Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1976


       zurück

       Diskussion & Kritik
       Philosophie und Politik bei Althusser - Kritische Beiträge (1)
       
       Jutta Kolkenbrock-Netz
       

NEUE ANTWORTEN AUF ALTHUSSER?

Zu einigen Tendenzen der Althusser-Rezeption -------------------------------------------- "Da es keine 'unschuldige' Lektüre gibt, wollen wir klären, wel- cher Lektüre wir uns 'schuldig' gemacht haben." Louis Althusser Jahrelang haben die Marxisten in der BRD und in Westberlin über die Arbeiten des französischen Kommunisten Louis Althusser entwe- der geschwiegen oder sie als "strukturalistisch" abgetan. "Strukturalismus" - damit waren zugleich eine Reihe schwerster 'Verfehlungen' benannt: Angriff auf die Geschichte und ihr Sub- jekt: den Menschen, Positivismus, Szientismus, Dogmatismus, At- tentismus... 1) Wenn nun eine Zeitschrift wie Das Argument der Beschäftigung mit Althusser ein ganzes Heft widmet, 2) um endlich damit zu begin- nen, eine bislang scheinbar undurchdringliche "geistige Grenze zu den westlichen Nachbarn der Bundesrepublik, vor allem zum franzö- sischen und italienischen Marxismus" zu durchbrechen /921/, so könnte das, zumal wenn man bedenkt, daß auch hier Althusser vor- her nur einmal unter dem Stichwort "strukturalistische Revision des Marxismus" 3) zur Kenntnis genommen wurde, eine Wende in der Althusser-Rezeption, die Einleitung einer breiten marxistischen Diskussion seiner Thesen bedeuten. Doch zur Diskussion gestellt werden in diesem Heft die Beiträge zu Louis Althusser gerade n i c h t, im Gegensatz zu den rest- lichen Artikeln derselben Nummer über Jochen Steffen, Dutschke und Armanski. Es werden vielmehr drei "Antworten auf Althusser" präsentiert, die fast alle seine neueren Texte 4) und auch die in der BRD freilich nicht sehr zahlreichen positiven Explikationen seiner Theorie 5) inhaltlich ausklammern. Insgesamt handelt es sich um eine Reihe unterschiedlicher Abgrenzungsversuche, obwohl eine k o n t r o v e r s e m a r x i s t i s c h e Diskussion über dieses Thema in der BRD nie geführt wurde. So muß wiederum der Eindruck entstehen, als wolle man - nur nachhaltiger als bis- her - einer gefährlichen ideologischen Offensive begegnen, um die eigenen v o n a u ß e n bedrohten theoretischen Positionen wirksam zu verteidigen; und es fragt sich deshalb, wie ernst die im Editorial formulierte Absicht, zunächst einmal die Grundlagen der Theorie Althussers durchdringen zu wollen, hier eigentlich gemeint ist. Was sind das für 'Antworten', die man auf die 'Herausforderung Althusser' glaubt geben zu müssen? Um sich des unbequemen 'Kindes' Marx zu entledigen, haben manche sich auf die Suche nach dem 'Vater' begeben, damit es in dessen Namen (z.B. Hegel) verschwinde. Freud ist es ähnlich ergangen. Dank der Besprechung von Althussers "Selbstkritik" durch Christa Thoma-Herterich 6) kommt Althusser, der eben diese traditionsrei- che Praxis aufgezeigt hat 7), zu der unverhofften Ehre, daß ihm selbiges widerfährt. Die 'Väter', die auf den ersten Blick für ihn in Frage kommen, heißen Bachelard und Spinoza /981/982/; endlich aber ist der "geistige Nährvater" /980/ gefunden, der sich besonders eignet, dem 'Kind' den Prozeß zu machen: "der Neo Psychoanalytiker" /982/ Jacques Lacan! Dessen 'Erkenntnistheorie', die sich mit der mar- xistischen Widerspiegelungstheorie nicht vereinbaren lasse, bilde "inzwischen den Modus der Althusserschen Annäherung an Marx" /982/. So lautet die Behauptung. Aber wo folgt der Beweis? Wir werden auf die Zukunft vertröstet: "Althussers Nutzung sol- cher Vorstellungen muß Analysegegenstand der weiteren Kritik wer- den, damit bestimmte Geheimnisse (!) - nicht nur seiner bisweilen exklusiven und unübersetzbaren Diktion - erhellt werden können." /982/ Gegen den Versuch, den Gebrauch psychoanalytischer Termini in den Texten Althussers zu explizieren, wäre nichts einzuwenden, wenn die t h e o r e t i s c h e Funktion von solchen Bezugnahmen im einzelnen nachgewiesen würde, denn es ist nichts weniger als ein 'Geheimnis', daß Althusser sich zuweilen - oft metaphorisch oder in Form von Analogien - solcher Termini bedient. Doch darum geht es Thoma-Herterich offenbar nicht. Sie arbeitet stattdessen durchweg mit trivialen Unterstellungen und pauschalen Diffamie- rungen, die insgesamt auf die absurde 'These' hinauslaufen, daß Althusser, 'infiziert' von der Psychoanalyse Lacans, die Philoso- phie nunmehr endgültig zur "Privatangelegenheit jedes Marxisten" /980/ erklärt habe, um sowohl die D i a l e k t i k als auch die W i d e r s p i e g e l u n g s t h e o r i e ein für alle Mal zu liquidieren /978, 981, 984/. Es ist symptomatisch, daß Thoma-Herterich gegen Althusser gerade diejenigen T h e s e n marxistischer Philosophie zu wenden versucht, die bei ihm zum Ge- genstand ausführlicher Überlegung und Erörterung werden, um sie vor einer Erstarrung in - t o t e E v i d e n z e n" 8) zu be- wahren, weil sie sonst allenfalls als Bausteine eines Dogmenge- bäudes dienen könnten, das für revolutionäre Marxisten jedoch un- bewohnbar ist. So erklärt Thoma-Herterich z.B. ohne die gering- sten Skrupel, daß Althusser die materialistische 'Erkenntnis- theorie', die Marx durch 'U m s t ü l p u n g' der Hegelschen Dialektik gewonnen habe, entschieden bekämpfe /984/, obwohl doch gerade Althusser sich mit der Metapher der "Umstülpung" immer wieder befaßt hat. 9) Dies in der Absicht, um auf d i e N o t w e n d i g k e i t einer m a t e r i a l i s t i- s c h e n Dialektik, aber auch um auf die Wichtigkeit und das Problem ihrer t h e o r e t i s c h e n Formulierung hinzuwei- sen. Da sich Thoma-Herterich prinzipiell weigert, auf die Althussersche Argumentation überhaupt einzugehen, kann man nur zu dem Schluß kommen, daß s i e es ist, die offenbar glaubt, nicht nur das Verhältnis Marx-Hegel, wie sie es Althusser vorwirft, sondern auch den Marxismus insgesamt "auf eine Übernahme philosophischer Merksätze reduzieren" zu können. /984/ Darüber hinaus muß es befremden, daß es im "Argument" noch er- laubt ist, auf zählebige, historisch tief verwurzelte Vorurteile der Psychoanalyse gegenüber zu spekulieren, die die Marxisten jahrzehntelang gehindert haben, sich wissenschaftlich mit den Texten Freuds zu befassen, um h e u t e die philosophische Ar- beit eines französischen Kommunisten zu diskreditieren, der in Frankreich entscheidend dazu beigetragen hat, jenen in der Ge- schichte der Arbeiterbewegung so folgenreichen Verkennungen der w i s s e n s c h a f t l i c h e n Psychoanalyse seitens der Marxisten ein Ende zu bereiten. 10) Um Althusser als 'Lacanisten' anzuprangern, geht Thoma-Herterich vom französischen Original aus, das ihr jene Pikanterien allein zu bieten scheint, die die deutsche Übersetzung traurigerweise vermissen lasse. Dies kann und will ihr niemand verwehren. Aber Thoma-Herterich, die doch die Philosophie nicht als "Privatange- legenheit" aufgefaßt wissen will, erklärt kurzerhand die deutsche Übersetzung a l l g e m e i n für unbrauchbar. /976/ Diskret unterschlägt sie die Tatsache, daß Althusser selbst an der Über- setzung des Textes mitgewirkt hat. Dies ihr Verfahren ist durch- sichtig: von dem ungerechtfertigten Angriff auf den Übersetzer 11) einmal abgesehen, wird so eine z u s ä t z l i c h e Barriere vor den Althusserschen Texten errichtet, denn dieses Mal soll mit 'philologischen' Argumenten eine breitere Althusser- Diskussion im deutschen Sprachraum verhindert werden. Thoma-Herterichs Beitrag signalisiert in so extremem Maße Diskus- sionsunwilligkeit, daß man geradezu von 'Widerstand' in psycho- analytischem Sinne, bei dem Argumente bekanntlich nicht verfan- gen, sprechen möchte. Was man über Althusser zu denken hat, scheint vorab ausgemacht. Und es ist deshalb auch keineswegs zu- fällig, daß das Verdikt "Strukturalismus" einfach gegen ein an- deres, nämlich "Lacanismus" ausgewechselt wird - mit demselben Ergebnis: wieder einmal erspart man sich die Auseinandersetzung! Im Unterschied zu Thoma-Herterich bemüht sich Hans-Jörg Rheinber- ger 12), Althussers Argumentation im einzelnen darzulegen und seine Einwände in nachvollziehbarer Form vorzutragen. Das Dilemma der Untersuchung liegt allerdings darin, daß er sich von einer erkenntnistheoretischen Problematik leiten läßt, die jedoch in den Texten, die er behandelt - es sind fast ausschließlich "Pour Marx" und "Lire le capital" - prinzipiell in Frage gestellt wird. Rheinbergers Kritik zielt vor allem auf drei Punkte: 1. den Pra- xisbegriff, 2. die Trennung von Real- und Erkenntnisobjekt, 3. den Wissenschaftsbegriff. Fassen wir diese Kritik zusammen: H a u p t t h e s e: Althusser hat die Frage nach dem Verhältnis "von Theorie und Praxis i n d e r T h e o r i e" und dem Ver- hältnis "von Wirklichkeit und Erkenntnis i n d e r P r a x i s des materiellen Lebensprozesses" /928/ eliminiert. B e g r ü n- d u n g 1: Althusser ersetzt den allgemeinen Praxisbegriff durch den Begriff der unterschiedlichen relativ autonomen Praxisarten. J e d e Praxis wird dabei nach einem Arbeits- begriff gedacht, der aus der "historisch-spezfische(n) Struktur des kapitalistischen Produktionsprozesses" /929/ abgeleitet und seinerseits als "ewige Naturform" akzeptiert wird. Praxis wird also auf Produktionstätigkeit reduziert. B e g r ü n d u n g 2: Althusser umgeht mit der Ausklammerung des Wahrheitsproblems die Frage nach dem Verhältnis von Sein und Bewußtsein. Das Leninsche Praxiskriterium gerät ihm zur schlichten Tautologie: "eine wissenschaftlich produzierte und wissenschaftlich präsentierte Erkenntnis ist eine wissenschaftliche Erkenntnis". /941/ B e g r ü n d u n g 3: Althusser faßt den gesellschaftlich- ökonomischen Zusammenhang der Erkenntnis nur 'äußerlich' auf und rehabilitiert dementsprechend in der Trennung Ideologie/Wissen- schaft einen positivistischen Wissenschaftsbegriff im Sinne Hil- ferdings. /946/ Rheinberger will sicher nicht bestreiten, daß die Auffassung der Praxis als reiner Intersubjektivität bürgerlich-philosophischen Ursprungs ist, und auch nicht, daß sich genügend Zitate anführen lassen, in denen Marx die Erkenntnis als eine "Produktion" be- zeichnet. Die Differenz wird an einem anderen Punkt sichtbar: al- lem Anschein nach glaubt Rheinberger, aus den a l l g e m e i- n e n Aussagen von Marx über den Arbeitsprozeß 13) e i n e p h i l o s o p h i s c h e (anthropologi-sche/ontologische?) Konzeption der Arbeit herauslesen zu können, die die Formbestimmtheit des kapitalistischen Arbeitsprozesses als E n t f r e m d u n g d e s m e n s c h l i c h e n W e- s e n s zu begreifen erlaube. Unterstellt wird dabei, daß man das wissenschaftliche Hauptwerk von Marx durch die 'Brille' seiner philosophischen Frühschriften lesen könne. Althusser aber hat bekanntlich eine solche Lektüre problematisiert, doch er hat es dabei nicht nötig, die Marxschen Aussagen über die Arbeit als einen "Stoffwechsel" zwischen Mensch und Natur zu unterschlagen, wie Rheinberger annimmt. /928/ Im Gegenteil: in einem ganzen Ka- pitel von "Lire le capital" setzt Althusser sich mit eben diesen Textstellen ausführlich auseinander und zeigt, daß gerade hier Marx' B r u c h mit a l l e n idealistischen Konzeptionen der Arbeit als des Wesens des Menschen (Hegel, A. Smith), auch mit der eigenen seiner Frühschriften, deutlich wird: "Wenn Marx schreibt, daß die Arbeit 'vor allem ein Prozeß ist, der sich zwischen Mensch und Natur abspielt, ein Prozeß, in dem der Mensch durch seine eigene Tätigkeit den Stoffwechsel mit der Natur regelt, bestimmt und kontrolliert ... er spielt gegenüber der Natur die Rolle einer Naturkraft', so behauptet er damit, daß die Umformung der materiellen Natur in Produkte, also der Ar- beitsprozeß, als materieller Mechanismus durch die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Technologie bestimmt wird. Auch die Arbeitskraft ist ein Bestandteil in diesem Mechanismus." 14) In diesem Abschnitt des 'Kapital' handelt es sich nicht um eine philosophische Abstraktion e m p i r i s c h e r Begriffe, die das 'Wesen' der Arbeit hegelianisch als Subjekt-Objekt-Vermitt- lung bestimmte, 15) sondern um die Bereitstellung von t h e o- r e t i s c h e n Begriffen, wie Arbeitsprozeß, Arbeitsmittel, Arbeitsgegenstand, mit deren Hilfe das Erkenntnisobjekt 'Pro- duktion' gedacht werden kann. Bei der Übertragung der formalen Struktur dieses n i c h t - t e l e o l o g i s c h e n Produk- tionsbegriffes auf a n d e r e Formen der 'Aneignung' der Natur durch den Menschen, die Marx ausdrücklich voneinander un- terscheidet, aber dennoch unter e i n e n Begriff 'Aneignung' subsumiert: der theoretischen, künstlerischen, ideologischen, 16) wird daher auch nicht, wie Rheinberger meint, die e m p i r i- s c h e Praxis auf die e m p i r i s c h e Produktionstätig- keit reduziert /929/, sondern die Struktur j e d e r Praxis zunächst t h e o r e t i s c h bestimmt, so daß von hier aus- gehend auch der theoretische Begriff der einzelnen P r a x i s- a r t e n produziert werden kann. Zwar wird dadurch die bishe- rige philosophische Theorie-Praxis-Relation eliminiert, doch heißt das nicht, daß die verschiedenen Determinationsbeziehungen der Praxisarten untereinander, insbesondere die Determination in letzter Instanz durch die ökonomische Praxis, irrelevant geworden wäre. Im Gegenteil: erst dann, wenn die einzelnen sozialen Ebenen und Tätigkeitsfelder nicht mehr reduktionistisch aufeinander bezogen, sondern in ihrer r e l a t i v e n Autonomie begriffen werden, läßt sich "d a s S y s t e m d e s A u f t r e- t e n s einer Praxis in einer anderen" für die jeweilige Gesellschaftsformation im einzelnen erkennen. 17) Da aber Rheinberger diese Fragen a l s p h i l o s o p h i s c h e be- handelt und auf philosophischem Wege zu beantworten versucht, nicht aber als solche, die auf dem Boden des Historischen Mate- rialismus, der Wissenschaft von der Geschichte, als w i s s e n- s c h a f t l i c h e Probleme neu zu stellen und zu lösen sind, erscheinen ihm die begrifflichen Vorarbeiten Althussers als idealistische Abweichung. Althusser hingegen beansprucht nur, jenes "Minimum an Allgemeinheit" zu formulieren, "das notwendig ist, um über einen konkreten Gegenstand nachdenken zu können" 18), damit h i s t o r i s c h e Forschungen möglich werden. Diese grundsätzliche Differenz wirkt sich auch in der e r- k e n n t n i s t h e o r e t i s c h e n Fragestellung Rhein- bergers aus. Dominique Lecourt hat in einer bahnbrechend zu nennenden Untersuchung von Lenins "Materialismus und Empiriokri- tizismus" gezeigt, daß Lenin die Klärung des Erwerbs abstrakter Ideen nicht mehr für eine p h i l o s o p h i s c h e, sondern für eine w i s s e n s c h a f t l i c h e Aufgabenstellung hält. 19) Eben diese Frage aber ist für Rheinberger von v o r- r a n g i g e m Interesse, und er sucht sie zu beantworten, indem er Erkenntnis als dem Erkenntnisgegenstand möglichst getreues "Abbild" definiert, das "aus Praxis, aus dem Verhältnis des Menschen zur Natur und seinesgleichen im Gesellschaftszusam- menhang, also aus Tätigkeit herausprozessiert wird und sich durch Tätigkeit (Anwendung, Experiment) praktisch überprüfen lassen muß". /936/ Rheinberger behandelt die erkenntnistheoretische G r u n d f r a g e nach dem Primat des Seins vor dem Bewußtsein unter der D o m i n a n z einer z w e i t e n Frage, der nach der O b j e k t i v i t ä t d e r E r k e n n t n i s, dem E r k e n n t n i s p r o z e ß: "Was macht eine Erkenntnis zu dem, als was sie dann doch letzt- lich anzusehen ist, zur theoretischen Aneignung der Wirklichkeit durch das Denken? " /939/ Die 'Lösung' ist dann auch die von Alt- husser kritisierte, weil sie in e r s t e r Linie von der alten philosophischen Frage nach der Wahrheitsgarantie beistimmt wird: an die Stelle des wissenschaftlichen Problems der Geschichte der Erkenntnistätigkeit in den jeweiligen Einzelwissenschaften tritt die hegelianische Frage der 'Ableitbarkeit' der Erkenntnisresul- tate aus ihrer jeweiligen 'Genesis'; an die Stelle einer präzisen Bestimmung, auf welche Weise das Erkenntnisprodukt in andere Pra- xisarten (die Produktionspraxis oder die politische Praxis) ein- geht bzw. die Erkenntnis durch sie determiniert wird, tritt die empiristische Konzeption der Widerspiegelung als 'Abbild' des realen Gegenstandes. Althusser geht anders vor: entsprechend der leninistischen Posi- tion, daß dem Sein dem Bewußtsein gegenüber der Primat zukomme, steht für ihn außer Frage, daß die Erkenntnis die Realität, die ihre Voraussetzung ist, 'widerspiegelt', d.h. daß in der theore- tischen Praxis o b j e k t i v e Erkenntnisse produziert wer- den. Die Frage nach der W a h r h e i t s g a r a n t i e wird zur Scheinfrage erklärt. Ebenfalls im Zusammenhang der erkennt- nistheoretischen Grundfrage betont er die unabhängige Existenz des Realobjekts gegenüber dem Erkenntnisobjekt, aber auch die Notwendigkeit der Produktion eines Erkenntnisobjekts, wenn dem Realobjekt real das hinzugefügt werden soll, was ihm immer schon im voraus gehört, seine Erkenntnis. 20) Den Erkenntnisprozeß faßt er in seiner Beziehung zu anderen Praxisarten ebenfalls als eine objektive historische und soziale Realität. 21) Sowohl G e- s c h i c h t e als auch M e c h a n i s m u s der Erkennt- nisproduktion, auf die die zweite erkenntnistheoretische Frage Lenins zielt, sind in letzter Instanz nur auf dem Boden d e s H i s t o r i s c h e n M a t e r i a l i s m u s erforschbar. Eine Erkenntnistheorie im traditionellen Sinne wird damit obso- let. An dieser Stelle aber sei auf eine entscheidende Unstimmigkeit in "Das Kapital lesen" verwiesen, die Althusser in den "Elementen der Selbstkritik" als Auswirkung einer t h e o r i z i s t i- s c h e n T e n d e n z gekennzeichnet und berichtigt hat. 22) Solange Althusser Philosophie als "Theorie der theoretischen Praxis" definierte, konnte der Eindruck entstehen, als könne eine selbständige marxistische Epistemologie begründet werden, die sich lediglich an dem marxistischen Geschichtsbegriff zu orien- tieren hätte, und als ließe sich die konkret-historische Untersuchung der Einzelwissenschaften in ihren spezifischen Beziehungen zu den übrigen sozialen Praxen durch eine a l l g e- m e i n - s p e k u l a t i v e Darstellung des Mechanismus der Produktion von Erkenntniseffekten ersetzen. Diese Unklarheit hinsichtlich des Status und des Ortes der Epistemologie hat Althusser inzwischen dadurch behoben, daß er ihr Projekt eindeutig auf dem Boden des Historischen Materialismus situiert. So zielt auch Althussers Fragestellung heute nicht mehr allgemein auf den Wissenschaftscharakter des Historischen Materialismus im Unterschied zu seiner ideologischen Vorgeschichte, sondern auf die h i s t o r i s c h e n Entstehungsbedingungen der marxi- stischen Geschichtswissenschaft und ihre besondere Existenzweise in der Arbeiterbewegung. Im Rückgriff auf den Historischen Mate- rialismus kann auch die Funktionsweise der marxistischen Philoso- phie in der T h e o r i e und in der P o l i t i k der revo- lutionären Arbeiterbewegung bestimmt werden. Althussers These, daß eine Wissenschaft kein ä u ß e r e s Kriterium zur Bestäti- gung ihrer Erkenntnisse benötigt, wie ja auch das Experiment der theoretischen Anordnung der jeweiligen Wissenschaft selbst ange- hört, 23) wird dadurch nicht verworfen, sondern im Gegenteil für den Historischen Materialismus spezifiziert: als Wissenschaft in der Arbeiterbewegung berichtigt er sich sowohl in der marxisti- schen Theorie als auch in der marxistischen Praxis des Klassen- kampfes. 24) Einmal mehr wird erkennbar, daß es Althusser keinesfalls um eine ideologische Bestätigung der bürgerlich-kapitalistischen Arbeits- teilung bzw. die Aufrichtung eines aufklärerischen Wissenschafts- ideals innerhalb der Arbeiterbewegung geht. Abgesehen davon, daß Althusser den Erkenntniseffekt auch von Ideologien gar nicht be- streitet, sondern ihn nur vom wissenschaftlichen Erkenntniseffekt zu unterscheiden weiß 25), ist aber die von Rheinberger vorge- schlagene Kennzeichnung und Situierung der Wissenschaft als eine der spezifischen S p h ä r e n gesellschaftlichen Bewußtseins" /949/ im Überbau theoretisch nicht zu rechtfertigen. Marx diffe- renziert immerhin an entscheidender Stelle zwischen der w i s- s e n s c h a f t l i c h e n Analyse der gesellschaftlichen Realität und den zum Überbau gehörigen i d e o l o g i s c h e n F o r m e n der B e w u ß t w e r d u n g dieser Realität. 26) Nun noch zum Beitrag von Urs Jaeggi: "Theorie der Geschichte: Ge- schichte der Theorie" 27). Er erschien vor kurzem erneut in leicht überarbeiteter Fassung in Jaeggis Buch "Theoretische Pra- xis. Probleme eines strukturalen Marxismus" 28) und soll daher im Zusammenhang der übrigen Aufsätze dieses Bandes diskutiert wer- den. Man könnte fragen, ob der theoretische Gehalt der drei in den Jahren 68 bis 75 veröffentlichten Texte 29) zu Althusser die Aufnahme einer professoralen Angewohnheit, bereits publizierte und leicht zugängliche Aufsätze schon nach kurzer Zeit in Sammel- bänden wieder neu herauszugeben, rechtfertigt. Immerhin lassen sie sich jetzt, dargeboten als Protokoll einer bestimmten Althus- ser-Lektüre, insgesamt einschätzen. Jaeggis Aufsätze zum Thema Althusser zeichnen sich durch ein - wie es der Verfasser an einer Stelle seines Buches selbst bekennt - "In-der-Schwebe-Halten" der Argumentation aus. Jaeggi sieht darin einen Vorteil: "es markiert die Vorläufigkeit der Position, auf beiden Seiten." /127/ Nun gut, nicht immer muß man sich so- gleich festlegen. Dennoch: trotz der sich deutlich abzeichnenden Verschiebungen der Positionen von Beitrag zu Beitrag bleiben ei- nige Grundthesen auffallend konstant, die die Althusser-Rezeption von Anfang an gesteuert haben. In "Ordnung und Chaos" 30) wird Althusser neben Lévi-Strauss und Foucault als "Strukturalist" vorgestellt. Trotz der Faszination für den wissenschaftstheoretischen Neuansatz - Jaeggi: "die Ver- bindung von Theorie und Methode"! /12/ - dominiert die philoso- phische Kritik an einer "strukturalistischen Doktrin", die sich im wesentlichen an die Argumentation von Sartre, Améry und Le- fèbvre anschließt. Zwei Thesen sind es vor allem, die "der Struk- turalismus" auf provozierende Weise in Frage gestellt habe: 1. Theorie und Praxis müssen zusammengeführt werden; 2. Die Menschen machen ihre Geschichte selbst. "Denn die Menschen können ihre Ge- schichte nur so weit rational verstehen, a sie ihr eigenes Werk ist." /59/ Gegen diese zweite These hat Althusser immer wieder polemisiert, am ausführlichsten in seiner Antwort auf den englischen Kommuni- sten John Lewis. 31) So einheitlich der "strukturalistische" Angriff auf die eigenen Positionen empfunden wird, so pauschal wird auch zurückgeschla- gen: Der "Strukturalismus" negiert die Praxis und damit die Ge- schichte. Er ist eine Flucht aus der Politik in die wissenschaft- liche Askese /41/. Und es gibt nur die Alternative: Hilft das In- dividuum mit die Geschichte zu machen oder ist es dieser ausge- liefert? /40/ Von derartig pauschaler Kritik hat sich Jaeggi später distan- ziert. Als Mitherausgeber eines Sammelbandes Althusserscher Texte 32) grenzt er sich von der herrschenden, durch ihn selbst mit eingeleiteten "Strukturalismus"-Rezeption ab und empfiehlt eine p o l i t i s c h e Lektüre Althussers. Zu dieser veränderten Einstellung haben nicht zuletzt die neueren Texte Althussers bei- getragen. War die erste Reaktion Abwehr, so erweist sich der neue Zugang als Vereinnahmung. Denn nicht Jaeggi, sondern Althusser soll seine Thesen verändert haben. Angesichts der Ideologiekon- zeption Althussers könne man die Rede darüber, "daß Geschichte hier als dialektischer 'Prozeß ohne Subjekt' begriffen werde", nicht aufrechterhalten /72/, und: "Eine marxistische 'Theorie der Persönlichkeit', wie sie Séve fordert, ist hier zumindest in ei- nem zentralen Baustein vorhanden. /72/ Daß diese Sätze ausgerech- net in einem Vorwort zu Texten stehen, die die Auffassung der Ge- schichte als Prozeß ohne Subjekt ausführlich erläutern und be- gründen, 33) mag verstehen, wer will. Ebenso, warum gerade die Ideologiekonzeption Althussers als Beleg für die Notwendigkeit einer "Theorie der Persönlichkeit" angeführt werden kann, da doch Althusser in diesem Zusammenhang zwischen einer w i s s e n- s c h a f t l i c h e n Analyse der 'Subjekt-Form', die durch die jeweiligen ideologischen Verhältnisse produziert wird, und der p h i l o s o p h i s c h e n (i d e o l o g i s c h e n) Frage nach dem Subjekt als Z e n t r u m und Z i e l der Ge- schichte unterscheidet und auch bei dieser Gelegenheit eine ausdrückliche Distanzierung von Lucien Sève erfolgt. Fest steht nur, daß Jaeggi die Ideologietheorie Althussers in keiner Weise verarbeitet hat. Aber auch die von Althusser aufgeworfene Frage nach den F o r- m e n der Verbindung von marxistischer Theorie und Arbei- terbewegung markiert jetzt für Jaeggi eine Position, auf die man sich stützen kann, wenn auch nur um den Wissenschaftlichen Sozia- lismus, den Jaeggi aber als Behauptung einer I d e n t i t ä t von Theorie und politischer Praxis mißversteht, mit Anführungs- zeichen zu versehen. Man müsse sich fragen, ob diese Identität "je erreichbar, ja wünschbar" sei. /81/ Die offenkundige Skepsis gegenüber einer hegelianischen Leninismus-Interpretation, der es in erster Linie um die 'Aufhebung' von Theorie in Geschichte geht, scheint also letztlich als Absage an den Leninismus über- haupt zu fungieren. Spätestens an diesem Punkt zeichnet sich ab, daß das theoretische "Bündnis" mit dem Leninisten Althusser nicht von Dauer sein kann. Nach Erscheinen der "Elemente der Selbstkritik" hat sich Jaeggis Position Althusser gegenüber wiederum verändert, denn nun wird die Frage formuliert, "ob mit der Wendung ins Politische, mit der Aufgabe der Bestimmung "Theorie der theoretischen Praxis" nicht auch der positive Beitrag zum wissenschaftstheoretischen Diskurs im Rhetorischen verwaschen wird." /136/ - Das Hauptinteresse liegt bezeichnenderweise wieder bei den "strukturalistischen" Texten "Für Marx" und "Das Kapital lesen". Außerdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Jaeggi nach wie vor - trotz seiner Beteuerung, die Bezeichnung "Strukturalismus" nicht mehr pauschalierend verwenden zu wollen - die Texte von Althusser, Ba- libar und Godelier insgesamt für einen m e t h o d i s c h e n Neuansatz hält, der in erster Linie unter dem Gesichtspunkt sei- ner Verwertbarkeit in den 'Sozialwissenschaften' zu befragen ist. Für diese Annahme spricht, daß Jaeggi einen "strukturalen Marxis- mus" - unter diesen Begriff subsumiert Jaeggi kurzerhand die stark divergierenden Ansätze Althusser/Balibar, M. Godelier und Poulantzas - gleichberechtigt neben den anderen "nicht-orthodo- xen" Rekonstruktionsversuchen des Historischen Materialismus auf- führt (Schmidt, Negt und Habermas, Eder) /21/. Daß hierin die Ge- fahr liegt, sich vom gegebenen Stand der 'Sozialwissenschaften' die Problematik für eine Lektüre der Texte Althussers vorschrei- ben zu lassen, anstatt diese selbst im Verlauf der Lektüre in Frage zu stellen, ist offenkundig. Dementsprechend verfährt auch die 'neue' Kritik Jaeggis an "Das Kapital lesen", als hätten Alt- husser/Balibar eine "systemtheoretische" oder "strukturale" In- terpretation des Marxschen Hauptwerks geliefert, die nun am Pro- blem des 'sozialen Wandels' bzw. der 'Evolution' gescheitert sei. /100/ Die anfängliche Kritik kehrt wieder, jedoch in neuem Gewände: die Trennung von Real- und Erkenntnisobjekt, von Jaeggi empiristisch im Sinne Sandkühlers als "Abstraktion von der Fülle der Gescheh- nisse" 34) interpretiert, begünstige "Theorieüberschuß", die Ver- nachlässigung konkreter empirischer Forschungen. /104/105, 134/ Und da für Jaeggi nicht, wie doch für Althusser, die Erforschung der objektiven Bedingungen und Mechanismen des Klassenkampfes in den Ideologischen Staatsapparaten, sondern die Lösung des 'Problems', das schon den jungen Lukàcs bewegte, wie denn die Klasse 'an sich' zur Klasse 'für sich' werden könne /118/119/, aktuell ansteht, nimmt es auch nicht wunder, daß nun das 'Subjekt' der Geschichte im "Kollektivbewußtsein" gesucht wird. /107,120/ Was aber bleibt außer einer gewissen 'nicht-orthodoxen' "Selbstreflexion innerhalb der marxistischen Theorie" /136/ von dem Ansatz Althussers heute noch übrig? - Nur ein einfacher poli- tisch-ideologischer Effekt: "Meine These: während die kommunistische Partei Frankreichs in der Allianz mit den Sozialisten eine Öffnung zum sozialdemokrati- schen Reformismus hin sucht, bindet der althussersche Ansatz nach 'links'" /23/. Eine in der Tat äußerst originelle Einsicht, die von maoistischen und trotzkistischen Gruppen in Frankreich seit Jahren verkündet wird 35) - bei Jaeggi dient sie einmal mehr zur Abgrenzung gegen- über dem Leninismus: "Handelt es sich bei der 'Verschmelzung' zwischen der Arbeiterklasse und der marxistischen Theorie, die für Althusser zentral ist, um mehr als eine Illusion?" /136/ Das Bemühen Jaeggis, sich in wissenschaftlichen und politischen Fra- gen stets auf dem laufenden zu halten, Diskussionen zu führen und persönliche Irrtümer einzugestehen, in Ehren - so 'offen' wie seine Auseinandersetzung mit Althusser sich gibt, ist sie nun doch nicht. Thoma-Herterich, Rheinberger, Jaeggi - drei Beispiele, wie Alt- husser gelesen wurde und gelesen werden kann. Sie unterscheiden sich voneinander, auch hinsichtlich der Möglichkeiten, die sie für eine weitere Althusser-Diskussion in der BRD und in Westber- lin eröffnen: pauschale Verwerfung/Tabuisierung - Kritik von vor- gegebenen, scheinbar fixen philosophischen Positionen aus - aka- demische Vereinnahmung/Zurückweisung. Aber vielleicht kann man Althusser auch anders lesen und disku- tieren: als einen wichtigen marxistischen Theoretiker der Arbei- terbewegung, dessen Thesen wir i n n e r h a l b der Arbeiter- bewegung unter dem Gesichtspunkt ihrer Nützlichkeit für die theo- retischen und praktischen Klassenauseinandersetzungen auch bei uns zu überprüfen haben. _____ 1) Neben den bekannten Publikationen von U. Jaeggi, A. Schmidt, W.D. Hund zu diesem Thema vgl. auch: H.J. Sandkühler: Praxis und Geschichtsbewußtsein. Studie zur materialistischen Dialektik, Er- kenntnistheorie und Hermeneutik, Frankfurt/M. 1973, S. 18, 156, 161-168 und H. Schindler: "X. Internationaler Hegelkongreß", in: Marxistische Blätter 6, 12. Jg., 1974, S. 105- 109; U. Müller: "Althussers strukturalistische Umdeutung des 'Kapital'", in: Das Argument 89, 17. Jg., Febr. 1975, H. 1/2, S. 85-92. 2) Das Argument 94, 17. Jg., Dez. 1975, H. 11/12, "Antworten auf Althusser". Die folgenden Seitenzahlen in Querbalken beziehen sich bis zu den Ausführungen über Jaeggi auf dieses Heft. 3) U. Müller, a.a.O., S. 85. 4) Z.B.: L. Althusser: Marxismus und Ideologie, Berlin (West) 1973; die Texte Althussers in: H. Arenz, J. Bischoff, U. Jaeggi (Hrg.): Was ist revolutionärer Marxismus? Kontroverse über Grund- fragen marxistischer Theorie zwischen Louis Althusser und John Lewis, Berlin (West) 1973; L. Althusser: Lenin und die Philoso- phie, Reinbek 1974. Dieses Buch wird kurz im Rezensionsteil von "Argument" 94 abgehandelt. 5) P. Schöttler: "Philosophie/Politik/Wissenschaft. Bemerkungen zum Wandel (in) der theoretischen Problematik bei Louis Althus- ser", in: alternative 97, 17. Jg., Aug. 1974, S. 152-163. Vgl. auch die von Althusser ausgehenden Untersuchungen von Balibar, Macherey, Pécheux, Fuchs in: alternative 98, 17. Jg., Okt. 1974 und alternative 104, 18. Jg., Okt. 1975; P. Schöttler: "Widerruf oder Berichtigung?", in: L. Althusser: Elemente der Selbstkritik, Berlin (West) 1975, S. 7-32. 6) Ch. Thoma-Herterich: "Althussers 'Selbstkritik'", in : Das Ar- gument 94, a.a.O., S. 976-984. 7) L. Althusser: Freud und Lacan, Berlin (West) 1976, S. 9-10; ders.: Elemente der Selbstkritik, a.a.O., S. 46. 8) Ders.: "Ist es einfach in der Philosophie Marxist zu sein?", in: SOPO 34/35, 1976. S. 7-35, S. 26. 9) Ders.: Für Marx, Frankfurt/M. 1965; L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Reinbek 1972; L. Althusser: "Ist es einfach in der Philosophie Marxist zu sein?" a.a.O., S. 17. 10) Vgl. Althusser: Freud und Lacan, a.a.O. 11) Die in den Anmerkungen gegen den Übersetzer Peter Schöttler vorgebrachte Kritik entbehrt in allen vier Fällen der sachlichen Grundlage. Zur Illustration der Methode, mit der Thoma-Herterich vorgegangen ist, nur ein Beispiel, das auch für den deutschen Le- ser nachprüfbar ist: auf S. 983 wird behauptet: "Bei Schöttler wird aus dem lacanistischen 'son Autre' ('Unbewußtes' / 'Vater' / Analytiker, S. 31) 'ihr anderes' (S. 46) und damit ein nicht mehr psychoanalytischer, einfacher phänomenologischer Ausdruck." Auf S. 46 der "Elemente ..." kann man lesen: "ihre Vorgeschichte bleibt ihr stets gegenwärtig: als ihr Anderes" (!) Handelt es sich hier um einen Druckfehler oder hat Thoma-Herterich im Eifer des Gefechts den Großbuchstaben 'übersehen'? Wie dem auch sei, die auffällige Großschreibung verweist auf den/das (große) An- dere(n) im Sinne Lacans (vgl.: J. Lacan: Schriften 1, Frank- furt/M. 1975, S. 97). Was wird also bemängelt? 12) H.J. Rheinberger: "Die erkenntnistheoretischen Auffassungen Althussers", in: Das Argument 94, a.a.O., S. 922-951. 13) K. Marx: Das Kapital, Erster Band, MEW 23, S. 192 ff. 14) L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Bd. 2, a.a.O., S. 229. 15) Ebenda, S. 325 16) K. Marx: Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Ber- lin 1974, S. 22. 17) L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Bd. 2, a.a.O., S. 411. 18) L. Althusser: Elemente der Selbstkritik, a.a.O., S. 44; vgl. auch: "Ist es einfach in der Philosophie Marxist zu sein?", a.a.O., S. 23. 19) D. Lecourt: Lenins philosophische Strategie. Von der Wider- spiegelung (ohne Spiegel) zum Prozeß (ohne Subjekt), Frank- furt/M., Berlin (West), Wien 1975, S. 30. 20) L. Althusser: "Ist es einfach in der Philosophie Marxist zu sein?", a.a.O., S. 27. 21) L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Bd. 1, a.a.O., S. 53. 22) L. Althusser: Elemente der Selbstkritik, a.a.O., S. 61 u. 62. 23) L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Bd. 1, a.a.O., S. 78; L. Althusser: "Ist es einfach in der Philosophie Marxist zu sein?", a.a.O., S. 10. 24) L. Althusser: Elemente der Selbstkritik, a.a.O., S. 70. Zu den Berichtigungen, die Althusser im einzelnen vorgenommen hat, vgl. die in Fußnote 5 genannten Arbeiten von P. Schöttler. 25) L. Althusser/E. Balibar: Das Kapital lesen, Bd. 1, a.a.O., S. 89. 26) K. Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, MEW 13, S. 9. 27) U. Jaeggi: Theorie der Geschichte: Geschichte der Theorie?", in: Das Argument 94, a.a.O., S. 952-975. 28) Ders.: Theoretische Praxis. Probleme eines strukturalen Mar- xismus, Frankfurt/M. 1976. Die folgenden Seitenzahlen in Querbal- ken beziehen sich auf d i e s e n Band. 29) Es handelt sich um 1. vier Kapitel aus Ordnung und Chaos, Frankfurt/M. 1968, 2. um den von Jaeggi stammenden Abschnitt im Vorwort zu: Was ist revolutionärer Marxismus? , a.a.O., S. XIV- XXXVI, und 3. um seinen Beitrag in: Das Argument 94, a.a.O. 30) Vgl. zu Althusser auch: Ordnung und Chaos, a.a.O., S. 45-46, S. 47-57. 31) L. Althusser: "Antwort an John Lewis", in: Arenz, Bischoff, Jaeggi (Hrg.): Was ist revolutionärer Marxismus?", a.a.O., S. 35- 88. 32) Was ist revolutionärer Marxismus?, a.a.O. 33) Vgl. vor allem: L. Althusser: "Bemerkungen zu einer Katego- rie: Prozeß ohne Subjekt und ohne Ende/Ziel", in: Was ist revolu- tionärer Marxismus?, a.a.O., S. 89-94. 34) Vgl. H.J. Sandkühler: Praxis und Geschichtsbewußtsein, a.a.O., S. 34. 35) Vgl. z.B : Le Monde v. 10.11.73, S. 10 "La revue 'Communisme' attaque vivement Louis Althusser". zurück