Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973


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       Lothar Peter
       

PROBLEME UND TENDENZEN DER QUALIFIKATIONSSTRUKTUR DER ARBEITERKLASSE IM STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS

I. Reproduktion und Qualifikation der Arbeitskraft -------------------------------------------------- Mit der gesellschaftlichen Dynamik der Produktivkräfte, der wach- senden Kampfkraft der Arbeiterklasse und anderer werktätiger Schichten gegen die Monopolbourgeoisie und insbesondere auch mit dem immer stärkeren Einfluß des sozialistischen Weltsystems auf alle Lebensprozesse der imperialistischen Länder verändern sich nicht pur die Reproduktions- und Verwertungsbedingungen des Kapi- tals, sondern zugleich die Reproduktionsbedingungen der Arbeiter- klasse als der Hauptproduktivkraft des gesellschaftlichen Reich- tums. Die fortschreitende Vergesellschaftung der Arbeit, die sich auf der Grundlage des wissenschaftlich-technischen Fortschritts in einer sich ständig vertiefenden Arbeitsteilung und komplexer werdenden Kombination von Teilprozessen des gesamten gesell- schaftlichen Reproduktionsprozesses ausdrückt, verschärft ebenso den allgemeinen Widerspruch zwischen der gesellschaftlichen Natur der Produktion und ihrer kapitalistischen Hülle wie sie spezi- fisch neue Formen der Reproduktion des gesellschaftlichen Gesamt- arbeiters - und vor allem seiner wichtigsten sozialökonomischen Kategorie, der Arbeiterklasse - hervorbringt: "Heute, da diese Prozesse gewaltig vorangeschritten sind, verlangt die Vergesell- schaftung der Produktion neue Maßstäbe der Kapitalanlage und ih- rer Beherrschung, die zu entsprechenden neuen Auswirkungen auf die gesamte gesellschaftliche Produktion und die gesamte Arbei- terklasse und ihre Beziehungen zum gesamten ökonomischen, politi- schen und sozialen System des Kapitalismus führen." 1) Nicht allein der Prozeß der Kapitalverwertung erfordert Mechanis- men, die, indem sie dem gesellschaftlichen Charakter der Produk- tion Rechnung tragen, zugleich das Herrschaftssystem der privaten Aneignung der Produktionsergebnisse sichern sollten und damit den Antagonismus von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zuspitzen; auch die Reproduktion der Arbeiterklasse selbst ver- langt gesellschaftliche Voraussetzungen, die mit den Fesseln der kapitalistischen Produktionsweise immer unverträglicher werden. Weitaus deutlicher noch als in der veränderten Naturalstruktur der individuellen Konsumtion, die wiederum nur Ausdruck des Zu- sammenhangs von geschichtlicher Produktivkraftentwicklung und ge- sellschaftlicher Bedürfnisentwicklung ist, spiegeln vor allem die Formen der dem Kapitalismus objektiv wesensmäßig fremden gesell- schaftlichen Konsumtion die historische Überlebtheit der kapita- listischen Produktionsweise auch von der Seite der Reproduktion der Arbeitskraft wider. Die für die Lebensbedingungen der Arbei- terklasse fortwährend an Bedeutung gewinnenden Fragen der Ökolo- gie, der Raumordnung, der Infrastruktur, der Erholung und Ausbil- dung treten nicht additiv als Faktoren der individuellen Konsum- tion in Erscheinung, sie sind vielmehr immanente Bestandteile der Vergesellschaftung der Reproduktion der Arbeitskraft 2). Da sich die Reproduktion der Arbeitskraft in zunehmendem Maße auf Berei- che der gesellschaftlichen Konsumtion verlagert, kann sie nur noch begrenzt über den individuellen Lohn als Geldanweisung des Kapitalisten auf ein bestimmtes Quantum von in der Zirkulations- sphäre als Waren käuflichen Subsistenzmitteln bestritten werden, obwohl der Lohn nach wie vor die entscheidende Reproduktionsvor- aussetzung der Lohnarbeiter auch unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus bleibt. In dem Maße, in dem die gesellschaftliche Entwicklung der Produktivkräfte und der Ar- beit auch den Charakter der Reproduktion der Ware Arbeitskraft bestimmt, läßt sich jedoch deren Reproduktion weder wertmäßig nach stofflich unmittelbar auf der Ebene des Einzelkapitals im Verhältnis von Lohn und Profit realisieren: "Das bedeutet, daß die Reproduktion der wichtigsten Produktivkräfte schon nicht mehr nur im Verwertungsprozeß des Einzelkapitals, durch Aufteilung des in seinem Rahmen produzierten Neuwerts, möglich ist. Sie verlangt insbesondere den Einsatz des Staates; die heutige Rolle des Staa- tes läßt sich nicht zuletzt aus dieser Notwendigkeit erklären" 3). Die Funktion des Staates besteht in diesem Zusammenhang wesent- lich darin, unter Abstraktion von der Verwertung der Einzelkapi- tale einen wachsenden Anteil des gesellschaftlichen Gesamtpro- dukts für die Finanzierung von gesellschaftlichen Reproduktions- kosten zu übernehmen, die vom Standpunkt des Einzelkapitals be- trachtet als Abzug vom Mehrwert oder Verringerung der akkumulier- baren Kapitalmasse, also daher als faux frais erscheinen, für die erweiterte Reproduktion des Gesamtkapitals, vor allem des monopo- listischen Kapitals, durch den gesellschaftlichen Charakter der Produktion notwendig gesetzt sind. Hinsichtlich der immateriellen Produktion des Arbeitsvermögens, deren staatliche Finanzierung die Entwertung von variablem Kapi- tal vermittelt und einen beträchtlichen Teil der nicht mehr vom Einzelkapital aufgebrachten Kosten der gesellschaftlichen Repro- duktion beansprucht, folgt daraus die allgemeine, in sich wider- sprüchliche Tendenz des Kapitals, den Wert der Arbeitskraft mög- lichst niedrig zu halten, ihren Gebrauchswert im doppelten Sinn (als Verwertungsmittel des Kapitals und als Vermögen, konkrete Arbeit zu verausgaben), aber gleichzeitig den objektiven Repro- duktionsbedingungen und ihrer Bewegung anzupassen 4). Es liegt daher im elementaren Interesse der Angehörigen der Arbeiterklasse und aller Lohnarbeiter, eine möglichst hohe Qualifikation zu er- langen, um sich unter den Bedingungen der kapitalistischen Durch- setzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und dem aus ihr entspringenden moralischen Verschleiß von Qualifikationen so- wie mannigfachen Formen der sozialen Unsicherheit reproduzieren zu können, denn die Qualifikation schließt sowohl wichtige Ele- mente der Wert- resp. Preisgröße der Ware Arbeitskraft als auch ihre stoffliche Besonderheit in bezug auf die sachlichen Anforde- rungen des Arbeitsprozesses auf einem bestimmten Niveau der Natu- raneignung und der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit ein. Um die Existenzbedingungen der Arbeiterklasse wirksam ver- teidigen zu können, wird sich der Kampf der Arbeiterbewegung in den imperialistischen Ländern verstärkt auch auf jene Bereiche erstrecken, in denen sich die immaterielle Produktion und Repro- duktion des Arbeitsvermögens vollzieht und die entscheidenden Voraussetzungen für die zukünftige Reproduzierbarkeit der als Ware verkauften und zur Mehrwertproduktion (bzw. zur Aneignung unbezahlter Mehrarbeit) vom Kapital konsumierten Arbeitskraft ge- schaffen werden. Der Qualifikation kommt indes nicht nur zentrale Bedeutung für die Reproduktion der Arbeitskraft zu, denn sie bil- det zugleich ein objektives Vermittlungsmoment der bewußten Durchdringung und Erkenntnis des Widerspruchs zwischen der objek- tiven Bewegung des Reproduktionsprozesses zum einen und ihrer formbestimmten gesellschaftlichen Organisation zum anderen, stellt sich mithin als ein konstituierendes Moment von Klassenbe- wußtsein dar: "Die Qualität der Schule und der Ausbildung, die Möglichkeiten der Weiterbildung gewinnen ständig wachsende Bedeu- tung für die arbeitenden Menschen. Sie brauchen eine Ausbildung, die der Entwicklung der modernen Produktivkräfte entspricht und ihnen ermöglicht, die Veränderungen im Berufsleben zu meistern. Auch um sein Klassenbewußtsein besser zu entwickeln und erfolg- reicher für seine Rechte zu kämpfen, braucht der arbeitende Mensch eine seinen Interessen dienende Bildung und Weiterbil- dung." 5) Der Begriff der Qualifikation bezeichnet im Kapitalismus die Spe- zifizierung des Arbeitsvermögens, bestimmte durch die Natur und die gesellschaftliche Form des Arbeitsprozesses herausgebildete Funktionen in Produktion und Zirkulation des Kapitals oder zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Produktionsbedingungen aus- zuüben. Dagegen bezeichnet der Begriff des Arbeitsvermögens die auf einer gegebenen Stufe der Kapitalentwicklung erforderlichen Voraussetzungen der Individuen, ihr Leben reproduzieren zu können 6). Während die Herstellung des Arbeitsvermögens allgemeine Grundkenntnisse natürlicher und sozialer Zusammenhänge sowie die Fähigkeit umfaßt, sich gemäß den durch den Charakter der Produk- tionsverhältnisse geprägten sozialen Verkehrsnormen der Indivi- duen untereinander zu verhalten, kristallisiert die Qualifikation bestimmte Elemente des Arbeitsvermögens, die besonderen stoffli- chen und gesellschaftlichen Anforderungen des Reproduktionspro- zesses entsprechen. Beinhaltet das Arbeitsvermögen Elemente, die - bezogen auf einen gegebenen Stand der Produktivkräfte und gege- bene Formen kapitalistischer Produktionsverhältnisse - in allen Individuen relativ gleichmäßig ausgebildet sind, weil sie aus den Durchschnittsanforderungen an das gesellschaftliche Arbeitsvermö- gen hervorgehen, so differenziert die Qualifikation das Arbeits- vermögen gemäß den konkreten Anforderungen verschiedener kapita- listischer Arbeitsprozesse innerhalb der Grenzen, die den einzel- nen Gruppen des Gesamtarbeiters durch ihre sozialökonomischen Be- ziehungen gezogen sind. Insofern nun im Kapitalismus der Arbeitsprozeß dem Verwertungs- prozeß untergeordnet ist und die Arbeitskraft als Verwertungsmit- tel des Kapitals dient, ist auch die Qualifikation des Arbeits- vermögens der Lohnarbeiter nicht nur auf die Veräußerung konkre- ter, Gebrauchswerte erzeugender Arbeit gerichtet, sondern impli- ziert notwendig Momente, die dem Charakter der Produktionsver- hältnisse als Herrschaftsverhältnisse des Kapitals inhärent sind. Schließt die Qualifikation der Werktätigen in den sozialistischen Staaten die systematische Aneignung des Marxismus-Leninismus als Voraussetzung der Verausgabung gesellschaftlicher nützlicher Ar- beit ein, (weil der Marxismus-Leninismus theoretisch - und prak- tisch in der Gestalt der revolutionären Partei der Arbeiterklasse - zwischen der Entwicklung der Produktivkräfte, ihrer gesell- schaftlichen Organisation und dem Zweck der Produktion, nämlich unmittelbar gesellschaftliche Produktion zu sein, im Interesse aller Werktätigen vermittelt) 7), so gehen in die Qualifikation der kapitalistisch angewandten Arbeitskraft spezifische Elemente ein, die im Widerspruch zur Produktivkraftentwicklung und damit auch zu den objektiven Interessen ihres sozialökonomischen Haupt- trägers, der Arbeiterklasse, stehen. Diese Qualifikationsbestand- teile sind im Herrschaftsinteresse der Kapitalistenklasse und ih- rer im staatsmonopolistischen Kapitalismus entscheidenden Abtei- lung, der Monopolbourgeoisie, begründet. Dennoch muß auch die Qualifizierung des Arbeitsvermögens im Kapitalismus in gewissem Maß den stofflichen Bedingungen des Produktionsprozesses Rechnung tragen. Obwohl das Kapital seiner inneren Natur zufolge nach absoluter Verwertung der Arbeitskraft strebt, stößt es notwendig auf die durch den Doppelcharakter aller Waren gesetzten Bedingungen ihrer Gebrauchswerteigenschaft. Dieser Eigenschaft können sich die Wa- ren als Tauschwerte nicht entledigen, auch wenn der Gebrauchswert nur als Träger von Wert fungiert. Die Waren müssen konkrete Be- dürfnisse befriedigen, um sich als Tauschwerte realisieren zu können. Ihre Eigenschaft, konkrete Bedürfnisse des Käufers zu be- friedigen, setzt aber voraus, daß sie sich nicht nur als "Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit" 8), als Waren- werte darstellen, sondern zugleich Vergegenständlichung und Form nützlicher gesellschaftlicher Arbeit sind. Die Gebrauchswertbe- stimmtheit der Ware im Produktionsprozeß unterscheidet sich vom Zirkulationsprozeß insofern, als sie sich als Produktionsmittel im Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel differenziert und erst durch das von lebendiger Arbeit - und nur durch sie - vermittelte Zusammenwirken von Arbeitsinstrument und Arbeitsgegenstand ihre zweckgemäße Form erhält 9). Auch die Arbeitskraft - wie jede an- dere Ware - muß in diese zweckgemäße Form verwandelt werden, wo- ran die Tatsache nichts ändert, daß der Gebrauchswert ihrer Ware für den Kapitalisten darin besteht. Wert und Mehrwert zu produ- zieren; denn diese Wirksamkeit kann die Arbeitskraft nur dadurch erhalten, daß sie zugleich Gebrauchswerte im Sinne gesellschaft- licher nützlicher Arbeit erzeugt. Die lebendige Arbeit, die durch ihr spezifiziertes Arbeitsvermögen, ihre Qualifikation, in der Weise auf die gegenständlichen Momente des Arbeitsprozesses ein- wirken kann, daß die Produktionsmittel in die zweckgemäße Form des Produkts verwandelt werden, bedarf deshalb auch im Kapitalis- mus bestimmter Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen, die den inneren Gesetzen der Verwandelbarkeit der Produktionsmittel und der Natur des Arbeitsprozesses entsprechen 10). Aus diesem Grunde wird die Gleichgültigkeit des Kapitals gegenüber seiner Anla- gesphäre, gegenüber den konkreten objektiven und subjektiven Pro- duktionsbedingungen relativiert 11). Das Kapital, zumal das monopolistische Kapital, wird jedoch kon- tinuierlich versuchen, direkt oder vermittelt über den Staat, die Qualifikation der Arbeitskraft seinen kurz- oder mittelfristigen Verwertungsinteressen anzupassen und nicht an den sich gerade im Verlauf des wissenschaftlich-technischen Fortschritts besonders rasch verändernden Arbeitsprozeß auszurichten. Die Einengung der Qualifikationen der Arbeitskraft auf die Verwertungsinteressen des Kapitals sowohl mit dem Ziel, Qualifikationen lediglich auf Segmente und Detailfunktionen des Arbeitsprozesses anzuwenden, als auch mit dem Ziel, die bewußte, nur durch besondere gesell- schaftliche Qualifikation mögliche Einsicht in die gesellschaft- liche Formbestimmtheit der Produktion zu verhindern, schlägt auf die Ausbildung der Arbeitskraft in ihrer Form als Ware sozial als erhöhte Arbeitsplatzunsicherheit, wertmäßig als Herabsetzung ihres Werts und politisch als Restriktion der Möglichkeit zurück, aus der Erkenntnis des widersprüchlichen Charakters der kapitali- stischen Produktion heraus Elemente von Klassenbewußtsein zu ent- falten. II. Zur Qualifikationsstruktur der westdeutschen Arbeiterklasse --------------------------------------------------------------- 1. Die industrielle Arbeiterschaft ---------------------------------- Aufgrund der monopolistischen Konzentration von Produktion und Kapital, der ungleichmäßigen Entwicklung der Produktivkräfte und der verzerrten Entwicklung der einzelnen Bereiche des Reprodukti- onsprozesses hat sich der quantitative Umfang und die innere Struktur der Arbeiterklasse im staatsmonopolistischen Kapitalis- mus verändert. Davon ist auch die Qualifikationsstruktur der Ar- beiterklasse betroffen. Ihre Veränderungen entsprechen nicht den gesellschaftlichen Interessen der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung und den langfristigen Anforderungen des wissenschaft- lich-technischen Fortschritts, sondern sind in erster Linie Re- sultat der staatsmonopolistischen Eigentumsverhältnisse und der ihnen immanenten spezifischen Formen der Kapitalverwertungsinter- essen. Untersucht man die Qualifikationsstruktur der westdeutschen Indu- striearbeiterschaft, die sozial-ökonomisch und politisch den "Kern der Arbeiterklasse" 12) ausmacht, so läßt sich jene wider- sprüchliche Qualifikationsentwicklung aufzeigen, die die Gesamt- heit der Lohnarbeiter im Imperialismus in seiner gegenwärtigen Entwicklungsphase charakterisiert: "Gerade in diesen Prozessen kommt allerdings die typisch staatsmonopolistische, die objekti- ven Erfordernisse nur verzerrt berücksichtigende, die volle Ent- faltung aller Produzenten und die Herausbildung einer optimalen Qualifikationsstruktur verhindernde Anpassung des Qualifikations- niveaus an die Höherentwicklung der materiellen Produktivkräfte zum Ausdruck. Der Imperialismus offenbart seine historische Über- lebtheit auch darin, daß sich in ihm die Höherqualifizierung des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters nur unter gleichzeitiger De- qualifikation großer Massen von Arbeitern und Angestellten bzw. über das Festhalten dieser Massen auf den jeweils untersten Stu- fen der Qualifikationsskala durchsetzen kann." 13) Versucht man diese allgemeine Aussage mit Hilfe empirischer Un- tersuchungen aufzufüllen, so zeigt sich in der Untergliederung der westdeutschen Industriearbeiterschaft (männl. u. weibl.) nach den herkömmlichen Leistungsgruppen 14), daß der Anteil der Ange- lernten zwischen 1951 und 1969 gestiegen, der Anteil der Fachar- beiter und Ungelernten dagegen gesunken ist. Auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes hat Justina Marx die Zu- sammensetzung der westdeutschen Industriearbeiterschaft nach Lei- stungsgruppen folgendermaßen berechnet und tabelliert 15): Qualifikationsstruktur der BRD-Industriearbeiter (Industrie ins- gesamt, Produktionsarbeiter und -arbeiterinnen) Leistungsgruppe Anteile der Leistungsgruppen in Prozent 1951 1957 1960 1962 1964 1966 1967 1968 1969 Leistungsgruppe I 47,6 44,8 40,6 41,6 42,5 43,4 44,6 43,7 42,8 Leistungsgruppe II 28,0 32,4 36,4 36,6 36,5 36,7 36,3 36,6 36,9 Leistungsgruppe III 24,4 22,8 23,0 21,8 21,0 19,9 19,1 19,7 20,2 Die Abnahme der Facharbeiter an der gesamten Industriearbeiter- schaft, die eine Zunahme sowohl der männlichen als auch weibli- chen Facharbeiter in einzelnen Produktionszweigen nicht aus- schließt 16), vollzieht sich 1. innerhalb der Bewegung des Rück- gangs der Beschäftigtenzahl im unmittelbaren Produktionsprozeß zugunsten eines Wachstums der Beschäftigtenzahl im vor-, neben- und nachgeordneten Bereich des unmittelbaren Produktionsprozesses und 2. unter den einschränkenden Auswirkungen der wissenschaft- lichtechnischen Revolution auf die Qualifikation herkömmlicher industrieller Lehrberufe. 17) Im Sektor der nicht unmittelbar fertigungsbezogenen Produkti- onstätigkeiten (Wartung, Instandhaltung, Reparatur, Installation etc.) sowie in Teilbereichen des unmittelbaren Produktionsprozes- ses (z.B. Werkzeugbau) wächst dagegen der Anteil von Facharbei- tern eines meist durch die Natur des hochentwickelten Arbeitspro- zesses geprägten Qualifikationstyps, der weniger, an die Spezifi- tät von Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel gebunden als vielmehr auf die Gesamtbewegung des Arbeitsablaufs gerichtet ist und vor- nehmlich eine umfassende berufstheoretische Ausbildung, Abstrak- tions-, Perzeptions- und Reaktionsvermögen beinhaltet. Aber selbst diese hochqualifizierten Industriearbeiterfunktionen un- terliegen der Tendenz zur Ersetzung ihrer Tätigkeiten durch Ele- mente vergegenständlichter Arbeit und Formen einfacher lebendiger Arbeit (z.B. durch Rationalisierung der Arbeitsorganisation, Ein- führung des "Baukasten"-Prinzips, Standardisierung einzelner Re- paraturtätigkeiten usw.), weshalb hohe Qualifikationen von Indu- striearbeitern, die gegen die dequalifizierenden Konsequenzen des sich beständig umgestaltenden Arbeitsprozesses auch längerfristig resistent sind, einer sehr kleinen Gruppe von modernen Facharbei- tern vorbehalten bleiben: "So entstehen einerseits relativ zahl- reiche aber weniger qualifizierte Gruppen des Wartungs- und Repa- raturpersonals, die meist bestimmten Anlagen zugeordnet sind und Routineaufgaben durchführen, andererseits zahlenmäßig kleine, aber hochqualifizierte Spezialgruppen, die mit der Technologie und mit den Bauprinzipien der Anlagen vertraut sind und über fachliches Ingenieurwissen auf den Gebieten z.B. der Hydraulik, Pneumatik oder Elektronik verfügen müssen." 18) Die innere Differenzierung und Polarisierung der Facharbeiter- schaft setzt sich in der Gruppe der Angelernten fort, wobei zu beachten ist, daß die Zunahme der Angelernten nicht schon deshalb umstandslos mit der Hebung des Qualifikationsniveaus der Indu- striearbeiterschaft gleichgesetzt werden kann, weil die Lei- stungsgruppe der Ungelernten abgenommen hat; denn die Gruppe der Angelernten ist sehr heterogen strukturiert und umfaßt ein rela- tiv breites Spektrum von Qualifikationen und Arbeitsinhalten, wenngleich keine ihrer Untergruppen das Qualifikationsniveau in- dustrieller Facharbeiterberufe erreicht 19). Zwar erfordern ins- besondere Steuer- und Führungsarbeiten in der mechanisierten Pro- duktion (bei denen der Arbeiter nicht mehr unmittelbar auf den Arbeitsgegenstand einwirkt, der Produktionsablauf gleichwohl der Führung und Kontrolle durch die menschliche Arbeitskraft bedarf) verglichen etwa mit den repetitiven Teilarbeitern der Fließpro- duktion eine beträchtlich breitere Qualifikationsskala, aber ge- rade diese Tätigkeitskategorie ist auf höheren Stufen der Mecha- nisierung und Teilautomatisierung 20) von raschem moralischem Verschleiß (und Entwertung) ihrer Qualifikation bedroht: "Die zweitstärkste Gruppe industrieller Arbeiten wird nach unseren Er- gebnissen auch heute noch durch die Steuer- und Führungstätigkei- ten der mechanisierten Produktion gebildet. Diese Tätigkeitskate- gorie hat sich im Verlauf der Industrialisierung schon frühzeitig entwickelt. Ihr Erhalten wird freilich durch die fortschreitende Automatisierung am stärksten gefährdet sein, denn sie ist auf den höheren Mechanisierungsstufen - auch an den teilautomatisierten Aggregatsystemen - nur noch selten anzutreffen." 21) Dagegen ist beispielsweise die Tätigkeit der Automatenkontrolle, die im Zuge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts die Steuer- und Führungsarbeiten zunehmend ersetzen wird, von vornherein durch geringe Qualifikation und extrem hohe Arbeitsbelastung gekenn- zeichnet, weil sie das geringe Qualifikationsniveau des repetiti- ven Detailarbeiters der prämechanisierten Produktion auf höherer Entwicklungsstufe des Arbeitsprozesses reproduziert und von die- ser nur formunterschieden ist 22). Die heterogene Qualifikationsstruktur der Gruppe der Angelernten drückt sich auch in der Länge der Anlernzeit insofern aus, als geringere Qualifikationen (und der Wert der Arbeitskraft) ein entsprechend geringes Quantum an gesellschaftlicher Arbeitszeit zu ihrer Produktion brauchen. So besitzen von den gegenwärtig in der BRD beschäftigten Angelernten nur ungefähr 22% eine Anlern- zeit von mehr als 6 Monaten, 27% eine von drei bis sechs Monaten, dagegen 51% eine Anlernzeit von weniger als drei Monaten, wobei noch hervorgehoben werden muß, daß zahlreiche Anlernzeiten oft nur wenige Wochen, Tage, ja Stunden dauern 23). Die in diesen An- lernzeiten erwerbbaren Qualifikationen liegen einerseits durchweg weit unter den Ausbildungszeiten von Facharbeitern mit einer mehrjährigen Berufsausbildung, sie sind andererseits so gering, daß sie sich oft nicht von den Arbeitsanforderungen und Arbeits- inhalten der Leistungsgruppe III, der Ungelernten, unterscheiden. Die in der Arbeitsverausgabung der meisten Angelernten impli- zierte Gleichgültigkeit gegen den Inhalt der Arbeit und ihre un- entwickelte stoffliche Beschaffenheit sind identisch mit einer großen Variabilität der Arbeitskraft, von einem Produktionszweig in den anderen zu wechseln, weil in ihr nur der Wert des einfa- chen durchschnittlichen Arbeitsvermögens und folglich auch ihre relative Unabhängigkeit von spezifischen Anforderungen des Ar- beitsprozesses vorausgesetzt ist 24). Vermittelt durch die Ökono- misierung der Arbeit, die Umwälzung der materiell-technischen Ba- sis des Produktionsprozesses und die Ersetzung von lebendiger durch vergegenständlichte Arbeit versucht das Kapital daher be- ständig, die Produktions- und Reproduktionskosten, die ein höher entwickeltes Arbeitsvermögen erheischt, auf den Wert des einfa- chen Arbeitsvermögens zu senken, also das Qualifikationsniveau herabzusetzen. Umso rascher aber die Qualifikationen entwertet werden, desto schärfer wirken sich die Folgen des "beständig eine relative, d.h. für die mittleren Verwertungsbedürfnisse des Kapi- tals überschüssige, daher überflüssige, oder Zuschußarbeiterbe- völkerung" 25) erzeugenden Akkumulationsprozesses auf die soziale Unsicherheit aller Lohnarbeiter, insbesondere jedoch der Arbei- terklasse aus. So müssen 30% aller Lehrlinge, deren berufliche Qualifikation entweder den Anforderungen des modernen Produkti- onsprozesses nicht genügt oder für deren Qualifikation aufgrund der anarchischen Ausbildungsstruktur und Verteilung der gesell- schaftlichen Arbeit seitens des Kapitals besteht, in der BRD un- mittelbar nach ihrer Lehre den Beruf wechseln. Jeder dritte "Arbeitnehmer" in der BRD ist, sofern er einen Beruf erlernt hat, nicht mehr in diesem Beruf tätig. Zahlreiche vor allem ältere Ar- beiter und Arbeiterinnen werden bei Umstellungen und Rationali- sierungen vorzeitig entlassen 26), weil die von ihnen noch zu- künftig abzupressende Mehrwertmasse oder unbezahlte Mehrarbeit nicht den Kosten von möglichen Umschulungsmaßnahmen bzw. ihrer "Rentabilität" bezogen auf die neuen Arbeitsplatzbedingungen ent- spricht. Aber auch viele Facharbeiter sind gezwungen, in Anlern- berufe mit niedrigerer Qualifikation überzuwechseln, obwohl oft bei Rationalisierung und Produktionsumstellung aufgrund gewerk- schaftlicher Abwehrmaßnahmen und tariflicher Neuregelungen das reale Ausmaß der Dequalifikation verdeckt wird, weil die Betrof- fenen trotz ihres "down-grading" in ihre ehemalige Lohngruppe eingestuft werden (27). Schließlich ist festzustellen, daß selbst dann wenn überhaupt Um- schulungsmaßnahmen im Falle von Rationalisierung, Produktionsum- stellung und -verlagerung durchgeführt werden, - Maßnahmen, zu denen die Kapitaleigner auch nach den von den Gewerkschaften ab- geschlossenen Rationalisierungsschutzabkommen nicht einmal ver- pflichtet sind (28) - diese meist durch die spezifischen Produk- tionsbedingungen determiniert sind und somit eine Weiterqualifi- zierung nur innerhalb der Grenzen der Verwertungsinteressen des Einzelkapitals erlauben. Die Festlegung von Disponibilität und Qualifikation gemäß den Verwertungsinteressen des Einzelkapitals geschieht aber nicht erst im Verlaufe des Produktionsprozesses und der ihm als Verwertungsprozeß entspringenden Veränderungen der sachlichen Produktionsbedingungen, sondern wird bereits von einzelnen Monopolen im Vorgang der Produktion des spezifizierten Arbeitsvermögens selbst institutionalisiert. Der in diesem Zusam- menhang bekannter gewordene "Rahmenplan zur Stufenausbildung" der Firma Krupp aus dem Jahre 1965 sieht eine vierstufige Ausbildung mit entsprechenden Ausbildungsabschlüssen vor, die den größten Teil der Auszubildenden - nur 30% von ihnen erhalten eine Fachar- beiter- oder Angestelltenausbildung mit hoher technischer Quali- fikation - qualitativ und quantitativ an die unmittelbaren Ver- wertungsinteressen der Firma Krupp kettet so wie eine den objek- tiven Veränderungen des gesamtgesellschaftlichen Reproduktions- prozesses adäquate Disponibilität verhindert 29). Die quantitativen und qualitativen Strukturverschiebungen in der Arbeiterklasse der kapitalistischen Länder haben zu dem Versuch Anlaß gegeben, die Bewegung der Qualifikationsstruktur auch empi- risch zu erfassen und auf das gesamte Qualifikationsniveau ver- schiedener Gruppen der Arbeiterklasse zu beziehen. So hat Justina Marx die Entwicklung der Qualifikation der Industriearbeiter- schaft der drei oben genannten Leistungsgruppen auf der Grundlage der von A. Ziegler entwickelten Methode berechnet 30). Sie kommt zu dem Ergebnis, daß der durchschnittliche Qualifikationskoeffi- zient aller Industriearbeiter und -arbeiterinnen in der BRD zwi- schen 1951 und 1969 von 2,232 auf 2,224 gefallen ist 31). Dieses Resultat differenziert einerseits die von den meisten marxisti- schen Wissenschaftlern vertretene Auffassung einer durchschnitt- lichen Höherqualifizierung des gesellschaftlichen Gesamtarbei- ters, konkretisiert und unterstreicht aber gleichzeitig die wi- dersprüchliche Tendenz zur heterogenen und polaren Qualifikati- onsstruktur. Es ist zu vermuten, daß Untersuchungen auf der Basis anderer Qualifikationsmerkmale als denen der herkömmlichen Lei- stungsgruppen und unter Einbeziehung anderer Gruppen von Lohnar- beitern (beispielsweise von Angestellten der wissenschaftlich- technischen Intelligenz), die qualifikationsmäßig oberhalb der Leistungsgruppe III rangieren, die Hebung des durchschnittlichen Qualifikationsniveaus der Gesamtheit der Lohnarbeiter oder auch der Arbeiterklasse (die ja nicht nur die industrielle Arbeiter- schaft umfaßt) empirisch erhärten könnten. Insofern schließen sich die Ergebnisse von Justina Marx hinsichtlich des Qualifika- tionskoeffizienten der Industriearbeiterschaft zum einen und die Feststellung einer durchschnittlichen Höherqualifizierung des ge- sellschaftlichen Gesamtarbeiters - resp. seiner klassenmäßigen Kategorien zum anderen nicht notwendig gegeneinander aus, weil die Zunahme sehr hoher Qualifikationen einer quantitativ sehr be- grenzten Zahl von Lohnarbeitern, wie bereits dargestellt wurde, mit der Entqualifizierung anderer Teile der Arbeiterklasse korre- spondiert. Auch in der bürgerlichen Literatur wird diese Tendenz zumindest an ihrer Oberflächenerscheinung bemerkt, wie folgende Äußerungen von Autoren im Rahmen einer Studie des "Rationalisierungskura- toriums der Deutschen Wirtschaft" (RKW) belegen: "Als Folge zunehmender Mechanisierung und Automatisierung ergibt sich im Bereich der Produktionstätigkeiten - und in gewissem Umfang auch bei den Instandhaltungstätigkeiten - eine Polarisierung der Be- schäftigtenstruktur nach Tätigkeitsinhalten und Arbeitsan- forderungen in dem Sinne, daß auf der einen Seite sehr einfache und zumeist einseitige Tätigkeiten und auf der anderen Seite höherqualifizierte Tätigkeiten bestehen bleiben, oder neu entstehen, während der Anteil der komplexen Tätigkeiten mit mitt- lerem Anforderungsniveau abnimmt." 32) Zwar registrieren die zitierten Sätze die Veränderungen der Qua- lifikationsstruktur als Widerspiegelung des Arbeitsprozesses auf der Seite der lebendigen Arbeit, sie vermögen indes den Zusammen- hang zwischen der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft als der wichtigsten Produktivkraft und dem Charakter der kapitalisti- schen Produktionsweise nicht zu erhellen. Die Qualifikationsstruktur der Arbeiterklasse ist trotz ihrer Vermittlung durch die stoffliche Seite des Reproduktionsprozesses wesentlich bestimmt durch die geschichtliche Besonderheit der Produktionsverhältnisse. Verschleißen sich auch im Sozialismus durch die Entfaltung der Produktivkräfte in der wissenschaftlich- technischen Revolution konkrete Arbeitsqualifikationen 33), so ergibt sich aus dem auf die Entfaltung und Aneignung des wirkli- chen Reichtums gerichteten Charakter der sozialistischen Eigen- tumsverhältnisse, der unmittelbaren gesellschaftlichen Produktion und der gesellschaftlichen Planung, Leitung und Durchführung des gesamten Reproduktionsprozesses, ebenso die Möglichkeit wie die Notwendigkeit, die Qualifikation aller Werktätigen beständig wei- terzuentwickeln. Dagegen erzwingt die im Verwertungsinteresse des Kapitals begründete relative Indifferenz gegenüber den subjekti- ven Produktionsbedingungen - relativ deshalb, weil auch das Kapi- tal bei der Produktion der Arbeitskraft in gewissem Maße den stofflichen Anforderungen des Produktionsprozesses Rechnung tra- gen muß - eine permanente Dequalifikation großer Teile der Arbei- terklasse. Die Analyse der Qualifikationsstruktur der Arbeiter- klasse im Kapitalismus darf sich deshalb nicht mit der Untersu- chung der stofflichen Beschaffenheit der Produktivkräfte und der Natur des Arbeitsprozesses begnügen, sie muß vielmehr deren kon- krete Momente und ihre Verteilung auf die Arbeiterklasse aus der Formbestimmtheit des Produktions- und Reproduktionsprozesses ab- leiten: "Die Arbeiterklasse wendet die Produktionsmittel jedoch nicht nur an, sie verändert und entwickelt sie auch und verändert damit sich selbst. Aber in der kapitalistischen Klassengesell- schaft tut sie dies nicht bewußt und planvoll, sondern unter dem Diktat der Bourgeoisie, die - wie es das Kommunistische Manifest hervorhebt - nicht anders kann als im Kampf um den Profit die Produktivkräfte permanent zu revolutionieren. Hierbei wandeln sich die Anforderungen an die lebendige Arbeit im Hinblick auf ihre Verteilung auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche und ihre Qualifikation. Die Strukturveränderungen in der Arbeiterklasse haben mithin einen quantitativen und einen qualitativen Aspekt: neue Formen der Aneignung der Natur erfordern einerseits eine an- dere quantitative Verteilung der Gesamtarbeit auf der Ebene der gesamten Volkswirtschaft, der Industriezweige und im Betrieb, und sie erfordern andererseits neue Formen der Arbeit in Gestalt neuer Berufe und Qualifikationen. Die Strukturveränderungen las- sen sich darüber hinaus nicht einfach aus der Entwicklung der Produktivkräfte ableiten, sondern sie werden entscheidend geprägt durch die Art und Weise der Durchsetzung dieser Entwicklung der Produktivkräfte, also die kapitalistischen, genauer: staatsmono- polistischen Produktionsverhältnisse." 34) 2. Die Angestellten ------------------- Aus Erscheinungen wie der wachsenden Zahl der Angestellten an der Gesamtheit der Lohnarbeiter und der Arbeiterklasse in den Ländern des staatsmonopolistischen Kapitalismus wird häufig der Schluß gezogen, die Klassengegensätze hätten zu existieren aufgehört, eine "nivellierte Mittelstandsgesellschaft" (Schelsky) habe sich herausgebildet oder die Bewegung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts habe die Lebens- und Arbeitsbedingungen des Proleta- riats aufgelöst. Derartige Auffassungen, die von der sozialökonomischen Struktur der Klassenverhältnisse abstrahieren und Klassen nicht als Perso- nifikationen ökonomischer Kategorien begreifen, differenzieren die soziale Struktur nach Merkmalen, wie sie an der Oberfläche der spezifischen Produktionsweise einer Gesellschaft erscheinen 35). Die theoretische Unfähigkeit, soziale Strukturveränderungen aus den ökonomischen Triebkräften der Gesellschaft zu erklären, wirkt sich infolgedessen notwendig auch verschleiernd auf die so- ziale Lagebestimmung von Arbeitern und Angestellten aus, wie die nachstehenden Behauptungen Edgar Salins auf der III. Internatio- nalen Arbeitstagung der IG Metall dokumentieren: "Zugleich ändert sich (im Zuge der Automation, L.P.) der Typ des Arbeiters. Der 'Proletarier', aus dem sich der Sozialismus des beginnenden 20. Jahrhunderts noch rekrutierte, ist in den alten Industriestaaten zumindest unter den weißen Arbeitern kaum mehr zu finden. Der technische Fortschritt hat eine neue Haltung, hat bessere Klei- dung, eine größere Wohnung, zumeist aber auch eine andere seeli- sche Einstellung zur Folge." 36) Die Zunahme der Angestellten an der Gesamtheit der abhängig Be- schäftigten im Lohnverhältnis ist jedoch weder ausschließlich Re- sultat des wissenschaftlich-technischen Fortschritts noch gar Be- weis für die Aufhebung des Antagonismus zwischen Bourgeoisie und Proletariat im Kapitalismus selbst. Gemäß den sozialökonomischen Kriterien der Klassenstruktur ist auch die überwältigende Mehrheit der ehemals mit Leitungsfunktio- nen, hohen Qualifikationen und materiellen Privilegien ausgestat- teten Angestellten der Arbeiterklasse zuzurechnen. Das betrifft in der BRD gegenwärtig ungefähr 85% der Angestellten und mehr als zwei Drittel der Beamten 37), obwohl diese Gruppen juristisch in einem anderen Austauschverhältnis ihrer Arbeit stehen wie der Kern der Arbeiterklasse 38). Ebenso wie die Arbeiter sind die Angestellten (im Sinne des Be- sitzes an Produktionsmitteln) eigentumslos und von der Verfü- gungsgewalt über die objektiven Produktionsbedingungen ausge- schlossen. Sie besitzen nichts außer ihrer Arbeitskraft, die sie als Ware verkaufen müssen, um sich reproduzieren zu können. Ihre Stellung im Reproduktionsprozeß ist weitgehend durch reelle Sub- sumtion unter das Kapital oder den monopolistischen Staat gekenn- zeichnet. Ihre Mobilität im Sinne des Aufstiegs in die Gegen- klasse ist äußerst eingeschränkt. Die Quelle ihrer Revenue be- steht in der Verausgabung von Lohnarbeit, die aus variablem Kapi- tal bezahlt wird und entweder direkt Mehrwert produziert bzw. an der Produktion von Profit beteiligt ist oder Mehrarbeit in der Form unproduktiver Arbeit liefert. Der Warencharakter ihrer Ar- beitskraft ist voll entfaltet und ihre Stellung in der betriebli- chen Arbeitsorganisation und kapitalistischen (bzw. staatlichen) Leitungshierarchie durch ausführende, der despotischen Kommando- gewalt des Kapitals weitgehend untergeordnete Tätigkeiten gekenn- zeichnet 39). Aus diesen sozialökonomisch bestimmten Gründen unterliegt die Qualifikationsstruktur der Masse der Angestellten ähnlichen Ver- änderungen wie jene der Arbeiter in der materiellen Produktion. Noch immer verfügen indes vor allem die technischen Angestellten, (ohne Meister), die 1968 etwa 38 % aller Angestellten im verar- beitenden Gewerbe umfaßten und in den technologisch fortgeschrit- tenen Industrien oft schon den prozentualen Anteil der kaufmänni- schen Angestellten übertrafen 40), über ein höheres Qualifikati- onsniveau als der Durchschnitt der Angestellten. In der Qualifi- kation der technischen Angestellten sind in höherem Maße Elemente komplizierter geistiger Arbeit konzentriert, ihre Stellung in der betrieblichen Organisation der Arbeit zeichnet sich durch größere Dispositionsbefugnisse aus und es bietet sich ihnen eher die Mög- lichkeit, Leitungsfunktionen - wenn auch nur auf unterer Ebene - zu erlangen, wohingegen in der Qualifikationsstruktur der kauf- männischen Angestellten die geringen Qualifikationen der Masse des Verkaufs- und Büropersonals ohne Berufsausbildung oder mit kurzen Anlernzeiten enthalten sind. In dem Maße aber, in dem der Anteil vermittelnder nicht Mehrwert produzierender Arbeit am Gesamtquantum der gesellschaftlich auf- gewandten Arbeit wächst und in dem sich der unproduktive Sektor im gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß erweitert 41) - ebenso bedingt durch die stoffliche Entwicklung der Produktivkräfte wie durch ihre kapitalistische Formbestimmtheit, wächst mit der Zahl der Angestellten zugleich das Bestreben des Kapitals, die Ange- stellten dem Ausbeutungsgrad des Kerns der Arbeiterklasse zu un- terwerfen 42). Da die Höhe des Mehrwerts resp. Profits einerseits maßgeblich auch von der Ausbeutung der Angestellten in Form ge- steigerter Mehrwertproduktion oder im größeren Quantum unbezahl- ter Mehrarbeit abhängt, andererseits der Umfang des für die Ent- lohnung von Angestellten zu verauslagenden variablen Kapitals zu- nimmt, verstärkt das Kapital den Druck auf den Wert der Arbeits- kraft breiter Teile der Angestelltenschaft. In dieser Tendenz des kapitalistischen Akkumulationsprozesses, dessen innere Triebkraft darin besteht, ein Maximum an Mehrwert in produktives Kapital rückzuverwandeln, wirkt sich der wissenschaftlich-technische Fortschritt dequalifizierend gerade auch für die technischen An- gestellten aus: "Arbeitsteilung in den Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsbüros stellt sich im einzelnen als Spezialisie- rung dar und ist in diesem Sinne zweifellos eine Grundvorausset- zung der Arbeitsproduktivität überhaupt. Jedoch droht die Spezia- lisierung zugleich ständig in Überspezialisierung umzuschlagen, die die allgemeinen technischen und wissenschaftlichen Befähigun- gen der Betroffenen weitgehend ungenutzt und schließlich verküm- mern läßt, so daß der einmal erreichte Qualifizierungsgrad am Ende selbst gefährdet ist." 43) Mit der Vertiefung der Arbeitsteilung auf betrieblicher Ebene vermittels einer Rationalisierung und Optimierung des Zusammen- wirkens aller Teilbereiche und Teilprozesse bei gleichzeitiger Funktionszergliederung der Arbeitstätigkeiten nähern sich die An- gestellten sowohl hinsichtlich ihrer Stellung in der betriebli- chen Arbeitsorganisation als auch ihrer Qualifikation, Arbeitsin- halte und Arbeitsplatzanforderungen der Lage der Arbeiterschaft an. Wie in der unmittelbaren Produktion setzt sich in den Berei- chen, in denen vorrangig Angestellte beschäftigt sind - also auf betrieblicher Ebene der Reparatur, Instandhaltung, Forschung, Konstruktion sowie der Verwaltung des Absatzes und Vertriebs -, die Tendenz zur "Verwissenschaftlichung" des Arbeitsprozesses, zur Substituierung lebendiger Arbeit (durch technische Aggregate, arbeitsorganisatorische Rationalisierung und Standardisierung der Arbeitsabläufe) und zur Verallgemeinerung einfacher geistiger Ar- beit mit oft hoher sensumotorischer Belastung durch und bestimmt die Qualifikation der Angestelltentätigkeiten in stets größerem Umfang. Auf betrieblicher Ebene tritt dieser Prozeß als Anglei- chung der stofflichen Struktur des Produktionsprozesses (Einfüh- rung der Datenverarbeitung und Computer-Anlagen) sowie der stofflichen Form der Arbeitsverausgabung (repetitive Teilarbeit mit geringer muskulärer, aber hoher nervlicher Beanspruchung, Vereinseitigung und Reduktion geistiger Qualifikationen) an die Arbeitsbedingungen der Arbeiter im Fertigungsprozeß in Erschei- nung: "Die Annäherung der Lage der Arbeiter- und Angestellten zeigt sich auch in der Entwicklung der Organisation der Arbeitsbereiche der Angestellten ... Die arbeitsteilige Tätigkeit vieler Angestellten, die manchmal als geistige Fließbandproduk- tion bezeichnet werden kann, ist der individuellen Atmosphäre früherer Büros, Labors und Forschungsabteilungen immer weniger ähnlich. Die Detailarbeit nimmt im Kapitalismus nicht nur mit der Konzentration der Angestellten zu, sondern auch der Einsatz der EDV und anderer Anlagen und Maschinen ist mit der Vertiefung der Detailarbeit und Arbeitsteilung verbunden." 44) Noch härter als die technischen Angestellten werden aber die Qua- lifikationen der kaufmännischen und Verwaltungsangestellten von der kapitalistischen Anwendung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts auf Büroarbeiten betroffen. Insbesondere die Quali- fikationen der "klassischen" Angestelltenfunktionen der Buchhal- tung, Statistik und Kalkulation unterliegen einem rapiden Ver- schleiß und erfahren eine Reduktion auf das Qualifikationsprofil des meist aus Frauen bestehenden und Routinearbeiten verrichten- den Büropersonals mit hoher Arbeitsplatzunsicherheit. 45) Ihre ehemals vornehmlich rechnerischen, bilanzierenden, zusammenstel- lenden und kalkulatorischen Arbeitsinhalte werden fortschreitend durch Büromechanisierung und -automatisierung zersetzt, die An- forderungen ihrer Arbeitsplätze auf nicht schöpferische Aufmerk- samkeit eingeengt. Langjährige Betriebserfahrung und komplexe ar- beitsplatzspezifische Kenntnisse als wichtige Qualifikationsele- mente zerfallen, so daß insgesamt mit dem raschen Verschleiß von Qualifikationen auch der Preis ihrer Arbeitskraft sinkt: "Um den Preis der Arbeitskraft so gering wie möglich zu halten, differen- ziert und polarisiert die Bourgeoisie die Aus- und Weiterbildung sowie das Niveau der am Arbeitsplatz anwendbaren Qualifikationen der kaufmännischen und technischen Angestellten und entwickelt sie nur im Maße der kurz- oder mittelfristigen Verwertungsbedin- gungen des Kapitals." 46) Umfangreiche empirische Untersuchungen bestätigen die durch Auto- mation verursachten einschneidenden Wirkungen auf die Qualifika- tionen von Angestellten. So zeigen zehn von Joachim Fuhrmann im Auftrag der IG Metall durchgeführte Fallstudien verschiedener, nichtfertigungsbezogener "Funktionseinheiten" von Industriebe- trieben unterschiedlicher Branchen und mit unterschiedlichen Be- legschaftsgrößen (allerdings sechs mit mehr als tausend Beschäf- tigten) folgende relevante Ergebnisse 47): 1. Die absolute Zahl der Arbeitsplätze hat bei allen untersuchten Arbeitsplätzen insgesamt um 35% abgenommen und weitere 21,5% der Arbeitsplätze wurden verändert, wobei sowohl die Einsparung als auch die Veränderung von Arbeitsplätzen alle Stufen der Betriebs- hierarchie und alle Qualifikationsstufen erfaßten. 2. Die Einführung der Datenverarbeitung hat insbesondere die durch Berufsausbildung und -erfahrung konstituierte Qualifikation der mittleren Angestelltengruppe (vor allem der Sachbearbeiter) dergestalt verändert, daß sie zur Erlangung von Zusatzqualifika- tionen gezwungen ist, sofern sie ihren ehemaligen Arbeitsplatz nicht verlieren oder einen Arbeitsplatz mit vergleichbaren Anfor- derungen erhalten oder sich schließlich - bei veränderter Ar- beitsplatzstruktur - nicht in der Gehaltseinstufung verschlech- tern will. Entgegen der Meinung, daß Computeranlagen durch Über- nahme gleichförmiger, mechanischer und Routinearbeiten den Sach- bearbeitern zu einem höheren Maß schöpferischer Arbeit verhelfe, beweisen die Fallstudien, daß entweder Arbeitsplätze mit relativ komplexen Arbeitsanforderungen "wegrationalisiert" oder die nach der Umstellung verbliebenen und veränderten Arbeitsplätze keine geistig-schöpferische Arbeit erfordern. 3. Was für die Sachbearbeiter gilt, trifft weitgehend auch auf die Meister und Techniker (technische Angestellte) zu, während die Tätigkeiten von Laboranten, unschwer ersetzbar durch chemi- sche Analyse-Automaten, meist sowohl unmittelbar dequalifiziert als auch tariflich niedriger eingestuft werden 48). Auch die Aufgliederung der Angestelltenschaft nach von bürgerli- chen Sozialwissenschaftlern fixierten "Funktionsgruppen", in de- ren Beschreibung jedoch die Zwieschlächtigkeit des kapitalisti- schen Produktionsprozesses und des ihr entsprechenden wider- sprüchlichen Verhältnisses von fachlicher Qualifikation und Dis- positionsbefugnis in der Leitungshierarchie durch die Unterstel- lung einer "wertneutralen" Arbeitsplatzstruktur verschleiert wird, stellt die niedrigen Qualifikationen und restringierten Dispositionsbefugnisse der Mehrheit der Angestellten unter Beweis 49). Schon Ende der fünfziger Jahre gehörten 20% der Angestellten in Produktionsbetrieben den beiden untersten Funktionsgruppen an, deren fachliche Qualifikation entweder überhaupt keine berufliche Vorbildung oder kurzfristige Anlernzeiten und Spezialschulungen bis zu einem Jahr voraussetzten (Funktionsgruppe 0-2). 17% der Angestellten in demselben Bereich verfügten über Ausbildungsab- schlüsse in kaufmännischen und technischen Lehrberufen, hatten jedoch keine längere Berufserfahrung, wohingegen 52,5% zwar Qua- lifikationen besaßen, die sich von Lehrberufen mit langjähriger Berufserfahrung bis zu Fach- und Hochschulausbildung erstreckten, aber nur mit Leitungsfunktionen der unteren Ebene, des Lower-Ma- nagements, beauftragt waren (Funktionsgruppen 4-7). Im Bereich des Handels, der Banken und Versicherungen gehörten dagegen schon 33,9% der Angestellten den Funktionsgruppen 0-2, 30,7% der Funk- tionsgruppe 3, 30,4% den Funktionsgruppen 4-7 und nur 5% den hö- heren Funktionsgruppen 8-13 an, in denen die Leitungsfunktionen eindeutig überwogen. (Aber auch von diesen 5% ließen sich nur 0,8% dem Spitzenmanagement zurechnen.) 50) Die Tendenz zur inneren Polarisierung und Differenzierung der Qualifikationsstruktur der Angestellten, die ihre Ursache in dem Bestreben findet, das variable Kapital zu verringern und in allen Bereichen des Produktionsprozesses lebendige Arbeit durch verge- genständlichte Arbeit zu ersetzen, hat sich im Verlaufe der sech- ziger Jahre zweifellos beschleunigt, wenn man das absolute quan- titative Wachstum der Angestellten berücksichtigt und außerdem feststellt, daß zum Beispiel 1966 23% der männlichen und sogar 65% der weiblichen kaufmännischen Angestellten in den untersten Leistungsgruppen (V und IV) eingestuft waren 51). Der Qualifika- tionsverlust vieler Angestelltentätigkeiten und -berufe korre- spondiert mit der Einkommenshöhe der Angestellten als dem Aus- druck des Preises ihrer Arbeitskraft. Während sich die Reproduk- tionskosten der Arbeitskraft niedrig qualifizierter Angestellter denjenigen der vorwiegend manuell tätigen Gruppen der Arbeiter- klasse annähern, verfügt nur eine kleine Minderheit von Ange- stellten (in erster Linie der wissenschaftlich-technischen Intel- ligenz) aufgrund ihrer fachlichen, auf den Arbeitsprozeß bezoge- nen Qualifikation, mehr noch aber aus dem Grund, weil sie Verwer- tungs- und Leitungsfunktionen im Interesse des Kapitals wahrneh- men, über Einkommen, die weit über dem Durchschnitt aller Lohnar- beiter liegen 52). Ähnlich wie bei der Industriearbeiterschaft vollzieht sich bei der Masse der Angestellten eine Veränderung der Qualifikations- struktur, die - bedingt durch den Widerspruch zwischen Produktiv- kräften und kapitalistischen Produktionsverhältnissen, - zum einen ein überproportionales Anwachsen hoher Qualifikationen ein- zelner Angestelltengruppen aufweist und damit zur Anhebung des durchschnittlichen Qualifikationsniveaus der Gesamtheit der Angestellten beiträgt, zum anderen jedoch eine Qualifikationsmin- derung quantitativ beträchtlicher Teile der Angestellten hervor- ruft: "Wenn auch im Kapitalismus das durchschnittliche Quali- fikationsniveau der Angestellten der Industrie insgesamt steigt, so ist es doch für kapitalistische Produktionsverhältnisse typisch, daß diese Steigerung das Resultat zweier gegensätzlicher Tendenzen ist, nämlich des überdurchschnittlichen Qualifi- kationsniveaus einer wachsenden Zahl von naturwissenschaft- lich-technischen Angestellten, anderen Angehörigen der Intelli- genz und einer Gruppe qualifizierter, meist jüngerer neuartig ausgebildeter kaufmännischer und technischer Sachbearbeiter ei- nerseits und der Dequalifizierung bzw. des weiteren geringen Qua- lifikationsniveaus (vor allem weiblicher und älterer) kaufmänni- scher Angestellter andererseits." 53) _____ 1) Peter Hess, Kurt Zieschang: "Das Finanzkapital - Der Zusammen- hang zwischen Kapitalverwertung und Kapitalmacht im heutigen Ka- pitalismus", in: WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT, Nr. 11/1972, S. 1677. 2) Vgl. DER STAATSMONOPOLISTISCHE KAPITALISMUS (Autorenkollektiv der FKP und der Zeitschrift "economie et politique), Frankfurt a.M. 1972, S. 270. 3) Peter Hess, Kurt Zieschang: "Das Finanzkapital ...", a.a.O., S. 1679. 4) "Die staatliche Finanzierung bietet die Möglichkeit, diese Ausgaben wirtschaftlich zu gestalten und auf das Notwendigste zu beschränken, denn es sind sogenannte unproduktive Kosten für die kapitalistische Produktion. Sie werden durch staatliches Kapital abgedeckt, das keinen - wie es aber jedes Privatkapital tun würde - Profit fordert. Während aber auf der einen Seite der wissen- schaftlich-technische Fortschritt auf diesen Gebieten weitaus größere Ausgaben erforderlich macht - vor allem im Bildungswesen und in der Forschung -, zwingen die anderen Erfordernisse der staatlichen Finanzierung zur Rationierung dieser Ausgaben. Damit wird nicht nur der soziale Fortschritt untergraben, sondern in der Perspektive auch der Fortschritt der Produktion und der Pro- duktivität selbst." ("Der staatsmonopolistische Kapitalismus", a.a.O., S. 45). 5) These 15 des Düsseldorfer Parteitags der Deutschen Kommunisti- schen Partei, in: PROTOKOLL DES DÜSSELDORFER PARTEITAGS DER DKP, Düsseldorf o.J., S. 319. 6) Daß Marx selbst nicht den Begriff der Qualifikation oder einen anderen Begriff desselben Inhalts verwendet, hängt meiner Auffas- sung nach hauptsächlich mit der geringen Differenzierung des Ge- samtarbeiters in der Phase der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise zusammen. 7) "Vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus muß der Schlüs- sel für diese progressive Verbindung von Wissenschaft, Technik und Produktion grundsätzlich in der Aktivität, Bewußtheit und Or- ganisiertheit der werktätigen Menschen gesehen werden. Dieser Ge- sichtspunkt betont zugleich den primär sozialen Charakter dieses Prozesses und schließt aus, daß er einseitig nur auf seine tech- nologischen, ökonomischen oder fachwissenschaftlichen Aspekte re- duziert wird. Gerade die mit der Entwicklung der produktiven Funktion der Wissenschaft verbundenen Erscheinungen erschweren in gewisser Hinsicht die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen der schöpferischen Rolle der werktätigen Massen, insbesondere der Ar- beiterklasse, und der Entfaltung der Produktivkräfte überhaupt. Dennoch bilden Verwirklichung der welthistorischen Mission der Arbeiterklasse und gesellschaftlich progressive Entwicklung der Produktivkräfte eine innerlich eng verbundene Einheit, die sich prinzipiell auf alle Seiten und Momente der Produktivkräfte er- streckt." (Günther Bohring, Reinhard Mocek: "Arbeiterklasse und Produktivkraft Wissenschaft", in: DZfPh, 6/1972, S. 699). 8) Vgl. Karl Marx: DAS KAPITAL, Erster Band, S. 52. 9) Vgl. Karl Marx: RESULTATE DES UNMITTELBAREN PRODUKTIONSPROZES- SES, S. 7 ff. 10) Es wird hier von Qualifikationen abgesehen, die für bestimmte Tätigkeiten der Herrschaftssicherung notwendig sind. Aber auch diese Tätigkeiten implizieren Qualifikationselemente, die nicht von der objektiven Entwicklung der Produktivkräfte ablösbar sind und als Deformation von Qualifikationen erscheinen, deren die Verausgabung gesellschaftlich nützlicher Arbeit im Sinne kollek- tiver Bedürfnisbefriedigung bedarf. 11) Vgl. dazu Christoph Kievenheim, Ursula Nitsch, Dorlies Poll- mann: "Materialien zur Lage der Lehrerschaft in der BRD", in: Christoph Kievenheim, Andre Leisewitz (Hrsg.): SOZIALE STELLUNG UND BEWUSSTSEIN DER INTELLIGENZ, Köln 1973, S. 156. 12) Die Industriearbeiterschaft als "Kern der Arbeiterklasse" be- schreibt Heinz Jung folgendermaßen: "Den Kern der Arbeiterklasse in der BRD stellt im weiteren Sinne die Arbeiterschaft in der ma- teriallen Produktion und im engeren Sinne in der industriellen Großproduktion dar. Entscheidend ist: sie ist in der Produktion von der Gegenklasse völlig differenziert, ihre Stellung in der Produktion ist die Grundlage ihrer hohen Organisiertheit, sie ist der Ausbeutung in der materiellen Produktion unterworfen und steht dem Monopolkapital bzw. dem kapitalistischen Staat unmit- telbar gegenüber." (KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, 1950- 1970; Teil I: "Klassenstruktur und Klassentheorie", hrsg. vom IMSF, Frankfurt a.M. 1972, S. 128). 13) Bernhard Kaufhold, Roland Melke, Franziska Sandow: "Veränderungen in der Qualifikationsstruktur der Industriearbei- terschaft", in: IPW-BERICHTE 2/1972, S. 17. 14) Leistungsgruppe I = Facharbeiter Leistungsgruppe II = Angelernte Leistungsgruppe III = Ungelernte (= Hilfsarbeiter) Die gesamte Arbeiterklasse der BRD wies 1970 folgende Struktur auf (in 1000): Gruppe 1: Arbeiter in der Industrie 6470 Untere Angestellte, die an der Mehrwertproduktion beteiligt sind 85 Gruppe 2: Arbeiter und Angestellte der übrigen produzierenden Bereiche sowie übrige untere Angestellte der Industrie 7040 (davon Angestellte) (1200) Gruppe 3: Lohnarbeiter und untere Angestellte der Bereiche Handel, Kreditinst./Versichrg., sonst. Dienstleistungen 3625 ----- Absolute Zahl der Angehörigen der Arbeiterklasse: 17220 Der Anteil der Arbeiterklasse an der Gesamtzahl der Lohnarbeiter fiel zwischen 1950 und 1970 von 86,4% auf 76,8%. Der Anteil der Arbeiterklasse an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen stieg dagegen zwischen 1950 und 1970 von 59,3% auf 63,4%. Die Zahl der Angehö- rigen der Arbeiterklasse stieg zwischen 1950 und 1970 um 42,5%. (Vgl. Peter Delitz, Justina Marx: "Umfang und Struktur der Arbei- terklasse im heutigen Kapitalismus", in: IPW-BERICHTE, Nr. 7/1972, S. 42). 15) Quelle: Justina Marx: "Arbeitskraft, neue Technik, Monopol- herrschaft", in: DWI-FORSCHUNGSHEFTE, 4/1971, S. 27. 16) Die Dequalifikationstendenz traditioneller Facharbeiterberufe in der Industrie veranschaulichen Hans Paul Bahrdt u.a. am Bei- spiel des Drehers: "Gleichwohl ist der gelernte Dreher aus vielen Bereichen der Produktion verschwunden. An seine Stelle sind meist angelernte Arbeiter getreten, die sogenannte Automaten bedienen, das heißt, spezialisierte, spanabhebende Maschinen mit festem Programm, die nur zu füttern, zu überwachen und zu entleeren sind." (Hans Paul Bahrdt, Horst Kern, Martin Osterland, Michael Schumann: ZWISCHEN DREHBANK UND COMPUTER. Industriearbeit im Wan- del der Technik, Reinbek b. Hamburg 1970, S. 15). 17) Der Anteil der Facharbeiter an der Industriearbeiterschaft der Wachstumsindustrien (Elektrotechnische Industrie, chemische Industrie, Maschinenbau) hat in der Bundesrepublik mit gewissen Schwankungen zwischen 1957 und 1969 überall zugenommen. (Vgl. Ju- stina Marx: "Arbeitskraft ...", a.a.O., Tabelle 7, S. 29). Von je 100 Arbeiterinnen in der Metallindustrie gehörten 1951 1,9% der Leistungsgruppe I, 1966 dagegen 2,7% der Leistungsgruppe I an, während der Anteil der männlichen Facharbeiter in der Metallindu- strie von 1951 bis 1966 von 57,6% (berechnet auf je 100 männl. Arbeiter) auf 56,3% sank. (Vgl. Kaufhold, Melke, Sandow nach An- gaben der IGM-Zeitschrift "Der Gewerkschafter", a.a.O., Tabelle S. 21). 18) Kaufhold, Melke, Sandow: "Veränderungen ...", a.a.O., S. 19. 19) Vgl. Hans Paul Bahrdt u.a.: ZWISCHEN DREHBANK UND COMPUTER ..., a.a.O., S. 48. 20) Zur Beschreibung und Tabellierung der verschiedenen Mechani- sierungsgrade im Zusammenhang mit dem Qualifikationsgrad vgl. Horst Kern, Michael Schumann: INDUSTRIEARBEIT UND ARBEITERBE- WUSSTSEIN, Teil II, Frankfurt a.M. 1970, S. 88 ff. 21) Kern, Schumann: INDUSTRIE ARBEIT UND ARBEITERBEWUSSTSEIN, Teil I ..., a.a.O., S. 140. 22) Vgl. ebd., S. 135/136. 23) Vgl. Kaufhold, Melke, Sandow: "Veränderungen ...", a.a.O., S. 20. 24) "Der höhere Wert dieses Arbeitsvermögens muß ihm selbst be- zahlt werden und drückt sich in höherem Lohn aus. Es herrschen also große Lohnverschiedenheiten hier vor, je nachdem die beson- dere Arbeit höher entwickeltes, größere Produktionskosten erhei- schendes Arbeitsvermögen erheischt oder nicht ..." (Karl Marx: RESULTATE DES UNMITTELBAREN PRODUKTIONSPROZESSES, S. 58). 25) Karl Marx: DAS KAPITAL, Erster Band, S. 658. 26) Martin Osterland u.a.: MATERIALIEN ZUR LEBENS- UND ARBEITSSI- TUATION DER INDUSTRIEARBEITER IN DER BRD, Schriftenreihe des So- ziologischen Forschungsinstituts Göttingen, Frankfurt a.M. 1973, S. 39 ff. 27) Vgl. Günter Koch u.a.: VERÄNDERUNG DER PRODUKTIONS- UND IN- STANDHALTUNGSTÄTIGKEITEN IN DER INDUSTRIELLEN PRODUKTION, For- schungsprojekt des RKW: Wirtschaftliche und soziale Aspekte des technischen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland, Sechster Band, Frankfurt a.M. 1971, S. 53: "Allgemein haben die tarifver- traglichen Regelungen zur Folge, daß auf Anforderungserhöhungen eher als auf -verringerungen Lohnanpassungen erfolgen, so daß die Lohngruppenstruktur eine höhere Qualifikationsstruktur widerspie- gelt als die tatsächlich erforderliche." 28) Zum Rationalisierungsschutzabkommen der IG Metall vom 27.5.1968 vgl. Heinz Dedering: PERSONELLE UND SOZIALE MASSNAHMEN BEI RATIONALISIERUNG IM BETRIEB, Opladen 1971; vgl. auch Martin Osterwald u.a.: MATERIALIEN ..., a.a.O., S. 104 ff. 29) Vgl. zum Stufenplan Metall I der "Arbeitsstelle für betrieb- liche Berufsausbildung" (ABB) und zum "Rahmenplan zur Stufenaus- bildung" der Firma Krupp: Helga Deppe-Wolfinger: ARBEITERJUGEND - BEWUSSTSEIN UND POLITISCHE BILDUNG, Frankfurt a.M. 1972, S. 115 ff. 30) Der Koeffizient für das durchschnittliche Qualifikationsni- veau ergibt sich aus: p L1 x 3 + p L2 x 2 + p L3 x 1 ------------------------------ = Q 100 LI = Leistungsgruppe 1, L2 = Leistungsgruppe 2, L 3 = Leistungs- gruppe 3; p = Prozentsatz, Q = durchschnittlicher Qualifikations- koeffizient (Vgl. Justina Marx: ARBEITSKRAFT ..., a.a.O., S. 27, Fußnote 42). 31) Ebd. 32) WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE ASPEKTE DES TECHNISCHEN WANDELS IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, Erster Band, Sieben Berichte, Kurzfassung der Ergebnisse, hrsg. vom RKW, Frankfurt a.M. 1970, S. 226. 33) Vgl. Justina Marx: "Die Entwicklung des Gegensatzes von kör- perlicher und geistiger Arbeit im Kapitalismus und ihre Wider- spiegelung in der Entwicklung der Qualifikationsstruktur der Ar- beiterklasse", in: WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT, 5/1973, S. 731. 34) Andre Leisewitz: "Wissenschaftlich-technischer Fortschritt und Strukturveränderungen in der Arbeiterklasse", in: MARXISTI- SCHE BLÄTTER, 5/1972, S. 39. 35) Vgl. zur Kritik bürgerlicher Schichtungsmodelle der Sozial- struktur M. Tjaden-Steinhauer und K.H. Tjaden: "Methodologische Probleme der Klassenanalyse", in: KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD 1950-1970, Teil I, a.a.O., insbesondere die Seiten 237-239. 36) Edgar Salin: "Vom technischen Fortschritt im Westen", in: COMPUTER UND ANGESTELLTE, Band II, Beiträge zur dritten interna- tionalen Arbeitstagung der Industriegewerkschaft Metall für die Bundesrepublik Deutschland über Rationalisierung und technischen Fortschritt, Frankfurt a.M. 1971, S. 119. 37) Vgl. Heinz Jung: "Zur Diskussion um den Inhalt des Begriffs 'Arbeiterklasse' und zu Strukturveränderungen in der westdeut- schen Arbeiterklasse", in: DAS ARGUMENT 61/1970, S. 683. 38) Anteil der Lohnarbeiter und ihrer einzelnen Gruppen an der Erwerbsbevölkerung der BRD und Westberlins Jahr Erwerbsbe- Anteil an der Erwerbsbevölkerung (in v.H.) völkerung Lohnarbeiter Arbeiter Angestellte Beamte (in 1000) 1950 22074 70,9 50,9 16,0 4,0 1961 26527 77,7 48,5 24,5 4,7 1965 26630 80,0 48,6 26,3 5,1 1968 25870 80,9 47,3 28,2 5,4 1969 26153 81,6 47,4 28,8 5,4 _____ Quelle: Heinz Jung: "Zur Diskussion ...", a.a.O., S. 682. 39) Zur sozialökonomischen Bestimmung der Arbeiterklasse vgl. auch Heinz Jung: KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD 1950-1970, Teil I, a.a.O., S. 118 ff. 40) Vgl. Heinz Jung: "Zur Diskussion ...", a.a.O., S. 692. In der chemischen Industrie (ohne Kohlenwasserstoffindustrie) lag der Anteil der kaufmännischen Angestellten mit 20,9% noch über dem der technischen Angestellten (15,3%). Dagegen lag in der automa- tischen Büromaschinenproduktion, dem Kraftfahrzeugbau, der Koh- lenwertstoffindustrie, im Werkzeugmaschinenbau und der elektro- technischen Industrie der Anteil der technischen Angestellten über dem der kaufmännischen Angestellten. (Vgl. die Statistik in: INDUSTRIE UND HANDWERK, Fachserie D, Reihe 4, hrsg. vom Statisti- schen Bundesamt der BRD Wiesbaden, Stuttgart und Mainz, September 1970, S. 12 f.). 41) Über die Entwicklung der Qualifikation und den Wert der Ar- beitskraft der "kommerziellen Lohnarbeiter" im nicht unmittelba- ren produktiven Bereich schreibt Marx: "Der eigentlich kommer- zielle Arbeiter gehört zu der besser bezahlten Klasse von Lohnar- beitern, zu denen, deren Arbeit geschickte Arbeit ist, über der Durchschnittsarbeit steht. Indes hat der Lohn die Tendenz zu fal- len, selbst im Verhältnis zur Durchschnittsarbeit, im Fortschritt der kapitalistischen Produktionsweise. Teils durch Teilung der Arbeit innerhalb des Kontors; daher nur einseitige Entwicklung der Arbeitsfähigkeit zu produzieren ist und die Kosten dieser Produktion dem Kapitalisten zum Teil nichts kosten, sondern das Geschick des Arbeiters sich durch die Funktion selbst entwickelt und um so rascher, je einseitiger es mit der Teilung der Arbeit wird." (Karl Marx: DAS KAPITAL, Dritter Band, S. 311). 42) "Das ständige Wachstum der Zahl der Angestellten von 1882 bis 1965 setzt sich keinesfalls stetig durch, sondern vollzieht sich im Rahmen des ökonomischen Zyklus, der ungleichmäßigen ökonomi- schen Entwicklung zwischen den einzelnen kapitalistischen Län- dern, den verschiedenen Wirtschaftsbereichen und Industriezwei- gen, der Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Produktivkräfte sowie der politischen Entwicklung mit ihren spezifisch fördernden und begünstigenden oder hemmenden und entgegenwirkenden Fakto- ren." (Helmut Steiner: SOZIALE STRUKTURVERÄNDERUNGEN IM MODERNEN KAPITALISMUS. Zur Klassenanalyse der Angestellten in Westdeutsch- land, Berlin 1967, S. 32). 43) Frank Deppe, Hellmuth Lange, Lothar Peter (Hrsg.): DIE NEUE ARBEITERKLASSE, Technische Intelligenz und Gewerkschaften im or- ganisierten Kapitalismus, Frankfurt a.M. 1978, S. 85. 44) Roland Melke: "Die Masse der Angestellten - Teil der Arbei- terklasse", in: IPW-BERICHTE, 8/1972, S. 39. 45) Hierbei ist anzumerken, daß 1. die Frauen in Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen 1972 bereits die Mehrheit aller Be- schäftigten stellen (vgl. Tabelle, S. 57 bei Joachim Nitsche: "Zur Lage der Frauen in der BRD", in: IPW-BERICHTE, 4/1973) und daß 2. Frauen durchschnittlich ein weitaus geringeres Ausbil- dungsund Qualifikationsniveau aufweisen als Männer. Vgl. dazu Werner Cieslak, Marianne Conze: "Gewerkschaften im Kampf um die Rechte der berufstätigen Frauen", in: MARXISTISCHE BLÄTTER, 4/1972, S. 63 ff. 46) Roland Melke: "Die Masse der Angestellten ...", a.a.O., S. 40. 47) Vgl. im folgenden Joachim Fuhrmann: "Zur Veränderung der Ar- beitsaufgaben von kaufmännischen und technischen Angestellten durch Computer" (10 Fallstudien), in: COMPUTER UND ANGESTELLTE ..., Bd. I, a.a.O., S. 321-444. 48) Dieses Ergebnis bestätigten im Blick auf das Qualifikations- und Tätigkeitsprofil von Meisterfunktionen im Fertigungsprozeß nach Umstellung auf Computeranlagen Aussagen von Vertretern der Gewerkschaften. Vgl. z.B. den Diskussionsbeitrag von Heinrich Bramkamp (IG Metall) auf der 3. Internationalen Arbeitstagung der IG-Metall über Computer und Angestellte ..., Teil II, a.a.O., S. 644 ff. 49) Vgl. im folgenden Helmut Steiner: SOZIALE STRUKTURVERÄNDERUN- GEN ..., a.a.O., S. 64 ff. 50) Zur Differenzierung des Managements und der Leitungsfunktio- nen in der kapitalistischen Unternehmensorganisation die trotz ihrer Apologetik informative Darstellung von Erwin Grochla: UN- TERNEHMENSORGANISATION, Neue Ansätze und Konzeptionen, Reinbek b. Hamburg, insbes. die Seiten 64 ff. 51) Vgl. Robert Melke: "Die Masse der Angestellten...", a.a.O., S. 39. 52) Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes bezogen 1969 55,9% der Angestellten ein Nettoeinkommen unter 800 DM und nur 4,4% ein Nettoeinkommen von über 1800 DM. (Vgl. WIRTSCHAFT UND STATISTIK, hrsg. vom Statistischen Bundesamt Wiesbaden, Stuttgart und Mainz 3/1970, S. 137). Die sich im Gehalt aus drückende sin- kende Qualifikationstendenz der kaufmännischen Angestellten gegen über den technischen Angestellten zeigt sich auch in der Tatsa- che, daß, während 1965 das monatliche Durchschnittseinkommen von Diplomkaufleuten in der Industrie noch knapp über dem der Diplom- ingenieure und weit über dem der graduierten Ingenieure lag, 1972 das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen der technischen Angestellten (1890 DM, Januar 1972) um ca. 500 DM über dem der kaufmännischen Angestellten lag, was sich hauptsächlich auf das rasche Anwachsen gering qualifizierter kaufmännischer Angestell- tentätigkeiten zurückführen läßt. (Vgl. Ingo Hansen: "Veränderungen in der gesellschaftlichen Qualifikationsstruktur und die soziale Lage der technischen Intelligenz", in: FACIT, Beiträge zur marxistischen Theorie und Politik, 29/1973, S. 18). 53) Robert Melke: "Die Masse der Angestellten", a.a.O., S. 41. zurück