arbeiterklasse in den industrialisierten imperiali- stischen Ländern ist 30). Der besondere Kampf gilt natürlich der nationalen Befreiungsbewe- gung und den Bemühungen, den nicht-kapitalistischen Entwicklungs- weg zu gehen. Dazu gehört auch die Bestrebung den Handel zwischen den Entwicklungsländern und den sozialistischen Staaten möglichst einzuschränken. So enthalten z.B. die Kapitalhilfeabkommen der BRD den Passus, daß das bereitgestellte Geld nicht für Käufe in den sozialistischen Ländern verwandt werden darf 31). Generell ist festzustellen, daß eine umgekehrte proportionale Ab- hängigkeit zwischen staatlichem und privaten Kapitalexport be- steht: "Je größer der Zufluß von staatlichem Kapital ist, umso geringer ist der Export von Privatkapital und umgekehrt. Das wi- derspiegelt seinerseits den Grad der Entwicklung des antiimperia- listischen Kampfes in den verschiedenen Gebieten und Ländern die- ses Bereichs. In den Gebieten, wo der revolutionäre Kampf am heißesten tobt, wird vor allem 'Hilfe' gelenkt, in die Gebiete hingegen, wo die Positionen des Imperialismus verhältnismäßig si- cher sind. Privatkapital." 32) Demgemäß floß auch bis 1970 nur 7,7% der staatlichen Kapitalhilfe der BRD nach Lateinamerika 33). Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß diese Systemsiche- rungsfunktion mit den konkreten Forderungen des privaten Kapitals verbunden ist. Denn "im Idealfall stellt die staatliche Entwick- lungshilfe des Präinvestment für privatwirtschaftliche Investi- tionen dar" 34). Für die BRD erfüllte die Entwicklungshilfe anfangs eine weitere wichtige Funktion, nämlich die der Rückerlangung des beschlag- nahmten faschistischen Eigentums 35). Eine weitere Aufgabe der Entwicklungshilfe ist unter diesem Ge- sichtspunkt ihr Einsatz, um sich in allen Teilen der Welt militä- rische Verbündete zu sichern, die vornehmlich als Stützpunkt ge- gen das sozialistische Weltsystem verwendet werden können, aber auch als potentielle Gefahrenherde in territorialer Nähe von pro- gressiven Entwicklungsländern 36). Die Möglichkeiten der BRD sind hierbei natürlich beschränkter als die der USA und der alten Ko- lonialmächte. Als Spezifikum tritt für die BRD auch in den Ent- wicklungsländern der unmittelbare Kampf gegen die DDR hinzu. Von daher erstaunt es keineswegs, daß bis 1965 55 % aller staatlichen Hilfe in die Türkei, Griechenland, Pakistan und Indien ging 37). Es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, daß die privaten Investitionen sich keineswegs unmittelbar in den Rahmen der Sy- stemsicherung pressen lassen, sondern von anderen Komponenten be- stimmt werden. Im allgemeinen sind das für die Erweiterung des Marktes maßgebliche ökonomische Gegebenheiten und Erwartungen, und die in den Zielländern sowie Westdeutschland selbst wirkenden wirtschafts- und allgemeinpolitischen Faktoren. Ist es auch nicht mehr das Streben nach Höchstprofit allein, so wirken doch eine Reihe von Kostenfaktoren positiv auf die Höhe des privaten Kapi- talexportes: Lohngefälle, Verlagerung von arbeitsintensiven Fer- tigungen in Gebiete mit einem großen Angebot von Arbeitskräften, Einsparung von Transportkosten und Ausschaltung des Zwischenhan- dels sowohl durch Produktion in Marktnähe wie Errichtung der Pro- duktionsstätten an den Rohstoffquellen. Ein weiterer Faktor, der trotz der hohen Profitrate (sie liegt im Durchschnitt um 50% höher als in den hochindustrialisierten Län- dern 38)) den Zustrom privaten Kapitals in die Entwicklungsländer hemmt, ist die fehlende Infrastruktur. Unter diesen Bedingungen sei, wie der 'Industriekurier' schrieb, "das Risiko und sind die Kosten einer Produktion trotz niedrigster Löhne und selbst durch großzügigste Investitionsförderung größer als bei einer Fabrik in den Ballungszentren Europas" 39). Dieser und die vorher genannten Faktoren erklären auch die Anzie- hungskraft der RSA für das internationale Kapital. (Ausgenommen die extraktive Industrie, für die andere Faktoren ausschlaggebend sind.) Denn die RSA verfügt nicht nur über relativ stabile poli- tische Verhältnisse, wo "das Privatkapital vor Enteignungsüberra- schungen sicher" 40) ist, sondern auch über einen attraktiven Binnenmarkt. Sie ist gleichzeitig ein strategisch günstiger Aus- gangsplatz, um den Warenexport in andere Länder zu fördern 41) und die Arbeitskraft ist extrem billig. So bemerkte denn auch der ehemalige Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen und FDP- Bundestagsabgeordnete, sowie hauptberufliche Unternehmensberater, Kienbaum: "Zusammenarbeit (kann auch) darin bestehen, daß Produk- tionen, die in Deutschland aus Kostengründen einfach nicht mehr rentabel zu gestalten sind, und die an das Können des Arbeiters nicht zu hohe Anforderungen stellen, in die Borderindustriege- biete Südafrikas verlagert werden können. Meines Erachtens sind derartige Produkte s o g a r w i e d e r r e n t a b e l n a c h E u r o p a z u r e i m p o r t i e r e n. In Deutschland verteuern sich die Arbeitskraft und die Arbeitslosen- leistungen pausenlos, und in immer kürzerem Tempo folgen die Ta- rifsteigerungen und kostensteigernden Sozialgesetze." 42) Bezüglich der Infrastruktur kommt der Entwicklungshilfe eine wei- ter wichtige Aufgabe zu. Es würde die Möglichkeiten des privaten Monopols überschreiten, selbst diese Infrastruktur aufzubauen. Doch auch die Möglichkeiten der Regierungen der betreffenden jun- gen Nationalstaaten sind begrenzt Somit kommt den Regierungen der imperialistischen Staaten selbst die Aufgabe zu für ihre Monopole die Rahmenbedingungen zur Investition in den Entwicklungsländern zu schaffen. Es wäre aber falsch auch hier die Entwicklungshilfe nur auf diese eine Funktion beschränkt zu sehen. Sie greift gleichzeitig direkt zu Gunsten der Monopole ein. So bekam etwa Pakistan von 1962-1967 Anleihen in der Höhe von DM 83 Mio., die zum Bezug für Montageteile der Telephon Industries of Pakistan dienten. An dieser Firma aber ist Siemens mit 12% beteiligt. 43). Der mit der Erreichung der politischen Unabhängigkeit verbundene Wegfall des bedeutensten Teils des außerökonomischen Zwanges hatte eine relativ starke Entwicklung der Klassen und Schichten der bürgerlichen Gesellschaft zur Folge. Die Entwicklung der na- tionalen Bourgeoisie bedeutet ein verstärktes Eigeninteresse an der Industrialisierung und damit verbunden restriktive Maßnahmen gegen das ausländische Kapital. Diese Tendenz ist in verschie- denen Ländern verschieden stark ausgeprägt, gilt aber z.B. auch für ein so eng mit den imperialistischen Mächten verbundenes Land wie Pakistan in den fünfziger und sechziger Jahren 44). Eine Methode, um die hier auftretenden Schwierigkeiten für pri- vate Investoren zu umgehen, ist die immer stärkere Hinwendung zu gemischten Unternehmen. D.h. Unternehmen, an denen sowohl das na- tionale wie das ausländische Kapital beteiligt sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das nationale Unternehmen ist ein gutes Aus- hängeschild, nicht nur im Fall politischer Krisen, die Aufwendung an eigenem Kapital sinkt und kann anderswo eingesetzt werden und generell verringert sich das Risiko. Die imperialistischen Monopole und Staaten können zwar den Prozeß der Industrialisierung der Entwicklungsländer erschweren 45), seine Richtung und seinen Inhalt verändern, aber sie können ihn langfristig nicht unterbinden (46). Hieraus ergeben sich auch an das Privatkapital neue Anforderungen, wenn die imperialistische Herrschaft über die Entwicklungsländer aufrechterhalten bleiben soll. Es müssen Investitionen in die verarbeitende Industrie gehen, wenn die Kontrolle über die modernen Industriezweige erlangt wer- den soll. Somit wird das Spektrum privater Investitionen breiter. Der Prozeß der Industrialisierung und die damit verbundene sozi- alökonomische Umwälzung, die vor allem auf Zerschlagung der bäu- erlichen Subsistenz-wirtschaften zielt, eröffnet weitere Möglich- keiten des Warenexports. Um dies zu sichern müssen bestimmte Schlüsselstellungen in der nationalen Ökonomie des Entwicklungs- landes besetzt werden. Auch das Moment der Systemauseinandersetzung in seinen quantita- tiven und qualitativen Aspekten bekommt im Prozeß der Industria- lisierung einen bestimmten Stellenwert. In der Literatur wird da- bei oft nur der quantitative Aspekt, nämlich der geringe Beitrag der sozialistischen Staaten zur Entwicklungshilfe gesehen. Be- deutsamer ist jedoch in welche Projekte diese Entwicklungshilfe geht und welche Auswirkungen sie hat 47). Auch unmittelbar ökonomische Gesichtspunkte spielen dabei eine wichtige Rolle. Die relativ engen Märkte in den Entwicklungslän- dern bewirken, daß häufig, falls bereits ein Unternehmen in einer bestimmten Branche existiert, weitere Investitionen nicht sehr sinnvoll erscheinen. So bleibt als einzige Möglichkeit die Betei- ligung an dem bereits bestehenden Unternehmen. Generell gilt üb- rigens, daß die niedrige organische Zusammensetzung des Kapitals und die hohe Ausbeutungsrate in den Entwicklungsländern an und für sich kein ausreichender Stimulus für privaten Kapitalexport sind, da bei einem begrenzten Markt auch eine hohe Profitrate keine genügend schnelle Vergrößerung des Kapitals mit sich bringt. Daher ziehen die privaten Monopole es unter sonst glei- chen Bedingungen vor in den hochindustrialisierten imperialisti- schen Ländern zu investieren. Es wäre aber falsch diese Tendenz zu verabsolutieren, da gerade wegen der Bedeutung der Entwicklungsländer das private Kapital eine Reihe von Übergangsformen entwickelt hat, die zumindest die partielle Präsenz, wenn nicht schließlich die Beherrschung der betreffenden Märkte sichern sollen 48). Die bisherigen Ausführungen haben die widersprüchliche Entwick- lung vornehmlich des Kapitalexports insgesamt und verschiedener seiner Formen gezeigt, die aus den Bedingungen der Entwicklungs- länder resultieren. Dabei darf die zentrale Bedeutung dieser Ka- tegorie für die internationalen Beziehungen nicht übersehen wer- den. Der Sieg der nationalen Befreiungsbewegung beraubte die im- perialistischen Staaten ihrer direkten politischen und militäri- schen Einflußnahme auf ihre ehemaligen Kolonien. Heute kann nur über die ökonomische Abhängigkeit unmittelbarer Druck ausgeübt werden. Die wichtigste Form ökonomischer Durchdringung ist der Kapitalex- port. Er wirkt direkt und indirekt auf Umfang und Struktur des Akkumulationsprozesses ein. Gleichzeitig beeinflußt er die Han- delsbeziehungen, da nichtäquivalenter Austausch nur durch den au- ßerökonomischen Zwang der Monopole garantiert werden kann. Ist aber das Akkumulationsproblem das zentrale Problem der Ent- wicklungsländer, dann kann mit Recht gesagt werden, daß der Kapi- talexport, ganz im Gegensatz zu der von Tetzlaff vertretenen Mei- nung /25/, in erster Linie die ökonomische Basis der neokolonia- listischen Beziehungen ist und auch das wichtigste Instrument. Aber andererseits ergibt sich aus der Tatsache, daß die ehemali- gen Kolonien ihre politische Unabhängigkeit erlangt haben und in der Weltwirtschaft eine Sonderstellung am Rande des kapitalisti- schen Weltsystems einnehmen, daß eine so typische imperialisti- sche Kategorie wie der Kapitalexport auch zu Gunsten der Entwick- lungsländer genutzt werden kann. Das hängt aber im wesentlichen von den internen Klassenverhältnissen und -stärken ab. Letztlich ist festzuhalten, daß auch die Entwicklung in den hoch- industrialisierten imperialistischen Staaten selbst Auswirkungen auf die Beziehungen zu den Entwicklungsländern hat. Als Reaktion auf den Druck der auf den Imperialismus einwirkenden Faktoren, die sich aus der Existenz des sozialistischen Weltsy- stems ergeben und der Verschärfung der inneren Gesellschaftskon- flikte, die aus der raschen Entwicklung der Produktivkräfte re- sultieren, bildete sich der staatsmonopolistische Kapitalismus, der durch die Verschmelzung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates gekennzeichnet ist, heraus. Die Verwandlung des Staa- tes in eine ökonomische Potenz beginnt zwar bereits mit der Her- ausbildung der Monopole, doch gewinnt sie ihre dominierende Funk- tion erst seit Ende des zweiten Weltkrieges. "Das Wesen des staatsmonopolistischen Kapitalismus besteht nicht allein in der Schaffung staatlichen Eigentums oder in der staat- lichen Regulierung, obwohl beide Erscheinungen, insbesondere letztere, große Bedeutung haben. Staatsmonopolistischer Kapita- lismus ist die im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise notwendige und unvermeidliche Fortentwicklung des Privatmonopols, der privaten Monopolisierung zur staatlichen Monopolisierung, eine Entwicklung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die der inneren Natur des kapitalistischen Privateigentums wider- spricht und gleichzeitig der in Richtung seiner Auflösung trei- benden Form des kapitalistischen Eigentums relativ entspricht." 49). Für den Kapitalexport und das ihm zugrundeliegende Problem, den relativen Kapitalüberschuß, ergeben sich daraus eine Reihe neuer Schwierigkeiten. Trat früher der relative Kapitalüberschuß vor allem als periodi- sche Entwertung und Brachlegung von Kapital in der Krise auf, so wird er seit der vollständigen Herausbildung der Monopole zu ei- ner permanenten Erscheinung in den führenden imperialistischen Ländern. Es ergibt sich also auch von hier der Zwang zum unmit- telbaren Einsatz der Potenz des Staates. Damit eröffnen sich aber neue Möglichkeiten zu seiner Absorption, sodaß der Kapitalexport relativ an Bedeutung verlieren kann 50). Das betrifft aber nur die Seite des unmittelbaren Druckes zum Ka- pitalexport, nicht aber den Anreiz. Denn "wird Kapital ins Aus- land geschickt, so geschieht dies nicht, weil es absolut nicht im Inland beschäftigt werden könnte. Es geschieht, weil es zu höhe- rer Profitrate im Ausland beschäftigt werden kann" 51). Es bleibt aber zu vermuten, daß bei allgemein gleichen Bedingungen die pri- vaten Monopole sich eher der staatsmonopolistischen Instrumente bedienen, als ins Ausland zu gehen. Durch die ökonomische Tätigkeit des Staates erscheint der rela- tive Kapitalüberschuß auch in immer neuen Formen. Da er vorwie- gend als Überschuß von produktivem Kapital und als Brachlegung von Kapazitäten erscheint, ist seine internationale Mobilität be- trächtlich verkleinert. Das zweite wichtige - und ähnlich gela- gerte - Problem ergibt sich aus der schnellen Entwicklung der Produktivkräfte, dem Prozeß des wissenschaftlich-technischen Fortschrittes 52). Seinem Wesen nach ist der Prozeß des technischen Fortschrittes ein Prozeß der Freisetzung gesellschaftlicher Arbeit. Dadurch werden neue Sphären für die Bewegung des Kapitals geschaffen. Dies führt zu einer raschen Entwicklung der durch den technischen Fortschritt selbst induzierten Industriezweige und vermindert so den Druck des relativen Kapitalüberschusses. Auch kann man fest- stellen, daß die Investitionen pro Beschäftigten bei einer grund- legenden technologischen Umgestaltung stark steigen. Dies hängt vornehmlich damit zusammen, daß in einem solchen Fall die techni- sche Produktionsbasis an Haupt und Gliedern vollständig zu erneu- ern ist. Auch dies verringert den Druck und erhöht gleichzeitig den relativen Anteil des fixen Kapitals am Gesamtkapital, was sich negativ auf die Möglichkeiten der Mobilität auswirkt. Der unterschiedliche Grad der Durchsetzung des wissenschaftlich- technischen Fortschritts in den imperialistischen Hauptländern erhöht den Anreiz den Kapitalexport in diese Richtung zu lenken. Dies vor allem auch, weil hinreichend qualifizierte Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern meist nicht vorhanden sind und außer- dem, wie bereits erwähnt, keine großen Märkte für die betreffen- den Branchen bestehen. Die Richtung des Kapitalexports wird auch noch beeinflußt von der Herausbildung internationaler Konzerne, einer Tendenz, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig er- schwert dieses Phänomen eine korrekte Erfassung aller westdeut- schen Kapitalexporte. Zusammenfassend kann allein über die Kategorie des Kapitalexports festgestellt werden, daß eine Vielzahl von Motiven für seinen Einsatz vorhanden sind. K. Nehls unternimmt es im Anschluß an Le- nin einige zu benennen: "Kapitalexport, um den Warenexport zu fördern - Kapitalexport, um Rohstoffquellen in Besitz zu nehmen oder auszubeuten - Kapitalexport, um neue Länder zu erschließen - Kapitalexport, um ausländische Industrien unter Kontrolle zu bringen - Kapitalexport um faktische oder potentielle Verbündete militärisch oder ökonomisch zu stärken - Kapitalexport, um ökono- mische oder politische Zugeständnisse zu erhalten, und nicht zu- letzt Kapitalexport, um ökonomische und soziale Krisen abzuweh- ren." 53) D.h. der Kapitalexport ist nicht Mittel, um Höchstpro- fite zu erzielen, sondern Instrument der Kapitalverwertung über- haupt. Wir können nun in Anschluß an E. Modrzinskaja 54) folgende vor- läufige Definition des Neokolonialismus geben. Der Neokolonialis- mus ist ein System ökonomischer, politischer und ideologischer Mittel und Methoden. Die ökonomische Grundlage ist der Kapitalex- port in seinen verschiedenen Formen. Sein Ziel ist die Zurück- drängung des Einflusses des sozialistischen Weltsystems und die Nivellierung der Kampfkraft der nationalen Befreiungsbewegung in ihrer zweiten Etappe (d.h. dem Kampf um die ökonomische Unabhän- gigkeit) bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung und Ausdehnung der Herrschaft der imperialistischen Staaten und Monopole in den Län- dern, die ihre politische Unabhängigkeit erlangt haben, zur Si- cherung und Verbesserung der Kapitalverwertung insgesamt. II Die Spezifik des südafrikanischen Raumes ------------------------------------------- a) Der "Untersuchungsgegenstand" -------------------------------- Tetzlaff führt zu Beginn seiner Untersuchung einen "area ap- proach" ein, den es "methodisch" zu wählen gelte, was den "räumlichen Aspekt des Untersuchungsgegenstandes angeht" /23/. Uneingedenk der Tatsache, daß die Methode von objektiven Gesetzen auszugehen hat, die den Gegenstandsbereich auszeichnen und theo- retisch formuliert sein sollten, kommt er freilich zu einer recht unerfindlichen geographischen Einteilung 55). Ähnlich ergeht es ihm mit dem beiläufig und unerläutert eingestreuten Begriff "Nebenmetropole Südafrika" /37/. Dieser muß solange unverbunden und sogar in widersprüchlicher Eigengewichtigkeit bleiben, als nicht begründet wird, welches die sozialökonomischen Grundlagen sowohl für die Charakterisierung der Rolle der RSA sind als auch für die Form der Beziehungen, in der die übrigen hier zu be- trachtenden Staaten und Kolonien zu ihr sowie den imperialisti- schen Hauptmächten existieren. Ungeachtet aller Inter- und sonstwelcher Dependenzen und von die- sen betroffenen "Ebenen" /37/ wurde von uns bereits herausge- stellt die zentrale Rolle des Monopols als gesellschaftliche und ökonomische Kategorie (vgl. S. 3 f.). Derlei hat nichts mit "eindimensionalen Erklärungen" /25/ und ähnlichem zu tun, sondern eröffnet gerade erst den Zugang zur Komplexität, vor allem aber inneren Dialektik der zu betrachtenden Phänomene 56). Stellt man nun das Monopolkapital in den Mittelpunkt der Charak- terisierung der kapitalistischen Länder, so lassen sich schema- tisch zwei bzw. drei Typen von internationalen Beziehungen zwi- schen den Staaten der Welt kennzeichnen: Zum ersten Beziehungen zwischen Staaten im monopolistischen Stadium des Kapitalismus, also der imperialistischen Ländern wie USA, Japan, BRD, Großbri- tannien und Frankreich, unter welchen die Stellung der USA noch eine über alle anderen dominierende besondere Qualität; erst mit der Konsolidierung der EWG und des japanischen Imperialismus auf der einen, der Schwächung der USA durch Vietnamkrieg und - eng damit verbunden - zeitweise extreme Verwertungsschwierigkeiten reduzierte sich dieser Vorsprung. Zum zweiten Beziehungen zwischen diesen imperialistischen Staaten und den Ländern der sog. "Dritten Welt", also Beziehungen neoko- lonialistischen Charakters. Schließlich aber, als für eine Spezi- fizierung wesentliche Form von Beziehungen, diejenigen zwischen den imperialistischen Ländern auf der einen und den sozialisti- schen auf der anderen Seite. Eine nähere Kennzeichnung ergibt als wesentliches Merkmal der Be- ziehungen zwischen imperialistischen Ländern einen Dualismus von Kooperation und Konkurrenz, wobei letztere zeitweilig von dem Zwang zur Kooperation aufgrund der Systemkonkurrenz und der ge- meinsamen Strategie gegen die eigene Arbeiterbewegung und die Be- freiungsbewegungen zurückgedrängt ist. Daß daneben der interna- tionale Konkurrenzkampf in voller Stärke, allein unter Ausschal- tung militärischer Machtmittel, weiterexistiert, bedarf hier kei- ner Ausführungen, denn "die Monopole (beseitigen) die Konkurrenz nicht, sondern sie stellen sie auf höherer Stufe wieder her, und zwar als Konkurrenz innerhalb und zwischen den Monopolen im na- tionalen und internationalen Maßstab" 57), und "unter dem Kapita- lismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären ... eine andere Grundlage als die S t ä r k e der daran Betei- ligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, n i c h t denkbar. Die Stärke der Betei- ligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine g l e i c h- m ä ß i g e Entwicklung der einzelnen Unternehmungen, Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben" 58). Dieses von Lenin entwickelte Gesetz der Ungleichzeitigkeit der Entwicklung im Kapitalismus liefert die Erklärung für den Stel- lenwert der RSA im imperialistischen System; hierauf wird noch zurückzukommen sein. Beziehungen neokolonialistischen Charakters kennzeichnet daher neben der allgemeinen Tatsache der Ausbeutung der unterentwickel- ten Länder durch die imperialistischen Mächte gleichzeitig eine diesbezügliche Konkurrenz zwischen den genannten Hauptmächten so- wie zwischen nationalen und internationalen Kapitalgruppen, die unter bestimmten Bedingungen freilich ebenfalls gegenüber einer Kooperation zurückstehen können 59). Der Hauptwiderspruch der gegenwärtigen Epoche zwischen Sozialis- mus und Imperialismus verleiht innerhalb dieser Auseinanderset- zung einigen kapitalistischen Ländern eine Sonderstellung, die sich insbesondere auf strategische Merkmale gründet. Bestes Bei- spiel hierfür ist die forcierte Remilitarisierung und der von den USA geförderte wirtschaftliche Wiederaufbau der BRD nach dem Kriege. Die durch den Kriegsverlust erzwungene relative Rückstän- digkeit der Westzonen wandelte sich rasch in eine Überlegenheit sogar gegenüber einigen der Siegermächte. Gleichwohl blieb es der BRD-Propaganda vorbehalten, angesichts wachsender US-Kapitalanla- gen in Westeuropa und zumal der BRD sowie der gewaltigen Überle- genheit der USA im imperialistischen Lager von einer quasi-kolo- nialen Situation der BRD zu reden 60). Die vor allem durch den Vietnamkrieg hervorgerufene Schwächung der Position der USA je- doch kam den anderen imperialistischen Mächten zugute; sie ver- mochten rasch Rückstände zu verringern, so Japan und die EWG- Hauptmächte BRD und Frankreich. Handelt es sich jedoch hier be- reits um eine nur relative Lageverbesserung gegenüber den USA, so stellt sich für einige andere kapitalistische Staaten die Ent- wicklung noch weniger aussichtsreich dar. Die BRD und Japan ver- mochten bei ihrem Aufholprozeß auf hinreichende Ressourcen zu- rückzugreifen und besaßen als Ausgangspunkt bereits ein hohes Ni- veau der Produktivkraftentwicklung. Andere kapitalistische Länder hingegen, die in den letzten Jahren ebenfalls die Stufe des mono- polistischen Kapitalismus erreicht haben oder an ihr stehen, ver- mögen aufgrund des ihnen zur Verfügung stehenden Potentials den in Jahrzehnten herausgebildeten Vorsprung der imperialistischen Hauptmächte nicht mehr aufzuholen; sie sind überdies ihrerseits neokolonialer Ausbeutung unterworfen und in ihrer Existenz weit- gehend von der Unterstützung der Hauptmächte abhängig. Die Republik Südafrika stellt das beste Beispiel für eine derar- tige Entwicklungsstufe dar. Wie im einzelnen noch belegt werden wird, ist sie einerseits Ausbeutungsobjekt imperialistischer Ka- pitalgruppen, d.h., sie war und ist es sowohl in traditioneller Hinsicht als auch aufgrund immer neu hinzuströmenden Kapitals. Sie ist andererseits Subjekt neokolonialer Beziehungen insofern, als ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung verstärkten Waren- und bereits Kapitalexport notwendig macht, der sie zum Konkurren- ten werden läßt für eben jene imperialistischen Hauptmächte, wenn auch vorerst primär in regionalem Maßstab. Die RSA nimmt damit eine Zwischenstellung ein zwischen der Ebene von Beziehungen im- perialistischer Mächte untereinander und derjenigen von Beziehun- gen zwischen imperialistischen Mächten und ausgebeuteten Ländern, letzteres in zweifacher Hinsicht, als Subjekt wie als Objekt. Hinzu tritt eine weitere Überlegung. Die relative Eigenständig- keit und Stärke der RSA im afrikanischen Raum verleihen ihr im Rahmen der Systemauseinandersetzung, in der für sie prinzipiell dieselben Gesetze gelten wie für etwa die BRD, eine besondere Rolle als Bastion gegenüber den die Interessen des Kapitals im südafrikanischen Raum bedrohenden Befreiungsbewegungen und als potentielle "Stellvertreterkriege" führende Macht; letztere Ent- wicklung ist in der Auseinandersetzung um Angola und Mozambique abzusehen. Diese Hauptmerkmale kennzeichnen den Begriff der "Nebenmetropole" u.E. hinlänglich und stellen ihn zugleich in den im ersten Teil erläuterten Zusammenhang 61). Damit ergibt sich, wie zu zeigen wird, auch für das Problem eine Lösung, welche Länder im südli- chen Afrika hierzu berücksichtigen sind. b) Die RSA als Ausbeutungsobjekt -------------------------------- Was bei den meisten afrikanischen Staaten sofort ersichtlich ist, erscheint im Falle der RSA nur in verdeckter Form - Ausbeutung durch ausländische Monopolkonzerne. Sie basiert zum einen auf der traditionellen Stellung vor allem englischen Bergbaukapitals, zum anderen auf der zunehmenden Präsenz von Konzernen der Produkti- onsund Konsumgüterindustrie aus verschiedenen imperialistischen Ländern; schließlich auf der eigentümlichen Struktur der südafri- kanischen Wirtschaft. Freilich bedeutet der Ausdruck "Ausbeutung der RSA" eine Verschleierung, wie auch die Verwendung des Begrif- fes "Imperialismus der RSA" vorerst näher erläutert werden muß: Ausbeutungsobjekt sind in jedem Falle die rechtlosen Massen far- biger Einwohner des Apartheidstaates, deren extrem niedriges Lohnniveau der einheimischen wie der ausländischen Bourgeoisie zu den bekannt hohen Profiten verhilft, abgesichert durch eine Viel- zahl außerökonomischer Herrschaftsinstrumente; daß nichtsdestowe- niger die weiße Arbeiterklasse sich in einem Ausbeutungsverhält- nis befindet, sei hier betont: Ihre durch Extraprofite begün- stigte soziale Lage verschleiert lediglich diese Tatsache (und bringt Beobachter der südafrikanischen Situation zu Einschätzun- gen, welche die Rolle von Teilen der weißen Arbeiterklasse völlig negieren bzw. zu Aportophierungen aller Weißen als 'eine reaktio- näre Masse'). Indessen war es die elende soziale Lage weißen Pro- letariats, die zur Verschärfung der rassistischen Unterdrückung führte. Umgekehrt stellt also die südafrikanische Bourgeoisie diejenige Klasse dar, die als Herrscher mächtiger Konzerngruppen zur Unterdrückung und Ausbeutung der umliegenden Länder beiträgt. Daß sie, obwohl herrschende Klasse in ihrem Land, zugleich in mehrfacher Hinsicht existenziell abhängig ist von der Unterstüt- zung der imperialistischen Mächte, kennzeichnet wieder die Eigen- tümlichkeit der RSA im imperialistischen Block. 1. Die RSA gehört zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt. Na- mentlich auf ihrem Gold- und Diamantenreichtum gründete sich frühzeitig eine mächtige Minenindustrie, die von englischem Kapi- tal beherrscht war und zu wesentlichen Teilen noch heute ist 62). Heute sind weitere wichtige Rohstoffe hinzugekommen, zu deren Hauptproduzenten die RSA zählt, wie Antimon, Chrom, Mangan, Pla- tin, Uran und Vanadium (nimmt man das annektierte Namibia hinzu, verbessert sich diese Stellung noch) 63). Bereits an dieser Stelle wird deutlich, daß auch die RSA neokolo- nialer Ausbeutung unterliegt. Denn auch für sie gilt das Preis- diktat der ausländischen Monopole im Bereich der Primärgüterpro- duktion. Sichtbarer Ausdruck dafür sind die sich langfristig und allgemein - bei kurzzeitiger Gegenbewegung in einzelnen Produk- tengruppen - verschlechternden terms of trade bei agrarischen und mineralischen Rohstoffen. Der nichtäquivalente Tausch, ein spezi- fisches Merkmal des Neokolonialismus, dem auch die RSA unter- liegt, ist nur möglich durch die Diktatur der Monopole auf dem Weltmarkt. Sie setzen die Preise für Enderzeugnisse künstlich hoch und halten die für Primärerzeugnisse nieder 64). Der anhal- tende Preisverfall für Rohstoffe 65), mit Ausnahme gegenwärtig der Goldpreise, führt zu einer Verschlechterung der Handels- und Devisenbilanz - ein Phänomen, daß sich die RSA mit den Entwick- lungsländern teilt - und verringert so die Möglichkeiten der er- weiterten Reproduktion, da die dafür notwendigen Investitionsgü- ter nicht in ausreichendem Maß importiert werden können. Bereits heute vermag die RSA ihr eigenes Handelsbilanzdefizit nur mehr teilweise durch die hohen Gold- und Platinexporte auszugleichen; die Ressourcen an Diamanten und Gold gelten überdies als im Ver- laufe der achtziger Jahre vermutlich erschöpft 66). Eine weitere Überlegung läßt zusätzlich erkennen, wie labil eine auf Rohstoffexporten basierende Ökonomie ist: Zwar enthält die Analyse der Rohstoffabhängigkeit der imperialistischen Länder von den EL - und auch Ländern wie der RSA - einen richtigen Kern, zugleich läßt sich aber aus dem Charakter des Monopols schließen, daß es zugunsten einer besseren Möglichkeit zur Erhöhung der Pro- fitmasse mittels der Exploitation von Rohstoffen in EL die Ent- wicklung diese ersetzender moderner Werkstoffe vernachlässigt. Anders ausgedrückt: Das Engagement der Monopolkonzerne in der in- ternationalen Rohstoffausbeutung entspringt vermutlich in gerin- gerem Maße als angenommen einer absoluten Abhängigkeit, sondern zu einem beträchtlichen Teil der Motivation, daß durch Auf- rechterhaltung der Rohstoffextraktion sich Höchstprofite erzielen lassen 67). Dies würde damit übereinstimmen, daß internationale Rohstoffkartelle Preisdiktate ausüben, und zwar sowohl hinsicht- lich der zum Verkauf gezwungenen EL als auch der abnehmenden In- dustrien, Daß die hieraus resultierende ökonomische Rivalität von EL mit demselben "Angebot" nicht überwunden wird, gehört mithin aus ökonomischen Gründen zu den taktischen Hauptzielen des Impe- rialismus 68). Die traditionelle Rolle der RSA als Rohstofflieferant, die lange fast auschließlich ihre Wirtschaftsstruktur bestimmte, verweist sie auf die Objektstufe neokolonialer Beziehungen. Trotz gewach- sener Bedeutung der Industrieproduktion in den vergangenen Jahren - heute macht sie runde 23 Prozent des BSP aus, während der frü- her dominierende Bergbau auf 10 Prozent gesunken ist 69) - schlägt sich der Rückstand der südafrikanischen Industrie gegen- über den imperialistischen Hauptländern nach wie vor in den Han- delsbilanzen nieder. Binnen 20 Jahren stiegen zwar die Exporte gegenüber den Importen kontinuierlich, vergrößerten sich jedoch insgesamt nur gering: Exporte und Importe der RSA im Verhältnis zum Wert des BIP, 1947- 1967: (in Prozent) 1947 1957 1961 1962 1963 1965 1966 1967 I: 30.9 23.8 18.2 17.4 19.5 22.6 19.1 20.5 E: 20.8 28.5 26.8 26.4 25.6 22.8 22.4 21.6 _____ (Exporte einschließlich Gold. Quelle: South African Bull, of Sta- tistics, in: UN-Dokumentation, a.a.O., Tabelle B 1, S. 45). Hieraus ergibt sich zum einen eine Verlangsamung und sogar rela- tive Verschlechterung des Exportwachstums, die auf forcierte Ein- fuhr teurer Investitionsgüter zurückzuführen ist 70). Die notwen- dige Einfuhr teurer Investitions-und Konsumgüter aus den imperia- listischen Hauptländern erzeugt für die RSA ein permanentes Han- delsbilanzdefizit Der Aufbau einer eigenen leistungsfähigen Indu- strie erfordert den Import großer Mengen von Maschinen modernster Technologie, welche die RSA selbst noch nicht zu produzieren im- stande ist. Dieser Importstruktur steht jedoch eine wesentlich ungünstigere Exportstruktur gegenüber. Nach dem Stadium der Ver- arbeitung entfielen von den I m p o r t e n auf 1957 1966 R. (Mio.) % R. (Mio.) % Rohstoffe 99.6 9.1 218.8 13.4 Verarbeitete u. Fertigprodukte 767.0 69.8 1096.1 66.8 Verkaufsfertige Produkte 231.4 21.1 299.2 18.2 Von den E x p o r t e n hingegen entfielen auf 1957 1966 R. (Mio.) % R. (Mio.) % Rohstoffe 397.0 49.6 557.6 46.2 Verarbeitete u. Fertigprodukte 365.2 45.6 598.7 49.8 Verkaufsfertige Produkte 38.5 4.8 33.1 2.8 _____ (Quelle: South African Bull, of Statistics, 1968, in: UN-Dokumen- tation, a.a.O., Tabelle B 5, S. 49). Der augenfällige Unterschied zwischen dem anteilsmäßig immer noch zwei Drittel aller Importe ausmachenden Posten verarbeiteter und Fertigprodukte, darunter also Investitionsgüter (mit einem Wert von über 1 Milliarde Rand), zum knapp die Hälfte der Exporte aus- machenden südafrikanischen Anteil derartiger Produkte (mit rund 600 Mio. Rand Wert) schlägt sich in den Handelsbilanzen nieder. Sie schlossen von 1959 bis 1971 nie ohne Defizite ab 71). Vor al- lem im Handelsverkehr mit den USA und der BRD beliefen sich die negativen Spannen auf hunderte Millionen Rand jährlich; dagegen verlief der Handelsverkehr mit Japan z.B. 1968 noch mit einem Überschuß der RSA. Allein die BRD sammelte in den Jahren von 1960 bis 1970 ein Saldo von rund 3.6 Mrdn. DM zu ihren Gunsten an 72). Aus den Handelsbeziehungen mit den imperialistischen Hauptländern ergibt sich einerseits ein Austauschverhältnis analog demjenigen zwischen EL und imperialistischen Ländern; andererseits bemerkte bereits der zitierte UNO-Report, daß die Stundung der auflaufen- den Defizite der RSA eine direkte Unterstützung der Apartheid-Re- publik darstellt, deren Ökonomie ansonsten von verheerendem Kapi- talabzug betroffen wäre 73). 2. Ein weiterer Aspekt der ökonomischen Situation der RSA ist die Höhe der ausländischen Kapitalanlagen. Sie stellt sich als Pro- blem in zweierlei Hinsicht dar: Erstens aufgrund der "Eingleisig- keit" dieser Investitionstätigkeit; während die dem US-ameri- kanischen Kapitalstrom ausgesetzten Länder Westeuropas (BRD, Frankreich, Großbritannien) wie selbst Kanada parallel zu ihrem wachsenden Einfluß innerhalb des imperialistischen Lagers (der ja ein Ausdruck der Entwickeltheit ihrer Ökonomie ist) zum Kapitalexport in die anderen imperialistischen Ländern übergehen konnten (zum Unterschied vom Kapitalexport in EL usw.), vollzieht sich die Investitionstätigkeit des südafrikanischen Kapitals im wesentlichen nur in Richtung auf afrikanische Länder, nicht je- doch in die "Metropolen". Relativ hohe Anlagen in England z.B. sind eher auf die Kapitalkonstruktion einiger südafrikanischen Konzerne wie der Anglo American Group - DeBeers - Charter Conso- lidated zurückzuführen. Die herrschende burische Bourgeoisie der RSA ist entsprechend bemüht, den totalen Einfluß ausländischen Kapitals durch sog. "Joint ventures" (Gründungen mit paritäti- scher Aktienbeteiligung zwischen RSA-Kapital und Auslandsinve- stor) unter Kontrolle zu bringen (bei westdeutschen Firmen mit auch von diesen angesichts der Verwertungsbedingungen als tak- tisch verbuchtem Erfolg). Hierin liegt das zweite Problem: Die Industrie der RSA unterliegt zu großen Teilen, in manchen Sekto- ren noch fast völlig, der deren Profitinteressen folgenden Verfü- gung ausländischer Kapitalgruppen. Dies geht deutlich aus dem Umfang ausländischer Investitionen hervor. Er betrug 1968 etwa 28 bis 29 Mrdn. DM, wovon britisches Kapital mit immer noch über 50% den größten Anteil ausmachte. War britisches Kapital traditionell in Südafrika ansässig - noch 1960 betrug es 63,6% des gesamten Auslandskapitals, wovon ein Drittel extraktiv angelegt war -, so floß unter einer großzügigen Trans- fer-Regelung für Gewinne und mit Hilfe einer umfangreichen Propa- ganda seit Beginn der sechziger Jahre zunehmend amerikanisches und seit der Rezession 1966/67 auch westdeutsches Kapital in die Republik; entsprechend dem strukturellen Wandel in der südafrika- nischen Wirtschaft und den neuen Profitchancen wurde es vornehm- lich im weiterverarbeitenden Sektor angelegt 75). Ohne auf die zahlreichen gebotenen Vorteile für Auslandsanleger einzugehen, lassen sie sich nahezu alle auf die sozialökonomische Lage der Farbigen des Landes zurückführen, deren Ausbeutung nicht nur den inländischen Monopolisten, sondern auch den ausländischen Höchstprofite garantiert 76). Die extreme Ausbeutung der afrika- nischen Bevölkerung ist damit in zweierlei Hinsicht Grundlage der weißen Minderheitsherrschaft. Sie ist es einmal unmittelbar öko- nomisch durch die Mehrwertaneignung der herrschenden Klasse, zum anderen aber stellt der Grad der Ausbeutung den notwendigen An- reiz für ausländisches Kapital dar, das für die Errichtung von Industrien mit modernster Technologie benötigt wird, in denen wiederum afrikanische Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Der süd- afrikanische Rassismus ist damit überhaupt erst Grundlage der er- weiterten Reproduktion des Kapitals in der RSA. Hinzu tritt ein weiterer Effekt: Durch die Kapitalinteressen in der RSA ist auch das politisch-militärische Interesse des monopolistischen Staates an die Aufrechterhaltung des rassistischen Systems gebunden 77). Dadurch tritt aber zugleich deutlich die existenzielle Abhängig- keit der südafrikanischen Herrscherklasse von ausländischer Un- terstützung hervor, sowohl was die ökonomischen und sozialen Be- dingungen ihrer Herrschaft betrifft, als auch die außerökonomi- schen Herrschaftssicherungsmechanismen. Auf der gemeinsamen Grundlage der Ausbeutung der farbigen Ar- beitskraft zumal lassen sich drei Bereiche der südafrikanischen Wirtschaft unterschieden: Zum ersten das vornehmlich britisch be- herrschte Bergbaukapital (allerdings befindet sich das Kapital des größten afrikanischen Trusts, der Anglo-American-Group, zu 60 Prozent in südafrikanischer Hand 78); des weiteren ein starker staatskapitalistischer Sektor vor allem der Energie- und Stahlin- dustrie, in dem der Herrschaftsanspruch der burischen Bevölke- rungsgruppe ökonomisch seinen Ausdruck findet; schließlich der Bereich der internationalen Kapitalanleger, die sich insbesondere in der weiterverarbeitenden Industrie engagiert haben, darunter führend zwar auch Großbritannien, aber dicht gefolgt von den USA, der BRD sowie in wachsendem Maße Japan. Die RSA bietet das Bild eines Staates, in dem nahezu sämtliche Konzerne von internationaler Bedeutung vertreten sind. Daneben aber etablieren sich auch zahlreiche kleinere Firmen, nicht zu- letzt aus der BRD, angelockt von den hohen Profiten. Insbesondere das Ausmaß westdeutscher Beteiligungen soll im fol- genden anhand einiger Beispiele verdeutlicht werden. Daß deut- sches Kapital im gesamten südafrikanischen Raum auf eine ertrag- reiche Vergangenheit zurückblicken kann, sie hier nur am Rande vermerkt 79). Westdeutsche Investoren gelten der herrschenden Klasse in der RSA als besonders willkommen 80). Neben traditionellen Gemeinsamkei- ten wie enger Affinität an den Nationalsozialismus 81) und bis in "Kaisers Zeiten" 82) sind hierfür bestimmend der Versuch der süd- afrikanischen Bourgeoisie, sich sowohl von der Vormacht des eng- lischen Kapitals zu lösen als auch eine Übermacht des US-Kapitals an dessen Stelle zu verhindern, da sich die US-Konzerne durch die Eigenschaft auszeichnen, ungern Beteiligungsgesellschaften zu gründen und überdies Gewinne meist vollständig zu retransferie- ren, so daß der RSA für ihre erweiterte Reproduktion benötigstes Kapital verloren geht. Dem westdeutschen Kapital wiederum kommen die extrem günstigen Verwertungsbedingungen entgegen. In der RSA sind inzwischen weit über 300 Unternehmen aus der BRD vertreten, deren Anlagen einen Wert von mindestens 1 Milliarde DM repräsentieren dürften 83). Es handelt sich dabei um renommierte Unternehmen wie die bundes- eigene Salzgitter AG oder den Rheinstahl-AG-Konzern; an weiteren Firmen der Stahlbranche sind vertreten der Klöckner-AG-Konzern und unvermeidlicherweise auch die Friedr. Krupp Hüttenwerke AG, die August-Thyssen-Hütte AG, der Röhrenkonzern Mannesmann und die Hoesch AG. Die DEMAG kooperiert schon seit den dreißiger Jahren mit dem südafrikanischen Stahltrust ISCOR, der sich in Staatsbe- sitz befindet, und baut beispielsweise Krananlagen für eine An- zahl südafrikanischer Häfen ebenso wie für Verladekais in Angola und Mozam-bique; inzwischen ist ihre südafrikanische Dependance bereits zum Export u.a. nach Mexiko übergegangen. Die Maschinenbaukonzerne Klöckner-Humboldt-Deutz, M.A.N. und Krauss-Maffei (Flick-Gruppe) haben sich entweder Beteiligungen gesichert (wie M.A.N.) oder eigene Tochtergesellschaften gegrün- det. Der Volkswagen-AG-Konzern errang 1970 in der RSA gegen die Kon- kurrenz von British-Motor/Leyland, General Motors, Ford und ei- nige andere internationale Automobilkonzerne einen Marktanteil von 14 Prozent. Über das Zwangsarbeitssystem, das der Firma 1968 und 1969 die exorbitante Dividende von 45 Prozent einbrachte, ließ sich Georg Eckert, bis 1971 Chef des südafrikanischen Able- gers, aus: "Das wirkt sich positiv aufs Geschäft aus: Man weiß, man hat seine Arbeitskräftezufuhr und bekommt soundsoviel aus be- stimmten Gebieten", sowie: "Das alles hat doch nichts mit Moral zu tun, das ist doch nur eine Frage des Geschäfts" 84). Ebenfalls positive Geschäftsentwicklungen vermeldete die Daimler-Benz-AG aus Südafrika: Die 1600 Arbeiter in den zwei Werken erarbeiteten einen Umsatz von fast 300 Mio. DM im Geschäftsjahr 1970. Die größten Unternehmen der Elektroindustrie, Siemens, AEG-Tele- funken und Bosch sind ebenfalls vertreten, daneben natürlich auch die Nachfolgekonzerne der IG Farben, Hoechst, Bayer und BASF; letztere läßt ihre Produkte über eine südafrikanische Gruppe ver- treiben. Für die westdeutschen Pharmaziekonzerne Boehringer und Schering produzieren Firmen der südafrikanischen Noristan-Gruppe als "Lohnhersteller". Zweigwerke und Vertriebsgesellschaften unterhalten der Henkel- Waschmittelkonzern, das Reifenunternehmen Continental und der zur Quandt-Gruppe gehörende Varta-Konzern. In Rosslyn, einer Klein- stadt im Industrierevier der RSA, eröffnete 1965 der Geschäfts- führer der Rosenthal-Porzellan-AG des SPD-Unternehmers Rosenthal ein Zweigwerk mit den Worten: "Bei der Firma Rosenthal in Bayern ... verdient ein Arbeiter in zwei Stunden das, was mancher Bantu in einer Woche verdient. Für uns ist das eine sehr große Einspa- rung. Auf diese Weise kommen wir zu sehr interessanten Preisen." 85). Ein Konglomerat besonderer Art bildet die Verflechtung des Ham- burger Zigaretten- und Brauereikonzerns Reemtsma mit der südafri- kanischen Rembrandt-Rupert-Tobacco-Group, die vor kurzem die Bre- mer Brinkmann-Zigaretten übernahm: die Rembrandt-Rupert-Gruppe ist in der RSA Nachfolgerin des 1945 in Schwierigkeiten geratenen Reemtsma-Imperiums des SS-Finanziers und Deutsche-Bank-Großaktio- närs Philipp Reemtsma. Eine Vielzahl von weiteren Verflechtungen ist der größte Roh- stoffkonzern der BRD, die Frankfurter Metallgesellschaft AG, ein- gegangen. Herrscherin über etliche südafrikanische Niederlassun- gen und selbst eng mit britischem Minenkapital (British Metal Corp.) verbunden, arbeiten ihre Tochterfirmen in den Bereichen der Kupfergewinnung, Aluminium-Silikat- und Chromerzförderung so- wie anderen Bereichen. Außerdem kooperiert sie technologisch mit dem südafrikanischen Staatskonzern SASOL (Chemie und Kohlever- flüssigung), sowie Unternehmen des Anglo-American-Trusts. Neben diesen Großkonzernen haben sich zahlreiche mittlere und kleine Unternehmen in der RSA niedergelassen, darunter Firmen wie die Schweinfurter Kugellagerfabrik Kugelfischer, die Nixdorf Com- puter AG, Liebherr, Wagner-Pelikan oder die Arwa-Feinstrumpf- werke (die den Markt souverän beherrschen); nicht einmal "4711" und "Klosterfrau Melissengeist" fehlen. Begleitet war die ständig wachsende Investitionstätigkeit west- deutscher Unternehmen von einem zunehmenden Engagement der BRD- Großbanken. 1959 eröffnete die Deutsche Bank den Reigen mit einer Wandeleanleihe an die Anglo-American-Corp., durch welche sie zum Aktionär dieses internationalen Trusts wurde 86); dem folgte 1962 ein 40 Millionen-Kredit an die Republik Südafrika, woraufhin die letzten nach Südafrikas Kriegseintritt beschlagnahmten deutschen Vermögenswerte an ihre westdeutschen Kapitaleigner zurückerstat- tet wurden. In der Folgezeit nahm das Anleihengeschäft mit der RSA und südafrikanischen Unternehmen einen Aufschwung, von dem vor allem die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und die Commerz- bank profitierten; alle drei Großbanken sind inzwischen mit Fi- lialen in der RSA vertreten. Was mithin den wesentlichen Charakterzug der westdeutschen Indu- strieansiedlung und Gründung von Zweigstellen von Kreditinstitu- ten (wie auch von Versicherungen, z.B. Allianz und Gerling), Han- dels- sowie Speditionsunternehmen ausmacht, ist die horizontale und vertikale Intensität dieses Auslandsengagements: Angefangen von Finanzinstituten reicht es über Grundstoff- und Ausrüstungs- industrien bis zu Produktionsanlagen für Endfabrikate (z.B. VW) sowie Transportunternehmen wie Reedereien und Handelskontoren. Insofern als damit - auf der gemeinsamen Grundlage der Ausbeutung billiger Arbeitskraft - ein Zuliefer- und Verteilungssystem west- deutscher Firmen im Auslande geschaffen ist, das sich in großen Bereichen nicht von dem innerhalb der BRD unterscheidet (ausgenommen die technologische Stufe der Produktion in einigen Bereichen), werden die Profitchancen der angesiedelten Konzerne wie ihrer Zulieferer, die auf diese Weise der heimischen Konkur- renzsituation entgehen können, beträchtlich erhöht. Festzuhalten gilt es, daß die RSA insofern den Status eines neo- kolonial ausgebeuteten Landes einnimmt, als ihre eigene ökonomi- sche Entwicklung aufgrund der Außenwirtschaftsbeziehungen Hemm- nissen begegnet, die sich in negativen Handelsbilanzen und hohem Kapitalabfluß äußern, der eine rasche Industrieentwicklung auf erweiterter Stufenleiter behindert, was aufgrund der Klassenver- hältnisse explizit für den farbigen Bevölkerungsteil zutreffend ist, während die weiße Bourgeoisie Nutznießer, zugleich aber auch Abhängiger dieser Situation ist. c) Die RSA als Subjekt neokolonialer Beziehungen: ------------------------------------------------- Die Entwicklung der RSA-Industrie stößt neben dem durch die Form der Außenwirtschaftsbeziehungen herbeigeführten Kapitalmangel noch auf weitere Schranken, die zum Teil auf die Form des Herr- schaftssystems zurückzuführen sind. Hierbei ist zum einen zu nen- nen, daß die rigide Aufrechterhaltung des Apartheidsystems sich in einem akuten Mangel an Facharbeitern niederschlägt. Da selbst ein permanenter Einwanderungsüberschuß vor allem aus europäischen Ländern diese bedrohliche Entwicklung nicht mehr auszugleichen vermag, laufen die Forderungen einiger "liberaler" Kapitalgruppen - darunter auch Harry Oppenheimers, Vorsitzender und Großaktionär des Anglo-American-lmperiums - auf eine behutsame Lockerung der Apartheidschranken hinaus 87). Das gesetzlich abgesicherte Niedrigstlohnniveau für farbige Ar- beitskräfte schafft einen zu engen Binnenmarkt für die wachsende Industrieproduktion; sie stößt zudem auf die starken Stellungen ausländischer Monopolgruppen, die ins Land gekommen waren; der stagnierende Inlandsabsatz bedroht die Mehrwertrealisierung. For- cierter Export schuf hier zwar einige Ausgleiche, genügte aber nicht den Erfordernissen 88). Hieran schließt sich ein weiterer Faktor: Die von südafrikani- schen Unternehmen erwirtschafteten Profite lassen sich nicht be- liebig für extensive Reproduktion auf gleicher Stufe anlegen; für Intensivierungen der Produktion fehlt z.T. eigenes technologi- sches Know-how, das auf Kosten von Handelsbilanzdefiziten impor- tiert werden muß; sie würden überdies wieder auf die genannten Absatzschranken und das zu geringe Arbeitskräftepotential stoßen. Daraus folgt erstens, daß die südafrikanische Industrie bestrebt sein muß, ihre Handels- und Zahlungsbilanzdefizite durch ver- stärkten Export auszugleichen, desgleichen aber auch durch Absi- cherung eines Exportraumes, der vorerst primär nur Afrika sein kann, da die südafrikanischen Industrieprodukte auf den Märkten der imperialistischen Länder zu starker Konkurrenz und Schutzzöl- len sowie weiteren protektionistischen Mechanismen gegenüberstün- den. Zweitens erscheint es in engem Zusammenhang hiermit nur fol- gerichtig, wenn die südafrikanischen Konzerne ihr relativ über- schüssiges Kapital (das durch die Existenz marktbeherrschender ausländischer Filialen in vielen Branchen nicht profitabel anleg- bar ist) im wegen noch niedrigeren Lohnniveaus noch profitableren afrikanischen Ausland anzulegen versuchen; daß hierzu starke po- litisch-strategische Interessen kommen, resultiert aus der kriti- schen geographischen und politischen Lage des Apartheid-Staates und aus seinen wachsenden Rohstoffinteressen. Daraus ergeben sich zwei Tendenzen eines südafrikanischen Expan- sionismus: Der vorerst noch dominierende, der Warenexport, und zwar vornehmlich in die Nachbarländer; in zunehmendem Ausmaße aber auch Kapitalexport in Bergbau und Produktionsindustrie der- selben Länder (in Form von Krediten hat dieser Kapitalexport in seiner kurzfristigen Variante bereits beträchtliche Ausmaße er- reicht 89)). Als Hindernis für einen verstärkten Export der RSA stellte sich freilich schon vor mehr als einem Jahrzehnt das Apartheidsystem heraus: Die meisten afrikanischen Staaten waren ungeachtet ihrer Gesellschaftsform entschiedene Gegner des rassistischen Systems im Süden des Kontinents, verweigern ihm bis heute die diplomati- sche Reputation und blockieren Handelskontakte; eine wesentliche Rolle spielte hier vor allem zur Regierungszeit Kwame Nkrumahs die OAU 90). Die Reaktion der RSA auf diese internationale Dis- kriminierung stellte die schon unter Premier Verwoerd verkündete Politik der "guten Nachbarschaft" dar, deren verstärkte Propagie- rung sich sein Nachfolger Vorster angelegen sein läßt 91). Ziel dieser "neuen Außenpolitik" ist die Durchbrechung der afri- kanischen Front gegen Kontakte jeglicher Art mit dem Regime in Pretoria. Dabei bedient sich die RSA einer Anzahl verschiedener Mittel, darunter besonders die gezielte Werbung durch den Präsi- denten Malawis, das ökonomisch und politisch fast völlig von der RSA (und Rhodesien) abhängig ist. Flankiert wurde dieser Vorstoß von einer diplomatischen Offensive in mehreren europäischen Staa- ten, vor allem Frankreich. Nach einer Visite Pompidous in einigen frankophonen afrikanischen Staaten vermutete das amerikanische "TIME"-Magazin, daß bei der kurz darauf folgenden Kontaktaufnahme mehrerer dieser Länder zu Pretoria politische Erpressung ("political arm-twisting") zugunsten der RSA im Spiel gewesen sei 92). Bis zum Jahresende hatten sich etwas über ein halbes Dutzend afrikanischer Staaten teils schlichtem Druck gebeugt, teils aus Verzicht auf auch von bourgeoisen Regierungen partiell eingehal- tenen Grundprinzipien anti-imperialistischer Politik zu Kontakten mit der RSA bereit gefunden, darunter Gabun, die Elfenbeinküste und - unter dem Beifall des damaligen SPD-Staatssekretärs Ro- senthal - auch Ghana 93). Gabuns "unausgebeuteter Mineralreichtum (wird) als vorzügliches Anlagegebiet für südafrikanisches Kapital erachtet" 94) - kein Zweifel bei den in den letzten Jahren aufge- fundenen Erdöl-, Mangan- und Uranvorkommen. Nimmt man zu den Zielländern der außenpolitischen / exportwirt- schaftlichen Offensive Pretorias - vor allem Gabun, Zaire und ei- nige weiter mittelafrikanische Staaten - hinzu die traditionellen Einflußbereiche der RSA - das annektierte Nambia, die durch Zollunion und Kapitalverflechtung mit der RSA zwangsverbundenen Staaten Botswana, Lesotho und Ngwane (Swasiland) - sowie die por- tugiesischen Kolonien Angola und Mozambique und den Verbündeten Rhodesien, so sind damit bereits die meisten derjenigen Regionen genannt, die der südafrikanischen Konzeption zufolge in einer Art südafrikanischem Gemeinsamen Markt (SACOM) unter Hegemonie der RSA zusammengefaßt werden sollen. Dieses SACOM erfüllte nicht al- lein die Funktion eines Wirtschaftsgroßraumes, sondern nicht zu- letzt - als befriedeter Vorraum der RSA - eines "von Revolutionen und Chaos freie(n) Gebiete(es)", so der Propagandist Irmin Groh- mann 95), mithin eines "Bollwerkes" gegen jedwede Befreiungsbewe- gungen und Tendenzen sozialistischer Art, die Pretoria nicht müde wird als "von Moskau gesteuert" und als Terrortrupps zu diffamie- ren 96). Äußerungen südafrikanischer Politiker und Kapitalvertreter sowie die bereits vollzogene Expansion südafrikanischen Kapitals legen indessen eine Erweiterung des hier in Betracht kommenden Raumes nahe 97). In dieselbe Richtung zielt der Versuch der Ausschaltung der existierenden Befreiungsbewegungen; Pretorias Definition für diese Bewegungen unterstützende Staaten: "Staaten, die ... ideo- logische Belange über ihre wirtschaftlichen Belange stellen und somit als Feinde anzusehen sind" 98) - Staaten, die also zu un- terwerfen und dem SACOM möglichst anzufügen sind. Derartige Staa- ten sind das rohstoffreiche Zambia und das Tanzania des Julius Nyerere. Zambia beispielsweise verstaatlichte im Gefolge Tanza- nias große Teile der ausländischen Kapitalanlagen, unter denen Besitzungen der Anglo American Corp., Kupferkonzessionen vor al- lem, eine hervorragende Stellung einnehmen 99). Die Direktinvestitionen südafrikanischer Unternehmen in den um- liegenden Ländern betrugen 1969 etwa 3,6 Mrd. DM, wovon der größte Teil auf den Kupferbergbau Zambias, auf Minengesellschaf- ten und weitere Firmen in Rhodesien sowie die Bauindustrie Mala- wis entfielen; weitere runde 600 Mio. DM entfielen auf das annek- tierte Nambia 100). Die Stellung der Anglo American Corp, im Kupferbergbau Katangas (Zaire) sowie ihre engen Verbindungen zum immer noch wesentlich belgisch beherrschten Trust Gecomines (die vormalige Union Mi- niere des Belg. Kongo) 101), beziehen jedoch auch diesen Teil Zaires in die südafrikanischen Kalkulationen ein. Damit ergibt sich das Bild eines südafrikanisch beherrschten Sub- kontinents, der sämtliche Länder südlich des Äquators einbeziehen würde: 1 Die RSA selbst und Namibia; 2 Botswana, Lesotho und Ngwane als Enklave und wirtschaftlich wie politisch abhängige Nationen; weitgehend dasselbe gilt für Malawi; 3 die portugiesischen Kolonien Angola und Mozambique; 4 das relativ eigenständige und selbstbewußte, gleichwohl wesent- lich auf südafrikanische Unterstützung angewiesene Rhodesien (von den Befreiungsbewegungen Zimbabwe genannt); diesem engeren "SACOM"-Raum ist die RSA bestrebt tendenziell an- zugliedern 5 Zambia, das als Gegner auszuschalten und als Rohstoffbasis zu vereinnahmen ist; 6 Zaire und Gabun als weitere rohstoffreiche Staaten; beider Ent- gegenkommen wird zunächst im Rahmen der "Dialog"-Politik Vorsters angestrebt - im Falle Gabuns hatte dies bereits Erfolg; 7 zumindest zu isolieren, wenn nichtebenfalls als gegenwärtigen Gegner zu eliminieren gilt es für Pretoria Tanzania, von dessen Territorium wie von dem Zambias die Befreiungsbewegungen in An- gola und Mozambique vielfältige Unterstützung erhalten. Hierbei spielt auch die Gefahr eine Rolle, die ein tendenziell erfolgrei- cher nicht-kapitalistischer Weg des z.Zt. noch extrem unterent- wickelten Tanzania für die Vorherrschaft des Kapitals in Gesamt- afrika darstellte. 8 Von geringerer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Madagaskar und Mauritius - allein, weil ihre geographische Lage als Inseln sie einem direkten Zugriff der RSA weitgehend entzieht. Ihre öko- nomische Bedeutung ist gleichfalls - als Umschlagplatz wie als Rohstoffbasen - nicht so herausragend, daß sie Teztlaffs Ein- schätzung rechtfertigte. Inwieweit die RSA alle diese Länder ebenfalls in ihren Wirtschaftsgroßraum einzubeziehen anstrebt bzw. diese einbeziehbar sind, hängt im wesentlichen von der je- weiligen Entwicklung dieser Staaten und damit des Erfolges der Strategie Pretorias selbst ab. Innerhalb dieses Raumes bestehen mit der RSA, Rhodesien und Por- tugal drei Hauptmächte, unter denen zwar Südafrikas Vorherrschaft derzeit unangegriffen, aber keineswegs unkritisch hingenommen ist. Im Verhältnis dieser drei Staaten bzw. ihrer herrschenden Klassen spiegeln sich Divergenzen ökonomischer Natur wieder. Besteht das Interesse des südafrkianischen Großkapitals darin, sich den gesamten bezeichneten Raum ökonomisch abhängig zu ma- chen, um derart ungestört sowohl Absatzmärkte als auch Kapitalan- lagegebiete zu beherrschen, so stößt diese Dominanzstrategie bei den herrschenden Klassen Rhodesiens und Portugals auf verhaltenen Widerstand, der sich in verschiedener Bündnispolitik äußert. Das sog. "Mutterland" Portugal, d.h., seine Bourgeoisie, ist exi- stenziell abhängig von der Aufrechterhaltung der Ausbeutung sei- ner Kolonien. Diese erfolgt zwar bereits jetzt im wesentlichen durch ausländische Gesellschaften, andererseits ist Lissabon be- müht, durch möglichst breites Engagement internationaler Konzerne eine zu eindeutige Vorherrschaft eines Landes bzw. weniger Kapi- talgruppen zu verhindern 102). Seine Anlehnung erfolgt daher ko- lonialpolitisch auch verstärkt an die USA, um die allzu drückende Vormachtstellung der RSA in dieser Hemisphäre zu verringern. In diesem Sinne äußerte sich auch der US-Unterstaatssekretär Mennen Williams: "Es liegt weder in unserem Interesse, daß die Portugie- sen Afrika verlassen, noch wollen wir ihren Einfluß dort beein- trächtigen" 103). Demgegenüber versucht Rhodesien, sich der südafrikanischen Umar- mung u.a. dadurch zu entziehen, daß es eine verstärkte Rückwen- dung zu Großbritannien betreibt. Der erste, durch die reaktionäre Heath-Regierung in London begünstigte derartige Versuch schei- terte zwar am entschiedenen Widerstand der afrikanischen unter- drückten Klassen 104), dennoch erscheint diese Konzeption nur folgerichtig, da die RSA ihrerseits eine allzu enge Bindung an Großbritannien nicht zu favorisieren scheint. Überdies hatten RSA und Rhodesien bereits einen Handelskonflikt miteinander, der durch die größere Stärke zugunsten der RSA im Sinne einer Ein- fuhrkontingentierung rhodesischer Konsumgüter entschieden wurde 105). Diese Divergenzen wirken sich zwar nicht in offenen Konflikten aus - dazu ist die jeweilige Situation der herrschenden weißen Klassen zu labil und sind die beiden kleineren Staaten Portugal und Rhodesien zu abhängig von der Stärke der RSA - gleichwohl zeigt sich in diesen Auseinandersetzungen und gegensätzlichen Bündnisstrategien der unüberbrückbare Widerspruch zwischen kapi- talistischen Ländern bei der Verfolgung ihrer jeweiligen Profi- tinteressen. Auf tieferer Stufe als die Verdeckung der Rivalitä- ten zwischen den imperialistischen Hauptmächten reproduziert sich ein analoges Verhältnis auch unter den international weniger be- deutenden neokolonialistischen (im Falle Portugal nach wie vor kolonialistischen) Staaten. d) Die RSA und das südliche Afrika ---------------------------------- im imperialistischen Gobalsystem: --------------------------------- Neben der wirtschaftlichen Integration im sog. SACOM betreiben die drei vorherrschenden Mächte des südlichen Afrika auch die mi- litärische Kooperation in einer bündnisähnlichen Formation, die häufig als "Aspro"-Bündnis bezeichnet wird (Africa do Sul - Por- tugal - Rodesia). Zielsetzungen und Stoßrichtungen dieses Verbun- des ergeben sich aus der exponierten strategischen Situation zumal des Rassistenstaates. Mißlingt der Versuch, das sog. "Vorfeld" der RSA militärisch niederzuhalten, also den Vormarsch der Befreiungsbewegungen in Angola, Mozambique und Zimbabwe zu stoppen und diese Kräfte zu besiegen, so verschärft sich die Lage der RSA entscheidend: Die ohnehin immer labilere Stabilität des weißen Regimes im Inneren, die sich in dem immer noch andauernden Kampf der Ovambos in Namibia sowie in Kämpfen der Zulus in ihren Reservaten zu Beginn dieses Jahres 1972 drastisch äußerte, würde durch eine unmittelbare Nachbarschaft mit befreiten Gebieten noch stärker gefährdet 106). In ihrer Existenz abhängig von der Nie- derwerfung der Befreiungsfronten, praktiziert die RSA zusammen mit den militärisch schwächeren und allein auf verlorenem Posten stehenden Regimes Rhodesiens und Portugals einen vietnamähnlichen Krieg mit "search-and-destroy-operations", "counter-insurgenca" usw. und der Entfaltung militärischer Machtmittel auf breitester Skala bis zu Giftgaseinsätzen 107). Neben der Unterstützung der portugiesischen Kolonialisten führen RSA-Streitkräfte in Rho- desien Krieg. "Südafrikanische Polizei- und Militäreinheiten un- terstützen schon seit Jahren im nördlichen 'Weißen Vorfeld' Rho- desiens die dortigen Sicherheitsstreitkräfte gegen eingedrungene Sabotagetrupps" 108). Daß es sich längst um mehr als lediglich "Sabotagetrupps" handelt, unterschlägt die südafrikanische Propa- ganda wohlweislich 109). Zur Abwehr der Befreiungsbewegungen tritt als Aufgabe der hochge- rüsteten südafrikanischen Streitkräfte 110) die der "Ordnungsmacht" im Inneren. Was den Militarismus im bereits er- wähnten Testlaff'schen Syndrom /28/ angeht, so gilt Lenins Ein- schätzung unverändert, die er in Anlehnung an Karl Liebknecht vornahm: "Der moderne Militarismus ist ein Resultat des Kapita- lismus. In seinen beiden Formen bildet er eine 'Lebenser- scheinung' des Kapitalismus: als Militärmacht, die die kapitali- stischen Staaten bei ihren äußeren Zusammenstößen einsetzen ..., und als Waffe in den Händen der herrschenden Klassen zur Niederhaltung aller (ökonomischen und politischen) Bewegungen des Proletariats" 111). Ist infolge der Existenz des Sozialismus und der Systemauseinandersetzung die erste Variante zurückgetreten, so hat die zweite gewissermaßen "externe" Qualität hinzugewonnen durch den Einsatz der Militärmacht gegen Befreiungsbewegungen usw. in anderen Ländern. Hierzu wären auch die Aktivitäten von Geheimdiensten zu rechnen. Der Südafrikanische Militarismus ist der konkrete Ausdruck der Notwendigkeit für die herrschenden Klassen, sich im Landesinneren zunehmend, wie in den umliegenden Ländern bereits seit längerem, des Vormarsches von Befreiungsbewegungen zu erwehren. Soll die beschleunigte wirtschaftliche "Integration" (wozu etwa die auf- wendigen Energieverbundprojekte von Cabora Bassa, Kunene und am Oranje-Unterlauf zählen) 112) die Vorherrschaft des Kapitals un- termauern, so dient die militärische Repression der Aufrechter- haltung der außerökonomischen Herrschaftsbedingungen und Schaf- fung der Voraussetzungen, die "Integration" überhaupt erst durch- zuführen. Freilich übersteigt diese Aufgabe auch die Möglichkeit der RSA tendenziell: Wachsende Unruhe im eigenen Land und im an- nektierten Nambia (Ovambostreiks), größere Politisierung der afrikanischen Bevölkerung Zimbawes (Ablehnung des Vertrages zwi- schen Ian Smith und Douglas Home), die Erfolge von FRELIMO und MPLA in Mozambique und Angola lassen die Position der RSA als auf längere Sicht aussichtslos erscheinen. Diese Erkenntnis führte frühzeitig dazu, daß Pretoria, aber auch Lissabon, Anschluß an die Militärmächte der imperialistischen Großmächte suchten. Über den Rahmen einer sog, SATO (als Gegen- stück zur NATO) hinaus, die nach südafrikanischen Vorstellungen die RSA, Portugal, Rhodesien sowie Argentinien und Brasilien um- fassen soll - und in der Pretoria tonangebend wäre - propagieren vor allem portugiesische Kreise den Anschluß an die NATO 113); sowohl Lissabon als auch Pretoria führen hierbei strategische Überlegungen ins Feld, die seitens der Portugiesen mit dem Wert der kolonialen Besitzungen für die "Sicherheit" des Seeweges nach Indien usw. bestritten werden, während die RSA daneben auch ihre Brückenkopf-Funktion und ihre Ordnungsfunktion gegenüber den schwarzafrikanischen Staaten betont. Diese Konzeptionen stießen auf Gegenliebe. Der Afrika-Spezialist im State Department unter Kennedy, Unterstaatssekretär Mennen Williams, erläuterte "Nutzen" und Bedeutung der Beziehungen zur RSA bereits so: Sie wären "wesentlich ... für unsere eigenen wirtschaftlichen, wissen- schaftlichen und strategischen Interessen" 114). Hinter diesen Formulierungen verbirgt sich neben dem in der Tat wesentlichen Interesse an der Bastion RSA gegen die vordringenden Befreiungsbewegungen (auf das Problem divergierender Ansichten über opportune Konzessionen usw. wird weiter unten eingegangen) vor allem ein massives wirtschaftliches Interesse, das die RSA neben der Betonung ihrer strategischen Position gezielt einzuset- zen versteht: Die immense Höhe des in dem gesamten Raum inve- stierten Kapitals. "Meiner Ansicht nach sind direkte ausländische Kapitalinvestitionen nützlich ... auch, weil sie .. in politi- schen Krisenzeiten etwas wie einen Sicherheitsfaktor bilden", erläuterte der frühere Zentralbankpräsident der RSA einmal und umschrieb damit die Strategie der Bindung ausländischer Interes- sen an die Existenz des Regimes durch die Forcierung ausländi- scher Investitionen 115). Damit leitet sich das strategische Interesse an der RSA Existenz der direkt aus der Intensität des Kapitaleinsatzes in diesem Ge- biet ab, indem sie als Garant der ökonomischen und nichtökonomi- schen Herrschaftsbedingungen angesehen wird. Zum zweiten aber- stellt sich unter dem Gesichtspunkt der Systemauseinandersetzung die Stellung der RSA dar als Garant der Kapitalverwertungsbedin- gungen schlechthin, also in dem Sinne, daß es um die fortgesetzte Beherrschung eines stetig schrumpfenden Betätigungsfeldes für das Kapital im globalen Maßstab geht. Es ist Ausdruck des Aufbrechens immer zahlreicherer Widersprüche in der Krise des Imperialismus, daß hierüber auch die Ansichten weit auseinandergehen, welche Be- deutung dem RSA-Regime im Sinne einer effektiven Herrschaftssi- cherung auf lange Sicht zuzumessen sind. So ist gegenwärtig, eine Tendenz diejenige, der RSA angesichts der sich verschärfenden Auseinandersetzung und des wachsenden Er- folges der nationalen Befreiungsbewegungen eine erhöhte militär- strategische Bedeutung zuzumessen. (Daß die RSA für die interna- tionalen Monopole als geeigneter Brückenkopf für eine Kapitalex- portstrategie in die umliegenden Länder dient, sei hier vermerkt, allerdings ist es naheliegend, daß eben diese Funktion wesentlich vom Erfolg der südafrikanischen Konterrevolutionspolitik abhängig ist.) Ohnehin in einen umfangreichen Unterdrückungsfeldzug enga- giert, käme der RSA nach dieser Überlegung die Funktion zu, "Stellvertreterkriege" für die imperialistischen Hauptmächte zu führen (wofür sie deren massive Unterstützung erhielte), nachdem der Vietnamkrieg die Rolle der USA als globaler Weltgendarm des Großkapitals erschüttert hat. Die sich hierin äußernde Vorstellungen bestimmter Monopolfraktio- nen, so vornehmlich der Rohstoffkonzerne und Rüstungsindustrien, bestimmen vorerst weitgehend die Politik der imperialistischen Mächte gegenüber der herrschenden Klasse der RSA und damit den unterdrückten Massen dieses Subkontinents. Sie ist geprägt von weitreichender Unterstützung der Regimes in Pretoria, Lissabon und Salisbury durch militärische, wirtschaftliche und politisch- diplomatische Maßnahmen. Die BRD geht hier nach wie vor "beispielhaft " voran, wenngleich Teilerfolge der flexiblere Me- thoden vertretenden Kräfte in letzter Zeit zu verzeichnen sind. Der Apartheid-Ausschuß der Vereinten Nationen hob in der zitier- ten Studie hervor, daß die Stundung der beträchtlichen Warenaus- tauschschulden der RSA durch ihre Haupthandelspartner eine mas- sive wirtschaftliche Unterstützung der südafrikanischen Bour- geoisie darstelle 116). Der mit den USA, Japan und der BRD zumal rapide wachsende Handel sei frappant insofern als "die RSA offi- ziell von den Vereinten Nationen mit einem Handelsboykott belegt worden" sei 117). Die BRD-Regierung, ansonsten im Brustton der Unlauterkeit an ihre tiefe Verpflichtetheit den Satzungen usw. der UNO gegenüber erinnernd 118), gehört, wie gezeigt wurde, ne- ben Großbritannien, Japan und den USA zu den Haupthandelspartnern der RSA. Hierzu kommentierte Willy Brandt, damals Außenminister der Großen Koalition, 1968, "daß die Bundesrepublik als Indu- strieland ein legitimes Interesse am Handelsverkehr mit Süd- afrika, Angola und Rhodesien (!) habe. Handel sei keine Schande, und Vorwürfe deswegen müsse die Bundesrepublik eben tragen" 119). Auch die "sozialliberale" Bundesregierung hat sich bislang mit keinem Wort zu den spezifischen Fragwürdigkeiten eines ausgedehn- ten Handelsverkehrs mit der RSA geäußert. Über die Ansichten von CDU/CSU-Politikern zur RSA bedarf es keiner Ausführungen 120). Versprach F.J. Strauß bei seinem letzten Besuch in der RSA für den Fall eines CDU/CSU-Wahlsieges die Aufnahme von Waffenliefe- rungen an die RSA, so wurde die Unterstützung der portugiesischen Kolonialkriegführung durch westdeutsche Waffenlieferungen und Be- handlung von Verwundeten der portugiesischen Armee in Bundeswehr- lazaretten zum bezeichnendsten Beitrag der herrschenden Klassen der BRD zum Thema Menschenrechte, Freiheit und Entkolonisierung in Südafrika. Erst 1971 vermochten Kritiker der Regierung die Einstellung von Waffenlieferungen an Portugal abzuzwingen 121). Diesen zwei Beispielen ließen sich zahllose anfügen. Insbesondere die Rolle Frankreichs als Hauptlieferant für die Waffen an die RSA wäre hier zu nennen, die politische Schützenhilfe der West- mächte im UN-Sicherheitsrat bei Resolutionen gegen RSA, Rhodesien und Portugal, die propagandistische Unterstützung dieser Länder in zahllosen Zeitschriften und Veröffentlichungen rassistischen und damit Grundgesetz-widrigen Inhalts usw. 122). Sie summieren sich zu einer nahezu vorbehaltlosen Stützung der rassistischen und aggressiven herrschenden Kreise dieser Länder, deren ökonomi- sche Interessen weitgehend mit denen der sie unterstützenden Kreise identisch sind bzw. sich mit diesen ergänzen. Nichts wäre freilich falscher als hieraus auf eine monolithische Geschlossen- heit der Front imperialistischer Staaten und ihrer herrschenden Klassen zu schließen, wie dies Formulierungen und Aussagen im Tetzlaff'schen Artikel nahelegen 123). e) "Kollektive" Ausbeutung und Widersprüche im Imperialismus ------------------------------------------------------------ Geht man der Verwendung des Begriffes "kollektiv" (sowie ähnli- cher) in Tetzlaffs Ausführungen nach, so stößt man erstens auf das Phänomen, daß sich ihm unter der Hand eine Vielzahl wechseln- der Bezeichnungen immer wieder zum selben Ergebnis verdichten, ohne daß es glaubwürdiger würde, da nach wie vor unbelegt 124). Zum zweiten fällt auf, daß dem Autor nicht mehr gelingt, als qualmig eine Banalität zu verbreiten: Daß nämlich die neokolo- niale Ausbeutung im südafrikanischen Raum von einer ganzen Anzahl nationaler und Internationaler Konzern- und Monopolgruppen getra- gen wird. Da jedoch der Ausdruck "kollektiv" eine besondere Qua- lität der Ausbeutungsformen impliziert, ist er schlicht falsch, rückt er doch die gegenwärtige Phase des Imperialismus in die Nähe jener Theorien eines "Ultraimperialismus" à la Kautsky, mit denen sich Lenin bereits abschließend auseinandersetzte 125). Aus der relativen Ruhe zwischen den nationalen Bourgeoisien sowie aus der Internationalisierung der Monopolkonzerne auf eine "Kollektivität" der Monopolstrategie zu schließen, die eine über das Profitinteresse hinausgehende Interessenidentität einsch- lösse, das ja gerade Ursache der Rivalitäten unter den Kapital- fraktionen ist, ist schlicht unsinnig. Einzige "Belege" hierfür sind der gegenwärtige Fortfall kriegerischer Auseinandersetzungen und die enge Verflechtung der Monopolgruppen. Dies aber beweist nichts anderes als daß der Sozialismus, zur Weltmacht geworden, die imperialistischen Länder zu einer Notkoalition zusammen- zwingt, sowie, daß die Verfügungsgewalt über das Kapital im staatsmonopolistischen Kapitalismus, aufgrund einer rasanten Kon- zentrationswelle in immer weniger Händen zusammengefaßt wird. Nur: Wessen Hände? Sowohl im Kapitalismus, als Rivalität zwischen Kapitalfraktionen und -gruppen, als auch im historischen Sinne ist dies eine Machtfrage. Im Kapitalismus "wird die Teilung 'nach dem Kapital', 'nach der Macht' vorgenommen - eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapita- lismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung ..." 126). Dies gilt nach wie vor sowohl für die territorialen Interessen des Kapitals, die "Wirtschaftsgebiete", als auch für die Vorherr- schaftsfrage innerhalb dieser Grenzen, also etwa nach der Macht innerhalb monopolistischer Konzerne. Kartellierungen, Absprachen und Neutralisierungen innerhalb etwa von Aufsichtsräten (durch entsprechende Akquisitionsverhältnisse der Aktien) stellen hier- bei nur Ruhepausen dar auf der Grundlage, daß keine der rivali- sierenden Fraktionen zum entscheidenden Vorsprung in der Lage ist 127). Eine flüchtige Betrachtung der internationalen Lage unter den im- perialistischen Mächten erweist bereits das Vorhandensein massi- ver Differenzen, die sich beispielsweise in den gegenwärtigen Währungskrisen ausdrücken. Allein die Zahl der bestehenden Riva- litäten zwischen verschiedenen imperialistischen Ländern ist be- reits Legion. Treten die Vereinigten Staaten etwa der EWG als re- lativ geschlossenem Machtblock gegenüber, so bestehen innerhalb derselben dieselben Konkurrenzverhältnisse als Ausdruck der Vor- herrschaftsbestrebungen der nationalen Monopolbourgeoisien wie eh und jeh (wenngleich die konkreten Träger andere sind), so zwi- schen BRD und Frankreich, den kleineren Benelux-Staaten und den übermächtigen Monopolen der BRD und Frankreichs usw.; der rasche Wiederaufstieg des japanischen Imperialismus reproduzierte unver- züglich die Gegensätze zu den USA, wirkt sich aber heute auch noch als Handelskonkurrenz mit den EWG-Ländern, vor allem der BRD, aus. Wachsende Differenzen stellen sich aber auch zwischen den imperialistischen Hauptmächten und kleineren kapitalistischen Ländern ein, so zwischen den USA und Kanada. US-amerikanisches Kapital befindet sich in seinem früheren Eldorado in einer Ver- teidigungsposition gegen den Vormarsch westdeutschen und franzö- sischen Kapitals usw. Die Formen der Austragung dieser Handels-, Währungs- oder "Territorialinteressen"-Konflikte werden von zwei Faktoren be- stimmt. Der beherrschende ist der Zwang zu Arrangements ohne ent- scheidende Kraftproben durch die gemeinsame Frontstellung gegen- über der eigenen Arbeiterklasse und den Befreiungsbewegungen vor dem Hintergrund des gewachsenen Einflusses des Sozialismus. Diese Notwendigkeit wirkt sich in den imperialistischen Hauptländern tendenziell als Zwang zu flexibleren Herrschaftsmethoden, zu re- formistischen und konzilianteren Konzeptionen aus, was freilich die gleichzeitige Existenz offener Gewalt als Unterdrückungsme- thode, wo dies möglich ist, nicht ausschließt, sondern vielmehr bedingt ist durch die politischen Bewegungen innerhalb der kapi- talistischen Länder, vor allem die Kämpfe der Arbeiterklasse 128). Namentlich im Verhältnis zu den sozialistischen Ländern sowie den Staaten der Dritten Welt sind derartige flexiblere Methoden Aus- druck eines gewachsenen Realismus bestimmter Kapitalfraktionen, deren Konzeptionen langfristig angelegt sind und Positionsverlu- ste in Kauf nehmen, um der zukünftigen Verwertungsbedingungen und -chancen willen. Ist die sozialdemokratisch-liberale Ostpolitik ein Resultat dieser veränderten Strategie einer Fraktion des Mo- nopolkapitals so ist die Entwicklungspolitik der SPD/FDP-Regie- rung ein weiteres. Ähnliche Tendenzen lassen sich auch in den an- deren imperialistischen Ländern feststellen; sie werden Regie- rungspolitik, sobald es den längerfristig auf die "Auflösung" des sozialistischen Lagers und die Einflußsicherung in den EL orien- tierenden Monopolgruppen gelingt, sich gegenüber Rüstungsinteres- sen etwa durchzusetzen. Die bereits erwähnte widersprüchliche und letzthin objektiv nur noch reaktionäre Politik der Kennedy-Admi- nistration (vgl. S. 7, Anm. 27) erklärt sich so aus dem Bemühen "einsichtiger Kreise des US-Kapitals, einerseits den Einfluß in Afrika nicht vollends zu verlieren, andererseits die Verbunden- heit mit den weißen Regimes nicht zu gefährden, woraus der Kom- promißversuch resultierte, etwa Portugal zu weniger auffälligen Methoden der Unterdrückung zu animieren - mit dem bekannten Er- folg 129) - um dessen Herrschaft letztlich aufrecht zu erhalten. Am Beispiel der unter Minister Eppler praktizierten Entwicklungs- politik der BRD läßt sich der augenfällige Unterschied in den ge- genwärtigen Vorstellungen bezüglich der Zukunft des südafrikani- schen Raumes darstellen. Dieweil die Regierungen Großbritanniens und der USA gegenwärtig keinerlei Konzessionen an liberalere Vor- stellungen zu machen bereit sind 130) - und damit konsequent die Regimes in Pretoria und Salisbury sowie Lissabon unterstützen, die ihrerseits kompromißlose Positionen aufrecht erhalten - hat sich Eppler in der Bundesregierung mit einer Anzahl Vorstellungen durchgesetzt, die an den wahrscheinlichen Entwicklungen der Zu- kunft orientiert sind. Die Strategie Epplers ist ausgerichtet an der Einsicht, daß es um die Perspektiven der in Südafrika herrschenden weißen Klasse schlecht bestellt ist - eine angesichts der Fortschritte der Be- freiungsbewegungen naheliegende Konsequenz. Eine fortgesetzte (zumindest offene) Unterstützung dieser Regimes hätte mithin zur Folge die politische Isolierung der BRD in dieser Region sowohl bei den unabhängigen Staaten wie Zambia und Tanzania sowie aller progressiven Länder nicht nur Afrikas, als auch bei den künftigen afrikanischen Regierungen der befreiten Gebiete. Das Resultat wäre der Verlust weiterer Positionen im Kampf gegen die Anerken- nung der DDR zum einen, ein handelspolitischer Rückschlag sowie der wahrscheinliche Ruin der Auslandsanlagen in diesem Gebiet zum anderen. Hieraus folgert eine entwicklungspolitische Konzeption, die verstärkt auf die Länder Tanzania und Zambia ausgerichtet ist, deren nichtkapitalistische Wege von westdeutschen Mono- polkreisen mit Unbehagen verfolgt werden 131). Ziel dieser Poli- tik ist die Beeinflussung der ökonomischen und politischen Ent- wicklung dieser Länder - klassische Funktion aller Entwicklungs- politik 132) - und die Stabilisierung der Entwicklung auf einer nichtsozialistischen Stufe (propagiert wird in Tanzania, freilich mit geringer werdendem Erfolg, die Entwicklung genossenschaftli- cher Wirtschaftsformen). Derselben Konzeption folgte das 1970 von der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung gemachte Ange- bot, die FRELIMO u.a. mit Medikamenten zu unterstützen 133). Pro- jekte, die auf eine größere Unabhängigkeit der Kolonialgebiete von Portugal abzielten, um so ebenfalls der Entwicklung einer entschieden antiimperialistischen und gar sozialistischen Befrei- ungsbewegung zuvorzukommen, scheiterten bereits vor einem Jahr- zehnt an der Kolonialpolitik Lissabons und der Herausbildung der Befreiungsorganisationen 134). Flankierende Strategie zu diesen Maßnahmen und Konzeptionen ist die offizielle Einschränkung des westdeutschen Engagements in der RSA, Namibia und den Kolonien - wenngleich dadurch Investitionen westdeutscher Konzerne keines- wegs berührt werden. So wurden die wesentlichsten Waffenlieferun- gen an Portugal eingestellt (s.o.) und Eppler trat als einziger, allerdings inkonsequenter Kritiker des Engagements der BRD-Firmen beim Cabora-Bassa-Projekt auf 135). Angesichts der durch die Ca- bora-Bassa-Affäre entstandenen Unruhe in weiten demokratischen Kreisen der BRD und auf internationaler Ebene - so ramponierte die finanzielle Absicherung des Baus durch Bundesbürgschaften und -kredite das von Eppler aufgemöbelte Ansehen der BRD in Afrika gehörig - stornierte die Bundesregierung im Frühjahr 1972 die Zahlungen für die Frankfurter Urangesellschaft, die sie zur Fort- setzung der Ausbeutung der Uranfunde in Namibia erhalten hatte 136). Ohne ein bestimmtes Maß an subjektiver Fortschrittlichkeit der Einstellung Epplers sowie partiell auch objektiv fortschrittliche Funktionen dieser Politik zu negieren, stellt sich als Ziel die- ser Entwicklungsstrategie jedoch deutlich heraus die Vorbereitung des Bodens für künftige Handelsbeziehungen und Investitionen (deren Wegbereiter Entwicklungspolitik nach Epplers Verständnis ohnehin zu sein hat). Unterschiedlich zur Politik etwa des US-Ka- pitals ist also letztlich nur die Methode, nicht die Zielsetzung im Sinne der Erhaltung des kapitalistischen Systems. Daß sich bei einer Politik, die bewußt den einstweiligen Verzicht auf Rohstof- fressourcenbeherrschung, auf lukrative Aufträge usw. in Kauf zu nehmen bereit ist im Interesse der Aufrechterhaltung der Kapital- verwertungsbedingungen überhaupt, Opposition namentlich der kurz- fristige Profitinteressen verfolgenden Monopole einstellt, wurde bereits am Beispiel der von CDU/CSU-Politikern geäußerten Vor- stellungen gezeigt. Differenzierungen in der Haltung der südafrikanischen Regierung sind indessen auch zu erkennen. Unter dem Druck wachsender poli- tischer Schwierigkeiten im Innern, der Unabhängigkeitsbestrebun- gen der Namibia-Völker sowie Politik der Mehrheit der Vereinten- Nationen-Mitglieder zeichnete sich im Frühjahr 1972 eine Konzes- sionsbereitschaft der Regierung in Pretoria ab: Namibia, so Pre- mier Vorster, könne möglicherweise einen relativ autonomen Status erhalten, allerdings nur nach einer Teilung des Landes 137). Un- ter der Voraussetzung, daß die Machtstellung der südafrikanischen Bergbaukonzerne in dem dann afrikanisierten Nordteil erhalten bliebe - angesichts der geographischen und wirtschaftlichen Gege- benheiten durchaus wahrscheinlich - wäre die RSA-Bourgeoisie ein erhebliches Unruhepotential, nämlich die Ovambobevölkerung Nami- bias los, könnte andererseits jedoch bei kritischen Entwicklungen verhältnismäßig unangefochten wieder zu militärischen Interven- tionen übergehen oder wirtschaftliche Pressionen einsetzen. Bestimmend für die Pläne der RSA-Bourgeoisie wird der Ausgang der Auseinandersetzungen zwischen den zwei Hauptfraktionen in ihr sein, der angelsächsischen und eher zu Kompromissen in der Ras- senfrage neigenden und der auf ein Wählerpotential mittelständi- scher und fachlich graduell unterschiedlich qualifizierter weißer Arbeiter sowie Farmer aller Größenordnungen angewiesenen buri- schen, die vor allem in der regierenden National Party organi- siert ist. Die letztere, Konzessionen feindlich gegenüberste- hende, ist dabei einem inneren Differenzierungsprozeß unterwor- fen, wie sich schon an der "Dialog"-Außenpolitik zeigte. Diese Entwicklung wird wiederum wesentlich abhängig sein von der Bewe- gung der Klassenkämpfe in der RSA, die in den letzten zwei Jahren an Stärke zugenommen haben und seitens der schwarzen Mehrheit mit der Frage der politischen Herrschaft verbunden werden, in einigen Fällen auch mit der der vollen Autonomie der sog. Bantustans, etwa im Falle der Zulus. Der beharrliche Widerstand der burischen Bourgeoisie hat die Situation extrem verschärft, so daß die Chan- cen der integrativen Variante sich ständig verringern, die die angelsächsische Gruppe anstrebt 138). Damit gewinnt die schwarze Arbeiterklasse der RSA eine immer grö- ßere Bedeutung für die Zukunft des gesamten Subkontinents, denn der Sturz der herrschenden weißen Klasse in der RSA hätte das Ende des Neokolonialismus in der gesamten Region zur wahrschein- lichen Folge. Sie widerlegt damit gleichzeitig den Defätismus zahlreicher Autoren, darunter auch Tetzlaff, die es sich zur Il- lusion gemacht haben, die südafrikanische unterdrückte Bevölke- rung als revolutionäres Potential auf zumindest lange Zeit ab- schreiben zu können. Wenn Tetzlaff damit die Befreiung etwa der RSA allein zur Chance der Befreiungsbewegungen deklariert, leug- net er platt die Rolle der Arbeiterklasse auch und gerade in ei- nem Staat wieder RSA 139). Daß die Realität die Thesen des 1972 verstorbenen Vorsitzenden der Südafrikanischen Kommunistischen Partei, John Marks, bestätigen, die er auf der Internationalen Beratung in Moskau 1969 formulierte, sei hierzu abschließend er- wähnt. Er führte neben Erläuterungen zur Lage in Zimbabwe aus: "Der Krieg um die Befreiung Südafrikas hat schon begonnen und dehnt sich immer mehr aus. Gekämpft wird in Mozambique, Angola, Guinea (Bissau), Namibia und selbst der Republik Südafrika. Hin- ter der Feuerlinie aber sagen die Werktätigen in Stadt und Land dem faschistischen Terror immer häufiger den Kampf an und erheben das Banner des Widerstands immer höher. Dieser Kampf wird unver- meidlich in einen Krieg des ganzen Volkes münden, dessen Krönung die Beseitigung der Herrschaft der weißen Minderheit und die Er- richtung der Macht des Volkes sein werden. Wir werden siegen!" 140) III. Der politische Rainer Tetzlaff ----------------------------------- An das Ende seiner Arbeit gekommen zieht unser Autor Schlüsse und stellt Prognosen auf. Mit diesen wollen wir uns nun etwas näher befassen. Vorweg jedoch soll kurz auf die Möglichkeiten eines von Portugal induzierten Dekolonisierungsprozesses eingegangen wer- den. a) Cui bono? ------------ Die Aktionen von Mueda (Mocambique) und Luanda (Angola) werden von Tetzlaff der Art eingeschätzt, daß "damit für Portugal die Möglichkeit vertan war, einen Dekolonisationsprozeß auf unblutige Weise durchzuführen." /52/ Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dies, daß durch diese Aktionen die Befreiungsbewegungen sich selbst den Weg versperrten, die erste Phase der nationalen Be- freiung, nämlich die Erringung der politischen Unabhängigkeit, auf relativ unblutige Weise durchführen zu können. Der Einwand, daß die politische Befreiung ja noch lange nicht die ökonomische bedeutet hätte, und daher diese Aktionen doch gerechtfertigt wa- ren, wird gegenstandslos, wenn man die Geschichte der asiatischen und afrikanischen Länder seit 1945 betrachtet. Hier zeigt sich nämlich, daß die beiden Phasen des Kampfes, die um politische und die um ökonomische Unabhängigkeit, zeitlich auseinanderfallen und konkrete Aktionsziele der zweiten Phase im Kampf um die Erringung der politischen Unabhängigkeit nur eine marginale Rolle spielen. Die beiden einzigen erfolgreichen Ausnahmen, China und Vietnam, erklären sich aus der Führungsrolle einer kommunistischen Partei im Befreiungskampf. Im übrigen stellt sich die Frage: Was heißt einen Dekolonisationsprozeß auf unblutige Weise durchzuführen? Natürlich kann Portugal heute immer noch auf unblutige Weise de- kolonisieren. Die portugiesische Regierung kann schlicht und ein- fach Militär, Polizei und Staatsapparat aus den "Überseeprovin- zen" abziehen und sie als unabhängige und souveräne Staaten aner- kennen. Sicherlich werden auch dann Schüsse fallen, aber es wird das Freudenfeuer der Befreiungskämpfer sein. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wem nützt es, wenn die portugiesische Regie- rung den Prozeß der Dekolonisierung vornimmt? Darauf hat unser Imperialismusforscher mit einem Cabralzitat bereits die Antwort gegeben: "Portugal kann nicht dekolonisieren, weil es unfähig ist zu neo-kolonialisieren." /43/ Erstaunlicherweise ist dem Autor dieser Widerspruch in seiner ei- genen Argumentation nicht aufgefallen. Was meint Cabral also mit diesem Satz? Cabral rekuriert damit auf die sozialökonomischen Verhältnisse Portugals, die einen Übergang zu moderneren Formen der Ausbeutung unmöglich machten und noch machen. Die aus der Geschichte Portu- gals zu erklärende sozial-ökonomische Stagnation verhinderte die Herausbildung der Bourgeoisie als eigener dominierender Klasse und damit gleichzeitig die Entwicklung des Kapitalismus. Diese Grunddeterminante hatte sich auf die Kolonien ihre Auswirkungen. Die portugiesische Bourgeoisie ist sich klar bewußt, daß sie ihre wirtschaftlichen Vorteile nur aus der politischen Verfügungsge- walt über die Kolonien ziehen kann, daß sie im ökonomischen Wett- kampf, falls die Gebiete politisch unabhängig würden, den stärke- ren imperialistischen Mächten unterliegen würde und daß sie aus diesem Grund auf Gedeih und Verderb mit dem kolonialen Status von Angola, Mocambique und Guinea-Bissau verbunden ist. So schrieb denn auch der ehemalige Überseeminister Moreira sehr zutreffend: "Was früher einmal freier Zugang zu den kolonialen Märkten hieß, heißt heute Entkolonisierung. Und auf dem frei zugänglichen Markt, für den die moderne Terminologie den Ausdruck 'politisch unabhängiges Territorium' setzt, besteht dann die sogenannte Gleichheit des Zugangs de facto in der Vorherrschaft jener Mächte, deren finanzielle und industrielle Mittel übermächtig ge- nug zur Ausschaltung fast aller Konkurrenten sind. Nur ganz we- nige Mächte sind in der Lage, an einem Wettbewerb dieser Art teilzunehmen. Damit beantworten wir bereits unsere Frage, wessen lnteressen gedient sei, wenn wirtschaftlich schwächere Besitzer von Überseegebieten sich dazu bewegen lassen, diesen politische Autonomie zu verleihen." 141) b) Die angebliche MPLA ---------------------- Bekanntlicherweise dienen die Beiträge in der SOPO nicht allein wissenschaftlichen Zwecken, sondern auch agitatorischen. Bekannt- licherweise besitzt auch die politische Agitation in einer Klas- sengesellschaft einen Klasseninhalt, der ihr Wesen und ihren Zweck charakterisiert. Demzufolge ist die Sprache der Politik ein Element des Klassenkampfes. Welche Sprache spricht nun Rainer Tetzlaff? In Vietnam kämpft seit Jahren ein Volk um seine Freiheit und Un- abhängigkeit. Dieser Kampf wird von der National Liberation Front (NLF) geführt. An einem bestimmten Punkt der militärischen und politischen Entwicklung schuf die NLF eine reguläre Armee, die PLAF (Peoples Liberation Armed Forces). Daneben gibt es noch die Miliz etc. Als die US-Imperialisten in das Land kamen gaben sie ihren Gegnern verschiedenste Namen: "Commies",. "VCs". Zum am weitest verbreitsten wurde der Name 'Vietkong'. Dieser Name hat vor allem den Vorteil, daß er den Klassencharakter des Krieges verdeckt, ganz im Gegenteil zum offiziellen Namen der NLF, der bereits den Inhalt und das Wesen dieses Krieges bestimmt, nämlich als Befreiungskampf. Die Befreiungskämpfer haben im ganzen Land Camps errichtet. Wenn dies in einem anderen Land geschieht, dann tut man ähnliches oder wie R. Tetzlaff schreibt, "Vietcongähnli- ches" /52/. Ein beliebtes Wort in den bürgerlichen Massenmedien ist, wenn es um die Berichterstattung der Befreiungskämpfe geht, "angeblich". Sofern man überhaupt die Kommuniques oder Rundfunk- sendungen der Befreiungsbewegungen zitiert, geschieht dies nur mit dem vorherigen Hinweis auf die Angeblichkeit. Damit denun- ziert man die um die Befreiung kämpfenden Massen als Lügner. Da dies über lange Zeit geschieht, entsteht der Eindruck von chroni- schen Lügnern in der Öffentlichkeit. Chronischen Lügnern aber kann man in keiner Weise trauen. Damit ist das psychologische Klima bestens vorbereitet, um politische Angebote wie z.B. den Sieben-Punkte-Friedensplan der PRRSV ablehnen zu können. Wenn Tetzlaff also schreibt, daß "die MPLA angeblich in 10 von 15 Provinzen aktiv (sei)" /52/, dann stellt er sich objektiv auf die Seite der protugiesischen Propaganda, die bekanntlich den Befrei- ungsbewegungen außer Grenzüberfällen jede Aktivität abspricht. Wenn Tetzlaff schon meint, er müsse sich - aus welchem Grund auch immer - von der MLPA distanzieren, dann wäre wohl das Mindestmaß an Fairneß, daß er sich mit einem Hinweis begnügt, daß die Aus- sage von MPLA gemacht wird. c) Die aktive FRELIMO --------------------- Ganz im Gegensatz zur MPLA hat unser Autor die FRELIMO ins Herz geschlossen. Keine Denunziation, kein Wort der Distanz. Interessanterweise ist die FRELIMO nicht nur der Liebling Tetzlaffs, sondern sogar des Herrn Eppler. Wie kommt dies? Die spezifischen sozialökonomischen und politischen Bedingungen in den drei afrikanischen Kolonien Portugals bedingten auch un- terschiedliche ideologische Ausgangsbedingungen bei den drei be- troffenen Befreiungsbewegungen 142). Dabei zeigte sich, daß die theoretische Unsicherheit bei der FRELIMO am stärksten war. Das machte sie auch anfälliger nicht nur für Spaltungen, sondern auch für Infiltration durch Opportunisten und Agenten selbst in den Spitzengremien. Von daher ist auch die Taktik der SPD/FDP-Regierung verständlich sich hauptsächlich an die FRELIMO zu wenden, da sie hier hoffen konnte, die einheitliche Front der drei Befreiungsbewegungen zu spalten. Doch bekanntlich machte sie ihre Rechnung ohne den Wirt. Verständlich auch, daß Liberale und klassenmäßig schwankende In- tellektuelle Affinitäten für die FRELIMO, die ihnen theoretisch ebenbürtig scheint, entwickeln. Damit ist aber der FRELIMO unrecht getan. Wie das Kommunique des ZK der FRELIMO vom 22.5.1970 zeigt, ist sie sehr wohl in der Lage nicht nur die objektiven und subjektiven Ursachen aufzudecken, die die ideologische Stabilisierung behinderten, sondern auch Wege und Mittel zu weisen wie sie erreicht werden kann 143). d) Der tendenziell richtige Trend --------------------------------- An dem vorletzten Punkt seiner Ausführungen angelangt, meint Tetzlaff, wenn seine "Einschätzung der zu erwartenden Trends ten- denziell richtig (ist), dann ist eine Beendigung der portugiesi- schen Kolonialkriege, ..., nur durch sofortigen oder stufenweisen Rückzug Portugals aus Afrika vorstellbar." /53/ Tetzlaff verblüfft. Was nun, wenn seine Einschätzungen (wie z.B. die Angeblichkeit) falsch sind? Lösen sich dann die Kolonial- kriege ohne Rückzug der Portugiesen? Unser Autor erkennt wieder einmal das Naheliegendste ohne das Wesentliche zu erfassen. Natürlich sind die Kolonialkriege erst durch den Abzug der Portu- giesen zu beenden. Wie denn sonst? Für den weiteren Verlauf der Befreiungskämpfe spielen die von Tetzlaff betonten Momente, wie etwa der Erhalt externer logisti- scher Basen /53/ zwar eine wichtige aber nicht die dominierende Rolle. Gerade die kubanische Revolution ist in dieser Hinsicht beispielhaft. Auf rein militärischer Ebene kann die Intensität des Kampfes durchaus mittelfristig zurückgehen. Aber allein die militärische Ebene ist nicht ausschlaggebend 144). In einem lang andauernden Krieg - und ein anderer ist bei der militärischen, technischen und ökonomischen Überlegenheit der Kolonialmächte nicht zuführen - liegt das entscheidende Kriterium in der Kampf- bereitschaft und der Opferbereitschaft der Volksmassen und in der politisch richtigen Führung durch eine politische Avantgarde. Ex- terne Umstände können diesen Prozeß beschleunigen oder verlang- samender ihn nicht unterbinden. Und da diese Bedingungen in fast allen Ländern des südlichen Afrikas erfüllt sind, sind die Tage der Kolonialisten und Rassi- sten 145) gezählt. Der Kampf der Volksmassen kann zurückgedrängt werden, er kann sogar temporär unterbunden werden, aber solange das um seine Befreiung kämpfende Volk nicht ausgerottet ist, wird es immer wieder mit den verschiedensten Formen und Methoden die- sen Kampf aufnehmen. _____ 1) Karl Marx: "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie." Kri- tik des Hegelschen Staatsrechtes (§§ 261-313), in: Marx/Engels WERKE (MEW), Bd. 1, Berlin (DDR) 1964, S. 201-336, hier: S. 313. 2) R. Tetzlaff: "Zur kollektiven Imperialismusstrategie in Süd- Ost-Afrika", in: SOPO 17 (April 1972), S. 23-53. Die in Schrägstrich gesetzten Zahlen beziehen sich immer auf diesen Text. 3) Zur politischen Entwicklung und zur Publikationsstrategie der SOPO, in: SOPO 11 (Juni 1971), S. 1-6, hier: S. 5. 4) Zur geistigen Erbauung des Lesers und zur Information, wer von Tetzlaff als "progressiver Imperialismusforscher" /24/ eingestuft wird, sei folgendes Beispiel "kritischer" Argumentation wiederge- geben: Herr Wehler stellt die These auf, daß Lenins Periodisierungs- schema "dem historischen Verlauf nicht gerecht wird." Als ernst- hafter Wissenschaftler sagt Herr Wehler dies nicht nur so, son- dern macht eine Anmerkung, um die These zu beweisen. Sie lautet: "Vgl. B. Wolfe ("Marx und die Marxisten", Berlin 1968, 93-104), der die interessante These vertritt, Lenin habe den Beginn des Imperialismus auf die Zeit um 1898 angesetzt, da der 1895 ver- storbene Friedrich Engels bis zuletzt diesem Phänomen keine zen- trale Bedeutung zugemessen hatte, so daß Lenin erst für die von einem der Begründer des Marxismus nicht mehr verbindlich inter- pretierte Zeit seinen Begriff verwenden konnte." (H.U. WEHLER: "Einleitung", in: ders. (Hrsg.), IMPERIALISMUS, Köln-Berlin 1970, S. 11-36, hier: S. 20 u. S. 32 f.) Hier wird also bewußt der Versuch gemacht den wissenschaftlichen Charakter der Leninschen Aussagen zu diffamieren und ihn selbst zum Scharlatan zu stempeln. Wahrhaft ein "progressives" Unterfan- gen. Im übrigen gibt der eine große Denker, was dem zweiten überhaupt nicht auffällt, die Periodisierung noch falsch wieder: Lenin da- tiert das Ende des vormonopolistischen Stadiums auf 1876. (W.I. LENIN: "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus", in: ders., WERKE Bd. 22 Berlin (DDR) 1971, S. 189-309, hier: S. 261 f.) Fragt sich eigentlich, warum Wehler das Ende der imperialisti- schen Periode auf 1945 festlegt (WEHLER, S. 28 f.), und nicht z.B. auf 1924, das Todesjahr Lenins, nachdem ja offenbar die mar- xistisch-leninistische Imperialismustheorie nicht mehr als eine persönliche Marotte Lenins ist. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist Lenins Periodi- sierungsschema nicht sakrosankt. Aber eine Auseinandersetzung da- mit auf der Ebene der Individualpsychologie oder des Okkultismus verrät mehr über die geistigen Potenzen des betreffenden Autors, als über vielleicht vorhandene Mängel der historischen Periodi- sierung bei Lenin. 5) Bertolt Brecht: "Die Mutter", in: ders., WERKE, Bd. 2, Frank- furt 1967, S. 823-895, hier: S. 879. 6) Lenin, IMPERIALISMUS, S. 270 f. 7) Ebd., S. 270. 8) Rosa Luxemburg definiert den Imperialismus folgendermaßen: "Der Imperialismus ist der politische Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um die Reste des noch nicht mit Beschlag belegten nichtkapitalistischen Weltmili- eus." (R. Luxemburg: DIE AKKUMULATION DES KAPITALS, Berlin 1913 (Reprint Frankfurt 1966), S. 423. 9) Viel gemeinsam hat unser Autor mit Kautsky, der schreibt: "Der Imperialismus ist ein Produkt des hochentwickelten industriellen Kapitalismus. Er besteht in dem Drange jeder industriellen kapi- talistischen Nation, sich ein immer größeres agrarisches Gebiet zu unterwerfen und anzugliedern, ohne Rücksicht darauf, von wel- chen Nationen es bewohnt wird." (K. Kautsky: NATIONALSTAAT, IM- PERIALISTISCHER STAAT UND STAATENBUND, Nürnberg 1915, S. 15). 10) Die Einschränkung des Monopolbegriffes auf eine reine Markt- form ist ein Phänomen, dem auch viele Marxisten verfallen. Vgl. Baran/Sweezy: MONOPOLKAPITAL, Frankfurt 1967, S. 375. 11) H. Heiniger/P. Heß: DIE AKTUALITÄT DER LENINSCHEN IMPERIA- LISMUSTHEORIE, Frankfurt 1970, S. 43. Dieses Buch ist übrigens die augenblicklich beste systematische Darstellung der Leninschen Imperialismustheorie und ihrer Bedeu- tung für die gesellschaftswissenschaftliche Analyse heute. 12) Lenin, IMPERIALISMUS, S. 245. 13) Ebd. 14) So kommt es nicht von ungefähr, wenn Marx im 'Kapital' lange Ausführungen über z.B. die absolute und relative Ausdehnung des Arbeitstages macht. 15) Die Unkenntnis der von ihm kritisierten Leninschen Imperia- lismustheorie, zeigt sich bei Wehler auch an diesem Punkt. Vgl. WEHLER, S. 20. 16) Für die Theorie des Neokolonialismus gilt das gleiche, was Boccara von der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus sagt: Sie existiert noch nicht als geschlossenes System, sondern erst in Bruchstücken. 17) Nicht verwunderlich ist hernach das von Tetzlaff in einem Aufsatz über "Gewerkschaften in Afrika" (auf den hier nicht einzugehen ist) zur Veranschaulichung, welchen Schwierigkeiten allgemeine Aussagen zu treffen er sich konfrontiert sieht, ge- wählte Einteilungsschema, "existieren (doch) auf dem 300 Millio- nen Menschen umfassenden Kontinent extrem heterogene Gesell- schaftssysteme (!) ...: ein gutes Dutzend Militärregierungen verschiedener ideologischer Orientierung, parlamentarische Ein- partei- (Tansania) und Mehrparteiensysteme (Sambia), parteilose (Äthiopien) und mehrparteiige Monarchien (Marokko), sozialisti- sche (Algerien) und pro(!)kapitalistische (Elfenbeinküste) Sy- steme, faschistische und kolonialistische Regime (im 'weißen' Süden)". Pech, daß er keine "civitas dei" mehr auszumachen ver- mochte. Nachzulesen in: GEWERKSCHAFTLICHE MONATSHEFTE Nr. 7 (Köln) 1972. S. 439/40. 18) Im Rahmen der SOPO kann auf die modischen Anführungsstriche beim Wort 'Entwicklung' verzichtet werden, da als allgemein be- kannt vorausgesetzt werden kann, daß die Imperialisten, die die- ses Wort geprägt haben, alles tun, um diese Länder in ihrer all- seitigen Entwicklung zu behindern. Korrekter wäre sicherlich die Bezeichnung junge Nationalstaaten, doch ist sie insofern unpraktikabel, da sie die lateinamerikani- schen Länder ausschließt. Daß oben Tetzlaffs Begriff von Indu- strie- und Entwicklungsländern moniert wurde, hat seinen Grund im Begriff 'Industrieländer'. Tetzlaff verwischt damit die klassen- mäßigen Unterschiede zwischen den 'Industrieländern' und abstra- hiert somit vom sozialökonomischen und politischen Unterschied zwischen etwa der DDR und der BRD. Damit rückt er in bedenkliche Nähe der "Nord-Süd-Konflikte-Theoretiker". 19) Die quantitativen und qualitativen Auswirkungen der System- konkurrenz auf die imperialistischen Staaten sind bis heute noch nicht systematisch erforscht worden. Einen ersten interessanten Ansatz stellt die Arbeit von K. Steinhaus, Probleme der Syste- mauseinandersetzung im nachfaschistischen Deutschland, dar. (In: Jung u.a.: BRD-DDR. Vergleich der Gesellschaftssysteme, Köln 1971). 20) K. Marx: "Rede über Polen", in: MEW Bd. 4, Berlin (DDR) 1969, S. 416-417. hier: 416. 21) Vgl. zu diesem Problemkomplex: D. Weidemann: SÜDOSTASIEN - DIE ENTSTEHUNG UNABHÄNGIGER NATIONALSTAATEN, Berlin (DDR) 1969. S. 359-368. 22) Wie eng verflochten selbst rein ökonomische Aktivitäten der Imperialisten mit propagandistischen, ja selbst geheimdienstli- chen sind, macht das Beispiel der US-amerikanischen Getreidelie- ferungen nach Indien deutlich. Diese erfolgten im Rahmen des Pu- blic Law 480 und wurden in nicht transferierbaren Rupies bezahlt. Davon gingen 12,7% der Bezahlung an die US-Botschaft, die dieses Geld zum Teil für subversive Zwecke benutzte. Da in den meisten Entwicklungsländern die Einfuhr von Devisen beschränkt ist, stand somit der US-Botschaft gefahrlos ein relativ hoher Fond für Pro- pagandazwecke zur Verfügung. (Vgl. H. Faulwetter/P.Stier: INDIEN- BILANZ UND PERSPEKTIVE, Berlin (DDR) 1970, S. 172 ff). 23) In diesem Zusammenhang sei nur auf die Verbindung von Ent- wicklungshilfe und Kampf gegen die diplomatische Anerkennung der DDR von seilen der BRD verwiesen. Dem Band "Aus der Arbeit des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesministeriums für wirt- schaftliche Zusammenarbeit" sind diesbezügliche bemerkenswerte Feststellungen zu entnehmen: "Unter den politischen Motiven steht das Interesse des Geberlandes an einer Einwirkung auf die Haltung des Nehmerlandes zu ihm oder zu Drittländern im Vorder- grund. ... Den politischen Motiven müssen auch gesellschaftspoli- tische Motive der Kapitalhilfe zugerechnet werden. ... Humanitäre und soziale Motive mögen hier und dort eine Rolle spielen, in der Praxis der Vergabepolitik mischen sie sich schnell mit politi- schen und ökonomischen Motiven. ... 'Die Interessen der Bundesre- publik' variieren von dem Bedürfnis nach werbender Präsentation, das aus der deutschen Spaltung abgeleitet zu werden pflegt, bis hin zu gesellschaftspolitischen Zielen" (WISSENSCHAFTLICHE SCHRIFTENREIHE DES BMWZ, Band 21, Stuttgart 1970, S. 96/97). 24) Militärische Beeinflussung verfolgt zumindest zwei Ziele: Die Ausrichtung einer nationalen Armee auf bestimmte Waffentech- niken und Standards fördert den Warenexport der Rüstungsindu- strie. Sie verstärkt gleichzeitig, da das betreffende Entwick- lungsland dann auf diese Ausrüstungen angewiesen ist, da eine Um- stellung auf andere Techniken nur langfristig erfolgen kann, die Abhängigkeit von dem betreffenden imperialistischen Land. 25) Für wie wichtig die ideologische Beeinflussung erachtet wird, zeigt die Tatsache, daß die Geheimdienste oftmals selbst diese Aufgabe übernehmen. So erklärte z.B. Bama Marcel Mato (ehemals Minister Delegate in Upper Guinea) nach dem mißglückten Coup vom 22.11.1970, vor der Untersuchungskommission, daß seine : Aufgabe im Rahmen des westdeutschen Geheimdienstes darin bestanden habe, der Bevölkerung den hohen Lebensstandard der westdeutschen Bevöl- kerung und ihre breiten Entfaltungsmöglichkeiten, den unterent- wickelten Charakter der DDR etc. klarzumachen. Dabei spielten konkrete Beispiele, wie die Qualität der exportierten Waren, von der BRD aufgebaute Industrien etc. eine wichtige Rolle. (Vgl. Vermin, in: TRICONTINENTAL, No. 27/28 (Nov. 71/Feb. 72), S. 19- 133, hier: S. 52 ff). 26) S.I. Tjulpanow: POLITISCHE ÖKONOMIE UND IHRE ANWENDUNG IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN, Frankfurt 1972, S. 22. 27) Wenn Tetzlaff in der Politik der US-Regierung gegenüber dem portugiesischen Kolonialregime einen Widerspruch zwischen der Nixon- und Kennedy-Administration sieht /45/, dann verfällt er genau in den Fehler aus taktischen Unterschieden prinzipielle zu konstruieren. Seine Kennedy-Mythisierung vermag einer Betrachtung etwa so gut standzuhalten wie dessen Kuba-Legenden der Wirklichkeit. Kennedy - von dem der Ausspruch verbürgt ist: "Alle selbstzufriedenen, weichlichen, ihrem Hang zur Bequemlichkeit nachgebenden Menschen- gemeinschaften sind im Begriff als Kehricht der Geschichte wegge- fegt zu werden. Nur die Starken, nur die Fleißigen, nur die Ent- schlossenen, nur die Tapferen, nur diejenigen, die mit visionärer Klarsicht die wahre Natur unseres Kampfes begreifen, können viel- leicht überleben" (JFK: "Ansprache an die Gesellschaft amerika- nischer Zeitungsredakteure", 20.4.1961, zit., in: JFK: DÄMME GE- GEN DIE FLUT, Frankfurt 1964, S. 46) - handelte in vollem Einver- ständnis mit der Militärstrategie des Pentagon, als er das Faust- pfand Azoren, über das der NATO-Partner Portugal verfügt, bei seiner Politik gegenüber dem Kolonialregime Salazars in Rechnung stellte. "Und während wir uns stets der Verhängung von Sanktionen gegen Portugal (in den UN, die Verf.) widersetzten, bemühten wir uns gleichzeitig immer, vertraulich in Lissabon und öffentlich in der UNO, Portugal zu einer Reform seiner Kolonialpolitik zu bewe- gen", erläutert ein Kennedy-Biograph (Arthur M. Schlesinger: DIE TAUSEND TAGE KENNEDYS, Bern-München 1965, S. 521). Warum mit dem bekannten Erfolg, verrät er gleichfalls: denn "der Mittelweg (war) nicht nur Ausdruck einer taktischen Notwendigkeit. Kennedy mißtraute stets UNO-Resolutionen, die Großes versprachen und sich dann nicht verwirklichen ließen" (ebda.). Etwa wie im Falle einer UN-Resolution von 1962, in der die einbringenden afrikanischen Staaten den Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Bezie- hungen zur RSA forderten: zwar "hatten sich (die Vereinigten Staaten) regelmäßig an der zeremoniellen (!) Verurteilung der Apartheid beteiligt", aber "die Resolution von 1962 gehörte zu jenen ... Proklamationen, die Kennedys Unwillen erregten. So war zu bedenken, daß der Aufruf zum Wirtschaftsboykott sinnlos blieb, solange die wichtigsten Handelspartner Südafrikas sich nicht daran beteiligten" (ebda., S. 534/35). Nur zu wahr: die USA sind traditionell nach GB der zweitwichtigste Handelspartner der südafrikanischen Rassisten (vgl. hierzu: INDUSTRIALIZATION, FOREIGN CAPITAL AND FORCED LABOUR IN SOUTH AFRJCA, Dokumentation der UN-Unit On Apartheid, New York 1970, ST/PSCA/SER. A/ 10). Man blockte also ab, um 1963 mit der Konzession eines Waf- fenembargos gegen die RSA aufzuwarten, die gleichwohl heftig vom State Department befehdet wurde, da hier automatisch wieder die portugiesische Frage involviert war. "Fast schien es so", resü- miert Schlesinger, "als hätten wir die Wahl zwischen dem militä- rischen Risiko, die Azoren und die südafrikanischen Warnstationen zu verlieren, und dem politischen Risiko, Afrika zu verspielen. Das portugiesische und das südafrikanische Problem ließen sich jedoch trennen, ..." Kennedy präzisierte: "Warum sollten gerade wir Portugal eine Resolution aufdrängen? Wie wäre es, wenn wir uns zurückhielten, gar nichts täten und den Dingen ihren Lauf ließen? " (S. 536). "Bei Südafrika lagen die Dinge anders; hier konnte Druck vielleicht unsere Zurückhaltung gegenüber Portugal in den Augen der Afrikaner etwas ausgleichen" (ebda.). "Dennoch waren der Präsident und der Außenminister über die Aussicht eines totalen Waffenembargos beunruhigt ... Das State Department befür- wortete statt dessen einen Appell an die UNO-Mitglieder, keine Waffen zu liefern, die zur Unterdrückung der afrikanischen Bevöl- kerung benutzt werden könnten" (S. 537). Man erlegte sich selbst feierlich ein Totelembargo auf, nur - "die südafrikanischen Streitkräfte fliegen in 36 F-86 Sabrejet-Abfangjägern (um wen ab- zufangen), in C-47 und C-130 B Transportmaschinen (um welche Front zu versorgen? ) und in 30 Sikorsky-Hubschraubern (um blitz- schnell zum Schauplatz welcher Rebellion zu gelangen? )" (Carl Oglesby/Richard Shaull: AMERIKANISCHE IDEOLOGIE, Frankfurt 1969, S. 128). 28) P. Jalée: DAS NEUESTE STADIUM DES IMPERIALISMUS, München 1971, S. 76. (Zur politischen Einschätzung dieses Buches verglei- che SOPO 16 (Febr. 1972), S. 119 ff). 29) "Argentinien und Brasilien bevorzugen in ihrer Atomwirtschaft gerade deshalb das an sich teurere Natur-Uran-Verfahren West- deutschlands, weil sie nicht von den USA in der Lieferung von Brennelementen aus angereichertem Uran abhängig sein und den USA keine Kontrolle über das bei der Kernspaltung anfallende Pluto- nium (Ausgangsstoff für Kernwaffen) einräumen wollen." (DWI-BE- RICHTE, Nr. 6/70, S. 29) 30) Die Annahme Tjulpanows, daß es sich nur um umverteilten Mehr- wert handle (Tjulpanow, S. 164), scheint uns unlogisch, da auch in den anderen Fällen staatlicher Umverteilung zu Gunsten der Mo- nopole sich diese nicht darauf beschränken, ihren eigenen Mehr- wert umzuverteilen. 31) DWI-BERICHTE, H. 18/1965, S. 10. 32) Autorenkollektiv: KLASSEN UND KLASSENKAMPF IN DEN ENTWICK- LUNGSLÄNDERN, Bd. 2, Berlin (DDR) 1970, S. 210 f. 33) DWI-BERICHTE, H. 6/1970, S. 27. 34) BULLETIN des Presse- und Informationsamtes der Bundesregie- rung vom 19.3.1963. 35) Chmelnizkaja, J., DER WESTDEUTSCHE MONOPOLKAPITALISMUS, Ber- lin (DDR) 1962, S. 260. 36) Dabei spielt natürlich auch die Militärhilfe eine bedeutende Rolle. Vgl. für die BRD dazu: U. Albrecht/B.A. Sommer: DEUTSCHE WAFFEN FÜR DIE DRITTE WELT, Reinbeck 1972 und H. Haftendorn: MI- LITÄRHILFE UND RÜSTUNGSEXPORTE DER BRD, Düsseldorf 1971. 37) DWI-BERICHTE, H. 8/1965,8. 9. 38) Tjulpanow, S. 17l. 39) INDUSTRIEKURIER, 28.6.1969. 40) AUSSENHANDELSDIENST, H. 21/1968, S. 448. 41) So verfertigen z.B. die südafrikanischen Tochtergesellschaf- ten von Siemens Transistoren, die nach Kanada, Australien, Groß- britannien, Schweden und der BRD exportiert werden (SOUTH AFRICAN DIGEST, 26.6.1970). 42) INDUSTRIEKURIER, 4.2.1965 (Hervorhebung d. Verf.). 43) DWI-BERICHTE, H. 6/1970, S. 27. 44) Vgl. S.R. Lewis: INDUSTRIALIZATION AND TRADE POLICIES, Lon- don-New-York-Karachi 1970 und A.H. Choudhury: PAKISTANS FOREIGN ECONOMIC POLICY. Dacca 1960. 45) Allein die Zollgesetzgebung der hochindustrialisierten impe- rialistischen Staaten beeinträchtigt die Industrialisierung der Entwicklungsländer. Sie sind um sich auf erweiterter Stufenleiter reproduzieren zu können (manchmal bereits sogar für die einfache Reproduktion) auf den Außenbeitrag ihrer Volkswirtschaft angewie- sen. Die in den hochindustrialisierten Ländern existierenden Wertzölle, die Importwaren proportional zu ihrem Verarbeitungs- grad besteuern erschweren die Möglichkeit der Erhöhung von Expor- terlösen und der Übernahme der vorteilhaften Verarbeitung von Rohstoffen durch die Entwicklungsländer. 46) Hierbei muß natürlich der Begriff der Industrialisierung ge- klärt werden. Versteht man unter Industrialisierung nur den Auf- bau der Leichtindustrie, verbunden mit Importsubstitution, so er- geben sich keine weiteren Schwierigkeiten und sie liegt durchaus im Interesse auch der Monopole. Deklariert als tendenzielle "wirtschaftliche Arbeitsteilung in der Welt" (Ex-Minister Wischnewski) sähe das so aus: "Die heutigen Industrieländer wer- den sich immer mehr auf hochwertige Erzeugnisse spezialisieren. ... Einfache Industrien mit geringem Maschinenpark und großem Ar- beitskräftebedarf haben bei uns nur noch eine geringe Chance. Sie werden sich immer mehr in die Entwicklungsländer verlagern" (INTERCOP '68 - ENTWICKLUNGSHILFE: eine Politik für die Zukunft, hrsgg. v. BMWZ, S. 20). In der Diktion von Franz-Josef Strauß nimmt sich das so aus: "Deshalb sollten wir es den Entwicklungs- ländern ermöglichen ... mit uns gemeinsam Fernsehapparate, Radio- apparate, Küchenmaschinen, einfachere Büromaschinen, Automobile und so weiter herzustellen, weil wir morgen an sie die Computer verkaufen wollen, deren Produktion bis dahin bei uns eine wesent- lich größere Rolle einnehmen wird als heute" (Interview mit DER VOLKSWIRT v. 3.4.1969, zit. nach: DAS KONZEPT DER DEUTSCHEN RECH- TEN - Aus Reden und Schriften des F.J. Strauß, Köln 1971, S. 208). Legt man aber die, wenn auch sozialökonomisch unscharfe Ar- beitsdefinition der UNO vom Mai 1963 zu Grunde, dann werden die Schwierigkeiten deutlich. Sie lautet: "Die Industrialisierung ist ein Prozeß wirtschaftlicher Entwicklung, in dem ein zunehmender Teil der nationalen Ressourcen mobilisiert wird, um eine tech- nisch moderne, vielgestaltige einheimische Wirtschaftsstruktur zu entwickeln, die charakterisiert wird durch einen dynamischen Ma- schinenbausektor, der Produktionsmittel und Konsumtionsmittel produziert und der fähig ist, eine hohe Wachstumsrate für die Wirtschaft als Ganzes und für die Erreichung des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts zu garantieren." (Zit. n. M. Breetz- mann: DIE INDUSTRIALISIERUNG DER ENTWICKLUNGSLÄNDER, Frankfurt 1970, S. 32). 47) Dieser qualitative Aspekt wird u.a. an folgendem Beispiel deutlich: Die imperialistischen Staaten hatten es abgelehnt, die Kreditierung für den Aufbau von Stahlwerken in Indien zu überneh- men. Nachdem nun die Sowjetunion die Kredite zur Verfügung ge- stellt hatte, waren plötzlich auch die imperialistischen Staaten dazu bereit. Sie mußten sie außerdem zu den gleichen Bedingungen wie die UdSSR gewähren. Dadurch wurde Indien in kurzer Zeit er- möglicht einen staatlichen Stahlsektor aufzubauen, der eine wich- tige Voraussetzung für die weitere Industrialisierung darstellt. (Vgl. Faulwetter/Stier, S. 116 ff). 48) Vgl. DWI-BERICHTE, H. 6/70, S. 28. 49) Heininger, S. 47 f. 50) In diesem Zusammenhang scheint uns auch die Diskussion dar- über ob in der BRD nach 1945 der relative Kapitalüberschuß zu- rückgegangen ist irrelevant. (Vgl. H. Schilling: "Einige Aspekte des staatsmonopolistischen Charakters des Neokolonialismus und seine ökonomischen Funktionsmechanismen", in: MARXISMUS-DIGEST, H. 2/1970, S. 171-204, hier: S. 177). Diese Annahme beruht auf der relativ rückläufigen Bedeutung des Kapitalexports in die Ent- wicklungsländer. Da aber kein empirischer Beweis geführt werden kann, ob dies nicht aus den neuen Formen der Absorption ent- springt, bleibt die Frage, wie Schilling zu recht bemerkt, in ho- hem Grad ein Ermessungsproblem. Das Nebeneinanderbestehen ver- schiedener, wenn auch ungleichgewichtiger Formen der Kapitalab- sorption macht aber deutlich, daß die praktisch-politischen Aus- wirkungen der vollständigen Lösung dieser Frage gering sind. Der Imperialismus besitzt heute noch immer soviel Potenz, daß er Ein- brüche auf seinen ökonomischen Fronten an anderer Stelle ausglei- chen kann. Ein Ausfall der Möglichkeiten zum Kapitalexport in die Entwicklungsländer würde ebensowenig zwangsläufig zum Zusammen- bruch des Systems führen, wie ein Rückgang des relativen Kapital- überschusses die Labilität des Systems senken würde. 51) K. Marx, DAS KAPITAL, Bd. 3, MEW Bd. 25, Berlin (DDR) 1969, S. 266. 52) Vgl. zu diesem Komplex und der hier folgenden Ausführung: R. Katzenstein: TECHNISCHER FORTSCHRITT-KAPITALBEWEGUNG-KAPITALFI- XIERUNG, Berlin (DDR) 1971. 53) K. Nehls: KAPITALEXPORT UND KAPITALVERFLECHTUNG, Frankfurt 1970, S. 13. 54) E. Modrzinskaja: "Die ideologischen Grundlagen des Neokolo- nialismus", in: MARXISMUS-DIGEST, H. 2/1970, S. 205-216, hier: S. 205. 55) Tetzlaff leitet mit einem Furioso wissenschaftlicher oder auch nur scheinbar wissenschaftlicher Vokabeln und Formulierungs- lawinen seinen glorreichen Untergang in die Unrichtigkeit seiner geographischen Einteilung ein, deren Begründungszusammenhang un- erfindlich bleibt. Da wird zum einen Rhodesien schlicht zur "Kolonie" wie Angola und Mozambique erklärt, ein Standpunkt, den sich nur Formaljuristen zu eigen machen, denen es noch um die ju- ristische Beilegung des "Unabhängigkeitsproblems" des weiß be- herrschten Staates zu tun ist. Da regiert die katholische Mystik, wenn Madagaskar und Mauritius "glauben", der ökonomischen und po- litischen Kooperation mit der RSA nicht entgehen zu können statt daß hier - abgesehen von der relativen Unwichtigkeit dieser ge- nannten Länder im Problemzusammenhang - dafür triftige "Dependenz"-Ursachen genannt werden; das " 'geographische Diktat' " hat der Analytiker von "Kontinuität und Wandel" wohlweislich selbst in Anführungsstriche gesetzt - andeutend, daß er sich selbst nichts rechtes darunter vorzustellen vermag. Umgekehrt sind wichtige Länder kommentarlos unterschlagen, wie z.B. Zambia. Auf dieses Problem wird im weiteren Verlauf der Arbeit näher ein- gegangen. 56) Wenn auf Seite 25 zu Beginn seines 2. Kapitels von Tetzlaff die überraschende Neuigkeit verbreitet wird, "eindimensionale Er- klärungen" seien passé, so begründet er damit nicht eine neue Theorie, sondern lediglich seine eigene Unkenntnis der Analyse Lenins und ihrer marxistischen Weiterentwicklung, eine Eigen- schaft, die er wie manche andere mit Herrn Wehler teilt. Wehler z.B. unterstellt Lenin die Behauptung "Imperialismus ... schlechthin mit Kapitalexport gleichzusetzen" - wofür er natür- lich die Stellenangabe unterschlägt (Wehler S. 20). So werden in "klassisch" bürgerlicher Manier Marxisten Behauptungen unter- stellt und diese dann vehement attackiert, um schließlich "mühelos" über den "wiederlegten" "monokausalen usw." Marxismus- Leninismus triumphieren zu können. Einschlägiges zu derlei "Methoden" ist bereits in Cervantes' "Der sinnreiche Junker Don Quijote de la Mancha" nachzulesen, (dt. seit 1799). Vgl. Hierzu auch Anm. 4). 57) Heininger/Hess, S. 177. 58) Lenin, IMPERIALISMUS, S. 300 (Hervorhebungen im Text). 59) Vgl. hierzu die Darstellung Nkrumahs über die Verflechtungen internationaler Kapitalgruppen in Afrika; in: Kwame Nkrumah: NEO- COLONIALISM - THE LAST STAGE OF IMPERIALISM, London 1965 u. 1971. 60) So wurde noch 1968 der damalige CDU-Wissenschaftsminister Stoltenberg in einem SPIEGEL-Interview mit der Frage konfron- tiert: "... Franz Josef Strauß hat schon vor zwei Jahren erklärt, wir würden gegenüber den USA bald nur noch Heloten sein, ... . Sind wir tatsächlich Heloten der Amerikaner? ", in DER SPIEGEL Nr. 45/1968, S. 56. 61) Anstelle eines unscharfen und überdies problematischen Be- griffes wie "Sub-Imperialismus" beließen wir es bei der einmali- gen Verwendung dieses Ausdruckes. Im folgenden wird die RSA gege- benenfalls als imperialistisches Land apostrophiert. 62) Vgl. hierzu die Darstellung, die NS-Autoren von der Entwick- lung der südafrikanischen Wirtschaft gaben, so: Erwin Barth v. Wehrenalp (Hrsg.): EUROPA BLICKT NACH AFRIKA, Leipzig-Berlin o.J. (1939). Zur Rolle britischen Kapitals vgl. die UN-Studie LES IN- VESTISSEMENTS ETRANGERS EN REPUBLIQUE SUD-AFRICAINE, New York 1971, hier: S. 7. 63) Vgl. die Daten in FISCHER-WELTALMANACH '72 (hrsgg. v. Gustav Fochler-Hauke), Frankfurt 1971, hier: S. 298-311. 64) Eine mögliche Gegenstrategie von seilen der Entwicklungslän- der kann in der Schaffung internationaler Rohstoffabkommen lie- gen. In ihren Auswirkungen sind diese zwar nicht unproblematisch (Vgl. W. Theess: KAPITALISTISCHE ROHSTOFF - MÄRKTE - INTERNATIO- NALE ROHSTOFFABKOMMEN, Berlin (DDR) 1967) aber können kurzfristig zu einer Verbesserung der Situation führen. Außer für Zinn exi- stieren aber bei den mineralischen Rohstoffen keine solchen Ab- kommen. Auch auf der letzten UNCTAD-Konferenz wurde dieses Pro- blem erfolglos zur Sprache gebracht. (Vgl. D. Boris/P. Dietzl: "UNCTAD", in: ANTIIMPERIALISTISCHES INFORMATIONSBULLETIN (AIB), Marburg Nr. 6/1972. 65) So erwähnt der Geschäftsbericht 1969/70 der Frankfurter Me- tallgesellschaft AG über "die weltweite Preistendenz (:) Sie fand bei den börsenmäßig gehandelten Metallen ihren Ausdruck in einem entsprechenden Kursrückgang, bei Metallen mit anderer Preisbasis in einem Unterschreiten der unverändert gebliebenen offiziellen Preise. In den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres (1971, d. Verf.) hielt die Schwächeneigung der NE-Metallpreise an" (zit. nach: Metallgesellschaft AG: BERICHT ÜBER DAS GE- SCHÄFTSJAHR 1969/70, S. 10). 66) Vgl. hierzu: Brian Bunting: THE RISE OF THE SOUTH AFRICAN REICH, Harmondsworth 1969, S. 428 ff. 67) Vgl. hierzu die Ausführungen von Magdoff in: DAS ZEITALTER DES IMPERIALISMUS, Frankfurt 1969; vgl. auch die Erläuterungen von Bernd Schüngel "Zur Frage der Abhängigkeit der kapitalisti- schen Industrieländer von den Rohstoffen der Dritten Welt", in: DAS ARGUMENT Nr. 51 (1969), S. 68-94, u. Nr. 53 (1969), S. 275- 314; zu letzterem Problem vor allem: S. 282 ff. 68) Zum parasitären Charakter des Monopols vgl. Heininger/Hess, S. 107 ff. Die allein aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen resultierenden Differenzen zwischen den EL können nicht zur alleinigen Ursache dafür gemacht werden, daß nicht etwa eine Anzahl von Ländern, die über die Hauptressourcen bestimmter Rohstoffe verfügen, eine gegen die internationalen Konzerne ge- richtetes Kartell zu bilden und günstigere Abnehmerpreise zu er- zwingen, wie das Beispiel der Öl-produzierenden und -exportie- renden Länder (Opec) beweist. Zur Drohung mit Entzug der sog. Entwicklungshilfe (eher noch der sofortigen Rückforderung der durch die entstandenen Schulden) kommt z.B. in Afrika die Forcierung von Stammes- und Grenzkonflikten, wie die Beispiele Biafras und des ehemals belgischen Kongo hinlänglich demonstrie- ren, um eventuelle Solidarität der ausgebeuteten Nationen im Keim zu verhindern. Vgl. zu diesem Problem auch: John Chikwe: "Afrika - Einheit und Abgrenzung", in: PROBLEME DES FRIEDENS UND DES SO- ZIALISMUS, Nr. 1/1972, S. 77ff. 69) Nach: JOURNAL SÜDAFRIKA (hrsgg. v. d. Südafr. Botschaft, Köln) Nr. 3/1971, S. 10. 70) Die zitierte UN-Dokumentation verzeichnet stark anwachsende Importe in den Jahren von 1965 bis 1968 vor allem bei Mineralöl usw., Chemieprodukten, insbesondere aber Maschinen- und Trans- portausrüstungen, des weiteren bei nicht näher spezifizierten Fertigwaren (a.a.O., Table B 8, S. 52). Bemerkenswert ist, daß die RSA zunehmend von Rohstoffimporten abhängig wird; sie machten 1966 bereits 13% der Importe aus gegenüber 9% 1957 (ebda., S. 39). 71) Vgl. hierzu: UN-DOKUMENTATION, a.a.O., S. 46; JOURNAL SÜD- AFRIKA, Nr. 2/1972, S. 11. Nach einem Bericht des Organs der Deutsch-Südafrikanischen Gesellschaft, der "Afrika Post", sah man in der RSA freilich 1970 noch keine Probleme hinsichtlich eines Ausgleichs der defizitären Handelsbilanz durch Goldverkäufe; le- diglich für den Fall einer nachlassenden Goldproduktion sieht man Probleme. (Inwieweit die gegenwärtige Gold-Hausse auf den Wäh- rungsmärkten der RSA-Handelsbilanz eine bessere Kosmetik zu ver- leihen imstande ist, kann hier vorerst nicht beurteilt werden). Nach: AFRIKA POST, Nr. 3-4/1970, S. 20. 72) Nach: STATISTISCHES JAHRBUCH der BRD 197l. Wiesbaden 1971, Auslandsteil, S. 301/2. 73) Vgl. Hierzu UN-DOKUMENTATION, S. 44. Die Studie kommentiert: "Südafrika erscheint daher besonders empfindlich gegenüber ökono- mischem Druck seitens anderer Länder zu sein" (ebda.). Kennedy sah das bekanntlich als illusorisch an (vgl Anm. 27). 75) Ebda., S. 7; vgl. auch Anm. 72 bis 74. Eine Broschüre der südafrikanischen Standard Bank Group wirbt z.B. mit der freien Transferierbarkeit von Gewinnen: A GUIDE TO BUSINESS EXPANSION IN SOUTH AFRICA, S. 12. Die forcierte Industrialisierung der RSA seit etwa 1930 durch staatskapitalistische Maßnahmen (kongruent mit der polit. Herrschaft der burischen Bourgeoisie) schuf durch Errichtung von Stahl-, Energie- und einige andere Grundstoffindu- strien hierfür günstige Voraussetzungen. 76) So liegen die Südafrika-Profite britischer Gesellschaften um etwa 50% höher als der Gesamtdurchschnitt aller Auslandsprofite britischer Konzerne, nämlich bei (1965) 12.1% gegenüber einem Durchschnitt von 8,4%. Nach: LES INVESTISSEMENTS..., S. 28. 77) Ein Musterbeispiel derartiger Argumentation sind die Ausfüh- rungen George W. Balls, des ehemaligen Unterstaatssekretärs im State Department und Chefberaters unter Kennedy: "...Groß- britannien hat in Südafrika Investitionen in Höhe von 2.8 Milliarden Dollar, aus denen es ansehnliche Dividende bekommt.... Dies sind die Realitäten der relativen Machtstellung Südafrikas, aber sie berühren nicht den Kern des Problems. Es wird Zeit, daß wir uns ruhig fragen: Selbst wenn eine mehrrassige Gesellschaft errichtet werden könnte ... läge das wirklich in unserem oder ir- gendeines anderen Landes Interesse? " (George W. Ball: DISZIPLIN DER MACHT - VORAUSSETZUNGEN FÜR EINE NEUE WELTORDNUNG, Frankfurt 1968, S. 269). Die britische "Financial Times" präzisierte: "Die Verflechtung ausländischen Kapitals ... (dürfte) seine Wirkung auf die Haltung der ausländischen Regierungen gegenüber den na- tionalistischen Revolten nicht verfehlen". (Zit. nach: STELLUNG- NAHME der Vereinigung deutscher Wissenschaftler zum Cabora-Bassa- Projekt", Sonderbeilage zu AFRIKA HEUTE, Nr. 3/1970, S. 6). 78) Diese Angabe ist entnommen dem ANNUAL REPORT 1971 der Anglo American Corp, of S.A. Ltd., Johannesburg. Als Daseinszweck der Gesellschaft definierte ihr erster Präsident, Sir Ernest Oppen- heimer, diesem Geschäftsbericht zufolge, Profite für ihre An- teileigner so zu erwirtschaften, daß es "beiträgt, in den Län- dern, in denen sie tätig ist, zu einem echten und dauerhaften Wohlergehen"; der heutige Präsident, Harry Oppenheimer, weiß dem hinzuzufügen, man habe "großes Vertrauen nicht nur in die materi- ellen Grundlagen, sondern auch in das Menschenpotential des Kon- tinents" (ebda., S. 3). Die Realität trifft folgende Beschreibung besser: "Paradies für Hunderte, Fegefeuer für Tausende, Hölle für Millionen - diese zwei Konzerne (Oppenheimers, d. Verf.) beherr- schen das Wirtschaftsleben ganz Afrikas südlich der Sahara" (zit. nach Oglesby/Shaull, S. 126). 79) Vgl. hierzu die Studie des Afro-Asiatischen Solidaritätskomi- tees der DDR, Berlin: DER NEOKOLONIALISMUS DER WESTDEUTSCHEN BUN- DESREPUBLIK, Berlin 1965, hier: S. 154; vgl. auch: Eberhard Czaya: ACHSE ZUM KAP, Berlin (DDR) 1964, S. 41 ff; EUROPA BLICKT NACH AFRIKA, a.a.O., S. 286ff; Zum Problem der ideologischen Ver- bindungen und politischen Kontakte während der NS-Zeit zumal gibt die Studie von Horst Kühne: FASCHISTISCHE KOLONIALIDEOLOGIE UND ZWEITER WELTKRIEG, Berlin (DDR) 1962, einen Überblick. 80) Exemplarisch für eine nahezu enthusiastische Aufnahme west- deutscher Investitionsbereitschaft mag die Äußerung des südafri- kanischen Handelsministers Haak stehen, der 1969 wie weiland Schillers Wallenstein deklamierte: "Endlich kommen die Deutschen! Sie kommen spät, aber sie kommen" (CHRIST UND WELT - DEUTSCHE ZEITUNG, v. 25.4.1969). 81) Neben der Studie von Kühne (s. Anm. 79) stellt hierzu die Darstellung Brian Buntings (a.a.O.) die beste ökonomisch und historisch begründende Arbeit dar. 82) Berühmt-berüchtigt wurde hier die sog. "Krüger-Depesche" Wil- helms II., mit der er dem burischen Freistaats-Präsidenten Krüger zur Abwehr des von Agenten des C. Rhodes inszenierten sog. "Jameson-Raid", einem Putsch gegen die burische Regierung, am 3.1.1896 gratulierte. In den folgenden Auseinandersetzungen zwi- schen England und den Burenrepubliken kam "der deutschen Indu- strie die proburische Haltung des Kaisers sehr gelegen. Sie münzte sich in Großbestellungen für die Rüstungsindustrie um", (zit. nach: Walter Bartel: DIE LINKEN IN DER DEUTSCHEN SOZIALDE- MOKRATIE IM KAMPF GEGEN MILITARISMUS UND KRIEG, Berlin (DDR) 1958, S. 45). Vgl. hierzu auch: G.W.F. Hallgarten: IMPERIALISMUS VOR 1914, Bd. I, München 1963, hier: S. 322 ff. 83) Die Angaben über die Höhe der westdeutschen Anlagen differie- ren sehr stark. Dem dürfte zum einen zugrunde liegen, daß unter- schiedlich vorgegangen wird bei der Einbeziehung etwa von Portfo- lio-Investitionen, zum anderen, daß etliche Beteiligungen nicht direkt nachweisbar sind, da sie bereits über ausländische Hol- dings oder Filialen vorgenommen wurden. Vgl. hierzu u.a.: Czaya, a.a.O., S. 92 ff; Brigitte Heinrich: DM-IMPERIALISMUS, Berlin 1971, S. 68 ff; Gerhard Reintanz: APARTHEID IN SÜDAFRIKA, Berlin (DDR), S. 16. Als Quellen bzw. Dokumentation für die folgenden, nicht näher be- legten Angaben wurden verwandt: B. Heinrich, a.a.O.; E. Czaya, a.a.O.; ders.: "BRD-Expansion zur Aneignung von Rohstoffquellen im Ausland", in: DWI-BERICHTE Nr. 10, Berlin (DDR) 1971, S. 30 ff; Barbara Schilling/Karl Unger: "Die Bundesrepublik und das südliche Afrika - ökonomische und militärische Aspekte des west- deutschen Neokolonialismus", in: DAS KURSBUCH Nr. 21, Berlin 1970, S. 139 ff; des weiteren die Geschäftsberichte der meisten im folgenden aufgeführten Unternehmen. Eine zusammenfassende Dar- stellung gibt die Arbeit von Jürgen Ostrowsky: PROBLEME DER BE- ZIEHUNGEN ZWISCHEN BRD UND RSA (Mag. Arbeit, maschinenschrift- lich) Marburg 1972. 84) Zit. nach DER SPIEGEL Nr. 43/1971, S. 169. Die Konsequenz, in der dieser VW-Manager die Maxime kapitalistischer "Geschäfts- tätigkeit" formulierte, wäre unserem Forscher Tetzlaff gleich- falls zu wünschen gewesen: Was nützt es, daß er mit dem Pathos desjenigen, der das Gesagte nach der nächsten Bedienung des Zeilenschalters zu vergessen imstande ist, bekundet, "nüchterne Bemühung um Erkenntnis" gegen "lediglich moralische Entrüstung und Empörung" setzen zu wollen, wenn er im Verlaufe seines Werkes folgenreich und häufig von der Moral erwischt wird?! Da ist von "Mißbrauch" die Rede /28/ - als wenn es im portugiesischen Kolo- nialismus eine Alternative dazu gäbe; da versagt es ihm mehrfach nüchterne Deskription angesichts "brutaler" Formen von Unterdrüc- kung /27/ oder "zynisch faschistoider Argumentation" /31/. Vor allem aber gerät ihm die Ölausbeutung in Angola in eine Kategorie, die "extrem kriminell" ist /28/ - allerdings, es sei zugestanden, daß der Autor sehr wohl die "tendenzielle Gefahr" des Moralisierens erkannt hat /23/. 85) Zit. nach DER SPIEGEL Nr. 43/1971, S. 169; vgl. hierzu auch die Dokumentation: DAS BÜNDNIS BONN-PRETORIA, hrsgg. v. Afro- Asiat. Solidaritätskomitee d. DDR, Berlin 1967, S. 28. 86) Vgl. Fritz Seidenzahl, 1870-1970. HUNDERT JAHRE DEUTSCHE BANK (Jubiläumsschrift im Auftrage des Vorstandes d. Deutschen Bank), Frankfurt 1970, S. 396/97; vgl. auch: Czaya, Achse, S. 98. Vgl. zur Funktion von Bankfilialen im Ausland Magdoff, a.a.O., S. 64 ff. 87) in den Jahren von 1965 bis 1969 betrug der Einwanderungsüber- schuß der RSA annähernd 140 000 Personen (Nach: STATIST. JAHRBUCH der BRD 1971, Auslandsteil, S. 33); die gegenwärtige Einwande- rungsquote geben südafrikanische Stellen bereits mit monatlich 3000 Weißen an, die vornehmlich aus Großbritannien, den Nieder- landen, der BRD und weiteren europäischen Ländern stammen (JOURNAL SÜDAFRIKA Nr. 2/1972); in der Gunst westdeutscher Aus- wanderer, deren Erwartungen sich primär auf Heim und berufliche Selbständigkeit (bei Handwerkern) richten, liegt die RSA mit 18,9 % vor Kanada (15,1), den USA (12,1) und Australien mit 11,7 Pro- zent (FR v. 24.10.1970). Daß freilich anstelle handwerklicher Selbständigkeit in der RSA Lohnarbeit von Fachkräften erwünscht ist, verschweigt die südafrikanische Einwanderungspropaganda (Vgl. hierzu u.a. die zwei Südafrika-Beilagen der WELT v. 14.4.1971 und des Handelsblattes vom November 1970). 88) Vgl. hierzu: UN-DOKUMENTATION, S. 45/46 89) Beispiel "klassischer" Kreditvergabepolitik war die Gewährung eines Kredits durch die RSA an Madagaskar im Jahre 1970, der so- gleich in Bauaufträge für südafrikanische Firmen umgewandelt wurde (Nach: SOUTH AFRICAN DIGEST v. 27.11. 1970). Lenin hatte bereits formuliert: "Es fällt ja bei solchen internationalen Ge- schäften immer etwas für den Geldgeber ab, sei es ein handelspo- litischer Vorteil ... ein Hafenbau, eine fette Konzession ..." (Lenin: IMPERIALISMUS, S. 248). Ihre eigenen Kapitalanlagen im Ausland bezifferte die RSA für Ende 1970 auf immerhin 10,32 Mrdn. DM (JOURNAL SÜDAFRIKA Nr. 4/1972, S. 17); zum Vergleich: Die BRD- Auslandsinvestitionen beliefen sich Ende 1970 auf 21,11 Mrdn. DM (JAHRESBERICHT des Bundesverbandes d. Deutschen Industrie 1970/71, S. 158). 90) Tetzlaff stellt zum Zustand der OAU teilweise Richtiges dar. Nur, wieso behauptet er einmal, daß das (einzige bei eben der He- terogenität der Gesellschaftssysteme) "einigende Band" bereits 1963 nur mehr eben der Anti-Imperialismus gewesen sei, und nimmt damit offenkundig eine Abwertung vor, wenn er andererseits als Organisationsziel propagiert, die OAU m ü s s e "Bestandteil der anti-imperialistischen Einigungs(?)bewegung" sein /47/? Völ- liges Fehlverständnis kennzeichnet Tetzlaffs Abkanzelung der UNO- Funktion (so Richtiges sie partiell enthält) /48/. Hier mag der Verweis auf die wichtige Funktion der UN als Forum gerade der Länder Afrikas genügen, die bei wachsenden Schwierigkeiten des Imperialismus an Bedeutung eher gewinnen dürfte (vgl. hierzu u.a.: DIE STAATEN AFRIKAS UND ASIENS (Autorenkoll.), Frankfurt 1971, hier u.a.: S. 19; desgleichen: Ronald Segal: THE RACE WAR, New York 1966, hier: S. 95-120). Vgl. auch die gegenwärtigen Na- mibia-Debatten. Schließlich ist zu betonen, daß bei wachsender Geschlossenheit des Auftretens der neokolonial ausgebeuteten Län- der ihre Resonanz wächst. Dies beweisen bei aller vorläufigen und auf einige Zeit noch absehbaren Ineffektivität die UNCTAD-Konfe- renz und die Konferenz der sog. Blockfreien in Georgetown. 91) Vgl. hierzu; Bunting, S. 469, 473, 527; FR v. 24.6.71; JOUR- NAL SÜDAFRIKA, Nr. 2/1971, S. 2 ff; AUSSENHANDELSDIENST Nr. 24/1970, S. 3. 92) TIME v. 30.11.1970; vgl. auch: FR v. 29. u. 30.4., 8.5. u. 7.10.1971; DER SPIEGEL Nr. 19/1971,8. 112. 93) Vgl. hierzu: SOUTH AFRICAN DIGEST, v. 26.6. u. 17.7.1970; NE- WSWEEK, v. 6.9.1971, S. 31; DER SPIEGEL Nr. 19/1971, S. 113 u. Nr. 35/1971, S. 70; Nr. 41/1971, S. 137; FRANKFURTER RUNDSCHAU v. 3.2., 17.5. u. 6.4.1971. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, daß sich Publizisten der BRD zu Fürsprechern dieser "Dialog"-Po- litik machen, deren erklärtes Ziel die Hintanstellung der Apart- heidproblematik und des südafrikanischen Imperialismus gegenüber scheinbarer "Verständigung" ist. In der von SPD-Politikern mi- therausgegebenen westdeutschen Zeitschrift "Außenpolitik" propa- gierte z.B. ein Per Fischer diese Politik: "Deutsche Politik in Afrika", in: AUSSENPOLITIK Nr. 5/1970, S. 509 ff. 94) Zit. nach NEWSWEEK v. 6.9.1971,5. 31. 95) Zit. nach ÜBERSEE-RUNDSCHAU Nr. 7-8/1969, S. 46. Grohmann zählt zu den eifrigsten Propagandisten der RSA in westdeutschen Gazetten, so der WELT, dem Handelsblatt oder früher auch dem In- dustrie kurier. F.J. Strauß gehört - wie könnte es anders sein - ebenfalls zu den Anhängern der SACOM-Konzeption, denn "seine rie- sigen Bodenschätze könnten Südafrika zur Quelle des Wohlstandes im ganzen südlichen Teil des Kontinents werden lassen im Sinne eines großen Wirtschaftskooperativs, das Südwest (!), Rhodesien, die portugiesischen Überseegebiete (!) und einige schwarze Staa- ten umfassen könnte" (Zit. nach DIE WELT v. 11.5.1966). Strauß gehört auch zu den häufigsten westdeutschen Besuchern der RSA. 96) Vgl. hierzu: MONATSBERICHT AUS SÜDAFRIKA Nr. 53 (1969), S. 14. Das Organ der faschistoiden "Deutsch-Südafrikanischen Gesell- schaft", die Afrika Post, druckte vor einiger Zeit beispielsweise einen Artikel des DEUTSCHLAND-MAGAZINS der sog. "Deutschland Stiftung" ab, hinter der die CDU/CSU stecken, mit dem Titel "Kommunistische Mordbrenner, die Bundesregierung und der Weltkir- chenrat" (AFRIKA POST Nr. 12/1970, S. 3 ff). 97) Auch Tetzlaffs Belegung der "Dependenz" von Madagaskar und Mauritius /40-41/ kann nicht voll befriedigen. Der politische "Durchbruch" erfolgte bekanntlich auch anderswo. 98) Zit. nach Siegfried Thale: "Südafrika zwischen Innen- und Au- ßenpolitik", in: AUSSENPOLITIK Nr. 12/1970, S. 758 ff. 99) Vgl.: DER SPIEGEL Nr. 34/1969, S. 76. Die Anglo American weist freilich in ihrem Geschäftsbericht für 1971 immer noch ex- tensive Konzessionsgebiete in Zambia aus (vgl. ebda., S. 77 ff). 100) Nach: ÜBERSEE-RUNDSCHAU Nr. 7-8/1969, S. 47; vgl. auch: UN- DOKUMENTATION, S. 93. 101) Vgl. hierzu: DER SPIEGEL Nr. 49/1969, S. 153. Zu den Verbin- dungen zwischen Anglo American und Gecomines bzw. Union Miniere vgl. Nkrumah: NEO-COLONIALISM, a.a.O., S. 197-211, hier: S. 205. Ein Bericht der FR v. 3.7.1971 eröffnete sogar einem breiteren Publikum die Herrschaftsmethoden der zum Anglo American Imperium gehörenden Diamond Mining of Angola (DIAMANG): Sie unterhält im Nordosten der Kolonie eine aus ehemaligen Katanga-Söldnern rekrutierte Kleinarmee, deren Kampf aufgäbe offensichtlich gegen unliebsame Entwicklungen in Zaire gerichtet ist. 102) Vgl. hierzu: Schilling/Unger, a.a.O.; dies.: "Guinea-Bissaus Kampf gegen den portugiesischen Kolonialismus", in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, Nr. 3/1970, S. 256 ff; so- wie: Eduardo Ferreira: "Das internationale Kapital gegen die Be- freiung von Angola, Guinea-Bissau und Mozambique", in: NEUES ROTES FORUM Nr. 1/1970, S. 19 ff. 103) Zit. nach: NEUE ZÜRICHER ZEITUNG v. 2.3.1963. 104) Vgl. hierzu: Ostrowsky: "Großbritannien und Zimbabwe", in: BLÄTTER FÜR ... Nr. 5/1972,5. 504 ff. 105) Vgl. hierzu: Roberto Molteno: "Afrika und Südafrika", in: ANTIIMPERIALISTISCHES INFORMATIONSBULLETIN Nr. 9 u. 10/1971, hier: Nr. 9/S. 19. 106) Vgl. hierzu: Basil Davidson: "Eine Million Portugiesen nach Afrika? Guerilla-Krieg gegen die Vorherrschaft der Weißen", in: DER SPIEGEL Nr. 46/1968, S. 127 ff. Zur Problematik der Befrei- ungsbewegungen in RSA und Zimbabwe sei verwiesen auf J. Ostrowsky: "Streiks in Namibia...", in: ANTIIMPERIALISTISCHES IN- FORMATIONSBULLETIN Nr. 3/1972; zur Situation Namibias auf die Nr. 7/1972 des AIB (Materialien der Internationalen Namibia-Kon- ferenz). Einer Auseinandersetzung in anderem Rahmen bedürfen die Thesen Heribert Adams in seinen Veröffentlichungen über Südafrika (SOZIOLOGIE EINER RASSENGESELLSCHAFT, Frankfurt 1969, und: "Einheimischer Kolonialismus: der Fall Südafrika", in: Das Argu- ment Nr. 59, S. 518-529), deren Tenor jedoch die unwissenschaft- lich begründete Negierung der revolutionären Rolle der unter- drückten Klassen in Südafrika ist; "Rationalising Defeatism" überschrieb der "African Communist" zutreffend eine Rezension ei- nes Adam-Elaborates (Vgl. THE AFRICAN COMMUNIST, Nr. 50 (1972), S. 98-101). 107) Vgl. hierzu: FR v. 24.12.1970; ebenso die Beiträge in den laufenden Nummern des AIB. 108) WELT-Beilage, S. 7; vgl. ÜBERSEE RUNDSCHAU Nr. 5/1968, S. 20; "STELLUNGNAHME," a.a.O. 109) Zum Stand des Befreiungskampfes in den südafrikanischen Län- dern vgl. neben den genannten Darstellungen: Gert Meyer: "Kolonialismus und Befreiungsbewegung in den afrikanischen 'Überseegebieten' Portugals", in: DAS ARGUMENT Nr. 59 (1970), S. 489 ff; vor allem die laufende Dokumentation in FACTS & REPORTS (hrsgg. v. Angola Comite, Amsterdam). 110) Vgl. hierzu: Abdul S. Minty: SOUTH ARRICA'S DEFENCE STRA- TEGY (hrsgg. v. Anti-Apartheid-Movement, London), London 1970; MILITARY AND POLICE FORCES IN THE REPUBLIC OF SOUTH AFRICA (Hrsgg. v. Unit on Apartheid d. Ver. Nationen), New York 1967. 111) Lenin, "Der streitbare Militarismus und die antimilitaristi- sche Taktik der Sozialdemokratie", WERKE Bd. 15, S. 186-196, hier: S. 187. 112) Vgl. hierzu die genannten Darstellungen und Quellen. Auf eine ausführlichere Darstellung dieses und anderer Probleme wurde verzichtet, zum einen aufgrund der Länge dieser Arbeit, zum ande- ren, weil sie hinlänglich in anderen Publikationen referiert und analysiert wurden. 113) Vgl. hierzu: Minty, a.a.O; DER SPIEGEL Nr. 27/1970, S. 84; AFRIKA POST Nr. 4-5/1969, S. 50 und Nr. 11/1969, S. 5; MONATSBE- RICHT AUS SÜDAFRIKA Nr. 50 (1969), S. 3 und Nr. 53 (1969), S. 4. 114) Zit. nach: DIE STAATEN AFRIKAS UND ASIENS, a.a.O., S. 218. 115) Zit. nach Adam: SÜDAFRIKA, S. 37. 116) Vgl. UN-DOKUMENTATION, S. 44. 117) UN-DOKUMENTATION, S. 43. 118) So heuchelt Jahresbericht für Jahresbericht der Bundesregie- rung in diesem Stil: "Die Bundesregierung war auch 1971 bestrebt, an der Erfüllung der Aufgaben der Vereinten Nationen mitzuwirken. Die Politik der Bundesregierung entspricht (!) den Zielen und Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen..." (JAHRESBERICHT der Bundesregierung 1971, hrsgg. v. Presse- und Informationsamt der Bundesr., Bonn 1972, S. 180). Denselben Wortlaut enthält der Jahresbericht 1970 (ebda., S. 67). 119) FAZ v. 29.3.1968; Zumal Rhodesien unterlag seit 1965, der einseitigen Unabhängigkeitserklärung der weißen herrschenden Klasse mit ihrem Premier Smith von England, einem scharfen UN- Handelsembargo - an dessen Umgehung westdeutsche Firmen begei- stert Anteil nahmen. Vgl. hierzu: STATISTISCHES JAHRBUCH 1971, Auslandsteil, S. 299; DER SPIEGEL Nr. 11/1970, S. 139. 120) Von Strauß'schen Positionen bis zu denen "liberaler" Christ- demokraten führt hinsichtlich der RSA eine Drehtür, statt eines Weges. Vgl. hierzu den Bericht des SPIEGEL (Nr. 13/1971) über eine Visite einiger CDU-"Liberaler" in der RSA und Straußens diesbezügliche Ansichten, dokumentiert z.B. von Ferreira in BLÄT- TER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, Nr. 6/1971, S. 557 ff. 121) Vgl. hierzu: FR v. 5.8. und 13.11.1971. Freilich stellt die Einschränkung, es dürften keine Waffen mehr geliefert werden, die in den Kolonien einsetzbar seien, zu einer faktischen Aufhebung dieses Kabinettbeschlusses, denn welche Waffen wären dies nicht? 122) Vgl. zum Waffenhandel mit der RSA: Oglesby, a.a.O., S. 128; FR v. 23.7. und 8.8.1970. Zur Rolle der westlichen Sicherheitsratsmitglieder, insbesondere der USA, sei nochmals an die Praktiken etwa Kennedys erinnert (vgl. Anm. 27). 123) Allein der Titel Tetzlaffs verrät das (falsche) Programm: "Zur kollektiven Imperialismusstrategie..." /23/. Oder: Cabora Bassa ward nach Tetzlaff "zum Inbegriff der imperialistischen Kollektivstrategie in SOA" /29/, aber zwei Zeilen tiefer: dem ZAMCO-Konsortium wurde "nach harter Konkurrenz mit amerikanischen und britischen Interessengruppen" /ebda./ der Zuschlag erteilt. (Daß die Firmenaufzählung anstelle der wichtigen Hochtief AG die Fa. Telefunken enthält, die mit der angeführten AEG identisch ist, gehört zu den kleinen Schlampereien, deren sich ein Imperia- lismusforscher nicht schuldig machen sollte. Eine andere ist die Ansiedlung der Rio-Tinto-Zinc Corp, in Protugal /26/; sie ist trotz exotischen Namens ein britisches Unternehmen. 124) So zum Beispiel der angebliche "Bündnischarakter ... inter- national betriebener Exploitation" /27/. 125) Vgl. hierzu: Lenin: IMPERIALISMUS, S. 298 ff. 126) Ebda., S. 257. 127) Ein solches. Beispiel boten die Auseinandersetzungen zwi- schen Bayer und Hoechst um die Aktienmehrheit und damit die Herr- schaft über die Chemischen Werke Hüls, die mit einem Kompromiß beendet wurden. 128) So beschrieb Lenin als wechselnde Varianten imperialisti- scher Herrschaft Flexibilität und Rigidität (Lenin: "Die Diffe- renzen in der europäischen Arbeiterbewegung", WERKE Bd. 16, S. 356). 129) Die Kennedy-Administration ging so weit, in Angola die Exil- regierung und -Organisation des Holden Roberto (GRAE) zu unter- stützen, die lange Zeit quasi ein verlängerter Arm der CIA war und in scharfer Gegnerschaft zur MPLA stand. Freilich : Als 1962 Salazar mit dem "Azorenpfahl" winkte, blies das Pentagon dies- bezüglich zum Rückzug. Heute ist es mit einer Unterstützung längst vorbei. 130) So versprach die Heath-Regierung 1970 die Wiederaufnahme von Waffenlieferungen an die RSA und versuchte im letzten Winter die Souveränität Rhodesiens gegen den Willen der Afrikaner zu instal- lieren, um den eingefrorenen Handel und die festliegenden Kapi- talanlagen wieder zu mobilisieren. Die Nixon-Regierung pflegt be- ste Kontakte zum Caetano-Regime und nahm beispielsweise entgegen dem UN-Handelsboykott die Einfuhr rhodesischer Chromlieferungen wieder auf. 131) Enteignungsmaßnahmen in Uganda, Zambia, Tanzania und Somalia wurden von westdeutschen Monopolvertretern z.B. als "Nacken- schläge für den deutschen Außenhandel" gebrandmarkt (ÜBERSEE- RUNDSCHAU Nr. 7-8/1970, S. 10). 132) "Entwicklungspolitik ... tut das Nächstliegende in einer re- volutionären Weltlage", bekennt freimütig der v. Presse- und In- formationsamt der Bundesregierung herausgegebene BONNER ALMANACH 1970 (S. 144). 133) Vgl. hierzu: DEUTSCHE VOLKSZEITUNG Nr. 36/1970 und SOZIALI- STISCHE KORRESPONDENZ (Hamburg) Nr. 18/1970, S. 5. In der Praxis sah diese Hilfe so aus, daß Joaquin A. Shissau vom ZK der FRELIMO Ende 1970 in einem Interview erklärte: "Wir haben in den Zeitun- gen davon gelesen. Mehr ist uns von einer solchen Unterstützung nicht bekanntgeworden. ... Bisher haben wir noch nicht erfahren, welche Kontakt- und Unterstützungsversuche die sozialdemokra- tische Regierung im Hinblick auf die FRELIMO unternommen hat" (FR v. 1.12.1970). 134) So schwadronierte noch 1969 der HANDELSBLATT-Chefredakteur Hunck von "Desintegration" Portugals und seiner Kolonien, unter Beibehaltung natürlich der weißen Herrschaft (Vgl. hierzu: Joseph Maria Hunck: "Portugal und das Dritte Afrika", in: AUSSENPOLITIK, Hamburg, Nr. 9/1969, S, 556-569, hier: S. 567 f). 135) Vgl. u.a. FR v. 17.9.1970. 136) FR v. 8.2.1972. 137) FR v. 11.3.1972. 138) Es zeugt von geringer Kenntnis der Verhältnisse in der RSA ("faschistische Ausbeutungsverhältnisse" /53/, was immer das sein mag), wenn hier die These aufgestellt wird, die schwarze Arbei- terklasse sei nicht in das System integrierbar /42/, andererseits von der von den Afrikanern angeblich intendierten "integrativen Lösung" des Rassenproblems /35/ gesprochen wird, die obendrein zur "Revolutionierung der Besitzverhältnisse führen" werde (ebda.). Abgesehen davon, daß hiermit der Bürgerrechtsbewegung unterstellt wird, sie habe keine Ahnung von den Klassenverhält- nissen in der RSA, handelt es sich um eine Fehleinschätzung insofern als "Integration" als kapitalistischer Herrschaftsvari- ante hiermit prinzipiell potentieller Erfolg bestritten wird. Zum anderen ist die Erklärung der Unmöglichkeit aus den aktuellen Be- dingungen sozio-ökonomisch unzureichend. 139) Tetzlaff scheint ein absonderliches Verhältnis zu den Kampf Organisationen der unterdrückten Massen in Südafrika zu haben: Zum einen scherzt er über "Passivitäten" /51, Anm. 99/ derselben, zum anderen sind ihm die Erfolge der MPLA etwa "angebliche "/52/. 140) Rede John Marks' in: INTERNATIONALE BERATUNG DER KOMMUNISTI- SCHEN UND ARBEITERPARTEIEN, Moskau 1969, veröff. Prag 1969, hier: S. 823. 141) A. Moreira: PORTUGALS ÜBERSEEPOLITIK, Baden-Baden 1963, S. 72. 142) Diese unterschiedliche Entwicklung setzte sich auch nach der Intensivierung des Kampfes fort. Dies wird deutlich, wenn man die zur gleichen Zeit entstandenen Arbeiten (anfang 1969) Cabrals, Mondlanes und Netos vergleicht. In: Schilling/Unger (Hrsg.): AN- GOLA-GUINEA-MOCAMBIQUE, Frankfurt 1971. 143) Kommunique des ZK der FRELIMO, in: AIB H. 5/1970, S. 21-24. 144) Die Zahl der Feuerüberfälle oder der erschossenen portugie- sischen Soldaten kann nur ein marginales Kriterium für die Be- stimmung des erreichten Kampfstandes sein. Oft sind Streiks und Demonstrationen in den Städten wesentlich effektiver. 145) Es ist uns im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich das Problem zu diskutieren, ob die RSA ein faschistischer Staat ist. Daher vermeiden wir auch Bezeichnungen wie Faschisten etc. 145) Die gerade durch Adam sehr popularisierte These bedarf u.E. einer eingehenden Auseinandersetzung, die erst zu späterem Zeit- punkt geleistet werden kann. zurück