Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1974

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       Wulf D. Hund und Dieter Kramer
       

FÜR EINE MATERIALISTISCHE THEORIE DER KULTUR

1. Einleitung ------------- Die zynische Proklamation Steinbuchs, es sei die "menschliche Kultur mit ihren wissenschaftlichen, moralischen und künstleri- schen Leistungen ... das Werk einer erstaunlich geringen Anzahl von Menschen" 1) und die hintergründige Provokation der Brecht- schen-Frage "Wer baute das siebentorige Theben? / In den Büchern stehen die Namen von Königen. / Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? " 2) bringen in ihrer Widersprüchlichkeit zwei grundsätzliche Auffassungen von Kultur zum Ausdruck. Der Kultur- begriff, wie er heute dem bürgerlichen Kopf entspringt, ist eng gefaßt und elitär. Kulturelle Aktivität ist seiner Meinung nach Privileg einer kleinen Minderheit der gesellschaftlichen Indivi- duen. Sie wird verstanden als Ausdruck geistiger Potenz, die in der schöpferischen Tätigkeit von Genies ihren Niederschlag finde. Kultur ist demnach wesentlich ideell, transzendentale Sinngebung einer ansonsten öden Welt. Gegen diese auf Idealismus gründende Ansicht stellt der historische Verstand die Einsicht von der for- mationsspezifischen Prägung aller Kultur. Gemäß seiner Auffassung trägt in den Klassengesellschaften auch die Kultur Klassencharak- ter. Der schöpferische Anstrich kultureller Objektivationen ist also immer auch Tünche für die Verkrüppelung der schöpferischen Möglichkeiten großer Massen der gesellschaftlichen Individuen. Das freie Spiel des Geistes baut auf herrschaftliche Unterjochung der Arbeit. Dies zeigt der Materialismus in der Kulturwissen- schaft. Wenn neuderdings Anstrengungen sichtbar werden, den Begriff der Kultur im Rahmen bürgerlicher Ideologie zu erweitern, so ist dies keineswegs Anzeichen für ein Verblassen des grundsätzlichen Ge- gensatzes idealistischer und materialistischer Kulturauffassung. "Wir fassen den Kulturbegriff weiter als es bisher üblich war" - verkündete z.B. Scheel im Verlauf einer Debatte über auswärtige Kulturpolitik: "Wir müssen den bisher gültigen ästhetisch-akade- mischen Rahmen sprengen und die Kulturarbeit auf alle Bereiche internationaler und gesellschaftlicher Zusammenarbeit erstrecken. Kultur ist kein Privileg mehr für wenige, sondern ein Angebot für alle. Wir dürfen nicht in Ehrfurcht vor Dürer, Bach und Beethoven sitzen bleiben; wir müssen Interesse aufbringen für brennende Fragen der Gegenwart, darunter Erwachsenenbildung, Bildungshilfe, Schulreformen, Umweltprobleme". 3) Äußerungen wie diese lassen auf verstärkte Anstrengungen der Bourgeoisie schließen, Kulturpolitik als strategische Waffe im Klassenkampf zu benutzen. 4) Dabei sind zwei Bereiche maßgeblich: 1. Außenpolitisch versuchen die entwickelten kapitalistischen Staaten, insbesondere auch die BRD, den "Lebensstil des Indu- striezeitalters" zu exportieren. Dies geschieht a) in Form kul- turimperialistischer Manöver gegenüber der Dritten Welt. Sowohl die strukturelle wie die iedeologische "Entwicklungshilfe" - er- stere orientiert an den Normen kapitalverwertender Warenproduk- tion, nicht an der historisch gewordenen Infrastruktur der ein- zelnen Länder, die zweite darauf abgestellt, in Form von Bil- dungsinstitutionen, Vergabe von Studienplätzen usw. im Rahmen der sekundären Sozialisation "kolonisierte Intellektuelle" 5) zu eu- ropäisieren - sind von daher Bestandteil auswärtiger Kulturpoli- tik; b) in Form der Systemkonkurrenz mit der sozialistischen Kul- tur. Allgemein sind die Praktiken des "Kulturaustausches" hier einzuordnen. Speziell gehören auch Versuche der Fortführung des kalten Krieges hierher, wie sie etwa in der Maxime von den zwei "Staatsnationen" einer "Kuiturnation" auf deutschem Boden zum Ausdruck kommen. 6) 2. Innenpolitisch muß reagiert werden auf die immer neuen Gren- zen, an die die Logik ihrer kapitalistischen Entwicklung die bür- gerliche Gesellschaft führt. In diesem Zusammenhang findet sich ebenso das Problem der - H u m a n i s i e r u n g d e r A r b e i t s w e l t 7) (- produziert durch den wachsenden Widerstand der lebendigen Arbeit gegen ihre Aussaugung im Produktionsprozeß - sei es passiv durch hohen Krankenstand, häufigen Arbeitsplatzwechsel, hohe Ausschuß- quoten, sei es aktiv durch zunehmende Kampfbereitschaft, spontane Arbeitniederlegungen, Aufnahme der Problematik in die Gewerk- schaftspolitik -); wie die Frage des - U m w e l t s c h u t z e s 8) (- aufgeworfen durch die schrankenlose Profitgier des Kapitals, ideologisch verzerrt wie- derkehrend in einer Politik, die "alle Gruppen und Kräfte der Ge- sellschaft" auf "umweltfreundliches Verhalten" 9) verpflichten will -); oder die Phrase von der - "Q u a l i t ä t d e s L e b e n s" 10) (- die in ihrer klassenneutralen Formulierung das kulturideologische Pendant zur Sozialideologie der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" ist -). Diesen ideologischen Bemühungen steht im realen Sozialismus eine kulturelle Alternative gegenüber. Mit dem Aufsatz "Die Oktoberre- volution als ein neues kulturelles Zeitalter" 11) eröffnete die Pravda nicht nur die Diskussion über die Probleme einer neuen Kultur. Der Aufbau des Sozialismus war gleichzeitig auch der praktische Aufbau einer neuen Kultur. 12) Die zunehmenden kulturellen Aktivitäten des Imperalismus einer- seits wie der Aufbau einer sozialistischen Kultur andererseits haben die bürgerliche Kulturwissenschaft zu neuem Leben erweckt. Sowohl zu Problemen staatsmonopolistischer Kulturpolitik 13) wie zur konkurrierenden sozialistischen Kultur 14) häufen sich die Untersuchungen und propagandistischen Stellungnahmen. In diesem Zusammenhang kommt der Diskussion des materialistischen Begriffs der Kultur zentraler Stellenwert zu. Das gilt sowohl für die kul- turellen Anstrengungen der sozialistischen Staaten, als auch für die Grundlegung einer demokratischen Kulturpolitik und den kul- turpolitischen Kampf im Kapitalismus. Ihre Effektivität garan- tiert sich allein nicht durch politisch-moralische Forderungen, sondern durch politisch-wissenschaftliche Argumentation und Ak- tion. Mit Recht insistiert Cullmann darauf, Kultur sei "keine für sich existierende Sache, die unabhängig von der Umwelt nur im 'Geistigen' besteht, sondern Kultur leitet sich ab aus dem tägli- chen Leben der Menschen." 15) Ausgehend von dieser Einsicht soll im folgenden versucht werden, die Grundelemente materialistischer Kulturtheorie zu skizzieren. 16) ... 2. Der materialistische Kulturbegriff ------------------------------------- 2.1. Kultur und Überbau ----------------------- Die gegenwärtige bürgerliche Kulturtheorie versteht Kultur - mit oder ohne Bezug auf das Begriffspaar "Basis und Überbau" - als dem Überbau zugehörig. Sie hat nach einer in der Kulturge- schichtsschreibung am längsten weiterlebenden Phase der Verwen- dung eines relativ weiten Kulturbegriffes vom Ende des 19. Jahr- hunderts an begonnen, Kultur als geistige und sittliche Entfal- tung des Individuums zu trennen von der Entwicklung der Produk- tivkräfte und der "materiellen " Kultur. Letztere wurden dem Be- reich der "Zivilisation", der lediglich instrumentellen Vervoll- kommnung der Naturbeherrschung zugeschlagen. Der Fortschritt auf diesem Gebiet wurde negativ bewertet von dem Zeitpunkt an, zu dem das Bürgertum das Vertrauen in den in seiner Aufstiegsphase von ihm selbst Geschworenen Fortschritt verlor, sobald und weil das Proletariat als realer Überwinder der bürgerlichen Gesellschaft auftrat. Kultur wurde ein nur noch im Bereiche des Geistes sich abspielender Prozeß, der immer mehr elitäre Züge annahm und immer mehr des Elementes Fortschritt entkleidet wurde, so daß es schließlich aus bürgerlicher Kulturtheorie völlig eliminiert war. Für die bürgerliche Kulturtheorie wurde Kultur zur Erhebung der Seele über die Knechtschaft des Leibes, Feiertag des Geistes. Sie reduzierte sich damit auf Kunst (Literatur, Musik, Theater, Bil- dende Kunst usw.) und deren Institutionen. Mit der Lösung des Kulturbegriffes aus dem Zusammenhang der mate- riellen Reproduktion der Gesellschaft wurde es zunehmend schwe- rer, Kultur als von den gesellschaftlichen Verhältnissen bestimmt zu begreifen. Auch Kulturgeschichte wurde zur bloßen Geistesge- schichte. Der praktische Wert einer solchen Kulturgeschichte sinkt gegen Null, denn selbst für den als vom materiellen Gesche- hen amputiert begriffenen Kulturprozeß vermag sie keine be- grifflichen Hilfsmittel der Analyse zu liefern. Auch der maoistische Kulturbegriff bezieht sich auf die "Kultur" im engeren Sinne: "Eine bestimmte Kultur (als Ideologie betrach- tet) ist die Widerspiegelung der Politik und Wirtschaft einer be- stimmten Gesellschaft." 17) Sie sei somit reines Überbauphänomen. Auf dem dergestalt idealistisch interpretierten Gebiet der Kultur kämpften im Rahmen des Klassenkampfes proletarische Kultur gegen "imperialistische Kultur" und "halbfeudale Kultur" 18) Nicht an- ders als in den bürgerlichen Kulturtheorien findet sich hier eine Eingrenzung von Kultur auf das Gebiet gesellschaftlicher Ideen. Daran anschließend wird die Behauptung aufgestellt, "daß unter bestimmten Bedingungen die Produktionsverhältnisse, die Theorie und der Überbau an die Reihe kommen können, die entscheidende, die Hauptrolle zu spielen." 19) Die Beschränkung des Begriffsin- halts von "Kultur" auf Erscheinungen des Überbaus führt zu idea- listischen Kulturtheorien, die Kultur einengen auf Formen des ge- sellschaftlichen Bewußtseins und dessen Bewegung getrennt von der Bewegung der gesellschaftlichen Reproduktion betrachten. Gemäß der Entwicklung der Produktionsverhältnisse und der Klassengegen- sätze neigen solche Kulturtheorien unter kapitalistischen Bedin- gungen zum Kulturpessimismus, gepaart mit massenverächtendem Eli- tedenken, in sich entwickelnden sozialistischen Gesellschaften paaren sich idealistische Kulturtheorien mit Voluntarismus (Proletkult, China). Materialistische Kulturtheorie hat dagegen auszugehen von der dialektischen Einheit von Basis und Überbau. Sie gründet sich auf die Einsicht, es sei "die erste Voraussetzung aller 'menschlichen Existenz" die Erzeugung von "Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges Andere", "die Produktion des materiellen Lebens selbst". 20) Die Bedürfnisse, zu deren Befriedigung produziert werden muß, sind dabei keine Naturkonstanten. Vielmehr führt "das befriedigte erste Bedürfnis selbst... zu neuen Bedürfnisse ... - und diese Erzeugung neuer Bedürfnisse ist die erste geschichtli- che Tat." 21) im Laufe der menschlichen Geschichte entwickeln sich mit den men- schlichen Bedürfnissen auch die Mittel zu ihrer Befriedigung. Die Entwicklung der Produktivkräfte ist Ausdruck dieser Bewegung. "Die Produktivkräfte der Gesellschaft sind die subjektiven und objektiven Faktoren der materiellen Produktion, die vom Menschen angewandten geistigen und materiellen Kräfte zu gesellschaftli- chen Einwirkung auf die Natur: der Mensch mit seinem Geschick, seiner Arbeitsfertigkeit und Arbeitserfahrung, seiner Ausdauer, Aufmerksamkeit und seinem Denken, die Wissenschaft; die Werk- stoffe, Werkzeuge, Arbeitsgeräte, technologischen Prozesse und Verfahren, Transport und Nachrichtenmittel. Die Produktivkräfte haben stets gesellschaftlichen Charakter, d.h. sie werden von den Menschen in kollektiver Einwirkung auf die Natur erzeugt und ent- wickelt." 22) Daher wenden die Menschen die Produktivkräfte immer unter bestimmten, je spezifischen Produktionsverhältnissen an: diese "sind die Gesamtheit der gesellschaftlichen Beziehungen, die die Menschen im materiellen Produktions- und Reproduktions- prozeß untereinander eingehen. Ihr 'Herzstück' bilden die E i g e n t u m s v e r h ä l t n i s s e." 23) Klassengegensätze, deren Wurzeln in den Produktionsverhältnissen liegen, spielen auch im Überbau eine Rolle: "Wenn die ökonomische Basis der Gesellschaft durch Klassenantagonismen gekennzeichnet ist, so werden diese auch im Überbau als Antagonismen ... reflek- tiert. ... Die in einer Gesellschaft herrschenden, den jeweiligen Überbau prägenden Ideen und Institutionen sind die Ideen und In- stitutionen der jeweils herrschenden Klasse. Der Überbau als Teilsystem eines gesellschaftlichen Gesamtsystems ist also Pro- dukt, Instrument und zugleich Gegenstand des Klassenkampfes." 24) Das Begriffspaar "Basis - Überbau" bezieht sich somit auf die Re- lation zwischen Produktivkräften, Produktionsverhältnissen und den ihnen entsprechenden Institutionen und Ideen. Basis und Über- bau sind Begriffe, die zur Analyse der Totalität des gesell- schaftlichen Prozesses beitragen sollen. Kulturtheorie hat es mit seiner Gesamtheit zu tun und muß darum die Analyse der Basis mit zu ihrer wichtigsten Aufgabe zählen. Sie muß den Prozeß, in dem die Menschheit sich durch ihre Lebenstätigkeit aus dem Naturreich herausarbeitete, in ihr Zentrum stellen. "Bewußte Lebenstätig- keit, die Natur und Gesellschaft verändert" 25) ist Inhalt der gesellschaftlichen Praxis. Damit wird nicht die reine Begriffsop- position Natur-Kultur, wie sie dem frühen bürgerlichen Kulturbe- griff innewohnte und in erster Linie auf den spezifisch menschli- chen, vom übrigen Naturreich sich unterscheidenden Inhalt von Kultur hindeutete, gesetzt, sondern die gesellschaftliche, sich auf die Natur des Menschen beziehende Dimension einbezogen: "Stand und Höhegrad der Kultur... weisen aus, ... in welchem Maße die Menschen zu wirklichen Herren über die Natur geworden sind, und andererseits, in welchem Maße sie ihre eigenen menschlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, ihre eigene Geschichte und ihre eigene gesellschaftliche Organisation bewußt zu gestalten und zu beherrschen wissen." 26) Die menschliche Kulturentwicklung als Gesamtprozeß beinhaltet die Veränderung der die Menschen umgebenden wie auch ihrer eigenen Natur. "Der Mensch ist das einzige Tier, das sich aus dem bloß tierischen Zustand herausarbeiten kann - sein Normalzustand ein seinem Bewußtsein angemessener, v o n i h m s e l b s t zu schaffender". 27) 2.2. Die Rolle der Arbeit im Kulturprozeß ----------------------------------------- Hinsichtlich des Zusammenhanges von Arbeit und Kultur gibt es bei den Vertretern eines weiten Kulturbegriffes unterschiedliche Auf- fassungen. Zu unterscheiden sind vor allem fünf Positionen: 1) A r b e i t w i r d a u f g e f a ß t a l s z u k u l- t i v i e r e n d e r B e r e i c h d e s g e s e l l- s c h a f t l i c h e n L e b e n s. 28) Kultur erscheint dabei "als besondere Form des gesellschaftlichen Bewußtseins, als Möglichkeit der Erkenntnis und Veränderung der Welt, vor allem der gesellschaftlichen Entwicklung". 29) Der Arbeitsprozeß stellt sich Kultur gegenüber der als Sphäre erzieherischer Aufgaben. Kultur müsse gewissermaßen in den Arbeitsprozeß hineingetragen werden. 30) 2) A r b e i t u n d K u l t u r w e r d e n a l s e i n a n d e r e r g ä n z e n d e B e r e i c h e a u f g e- f a ß t. 31) Kultur heißt dann "Aufnahme, Weitergabe und wirk- lichkeitsgestaltende Umwandlung von sozialer Erfahrung". 32) Als solche "ist sie mit der Arbeit sowie mit dem Inhalt und der Weise der Bedürfnisbefriedigung auf das engste verbunden". 33) 3) A r b e i t w i r d a u f g e f a ß t a l s B e- s t a n d t e i l v o n K u l t u r. 34) Kultur in diesem Zusammenhang bestehe zu einem Teil in Arbeitskultur und weiter aus geistig-kulturellen Bedürfnissen. 35) Beide Bereiche sind un- tereinander verflochten, wobei eine relativ starre Abhängigkeit der geistigen von der materiellen Kultur bestehe. 4) A r b e i t w i r d a u f g e f a ß t a l s G r u n d- l a g e d e r K u l t u r. 36) Arbeit gehört hier nicht unmittelbar zur Kultur - jedenfalls nicht in allen der so- zialistisch-kommunistischen vorausgegangenen Gesellschaftsforma- tionen. 37) Sie produziert allein die Bedingungen, welche Kultur ermöglichen. 5) A r b e i t w i r d a u f g e f a ß t a l s Q u e l l e d e r K u l t u r. 38) In diesen Zusammenhang ist die Einsicht eingegangen, daß Kultur kein von der Arbeit getrennter Bereich sei. Sie gründet auf der Engelschen Feststellung, es habe die Ar- beit "den Menschen selbst geschaffen". 39) Front gemacht wird da- mit "gegen eine Kulturauffassung, die Kultur als eine besondere Sphäre geistiger Tätigkeit jenseits der materiellen Produktion ... fassen möchte". 40) Die in der vorstehenden Aufzählung zum Ausdruck kommende Unsi- cherheit bei der Bestimmung des Zusammenhangs von Arbeit und Kul- tur spiegelt den Diskussionsstand materialistischer Kulturtheo- rie. 41) Insbesondere müssen all jene Auffassungen als problematisch ange- sehen werden, die Kultur zwar mit Arbeit verbinden aber dennoch im geistigen Bereich lokalisieren. Demgegenüber stehen Ansätze kulturwissenschaftlicher Reflexion, die dem Arbeitsprozeß eine dominierende Rolle bei der Kulturentwicklung zuschreiben ("Arbeit ist die Grundlage ... aller Kultur", "Quelle jeder Kultur ... ist die Arbeit", etc.). Sie folgen der Einsicht der Klassiker des hi- storisch-dialektischen Materialismus, wonach Arbeit Grundbedin- gung menschlicher Existenz ist. 42) Arbeit wird von ihnen einmal als Stoffwechselprozeß des Menschen mit der Natur bezeichnet und andererseits unter den ökonomischen Formationen der Klassenge- sellschaften als Zwangsarbeit kritisiert; es zeigt sich eben darin ihre einheitlich logisch-historische Bestimmung. Es ist da- her das Reich der Freiheit nicht ein der Arbeit ganz fremdes. Vielmehr meint es die Auslösung der Arbeit aus dem Joch herr- schaftlicher Bestimmung über sie und ihre Bedingungen. In diesem Sinne nennen wir Arbeit Selbstverwirklichung des Menschen. Sie ist dies nicht unhistorisch als gleichsam positive Wendung des biblischen Fluchs. Sie ist dies als Prozeß, an den zwei Forderun- gen zu richten sind. Zu erreichen ist die bewußte Gestaltung des Reproduktionsprozesses, d.h. die Fixierung des gesellschaftlichen Charakters der Arbeit in Bewußtsein und Handeln der Menschen. Ferner ist die Entwicklung der Produktivkräfte voranzutreiben zu jenem Punkt, an dem menschliche Arbeit als wahrhaft allgemeine sich betätigen kann. Aus dieser Einsicht heraus hat Marx gegen Smith polemisiert: "Du sollst arbeiten im Schweiß deines Angesichtes! war Jehovas Fluch, den er Adam mitgab. Und so als Fluch nimmt A. Smith die Arbeit. Die 'Ruhe' erscheint als der adäquate Zustand, als iden- tisch mit 'Freiheit' und 'Glück'. Daß das Individuum 'in seinem normalen Zustand von Gesundheit, Kraft, Tätigkeit, Geschicklich- keit, Gewandtheit' auch das Bedürfnis einer normalen Portion von Arbeit hat, und von Aufhebung der Ruhe, scheint A. Smith ganz fernzuliegen. Allerdings erscheint das Maß der Arbeit selbst äu- ßerlich gegeben, durch den zu erreichenden Zweck und die Hinder- nisse, die zu seiner Erreichung durch die Arbeit zu überwinden. Daß aber diese Überwindung von Hindernissen an sich Betätigung der Freiheit - und daß ferner die äußeren Zwecke den Schein bloß äußerer Naturnotwendigkeit abgestreift erhalten und als Zwecke, die das Individuum selbst erst setzt, gesetzt wurden - also als Selbstverwirklichung, Vergegenständlichung des Subjekts, daher reale Freiheit, deren Aktion eben die Arbeit, ahnt A. Smith eben- sowenig. Allerdings hat er Recht, daß in den historischen Formen der Arbeit als Sklaven-, Fronde-, Lohnarbeit die Arbeit stets re- pulsiv, stets als ä u ß r e Z w a n g s a r b e i t erscheint und ihr gegenüber die Nichtarbeit als 'Freiheit und Glück'. Es gilt doppelt: von dieser gegensätzlichen Arbeit; und, was damit zusammenhängt, der Arbeit, die sich noch nicht die Bedingungen, subjektive und objektive, geschaffen hat (oder auch gegen den Hirten- etc. -zustand, die sie verloren hat), damit die Arbeit travail attractif, Selbstverwirklichung des Individuums sei, was keineswegs meint, daß sie bloßer Spaß sei, bloßes amusement, wie Fourier es sehr grisettenmäßig naiv auffaßt. Wirklich freie Ar- beiten, z.B. Komponieren ist gerade zugleich verdammtester Ernst, intensivste Anstrengung. Die Arbeit der materiellen Produktion kann diesen Charakter nur erhalten, dadurch daß 1) ihr gesell- schaftlicher Charakter gesetzt ist, 2) daß sie wissenschaftlichen Charakters, zugleich allgemeine Arbeit ist, nicht Anstrengung des Menschen als bestimmt dressierter Naturkraft, sondern als Sub- jekt, das in dem Produktionsprozeß nicht in bloß natürlicher, na- turwüchsiger Form, sondern als alle Naturkräfte regelnde Tätig- keit erscheint." 43) 2.3. Subjektive und objektive Kultur ------------------------------------ Ausgehend von der Arbeit als zentralem Akt der Kultur hat sich Kulturtheorie mit der L e b e n s w e i s e der gesellschaftli- chen Individuen zu befassen: Lebensweise heißt die "gesellschaftlich bestimmte Art und Form der Gestaltung des indi- viduellen und gemeinschaftlichen Lebens. ... In der L(ebensweise) drückt sich die Einheit oder Widersprüchlichkeit von Tätigkeit, Verhalten und Denken aus." 44) Lebensweise meint also die Art und Weise in der der Mensch sich seinem "unorganischen Leib" 45), der Natur gegenüber verhält; sie umfaßt "jedes seiner m e n s c h- l i c h e n Verhältnisse zur Welt, Sehn, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken, Anschauen, Empfinden, Wollen, Tätig- sein, Lieben, kurz, alle Organe seiner Individualität, wie die Organe, welche unmittelbar in ihrer Form als gemeinschaftliche Organe sind." 46) Wie die Arbeit, so ist auch die Lebensweise der gesellschaftli- chen Individuen durch den Gang der Geschichte geprägt. Ihre Aus- prägung hängt ab von den je spezifischen ökonomischen Gesell- schaftsformationen. 47) Dabei ist der Inhalt der Kulturgeschichte das historische Wachstum menschlicher Freiheit und Naturbeherr- schung, die Qualität der bewußten Lebenstätigkeit der gesell- schaftlichen Individuen. Der Maßstab für die Einordnung kulturge- schichtlicher Epochen und Ereignisse ist die Frage, "in welchem Maße die einzelnen Epochen dazu beigetragen haben, Beziehungs- reichtum und Freiheit des gesellschaftlichen Individuums in der Richtung zu befördern, in der die heute gegebenen objektiven Mög- lichkeiten individueller Entfaltung als Resultat der Geschichte sich zeigen." 48) Die Dialektik der Kulturbewegung 49) im Rahmen historischer Ent- wicklung menschlicher Lebenstätigkeit findet ihren materiellen Niederschlag in der "Gesamtheit der schöpferischen Möglichkeiten, die sich einer Gesellschaft als Kulturleistung vergangener Gene- rationen bietet". 50) Diesen Komplex vergegenständlichter Kultur- leistungen bezeichnen wir mit dem Begriff der objektiven Kultur. "O b j e k t i v e K u l t u r" h e i ß e n d i e m a t e- r i e l l e n L e b e n s v o r a u s s e t z u n g e n e i- n e r G e s e l l s c h a f t i n d e r d u r c h d i e v o r a n g e g a n g e n e n G e s e l l s c h a f t s f o r- m a t i o n e n a u f b e r e i t e t e n F o r m a n g e- e i g n e t e r N a t u r, d i e e r r e i c h t e g e- s e l l s c h a f t l i c h e O r g a n i s a t i o n d e r A r b e i t u n d d e r S t a n d d e r t e c h n i- s c h e n P r o d u k t i v k r ä f t e s o w i e d i e ü b e r l i e f e r t e n w i s s e n s c h a f t l i c h e n S t r a t e g i e n u n d k ü n s t l e r i s c h e n O b- j e k t i v a t i o n. Objektive Kultur in ihrer Gesamtheit kann von daher auch in den Begriff des kulturellen Erbes gefaßt werden. Die Werke der Wissenschaften und der Künste, das geistig- kulturelle Erbe, sind nur ein Bestandteil des kulturellen Erbes überhaupt. In der objektiven Kultur sind die Produktionsverhältnisse der vorhergegangenen Gesellschaftsformationen aufgehoben. Sie bein- haltet also ebenso stoffliche Charakteristika wie Momente ökono- mischer Formbestimmtheit. Den Umstand, von klassenantagonistisch formierten Gesellschaften hervorgebracht worden zu sein, kann sie nicht leugnen. Marx bemerkt im Rahmen seiner Polemik gegen List mit Recht, daß die Umwälzung der Produktivkräfte nicht selbstlose Tat ist. 51) Trotzdem läßt sich ihr das stoffliche Moment des Fortschritts nicht absprechen. Dabei gilt es freilich zu beachten, daß das "Instrumentalsystem der Technik ... (sc. nicht) zu einem eigengesetzlichen Bereich einer "zweiten Natur" fetischisiert" 52) werden darf. Solche von angeblichen technischen Sachzwängen ausgehende Verkehrung der Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen in die Summe von Arbeit und Interaktion, in instrumentelle Vernunft und kommunikatives Handeln, versucht neuerlich Habermas zu be- gründen. 53) In seinem Versuch lebt der Anspruch bürgerlicher Kulturtheorie, Kultur als geistigen Bereich von den "Niederungen" der technisch bestimmten Zivilisation abzuheben, wieder auf. Der entgegengerichtete Rigorismus verfährt allerdings nicht minder undialektisch. Hier mündet die mangelnde Einsicht in den Zusam- menhang stofflicher Charakteristika und ökonomischer Formbe- stimmtheit in die Behauptung, es sei "die Maschinerie ... Grund- lage der H e r r s c h a f t einer Klasse über eine andere" und gipfelt endlich in der Feststellung, die Maschinerie "b e- g r ü n d e t das Proletariat als Proletariat". 54) Wiewohl wir (nicht nur angesichts solcher "Ableitungen") mit Ma- rachow dahingehend übereinstimmen, "daß es bis jetzt keine umfas- sende allgemein soziologische, historisch-materialistische Theo- rie der Produktivkräfte gibt" 55), muß doch gerade darum darauf hingewiesen werden, daß eine solche Theorie die grundlegenden Einsichten des historisch-dialektischen Materialismus über die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen nicht umgehen darf. 56) Von ihnen ausgehend aber wird sichtbar, wie auch "das Privateigentum eine für gewisse Entwicklungsstufen der Produktivkräfte notwendige Verkehrsform ist" 57), daß "Dampf, Elektrizität und Spinnmaschine ... Revolutionäre von viel gefähr- licherem Charakter als selbst die Bürger Barbes, Raspail und Blanqui" 58) waren. Nämliche Dialektik hat Geltung für die gesellschaftliche Organi- sation der Arbeit bzw. die Entwicklung der Produktivkraft Mensch. Der Zusammenhang zwischen Produktionsverhältnissen und gesell- schaftlicher Organisation der Arbeit wird im brutalen Zynismus seiner Leugnung am deutlichsten, So schrieb etwa Elton Mayo 1945: "Jede Gruppe der Gesellschaft, gleich auf welcher kulturellen Ebene, sieht sich zwei gleichbleibenden und sich immer wiederho- lenden Fragen gegenüber und muß sie klar formulieren. Sie muß für ihre Mitglieder als Einzelne oder als Gruppe sicherstellen: 1. die Befriedigung der materiellen und wirtschaftlichen Bedürf- nisse; 2. die Erhaltung der spontanen Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Organisation. Unsere Verwaltungsmethoden richten sich alle auf das Materiell-Zweckmäßige; keine richtet sich auf die Erhaltung der Zusammenarbeit. Die erstaunlichen technischen Erfolge dieser Kriegsjahre zeigen, daß wir - das heißt unsere In- genieure - materiell zweckmäßig zu organisieren verstehen. Aber die Frage des Fernbleibens von der Arbeit, des Wechsels der Ar- beitskräfte, der 'wilden' Streiks zeigen, daß wir nicht die Frei- willigkeit der Zusammenarbeit sicherstellen können, 'the team- work', das Zusammenspiel aller Kräfte. Wäre der Notstand des Krieges nicht tatsächlich so zwingend gewesen und hätte er nicht bis zum letzten Arbeiter jeden persönlich betroffen, so bliebe es fraglich, ob die Techniker ihre schlagenden Erfolge hätten erzie- len können. Und nun, da die Dringlichkeit nachgelassen hat, sind die Aussichten, die Zusammenarbeit weiter aufrechtzuerhalten, nicht gut. Es gibt heute kaum einen tätigen Verwaltungsmann, der nicht fürchtete, der Frieden könne die Rückkehr des gesellschaft- lichen Chaos bedeuten." 59) Die hier anklingende Furcht vor der "Insubordination der Arbeiter" 60) auch im Zeitalter der großen Maschinerie hat ihren Grund einerseits darin, daß "sich in der Maschinerie die Bewegung und Werktätigkeit des Arbeitsmittels gegenüber dem Arbeiter" 61) verselbständigt. Das führt andererseits zur Veränderung der Qualifikationsstruktur der lebendigen Arbeit. Für ihren Bereich läßt sich anschaulich demonstrieren, wie neben der These vom ständig anwachsenden Qualifikationsniveau auch jene von der einfachen Dequalifikation fehlgeht. Gegen beide muß darauf bestanden werden, daß Qualifikation als subjektive Bestimmung der Arbeitskraft im Verlauf der Entwicklung der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und der technischen Seite der Produktivkräfte durch das wechselseitige Verhältnis von Zu- und Abnahme bestimmt wird. 62) In den zwei skizzierten Problembereichen - der Entfaltung der technischen Produktivkräfte und der Produktivkraft Mensch - spie- len die Produktionsverhältnisse eine prägende Rolle. Ihrer jewei- ligen Formbestimmung sind alle Ergebnisse menschlicher Arbeit ebenso wie auch deren Charakter entscheidend unterworfen. Sie sind also keineswegs den Menschen äußerliche Beziehungen. Viel- mehr ist mit Marx hervorzuheben, daß die P r o d u k t i o n v o n K a p i t a l i s t e n u n d L o h n a r b e i t e r... e i n H a u p t p r o d u k t d e s V e r w e r t u n g s- p r o z e s s e s d e s K a p i t a l s" 63) ist, die Produktionsverhältnisse der kapitalistischen Gesellschaftsfor- mation also charakterprägende Funktion besitzen. "Im Begriff des Kapitals ist gesetzt, daß die objektiven Bedingungen der Arbeit... ihr gegenüber Persönlichkeit annehmen... Im Begriff des Kapitals ist der Kapitalist enthalten." 64) Wie der Kapitalist nicht vom Kapital und dieses nicht von jenem zu trennen ist, bleiben auch die Ware Arbeitskraft und der Lohnarbeiter untrenn- bar miteinander verbunden. Unter den Bedingungen der klassenantagonistischen Gesellschafts- formationen zählen die Produktionsverhältnisse daher nicht zur objektiven Kultur. Zwar sind sie die notwendigen Beziehungen der Menschen. Gleichfalls aber sind sie Beziehungen, die die Menschen als "von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse" 65) eingehen. Es ist gerade die Zunahme an bewußter, planmäßiger Gestaltung dieser Verhältnisse, welche Engels als Gradmesser für "die we- sentlichste geschichtliche Tätigkeit der Menschen" ansieht: "Wir haben in den fortgeschrittensten Industrieländern die Naturkraft gebändigt und in den Dienst der Menschen gepreßt... Und was ist die Folge? Steigende Überarbeit und steigendes Elend der Massen und alle zehn Jahre ein großer Krach." 66) "Die gesellschaftlich wirksamen Kräfte wirken ganz wie die Naturkräfte: blindlings, ge- waltsam, zerstörend, so lange wir sie nicht erkennen und nicht mit ihnen rechnen." 67) "Erst eine bewußte Organisation der ge- sellschaftlichen Produktion, in der planmäßig produziert und ver- teilt wird, kann die Menschen ebenso in gesellschaftlicher Bezie- hung aus der übrigen Tierwelt herausheben, wie dies die Produk- tion überhaupt für die Menschen in spezifischer Beziehung getan hat." 68) Solange also die Vermenschlichung der menschlichen Beziehungen selbst, die Art und Weise, wie die Menschen sich ihre eigene Na- tur aneignen, nicht im nämlichen Grad bewußt erfolgt wie die An- eignung der die Menschen umgebenden Natur im Arbeitsprozeß, so- lange sind die Produktionsverhältnisse nicht zur objektiven Kul- tur zu rechnen. Die Kultur der sozialistischen Gesellschaft unterscheidet sich also nicht nur quantitativ von den Kulturen der antagonistischen Klassengesellschaften. Weil die gesellschaftlichen Individuen in der sozialistisch-kommunistischen Gesellschaftsformation zur be- wußten Gestaltung ihrer gesellschaftlichen Beziehungen gelangen, werden hier die Produktionsverhältnisse zu einer neuen Qualität der Kultur. Erst hier kommt die Vergegenständlichung des Menschen als Vermenschlichung seiner Gegenstände, als volle Betätigung des menschlichen Wesens in der Arbeit zur Geltung. 69) Im Gesellschaftsprozeß konstituieren die Produktionsverhältnisse die Sphäre der Aneignung objektiver Kultur durch die gesell- schaftlichen Individuen. Diesen Bereich der Aneignung von Natur und objektiver Kultur bezeichnen wir mit subjektiver Kultur. "S u b j e k t i v e K u l t u r" h e i ß t d i e k l a s s e n s p e z i f i s c h e A r t u n d W e i s e, i n d e r d i e g e s e l l s c h a f t l i c h e n I n d i- v i d u e n i n F o r m v o n S o z i a l i s a t i o n u n d T r a d i t i o n d a s k u l t u r e l l e E r b e i n t e r p r e t i e r e n, a n e i g n e n u n d b e- h e r r s c h e n l e r n e n u n d m i t d e r e n H i l f e s i e d e n g e s e l l s c h a f t l i c h e n K u l t u r p r o z e ß n a c h M a ß g a b e i h r e s K l a s s e n i n t e r e s s e s v o r a n t r e i b e n . "O b j e k t i v e K u l t u r wäre danach die Gesamtheit der schöpferischen Möglichkeiten, die sich einer Gesellschaft als Kulturleistung vergangener Generationen bietet, die s u b j e k t i v e K u l t u r wäre die Fähigkeit der gesell- schaftlichen Individuen, die objektive Kultur anzueignen und schöpferisch weiterzubilden." 70) Innerhalb einer spezifischen Gesellschaftsformation spielen die Klassen als Subjekte des Kulturprozesses die entscheidende Rolle. Ihr Anteil an der Produktion und dem Konsum gesellschaftlichen Reichtums bestimmt ihre Möglichkeiten schöpferischer Aneignung des kulturellen Erbes. Innerhalb einer Klasse bilden sich in Übereinstimmung mit den jeweiligen Lebensbedingungen klassenspe- zifische Traditionen heraus, die in der Entwicklung oder klassen- spezifischen Modifikation von Wert- und Normsystem, Verhaltens- weisen usw. bestehen. Diese klassenspezifischen Elemente subjek- tiver Kultur rekurrieren wiederum auf den gesamtgesellschaftli- chen Charakter des Kulturprozesses. Die Entwicklung einer ver- feinerten Genußfähigkeit im täglichen Leben und auf dem Gebiet der Künste bei den herrschenden Klassen ist unmittelbare Folge ihrer Verfügung über den gesellschaftlichen Reichtum. Die Heraus- bildung der Ideologie, der solidarischen Wertmuster und der Orga- nisationen der Arbeiterbewegung ist die unmittelbare Konsequenz ihrer Stellung als herrschaftlich unterdrückter Produzent des ge- sellschaftlichen Reichtums. 71) Jede Klasse hat also ihre klassenspezifischen Traditionen auszu- bilden und neuen Bedingungen entsprechend umzuformen. Sie hat ferner die objektiven Elemente des Kulturprozesses klassenspezi- fisch anzueignen. Dabei drückt sich der "Klassencharakter einer Kultur ... aus 1. im C h a r a k t e r der (durch ihre Stellung in der Gesell- schaft bestimmten) k u l t u r e l l e n L e i s t u n g e n in Technik, Wissenschaft, Kunst, Erziehung, Bildung usw., die die jeweilige Klasse n u t z e n k a n n und t a t s ä c h- l i c h n u t z t, sowie durch die Z i e l s t e l l u n g e n m i t d e n e n d i e s g e s c h i e h t; 2. durch die historisch konkreten M ö g l i c h k e i t e n von Klassen, i h r e p r o d u k t i v e n, k ö r p e r l i- c h e n u n d g e i s t i g e n k u l t u r s c h ö p f e- r i s c h e n P o t e n z e n z u e n t w i c k e l n, ge- sellschaftlich zu n u t z e n und in k u l t u r e l l e n L e i s t u n g e n o b j e k t i v auszuprägen (Arbeitsin- strumente, Maschinen, wissenschaftliche Arbeiten, Kunstwerke usw.) und die r e a l e n F o r m e n, i n d e n e n d i e s t a t s ä c h l i c h g e s c h i e h t." 72) 3. Kulturpolitik ---------------- 3.1. Die Grenzen bürgerlicher Kulturpolitik ------------------------------------------- Kulturtheorie ist kein Selbstzweck, sondern die Reflexion der Grundlagen und Ziele praktischer Kulturpolitik. Entsprechend dem Umfang der damit zusammenhängenden Probleme können wir hier die praktischen Konsequenzen nur andeuten. Bürgerliche Kulturtheorie und von ihr abgeleitete Kulturpolitik zeichnet sich nicht nur dadurch aus, daß sie sich gemäß der Einengung des Kulturbegriffes traditionell auf die Pflege der geistigen (und zwar mit Vorliebe der ästhetischen und kontempla- tiven) Kräfte des Individuums beschränkt, sondern vor allem auch dadurch, daß sie den Klassencharakter des Kulturprozesses in ih- ren Voraussetzungen nicht berücksichtigt, in ihren Konsequenzen jedoch verstärken hilft. Eine Differenzierung zwischen objektiver und subjektiver Kultur, wie sie hier entwickelt wurde, ist bür- gerlicher Kulturpolitik fremd, und entsprechend gehen alle daraus zu ziehenden Konsequenzen nicht in ihren Ansatz ein. Kultur sei, trotz aller historischen und sozialen Relativierung, gemeinsamer Wert und Besitz einer Gesellschaft und Wert um ihrer selbst wil- len. Hinsichtlich der objektiven Kultur, dem erreichten Stand der gesamten materiellen Lebensvoraussetzungen, kann bürgerliche Kul- turpolitik die in den Eigentumsverhältnissen begründete ressort- mäßige Trennung der Kulturbereiche nicht überwinden. Allerdings bringen es die gegenwärtigen gesellschaftlichen Wider- sprüche mit sich, daß der bürgerliche Kulturbegriff immanent pro- blematisiert wird. Die Bewegung der objektiven Kultur, deren Nie- derschlag diese Verunsicherung des Kulturbegriffs ist, ist von Widersprüchen auf mehreren Ebenen gekennzeichnet, auf die wir in diesem Zusammenhang nur hinzuweisen brauchen: - Die Intensivierung der Arbeit erreicht einen Grad, der die Re- produktion des individuellen Arbeitsvermögens ernsthaft gefähr- det. 73) Bemühungen zur "Humanisierung der Arbeitswelt", staatlicher Initiative entspringend und die sozialen Kosten der privaten Ausbeutung der öffentlichen Hand überlassend, sind sowohl Versuch der Verschleierung als auch des Auffangens der am stärksten systemgefährdenden Folgen. 74) - Die erweiterte Reproduktion der Arbeitskraft in einer den Be- dürfnissen des wissenschaftlich-technischen Fortschrittes ange- messenen Form ist mit den traditionellen Mitteln nicht mehr ge- währleistet. Es wandelt sich nicht nur die Bedeutung der Be- rufsausbildung, sondern auch der Umfang der dafür in Betracht kommenden Bereiche. 75) Die traditionelle Differenzierung von Bildung und Kultur wird damit hinfällig. - Infolge intensiverer Arbeit steigende Frühinvalidität, extrem einseitige Anforderungen an die Arbeitskraft führen zusammen mit anderen Faktoren der allgemeinen Lebensbedingungen (Wohnver- hältnisse usf.) dazu, daß aus dem Berufsleben ausgeschiedene alte Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Öffentliche Maßnahmen der "Gerontologie" versuchen, die offen- sichtlichsten Brutalitäten des intensivierten Verschleißens von Arbeitskraft zu verdecken. 76) - "Der Protest der Arbeitnehmer gegen unmenschliche und entwürdi- gende Arbeitsbedingungen habe in allen westlichen Industriestaa- ten in den letzten Jahren deutlich zugenommen", muß selbst Horst Ehmke zugeben 77). Die Insubordination der lebendigen Arbeit zwingt zu unkonventionellen Versuchen der Integration. - Auf der Ebene des Widerspruchs zwischen Einzelkapital und Ge- samtkapital versucht der Staat als Repräsentant der allgemeinen Kapitalinteressen die objektiven Rahmenbedingungen zur Auf- rechterhaltung der gesellschaftlichen Produktion durch Regulie- rung der Umweltzerstörung zu sichern und greift in ihm bisher fremde Bereiche ein 78). - Die allgemeinen Lebensbedingungen vor allem der arbeitenden Be- völkerung verschlechtern sich nicht nur durch die steigende Um- weltbelastung, sondern auch durch die rücksichtslose Boden- und Baupolitik in den Städten, durch die Hypertrophie der privaten Fortbewegungsmittel und die Vernachlässigung des öffentlichen Verkehrswesens. 79) - Immer mehr Bereiche des täglichen Lebens werden formell oder reell der Kapitalverwertung unterworfen (z.B. Tourismus, Frei- zeiteinrichtungen) und damit einbezogen in einen Prozeß der Um- verteilung jenes Teils des gesellschaftlichen Reichtums, den die Arbeitenden zur Reproduktion ihrer Arbeitskraft erhalten. Sie werden auch Gegenstand der kapitalistischen Bedürfnismodellierung und geraten dabei zum Teil zunehmend in Widerspruch zu den Repro- duktionsbedürfnissen der Arbeitskraft. - Die Krisenerscheinungen und die dadurch hervorgerufene zuneh- mende Unzufriedenheit, verbunden mit der zunehmenden Herausforde- rung durch die sozialistische Systemalternative, verstärken die Legitimationsprobleme des Spätkapitalismus und intensivieren des- sen Versuche, eine aktive Integration der Lohnabhängigen zur Sta- bilisierung der Kapitalherrschaft zu erreichen. 80) All diese Widersprüche sind es, die als einzelne und in ihrer Summierung dazu führen, daß der traditionelle Kulturbegriff pro- blematisiert wird. Immanent verliert er an Bedeutung, weil die ihm innewohnenden und von ihm bezeichneten Werte keinen gesell- schaftlichen Nutzen mehr für das herrschende System besitzen. Als strategische Waffe im Klassenkampf (zur Herstellung aktiver Inte- gration) ist traditionelle Kultur (einschließlich ihrer modernen esoterischen Varianten) ebenfalls nicht mehr geeignet, weil sie auf die aktuellen Bedürfnisse nicht mehr zu antworten vermag. Und schließlich beziehen sich die monopolkapitalistischen Planungsbe- dürfnisse zunehmend auf Bereiche der allgemeinen Bedürfnisentfal- tung im privaten Konsum und die allgemeinen Lebensbedingungen. 81) 3.2. Kommunale Kulturpolitik ---------------------------- Bürgerliche Kulturpolitik reagiert auf diese Widersprüche nur in- nerhalb ihrer engen Grenzen, und zum Teil in verschiedenen Res- sorts der Verwaltung. Deutlich lassen sich unterschiedliche mög- liche Formen der Reaktion in der kommunalen Kulturpolitik beob- achten. Traditionellerweise auf die Pflege der geistigen Kultur im engen Sinne fixiert, reagiert sie auf die neuen Anforderungen empfindlicher als gesamtstaatliche Kulturpolitik. Das hat mehrere Gründe. Im Rahmen ihrer verwaltungsrechtlichen "Allzuständigkeit" 82) für alle diejenigen Bereiche, die nicht durch Gesetz anderen Gebiets- körperschaften zugewiesen sind, übernehmen die Gemeinden als freiwillige Selbstverwaltungsaufgabe die Kulturpflege im engeren Sinne. Diese nicht inhaltlich fixierte "Allzuständigkeit" ermög- licht es den Kommunen, ihre "Kulturarbeit" ohne Schwierigkeiten auf neue Gebiete auszudehnen 83). Der unmittelbare Anlaß für eine Ausweitung aber ist die in den Städten besonders deutlich wer- dende Verschlechterung der allgemeinen Lebensbedingungen. 84) Gemäß dem bürgerlichen Verständnis von Kultur wird auch in der kommunalen Kulturarbeit die Aneignung der objektiven Kultur nur als individuelle, und nicht als klassenspezifische Angelegenheit verstanden. Dabei wird allerdings eine soziale Komponente nicht ausgeschlossen. Soziale Ursachen der unterschiedlichen Verteilung des individuellen Schöpfertums, der unterschiedlichen kulturellen Möglichkeiten werden gesehen. Um sie auszugleichen, werden kom- pensatorische Programme entwickelt, in denen jedoch Kultur in ih- rer überkommenen Form in der Regel nicht infrage gestellt wird. 85) Die Programme sind ausgerichtet auf individuelles Schöpfertum und individuelle Emanzipation mit kompensatorischen Maßnahmen. Die Klassenspezifik der Kulturbewegung wird auf die soziale Si- tuation der Bevölkerung reduziert, die Kultur selbst bleibt unbe- rührt. Auch die Akteure der kommunalen Kulturarbeit sind der Meinung, daß ihre Arbeit sich in einer Krise befindet, 86) und leiten diese Krise im Zusammenhang mit der Veränderung der allgemeinen Lebensbedingungen partiell auch aus materiellen gesellschaftli- chen Beziehungen ab 87) ohne diese systematisch zu analysieren. Bezüglich der gegenwärtigen Progammatik lassen sich verschiedene Richtungen unterscheiden, die allerdings selten rein auftreten und vielfach nur aus z.T. sich widersprechenden Äußerungen der Kulturarbeiter herausgelesen werden können: 1. Zunächst ist die s o z i a l h y g i e n i s c h - i n t e- g r a t i o n i s t i s c h e R i c h t u n g zu nennen. Ihr geht es, wie traditioneller bürgerlicher Erwachsenenbildung und "Volkskultur"-Pflege seit den Zeiten der "Gesellschaft für Ver- breitung von Volksbildung", 88) um soziale Integration und Sozi- alhygiene. Sowohl Künste und Literatur der traditionellen Kultur als auch neuere Versuche der Ausweitung auf Kommunikations- und Spielräume und "diffuse Erlebnis- und Unterhaltungsmöglichkeiten" 89) sollen nicht einmal mehr soziale Benachteiligungen kompensie- ren, sondern bloß unmittelbar einen Ausgleich für die Frustratio- nen des Alltags und des Arbeitslebens darstellen. 90) 2. Eine andere Richtung zeichnet sich dadurch aus, daß sie statt der offen reaktionären Sozialhygiene selbst an die Möglichkeiten der individuellen Emanzipation glaubt (oder das vorgibt). Diese i l l u s i o n ä r e R i c h t u n g erweckt durch die stän- dige Beschwörung fetischisiert gebrauchter Begriffe wie Kreativi- tät, Kommunikation usf. den Anschein, als könne die Kulturarbeit einen nennenswerten eigenständigen Beitrag zur "Emanzipation" leisten, die sie ihrerseits im angedeuteten Sinne auf die des In- dividuums reduziert 91). 3. Darüberhinaus lassen sich jedoch auch tendenziell weiterge- hende Ansätze feststellen. Unter der R i c h t u n g "k u l- t u r e l l e r D e m o k r a t i s i e r u n g" lassen sich einzelne Kulturarbeiter und programmatische Richtungen nennen, denen es nicht um Sozialhygiene oder bloße Kompensation geht, die auch keine illusionären Vorstellungen entwickeln, die statt dessen mehr oder weniger bewußt Kultur aus den engen bürgerlichen Fesseln zu befreien suchen. Es wird nicht nur ein neues Publikum für eine alte Kunst gesucht, sondern es werden Möglichkeiten klassenspezifischer Kulturarbeit eröffnet, indem spezielle soziale Zielgruppen mit kultureller Produktion konfrontiert wer- den oder ein entsprechender Kommunikationsprozeß zwischen Ziel- gruppen und Kulturproduzenten ermöglicht wird. Keine um ihrer selbst willen wertvolle "Kultur" wird "allen" nahegebracht, und es wird auch nicht ein affirmatives, schichtenspezifisch vorsor- tiertes Programm angeboten. 92) Die Ansätze sind anders. Für ein Lehrlingsheim z.B. wird eine Ausstellung sozial engagierter Künstler über "Bilder aus unserer Arbeitswelt" veranstaltet, 93) auf den Braunschweiger Arbeiter- Künstler-Treffen wird Kommunikation zwischen Künstlern bzw. Künstlergruppen gewerkschaftlich organisierten Arbeitern und breitem Publikum ermöglicht 94), in Volkshochschulen werden Kurse für gewerkschaftlich organisierte Teilnehmer über sozialpoli- tische Themen veranstaltet 95). Andere Ansatzpunkte liegen dort, wo kulturelles Erbe als Produkt klassenspezifischer Kulturbewe- gung interpretiert oder (z.B. in kulturgeschichtlichen Museen) Sozialgeschichte als Klassengeschichte und Klassenkampfgeschichte kenntlich gemacht wird. 96) In solchen Ansätzen klingt an, daß Kultur mehr ist als schöner Schein, daß sie etwas mit der bewußten Lebenstätigkeit gesellschaftlicher Individuen zu tun hat. Die tendenzielle Ausweitung des Kulturbegriffes über die bereits in der organisatorischen Zusammenfassung von "Kultur" im engen Sinne und Erwachsenenbildung angelegte, jedoch nicht wirklich vollzogene Integration von Kultur und Bildung 97) hinaus, die zwar auch in anderen Konzeptionen erkennbar ist, hat hier den bedeutendsten politischen Gehalt. Die Möglichkeit, ge- sellschaftlich relevante Probleme aufzugreifen, ist zugleich Kennzeichen und Perspektive solcher Kulturarbeit. Schwerpunkt bleibt allerdings geistig-kulturelle Tätigkeit. 3.3. Proletarische Kulturpolitik -------------------------------- Während traditionelle bürgerliche Kulturpolitik Schöpfertum als individuelle Angelegenheit interpretiert und Kreativität feti- schisiert, geht es demokratischer Kulturpolitik darum, die schöp- ferischen Fähigkeiten derjenigen, die bisher davon ausgeschlossen waren, im Rahmen ihrer Klasse und ihrer Lebensweise 98) zu ent- falten. Sie bietet die Chance, zu begreifen, daß auch in Bezug auf die schöpferische Aneignung der objektiven Kultur als dem In- halt der bewußten Lebenstätigkeit gesellschaftlicher Individuen Kreativität keine Angelegenheit des isoliert gedachten Individu- ums sondern eine solche der Klasse ist: "Das Verhältnis von ge- sellschaftlichem und individuellem Schöpfertum kann überhaupt nur unter dem Gesichtspunkt der Produktionsverhältnisse richtig er- faßt werden. Damit wird gleichzeitig sein Klassencharakter deut- lich." 99) Diese Einsicht ist Ausgangspunkt jeder Kulturpolitik der Arbei- terklasse. Eine Politik der Demokratisierung der Kultur zielt darauf, die Klassenschranken der Kulturentwicklung in mehr oder weniger großen Teilbereichen aufzuheben und eröffnet dadurch die M ö g l i c h k e i t einer klassenspezifischen Kulturarbeit. Proletarischer Kulturpolitik dagegen geht es bereits um die sy- stematische E n t w i c k l u n g der Elemente einer proletari- schen Kultur und in diesem Zusammenhang um die Inhalte dieser Kultur und die Entwicklung der kulturellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Arbeiterklasse. 100) Anknüpfen läßt sich dabei an die Theorie Lenins von der Kulturre- volution: "Im Zentrum von Lenins Theorie der Kulturrevolution standen folgende Gesichtspunkte: E r s t e n s: Orientierung der Kulturarbeit auf die gesell- schaftliche Praxis, auf die 'p r a k t i s c h e menschlich- sinnliche Tätigkeit' (Marx) zur revolutionären Veränderung von Natur und Gesellschaft... Z w e i t e n s: Führungsrolle der kommunistischen Partei bei der Schaffung einer eigenen, von der Arbeiterklasse als herrschender Klasse geprägten Kultur, Verwirk- lichung des Prinzips der Parteilichkeit in Wissenschaft, Kunst und Literatur. ... D r i t t e n s: Schöpferische Bewahrung, Aneignung und Weiterführung aller kulturellen Werte, die die Menschheit im Verlaufe ihrer Geschichte geschaffen hat." 101) Innerhalb der heutigen kapitalistischen Gesellschaft ist Kultur- politik der Arbeiterklasse sowohl eine Frage der bewußten syste- matischen Entwicklung von Elementen proletarischer Kultur als auch der antimonopolistischen Bündnispolitik. Sie ist integrier- ter Bestandteil der gesamten antimonopolistischen Politik. In dem Maße, in dem diese sich entwickelt und ihre Handlungsbasis ver- breitert, eröffnen sich auch neue Möglichkeiten für die Kulturpo- litik. Allgemeine gesellschaftliche und politische Bedingungen und der Kulturprozeß wandeln sich parallel, und entfernen sich trotz möglicher Ungleichzeitigkeiten nie über längere Zeit we- sentlich voneinander. 102) Die in den Eigentumsverhältnissen begründete Ressort-Aufteilung der Kulturpolitik kann nicht einfach übersprungen werden. Bil- dung, Wohnen, allgemeine Lebensbedingungen gehören den verschie- densten Ressorts an. Aber in der kommunalen Kulturpolitik, in der sich vor allem Anknüpfungspunkte für eine antimonopolistische Kulturpolitik finden lassen, kommen sich die verschiedenen Berei- che am nächsten. Für antimonopolistische Kulturpolitik werden nicht nur alle Ansätze zur Demokratisierung der-Kultur im obigen Sinne von Bedeutung, sondern wegen der z.T. diffusen Vorstellun- gen auch andere Anknüpfungspunkte in den verschiedenen, auch den illusionären, Konzeptionen und Praktiken der Kulturarbeit. Alle diese Anknüpfungspunkte sind systematisch aufzugreifen, wei- tere sind zu erkämpfen und entsprechende Ansprüche anzumelden. Antimonopolistische Politik im Kulturbereich bedeutet z.B.: - Kampf um ausreichende öffentliche Finanzierung der kulturellen Institutionen, um die materiellen Voraussetzungen für eine mög- lichst breite kulturelle Arbeit sowie für die Pflege des "kulturellen Erbes". Der Kampf um die Erhaltung von Kulturdenkmä- lern 103) und die Erhaltung menschenwürdiger Wohnbedingungen in den Städten z.B. ist nicht nur von Bedeutung, weil an solchen Beispielen dem kleinbürgerlichen Verstand der Zusammenhang be- grenzter Entwicklungen mit allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Mo- nopolkapitalismus gezeigt werden kann, sondern auch wegen der stofflichen Seite. - Kampf gegen den Einfluß der "imperialistischen Massenkultur" 104). Die Subsimierung der geistig-kulturellen Produktion unter die Kapitalverwertung in den verschiedensten Bereichen ist in er- ster Linie in ihrem Vorgehen und ihren Folgen zu verdeutlichen, während die Veränderung der durch das jahrzehntelange Wirken die- ser Mechanismen produzierten Geschmacks- und Bedürfnisstrukturen am ehesten durch neue Angebote und neue kulturelle Praxis er- reicht werden können. - Aufgabe ist auch die Unterstützung der breiten Bewegung zur ge- werkschaftlichen Organisation der Kulturschaffenden. 105) Erst mit Hilfe des dadurch gewonnenen Kontaktes mit der Arbeiterbewe- gung werden diese in die Lage versetzt, sich von ständischen Il- lusionen über die Möglichkeiten ihrer Arbeit zu befreien und kön- nen die Unsicherheit über ihr Publikum überwinden. 106) Dann nimmt auch die Chance zu, geistig-kulturelle Produktion als In- strument des gesellschaftlichen Fortschritts und nicht nur, wie in der bürgerlichen Kultur, als Instrument der Verschleierung und Kompensation zu benutzen. Dieser Katalog ist erweiterbar und konkretisierbar. Dabei bleibt allerdings immer zu beachten, daß die Arbeiterklasse darauf ange- wiesen ist, ihre eigene Kulturpolitik zu betreiben 107). Ihr gan- zes Handeln ist Teil der Kulturbewegung und hat das Ziel, eine neue Stufe menschlicher Kulturentwicklung zu erkämpfen. Insofern ist ihre Politik in ihrer Gesamtheit kulturelles Handeln. Eine antimonopolistische Kulturpolitik kann auf Dauer nur dann sinn- voll sein, wenn es klassenspezifische Kulturorganisationen (oder eine entsprechende Kulturarbeit in den politischen und sozialen Organisationen) der Arbeiterklasse gibt. Von hier aus können Bündnisse mit anderen Organisationen, Bewegungen und Institutio- nen eingegangen werden, ohne daß dabei die längerfristigen Inter- essen des Proletariats aus dem Auge verloren werden. Kulturpolitische Programmatik dieser Art entwickelt die Ansätze der Kultur der Unterdrückten systematisch weiter. Sie stellt den Zusammenhang zwischen Kultur und gesellschaftlicher Reproduktion, zwischen Kultur, Politik und Gesellschaft wieder her. Damit wird tendenziell zum Inhalt der Kulturarbeit die Art und Weise, "wie der ganze Mensch lebt" 108). _____ 1) K. Steinbuch: FALSCH PROGRAMMIERT, München 1969, S. 176. 2) B. Brecht: "Fragen eines lesenden Arbeiters" in: ders., GE- SAMMELTE WERKE, 9, Frankfurt 1967, S. 656. 3) W. Scheel: "Ziele und Aufgaben der auswärtigen Kulturpolitik", in: BULLETIN DES PRESSE- UND INFORMATIONSAMTES DER BUNDESREGIE- RUNG vom 27.1.1971,8. 86. 4) Vgl. D. Ulle: "Zur Auseinandersetzung mit den Kulturkonzeptio- nen des Imperialismus in der BRD"; und E. Heckel: "Zu einigen Grundzügen in der Expansionsstrategie des Bonner Staates auf kul- turpolitischem Gebiet im Kampf gegen den Sozialismus", beide in: KULTURWISSENSCHAFT UND ARBEITERKLASSE, Berlin 1971, S. 45-50 und 51-56. 5) Vgl. den Abschnitt "Über die nationale Kultur" in: F. Fanon: DIE VERDAMMTEN DIESER ERDE, Frankfurt 1966, S. 158-189. 6) Vgl. hierzu u.a. die "Leitsätze für die auswärtige Kulturpoli- tik", in: BULLETIN DES PRESSE- UND INFORMATIONSAMTES DER BUNDES- REGIERUNG vom 15.1.1971. 7) Vgl. E. Rechtziegler:",Humanisierung' des Imperialismus - eine neue Variante bürgerlicher Apologetik", in: "Friedliche Koexi- stenz - ideologischer Kampf". IPW-FORSCHUNGSHEFTE, 2, 1973, S. 101-106. 8) Vgl. S. Grundmann: "Mensch und Umwelt", in: DEUTSCHE ZEIT- SCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 2, 1973, S. 190-206. 9) H.-D. Genscher: "Umweltpolitik in der Bundesrepublik Deutsch- land", in: UMWELTSCHUTZ. Das Umweltprogramm der Bundesregierung, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1972, S. 15. Vgl. dagegen B. Bit- tighöfer, H. Edeling und H. Kulow: "Theoretische und politisch- ideologische Fragen der Beziehungen von Mensch und Umwelt", in: DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, l, 1972, S. 64, die hervor- heben: "Die Beziehungen der Menschen zu ihrer natürlichen und ge- bauten Umwelt sind bestimmt durch die gesellschaftlichen Verhält- nisse, innerhalb derer ihr Stoffwechsel mit der Natur erfolgt, sie tragen Klassencharakter." 10) Vgl. H. Klug: "'Qualität des Lebens' in der Sicht der SPD- Führer", in: EINHEIT, 1, 1973, S. 89-94 und D. Klein: "Kritisches zur 'Qualität des Lebens' im Kapitalismus", in: EINHEIT, 2, 1974, S. 222-229. 11) "Oktjabr'skaja revoljucija kak novaja kul'turnaja era", in: Pravda vom 10.2.1918. 12) Vgl. W.I. Lenin: BRIEFE, Band 1 ff, Berlin 1967 ff, 6, S. 306. 13) Vgl. z.B. H. Glaser: "Brauchen wir ein neues Biedermeier?" Kulturpolitik und die Grenzen des Wachstums, FRANKFURTER RUND- SCHAU vom 18.8.1973. 14) Vgl. z.B. KULTURPOLITIK DER SOWJETUNION, hrsgg. v. D. Anwei- ler und K.-H. Ruffmann, Stuttgart 1973. 15) A. Cullmann: "Was ich als Arbeiter von der Kultur haben möchte", in: MARXISTISCHE BLÄTTER; 6, 1971, S. 10. 16) Wir stützen uns dabei wesentlich auf W.D. Hund und D. Kramer: MATERIALIEN UND TEXTE ZUR KULTURTHEORIE UND KULTURSOZIOLOGIE, Marburg 1972 (vervielfältigt). Die zahlreichen Kritiken und Anre- gungen zu unserer ursprünglichen Konzeption haben viel zu deren Weiterentwicklung beigetragen. Insbesondere danken wir für soli- darische Diskussion H. Claas, H.-F. Foltin, G. Fülberth, B. Kirchhoff und K. Maase. 17) Mao Tse-Tung: "Über die neue Demokratie", in: ders., AUSGE- WÄHLTE WERKE, 2, Peking 1968, S. 396. 18) a.a.O., S. 431. 19) Mao Tse-Tung: "Über den Widerspruch", in: ders., AUSGEWÄHLTE WERKE, 1, Peking 1968, S. 394. Vgl. auch: DIE VR CHINA - WIRT- SCHAFT, STAAT UND RECHT, KULTUR, Berlin 1972. 20) K. Marx und F. Engels: "Die deutsche Ideologie", MEW 3, S. 28. 21) Ebenda. 22) G. Stiehler: "Basis und Überbau", in: EINHEIT, 3, 1970, S. 347. 23) Ebenda. 24) W. Eichhorn I und H. Kosin: "Zur Dialektik von Basis und Überbau", in: DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 5, 1969, S. 596. 25) D. Mühlberg: "Zur marxistischen Auffassung der Kulturge- schichte", in: DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 2, 1964, S. 1046. 26) H. Koch und E. Hinckel: "Zur marxistisch-leninistischen Theo- rie der Kultur", in: EINHEIT, 6, 1962, S. 45. 27) F. Engels: "Dialektik der Natur", MEW 20,S. 466. 28) Vgl. H. Siewert: "Arbeitskultur - Arbeitsfreude - Arbeitspro- duktivität", in: EINHEIT, 7, 1972, 837-839. 29) a.a.O., S. 838. 30) Vgl. z.B. H. Koch: "Das kulturelle Lebensniveau der Arbeiter- klasse und die Entwicklung der sozialistischen Kultur", in: AR- BEITERKLASSE UND KULTURELLES LEBENSNIVEAU, Berlin 1974, S. 43, wo es heißt: "Dieser oder jener Kulturschaffende, der in Brigaden und Betriebe geht, überhaupt vor ein Arbeiterpublikum tritt, mag sich ein wenig als 'Kulturbringer' fühlen." 31) Vgl. F. Staufenbiel: "Zur Entwicklung kultureller Bedürfnisse in der Arbeiterklasse", in: DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 2, 1974, S. 211, der von einem "realen Zusammenhang zwischen Kul- tur, Ökonomie und Arbeit" spricht. 32) a.a.O., S. 204. 33) Ebenda. 34) Vgl. P.N. Fedossejew: "Kultur und Moral". In: SOWJETWISSEN- SCHAFT, Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge, 10, 1973, S. 1016: Der "Marxismus ... geht im Einklang mit den Prinzipien des Historismus und Monismus bei aller historischen Vielfalt der Kul- turen von der Existenz einer gemeinsamen Grundlage dieser Kul- turen, von deren Kontinuität und von einer gemeinsamen Entwick- lungsrichtung aus. Für den Marxismus ist die Kultur kein abge- schlossenes System spezifischer Werte, sondern die sich entwic- kelnde Gesamtheit der materiellen und geistigen Errungenschaften der Menschheit, in deren Rahmen sich in jeder Epoche eine be- stimmte Art und Weise der gesellschaftlichen Tätigkeit der Men- schen realisiert." 35) Vgl. K.-P. Hausmann und G. Neumann: KULTURANSPRUCH UND MANI- PULATION, Berlin 1972. 36) Vgl. H. Koch und E. Hinckel: "Zur marxistisch-leninistischen Theorie der Kultur". a.a.O., S. 46: "Die Arbeit ist das Fundament aller Kultur"; und weiter: BEITRÄGE ZUR SOZIALISTISCHEN ARBEITS- KULTUR, Berlin 1973, S. 22: "Die Arbeit ist die Grundlage und die Voraussetzung aller Kultur." 37) Vgl. H. Koch und E. Hinckel, a.a.O., S. 54 und BEITRÄGE ZUR SOZIALISTISCHEN ARBEITSKULTUR, a.a.O., S. 23. 38) Vgl. KULTUR IM GESELLSCHAFTLICHEN LEBEN, Berlin 1973, S. 26: "Die Quelle jeder Kultur als Ausdruck des jeweiligen Standes men- schlicher Herrschaft über die Natur und das gesellschaftliche Le- ben ist die Arbeit." 39) F. Engels: "Dialektik der Natur", a.a.O., S. 444. 40) KULTUR IM GESELLSCHAFTLICHEN LEBEN, a.a.O., S. 23. 41) Bereits der Beginn intensiverer Diskussion des materialisti- schen Kulturbegriffes ist von erheblichen Differenzen geprägt. Hierzu schreibt D. Mühlberg: "Zur marxistischen Auffassung der Kulturgeschichte", a.a.O., S. 1038ff in einem ersten Versuch der Zusammenfassung: "Marx und Engels benutzen den Begriff der Kultur selten. Da, wo er erscheint, dient er ihnen zur Bezeichnung der historisch erreichten, "auf Erkenntnis der Naturnotwendigkeiten gegründeten Herrschaft über uns selbst und über die äußere Na- tur", als notwendiges "Produkt der geschichtlichen Entwicklung". E. John kritisierte den "Sammelbegriff" der Kultur, wie er in verschiedenen Publikationen der fünfziger Jahre gegeben worden ist. Er setzte an seine Stelle jedoch wiederum eine Aufzählung verschiedener wesentlicher Zusammenhänge, Bestimmungen und Erscheinungen. Positiv und weiterweisend an diesem Bestim- mungsversuch war, daß John die "Entfaltung der körperlichen und geistigen Kräfte" "auf der Grundlage der Arbeit" hervorhob und die zielstrebig fortschreitende Beherrschung von Natur und Gesellschaft durch "Anwendung" der "vergegenständlichten Wesens- kräfte" betonte. F. Staufenbiel definierte: "Der Inhalt des Kulturbegriffes ... erfaßt ... die Summe der materiellen und geistigen Erzeugnisse menschlicher Arbeit, die der Mensch als 'künstliche Umwelt', als 'vermenschlichte Natur' (Marx) zwischen sich und die Natur schiebt, die ihn aus der Natur heraushebt, ihn zur Beherrschung der Natur befähigt und ihm gestattet, fortschreitend menschlicher zu leben." Wenn auch die Bestimmung "Summe ... der Erzeugnisse" wegen der Ablösung der Kultur vom tätigen Subjekt Kritik heraus- fordert, so weist Staufenbiel doch in seinen anschließenden Aus- führungen auf die Vielfalt kultureller Erscheinungen und Bereiche hin. H. Koch und E. Hinckel heben dagegen einerseits hervor, daß Kultur als PROZESS zu verstehen ist, und andererseits setzen sie an die Stelle der "Summe ... der Erzeugnisse" die "Summe der Werte": Unter Kultur ... ist die Gesamtheit der materiellen und geistigen Prozesse und die ganze von der Menschheit erarbeitete Summe der objektiven und subjektiven Werte zu verstehen, in und mit denen die Menschen 'aus der Natur herauswuchsen', sich 'vom Tier im engeren Sinne entfernen' und sich zu 'gesellschaft- lichen', d.h. 'menschlichen Menschen' fortbilden. Sie entwickeln folgende (von uns vereinfachte) Struktur: Grundlage der Kultur- entwicklung ist die materielle Kultur (das sind Objektivationen menschlicher Fähigkeiten und Bedürfnisse), über der sich, vermittelt durch die gesellschaftliche Praxis, sowohl die geistige Kultur als auch die subjektive Kultur (der Individuen) erhebt. Das umschließt sowohl die Beziehungen zur äußeren Natur als auch die gesellschaftlichen Verhältnisse, so daß Praxis hier vor allem als Arbeit (Produktionstätigkeit) und Klassenkampf verstanden wird. 42) Grundbedingung heißt dabei nicht unveränderliche Grundstruk- tur gesellschaftlichen Lebens. "Arbeit" ist vielmehr eine Ab- straktion, die historische Bewegung der Entfaltung ökonomischer Gesellschaftsformationen in sich beschließt. In diesem Sinne heißt es bei K. Marx: GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITISCHEN ÖKO- NOMIE, Berlin 1953, S. 25: "Dies Beispiel der Arbeit zeigt schla- gend, wie selbst die abstraktesten Kategorien, trotz ihrer Gül- tigkeit - eben wegen ihrer Abstraktion - für alle Epochen, doch in der Bestimmtheit dieser Abstraktion selbst ebensosehr das Pro- dukt historischer Verhältnisse sind und ihre Vollgültigkeit nur für und innerhalb dieser Verhältnisse besitzen." 43) K. Marx: GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE, a.a.O., S. 504 f. 44) KULTURPOLITISCHES WÖRTERBUCH. Berlin 1970, S. 339. 45) K. Marx: "Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW Ergänzungsband, Erster Teil, S. 516. 46) a.a.O., S. 539. 47) Vgl. G. Ahrweiler: "Kulturtheorie und Politische Ökonomie", Bremen 1972 (vervielfältigtes Seminarpapier); H. Claas: "Zu den Gegenstandsbereichen der Kritik der Politischen Ökonomie und der Kulturtheorie", Marburg 1972 (vervielfältigtes Seminarpapier); G. Fülberth: "Kulturtheorie, Gesellschaftsformation", Marburg 1972 (vervielfältigtes Seminarpapier). 48) D. Mühlberg: "Zur marxistischen Auffassung der Kulturge- schichte", a.a.O., S. 1044. 49) Vgl. J. Kuczynski: "Dialektika kul'tury", in: VOPROSY FILOSO- FII, 5, 1973, S. 45-55. 50) D. Mühlberg: "Zur marxistischen Auffassung der Kulturge- schichte", a.a.O., S. 1042. 51) Vgl. K. Marx: "Über Friedrich Lists Buch 'Das nationale Sy- stem der politischen Ökonomie'", in: BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG, 3, 1972, S. 441. (siehe auch SOPO 19) 52) H.H. Holz: "Technik und gesellschaftliche Wertordnung", in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, 2, 1974, S. 188. 53) Vgl. J. Habermas: TECHNIK UND WISSENSCHAFT ALS 'IDEOLOGIE', Frankfurt 1968. 54) H.-D. Bahr: "Die Klassenstruktur der Maschinerie", in: TECH- NOLOGIE UND KAPITAL, hrsgg. V.R. Vahrenkamp, Frankfurt 1973, S. 67. 55) W.G. Marachow: STRUKTUR UND ENTWICKLUNG DER PRODUKTIVKRÄFTE IN DER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFT, Berlin 1972, S. 7. 56) Vgl. allgemein A.A. Kusin: KARL MARX UND PROBLEME DER TECH- NIK, Leipzig 1970. 57) K. Marx und F. Engels: "Die deutsche Ideologie", a.a.O., S. 338. 58) K. Marx: (Rede auf der Jahresfeier des "People's Paper" am 14. April 1856 in London). MEW 12, S. 3. 59) E. Mayo: PROBLEME INDUSTRIELLER ARBEITSBEDINGUNGEN, Frankfurt o.J., S. 30 f. 60) K. Marx: DAS KAPITAL, MEW 23, S. 389. 61) a.a.O., S. 425. 62) Vgl. W.D. Hund, U. Matull, K. Ruff, P. Volkmar: "Qualifika- tionsstruktur und wissenschaftlich-technischer Fortschritt. Zum Begriff der Qualifikation", in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, 10, 1972, S. 1084-1099 und 11, 1972, S. 1195-1203. 63) K. Marx: GRUNDRISSE DER KRITIK DER POLITISCHEN ÖKONOMIE, a.a.O., S. 412. 64) Ebenda. 65) K. Marx: "Zur Kritik der politischen Ökonomie", a.a.O., S. 8. 66) F. Engels: "Dialektik der Natur", a.a.O., S. 323f. 67) F. Engels: "Anti-Führung", MEW 20, S. 260. 68) F. Engels: "Dialektik der Natur", a.a.O., S. 324. 69) Vgl. K. Marx: "Auszüge aus James Mills Buch 'Elements d'economie politique'" MEW Ergänzungsband l, S. 462 f. 70) D. Mühlberg: "Zur marxistischen Auffassung der Kulturge- schichte", a.a.O., S. 1042. 71) Die Auffassung des DGB-Vorsitzenden H.O. Vetter, der meint: "... daß wir eine Arbeiterkultur haben - hatten und haben - ist eine der Tragiken unserer Gesellschaft ..." (Interview in der Sendung "Weil du auch ein Arbeiter bist ...", ZDF, 1.5.1974), muß, wenn sie wirkliche Verhältnisse bezeichnen will, darum gera- dezu umgekehrt werden. Gerade in den "Elementen einer demokrati- schen und sozialistischen Kultur" (Lenin), die die Arbeiterklasse bereits im Schöße der kapitalistischen Gesellschaftsformation entwickelt, liegt der zukünftige kulturelle Fortschritt in ge- samtgesellschaftlichem Maßstab begründet. Vgl. D. Kramer: Thesen zum Arbeitsvorhaben "Kultur des deutschen Imperialismus". Marburg 1972 (vervielfältigtes Seminarpapier). 72) E. John: "Zur Dialektik von Politik, Ökonomie und Kultur beim Zusammenschluß sozialistischer Nationen". In: DEUTSCHE ZEIT- SCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 12, 1972, S. 1438 f. 73) "Wenn heute von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen ge- sprochen werde, dann gehe es in Wirklichkeit vor allem um die 'notwendige Abwehr einer weiteren Verschlechterung'", meinte Heinz Oskar Vetter bei der Eröffnung des DGB-Kongresses "Humanisierung der Arbeit als gesellschaftspolitischer und ge- werkschaftlicher Aufgabe" (FRANKFURTER RUNDSCHAU v. 17.5.1974, S. 1). "Nach Vetters Ansicht mehren sich die Anzeichen, daß die Ar- beitsbedingungen sich verschlechtern, besorgniserregend. Die Ten- denz zur Rationalisierung und Automatisierung führe zur Intensi- vierung der Arbeit und einer Erhöhung der Verwertung der Arbeits- kraft." (a.a.O.) Vgl. allgemein: PROLETARIAT IN DER BRD. Repro- duktion - Organisation - Aktion, (Autorenkollektiv), Berlin (DDR) 1974. 74) W. Volpert: "Die 'Humanisierung der Arbeit' und die Arbeits- wissenschaft." Demnächst in: BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIO- NALE POLITIK, 1974. 75) "Die wissenschaftlich-technische Revolution verlangt die Wec- kung neuer, differenzierter geistig-kultureller Bedürfnisse, ihre ständige, schnelle Weiterentwicklung in allen Schichten der werk- tätigen Bevölkerung, insbesondere in der Arbeiterklasse." (K.-P. Hausmann, C. Neumann: KULTURANSPRUCH UND MANIPULATION. Zur Ent- wicklung geistig-kultureller Bedürfnisse in der Arbeiterklasse der BRD, Berlin (DDR) 1972, S. 12.) 76) Vgl. als französisches Beispiel: R. Schenda: "Aspekte der französischen Sozialgerontologie". ZEITSCHRIFT FÜR GERONTOLOGIE 5, 1972, H. 3, S. 188-209. 77) Am 12. März 1974 in Köln, vgl. BMFT-MITTEILUNGEN 3/1974, S. 31. 78) Vgl. z.B. J. Schleifstein, J.-P. Delilez, R. Katzenstein: BEITRÄGE ZUR "STAMOKAP"-DEBATTE, Köln 1973 und zahlreiche Bei- träge in der SOPO. 79) Vgl. z.B. AUFGABE ZUKUNFT, QUALITÄT DES LEBENS, Band 3: VER- KEHR; Band 4: UMWELT, Frankfurt 1974. 80) Vgl. K. Maase: Die Diskussion um "Lebensqualität als Ausdruck der Suche nach einer Reaktion auf die Entwicklung von Kultur zum zentralen Gegenstand von Gesellschaftspolitik (Thesen)" (vervielfältigtes Seminarpapier). Seminar "Kommunale Kulturpoli- tik" von Claas/Foltin/Kramer/Maase, Marburg 1973/74. 81) Vgl. G. Schmölders: "Leistungsprinzip und 'Qualität des Le- bens'". In: SINN UND UNSINN DES LEISTUNGSPRINZIPS. Ein Symposion, München 1974, S. 20-30: "Noch dazu erliegt die weithin herr- schende Wirtschaftstheorie, die den Verbraucher nur als Markt- teilnehmer kennt, immer wieder der Gefahr, die im Bereich der so- zialen Beziehungen stattfindenden Interaktionen der Wirtschafts- subjekte gewissermaßen nur als räum- und zeitlose Mechanismen zur Kenntnis zu nehmen und jenen Vorraum der Einkommensverwendung, in dem Bedürfnisse und Bedarf, die Bildung von Präferenzen und Prio- ritäten sowie die Informationen und Lernprozesse angesiedelt sind, die zu Kaufentscheidungen führen oder doch beitragen, mehr oder weniger zu vernachlässigen." (a.a.O., S. 26) Auch dieser Be- reich muß also noch unter die Kontrolle der Monopole gebracht werden! 82) Vgl. H. Claas u.a.: Rechtliche Grundlagen kommunaler Kultur- arbeit", (vervielfältigtes Seminarpapier), Marburg 1973/74. 83) "Nicht abgesonderte Bildungs- und Kulturgettos, sondern Kri- stallisationspunkte eines vielfältigen sozialen Beziehungsge- flechtes von Bildung, Kultur, Geselligkeit, Sport, Erholung und Versorgung sollten Bild und Struktur der zukünftigen Stadt be- stimmen." J. Hahn im Bericht vor dem Plenum des Deutschen Städte- tages, in: WEGE ZUR MENSCHLICHEN STADT. Vorträge, Aussprachen und Ergebnisse der 17. Hauptversammlung des Deutschen Städtetages vom 2. bis 4. Mai 1973 in Dortmund, Köln/Stuttgart 1973, S. 129. 84) Vgl. den beschwörenden Appell des Deutschen Städtetages: RET- TET UNSERE STÄDTE JETZT! Vorträge, Aussprachen und Ergebnisse der 16. Hauptversammlung des Deutschen Städtetages ... 1971 in Mün- chen, Stuttgart/Köln 1971 (Neue Schriften des Deutschen Städteta- ges, H. 28). 85) "Zur Wiedergewinnung der Stadt als kulturgeprägte Schöpfung und Ereignisstätte sollen - nicht ein konventioneller Kulturbetrieb für ein daran gewöhntes Publikum das kulturelle Angebot bestimmen, sondern der Zugang zu den kulturellen Einrichtungen allen durch pädagogische Orientie- rung und Information erleichtert werden..." (Entschließung der Hauptversammlung des deutschen Städtetages 1973, a.a.O., S. 94/95). 86) Vgl. zum allgemeinen Krisenbewußtsein O. Schwencke: "Kontinuität und Innovation." Zum Dilemma deutscher Kulturpolitik seit 1945 und zu ihrer gegenwärtigen Krise, in: Schwencke/ Revermann/Spielhoff: PLÄDOYERS FÜR EINE NEUE KULTURPOLITIK, München 1974, S. 11-43, sowie H. Glaser: DAS UNBEHAGEN AN DER KULTURPOLITIK, a.a.O., S. 47-56. 87) So mit typischer individualisierender Verkürzung bei D. Sau- berzweig: "Aber die Dominanz der wirtschaftlichen Ziele muß durch den Willen des einzelnen wie der Gemeinschaft dahingehend korri- giert werden, daß die soziale, geistige und kulturelle Entfaltung des Menschen nicht nur ermöglicht, sondern vor allem anderen ge- fördert wird." WEGE ZUR MENSCHLICHEN STADT ..., S. 117. 88) Der Gründungsaufruf dieser Gesellschaft appellierte 1871 an "alle Freunde deutscher Bildung und Gesittung, ja, an alle dieje- nigen, welche die Gemeinsamkeit der geistigen Interessen anerken- nen und einseitig materiellen und socialistischen Richtungen die gemeinsamen Kulturschätze und die solidarische Kulturarbeit un- seres Volkes entgegenstellen wollen..." Vgl. D. Kramer: "VOLKSBILDUNG" IN DER INDUSTRIEGEMEINDE. Theorie und Praxis bür- gerlicher Volksbildungsarbeit zwischen 1871 und 1918 am Beispiel von Rüsselsheim am Main. Diss. im Fachbereich Gesellschaftswis- senschaften Marburg 1973 (noch nicht gedruckt). 89) Vgl. das Papier gleichen Titels aus dem in Anm. 80 genannten Seminar. 90) Besonders deutlich wird diese Konzeption bei Hermann Glaser. Er spricht davon, daß Kultur "gesellschaftspolitisch rentabel" sei und fordert, durch von ihr zu fördernde Kommunikation das "gesellschaftliche Verstehen ohne Verdrängung von Konflikten" zu erleichtern - aber selbstverständlich auch ohne Austragen von Konflikten: "In der nachökonomischen Stadt geht es weniger um Rentabilität, viel mehr um Benefit", meint er, ohne zu sagen, wem es um was geht und wie die neuen Lebensbedingungen, von denen er träumt, realisiert werden können. (H. Glaser: "Die Stadt als Kulturlandschaft", FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 31.3.1973). Weil er so keine Perspektive gesamtgesellschaftlicher Planung der Verwen- dung des gesellschaftlichen Reichtums entwickelt, reduziert sich Kultur auf die Welt des schönen Scheins mit integrierender und ablenkender Funktion. Kultursubventionen seien notwendig, weil "Kultur ein bißchen Freude und Menschlichkeit in die Steinwüsten hineinzutragen vermag". Künstler seien "soziale Moderatoren". Und nachher kommt, auf dem Hintergrund der Wachstumskrise, weiter nichts heraus als esoterischer elitärer Pessimismus: "Heiterkeit auf dem Grunde der Schwermut" wie im Biedermeier, "neuer Glanz von innen", "bessere (vergeistigte und ästhetische) Umwelt" (Hermann Glaser: "Brauchen wir ein neues Biedermeier? " FRANKFUR- TER RUNDSCHAU vom 18.8.1973, S. VIII). 91) "Kultur in der Stadt bedeutet daher - die Kommunikation zu fördern und damit der Vereinzelung entge- genzuwirken, - Spielräume zu schaffen und damit ein Gegengewicht gegen die Zwänge des heutigen Lebens zu setzen, - die Reflexion herauszufordern und damit bloße Anpassung und oberflächliche Ablenkung zu überwinden." ("Bildung und Kultur als Element der Stadtentwicklung", in: WEGE ZUR MENSCHLICHEN STADT ... S. 98). Ein besonders krasses Beispiel für illusionäre Vor- stellungen liefert Olaf Schwencke: - Um in der Tat 'alle Verhält- nisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein ge- knechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist' (Marx), muß Wirklichkeit in Spiel-Räumen erprobt werden." (O. Schwencke: "Kontinuität und Innovation", in: PLÄDOYERS FÜR EINE NEUE KULTUR- POLITIK..., S. 43). 92) Vgl. K. Maase: "Siegeszug der Freizeitkultur - Zwischen Bett und Bocciabahn? " in: U. Friesel, U. Timm: TEXTE ZU EINEM SCHÖNEN WORT UND UNSERER WIRKLICHKEIT. Lesebuch 4: FREIZEIT, München 1973. 93) Vgl. die Ausstellung "Kunst im Riederwald. Bilder aus unserer Arbeitswelt." Jugendhaus Riederwald (Frankfurt), 3. Dezember 1973 bis 15. Januar 1974, veranstaltet vom Frankfurter Jugendamt, Frankfurter Jugendring, Jugendhaus, Demokratischen Kulturbund. 94) Vgl. das Programm des Internationalen Arbeiter-Künstler-Tref- fens in Braunschweig 1974. 95) Vgl. die Programme der Frankfurter Volkshochschule. 96) Direktor Hans Stubenvoll interpretiert die Aufgabe des Frank- furter Historischen Museums folgendermaßen: In ihm sollen "auch die Interessen derer wahrgenommen werden, die die Hauptmasse der Bevölkerung bilden." - "Wir versuchen ..., dem Museumsbesucher Einsicht in historische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Durch die Kenntnis historischer Zusammenhänge kann auch die gesellschaftliche Situation der Gegenwart als veränder- bar begriffen werden." "Historisches Museum in Frankfurt am Main", Eine Dokumentation ... Frankfurt 1972; vgl. zur Polemik um dieses Museum: KUNSTZEITUNG. Informationen der Frankfurter Kul- turszene, Nr. 2, 1972. 97) Die Integration ist erst Programmbestandteil: Das "Angebot an Kultur und Erholung" soll mit dem "Angebot an Bildung" eng ver- knüpft werden, vgl. "Bildung und Kultur als Element der Stadtent- wicklung", in: WEGE ZUR MENSCHLICHEN STADT..., S. 97. 98) Zu den verstärkten Anstrengungen der Analyse und Präzisierung des Begriffs der Lebensweise vgl. u.a. G. Glezermann: "Lenin i formirovanie socialisticeskogo obraza zizni", in: KOMMUNIST, 1, 1974, S. 105-118, und S.G. Strumilin und E.E. Pisarenko: "Socialisticeskij obraz zizni: Metodologija issledovanija", in: VOPROSY FILOSOFII, 2, 1974, S. 27-38. 99) Gerda Nolepa: "Probleme der Entfaltung der schöpferischen Kräfte der Arbeiterklasse in der sozialistischen Produktion", DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR PHILOSOPHIE, 5, 1973, S. 533-551,8. 538. 100) Vgl. K. Hausmann, G. Neumann: KULTURANSPRUCH UND MANIPULA- TION, Berlin (DDR) 1972. 101) N. Thun: DAS ERSTE JAHRZEHNT. Literatur und Konterrevolution in der Sowjetunion, Berlin 1973, S. 142 f. 102) Vgl. z.B. die kulturpolitischen Teile des "Programme pour un gouvernement democratique d'union populaire" (Parti Communiste Francais), Paris 1971, und: DAS GEMEINSAME REGIERUNGSPROGRAMM DER SOZIALISTEN UND KOMMUNISTEN IN FRANKREICH, hrsgg. v. W. Gold- schmidt. Köln 1972. 103) Vgl. z.B. die "Bürgerinitiative 'Ravensberger Spinnerei'", in: ARBEITSTAGUNG DER DKP ZU FRAGEN DER BILDENDEN KUNST 31.5.- 3.6.73 IN NEUSS, München 1973, S. 140-141. 104) "Kultur und Kulturpolitik im antiimperialistischen Kampf". Vorgelegt vom Referat Bildungs- und Kulturpolitik beim Parteivor- stand der DKP, in: Hausmann/Neumann (vgl. Anm. 100), S. 149-164, S. 153. 105) Vgl. U. Paetzoldt, H. Schmidt (Hrsg.): SOLIDARITÄT GEGEN AB- HÄNGIGKEIT. Mediengewerkschaft. Darmstadt, Neuwied 1973 und F. Krön: "Abhängigkeitsbewußtsein und Organisation der Schriftstel- ler", in: KÜRBISKERN 4/1972, S. 534-550. 106) Vgl., was der "Autorenreport" über die Zielgruppen-Orientie- rung der Schriftsteller sagt: "Auffallend, wie privat die Formen der Einflußnahme bleiben: Zwei Drittel der befragten Autoren (in allen drei Kategorien) fühlen sich zwar in der einen oder anderen Weise verpflichtet, 'auf den Abbau sozialer und politischer Miß- stände hinzuwirken', über den privaten Schreibtisch und über halbwegs normale Bürgeraktivitäten reichen ihre Einflußchancen aber offenbar kaum hinaus." Und: "Knapp die Hälfte aller Autoren orientiert sich von vornherein an gar keinem Publikum, hat keine Zielgruppen beim Schreiben vor sich, an die sich der 'soziale' oder 'politische' Auftrag richten könnte." K. Fohrbeck, A.J. Wie- sand: DER AUTORENREPORT, Reinbek 1972, S. 356-358. 107) Vgl. die ausführlichen Diskussionen bei der DKP: "Kulturpolitisches Forum der Deutschen Kommunistischen Partei 12./13. Juni 1971 in Nürnberg." Reden, Referate, Diskussionsbei- träge (Auszüge). Hamburg 1972, sowie u.a. die in Anm. 103 und 104 genannten Titel. 108) KULTUR UND KULTURPOLITIK ... (s. Anm. 104), S. 150. zurück