Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1974
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Waltraut Umbreit
BERUFLICHE QUALIFKATION UND POLITISCHE EMANZIPATION
DER LOHNABHÄNGIGEN FRAUEN IN DER BRD
Die Funktion der Frauenarbeit als lohndrückende industrielle Re-
servearmee spricht für die Notwendigkeit und Bedeutung einer or-
ganisierten Interessenwahrnehmung. Der Bewußtwerdungsprozeß der
Frauen, insbesondere der lohnabhängigen Frauen, und die organi-
sierte Interessenwahrnehmung sind großen Hemmungen unterworfen
infolge der durch die Anarchie und Widersprüchlichkeit der kapi-
talistischen Produktionsweise gegebenen Diskontinuität und beson-
deren Funktion der Einbeziehung der Frauen in den Produktionspro-
zeß.
Im folgenden wird anhand neuerer Daten ein Überblick über die
Lage der erwerbstätigen Frauen in der BRD gegeben und im weiteren
werden die Notwendigkeit und die vorhandenen Ansätze der Organi-
sierung der Frauen in den Gewerkschaften als den größten und zah-
lenmäßig stärksten Organisationen der Arbeiterklasse dargestellt,
ihre spezifischen Forderungen in der Gewerkschaft selbst und die
mit solidarischer Unterstützung der Kollegen in den Betrieben und
in der Gesellschaft zu verfechtenden Forderungen.
I. Zur allgemeinen Situation erwerbstätiger Frauen in der BRD
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Keiner der im Grundgesetz verankerten Rechte wurde so häufig ge-
brochen wie Artikel 3 der die Benachteiligung aufgrund des Ge-
schlechts ausschließt. Denn noch heute, 25 Jahre nach der Prokla-
mierung des Grundgesetzes, ist eine Diskriminierung der Frauen
auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens der Regelfall.
Bis 1955 wurden Arbeiterinnen in sogenannte Frauenlohngruppen
eingestuft und verdienten bei gleicher Leistung 20% weniger als
die Männer. Gravierende Lohnunterschiede zwischen Männern und
Frauen auch bei gleicher bzw. - wie es seit 1955 heißt -
"gleichwertiger" Arbeit bestehen weiter fort obgleich laut einer
Konvention des Internationalen Arbeitsamtes in Genf Frauenlohn-
gruppen abgeschafft sind: sie feierten im Gewände scheinbar ar-
beitswissenschaftlich legitimierter Frauen-"Leichtlohngruppen"
fröhliche Wiederkehr. Die Konsequenz ist, daß der durchschnittli-
che Bruttostundenlohn weiblicher Industriearbeiter um 30% niedri-
ger liegt als der der Männer (1973); somit liegt die Lohnhöhe der
Arbeiterinnen noch unter der Bezahlung männlicher Hilfsarbeiter.
1) Nach fast 30 Jahren Frauenarbeit in der BRD mußte auf dem Bun-
desfrauenkongreß der SPD 1973 die zur Vorsitzenden gewählte Bun-
destagsabgeordnete Elfriede Eilers zugeben, daß die zur Prüfung
der diskriminierenden Leichtlohngruppen weiblicher Lohnabhängiger
eingesetzte Kommission von Gewerkschafts- und Unternehmervertre-
tern gescheitert ist, denn: "Dieser Kommission (wurde) von den
meisten Industriebetrieben der Zutritt zu den Fabrikhallen ver-
weigert." 2)
Der von der BRD-Regierung verabschiedete Bericht über "Maßnahmen
zur Verbesserung der Situation der Frau" 3) schreibt die Darstel-
lung der Situation der Frauen in der Frauenenquete vom September
1966 unter der damaligen CDU/CSU-Regierung fort; dieser Bericht
wurde von den Gewerkschaften, also dem Auftrag und den Erwartun-
gen ihrer Mitglieder nicht entsprechend scharf kritisiert. In dem
jüngsten Bericht nun, einer "Selbstdarstellung" der Frauenpolitik
der nunmehr 4 Jahre sozialdemokratisch geführten Regierung wird,
neben der Darstellung einer Vielzahl von für die Verbesserung der
Stellung der Frau bedeutungsvollen Maßnahmen, der Eindruck er-
weckt, als stünde "eine völlige rechtliche Gleichstellung der
Frauen" kurz bevor, es ermangele nur noch weniger "allerdings
notwen-dige(r) rechtliche(r) Reformentscheidungen" 4). Die
systembedingten sozialen Ursachen der Tatsache, daß Frauen zu den
Teilen der Arbeiterklasse gehören, die am stärksten diskriminiert
und ausgebeutet werden, werden nicht aufgedeckt, sondern verdeckt
mit dem Hinweis auf bewußtseinsmäßige Barrieren, wie "überholtes
Rollenbild der Frau" und "Vorurteile in der Gesellschaft", die
als entscheidende Faktoren apostrophiert werden. Ging schon die
Frauenenquete von 1966 an den wichtigsten Fragen der gesell-
schaftlichen Stellung der Frauen in der BRD vorbei durch viel zu
geringe Beachtung der Belange berufstätiger Frauen, so finden
diese auch in dem jüngsten Bericht speziell für Arbeiterinnen nur
unzureichende Berücksichtigung: "Über die Gruppe, die besonders
dringend der Hilfe bedarf, das Gros der Arbeiterinnen, wird wenig
gesagt. Das ist ... schwer entschuldbar, wenn man sich erinnert,
daß es Sozialdemokraten sind, die den stärksten Einfluß auf die
Formulierung der Richtlinien für die Bundesrepublik haben." 5)
Das Festhalten an der staatsmonopolistischen Struktur dieser Ge-
sellschaft führte dazu, daß auch eine SPD/FDP-Regierung keine we-
sentliche Verbesserung der Situation der abhängig arbeitenden
Frauen durchzusetzen vermochte.
Dabei wird von verschiedenster Seite unterstrichen, daß die Frau-
enarbeit fester Bestandteil der Wirtschaft geworden bzw. geblie-
ben ist. In den entwickelten kapitalistischen Ländern hat sich
die Zahl der berufstätigen Frauen von 1950 bis 1970 stärker er-
höht als die Gesamtzahl der Werktätigen. Sie stieg um 66% von
46,4 Mill. auf etwa 77 Mill. an. Dagegen erhöhte sich die Zahl
der Werktätigen insgesamt nur um 40%. 6) In der BRD besetzen die
berufstätigen Frauen (9,3 Mill.) jeden dritten Arbeitsplatz. Von
den Frauen im erwerbsfähigen Alter, zwischen 15 und 65 Jahren,
ist jede zweite berufstätig. Von den lohnabhängigen Frauen sind
3,5 Mill. Arbeiterinnen, 3,5 Mill. Angestellte und außerdem etwa
500 000 Lehrlinge. 7) Die Zahl der berufstätigen Frauen ist im
Steigen begriffen. Mit einer Steigerung von 10% im Zeitraum 1961
bis 1970 liegt ihre Zuwachsrate mehr als doppelt so hoch wie die
der Männer (4%). 8) Besonders angestiegen ist die Berufstätigkeit
verheirateter Frauen: 1907 waren es 10%; 1925 - 35,9% und 1970 -
55,8%. Von der Altersgruppe 25 bis 55 Jahre war die Mehrheit
(60%) verheiratet. 9) Obwohl weibliche Berufstätige 1970 zahlen-
mäßig 1/3 der Erwerbspersonen insgesamt stellten, betrug der An-
teil der Frauenlöhne an der Lohn- und Gehaltssumme nur 25%. 10)
Nach 1968 erhobenen Daten arbeiten 3/4 (74%) der gesamten
"Arbeitnehmerinnen" ganztägig, 19% sind halbtags beschäftigt. 6%
der Lohn- und Gehaltsabhängigen haben Arbeitszeiten, die von der
gängigen Einteilung in ganztags/halbtags abweichen. 11) Bei einer
Umfrage 1968 gaben 36% aller berufstätigen Frauen an, daß sie
Haupternährer ihrer Familie seien. 12) Eine Untersuchung des DGB
aus demselben Jahr ergab, daß unter Einbeziehung des "Mit"-Ver-
dienstes der Ehefrauen nur jeder 7. Haushalt über einen Betrag
von monatlich mehr als 1 400 DM verfügen konnte. "Jeder vierte
Haushalt (25 Prozent), dem die Arbeitnehmerinnen angehören, kann
monatlich über Beträge zwischen 1 000 DM und 1 400 DM verfügen:
... Zwischen 800 DM und 1 000 DM bezieht jeder sechste Haushalt
(17 Prozent). Jeder vierte Haushalt hat ein Gesamteinkommen zwi-
schen 400 und 800 DM. 6 Prozent müssen sich mit weniger als 400
DM begnügen." 13)
Soziale Struktur der erwerbstätigen Frauen
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1970 verteilten sich die weiblichen Beschäftigten wie folgt:
36,6 % sind Arbeiterinnen
39,2% " Angestellte
2,4% " Beamtinnen
15,8% " mithelfende Familienangehörige
5,9% " Selbständige. 14)
Damit ist der überwiegende Teil lohn- und gehaltsabhängig. Die
übrigen sind Zwischenschichten zugehörig, denn die Selbständigen
sind in der Mehrzahl Kleinladeninhaberinnen und Kleinbäuerinnen.
Aus nachfolgender Tabelle lassen sich Aussagen über Trends gerade
in diesen nichtproletarischen Schichten machen, denn neben der
geringer werdenden Zahl der Selbständigen fällt der starke Rück-
gang der mithelfenden Familienangehörigen auf. Die allgemeine
Entwicklung in der sich verändernden Klassenstruktur spiegelt
sich auch bei den weiblichen Beschäftigten wider. Die Proletari-
sierung kleinbürgerlicher Schichten wirkt sich bei Männern in der
Minderung der Zahl der "Selbständigen" aus, dagegen bei den
Frauen im Schrumpfen des Anteils der mithelfenden Familienangehö-
rigen. Der Tabelle ist zu entnehmen, daß ihr Anteil in der Zeit-
spanne von 1950 bis 1970 um nicht weniger als die Hälfte abnimmt.
Doch der Rückgang des Anteils an mithelfenden Familienmitgliedern
bei Männern und Frauen ist "nicht nur Folge des Ruins kleinbür-
gerlicher Betriebe und der Verwandlung ihrer Besitzer und der von
ihnen unterhaltenen Familienmitglieder in Proletarier, sondern
auch die Folge neuer Absicherungsversuche des Mittelstandes". 15)
Tabelle 1
Erwerbstätige Frauen nach der Stellung im Beruf. 1950, 1960,
1965, 1966, 1967, 1970
1950 1960 1965 1966 1967 1970
in 1000
Selbständige 606 757 636 625 599 574
mith. Fam. 2542 2103 1868 1780 1737 1532
Abhängige 4801 6994 7330 7374 7128 7496
Beamtinnen 94 149 184 187 194 229
Angestellte 1512 2964 3486 3571 3546 3785
Arbeiterinnen 3195 3881 3661 3616 3388 3482
in v.H. der weiblichen Erwerbstätigen
Selbständige 7,6 7,7 6,5 6,4 6,3 6,0
mith. Fam. 32,0 21,3 19,0 18,2 18,4 16,0
Abhängige 60,4 71,0 74,5 75,4 75,3 78,0
in v.H. der abhängigen Frauen
Beamtinnen 2,0 2,1 2,5 2,5 2,7 3,1
Angestellte 31,5 42,4 47,6 48,4 49,7 50,5
Arbeiterinnen 66,5 55,5 49,9 49,0 47,5 46,5
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Quelle: Ursel Schmitz: Entwicklung der Beschäftigtenstruktur
lohnabhängiger Frauen in der BRD von 1950 bis 1970, unveröffentl.
Magisterarbeit, Marburg 1973.
Die Zahl der in der Tabelle unter "Abhängige" zusammengefaßten
(Arbeiter, Angestellte, Beamtinnen) erwerbstätigen Frauen nahm
von 1950-1970 um 18% zu. 16) An die 80% (genau 78%) der arbeiten-
den Frauen sind zur Arbeiterklasse zu zählen, wobei dieser Be-
griff weit gefaßt ist und verschiedene Schichten umfaßt.
Familienstand und Müttererwerbstätigkeit
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der lohnabhängigen Frauen
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Seit Beginn der 60er Jahre ist die Erwerbsquote der Frauen konti-
nuierlich rückläufig. 17) Aber auch die Erwerbsquote der männli-
chen Erwerbstätigen zeigt, daß sie bis zu Beginn der 60er Jahre
zu- und in den 60er Jahren abnimmt. Aussagekräftiger allerdings
als die Erwerbsquote sind die Relationen: Anteil der erwerbstäti-
gen Frauen an den Frauen im erwerbsfähigen Alter (1& -60 Jahre)
und der an allen Erwerbspersonen. Beide Relationen zeigen einen
Rückgang in den 60er Jahren. Hauptgründe für die allgemeine Ab-
nahme der Erwerbsquote sind einmal die veränderte Altersstruktur
der Bevölkerung, genauer das relative Wachstum der Anzahl der
über 65jährigen durch die höhere durchschnittliche Lebenserwar-
tung der Bevölkerung; außerdem wirkt sich die Verminderung der
gegenwärtig erwerbstätigen Bevölkerung nun als Folge kriegsbe-
dingter Geburtenrückgänge und Kriegsverluste aus. Aufgeschlüsselt
nach Altersgruppen ergibt sich, daß 1950 noch 78% der 15 bis
20jährigen erwerbstätig waren, dagegen 1970 nur noch 53,6%. 18)
Dem gegenüber nimmt der Anteil erwerbstätiger Frauen im Alter von
25-60 Jahren ständig zu. Die Ursache dieser Erscheinung wird in
der r e l a t i v längeren Ausbildung der Mädchen zu suchen
sein. Ein weiterer Faktor, der die sinkende Tendenz der Erwerbs-
quote beeinflußt, ist das Ausscheiden von Frauen der Zwischen-
schichten aus dem Erwerbsleben.
Bei den Veränderungen in den letzten beiden Jahrzehnten sind die-
jenigen in der demographischen Zusammensetzung bedeutungsvoll,
die unter dem Gesichtspunkt des Familienstandes auf ein starkes
Wachstum der Anzahl verheirateter erwerbstätiger Frauen verwei-
sen. Stellt man die erhebliche Abnahme der mithelfenden Familien-
angehörigen und weiblichen "Selbständigen" in Rechnung und
gleichfalls die stetige Zunahme der Lohnarbeiterinnen, so zeigt
sich, daß das hauptsächliche Reservepotential an weiblichen Lohn-
arbeiterinnen sowie an Lohnabhängigen insgesamt die verheirateten
Frauen und Mütter darstellen! 19)
Wie zu vermuten ist, gehen verheiratete Frauen häufiger als an-
dere Teilzeitarbeiten nach. Ihr Anteil an der Gruppe aller teil-
zeitbeschäftigten Frauen lag 1969 bei 63,9%, wobei sie gerade die
Halbtagsbeschäftigung bevorzugen. Der relative Umfang von Halb-
tagsbeschäftigten an den verheirateten teilzeitbeschäftigten
Frauen belief sich auf 36,8%-1969, damit stellen sie etwa 3/4 al-
ler Halbtagsbeschäftigten. 20)
Die Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung ist gerade für die
lohnabhängigen Frauen bedeutungsvoll. "Ihr absoluter Umfang wuchs
im genannten Zeitraum (1960-1969 - W.U.) überdurchschnittlich um
34,6 v.H. an; von ihnen übten 1969 26,6 v.H. (1960: 21,8 v.H.)
e i n e H a l b t a g s b e s c h ä f t i g u n g a u s und
28,9 v.H. (1960: 21,2 v.H.) eine Beschäftigung mit einer Wochen-
arbeitszeit zwischen 24 und 39 Stunden. Das bedeutet, daß 1969
fast jede zweite lohnabhängige Frau (48 v.H.) teilzeitbeschäftigt
war, 1960 waren es 37,3 v.H." 21)
Noch schärferen Ausbeutungsbedingungen als Teilzeitarbeiterinnen
unterliegen die Frauen, die Heimarbeit verrichten. Nach offiziel-
len Angaben sind von den 1971 registrierten 220 000 Heimarbeitern
203 000 Frauen (91,6% aller Heimarbeiter). 22) Nach Schätzungen
ist jedoch ihre tatsächliche Zahl um 60% höher und seit den letz-
ten Jahren im Steigen begriffen. 23) Frauen sind insbesondere in
industriearmen Regionen der BRD durch den Mangel an sozialen Ein-
richtungen - vor allem bezüglich der Versorgung ihrer Kinder -
gezwungen unter diesen, frühkapitalistischen Zuständen ähnelnden,
Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Sie sind nahezu schutzlos der
Willkür und den Ausbeutungspraktiken der Unternehmer ausgelie-
fert. Der Einfluß der Gewerkschaften ist entsprechend des nur
zehn-prozentigen Organisationsgrades eingeschränkt. Die Abhängig-
keit der Frauen offenbart sich z.B. darin, daß sich Heimarbeite-
rinnen (nach einem Bericht der Gewerkschaft Holz und Kunststoff)
gegen die von der Gewerkschaft geforderte 12prozentige Lohnerhö-
hung wandten, da sie fürchteten, die Heimarbeit in ihrer Branche
würde eingeschränkt und sie würden keine Arbeit mehr erhalten.
24) Tarifverträge existieren nur für wenige Heimarbeiterbranchen,
die Löhne erreichen häufig noch nicht einmal die Hälfte eines
vergleichbaren Tariflohns. Nicht selten liegen die Löhne unter
dem Fürsorgegesetz, wie auch Stundenlöhne von 60 Pfennigen keine
Seltenheit darstellen. 25)
Eine anläßlich des Jahres der Arbeitnehmerin 1972 vom DGB durch-
geführte Umfrage ergab eine Darstellung der Motive der Frauen für
ihre Arbeit. Die folgenden Antworten auf die Frage nach dem Grund
der Tätigkeit wurden am häufigsten genannt:
38% Zum Lebensunterhalt notwendig
25% Finanzielle Belastung durch Wohnung und/oder Anschaffungen
18% Finanzielle Unabhängigkeit
16% Freude am Beruf
14% Hausarbeit lastet nicht voll aus
13% Verdienst des Mannes reicht nicht aus
9% Kontakte mit anderen Menschen
5% Finanzielle Beladung durch Ausbildung der Kinder
2% Stärkt das Selbstbewußtsein 26)
Damit ist deutlich: Frauen werden nicht erwerbstätig, um Auf-
stiegsangebote, Ausbildungsmöglichkeiten etc. in Anspruch zu neh-
men, nur in den seltensten Fällen um der Isolation und Langeweile
des Hausfrauendaseins zu entrinnen und auch nicht aus "Freude am
Beruf", sondern primär aus ökonomischen Gründen, aus der finan-
ziellen Notwendigkeit heraus, um ein gesellschaftlich-durch-
schnittliches Lebensniveau zu erlangen bzw. zu erhalten. Somit
zeigt sich, daß die Bezeichnung "Mitverdienst" oder "Zusatzver-
dienst" nicht nur irreführend und abwertend, sondern tatsächlich
falsch ist. Das A u s b l e i b e n d e s s o g e n a n n-
t e n Z u s a t z l o h n e s d u r c h d i e A r b e i t
d e r F r a u b e d e u t e t n ä m l i c h T e i l a r-
b e i t s l o s i g k e i t. Materielle Notwendigkeit zwingt die
Mehrheit lohnabhängiger Frauen entgegen der öffentlichen Meinung
und auch ihrer eigenen "Rollen"-Erwartung zur Erwerbstätigkeit.
"Zweidrittel der Arbeitnehmerinnen (85%) stimmen eher der
Feststellung zu, die Frau sollte sich ihrer Familie widmen. Ein
Viertel der Frauen (27%) neigt dagegen eher der Auffassung zu,
die Frau sollte ihre Rolle in Beruf und Gesellschaft wahrnehmen."
27) Es wird verständlich, daß infolge permanenter Propagierung
antiquierter traditioneller Leitbilder vom "Wesen der Frau" und
durch die sich damit zwingend ergebende Doppelbelastung sich bei
Frauen nur geringe Bereitschaft findet, eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen. Die Situation der Frauen am Arbeitsplatz im
Kapitalverwertungsprozeß selbst, kann die Bereitschaft kaum
heben, sind doch die meisten der von Frauen ausgeübten Tä-
tigkeiten gerade solche in denen die Fremdbestimmtheit der Arbeit
unter kapitalistischen Verhältnisseen besonders scharf ausgeprägt
ist. Hausarbeit und Kindererziehung erscheinen unter gegebenen
Arbeitsbedingungen als sinnvollere Tätigkeiten; sie werden zu
Rückzugsgebieten und scheinbaren Alternativen zur kapitalisti-
schen Ausbeutung. Die oben genannte Meinung, die Frau solle sich
der Familie widmen, wird umso häufiger vertreten, je unqualifi-
zierter die Frauen sind. "An- und ungelernte Arbeiterinnen sind
etwa doppelt so häufig wie Beamte dafür, die Frau aufs Haus zu
beschränken. Von den Mittel- und Fachschülern wollen dies fünf
von zehn und von den Abiturienten vier von zehn." 28)
Erst wenn sie auch nach der Geburt des ersten Kindes zur Be-
rufstätigkeit gezwungen sind, wird den meisten Frauen bewußt, daß
ihre Arbeit keineswegs ein "mitverdienen" - eine Übergangsphase
ist. Einer repräsentativen Umfrage unter 1 000 erwerbstätigen
Frauen von 1968 29) ist zu entnehmen, daß von der Zahl aller be-
schäftigten Frauen 1/3 keine präzise Aussage über die voraus-
sichtliche Dauer ihrer Berufstätigkeit geben können, lediglich 7%
der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren nehmen an, länger als 10
Jahre, 7% rechnen mit 5 bis 10 Jahren, und ganze 38% glauben etwa
noch 5 Jahre berufstätig sein zu müssen. 30) Je länger die Be-
rufstätigkeit währt, desto höher steigen die Schätzungen bezüg-
lich der zukünftigen Berufsjahre. Im Verlauf dieses Prozesses
verändert sich ebenfalls die Einstellung zur Erwerbsarbeit. 47%
der Frauen zählen die Berufstätigkeit zum festen Bestandteil
ihres Lebens, sie erachten Frauenerwerbsarbeit für normal (47%
der Facharbeiterinnen und 45% der An- und Ungelernten), 70% mei-
nen, verheiratete Frauen ohne Kinder sollten berufstätig sein,
jedoch 75% sind der Meinung, daß die Geburt des ersten Kindes der
richtige Zeitpunkt für die Aufgabe der Erwerbsarbeit sei. 31)
Erst im fortgeschrittenen Stadium der Berufstätigkeit wird mit
der Illusion, daß die Erwerbsarbeit mit der selbstverständlich
erwarteten Eheschließung bald beendet sei, gebrochen. Dann kann
jedoch in der Regel eine neue Ausbildung bzw. eine Zusatzausbil-
dung aus finanziellen und zeitökonomischen Gründen im Regelfall
nicht mehr aufgenommen werden.
Frauenarbeit in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen
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In folgenden Bereichen werden überwiegend Frauen beschäftigt
(1971): "Landwirtschaft (52,5 v.H.); Handel (53,7 v.H.); Dienst-
leistungsgewerbe (60,1 v.H.); Organisationen ohne Erwerbscharak-
ter (68,1 v.H.). Ferner stellen sie relevante Teile im verarbei-
tenden Gewerbe (29,1 v.H.), im Kredit- und Versicherungsgewerbe
(45,6 v.H.). (...) Während der absolute und relative
S c h w e r p u n k t d e r A r b e i t e r i n n e n b e-
s c h ä f t i g u n g im produzierenden Gewerbe liegt - bei
abnehmender Tendenz -, werden H a n d e l u n d D i e n s t-
l e i s t u n g e n m e h r u n d m e h r D o m ä n e n d e r
A n g e s t e l l t e n b e s c h ä f t i g u n g. Allerdings
beinhaltet dieser arbeitsrechtliche Unterschied hier noch weniger
als bei den Männern wesentliche soziologische oder funktionelle
Differenzen." 32)
Innerhalb der Industrie liegt das Schwergewicht der Arbeiterinnen
und weiblichen Angestellten in den Verbrauchsgüter- und Indu-
striegüterindustrien. Die Hälfte der Beschäftigten in der Ver-
brauchsgüterindustrie sind Frauen. In den Nahrungs- und Genußmit-
telindustrien sind es mehr als 1/3. 33) Spezifiziert und schlüs-
selt man die Verteilung der beschäftigten Frauen nach einzelnen
Industriezweigen auf, so erhält man: "1968 waren 15,4 v.H. (1950:
6,9 v.H.) in der elektrotechnischen Industrie tätig; 13,4 v.H.
(1950: 11,9 v.H.) in der Bekleidungsindustrie; 11,7 v.H. (1950:
23,2 v.H.) in der Textilindustrie; 7,4 v.H.
(1950: 1,7 v.H.) Inder Ernährungsindustrie; 7,1 v.H. (1950: 3,4
v.H.) in der Maschinenbauindustrie und 6,6 v.H. (1950: 5,9 v.H.)
in der chemischen Industrie. 34) Das heißt, daß 62 v.H.
a l l e r i n d e r I n d u s t r i e t ä t i g e n
F r a u e n s i c h a u f nur sechs Industriezweige konzen-
trieren." 35) Gerade in diesen Industriezweigen ist die Polari-
sierung von Qualifikationen ausgeprägt: einer Masse un- und ange-
lernter Arbeiter und kaufmännischer Arbeitskräfte steht eine
kleine Gruppe von Facharbeitern und technischen Angestellten ge-
genüber. So ist z.B. der Anteil ungelernter Arbeiterinnen insbe-
sondere in Branchen mit mechanisierter Massenproduktion und
Fließbandfertigung überdurchschnittlich hoch, wie beispielsweise
1966 in der elektrotechnischen Industrie mit 57% oder in der che-
mischen Industrie mit 59%. 36) Hier konzentriert sich die Unter-
bezahlung der Arbeiterinnen, hier konzentriert sich infolgedessen
auch die Fülle der Extraprofite der Konzerne.
Löhne und Gehälter sind besonders niedrig in den Industriezweigen
mit hoher weiblicher Beschäftigtenzahl, womit der Zusammenhang
von Frauenarbeit und niedrigen Löhnen ein weiteres Mal bestätigt
ist. Die Tabelle: Durchschnittliche Bruttostundenverdienste
(Effektivlöhne) der männlichen und weiblichen Industriearbeiter
und Angestellten in Wirtschaftszweigen von 1965 bis 1968 37)
weist zum einen auf, daß in den sogenannten "Frauenindustrien"
auch die Männerlöhne niedrig sind und außerdem, daß die generelle
Lohndifferenz zwischen "Männer"- und "Frauenindustrien" im Ange-
stelltensektor einen besonders krassen Ausdruck findet.
Die Begründungen für diesen Zustand werden im allgemeinen so
falsch und stereotyp dargestellt wie die für die Lohndiskriminie-
rung der Frauen: in der Argumentation irrational, sind die Erklä-
rungsversuche letztlich nur auf einen Punkt zu bringen:
"Geschlechtszulage" für die Männerarbeit. Einige Begründungen,
denen "die Ideologie des Profits aus allen Knopflöchern lugt"
38), seien hier beispielhaft angeführt:
- "so werden beispielsweise in einem Automobilwerk Frauen, die
Türen polieren, schlechter bezahlt als die Männer, die Dächer po-
lieren; Arbeitgeberbegründung: das Dachpolieren erfordere einen
anderen Druck als das Türenpolieren." 39)
- "so werden in einer Gießerei die Männer, die Kernteile anstrei-
chen, nach Lohngruppe 4 bezahlt, weil in Gießereibetrieben keine
Frauen beschäftigt werden, die für dieselbe Arbeit nur nach Lohn-
gruppe 2 oder 3 bezahlt würden; Arbeitgeberbegründung: Männer
können ja schließlich nicht nach Frauenlohngruppen bezahlt wer-
den." 40)
- "die Frauen bei Schneider-Optik reinigen Linsen oder bauen am
Fließband Objekte zusammen. Sie sind in die Lohngruppe 2-3 einge-
stuft. Ihre Kollegen am Band, die dasselbe machen, werden nach
der Lohngruppe 7 bezahlt. Zwar erhalten die Frauen eine Zulage
von 3 bis 12 Pf. pro Stunde, so daß sie praktisch die nächsthö-
here Lohngruppe erreichen, aber diese Zulage ist überhaupt nicht
abgesichert. ... Fabrikant Schneider (...) begründet die Lohnun-
gleichheit in seinem Betrieb mit der angeblich höheren Qualifika-
tion der Männer." 41)
Unter typisch weiblich firmieren heute - nach Olaf Radke, IG Me-
tall - "wegen ihrer biologischen Befähigung an Geschicklichkeit,
Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und Sinn und Nerven" 42) von
Frauen ausgeübte Tätigkeiten. Die mögliche sicherlich überwiegend
gesellschaftsbedingte Spezifik des Arbeitsvermögens der Frauen
wird ausgenutzt, denn sie müssen ein mehr an Energie verausgaben,
um einen Arbeitsplatz zu erhalten. Unter dem Mantel "leichter"
Frauenarbeit ist der tatsächliche Sachverhalt kaum zu verhüllen,
daß diese "leichte" scheinbar unter dem gesellschaftlichen Durch-
schnitt liegende Arbeit tatsächlich den Charakter einer kompli-
zierten Arbeit trägt. Ihre Arbeit ist von höherer Intensität und
erfordert ein überdurchschnittliches Maß an Verausgabung von
"Herz, Nerven, Muskel, Sinnesorganen und Hirn". Auf die Fragwür-
digkeit der Unterscheidung "leichter" und "schwerer" Arbeit wirft
ein bezeichnendes Licht die Reaktion der englischen Unternehmer
auf ein beschlossenes Gesetz, das jedoch noch nicht in Kraft ge-
treten ist, in dem der besondere Frauenlohn für illegal erklärt
wird. Die englischen Unternehmer bauen dem schon heute vor: eine
Reihe von Arbeitsplätzen bleibt ausschließlich Frauen vorbehal-
ten. Nicht von ungefähr trug demnach eine Fernsehserie in England
den Titel: "Welches Geschlecht hat dein Arbeitsplatz?". 43) Ein
Beleg für den Kompliziertheitsgrad der "leichten" Arbeit ist der
schnelle Verschleiß der Arbeitenden: - ...nach Angaben der Bun-
desanstalt für Arbeit liegt für etwa die Hälfte aller offenen
Stellen eine von den Unternehmern eigenmächtig festgesetzte Al-
tersgrenze vor, die für Männer in der Regel bei 45 Jahren, für
die Frauen bei 30 Jahren liegt." 44) - ... was wir brauchen, sind
Mädchen mit großer Fingerfertigkeit und guten Augen. Mit den Jah-
ren läßt das nach. Mit den Jahren sind die Augen nicht mehr das,
und die Finger auch nicht mehr so ruhig. Ein kleiner Tremor, ein
bißchen Zittern, was eigentlich jeder hat, das können wir bei
diesen Arbeiten nicht gebrauchen. Ältere Frauen können wir hier
nicht gebrauchen." 45) "An Fließbändern und Halbautomaten, im
Gruppen- und Einzelakkord, verrichten 70% aller Fabrikarbeiterin-
nen Werktag für Werktag immer wieder dieselben Handgriffe in ex-
trem kleinen Zeitabständen." 46) Benennungen wie "Akkord ist
Mord", und MTM als "Mehr tun müssen" und "Macht tausend mehr"
charakterisieren die wegen ihrer Stupidität und des nervenaufrei-
benden Charakters berüchtigten Tätigkeiten. Das Legitimationsmu-
ster "leichte Frauenarbeit" wird nicht nur benutzt zur Ver-
schleierung der Minderbezahlung der Frauen, sondern wird weiter
funktionalisiert für eine Minderbewertung der Persönlichkeit der
arbeitenden Frauen und des ihnen menschlich Zumutbaren. Welcher
Zynismus, die Akkordarbeit als maßgeschneidert für die Weiblich-
keit zu erklären! So getan von Helga Läge, Arbeitgeber-Expertin
für industrielle Frauenarbeit: "Arbeiterinnen mit geringer gei-
stiger Beweglichkeit genügen die einförmigen, unterteilten und
sich stets wiederholenden Handgriffe meist vollauf." Denn: "die
Frau neigt mehr zur Passivität, zum Mit-sich-geschehenlassen."
47) Mit den Methoden der Leistungsbewertung, insbesondere MTM und
dem unauffälligen Beschleunigen des Fließbandtaktes wurden Formen
kapitalistischer Ausbeutung auf die Spitze getrieben, Forderungen
nach höherem Lohn werden abgewiesen mit dem Hinweis, daß es der
Arbeiterin selbst überlassen sei, wieviel sie in der Stunde pro-
duzieren und damit wieviel sie verdienen will. So werden tatsäch-
liche Verhältnisse verkehrt, objektive Zwänge erscheinen im Ge-
wand individueller, subjektiver Fehl- bzw. Minderleistungen.
Die Neuschreibung der Lohngruppentexte ist überfällig, denn die
durch Rationalisierung und Mechanisierung bestimmte Phase kapita-
listischer Produktionsweise hat zur Folge, daß "die energetisch
leichte Arbeit zunehmend die Norm wird" und dagegen "die Größe
des Energieumsatzes als differenzierendes Kriterium für Entloh-
nungssysteme" 48) an Bedeutung verliert und so es den vorhandenen
Lohngruppentexten an Entsprechung in der konkreten Arbeitsver-
richtung ermangelt. Das heißt, daß bei Fortschreibung dieser Ent-
lohnungspraxis die diskriminierten aber zunehmend um sich grei-
fenden "typischen Frauentätigkeiten" wie Geschicklichkeit, Fin-
gerfertigkeit und Ausdauer bei hoher sensorischer und motorischer
Beanspruchung zur Absicherung enormer Extraprofite dienen. Die
Lohngruppentexte gelten überwiegend zum Schaden der arbeitenden
Frauen fort. Ihre Neuschreibung setzt aber auch einen Erkenntnis-
prozeß der männlichen Arbeitenden voraus, denn auch sie sind bei
der vorhandenen Abfassung der Lohngruppentexte nicht sicher vor
einer Abstufung in eine niedrigere Lohngruppe bei weitergehender
Mechanisierung; andernfalls wird der Konkurrenzdruck billiger
Frauenarbeit und damit die potentielle Spaltung der Arbeiter-
schaft durch die abweisende Haltung männlicher Lohnabhängiger ge-
gen die Frauenarbeit noch verschärft.
Aus Angaben zur Beschäftigungsentwicklung ergibt sich, daß Ar-
beitsplätze der Frauen in der Industrie krisenanfälliger als die
der Männer sind. Deutlich geworden ist dies in der Krise 1966/67,
als der Anteil der Frauen an den Erwerbspersonen sank und der
prozentuale Anteil der Arbeiterinnen an allen Arbeitern wie auch
die ständige Abnahme des Anteils der Arbeiterinnen an den Arbei-
tern in der Textilindustrie ebenfalls zeigen. 49)
Es ist festzuhalten, daß Frauen wie auch ältere Lohn- und Ge-
haltsabhängige stärker von Freisetzungen im Zuge der wissen-
schaftlich-technischen Entwicklung betroffen werden. An der
Spitze der Freisetzungsquote in der Industrie steht die Textilin-
dustrie. Der mit der Monopolisierung verbundene wissenschaftlich-
technische Fortschritt führt dazu, daß z.B. kapitalintensive In-
dustriezweige eine rückläufige bzw. relativ gering zunehmende Be-
schäftigtenzahl haben und auf der anderen Seite arbeitsintensive,
oft Schlüsselindustrien in der technischen Entwicklung
(Elektroindustrie, Elektronik, Fahrzeugbau) einen Anstieg im Ar-
beitskräftebedarf zu verzeichnen haben. In der Textilindustrie
z.B. fiel die Anzahl der Beschäftigten von 908.810 (645.930
Frauen) 1950 auf 479.545 (263.972 Frauen) 1968; im gleichen Zeit-
raum stieg in der metallerzeugenden und -verarbeitenden Industrie
die Beschäftigtenzahl von 1.891.638 (96.642 Frauen) auf 3.927.653
(865.855 Frauen). 50) Frauen werden besonders in lohnintensiven,
halbmechanisierten Betrieben eingesetzt, in denen der Anteil der
beschäftigten Männer rückläufig ist - wohl auch deshalb, weil
Prestige, Lohn-, Aufstiegs- und Arbeitsplatzaussichten hier
schwinden. Diese Betriebe rentieren sich überhaupt erst durch die
billige Frauenlohnarbeit, womit auf die schon erwähnte Wirkung,
der den Fortschritt der Produktivkräfte hemmenden Anwendung bil-
liger Frauenlohnarbeit nochmals verwiesen sei. "Die Frauenarbeit
ist in den Branchen am höchsten, in denen die traditionelle, wenn
auch modernisierte Technik dominiert, in denen vorwiegend ma-
nuelle Arbeit in Form von Fließbandfertigung und Montagearbeiten
geleistet werden muß. Auf die Tendenz, die traditionellen Produk-
tionstechniken zur Zeit noch auszuweiten und dabei vorwiegend
Frauen zu beschäftigen, weist die steigende Zahl ausländischer
Arbeiterinnen in der Metallindustrie hin (1966 = 95.531, 1969 =
146.961)." 51)
Automatisierung und Rationalisierung im Bereich der Angestellten-
berufe ergeben für die Frauenarbeit Veränderungen, die sich fol-
gendermaßen gliedern lassen:
1. "die Freisetzungstendenz mit der latenten Möglichkeit, techno-
logischer' Arbeitslosigkeit, 2. die Veränderung der Tätigkeits-
strukturen und Leistungsanforderungen sowie 3. die Tendenz zur
Polarisierung in der betrieblichen Sozialstruktur wie in der An-
gestelltenschaft insgesamt." 52) Zum Teil können diese Freiset-
zungen noch kompensiert werden durch Stellenangebote von Kleinbe-
trieben (bis zu 100 Beschäftigten), die aus Rentabilität die Au-
tomatisierung der Bürotätigkeiten noch nicht einführten." 53)
Dieses kann sich jedoch leicht ändern, denn bei vorhandener Un-
gleichzeitigkeit der Rationalisierungsund Automationsprozesse
wird eine gleichmäßige ökonomische Gesamtentwicklung vorausge-
setzt, die sowohl in der BRD als auch anderen kapitalistischen
Staaten an Stabilität eingebüßt hat. Von Freisetzungen und Stel-
leneinsparungen werden überwiegend ungelernte, gering qualifi-
zierte weibliche Angestellte und ältere getroffen werden, denn
ihre Routinearbeiten können am leichtesten von Maschinen übernom-
men werden. 54)
Entsprechend den Bedingungen der kapitalistischen Produktions-
weise, insbesondere der monopolistischen Konzentration von Pro-
duktion und Kapital wird eine ungleichzeitige Entwicklung der
Produktivkräfte und ihrer Anwendung bewirkt. Typisch ist daher
das Nebeneinanderbestehen unterschiedlichster Produktionsformen
und -verfahren, das hat seinen direkten Ausfluß in u n t e r-
s c h i e d l i c h e n, j a g e g e n l ä u f i g e n T e n-
d e n z e n d e r Q u a l i f i k a t i o n s s t r u k t u r.
"Gerade in diesen Prozessen kommt allerdings die typisch
staatsmonopolistische die objektiven Erfordernisse nur verzerrt
berücksichtigende, die volle Entfaltung aller Produzenten und die
Herausbildung einer optimalen Qualifikationsstruktur verhindernde
Anpassung des Qualifikationsniveaus an die Höherentwicklung der
materiellen Produktivkräfte zum Ausdruck." 55) Es ergibt sich aus
der begrenzten kapitalistischen Durchsetzung des wissenschaft-
lich-technischen Fortschritts die permanente Gefahr des morali-
schen Verschleißes der Qualifikationen, das bedeutet soziale
Unsicherheit verschiedenster Art und Ausprägung. "Während aber
auf der einen Seite der wissenschaftlich-technische Fortschritt
auf diesen Gebieten weitaus größere Ausgaben erforderlich macht -
vor allem im Bildungswesen und in der Forschung - zwingen die
anderen Erfordernisse der staatlichen Finanzierung zur
Rationierung dieser Ausgaben. Damit wird nicht nur der soziale
Fortschritt untergraben, sondern in der Perspektive auch der
Fortschritt der Produktion und der Produktivität selbst." 56)
Die industrielle Reservearmee als allgemeine Existenzbedingung
kapitalistischer Gesellschaftsformation, als "Hebel der kapitali-
stischen Akkumulation" 57) kann diese Funktion nur erfüllen, wenn
sie in fachlichem wie räumlichen Sinne dem Kapital überhaupt zur
Verfügung steht, d.h. entsprechend den gewandelten Verwertungsbe-
dingungen disponibel bleibt. Hier zeigt sich aber gerade, daß bei
der Frauenbeschäftigung unter Bedingungen des wissenschaftlich-
technischen Fortschritts das direkte Aufsaugen der freigesetzten
Arbeitskräfte in den kapitalistischen Produktionsprozeß teilweise
nicht mehr möglich ist. Die Verfügbarkeit kann nur erlangt werden
durch Anhebung der durchschnittlichen Qualifikationen und der re-
gionalen Beweglichkeit. Das bedeutet vom Gesichtspunkt des Ge-
samtkapitals aus, daß die Sicherung einer disponiblen industriel-
len Reservearmee in Gestalt der Frauenarbeit heute gegenüber frü-
heren Phasen der Kapitalsakkumulation kostspieliger ist.
II. Ausbildung und Qualifikation
--------------------------------
Schulbildung
------------
"'Wenn eine intelligente Arbeiterfamilie', schätzt der Marburger
Politologe Wolfgang Abendroth, 'noch die Energie aufbringt, ihren
Sohn zum Abitur zu bringen - der Tochter hilft das nach unserer
Sozialtradition normalerweise nichts.'" 58)
Die geschlechtsspezifische Sozialisation, die im Elternhaus vor-
herrscht, wird in der Schule fortgesetzt und in manchen Richtli-
nien noch staatlich legitimiert. So ist in den Richtlinien für
die Oberstufe der bayrischen Volksschule zu lesen: "Die Schule
... darf nicht übersehen, daß das Mädchen zur Entfaltung seiner
Wesensart zur Anbahnung eines Selbstverständnisses und für ein
späteres Wirken im familialen Bereich einer besonderen unter-
richtlichen und erziehlichen Führung bedarf." 59) Dieser bor-
nierte Standpunkt findet sich ebenso in den Richtlinien für Nord-
Rhein-Westfalen (die die diffizilere Formulierung enthalten):
"Die Frage, wie weit die Mathematisierung und wissenschaftstheo-
retische Vertiefung den Schülerinnen zumutbar sind, soll mit
Sorgfalt bedacht werden." 60) Bereits mit der Schulausbildung
wird also durch "geschlechtsspezifische" Curricula eine Orientie-
rung auf bestimmte Fächer - und damit letztendlich auf ein be-
grenztes Berufsspektrum - manipuliert. Auch hier ist die Konse-
quenz für die Schülerinnen eine mädchenspezifische Stoffauswahl,
die auf Kosten ihrer Ausbildung in den mathematisch-naturwissen-
schaftlichen Fächern geht. In gleicher Weise zeigen dies die
Richtlinien für die Realschule in Hamburg (1969): "In Klasse 9
sind für Mädchen 4 Stunden Hauswirtschaftsunterricht vorgesehen.
Sie erhalten in diesem Jahr keine Fachstunden für Physik und Che-
mie. In dem Hauswirtschaftsunterricht müssen daher auch Fragen
der Physik und Chemie geklärt werden. Soweit die Zeit für eine
gründliche Behandlung biologischer Probleme nicht ausreicht, sind
dafür die 2 Fachstunden Biologie heranzuziehen." 61)
Im Allgemeinen sinkt der Anteil der weiblichen Auszubildenden mit
dem höheren Schultyp. 62) Das Wachstum des Anteils der Schülerin-
nen bei qualifizierten Schulformen, in denen sie dennoch unterre-
präsentiert bleiben, und die verlängerte Ausbildungszeit für Mäd-
chen zeigen die Anforderungen des Gesamtkapitals an eine erhöhte,
aber begrenzte Disponibilität der weiblichen Arbeitskraft.
Das scheinbar günstigere Verhältnis für Mädchen und Frauen an Be-
rufsfach- und Fachschule entpuppt sich jedoch als eine Reproduk-
tion der Diskriminierung auf höherer Ebene. Hervorstechende Über-
repräsentation ist nur auf diejenigen Schultypen begrenzt, in
denen mittlere Qualifikationen, insbesondere für Handels- und
Dienstleistungsberufe vermittelt werden und an pädagogischen
Hochschulen. "Die Konzentration auf pädagogische sozialpflegeri-
sche, Handels- und Verwaltungsberufe hat sich in der Periode von
1950 bis 1970 nicht wesentlich geändert. So erlernten 1969 50,6
v.H. (1950: 60,3 v.H.) der Berufsfachschülerinnen einen Verwal-
tungs-, Handels- oder Gaststättenberuf und 42,7 v.H. (1950: 25,9
v.H.) einen Haushaltungs- und Kinderpflegeberuf. Dagegen ist der
Anteil der Berufsfachschülerinnen, die einen technischen Beruf
erlernten, von 1950 bis 1969 von 1,8 auf 0,5 v.H. gesunken. In
den Fachschulen erlernten 1965 55,8 v.H. (1950: 45,8 v.H.) die
Fachrichtung Haushalt, Kinderpflege und Gesundheitsdienst. Nur
6,2 v.H. bereiteten sich auf einen technischen Beruf vor (1950:
2,2 v.H.)." 63) Häufig wird eine qualifiziertere Ausbildung erst
dann für legitimierbar gehalten, wenn Mädchen und Frauen Fach-
richtungen "wählen" und erlernen, die auf Haushalt und Kinderer-
ziehung vorbereiten. Daß der Grad an Einsicht in geschlechtsspe-
zifische Beschränkung bei qualifizierteren Frauen ausgeprägter
ist, zeigt das Verhalten der erwerbstätigen Frauen in der Frage
der Bildungsförderung bei Mädchen und Jungen: "An- und Ungelernte
sind weit häufiger für eine bessere Ausbildung (28%) von Jungen
als Facharbeiterinnen (18%), Angestellte (1%), Beamte (7%);
Volksschüler ohne Lehre wollen Jungen häufiger begünstigen (29%)
als Volksschüler mit Lehre (17%), Mittel- und Fachschüler (69%)
und Abiturienten (4%)." 64) Die mangelnde Unterstützung seitens
der Bildungseinrichtungen und der Eltern für eine höherqualifi-
zierende Ausbildung der Mädchen zeigt sich in den unterschiedli-
chen Abbruchquoten von Jungen und Mädchen. 65)
In verschiedener Hinsicht wird Helge Pross' Feststellung bestä-
tigt: "Keine soziale Gruppe in der Bundesrepublik hat so wenig
Aussicht, eine dem Begabungspotential entsprechende Bildung und
Ausbildung zu erhalten, wie die Töchter von Arbeitern." 66) Der
Anteil der weiblichen Studierenden aus Arbeiterfamilien ist ver-
schwindend gering. Hier kulminieren die in der Klassengesell-
schaft begründeten geschlechtsspezifischen Bildungsbarrieren. "So
sind z.B. die Arbeitertöchter noch stärker als die Arbeitersöhne
an den Hochschulen extrem unterrepräsentiert. Von den weiblichen
Studierenden im Wintersemester 1966/67 22) hatten nur 3,3 v.H.
einen Arbeiter als Vater. Ihr Anteil liegt damit beträchtlich un-
ter dem Anteil der Arbeitersöhne an den männlichen Studierenden.
Bezieht man die Herkunft von Angestellten und Beamten in der ob-
jektiven Lage der Arbeiterklasse (15,6 bzw. 3,5 v.H.) ein, so er-
gibt sich ein Anteil mit Arbeiterklassenherkunft von etwa 22,4
v.H. Gleichfalls zeigt sich, daß die Selbstrekrutierungsquote der
Hochschulabsolventen (Akademiker) bei Mädchen noch wesentlich hö-
her als bei Jungen ist. Der Anteil der weiblichen Studierenden
mit einem Akademiker als Vater lag 1966/67 bei 43,7 v.H. bei ei-
nem Erwerbstätigenanteil dieser Gruppe von 3-4 v.H." 67)
Die Tabelle "Studentinnenanteil an den Studierenden" 68) zeigt,
daß der Schwerpunkt der weiblichen Repräsentanz traditionsgemäß
an den Pädagogischen Hochschulen liegt, ihr Anteil an Studieren-
den der TH ist - obwohl zunehmend - unverhältmäßig gering.
Schwerpunktmäßig werden immer noch Lehrberufe für Grund-, Haupt-
und Realschule angestrebt. An den Hochschulen werden die folgen-
den frauentypischen Fachrichtungen gewählt: Kulturwissenschaften,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Pharmazie und Medizin.
"Der Anteil an den naturwissenschaftlichen Fächern ist im Zeit-
raum von 1950/ 51 bis 1965/66 auf 6 Prozent gesunken." 69) Demge-
genüber ist die Skala von Fachrichtungen der männlichen Studenten
erheblich breiter gefächert. 70) Sie bevorzugen wissenschaftlich-
technische Berufe, die erheblich günstigere Verdienst- und Ent-
wicklungsmöglichkeiten versprechen, da sie von den Konzernen bee-
sonders gefragt sind. W i r d d i e a l l g e m e i n e
D i s k r i m i n i e r u n g d e r F r a u n a c h d e r
s o z i a l e n H e r k u n f t a u f g e s c h l ü s s e l t,
s o e r w e i s t s i c h, d a ß s i e s i c h i m
R a h m e n d e r K l a s s e n s c h r a n k e n b e w e g t.
I n d e r k a p i t a l i s t i s c h e n G e s e l l-
s c h a f t t r i f f t d i e D i s k r i m i n i e r u n g
d e r F r a u i n e r s t e r L i n i e d i e F r a u e n
d e r A r b e i t e r k l a s s e, s p e z i e l l d i e j e-
n i g e n d e r A r b e i t e r s c h a f t.
Berufsausbildung und berufliche Qualifikation
---------------------------------------------
Einer Umfrage des Emnid-Instituts zufolge sind 90 Prozent der
bundesrepublikanischen Bürger der Auffassung, daß eine abge-
schlossene Berufsausbildung für Mädchen sehr wichtig ist. 71)
Dieser Forderung wird in der Realität keineswegs entsprochen. 72)
Annähernd 60% aller weiblichen Erwerbstätigen üben eine Tätigkeit
aus, die keine Ausbildung, oder eine bis 1/2 Jahr dauernde Einar-
beitungszeit erfordert (Männer fast 40%). Der Anteil ungelernter
oder kurzfristig Angelernter ist insbesondere bei Arbeiterinnen-
berufen hoch und bewegt sich in den Hauptgruppen zwischen 75 und
95 Prozent. 73) Vor allem den Mädchen aus Arbeiterfamilien wird
der Verzicht auf berufliche Qualifizierung zugunsten des schnel-
len Geldverdienens aufgezwungen. Das wirkliche Ausmaß der bil-
dungspolitischen und beruflichen Diskriminierung der lohnabhängi-
gen Frauen wird in dem Bericht der Bundesregierung nicht offenge-
legt, denn seine Verfasser verschweigen z.B., "daß die Zahl der
ungelernten und angelernten Arbeiterinnen sich seit 1951 nicht
oder nur geringfügig vermindert hat." 74) Der Anteil der gewerb-
lichen Lehrlinge der Industrie- und Handelskammern belief sich
1951 auf lediglich 4,6% Mädchen. Dieser Anteil erhöhte sich nur
um 4% auf 8,6 Prozent im Jahre 1968. 75) Dem entspricht, daß 94%
aller Arbeiterinnen im verarbeitenden Gewerbe (wo 60-70% aller
Arbeiterinnen beschäftigt sind) 1966 als un- bzw. angelernte Ar-
beitskräfte tätig waren. 76) Das bedeutet: n u r 6 % d e r
A r b e i t e r i n n e n ü b e n e i n e F a c h a r b e i-
t e r t ä t i g k e i t a u s! (Dieses Ergebnis findet sich
bestätigt durch Vergleich der Verteilung von Arbeiterinnen und
Arbeitern auf Leistungsgruppen in der gewerblichen Wirtschaft und
im Dienstleistungsbereich. 77) Hinzu kommt, daß der Anteil der
Facharbeiterinnen in der Industrie eine sinkende Tendenz hat; im
Zeitraum von 1967 bis 1969 sank die Anzahl der weiblichen
Auszubildenden in Lehrberufen um 51.329. 78)
Zudem werden Mädchen und Frauen mit Lehre, Anlernzeit und Lehre
mit Fachschule fast ausschließlich auf Berufe orientiert, die zu
den traditionell schlechtbezahlten "Frauenberufen" zählen: in Or-
ganisations-, Verwaltungs- und Büroberufen, wo sie die Mehrheit
der Beschäftigten stellen.
Tabelle 2
Berufstätige Frauen in der BRD in ausgewählten Berufsgruppen nach
dem Anteil der Frauenberufe im Jahre 1969
Ausgeübter Beruf insges. davon: Frauen
1000 1000 v.H.
Hauswirtschaftliche Berufe 326 322 98,8
Mithelfende Familienangehörige außerhalb
der Land-und Forstwirtschaft 284 261 91.9
Reinigungsberufe 693 573 82,7
Mithelfende Familienangehörige in der
Land-und Forstwirtschaft 860 706 82,1
Gesundheitsdienst 794 589 74,2
Textilherstellung und -Verarbeitung 738 525 71,1
Körperpflege 252 177 70,2
Gaststättenberufe 351 193 55,0
Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe 3982 2143 53,8
Papierherstellung und-Verarbeitung 114 59 51,8
Handelsberufe 2798 1386 49,5
Warenversand und Lagerverwaltung 763 376 49,3
Technische Sonderfachkräfte 211 51 24,2
Elektriker 689 132 19,2
Metallerzeugung und-bearbeitung 1051 165 15,7
Verkehrsberufe 1415 122 8,6
Mechaniker und verwandte Berufe 1971 89 4,5
_____
Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache VI/3689, Bonn 1972, S.
71.
"Im Berichtsjahr 1968/69 konzentrierten sich 88,7% aller weibli-
chen Auszubildenden auf 14 Ausbildungsberufe..., in denen 80,3%
aller weiblichen Erwerbspersonen mit einer betrieblichen Be-
rufsausbildung tätig waren." 79) Hinsichtlich der Entwicklungs-
perspektive heißt es in einer IAB-Untersuchung: "Hinzu kommt, daß
sich diese Verhältnisse in absehbarer Zeit auch nicht ändern
dürften, da die Berufseinmündungen in jüngster Zeit diese Konzen-
tration eher noch verstärken. Von allen Mädchen, die im Berichts-
jahr 1968/69 in Berufsausbildungsstellen eingemündet sind... ent-
fallen sogar 89% auf diese 14 genannten Berufe. Vor allem fällt
auf, daß (abgesehen von der Textilnäherin und der Friseuse) Fach-
arbeiterberufe kaum enthalten sind." 80) Schon kann ein Anstieg
der Ausbildung in traditionellen "Frauenberufen" festgestellt
werden, so beispielsweise in hauswirtschaftlichen Berufen, wo
ihre Zahl von 15.353 auf 20.588 stieg; für einen längeren Zeitab-
schnitt von 1959 bis 1969 bedeutet das eine Verdoppelung. 81)
Wie eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit zeigt, könnten
in der BRD weit mehr Frauen in den technischen Berufen arbeiten,
wenn entsprechende gesellschaftliche Voraussetzungen geschaffen
würden. Anläßlich einer Großerhebung (72 000 Fälle) gaben Vorge-
setzte von Technikern und Ingenieuren an, etwa die Hälfte dieser
Arbeitsplätze könne auch von Frauen eingenommen werden. Es finden
sich jedoch in diesen Berufen weniger als 5% Frauen unter den Be-
schäftigten. 82)
Qualifikation der Beamtinnen, Angestellten und Arbeiterinnen
------------------------------------------------------------
Nur eine Gruppe der erwerbstätigen Frauen hat einen hohen Ausbil-
dungsstand, d i e B e a m t i n n e n, die jedoch nur 2,4%
(1970) aller weiblichen Erwerbspersonen ausmachen. 83) Der Anteil
der Frauen mit erlerntem Beruf u.a. liegt hier bei 96%, durch die
große Zahl der Lehrerinnen ist hier die Akademikerquote am
höchsten.
Geht man dem Ausbildungsstand der einzelnen weiblichen Lohnabhän-
gigengruppen weiter nach, so ergibt sich für die schon oben als
am geringsten qualifiziert gekennzeichneten A r b e i t e r-
i n n e n eine Gliederung nach Leistungsgruppen (in Klammern die
Quoten der männlichen Arbeiter) für die Jahre 1951, 1957 und
1966:
1951 1957 1966
Facharbeiterinnen (LG 1) 12% (58%) 5% (56%) 6% (57%)
angelernte Arbeiterinnen (LG 2) 46% (25%) 47% (29%) 49% (32%)
ungelernte Arbeiterinnen (LG 3) 42% (17%) 48% (15%) 45% (11%)
Konnte bereits durch Daten aus der Industrie aufgezeigt werden,
daß Frauen die Reservearmee gerade für unqualifizierte und leicht
ersetzbare Arbeitskraft sind, so tritt diese Tatsache noch ver-
stärkt im Bereich der gewerblichen Wirtschaft und im Dienstlei-
stungssektor hervor. 84) Während die Arbeiterinnen fast die
Hälfte (44%) aller ungelernten Arbeiter stellten, so betrug ihr
Anteil an den angelernten Arbeitern insgesamt nur noch 23,6% und
bei den Facharbeitern sogar nur 2,2%. 85)
Noch schärfer stellt sich das im Verhältnis zu den Männern nied-
rige Qualifikationsniveau bei weiblichen A n g e s t e l l t e n
dar. Der hohe Anteil der weiblichen Lehrlinge an den kaufmänni-
schen Lehrlingen - 1950: 58,1%; 1960: 61,2%; 1965: 60,2%; 1968:
58,3% 86) - erweckt zunächst einen positiven Eindruck. Dieser
wird jedoch korrigiert durch den Vergleich des Anteils weiblicher
Lehrlinge an qualifizierten technischen Sonderfachkräften und an
unqualifizierten kaufmännischen und nichtgewerblichen Anlernlin-
gen. Der Frauenanteil an technischen Sonderkräften betrug 1969:
31,5%; demgegenüber massierten sich die weiblichen Angestellten
1968 bei den kaufmännischen und sonstigen Anlernlingen mit dem
äußerst hohen Anteil von 96,4%. 87)
Der Untersuchung Mann/Molle über die Schulausbildung kaufmänni-
scherund Verwaltungsangestellter ist zu entnehmen, daß 1964 die
Hälfte der weiblichen kaufmännischen und Verwaltungsangestellten
(49,9) keine oder eine fremde Lehrausbildung hatten. 88) Der er-
hebliche Anteil "branchenfremd" Ausgebildeter ist ein Ausdruck
dessen, daß ihre Arbeitsverausgabung gegen den Inhalt ihrer Ar-
beit gleichgültig ist. Die unspezifische stoffliche Beschaffen-
heit dieser Tätigkeiten entspricht dem Wert eines einfachen
durchschnittlichen Arbeitsvermögens. Daher weist ihre Arbeits-
kraft eine große Variabilität auf und kann vergleichsweise leicht
von einem Produktionszweig in den ändern überwechseln, was bedeu-
tet, daß sie leicht ersetzbar ist.
Die Kombination von geringem Qualifikationsniveau der Frauen,
niedrigem Lohn- und Gehaltsniveau und inferiorer Stellung in der
gesellschaftlichen Organisation der Arbeit spiegelt sich auch in
der Leistungsgruppenstatistik für Angestellte wider. 1969 be-
fanden sich über die Hälfte der weiblichen Angestellten in der
Lohngruppe IV, die charakterisiert ist durch: einfache Tätigkeit,
keine Entscheidungsbefugnisse, abgeschlossene Berufsausbildung.
Auf der untersten Qualifikationsstufe, Lohngruppe V (ungelernte
Tätigkeit) stehen den 10% der weiblichen Angestellten nur 2% der
männlichen gegenüber. Der Schwerpunkt in der Einstufung der männ-
lichen Angestellten liegt auf Lohngruppe III (selbständige Arbeit
nach allgemeinen Anweisungen).
Tabelle 3
Die Qualifikationsstruktur der Angestellten in ausgewählten Wirt-
schaftszweigen und Jahren nach Funktionsgruppen und Geschlecht
(in v.H.).
kaufmännische Angestellte
LG Männer Frauen
I 3,7 4,6 4,7 6,0 0,2 0,2 0,2 1,0
II 15,6 19,6 20,5 22,0 2,6 2,8 2,9 4,0
III 37,4 45,0 46,9 49,0 18,2 22,1 23,6 30,0
I-III
Summe 56,7 69,2 72,1 77,0 21,0 25,1 26,7 35,0
IV 37,3 26,8 24,0 20,0 61,4 59,7 59,2 55,0
V 6,0 4,0 3,9 3,0 17,6 15,2 14,1 10,0
Jahre 1951 1957 1962 1966 1951 1957 1962 1966
technische Angestellte
LG Männer Frauen
I 6,0 4,9 4,9 5,0 0,6 0,5 0,4 1,0
II 25,1 28,7 31,6 29,0 9,3 5,3 4,6 5,0
III 39,2 47,6 46,5 51,0 23,8 26,9 28,6 34,0
I-III
Summe 70,3 81,2 83,0 85,0 33,7 23,7 33,6 40,0
IV 26,5 17,2 15,7 14,0 52,6 53,2 54,2 52,0
V 3,2 1,6 1,3 1,0 13,7 14,1 12,2, 8,0
Jahre 1951 1957 1962 1966 1951 1957 1962 1966
_____
Quelle: Gewerkschaftliche Monatshefte, Köln 11/1972, S. 702.
Wird bei der Qualifikation nach kaufmännischen und technischen
Angestellten differenziert, so zeigen sich beträchtliche Unter-
schiede. Im kaufmännischen Bereich ist das Verhältnis der männli-
chen Angestellten bei den oberen Leistungsgruppen l bis III
(Sachbearbeiter und höher) mit 77% zu 35% für die weiblichen An-
gestellten eindeutig gewichtet. Gravierend ist auch die Diskre-
panz von 85% zu 40% in den oberen Leistungsgruppen des techni-
schen Bereichs, Während die Entwicklung von 1951 bis 1966 für den
kaufmännischen Bereich zeigt, daß die Zunahme des Anteils an
Lohngruppe I bis III bei Männern und Frauen etwa gleich verlief,
wuchs dagegen im technischen Bereich die Anzahl der qualifizier-
ten Männer ungefähr doppelt so schnell wie die der Frauen. Die
Zahl der technischen weiblichen Angestellten in Lohngruppe II war
als einzige der oberen drei Lohngruppen rückläufig. Auch hier ist
die generelle Unterrepräsentation der Frauen in oberen Lohngrup-
pen auffällig. Mehr als die Hälfte der weiblichen Angestellten
sind in den unteren Lohngruppen, dagegen mehr als 2/3 der Männer
in den oberen dreien.
Wenn sich bei weiblichen Angestellten die allgemeine Erhöhung des
Leistungsgruppenniveaus auch wiederfindet, so ist das bei den
Arbeiterinnen nicht der Fall. 89)
Vergleicht man Leistungsgruppen und Alter bei Arbeiterinnen, so
nimmt hier die Qualifizierung mit zunehmendem Alter ab. Relevant
wird hier der Unterschied zwischen der älteren und der jüngeren
Generation: 1966 waren 7,4% der unter 30jährigen Arbeiterinnen in
der Leistungsgruppe l; 53,4% waren in der Leistungsgruppe II und
39,2% in Leistungsgruppe III eingestuft, demgegenüber bei den
über 55jährigen in LG l: 5,3%; LG II: 41,5% und in der LG III:
53,3%. 90) Im Unterschied zu den Arbeiterinnen ist bei weiblichen
Angestellten ein Anwachsen der Qualifikation mit zunehmendem Al-
ter gegeben. Doch die Möglichkeiten, der jeweilige Spielraum, ge-
stalten sich für Frauen und Männer verschieden. 91) Zudem wirkt
sich eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit der Frau dahingehend
aus, daß sie beim Wiedereintritt in den Beruf auf Arbeitsplätzen
mit niederen Qualifikationsanforderungen beginnen müssen.
Aufstiegs- und Weiterqualifikationsmöglichkeiten
------------------------------------------------
lohnabhängiger Frauen
---------------------
Die in dem Bericht der Bundesregierung zur Situation der Frauen
(1966) gegebene Scheinbegründung für die kaum vorhandene Auf-
stiegsmobilität der Frauen wurde von der IG Metall zu Recht kri-
tisiert, denn sie versuchte, die geringen Aufstiegschancen der
Frauen durch ihre kurze Verweildauer im Beruf zu erklären. So
wird die Tatsache verschleiert, daß in der BRD Frauen in mittle-
ren und höheren Positionen selbst in "typisch weiblichen" Beru-
fen, die ihnen traditionell offenstehen, nicht die gleichen Chan-
cen haben. 92) Eine Bestätigung dieser Interpretation liefert
eine Broschüre des DGB: "eine Aussage über die Häufigkeit der Un-
terbrechung der Berufstätigkeit muß eine Ergänzung erfahren hin-
sichtlich der Dauer dieser Unterbrechungen. Hier zeigt sich nun,
daß nur ein relativ kleiner Teil der Arbeitnehmerinnen längere
Zeit ausgesetzt hat. Gut jede achte (13%) ist dem Arbeitsplatz
bei einer einmaligen Unterbrechung länger als 3 Jahre ferngeblie-
ben; gut jede siebte erwerbstätige Frau (15%) bis zu 3 Jahren."
93) Häufig sind die Vorbehalte gegen Öffnung der Aufstiegsmög-
lichkeiten aus der patriarchalischen Auffassung gewonnen, Frauen
seien in erster Linie für Ehe und Familie da. 94) Auch der Mut-
terschaftsurlaub dient in diesem Zusammenhang als Kritikpunkt. In
der BRD ergab eine Untersuchung des Bundesministeriums für Arbeit
und Sozialordnung über den Krankenstand der Frauen zwischen 1950
und 1964 sogar: "die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähig-
keit nach dem Ergebnis der Versicherungsstatistik einer repräsen-
tativen Pflichtuntersuchung betrug 1962 bei den weiblichen Mit-
gliedern (ohne Rentner) 23,1 Tage gegenüber 21,4 Tagen bei den
männlichen Mitgliedern. Die Differenz zuungunsten der Frauen be-
trug also 1,7 Tage und im Jahre 1963 nur 0,3 Tage." 95) Die Un-
terschiede sind minimal, sie "sprechen nicht für eine größere
Morbidität der Frauen, zumal im Durchschnitt der Arbeitsunfähig-
keitstage auch die Arbeitsunfähigkeitstage infolge von Schwanger-
schaft und Geburten enthalten sind." 96) Richtig ist die Fest-
stellung daß die Arbeitsunterbrechungen bei verheirateten Frauen
und Mütter häufiger sind als bei kinderlosen Frauen, Witwen und
geschiedenen, und daß die meisten ledigen eine ebenso lange be-
rufliche Karriere wie Männer haben. So wird die Kürze der beruf-
lichen Tätigkeit der Frauen zum Vorwand, um die ihnen aufgezwun-
genen, äußerst begrenzten Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten
zu legitimieren.
Im allgemeinen verbindet sich aufgrund der Diskontinuität der Er-
werbstätigkeit der Frauen das zunehmende Alter mit einer Dequali-
fizierung. Einer beruflichen Weiterqualifizierung oder Maßnahmen
zur Verhinderung von Dequalifizierung stehen vielschichtige
Schwierigkeiten entgegen, wobei sich objektive Hemmnisse mit sub-
jektiven Barrieren verknüpfen. Auf dem Hintergrund der oben ange-
führten geringen Qualifizierungsmöglichkeiten wird verständlich,
wenn das Ergebnis einer Untersuchung des Arbeitsministeriums lau-
tet: "nur jede zehnte berufstätige Ehefrau zwischen 30 und 59
hofft noch darauf, aufwärts zu gehen. Während sich jeder dritte
Mann dieser Altersgruppe eines Aufstiegs sicher glaubt, meinen
85% der Frauen, es werde sich nicht mehr viel ändern" besonders
deshalb, weil "die größten Feinde der Frau in der Industrie die
Männer sind". 97) "Vom Bundesministerium veranlaßte demoskopische
Untersuchungen belegen diese Sozialtristess: (...) nur die Hälfte
aller alleinstehenden Arbeiterinnen (52%) glaubt, daß ihr beruf-
licher Erfolg in erster Linie von ihrem Können und ihrer Tüchtig-
keit abhängt; fast jede dritte alleinstehende Arbeitnehmerin
(28%) hat bereits die Erfahrung beruflicher Zurücksetzung hinter
dem Manne (...) gemacht." 98)
Der Konkurrenzkampf um leitende Positionen führt zu noch drasti-
scherer Begründung der Ablehnung weiblicher Führungskräfte: "Da
von den infragestehsnden Frauen eines Betriebes im allgemeinen
nur die tüchtigsten und fähigsten sich nach oben durchkämpfen,
müssen die Vorgesetzten in Betracht ziehen, daß ihnen in diesen
Frauen eine scharfe Konkurrenz erwächst. Werden sie dann tatsäch-
lich übertroffen, besteht die Gefahr, daß die anderen Vorgesetz-
ten und Mitarbeiter diese Niederlage als viel schwerwiegender und
vielleicht noch schimpflicher betrachten, als wenn sie ihnen ein
männlicher Vorgesetzter zugefügt hätte." 99) Diese geschilderte
Reaktionsweise entspricht der Behauptung von männlichen Vorge-
setzten: "Ihr Gefühl sage ihnen mit Sicherheit, Frauen als Vorge-
setzte paßten nicht in unser gesellschaftliches System." 100)
Daraus ist zu schließen, daß Frauen ihren Aufstieg nur durch au-
ßergewöhnliche Leistung und starke Behauptungskraft erreichen
können. Doch auch wenn Zugeständnisse bei diesen "Besonderheiten"
gemacht werden, ist ihnen die Teilnahme an Spitzenpositionen ver-
schlossen. Der Aufstieg, der mit einem scharfen Wettbewerb ver-
bunden ist, erfordert von den Frauen eine Identifikation mit den
Gepflogenheiten der Betriebs- und Verwaltungshierarchie. Es ist
denkbar, daß Frauen es ablehnen, in die Pufferfunktionen zwischen
mittlerem Management und Arbeitern oder Angestellten zu kommen;
die Unannehmlichkeiten und Konflikte zu übernehmen, die Meister-,
Abteilungsleiterpositionen u.a. charakterisieren. Um Barrieren,
die dem Aufstieg der Frauen entgegenstehen, zu überwinden, muß
sich die weibliche Lohnabhängige überproportional mit den inner-
betrieblichen hierarchischen Strukturen identifizieren. Zu der
objektiv kaum gegebenen Aufstiegsmöglichkeit gesellen sich die
Resultate der mädchenspezifischen Sozialisation:
- mangelndes Selbstvertrauen (d.h. die Angst, von der Persönlich-
keit her nicht als Vorgesetzter geeignet zu sein)
- fachliche Unsicherheit (wofür die Ursachen in der durchschnitt-
lich geringern Gesamtausbildung und in den Besonderheiten der be-
trieblichen Ausbildung liegen; und in der Förderung, wobei Frauen
in geringerem Ausmaß für qualifizierte Arbeiten angelernt und mit
gehobenen Aufgaben vertraut gemacht werden)
- Ablehnung vermehrter Belastung als Vorgesetzter (von der Be-
fürchtung ausgehend, der Arbeit im Haushalt und der Kindererzie-
hung nicht mehr gewachsen zu sein, da Vorgesetztentätigkeit mit
höherer Konzentration, Verantwortung und unregelmäßigen Arbeits-
zeiten verbunden ist)
- Furcht vor einer möglichen Isolierung durch die Vorgesetztentä-
tigkeit (sie tritt besonders bei Arbeiterinnen hervor, die zur
Vorarbeiterin oder Bandarbeiterin ernannt werden sollen und auf
die Gruppenzugehörigkeit zu ihren vorherigen Mitarbeiterinnen
nicht verzichten wollen)." 101)
Das in der BRD und anderen kapitalistischen Staaten fest veran-
kerte Vorurteil gegenüber der Frau läßt die Frauen entgegen dem
quantitativen Anteil, den sie an der Bevölkerung stellen, zu ei-
ner Minderheit werden, die die auf sie projizierten Eigenschaften
für ihr Selbstbild übernommen hat. Ein Experiment des angelsäch-
sischen Sozialwissenschaftlers Goldberg zeigt, daß die Frauen aus
der Situation der Unterdrückung in den kapitalistischen Gesell-
schaften "Gruppencharakteristiken entwickeln, die denen von Mino-
ritäten und Randexistenzen gleichen". 102) Das meint, daß sie
sich gegenseitig unterschätzen, verachten, nachdem sie die ihnen
in der Gesellschaft entgegengebrachte Verachtung akzeptiert ha-
ben. Ein weiterer Beweis für die z.T. erfolgreiche Beeinflussung
ist, daß viele Frauen sich nicht diskriminiert und unterdrückt
sehen. Die Übernahme des negativen Bildes hat die Funktion, "der
Gefahr einer Zurücksetzung die aus ihrem Widerstand gegen gängige
Klischees erwachsen könnte, zu entgehen." 103)
Ähnliches geht z.B. aus einem Report über weibliche Arbeiter im
Spielzeugwarenwerk Schuco in Nürnberg hervor, der in Auftrag ge-
geben wurde von der Metallzeitschrift "Der Gewerkschafter". Daß
die Gleichberechtigung im Bewußtsein der Frauen noch nicht fest
verankert ist, zeigt sich:
- denn sie "sind der Auffassung, Männern sei die Montagearbeit
von Spielzeugen nicht zumutbar"; "von dem Lohn der Frau kann ein
Mann doch keine Familie unterhalten."
- Frauen über qualifiziertere und verantwortungsvollere Tätigkei-
ten: "sie (die Männer) können die Arbeit besser einteilen und sie
überwachen."
- Frauen über sich und leitende Positionen: "Frauen hören nicht
auf Frauen".
"Merkwürdigerweise hat Schuco einen weiblichen Betriebsratsvor-
sitzenden, doch der weiß: 'ich habe mehr Männerstimmen als solche
von Frauen erhalten. Frauen wählen keine Frauen.'" 104)
In einer vom DGB initiierten Befragung von "Arbeitnehmerinnen"
ist ein Zeichen ihres Interesses am beruflichen Weiterkommen, daß
sie diejenigen Frauen bewundern, die in Politik und Wirtschaft
Karriere machen. So sprechen sich 62% der Arbeiterinnen und 65%
der Angestellten oder Beamtinnen aus. Auf die Frage, ob Frauen zu
bedauern seien, die führende Positionen im öffentlichen Leben in-
nehaben, lautet die Antwort bei 69% der Befragten: Nein. Die Mei-
nung, daß berufliche Karriere der Frau ein Verzicht auf Kinder
nicht impliziert, vertreten 47% der Frauen, gegenteiliger Auffas-
sung sind 30%. 105)
Obwohl auch schon 1968 das Infas-Institut ermittelte, daß 45% al-
ler erwerbstätigen Frauen zu einer Weiterbildung bereit wären,
106) ist die Beteiligung von Frauen an solchen Ausbildungsmög-
lichkeiten auffallend gering. Die Möglichkeit der Weiterqualifi-
kation von Erwachsenen wird allgemein wenig wahrgenommen. Im Mai
1969 nahmen 8.312 Frauen an beruflichen Förderungsmaßnahmen in
der BRD teil; das geht aus den Angaben der "Amtlichen Nachrichten
der Bundesanstalt für Arbeit" hervor. 107) Gemessen an der Ge-
samtzahl erwerbstätiger Frauen waren das 0,1%; ein sehr geringer
Prozentsatz mit 0,2 ist auch bei den männlichen Erwerbstätigen zu
finden. Der Anteil der Frauen, die Fortbildungsmöglichkeiten
wahrnehmen, belief sich 1969 auf lediglich 16,9%. In dem Zeitraum
bis Juni 1972 hat sich die absolute Zahl der sich weiterqualifi-
zierenden Frauen zwar verdreifacht, doch blieb der prozentuale
Anteil mit 16,4% etwa gleich. Die positive Einschätzung der be-
ruflichen Weiterqualifizierung wird insofern eingeschränkt, als
sich auch hier eine Fixierung auf Ausbildungszweige der traditio-
nellen Berufe findet. 1972 bereiteten sich immer noch "42 Prozent
auf Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe vor, und zwar in
der Hauptsache (84%) auf Bürofach- und Bürohilfskräfte und weni-
ger auf qualifiziertere Bürotätigkeiten wie z.B. Buchhalter oder
Datenverarbeitungsfachleute." 108) Schon 1969 hatten sich 47 Pro-
zent dieser Frauen auf Verwaltungs- und Büroberufe konzentriert
und 17 Prozent wählten den Beruf eines Textilherstellers und
-verarbeiters sowie der Handschuhmacher. In den technischen Beru-
fen waren sich weiterqualifizierende Frauen nur zu 2 Prozent ver-
treten. Dem standen 32% der männlichen Teilnehmer in eben diesen
technischen Berufen gegenüber, die außerdem mit 23 Prozent sich
für Metallberufe entschieden und nur mit 13 Prozent für die Aus-
bildung in Verwaltungs- und Büroberufen. Wenn man die durch-
schnittliche Dauer der Fortbildungskurse von 1969 und 1972 mit-
einander vergleicht, ergibt sich eine Tendenz zu kurzfristigen
Kursen. Lediglich 0,9% der weiblichen Teilnehmer entschieden sich
für Maßnahmen mit einer Dauer von 30 Monaten und darüber. 109)
Dieser Zustand kann durch isolierte gesetzgeberische Maßnahmen
wie das Bundesausbildungsförderungsgesetz und das Arbeitsförde-
rungsgesetz nicht verändert werden. Dennoch ist die Unterstützung
der Berufsausbildung durch öffentliche, staatliche Hilfe zu be-
grüßen:
- so kann eine früher abgebrochene Ausbildung zu Ende geführt
werden, was bedeutsam ist, weil etwa jede dritte Lohn- und Ge-
haltsabhängige eine Ausbildung ohne Abschluß hat.
- so sind Eingliederung und Wiedereingliederung in den Beruf mög-
lich, auch wenn der Ehemann nicht bereit ist, die Kosten mitzu-
tragen. Doch müssen solche gesetzlichen Regelungen Papier blei-
ben, da in der BRD immer noch staatliche Sozialeinrichtungen wie
etwa Kinderkrippen, -gärten und Ganztagsschulen fehlen und so die
Realisierungschance von Weiterqualifizierungsmaßnahmen für Frauen
äußerst begrenzt ist. Diese rein rechtlich vorhandenen Möglich-
keiten werden denn auch von Frauen viel seltener wahrgenommen als
von Männern. Die finanzielle Förderung von Umschulungs- und Wei-
terbildungsmöglichkeiten haben das Bildungsprivileg nur geringfü-
gig durchbrochen. Bei einem Höchstsatz von 420,- DM nach dem Bun-
desausbildungsförderungsgesetz ist es nicht verwunderlich, daß
bei langfristigen Bildungsmaßnahmen junge, männliche, ledige
Teilnehmer aus mittlerer und gehobener Angestellten- und Beamten-
schicht überrepräsentiert, gering qualifizierte untere Ange-
stellte (Frauen) jedoch besonders unterrepräsentiert sind. 110)
So ist die Lebensperspektive der überwiegenden Mehrheit der ar-
beitenden Frauen in der BRD in diskriminierender und inferiorer
Stellung frühzeitig vorgezeichnet und auch für spätere Lebens-
jahre sanktioniert.
III. Gesellschaftspolitisches Engagement der Frauen in der BRD
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Für alle kapitalistischen Staaten ist eine geringe Teilnahme der
Frauen am politischen Leben charakteristisch. So sind sie auch in
der BRD, wo sie die Hälfte der Wahlberechtigten stellen, in den
Parlamenten völlig unterrepräsentiert. Noch geringer als im
Reichstag der Weimarer Republik ist ihre Vertretung im Bundestag
der BRD, seit 1965 mit noch weiter sinkender Tendenz. Von den Ab-
geordneten waren 1957: 9,2% und 1965 nur noch 6,5% Frauen. Der
weibliche Anteil an den Abgeordneten im Bundestag und in den Län-
derparlamenten beträgt gegenwärtig 6 bis 7 Prozent, nur 5,4% in
den Stadtparlamenten, und schrumpft in den Gemeindeparlamenten
auf lediglich 1%. 111) Es gibt kaum Untersuchungen in der BRD,
die als zentrale Thematik das politische Bewußtsein der Frauen
behandeln. Solche, die sich mit dem politischen Verhalten der
Frauen befassen, sind nicht zahlreich, sind häufig beschränkt auf
das Wahlverhalten der Frauen, und fassen Frauen herausgelöst aus
Klassen- und Schichtzugehörigkeit als homogene Gruppe nach dem
Merkmal des Geschlechts zusammen. In der Regel wird bei solchen
Untersuchungen nicht über eine phänomenale Ebene hinausgegangen,
häufig werden Ergebnisse festgemacht wie: relativ geringe Wahlbe-
teiligung, Bevorzugung konservativer Parteien, stärkere Rolle der
kirchlich bebundenen Parteien. Durch die Begrenztheit der positi-
vistischen Herangehensweise bieten sich scheinbar beliebige Er-
klärungsmomente an 112), die kaum Perspektiven von Veränderbar-
keit enthalten.
Über den Zusammenhang von beruflicher "Stellung" und Einstellung
zu Parteien gibt eine Erhebung des Instituts für angewandte So-
zial Wissenschaften (Bonn-Bad Godesberg) vom März/April 1968
(Grundlage für die Beratung des Programms des Deutschen Gewerk-
schaftsbundes für "Arbeitnehmerinnen") Auskunft: "Beamte begün-
stigen mehr als drei Mal so häufig die CDU (52%) wie die SPD
(15%). Auch Angestellte präferieren häufiger die CDU (40%) als
die SPD (33%). Bei den Arbeiterinnen steht wieder die SPD vorn.
Der deutliche Vorsprung, den die SPD bei den Facharbeiterinnen
vor der CDU hat (41% zu 34%) schrumpft aber wieder bei den An-
und Ungelernten zusammen (42% zu 38%)." 113) Von der Gruppe der
qualifizierten Lohn- und Gehaltsabhängigen sind es demnach Fach-
arbeiterinnen, die sich am ehesten vom zuvor charakterisierten
Bild des Frauenwahlverhaltens, d.h. von der konservativen und
sogenannten religiös gebundenen Partei, der CDU, zu lösen im-
stande sind. Angesichts ihres zahlenmäßig geringen Anteils von
knapp 10% an den weiblichen Arbeitern und Angestellten kommte
ihre politische Entscheidung nur geringfügig zum Tragen. Positiv
sprechen sich für eine Übernahme politischer Verantwortung aus:
114)
Beamte 37% Abiturienten 45%
Angestellte 21% Mittel- und Fachschüler 27%
Facharbeiterinnen 13% Volksschüler mit Lehre 15%
An- und Ungelernte 7% Volksschüler 6%
Der höhere Qualifikationsgrad steigert die Bereitschaft der weib-
lichen Lohn- und Gehaltsabhängigen zu gesellschaftspolitischem
Engagement. Daß zwischen gewerkschaftlichen und politischen Ein-
sichten und der Wahrnehmung der eigenen Interessen ein Zusammen-
hang besteht, zeigen folgende Ergebnisse: "Beitrittsbereite (25%)
und Mitglieder (23%) erklären sich etwas häufiger bereit, die
Kandidatur für ein lokales politisches Amt zu übernehmen als ge-
werkschaftlich nicht Gebundene (13%)." 115)
Der immer stärker zu Tage tretende Widerspruch zwischen formaler
Gleichberechtigung und tatsächlicher Diskriminierung schafft Kon-
fliktpotential. Auch die Industrie- und Wirtschaftsverbände pro-
pagieren ein die Berufstätigkeit der Frauen bejahendes Leitbild
angesichts zunehmender Erwerbsarbeit der Frauen. Nicht nur aus
ökonomischen Gründen gilt es deshalb, den Frauen in diesem System
Beachtung zu schenken, sondern hinsichtlich der Notwendigkeit ih-
rer politischen und ideologischen Lenkung. Erkennbar ist das Be-
mühen, durch Integration der "Gefahr" zu begegnen, daß sie auf-
merksamer und kritischer ihren eigenen Problemen gegenüber wer-
den. Das offenbart sich z.B. in der Diskussion um Frauenleitbil-
der in Lesebüchern. Die Autoren Silbermann/Krüger lassen ihre In-
tention, auf ein Leitbild zu drängen, das wirklichkeitsnäher,
"pluralistischer", "progressiv-dynamischer" ist, deutlich werden:
"Wer mit offenen Augen die Gänge unserer Universitäten durch-
schreitet oder politische Gespräche junger Leute beobachtet, wer
auf dem Bildschirm Schüler- und Studentendemonstrationen betrach-
tet, dürfte schon längst erkannt haben, wie viele junge Mädchen,
Studentinnen und Frauen als Wortführer für und gegen diese oder
jene strukturellen Veränderungen in unserer Gesellschaft auftre-
ten. Ihre Leitbilder sind sicherlich nicht denjenigen Texten ent-
sprungen, die man ihnen auf der Schule als Lern-Lektüre vorgelegt
hat. Wohl aber mögen es diese Texte gewesen sein, die bei ihnen
später - bewußt oder unbewußt - Reaktionen hervorgerufen haben,
die sich nunmehr zum anderen Extrem hin verdichten." 116) Die
Funktion des neuen Leitbildes ist es, daß einmal die Frauen be-
reitwillig die Doppel- bzw. Dreifachbelastung: Beruf, Kinderer-
ziehung und Haushalt auf sich nehmen. Zum anderen muß die Frau
ihr Unvermögen, der eben genannten Norm zu genügen, als ein Ver-
sagen gegen sich selbst richten. Dieser Mechanismus, sich die
"Schuld" an der Diskriminierung zu geben, findet sich massenhaft
verbreitet. Dem entspricht eine Äußerung von Bundeskanzler
Brandt: "Ich will gewiß nicht die Verantwortung verschieben für
das Mißverhältnis zwischen Grundgesetz und Wirklichkeit. Sicher
ist jedoch, daß es auch von der Einstellung der Mehrheit der
Frauen abhängt, ob die Kluft zwischen dem Verfassungsgebot und
den tatsächlichen Gegebenheiten rasch genug überwunden werden
kann." 117) Solche und ähnliche Darstellungen des neuen Leitbil-
des suggerieren Bedingungszusammenhänge, in denen die tatsächli-
chen Beziehungen gerade auf den Kopf gestellt sind; fälschlicher-
weise erscheinen die (überbetonten) subjektiven Einstellungsmu-
ster als die Diskriminierung der Frau verursachende Faktoren.
118) Der Effekt: "die realen ökonomischen und gesellschaftspoli-
tischen Gründe für die fehlende Gleichberechtigung werden ver-
schleiert und die Systemverantwortung abgeschoben in die Kompe-
tenz der einzelnen Frau." 119) Diese, den Widersprüchen der Er-
scheinungsweise aufsitzende Betrachtung führt dazu, die Form der
Doppelbelastung der berufstätigen Frau unmittelbar als zentrales
Hindernis ihrer geringen politischen Interessiertheit anzusehen.
Bei Helge Pross erscheint dieser Zusammenhang als "Entfremdung
der Frau": "So wenig wie die Hausarbeit verlangen die meisten so-
genannten typischen Frauenarbeiten in Büro und Fabrik die Quali-
täten, die die Qualitäten mündiger Staatsbürger sind. Diese typi-
schen Frauenarbeiten verlangen kaum eigene Initiative, kaum ein
unabhängiges Denken und nicht die Fähigkeit zu sachlicher Kritik.
Das bedeutet, daß diese Arbeiten oder die Mehrheit dieser Arbei-
ten ebenso wie die Hausarbeit nicht eine Erziehung zur Mündigkeit
vermittelt, sondern ein Training zur Anpassung und Bescheidung."
120) Spätestens an dieser Stelle, die mittelbar die Erwartung
ausdrückt, daß im kapitalistischen Betrieb von der Struktur des
Arbeitsplatzes her eine Erziehung zur Mündigkeit möglich sein
könnte, wird die Unkenntnis kapitalistischer Formbestimmtheit der
Produktionsweise evident. In der Untersuchung von M. Heinz werden
viele Komponenten des politischen Bewußtseins der Frauen in der
BRD benannt, sie geht manchen Verästelungen und Verknüpfungsmög-
lichkeiten nach, doch das wichtigste: die Entwicklung der Arbei-
terbewegung in der BRD, wird mit keinem Wort erwähnt.
Ohne hier im einzelnen die kompliziert und vielfältig gebrochene
Geschichte der organisierten Arbeiterbewegung in der BRD nach-
zeichnen zu können, gilt uns doch als gesichert, daß sie den Be-
dingungsrahmen für den lange Zeit geringen Grad der Bereitschaft
der lohnabhängigen Frauen abgibt, entsprechend ihrer objektiven
Klassenlage an dem organisierten politischen und gewerkschaftli-
chen Kampf teilzunehmen. Die besonders für Frauen erschwerenden
Bedingungen bei der Wahrnehmung ihrer Interessen in Formen kol-
lektiven Handelns sind des öfteren angesprochen worden:
- doppelte Ausbeutung am Arbeitsplatz und in der Familie,
- Ausübung gering qualifizierter Berufstätigkeit, mehrheitlich in
Sackgassenberufen als einer scheinbar nur kurzfristigen Arbeit,
- die retardierende Kraft der vorherrschenden Ideologie, die ein
Rollenbild, in dem "Passivität, Unsachlichkeit, Emotionalität,
Mangel an Abstraktionsfähigkeit und technischer Begabung" sowie
"fehlender politischer Verstand" 121) als vorherrschende Eigen-
schaften ausgegeben werden.
Im Zusammenhang mit dem Jahr der Arbeitnehmerin versuchte der DGB
durch Befragungen, Aktionen etc. die Mitgliederwerbung unter den
arbeitenden Frauen zu intensivieren. Bei den Arbeiterinnen ran-
gieren im Organisationsgrad Facharbeiterinnen vor An- und Unge-
lernten, 122) dann sind diejenigen, die länger als 20 Jahre er-
werbstätig sind und die in Großbetrieben Beschäftigten überdurch-
schnittlich repräsentiert. Die Aufschlüsselung einzelner für die
Höhe des Organisationsgrades relevanter Faktoren fördert folgen-
des zutage:
- Familienstand
"Von der Gruppe der nichtorganisierten Arbeitnehmerinnen, bei der
ein Angehöriger Mitglied ist, sind vier von fünf Frauen (81%)
verheiratet. Es ist zu vermuten, daß es sich bei dem weitaus
größten Teil dieser Angehörigen, die Mitglieder sind, um Ehemän-
ner handelt, und daher eine Mitgliedschaft der Ehefrau nicht für
notwendig erachtet wird." 123)
- Einfluß der Betriebsgröße
"In Kleinbetrieben (1-10 Beschäftigte) arbeitet ein gutes Fünftel
aller Arbeitnehmerinnen (22%) und jedes zehnte Gewerkschaftsmit-
glied (11%).
In Mittelbetrieben (11-100 Beschäftigte) arbeiten 30 Prozent al-
ler Arbeitnehmerinnen und 23 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder.
In größeren Betrieben (101 bis 500 Beschäftigte) ist der prozen-
tuale Anteil der Beschäftigten und der Mitglieder fast gleich (18
Prozent).
In den Großbetrieben (über 500 Beschäftigte) hat jede vierte ab-
hängig Beschäftigte ihren Arbeitsplatz (24 Prozent); der prozen-
tuale Anteil bei den Gewerkschaftsmitgliedern beträgt 42 Pro-
zent." 124)
- zeitliche Dauer der Erwerbstätigkeit
"Gewerkschaftsmitglieder stehen relativ häufig langer im Erwerbs-
leben als gewerkschaftlich nicht Gebundene. Während der Anteil
derjenigen, die länger als zehn Jahre erwerbstätig sind, bei den
Mitgliedern 69 Prozent erreicht, beträgt der entsprechende Anteil
bei den nicht gewerkschaftlich Gebundenen nur 53 Prozent." 125)
- die Altersstruktur der weiblichen Mitglieder
"18-24 Jahre: Jede siebte Frau (15 Prozent)
25-34 Jahre: Jede vierte Frau (28 Prozent)
35-49 Jahre: Zwei Fünftel der Mitglieder (38 Prozent)
50 Jahre und älter: Jede fünfte Frau (19 Prozent)
Unterrepräsentiert sind demnach in starkem Ausmaß die 18-
24Jährigen, die obwohl nur zu 15% organisiert, bei den zum Bei-
tritt Bereiten fast ein Drittel (31 Prozent) ausmachen." 126)
Daß für die gewerkschaftliche Arbeit ein nicht genügend genutztes
Feld wichtiger Aufgaben bei den weiblichen Erwerbstätigen liegt,
geht auch aus der gewerkschaftlichen Schulungs- und Bildungsar-
beit hervor. So lag der Anteil der Frauen unter den Teilnehmern
an den dreiwöchigen grundlagenbildenden Lehrgängen 1964 bei nur
6%. 1967 war ihre Beteiligung an diesen Lehrgängen auf 5%, d.h.
570 Frauen herabgesunken. Auch in den folgenden Jahren hat sich
der Prozentsatz der Teilnehmerinnen an den Seminaren gewerk-
schaftlicher Bildungsarbeit nicht wesentlich verbessert. Als Bei-
spiel gelte eine Aufstellung für die IG Metall:
"Teilnehmer an Seminaren der Bildungsstätten der IG Metall: 127)
insgesamt davon Kolleginnen
1970 9.009 572 / 6,35%
1971 10.331 673 / 6,51%
1972 (1. Halbj.) 6.500 393 / 6,04%
So spiegeln sich selbst im DGB die gesamtgesellschaftlichen Bil-
dungsbarrieren der weiblichen Lohn- und Gehaltsabhängigen wider.
1957 war die Zahl der im DGB organisierten Frauen mit 1.077.652
auf einem - bislang - höchsten Niveau. Ihre Zahl sank kontinuier-
lich bis zum Jahr 1967 auf 976.793. In Prozent: der Anteil der
Organisierten ging von 1957 mit 17,3% auf 1965 - 15,7% zurück.
128) Von dem 1968 sehr tiefen Stand des Organisationsgrades:
972.000 stieg ihre Zahl 1969 - 984.000 bis 1970 auf 1.027.000,
d.h. 17%; sie erreichte erst 1972 mit 18,6% einen Stand über dem
von 1957. 129)
Die genannten Schwierigkeiten für den noch sehr begrenzten Orga-
nisationsgrad der Frauen, geben jedoch keineswegs Anlaß,
"Resignation der Arbeiterinnen gegenüber der Organisation" für
"berechtigt" 130) zu halten; objektiv dienen solche Interpreta-
tionen dazu (abgesehen davon, daß der Charakter der Organisation
Gewerkschaft z.T. verkannt wird), Bewußtseinsformen aus vorange-
gangenen Phasen der Klassenkämpfe fortzuschreiben. 131)
Die Praxis der sozialen Kämpfe der vergangenen Jahre dokumentiert
eine wachsende Mobilisierung der Arbeiterklasse zur Verteidigung
ihrer ökonomischen Interessen und zum Kampf um demokratische
Strukturveränderungen der Gesellschaft. Im Zusammenhang damit ist
das gesellschaftliche Selbstbewußtsein und die politische Aktivi-
tät der lohnabhängigen Frauen gewachsen. Wir fragen zunächst, wie
sich die Septemberstreiks von 1969 auf sie auswirkten.
Zunächst ist die mögliche Voreinschätzung, daß Frauen ein die Be-
wegung hemmender Faktor gewesen sein könnten, zu widerlegen. Im
Gegensatz zu den Gruppen der Angestellten oder Meister verhielt
sich die zwar geringe Zahl der beteiligten Frauen eindeutig soli-
darisch. 132) Außerdem - und das ist erstmalig in der Geschichte
der BRD - veränderten die Frauen ihre passive Haltung gegenüber
der Entlohnung, - ohne daß die Gewerkschaft IG Metall initiativ
gewesen wäre, sie war vielmehr, wie durch die Septemberstreiks
überhaupt, von der Aktivität der Mitglieder ihrer Organisation
selbst überrascht. Die spontanen Arbeitsniederlegungen ließen die
Frauen die jahrelang erfahrene Lohndiskriminierung und auch ihr
Mißfallen an der ungenügenden Gewerkschaftspolitik artikulieren,
wie z.B. folgende Zuschriften zeigen:
... "die Stimmung unter den Frauen im Betrieb ist für die Gewerk-
schaft nicht gerade günstig. Sie unterhalten sich alle darüber
und sagen, daß wir schon über zehn Jahre die Leichtlohngruppen
haben, und uns wurde damals gesagt, sie sollten nur eine Über-
gangslösung sein." Und: "Liebe Gertrud, 133) wir bekommen die
Frauen sicherlich nicht zum Streiken, aber das rechtfertigt doch
die Gewerkschaft nicht, einen Teil ihrer Mitglieder ganz zu ver-
gessen. Sicher haben wir an den Lohnerhöhungen teilgenommen, aber
die Kluft zwischen unserem niedrigen Lohn (Gruppe l und II) zu
dem Ecklohn wird doch immer größer.
Es sollten endlich Frauen in Nordrheinwestfalen in der Tarifkom-
mission sein, wenigstens als Gedächtnisstütze, daß die Männer uns
bei den Verhandlungen nicht vergessen. Liebe Gertrud, vielleicht
kannst du einiges dazu tun, daß endlich etwas getan wird." Und:
"Liebe Gertrud Mahnke! Ich habe die Panoramasendung 134) gesehen
über den Frauenlohn. Damit wurde mir richtig aus dem Herzen ge-
sprochen. Nur habe ich mir gedacht: Was tut denn meine Gewerk-
schaft, daß es mit der Frauenentlohnung besser wird? Auf allen
Konferenzen haben wir Anträge auf Verbesserung der Frauenentloh-
nung gestellt. Ich frage nun: Was geschieht mit diesen Anträgen?
Wirft der Vorstand sie in den Papierkorb? Sind wir Frauen als
Mitglieder so wenig wert, daß unsere Forderungen im Vorstand so-
wenig ernst genommen werden? Bitte hilf uns doch und sprich mit
Otto Brenner." 135) Positiv hielt Gertrud Mahnke daher auf der
VII. Frauenkonferenz der IG Metall fest: "Die spontanen Arbeits-
niederlegungen in der Eisen- und Stahlindustrie rüttelten endlich
auch die Frauen auf". 136)
Damit wurde zumindest von einem wenn auch kleinen, so doch akti-
ven Teil der lohnabhängigen Frauen ihre individuelle Erfahrung
verallgemeinert und führte zu gewerkschaftlichem Engagement. Für
diesen Teil ist die Mauer der stummen Mehrheit der Frauen durch-
brochen. Die historische Bedingtheit der Aussagen über das Be-
wußtsein lohnabhängiger Frauen wie z.B. im Ifas-Report erweist
sich: "Wenn auch die Frauen ein tiefes Mißtrauen ihrer Stellung
im Wirtschaftsprozeß gegenüber empfinden, so bleibt es doch unar-
tikuliert. Es äußert sich als Berufsmüdigkeit oder Resignation
und in den überholten Ansichten darüber; daß normalerweise eine
Frau nur für die Familie da zu sein habe. Aber es äußert sich
nicht als Aktion gegen Vorurteile, für die eine reale Basis nicht
mehr besteht." 137)
Die Frage nach dem Wie der Umwandlung der durch schleichende Un-
zufriedenheit wieder ins Private konzentrierten Energie in sol-
che, die sich in aktivem gewerkschaftlichen Handeln nieder-
schlägt, ist gewiß auch die nach offensiver Gewerkschaftspolitik
für die Interessen der Frauen. Nicht zu übersehen bleibt die Tat-
sache, daß arbeitende Frauen seit den Septemberstreiks und ver-
stärkt in der Folgezeit ihre jahrelange Lohndiskriminierung nicht
mehr passiv erleiden, sondern auch, daß sie ein Mißfallen an
diesbezüglich ungenügender Gewerkschaftspolitik artikulieren. Aus
Protokollen der DGB-Kongresse und Bundesfrauenkonferenzen der
Einzelgewerkschaften ist zu entnehmen, daß sich die Erkenntnis
der spezifischen Diskriminierung der Frauen am Arbeitsplatz, in
anderen Lebensbereichen und ihre gesamtgesellschaftliche Bedingt-
heit schon seit geraumer Zeit durchsetzte, doch auf dem halben
Weg der verbalen Parteinahme überwiegend stehen blieb. So kann
von einem kämpferischen Einsatz für die Frauen durch die Gewerk-
schaften noch nicht gesprochen werden, sicherlich mitbestimmt
durch den geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Dennoch:
Es ist z.B. kein Fall bekannt geworden, wo die Gewerkschaften die
Lohngleichheit der Frau mit dem Mittel der Streikandrohung durch-
zusetzen versucht hätten.
Bestimmte Teilerfolge in der Zurückdrängung der Lohndiskriminie-
rung wurden z.B. auf der VII. Frauenkonferenz der IG Metall be-
kannt, wie: Anhebung der unteren Lohngruppen um einige Prozent in
wichtigen Tarifgebieten des Metallbereichs, 138) Verbesserung des
Lohngruppenschlüssels 139) und die ersatzlose Streichung der
Lohngruppen 1 und 2 140). In der Tarifbewegung 1972/73 wurden -
laut Protokoll der VII. Frauenkonferenz der IGM 141) - durch Weg-
fall der unteren Lohngruppen bzw. Anhebung der Relation zum Eck-
lohn weitere Schritte auf dem Wege zur Lohngleichheit unternom-
men.
Seit der Krise 1966/67 verschärften sich die sozialökonomischen
Auseinandersetzungen. Neue ökonomische Krisenmerkmale (inter-
nationale Währungskrise, Preisanstieg, Stagnationstendenzen,
Strukturkrisen) und die partielle Zurückdrängung der schärfsten
Formen des Antikommunismus (speziell durch die Friedenspolitik
der sozialistischen Staaten) trugen weiter zur Desillusionierung
mancher Teile der Arbeiterklasse über den kapitalistischen
Charakter des Gesellschaftssystems der BRD bei. Neue Züge des po-
litischen Engagements bestimmten die Kämpfe der Arbeiterschaft
insgesamt im Jahre 1972. Festzuhalten sind dabei die häufig mit
Arbeitsniederlegungen, Kundgebungen und Demonstrationen verbun-
denen Willenskundgebungen im April/Mai 1972, die als politisches
Votum gegen den Mißtrauensantrag der CDU/CSU und zur Unterstüt-
zung der sozialliberalen Koalition gesehen werden müssen. Wenn
nicht direkt durch die Teilnahme an diesen Aktionen, so kann doch
bei den Frauen ein ähnliches Votum vermutet werden, nicht zuletzt
deshalb, weil - wie Wahlanalysen ergaben - besonders das Wahlver-
halten der Frauen der sozialdemokratisch geführten Regierung im
Winter 1972 zum Erfolg verhalf. 142) Es kann daher als sicher
gelten, daß auch die Frauen viele konkrete Hoffnungen auf merkli-
che Verbesserungen ihres Einkommens und ihrer sozialen Lage mit
der SPD/FDP-Regierung verbanden.
Die durch den Reallohnabbau im wesentlichen motivierten Arbeits-
kämpfe 1973 bezogen auch Frauen in die gewerkschaftlichen und be-
trieblichen Aktionen um Lohnerhöhungen und Teuerungszulagen ein.
Im nordrhein-westfälischen Tarifgebiet der metallverarbeitenden
Industrie wurde durch den Wegfall von Lohngruppe I und der Anhe-
bung von Lohngruppe II ein Schritt vorwärts zur Abschaffung der
verschleierten Frauenlohngruppen getan. Neben Forderungen zur Ab-
wendung der negativen Folgen der Inflation, der Beendigung der
Lohndiskriminierung wurden als qualitativ neue Forderungen solche
zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von den Frauen mit erho-
ben; und zwar bei vielen betrieblichen Aktionen, herausragend
beim "Hella"-Streik in Lippstadt und in Neuss beim Kampf der
"Pierburg"-Belegschaft. Wichtig für diese und die Kämpfe insge-
samt ist die Einbeziehung gerade von ausländischen Arbeitern und
Arbeiterinnen, die sehr aktiv waren und oft auslösend wirkten.
Von Bedeutung für die Aktivierbarkeit der Frauen ist auch, daß,
wie die Streiks 1973 zeigten, die Bewegung sich durch eine grö-
ßere Breite auszeichnete und auf Klein- und Mittelbetriebe aus-
weitete, in denen die Mehrheit der Frauen beschäftigt ist. 143)
Mit der Diversion des einheitlichen Widerstandes durch die herr-
schende Klasse wächst die Bedeutung des ideologischen Kampfes und
der meinungsbildenden Instrumente. Gerade jetzt ist daher eine
Ummünzung der an kapitalistische Verhältnisse gebundenen Frauen-
frage in eine Geschlechterfrage völlig fehl am Platze. Unsere
Darstellung zeigt, daß die Diskriminierung der Frau, als eine
Quelle des Mehrwerts und des Extraprofits, gesellschaftsspezi-
fisch und nicht physiologisch bedingt ist. Es ist ein Trugschluß,
Frauen als eine durch das Merkmal des Geschlechts zusammengehö-
rige separate in sich homogene Klasse anzusehen (so von einigen
Feministinnen in Frauengruppen der BRD inhaltlich vertreten).
Diese Auffassung führt zu der unsinnigen Konsequenz, daß Frauen -
analog zum Befreiungskampf der Arbeiterklasse (die in diesem
Prozeß alle Klassenherrschaft überhaupt aufhebt) - qua eigener
weiblicher Klasse ihre Unterdrückung durch Aufgabe ihres Ge-
schlechts aufheben könnten, und damit das die Menschheit krönende
Ziel erreicht sei. Für eine feministische Argumentation, die sich
gegen das Patriarchat als quasi überhistorisches wendet, scheinen
im ersten Moment für die inferiore Stellung der Frau bezeichnende
Phänomene wie das folgende zu sprechen: "Es sind nämlich vorwie-
gend Männer, die die Arbeit der Frauen als Prüfer, Zeitnehmer,
Einrichter und Meister kontrollieren. Gleich an einem der ersten
Tage sah ich (P. Schneider) so einen Zeitnehmer, wie er sich mit
seiner Stoppuhr neben einer Frau aufstellte, immer abwechselnd
die Hände der Frau mit dem Zeiger auf seiner Uhr vergleichend.
Während der Frau der Schweiß über das Gesicht lief und ihre Au-
gentusche und ihr gemaltes Schönheitspflästerchen in dunklen
Strähnen über die Backen floß ..." 144)
Es kann keine Frage des defaitistischen Ausharrens sein, auch
nicht des wiederholten Bedauerns "solange die Männer nicht erken-
nen" 145), sondern nur des Kampfes, der mit den Männern gemeinsam
zu führen sein wird, damit die Diskriminierung der Frauen zurück-
gedrängt, ja aufgehoben wird. Dabei liegt es zunächst bei den
Frauen, sich über ihre Stellung in der Gesellschaft gegenüber dem
Mann Klarheit zu verschaffen und so an der Befreiung aktiv teil-
zunehmen. Die Verwirklichung der Forderungen der Frauen - auch
von progressiven Kräften im DGB vertreten - ist engstens ver-
flochten mit sozialen Verbesserungen der Lage der Arbeiterklasse
auch außerhalb der Produktion (Infrastruktur, Kindergärten u.a.).
Durchgreifende Erfolge sind jedoch nicht zu erpartnern, sondern
müssen, der Realität des staatsmonopolistischen Kapitalismus ent-
sprechend, in den Zentren politisch-ökonomischer Machtkonzentra-
tion errungen werden. In diesem Rahmen von demokratischen und an-
timonopolistischen Veränderungen ist die nicht systemneutral ver-
standene Mitbestimmung eine wichtige Kampfaufgabe. Der Einsatz
von Frauen in der in der BRD historisch gewachsenen Mitbestim-
mungsbewegung liegt in ihrem objektiven Interesse. Bis jetzt ist
er jedoch auf Diskussionen in den Reihen der gewerkschaftlich-be-
trieblich aktiven weiblichen Interessenvertreter beschränkt. Das
Votum lautet eindeutig für die paritätische Mitbestimmung. So
wurde von den Delegierten der VIII. Frauenkonferenz der IG Metall
einstimmig die Forderung an Bundesregierung und Bundestag ange-
nommen, "umgehend die paritätische Mitbestimmung in den Großbe-
trieben einzuführen und den Wirtschaftsminister von Nordrhein-
Westfalen, Riemer, sowie die FDP dringend anzuhalten, ihre wirk-
lichkeitsfremde Haltung bei der paritätischen Mitbestimmung zu
überprüfen." 146)
Der unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen gegebene
Antagonismus von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen,
der alle politischen und sozialen Bereiche des Lebens durch-
dringt, bringt ein rasches Anwachsen der Zahl der Lohnarbeiter
und eine relative Verschlechterung ihrer Reproduktionsbedingungen
hervor, sowohl der individuellen als auch gesellschaftlichen. Er
akzeleriert, wenn auch nicht in mechanischer Weise, das Bewußt-
sein von der historischen Begrenztheit des Prinzips gesellschaft-
licher Produktion bei privater Aneignung. Ein Ergebnis der Ver-
wertungsbedingungen des Kapitals und der wissenschaftlich-techni-
schen Entwicklung in der BRD ist die wachsende Berufstätigkeit
der Frau, begleitet von ihrem vermehrten Interesse an einer be-
ruflichen Tätigkeit und qualifizierten Ausbildung. Im Verlauf der
weiteren Entwicklung, in der auf der einen Seite durch Diskrimi-
nierung und Ausbeutung Frauen neuen Belastungen und Konflikten
ausgesetzt sind, wächst jedoch andererseits die Potenz der Stär-
kung ihres Selbstbewußtseins und der Erkenntnis ihrer Lage. Sie
wird verknüpft sein mit der vermehrten Einbeziehung der Frauen in
ökonomisch-politische Auseinandersetzungen der Arbeiterklasse
insgesamt. Die daraus gewonnenen Impulse werden zur Forcierung
des Kampfes um Gleichberechtigung beitragen durch seine Verbin-
dung mit dem Einsatz der gesamten lohnabhängig Arbeitenden und
ihrer Gewerkschaften.
_____
1) SOZIALPOLITISCHE UMSCHAU, Bonn, Nr. 162/73, 5.10.1973.
2) FRAUEN UND ARBEIT, Mitteilungsblatt der Abteilung Frauen im
DGB-Bundesvorstand, 11/69, S. 9.
3) DEUTSCHER BUNDESTAG, Drucksache VI/3689, Bonn 1972.
4) Vgl. ebenda S. IX.
5) GEWERKSCHAFTLICHE MONATSHEFTE, Köln, 11/1972, S. 713.
6) UNSERE ZEIT, Nr. 5, 2.2.1973, S. 18.
7) SOZIALPOLITISCHE UMSCHAU, a.a.O. Nr. 28/73, 23.2.1973.
8) DEUTSCHER BUNDESTAG, a.a.O., S. 5.
9) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., 9/1972, S. 6.
10) UNSERE ZEIT, Nr. 43, 20.10.73, S. 18.
11) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., 11/69, S. 9.
12) IG Metall: (Hrsg.) SO IST ES GEWORDEN, Der Weg zur Gleichbe-
rechtigung der Frau in Deutschland, 2. Aufl., Dortmund 1969, S.
49.
13) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., 11 /69, S. 4.
14) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD 1950-1970, Teil II, Sozi-
alstatistische Analyse, in: Beiträge des IMSF, Frankfurt 1973, S.
493, Tabelle 4. 1/2: Weibliche Erwerbspersonen nach der Stellung
im Beruf.
15) Helmut Steiner: SOZIALE STRUKTURVERÄNDERUNGEN IM MODERNEN KA-
PITALISMUS, Berlin 1967, S. 20 f.
16) Der Terminus "Abhängige" ist von "Abhängigkeit" im marxisti-
schen Sinne jedoch verschieden, da die bürgerliche Statistik sich
nur an dem formalen Status der Beschäftigten orientiert, aber
nicht an ihrer Funktion im Reproduktionsprozeß. So sind unter den
formell Abhängigen" auch Erwerbstätige, die qua Funktion der
Bourgeoisie zuzuordnen wären. Da jedoch die Zahl der Frauen in
leitenden und hochqualifizierten Berufen gering ist und sie so
gut wie ausschließlich auf den untersten Sprossen der Unterneh-
mens- und Staatshierarchie zu finden sind, ist der Teil der
"Abhängigen" in der bürgerlichen Statistik überwiegend identisch
mit den tatsächlich Abhängigen in marxistischem Sinne, d.h. der
zur Arbeiterklasse zu Zählenden.
17) Zur Entwicklung der Erwerbsquote der Frauen (Anteil der er-
werbstätigen Frauen an der weiblichen Wohnbevölkerung) siehe:
KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR... a.a.O., S. 495, Tabelle 4. 1/3.
18) "Zur Situation der erwerbstätigen Frau in der BRD" in: MAR-
BURGER BLÄTTER, Nr. 8, 1971.
19) Vgl. KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, a.a.O., Tabelle 4.
1/4: Erwerbstätige Mütter nach der Zahl ihrer Kinder unter 18
Jahren.
20) Ebenda, S. 498.
21) Ebenda.
22) Vgl. KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, a.a.O., S. 500, Ta-
belle 4. 1/6 Beschäftigte Heimarbeiterinnen.
23) "Zur Lage der Frauen in der BRD", in: IPW-BERICHTE, Berlin,
4/73, S. 58.
24) Vgl. GEWERKSCHAFTSPOST, Hannover, 5/1971, S. 17.
25) Vgl. "Zur Lage der Frauen in der BRD", a.a.O., S. 58.
26) DGB-INFORMATIONSDIENST, ID Nr. 4, 1972, 17.8.72, "Theorie und
Aktion", Mädchen im Betrieb, S. 24.
27) Untersuchung des Instituts für angewandte Sozialwissenschaf-
ten 1968 in: FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., 11/69 S. 20.
28) Ebenda.
29) Vgl. "Frau - Gesellschaft - Gewerkschaft" (Ergebnis eines re-
präsentativen Querschnitts von 1011 Arbeitnehmern über 18 Jahre,
(durchgeführt vom INFAS 1968) in: FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O.,
11/69.
30) Ebenda S. 11.
31) Ebenda S. 15.
32) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, a.a.O., S. 504.
33) Ebenda S. 506.
34) Ebenda S. 507, vgl. Quellenangabe der Tabelle 4. 1/9.
35) Ebenda S. 508.
36) Ebenda S. 187, vgl. Tabelle 3.0/17: Arbeiter nach Leistungs-
gruppen in ausgewählten Industriezweigen 1951 bis 1966 (in v.H.).
37) Jutta Menschik: GLEICHBERECHTIGUNG ODER EMANZIPATION? Die
Frau im Erwerbsleben der Bundesrepublik, Frankfurt 1971, S. 125.
Eine Besprechung dieses Buches ist in SOPO 17/1972 erschienen.
38) Ulrike Meinhof: "Falsches Bewußtsein", in: EMANZIPATION UND
EHE, S. 43.
39) Ebenda S. 40.
40) Ebenda.
41) UNSERE ZEIT, Nr. 2 vom 12.1.1973, S. 18.
42) DER SPIEGEL, Nr. 5 vom 25.1.1971, S. 45.
43) UNSERE ZEIT vom 22.3.1974, S. 13.
44) Jutta Menschik: a.a.O., S. 97.
45) Ulrike Meinhof: "Frauen sind billiger", Ein Bericht über
Frauenlöhne und Frauenarbeit in der Industrie, in: FRANKFURTER
HEFTE, 6/1967, S. 404.
46) DER SPIEGEL vom 25.1.1971,8. 38.
47) Ebenda S. 45.
48) J. Rutenfranz: ÜBERLEGUNGEN ZUR ARBEITSMEDIZINISCHEN BEWER-
TUNG SOGENANNTER "LEICHTER" FRAUENARBEIT, Frankfurt/M. 1970, S.
28.
49) Die offizielle Arbeitslosenstatistik spiegelt die Realität
nicht getreu wieder. 1) sind Frauen durch Freisetzung weiblicher
Arbeitskräfte aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden ohne als Ar-
beitslose erfaßt zu werden. 2) waren insbesondere Ausländerinnen
von der konjunkturellen Arbeitslosigkeit betroffen, die z.T. ohne
sich arbeitslos zu melden, in ihre Herkunftsländer zurückkehrten.
Weitere Erklärungen sind, daß infolge eines kurzen Arbeitsver-
hältnisses (bis 3 Monate), durch das kein Anspruch auf Arbeitslo-
senunterstützung geltend zu machen ist, und durch Teilzeitbe-
schäftigung, die nicht der Sozialpflichtversicherung unterliegt,
Frauen nicht in der Arbeitslosenstatistik erschienen. Auch wirkt
sich das Bewußtsein der Frauen von ihrer Arbeit als einer vor-
übergehenden dahingehend aus, daß sie keinen Anspruch geltend ma-
chen, und manchen diese Einrichtung unbekannt geblieben ist. Vgl.
KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, a.a.O., S. 501.
50) STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR DIE BRD 1952, Stuttgart - Köln
1952, S. 88-89; ARBEITS- UND SOZIALSTATISTISCHE MITTEILUNGEN,
Bonn, 2/1972, S. 204-205.
51) B. Kaufhold, R. Melke, F. Sandow: "Veränderungen in der Qua-
lifikationsstruktur der Industriearbeiterschaft", in: IPW-BE-
RICHTE Nr. 2, 1972, S. 18.
52) S. Herkommer: RATIONALISIERUNG UND MECHANISIERUNG, München
1970, S. 196.
53) Vgl. G. Brandt, J. Kootz, G. Steppke: ZUR FRAUENFRAGE IM KA-
PITALISMUS, Frankfurt/M. 1973, S. 123.
54) Vgl. IPW-BERICHTE 2/1972, S. 19.
55) B. Kaufhold, u.a., a.a.O., S. 17.
56) Autorenkollektiv der FKP und der Zeitschrift "economie et po-
litique": DER STAATSMONOPOLISTISCHE KAPITALISMUS, Frankfurt 1972,
S. 45.
57) K. Marx: DAS KAPITAL, I, MEW Bd. 23, S. 661.
58) W. Abendroth zitiert in : DER SPIEGEL, S. 50, Nr. 5,
25.1.1971.
59) E. Wisselinck (Hrsg.): DIE UNFERTIGE EMANZIPATION, Die Frau
in der veränderten Gesellschaft, München 1965, S. 54.
60) Marianne Konze (Hrsg.): FÜR DIE BEFREIUNG DER FRAU, Frank-
furt/M. 1972, S. 58.
61) RICHTLINIEN FÜR DIE ERZIEHUNG UND DEN UNTERRICHT IN DEN KLAS-
SEN 7 bis 10 der Realschule, Hamburg 1969, S. 2.
62) Vgl. KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR..., a.a.O., Tabelle 4. 1/10:
Schülerinnenanteil an Schülern verschiedener Schularten.
63) Ebenda S. 509f.
64) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., 11/69,8. 19.
65) Für die Gymnasien: "...stellten Mädchen 1962 noch 41 Prozent
der Quartaner, so waren es unter den Abiturienten lediglich 36
Prozent; von den Schülerinnen des 7. Schuljahres, die ein Gymna-
sium besuchten, erreichten 44 Prozent die Oberprima. Bei den Jun-
gen waren es 55 Prozent." (H. Pross: ÜBER DIE BILDUNGSCHANCEN DER
MÄDCHEN IN DER BUNDESREPUBLIK, Frankfurt/M. 1969, S. 30).
66) Ebenda S. 56.
67) Klassen- und Sozialstruktur der BRD, a.a.O., S. 511.
68) Ebenda S. 510, Studentinnenanteil an den Studierenden, Ta-
belle 4.1/11.
69) Ebenda S. 510.
70) DEUTSCHER BUNDESTAG, Drucksache VI/3689, a.a.O., S. 1.
71) "Zur Lage der Frauen in der BRD", a.a.O., S. 56; Einheit,
Bochum 1/1972.
72) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR.... a.a.O., S. 512; Tabelle
4.1/12, Weibliche und männliche Erwerbstätige nach dem Stand der
beruflichen Ausbildung im April 1964.
73) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR ..., a.a.O., S. 512.
74) "Zur Lage der Frauen in der BRD", a.a.O., S. 56.
75) ARBEITS- UND SOZIALSTATISTISCHE MITTEILUNGEN, 1955, S. 428;
STATISTISCHES JAHRBUCH DER BRD 1970, S. 129
76) MITTEILUNGEN AUS DER ARBEITSMARKT- UND BERUFSFORSCHUNG, Nr.
3/1971,5. 340.
77) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR ..., a.a.O., S. 515.
78) STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND,
Bonn 1972, S. 132.
79) GEWERKSCHAFTLICHE MONATSHEFTE, Nov. 1972, S. 706.
80) H. Hofbauer: "Potentielle Berufsfelder für Frauen", MITTEI-
LUNGEN AUS DER ARBEITSMARKT- UND BERUFSFORSCHUNG, Nr. 3/1971, S.
339.
81) STATISTISCHES JAHRBUCH FÜR DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND,
Bonn 1961, S. 153; ebenda 1969, S. 132; ebenda 1972, S. 132.
82) MITTEILUNGEN AUS ARBEITSMARKT- UND BERUFSFORSCHUNG, Nr.
2/1971, S. 336 f.
83) Vgl. FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., S. 12; KLASSEN- UND SOZIAL-
STRUKTUR DER BRD, a.a.O. S. 513.
84) KLASSEN- UND SOZIALSTRUKTUR DER BRD, a.a.O., S. 515.
85) Vgl. ebenda S. 187, Tabelle 3.0/15: Industriearbeiter
(einschl. Bauindustrie und -handwerk) nach Leistungsgruppen (in
v.H.).
86) ARBEITS- UND SOZIALSTATISTISCHE MITTEILUNGEN, Jg. 1955, S.
428; STATISTISCHES JAHRBUCH DER BRD, Jg. 1962, S. 153; Jg. 1967,
S. 153; Jg. 1970, S. 129.
87) STATISTISCHES JAHRBUCH DER BRD, S. 13; ARBEITS- UND SOZIAL-
STATISTISCHE MITTEILUNGEN, Jg. 1962, Beilage und Jg. 1970,
Beilage.
88) Mann/Molle: DER FUNKTIONSWANDEL KAUFMÄNNISCHER ANGESTELLTER
DES BÜRO- UND VERWALTUNGSBEREICHS IN BERUFSPOLITISCHER SICHT.
Köln/Opladen 1964, S. 32.
89) KLASSEN-UND SOZIALSTRUKTUR, a.a.O., S. 515.
90) Fachserie 11, PREISE, LÖHNE, WIRTSCHAFTSRECHNUNGEN, Reihe 17:
Gehalts- und Lohnstrukturerhebungen, I: Gewerbliche Wirtschaft
und Dienstleistungsbereich, Arbeitgeberverdienst 1966, Stutt-
gart/Mainz 1970, S. 19.
91) Ilse Alex zitiert in: GEWERKSCHAFTLICHE MONATSHEFTE, a.a.O.,
S. 717.
92) "Stellungnahme zum 'Bericht der Bundesregierung über die Si-
tuation der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft' ", IG ME-
TALL, S. 22.
93) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., S. 10.
94) Rolf Wagner, Otto Kröner, Heinz Neubert: DIE FRAU IM BERUFS-
LEBEN, in: Jutta Menschik: a.a.O., S. 116.
95) Ebenda.
96) Ebenda.
97) Vgl. DER SPIEGEL, a.a.O., S. 46.
98) DER SPIEGEL, a.a.O., S. 38.
99) Horst Laube: FRAUEN ALS VORGESETZTE, Förderung der Frauenar-
beit (RKW), Bad Harzburg und Frankfurt/M. S. 19.
100) Horst Laube, a.a.O., S. 16.
101) Horst Laube, zitiert nach Jutta Menschik, a.a.O., S. 118.
102) Kate Millett: SEXUS UND HERRSCHAFT, S. 69.
103) W. Nitsch, zitiert nach MARBURGER BLÄTTER, a.a.O., S. 21.
104) BERLINER EXTRA-DIENST, Westberlin Nr. 63/VI vom 9.8.1972,
S. 4 f.
105) Vgl. FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O., S. 4 f.
106) Vgl. "Protokoll der 6. Bundesfrauenkonferenz des Deutschen
Gewerkschaftsbundes", Düsseldorf, zitiert in: H. Deppe-Wolfin-
ger/J. v. Freyberg: "Materialien zur sozialen Lage der Frauen in
BRD und DDR" in: BRD-DDR VERGLEICH DER GESELLSCHAFTSSYSTEME, Köln
1971, S. 325.
107) Ursel Schmitz: ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNGSSTRUKTUR
LOHNABHÄNGIGER FRAUEN IN DER BRD VON 1950 BIS 1970, unveröffentl.
Magisterarbeit, Marburg 1973, S. 53.
108) Ebenda S. 54.
109) Ebenda S. 53 f.
110) SOZIALPOLITISCHE UMSCHAU vom 29.10.1971, zitiert nach: MAR-
XISTISCHE BLÄTTER 6/1973, S. 57.
111) Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG, Drucksache V/909, a.a.O., S. 319
f.; sowie M. Fülles: FRAUEN IN PARTEI UND PARLAMENT, Köln 1969,
S. 70; in: IPW-BERICHTE 4/73, S. 60.
112) Vgl. Gabriele Bremme: DIE POLITISCHE ROLLE DER FRAU IN
DEUTSCHLAND, Göttingen 1956. Sie bezieht nur verschiedene Er-
scheinungsformen aufeinander, wie z.B. diejenigen, daß weibliche
Wahlberechtigte stärker reagieren bei genereller Zu- oder Abnahme
der allgemeinen Wahlbeteiligung. Diese Art der Verknüpfung von
Phänomenen ist von M. Heinz treffend als Ersatz jeglicher Erklä-
rung interpretiert worden.
113) FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O. 11/1969,8.23.
114) Ebenda S. .21.
115) Ebenda.
116) Alphons Silbermann/Udo Michael Krüber: ABSEITS DER WIRKLICH-
KEIT. Das Frauenbild in deutschen Lesebüchern, Köln 1971, S. 37.
117) "Ansprache des Bundeskanzlers auf dem Frauenkongreß des DGB
in Kassel am 11. Juni 1971", zitiert in: M. Konze (Hrsg.): FÜR
DIE BEFREIUNG DER FRAU, a.a.O., S. 136.
118) Im Ansatz gleichgelagert ist die Untersuchung von M. Heinz
ÜBER DAS POLITISCHE BEWUSSTSEIN VON FRAUEN IN DER BRD, die in ih-
rem Bemühen, Erklärungszusammenhänge aufzuzeigen und "die Fremd-
heit zwischen der Masse der Frauen und den demokratischen politi-
schen Institutionen" nicht nur als "ein Überbleibsel aus schlech-
ter Vergangenheit" zu interpretieren bereit ist, sondern als "ein
Strukturproblem der bestehenden Gesellschaft" (H. Pross: Geleit-
wort in M. Heinz: a.a.O., S. 5) damit über die Begrenztheit ande-
rer Untersuchungen zu diesem Thema hinausweist. Offenbar geprägt
durch Horkheimer und andere Vertreter der Frankfurter Schule ist
es ihr jedoch nicht möglich, diesen Ansatz durchzuhalten, viel-
mehr begnügt sie sich mit Hinweisen auf negative Auswirkungen der
Sozialisation in Familie und anderen Sozialisationsinstanzen. Daß
dieser theoretische Mangel weitere Fehlerquellen in sich birgt,
ja indirekt (wenn auch nur andeutungsweise) feministischer Argu-
mentation Vorschub leistet, zeigen ihre Ausführungen zu den ge-
ringen beruflichen Aufstiegschancen, die sie als "nicht zuletzt
aus der männlichen Prägung der Außenwelt" (M. Heinz, a.a.O., S.
90) resultierend beurteilt.
119) M. Konze: FÜR DIE BEFREIUNG DER FRAU, a.a.O., S. 137.
120) M. Heinz: ÜBER DAS POLITISCHE BEWUSSTSEIN... a.a.O., S. 90.
121) Vgl. H. Pross: ÜBER DIE BILDUNGSCHANCEN..., a.a.O., S. 40.
122) Vgl. "Frau - Gesellschaft - Gewerkschaft", S. 24f. in:
FRAUEN UND ARBEIT, a.a.O. 11/1969, zitiert in: G. Brandt u.a.:
ZUR FRAUENFRAGE IM KAPITALISMUS, a.a.O., S. 154.
123) FRAUEN UND ARBEIT, 11/96, S. 2.
124) Ebenda S. 3.
125) Ebenda S. 10.
126) Ebenda S. 2.
127) PROTOKOLL DER 8. FRAUENKONFERENZ DER IG METALL, Frankfurt/M.
1973, S. 133.
128) DIE FRAU IM STAAT, IM HAUSHALT UND FAMILIE, Ein Zahlenbe-
richt aus der amtlichen Statistik zitiert nach H. Deppe-Wolfinger
/ J. v. Freyberg, a.a.O., S. 330 f.
129) BERICHT DER BUNDESREGIERUNG ÜBER DIE MASSNAHMEN ZUR VERBES-
SERUNG DER SITUATION DER FRAU, Tabelle Nr. 8, S. 112.
130) G. Brandt, u.a.: ZUR FRAUENFRAGE IM KAPITALISMUS, a.a.O., S.
154.
131) Die "Berechtigung der Resignation" erscheint als von den Au-
toren G. Brandt u.a. zurückgeführt auf Ergebnisse einer Erhebung
von 1968 bei der die Mehrheit (72%) der Arbeiterinnen
"Desinteresse" an Gewerkschaften äußerten, 40% zutreffende Anga-
ben bezüglich der Aufgabe von Gewerkschaften machten und 7% eine
direkte Ablehnung äußerten (vgl. "Frau - Gesellschaft - Gewerk-
schaft", a.a.O., S. 24 f).
132) Vgl. die Darstellung der Krupp-Widia-Fabrik Essen mit 70%
Frauenanteil in der bestreikten Hartmetallabteilung in: DIE SEP-
TEMBERSTREIKS 69, Frankfurt/M. 1969, S. 104.
133) Gertrud Mahnke, Vorstandsmitglied der IG Metall (zur damali-
gen Zeit).
134) Eine die Empörung bestärkende Fernsehsendung "Panorama"
wurde vom ARD am 8.9.1969 unter dem Titel "Ist Frauenarbeit weni-
ger wert? " ausgestrahlt.
135) PROTOKOLL DER 7. FRAUENKONFERENZ DER IG METALL, Frank-
furt/M., S. 166.
136) Ebenda.
137) Zitiert von Anke Fuchs in: PROTOKOLL DER 8. FRAUENKONFERENZ
DER IG METALL, Frankfurt/M. 1973, S. 133.
138) Schleswig-Holstein, Bayern, Hessen, Bremen/Bremerhaven.
139) Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Berlin.
140) Tarifgebiet Lippe, Nordrhein-Westfalen.
141) PROTOKOLL DER 8. FRAUENKONFERENZ..., a.a.O., S. 285 f.
142) Ebenda S. 141.
143) DKP-Bezirkssekretariat Ruhr-Westfalen: "Zur Einschätzung der
Sommerstreiks 1973", in: FACIT 32, Dez. 1973, S. 16 ff.
144) P. Schneider: FRAUEN BEI BOSCH, zitiert nach G. Brandt u.a.:
ZUR FRAUEN-FRAGE IM KAPITALISMUS, a.a.O., S. 139.
145) G. Brandt u.a.: ZUR FRAUENFRAGE..., a.a.O., S. 139.
146) PROTOKOLL DER 8. FRAUENKONFERENZ, a.a.O., S. 344 f.
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