Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1976


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STREITBARER MATERIALISMUS UND BÜRGERLICHE IDEOLOGIE (IV)

Peter Reichel: Das Formalismus-Programm spätbürgerlicher Dichtung ----------------------------------------------------------------- in Gottfried Benns 'gereimter Weltanschauung', Heft 42, 1974 ------------------------------------------------------------ Juri Dawydow: Die sich selbst negierende Dialektik - Kritik der --------------------------------------------------------------- Musiktheorie Theodor Adornos, Heft 6, 1971 ------------------------------------------ Wilhelm Girnus: Von der unbefleckten Empfängnis des Ästhetischen, ----------------------------------------------------------------- Heft 13, 1972. -------------- Ders., Zukunftslinien - Überlegungen zur Theorie des ---------------------------------------------------- sozialistischen Realismus, Heft 44, 1974 ---------------------------------------- Alexander Abusch: Tradition und Gegenwart des sozialistischen ------------------------------------------------------------- Humanismus, Heft 2, 1971 ------------------------ Die kunsttheoretischen Titel der Reihe 'Zur Kritik der bürgerli- chen Ideologie' teilen sich in zwei, die dem sozialistischen Hu- manismus in Tradition, Gegenwart und Zukunft gewidmet sind (Abusch: Tradition und Gegenwart des sozialistischen Humanismus; Girnus: Zukunftslinien) und drei weitere, die sich kritisch gegen populäre Formen bürgerlicher Ideologie richten (Dawydow : Adornos Musiktheorie; Girnus: Lukács' Ästhetik; In: Von der unbefleckten Empfängnis; Reichel: Benns Künstlerauffassung). Daß dabei die kunstphilosophischen Perspektiven des Sozialismus am Paradigma der Realismustheorie abgehandelt werden (vor allem bei Girnus) braucht nicht eigens mehr begründet zu werden. Auch die Wahl von Adornos Musiktheorie als eines Exempels der Frankfurter Schule ist vom sachlichen Gewicht her evident, noch nach dem Erscheinen der 1970 posthum erschienen 'Ästhetischen Theorie'. Problematisch ist eher schon, daß der bedeutendste Kunstphilosoph der 'Frankfurter' und der produktivste auch im Hinblick auf eine mar- xistische Ästhetik, daß Walter Benjamin für diese Reihe wohl nicht existiert, obschon er wohl - selbst nach dem Absinken der Vitalität der 'Kritischen Theorie' - noch immer die auch von bür- gerlicher Seite meistzitierte Autorität in kunsttheoretischen Er- örterungen ist. - Ähnliche Bedeutung haben schließlich auch Ha- bermas' 'Strukturwandel' und seine kommunikationswissenschaftli- chen Modelle erhalten, sowie - vom sachlichen Gewicht her eher als von unmittelbarer Breitenwirkung - die kunstwissenschaftli- chen Arbeiten Gehlens. Daß auch die Brecht-Rezeption durch Nicht- Marxisten einige Aufmerksamkeit verdient, sei nur am Rande ver- merkt. Schließlich macht die Wirkung Althussers und des interna- tionalen Strukturalismus auf die aktuellen Entwicklungstendenzen der Ästhetik deutlich, wie relativ eng das Spektrum der bisher erschienen Arbeiten ist. Sowenig es Aufgabe dieser Reihe sein darf, jeden innovationsverdächtigen Windhund auf nationaler und internationaler Flur zu verfolgen, so sehr leidet andererseits die kritische Effizienz, wenn der Gesichtskreis allzu eng ist und die Kritik es sich zu leicht macht. Die Bretter der bürgerlichen Ideologie sollten, damit es sich lohnt, gebohrt werden, wo sie am dicksten sind. Die Kritik marxistischer Literaturwissenschaftler an bürgerlicher Kunst konzentriert sich nach dem 2. Weltkrieg immer stärker auf die gegenwärtigen Erben des l'art pour l'art, gleich ob dessen neuere Tradition als Dekadenz, Formalismus oder Modernismus be- griffen wird. Von den drei Hauptströmungen der literarischen Ent- wicklung, die sich beim Eintritt Deutschlands in die monopolisti- sche Phase seiner Entwicklung neben den Anfängen proletarisch-so- zialistischer Literatur abzeichnen: der imperalistischen Massen- literatur, der des bürgerlich-kritischen Realismus und der moder- nistischen, wird die letztere im Bereich zumindest der kunstpro- grammatischen Auseinandersetzungen stets als zum sozialistischen Realismus strikt gegenläufig betrachtet und mit besonderer Verve attackiert. - Daß das Schwergewicht der marxistischen Kritik nicht dem kritischen Realismus, also etwa bestimmten Illusionen in den Werken der Brüder Mann gilt, braucht angesichts von deren ästhetisch-ideologisch eindeutiger Distanzierung vom imperiali- stischen Weg eines Großteils ihrer Klasse nicht besonders begrün- det werden. Anders steht es schon mit der massenhaft rezipierten und ideologisch auf die Ziele des monopolistischen Teils der bür- gerlichen Klasse ausrichtenden Literatur, die unter dem Gesichts- punkt der Wirkung - weniger zwar auf Intellektuelle, umso mehr aber auf die lesenden Massen - gewiß erheblich größere Beachtung verdient. Freilich ist ihr kaum mit Literaturkritik beizukommen, solange diese nicht als eines von vielen Instrumenten sozialisti- scher Kulturpolitik gehandhabt werden kann. - Wenn die Untersu- chung Reichels trotz der Relativierung der Erheblichkeit ihres Gegenstandes diesen im Sinne eines Paradigmas auffassen kann, so nicht zuletzt des identifikatorischen Potentials wegen, das Werke und Theorien des Modernismus von Kafka bis Beckett nicht nur für Renegaten, sondern durchaus auch für fortschrittliche Intellek- tuelle gehabt haben und noch haben. Eine der Schwächen der vorliegenden Erörterung - und sie muß hier vor den Verdiensten genannt werden, weil sie die Brauchbarkeit der Reichelschen Arbeit auch in ihren einleuchtenden Teilen ein- schränkt - ist nun aber, daß sie auf dieses Potential in dem be- zeichneten Sinne kaum Bezug nimmt. Das spiegelt sich in der Unsi- cherheit darüber wider, wessen Ideologie mit der 'Künstlermoral' Benns eigentlich untersucht wird. Die Einleitung täuscht Sicher- heit vor: "Wenn hier also von 'Künstlermoral' die Rede sein soll, dann von der Moral des spätbürgerlichen Dichters Gottfried Benn, die nichts anderes ist, als bürgerliche Moral als Klassenmoral der Bourgeoisie." (9) Seine Sicherheit verliert der Autor raset wenn er seine Eingangsthesen differenziert. Bald sind ihm Benns Auffassungen typisch für die eines oppositionellen, aber desori- entierten bürgerlichen Intellektuellen, der sich von der Wirk- lichkeit mit verabsolutierter Ideologiekritik abwendet, weil er die "kapitalistische Wirklichkeit in ihren Oberflächenerscheinun- gen mit Wirklichkeit überhaupt" gleichsetzt und mit Aggressivität reagiert, bald sieht er in ihnen die Ideologie der Ausbeuter und findet in Benns Elitetheorie eine 'Entsprechung' zur vergleichs- weise ebenfalls kleinen Ausbeuterklasse'. (58). Nun ist aber die Inanspruchnahme der Überlegenheit Weniger über Viele eine zu dünne Basis als daß auf ihr Benn und die Monopolisten analogi- siert werden dürften, und eine Intelligenz darf nicht darum schon imperialistisch heißen, weil sie sich von den Volksmassen iso- liert. Das Manko von Reichels Untersuchung ist die immer wieder unter- stellte Identität von bürgerlicher Klasse ("spätbürgerlich" heißt es zumeist ohne Erläuterung), Bourgeoisie, Monopolisten und den Protagonisten des Formalismus, mit anderen Worten der Mangel ei- ner funktionsorientierten und sowohl historisch wie schichtenbe- zogen genaueren Zuordnung der ästhetischen Ideologie zu den Schichten und Gruppierungen innerhalb der bürgerlichen Klasse in den verschiedenen Stadien der historischen Entwicklung seit dem Expressionismus. Anstelle einer entsprechenden Differenzierung versucht Reichel, seine Leser mit der zurecht berüchtigten Rheto- rik des "nichts anderes als..." und "nicht zufällig..." zu über- zeugen. Die Rhetorik ist hier allerdings genauer Ausdruck des methodi- schen Verfahrens: es geht dem Vf. um die ideologiekritische Ent- larvung Benns, die Zerstörung des schönen Scheins seiner Form- kunst, mit der Benn "kraft artistischen Vermögens auf besonders sublime Weise" sein Welt- und Menschenbild verhülle: "So bewegt sich Benns vordergründiger Formalismus auf einer breiten, oft verschleierten, aber stets mitrezipierten weltanschaulichen Ba- sis, die es bloßzulegen gilt." (13) Die Unterstellung, der Dich- ter habe unter dem Schmuck der Formen verborgen, was der Kritiker bloßlegt, widerruft Reichel gleich selbst, wenn er - Benn zitie- rend - als Hauptmerkmal von dessen Versen hervorhebt, daß sie 'gereimte Weltanschauung' seien. Tatsächlich hat der Dichter durch unmißverständliche Diktion der poetischen und eine Offen- heit in seinen kulturräsonnierenden Schriften, die zumindest das von Reichel praktizierte ideologiekritische Verfahren entwaffnet, programmatisch genau seine weltanschaulichen Überzeugungen und Absichten formuliert. Selbst dem von Reichel ihm zugesprochenen Prädikat 'spätbürgerlich' hätte er womöglich kaum widersprochen. Darum werden die Kunstformen in der Darstellung des Vf.'s sicher- lich zuunrecht wie eine besonders 'sublime' Perfidie der 'spätbürgerlichen' Dichter behandelt, wie Opiate, unter deren Wirkung sie ihre Götzenbilder halluzinieren. Fraglich ist, ob tatsächlich die Gründe der bedeutenden Wirkung Benns sich durch die Analyse der Typik seines Welt- und Menschen- bildes auf der Ebene der Inhaltsanalyse erkennen lassen oder nicht vielmehr durch die Ermittlung des semantischen Gehalts des lyrischen Gestus' seiner Gedichte, der zuchtvoll-schmerzlichen Stilgebärde, die offenbar Identifikationsmöglichkeiten auch sol- chen Lesern bietet, die Distanz halten zur 'Wiederkehr des Glei- chen', dem erkenntnistheoretischen Agnostizismus, der mechanisti- schen Geschichtsbetrachtung, der biologistischen Regression und dem 'abendländischen' Engagement des Westberliners Benn - sämt- lich Themen der Reichelschen Schrift. Untersuchungen über die Kunst des Modernismus würden an Wert ge- winnen, wenn sie, neben den durch die Werke propagierten so- zialethischen und emotiven Leitnormen, sowohl die jeweilige ge- schichtliche Semantik der poetischen Formen als auch den Kampf- wert der dichterischen Aussage insgesamt im Zusammenhang der zeitgenössischen Kulturverhältnisse untersuchen würden. - Die Kontroverse zwischen dem leidenschaftlichen Antifaschisten Klaus Mann und Benn wird von Reichel eher beiläufig erwähnt. Das ideo- logische Profil der Bennschen Dichtung könnte wohl aber noch ge- nauer werden, wenn die Beschreibung ihres eklektizistisch zusam- mengebackten Menschenbildes ergänzt würde durch die Benennung seiner genauen strategischen Funktion in den Literaturverhältnis- sen, wozu Reichel einige Ansätze macht, etwa wenn er konstatiert, daß der späte Beim den 'Alleinvertretungsanspruch' der bürgerli- chen Ästhetik gegenüber der des Realismus vertreten habe. Der Wert der vorliegenden Untersuchung, deren problematische Aspekte hier aus prinzipiellen Gründen und gegenüber dem Autor vielleicht etwas ungerecht besonders akzentuiert wurden, liegt nach alledem doch wohl eher in der Zusammenstellung der wesentli- chen Inhalte von Benns Weltanschauung als in ihren Erkenntnissen hinsichtlich der Wirkungs- und Funktionsmöglichkeiten modernisti- scher Kunst als einer Form bürgerlicher Ideologie. Der Auseinandersetzung mit dem Modernismus ist der Essay Dawydows gewidmet. Drei Jahre vor der Studie Reichels erschienen, argumen- tiert Dawydows Schrift doch an entscheidenden Stellen genauer als die Benn-Kritik: etwa in der klassenmäßigen Zuordnung der analy- sierten Ideologie. Wenn Dawydow die Verwendung der Termini 'spätbürgerlich' bzw. 'spätkapitalistisch statt imperialistisch' bei Adorno als historisch wie systematisch unspezifisch rügt, so muß die Reichelsche Arbeit zumindest in diesem Punkt als Rückfall gelten. Als der Benn-Kritik überlegen erweist sich die Adornos durch Dawydow in einer weiteren Hinsicht. Sie meidet gänzlich den kleinlich schmälenden, jeden Gedanken unterschiedlichster Quali- tät auf dasselbe Niveau 'spät-bürgerlich' (oder ähnlich) herab- setzend nivellierenden Ton, ohne doch auf polemische Schärfe im geringsten zu verzichten. - Daß der Autor souverän genug ist, an den Beginn seiner Untersuchung eine noble Würdigung seines Kon- trahenten einschließlich seiner theoretischen Motivationen und Absichten zu stellen - eine Geste, die in doppeltem Sinne eine Reverenz an Adorno ist, der sie meisterhaft beherrschte -, hat über den gestischen Wert hinaus den Vorzug, daß der Leser erst einmal dort abgeholt wird, wo er womöglich fasziniert vor dem Ge- bäude der Kritischen Theorie stehengeblieben war. Dawydow verfolgt die Genese der Gesellschafts- und Kunstheorie Adornos in die ideologiegeschichtliche Szenerie der 20iger und 30iger Jahre. Mit der weitwinkligen Perspektive des Ausländers konstatiert er eine Analogie zwischen der Situation der fort- schrittlichen deutschen Intelligenz nach der Französischen Revo- lution mit derjenigen nach der Russischen. Die revolutionäre Verneinung sei beidemal auf das Reich des Bewußtseins beschränkt geblieben. An die Stelle von Kunst der Revolution sei die Revolu- tion der Kunst getreten, deren Funktion in der äußersten und ra- dikalen Verneinung hier der "spätkapitalistischen" Gesellschaft gesehen wird. Entsprechend der pessimistischen Prognose, die Ad- orno der imperialistischen Gesellschaft stellt und in Überein- stimmung mit der pauschalisierenden Einebnung von deren inneren Widersprüchen, könne Adorno keine Zukunft mehr aus der Konstella- tion der Antagonismen von Klassen und Schichten erkennen, sondern nurmehr aus der Verneinung, die die Kategorie des 'Anderen' aus- drückt. Die aus der Logik Hegels entliehene Kategorie verwende Adorno mit geschichtsphilosophischem Gehalt, um die fehlende Klassenanalyse, also einen Mangel seiner soziologischen Theorie, zu kompensieren. Adornos musikwissenschaftlicher Lyrismus habe eben hierin seinen Grund: daß nämlich eine Subjektivität, die sich in allem als die strikte Negation von Gesellschaftlichem de- finiert, aus sich heraus das 'Allgemeingültige', 'Verbindliche', Einheitsstiftende produzieren will und doch über alles, was es produzieren könnte, stets schon hinaus ist,, weil es gerade durch dieses Hinaussein, als das Andere alles Gesellschaftlichen, defi- niert ist. (En passant notiert Dawydow in dieser abstrakten Nega- tion eine der Wurzeln des Linksradikalismus, etwa des maoisti- schen in der BRD und Westberlins.) Dergestalt ist die Kategorie des Anderen nur zum Schein eine Hegels, tatsächlich vielmehr im- pliziert sie die Struktur der romantischen Subjektivität, die He- gel, etwa in der Kritik Jakobis, als das 'unglückliche Bewußt- sein' bezeichnet hat. Diese Struktur, so die These Dadydows, un- terlege Adorno der modernen Musikentwicklung: genauer, der der neuen Musik, z.B. des Schönbergschen oeuvres. Neben dem Widerspruch, daß Adorno der imperialistischen Gesell- schaft als einer zunehmender Entfremdung, eine absolut negative Prognose stellt und doch der Subjektivität als verneinender in einem auch noch so fernen Sinne Positivität zutraut, obwohl sie doch Teil dieser Gesellschaft ist, konstatiert Dawydow einen wei- teren. Adorno begreife Kunst das einemal soziologisch, ein ander- mal philosophisch. Soziologisch argumentiere er, wenn er die Funktionen der Unterhaltungsmusik beschreibt und sie der Totali- tät des unwahren Ganzen der "spätkapitalistischen" Gesellschaft verfallen sieht. Vom sozialen Funktionszusammenhang und damit von aller Gesellschaftsanalyse abstrahiere er, wenn er - unter philo- sophischem, erkenntnistheoretischem Gesichtspunkt - die 'neue Mu- sik' als 'wahr', in ihrer widerspiegelnden Eigenschaft also als im Prinzip unbeeinträchtigt, begreift. So werde die Spaltung des Subjekts in ein total manipuliertes und ein sensibel unglücklich leidendes, werde die Trennung des Soziologen vom Philosophen in der Auffassung des Gegenstandes, der Musik widerspiegelt, die in funktionale und revolutionäre 'neue' Musik auseinanderbreche. Die 'neue Musik' gehört hier in die Sphäre des 'Anderen', zugleich die Sphäre der unglücklichen Subjektivität, die ihre besondere Dignität allerdings, so D., nur noch formal behaupten könne: in den Formen 'authentischer' Kunst. Der Geltungsanspruch des ge- sellschaftsenthobenen, auf Sensibilität reduzierten Subjekts, das in der Wirklichkeit keinerlei Sinn mehr findet, prägt sich in kunsttheoretischem Formalismus aus: in der Favorisierung einer Kunst, deren Form durch den Widerruf jeder evozierten Bedeutung zustandekommt, Adorno zufolge ein Merkmal wie der Kunst Schön- bergs, so Kafkas, Becketts und Joyce's. Hebt Dawydow in der Einleitung seiner Schrift hervor, daß Adorno einer der wenigen Kunstphilosophen der imperialistischen Länder sei, für den Kunst ohne die Reflexion über ihre gesellschaftliche Bedeutung gar nicht zum Thema würde, so präzisiert er nun diese Konzession. In der Folge seiner Unterscheidung von funktionaler und authentischer Kunst fasse Adorno die Gesellschaftlichkeit der ersteren in der Übertragung von Termini der politischen Ökonomie, Politik und Psychoanalyse auf die Beschreibung der Wirkung musi- kalischer Phänomene, um die gänzliche Unterwerfung der Musik un- ter die Zwecke der 'spätkapitalistischen' Gesellschaft zu charak- terisieren; im zweiten Fall, dem der erkennenden 'wahren', au- thentischen Kunst, thematisiere Adorno die Gesellschaftlichkeit der Musik nicht mehr unter dem Gesichtspunkt der sozialen Wir- kung, sondern unter dem des Inhalts. Dieser aber würde wiederum reduziert auf sozialökonomische und politisch-soziale Konflikte, als habe es die Soziologie mit nichts anderem als ökonomischer Konkurrenz, politischem Kampf und sozialpsychischer Manipulation des gesellschaftlichen Bewußtseins zu tun. - Dawydow macht den Zusammenhang zwischen solchem vulgärmaterialistischen Reduktio- nismus und dem pseudomethodischen allegorisierenden Spekulieren evident, deren Witz darin besteht, in ästhetische Konfigurationen ökonomische und sozio-politische Sachverhalte hineinzuphantasie- ren, als sei die Gesellschaftlichkeit der Kunst erst dann erwie- sen, wenn sich ihr Sachgehalt endlich als ökonomischer bzw. poli- tischer zu erkennen gibt. Die Kultivierung dieses metaphorisie- renden Witzes und analogisierenden Einfallsreichtums aus Unkennt- nis der Methoden, die der wissenschaftliche Sozialismus mittler- weile auch für den Bereich der Kunstwissenschaften entwickelt hat, leiht der Kritik des Vf.'s auch dort Aktualität, wo nicht Adorno mehr, sondern irgendein neuer Prophet als Gewährsmann dient. Ein wesentlicher Vorwurf Dawydows an die Musikästhetik Adornos - dieser reduziere die Leistungen der Kunst auf kritisches Negie- ren, ohne daß der Standpunkt des Kritikers noch Gegenstand der Theorie wäre - begegnet uns wieder in der Kritik an Lukács, die Wilhelm Girnus formuliert: "Die Theorie von Lukács, heute bei westlichen Theoretikern das A und O - ist Kastration der Kunst. Hier wird Kunst auf das Pathos der Verneinung beschränkt", so in seinen "Betrachtungen zur Ästhetik von Georg Lukács' (zuerst 1967 in Sinn und Form), die zusammen mit einem Aufsatz über 'Zweitausend Jahre Verfälschung der aristotelischen Poetik' (ebenfalls zuerst Sinn und Form 1969) und einem Vortrag über 'Kunst und Geschichte' (zuerst im Hegel-Jahrbuch 1968/69) im vor- liegenden Band erschienen sind, (das Zitat S. 40) Der Reduktion der Kunst auf die Kritik an Tabus und Fetischen entspreche Girnus zufolge, die Einschränkung ihres Potentials auf kognitive Funktionen, ihre Einschnürung in ein Widerspiegelungs- korsett, das die Eigenart ästhetischer Gegenstände unterdrücke: "Verführe die Kunst nach dem Kanon von Lukács, wäre sie längst an Langeweile gestorben." (48) Freilich ist hier nicht die Applika- tion der Widerspiegelungstheorie auf die Ästhetik Gegenstand der Kritik, sondern zum einen die Verkehrung von Mittel und Zweck hinsichtlich des Praxis-Verhältnisses der Widerspiegelung, zum zweiten die Ausschaltung der Kategorie der Möglichkeit und schließlich die Beschränkung von Widerspiegelung auf Nachahmung. Der erste Einwand ist zugleich der denkbar gewichtigste gegen den Anspruch einer Theorie, die sich selbst als marxistische be- greift. Er bezieht sich auf die Behauptung von Lukács, das Ästhe- tische sei "adäquateste Form für die Äußerung des Selbstbewußts- eins der Menschengattung" (11,677) und eben darin von aller Le- benspraxis qualitativ unterschieden. Kunst und Leben seien ge- schieden wie Bewußtsein und Materie, daher "unbedingte Herrschaft der Praxis im Leben, unmittelbare Ausschaltung der Praxis den äs- thetischen Gebilden gegenüber" (II, 102) In diesen Axiomen findet Girnus, außer der Verallgemeinerung des Beispiels Kunst für den gesamten Bereich des Ästhetischen, die Stilisierung eines histo- rischen Verhältnisses von Kunst und Leben, "in dem der Tauschwert den ästhetischen Wert zeitweilig außer Kurs setzt", das antagoni- stische Verhältnis von schön und nützlich in der Zeit der ent- wickelten Warenproduktion" zu einem erkenntnistheoretischen Sachverhalt mit dem Resultat, daß die Kunstproduktion als intellektueller Reflex des Lebens und von diesem dem Wesen nach als abgehoben begriffen werde, statt daß ihre Funktion im Beziehungsfeld historischer und gesellschaftlicher Praxis den Horizont der Ableitung ihrer strukturellen Merkmale bilde. Im Widerspruch zur V. Feuerbachthese würde Kunst hier nur von ihrer kontemplativen Seite her zum Thema, nicht von dem Zusammenhang aus, in dem sie mit der praktischen Aneignung der Wirklichkeit, mit Arbeit also steht. So würden statt die Widerspiegelungs- eigenschaften aus der gesellschaftlichen Funktion diese aus den spezifischen Eigenschaften künstlerischer (gegenüber wissen- schaftlicher) Widerspiegelung hergeleitet. Lukács Mystifizierung der ideellen Aktivität der Gesellschaft unterstelle eine Art 'ästhetischer Urzeugung' (19), weshalb die ideologischen Funktio- nen des Ästhetischen für ihn auch nicht mehr zu dessen 'Eigenart' gehörten. Das Mittel des Ästhetischen sei Zweck geworden, das Leben biete die Mittel seiner Hervorbringung. Wenn Girnus demgegenüber "die subjektive Beziehung des Gesell- schaftswesens Mensch zur objektiven Realität" als den spezifi- schen Gegenstand der Kunst bezeichnet (31) und vorschlägt, sich das Verhältnis des Ästhetischen zur Wirklichkeit so vorzustellen, daß die Kunst die Möglichkeiten des Lebens, des grossen 'strategischen Spiels zwischen Subjekt und Objektwelt' "an Model- len, durch die künstlerische Einbildungskraft geschaffen, durch- spielt" (32), so ist auch diese Definition, formuliert in Über- einstimmung mit einer Reihe einschlägiger Aufsätze der letzten Jahre in der DZPh und etwa auch den Autoren des literaturtheore- tischen Werks 'Gesellschaft, Literatur, Lesen' (Berlin 1973), nicht problemlos. Zum einen schränkt sie ebenfalls den Bereich des Ästhetischen auf Kunst ein. Zum anderen selegiert sie aus dieser wiederum Werke besonderer Struktur: solche, die als Mo- delle verstanden werden können auf Kosten derer, die ihrer Struk- tur nach deutlich und womöglich in direkter Adresse in der Art operativer genres, als 'Formen menschlichen Verkehrs' - so eine Formulierung Brechts - begriffen werden müssen. Ob schließlich auch die Repräsentativ-Formen der Feudalkultur als solche 'Spiel- Modelle' verstanden werden können, ja ob diese Theorie überhaupt sinnvoll Anwendung für antagonistische Gesellschaften finden kann und ihre Unterstellung einer spielend modellierenden Phantasie nicht wiederum vom Ideologiecharakter des Ästhetischen abstra- hiert, kann als Frage hier nur aufgeworfen, nicht diskutiert wer- den; das betrifft auch das Verhältnis der Modell-Vorstellung zur Widerspiegelungstheorie, (s. dazu immerhin: Michail B. Chrapt- schenko, Literatur und Modellierung der Wirklichkeit. In: Sinn und Form 1973). Wichtiger als der Modellbegriff ist Girnus allerdings das Fest- halten an der Kategorie der Möglichkeit: das Insistieren darauf, daß zu den Gegenständen der Kunst nicht nur die tatsächliche, sondern auch die mögliche Wirklichkeit gehört. Lukács' Verwendung von Widerspiegelung und Mimesis synonym mit Nachahmung sei ein charakteristisches Zeichen der Ignorierung sowohl der kommunika- tiven wie der antizipierenden Funktionen der Kunst, die eben jene schon bemerkte Hervorhebung der kritischen Leistungen, das Pathos der Verneinung, zur Konsequenz habe. Sein Pendant sei die akzes- sorische Behandlung der Parteilichkeit. Girnus sieht in den Män- geln der Lukácsschen Ästhetik sämtlich solche einer Kunsttheorie, "die die Hauptkriterien für ihre Axiomatik aus der Interpretation der Welt herleitet statt aus deren Veränderung" und konzediert ihr, daß sie "sich bestenfalls auf dem Boden eines Materialismus bewege, den Marx in den Thesen über Feuerbach als den Materialis- mus der bürgerlichen Gesellschaft kritisiert." (48) Die Übersetzung von Mimesis mit Nachahmung und damit ineins das Zurückschneiden des auf die Zukunft gerichteten, konzeptiven Ver- mögens der Kunst auf das erkennend-kritische, Ursache des Verfeh- lens des ästhetischen Phänomens als eines sui generis, ist eigens das Thema der zweiten Abhandlung dieses Heftes: 'Zweitausend Jahre Verfälschung der aristotelischen Poetik'. Wegen der gera- dezu verbohrten Orientierung der bundesdeutschen und hier und da auch Westberliner 'materialistischen' Philologie entweder unmit- telbar an Lukács oder doch zumindest am Typus der von Girnus kri- tisierten Widerspiegelungs- und Realismustheorie in wesentlichen Bestimmungen, ist der Girnusschen Auseinandersetzung mit der Ari- stoteles-Rezeption in Bezug auf die Übersetzung des Mimesis-Be- griffs, zu wünschen, daß sie auch im Westen größere Popularität erlangt als etwa die etlichen Aufsätze zur Widerspiegelungstheo- rie in der DZPh, die doch nicht verhindern können, daß nach wie vor über dieses Thema hanebüchener Unsinn publiziert wird. - Gir- nus porträtiert Aristoteles als den Denker des Möglichen, dieses indessen nicht im Sinne mechanischer Berechenbarkeit und in An- wendung lediglich auf die Natur, sondern als das Menschenmögli- che. Daran mit Nachdruck festzuhalten sei nötig, weil die Rezep- tion der aristotelischen Poetik aus einem genuin materialistisch argumentierenden Philosophen, der mit der systematischen Veror- tung der Kategorie der Möglichkeit die Kenntnis von Bewegungsge- setzen, von Gesetzmäßigkeit, als Grundlage des Denkens unter- stellt, einen subjektiven Idealisten gemacht habe. Sei Möglich- keit für Aristoteles ein objektiv antizipierbares Potential der menschlichen Wirklichkeit, so impliziere ihre Ersetzung durch Wahrscheinlichkeit in der Wirkungsgeschichte der Ästhetik entwe- der die Reduktion des Anwendungsbereichs auf physische Natur oder subjektivistische Psychologisierung im Hinblick auf die progno- stische Handhabung. Wo Aristoteles aus der objektiven Dialektik von Wirklichkeit und Möglichkeit die Kategorien seiner Poetik entwickele, würden sie in der nacharistotelischen Poetik - aus der Girnus u.a. Lessing und Forster, in der Moderne Gorki, Maja- kowskij und Brecht ausnimmt - als subjektiv eingeschränktes Vor- täuschen von Wirklichkeit (Ingarden) und in diesem Sinne als de- ren Nachahmung aufgefaßt. Der Vf. schlägt selbst, auf der Grund- lage einer ausführlichen philologischen Interpretation der ein- schlägigen Stellen aus dem 9. Kapitel der Poetik, eine Überset- zung von 'Mimesis' im Sinne von 'sinnlicher Vergegenständlichung' vor. (63) "Uneinsichtigen droht der Autor mit Exkommunizierung aus der ge- lehrten Welt: "Nach den nunmehr bekannten Sachverhalten auch für- derhin 'Mimesis' bei Aristoteles ausschließlich mit Nachahmung zu verdeutlichen, ist stinkreaktionär und hat mit einer materiali- stischen Grundlegung der Ästhetik so viel zu tun wie die Teufel- vorstellungen eines mittelalterlichen Leibeigenen mit Goethes Me- phisto." (64). Der dritte Beitrag des Bändchens über 'Kunst und Geschichte' be- faßt sich mit der Frage nach der Möglichkeit von Kunstfort- schritt. 1969 zuerst erschienen, entwickelt er einige Gedanken über die "ästhetische Wertungsdynamik als aktives, als produkti- ves Element der Selbstverwirklichung des Menschen zum Subjekt" als "integrales Moment der Subjekt-Objekt-Dynamik" (79), die durch die neueren Publikationen von Jarmatz, Chraptschenko u.a. als überholt gelten dürfen. Sein eigenes ästhetisches Konzept hat Girnus im Rahmen dieser Reihe in seinen Zukunftslinien vorgelegt. Der Band gibt eine heu- ristische Einführung in Grundbegriffe der marxistischen Ästhetik unter stillschweigender Berücksichtigung der zu Anfang und Mitte der sechziger Jahre hauptsächlich in der DZPh geführten Praxis- Debatten und die Auslegung ihrer Ergebnisse für die Erkenntnis- theorie bis zu Willichs Überblick von 1973 Über Gegenstand und Methoden der marxistisch-leninistischen Erkenntnistheorie. - Die- sen Debatten entsprechend entwickelt Girnus seine Bestimmungen der Eigenart des Ästhetischen im Rahmen der Grundfrage der Philo- sophie sowie des Verhältnisses von ästhetischer Wirklichkeitsa- neignung und Praxis, die 5. Feuerbachthese mit ihrer Forderung nach Berücksichtigung der 'praktisch-sinnlichen Beziehung des Menschen zur Realität' interpretierend. Von dieser Interpretation aus vollzieht der Vf. eine Umorientierung von der mit Lukács' Äs- thetik vorgezeichneten Fundierung der Kunsttheorie auf das Wider- spiegelungsverhältnis zu einer Definition der Eigenart des Ästhe- tischen aus der Subjekt-Objekt-Relation, wie Brecht sie bereits gegen Lukács vornahm. Danach ist "Ästhetik die Wissenschaft von dem Wirken der Gesetze der Schönheit bei der Gestaltung der Welt durch den Menschen." (46) Die ästhetische Aktivität wird als in- tegraler Bestandteil der Selbstverwirklichung des Menschen als Gattungswesen angesehen, nicht selbst eine Form von Praxis, aber "vermittelndes Element der Weltgestaltung". (47) - Zu den Impli- kationen dieser Neufundierung gehört die Zurückweisung der tri- vialen Vorstellungen von künstlerischer Widerspiegelung im Sinne realitäts-verdoppelnder Begriffssurrogate, der Unterstellung der Kunst unter die Botmäßigkeit der Moral und der Beschränkung der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit auf Kunst, wie sie ten- denziell in der Ästhetik von Lukács durch , die Hierarchisierung von Alltags- und Kunsterfahrung erfolgt war. - Es gehört nun al- lerdings zu den Besonderheiten der Ausführungen von Girnus, daß wichtige Feststellungen oft nur zur Abwehr einer älteren Orthodo- xie getroffen werden, auf die Formulierung des eigenen Konzepts dann aber weiter keinen Einfluß haben. So betont der Vf. zwar, daß die Sphäre des Ästhetischen sich auf Kunst nicht beschränke, wenn es darum geht, sie als "praktisch-sinnliche Tätigkeit" ge- genüber ihrer Reduktion auf einen Bewußsteinsreflex aufzuwerten, bei der Beschreibung dessen, was für schön gilt, d.h. der Normie- rung des 'Wertgefühls' der ästhetischen Aneignung, verliert er diese Differenz aus den Augen und findet in 'aller Literatur von Rang' "die nicht endende Variation auf dieses ewige Thema": "Steigerung der Subjektpotenz", übrigens ohne Berührung der Un- terschiede des Schönheitsempfindens in antagonistischen und nichtantagonistischen Gesellschaften und ohne auf die Ideologi- sierung des Schönheitsgefühls und seine historische Labilität einzugehen. Für die Weiterentwicklung der marxistischen Ästhetik sind wohl vor allem die Ausführungen von Girnus über die antizipativen Funktionen der Kunst nützlich. In Übereinstimmung mit einem we- sentlichen Kriterium, das in der Realismus-Diskussion als Maßstab für die Einschätzung des realistischen Potentials von Kunst ent- wickelt worden ist, bezeichnet der Vf. die Korrespondenz "mit dem Duktus der Haupttriebkraft der Epoche" als Kriterium 'adäquater Widerspiegelung' (149), und d.h. vor dem Hintergrund der Girnus- schen Schönheitstheorie: Korrespondenz mit der 'parteilichen Wer- tung des Geschehens vom Standpunkt der Subjektdynamik', also der vom Subjekt als schön genossenen Möglichkeit der Entfaltung von Produktivität. Der wissenschafts-philosophischen Prognose für den gesellschaftlichen Prozeß in seiner Gesamtheit entspreche die künstlerische Antizipation für die Zukunft des einzelnen Sub- jekts. Auf dessen Affektstruktur wirkend, schaffe die Kunst mit dem antizipierenden Selbstgenuß des Menschen als des sich frei entfaltenden Gattungswesens eine Voraussetzung der praktischen Selbstverwirklichung. Zwar schaffe die Vernichtung der Bourgeois- Herrschaft "die Möglichkeit für die revolutionäre Metamorphose des Menschen", doch sei die "revolutionäre Umgestaltung des Men- schen keineswegs der vollautomatische Effekt des Wandels der ge- sellschaftlichen Verhältnisse." (204) Diese Mahnung, Erinnerung an das Vermächtnis Bechers und in Übereinstimmung mit Autoren wie Gorki, Majakowskij, Klaus Mann und Anna Seghers, legt hier aller- dings doch das Bedenken nahe, ob das Bestreiten aller ethischen Inhalte des Schönheitsbewußtseins zugunsten des Selbstgefühls von Produktivität nicht eng noch an die Prämissen der Genie-Ästhetik gebunden ist. Denn die Entfaltung von Produktivität als Kunst- ideal ist hier ausschließlich vom Individuum her konzipiert und die Neutralisierung ihrer sozialethischen Konkretheit zugunsten eines lediglich objektiv geschichtsphilosophisch auf epochale Tendenzen bezogenen Selbstgenusses hebt zwar die humanistischen Gehalte der 'Selbstverwirklichung des Menschen als Gattungswe- sens' deutlich genug hervor, doch unter Vernachlässigung ihrer Spezifika im Sozialismus. Von allen hier besprochenen Bändchen ist das von Alexander Abusch das dickste; eine gehaltvollere Relation zu den zuvor bespro- chenen läßt sich leider nicht bezeichnen. Abuschs Feder gehört nämlich weniger in Majakowskijs imaginäres Magazin revolutio- närer Handfeuerwaffen als auf das Pult des Festredners. Die zwi- schen 1968 und 1970 entstandenen Elogen des Bandes auf A. v. Hum- boldt, Hölderlin und Hegel, Lenin, Becher und A. Seghers, Brecht, A. Zweig u.a. sind fast ausnahmslos aus Anlaß von Jubiläen und Gedenktagen entstanden und hier ohne weitere Ausarbeitung abge- druckt. Die Reden montieren Bekanntes und aus zahlreichen kultur- politischen Dokumenten Vertrautes zu Würdigungen. Das ist ein ei- genes genus. Die laudationes dem Vergleich mit anderen Beiträgen der Reihe auszusetzen wäre ungerecht, sie wie diese zu rezensie- ren unergiebig. Gert Mattenklott zurück