Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1973
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Kurzanalysen, Berichte
X. WELTFESTSPIELE IN BERLIN
I. Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten-Bestandteil
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der internationalen Klassenauseinandersetzung in der Epoche
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des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus
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Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten, vom 1. Festival 1947
in Prag bis zum IX. Festival 1968 in Sofia, waren Höhepunkte des
Kampfes der fortschrittlichen Jugend der Welt gegen Krieg und Fa-
schismus, gegen kapitalistische Ausbeutung und Reaktion, gegen
Rassismus, Kolonialismus und andere Formen des Imperialismus. Sie
"haben in starkem Maße zur Entwicklung des Kampfes breiter
Schichten der Jugend und Studenten und zur Stärkung des vereinten
Kampfes der Jugend- und Studentenorganisationen mit unterschied-
lichen politischen, philosophischen und religiösen Anschauungen,
für Solidarität, Frieden und Freundschaft zur. Entwicklung der
Zusammenarbeit, des Verständnisses und der Freundschaft unter der
Jugend der Welt beigetragen." 1)
Die Veranstaltung von Weltfestspielen geht auf die Initiative des
Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) und des Internationa-
len Studentenbundes (ISB) zurück.
Der WBDJ wurde wenige Monate nach der Zerschlagung des Faschismus
im November 1945 in London von Delegierten von 40 Millionen Ju-
gendlichen aus 62 Ländern gegründet. Die Teilnehmer der Grün-
dungskonferenz erklärten feierlich: "Wir schwören, daß wir uns
dieser Einheit, die wir im November 1945 geschmiedet haben, erin-
nern werden ... bis wir die Welt erbaut haben, von der wir träu-
men und für die wir kämpfen. Wir schwören, daß wir für immer den
Frieden erhalten und Elend, Enttäuschung und erzwungene Arbeits-
losigkeit beseitigen werden." 2)
Einigende Grundlage der im WBDJ vertretenen Verbände und Vereini-
gungen der verschiedensten politischen Richtungen, religiösen Be-
kenntnisse und Rassen ist der Kampf für Frieden, Abrüstung, Demo-
kratie, nationale Unabhängigkeit und Fortschritt, gegen Imperia-
lismus, Faschismus und Rassismus, für die politische, soziale und
kulturelle Gleichberechtigung der Jugend.
Ausgehend von dieser Zielsetzung formulierte der Weltbund klare
Aufgaben, die 1970 in der Aktion "Die Jugend klagt den Imperia-
lismus an!" zusammenfließen. Bei dieser Weltkampagne geht es um
die Entlarvung des reaktionären Wesens des Imperialismus, um die
Festigung der Aktionsgemeinschaft der Jugend der Welt und damit
um einen neuen Aufschwung des antiimperialistischen Kampfes.
Protestmärsche und Demonstrationen, Manifestationen und Kundge-
bungen, Konferenzen und Seminare, die Sammlung von Sachbeweisen
und die Veröffentlichung von Materialien über die unmenschliche
Entwicklung in den imperialistischen Staaten machten es möglich,
die Verbrecher des Imperialismus vor das Gericht der Öffentlich-
keit zu stellen und neue Formen und Methoden des Kampfes für so-
zialen Fortschritt und Frieden zu entwickeln. Daß diese Weltkam-
pagne eine ungeheure Anziehungskraft und Wirksamkeit hat, zeigt
die Tatsache, daß der WBDJ heute Jugendorganisationen aus fast
allen Ländern der Erde vereinigt mit mehr als 100 Millionen Mit-
gliedern.
Der Internationale Studentenbund - neben dem WBDJ einer der
Hauptträger des antiimperialistischen Kampfes der Weltjugend -
wurde im Jahre 1946 gegründet. Er stellt heute mit 85 Mitglieds-
verbänden aus über achtzig Ländern der Welt die einzig repräsen-
tative politische Massenorganisation der internationalen demokra-
tischen Studentenbewegung dar. Grundlage seiner Tätigkeit sind im
wesentlichen drei Prinzipien:
a) Enge und aktive Verbindung der Studentenbewegung mit den revo-
lutionären Hauptkräften unserer Zeit: mit den sozialistischen
Staaten, mit der revolutionären Arbeiterbewegung in den kapitali-
stischen Ländern und mit der nationalen Befreiungsbewegung.
Deshalb haben sich die im ISB zusammengeschlossenen Organisatio-
nen gegen das von einigen rechten Studentenführern und Vertretern
bürgerlicher Ideologien vertretene Konzept vom "Studenten an
sich" als auch gegen die Versuche gewandt, den ISB in eine soge-
nannte apolitische Organisation zu verwandeln, die sich nur mit
Sport, Touristik, mit Kultur- und Studentenaustausch usw. befas-
sen sollte. Gleichzeitig hat sich der ISB gegen alle Versuche
maoistischer und trotzkistischer Kräfte gewehrt, die Studentenbe-
wegung "avantgardistisch" zu isolieren.
b) Konsequenter Kampf für die Rechte der Jugend, besonders für
die Verwirklichung eines Ausbildungs- und Erziehungssystems mit
demokratischen Inhalten.
Dieser Aufgabenbereich gewinnt immer mehr an Bedeutung angesichts
der beschleunigten Entwicklung von Wissenschaft und Technik, dem
damit verbundenen raschen zahlenmäßigen Anwachsen der Studenten-
bewegung, der in den entwickelten kapitalistischen Ländern die
Bestrebungen der Herrschenden gegenüberstehen, die Wissenschaft
zur Sicherung ihrer Herrschaft voll in das staatsmonopolistische
System einzugliedern.
c) Kampf um die Herstellung und ständige Festigung der Einheit
der internationalen Studentenbewegung auf antiimperialistischer
Grundlage.
Es hat nicht an Versuchen rechter und pseudolinker Kräfte ge-
fehlt, die Einheit der internationalen demokratischen Studenten-
bewegung zu zerstören sind sie damit einer ihrer wichtigsten
Grundlagen im Kampf gegen den Imperialismus zu berauben.
Die schwierigste Periode war die Zeit des kalten Krieges, in der
versucht wurde, die internationale Studentenbewegung durch die
Gründung der von der CIA finanzierten Internationalen Studenten-
konferenz (ISC) im Jahre 1950 zu spalten.
In dem Maße wie der Einfluß und die Stärke des WBDJ und des ISB
wuchs, stieg die Zahl der Teilnehmerorganisationen von Festival
zu Festival, führte die Verbreitung der Ideen der Weltfestspiele
zu einem Aufschwung des Kampfes der demokratischen Jugend in den
jeweiligen Ländern.
Von Prag bis Sofia
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Das I. Festival 1947 in Prag war Ausdruck des Willens der Jugend
aller Nationen, die im Kampf gegen den Faschismus geschaffene
Einheit aufrechtzuerhalten und im Kampf um die Sicherung des
Friedens weiter auszubauen.
So bekundeten die Teilnehmer des Prager Festivals beim Besuch des
von den deutschen Faschisten völlig zerstörten Dorfes Lidice ih-
ren festen Willen, nie nachzulassen im Kampf gegen die Überreste
des Faschismus und alles zu tun, daß nie wieder ein Krieg von den
reaktionären Kräften der Welt entfesselt werden kann. Um die von
den faschistischen deutschen Okkupanten im Lande hinterlassenen
Spuren der Zerstörung beseitigen zu helfen, beteiligten sich
viele Festivaldelegierte an Subbotniks auf den Bauten der Jugend
in Lidice, Most, Litvinov und Balaze oder halfen in der Landwirt-
schaft tatkräftig mit.
Erstmalig erklang in Prag das Lied
"Jugend aller Nationen,
uns vereint gleicher Sinn, gleicher Mut.
Wo auch immer wir wohnen,
unser Glück auf dem Frieden beruht..." 3)
Das II. Festival 1949 in Budapest stand unter der Losung "Jugend,
vereinige Dich! Vorwärts für einen dauerhaften Frieden, Demokra-
tie, die nationale Unabhängigkeit und eine bessere Zukunft der
Völker." Sie richtete sich hauptsächlich gegen die wachsende
Kriegsgefahr, die sich real in der von den USA gebildeten NATO
ausdrückte. Die Jugend der Welt sah in diesem Pakt eine unmittel-
bare Bedrohung ihrer Interessen. Daher bekräftigten die Festi-
valdelegierten, "so zu kämpfen, daß überall (ihre) Anstrengungen
mit denen aller Werktätigen dazu dienen, (ihre) Lebensbedingungen
im Frieden zu verbessern, anstatt die Ausbeuter zu bereichern
oder ein neues Völkermorden vorzubereiten" 4).
Die III. Weltfestspiele 1951 in Berlin manifestierten die Solida-
rität mit der zwei Jahre jungen Deutschen Demokratischen Repu-
blik. Konsequent hatte dieser Staat alle Überreste des Faschismus
beseitigt. Durch die Zerschlagung der Macht des Großkapitals und
der des Junkertums waren der Jugend große Möglichkeiten zur Ver-
wirklichung ihrer Rechte geschaffen worden. Das Recht auf politi-
sche Organisierung, das Recht auf Arbeit und Erholung, das Recht
auf Bildung, das Recht auf Freude und Kultur wurden gesetzlich
garantiert.
In der BRD hatte es die fortschrittliche Jugend sehr schwer, an-
gesichts der Restauration der alten kapitalistischen Machtver-
hältnisse den Festivalgedanken zu verbreiten. Die kalten Krieger
um Konrad Adenauer versuchten mit allen Mitteln, die Festivalbe-
wegung in der Bundesrepublik zu stören. Sie ergriffen Maßnahmen,
um die Fahrt westdeutscher Delegierter nach Berlin zu verhindern:
In der Nacht vom 11. zum 12. August 1951 z.B. überfiel BRD-Poli-
zei junge Hamburger Delegierte, als sie die Grenze zur DDR pas-
sieren wollten.
Auch Westberlin profilierte sich als Frontstadt: Vom damaligen
Regierenden Bürgermeister, Ernst Reuter, eingeladen, kamen tau-
sende Festivaldelegierte nach Westberlin, um dort friedlich zu
demonstrieren und mit Westberlinern über das Festival zu disku-
tieren. Sie wurden von der Westberliner Polizei niedergeknüppelt,
und 413 von ihnen wurden mit zum Teil schweren Verletzungen in
Krankenhäuser eingeliefert."
Auch das IV. Festival in Bukarest 1953, das V. Festival in War-
schau 1955 und das VI. Festival in Moskau 1957 zeigten die wach-
sende Bereitschaft der Jugend, in immer mehr Ländern der Erde für
Frieden und Völkerverständigung und gegen die Versuche des Impe-
rialismus, den Sozialismus in militärischer Konfrontation ("Roll-
Back-Strategie") zurückzudrängen, zu kämpfen.
Auch wuchs das Interesse am Leben der sozialistischen Länder. Be-
sonders junge Menschen, die sich täglich mit dem kapitalistischen
System konfrontiert sahen, suchten nach einer Alternative. Vor
allem auf dem Festival in Moskau konnten sie sich von der Frie-
densliebe, dem Geist der internationalen Solidarität und den Auf-
bauleistungen des ersten sozialistischen Landes der Erde überzeu-
gen.
Die VII. und VIII. Weltfestspiele fanden erstmalig in nichtsozia-
listischen Ländern statt: in Wien 7959 und in Helsinki 1962. In
der Vorbereitung auf diese Festivals wurden viele neue Kräfte in
den Kampf um Abrüstung. Atomwaffenstop, friedliche Koexistenz und
Völkerfreundschaft gewonnen; dem entsprachen auch die Losungen
der Festivals. Die antiimperialistische Bewegung stärkte sich in
vielen Ländern.
Auch damals versuchten Reaktionäre die Festivals zu stören. In
Wien und Helsinki organisierten sie Anti-Festivals, um die Jugend
der sozialistischen Länder zu verleumden und unter dem Vorzeichen
eines militanten Antikommunismus die internationale Festivalbewe-
gung zu spalten. Sie brachten gezielt Gerüchte in Umlauf, die die
Festivalbewegung als "kommunistisch gesteuert" und die nationalen
Vorbereitungskomitees als "getarnte Agentenzentralen Moskaus"
diffamierten. Träger dieser Anti- Festivals waren reaktionäre Ju-
gendorganisationen, rechte Kräfte der europäischen Sozialdemokra-
tie, besonders aus der BRD und Österreich, oder auch, wie in Hel-
sinki, 160 getarnte und vom CIA reichlich bezahlte US-Agenten,
die mit 40 ebenfalls von der CIA angeworbenen Aktiven der IUSY
(Internationale Vereinigung der Sozialistischen Jugend) zusam-
menarbeiteten. Diese Störversuche scheiterten letztlich an der
politischen und ideologischen Wachsamkeit der Festivalteilnehmer.
Die IX. Weltfestspiele in Sofia 1968 wurden ein Höhepunkt der
weltweiten Solidaritätsbewegung mit den um seine Befreiung kämp-
fenden Völkern Vietnams, Laos' und Kambodschas gegen die Aggres-
sion des US-Imperialismus. Die Delegierten, von über 500 interna-
tionalen und nationalen Organisationen begrüßten die Vertreter
der Demokratischen Republik Vietnam und die der südvietnamesi-
schen Befreiungsarmee mit stürmischer Begeisterung. Hunderte Fe-
stivaldelegierte erarbeiteten bei Subbotniks nahezu 10.000 Lewa.
Auch auf dem Sofioter Festival gab es eine Reihe Störversuche.
Sie prallten an der im antiimperialistischen Kampf gewachsenen
Einheit der demokratischen Weltjugend ab.
Um die Tradition antikommunistischer Störversuche um ein weiteres
Beispiel zu bereichern, ließ sich z.B. der Bundesjugendring der
BRD (BJR) etwas einfallen: Er verteilte und verteidigte den In-
halt einer Broschüre, in der die Freie Deutsche Jugend mit der
faschistischen Hitlerjugend fast gleichgestellt wurde. Schließ-
lich mußte er den Vertrieb dieser Broschüre einstellen und sich
von den Verleumdungen distanzieren.
Und Versuche, wie sie u.a. von einer Gruppe des Sozialistischen
Deutschen Studentenbundes gestartet wurden, die Jugend der Welt
zu belehren, welche Formen des antiimperialistischen Kampfes sie
zu wählen hätten, stießen auf Ablehnung, auch wenn sich die SDS-
Vertreter noch so revolutionär gebärdeten.
Vorwärts zum X. Festival in Berlin!
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Auf dem Hintergrund der Erfahrungen eines Vierteljahrhunderts Fe-
stivalbewegung wird im Aufruf des Internationalen Vorbereitungs-
komitees (IVK) für die X. Weltfestspiele 1973 die heute entstan-
dene Situation folgendermaßen charakterisiert: "Seit dem IX. Fe-
stival haben die progressiven, demokratischen und friedliebenden
Kräfte durch ihren Kampf dem Imperialismus neue Schläge versetzt.
Aber angesichts seiner wiederholten Rückschläge und wachsenden
Schwierigkeiten verstärkt der Imperialismus seine Aggressivität,
benutzt er alle Mittel in dem Versuch, seine Position zu halten
oder verlorenen Boden wiederzuerlangen. Die von den heldenhaften
Völkern Vietnams, Laos' und Kambodschas errungenen Siege, die Er-
folge der progressiven Kräfte in der Welt zeigen, daß es heute
möglich ist, den Imperialismus und die Reaktion zurückzuzwingen
und sie schließlich zu schlagen. Wir sind uns deshalb bewußt, daß
die Entwicklung der Aktion und der Einheit aller antiimperiali-
stischen; demokratischen und progressiven Kräfte in größerem Maße
möglich und notwendig ist als je zuvor, um Unabhängigkeit, Frei-
heit, Demokratie, Fortschritt und Frieden in der Welt zu gewähr-
leisten. Wir sind sicher, daß die Vorbereitung und Durchführung
der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten eine neue große
Manifestation der Einheit der jungen Generation im Kampf gegen
Imperialismus, Neokolonialismus, Rassismus, Zionismus und Apart-
heid sein werden." 5)
II. Die Gründung des Westberliner Vorbereitungskomitees
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für die X. Weltfestspiele
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Jugendvertreter, Mitglieder von Gewerkschaftsjugendgruppen, Ver-
treter der Freien Deutschen Jugend Westberlins (FDJW), des Sozia-
listischen Lehrerbundes Westberlins e. V. (SLB-W), der Aktionsge-
meinschaften von Demokraten und Sozialisten (ADSen), Sozialdemo-
kraten und Künstler, junge Arbeiter, Schüler und Studenten grün-
deten im Sommer 1972 das Westberliner Vorbereitungskomitee (WVK)
für die X. Weltfestspiele. Diesem Komitee schlössen sich kurz
darauf weitere Organisationen an; u. a. die Evangelische Indu-
striejugend und die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V..
Die in diesem Komitee vertretenen Einzelpersonen und Organisatio-
nen haben unterschiedliche politische und weltanschauliche Posi-
tionen. Sie sind sich jedoch einig in ihrem Ziel, in Westberlin
einen konkreten Beitrag für die Schaffung der Aktionsgemeinschaft
der arbeitenden und lernenden Jugend im antiimperialistischen
Kampf zu leisten.
Lange genug war Westberlin gekennzeichnet von Antikommunismus und
Frontstadtgeist, von seiner Funktion als "billigste Atombombe"
und als "Pfahl im Fleisch" der DDR. Innerhalb dieses Frontstadt-
geistes hatten natürlich die Worte wie "Solidarität", "Frieden"
und "Freundschaft" keinen Platz. Diese Worte galten als raffi-
nierte "Unterwanderungsvokabeln" aus der "Trickkiste" der Kommu-
nisten. Daher wurde weder mit Verdrehungen und Halbwahrheiten ge-
spart, um diese Worte und deren Bedeutung - besonders das Wort
"Solidarität" - aus dem Bewußtsein der Bevölkerung und vor allem
der Jugend zu streichen.
Noch heute fehlt es nicht an Versuchen politisch sitzengebliebe-
ner Frontstadtstrategen und ihrer Helfer bei den Pseudolinken,
das besonders bei der Jugend wachsende Bewußtsein von der Notwen-
digkeit gemeinsamen Kampfes um gemeinsame Interessen durch anti-
kommunistische Parolen und Repressalien aufzuhalten oder doch we-
nigstens durch Spaltung zu schwächen.
Daß diese Versuche letzten Endes zum Scheitern verurteilt sind,
haben die vielen Solidaritäts- und Kampfaktionen - vor allem für
das Volk von Vietnam - in den vergangenen Jahren gezeigt. Der
diesjährige 1. Mai, an dem Zehntausende für die Durchsetzung ih-
rer Interessen in den Westberliner Arbeiterbezirken Neukölln und
Kreuzberg unter roten Fahnen demonstrierten, war ein Höhepunkt
der immer breiter werdenden antiimperialistischen und demokrati-
schen Bewegung.
Als Teil dieser Bewegung sieht das Vorbereitungskomitee seine
Hauptaufgabe in der Mobilisierung der Jugend für die Ideen des
Festivals und ihre feste Verankerung im täglichen Kampf um mehr
Mitbestimmung und Kontrolle in Wirtschaft, Politik und Kultur. So
kann zugleich die Aktionsgemeinschaft von arbeitender und lernen-
der Jugend gestärkt und verbreitert, die offensive Auseinander-
setzung mit den Resten der antikommunistischen Frontstadtpolitik
weiter getrieben werden.
Die Jugend Westberlins für die Ideen des Festivals zu mobilisie-
ren heißt somit auch, den Kampf der arbeitenden und lernenden Ju-
gend im Betrieb, in Schule und Hochschule zu unterstützen. Es
seien hier für den Kampf der Arbeiterjugend beispielhaft vier
zentrale Momente genannt, die den - der Phrase nach an den Inter-
essen der Jugend orientierten - Charakter der Politik der Mono-
pole und des Westberliner Senats bloßlegen:
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Aufruf des Westberliner Vorbereitungskomitees für
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die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten
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Vom 28. Juli bis 5. August 1973 finden in Berlin, der Hauptstadt
der Deutschen Demokratischen Republik, die X. Weltfestspiele der
Jugend und Studenten statt.
Das Westberliner Vorbereitungskomitee, dem Jugendvertreter, Mit-
glieder von Gewerkschaftsjugendgruppen, Vertreter der Freien
Deutschen Jugend Westberlins (FDJW), des Sozialistischen Lehrer-
bundes e.V. (SLB-W), der Aktionsgemeinschaft von Demokraten und
Sozialisten (ADSen), Sozialdemokraten sowie Kulturschaffende,
Jungarbeiter und Auszubildende, Schüler und Studenten angehören,
begrüßt und unterstützt den Aufruf des Internationalen Vorberei-
tungskomitees (IVK) für die X. Weltfestspiele.
Wir wenden uns an alle demokratischen und sozialistischen Jugend-
und Studentenorganisationen Westberlins, an alle Jungarbeiter,
Auszubildenden, Schüler und Studenten, an alle Demokraten, Sozia-
listen und Christen unserer Stadt:
Bereiten wir, entsprechend dem IVK-Aufruf, auf breiter Ebene ge-
meinsam, bei unterschiedlichen politischen, weltanschaulichen und
religiösen Standpunkten auch in Westberlin das X. Festival vor.
Mobilisieren wir gemeinsam für die Ideen und Ziele der Weltfest-
spiele
Laßt uns gemeinsam das Anliegen des Festivals, die Schaffung der
Aktionseinheit der arbeitenden und lernenden Jugend im antiimpe-
rialistischen Kampf, für Frieden, Freundschaft und Solidarität
durchsetzen.
Bereiten wir die X. Weltfestspiele vor, indem wir den gemeinsamen
Kampf um die Gegenwarts- und Zukunftsinteressen der jungen Gene-
ration unserer Stadt vorstärken, für
die demokratischen Rechte und Freiheiten,
Mitbestimmung und Kontrolle in Betrieb, Wirtschaft und Gesell-
schaft,
Mitbestimmung und Gleichberechtigung der Jugend,
gleichen Lohn für gleiche Arbeit,
Volljährigkeit mit 18 Jahren,
Gleichberechtigung der Frauen und Mädchen,
demokratische Bildungsinhalte und -ziele,
Brechung des Bildungsprivilegs,
ein fortschrittliches Berufsbildungswesen,
die Beendigung der verantwortungslosen Umweltverschmutzung durch
die Konzerne
Demokratisierung der Massenmedien,
die Zurückdrängung der Macht der Monopole.
Bereiten wir die X. Weltfestspiele vor durch Einbeziehung noch
größerer Teile der Jugend
in die internationale Solidaritätsbewegung mit dem Kampf der Völ-
ker Vietnams, Laos und Kambodschas, für den sofortigen und bedin-
gungslosen Abzug aller US- und Satellitentruppen aus Indochina,
Solidarität mit den um Freiheit und nationale Unabhängigkeit
kämpfenden Völkern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, Solidari-
tät mit den Völkern, die gegen Faschismus, für Freiheit und Demo-
kratie kämpfen, vielfältige Aktivitäten zur Sicherung des Frie-
dens auf dem europäischen Kontinent, für die Einberufung einer
europäischen Sicherheitskonferenz.
Wir wenden uns an die arbeitende und lernende Jugend Westberlins:
Setzen wir uns konsequent dafür ein, daß Westberlin eine positive
Rolle spielt im Kampf um europäische Sicherheit, für gute Nach-
barschaft zur uns umgebenden Deutschen Demokratischen Republik,
für die Beendigung der Jahrzehnte praktizierten Politik der
Frontstadt und des kalten Krieges; Schluß mit dem Antikommunis-
mus.
Verbreiten wir in den Betrieben und Ausbildungsstätten, in den
Schulen und Universitäten, in den Freizeitheimen und Jugendgrup-
pen die Ideen und Ziele des Festivals. Tragen wir gemeinsam dazu
bei, das X. Festival erfolgreich vorzubereiten.
Vorwärts zu den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten!
***
1. 1969 übernahm der Westberliner Senat ein Berufsbildungsgesetz,
das, nach Aussagen der Gewerkschaft, mehr als 30 Verschlechterun-
gen brachte.
2. Durch die Politik der - verlängerten Werkbank", durch Verlage-
rungen und Rationalisierungen von Industriebetrieben in die BRD
wird die Zahl und die berufsgruppen-spezifische Auswahl von Aus-
bildungsplätzen verringert.
3. Aufrechterhaltung des Bildungsprivilegs, geringe Bildungschan-
cen für Arbeiterkinder belassen den Anteil der Arbeiterjugend an
den Universitäten bei acht Prozent. Neben der im gesamten Bil-
dungsbereich praktizierten Selektion werden Berufsschulen und
Zweiter Bildungsweg bei der staatlichen Mittelvergabe derart
knapp bedacht, daß auch hier von der Durchlässigkeit des Bil-
dungssystems keine Rede sein kann.
4. Mitbestimmungs- und Kontrollrechte der Arbeiterjugend in
Schule, Betrieb und Lehrwerkstatt existieren faktisch nicht.
Diese Beispiele zeigen, daß die Mobilisierung für das internatio-
nale Treffen der Jugend und Studenten nicht zu trennen ist vom
Kampf der Jugend in Westberlin, und daß jeder erfolgreiche
Schritt im Kampf gegen die Interessen des Monopolkapitals, daß
jeder Erfolg auf sozialpolitischem Gebiet zugleich ein Erfolg im
internationalen antiimperialistischen Kampf ist.
Mobilisierung für die Ideen des Festivals bedeutet auch die Stär-
kung der Solidaritätsbewegung mit allen Völkern, die gegen den
Imperialismus, gegen faschistische, kolonialistische und rassi-
stische Unterdrückung, für ihre nationale Unabhängigkeit, für so-
zialen Fortschritt und Demokratie kämpfen. Diese Solidarität be-
inhaltet gleichzeitig die Verpflichtung, der Jugend Vietnams,
Laos', Kambodschas, Mocambiques, Guinea-Bissaus, Angolas, Spani-
ens, Griechenlands und Portugals z.B. die Teilnahme am Festival
durch Unterstützung des vom IVK eingerichteten Internationalen
Solidaritätsfonds zu ermöglichen. Neben dem Solidaritätsfonds un-
terstützt das WVK die Initiative der FDJW, im Rahmen der weltwei-
ten Kampagne "Die Jugend klagt den Imperialismus an!", in Vorbe-
reitung auf die X. Weltfestspiele DM 100.000,- für den Bau eines
Kinderkrankenhauses bei Hanoi zu sammeln; das ist die zweite
große Solidaritätsaufgabe, die gemeinsame Anstrengungen erfor-
dert.
Jetzt erst recht braucht das vietnamesische Volk die Solidarität
beim Wiederaufbau seines vom Imperialismus so grausam verwüsteten
Landes!
Die Losung des X. Festivals lautet: "Für antiimperialistische So-
lidarität, Frieden und Freundschaft!". Frieden und Freundschaft
mit der Jugend der DDR, den Gastgebern der X. Weltfestspiele, ist
daher für das Westberliner Vorbereitungskomitee eine wichtige
Aufgabe.
Ohne Zweifel ist das ein Punkt, der bei den ewiggestrigen Front-
stadtpolitikern das größte Unbehagen erzeugt, sind ihnen doch
mehr und mehr "alle Felle weggeschwommen": Der Staat, dem sie
seit Jahrzehnten (in der letzten Zeit allerdings immer kleinlau-
ter) den Zusammenbruch prophezeit haben, ist aufgrund seiner
ständig wachsenden ökonomischen und politischen Stärke heute von
über achtzig Staaten der Erde anerkannt und seine Aufnahme in die
Weltorganisation der Vereinten Nationen steht kurz bevor.
Die Jugend Westberlins braucht richtige und vollständige Informa-
tionen über den sozialistischen Nachbarn DDR, über die Lebens-
und Arbeitsbedingungen seiner Bürger. Das bedeutet Information
über einen Staat, in dem Arbeiterkinder auf den Universitäten und
Hochschulen keine Minderheit mehr sind, in dem keine Subventionen
für Konzerne und Banken vergeudet werden, dafür mehr Geld für
Schulen, Kindergärten und Gesundheitswesen ausgegeben wird, in
dem die Rechte der Frauen nicht nur auf dem Papier stehen, in dem
Antifaschisten in leitenden Staatsämtern nicht die Ausnahme sind,
sondern die Regel. Diese Tatsachen und deren Ursachen müssen noch
mehr Verbreitung finden.
Mobilisierung für die Ideen des Festivals bedeutet gegenwärtig
auch entschiedene und aktive Unterstützung der gesamteuropäischen
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit, die im Sommer dieses
Jahres in Helsinki stattfinden wird. Wenn es gelingt, eine breite
Bewegung für die lebenswichtigen Forderungen nach Abrüstung, end-
gültiger Beendigung des kalten Krieges, Zusammenarbeit in Fragen
des Umweltschutzes und der Energieversorgung zu entwickeln,
könnte eine Periode des gesicherten Friedens eingeleitet und da-
mit günstigere Bedingungen des antiimperialistischen Kampfes auch
in Westberlin geschaffen werden.
Im Westberliner Vorbereitungskomitee für die X. Weltfestspiele
der Jugend und Studenten arbeiten Gewerkschafter und Künstler,
Christen und Kommunisten, Sozialisten, junge Arbeiter, Schüler
und Studenten Seite an Seite zusammen. Daß manche Jugendorganisa-
tionen im Komitee fehlen oder noch nicht vertreten sind, liegt
möglicherweise daran, daß sie die Bedeutung des Kampfes für anti-
imperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft in West-
berlin unterschätzen.
Einige Westberliner Jugendverbände haben es bei einseitiger Aus-
legung rechtsgültiger Abkommen und Vereinbarungen (u.a. Viersei-
tiges Abkommen, Vereinbarung DDR/Senat von Westberlin) vorgezo-
gen, sich am Festivalkomitee in der Bundesrepublik zu orientie-
ren. Andere wieder versuchten, den Festivalgedanken herunterzu-
spielen; die einzigen Nutznießer dieser Taktik sind die Schrei-
berlinge der Springer-Presse, die billigste Argumente frei Haus
bekamen.
Eine solche Haltung geht auf Kosten der fortschrittlichen Jugend
Westberlins. Sie unterstützt geradezu die Praxis der Unternehmer,
diese Stadt als "verlängerte Werkbank" der BRD zu behandeln oder
zu einem "Naturschutzpark für Monopole" mit Steuerpräferenzen und
günstigen Abschreibungen zu machen 6).
III. Konkrete Festivalvorbereitung in Westberlin
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Alle Aktivitäten und Veranstaltungen des Westberliner Vorberei-
tungskomitees haben zum Ziel, die Bewegung der fortschrittlichen
Jugend zu stärken. Dem entspricht der Aufruf des WVK, der die von
Gewerkschaften, Jugendorganisationen und anderen demokratischen
Organisationen gestellten Forderungen in Schwerpunkten aufgreift.
Dem Komitee geht es in erster Linie darum, mit den vielfältigsten
Initiativen und Aktionen den Kampf der Westberliner Jugend voran-
zutreiben und in einen internationalen Zusammenhang zu stellen
sowie für die Tage des Festivals in der DDR zu werben.
Die Tage des Festivals in Berlin werden das Ergebnis der in allen
Teilen der Welt, von allen nationalen Vorbereitungskomitees ge-
machten Anstrengungen im antiimperialistischen Kampf sein. Des-
halb werden die Weltfestspiele 1973 für die fortschrittliche Ju-
gend Westberlins zum Höhepunkt, wenn in der Zeit der Vorbereitung
auf dieses Ereignis alle im WVK vertretenen Organisationen und
deren Mitglieder es verstehen, in ihrem Wirkungsbereich und auch
darüber hinaus für die Verbreitung des Festivalgedankens aktiv
eintreten.
Die konkrete Aufgabenstellung des WVK betrifft zwei wesentliche
Bereiche:
1. Verbreitung von Informationen über die internationale Festi-
valbewegung.
Plakate und eine Klebeplakette als Westberliner Festivalabzeichen
werden herausgebracht. Die FDJW hat zwei Broschüren hergestellt:
eine über die Geschichte der Weltfestspiele und die Arbeit des
WVK, eine andere über die zweite Tagung des Internationalen Vor-
bereitungskomitees. Darüber hinaus verbreitet das Komitee die vom
IVK zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien; die Festi-
valzeitung, Plakate und Broschüren informieren über den Stand der
Vorbereitungen in aller Welt und über die Jugend in der DDR.
2. Durchführung von Veranstaltungen und besonderen Aktionen.
Einige Beispiele: Um die internationale Solidaritätsbewegung mit
dem Kampf der Völker Vietnams, Laos' und Kambodschas, mit den um
ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit kämpfenden Völkern
Asiens, Afrikas und Lateinamerikas und mit den Völkern, die gegen
Faschismus, für Freiheit und Demokratie kämpfen, zu unterstützen,
führte und führt das WVK und die in ihm vertretenen Organisatio-
nen zahlreiche Veranstaltungen durch. Auf diesen Veranstaltungen
wird die Jugend Westberlins in Diskussionen, mit Seminaren, auf
Schriftstellerlesungen oder bei Vorträgen über den Kampf, seine
Bedingungen und Perspektiven informiert. Durch Subbotniks, an
denen sich Hunderte junger Arbeiter, Schüler und Studenten betei-
ligten, wird ein handfester Beitrag zur materiellen Solidarität
geliefert. Um für die Forderung nach Gleichberechtigung der
Frauen und Mädchen, für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit und für
die Volljährigkeit mit 18 Jahren die Jungen und Mädchen Westber-
lins zu mobilisieren, zeigen Schauspieler und Musiker des Thea-
ters "Zentrifuge" ihr Agit-prop-Stück "Ich stehe meine Frau" auf
Gewerkschaftsversammlungen und in Jugendheimen.
Um die Notwendigkeit des Kampfes um demokratische Bildungsinhalte
und -ziele zu unterstreichen, organisieren die Aktionsgemein-
schaften von Demokraten und Sozialisten an den Universitäten, der
ASTA an der Pädagogischen Hochschule in Westberlin Informations-
veranstaltungen. Mit Demonstrationen und Flugblattaktionen in der
Innenstadt informieren sie die Bevölkerung. Der Sozialistische
Lehrerbund Westberlins fordert im Zeichen der Festivalblume auf
einer Großveranstaltung die Brechung des Bildungsprivilegs und
betont die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes von Eltern, Leh-
rern und Schülern, um dieses Ziel zu erreichen.
Das WVK selbst veranstaltet Festival-Feten, auf denen Tausende
Jugendlicher von Liedermachern, Song-Gruppen und Kultur-Ensembles
erfahren, was sich hinter der Losung des Festivals verbirgt.
Schwerpunkt dieser Feste ist die Vorstellung des Gastgeber-Landes
der X. Weltfestspiele, die DDR.
Auch beteiligte sich das WVK an der Demonstration am 1. Mai 1973,
mit der die Arbeiterklasse und die arbeitende und lernende Jugend
Westberlins für die Zurückdrängung der Macht des Großkapitals,
für Frieden, Demokratie und Sozialismus kämpfte.
Schulungen, Foren und Filmveranstaltungen des sozialistischen Ju-
gendverbandes der Freien Deutschen Jugend Westberlins, nutzen
viele Arbeiter, Lehrlinge und Schüler, um Anregungen für den ge-
meinsamen Kampf um ein fortschrittliches Bildungs- und Ausbil-
dungswesen, gegen Antikommunismus und Monopolmacht zu bekommen.
IV. Die Westberliner Delegation zu den X. Weltfestspielen -
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Zusammensetzung und Aufgaben
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Das Internationale Vorbereitungskomitee bzw. die daraus gebildete
Ständige Kommission des IVK leitet die Arbeit zur Vorbereitung
und Durchführung der Weltfestspiele. Sie berät und unterstützt
die nationalen Komitees bei ihrem Kampf für antiimperialistische
Solidarität, Frieden und Freundschaft in den jeweiligen Ländern.
Einem Beschluß des IVK zufolge wird die fortschrittliche Jugend
Westberlins mit 100 Delegierten auf dem X. Festival in Berlin
vertreten sein. Diese Delegation soll die Breite und Vielfalt der
durch Organisationen und Einzelpersonen entwickelten Aktivitäten
im antiimperialistischen Kampf darstellen. Die Aufgabe des West-
berliner Vorbereitungskomitees ist es daher, repräsentative Ver-
treter auszuwählen und ihre Teilnahme am Festival zu beschließen.
Von allen Mitgliedern des Komitees wurde einstimmig der Beschluß
gefaßt, daß die Delegationskarten nach vier Gesichtspunkten ver-
teilt werden;
1. Delegierte der im Komitee vertretenen Organisationen
2. Künstler und Laienschaffende
3. Vertreter des Komitees (Einzelpersonen)
4. Mitglieder anderer Jugend verbände, Gewerkschaftsfunktionäre,
Jugendvertreter, Schulsprecher
Die Aufgabe jedes Delegierten ist die aktive Teilnahme an den
Veranstaltungen des Festivals entsprechend seinen Möglichkeiten
und Interessen sowie nach dem vom IVK vorgeschlagenen Programm.
Westberliner Delegierte werden u.a. mit Filmen, Fotos, Grafiken,
politischen Liedern und Theaterstücken über den antiimperialisti-
schen Kampf der Jugend in Westberlin informieren, sie werden bei
Subbotniks die Solidarität mit den unterdrückten Völkern demon-
strieren und bei sportlichen Veranstaltungen im freundschaftli-
chen Wettstreit zu Delegierten aus anderen Ländern stehen.
V. Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin,
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Hauptstadt der DDR vom 28. Juli bis zum 6. August 1973
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Schwerpunkte des Programms und ihre Bedeutung für Westberlin
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Solidarität mit den Völkern, der Jugend und den Studenten von
Vietnam, Laos und Kambodscha - jetzt erst recht!
Solidarität mit den Völkern, der Jugend und den Studenten der
arabischen Länder für einen dauerhaften und gerechten Frieden im
Nahen Osten.
Solidarität mit den Völkern, der Jugend und den Studenten, die um
nationale Befreiung, Unabhängigkeit, Demokratie und sozialen
Fortschritt kämpfen!
Der Kampf für Frieden, internationale Sicherheit und Zusammenar-
beit!
Solidarität mit den Völkern, der Jugend und den Studenten, die
gegen die Monopole, die Ausbeutung, Militarismus, Faschismus und
Unterdrückung kämpfen!
Für die Rechte der Jugend und Studenten, für die Rechte der jun-
gen Frauen und Mädchen!
Das Volk, die Jugend und die Studenten der DDR bauen den Sozia-
lismus auf. Das sind die Schwerpunkte des X. Festivals in Berlin.
Um diese Forderungen konkret zu verbreiten, den antiimperialisti-
schen Kampf der Jugend der verschiedensten Nationen darzustellen
und die Diskussion unter den Festival-Delegierten gezielt zu för-
dern, werden im Rahmen dieser Schwerpunkte täglich Konferenzen,
Seminare, Massenmeetings, Tribunale, Berufstreffen, Sportpro-
gramme, Feste der Lieder, Tänze und Volksbräuche, Klubs, Demon-
strationen, Filmvorführungen und künstlerische Wettbewerbe u.v.m.
durchgeführt. Ergänzt werden diese Veranstaltungen durch Informa-
tionsfahrten durch die DDR, zu ehemaligen faschistischen Konzen-
trationslagern und Gedenkstätten des Kampfes der deutschen Arbei-
terbewegung, zu sozialistischen Betrieben und Objekten der Ju-
gend.
Für die fortschrittliche Westberliner Jugend haben die Tage des
Festivals folgende Bedeutung:
a) Darstellung des antiimperialistischen Kampfes in Westberlin,
das Festival ist ein Höhepunkt dieses Kampfes;
b) Konkretes Herstellen des Zusammenhangs des Kampfes in Westber-
lin mit dem Kampf in aller Welt;
c) Kennenlernen der DDR, besonders der Lebens- und Arbeitsbedin-
gungen der Jugend;
d) Erfahrungsaustausch und Aufnahme von Kontakten mit anderen Ju-
gendverbänden;
e) Verbesserung des politischen und ideologischen Niveaus;
f) Austausch über neue Formen und Methoden des antiimperialisti-
schen Kampfes.
Michael Weber
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1) "Aufruf des Internationalen Vorbereitungskomitees für die X.
Welttestspiele der Jugend und Studenten im Sommer 1973, Berlin,
Hauptstadt der DDR", in: FDJW AKTUELL, Nr. 2/73, Teil 1, S. 19.
2) "Erklärung der Gründungskonferenz des WBDJ vom 10.11.1945",
in: FDJW AKTUELL, Nr. 2/73, Teil 1, S. 4.
3) "Lied der Weltjugend/Hymne des WBDJ", in: AGITPROBE - das FDJ-
Liederbuch zu den X., S. 9 ff., Verlag Neue Musik Berlin, 1973.
4) "Geschichte der Weltfestspiele", in: FDJW AKTUELL, Nr. 2/73,
Teil 1, S. 7.
5) "Aufruf des Internationalen Vorbereitungskomitees...", in:
FDJW AKTUELL, Nr. 2/73, Teil 1, S. 19 ff.
6) Die SOPO hat zu Fragen der Entwicklung von Politik und Ökono-
mie in Westberlin nach dem Vierseitigen Abkommen, zur Lage und
zum Kampf der Westberliner Arbeiterklasse in den vergangenen Aus-
gaben Analysen veröffentlicht. Verwiesen sei an dieser Stelle
auf: Kathrin Schran: "Sackgassen und Perspektiven für Westber-
lin", in: SOPO 20, Okt. 1972, S. 1-22; Sonja Piron: "Die Westber-
liner Arbeiterklasse", in: SOPO 20, Okt. 1972, S. 23-40; Thomas
Funke: "Zur Entwicklung Westberlins 1945-1972", in: SOPO 21, Dez.
1972, S. 49-62.
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