Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1977
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Peter Damerow, Peter Furth, Bernhard Heidtmann, Wolfgang Lefèvre
PROBLEME DER MATERIALISTISCHEN DIALEKTIK
I. MATERIALISTISCHE DIALEKTIK UND ARBEIT
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1.
Die Dialektik ist nach F. Engels die "Wissenschaft des Gesamtzu-
sammenhanges" 1). Das bedeutet, daß sich hier Wissenschaft und
Gesamtzusammenhang nicht wie selbständige Methode und vorgefunde-
ner Gegenstand, nicht in der Trennung von Form und Inhalt des Er-
kennens äußerlich gegenüberstehen. Sondern Wissenschaft ist sel-
ber Moment des von ihr untersuchten Zusammenhanges, und erst von
daher ist die spezifische Erkenntnisleistung der Dialektik zu be-
stimmen. Oder anders: Da 'Zusammenhang' erst aus dem Gegensatz zu
'Isolierung' vollständig verstanden ist, 'Zusammenhang' also die
Negation einer 'Isolierung' ist, kann der Gegenstand der Dialek-
tik nicht durch Isolierung eines Teilbereichs des Gesamtzusammen-
hanges bestimmt werden. Er kann also kein unmittelbar Gegebenes
der sinnlichen Anschauung sein, und er kann nicht aus Grundprin-
zipien der Erkenntnis hergeleitet werden. Er ist als die objek-
tive Realität ein empirisch-historischer Zusammenhang, dessen
Entwicklung seine Erkenntnis einschließt. Die Theorie der Dialek-
tik kann also Begriff und Gesetze der Dialektik nicht wie eine
voraussetzungslose Erkenntnistheorie aus der Reflexion auf die
Natur eines in sich ruhenden Denkens gewinnen, sie muß vielmehr
ausgehen von den Voraussetzungen für das Denken, in denen sich
die Vermittlung des Zusammenhanges von Natur, Gesellschaft und
Denken praktisch vollzieht. Diese Vermittlung geschieht in der
Aneignung der Natur durch den gesellschaftlichen Arbeitsprozeß.
Er muß deshalb Ausgangspunkt und ständiger Bezugspunkt für alle
Überlegungen sein, die der Überlieferung und dem weiteren Ausbau
der theoretischen Dialektik gelten.
Es scheint so, als ob dieser Ausgangspunkt den materialistischen
Charakter der Dialektik zur unausweichlichen Konsequenz hat. Da-
gegen aber spricht die linkshegelianische Tradition, in der He-
gels Gleichsetzung von Geist und Arbeit weiterhin wirkt. Sicher
ist die materialistische Konsequenz erst dann, wenn der gesell-
schaftliche Arbeitsprozeß als Ausgangspunkt adäquat aufgefaßt
wird, d.h. nur dann, wenn von der realen Arbeit ausgegangen wird,
von gegenständlicher Tätigkeit und nicht bloß von ihren subjekti-
ven Bedingungen und nur dann, wenn 'Ausgangspunkt' nicht als Re-
duktionspunkt mißverstanden wird, aus dem die "wesentliche Ver-
schiedenheit" 2) des Besonderen der historischen Entwicklung ab-
zuleiten wäre.
Die wirkliche Arbeit, die allem weiteren menschlichen Geschehen
zugrundeliegt und aller metaphorischen Übertragung vorausliegt,
ist ein Naturprozeß, in dem der Mensch dem "Naturstoff selbst als
eine Naturmacht" 3) gegenübertritt. Zwar vollzieht sich dieser
Naturprozeß nur durch die eigene Tätigkeit des Menschen, diese
Tätigkeit aber ist wiederum selber naturbedingt und deshalb in
ihrem Vollzug wie in ihrer Zielsetzung gegenständlich bestimmt.
Sie ist wirkliche Arbeit nur als die Einheit ihrer subjektiven
und objektiven Bedingungen.
Diese Einheit vollzieht sich in der Arbeit und wird nicht von der
Arbeit als selber noch der Einheit vorausliegend erst erzeugt.
Denn das hieße, die Arbeit gegenüber der Natur zu verselbständi-
gen und ihr übernatürliche Schöpfungskraft beizulegen. Im wirkli-
chen Arbeitsprozeß aber tritt zutage, daß die menschliche Ar-
beitskraft nur im Zusammenhange mit der (äußeren) Natur, als der
"ersten Quelle aller Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände" 4),
Gebrauchswerte schaffen kann. Das scheint eine triviale Feststel-
lung zu sein, sie ist aber äußerst folgenreich. Denn nur dann,
wenn vom Arbeitsprozeß als Einheit seiner subjektiven und objek-
tiven Bedingungen ausgegangen wird, wenn also von der Naturbe-
dingtheit der Arbeit nicht abstrahiert und wenn Arbeit nicht auf
die Verausgabung von Arbeitskraft reduziert wird, kann überhaupt
wahrgenommen werden, daß das Eigentum an den gegenständlichen Ar-
beitsbedingungen eine Bedingung der Arbeit ist und daß die ge-
sellschaftliche Form der Arbeit von dieser Bedingung abhängt.
Soll also die Gesellschaftlichkeit der Arbeit nicht verkannt wer-
den, so kommt alles darauf an, daß von der Naturbedingtheit der
Arbeit ausgegangen wird.
Wird dagegen die Arbeit von ihren objektiven Bedingungen getrennt
und aus dieser Trennung begriffen, so wird damit die Trennung von
Natur und Gesellschaft implizit unterstellt und die Arbeit als
ein rein menschliches, außernatürliches Phänomen gedacht. Das
aber bedeutet den theoretischen Nachvollzug dessen, was im kapi-
talistischen Produktionsprozeß praktisch geschieht - und zwar in
doppelter Hinsicht, einmal in bezug auf die Natur als Arbeitsge-
genstand und zum anderen auf die Arbeit selbst.
Wird die Arbeit auf ihre subjektive Form als Tätigkeit reduziert,
dann ist die Natur als Gegenstand der Arbeit nur durch das zu be-
stimmen, was die menschliche Tätigkeit aus ihr macht; an sich ist
sie unbestimmt, bloße Möglichkeit der Bearbeitung, d.h. passiver
Rohstoff. Und genau diese Bedeutung hat die Natur in der kapita-
listischen Produktionsweise. Sie dient in ihr als unbestimmtes
Substrat für diejenige Bestimmung, die den kapitalistischen Pro-
duktionsprozeß in Gang setzt, für den Tauschwert, der allerdings
keine Eigenschaft der Naturgegenstände als solcher ist. Die Natu-
ralform der Gegenstände, die als Tauschwertträger fungieren, ist
vom Standpunkt des kapitalistischen Produktionsprozesses aus
gleichgültig, was allein zählt, ist ihre Sozialform, der Wert.
Wird also in der Arbeit nur die menschliche Subjektivität gese-
hen, dann erscheinen die Naturbedingungen der Arbeit als durch
die Arbeit selbst konstituiert, d.h. sie kommen nur mehr in ihrer
Sozialform in den Blick. Ihre Naturalform ist praktisch nichtig
wie der Gebrauchswert (menschlich umgebildete Naturalform) für
das kapitalistische Kalkül.
Was für den Arbeitsgegenstand gilt, gilt auch für die Arbeit
selbst, wenn sie getrennt von ihren objektiven Bedingungen aufge-
faßt wird. Die auf Subjektivität reduzierte Arbeit kann von sich
aus nichts schaffen, dazu muß sie in Berührung mit gegenständli-
chen Bedingungen kommen. Darüber entscheidet im kapitalistischen
Produktionsprozeß aber nicht sie. Denn im kapitalistischen Pro-
duktionsprozeß kommt die Arbeit in Zusammenhang mit ihren gegen-
ständlichen Bedingungen nur nach Maßgabe der Verwertungsmöglich-
keiten des Kapitals. Die Arbeit durch die Abstraktion von ihrer
Naturbedingtheit als bloß subjektive Tätigkeit zu begreifen, bil-
det nur die reale Abstraktion ab, der die Arbeit im kapitalisti-
schen Produktionsprozeß unterliegt.
Von der Arbeit in ihrer subjektiven Form als Tätigkeit auszuge-
hen, heißt also, eine bestimmte gesellschaftliche Form der Ar-
beit, die abstrakte Arbeit, zu der Arbeit überhaupt, die allen
ihren geschichtlichen Formen gemeinsam ist, zu verallgemeinern.
Davon auszugehen, daß die Arbeit ein rein soziales Phänomen ist,
hat die paradoxe Konsequenz, daß einerseits die Naturalform des
Arbeitsgegenstandes als Sozialform erscheint und daß andererseits
die Sozialform der Arbeit in eine Naturform verkehrt wird (mit
der weiteren Folge, daß die bestimmten historischen Formen der
Arbeit ahistorisch nivelliert werden).
2.
Um diese Konsequenzen zu vermeiden, ist es notwendig, von der Ar-
beit als speziellem Naturprozeß auszugehen, wobei es aber nun
darauf ankommt, das Spezifische des Naturprozesses Arbeit richtig
zu erfassen.
Der Arbeitsvorgang teilt mit den Vorgängen des außermenschlichen
Lebens, daß er ein Akt unmittelbarer Einheit von Produktion und
Konsumtion ist. "Die Konsumtion ist unmittelbar auch Produktion,
wie in der Natur die Konsumtion der Elemente und der chemischen
Stoffe Produktion der Pflanze ist. Daß in der Nahrung z.B., einer
Form der Konsumtion, der Mensch seinen eigenen Leib produziert,
ist klar." 5) Marx charakterisiert die Identität von Produktion
und Konsumtion durch Spinozas Satz: Determinatio est negatio. 6)
Das besagt, daß elementare Produktions- und Konsumtionsvorgänge
Bewegungsabläufe sind, die dem Begriff der dialektischen Negation
zugrundeliegen. Die in allen Produktionsund Konsumtionsvorgängen
tätige Negation ist deshalb dialektisch, weil sie bestimmte Nega-
tion ist, nämlich die Einheit von Identifikation und Verbrauch.
Geht es in Produktion und Konsumtion um physische Selbsterhal-
tung, so müssen unabhängig von uns bestehende Gegenstände
zunächst als bedürfnisadäquat identifiziert werden. Bei dieser
Identifikation ist aber nicht halt zu machen, da sie nur auf der
Ebene der Möglichkeit verbleibt. Deshalb ist die Identifikation
durch die Konsumtion der Gegenstände im Hinblick auf die an ihnen
identifizierten Eigenschaften zu realisieren. Die Konsumtion aber
hebt die fixierten Eigenschaften gerade auf, und die als Resultat
der Konsumtion entstehenden Gegenstände stellen die Negation der
an ihnen identifizierten Eigenschaften dar. "Die dialektische Ne-
gation ist also eine Aktion (oder Aktionsfolge), die unter der
Bedingung der Bejahung einer bestimmten Eigenschaft oder Bezie-
hung an vorgegebenen Gegenständen in einer mehr oder weniger
großen Zeitdauer zur Konsequenz der Verneinung genau der bestimm-
ten Eigenschaft oder Beziehung an diesen Gegenständen führt.
(...) Die dialektische Negation ist - kurz gesagt - eine Aktion,
die eine Bejahung in eine Verneinung überführt." 7)
Insofern der Verbrauch einer an materiellen Gegenständen identi-
fizierten Eigenschaft aber selber nur endlich sein kann, nicht in
dem Sinn des einfachen Verzehrens des Stofflichen, sondern als
Verzehren des Verzehrens selbst, ist die dialektische Negation
zugleich Negation der Negation. So ist auch die Anwendung der Ar-
beitskraft auf objektive Arbeitsbedingungen zugleich die Erschöp-
fung und Verausgabung der Arbeitskraft und damit Negation der Ne-
gation. Das Resultat der Negation der Negation aber ist ein Pro-
dukt, "durch dessen Konsumtion (das Individuum) wieder in sich
(zurückkehrt), aber als produktives Individuum, und sich selbst
reproduzierendes." 8) Das besagt, der Begriff der Negation der
Negation ist Ausdruck des Prozesses der Reproduktion durch Pro-
duktion, d.h. "der Veränderung bestehender Zustände bei Erhaltung
ihrer gegenständlichen Träger", 9) er bezeichnet also in allge-
meiner Weise den Inhalt des Begriffs der materiellen Selbstbewe-
gung, unter den auch die Arbeit fällt. (Arbeit ist also Fall ei-
nes dialektischen Zusammenhanges, konstituiert ihn aber nicht!)
Das Spezifische der menschlichen Arbeit ist nun, daß das Resultat
des Prozesses, der als Zusammenhang von dialektischer Negation
und Negation der Negation beschrieben werden kann, nicht mit der
Reproduktion der Physis des Arbeitssubjekts einerseits und Ab-
fallprodukten andererseits erschöpft ist. Der Arbeitsprozeß führt
darüber hinaus zu Produkten, die nicht unmittelbar in die
Selbstreproduktion des Arbeitssubjekts eingehen, sondern die au-
ßerhalb seiner verbleiben und die vergegenständlichten Bedingun-
gen weiterer Produktion bilden (Arbeitsmittel u. Lebensmittel-
fonds). Von ihnen kann der Arbeitsprozeß jeweils neu ausgehen,
und zwar derart, daß er nicht nur die Wiederholung des gleichen
Vorgangs, sondern Wiederholung auf der Grundlage veränderter,
d.h. selbst hergestellter und erweiterter Ausgangsbedingungen
ist. Insofern kann gesagt werden, die Produktion greift über die
Konsumtion über, und das heißt im Hinblick auf das Spezifische
des menschlichen Arbeitsprozesses, daß er ein Prozeß tendenziell
erweiterter Reproduktion ist.
Die entscheidende Rolle spielt dabei das Arbeitsmittel. Denn da-
durch, daß die Arbeit auch in Arbeitsmitteln resultiert, wird sie
zu einem Vorgang, der nicht nur die physische Regeneration der
Arbeitskraft und damit weitere Arbeitsvorgänge ermöglicht, son-
dern der darüber hinaus durch sein Produkt Arbeitsmittel' die
weiteren Arbeitsvorgänge determiniert und lenkt. Das entschei-
dende Merkmal, das die Arbeit als menschliche Lebensäußerung von
außermenschlichen Lebensäußerungen unterscheidet, ist also die
Werkzeugproduktion, d.h. die Herstellung und der Gebrauch von Ar-
beitsmitteln.
Die ausgezeichnete Bedeutung des Arbeitsmittels zeigt sich auch
an der spezifischen Stellung, die das Arbeitsmittel neben den an-
deren Momenten des Arbeitsprozesses einnimmt.
Als geformter Gegenstand und materialisierte Tätigkeit, bestimmt
durch den ideellen Zweck wie durch den materiellen Gegenstand der
Arbeit, ist das Arbeitsmittel die vergegenständlichte Einheit der
subjektiven und der objektiven Bedingungen der Arbeit und vermag
deshalb, Subjekt und Objekt der Arbeit zusammenzuschließen. Ent-
fernt man das Arbeitsmittel aus seinem Zusammenhang mit der
zweckmäßigen Tätigkeit einerseits und dem Arbeitsgegenstand ande-
rerseits, so stehen sich Subjekt und Objekt der Arbeit einander
äußerlich und unvermittelt gegenüber. Sie stehen sich dann in der
Form des traditionellen Subjekt-Objekt-Schemas der Erkenntnis-
theorie gegenüber, mit dem Problem, wie das Subjekt zum Objekt
gelangen könne. Denn es ist das Charakteristikum dieser Pro-
blemstellung, daß in ihr das Subjekt als Vermittlungsinstanz ge-
setzt ist, aber als mittelloses. Das allen gegenständlichen Be-
ziehungen vorausgedachte Subjekt kann die Fähigkeit der Vermitt-
lung nur an sich selber haben; es ist die Einheit seines Bewußts-
eins, die die Einheit mit dem Objekt begründet.
Für die Arbeit heißt das, daß es die vorangehende Zwecksetzung
ist, die den Gegenstand des Zweckes und die Art und Weise der
Zweckausführung konstituiert und den Arbeitsprozeß als Ausführung
des Zweckes determiniert. Mit der Zurückführung der Arbeit auf
"teleologische Setzung" kann Vermittlung nur mehr im Sinne von
Konstitution begriffen werden, und in der Folge wird das Wesent-
liche der Arbeit in der Erzeugung von gedanklichen Antizipatio-
nen, von Plänen und Entwürfen gesehen, werden Arbeit und geistige
Tätigkeit in letzter Instanz gleichgesetzt. Damit aber wird die
Erfahrung, daß die wirkliche Arbeit ihr Wesen gerade darin hat,
antizipierte Determinationen zu korrigieren, unerheblich. Und es
wird vor allem die Frage, woher die Erkenntnis kommt, derer die
ideellen Antizipationen bedürfen, um den Arbeitsprozeß determi-
nieren zu können, unbeantwortbar, wenn die Erkenntnis als Faktor
der ideellen Antizipationen der Arbeit vorangehen soll.
Wie wichtig es demgegenüber ist, das Arbeitsmittel als materielle
Vermittlung zwischen Subjekt und Objekt der Arbeit hervorzuheben,
lehren die empirischen erkenntnisgenetischen Untersuchungen der
frühen menschlichen Stammesgeschichte. Sie zeigen, daß die men-
schliche Arbeit als nur zufällige Werkzeugproduktion beginnt und
daß sich erst mit dem Übergang zu einer institutionalisierten
Werkzeugproduktion durch die Kontrolle der Herstellung und Über-
lieferung der Werkzeuge eine reflexive Verstandestätigkeit aus-
bildet. D.h. an dem, was die Situationen von Bedürfnis und Ver-
zehr zusammenschließt und ihren Wechsel überdauert und zugleich
im Zusammenhang mit der eigenen Tätigkeit fungiert, lernen die
Menschen die fundamentalen Unterscheidungen, die den weiteren
Aufbau des Verstandes ermöglichen. Die These, die sich hieraus
ergibt, besagt: Nicht an seinen Zwecken und nicht an den Gegen-
ständen des Verzehrs gewinnt der Mensch Verstand, sondern an den
Mitteln seiner Produktion, die als hergestellte, wiederherge-
stellte und überlieferte ihm Identität gegenständlich repräsen-
tieren und die er, weil er sie im Zusammenhang mit seiner eigenen
Tätigkeit erfährt, auch identisch halten kann und will.
Die Arbeit und ihre bleibenden, die Arbeit selber wieder determi-
nierenden Resultate sind also die Voraussetzung für die Ausbil-
dung des Verstandes. Einmal entstanden ist der Verstand eine not-
wendige Bedingung der entwickelten Arbeit, Er ist das Resultat
ihrer eigenen Verwirklichung und als solches Bedingung ihrer Re-
produktion. Reproduktionsbedingungen - Marx nennt sie auch
"logische Bedingungen" - unmittelbar auch als genetische zu un-
terstellen, ist aber unzulässig, weil darüber erst die histori-
sche Untersuchung entscheiden kann. Werden gleichwohl die Repro-
duktionsbedingungen eines entwickelten Zusammenhanges im Sinne
von historischen Voraussetzungen verstanden, führt die Vermengung
von genetischer Determination und logischer Geltung zu apriori-
stischen Konstruktionen, wie eben zu der: 'Verstand als Bedingung
der Möglichkeit von Arbeit'; in allgemeiner Hinsicht bedeutet das
die konstitutionstheoretische Trennung von Denken und Sein, Ge-
schichte und Natur. Und am Ende steht dann die Unmöglichkeit, Ar-
beit und Erkenntnis aus ihrem Zusammenhang mit dem natürlichen
Entwicklungsprozeß zu erklären.
Dasselbe gilt für die Gesellschaftlichkeit der Arbeit. Sie ist
zunächst natürliche Voraussetzung der Arbeit. Die Arbeit mit ih-
rer Tendenz zu erweiterter Reproduktion, die sich in der Tradie-
rung, Differenzierung und Akkumulation der Arbeitsmittel und Ar-
beitsarten zeigt, wandelt die Gesellschaftlichkeit der Arbeit als
deren natürliche Voraussetzung in eine Bedingung um, die zuneh-
mend von der Arbeit abhängt. Diese Entwicklung, bestimmt von der
Tradierung der Arbeitsmittel und der Differenzierung der Arbeits-
arten, vollzieht sich nicht kontinuierlich, gleichförmig und ge-
gensatzlos, denn die Arbeit ist in sich gegensätzlich.
Die Arbeit ist materielle Tätigkeit und existiert deswegen immer
nur in besonderen Arbeitsarten, die aber im Verhältnis zueinander
stehen. Allgemeine Produktion ist, wenn nicht bloß eine verstän-
dige Abstraktion, Totalität, das heißt das Verhältnis der beson-
deren Produktionsarten untereinander. Damit stehen die einzelnen
Produktionsarten nicht nur untereinander in Beziehung, sondern
jede Produktionsart steht im Verhältnis zu diesen Beziehungen als
Ganzem, und dies Verhältnis ist eins des Gegensatzes.
Soll die Reproduktion des gesellschaftlichen Subjekts der Arbeit
gelingen, muß eine dem jeweiligen Entwicklungsstand der Produk-
tion angemessene Verhältnismäßigkeit der Produktionsarten unter-
einander durchgesetzt werden. Umgekehrt aber determinieren die
Produktionsarten ihrerseits das Verhältnis der Produktionsarten
untereinander dadurch, daß mit ihrer Entwicklung die Verhältnis-
mäßigkeit der Arbeitsarten untereinander jeweils neu hergestellt
werden muß. Die Verhältnismäßigkeit der Arbeitsarten ist aber
nicht nur inhaltlich durch die Entwicklung der Arbeitsmittel, Ar-
beitsarten und Bedürfnisse bestimmt, sondern auch formell durch
die Notwendigkeit, daß nur begrenzt verfügbare Zeit auf die ein-
zelnen Arbeitsarten verteilt werden muß, durch das Gesetz der
Ökonomie der Zeit. So ist die Arbeit in doppelter Weise in sich
gegensätzlich: einmal im Verhältnis der besonderen Arbeit zu sich
als Moment der konkret allgemeinen Arbeit, nämlich der Totalität
der Arbeitsarten; zum anderen steht die besondere Arbeit mit sich
selbst im Widerspruch dadurch, daß sie als konkret einzelne Ar-
beit zugleich Repräsentant - nämlich bestimmtes Quantum - von Ar-
beit überhaupt, von abstrakt allgemeiner Arbeit ist. Die gesell-
schaftliche Form der Arbeit ist die Form, in der sich der Wider-
spruch zwischen einzelner und allgemeiner Arbeit bewegt. Daraus
folgt aber: 1. Die Arbeit ist unabhängig von ihrer b e-
s t i m m t e n gesellschaftlichen Form Einheit dialektischer
Gegensätze. 2. Die gesellschaftliche Form der Arbeit tritt nicht
von außen zur Arbeit hinzu; die Arbeit enthält vielmehr die
Distribution der Produktionsagenten auf die verschiedenen Produk-
tionsarten als ihr Moment und hat damit die Gesellschaftlichkeit
zu ihrer eigenen Formbestimmung.
Die Versuche, die Gesellschaftlichkeit der Arbeit abgetrennt von
ihrer Naturbedingtheit verstehen zu wollen, setzen an die Stelle
des Idealismus des Geistes den Idealismus der Gesellschaft; ihr
Kern besteht wiederum im Verkennen des materiellen Charakters der
Arbeit, welches hier dazu führt, den mit der Naturbedingtheit der
Arbeit selbst gegebenen Gegensatz zwischen Einzelnem und Allge-
meinem der Arbeit nicht als Einheit aufzufassen, sondern die All-
gemeinheit als gesellschaftlich bedingt der in ihrer Naturbe-
dingtheit nur als einzelne verstandenen Arbeit metaphysisch ge-
genüberzustellen. Ebenso unhaltbar sind andererseits die Versu-
che, Dialektik als Reflex bloß der kapitalistischen Form der Ar-
beit anzusehen: der Historische Materialismus ist nicht auf ein
"System" der Kritik der Politischen Ökonomie zu reduzieren.
3.
Eine kategoriale Erörterung der Dialektik von Allgemeinem und Be-
sonderem an der Arbeit ist schließlich für die Erkenntnisauffas-
sung des dialektischen Materialismus fortzuführen, und zwar am
Arbeitsmittel, nämlich an der Dialektik von Allgemeinem und Be-
sonderem im Zweck-Mittel-Verhältnis.
Zunächst ist das Mittel dem Zweck untergeordnet, weil seine Be-
stimmung sich aus dem Zweck ergibt. Damit teilt das Mittel die
Einzelheit des Zweckes. Insofern das Mittel aber vielen gleichar-
tigen Zwecken dienen kann, betätigt sich das Mittel als bleiben-
des Allgemeines und steht so über dem Zweck. Nun sind aber die
Zwecke nicht auf ihre Existenz in der Form der Einzelheit zu re-
duzieren, sie sind zugleich auch immer allgemein. Auch als ein-
zelne Zwecke sind sie vielen gemeinsam und repräsentieren gleiche
Beziehungen zur Wirklichkeit. Da die Zwecke nicht autonom der
Wirklichkeit gegenüberstehen, sondern durch sie erzeugt sind,
drücken sie objektive Gesetzmäßigkeiten aus und sind insofern
allgemein. Dasselbe gilt für das Mittel schon dadurch, daß es
eine Vergegenständlichung des Zweckes ist.
Zweck und Mittel sind also beide Einheit der Momente des Allge-
meinen und des Besonderen. Betrachtet man aber Zweck und Mittel
im Zusammenwirken, so verteilen sich die Momente des Allgemeinen
und die des Besonderen verschieden auf die Seiten. Die Allgemein-
heit der Zwecke fixiert sich in der allgemeinen Funktionsfähig-
keit des Mittels, während die Zwecke in ihrer jeweils partikula-
ren Existenz aufgehoben werden. Die Indienstnahme des Mittels zu
immer neuen partikularen Zwecken vertieft jedoch gerade die All-
gemeinheit des Mittels. Begreift man Zweck und Mittel als Seiten
einer Einheit, so zeigt sich, daß das Allgemeine sich auf der
Seite des Mittels festsetzt und im Verhältnis zum Besonderen do-
miniert, während das Besondere zum Akzent auf der Seite des Zwec-
kes wird. Sowohl das Allgemeine als auch das Besondere des Zwec-
kes befördern die Allgemeinheit des Mittels, und auch die Beson-
derheit des Mittels ist noch Vehikel (Medium) des Allgemeinen.
Insofern läßt sich sagen, daß im Mittel die menschliche Fähigkeit
zur Erfassung der allgemeinen Gesetze der Wirklichkeit selbstän-
dige und sich erweiternde Gestalt gewonnen hat. Die Zwecke reprä-
sentieren Aufgaben und Probleme, wohingegen im Mittel die Fähig-
keit zu ihrer Lösung vergegenständlicht ist.
Zwar existieren die Mittel wie andere Dinge als Einzelnes, aber
nur in ihrem uneigentlichen Zustand: außerhalb ihrer Tätigkeit.
Dann erscheinen sie als bloße Elemente einer Menge, als abstrakt
Einzelne eines abstrakt Allgemeinen. In Wirklichkeit, d.h. in Be-
wegung, sind sie konkret Einzelnes, d.h. Gegenstände, die auf an-
dere Gegenstände einwirken, Einheit von Möglichem und Wirklichem,
Momente eines Zusammenhanges, der aus der Aufhebung von vorange-
gangenen Isolierungen entstanden ist und in dem die Teile in
Wechselwirkung miteinander stehen. Das zeigt sich daran, daß die
Mittel als besondere Sachverhalte die allgemeinen Gesetze der
Wirklichkeit widerspiegeln und bei der Realisierung der Zwecke
bewahrheiten, die eben dadurch ihre subjektive Beschränkung ver-
lieren und verallgemeinerungsfähig werden. Und es ist eben der
Widerspiegelungscharakter der Arbeitsmittel, der dazu führt, die
im Arbeitsmittel vergegenständlichte Arbeit der "Umbildung natür-
licher Sachverhalte in Vertreter von Allgemeinem" 10) zum Aus-
gangspunkt (im engeren Sinne) zu nehmen, wenn es darum geht, den
Zusammenhang von Arbeit und Erkenntnis zu untersuchen. Denn von
hier aus gelingt es, das Gemeinsame von Arbeit und Erkenntnis zu
bestimmen, ohne daß dadurch ihr Unterschied verdeckt würde.
Arbeitsmittel führen an den Gegenständen Veränderungen herbei,
weil sie Naturkräfte repräsentieren, denen auch die Gegenstände,
deren Gebrauchsfähigkeit bewirkt werden soll, unterliegen. Damit
jedoch Dinge oder Sachverhalte als Arbeitsmittel eingesetzt wer-
den können, müssen sie aus ihrer natürlichen Umwelt herausgelöst
und als Träger nützlicher Eigenschaften und Verhaltensweisen
identifiziert werden. Und diese Identifizierung vollzieht sich in
zwei Vergleichsrichtungen: durch den Vergleich von verfügbaren
Naturgegenständen mit den Gegenständen, die noch mit ihrer natür-
lichen Umgebung in Wechselwirkung stehen, und durch den Vergleich
von Arbeitsmitteln untereinander, in dem das Arbeitsmittel als
gegenständliches Abbild einer Klasse gleichartiger Gegenstände
dient.
Die in den Arbeitsprozeß einbeschlossene Erkenntnis, die sich an
den objektiven Widerspiegelungsleistungen des Arbeitsmittels aus-
bildet und schließlich seinen Gebrauch leitet, bleibt auch für
die aus dem Arbeitsprozeß herausgetretene und ihm gegenüber ver-
selbständigte Erkenntnis von elementarer Bedeutung. Der zum Ar-
beitsmittel gehörende Charakter, als gegenständliches Abbild
Sachverhalte widerzuspiegeln, durch die es ersetzt werden kann,
wie es sie vertritt, ist auch den Mustern, Modellen, Vorstel-
lungsmitteln und Maßeinheiten eigen, mit denen die wissenschaft-
liche Erkenntnis ihre Klassifikationen und Meßsysteme aufbaut.
Das heißt, die Erkenntnis ist ebenso wie die Arbeit eine Tätig-
keit, in der Subjekt und Objekt durch gegenständliche Mittel ver-
einigt werden, ein Vermittlungsprozeß. Und sie ist ebenso wie das
theoretische Moment im Arbeitsprozeß Widerspiegelungstätigkeit.
Die Erkenntnis, als Widerspiegelungstätigkeit gefaßt, ist also
gegenständliche Tätigkeit, die Mittel, vermöge derer sie sich
vollzieht, die Modelle und Standards, sind materielle Bilder,
hergestellte Zeichen. An ihnen beantwortet sich die Frage der Er-
kenntnistheorie nach der Identität des Subjekts mit dem Objekt.
Sie stellen die gesuchte Einheit dar, denn sie sind ebenso wie
das Arbeitsmittel "Einheiten menschlicher und außermenschlicher
Fähigkeiten". 11)
Es kommt für den Dialektischen Materialismus also alles darauf
an, Arbeit und Erkenntnis nicht als von vornherein getrennte Pro-
zesse zu betrachten, sondern die Erkenntnis von der Arbeit her zu
begreifen. Und der Arbeitscharakter der Erkenntnis ist nur dann
richtig zu begreifen, wenn die Stellung des Arbeitsmittels im Ar-
beitsprozeß erkannt ist. Nur dann ist die wirkliche Bedeutung des
"Mittels" für die Erkenntnis festzustellen, wird das Mittel nicht
unter die Gegenstände überhaupt nivelliert oder in das Bewußtsein
zurückgenommen.
Das ist 1. wichtig für einen materialistischen Begriff der Er-
kenntnis als Widerspiegelung. Denn nur unter dieser Voraussetzung
ist das psychologische Mißverständnis der Widerspiegelung, die
Reduzierung der Widerspiegelung auf psychische Abläufe, zu ver-
meiden.
Das ist 2. wichtig dafür, daß die Arbeitstätigkeit nicht auf ver-
mittelnde Aktivität reduziert wird und in der Folge nicht ein Re-
flexionsbegriff die Erkenntnistheorie beherrscht, der die inneren
Bedingungen der Koordination von Verhaltensakten absolut setzt.
Wird demgegenüber der Handlungsbezug der Erkenntnis vom Arbeits-
mittel her verstanden, führt die Unterscheidung der Erkenntnisin-
halte in sinnlich Gegebenes und vermittelnde Aktivität nicht in
eine vollständige Aufspaltung, aus der zwei eigenständige, unver-
mittelbare Erkenntnisweisen mit eigener Prozeßstruktur hervorge-
hen, objektbezogene und handlungsbezogene Erkenntnis, was letzt-
lich die Trennung von Erkenntnis und Handlung bedeutet. Zwar ist
gerade am Arbeitsmittel diese Unterscheidung zu gewinnen, jedoch
nur auf der Grundlage der Einheit des Unterschiedenen, so daß ein
materialistischer Reflexionsbegriff erst dann angemessen zu for-
mulieren ist, wenn mit ihm die prozedierende Einheit von sinnlich
Gegebenem und vermittelnder Aktivität gemeint wird.
Und das ist schließlich 3. dafür wichtig, daß der Arbeitscharak-
ter der Erkenntnis nicht mit einer Gleichsetzung von Arbeit und
Erkenntnis oder gar einer Zurückführung der Arbeit auf Erkenntnis
verwechselt wird. Denn gerade vom Arbeitsmittel her ist auch die
Differenz von Arbeit und Erkenntnis am sichersten festzuhalten.
Das Arbeitsmittel ist zusammen mit seiner Widerspiegelungsfunk-
tion auf die physische Umwandlung des Gegenstandes gerichtet, das
Vergleichsmittel der Erkenntnis ist dagegen auf die Umwandlung
der Bedeutung des Gegenstandes gerichtet. Das ist darin begrün-
det, daß die Arbeit auf die Einheit des Möglichen mit dem Wirkli-
chen gerichtet ist, während die Erkenntnis auf die Möglichkeitse-
bene der Wirklichkeit verwiesen ist, was letztlich darauf hindeu-
tet, daß auch die aus dem Arbeitsprozeß ausdifferenzierte, als
Wissenschaft institutionalisierte Erkenntnis als Moment des ge-
sellschaftlichen Arbeitsprozesses begriffen werden muß.
II. EXKURS: MATERIALISTISCHE UND IDEALISTISCHE DIALEKTIK
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4.
Will man die Marxschen Aussagen zur Methode der materialistischen
Dialektik in ihrem fundamentalen Gegensatz zur idealistischen
Ausarbeitung der Dialektik in Hegels 'Wissenschaft der Logik'
verstehen, dann muß deutlich gemacht werden, wie jener Gegensatz
aus einer der jeweiligen Methodenauffassung eigentümlichen Deu-
tung des Verhältnisses der Dialektik zu den Einzel- oder Erfah-
rungswissenschaften entspringt. Aus diesem Grande hat die in den
"Ökonomisch-philosophischen Manuskripten" und in der "Kritik des
Hegelschen Staatsrechts" von Marx vorliegende grundsätzliche Kri-
tik der Hegelschen Dialektik ihren Orientierungspunkt in der De-
monstration der Art und Weise, wie Hegel in der Absicht, Dialek-
tik als absolute Wissenschaft systematisch darzustellen, das Ver-
hältnis von wissenschaftlicher Abstraktion zu den Gegenständen
der Abstraktion, von abstrahierender und konkretisierender Ver-
allgemeinerung, insbesondere von analytischer und synthetischer
Methode sieht. Im folgenden konzentrieren wir uns auf die Unter-
suchung dieser Frage, weil in ihr wohl eine wichtige Vorausset-
zung dafür angelegt ist, daß "Rationalität" und "Mystizismus"
(Marx), der "Konservatismus" und der "revolutionäre" Charakter
(Engels), der materialistische und der idealistische Gehalt der
Hegelschen Dialektik (Lenin) unterscheidbar und bei der Kritik
des Idealismus auch die bedeutenden Vorgaben Hegels für die Her-
ausbildung der materialistischen Dialektik sichtbar werden.
Die von Marx in seiner "Einleitung" zur Kritik der Politischen
Ökonomie von 1857 skizzierte Methode des "Aufsteigens vom Ab-
strakten zum Konkreten" 12) ist als Begründung m a t e r i a-
l i s t i s c h e r Dialektik nur zu verstehen, wenn man die
Marxsche Entdeckung des Doppelcharakters der Arbeit voraussetzt
und im Nachvollzug der Marxschen Überlegungen nicht aus dem Blick
verliert. Wir gehen davon aus, daß das der "Methode der politi-
schen Ökonomie" gewidmete Kapitel der "Einleitung" eine wegwei-
sende Weiterentwicklung der wissenschaftstheoretischen Auffassung
des Verhältnisses von Analyse und Synthese, wie sie in den
Erfahrungswissenschaften geläufig sind, darstellt. Durch hi-
storische und systematische Erklärung von Kategorien, wie sie in
der politischen Ökonomie des 17. und 18. Jahrhunderts vorlagen,
entwickelt Marx ein Methodenverständnis materialistischer Dialek-
tik, die ihren Gegenstand, z.B. die bürgerliche Gesellschaft, als
einen "konkreten" und "allgemeinen" Zusammenhang begreift, wobei
sie sich durchaus der in den historisch vorhandenen Gesell-
schaftswissenschaften, z.B. der politischen Ökonomie, gegebenen
Mittel wissenschaftlicher Erkenntnis, der analytischen Abstrak-
tion und der Synthese, bedient. Unter Voraussetzung der abstra-
hierenden Wissenschaften also ist Dialektik die Methode der
"Reproduktion des Konkreten im Weg des Denkens", die einzige Art
für die Wissenschaft, sich die Wirklichkeit, das "Reale" als ein
Konkretes anzueignen. Für die dialektische Begriffsbildung sind
so selbstverständlich auch die "Denkbestimmungen" (Kategorien wie
Tauschwert, Arbeit, Geld usw.), welche durch analytische Abstrak-
tion gewonnen wurden, ebenso Voraussetzung wie die von Marx als
"richtige wissenschaftliche Methode" bezeichnete Herstellung ab-
strakt allgemeiner Zusammenhänge (auch "Verhältnisse" oder
"Beziehungen"), in denen die gewonnenen Ausgangsabstrakta zu Mo-
menten eines Systems von Beziehungen zusammengefaßt werden (wie
z.B. Austausch, Weltmarkt, Handel usw.). Isolierung durch Ab-
straktion, Zusammenfassung oder Bildung der "Einheit" der durch
die Abstraktion in ihre Bestandteile zerlegten, zunächst "chaoti-
schen" Vorstellung von Mannigfaltigkeit sind also für das
Begreifen dieser Mannigfaltigkeit vermittels der Dialektik als
Wissenschaft des konkreten Allgemeinen unabdingbare Voraussetzun-
gen und fungieren weiterhin als Momente der Dialektik als Wissen-
schaft. Man kann auch sagen, daß es der materialistischen Dialek-
tik darum gehe, ihre Gegenstände als durch die Analyse und Syn-
these der empirischen Wissenschaften bereits verarbeitete Gegen-
stände des Wissens zu verstehen.
Daß die Dialektik von der Abstraktion und nicht etwa von der
sinnlichen Unmittelbarkeit ihres Erkenntnisgegenstandes ausgeht,
um diesen Gegenstand als konkreten bestimmen zu können, zeigt
u.a. auch ein Blick auf die Marxsche Analyse der Ware bzw. des
Doppelcharakters der Arbeit. Im Tauschwert der Ware existiert die
Arbeit in der Form abstrakter Allgemeinheit, im Gebrauchswert ei-
ner einzelnen Ware als bestimmte oder konkret einzelne Arbeit.
Das Verhältnis (oder der Zusammenhang) von Tauschwert und Ge-
brauchswert ist dann als ein konkret Allgemeines, als genuiner
Gegenstand der Dialektik begriffen, wenn das einem abstrakt All-
gemeinen zugehörige konkret Einzelne als materieller Repräsentant
der Abstraktion ausfindig gemacht wird und somit das widersprüch-
liche Verhältnis zwischen dem Ding als Exemplar der abstrakten
Allgemeinheit und dem Ding als konkretem, bestimmtem Einzelnen;
wenn also gesehen wird, daß eine einzelne konkrete Arbeit, die
sich in einem bestimmten Gebrauchswert vergegenständlicht,
zugleich das Verhältnis der verschiedenen Arbeiten insgesamt, die
Arbeit überhaupt, zu repräsentieren hat. Dieses konkret Allge-
meine ist als spezifischer Gegenstand der Dialektik natürlich so-
wenig ein Gegenstand der sinnlichen Anschauung wie ein durch die
gedankliche Operation des Konkretisierens erst Erzeugtes.
Mit dem Tauschwert der Waren hat die klassische politische Ökono-
mie ein abstrakt allgemeines Moment der Gebrauchswerte produzie-
renden konkreten Arbeit zum Erkenntnisgegenstand: diejenige Kate-
gorie oder Gedankenform, die unter Bedingung der Warenproduktion
gesellschaftliche Allgemeingültigkeit besitzt, denn über den
Tauschwert wird der gesellschaftliche Charakter der jeweils spe-
zifischen einzelnen oder besonderen Arbeitsarten in der Form ab-
strakt allgemeiner Arbeit realisiert. Die analytische Bildung
solcher abstrakt allgemeinen Begriffe wie des Begriffs des
Tauschwerts ist natürlich keine Eigentümlichkeit der politischen
Ökonomie. Z.B. wird in den Naturwissenschäften gleichfalls ein
abstrakt allgemeines Moment des jeweiligen Gegenstandes durch
Analyse begrifflich fixiert - wie etwa die Schwere. Allerdings
geben sich die analytisch-synthetisch arbeitenden Wissenschaften
keine methodische Rechenschaft über den erörterten Zusammenhang
zwischen den abstrakt allgemeinen Begriffen und dem konkret Ein-
zelnen. Wenn sie dennoch - wie im Falle der Naturwissenschaften
offensichtlich - zu brauchbaren Resultaten kommen, dann liegt das
daran, daß der von ihnen i g n o r i e r t e Z u s a m m e n-
h a n g von abstrakt Allgemeinem und konkret Einzelnem in ihren
Verfahren p r a k t i s c h r e a l i s i e r t wird - man
denke z.B. an das Experiment. Das bedeutet ganz generell: Als
allgemeines Moment der materiellen Produktion u n t e r s t e l-
l e n die analytisch-synthetischen Wissenschaften die materielle
Tätigkeit 13) und damit den von ihnen i g n o r i e r t e n
Zusammenhang zwischen dem abstrakt Allgemeinen und dem konkret
Einzelnen (vgl. dazu ausführlich Abschnitt 9 und 10).
Dieser Zusammenhang der wissenschaftlichen Abstraktion mit der
materiellen Produktion muß an dieser Stelle deshalb betont wer-
den, weil es geradezu eine die Dialektik Hegels kennzeichnende
Bemühung ist, ihn sowohl zu unterstellen als auch aufzulösen. Es
handelt sich um die Bemühung, die Hegel selbst durch die Defini-
tion der Denktätigkeit als Produktion oder Arbeit des Geistes zum
Ausdruck brachte: "Die unendliche Natur des Geistes ist der Pro-
zeß seiner in sich, nicht zu ruhen, wesentlich zu produzieren und
zu existieren durch seine Produktion." 14) Versucht man das als
einen ebenso ernst zu nehmenden wie sein Ziel verfehlenden An-
spruch zu verstehen, kann der von Marx im Kontext seines Metho-
denkapitels hervorgehobene fundamentale Irrtum der Hegelschen
Dialektik nicht als eine Bemerkung angesehen werden, die die im-
manente Durchführung der Dialektik Hegels verfehlte. Marx trifft
mit dieser Bemerkung eine für den Idealismus tatsächlich ent-
scheidende Illusion (die allerdings auch Gegenstand 'immanenter'
Untersuchung der "Wissenschaft der Logik" sein muß). Es ist die
"Illusion das Reale als Resultat des sich in sich zusammenfassen-
den, in sich vertiefenden, und aus sich selbst sich bewegenden
Denkens zu fassen, während die Methode vom Abstrakten zum Konkre-
ten aufzusteigen, nur die Art für das Denken ist, sich das Kon-
krete anzueignen, es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren.
Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des Konkreten selbst." 15)
Für die Beschäftigung mit den Ursachen dieser "Illusion", deren
Wirkung in Hegels "Wissenschaft der Logik" verfolgt werden muß,
ist zweifellos die für die Entstehung des dialektischen Denkens
bedeutsame Tatsache festzuhalten, daß Hegels Philosophie - auf
der Grundlage des Idealismus - als erste konsequente Theorie der
Arbeit anzusehen ist. Marx verwies darauf, daß Hegel den
"Standpunkt der modernen Nationalökonomie" insofern geteilt und
theoretisch verarbeitet habe, als er die Arbeit als das "Wesen,
als das sich bewährende (Gattungs-) Wesen des Menschen (erfaßt)",
daß er die Arbeit aber auch und ausschließlich als "abstrakt gei-
stige" Arbeit verstanden und "anerkannt" hätte 16). Die Kenn-
zeichnung von Hegels "Arbeit des Geistes" oder "Tätigkeit des Ge-
dankens" als "abstrakt geistiger" verstehen wir nun aber nicht
so, daß Hegel von der "abstrakten" Arbeit im Unterschied zur
"konkreten" Arbeit, d.h. der besonderen, der bürgerlichen Gesell-
schaft eigenen gesellschaftlichen Form der Arbeit ausgegangen
wäre. Wir verstehen diesen Hinweis vielmehr so, daß Hegel mit
seiner Begründung der Dialektik aus den empirischen Wissenschaf-
ten und subjektiven Erkenntnistheorien an den Wissenschaften als
allgemeinem Moment der Arbeit anknüpfte, freilich so, daß er sie
verabsolutierte und sie damit gerade nicht als M o m e n t der
Arbeit faßt. Daraus ergeben sich für die materialistische Kritik
und Rekonstruktion von Hegels "Wissenschaft der Logik" folgende
Fragen, denen nachzugehen ist: Ist es die philosophische Aufnahme
des theoretischen Konzepts der klassischen politischen Ökonomie,
die es Hegel ermöglichte, die 'rationelle' Seite seiner Dialektik
zu erarbeiten (wurde dadurch die Kritik der Metaphysik sowie der
transzendentalistischen Erkenntnistheorien Kantischer und
Fichtescher Prägung möglich)? Ist der 'Mystizismus', die
'mystische Hülle' des 'rationellen Kerns' der Hegelschen Dialek-
tik aus der Verabsolutierung der Wissenschaften als allgemeinem
Moment der Arbeit erklärbar (diese Verabsolutierung stellt sich
allgemein gesprochen als die Identifizierung der gedanklichen
Transformation und Reproduktion des Konkreten mit seiner physi-
schen Umwandlung in der Arbeit dar)? Ergibt sich daraus, daß in
Hegels Idealismus die theoretischen Voraussetzungen des Übergangs
zur materialistischen Dialektik angelegt sind? Wie auch immer -
dieser Übergang kann jedenfalls nicht durch immanente Rekonstruk-
tion des Aufbaus der "Wissenschaft der Logik", sondern allein auf
der Grundlage der materialistischen Auffassung der Arbeit vollzo-
gen werden.
5.
Hegels Auseinandersetzung mit der analytischen und synthetischen
Methode kann als ein Exempel für die Durchführung des Programms
der "Wissenschaft der Logik" angesehen werden, die Gegenstände
des Wissens aus ihrem "Begriff" dialektisch zu "entwickeln". In
dieser Auseinandersetzung ist die idealistische Theorie des Auf-
steigens vom Abstrakten zum Konkreten begründet. Man kann übri-
gens die Auffassung vertreten, daß der interne Aufbau der "Logik"
ebenso wie ihre Übergänge unter der Perspektive dieses Aufstei-
gens interpretierbar sind. Hier konzentrieren wir uns auf den von
Hegel dargestellten Übergang von der vorgefundenen analytisch-
synthetischen Methode zur Dialektik, weil aus ihm ein Begriff des
Konkreten entsteht, welcher Hegels Identifizierung der Bestimmun-
gen des Denkens und derjenigen der materiellen Tätigkeit (Arbeit)
voraussetzt.
Auf den ersten Blick ist der Übergang von der analytisch-synthe-
tischen Methode zur Dialektik dem oben erörterten Aufsteigen vom
Abstrakten zum Konkreten in der materialistischen Dialektik ana-
log. In der Absicht, das Verhältnis der empirischen, "endlichen"
Wissenschaften zur Philosophie als -absoluter Wissenschaft" oder
"absoluter Methode" bestimmen zu wollen, besteht das Fortschrei-
ten zur Dialektik in einem "Aufheben" der historischen Formen
wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion. Die historische Entwick-
lung hat ihre Entsprechung in der systematischen Abfolge des
Übergehens von den abstrahierenden Wissenschaften in die Dialek-
tik. Die Analyse, welche von sinnlich wahrnehmbaren Dingen aus-
geht, gibt diesen die "Form abstrakter Allgemeinheit" 17) so, daß
die "Bestimmungen, welche der analysierte Gegenstand in sich ver-
einigt (die von Marx konstatierte "chaotische Vorstellung eines
Ganzen" - d.V.), dadurch, daß sie getrennt werden, die Form der
Allgemeinheit erhalten" 18). Als zweite Stufe ist die Synthese
der Übergang zur Dialektik (der Theorie des konkret Allgemeinen)
insofern, als sie das in der analytischen Methode "durch den Ver-
stand gesetzte Allgemeine" 19), die "abstrakte Identität zum Un-
terschiede" fortentwickelt, indem sie das Einzelne ausfindig
macht, von dem die Abstraktion ausging, und damit realisiert, daß
jede Abstraktion sich auf ein ihr "Anderes" bezieht 20). Der
Übergang zur Dialektik ist schließlich dann vollzogen, wenn die
Einheit des abstrakt Allgemeinen und des Einzelnen als konkrete
Allgemeinheit auf den Begriff gebracht wurde: "auf d a s
B e g r e i f e n dessen, was i s t, d.h. (auf) die Mannigfal-
tigkeit von Bestimmungen in ihrer Einheit" 21). Die Abstrakta,
von denen die Synthese ausging, werden so zu "Momenten" eines als
"Identität" von "Begriff" und "Sache selbst" erklärten konkret
Allgemeinen 22).
Dieses für Hegels "Logik" programmatische Vorgehen auf seine
'mystischen' und 'rationellen' Bestandteile zu untersuchen, wird
erleichtert, wenn man auf zwei die Mystifikationen' herbeifüh-
rende Umstände achtet. Marx hat sie als die V e r s e l b-
s t ä n d i g u n g v o n A b s t r a k t i o n e n und d i e
V e r k e h r u n g v o n S u b j e k t u n d P r ä d i k a t
(Ding und Eigenschaft) gekennzeichnet 23).
Die Notwendigkeit des Übergangs von der empirischen Wissenschaft
zur Dialektik begründet Hegel damit, daß mit der analytisch-syn-
thetischen Methode der Gegenstand der Wissenschaften "an sich
selbst" nicht gedacht werden könnte. Das zeigt sich als prinzi-
pieller Mangel dieser Methode. Dieser wird darin gesehen, daß die
abstrakten Begriffe dem Gegenstand gegenüber "äußerlich" bleiben
24). Mit der Begriffslogik, in deren Zusammenhang diese Kritik
gehört, haben wir das als Aufforderung zu verstehen, das gegen-
ständlich Andere des Denkens (welches in der vorausgehenden We-
senslogik das zentrale Problem war) zugunsten seiner Bestimmbar-
keit durch den Begriff als ein ungegenständlich Anderes ge-
danklich zu reproduzieren. Indem wir in aller Kürze skizzieren,
wie Hegel dieser Forderung genügt, wird vielleicht in Beschrän-
kung auf das Problem des Übergangs von der Synthese zur Dialektik
deutlich, wie sich Mystifikationen und Rationalität im Zusammen-
hang der Hegelschen Dialektik theoretisch äußern.
Indem Hegel die synthetische Methode als das "Umgekehrte" der
analytischen versteht 25), macht er einen Unterschied geltend
zwischen denjenigen Abstrakta, von denen die Synthese ausgeht,
und denen, die die Resultate der Analyse bilden. Hegel zeigt, daß
durch analytische Abstraktion das "Wesentliche" eines Dinges fi-
xiert wird 26), schließt aber das D i n g oder den Gegenstand,
von dem die Analyse ausging, sozusagen als sinnlichen Rest aus
der weiteren theoretischen Erörterung seiner in der Abstraktion
fixierten E i g e n s c h a f t e n aus. Dieser Ausschluß macht
es darüber hinaus möglich, daß Hegel davon absehen kann, daß ana-
lytisch gewonnene Abstrakta Eigenschaften der aus der Betrachtung
ausgeschlossenen Dinge fixieren. Genau dies aber kennzeichnet
Marx als einen Vorgang, den wir der Kürze wegen eine
A b s t r a k t i o n v o n d e r A b s t r a k t i o n nen-
nen wollen 27). Die Folge dieser Abstraktion von der Abstraktion
ist dann, daß die analytisch gewonnenen Abstrakta 'verselbstän-
digt' werden, daß sie nicht als Fixierung von Eigenschaften
konkret einzelner Dinge, sondern wie konkret Einzelnes behandelt
werden. Wir können das an Marx' Untersuchung dieses Umstands an-
schließend als e i n e A u f h e b u n g d e r A b s t r a k-
t i o n i n n e r h a l b o d e r u n t e r V o r a u s-
s e t z u n g d e r A b s t r a k t i o n bezeichnen 28). Auf
dieser Grundlage ist Hegel dann in der Lage, die analytisch-syn-
thetische Methode der Erfahrungswissenschaften zu 'überwinden'
und zur Dialektik fortzuentwickeln: Die Synthese kann nämlich zur
dialektischen 'Konkretisierung' deshalb entwickelt werden, weil
auf der Grundlage der Abstraktion von der Abstraktion und der so
'mystisch' eröffneten Aufhebung der Abstraktion innerhalb der
Abstraktion die verselbständigten Abstrakta an sich selbst die
Einheit von abstrakt Allgemeinem und konkret Einzelnem darstel-
len. Hegel beansprucht, damit die Unterscheidung des konkret Ein-
zelnen und des abstrakt Allgemeinen 'gesetzt', d.h. aus dem
Denken entwickelt zu haben. Während es sich nun aber in den
Wissenschaften so verhält, daß die Momente eines analytisch-
synthetisch gewonnenen Zusammenhangs (der z.B. als gesetzmäßiger
dargestellt ist) einander widerspruchsfrei zugeordnet werden,
weil alle (als jenem gesetzmäßigen Zusammenhang zugehörige Eigen-
schaften von Dingen) den Status von abstrakt Allgemeinem haben,
kann Hegel das Verhältnis der Abstrakta, weil diese als
verselbständigte die an sich selbst widersprüchliche Einheit von
konkret Einzelnem und abstrakt Allgemeinem darstellen sollen, als
ein widersprüchliches Verhältnis von abstrakt Allgemeinem und
konkret Einzelnem fassen. So gelangt er aber bloß zum Schein ei-
nes konkret Allgemeinen 29). Denn damit wurde in der Tat davon
abstrahiert ("mystifiziert"), daß Eigenschaften, um wirken zu
können, einen gegenständlichen Repräsentanten brauchen; so ist
die Eigenschaft 'Schwere' ebensowenig ohne materiellen Träger
darstellbar wie der Tauschwert von Waren ohne den Gebrauchswert.
Während in Wirklichkeit die Wissenschaften nur aus dem Grunde als
allgemeines Moment der Produktion fungieren können, weil eben
konkret einzelne Dinge die in ihrem gesetzmäßigen Zusammenhang
erkannten Momente als ihre Eigenschaften haben, haben die Hegel-
schen Abstrakta die Gabe, als widersprüchliche Einheit von kon-
kret Einzelnem und abstrakt Allgemeinem die Wirklichkeit hervor-
zubringen. Hegels Wissenschaft als allgemeine Arbeit bedarf der
materiellen Arbeit als ihrer Grundlage nicht mehr, um zu produ-
zieren.
Man kommt schließlich zu einem ähnlichen Ergebnis, wenn man be-
achtet, wie Hegel durch die Verkehrung von Subjekt und Prädikat
(Ding und Eigenschaft) von der den empirischen Wissenschaften
selbstverständlichen Tatsache absieht, daß wissenschaftliche Ab-
straktionen stets Eigenschaften von Dingen darstellen. Hegels
Verkehrung, welche Marx besonders im Falle der Anwendung' der He-
gelschen Dialektik in dessen Rechtsphilosophie analysiert, be-
steht darin, daß unter der Voraussetzung der verselbständigten
Abstrakta die jeweils einzelnen Dinge als Eigenschaften ihrer Ei-
genschaften erscheinen 30). Ist in den "verständigen" Wissen-
schaften das jeweils einzelne Ding auch als "Subjekt" zu bezeich-
nen, dessen materielle Zugehörigkeit zu einem bestimmten gesetz-
mäßigen Zusammenhang sich in dessen Prädikaten (nämlich Eigen-
schaften) äußert, so ist bei Hegel der Zusammenhang, den die Wis-
senschaft als Verhältnis der in abstrakt allgemeinen Begriffen
fixierten Eigenschaften faßt, in ein konkret Allgemeines verwan-
delt, welches nun als Subjekt verstanden werden kann, zu dem sich
die konkret einzelnen Dinge wie dessen Prädikate verhalten 31).
Die 'Rationalität' der Hegelschen Dialektik ist nun andererseits
im skizzierten Zusammenhang darin zu sehen, daß er auf der Basis
des Idealismus es vermochte, die allgemeine Logik des konkret
Allgemeinen auf den Begriff zu bringen. Aus der Abstraktion von
der Abstraktion folgt ja nicht nur die 'mystische' Konstruktion
des Konkreten, vielmehr folgt auch - eben weil Hegel die Abstrak-
tion innerhalb der Abstraktion aufhebt -, daß er die Beziehung
von abstrakter Allgemeinheit und konkreter Einzelheit als Wider-
spruch und damit die Logik des konkret Allgemeinen in prinzipiel-
ler Form zum Ausdruck bringt und wissenschaftlich bearbeitet.
Soll der Übergang von der idealistischen in die materialistische
Dialektik als Übergang von der vorwissenschaftlichen in die wis-
senschaftliche Dialektik verstanden 32) und der Übergang in die
materialistische Dialektik als "Wissenschaft von den allgemeinen
Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschenge-
sellschaft und des Denkens" 33) vollzogen werden, so kommt es
darauf an, dabei die von Lenin wiederholt erörterte, für die Dia-
lektik überhaupt entscheidende Entdeckung Hegels festzuhalten,
daß die Einheit des konkret Einzelnen und des abstrakt Allgemei-
nen als Widerspruch zu behaupten, nichts anderes bedeutet, als
das konkret Allgemeine als Entwicklung, als Selbstbewegung 34)
aufzufassen. Das rationelle Moment dieser Entdeckung hat der dia-
lektisch-historische Materialismus unter Beweis zu stellen.
III. MATERIALISTISCHE DIALEKTIK UND THEORIE DER
-----------------------------------------------
GESELLSCHAFTLICH-HISTORISCHEN ENTWICKLUNG
-----------------------------------------
6.
Der historische Materialismus ist eine Theorie der allgemeinsten
Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft. Grundlage des
historischen Materialismus ist der dialektische Materialismus:
die Entwicklung der Gesellschaft wird unter der Voraussetzung der
materiellen Einheit von Natur und Gesellschaft begriffen und als
bestimmt gedacht durch den materiellen Lebensprozeß der Gesell-
schaft, das Reißt durch die Entwicklung der Produktionsweise, in
der sich der Stoffwechsel zwischen Natur und Gesellschaft voll-
zieht. Die Produktionsweise einer bestimmten Gesellschaftsform
umfaßt die Beziehungen zwischen Mensch und Natur im Produktions-
prozeß, die Produktivkräfte, und die Beziehungen der Menschen un-
tereinander im Produktionsprozeß, die Produktionsverhältnisse.
Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse bilden eine wider-
sprüchliche, sich entwickelnde Einheit, in der vor allem die Pro-
duktivkräfte das revolutionäre Moment bilden. Der historische Ma-
terialismus sieht also in erster Linie in der Entwicklung der
Produktivkräfte das treibende Moment der gesellschaftlich-histo-
rischen Entwicklung.
Diese theoretische Grundstruktur des historischen Materialismus
verleiht dem Arbeitsbegriff eine ausgezeichnete Bedeutung. Die
Beziehungen zwischen Mensch und Natur werden in der Arbeit herge-
stellt. Von der Arbeit nimmt gemäß dem historischen Materialismus
die gesellschaftlich-historische Entwicklung ihren Ausgang und
durch die Arbeit wird diese Entwicklung vorangetrieben. In einer
materialistischen Theorie muß der Begriff der materiellen Wirk-
lichkeit entsprechen, im historischen Materialismus also der Ar-
beitsbegriff der wirklichen Stellung der Arbeit in der Entwick-
lung der Gesellschaft. Die theoretische Entwicklung der allge-
meinsten Gesetze der Geschichte nimmt im historischen Materialis-
mus vom Arbeitsbegriff ihren Ausgang. Eine korrekte Fassung des
Arbeitsbegriffs auf der Grundlage des dialektischen Materialismus
ist daher für die theoretische Stringenz des historischen Mate-
rialismus von konstitutiver Bedeutung.
Der Begriff der Arbeit ist nicht erst vom historischen Materia-
lismus geprägt worden, er findet diesen Begriff als 'verständige
Abstraktion' aus der menschlichen Geschichte bereits vor. Als
verständige Abstraktion hebt der Begriff Arbeit an der Beziehung
zwischen Mensch und Natur dasjenige hervor, was ihr in allen Epo-
chen der menschlichen Geschichte gemeinsam ist.
Dieser abstrakte Arbeitsbegriff der verständigen Abstraktion je-
doch spiegelt nicht die wirkliche Arbeit wider, weil er nur das
herausgesonderte Allgemeine faßt. Die wirkliche Arbeit ist kon-
kret, das heißt sie ist immer zugleich auch besondere Arbeit und
einzelner Arbeitsvollzug. Die wirkliche Arbeit existiert zudem in
verschiedenen Besonderungen. Wenn der Begriff Arbeit die wirkli-
che Arbeit fassen soll, so muß die konkrete 'Totalität' aller ih-
rer Bestimmungen in dem Begriff mitgedacht werden. Der histori-
sche Materialismus muß daher den abstrakten Arbeitsbegriff, der
ihm als verständige Abstraktion vorgegeben ist, zur konkreten To-
talität fortentwickeln, die ihm durch die wirklichen Arbeitsarten
und ihre Beziehungen zueinander als Erkenntnisobjekt vorgegeben
ist. 35)
Diese gedankliche Reproduktion der wirklichen Arbeit, der Weg des
Aufsteigens vom abstrakten zum konkreten Begriff der Arbeit, darf
nicht mit der wirklichen Entwicklung der Arbeit in der menschli-
chen Geschichte verwechselt werden. Wie jeder abstrakte Begriff
so ist auch der dem historischen Materialismus vorgegebene ab-
strakte Begriff der Arbeit nicht nur allgemein, als verständige
Abstraktion, das Resultat eines unvollständigen Erkenntnisaktes,
sondern diese verständige Abstraktion ist selbst in spezifischer
Weise im sich entwickelnden Verhältnis des erkennenden Subjekts
zu seinem Gegenstand begründet und erhält dadurch in seinem Ver-
hältnis zur wirklichen Arbeit noch einen spezifischen Sinn. Dem
abstrakten Begriff der Arbeit entspricht eine bestimmte Form der
konkreten Arbeit, in der die Arbeit durch ihre allgemeinen Be-
stimmungen auch wirklich weitgehend bestimmt und nicht mehr mit
ihrer Besonderheit und von dieser beherrscht ist. Dies aber gilt
erst unter den Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft, in der
die Arbeit die Form der entwickelten Totalität wirklicher Ar-
beitsarten angenommen hat und die Individuen mit Leichtigkeit von
einer Arbeit in die andere übergehen. Unter diesen Bedingungen
erwächst die Möglichkeit, daß die Arbeit als wirkliche Arbeit
nicht mehr nur in ihrer besonderen Form gedacht werden kann. Erst
in dieser Gesellschaft wird die 'Arbeit überhaupt' als alleinige
Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung praktisch wahr'.
Der denkende Weg der Erkenntnis, das Aufsteigen vom abstrakten
zum konkreten Begriff der Arbeit, ist - in diesem Sinne interpre-
tiert - der wirklichen Entwicklung der Arbeit in der menschlichen
Geschichte gerade entgegengerichtet.
In dieser Umkehrung zeigt sich ein allgemeines Prinzip des dia-
lektischen Materialismus: Das höher Entwickelte liefert den
Schlüssel für das Verständnis der vorangegangenen Entwicklungs-
stufen. Die Entwicklung der niederen Tierart kann von der höheren
Tierart her begriffen werden, entsprechend die frühen Formen der
Gesellschaft von den späteren, entwickelteren her. Indem der hi-
storische Materialismus auf der Grundlage der Kenntnis der ent-
wickelten Form der Gesellschaft den abstrakten Begriff der Ar-
beit, der ihm als verständige Abstraktion vorgegeben ist, zur
konkreten Totalität des dialektischen Arbeitsbegriffs gedanklich
fortentwickelt, liefert er den Schlüssel zum Verständnis der
wirklichen Geschichte, indem er die Triebkräfte ihrer Entwicklung
aufdeckt. Andererseits jedoch kann diese Bewegung des Denkens das
Studium der wirklichen Geschichte nicht ersetzen. Der historische
Materialismus ist seinerseits an das Studium der wirklichen Ge-
schichte gebunden, weil nur diese die Kriterien liefern kann für
die Fortentwicklung des abstrakten Begriffs der Arbeit zur kon-
kreten Totalität. Diese wechselseitige Bedingtheit von Ge-
schichtstheorie und wirklicher Geschichte, die im historisch-ma-
terialistischen Arbeitsbegriff mitgedacht werden muß, spiegelt
sich theorieintern im Verhältnis historischer und logischer Be-
dingungen wider, und zwar wegen dem diesem Verhältnis innewohnen-
den Selbstbezug in doppelter Weise: als Verhältnis von empiri-
scher Erfahrung und wissenschaftlichem Denken im Prozeß der Er-
kenntnis und als Verhältnis von historischen und logischen Bedin-
gungen in dem vom Denken reproduzierten konkreten Gegenstand der
Erkenntnis.
Das abstrakte Denken kann dieses Verhältnis nicht adäquat fassen.
Die verständigen Abstraktionen, an denen das wissenschaftliche
Denken ansetzt und in denen die empirische Erfahrung als nur erst
'chaotische Vorstellung von einem Ganzen' in das wissenschaftli-
che Denken Eingang findet, sind starre, unbewegliche Denkformen.
Bezogen auf einen gegebenen, sich wirklich reproduzierenden und
damit mit sich identischen Zustand der Gesellschaft erscheinen
diese Formen in festen Beziehungen zueinander stehend, Beziehun-
gen, die analytisch am Gegenstand abgelesen werden können. Oder
umgekehrt: die Gesellschaft erscheint als abstrakter Zusammenhang
der durch verständige Abstraktionen gewonnenen Begriffe, als
durch formelle Beziehungen konstituiertes System. Ein Denken, das
auf dieser Stufe stehen bleibt und die abstrakten Gedankenformen
mit der Realität identifiziert, verfehlt ersichtlich den spezifi-
schen Charakter des historischen Gegenstandes. Geschichtliche
Veränderungen stellen sich diesem Denken als Veränderungen der
zwischen den abstrakten Begriffen bestehenden Beziehungen dar,
die ebenso wie die Beziehungen und ihr Bestehen selbst aus den
Begriffen nicht begründet werden können. Historische Veränderun-
gen erscheinen als abstrakte Negation logischer Beziehungen und
nicht als Resultat einer eigentümlichen Logik des Gegenstandes.
Den abstrakten Begriff eines historischen Gegenstandes zur kon-
kreten Totalität fortentwickeln bedeutet demgegenüber, die wech-
selnden Beziehungen des konkreten Zusammenhangs, die dem abstrak-
ten Begriff äußerlich hinzugefügt erscheinen, als interne Momente
des Begriffes selbst zu fassen. Der konkrete Begriff ist die sich
entwickelnde, widersprüchliche Einheit von Allgemeinem und Beson-
derem. Das Allgemeine reproduziert sich unter den besonderen Be-
dingungen einer historischen Epoche in jeweils besonderer Weise.
Insofern haben die logischen Bedingungen die historischen Bedin-
gungen der Epoche zur Grundlage. Die Reproduktion des Allgemeinen
verändert jedoch die besonderen Bedingungen und insofern sind die
logischen Bedingungen von den historischen relativ unabhängig und
auf diese nicht zu reduzieren. In diesem Sinne unterscheidet Marx
zwischen den "historischen Voraussetzungen" eines sich selbst re-
produzierenden historischen Gegenstandes, die "der Geschichte
seiner Bildung" angehören, und Bedingungen seiner Reproduktion,
die die gleichen Bedingungen sind, aber "jetzt als Resultate sei-
ner eignen Verwirklichung, Wirklichkeit, als gesetzt von ihm -
nicht als Bedingungen seines Entstehens, sondern als Resultate
seines Daseins." 36) In dieser Einheit von Allgemeinem und Beson-
derem, von logischen und historischen Bedingungen gründet die
Möglichkeit, den Gegenstand des Denkens als historischen zu be-
greifen, aus der Logik seiner Reproduktion auf sein Entstehen und
sein Vergehen zu schließen. Die logischen Bedingungen bieten "den
Schlüssel für das Verständnis der Vergangenheit", weil in ihnen
die historischen Bedingungen ihres Werdens "als nur historische,
i.e. aufgehobne Voraussetzungen" erscheinen. Zugleich erscheinen
die logischen Bedingungen "als sich selbst aufhebende und daher
als historische Voraussetzungen für einen neuen Gesellschaftszu-
stand setzende" Bedingungen 37).
Angewendet auf den Arbeitsbegriff des historischen Materialismus
bedeutet dies: Auch wenn dieser die Arbeit als Triebkraft der
menschlichen Geschichte, die Geschichte als Prozeß der Selbster-
zeugung des Menschen in der Arbeit faßt, so ist damit nicht ge-
sagt, daß die Geschichte aus dem Begriff der Arbeit, und schon
gar nicht, daß sie aus dem abstrakten Begriff der Arbeit, der ein
Produkt der abstrakten Arbeit der bürgerlichen Gesellschaft ist,
abgeleitet werden kann. Die Arbeit ist in jeder Geschichtsepoche
als Einheit von allgemeiner und besonderer Arbeit zu begreifen.
"In allen Gesellschaftsformen", schreibt Marx, "ist es eine be-
stimmte Produktion, die allen übrigen, und deren Verhältnisse da-
her auch allen übrigen, Rang und Einfluß anweist. Es ist eine
allgemeine Beleuchtung, worein alle übrigen Farben getaucht sind
und welche sie in ihrer Besonderheit modifiziert. Es ist ein be-
sondrer Äther, der das spezifische Gewicht alles in ihm hervor-
stechenden Daseins bestimmt." 38) Die Arbeit als Totalität zu be-
greifen heißt, die Dialektik des Arbeitsprozesses aus den Wider-
sprüchen zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen der Produk-
tion einer jeden Gesellschaftsform zu entfalten und die Trieb-
kräfte des historischen Prozesses aus dem wechselseitigen Um-
schlagen von historischen und logischen Bedingungen ineinander zu
entwickeln.
7.
Der Ertrag dieser Überlegungen für das Verständnis des wirklichen
Geschichtsprozesses sei an einem Beispiel erläutert, das in be-
sonderem Maße die Unzulänglichkeit methodologischer Konzeptionen
erweist, die von einer nur äußerlichen, durch den Erkenntnispro-
zeß konstituierten Verbindung des Allgemeinen und des Besonderen
im historischen Prozeß ausgehen, nämlich am Beispiel des Beginns
menschlicher Geschichte überhaupt, der Entwicklung des Menschen
aus dem Naturzusammenhang 39). Jede Konzeption, die das Besondere
der Geschichte aus dem allgemeinen menschlichen Wesen, wie immer
dies gefaßt sein mag, zu deduzieren trachtet, gerät in das theo-
retische Dilemma, dieses Allgemeine selbst nicht mehr geschicht-
lich greifen zu können. Der Übergang vom Tier zum Menschen wird
zum übernatürlichen Schöpfungsakt, der eine transzendentale Be-
dingung der Arbeit als Triebkraft der menschlichen Geschichte
bildet. Natur und Geschichte stehen sich hier als zwei endgültig
geschiedene und nur äußerlich aufeinander bezogene Welten gegen-
über. Jede Konzeption, die umgekehrt das allgemeine Wesen des
Menschen durch Induktion aus seiner besonderen Geschichte herzu-
leiten trachtet, verwischt die qualitative Differenz zwischen
biologischer und gesellschaftlich-historischer Entwicklung. Die
Abgrenzung zwischen Tier und Mensch im entwicklungsgeschichtli-
chen Zusammenhang wird zum Definitionsproblem. Natur und Ge-
schichte erscheinen als nicht theoretisch gegeneinander abgrenz-
bar.
Auf den ersten Blick erscheint die begriffliche Abgrenzung zwi-
schen Tier und Mensch als unproblematisch. Niemand wird ernsthaft
Mensch und Tier miteinander verwechseln. Durch die Gesetze der
Fortpflanzung reproduzieren sich die Tierarten biologisch als na-
türlich gegebene, disjunkte Klassen von Individuen, grenzen sie
sich gegeneinander ab und speziell auch gegenüber der besonderen
Tierart Mensch. Hebt man durch verständige Abstraktion die ge-
meinsamen Merkmale der Individuen einer Tierart und die unter-
scheidenden Merkmale zu den Individuen anderer Tierarten hervor,
so erhält man brauchbare Definitionen der Tierarten, die gele-
gentlich zwar noch Zweifel offenlassen, ob ein gegebenes Indivi-
duum einer bestimmten Tierart zugehört oder nicht, die jedoch
speziell für die Unterscheidung der lebenden Tiere und Menschen
absolut sichere Kriterien liefern. So sind als spezifische Merk-
male der Tierart Mensch hervorgehoben worden: der aufrechte Gang,
der Gebrauch und die Herstellung von Werkzeugen, das Bewußtsein
und die planvoll bewußte Tätigkeit, die Kommunikation mit Hilfe
der Sprache, die arbeitsteilige Kooperation.
Obwohl jedoch die abstrakte Definition des Menschen als Tierart
mit den genannten spezifischen Merkmalen für die Unterscheidung
von Mensch und Tier im täglichen Leben völlig hinreicht und im
Grunde nur begrifflich fixiert, wie wir in der sinnlichen Wahr-
nehmung Mensch und Tier unterscheiden, weist diese Definition bei
näherem Hinsehen beträchtliche Mängel auf.
Erstens sind die Merkmale für sich genommen gar nicht trennscharf
und kennzeichnen allenfalls graduelle Unterschiede zwischen
Mensch und Tier. Stellt nicht auch die Spinne in ihrem Netz sich
ein Werkzeug her? Schleicht nicht auch der Löwe sich außerordent-
lich planvoll an die Zebraherde, wenn auch, zugegeben, nicht im
gleichen Maße sich seines Planes bewußt wie der Mensch? Daß Tiere
miteinander mit Hilfe von Lauten und Gebärden kommunizieren, wenn
auch die Gegenstände der Kommunikation beschränkt sind, steht au-
ßer Zweifel. Hochentwickelte Tiere weisen ferner oftmals entwic-
kelte Sozialstrukturen auf; was aber unterscheidet die von diesen
Strukturen induzierten Verhaltensunterschiede beim Verfolgen ei-
nes kollektiven Ziels der Tiergruppe von der arbeitsteiligen Ko-
operation des Menschen? Und aufrecht gehen schließlich auch die
Hühner! Das hohe Maß an Urteilssicherheit bei der Unterscheidung
von Mensch und Tier resultiert also nicht aus der Trennschärfe
der durch verständige Abstraktion zu gewinnenden Unterscheidungs-
kriterien, sondern erst aus ihrem Zusammenhang. Damit wird not-
wendigerweise der Status dieses Zusammenhangs, sein Verhältnis zu
den durch verständige Abstraktionen gewonnenen einzelnen Merkma-
len, zum Problem. Es zeigt sich, daß die zu kurz greifenden Ver-
suche, das Besondere durch Deduktion auf das Allgemeine und das
Allgemeine durch Induktion auf das Besondere zurückzuführen, aus
der methodischen Unzulänglichkeit des auf Abstraktion beschränk-
ten Denkens erwachsen.
Zweitens ist die Unterscheidung von Mensch und Tier nur darum un-
problematisch, weil die entwicklungsgeschichtlichen Zwischenglie-
der der Artenentwicklung vom Tier zum Menschen, die Hominiden,
ausgestorben sind. Im Tier-Mensch-Übergangsfeld versagen die im
Vergleich des entwickelten Menschen mit den Tieren gewonnenen Ab-
grenzungskriterien, denn sie treten hier nicht notwendig gemein-
sam auf. Zudem zeigen sie sich in einer eigentümlichen Verkehrung
ihrer Logik, einer Verkehrung, die einen Hinweis auf die Gründe
für die mangelnde Trennschärfe einzelner Kriterien in ihrer Iso-
lierung gibt. Ist beispielsweise das Werkzeug als Mittel instru-
mentellen Handelns beim Menschen geradezu dadurch definiert, daß
es zunächst hergestellt wird, um dann seinen Zwecken entsprechend
gebraucht zu werden, so scheint für die ersten "Werkzeuge" des
Tier-Mensch-Übergangsfeldes zu gelten, daß sie lange Zeit als
Fundgegenstände mit zufälliger Zweckmäßigkeit systematisch gesam-
melt und als Werkzeuge gebraucht wurden, ehe sie durch Bearbei-
tung von Rohstoffen zielgerichtet hergestellt wurden. Die archäo-
logischen Funde deuten auf einen kontinuierlichen Übergang von
Naturgegenständen zum menschlichen Werkzeug. Die 'Geröllgeräte-
Industrie' der Australopithecinen beispielsweise besteht aus
Steinknollen mit groben Abschlagkanten, die äußerlich von zufäl-
lig entstandenen Steinbruchstücken nicht zu unterscheiden sind.
Die Annahme, sie seien systematisch als Werkzeuge verwendet wor-
den, stützt sich auf ihre Anhäufung als Begleitfunde zu Fossi-
lien, es ist jedoch nicht erwiesen und äußerst fraglich, ob diese
frühen Stein-'Werkzeuge' überhaupt Spuren einer zielgerichteten
Bearbeitung aufweisen. Diese Verkehrung der Logik spezifischer
Merkmale der menschlichen Gattung im Tier-Mensch-Übergangsfeld
zeigt sich ähnlich bei allen genannten Merkmalen. Die spezifisch
menschliche Kommunikation erfolgt mit Hilfe der Sprache, im Tier-
Mensch-Übergangsfeld jedoch entwickelt sich die Sprache als Folge
von Kommunikationsprozessen. Die Vergesellschaftung des Menschen
erfolgt in der Arbeit, im Tier-Mensch-Übergangsfeld dagegen ent-
wickelt sich die Arbeit allem Anschein nach auf der Grundlage
vorgängiger Sozialstrukturen, die arbeitsteilige Kooperation mög-
lich machen. Die mangelnde Trennschärfe der Abgrenzungskriterien
zwischen Mensch und Tier, wenn sie als isolierte Merkmale be-
trachtet werden, hat ihre Ursache also darin, daß sie keineswegs
im Übergang vom Tier zum Menschen erst entstehen, sondern nur
eine spezifische Umwandlung erfahren, die mit einer Verkehrung
ihrer inneren Logik verbunden ist: Bedingungen ihres Entstehens
verwandeln sich in Resultate ihres Daseins. Drittens schließlich
liefert die definitorische Abgrenzung von Tier und Mensch auf-
grund verständiger Abstraktion spezifischer Merkmale und Merk-
malsunterschiede keine Rekonstruktion des Selbstunterscheidungs-
prozesses der phylogenetischen Entwicklung. Wie unterschiedlich
der Stellenwert eines Merkmals im Prozeß der Entwicklung auch
sein mag, die Abstraktion von eben dieser Entwicklung im äußerli-
chen Vergleich ebnet diese Unterschiede ein und verschafft jedem
Merkmal den gleichen Status, äußeres Merkmal zu sein. Werden die
den Menschen vom Tier unterscheidenden Merkmale wie aufrechter
Gang, Werkzeuggebrauch und Werkzeugherstellung, arbeitsteilige
Kooperation, planvoll bewußte Tätigkeit, soziale Organisation und
sprachliche Kommunikation von ihrem Entwicklungszusammenhang ab-
strahiert, so sind auch die ihnen immanenten Entwicklungen nur
als Besonderungen zu begreifen. Ihre abstrakt allgemeine Defini-
tion bleibt unberührt und kann daher die ihnen eigenen Entwick-
lungspotentiale nicht begrifflich explizieren. Die Entwicklung
vom Tier zum Menschen wird auf ihre äußere Erscheinung reduziert,
als Übergang zu neuen Merkmalen.
Der historische Materialismus begreift den Übergang vom Tier zum
Menschen als Selbsterzeugung des Menschen in der konkreten Arbeit
und die differenzierenden Merkmale als Momente einer sich entwic-
kelnden Totalität von Bestimmungen. Der Mensch wird im Entwick-
lungszuammenhang begriffen als Tier und Mensch zugleich, aber
nicht im Sinne einer Besonderung, sondern im Sinne der Entwick-
lung; die tierische Existenz des Menschen ist in seiner menschli-
chen Existenz aufgehoben, in der Arbeit reproduziert er den spe-
zifisch menschlichen Charakter seiner tierischen Merkmale. Iso-
liert man den Menschen aus dem spezifischen Zusammenhang der ge-
sellschaftlichen Reproduktion - dies ist die Wahrheit an den le-
gendären Berichten über Schicksale wie die des Kaspar Hauser -,
so reproduziert er sich selbst auch nur in seiner tierischen Exi-
stenz. In der gesellschaftlichen Arbeit dagegen nimmt auch die
individuelle Reproduktion des Menschen jene Form an, die die spe-
zifischen Merkmale des Menschen hervorbringt, die die verständige
Abstraktion nur konstatierend zur Kenntnis nehmen kann. Will man
den Erklärungsanspruch des historischen Materialismus am Beispiel
des Übergangs vom Tier zum Menschen einlösen, so ist es die Auf-
gabe, dieses konkret nachzuweisen.
Die Leitfrage einer solchen Untersuchung ist die nach dem Über-
gang von der biologischen Höherentwicklung zur gesellschaftlich
historischen. Auch das Tier muß bereits als sich entwickelnde
konkrete Totalität begriffen werden, wenn der Übergang zur Ent-
wicklung im Arbeitsprozeß nicht als übernatürlicher Schöpfungsakt
erscheinen soll. Auch das Tier darf nicht nur abstrakt definito-
risch und durch äußere Merkmale in die Tierarten gesondert be-
trachtet werden, sondern in der realen Vermittlung, durch die es
sich auf sich und auf anderes bezieht, das heißt im Zusammenhang
seiner individuellen Reproduktion und seiner Reproduktion der
Art, in seiner individuellen Fortentwicklung und in seiner Höhe-
rentwicklung als Art. Das Tier als konkrete Totalität ist in die-
sem Sinne Einheit von konkret Allgemeinem und konkret Einzelnen,
und die spezifische Form der Entwicklung, die für das Tier kenn-
zeichnend ist, wird bestimmt durch die spezifische Form der Ver-
mittlung zwischen dem konkret Allgemeinen der biologischen Orga-
nisation und Reproduktion des Individuums und der Art einerseits
und den konkret einzelnen Individuen und ihrer je spezifischen
Geschichte unter den jeweils individuellen Lebensbedingungen an-
dererseits.
Die für das Tier spezifische Form der Vermittlung zwischen dem
konkret Allgemeinen und dem konkret Einzelnen ist nun durch zwei
Bedingungen bestimmt: durch die genetische Determination der Art-
merkmale im Individuum - die genetische Reproduktion des Genoty-
pus - und durch die Fähigkeit, das überleben des Individuums
durch individuelle Anpassung an die Umwelt zu ermöglichen - die
Variation des Phänotypus -. Das konkret Allgemeine der Art ist im
Individuum als Determination durch den Genotypus enthalten. Es
existiert zwar nur in der konkret einzelnen Form des Phänotypus,
ist jedoch von diesem weitgehend unabhängig. Das Einzelne be-
stimmt das Allgemeine nur auf zwei Weisen: durch Mutation und
durch Selektion. Wird das genetische Material durch individuelle
Bedingungen verändert, so ändert sich abrupt und unabhängig von
sonstigen Bedingungen der Genotypus des betroffenen Individuums
(Mutation). Verhindert die Determination durch den Genotypus die
individuelle Anpassung, die für ein überleben der Individuen er-
forderlich ist, so geht mit den Individuen auch die Art zugrunde
(Selektion). Die biologische Höherentwicklung ist somit bestimmt
durch die Mutanten mit Selektionsvorteil. Ihr fehlt jene erwei-
terte Reproduktion des Allgemeinen, die für die gesellschaftlich-
historische Entwicklung kennzeichnend ist, in der gesellschaftli-
chen Arbeit sich vollzieht und die Dynamik dieser Entwicklung be-
stimmt.
Die Aufgabe, den Prozeß der Menschwerdung auf der Grundlage der
historisch-materialistischen These zu rekonstruieren, die Mensch-
werdung sei das Ergebnis der Selbsterzeugung in der konkreten Ar-
beit, läßt sich nun folgendermaßen formulieren: Erstens muß die
reale Möglichkeit nachgewiesen werden, daß im biologischen Ent-
wicklungszusammenhang die Momente des Arbeitsprozesses als histo-
rische Voraussetzungen der Menschwerdung entstehen konnten; zwei-
tens muß gezeigt werden, wie sich unter den biologischen Entwick-
lungsbedingungen des Tier-Mensch-Übergangsfeldes die historischen
Voraussetzungen der Menschwerdung in logische Setzungen des Ar-
beitsprozesses verwandeln und so der Entwicklungsprozeß revolu-
tioniert wird und die charakteristischen Merkmale des Menschen
sich zum logischen Verhältnis zusammenschließen, in dem sie sich
wechselseitig wie die Henne und das Ei bedingen.
Im Lichte dieser Problemstellung erweist sich die oben konsta-
tierte mangelnde Trennschärfe der den Menschen vom Tier unter-
scheidenden Merkmale als Hinweis auf die unter biologischen Ent-
wicklungsgesetzen entstandenen Bedingungen für den menschlichen
Arbeitsprozeß. Genauer: Tierische Kommunikation und Kooperation,
die tierischen Fähigkeiten zu individuellem Lernen und zu instru-
mentellem Handeln und vor allem die durch die Kommunikation in
entwickelten tierischen Sozialverbänden möglichen Ansätze zur
Bildung von Traditionen im zweckmäßigen instrumentellen Handeln
bilden die Voraussetzungen für die Entwicklung von Werkzeugge-
brauch und Werkzeugproduktion unter biologischen Entwicklungsbe-
dingungen. Die Annahme, eine derartige (biologisch bedingte) Form
des Werkzeuggebrauchs und der Werkzeugproduktion sei Vorausset-
zung der Menschwerdung und nicht ihr Resultat, wird durch die
Tatsache empirisch erhärtet, daß sich Werkzeuggebrauch und Werk-
zeugproduktion in primitiven Formen bereits bei den Hominiden
finden, also lange bevor die biologische Entwicklung zum homo sa-
piens abgeschlossen war. Damit erscheint die Hypothese als zuläs-
sig und plausibel, daß sich im Tier-Mensch-Übergangsfeld, dem die
Hominiden zuzurechnen sind, wegen des Werkzeuggebrauchs und der
Werkzeugproduktion, die infolge der Dominanz biologischer Bedin-
gungen nur erst ein geringes Entwicklungspotential besaßen und
deren Formen sich oftmals über viele Jahrtausende hinweg konstant
erhielten, die Vergrößerung des Gehirns, das charakteristische
Merkmal des Übergangs zum homo sapiens, als Mutante mit Selekti-
onsvorteil erwies, die ihrerseits erst das in Werkzeuggebrauch
und Werkzeugproduktion tendenziell enthaltene Entwicklungspoten-
tial zur realen Möglichkeit werden ließ. Dies ist unseres Erach-
tens für das hier gestellte Problem einer historisch-materiali-
stischen Rekonstruktion des Beginns von Geschichte überhaupt der
wichtigste Ertrag eines Ausgehens von dem in der Marxschen Ana-
lyse des Arbeitsprozesses aufgedeckten Zusammenhang zwischen Ge-
sellschaftlichkeit und Naturbedingtheit der Arbeit.
Die Urgesellschaft, die sich unter den biologischen Entwicklungs-
bedingungen herausbildete, war dadurch gekennzeichnet, daß die
Vermittlung des Individuums mit dem noch rudimentären gesell-
schaftlich Allgemeinen des Arbeitsprozesses durch Kommunikation
und Kooperation im Sozialverband nicht Resultat, sondern Voraus-
setzung des Arbeitsprozesses war. In der Hegel entlehnten, von
Marx verwendeten Terminologie: Die Vermittlung der Momente des
Arbeitsprozesses ist noch nicht von der gesellschaftlichen Repro-
duktion gesetzt und damit .. logisches Verhältnis dieses Prozes-
ses, sondern nur erst vorausgesetzt. "Diese V o r a u s s e t-
z u n g (ist) s e l b s t v e r m i t t e l t; d.h. eine ge-
meinschaftliche Produktion, die Gemeinschaftlichkeit als Grund-
lage der Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des Einzelnen
ist von vorn herein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt." 40)
"Je tiefer wir in der Geschichte zurückgehen, je mehr erscheint
das Individuum, daher auch das produzierende Individuum, als
unselbständig, einem größeren Ganzen angehörig: erst noch in ganz
natürlicher Weise in der Familie; später in dem aus dem Gegensatz
und Verschmelzung der Stämme hervorgehenden Gemeinwesen in seinen
verschiedenen Formen." 41)
Wir können diesen Gedanken ins Tier-Mensch-Übergangsfeld zurück-
verlängern. Das Gattungswesen des Hominiden war noch ausschließ-
lich biologisch bestimmt und die Entwicklung des Individuums
weitaus stärker von den Reproduktionsbedingungen der biologisch
definierten Gattung geprägt als durch die im Arbeitsprozeß ange-
legten Formen der erweiterten Reproduktion und der von dieser in-
duzierten Vergesellschaftung. Die Traditionsbildung im tierischen
Sozialverband bildete die vermittelnde Voraussetzung für Werk-
zeuggebrauch und Werkzeugproduktion, durch die sich in der indi-
viduellen Arbeit des Hominiden die allgemeine Arbeit in der für
die jeweilige Entwicklungsstufe determinierten besondern Form re-
produzierte. Diese Vermittlung mußte sicherstellen, daß auch ohne
genetische Fixierung im Genotyp der biologisch definierten Gat-
tung die phylogenetisch erworbenen Arbeitstechniken und primiti-
ven Formen der Arbeitsteilung und -organisation ontogenetisch re-
produziert werden; denn nur so konnten Werkzeuggebrauch und Werk-
zeugproduktion, ohne genetisch fixiert zu sein, zum Gattungsmerk-
mal des Hominiden werden. Eben dadurch aber unterscheidet sich
der Hominide vom Tier, bei dem der Werkzeuggebrauch in einer be-
sonderen Form nur dann als Gattungsmerkmal auftritt, wenn er in
dieser Form genetisch fixiert und damit keiner historischen Ent-
wicklung fähig ist.
Wie wird nun im Tier-Mensch-Übergangsfeld der Entwicklungsprozeß
der menschlichen Gattung revolutioniert, so daß neben den biolo-
gischen Entwicklungszusammenhang ein gesellschaftlich-histori-
scher Entwicklungsprozeß tritt, der zunehmend das Gattungswesen
bestimmt? Die Reproduktion des Tieres ist gekennzeichnet durch
die Entwicklung des Individuums von der Geburt bis zum Tode durch
seine physische Reproduktion im Stoffwechsel mit der Natur und
durch die in der Regel identische Reproduktion des Gattungswesens
in den Individuen durch die Fortpflanzung und deren genetische
Determination. Das Besondere des durch Werkzeuggebrauch und Werk-
zeugproduktion gekennzeichneten Arbeitsprozesses ist es demgegen-
über, daß er in den produzierten Produktionsmitteln, in den Ar-
beitsmitteln, für die das Werkzeug prototypisch steht, ein dem
Zyklus der identischen Reproduktion des Gattungswesens im Indivi-
duum enthobenes materielles Resultat besitzt, daß sich in einer
Geräte-Umwelt akkumuliert und so die Grundlage für die erweiterte
Reproduktion der gesellschaftlich-historischen Entwicklung bil-
det. Insofern, als die sich erweiternde Geräte-Umwelt dem Ar-
beitsprozeß, dem sie ihre Entstehung verdankt, nicht äußerlich
bleibt, sondern selbst wieder dessen tendenzielle Möglichkeiten
freisetzt, ist der Akkumulationsprozeß kein linearer, sondern ein
sich exponentiell erweiternder und beschleunigender Prozeß; dies
wird beispielsweise drastisch demonstriert, wenn man den mehrere
Millionen Jahre umfassenden Entwicklungsprozeß der Geröllgeräte-
Industrie der Hominiden mit dem nur wenige tausend Jahre dauern-
den Prozeß der Entwicklung von den ersten Hochkulturen zur moder-
nen Industriegesellschaft vergleicht. Diese Akzeleration der Ak-
kumulation ist nicht nur quantitativ zu begreifen, sondern sie
schließt wesentliche qualitative Veränderungen ein, die im Wider-
spiegelungscharakter des Arbeitsmittel begründet sind. Insofern
nämlich, als das Arbeitsmittel als vergegenständlichte Arbeit Re-
präsentant von Allgemeinem ist, und zwar sowohl des Allgemeinen
des Objekts der Arbeit, der bearbeiteten Natur, als auch des All-
gemeinen des Subjekts des Arbeitsprozesses, der zum Gattungsmerk-
mal gewordenen Formen der Arbeitstechnik, Arbeitsteilung und Ar-
beitsorganisation, verläuft die individuelle Entwicklung in der
Geräte-Umwelt unter sich ständig wandelnden Ausgangsbedingungen.
Die ontogenetische Reproduktion des Gattungswesens im Individuum
ist nicht länger identische Reproduktion, sondern wird zur Erzie-
hung. Das bedeutet: Soweit die ontogenetische Reproduktion sich
auf das Gattungsmerkmal des Werkzeuggebrauchs und der Werkzeug-
produktion bezieht, ist sie von vorn herein wesentliches Moment
der gesellschaftlich-historischen Entwicklung und zugleich dieser
selbst unterworfen. Für die frühen Formen" der Erziehung ist da-
bei die Identität von Arbeitsmittel und Erziehungsmittel kenn-
zeichnend; Erziehung und Teilnahme am Arbeitsprozeß sind iden-
tisch. Diese "ursprüngliche Einheit von Arbeit und Erziehung" 42)
verwandelt die individuellen Resultate des Arbeitsprozesses in
Momente des Gattungswesens und verwandelt damit historische Vor-
aussetzungen in logische Momente eines Reproduktionszusammen-
hangs, der eine neue, sich selbst revolutionierende Form der Ver-
mittlung zwischen dem konkret einzelnen Gattungsexemplar und dem
konkret Allgemeinen der Gattung darstellt, die für den Menschen
charakteristisch ist und die wir als gesellschaftlich-historische
Entwicklung bezeichnen.
Dies ist der Ertrag eines Ausgehens von der Spezifik des men-
schlichen Arbeitsprozesses als eines Prozesses erweiterter Repro-
duktion für das hier gestellte Problem einer materialistischen
Rekonstruktion des Beginns von Geschichte überhaupt: Die Entwick-
lung zum Menschen als konkreter Totalität, als Einheit von Gat-
tungswesen und Individuum, läßt sich begreifen als Prozeß der
Selbsterzeugung des Menschen in der Arbeit.
IV. MATERIALISTISCHE DIALEKTIK UND WISSENSCHAFTEN
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8.
F. Engels kennzeichnet die Dialektik, um die es hier geht, näm-
lich die theoretische Dialektik oder die Dialektik als Wissen-
schaft - wir sprechen im folgenden von der dialektisch materiali-
stischen Theorie -, als historisches Entwicklungsresultat, insbe-
sondere als Resultat der Entwicklung des wissenschaftlichen Den-
kens. 43) Sie ist ihrer materialistischen wie ihrer dialektischen
Seite nach als eine Negation der Negation zu begreifen, ist ver-
mittelt über den Idealismus wie - in unserem Zusammenhang fast
wichtiger - über die metaphysische Denkweise, die für die neu-
zeitlichen Wissenschaften und zumal die Naturwissenschaften cha-
rakteristisch war und weitgehend noch ist. Wenn Lenin "Spaltung
des Einheitlichen und Erkenntnis seiner widersprechenden Bestand-
teile" als "das Wesen (eine der 'Wesenheiten', eine der grundle-
genden, wenn nicht die grundlegende Besonderheit oder Seite) der
Dialektik" hervorhebt, 44) dann verweist er darauf, daß die meta-
physische Abstraktion vom Zusammenhang als internes Moment in der
Dialektik aufgehoben ist. Die dialektisch materialistische Theo-
rie ist nicht eine naive Erfassung "des Gesamtzusammenhangs",
sondern "Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs"; 45) sie setzt die
wissenschaftliche Zergliederung der Totalität, die Untersuchung
ihrer einzelnen Bestandteile, sie setzt die arbeitsteilige Tota-
lität der Wissenschaften voraus und so historisch einen bestimm-
ten Entwicklungsstand dieser Wissenschaften. Dies gilt nicht nur
in einem ideengeschichtlichen Sinne. Die dialektisch materiali-
stische Theorie hat die industrielle Produktionsstufe zur Voraus-
setzung, die Arbeiterklasse wie die Entwicklung des intellektuel-
len Moments der Produktion zu seiner wissenschaftlichen Form,
worin erst die Wissenschaft als "allgemeine Arbeit" 46) sich zur
Totalität, zum allgemeinen Moment des gesellschaftlichen Gesamt-
arbeiters entwickelt.
Aber nicht allein aufgrund ihrer bestimmten historischen Vermit-
teltheit steht die dialektisch materialistische Theorie in einem
wesentlichen Verhältnis zu den Wissenschaften. Das Verhältnis zu
den Wissenschaften bezeichnet auch einen, wenn nicht den neural-
gischen Punkt des Verständnisses und so der Entwicklung der dia-
lektisch materialistischen Theorie selbst. Aus der Definition En-
gels', nach der die Dialektik "die Wissenschaft von den allgemei-
nen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschen-
gesellschaft und des Denkens" ist, 47) ist zwar zu folgern, daß
die dialektisch materialistische Theorie zum einen selbst eine
Wissenschaft ist, die sich zum anderen darin von den anderen Wis-
senschaften unterscheidet, daß sie es nicht mit den besonderen,
spezifischen Sachverhalten eigenen Bewegungs- und Entwicklungsge-
setzen zu tun hat, sondern eben mit den allgemeinen, die für die
Bewegungen und Entwicklungen in Natur, Menschengesellschaft und
Denken gleichermaßen gelten; aber niemand wird ernsthaft behaup-
ten, durch diese Gebietsabsteckung das Verhältnis der dialektisch
materialistischen Theorie zu den Wissenschaften überhaupt als ein
Verhältnis gefaßt zu haben, geschweige als eines, das dialektisch
begriffen werden müßte.
Um welch ein Grundproblem der dialektisch materialistischen Theo-
rie es sich bei diesem Verhältnis handelt, ist schon daraus zu
ersehen, daß zusammen mit der Verneinung des kontemplativen Cha-
rakters der traditionellen Philosophie (11. Feuerbach-These) es
eben das Verhältnis zu den Wissenschaften ist, was die dialek-
tisch materialistische Theorie von einer traditionellen philoso-
phischen Theorie unterscheidet, worin sie Aufhebung der Philoso-
phie im Sinne von Überwindung ist. Anders als die traditionelle
Philosophie kann sie sich zu den Wissenschaften weder als eine
Universal Wissenschaft, als Grundlagenwissenschaft, als Wissen-
schaft von der wissenschaftlichen Methodik oder als wissenschaft-
liches Denken fundierende Erkenntnistheorie in dem Sinne verhal-
ten, als seien diese ontologischen und/oder gnoseologischen Fun-
damente metatheoretisch, unabhängig und 'vor' den Wissenschaften
durch autonome philosophische Erkenntnis zu sichern. Sie hat
nicht allein die Wissenschaften auf ihrem jeweiligen historischen
Entwicklungsstand zu ihrer Voraussetzung, sondern verfügt als
eine (wenn auch besondere) Wissenschaft prinzipiell über keine
von den anderen Wissenschaften aparte Erkenntnisweise; sie er-
kennt vielmehr nach Art einer Wissenschaft, was nicht zuletzt
heißt, daß sie die Erkenntnis ihrer Gegenstände wohl als Umfor-
mung, nicht aber als deren Konstitution oder Setzung und eben-
falls nicht als ein intuitives oder sonst wie erfolgendes Eins-
werden mit ihnen begreifen kann.
Auf der anderen Seite ist sie nicht Aufhebung der traditionellen
Philosophie nach Art der Wissenschaftstheorie analytischen oder
konstruktivistischen Musters, also nicht die müßige, bloß verdop-
pelnde Extrapolation der allgemeinsten methodischen oder logi-
schen Verfahrensweisen der Wissenschaften. Wenn Engels betont,
daß sich die dialektisch materialistische Theorie "nicht in einer
aparten Wissenschaftswissenschaft, sondern in den wirklichen Wis-
senschaften zu bewähren und zu betätigen hat", 48) und ihr
zugleich vorläufig noch eine von den wirklichen Wissenschaften
gesonderte Aufgabe zuspricht, bis zu der Zeit nämlich, da "an
jede einzelne Wissenschaft die Forderung herantritt, über ihre
Stellung im Gesamtzusammenhang der Dinge und der Kenntnis von den
Dingen sich klarzuwerden", 49) so ist unschwer zu sehen, daß sie
dieser Aufgabe gerade nicht in jener wissenschaftstheoretischen
Manier gerecht werden kann. Die Heraushebung allgemeinster Ge-
meinsamkeiten in Methodik und Logik der Wissenschaften verfehlt
schon durch den Zugang das Ziel, den "Gesamtzusammenhang der
Dinge und der Kenntnis von den Dingen" aufzuklären.
Für diese wissenschaftstheoretischen Ansätze existiert der Singu-
lar 'Wissenschaft' nur als verständige Abstraktion, die anhand
einiger Merkmale Identität und Unterschied der unter das Abstrak-
tum 'Wissenschaft' fallenden Exemplare fixiert; sie stehen auf
dem methodischen Standpunkt der klassifizierenden Biologie vor
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wie aber eine Tierart
nicht durch das Vorhandensein zum Beispiel bestimmter Zahntypen
und das Fehlen zum Beispiel bestimmter Behaarung Art ist, sondern
sich durch die wirklichen Beziehungen der Artvertreter zu anderen
Artvertretern und zu Nichtmitgliedern der Art als Art vermittelt,
die ihrerseits, z.B. durch die Erbinformationen, das zusammen-
und ausschließende Verhalten der individuellen Artexistenz be-
stimmt, so käme dem Singular 'Wissenschaft' überhaupt keine Be-
deutung zu, gälte es, wie der Zugang jener Wissenschaftstheorien
unterstellt, an ganz und gar selbständigen, sich nicht von sich
aus aufeinander beziehenden Wissenschaften durch äußere Reflexion
einige allgemeine Gemeinsamkeiten zu fixieren. Der nächste
Schritt, nämlich die Erklärung dieser herausgehobenen Gemeinsam-
keiten zum Kern oder Wesen der Wissenschaften, demgegenüber die
Unterschiede bloß den Gegenständen, und d.h. der so im Grunde zu-
fällig gefaßten Wirklichkeits-Mannigfaltigkeit gedankt sind,
stellt einen Reduktionismus und eine Verabsolutierung der Ab-
straktion dar, durch die nicht allein der "Gesamtzusammenhang der
Dinge und der Kenntnis von den Dingen" ausgeklammert ist, sondern
durch die die scheinbar überwundene traditionelle Philosophie Re-
surrektion feiert, allerdings als Farce, als ein Apriorismus näm-
lich, der opportunistisch die jeweiligen Wissenschaften Verfah-
rensweisen als absolute heiligspricht.
Schon diese grundsätzliche Abgrenzung verdeutlicht wohl, daß das
Verhältnis zu den Wissenschaften den Kern der dialektisch mate-
rialistischen Theorie betrifft. Ergänzend kann noch darauf ver-
wiesen werden, daß von diesem Verhältnis auch ihr nicht-kontem-
plativer Charakter abhängt, ihr Anspruch, die Welt nicht bloß an-
ders zu interpretieren, sondern Moment ihrer Veränderung zu sein.
Der Bezug der dialektisch materialistischen Theorie zur Praxis
kann nicht unmittelbar sein, eben weil sie Wissenschaft von den
allgemeinen Bewegungsund Entwicklungsgesetzen ist. Sie kann zur
Praxis nur vermittelt über die Wissenschaften beitragen, die es
mit den besonderen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen zu tun ha-
ben und die auf dem heutigen Entwicklungsstand der Arbeit wie der
gesellschaftlichen Praxis (dies gilt im Kapitalismus allerdings
nur für den Kampf der Arbeiterklasse) das dominante intellektu-
elle Moment der Arbeit darstellen. Es gibt immer nur bestimmte,
auf besondere Sachverhalte gerichtete Praxis. Hier zeigt sich der
unauflösliche Zusammenhang zwischen den beiden Momenten, durch
die sich die dialektisch materialistische Theorie von der her-
kömmlichen Philosophie unterscheidet, der Zusammenhang zwischen
ihrem nicht-kontemplativen Charakter und ihrem Verhältnis zu den
Wissenschaften; im Verhältnis zu den Wissenschaften realisiert
sie ihren nicht kontemplativen Charakter, worin übrigens allein
gewährleistet, daß sie als praktische Philosophie' nicht dem Ir-
rationalismus verfällt, der der bürgerlichen praktischen Philoso-
phie' eigen ist.
Die fundamentale Bedeutung des Verhältnisses zu den Wissenschaf-
ten für die dialektisch materialistische Theorie ist so wohl un-
schwer einzusehen und ebenso, daß dies Verhältnis nicht unkompli-
ziert zu denken ist. Dabei geht es nicht darum, dies Verhältnis
nach Art schlechter Philosophie komplizierter darzustellen als es
in der Praxis ist. Vielmehr ist von den Problemen auszugehen, die
in dieser Praxis, nämlich im wirklichen Verhältnis zwischen den
Wissenschaften und der dialektisch materialistischen Theorie exi-
stieren.
9.
Im Zentrum dieser Probleme steht die Frage, ob die einzelnen Wis-
senschaften dialektisch sind. Obgleich diese Frage auch für die
spezifisch historischen Wissenschaften durchaus Relevanz hat, so-
bald über die Versicherung, daß Entwicklungsprozesse eo ipso dia-
lektisch zu begreifen sind, hinausgegangen wird, wollen wir sie
gerade hinsichtlich der nicht-historischen Disziplinen der Natur-
wissenschaft stellen. Diese Frage hat gewöhnlich den spezielleren
Sinn, ob die dialektische Methode Methode solcher Disziplinen
sein kann.
Nach den Erfahrungen, die sich mit dem Namen Lyssenkos verbinden,
besteht Einigkeit darüber, daß die dialektisch materialistische
Theorie gerade nicht nach Art eines materialistisch drapierten
Hegelianismus dergestalt die allgemeine wissenschaftliche Methode
sein kann, daß die Wissenschaften allesamt sich ihrer so, wie sie
auf dem jeweiligen Entwicklungsstand der dialektisch materiali-
stischen Theorie vorliegt, bedienen und sie als von ihr übernom-
mene anwenden, also ohne Berücksichtigung der Spezifik des jewei-
ligen Fachgegenstandes und so ohne Berücksichtigung des Ausgangs-
punkts jeder Wissenschaft, der Tatsachen. Das gelegentlich zu be-
obachtende andere Extrem ist nicht weniger bedenklich und führt
zur völligen Konfusion, nämlich die Manier, die Methodik der ein-
zelnen Wissenschaften, so wie sie gerade vorliegt, für dialek-
tisch zu erklären.
Nicht nur unfruchtbar, sondern den wirklichen Zugang blockierend,
ist auch eine sich dialektisch dünkende Wissenschaftstheorie, die
bestimmte Momente der wissenschaftlichen Methodik - z.B. Analyse
und Synthese - heraushebt, um diese Momente entweder selbst als
dialektisch oder undialektisch zu klassifizieren (etwa die Ana-
lyse als undialektisch, weil sie zum abstrakt Allgemeinen führt)
oder beide Momente zusammen, in ihrer wechselseitigen Vermitt-
lung, als eine 'dialektische Einheit' zu deklarieren. Es ist un-
schwer zu sehen, daß das Herausheben solcher Momente selbst eine
gewöhnliche analytische Operation ist, deren Resultat die Form
des abstrakt Allgemeinen hat, durch Abstraktion die "Form der
Identität" erhält (Hegel). 50) An ihm kann es nichts geben, was
dialektisches Begreifen erforderte. Mit der wechselseitigen Ver-
mittlung solcher Momente steht es nicht anders; es handelt sich
gerade nicht um eine dialektisch zu begreifende Einheit. Im Ver-
hältnis solcher Momente ist zwar - unter Umständen - das Wesen
der Sache erfaßt, aber in der Form der "bloßen Möglichkeit", 51)
d.h. in der Sphäre des ausgeschlossenen Widerspruchs. Es gilt
hierbei zu sehen, daß in dieser Weise vorgehende Wissenschafts-
theorie oder Methodologie selbst nicht dialektisch verfährt, son-
dern vielmehr so, wie die nicht-historischen Disziplinen selbst
zu verfahren scheinen; es handelt sich um eine Widerspiegelung
des methodischen Scheins dieser nicht-historischen Disziplinen.
Dies läßt sich (exemplarisch) daran verdeutlichen, daß Wissen-
schaftstheorie dieser Art das Wesen der Wissenschaft in der Form
der bloßen Möglichkeit faßt und so den Schein reproduziert, als
sei Wissenschaft das geistige Geschäft der Bildung und in-Bezie-
hung-Setzung von Abstrakta.
Bei Hegel kann man sich den Fingerzeig holen, wieso auf diese
Weise niemals zum wissenschaftlichen Erklären, d.h. zum Begreifen
der Notwendigkeit einer Sache zu kommen ist: das "real Mögliche"
ist ausgeklammert. 52) Um dies an der Synthese klar zu machen: Es
gibt keine Synthese, ohne daß die analytisch gewonnenen Momente
eben als Momente, also in ihrem Verhältnis zueinander erfaßt wer-
den. Aber dieses Erfassen der Verhältnisse zwischen den Momenten
ist noch nicht die Synthese; aus diesen Verhältnissen soll viel-
mehr ein Konkretes gedanklich entwickelt werden. Wie aber soll
das möglich sein, ohne in den von Hegel wie Marx kritisierten
Fehler zu verfallen, "daß der Anfang (der Synthese - d.V.) zwar
von einem Allgemeinen gemacht wird, die Vereinzelung und Konkre-
tion desselben aber nur eine Anwendung des Allgemeinen auf an-
derswoher hereinkommenden Stoff ist". 53) Es ist in der Tat nicht
zu sehen, wie dies vermieden werden kann, wenn das Allgemeine,
von dem die Synthese ausgeht, nur abstrakt Allgemeines ist. (Von
k = mb - vgl. die 2. und 4. Definition der 'Principia' Newton's -
ist in der Tat nur in der kritisierten Weise zu irgendeinem kon-
kreten Phänomen der Dynamik zu gelangen; dasselbe gilt übrigens
für den Versuch, aus einem der Grundgesetze der Dialektik irgend-
einen wirklichen Prozeß ableiten zu wollen; es ist daher kein Zu-
fall, wenn diese Grundgesetze immer nur durch Exempel verdeut-
licht werden können.)
Diese Sackgasse entsteht durch das, was als methodischer Schein
bezeichnet wurde; dieser besteht logisch in folgendem. In der
wissenschaftlichen Analyse - dies unterscheidet sie von der vor-
wissenschaftlichen - werden die untersuchten Eigenschaften be-
stimmter Dinge gedanklich so transformiert, daß sie sich nicht
länger als Momente dieser Dinge, sondern als Momente eines we-
sentlichen Zusammenhangs solcher Momente darstellen; sie
e r s c h e i n e n im Resultat der Analyse nicht als Dingeigen-
schaften, sondern als Momente eines gesetzmäßigen Wirkzusammen-
hangs (so etwa die Gewichts- oder Schwereeigenschaft eines kör-
perlichen Dings in jenem k = mb als Moment eines gesetzmäßigen
Zusammenhangs mit den Momenten Kraft und Beschleunigung). Diese
Erscheinungsweise des Analyseresultats ermöglicht den Schein, als
könne auch davon abstrahiert werden, daß jene Momente eines ge-
setzmäßigen Wirkzusammenhangs tatsächlich nur als Wirkeigenschaf-
ten von Dingen wirksam sind (die Verwechslung, um die es sich lo-
gisch handelt, besteht also darin, daß die Abstraktion davon, daß
die untersuchten Momente Eigenschaften b e s t i m m t e r Din-
ge sind, für die Abstraktion vom Eigenschaftscharakter überhaupt
genommen wird). Natürlich kann man davon abstrahieren, daß jene
Momente nur als Eigenschaften von Dingen überhaupt wirken; bloß
eine an wirklicher Erklärung interessierte Wissenschaft, die
nicht beim bloß Möglichen stehen bleiben, sondern zur syntheti-
schen Entwicklung eines Konkreten fortschreiten will, kann nicht
davon abstrahieren. Sie hat gerade darin, daß die Momente nur als
Dingeigenschaften wirken, das 'real Mögliche', das zur Notwendig-
keit einer Sache, zum gedanklich rekonstruierten Konkreten als
Einheit von Möglichem und Wirklichem führt. Wenn die einzelnen
Wissenschaften, deren methodisches Bewußtsein im allgemeinen
nicht entwickelter ist als das der hier kritisierten Methodologie
oder Wissenschaftstheorie, an diesem Punkt ihrer Praxis nicht in
die Irre gehen, so liegt das an einem gewöhnlichen Umstand, der
indes an jedem Experiment unschwer zu entdecken ist: Die analy-
sierten Momente sind nur als Dingeigenschaften darstellbar, und
zwar so, daß ein Ding, das das zu untersuchende Moment als seine
Eigenschaft aufweist, als Repräsentant des Moments steht; das ab-
strakt Allgemeine wird also durch ein konkret Einzelnes vertre-
ten.
Dieser Zusammenhang zwischen abstrakt Allgemeinem und konkret
Einzelnem ist für wissenschaftliches Denken insgesamt kennzeich-
nend. Man kann ihn sich daran verdeutlichen, daß die Bedeutung
von ganz und gar formalisierten Aussagen z.B. der theoretischen
Physik nur über den Rückbezug der Aussagenelemente auf die vor-
ausgesetzten Meßoperationen bzw. Experimentalanordnungen eingese-
hen werden kann. Elementar tritt - wie Hegel zeigte - dieser Zu-
sammenhang in der Grundform des Urteils zu tage, die besagt, daß
Einzelnes Allgemeines sei. Der Zusammenhang zwischen abstrakt
Allgemeinen und konkret Einzelnem, der als das konkret Allgemeine
bezeichnet werden soll, tritt uns im Urteil in der Form des Wi-
derspruchs entgegen. Im Unterschied zum abstrakt Allgemeinen
schließt das konkret Allgemeine den Widerspruch nicht aus, son-
dern ein (es ist aus der Sphäre des bloß Möglichen herausgetre-
ten).
Dieser wissenschaftlichem Denken elementar inhärente Widerspruch
bleibt ein Mysterium des Geistes und könnte einem aparten Idea-
lismus als Ausgangspunkt dienen, solange die Wissenschaft als Äu-
ßerung des reinen Geistes begriffen wird; es ist verständlich,
wenn von diesem Standpunkt aus dieser Widerspruch einfach igno-
riert wird. Er verliert alles Geheimnisvolle und wird im Gegen-
teil zu einem außerordentlich wichtigen Leitfaden des Wissen-
schaftsverständnisses, sobald die Wissenschaft der Wirklichkeit
entsprechend als gegenständliche Tätigkeit und als Moment der ge-
sellschaftlichen Arbeit, wenn sie als 'allgemeine Arbeit' begrif-
fen wird. In diesem Widerspruch tritt nämlich nichts anderes als
eben der gegenständliche Charakter dieser Allgemeinen Arbeit' in
Erscheinung. Dies erweist die Repräsentation eines abstrakt All-
gemeinen durch ein konkret Einzelnes: Das Repräsentierende ist
konkret allgemein, nämlich Einheit von abstrakt Allgemeinem und
konkret Einzelnem, in genau der Weise, wie das Werkzeug Einheit
von Subjektivem und Objektivem ist; das Repräsentierende ist Ar-
beitsmittel der 'allgemeinen Arbeit' und stellt die ihm als Ar-
beitsmittel eigene Einheit von Subjektivem und Objektivem als
Einheit von abstrakt Allgemeinem und konkret Einzelnem dar, - wo-
raus nun gerade nicht der Schluß zu ziehen ist, daß also das Ob-
jektive als konkret Einzelnes zu charakterisieren ist, während
das Allgemeine dem Subjekt vorbehalten sei. Das konkret Einzelne
kann nur ein Allgemeines repräsentieren, weil es als eine seiner
Eigenschaften hat, was durch die Analyse als allgemeines Moment
fixiert wird, repräsentierend erweist es die Objektivität und
Wirklichkeit des abstrakt Allgemeinen, aber so, daß es zugleich
zeigt, daß dies abstrakt Allgemeine nur als Moment eines konkret
Einzelnen wirklich ist.
Kommen wir von hier aus auf die Frage zurück, ob die nicht-histo-
rischen Wissenschaften dialektisch sind, so können wir darauf
zunächst die Antwort geben, daß es eine sinnlose Frage ist, so-
lange diese Wissenschaften nicht in ihrem gegenständlichen Cha-
rakter erfaßt werden. Betrachtet man sie als Äußerungen des rei-
nen Geistes, so hat man gerade eine Abstraktion vollzogen, auf-
grund derer sie in der Form der "bloßen Möglichkeit" erscheinen,
und d.h. unter Ausschluß des Widerspruchs, also undialektisch.
Die dialektischen Widersprüche; die sich dann dennoch zeigen kön-
nen, etwa in der Elementarform des Urteils, müssen auf dieser
Grundlage als Mysterium gelten. Die Auffassung der Wissenschaft
als 'allgemeine Arbeit' ist die Grundlage, um die Wissenschaften
als einen Prozeß überhaupt zu thematisieren, der dialektisch zu
begreifen ist.
10.
Die Ausarbeitung der von Marx - trotz des von Jungnickel veröf-
fentlichten Manuskripts - ja nur umrissenen Auffassung der Wis-
senschaft als 'allgemeiner Arbeit' ist ein Desiderat, auf das
auch hier nur als eine wichtige Aufgabe hingewiesen werden kann.
Die Erträge, die davon für die dialektisch materialistische Theo-
rie zu erwarten sind, lassen sich schon an der Relevanz dieser
Auffassung für die materialistische Widerspiegelungstheorie erse-
hen. Ist die Repräsentation eines Allgemeinen durch ein konkret
Einzelnes als ein m a t e r i e l l e s Abbild zu begreifen,
das als Arbeitsmittel der Allgemeinen Arbeit' Einheit von Subjek-
tivem und Objektivem ist, so läßt sich auf dieser Grundlage nicht
nur jede mechanische Verkürzung der Widerspiegelungstheorie ab-
wehren, sondern auch über die Versicherung wirklich hinauskommen,
daß die Widerspiegelung als Einheit von aktiven und passiven Mo-
menten zu begreifen sei; der Freundeskreis zur Vernichtung der
Widerspiegelungstheorie erhält aber die Aufgabe, seinen Feldzug
gegen die wissenschaftlichen Etalons zu richten.
Diese Ausarbeitung 54) kann sich natürlich nicht damit begnügen,
die für Arbeit überhaupt charakteristische Trias Arbeitsgegen-
stand - Arbeitsmittel - Tätigkeit auch für die wissenschaftliche
Tätigkeit nachzuweisen und im übrigen die differentia specifica
gegenüber der nicht-allgemeinen Arbeit herauszuarbeiten. So wich-
tig dies ist, insbesondere die Klarstellung, daß die Wissenschaft
als konkret allgemeine Arbeit vom Tauschwert als abstrakt allge-
meiner zu unterscheiden ist und daß sie sich dementsprechend von
den anderen Arbeiten nicht als von abstrakt einzelnen, sondern
als von konkret einzelnen unterscheidet, so präliminaren Status
haben solche Klarstellungen doch zugleich. Als dialektisch zu be-
greifender Prozeß kommt die Wissenschaft erst wirklich in den
Blick, wenn die 'allgemeine Arbeit' Wissenschaft in ihrem Zusam-
menhang mit der gesellschaftlichen Arbeit, wenn sie als das kon-
kret allgemeine Moment des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses
gesehen wird. Sie ist als eine besondere Form des intellektuellen
Moments der Arbeit zu begreifen.
Damit, nämlich mit der besonderen Weise, in der die Wissenschaft
intellektuelles Moment der Arbeit ist, tritt der historische Cha-
rakter der Wissenschaft ins Blickfeld, wird die Wissenschaft erst
in umfassender Weise als dialektisch zu begreifender Prozeß
Thema. Wissenschaft tritt als intellektuelles Moment der Arbeit
zur Erfahrung hinzu und überwiegt allmählich, wenn die Produktion
auf der Grundlage der Erfahrung als ihr intellektuelles Moment
die sachlichen wie gesellschaften Bedingungen hervorgebracht hat,
Naturkräfte in allgemeiner Form in Produktionsagenten zu verwan-
deln. Die Industrialisierung ist der Prozeß, in dem die Wissen-
schaft intellektuelles Moment der Arbeit wird. 55) In der allge-
meinen Form, in der Naturkräfte auf der Grundlage der Wissen-
schaft als intellektuelles Moment der Arbeit zu Produktionsagen-
ten werden, ist der historische Charakter des Wissenschaftspro-
zesses zunächst in seiner spezifischen Weise zu begreifen.
Es ist die der Produktion nutzbar gemachte Erkenntnis, wie Natur-
kräfte allgemein wirken, d.h. nicht nur in ihrer Erscheinungs-
weise als einzelne Wirkverhältnisse zwischen bestimmten Dingen,
was davon sprechen läßt, daß die industrielle Produktion Natur-
kräfte in allgemeiner Form zu Produktionsagenten macht. Die Un-
terscheidung zwischen Erfahrung und Wissenschaft als Formen des
intellektuellen Moments der Arbeit ist so zwar präzise zu tref-
fen: immer wenn Eigenschaften isoliert von ihrem "natürlichen"
Zusammenhang an einem bestimmten Ding betrachtet und gedanklich
in Momente eines Wirkzusammenhangs transformiert werden, der ihre
Wirkverhältnisse allgemein darstellt, nämlich nicht fixiert an
der konkret einzelnen Wirkweise, die diese Momente als Eigen-
schaften bestimmter Dinge zeigen, hat das intellektuelle Moment
der Arbeit die Form der Erfahrung überschritten; aber es wird
doch auf der anderen Seite sofort sichtbar, wie historisch rela-
tiv die Allgemeinheit dieser Nutzung von Naturkräften ist.
Von der konkret einzelnen Wirkweise absehen zu können, die die
jeweils untersuchten Momente als Eigenschaften bestimmter Dinge
zeigen, das setzt ja weniger scholastische Distinktionskraft und
Subtilität als vielmehr die praktische Fähigkeit voraus, die be-
treffenden Momente als Eigenschaften möglichst vieler verschied-
ner bestimmter Dinge realiter darstellen zu können. Wenn z.B. die
Menschen in der Produktion im wesentlichen nur tierische und men-
schliche Leibeskräfte als Antrieb zu nutzen vermögen, besagt das
Wort Kraft nicht nur etwas anderes als etwa heute, da Wind-, Was-
ser-, Wärme-, Atomkraft etc. genutzt werden; unter jenen Bedin-
gungen ist Kraft auch keiner wissenschaftlichen Erfassung zugäng-
lich. Das mit dem Wort Kraft Gemeinte läßt sich unter diesen Be-
dingungen nicht unabhängig von seiner Erscheinung als Eigenschaft
animalischer Wesen fassen, und jede Bezeichnung sonstiger Bewe-
gungsursachen als Kraft ist - wie an der Impetusphysik zu studie-
ren - notwendig metaphorisch. Die selbstverständlich immer histo-
risch-relative, d.h. nie abgeschlossene reale, nämlich praktische
Fähigkeit, denselben Effekt aus immer weiteren verschiedenen
dinglichen Wirkzusammenhängen ziehen zu können, diese praktische
Substitutionsfähigkeit bestimmt als Realvoraussetzung der wissen-
schaftlichen Analyse in ihrer historischen Entwicklung die der
wissenschaftlichen Erkenntnis. Wie die Geschichte der Physik hin-
sichtlich des Kraft-Begriffs weiterhin zeigt, setzt die Bildung
eines Begriffs, der nicht nur die Äquivalenz der verschiedenen
Kräfte, sondern sie als Formen eines Identischen darstellt, vor-
aus, daß die verschiedenen Kräfte nicht nur wechselseitig substi-
tuiert, sondern ineinander verwandelt werden können (der Energie-
begriff auf der Grundlage der Thermodynamik). Marx hat hinsicht-
lich der Politischen Ökonomie den gleichen Sachverhalt an den hi-
storischen Bedingungen für die Bildung eines konkret allgemeinen
Begriffs der Arbeit vorgeführt. 56)
Von der Historizität der Wissenschaft als besondere Form des in-
tellektuellen Moments der Arbeit aus ist die Wissenschaft als
dialektisch zu begreifender Prozeß also nicht nur in der Weise zu
erschließen, daß man sie ganz allgemein und unspezifisch als Mo-
ment des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses begreift und sie so
an der dialektisch zu rekonstruierenden Entwicklung dieses Ar-
beitsprozesses gewissermaßen teilhaben läßt. Von dieser histori-
schen Dimension her zeigen sich vielmehr gerade auch die spezi-
fisch wissenschaftlichen Entwicklungen, die Begriffs- und Theo-
riebildung, als dialektisch zu begreifende Prozesse. Die so in
den Blick kommende Historizität wissenschaftlicher Theorie- und
Begriffsbildung, von der in den gewöhnlichen methodologischen Un-
tersuchungen abgesehen wird, muß von denen als ein primäres Un-
tersuchungsgebiet angesehen werden, die etwas über den dialekti-
schen Charakter der Wissenschaften ausmachen wollen. Und dies
gilt nicht nur hinsichtlich der Bildung wissenschaftlicher Be-
griffe, Hypothesen, Theorien etc., sondern für die wissenschaft-
liche Methodik selbst. Die Frage, ob die Wissenschaften ihren Ge-
genstand dialektisch zu begreifen haben, erhält in der histori-
schen Dimension, die in der Erfassung der Wissenschaft als beson-
derer Form des intellektuellen Moments der Arbeit zu gewinnen
ist, die Grundlage ihrer Beantwortung.
11.
Die Frage, ob die Wissenschaften ihren Gegenstand dialektisch zu
begreifen haben, ist zum einen identisch mit der Frage, ob sie
ihn als historischen zu begreifen haben; hinsichtlich der hier in
den Vordergrund gestellten nicht-historischen Naturwissenschaften
bedeutet diese Frage also, ob diese sich zu historischen Wissen-
schaften entwickeln müssen. Da dies selbstverständlich keine nor-
mative Forderung sein kann, keine Frage des Sollens, richtet sich
die Frage auf die immanenten Entwicklungstendenzen dieser Wissen-
schaften, und zwar in materialistischer Weise, d.h. auf ihre Ent-
wicklungstendenzen als intellektuelles Moment der industriellen
Produktion.
Angesichts der unleugbaren Tatsache, daß die nicht-historischen
Naturwissenschaften als intellektuelles Moment der Arbeit in den
vergangenen 250-300 Jahren die welthistorisch wohl einschneidend-
ste Revolutionierung der Produktivkräfte ermöglichten, scheint es
ratsam, sich zunächst darüber zu verständigen, wie sie dies ge-
rade als nicht-historische vermochten.
Die industrielle Produktion kommt, dies ist hier zunächst ins
Auge zu fassen, in einem Moment mit der handwerklichen überein,
in einem Moment, das beide gleichermaßen von der agrarischen Pro-
duktion (Tier- und Pflanzenzucht) auf vorindustrieller Stufe un-
terscheidet. Die agrarische Produktion nützt und modifiziert na-
türliche Produktionsvorgänge, die von Natur aus, also nicht erst
aufgrund der menschlichen Tat stattfinden. Demgegenüber sind die
handwerklichen und industriellen Produktionsprozesse künstlich;
auf so natürliche Weise sie vonstattengehen, so wenig sind es Na-
turprozesse in dem Sinne, daß sie auch (nicht bloß einmal zufäl-
lig) von Natur aus, ohne initiierende und erhaltende Tat des Men-
schen stattfinden. Muß sich dementsprechend die agrarische Pro-
duktion zu den von ihr genutzten Naturpotenzen pflegend verhal-
ten, d.h. ihr natürliches Werden zumindest nicht beeinträchtigen
und womöglich zu fördern versuchen und kann sie so von der natür-
lichen Genese ihrer objektiven Bedingungen nicht abstrahieren
(sowenig sie auf vorindustrieller Stufe zur wissenschaftlichen
Erfassung der Genese dieser Bedingungen in der Lage ist), beruhen
andererseits handwerkliche und industrielle Produktion gerade auf
dieser Abstraktion. Sie negieren, d.h. zerreißen nicht allein den
natürlichen Entstehungs- und Erhaltungszusammenhang ihrer Mate-
rialien bei deren Aneignung für die Produktion; auch ihre ideelle
Erfassung der zu nutzenden natürlichen Wirkzusammenhänge beruht
auf dieser Negation. Zwar ist diese denkende Erfassung einer Sa-
che ebenfalls genetisch, nur, sie reproduziert nicht die natürli-
che Genese einer Sache, sondern ihre Entstehung im Arbeitsprozeß.
Eine Sache erklären ist gleichbedeutend mit der ideellen Rekapi-
tulierung ihrer Herstellung in Arbeit. Wie am fundamentalen, mit
dem Namen des Prometeus, dem "vornehmsten Heiligen und Märtyrer
im philosophischen Kalender" (Marx), 57) verbundenen Übergang von
der Nutzung natürlich entstandenen Feuers zu seiner Erzeugung
durch menschliche Arbeit ersichtlich, richtet sich das intellek-
tuelle Moment der nicht-agrarischen Produktion nicht auf die na-
türliche Entstehung von Sachen, sondern auf die Bedingungen ihrer
Herstellung.
Diese Bedingungen sind selbstverständlich nicht unnatürlich; aber
sie sind nicht identisch mit denen, unter denen die Sache auch
von Natur aus entsteht. Sind es anfangs nur andere, vom Menschen
beherrschbare Bedingungen, unter denen die Sache neben ihrer na-
türlichen Entstehung 'auch' entsteht, nämlich hergestellt wird,
so ist darin bereits der Keim einer Verallgemeinerung enthalten,
von der her die natürliche Genese von Sachen als besonderer Fall
ihrer Herstellung aus ihren allgemeinen Bedingungen erscheinen
wird; d.h. aber, der Keim für die wissenschaftliche Erfassung der
natürlichen Genese. Es ist also gerade die der handwerklichen und
industriellen Produktion eigentümliche Abstraktion von der natür-
lichen Genese der Naturdinge die Voraussetzung und Grundlage,
diese Genese wissenschaftlich erfassen zu können. Diese Grundlage
ist freilich erst realisiert, wenn das intellektuelle Moment der
Produktion wissenschaftliche Form erreicht hat, d.h. auf der
Stufe industrieller Produktion. Die wissenschaftliche Erfassung
natürlicher Genesen spielt jedoch für die industrielle Produktion
zunächst eine untergeordnete Rolle. Sie beginnt damit, wie die
handwerkliche Produktion in ihren Materialien Resultate von Na-
turprozessen zu nutzen, ohne sich um deren Genese viel zu küm-
mern; aufgrund ihrer wachsenden Einsicht in die allgemeine Form
von natürlichen Wirkzusammenhängen gestaltet sie Produktionspro-
zesse, in denen eine zweite, durch die Tat des Menschen bedingte
Naturproduktion entsteht. Natürliche Produktion im Sinne eines
von Natur aus stattfindenden Vorgangs wird neben dieser zweiten
Naturproduktion zunehmend "antiquiert" (G. Anders) und vernach-
lässigbar. Die Historie der Natur scheint in den entsprechenden
Abteilungen von Astrophysik, Geologie und Biologie nicht nur hin-
reichend berücksichtigt, sondern auch die sonstige Naturwissen-
schaft durch diese Abteilungen von ihr entlastet.
Die Ausbeutung der Erde auf industrieller Produktionsstufe und
die Errichtung jener zweiten Naturproduktion drängt jedoch die
erste nicht nur in den Hintergrund; beides zusammen stellt viell-
mehr einen Eingriff in jene erste Naturproduktion dar, der sie
modifiziert, und zwar in zunehmender Weise so, daß sie die Resul-
tate nicht mehr hervorzubringen droht, die elementare Bedingungen
des menschlichen Organismus wie der von ihm errichteten zweiten
Naturproduktion sind und die unter der Drohung ihres Versiegens
als solche Bedingungen ins Bewußtsein treten.
Wenn so die Natur erneut als "erste Quelle" (Marx) 58) des Lebens
und der Arbeit hervortritt, so zugleich in einer von allen frühe-
ren geschichtlichen Stufen qualitativ unterschiedenen Weise. Sie
ist "erste Quelle" nicht mehr im Sinne der Lebensspenderin, deren
geheimnisvolles Erzeugen mit frommer Scheu gefördert, nicht aber
durch vorwitzigen Eingriff beeinträchtigt werden darf, und sie
ist es nicht mehr allein als Arsenal von Materialien und als
Reich zu nutzender gesetzmäßiger Wirkzusammenhänge; es zeigen
sich vielmehr auf dieser Stufe bestimmte Charaktere ihrer terri-
stischen Gestaltung (z.B. Temperatur, chemische Zusammensetzung
der Atmosphäre etc.) als b e s o n d e r e Bedingungen von
insofern a l l g e m e i n e m Status, als die Anwendung der
Naturkräfte in allgemeiner Form von ihnen in der Praxis nur unter
Bedrohung der Gattungsexistenz abstrahieren kann. Was hier der
Verallgemeinerung (in der Praxis) scheinbar eine Grenze setzt,
ist nicht die Beschränktheit des Planeten Erde; es ist vielmehr
der Mensch selbst, der von sich als Naturwesen nicht abstrahieren
kann (man braucht nur an die Geschichte der christlichen Religion
oder an die Methoden der Erzielung des absoluten Mehrwerts zu
denken, um zu wissen, unter welchen gesellschaftlichen Bedingun-
gen die natürliche Existenz des Menschen 'dem' Menschen als eine
Grenze erscheint). Die metaphysische Trennung von Natur- und Hu-
manwissenschaften ist nicht mehr aufrecht zu erhalten.
Wir sagten, daß die Wissenschaften in ihrem wirklichen Vollzug -
anders als in den Augen bestimmter Wissenschaftstheorien - Allge-
meines nur in Einheit mit konkret Einzelnem darzustellen vermögen
und nur aufgrund dessen zur (gedanklichen) Entwicklung eines Kon-
kreten aus allgemeinen Wirkzusammenhängen gelängen. Wir sagten
weiterhin, daß die wissenschaftliche Erfassung solcher allgemei-
nen Wirkzusammenhänge ein historischer Prozeß ist, der von der
praktischen Substituierbarkeit der die Momente der allgemeinen
Wirkzusammenhänge repräsentierenden einzelnen Konkreta und
schließlich von deren Umwandlung ineinander bedingt ist. Die na-
türlichen Genesen konkreter Sachverhalte werden auf diese Weise
zu einem speziellen Fall der Entwicklung eines Konkreten aus sei-
nen allgemeinen Bedingungen; d.h., der historische Prozeß der
wissenschaftlichen Erfassung allgemeiner Wirkzusammenhänge beruht
auf der Abstraktion von solchen natürlichen Genesen als Entwick-
lungen, deren besondere Bedingungen nicht durch andere, und die
insofern selbst nicht durch andere substituiert werden können. -
Unauflöslich ist also in dieser Wissenschaftsentwicklung der Zu-
sammenhang zwischen abstrakt Allgemeinem und seiner Repräsenta-
tion durch konkret Einzelnes; die Entwicklungsrichtung bestand
darin, wirkliche Allgemeinheit durch universelle Substituierbar-
keit der Repräsentanten zu erreichen, nicht an besondere konkret
Einzelne als Repräsentanten gebunden zu sein. In der eben skiz-
zierten Situation der industriellen Produktion treten nun aber
gerade besondere, bestimmte konkret einzelne Bedingungen in den
Blick, deren Substituierbarkeit zwar theoretisch möglich ist,
aber nur unter Abstraktion vom Menschen als Naturwesen, also un-
ter Bedrohung seiner Existenz. Hier zeigt sich also ein Maß- und
Knotenpunkt der Entwicklungsrichtung der wissenschaftlichen Ver-
allgemeinerung. Die n a t ü r l i c h e n Entstehungs- und Er-
haltungsbedingungen des Naturwesens Mensch, dessen Äußerung die
Wissenschaft ist, bilden in ihrer unsubstituierbaren Besonder-
heit, bilden als b e s t i m m t e einzelne Konkreta einen un-
auflöslichen Zusammenhang mit dem Allgemeinen.
Greifen wir auf unsere Unterscheidung zwischen erster und zweiter
Naturproduktion zurück, so bedeutet dies, daß die erste Natur als
Produzentin bestimmter Existenzbedingungen des Naturwesens Mensch
durch die Gestaltung der zweiten Natur erhalten und gefördert
werden muß; die erste Natur ist aus einer externen Bedingung des
Menschen und der von ihm ins Werk gesetzten zweiten Natur in eine
Voraus - s e t z u n g zu verwandeln; sie ist durch eine ihre
Reproduktion gewährleistende Gestaltung der zweiten Natur zu ei-
nem dieser internen Moment zu machen. Der Gegenstand der Natur-
wissenschaften kommt als historischer insofern in den Blick, als
die Naturwissenschaft als intellektuelles Moment der gesell-
schaftlichen Produktion auf dieser Entwicklungsstufe von den na-
türlichen Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen bestimmter Exi-
stenzmomente der Menschengattung nicht nur nicht abstrahieren
darf, sondern deren natürliche Reproduktion gewährleisten muß.
12.
Wie schon die Aufhebung der metaphysischen Trennung zwischen Na-
tur- und Humanwissenschaften, deren Notwendigkeit sich in dieser
Entwicklung abzeichnet, indiziert, ist die skizzierte immanente
Tendenz der Wissenschaften, ihren Gegenstand dialektisch zu be-
greifen, eine Tendenz der arbeitsteiligen Totalität der Wissen-
schaften als intellektuelles Moment der industriellen Produktion
auf der heutigen Entwicklungsstufe. Die Realisation dieser Ten-
denz ist unauflöslich mit der Überführung dieses intellektuellen
Moment aus einer naturwüchsigen in eine bewußte und beherrschte
Totalität verbunden. Von hieraus wird erst voll ersichtlich, daß
es Engels nicht um ein kontemplatives Resümee jeweils post fe-
stum geht, wenn er die "Dialektik als Wissenschaft vom Gesamtzu-
sammenhang" definiert. Genau im Hinblick auf diese Realisation
kommt der dialektisch materialistischen Theorie ihre temporäre
besondere Rolle zu. "Sobald an jede einzelne Wissenschaft die
Forderung herantritt, über ihre Stellung im Gesamtzusammenhang
der Dinge und der Kenntnis von den Dingen sich klar zu werden,
ist jede besondere Wissenschaft vom Gesamtzusammenhang überflüs-
sig." 59) Sie ist aber gerade nicht überflüssig zur Erreichung
dieses "sobald".
Nun ist nicht länger davon zu abstrahieren, daß die Realisation
des intellektuellen Moments der gesellschaftlichen Produktion als
bewußte und beherrschte Totalität nichts geringeres voraussetzt
als die Realisation des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters als
sich selbst bestimmende Totalität, d.h. als sozialistisches Ge-
meinwesen. So wird auch klar, daß bei dieser Realisation das Ver-
hältnis der dialektisch materialistischen Theorie zu den Wissen-
schaften nicht dasselbe sein kann in industriellen Gesellschaf-
ten, von denen die eine noch vom Privateigentum an den Produkti-
onsmitteln und die andere bereits durch das Gemeineigentum an ih-
nen bestimmt ist. Während im zweiten Fall der Beitrag der dialek-
tisch materialistischen Theorie zur Realisation des intellektuel-
len Moments der Arbeit in seiner Totalität als beherrschtes all-
gemeines Moment der Arbeit des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters
auf der Grundlage des Gemeineigentums an den Produktionsmitteln
gewissermaßen konstruktiv, im Rahmen der planmäßigen Entwicklung
der Produktion und des gesellschaftlichen Lebens erfolgen kann
(womit er selbstverständlich nicht auch gleich ein Kinderspiel
wird), muß er in der kapitalistischen Gesellschaft notwendig Züge
einer Wissenschafts-Kritik haben. Es ist in diesem Zusammenhang
von großer Bedeutung, wenn Lenin das Verhältnis der dialektisch
materialistischen Theorie zur modernen Naturwissenschaft als ein
"Bündnis" charakterisierte. 60) Es handelt sich bei der geforder-
ten Wissenschafts-Kritik nicht um Ideologiekritik im Sinne der
Frankfurter Schule oder des Wahren Deutschen Sozialismus, als
hätten sich die Wissenschaften irgendetwas "aus dem Kopf zu
schlagen" oder als seien sie auf irgendeine philosophische Lehre
einzuschwören. Es geht vielmehr um insofern immanente Kritik, als
es Charakter und Tendenz der Wissenschaften als intellektuelles
Moment der industriellen Produktion auf ihrer heutigen Entwick-
lungsstufe selbst sind, von wo aus die Naturwüchsigkeit zu kriti-
sieren ist, die den Zusammenhang der Wissenschaften mit der mate-
riellen Produktion wie der Wissenschaften untereinander auf der
Grundlage des Privateigentums an den Produktionsmitteln auszeich-
net. Es geht also in dieser Kritik um die Mobilisation des Wider-
spruchspotentials der Wissenschaften als Moment der gesellschaft-
lichen Produktivkräfte gegen die sie und ihre Entfaltung fesseln-
den kapitalistischen Produktionsverhältnisse und in diesem Sinne
um die Realisation eines Bündnisses.
Als diese immanente Kritik ist die dialektisch materialistische
Theorie gehalten, den ideellen Niederschlag jener Naturwüchsig-
keit in Begriffsbildungen, Methodenreflexionen, Wissenschafts-
theorie etc. aufzudecken und den von dieser Naturwüchsigkeit und
ihrem Reflex überdeckten konkreten Gesamtzusammenhang zwischen
der materiellen Produktion und ihrem intellektuellen Moment wie
zwischen den Gliedern dieses Moments, den Wissenschaften, positiv
aufzuzeigen, und zwar gerade auch in der Herausarbeitung der die-
sem Zusammenhang angemessenen theoretischen Formen. Diese viel-
leicht dem ersten Blick wie traditionelle Philosophie oder Wis-
senschaftstheorie erscheinende Aufgabe steht nicht als eine Al-
ternative zum politischen Charakter der dialektisch materialisti-
schen Theorie in der kapitalistischen Gesellschaft, sondern ist
vielmehr ein, wenn nicht sogar das hauptsächliche Feld der Bewäh-
rung dieses Kampfcharakters. Dafür, daß diese Aufgabe nicht nach
Art traditioneller Philosophie oder Wissenschaftstheorie erfüllt
wird, ist die Auffassung der Wissenschaften als allgemeines Mo-
ment der gesellschaftlichen Arbeit auf industrieller Stufe die
Grundlage; diese Grundlage ist freilich konkret auszuarbeiten, um
jene immanente Kritik wirklich führen zu können.
_____
1) Marx Engels Werke (MEW), Berlin (DDR) 1957., Bd. 20, S. 307.
2) K. Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Ber-
lin (DDR) 1953, S. 7.
3) MEW Bd. 23, S. 192.
4) MEW Bd. 19, S. 15.
5) Grundrisse, a.a.O., S. 12.
6) Ebenda.
7) P. Ruben: Von der 'Wissenschaft der Logik' und dem Verhältnis
der Dialektik zur Logik, in: H. Ley (Hrsg.): Zum Hegelverständnis
unserer Zeit, Berlin (DDR) 1972, S. 89.
8) Grundrisse, a.a.O., S. 15.
9) P. Ruben: Von der 'Wissenschaft der Logik'..., a.a.O., S. 91.
10) P. Ruben: Wissenschaft als allgemeine Arbeit, in: SOPO Nr.
36, S. 25.
11) Ebenda.
12) Vgl. zum folgenden: Grundrisse, a.a.O., S. 21 ff.
13) P. Ruben: Wissenschaft als allgemeine Arbeit, a.a.O., S. 15.
14) G.W.F. Hegel: Einleitung in die Geschichte der Philosophie,
Hamburg 1966, S. 100/1.
15) Grundrisse, a.a.O., S. 22.
16) MEW Erg. Bd. 1. Teil, S. 574, Anm. 7/2.
17) G.W.F. Hegel: Werke (HW), Frankfurt/M. 1969 ff., Bd. 8, S.
380.
18) Ebenda, S. 109.
19) Ebenda, S. 169.
20) Ebenda, Bd. 6, S. 510.
21) Ebenda, S. 511.
22) Ebenda, S. 548 ff., bes. S. 551 u. S. 565/6.
23) MEW Erg. Bd. 1. Teil, S. 584; MEW Band 1, S. 213.
24) HW Band 6, S. 489 ff. u. S. 527.
25) Ebenda, Bd. 8, S. 381.
26) Ebenda, Bd. 6, S. 259.
27) MEW Erg. Bd. 1. Teil, S. 585.
28) Ebenda, S. 584 f.
29) Vgl. MEW Bd. 1, S. 267 u. S. 212.
30) Ebenda, u.a., S. 286 f.
31) Ebenda.
32) Vgl. P. Ruben: Die materialistische Dialektik und ihre Grund-
gesetze, in: Gesetz-Erkenntnis-Handeln, Berlin (DDR) 1972, S. 158
ff.
33) F. Engels: MEW Bd. 20, S. 131/2.
34) W.I. Lenin: Konspekte zur 'Wissenschaft der Logik', in: Werke
(LW), Bd. 38, S. 131.
35) Vgl. Grundrisse, a.a.O., S. 21-31.
36) Ebenda, S. 364.
37) Ebenda, S. 365.
38) Ebenda, S. 27.
39) Vgl. zum folgenden insbesondere: K. Holzkamp: Sinnliche Er-
kenntnis, Frankfurt/M. 1973; A.N. Leontjew: Probleme der Entwick-
lung des Psychischen, Frankfurt/M. 1973; V. Schurig: Naturge-
schichte des Psychischen 2, Frankfurt/M. 1975; ders.: Die Entste-
hung des Bewußtseins, Frankfurt/M. 1976.
40) Grundrisse, a.a.O., S. 88.
41) Ebenda, S. 6.
42) R. Alt: Vorlesungen über die Erziehung auf frühen Stufen der
Menschheitsentwicklung, Berlin (DDR) 1956, S. 26.
43) MEW Bd. 20, S. 20 ff., S. 129 u.a.O.m.
44) LW Bd. 38, S. 338.
45) MEW Bd. 20, S. 307.
46) MEW Bd. 25, S. 113.
47) MEW Bd. 20, S. 131 f.
48) Ebenda, S. 129.
49) Ebenda, S. 24.
50) HW Bd. 8, S. 282.
51) Ebenda, S. 287.
52) Ebenda, S. 147.
53) HW Bd. 6, S. 532; für Marx vgl. z.B. Grundrisse, a.a.O., S.
161.
54) Vgl. hierzu P. Ruben: Wissenschaft als allgemeine Arbeit,
a.a.O.
55) Vgl. MEW Bd. 23, Kap. 13.
56) Grundrisse, a.a.O., S. 24 f.
57) MEW Erg. Bd. I, S. 263.
58) MEW Bd. 19, S. 15.
59) MEW Bd. 20, S. 24.
60) LW Bd. 33, S. 218 f.
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