Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1977
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Peter Ruben
DIE WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE BEDEUTUNG DER HEGELSCHEN LOGIK *)
In der akademisch betriebenen Philosophie wird heute vielfach der
Terminus "Wissenschaftstheorie" so verwendet, daß als ausgemacht
gilt, Wissenschaftstheorie zu betreiben, heiße, die Sprachen der
empirischen Wissenschaften nach dem Konzept der sogenannten
"analytischen Wissenschaftstheorie" 1) auf ihren logischen Grund
zu reduzieren. Versteht sich, daß darin verständigerweise die
formale Logik - wesentlich in der Begründung Freges - als Funda-
mentaltheorie der wissenschaftlichen Erkenntnis angenommen ist.
So kommen als Produkte dieser wissenschaftstheoretischen (oder
wissenschaftslogischen) Analyse Feststellungen zustande, die auf
dem Vergleich der Fachsprachen mit den sprachlichen Normativen
der formalen Logik basieren. Daß dabei die "analytische Wissen-
schaftstheorie" - von Carnap "Wissenschaftslogik" genannt (2 -
den k l a s s i s c h e n Ansatz in der theoretischen Logik un-
diskutiert voraussetzt, wird zumeist gar nicht wahrgenommen. Wenn
ihr Gegensatz, die konstruktive Wissenschaftstheorie 3), artiku-
liert wird, so verwandeln sich die analytischen Wissenschafts-
theoretiker in der Regel in metaphysische Realisten und denunzie-
ren den konstruktiven Standpunkt als merkwürdige Verschrobenheit
und Verzichtsleistung gegenüber dem "klassischen Bestand" der Er-
kenntnis. Umgekehrt verwandeln sich die konstruktiven Wissen-
schaftstheoretiker in der Kontroverse mit den analytischen in der
Regel in metaphysische Nominalisten und denunzieren den entgegen-
gesetzten Standpunkt als Ausdruck unbegründbarer und daher
"metaphysischer" Annahmen. Doch, wie bemerkt, dieser charakteri-
stische Gegensatz zwischen dem Analytizismus (auch "Szientismus"
genannt) und dem Konstruktivismus wird im akademischen "wissen-
schaftstheoretischen" Betrieb gewöhnlich gar nicht zur Kenntnis
genommen. Adepten der einen wie der anderen Seite geben dafür
i h r Konzept lieber als das Konzept der - versteht sich -
"modernen" Wissenschaftstheorie aus.
Sehr hübsch demonstriert uns z.B. Ch. Helberger diesen gewöhnli-
chen Umstand der Verselbständigung von Abstrakta. Er notiert:
"Geht man die von Vertretern der modernen Wissenschaftstheorie
vorgelegten Arbeiten durch, stellt man fest, daß von dieser
Seite... praktisch nie explizit... auf die marxistische Diskus-
sion eingegangen worden ist." 4) Dies zu ändern, ist er nun ange-
treten. Und damit jeder weiß, wer ihm die "moderne Wissenschafts-
theorie" vertritt, erzählt er seinem Publikum: "Aufgrund histo-
risch besonderer Umstände ist die moderne Wissenschaftstheorie im
deutschen Sprachraum in erster Linie auf dem Wege über Poppers
kritischen Rationalismus bekannt geworden." 5) Lassen wir es auf
sich beruhen, welcher "Sprachraum" hier wohl in welchem Zeitin-
tervall gemeint sein könnte, so ist natürlich Helbergers "moderne
Wissenschaftstheorie" nicht die moderne, sondern die analytische.
Und daß Popper in dieser nicht alleine steht (sondern Carnap als
seinen Widerpart definierte, um seine spezielle Art zu artikulie-
ren), hat Helberger inzwischen erkannt, also festgestellt, daß
das Wesen der analytischen Wissenschaftstheorie in differenzier-
ten Existenzen im akademischen Betrieb haust. Er meint überdies,
daß jenes Wesen "vor allem" vom "Popperschen Liberalismus", also
von "einem bestimmten p o l i t i s c h e n Programm", durchaus
frei sei und daher befragt werden könne, ob es nicht auch "in der
Lage ist, das methodische Verfahren, das von Marx angewendet
wurde" 6), unter sich zu subsumieren. Denn: "Eine intellektuelle
Abschließung gerade in den für jedes Denken grundlegenden Fragen
der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie muß als Ausdruck einer
bedenklichen Dogmatisierung verstanden werden." 7) So also wird
denn mit der doch wirklich dogmatischen Vorstellung einer A r t
der Wissenschaftstheorie, nämlich der analytischen, als der
G a t t u n g der Wissenschaftstheorie, eben der sogenannten
"modernen", jenen, die diese Vorstellung für eine Verkehrung hal-
ten, der eigene Dogmatismus als ihr Stammesfetisch umgehängt.
Solcher Verkauf, solche Veräußerung oder Entfremdung des eigenen
Produkts kann höchstens im Verhältnis zwischen Zivilisierten und
Barbaren Erfolg haben. Jenseits dieses Verhältnisses jedoch
bleibt jener Verkauf im reinen Versuch stecken; denn hier zeigt
der Anbieter nur, daß er sich als Vertreter eines speziellen
ideologischen Konzerns auf dem Meinungsmarkt bewähren will.
Wer hat auf dem Warenmarkt nicht genügend gehört, daß das Produkt
a des Konzerns A gegen das Produkt b des Konzerns B das "wahrhaft
moderne" Produkt für den "wirklich modernen" Menschen sei? Wer
zweifelt, daß die Gesetze der Zirkulation im Privataustausch
nicht nur für materielle, sondern auch für geistige Erzeugnisse
gelten?
Wenn wir den Terminus "Wissenschaftstheorie" bzw. "Theorie der
Wissenschaft" sowohl verständig wie vernünftig verwenden wollen,
kommen wir um eine präzise Vorstellung der Wissenschaft nicht
herum. Man hat keine Theorie über etwas, wenn man dies Etwas
nicht hat! Wie aber wird die Wissenschaft sowohl in der analyti-
schen wie in der konstruktiven Wissenschaftstheorie vorgestellt?
Sie wird dargeboten, indem ihre F a c h s p r a c h e n darge-
boten werden. Wie wird die Wissenschaft erkannt, also die
T h e o r i e der Wissenschaft erlangt? Sie wird erworben, indem
voraussetzungslos die formale Logik in klassischer oder konstruk-
tiver Version als "Natureigenschaft" des Denkens den Maßstab aus-
macht, mit dem jene Fachsprachen verglichen werden. Die Herkunft
dieses Maßstabs ist rein historisch-faktisch bedingt, durch die
Leistungen der genialen Logiker. Ihnen gilt denn auch die Ehrer-
bietung der "normalen" Wissenschaftstheoretiker. Und nicht wenige
hätten es gern, wenn sie ihr frommes Gemüt beim Anblick von Ari-
stoteles, von Frege, von Russell etc. ändern mitteilen könnten.
Daß vom Standpunkt des dialektischen Materialismus die Vorgabe
von wissenschaftlichen Fachsprachen nicht als d i e Vorstellung
d e r Wissenschaft akzeptiert werden kann, habe ich an anderer
Stelle begründet. 8) Hier kommt es mir darauf an, unter der Vor-
aussetzung der Existenz des Maßstabs der (klassischen oder kon-
struktiven) formalen Logik seine Problematik zu zeigen. Solches
Zeigen wird nichts weiter als eine Hegel-, Feuerbach- und Marx-
Interpretation sein. Denn es war eben Hegel, der zum ersten Mal
in der Geschichte der menschlichen Erkenntnis erfaßte: Bleiben
wir "bei der abstrakten Ansicht stehen, daß das Logische nur for-
mell sei und von allem Inhalt vielmehr abstrahiere, so haben wir
eine einseitige Erkenntnis, welche keinen Gegenstand enthalten
soll, eine leere, bestimmungslose Form, die also ebensowenig eine
Ü b e r e i n s t i m m u n g, - da zur Übereinstimmung wesent-
lich z w e i gehören, - ebensowenig Wahrheit ist". 9) Gegen die
n u r formale Fassung der Logik kontert Hegel: "Indem die Logik
Wissenschaft der absoluten Form ist, so muß dies Formelle,
d a m i t e s e i n W a h r e s s e i, an ihm selbst einen
I n h a l t haben, welcher seiner Form gemäß sei, und um so
mehr, da das logische Formelle die reine Form, also das logisch
Wahre die r e i n e W a h r h e i t selbst sein muß." 10)
Welches ist das wissenschaftstheoretische Programm, das hier pro-
klamiert wird?
Der Forminhalt
--------------
Wer heute formale Logik studiert, beginnt mit der Kenntnisnahme
der sogenannten A u s s a g e n logik, d.h. einer Disziplin,
die definitiv erst durch G. Frege hervorgebracht worden ist und
in ihrer gegenwärtigen Gestalt ein Produkt unseres Jahrhunderts
darstellt. Alle Hinweise auf frühere Formen der Aussagenlogik in
der antiken Wissenschaft wie in der Scholastik basieren auf die-
ser Voraussetzung. Mit Bezug auf die Hegel-Interpretation bedeu-
tet dieser Umstand insbesondere, daß man Hegels Begriff der for-
malen Logik in Kants "Kritik der reinen Vernunft" findet, nicht
aber in der gegenwärtigen theoretischen Logik. Weder Kant noch
Hegel wußten, was Aussagenlogik ist; beide betrachteten - wie die
ganze klassische bürgerliche Philosophie - die Logik als Theorie
der Begriffe, Urteile und (syllogistischen) Schlüsse. Das Urteil
speziell galt ihnen als Verknüpfung oder als Beziehung von vorge-
gebenen Begriffen, der Schluß als Verknüpfung bzw. als Beziehung
von vorgegebenen Urteilen. Weder Kant noch Hegel hat an dieser
zeitgenössischen Gegebenheit etwas ändern wollen. Vielmehr suchte
Kant, indem er dies logische Vorgehen als "formale" Logik be-
stimmte, nach der "transzendentalen" Logik. Und was Hegel suchte,
haben wir zitiert.
Unabhängig von dem speziellen Umstand, daß Hegel die Aussagenlo-
gik nicht kannte, bleibt aber seine Bemerkung richtig, daß die
formale Logik bei der Betrachtung der Sprache "von allem Inhalt
vielmehr abstrahiere". Dies erfährt man in der Logik-Ausbildung
dadurch, daß einem der Übergang von Aussagen zu Aus-
sage f o r m e n mit genau diesem Argument beigebracht wird. Ha-
ben wir z.B. die beiden Aussagen: 1. Fritz schläft, und wenn er
schläft, philosophiert er nicht; mithin philosophiert er nicht;
2. Luise ißt, und falls sie ißt, liebt sie nicht; also liebt sie
nicht; so können wir auf der Basis unseres bereits bestehenden
Sprachverständnisses durchaus verstehen, wenn uns der Logiker
versichert, daß beide Aussagen die gemeinsame F o r m (3) A und
(wenn A, so B); also B haben. Diese Form nimmt der Logiker als
eine Form der logischen Wahrheit an, d.h., er überzeugt uns, daß
f ü r j e d e Aussage A und B in der durch (3) dargestellten
Form gesichert ist: der Gesamtausdruck ist wahr. Indem er selbst
von diesem Umstand ebenfalls überzeugt ist, stellt er seinem Pu-
blikum den Ausdruck (4) Für alle A und B: A und (wenn A, so B);
also B als logisches G e s e t z vor.
Wie man sieht, kommt die sogenannte Abstraktion "von allem In-
halt" dadurch zustande, daß man die Sätze im ganzen Ausdruck
durch V a r i a b l e ersetzt, sie also als K o n s t a n-
t e n behandelt, die für die Variablen A, B,... eingesetzt
werden können. Solches Verfahren kennt jeder, der an vorgegebenen
Systemen Reparaturen ausgeführt hat. Er hat darin zwar keine
Variablen eingeführt, aber verschlissene Teile durch unver-
brauchte ersetzt. Denkt man den Zwischenzustand, in dem das
verschlissene Teil schon nicht mehr am System ist, das neue aber
noch nicht, so hat man akkurat eine Vorstellung für das, was die
Aussagen f o r m bezüglich der logischen Analyse der Sprache
vorstellt. Die Variablen bezeichnen Leerstellen, die von bestimm-
ten Teilen ausgefüllt werden können.
Nehmen wir nun den einfachen Satz, so wird s e i n e Form in
der Logik durch nichts anderes vorgestellt als durch die Satzva-
riable. Mit Bezug auf diesen Umstand ist Hegels Frage nach dem
I n h a l t der Form bzw. nach dem Forminhalt oder Formgehalt
11) unmittelbar nicht mehr verständlich. Wir können hier nur sa-
gen: Der Inhalt dieser Form wird vorgestellt durch alle sinn-
vollen Elementarsätze einer Sprache. An der Form selbst, der Aus-
sagenvariablen, ist kein Inhalt mehr feststellbar! Eben weil sie
eine Leerstelle bezeichnet, stellt sie k e i n e n Inhalt dar.
Ist also Hegels Ansatz in der Tat sinnlos oder "vorwissenschaft-
lich", wie uns Popper und andere weismachen wollen? Um diese
Frage zu beantworten, haben wir zu beachten, auf welche
Ausdrucksformen sich der Dialektiker eigentlich bezieht. Ohne
hier weiter auf den logischen und methodologischen Hintergrund
dieser Bezugnahme eingehen zu können, stellen wir fest: Die in
der ganzen klassischen bürgerlichen Philosophie zugrunde gelegte
Ausdrucksform der wissenschaftlichen Sprache hat die Gestalt S <=
P, worin S (das Subjekt des Satzes) einen Begriff meint, der eine
E x i s t e n z bestimmt, P (das - eingebildete - Prädikat)
einen Begriff meint, der das W e s e n jener Existenz bestimmt,
und <= das Zeichen des Bedeutungseinschlusses ist. Diese
Formgestalt hat man natürlich im oben angegebenen logischen Satz
(3) auch: (3a) A . (A -> B) » B. 12) Hier stellt "A . (A -> B)"
das Subjekt des logischen Satzes, "»" sein Prädikat und "B" sein
Objekt im Rahmen des Prädikatverbands dar. Die klassische Fassung
fehlt formell - besser grammatisch - eigentlich nur darin, daß
sie das, was wirklich ein Objekt ist, als "Prädikat" faßt,
während sie das wirkliche Prädikat, den Bedeutungseinschluß, nur
en passant oder kontrovers betrachtet. 13) Um der klassischen
bürgerlichen Philosophie in diesem Fehler nicht zu folgen,
rekonstruieren wir die obige Formgestalt durch S <= 0 (d.h. S < 0
v S = O), worin nun O einen Begriff meint, der eine Existenz
bestimmt, welche ihrerseits mit der von S bestimmten Existenz ein
gemeinsames Wesen hat, an dem beide verschieden oder gleichwertig
teilhaben. Hierbei wird in der Regel der durch O bezeichnete
Gegenstand auch als das Original des Wesens, d.h. als der Maßstab
seines Werts unterstellt. Der Ausdruck S = 0 z.B. ist dann eine
w i s s e n s c h a f t s t h e o r e t i s c h e Vorstellung
der gewöhnlichen Meßaussage der mathematisierten Wissenschaften,
nämlich gi = x go, worin gi die gemessene Größe, der M e ß-
g e g e n s t a n d, und x go die messende Größe, das Meßmittel
ist, während das Prädikat = die Gleichheit beider Größen fest-
stellt.
Wie man sieht, ist die wirkliche Basis der logischen Vorstellung
der klassischen bürgerlichen Philosophie die Sprache der rechnen-
den und messenden Wissenschaft. Es handelt sich mitnichten um
"metaphysische Spekulation" oder ähnliche Verbrechen gegen die
Aufklärung, sondern um eine sehr gut verständliche Entwicklungs-
stufe der logischen Vorstellung. 14) Daß man sie in der Gegenwart
nicht reflektiert, ist sicher kein Beweis gegen diese Entwick-
lungsstufe und auch kein Beweis für die Potenz der analytischen
oder konstruktiven Wissenschaftstheorie, die Genesis der Wissen-
schaft zu begreifen.
Reduzieren wir nun unsere weitere Betrachtung auf die Formgestalt
S = O, so wird Hegels Ansatz und wirkliche wissenschaftstheoreti-
sche Entdeckung sofort einsichtig: 1. ist der ganze Ausdruck S =
O eine F o r m, 2. ist der Ausdruck gegliedert, so daß die Form
i n s i c h bestimmt ist; 3. sind die Glieder der Form - für
Hegel S und O (für uns S und = O) - unabhängig voneinander
k e i n e G l i e d e r, sondern nur mit Bezug aufeinander wie
im Ausschluß gegeneinander (S ist nicht O; O ist nicht S); 4.
schließlich besteht d i e g a n z e Form dadurch und nur da-
durch, daß sie in und vermittels dieser Gliederung besteht. Indem
aber nun die Form auf die angegebene Weise i n s i c h be-
stimmt ist, so hat sie - als Form - einen Inhalt! Wer wahrnehmen
kann, s i e h t das, wenngleich er auch in der Wahrnehmung da-
von absehen kann.
Wie sieht man vom Forminhalt ab? Man konzentriert sich auf das
Prädikat der Gleichheit, unterstellt S und O als Wertzeichen und
findet, daß S = O ausdrücke: Der Wert, den S bezeichnet, ist der-
selbe, den O bezeichnet. Man sieht also ab, indem man
a b s t r a h i e r t. Was dabei herauskommt, ist, daß S und O
nicht mehr als Zeichen v e r s c h i e d e n e r Gegenstände,
sondern d e s s e l b e n Gegenstands (i.e. desselben Werts)
gelten bzw. die Gegenstände selbst nurmehr als Zeichen ihrer Gat-
tung! Man hat die beste Anschauung für diesen Umstand, wenn man
sich die Vorstellung einer Waage macht, die mit den verschiedenen
Gegenständen a und b ins Gleichgewicht gebracht worden ist (man
macht übrigens diese Vorstellung wirklich, wenn man wirklich eine
Waage macht und wägt). Der Ausdruck a = b widerspiegelt den
Gleichgewichtszustand der Waage, und zugleich sind wir ganz si-
cher, daß z.B. a eine Gans und b - sagen wir - zwei Enten meint.
Somit wissen wir, daß a = b n i c h t die Behauptung der
Gleichheit der Gans mit den beiden Enten ist, sondern die Behaup-
tung der Gleichheit ihrer jeweiligen schweren Massen. Aber ihre
schweren Massen finden wir n i r g e n d als greifbare Gegen-
stände, wir finden sie nur, indem wir zugleich die Gans und die
beiden Enten finden. Diese Geschöpfe nun werden in der Abstrak-
tion zu Z e i c h e n ihrer schweren Massen und ersetzbar gegen
alle anderen Geschöpfe mit der gleichen schweren Masse, falls
einen nur diese an den Geschöpfen interessiert.
Für die analytische wie konstruktive Wissenschaftstheorie frei-
lich, welche die Zeichen stets nur als Artefakte des menschlichen
Sprachvermögens aufzufassen wissen, ist die Existenz der Gans wie
der Enten als Z e i c h e n ihrer schweren Massen durchaus un-
klar. x Sie wissen daher auch nicht, daß der Arbeiter für den Ka-
pitalisten nur als Zeichen kaufbarer Arbeitskraft gilt. Dies
scheint ihnen absurd. Und es ist auch die Absurdität, d.h. Sinn-
widrigkeit, des realen Kapitalismus. Aber weil sie unter dem Kom-
mando der formal logischen Normen Sinnwidrigkeiten, sogenannte
"Widersprüche in der Beifügung", nur als Zeichen von nichts un-
terstellen, die Realität als widerspruchsfrei betrachten, so kom-
men sie nicht auf die Vorstellung der R e a l i t ä t des Ab-
surden und halten daher die absurde Realität für die normale der
"Sozialpartnerschaft". Dies ist ein stringenter Ausweis für die
"Modernität" sowohl der analytischen wie der konstruktiven Wis-
senschaftstheorie.
Sieht man nun nicht vom Forminhalt ab, macht man diesen mithin
zum speziellen wissenschaftlichen Gegenstand, so betreibt man He-
gelsche "Logik" o d e r D i a l e k t i k (wenn man will; dia-
lektische Logik oder logische Dialektik). Die vernünftige Auffas-
sung des wissenschaftstheoretischen oder methodischen Sinns der
Dialektik hängt von der Wahrnehmung des Forminhalts ab. Wer diese
Wahrnehmung nicht vollzieht - aus welchen Gründen immer -, hat
den methodischen Kern der Dialektik nicht beherrschbar im Griff.
(Dies ist natürlich kein Vorwurf - wie man überhaupt nicht
"Vorwürfe" erhebt, falls man Philosophie betreibt -, sondern die
Feststellung eines Sachverhalts, wie er sich dem Autor dar-
stellt.) Dialektisch zu denken, heißt nicht, hüh und hott zu sa-
gen, oder zum Vergnügen die Welt einmal im Kopfstand zu betrach-
ten. Es heißt, den Forminhalt w a h r z u n e h m e n und auf
der Grundlage dieser Wahrnehmung die theoretische Entwicklung
ihres Inhalts vorzunehmen.
Es versteht sich, daß an dieser Stelle keine besondere Entfaltung
dieses Inhalts vorgenommen werden kann. Wir beschränken uns auf
ein paar Bemerkungen zum Hegelschen Sprachgebrauch, um sodann in-
tensiver die Marxsche Aufnahme der Hegelschen Entdeckung zu dis-
kutieren. Betrachten wir nicht den Sprachausdruck S = O als sol-
chen, sondern den o n t o l o g i s c h e n Inhalt desselben,
so haben wir es mit zwei verschiedenartigen, aber gattungsglei-
chen Gegenständen zu tun, welche der Ausdruck als gleichwertig
feststellt. Zur weiteren Präzisierung wäre noch nötig, im Prädi-
kat die Wertart anzuzeigen, von der hier die Rede ist (ob es sich
z.B. um eine Länge, eine Dauer, eine träge Masse, einen ökonomi-
schen Wert, einen Preis etc. handelt). Wir könnten etwa "a = b c"
schreiben und wüßten dann: Das Subjekt "a" meint einen Gegen-
stand, der mit dem vom Satzobjekt "c" gemeinten Gegenstand nach
der Gattungsart b gleichwertig (größengleich) ist. In der Ab-
straktion deuteten wir diese Feststellung, indem wir
_
b(a) = b(c)
erklärten - und formal logisch gewännen unter Annahme des Ab-
straktionsprinzips für die abstrakte Gleichheit =
_
b(a, c): a = b c » b(a) = b(c).
Übrigens erklären uns die formalen Logiker, daß man die abstrakte
Identität nicht nur als notwendige, sondern auch als hinreichende
Bedingung der abstrakten Gleichheit akzeptieren könne, daß also
_
a = b c «» b(a) = b(c)
gilt. Diese logische Äquivalenz stellen uns dann die Analytizi-
sten als die Definition der Gleichheit vor, wobei sie versichern,
damit d i e N a t u r der Gleichheit im Gegensatz zu den spe-
kulierenden Dialektikern aufklärerisch klar und bestimmt entdeckt
zu haben.
Der ontologische Inhalt des Ausdrucks a = b c wird nun in der He-
gelschen philosophischen Fachsprache wie folgt bestimmt: Der
ganze Ausdruck stellt das W e s e n dar (genau genommen, die
Wesensart b, was Hegel jedoch nicht sieht). Das Negative am We-
sen, "die Negativität des Wesens" 15), ist die R e f l e-
x i o n. Das will heißen: der Ausdruck a = b c ist n i c h t
n u r ein Ganzes, sondern auch eine gegliederte Totalität von
sich gegeneinander unterscheidenden Momenten, nämlich von a und
c. Der Gegenstand c r e f l e k t i e r t darin das Wesen des
Gegenstands a wie umgekehrt dieser das Wesen des Gegenstands c -
und b e i d e r Wesen ist e i n Wesen (wir argumentieren im
Rahmen des Hegelschen Sprachgebrauchs). Die Reflexion oder
W i d e r s p i e g e l u n g ist also immanente Bestimmung des
Wesens; es erscheint nicht, wenn nicht in der Reflexion! Gegen
ihr Wesen sind die Artverschiedenheiten der Gegenstände a und c
unwesentlich oder S c h e i n. Sie sind dies aber nur, weil sie
aufeinander als Glieder derselben Gattung (abstrakt: als Elemente
desselben Grundbereichs) bezogen sind, weil sie in dieser
Beziehung die Gattung zur Erscheinung bringen und eben darum ihre
besondere Art unwesentlich bzw. Schein wird. Indem das Wesen also
in sich scheint, d.h. sich vermittels der Gleichwertigkeit seiner
Individuen durch die wechselseitige Spiegelung darstellt, kann
dies nur gelingen, indem die Artverschiedenheiten der Individuen
zum Schein werden. Jeder Beobachter von Gleichheiten spricht dies
aus, indem er die Artunterschiede der gleichen Gegenstände als
"unwesentlich" charakterisiert - zumeist nicht wissend, nun
gerade eine Kategorie unter anderem auch der Hegelschen "Logik"
gebraucht zu haben bzw. der Dialektik überhaupt.
Als wichtige terminologische Bestimmung aus diesem kurzen Exkurs
halten wir das Wort "Reflexionsbestimmung", das wir auch durch
"Widerspiegelungsbestimmung" ersetzen können, fest: Der Gegen-
stand c reflektiert das Wesentliche an a et vice versa. Wird dies
Wesentliche auf den Begriff gebracht, so wird eine Reflexionsbe-
stimmung angegeben. Z.B. ist L ä n g e n e i n h e i t z u
s e i n eine Reflexionsbestimmung, die durch wirkliche Längen-
einheiten gegen alle Gegenstände von dieser Länge realisiert
wird. Ebenso i s t, P r ä s i d e n t z u s e i n eine Re-
flexionsbestimmung, die durch wirkliche Präsidenten relativ auf
die Präsidierten realisiert wird. (Präsidierte meinen oft, sie
seien dies, weil jener Präsident ist. Natürliche Gegenstände da-
gegen dürften kaum glauben, sie seien lang, weil es das Pariser
Urmeter so will - oder gewollt hatte.)
Indem Hegel die Artbestimmtheit des Wesens (die Größenart) nicht
in Rechnung stellt, gelten ihm die allgemeinen Eigenschaften al-
ler Wesensbestimmungen (Identität, Widerspruch und Tertium non
datur) als Reflexionsbestimmungen. Diese Fixierung ist bei Marx
aufgegeben.
Die Wertform
------------
In der ersten Auflage seines "Kapital" macht Marx in einer Anmer-
kung ganz deutlich, welche historische Beziehung seine Entdeckung
der Wert f o r m hat, die manchen Leuten im Unterschied zur
Wert s u b s t a n z (dem gesellschaftlichen Arbeitsvermögen)
und zur Wertgröße (dem Quantum gesellschaftlichen Arbeitsvermö-
gens) zu enorme Denkschwierigkeiten bereitet. Beim Übergang zur
qualitativen Diskussion des Wertausdrucks w = v g (die Ware w
stellt denselben Wert v wie das Geld g dar) notiert er: "Es ist
kaum verwunderlich, daß die Ökonomen, ganz unter dem Einfluß
stofflicher Interessen, den Formgehalt des relativen Wertaus-
drucks übersehen haben, wenn vor Hegel die Logiker von Profession
sogar den Forminhalt der Urteils- und Schlußparadigmen übersa-
hen." 16) Marx konnte nicht ahnen, daß "die Logiker von Profes-
sion" dies noch heute tun. Es hat ihn wohl auch nicht sonderlich
interessiert. In der zweiten Auflage jedenfalls heißt die ent-
sprechende Anmerkung: "Die wenigen Oekonomen, die sich, wie S.
Baily, mit der Analyse der Wertform beschäftigt haben, konnten zu
keinem Resultat kommen, einmal, weil sie Wertform und Wert ver-
wechseln, zweitens, weil sie, unter dem rohen Einfluß des prakti-
schen Bürgers, von vornherein ausschließlich die quantitative Be-
stimmtheit ins Auge fassen." 17) Hier ist der Bezug auf Hegel
nicht mehr genannt. Und das mag ein Grund sein für den Umstand,
daß der Zusammenhang des Marxschen Begriffs der Wertform mit dem
Hegelschen Begriff des Inhalts der logischen Form kaum beachtet
worden ist. Lenin sah sich daher auch zu dem berühmten Aphorismus
veranlaßt: "Man kann das 'Kapital' von Marx und besonders das I.
Kapitel nicht vollständig begreifen, ohne die ganze Logik von He-
gel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem
halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen!!" 18)
Was ist das Charakteristische, wenn man das durch "w1 = v w2"
ausgedrückte Wertverhältnis (einen Austauschakt reflektierend)
als Wertform bzw. den F o r m i n h a l t des Wertausdrucks
denkt? Es besteht einfach darin, daß die Waren w1 und w2 in die-
ser Bestimmtheit selbst als gegenständliche Darstellungen der Mo-
mente der Wertform gefaßt sind. Diese Momente nennt Marx
"relative Wertform" und "Äquivalentform". Sie werden sprachlich,
wie bereits angedeutet, durch das Satzsubjekt einerseits und das
Satzobjekt andererseits ausgedrückt - wohlgemerkt durch diese
S a t z g l i e d e r, nicht etwa durch die darin verwendeten
W ö r t e r! In "wj = v w2" stellt also "w1" die relative Wert-
form dar und "w2" die Äquivalentform. Betrachten wir umgekehrt
den Ausdruck "w2 = v w1", so drückt nunmehr "w2" die relative
Wertform und "w1" die Äquivalentform aus. Das besagt: die Momente
der Wertform sind invariant gegen den Stellenwechsel der sie dar-
stellenden Waren. Oder: Die Wertform zu denken, schließt die
a b s t r a k t e Betrachtung der Gleichheit aus, heißt, die
Gleichheit k o n k r e t (d.i. in der notwendigen Verschieden-
heit ihrer Glieder) aufzufassen. Das Konkrete ist nicht das Ab-
strakte. Auch wird kein Gegenstand konkret betrachtet, wenn er
als Vertreter eines Abstraktum betrachtet wird. Er wird dies nur
in der Gattungseinheit mit einem anderen Gegenstand, der darin
von ihm zugleich als notwendig artverschieden unterstellt ist!
Wenn die analytischen oder konstruktiven Wissenschaftstheoretiker
von "konkreten Einzelgegenständen" reden, meinen sie immer Gegen-
stände als Vertreter von Abstrakta, die Individuen also als Zei-
chen ihrer Gattungen. Dagegen rebelliert der romantische Protest,
weiß aber nicht, daß er d a g e g e n rebelliert, sondern ahnt
nur etwas von der Vorherrschaft des Allgemeinen über das Indivi-
duelle, die er nicht will. So greift er das Allgemeine an - und
kapiert wieder nicht, daß er in diesem Angriff w e g e n d e r
R e f l e x i o n sich selbst opfert, das heroische Individuum.
Man erkennt natürlich, daß die Feststellung der Wertform methodo-
logisch über die Feststellung der grammatischen Bestimmtheit des
Wertausdrucks vermittelt wird: Die relative Wertform wird durch
das Satzsubjekt bezeichnet, die Äquivalentform dagegen durch das
Satzobjekt. Daher ist auch ganz verständlich, daß der Wechsel der
diese Momente der Wertform darstellenden Waren die kategoriale
Determination nicht ändert. Es mag nun sein, daß in der Sprach-
wissenschaft die mit dieser syntaktischen Deutung verbundene
durchaus traditionelle grammatische Auffassung in Frage gestellt
oder gar nicht mehr geteilt wird. Dann ist vom philosophischen
Standpunkt zunächst nichts weiter zu sagen als dies, daß wir die
Fixierung des Forminhalts einer gegebenen Ausdrucksform nach dem
diskutierten Beispiel unter diesen Voraussetzungen nicht als Lei-
stung der empirischen Grammatik betrachten, sondern als Determi-
nation durch die, wie man dann sagen k a n n, p h i l o s o-
p h i s c h e S y n t a x, einem Teilgebiet der Erkenntnis-
theorie. Es ist dann die Frage nach dem Zusammenhang der (unter-
schiedlichen) empirischen Grammatik-Konzepte mit dieser philoso-
phischen Syntax als neues Forschungsproblem zu stellen.
Klar ist jedenfalls, daß das Verständnis der von Marx entdeckten
Wertform vom Verständnis des von Hegel entdeckten Forminhalts der
generellen wissenschaftlichen Ausdrucksformen abhängt. Und die
Möglichkeit solchen Verstehens sich durch Proklamation der
"Naturgegebenheit" der formal logischen Ausdrucksbestimmungen
nehmen zu lassen, wäre gleichbedeutend damit, die Verkehrung der
Aufklärung in die Diktatur der verselbständigten Abstrakta zuzu-
lassen, wäre Harakiri der Philosophie selbst als einer Wissen-
schaft sui generis. Welcher wirkliche Philosoph könnte dies zuge-
ben?
Es versteht sich in diesem Zusammenhang, daß die Annahme einer
philosophischen Syntax im obigen Sinne weder die Grammatik der
empirisch konstatierbaren Umgangssprachen noch die formale Logik
in Frage stellt oder gar als deren "wahrer" Ersatz auftritt. Die
Philosophie, das Begreifen der W i r k l i c h k e i t der Gat-
tung, ist nicht so dumm, auf irgendwelche Arten eben dieser Gat-
tung zu verzichten. Ihr wirklicher Gegner ist die Unphilosophie,
d.h. jene Weltanschauung, welche artspezifische Repräsentationen
von Gattungseigenschaften schon für die wirkliche Gattung aus-
gibt, welche also die V o r s t e l l u n g einer Wirklichkeit
für d i e Wirklichkeit hält, welche daher die wirklichen Gegen-
stände nur insoweit notiert, als sie sich gegen Wertstandards be-
währen, also Werte sind. Sowohl die Grammatik wie die formale Lo-
gik sind strike Voraussetzungen für die Frage, welchen
I n h a l t die doch von ihnen zuerst erfaßten Ausdrucksformen
besitzen. Man kann ja nicht nach dem Inhalt einer Form als sol-
cher fragen, wenn man nicht zuvor diese Form schon determiniert
hat! Demzufolge richtet sich die philosophische Syntax nicht
g e g e n die Grammatik und g e g e n die formale Logik, son-
dern unterstellt beide und formuliert ein n e u e s Problem.
Wer auf diese neue Problemstellung verzichtet, kann dies natür-
lich tun. Wenn er jedoch solchen Verzicht als "aufklärerisch",
"rational", "vernünftig", "sinnvoll", "wissenschaftlich legitim"
etc. charakterisiert, so befindet er sich auf keinem Standpunkt
irgendeiner Wissenschaft, sondern auf dem der Unphilosophie. Wer
wirklich verzichtet, soll über das, worauf er verzichtet, schwei-
gen. Solches Verhalten kann durch die Philosophie immer akzep-
tiert werden.
Die Geschichte des nachrevolutionären oder spätbürgerlichen Den-
kens ist bezüglich der Auffassung der Hegelschen Entdeckung des
Forminhalts der Ausdrucksform der messenden Erkenntnis dadurch
charakterisiert, daß es in k e i n e m seiner Vertreter Hegels
Wahrnehmung aufgenommen und verarbeitet hat. Sie ist schlicht und
einfach - bis auf den heutigen Tag - nicht mehr verstanden wor-
den.
Über die Gründe dieser totalen Verständnislosigkeit kann hier
nicht weiter diskutiert werden. Es sei allein festgestellt, daß
die Rezeption des Begriffs des Forminhalts ausschließlich durch
den Marxismus-Leninismus erfolgte. Marx' eigene Aufnahme liegt im
Begriff der Wertform vor. Und Lenin notiert in seinem berühmten
Fragment 'Zur Frage der Dialektik' die eigene Rezeption wie be-
kannt: "Beginnen mit dem Einfachsten,..., mit einem beliebigen
S a t z: ... Iwan ist ein Mensch ... Schon hierin ist (wie Hegel
genial bemerkt hat) D i a l e k t i k: Einzelnes ist A l l-
g e m e i n e s.... Somit sind die Gegensätze (das Einzelne ist
dem Allgemeinen entgegengesetzt) identisch: Das Einzelne exi-
stiert nicht anders als in dem Zusammenhang, der zum Allgemeinen
führt. Das Allgemeine existiert nur im Einzelnen, durch das Ein-
zelne." 19) Es ist diese Aufnahme des Begriffs des Forminhalts
genereller Widerspiegelungsformen (und der elementare Satz ist
eine solche Form), durch die das methodologische Konzept der ma-
terialistischen Dialektik weder für die analytische noch für die
konstruktive Wissenschaftstheorie faßbar werden. Sehr wohl aber
können umgekehrt beide Konzepte als verselbständigte Abstraktio-
nen auf dem Boden der materialistischen Dialektik verstanden wer-
den.
Bekanntlich stellt nun Marx im "Kapital" die E n t w i c k-
l u n g d e r W e r t f o r m dar, wobei sein unmittelbares
Ziel darin besteht, die Existenz des Geldes im Unterschied von
den Waren genetisch zu erklären. Während die analytische Natio-
nalökonomie das Geld einfach als gegebenes Faktum voraussetzt,
formuliert Marx in seiner politischen Ökonomie das Problem, das
Werden des Daseins von Geld darzustellen. Die Entwicklung der
Wertform ist diese Darstellung. Zu ihrem Verständnis ist
ausdrücklich hervorzuheben, daß die faktische Existenz des Geldes
darin vorausgesetzt ist. Um den Sinn der Marxschen Pro-
blemstellung in seiner p h i l o s o p h i s c h e n Bedeutung
klarer zu erkennen, bemerken wir, daß die g l e i c h e Frage
mit Bezug auf die in der messenden und rechnenden Naturwissen-
schaft verwendeten Meßstandards oder Etaions gestellt werden
kann. Wenn wir fragen: Wo kommen die physikalischen Grundgrößen-
einheiten her? , so stellen wir das Problem der Wertformgenese
als Problem der materialistischen Naturdialektik. Alle romanti-
schen Attacken gegen die Unterstellung einer objektiven Dialektik
der Natur brechen an dieser Problemstellung zusammen - und können
daher nichts anderes als die vornehme Ignoranz gegen die Natur-
wissenschaft ausbilden. Die methodologische Frage nach der Gene-
sis etwa des Pariser Urmeters ist nur eine andere Art der Marx-
schen Frage nach der Genesis des Geldes; sie ist aber keine we-
sensverschiedene Frage. Wo dies dennoch behauptet wird, darf man
sicher sein, daß die Behauptenden weder die Marxsche Entdeckung
der Wertform verstanden haben noch vernünftige Auskunft über die
Genesis unserer Maßeinheiten für Längen, Dauern, Massen, Ladun-
gen, Teilchenanzahlen etc. geben können. Der penetrante-Hinweis
auf die Gesellschaftlichkeit des Arbeitsvermögens, das durch die
ökonomische Wertung determiniert wird, vergißt, daß dieses Vermö-
gen die natürliche Fähigkeit von Individuen einer natürlichen
Gattung darstellt, und unterstellt die Natur stets in ihrer
s p e z i e l l e n Art, Stoff zu sein, als d i e Gattung der
Natur! Aber Energien und Impulse sind auch Naturphänomene - wenn
auch keine Stoffe.
Die Marxsche Entwicklung der Wertform bildet eine Schrittfolge
von drei Entwicklungsstufen, die wir hier nur rekapitulieren:
(A) Einfache Wertform: w1 = w2;
(B) entfaltete Wertform: w1 = w2 + w1 = w3 + w4 = w4 + ...;
(C) allgemeine Wertform: w2 = w1 . w3 = w1 . w4 = w1 . ...
Mit der allgemeinen Wertform ist w1 zur ausschließlichen Geldware
geworden, also zu jener Ware, die die allgemeine Äquivalentform
im Ausschluß gegen alle anderen Waren darstellt. Sie ist darin
zugleich von der Darstellung der allgemeinen relativen Wertform
ausgeschlossen. Der immanente Widerspruch der Ware hat die Ge-
stalt eines äußeren Gegensatzes zwischen den Waren einerseits und
dem Geld andererseits angenommen. Als solcher äußerer Gegensatz
liegt er dem mathematischen Zugriff offen: Wir haben einerseits
die Warenklasse, andererseits die Werteklasse und können unter-
stellen, daß jeder Ware genau ein Wert (realisiert in Geldge-
stalt) zugeordnet ist. Die Entwicklung der Wertform ermöglicht
also die Anwendung des mathematischen Funktionsbegriffs, d.h.
eine wissenschaftliche Leistung, die im Rahmen der analytischen
Methode erfolgt. Es ist natürlich kompletter Unsinn, die Verwend-
barkeit des Funktionsbegriffs zu unterstellen, ehe die Umbildung
des immanenten Widerspruchs (des wesentlichen Widerspruchs) in
den äußeren Gegensatz (den erscheinenden Widerspruch) erfolgt
ist. 20)
Bekanntlich erklärt Marx nun: "Die Wertform des Arbeitsprodukts
ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste Form der bürgerli-
chen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere Art ge-
sellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charak-
terisiert wird." 21) In der Wertform, so Marx, haben wir den Aus-
druck einer Gesellschaftsformation vor uns, "worin der Produkti-
onsprozeß die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionspro-
zeß bemeistert" 22). Warum ist das der Fall? Weil uns die Wert-
form über die gegenständlich ausschließende Vorstellung des all-
gemeinen Äquivalents zeigt, daß die Gesellschaftlichkeit der Ar-
beit als solche gegen die individuellen Arbeiter und ihre Pro-
dukte als eine äußere Sache auftritt - und zwar als ein Gegen-
stand, der in der Wirklichkeit doch nur eine b e s o n d e r e
A r t der Arbeit darstellt. Natürlich ist die hier gemeinte Ge-
sellschaftlichkeit nicht mehr die bornierter Gemeinwesen, sondern
die der universalen Gattung. Die Wertform reflektiert den
W e l t m a r k t, aber nicht den Dorfanger einer sich selbst
genügenden Dorfgemeinschaft oder den heiligen Hain einer Stammes-
versammlung. Die Wertform ist also in einem Ausdruck der gesetz-
ten u n d der nicht wirklich bestehenden universalen menschli-
chen Gattung! Die durch die Wertform widergespiegelte Bürgerlich-
keit der ihr zugrunde liegenden Produktionsweise erscheint in dem
Umstand, daß das Geld als Wertstandard die anderen Waren von sich
ausschließt, d. h. die Existenz d i e s e r Arbeitsprodukte als
ebensolcher S t a n d a r d s negiert. Und das wiederum ist der
Fall, weil die Arbeitsprodukte selbst auf der Basis des
P r i v a t e i g e n t u m s bzw. S o n d e r eigentums er-
zeugt werden und einander gegenübertreten.
Die Wertform stellt also die bürgerliche Produktionsweise dar,
nicht weil sie überhaupt der Forminhalt eines Wertausdrucks ist,
sondern weil sie in der Gestalt wi = g die Festigkeit der wech-
selseitigen Exklusion von Ware und Geld reflektiert. Um diesen
z.B. für das Sozialismusverständnis entscheidenden Umstand zu er-
fassen, ist es gut, sich für einen Augenblick die Wertform der
physikalischen Erkenntnis, d.i. die allgemeine Form der sogenann-
ten Meßaussage, zu vergegenwärtigen. Hier haben wir anstelle von
wi = g vielmehr die Ausdrucksform gi = y x go (mit irgendeiner
Größe gi, der entsprechenden Größeneinheit go und der - im allge-
meinen - reellen Zahl y, einem mathematischen W e r t). Es ist
nun klar, daß go für eine aktuell bestimmte Messung eine allge-
meine Äquivalentform exklusiv darstellt (oder ist - je nachdem,
ob man den Standard oder das meint, was der Standard widerspie-
gelt bzw. reflektiert). Aber, und dies unterscheidet die physika-
lische von der bürgerlichen Wertform, es ist ganz klar, daß die
Standardisierung prinzipiell von j e d e r Art der zu reflek-
tierenden Gattungseigenschaft übernommen werden kann. Die Exklu-
sion einer Art zum Zwecke der Gattungsdarstellung bleibt daher
hier immer ein M i t t e l und wird niemals Z w e c k. (Die
Liquidation der Pariser Standards - Urmeter und Urkilogramm - in
den sechziger Jahren gibt hierfür auch die gehörige sinnliche An-
schauung.) Kein Physiker mißt, um Körper gegen Zollstöcke oder
Maßeinheiten der schweren Masse einzutauschen - und diese dann zu
horten. Die Gegenstände der Darstellung natürlicher Äquivalent-
formen werden nicht zu Objekten der Eigentumsgier - aus dem ein-
fachen Grunde, weil natürliche Gattungen nicht privatisierbar
sind. Man kann weder Raum noch die Zeit noch die träge Masse
stehlen. Man kann aber sehr wohl das menschliche Arbeitsvermögen
stehlen - und zwar vermittels des Diebstahls der objektiven Ar-
beitsbedingungen der Gemeineigentümer, d.h. vermittels der Erzeu-
gung des Privateigentums. Indem die Existenz des Privateigentums
identisch mit der Nichtexistenz des Gemeineigentums ist, hat die
Gesellschaftlichkeit der Arbeit kein anderes gegenständliches Da-
sein als das Geld, diese Vorstellung ihrer Idealität. Ihr prozes-
sierendes Dasein ist der Austausch - als P r i v a t austausch.
Und weil die Gesellschaftlichkeit im Privataustausch realisiert
wird, so ist das Geld notwendig Ausdruck der wechselseitigen Ex-
klusion der Privateigentümer. Seine Exklusion ist daher nur die
Widerspiegelung dieser. Und das ist es, was den bürgerlichen In-
halt der Wertform ausmacht.
Denken wir die Wertform in genereller Sicht, was stellt sie dann
dar? Sie ist dann nichts anderes als die Widerspiegelung einer
determinierten Proportion der verschiedenen Arten einer Gattung!
Sind A und B solche Arten sowie go Standard einer Gattungseigen-
schaft, so mag die Proportion A:B = n x go : m x go oder eine an-
dere gelten, in jedem Fall erhält man A = n/m B, d.h. eine Wert-
form im gewöhnlichen Sinne, die natürlich A = B ist, falls n = m
gilt. Das besagt aber, daß Wertformen schlechthin zum Ausdruck
bringen, daß Gattungen in d e r P r o p o r t i o n a l i t ä t
i h r e r A r t e n erscheinen. Darin zeugen sie nicht f ü r
die bürgerliche Natur der Wertform, sondern genau g e g e n
sie. Beachtet man, daß jede Proportionalität über die Auswahl von
Größeneinheiten zur v e r d i n g l i c h t e n Darstellung der
fraglichen Gattungseigenschaft in eine Wertform überführt werden
kann, so ist klar, daß die Wertform nicht als solche, sondern un-
ter der speziellen Bedingung des Privateigentums als Vorausset-
zung der Standardisierung die bourgeoise Natur der Produktions-
weise zum Ausdruck bringt. Es gibt einfach keine Gesellschafts-
formation, die nicht gezwungen ist, die Mannigfaltigkeit ihrer
Produktionsarten so zu ordnen, daß der Gattungsaufwand wenigstens
dem Ergebnis entspricht. Indem dies wirklich getan wird, wird die
Gattung über die Proportionalität der Produktionszweige zur Er-
scheinung gebracht und mithin die Wertform konstituiert. Es emp-
fiehlt sich daher, entsprechend dem menschlichen Entwicklungspro-
zeß qualitativ verschiedene Wertformen zu unterscheiden. Die bür-
gerliche ist dann jene, worin die Proportionalität der Produkti-
onsarten über den Privataustausch der Privateigentümer hinter dem
Rücken der Produzenten hergestellt - und stets erneut hergestellt
wird. Die Folge der Wertdetermination läßt sich darin gut als Se-
lektionsvorgang im Sinne der synthetischen Evolutionstheorie ver-
stehen.
Mit Bezug auf die bürgerliche Natur der von Marx entdeckten Wert-
form halten wir schließlich fest: Selbstverständlich muß jede
messende und rechnende Wissenschaft Abstrakta v e r g e g e n-
s t ä n d l i c h e n. Man kann nicht mit einer g e d a c h-
t e n Länge messen, sondern nur mit einem gegenständlichen
Längenmaßstab, d.i. ein realisiertes Abstraktum, ein realisiertes
Ideal. Es ist aber für die analytische Methode wesentlich gleich-
gültig, w e l c h e Art einer Gattung zur Repräsentation
derselben verwendet wird. Die Repräsentantenfunktion ist hier
also - im strikten Gegensatz zur bürgerlichen Erscheinungsweise
des Werts - gerade nicht ausschließend. Sie kann von jeder Art
erfüllt werden. Demnach ist die analytische Abstraktion, statt
ein Ausdruck der "Bürgerlichkeit" der rechnenden und messenden
Wissenschaft zu sein, vielmehr ein Ausweis g e g e n d i e
b ü r g e r l i c h e S c h r a n k e d e r A b s t r a k-
t i o n, d.h. gegen den Ausschluß aller Arten einer Gattung mit
Ausnahme einer einzigen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, eben diese
Gattung vorzustellen. Der Zusammenhang von bürgerlicher Wertform
und analytischer Abstraktion ist nur und nur der, daß die
wirkliche historische Ausbildung der bürgerlichen Wertform auch
die wissenschaftliche Fähigkeit zum Gebrauch der abstrakten
Gleichheit erzeugt und bindend macht. Die revolutionäre Potenz
der messenden Wissenschaft besteht hier darin, daß sie mit der in
ihr geltenden Repräsentantenunabhängigkeit für die Erkenntnis der
Gattungseigenschaften fortlaufend gegen die bürgerliche Reduktion
der Gattung auf eine ihrer Arten zeugt. Gegen die bürgerliche
V e r s e l b s t ä n d i g u n g der Abstraktion zeigt uns die
messende Wissenschaft die v e r s t ä n d i g e Abstraktion
(nach einem Wort von Marx). Sie ermahnt uns fortlaufend, gegen
die fetischisierende Verhimmelung verselbständigter Abstrakta als
der "heiligen Ideale" die in der verständigen Abstraktion
erzeugten Etalons als das zu verwenden, was sie von Hause aus
sind - als M i t t e l, als W e r k z e u g der Reflexion,
der Widerspiegelung von Gattungseigenschaften.
Es ist daher romantischer Unfug bzw. der Unfug der Romantik (die
nicht notwendig Unfug treiben muß), den Protest gegen die Bürger-
lichkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse dadurch zu artiku-
lieren, daß die Abstraktion überhaupt denunziert wird. Da solche
Denunziation unmittelbar die a b s t r a k t e Erscheinungs-
weise des Allgemeinen oder der Gattung betrifft, so betrifft sie
mittelbar auch das konkrete Allgemeine, d.h. die Gattung als dia-
lektischen Gegensatz ihrer Arten - und f o l g l i c h d i e
G a t t u n g ü b e r h a u p t! Der romantische Protest gegen
die Abstraktion des Allgemeinen, der ja nicht zwischen der ver-
ständigen und der verselbständigenden Abstraktion zu unterschei-
den vermag, ist mithin niemals etwas anderes als ein irrationaler
Angriff auf die Gattung schlechthin. Das ist er natürlich auch,
wenn er ideologisch vorgibt, die "wahre Menschlichkeit", den
"wahren Sozialismus" etc. herbeizaubern zu wollen. In solcher
Draperie wird nichts weiter bewiesen als die absolute Unfähigkeit
des romantischen Protests zu d e n k e n, zu e r k e n n e n,
wogegen er eigentlich rebelliert. Es ist denn auch ganz naturge-
mäß, wenn er im billigsten Mystizismus verendet.
Schlußbemerkung
---------------
Die dargestellte Skizze der wissenschaftstheoretischen Bedeutung
der hegelschen Logik überzeugt - so ist zu hoffen - davon, daß
Hegels "Wissenschaft der Logik", statt einen abstrakten Gegensatz
gegen die formale Logik zu bilden, vielmehr deren Aufhebung auf
dem Standpunkt der entwickelten Philosophie darstellt. Es ver-
steht sich, daß diese Aufhebung ihrerseits wieder als Gegenstand
des dialektischen Materialismus systematisch aufzuheben ist. Wenn
die Richtung dieser Arbeit in der gegebenen Skizze adäquat be-
stimmt ist, so hat sie ihre Aufgabe erfüllt.
_____
*) Der vorliegende Beitrag ist die vom Autor bearbeitete Fassung
eines Vertrages, der im Rahmen des Hegel-Colloquiums am Institut
für Philosophie der FU Berlin (West) am 1.6.77 gehalten wurde.
1) Das ist das, was W. Stegmüller in dickleibigen Bänden unter
dem Titel "Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und
Analytischen Philosophie" anbietet.
2) R. Carnap: Logische Syntax der Sprache, 2. Aufl., Wien/New
York 1968, S. 205. Nach Carnaps Auffassung "bleibt somit, wenn
die Philosophie von allen unwissenschaftlichen Bestandteilen
gereinigt wird, als einziger Restbestand die Wissenschaftslogik
übrig" (ebd.). Demnach ist für Carnap die Logik relativ zu den
Arten der Wissenschaft von der gleichen Bedeutung wie das Geld
relativ zu den Waren. Carnaps "Liberalismus" hat also einen wohl-
bestimmten Grund. Es ist der Absolutismus des Standards einer
Wertart, der sich gegen s e i n e Werte sehr liberal und aufge-
klärt geben kann.
3) Das ist das, was P. Lorenzen und die "Erlanger Schule" anbie-
tet.
4) Ch. Helberger: Marxismus als Methode, Frankfurt/M. 1974, S. 9.
5) Ebenda, S. 10-11.
6) Ebenda, S. 14.
7) Ebenda, S. 15.
8) Vgl.: P. Ruben: "Wissenschaft als allgemeine Arbeit", in: SOPO
36, Jg. 8 (1976), S. 740.
9) G.W.F. Hegel: Wissenschaft der Logik, Zweiter Teil, (Ed. G.
Lasson) Leipzig 1951, S .233.
10) Ebenda.
11) Zu den Termini "Forminhalt" und "Formgehalt" vgl. Anm. 16.
Sie bezeichnen dasselbe wie der Terminus "Inhalt der Form", der
von Hegel verwendet wird.
12) Das Zeichen . meint die Konjunktion, -> bezeichnet die Sub-
junktion und » die (Relation der) Implikation der Logik.
13) Natürlich ist dieser Mangel gravierend. Er erscheint in der
langen Debatte über die Bedeutung der sog. Kopula "ist" in Aus-
drucksformen der Gestalt "S ist p". Nach der hier vertretenen
Auffassung stellt "ist" das Prädikat dar und "p" die Prädikatser-
gänzung (das Prädikativ); "ist" verhält sich also zu "p" wie die
Gattung zu ihrer Art. Indem "ist" und mit ihm auch d a s
S e i n aus angeblich "logischen" Gründen von dieser Stellung
verdrängt wird, während das Prädikativ dann d a s Prädikat sein
soll, passiert nichts weiter als die gewöhnliche bürgerliche Er-
setzung der Gattung durch eine ihrer Arten. Daß dies passiert,
ist normal, daß es aber auch i n d e r S p r a c h e vorge-
stellt wird, ist verblüffend - und ein strenger Ausweis für die
Notwendigkeit der Erkenntnistheorie im Interesse der menschlichen
Emanzipation.
14) Leider gibt es bisher keine vernünftige, d.h. auf der Basis
der materialistischen Dialektik betriebene Darstellung der Ge-
schichte der formalen Logik. Für eine solche wäre es außerordent-
lich interessant, die logische Vorstellung der klassischen bür-
gerlichen Philosophie detailliert zu analysieren. Kompendien, die
uns die Scholastik und die Gegenwart mit ihrer Reproduktion des
scholastischen Gegensatzes zwischen dem Realismus und dem Nomina-
lismus als den wahren Himmel logischen Denkens vorstellen, können
darin wohl kaum mehr als nützliche Quellensammlungen sein. Philo-
sophisch darf man ihnen keinen Satz glauben.
15) G.W.F. Hegel: Wissenschaft der Logik, Zweiter Teil, a.a.O.,
S. 5.
16) K. Marx/F. Engels: Studienausgabe in 4 Bänden, hg. v. I. Fet-
scher, Bd. II, Politische Ökonomie, Frankfurt/M. 1966, S. 174,
Anm. 20.
17) K. Marx: Das Kapital, Erster Band, Berlin (DDR) 1953, S. 54,
Anm. 17.
18) W.I. Lenin: "Konspekt zur 'Wissenschaft der Logik'", in: LW
Bd. 38, Berlin (DDR) 1968, S. 170.
19) W.I. Lenin: "Zur Frage der Dialektik", in: LW, Bd. 38,
a.a.O., S. 340.
20) Unsinn verkauft W. Becker auf dem Meinungsmarkt unter dem Ti-
tel "Kritik der Marxschen Wertlehre" (Hamburg 1972).
21) K. Marx: Das Kapital, Erster Band, a.a.O., S. 86, Anm. 68.
22) Ebenda, S. 87.
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