Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1977


       zurück

       Alessandro Mazzone
       

DER KAPITALFETISCHISMUS: ÜBER GRUNDFRAGEN EINER MATERIALISTISCHEN IDEOLOGIETHEORIE (I)

"Meine analytische Methode... geht nicht aus von dem Menschen, sondern (von) der ökonomisch gegebenen Gesellschaftsperiode", K. Marx: Randglossen zu A. Wagner. "Da der Denkprozeß selbst aus den Verhältnissen herauswächst, selbst ein N a t u r p r o z e ß ist, so kann das wirklich begreifende Denken ... (sich) nur gra- duell, nach der Reife der Entwicklung, also auch des Organs, wo- mit gedacht wird ... unterscheiden", K. Marx an Kugelmann, 11. Juli 1868. In diesem Aufsatz wird versucht: 1. In Abgrenzung von der Hegel- schen Vermittlung von "Natur" und "Geist" in der "Idee" die theo- retische Fragestellung einer materialistischen Theorie der re- alen, historisch existierenden Ideologien zu umreißen. Diese sind T e i l der Klassengesamtverfassung einer Gesellschaft, und als (gesellschaftliches) Bewußtsein zugleich F o r m der Klassenhe- gemonie und historische Vermittlung von E r k e n n t n i s. Die einleitende Erinnerung der Position Hegels in dieser Frage soll verdeutlichen, daß als Alternative zu den mystisch-subjekti- vischen Kulturphilosophien oder den positivistischen Wissensso- ziologien - wie sie sich in der bürgerlichen Philosophie der nachliberalen Epoche entwickelt haben - nur eine dialektische Theorie die Ideologie als Erkenntnis u n d als Boden geschicht- licher Auseinandersetzungen begreifen und somit materialistische Forschungskategorien ausarbeiten kann. 2. Die ideologische Aus- einandersetzung findet massenhaft und tagtäglich im politischen und kulturellen Kampf statt. Die Theorie kann diesen Prozeß na- türlich niemals ersetzen, wohl aber S t r u k t u r e n seines Ablaufs als Forschungshypothesen bestimmen. Allerdings muß dies zunächst auf einer "hohen" Ebene der Abstraktion geschehen, die in einem Prozeß zum Konkreten gelangt, der ebenso Forschung wie Kampf ist. 3. Es wird daher versucht, die Marxsche Kategorie des Kapitalfetischismus als eine solche Struktur des (historisch mög- lichen) Bewußtseins ("Formalstruktur") nachzuzeichnen. Die diesem Vorhaben unterliegende methodische Position hinsichtlich der In- terpretation des "Kapitals" wird gesondert dargelegt. 4. Die Ka- tegorien der "Oberfläche" der kapitalistischen Produktion als n o t w e n d i g e E r s c h e i n u n g s f o r m e n (d.h. Formen der Subjektualität einer kapitalistischen Gesellschaft in abstracto) werden skizziert. 5. Abschließend werden Konsequenzen kurz erörtert, die sich hinsichtlich der Anwendung dieser Katego- rien ergeben können. I. Im Prozeß des Erkennens "im allgemeinen" - schreibt Hegel (Enz. § 225) - sind der Gegensatz und die Einseitigkeit der Subjektivität und der Objektivität a n s i c h aufgehoben. Es ist dies eine "gedoppelte, als verschieden gesetzte Bewegung": Aufhebung der subjektiven Einseitigkeit der Idee einerseits als "Aufnahme der seienden Welt in sich", Arbeit der "als Verstand tätigen Ver- nunft" (226); Aufhebung andererseits der ebenso einseitigen ob- jektiven Welt a l s S c h e i n einer "Sammlung von Zufällig- keiten", über das reine a n s i c h hinaus entfaltet sich je- doch diese doppelte Bewegung erst in Erkenntnis und Tun als Ge- schichte, worin die Idee an und für sich seiende Einheit der Ur- teile der "Identität" und des "bestimmten Unterscheidens" wird, indem sie sich die Zeit gibt, und zwar als ihre eigene Vermitt- lung. In der mehr exoterischen Form der E i n l e i t u n g zu den V o r l. ü b. G e s c h. d e r P h i l. (18, 55) heißt es dazu: "Was die Langsamkeit des Weltgeistes betrifft, so ist zu bedenken, daß er nicht pressiert, nicht zu eilen und Zeit genug hat, 'Tausend Jahre sind vor Dir wie ein Tag': er hat Zeit genug, eben weil er selbst außer der Zeit, weil er ewig ist". Jene Ver- mittlung ist jedoch erst f ü r d e n B e g r i f f, da die Idee "frei für sich existiert" (Enz. § 223), oder "die Allgemein- heit zum Element ihrer Existenz hat" (Vgl. § 221 Zus.). Nur weil die Vermittlung und der Tod des Individuums "Befreiung" sind "Idee des Lebens" (§ 222; vgl. die Diremtion der Gattung der Ar- ten, 368), "freie Gattung" die "für sich selbst in Existenz" tritt, kann jene Geschichtlichkeit der Idee überhaupt entstehen: "der Tod der nur unmittelbar einzelnen Lebendigkeit ist das H e r v o r g e h e n d e s G e i s t e s" (222). D a m i t allerdings wird es der philosophischen Reflexion dieses Übergan- ges auch möglich, "die Methode" - diese "absolute Kraft" - als "Bewußtsein über die Form der inneren Selbstbewegung ihres (eigenen) Inhalts" als L o g i k darzulegen (WdL, 5, 49). Zu- gleich ist diese sich entfaltende Einheit der wissenschaftlichen und der geschichtlichen Vermittlung von "absoluter Idee" a l s M e t h o d e philosophische Reflexion der Struktur, worin die Person, der "an und für sich seiende unendliche Wille" (RPh, 41) ihren Grund hat: Denn nur insofern die "Subjektivität... (keine) t a b u l a r a s a mehr ist, sich (vielmehr) als bestimmend erweist" (Enz. 232 Zus.) ist "der Übergang von der Idee des Erkennens zur Idee des Wollens" gewährleistet. Die "Erkenntnis des logischen Satzes, daß das Negative ebensosehr positiv ist oder daß das sich Widersprechende sich nicht... in das abstrakte Nichts auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines b e s o n d e r e n Inhalts" (WdL ebenda) ist somit für die philosophische Historiographie Hinweis auf die Konstitution des Geistes als Vermittlung von Gestalten: darin hat sie ihren Grund und - als Reflexion - ihre Selbstbegründung zugleich: denn die Einheit von geschichtlichem und wissenschaftlichem Prozeß erweist sich als Struktur der Reflexion selbst. Dieser doppelten Negation der subjektiven und objektiven Einsei- tigkeit, worin "das Reflexionsverhältnis" selbst gesetzt ist (Enz. § 224), "das Erkennen hergestellt und mit der praktischen Idee vereinigt", "als objektive Welt, deren innerer Grund und wirkliches Bestehen der Begriff ist" (WdL 6, 548), dieser be- grifflichen Erfassung einer notwendigen Vermittlung nun einfach entgegenhalten zu wollen, daß die wirkliche Vermittlung von Er- kennen und Tun in der materiellen Geschichte schon immer gegeben ist, wäre gewiß unzulänglich. Natürlich geht eine materialisti- sche Theorie des Erkennens als eines geschichtlichen Prozesses immer davon aus, daß Erkenntnis als subjektive Tätigkeit I d e o l o g i e ist, Moment des materiellen Geschichtsprozes- ses. 1) Wird aber das Gegebensein der Erkenntnisgestalten positi- vistisch gefaßt als Prinzip ihrer Erfassung, so ist der Anspruch, eine Theorie der Ideologie, die mehr leiste, als etwa eine end- lose Menge von Erfahrungsurteilen aneinanderzureihen, worin der Zusammenhang analogisch wiedergegeben wird, nach welchem jeder Adam X, jedes Individuum "so ist" und also "so spricht", von vornherein unerfüllbar. In jenem Gegebensein der Erkenntnisge- stalten wird nämlich nur ausgesprochen, daß sie Objekte für uns sind, ohne daß diese Reflexion eine andere als mystische Begrün- dung erführe, etwa in der vermeintlichen Homogenität der Objekte des Verstehens mit dem Verstehen selbst, oder nur eine pragmati- sche, wie wohl vornehmlich in der zeitgenössischen empirischen Soziologie. 2) Die Hegelsche Lösung des Problems der Begründung der Reflexion besteht bekanntlich in der Durchführung des philosophischen Prin- zips, worin der kritische Prozeß selbst sich als Vermittlung dar- stellt, der Durchführung also der Reflexion der Reflexion. Die logische These, daß das Negative ebensowohl das Positive sei, daß das Identische auch das Nichtidentische sei, ist "das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen" (WdL, 5, 49). Die Frage ist also hier nicht als eine Frage des spezifisch He- gelschen Systemcharakters des Systems 3) aufzufassen, sondern um- fassender, als die Frage der Art und Weise, in der die wissen- schaftlichen Kategorien erstens gewonnen, zweitens systematisch aufgebaut, drittens historisch verifiziert werden. Denn Hegels Lösung besteht gerade darin, daß dieser Prozeß des wissenschaft- lichen Aufbaus von Abstraktion, Hypothese und Konkretion "an sich oder für uns" zugleich der historische Prozeß ist, und daß die Logik also zugleich Struktur der Wissenschaft und Struktur der Vermittlung als Negation der unmittelbar existierenden Lebendig- keit und Hervorgehen des Geistes ist. Dies bedeutet einerseits, daß die Logik die begründende Einheit von historischer und ideel- ler Wesenheit liefert (weswegen nicht nur die "Substanz Subjekt ist", sondern auch "Gott wirklich", und das Menschliche mensch- lich ist, nur weil es "im Denken bewirkt wird"); andererseits, daß diese Wesenheit, die als reine Form in der Einheit der beiden Urteile der Idee ausgesprochen ist, im Logischen wird, daß also das was Althusser die "appropriation cognitive de l'objet réel de la part de l'objet de la connaissance" genannt hat, 4), sich in einer Welt von Gestalten des Geistes in der Zeit verwirklichen kann. Dieser Methode oder Dialektik gegenüber muß die materiali- stische Kritik einzig und allein fragen, ob sie wirklich die Ver- mittlung leisten kann und zwar so, daß die wissenschaftliche Diairesis tatsächlich glückt, ohne daß ein falsum mobile unterge- schoben wird. Die Marxsche Kritik am "krassen Positivismus und ebenso krassen Idealismus" Hegels setzt also hier ein, derge- stalt, daß es nicht mehr genügt, nachzuweisen, daß es eben bei Hegel eine falsche Diairesis gibt, eine Unterschiebung der Empi- rie, welche den Begriff nur noch "herbeispielt", sondern zu fra- gen ist, ob jene falsche Diairesis nicht von einem anderen Moment abhängt, nämlich von der begründenden Einheit der sich selbst vermittelnden anthropologisch-historisch-ideellen Wesenheit. Des- weiteren ist zu fragen, ob schließlich diese begründende Einheit bei Hegel nur spezifisch philosophische Ausgestaltung jener ande- ren anthropologischen Ewigkeit der bürgerlichen Welt ist, die den "Propheten des 18. Jahrhundert" - schreibt Marx auf der ersten Seite der G r u n d r i s s e - und den Klassikern der bürger- lichen Ökonomie gemeinsam war, eine anthropologische Ewigkeit der bürgerlichen Welt, die ihnen eben nicht als selbst im Geiste ver- mitteltes historisches Resultat erschien, sondern als "Ausgangspunkt der Geschichte", das heißt also auch als Begrün- dung, als formale und wahre Begründung sowohl des Gegenstandes, den die Theorie vermitteln will, wie auch formale und wahre Be- gründung der Theorie selbst in ihrer vermittelnden Tätigkeit als Begriff. So sehr also die materialistische Theorie die großen Gestalten des bürgerlichen Bewußtseins auf ihre historische Bestimmtheit zurückführen muß, so wenig kann sie dies leisten, indem sie le- diglich außertheoretische Bedingungen und außertheoretische Fol- gen theoretischer Tätigkeit in der Darstellung derselben mit- denkt, wie etwa bei Mannheim. Die Schwierigkeit besteht freilich nicht darin, zu erkennen, daß philosophische Ideologien einer- seits historisch bedingt sind, andererseits, daß sie historische. Folgen sowohl individueller als auch gesellschaftlicher Natur ha- ben. Ebensowenig besteht das Problem allein darin, diese Ideolo- gien in dem Bildungsprozeß zu erfassen, in dem sie entstehen und auf welchen sie sich auswirken. Das eine wie das andere ist in dem spezifischen Sinne n u r selbstverständlich, daß die plau- siblen Analogieschlüsse, die auf solche Erkenntnis hin tagtäglich und m a s s e n h a f t ausgesprochen werden, allein außerhalb ihrer selbst ihre Begründung und ihre Wahrheit haben können. (Die Antwort, daß diese Begründung in der Praxis zu finden sei, ist hier ebenso billig wie unscharf. Denn, wenn das Subjekt dieser Praxis "der Mensch" abstrakt-allgemein ist, so werden die histo- rischen Gestalten der Theorie und ihre Vermittlung als Praxis entweder vulgär-pragmatistisch verflacht oder wiederum in einer metaphysischen Anthropologie begründet.) Das Problem ist also folgendes: die Form oder das Denken soll als spezifische Form eines in sich bestimmten Urteilsinhalts begrif- fen werden, so daß sie - die Form oder das Denken - als histo- risch materielles Diskretum erfaßbar wird. Nur indem dies gelei- stet wird, kann die Theorie, welche die Form oder das Denken als Bewegung des Inhalts zu beschreiben vermag, sich dann wieder dem historischen Prozeß zuwenden, um ihm die Verifizierung (oder Fal- sifizierung) ihrer selbst abzuverlangen. Anders als bei Hegel, wird hier zwar die historische Verifizierung der Reflexion ihre Vermittlung sein (ja auch ihre Vermittlung in und durch Gestalten der Bildung und der Kultur): jedoch wird der Prozeß dieser Ver- mittlung in seiner Dialektik n i c h t mit dem Prozeß der Wis- senschaft identisch sein, ebensowenig wie - anders als bei Hegel - der Prozeß von Abstraktion, Hypothese und Verifizierung in sei- nen mannigfaltigen Abstufungen q u a Konstruktion eines "geistig Konkreten" im Marxschen Sinne identisch zu sein braucht mit dem Prozeß der Ausgestaltung des realen Konkretums, das al- lerdings subjektiv u n d objektiv ist, und theoretisch erfaßt werden muß. Hat also eine materialistische Theorie der Ideologien von der wirklichen Existenz der Theorie im Leben der Menschen auszugehen und diese methodisch zu ihrem Gegenstand zu bestimmen, so ist ebenso unbestreitbar, daß dieser Ansatz rein programmatisch bleibt, solange er nicht auch die Frage der Form in sich aufnimmt - die Frage des Verhältnisses, wenn man will, von Subjekt und Wahrheit, von Vermittlung und Verifizierung. Als bloße "mate- rialistische" Variante der Kulturphilosophie bleibt die Ideo- logietheorie subjektivistische Willkür - wie historisch gehabt. Sie bleibt diesseits ihres theoretischen Anspruchs, setzt in Wirklichkeit eine Theorie des Selbstbewußtseins voraus und bleibt als Geschichtsschreibung einer solchen (allerdings typisch bür- gerlichen) Theorie subaltern. Um aus dieser Lage herauszukommen, muß vielmehr die materialistische Theorie die Philosophie des Selbstbewußtseins selbst als materielle Gestalt erklären, d.h. ihr methodisches Prinzip als pars realis des historischen Prozesses begreifen. Dies wiederum setzt voraus, daß eine allge- meine Formalstruktur des bürgerlichen Bewußtseins ausgemacht wer- den kann, welche vorerst im ganz allgemeinen Sinne Moment des Ka- pitals ist, und nicht nur (wie selbstverständlich und notwendig) Reflex des Kapitalverhältnisses. Sollte eine solche Formalstruk- tur nicht zu bestimmen sein, so wird die Vermittlung der Bewußt- seinsgestalten des Kapitals oder im Kapital und ihrer Notwendig- keit - oder, wie man sagt, die Einheit von Basis und Überbau - in einem Dritten begründet sein müssen. Die Begründung aber in einem Dritten, d i e s e Einheit von Theorie und Praxis, bleibt schon bei Hegel innerhalb der Philosophie. "Die Notwendigkeit" - schreibt Hegel im gleichen Abschnitt der E n z y k l o p ä d i e - ist als solche "der Begriff, der sich auf sich selber bezieht". Allerdings kann die Hegelsche Auffassung der Erkenntnis als Selbstvermittlung für den, der an einem subjektivistischen Be- griff von Wissenschaft als nur f o r m a l spezifiziertem W i s s e n (sei es linguistisch oder konstruktivistisch) fest- hält, nichts als panlogistische Abstruserie hergeben. Diesem Sub- jektivismus - wolle er "zurück" zu Kant, oder "vorwärts" zum "logischen Aufbau" von Welt - bleiben verschlossen sowohl die tiefere Problematik jener Selbstvermittlung bei Hegel - die in der Idee eben G e s c h i c h t e und N a t u r subsumiert - wie auch der Sinn der Marxschen Bemerkung, daß (seine) M e- t h o d e "nicht die Hegelsche, da ich (Marx) Materialist, Hegel Idealist" sei (5): ihm bleibt also nur übrig, die geschichtlichen Gestalten der Subjektualität aus einem dritten Prinzip heraus zu rekonstruieren, das sich allgemein als das positivistische Prinzip des bürgerlichen Wissenschaftsbetriebs erweist. Es hilft wenig, wenn diesem ein - nie konkret durchgeführter, weil auf dieser Grundlage undurchführbarer - "dialektischer Zusammenhang" sämtlicher sozioökonomischen und wissenschaftlich-kulturellen Phänomene übergestülpt wird: denn dabei fungiert nur noch das "umfassende Bewußtsein des Menschen" 6) als dürftige Klammer. Wenn aber "das Bewußtsein... immer tendenziell umfassend (ist), da es sich um eine einheitliche Sicht des Ganzen bemüht" (Gruppi), so sollte gerade dieses abstrakt-allgemeingültige "immer" darauf hinweisen, daß das, um dessen Erfahrung und Kon- kretion es geht, die reale Totalität sozioökonomischer Strukturen in ihren historischen Blocks und in den Ideologien, die deren s p e z i f i s c h e T e i l e sind, eben nicht aufgelöst wer- den kann in den Heraklitismus des allgemein-fließenden Zusammen- hangs, in dem als Wechselwirkung "der Unterschied... leer ist" (Hegel, Enz., § 155). Andererseits ist dieser Verlust der Be- stimmtheit niemals durch ein ebenso abstrakt-allgemeines Prinzip gutzumachen, durch das ebenso "leere" "menschliche Bewußtsein", das als Prinzip natürlich den es bestimmenden Inhalten indiffe- rent bleibt (d.h. die Inhalte, die "die Geschichte" dem Kritiker wie jedermann "gegeben" hat, unbehauen und unvermittelt wieder- gibt). Das methodische Problem ist: realgeschichtliche (bürgerliche) Bewußtseinsgestaltungen nicht formalistisch zu Ge- genständen der Reflexion zu konstituieren, d.h. nicht als solche, die hie et nunc und jeweils "meinem" Bewußtsein "gegeben" sind, noch als solche, die die "Selbstunterscheidung" als allgemeingül- tige, vorausgesetzte Vermittlung von Objekt und Subjekt "ausdrücken" 7), sondern als wirkliche Bestimmungen, die die Selbstunterscheidung als s p e z i f i s c h e an sich haben. Dieses methodische Problem ist der materialistischen Forschung, die jene Gestaltungen zum Gegenstand der Konkretion macht, aufge- geben als bedingt durch die realgeschichtliche Herausbildung ei- ner neuen historischen Subjektivität. Diese ist erzeugt durch die wirkliche Bewegung der Widersprüche der (kapitalistischen) ökono- mischen Gesellschaftsformation, und allein dank jener wirklichen Bewegung läuft sie dann auch die formelle, theoretische und er- kenntnismäßige Bewegung des "Sichselbstsetzens" und "Selbstunter- scheidens" durch. Die neue Subjektivität ist nicht "gesetzt". Sie ist: die Arbei- terklasse, T e i l des Systems-in-der-Entwicklung als eines Wi- derspruchsprozesses, und nur deshalb "Totalität" und folglich auch "Bewußtsein", weil geschichtliches Konkretum, Einheit vieler Bestimmungen und deren Negation: sie ist insofern zugleich Gegen- stand r e a l i t e r und wird - auch f o r m a l i t e r - zum Subjekt, aber zum geschichtlich Einheitlich-Mannigfaltigen, weder abstrakte Totalisation noch abstrakte Widerspiegelung. D i e s e r Subjektivität, die nicht formell, sondern geschicht- lich i s t, sind nur die subjektualen Gestaltungen der bürger- lichen Welt geschichtliche Bestimmtheiten, nicht abstrakt-allge- mein, sondern partes specificae, als subjektuale objektive, was sie wirklich sind, deshalb für sie Materie für Erkenntnis und Tat 8). Allerdings: Nur wenn daran festgehalten wird, daß "die Art für das Denken, sich das Konkrete anzueignen ... die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen ... keineswegs (mit) dem Entstehungsprozeß des Konkreten selbst (zusammenfällt)" 9), d a n n mag die analytische Bestimmung einer Formalstruktur bür- gerlichen Bewußtseins, die a l s S u b j e k t u a l i t ä t s- s t r u k t u r o b j e k t i v e s M o m e n t des Kapitals sei, einen Weg bieten jenseits der doppelten Klippe der Begrün- dungsidentität von geschichtlichem Gegenstand und ihn erkennender Reflexion, und der mythisch-anthropologischen Beschwörung hypo- statischer "Wesenskräfte", deren Entfremdung-Vergegenständlichung durch ein "umfassendes Bewußtsein" zu überwinden wäre. Die eine wie andere Verirrung gelangt schon methodisch nicht über Hegel hinaus, sondern bleibt noch "vor" der "Bewegung (durch die) das Erkennen ... den Inhalt als einen notwendigen ... weiß", bei jener Subjektivität also, die "zunächst ganz abstrakt" war, und f ä l s c h l i c h als tabula rasa vorgestellt wird (Hegel, Enz., § 232 Zus.). Die wirklichen Ideologien 10) sind "formale", d.h. subjektuale Momente der klassen-hegemonialen Gesamtverfassung einer konkreten Gesellschaft. Unter diesem wesentlichen Aspekt sind sie selber k o n k r e t: nicht jedoch insofern als sie literaturhistorisch der Texthermeneutik gegeben sind (noch gar als Gegenstände der sogenannten Ideengeschichte), sondern als T e i l und formale oder denkbestimmte Seite der Bewegung jener hegemonialen Kontex- tur, die sowohl ihre Rolle als ihre Struktur und ihren Textsinn bestimmt (11). Als Konkretum sind sie p a r s s p e c i f i- c a, das Ideelle. Dieses, das "Denken" oder die "Form", zu erfassen und zu rekonstruieren erfordert, daß dem ma- terialistischen Hinweis auf die Differenz des "Entstehungspro- zesses des Konkreten selbst" Rechnung getragen wird. Allerdings blieb es bei Marx, auch bezüglich des Ideellen, nicht bei der Aufstellung einer methodologischen Regel in der E i n l e i- t u n g zu den Grundrissen. Im Gegenteil. Die Kritik einer wesentlichen Seite bürgerlicher Ideologie - der ökonomischen - im Kapital, und besonders im Buch 3 und 4 ("Theorien über den Mehr- wert"), ist nicht etwa als "Entschleierung" irgend eines "fal- schen Bewußtseins" zu begreifen, sondern als Bestandteil der Analyse und der Konkretion und Darstellung des "Gesamtprozesses der kapitalistischen Produktion", dessen Form- oder Denkstruktu- ren im Bewußtsein der Produzenten (sowohl als "Religion des All- tagslebens" als auch als Reflexstruktur in der politischen Ökono- mie) w i d e r s p r ü c h l i c h e r u n d n o t w e n d i- g e r T e i l d e r S a c h e s e l b s t sind. Deswegen al- lein tendiert die klassische Reflexion der bürgerlichen Ökonomie, je mehr sie den "gang und gäbe Denkformen" in der "verhexten Welt" der "trinitarischen Formel" anhaftet, zur widersinnigen "Religion des Alltagslebens": so aber, wie wir sehen werden, daß e i n e wesentliche Struktur die d r e i Ebenen, des Alltags- bewußtseins der Produzenten, dessen vulgärökonomische Systemati- sierung und dessen teilweise kritische Auflösung in der klassischen Ökonomie, durchzieht. Dies geschieht nicht, weil die "entfremdeten Erscheinungsformen der ökonomischen Verhältnisse" als ein bloß "Gegebenes" die theoretische Widerspiegelung der Sache "äußerlich" "bedingten": sondern weil sie, als materielle Momente, d e r S a c h e u n d d e r W i d e r s p i e g e- l u n g z u g l e i c h innewohnen 12). Diese durchziehende Struktur ist als formale, als historische Matrix von Bewußt- seinsgestalten und Bewußtseinsbildung, materieller T e i l des objektiven Prozesses und zugleich Teil, der historisch massenhaft Widerspiegelung, Erkenntnis, Handeln der "Charaktermasken" des Prozesses selbst wurde (und noch wird): pars specifica also, die nur im geschichtlichen Widerspruch Annäherung an Wahrheit schuf, wobei die Art und Weise dieser Annäherung objektiv, sowohl massenhaft als auch in der Geschichte der Wissenschaft, in den Gußformen jener Struktur erfolgen mußte. Ebensowenig wie es kapitalistische Gesellschaftsformation je gab ohne kapitalisti- sche (bürgerliche) Kulturrevolution, insofern als die Produzen- ten, durch Blut und Tränen und - Vernunft, zu k a p i t a l i- s t i s c h e n Produzenten gemacht werden mußten, d.h. auch an die "gesellschaftlich gültigen, also objektiven Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse dieser historisch bestimmten Pro- duktionsweise" (DK 1, 90) herangebracht werden mußten; ebensowe- nig ist auch die klassische politische Ökonomie im unverbind- lichen Sinne Tochter des Kapitals, wie die unzulänglichen Bestimmungen der "Bedingtheit", des "Ausdrucks", oder auch der "Wechselwirkung" hier das historisch ohnehin Evidente ohne Begriff darlegen. Tochter des Kapitals ist die bürgerliche poli- tische Ökonomie vielmehr als reflektierte Quintessenz jener sub- jektualen Strukturen der ÖGF, die als durchziehende ideologische Formalstrukturen im organischen Schein des Äquivalententausches und der Zirkulation überhaupt z u g l e i c h Moment des Kapi- talverhältnisses sind und ununterbrochen Massenbewußtsein erzeu- gen - ein Massenbewußtsein, das durch die Erscheinungsformen des Wertes in der kapitalistischen Produktion nicht nur mit seiner formalistischen Systematisierung in der Vulgärökonomie, sondern auch mit seiner "kritischen Auflösung" bei den Klassikern ver- klammert ist. Diese Struktur ist - als theoretisch fixierte - die des K a p i- t a l f e t i s c h i s m u s. Es wird im folgenden versucht, einen Begriff dieser Formalstruktur darzulegen, die 1. die verschiedenen Ebenen der (historischen) Bewußtheit durchzieht, welche die Produktionsweise als Reproduktion ihrer selbst und ih- rer Agenten materiell erzeugt 13); 2. den Warenfetischismus in sich subsumiert, als untergeordnetes Moment, da in der Tat das "Gesetz der Aneignung" der WZ "in sein direktes Gegenteil um- schlägt" (DK 1, 609), i n d e m aber das "Gesetz des Tausches", als "Gleichheit der Waren" 14), als o r g a n i s c h e r S c h e i n beibehalten wird 15); 3. sich entwickelt als Gesamt- heit von Erscheinungsformen in den "Gestaltungen des Kapitals", wie sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im ge- wöhnlichen Bewußtsein der Produktionsagenten selbst hervortreten" (DK 3, 33); 4. infolgedessen objektives Gesetz der Produktion und Reproduktion dieser Agenten als Arbeit, Zweck, Bewußtsein ist, wobei diese Momente n i c h t a b s t r a k t - a l l g e- m e i n s o n d e r n a b s t r a k t - b e s t i m m t sind (da "Kapital" zwar eine ziemlich konkrete Abstraktion ist, und jedenfalls unendlich konkreter als "Ware", jedoch seine Kon- kretion erst in der "wirklichen Bewegung der Konkurrenz" 16) findet, d.h. in den historischen Blocks, worin die ÖGF tat- sächlich in die Existenz trat, als bestimmte Klassenverhältnisse, nationale Kapitalismen usw.); 5. a l s s o l c h e F o r- m a l s t r u k t u r i s t d e r K a p i t a l f e t i- s c h i s m u s S t r u k t u r d e r F o r m m ö g l i- c h e r K l a s s e n h e g e m o n i e n, s o w o h l i n H i n b l i c k a u f d i e P r o d u k t i o n v o n I n- s t i t u t i o n e n, K u l t u r u s w., a l s a u c h, u n d f o l g l i c h, a l s P r o d u k t i o n v o n K o n s e n s o d e r k a p i t a l i s t i s c h e m "s e n- s u s c o m m u n i s". Die Erfassung und Rekonstruktion des Konkreten kann nur den Weg gehen, wo das reale Konkretum - so die ÖGF - im Fortschreiten der Konkretion für das genommen wird, was es i m D e n k e n ist: eine Abstraktion (wiewohl schon "Einheit vieler Bestimmungen"), die zugleich analytische Kategorie in bezug auf die nächste Kon- kretionsstufe ist, und als "einfache Abstraktion" Mittel der Kon- kretion in bezug auf die Rekonstruktion des Realen im Denken. Nur als Konkretion des "Kapitals" kann etwa der historische Block ei- ner bestimmten bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, mit ih- ren realen Klassenbewegungen und -verhältnissen, mit der Be- stimmtheit ihrer Verwirklichung der Subjekte als Kultur im weite- sten Sinne, also als klassenhegemoniale Gestalt der Reproduktion der Gesellschaft wie der Individuen, mit den subjektualen Refle- xionsformen dieser Hegemonie als philosophische Ideologien usw., b e g r i f f e n werden. Diese Konkretion bleibt aber leere Phrase, solange das subjektive Moment nur irgendwann in den Pro- zeß "hereingeholt" wird, wie in einer vulgären Theorie der "geschichtlichen Faktoren", und als ob die sogenannten "nicht- materiellen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens" überhaupt anders denkbar wären, als vermittels der Begründung in einer metaphysischen Anthropologie. 17) Die Konkretion, die von vornherein das Subjektive zwar mitdenkt, so aber, daß die Gesamt- bewegung der geschichtlichen Substanz "Subjekt" ist, kommt not- wendig dazu, geschichtlichen Prozeß und Struktur der denkenden Reflexion als eine - wenn auch in sich vermittelte - selbstbe- gründende Einheit der Idee zu postulieren. Nur indem die Einheit des wissenschaftlichen und des anthropologisch-geschichthaften (oder, wie K. Löwith es formulierte: onto-theologischen) Vermitt- lungsprozesses gesprengt wird, wird es möglich, die mystische Form der Dialektik von der materialistischen abszusondern. Ebenso aber in dem Maße, wie dies gelingt, ist die naturhafte Ewigkeit der bürgerlichen Verhältnisse in ihrer Selbstreflexion kritisch und systematisch - als historisch notwendige Subjektform eines geschichtlich notwendigen und ebenso vergänglichen Gesamtkonkre- tums: des Kapitals - zu erfassen. "Wenn wir nicht in der Gesellschaft w i e s i e i s t - schreibt Marx 1857 - die materiellen Produktionsbedingungen und die ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassen- lose Gesellschaft verhüllt vorfänden, wären alle Sprengversuche Donquichoterie." Für die materialistische Theorie der Ideologie dürfte gelten, daß wenn wir in den subjektualen Gestalten der bürgerlichen Zeit, wie sie sind, den Widerspruch als Bestimmt- heit, materielle Diskretheit der Form a l s F o r m nicht ausmachen, so bleibt uns nur die subjektivistische Willkür übrig, die dem positivistischen Wissenschaftsbetrieb gegenüber den An- spruch auf Revolutionierung der Wissenschaft geltend zu machen weiß, nicht aber eine materialistische Wissenschaft der Erkennt- nis, die auch jenen Wissenschaftsbetrieb in seinem historischen Ursprung wie in seiner theoretischen Struktur reflektierend er- klärt. II. Bei der Rekonstruktion der in den Sachen selbst gewordenen Tota- lität - historisch-widersprüchlicher "Vereinheitlichung des Men- schengeschlechts" (Gramsci), Subsumtion vorhergehender ebenso "materieller" wie "geistiger" Gestalten unter die Formen des Ka- pitalverhältnisses (was den "Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion" ausmacht) - geht Marx bekanntlich so vor, daß er eine Reihe von allmählich immer komplexer werdenden Abstraktionen oder Formen konstruiert 18): Ware und Warenproduktion, Wertform, Geld, Selbstbewegung der Geldform, Subsumtion des einfachen Arbeitspro- zesses unter sie, kapitalistische Warenproduktion und Kapital- form; Selbstbewegung der Kapitalform, Subsumtion der Produktiv- kräfte unter das Kapital, absoluter und relativer Mehrwert, kapi- talistische Akkumulation; Kreisläufe des Kapitals, Zirkulations- und Umschlagszeit; einfache und erweiterte Reproduktion des Ge- samtkapitals; schließlich - im Übergang von der Bewegung d e s Kapitals zur Bewegung d e r Kapitale - Verwandlung des Mehr- werts in Profit und Durchschnittsprofit, Theorie der Profitrate, der Krisen, des Zinses, der Rente usw. Diese Rekonstruktion des Konkreten als "geistig Konkretes" bietet bekanntlich einen "ideellen Durchschnitt" jener Totalität in ihrer transitorischen Notwendigkeit, d.h. Einheit, Historizität und Widerspruch, abge- sehen von der "realen Bewegung der Konkurrenz" oder den tatsäch- lichen historischen Gestalten der verschiedenen Kapitalismen 19). Es handelt sich hier nicht nur um die Tatsache, daß - ausgehend vom h i s t o r i s c h e n P r o z e ß der Verallgemeinerung der Warenproduktion, d.h. der Verwandlung der Arbeitskraft in Ware - die Theorie die K a t e g o r i e n der (kapitalisti- schen) P r o d u k t i o n s w e i s e als "typischer Form" konstituieren muß. Das ist zwar begrifflich entscheidend (denn in der kapitalistischen Produktion "(hat) die Zirkulation sich... der Produktion bemächtigt" und "(verhält) sich zu ihr als gegebner Voraussetzung. Andrerseits... (hat) der Produktionspro- zeß die Zirkulation... als bloßes Moment in sich aufgenommen" 20)); hinzu kommt aber auch, daß die Theorie voraussetzen muß, "daß die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sich rein entwickeln" - d.h. ohne auf Reibungen zu achten, die von "lokalen Differenzen" ausgelöst werden, von Besonderheiten der Gesetz- gebung usw. "In der Wirklichkeit" gibt es nur eine Annäherung an jene Gesetze, auch wenn "diese Annäherung um so größer (ist), je mehr die kapitalistische Produktionsweise entwickelt und je mehr ihre Verunreinigung und Verquickung mit Resten früherer ökono- mischer Zustände beseitigt ist" (DK 3, 184). Für den, der in der Marxschen Konkretion die Bestimmung der der kapitalistischen ÖGF eigenen Gestalten möglicher Subjektualität verfolgen will (auf der genannten Abstraktionsebene) - um so f u n k t i o n a l e I n s t r u m e n t e z u r A n a l y- s e d e r G e s t a l t e n d e r S u b j e k t u a l i t ä t d e r r e a l e n K a p i t a l i s m e n u n d d e r e n t- s p r e c h e n d e n h i s t o r i s c h e n B l ö c k e z u g e w i n n e n - für den ergeben sich aus diesen beiden Beson- derheiten der Marxschen dialektischen Konstruktion einige Schwie- rigkeiten. Ich werde versuchen, sie hier in vier Punkten über- blicksweise zu resümieren, ohne auf die Geschichte der Diver- genzen (und Mißverständnisse) einzugehen, zu denen diese Schwie- rigkeiten sowohl in der "ökonomischen" als auch in der "philo- sophischen" Interpretation des "Kapitals" Anlaß gaben. 1. Es ist gerade die Rekonstruktion des Systems der kapitalisti- schen Produktion als "ideeler Durchschnitt" - sozusagen der ver- tikale Schnitt durch den in seiner "reinen Form" betrachteten Prozeß -, die - nachdem so der "innere Zusammenhang" der Wertver- hältnisse rekonstruiert worden ist - es auch gestattet, schritt- weise jene "Oberfläche der Gesellschaft" theoretisch zu gewinnen, worin jener Zusammenhang verschwindet, die aber das "gewöhnliche Bewußtsein" der Agenten der kapitalistischen Produktion notwendig bestimmt (DK 3, 836). Der vertikale Schnitt durch das System ist jedoch Gesetz eines P r o z e s s e s: nicht nur im Sinne der "ökonomischen Entwicklung" (obwohl es ein wesentlicher I n- h a l t ist, daß z.B. "die tatsächlich große Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit erst in dem Moment beginnt, in dem sie in Lohnarbeit verwandelt wird und die Arbeitsbedingungen ihr ei- nerseits als Grundeigentum und andererseits als Kapital gegen- überstehen" (MEW 26/1, 41), sondern im Sinne eines Veränderungs- prozesses der Vergesellschaftung, welcher in allen seinen ' (begrifflich gefaßten) Phasen neue Gestalten der t o t a l e n gesellschaftlichen Existenz hervorbringt. (Die "Anatomie der bür- gerlichen Gesellschaft" ist "Anatomie", insofern sie Ort der Kau- sationen 21) innerhalb dieser Totalität ist, und bereits dies un- terscheidet den Marxschen Ansatz auch heute vom Ricardianischen 22)). 2. Die berühmte Formel, mit der die Darlegung des "allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation" schließt, ist darum nicht nur die Ankündigung des Übergangs zu einer neuen Gesell- schaftsformation dank der Widersprüche der gegenwärtigen, die zur "Expropriation der Expropriateure" führen werden; sie ist auch das Resümee einer Widersprüchlichkeit, die durch a l l e Ge- stalten der Konkretion geht, sowohl als Inhalte, als auch als Formen. Denn die Inhalte - die kurz in der "Produktivität der ge- sellschaftlichen Arbeit" zusammengefaßt werden können und Exi- stenzweisen von Menschen, Klassen und Gesellschaften im allgemei- nen sind -, haben keine Existenz außer in jenen Formen. (Die "historische Mission des Kapitals", wie man zu sagen pflegt, ist nicht von seiner Notwendigkeit und seinem transitorischen Charak- ter zu trennen). Daraus ergibt sich, daß, eben weil und insofern die W e r t t h e o r i e es ermöglicht, den Profit als M e h r w e r t zu zeigen 23), alle Kategorien, durch die die Konkretion fortschreitet, von "spezifisch kapitalistischer Pro- duktionsweise" bis hin zu "Profitrate" usw., weder auf Theorien des "ökonomischen Gleichgewichts" usw. zurückgeführt werden kön- nen, noch auf Philosopheme über "die" Gesellschaft und "die" Be- ziehungen "der Menschen" im allgemeinen 24), wie ausgeklügelt auch immer die Vermittlung post festum der beiden Elemente sein mag. Jene Marxschen Kategorien sind Formen (eben insoweit sie Ka- tegorien sind, versteht sich) der historischen Existenz. 3. Die "zwei großen Entdeckungen von Marx", von denen Engels spricht - materialistische Theorie der Geschichte und Mehrwert- theorie -, entwickeln sich in wechselseitiger Verschränkung 25). Bereits in seiner "abstraktesten und allgemeinsten" Gestalt, als Wertform des Arbeitsprodukts (in der die "bürgerliche Produkti- onsweise ... als eine besondere Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakterisiert wird" (DK 1, 95)) ist der W e r t Existenzform der gesellschaftlichen Reproduk- tion. Die Warenproduktion - die "privaten, selbständigen und von- einander unabhängigen Produzenten" vorausgesetzt - produziert sowohl die "gemeinsame Substanz der menschlichen Arbeit", ihren Reflex in den Produzenten als (freien, gleichen usw.) "Personen", und die fetischistische Objektivität jener Substanz als ihrer In- teraktionsweise usw. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ausge- hend von der Ware 26) das "System-in-der-Entwicklung" ideell zu konstruieren. Als Ausgangspunkt wird der "Austausch von Äquiva- lenten" genommen, um so zur "vollständigen Umwälzung" aller Ge- setze der WZ (DK 1, 170, 608 ff.) in der F o r m d e s K a p i t a l s zu gelangen, die aber die WZ als ihr Element beibehält, und im allgemeinen Sinne Warenproduktion darstellt: "Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen KPW herrscht, er- scheint als eine 'ungeheuere Warensammlung'", usw. 4. Der Übergang von der Warenform zur Kapitalform s t e l l t deshalb in der Konkretion e i n e n e u e E x i s t e n z- w e i s e der Arbeit dar, der menschlichen Beziehungen im allge- meinen und damit der Menschen selbst ("So wie die Individuen ihr Leben äußern, so s i n d sie", heißt es schon in der "Deutschen Ideologie"!); folglich auch - bezogen auf unser Problem - eine neue Bestimmung der der KPW eigentümlichen (möglichen) Formen der Subjektualität. Dies sowohl hinsichtlich ihres Begriffs (Ort der Kausation) als auch, in der Folge, des Gebrauchs dieser Formen als analytische Instrumente. Zunächst aber: eine s c h e m a- t i s c h e D a r s t e l l u n g dieses Übergangs ist notwen- dig, bereits für das Verständnis dessen, was "spezifisch kapita- listische Produktionsweise" heißt, und folglich der Elemente, die an einem b e s t i m m t e n Punkt der Konkretion es erlauben, die Gestalten der KPW zu entwickeln - das "Spiel ihrer Mechanis- men" einmal vorausgesetzt 27). Bei einer solchen schematischen Darstellung besteht jedoch die Gefahr 28), den Prozeß mit allgemeinen philosophischen Phrasen auf "Ware" und "Kapital" zu reduzieren. Hier geht es darum, zu zeigen, wie der Kapitalfeti- schismus (als Formalstruktur historischer Subjektualität) sich entfaltet, und ich versuche, dieser Gefahr dadurch zu begegnen, daß die Formen, in denen jener Fetischismus sich unmittelbar entwickelt, nachgezeichnet werden. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß der Kapitalfetischismus aus der g e s a m- t e n Kapitalform "in ihrem Begriff" resultiert, so wie der Warenfetischismus aus der g e s a m t e n "Wertform des Pro- dukts" resultiert, und nicht aus e i n e m ihrer Aspekte (im Gegenteil: die Reduktion der Wertform auf das bloße Wertmaß ist eine klassische "fetischistische" Operation 29). Infolgedessen bleibt außerhalb meines Untersuchungsfeldes die Betrachtung der tatsächlichen historischen Entwicklung jener Formen in den realen Kapitalismen, im jeweiligen Entwicklungsgrad der KPW und ihrer Kombination mit älteren Formen usw., auch wenn gerade dies die Objekte sind, die der Begriff der KPW zu analysieren (und weiter- zuentwickeln - man denke nur an die Imperialismustheorie) er- laubt, und auch wenn dies a fortiori für die Formalstruktur des Fetischismus gilt, der natürlich n i e soziologische Beschrei- bung von Verhaltensweisen ist, sondern analytisch-funktionale Ka- tegorie. Die Artikulation der Formen, in denen der Kapitalfetischismus entsteht, läßt sich zurückführen auf: a) das Verhältnis zwischen EWP und dem unmittelbaren Produktionsprozeß des Kapitals; b) die Folgen der dialektischen Negation der Gesetze der WZ in der KPW, was den modus operandi des Wertgesetzes betrifft ("Der Austausch von Waren zu ihren Werten oder annähernd zu ihren Werten erfor- dert... eine viel niedrigre Stufe als der Austausch zu Produkti- onspreisen, wozu eine bestimmte Höhe kapitalistischer Entwicklung nötig ist" (DK 3,186); c) das Verhältnis, das sich "im Gesamtpro- zeß der kapitalistischen Produktion" herausbildet zwischen "Oberflächen-Kategorien" (die reale Erscheinungsformen von jenem sind) und dem doppelten Schein der Zirkulation im allgemeinen (als Beziehung zwischen bloßen Käufern und Verkäufern) und der Konkurrenz (als Beziehung zwischen kapitalistischen Warenprodu- zenten). III. Der k a p i t a l i s t i s c h e Produktionsprozeß für sich genommen "als unmittelbarer Produktionsprozeß... erschöpft nicht den Lebenslauf des Kapitals". In der "wirklichen Welt" (bei deren Analyse also die Konkretion dieses unmittelbaren Produktionspro- zesses als Werkzeug dient) wird er durch den Zirkulationsprozeß ergänzt. Nachdem dies nun ausgeführt ist, gilt aber: "In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenüber, für die die Gestalt des Kapitals im unmittelba- ren Produktionsprozeß, wie seine Gestalt im Zirkulationsprozeß, nur als besondere Momente erscheinen" (DK 3, 33). Die Abstraktionsklausel im ersten Teil der Untersuchung kann also folgendermaßen ausgedruckt werden: die "Vermittlung des gesell- schaftlichen Reproduktionsprozesses", die als Zirkulationsprozeß e r s c h e i n t, wird auf die weitere Konkretion (im 2. und deren Vollendung im 3. Band) verwiesen; im ersten Stadium der Konkretion oder im 1. Band werden "die" Kapitale unter das eine Kollektivum "Kapital" subsumiert. Wo jene Klausel die weitere Ausarbeitung einschränkt (dies geschieht schon im 1. Band bei der Definition der organischen Zusammensetzung, dann im 2. Band bei der Umschlagstheorie), müssen die Begriffsbestimmungen und Ge- setze, die Marx nach und nach erarbeitet, auch in der D a r s t e l l u n g unter Verweis auf die höhere Ebene der Konkretion formuliert werden, nämlich auf die Ebene der "Einheit von Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß" oder des wirklichen "Bewegungsprozesses als Ganzem" 30). Aber dieser in bezug auf den "wirklichen" Prozeß "als Ganzem" relativ abstrakte Charakter des 1. Bandes des "Kapital" erlaubt es hinsichtlich der Frage, die uns hier interessiert, zwei grundlegende Ergebnisse zu formulie- ren. Erstens: gerade die (notwendige) Abstraktionsklausel und Voraus- setzung der Darstellung, kraft derer "die" Kapitale in "i h- r e m" Produktionsprozeß auf der Konkretionsebene des "Produk- tionsprozesses des Kapitals" genommen werden, erlaubt es, die Genese des Kapitalverhältnisses a u s d e m W e r t auf- zuzeigen 31) und also die "spezifisch kapitalistische Produkti- onsweise" oder die "reelle und nicht nur die formelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital" in d e n g e w o r d e n e n F o r m b e s t i m m u n g e n des Kapitalverhältnisses anzuge- ben: Produktion von absolutem und relativem Mehrwert (V Absch.), Verwandlung von Mehrwert in Kapital und Akkumulation (VII Absch.). "... Die Produktion des absoluten Mehrwerts... bildet die allgemeine Grundlage des kapitalistischen Systems und den Ausgangspunkt der Produktion des relativen Mehrwerts. ... die Produktion des relativen Mehrwerts revolutioniert durch und durch die technischen Prozesse der Arbeit und die gesellschaftlichen Gruppierungen" (DK 1, 532 f.). Mit dieser "reellen Subsumtion der Arbeit unter das Kapital" und während sie sich gleichzeitig der "entscheidenden Produktionszweige" bemächtigt, wird "die spezi- fisch kapitalistische Produktionsweise... allgemeine, gesell- schaftlich herrschende Form des Produktionsprozesses" (DK 1, 533). Wir werden bald darauf zurückkommen, daß dies offensichtlich das Schema - und nicht die Beschreibung - einer historischen Entwick- lung ist. Aber die Zurückführung dieser Entwicklung auf einen Be- griff, dargestellt als Umwandlung der Formen, stellt ein Verhält- nis von Theorie und Empirie her, durch das im Prozeß der Gliede- rung des Besonderen in der Form und ihrer Umwandlung das Beson- dere als materielle Diskretheit und in s e i n e r realen Glie- derung rekonstruierbar wird. Zwar entspringt "das Kapitalverhält- nis... auf einem ökonomischen Boden, der das Produkt eines langen Entwicklungsprozesses ist. D i e v o r h a n d e n e P r o- d u k t i v i t ä t d e r A r b e i t, wovon es als Grundlage ausgeht, ist nicht Gabe der Natur, sondern einer Geschichte, die Tausende von Jahrhunderten umfaßt." (DK 1, 535) Aber es ist nicht notwendig, "mystische Vorstellungen" mit dieser "vorhandenen" naturwüchsigen und spontanen Produktivität der Arbeit zu verbinden 32), denn "faßt man... die Bewegung des Mehrwerts ins Auge" (a.a.O., 534) (entwickelt man also nun die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise a l s s o l c h e, auf der neuen Stufe der Konkretion, die die "reelle Subsumtion der Arbeit" bezeichnet, und die die dialektische Beziehung von Koope- ration/kapitalistische Kooperation, Maschinen/kapitalistische Nutzung der Maschinen usw. umfaßt), so verschwindet die schein- bare "E i n e r l e i h e i t" der Elemente des Mehrwerts: so- bald die KPW "einmal hergestellt und die allgemeine Produktions- weise geworden, macht sich der Unterschied zwischen absolutem und relativem Mehrwert fühlbar, s o b a l d e s g i l t, d i e R a t e d e s M e h r w e r t s ü b e r h a u p t z u s t e i g e r n" (DK 1, 534). D.h.: insofern "die Notwendigkeit, eine Naturkraft gesellschaftlich zu kontrollieren", welche "die entscheidendste Rolle in der Geschichte der Industrie" überhaupt spielt (a.a.O., 537), nun untersucht werden kann als s p e z i f i s c h e D i a l e k t i k der KPW (mit ihren Mo- menten Inhalt/Form, Wesen/Erscheinung usw.), wird diese "Notwen- digkeit" (die f ü r s i c h g e n o m m e n ein n o m e n a b s t r a c t u m ist, eine heuristische Bezeichnung, sicher unumgänglich, aber von geringem analytischem Erkenntniswert, wenn nicht gar Produkt der falschen "philosophischen" und "ideali- stischen" Diairesis, wie "die" Arbeit im allgemeinen, "die" Gesellschaft im allgemeinen usw.) - zu etwas ganz anderem. "Die kapitalistische Produktion einmal vorausgesetzt" werden die unter ihre Form subsumierten Inhalte zu Bestimmtheiten, die analysier- bar und rekonstruierbar sind: "Naturbedingungen der Arbeit", "Bodenfruchtbarkeit", Umfang der disponiblen "Arbeiterbevölke- rung" - kurz: d i e g e s c h i c h t l i c h e Bewegung von Menschenmassen, sowie ihre Lebensumstände und Lebensäußerungen werden nun einem Diskrimen unterworfen, das sie zu spezifischen, also wissenschaftlich erkennbaren Gegenständen macht. 33) Zweitens (wir bewegen uns noch immer auf der Abstraktionsebene des ersten Bandes): Das erörterte Verhältnis der Formen macht auch die Bedingungen der Subjektualität (und des Überbaus im all- gemeinen) zu spezifischen Erkenntnisgegenständen. Dies deutet sich im gleichen Abschnitt an. Tatsächlich sind die "verschiedene Formeln für die Rate des Mehrwerts" (d.h. für das mobile reale, für die Selbstbewegung des Kapitals und ihre Gesetzmäßigkeiten zumindest bis zum bislang entwickelten Stand) nicht einfach "eine Rubrik, die nur in der kapitalistischen Buchführung existiert" 34): und auch nicht einfach theoretische "Fehler". "Die Darstel- lung von Mehrwert und Wert der Arbeitskraft als Bruchteilen des Wertprodukts" - d.h. die Verwechslung von Produktenwert und Wert- produkt - "v e r s t e c k t den spezifischen Charakter des Ka- pitalverhältnisses" (Austausch des variablen Kapitals mit der Ar- beitskraft); sie erwächst "aus der KPW selbst" und ihre "Bedeutung (wird) sich später erschließen" (d.h. in den Erschei- nungsformen des Kostpreises und der Profitrate) (DK 1, 555). Das variable Kapital ist "b e s o n d e r e h i s t o r i s c h e E r s c h e i n u n g s f o r m" ... des Arbeitsfonds (der als solcher auch jenseits des Kapitalismus notwendig ist). Dieses Verhältnis von Wesen und Erscheinung formt sich nun aus in einem Verhältnis s p e z i f i s c h e n S c h e i n s, ein Schein, der für die kapitalistische Produktion o r g a n i s c h n o t- w e n d i g ist, und den Marx im VII. Abschnitt ("Der Ak- kumulationsprozeß des Kapitals") deshalb entwickeln kann, weil hier die Konkretion bis zu dem Punkt fortgeschritten ist, wo: a) der kapitalistische Produktionsprozeß in seiner Kontinuität, als Reproduktion, und b) die Verwandlung des Mehrwerts in Kapital als spezifischer m o d u s o p e r a n d i der KPW betrachtet wer- den kann, als Gesetz ihrer Selbstbewegung auf der Ebene der Form und damit als reale historische Gestalt sowohl des gesellschaft- lichen Stoffwechsels "auf der stofflichen Seite" als auch der ka- pitalistischen Expansion der Produktivkräfte 35). Wie in der KPW "der Arbeitsprozeß... als ein Mittel für den Ver- wertungsprozeß erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorgeschoßnen Wert als Kapital zu reproduzieren" (DK 1, 591). Aber schon die "bloße Wiederholung des Produktionsprozesses" (die einfache Reproduktion) "löst... die Scheincharaktere seines nur vereinzelten Vorgangs auf" (a.a.O., 592). Und so: a) "D i e I l l u s i o n, w e l c h e d i e G e l d f o r m e r- z e u g t" (aus der die oben erinnerte Darstellung der "aliquo- ten Teile" folgt), "verschwindet sofort, sobald statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters Kapitalisten- klasse und Arbeiterklasse betrachtet werden". Man sieht dann, daß "das Verhältnis des Austausches zwischen Kapitalist und Arbeiter ... e i n d e m Z i r k u l a t i o n s p r o z e ß u n g e- h ö r i g e r S c h e i n" ist, während in Wirklichkeit "die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse beständig i n G e l d- f o r m Anweisungen auf einen Teil des von der letzteren produ- zierten und von der erstren angeeigneten Produkts (gibt)" (DK l, 593 u. 608). (Dieser Schein, sei nebenbei bemerkt, ist also Ausgangspunkt des f a i r s h a r e, des "nur tradeunionisti- schen" Standpunkts; es handelt sich nicht um "Irrtümer" oder "falsches Bewußtsein", sondern um die Analyse recht massiver hi- storischer Gestalten assoziierten Lebens und der notwendigen ob- jektiven Strukturen von Subjektualität, worin diese sich bewe- gen!); b) die "produktive Konsumtion des Arbeiters", deren Resul- tat weiterhin das "Leben des Arbeiters selbst" ist, wird nun auch zum "Moment der Produktion und Reproduktion des Kapitals" (a.a.O., 596 f.; dieses Moment wird dann in der Theorie des Kreislaufs des Kapitals im zweiten Band entwickelt); c) Die durch den Austausch von Geld gegen Arbeitskraft "v e r m i t t e l t e und zugleich v e r s t e c k t e" (Hvbg. A.M.) "Zwickmühle des Prozesses selbst, die den einen stets als Verkäufer seiner Ar- beitskraft auf den Warenmarkt zurückschleudert und sein eigenes Produkt stets in das Kaufmittel des andren verwandelt", i s t M i t t e l d e r R e p r o d u k t i o n d e s S y s t e m s a l s P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s v o n K l a s- s e n: "Der kapitalistische Produktionsprozeß, im Zusammenhang betrachtet... produziert also nicht nur Ware, nicht nur Mehrwert, er produziert und reproduziert das Kapitalverhältnis selbst, auf der einen Seite des Kapitalisten, auf der andren den Lohnar- beiter" (a.a.O., 603 f.). Dies ist der Ursprungsort des Ka- pitalfetischismus: die neue Existenzweise der "Arbeit", des "Menschen", der "Gesellschaft". Oder, um korrekt zu sprechen, die Produktionsverhältnisse (historischen Klassenverhältnisse) e r- s c h e i n e n als Austauschverhältnisse, also Verhältnisse von "Personen", regiert von den allgemeinen Gesetzen der Waren- produktion im "Eden der angeborenen Menschenrechte", das jene "Person" konstituiert als reflektierte Universalität. Das ge- schieht nun nicht infolge eines radikalen Bruchs mit der "Welt der Waren", sondern durch die Subsumtion ihrer Gesetze unter jene des Kapitals: "So sehr die kapitalistische Aneignungsweise also den ursprünglichen Gesetzen der Warenproduktion ins Gesichts zu schlagen scheint 36), so entspringt sie doch keineswegs aus der Verletzung, sondern im Gegenteil aus der Anwendung dieser Ge- setze" (DK 1, 610). Nicht zufällig hält Marx nach dieser Passage ein, um "einen kur- zen Rückblick auf die Reihenfolge der Bewegungsphasen, deren Schlußpunkt die kapitalistische Akkumulation ist", zu tun. "Solange bei jedem Austauschakt - einzeln genommen - die Gesetze des Austauschs eingehalten werden, kann die Aneignungsweise eine totale Umwälzung erfahren, ohne das der Warenproduktion gemäße Eigentumsrecht irgendwie zu berühren" (DK 1, 613). Diese Umwäl- zung aber "wird unvermeidlich, sobald die Arbeitskraft... als Ware frei verkauft wird... Von da an verallgemeinert sich die Wa- renproduktion und wird... typische Produktionsform;... von da an wird jedes Produkt von vornherein für den Verkauf produziert und geht aller produzierte Reichtum durch die Zirkulation hindurch" 37). Die "Gesetze des Austauschs" werden ausgedrückt in der fic- tio juris des Kontrakts (a.a.O., 599). Aber auch diese wird erst recht zur Fiktion, weil die Bestimmungen der "juristischen Per- son, eben des Individuums des Austauschs" (die das römische Recht entwickelt hatte - und damit das "Recht ... der industriellen Ge- sellschaft" 38) vorwegnahm), nicht mehr Verhältnisse von "auto- nomen und unabhängigen Privatproduzenten" ausdrücken, und dennoch bestehen müssen, da ja die kapitalistische Produktion sich r e a l i t e r in Austauschakten v e r m i t t e l t, die insgesamt den Prozeß v e r b e r g e n. Die dialektische Verallgemeinerung/Umwälzung der Warenproduktion ist also der Ort, von dem die Analyse der Zirkulation d e s K a p i t a l s ausgeht: "findet sich ... auf dem Markt die Ar- beitskraft einmal als Ware ihres Besitzers vor... so stellt ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Ver- kauf jeder anderen Ware"; doch nun beim Austausch G - A (Geld - Arbeit) hängt "der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht", nicht von "der Natur des Geldes" ab, sondern von "gesellschaftlichen Bedingungen..., die in der bloßen Warenzirkulation... keineswegs gegeben sind" und die es dem Kapitalwert erlauben, sich in "seiner E r- s c h e i n u n g s f o r m a l s G e l d" darzustellen (DK 2, 36 ff.). Andererseits: dieselbe dialektische Verallgemei- nerung/Umwälzung der EWP, wo nun "der ganze Reichtum aus der Zir- kulation herkommt", stellt die Beziehung her, wodurch "der Kapi- talwert ursprünglich in Geldform vorgeschossen (wird); der Mehr- wert dagegen existiert von vornherein als Wert eines bestimmten Teils des Bruttoprodukts" (DK 1, 606). Dies verweist einerseits auf den Gesamtzirkulationsprozeß ck und auf sein nur scheinbares Zurückfallen in die Beziehungen G - W ... W - G 39), anderer- seits auf die Tatsache, "daß die Waren nicht einfach als Waren ausgetauscht werden, sondern als Produkt von Kapitalen" (DK 3, 184), d.h. auf die theoretische "Schwierigkeit", die zu überwin- den ist. Denn diese Tatsache macht den Verkauf der Waren, die von Kapitalen mit unterschiedlicher organischer Zusammensetzung und unterschiedlichen Umschlagsperioden produziert werden, zu ihren Werten unmöglich. Schließlich: in der EWP wirkt das Wertgesetz, indem es (durch Ausschluß des "Unnützen" und fortschreitende Ver- drängung des produktiv Rückständigen) eine Entsprechung zwischen den gesellschaftlichen Bedürfnissen und den individuellen Produk- ten schafft, insofern diese tendenziell zu ihren Werten ausge- tauscht werden. Dies ist solange möglich, als der "Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft" - die, sobald zur Ware geworden, die "Verallgemeinerung der Warenzirkulation" auslöst - nicht selbst Element der Bestimmung der Wertgröße ist, solange also, als eben "Arbeit" nicht W a r e ist. Auch hier sehen wir: Die Linie, die vom "Doppelcharakter der in Waren dargestellten Arbeit" zur dop- pelten Funktion von abstrakter und konkreter Arbeit in der Werterhaltung und Wertschöpfung zur organischen Zusammensetzung des Kapitals führt, ist im ersten Band auf der Abstraktionsebene des g e n u s Kapital entwickelt. Zugleich aber stellt die Ver- allgemeinerung der WZ die Bedingungen dafür her, daß das Verhält- nis von gesellschaftlichem Bedürfnis und Produkt nun vermittelt wird vom K a p i t a l w e r t und K a p i t a l v e r w e r- t u n g. Dieses Verhältnis wird also nicht mehr durch den Austausch (tendenziell) zu Werten realisiert werden, sondern durch die Dialektik der Marktwerte, bei welchen der stoffliche Austausch der Gebrauchswerte s c h e i n b a r, von der zahlungsfähigen Nachfrage bestimmt ist, die ihrerseits aber vom "eigentlichen Zweck der Produktion, dem Profit", sowie von der Aufteilung in Klassen bestimmt ist. 40) - Das heißt: die drei Artikulationen, in denen der Kapitalfetischismus auftritt, haben ihren Ursprungsort in der dialektischen Verallgemeine- rung/Umwälzung der EWP, d.h. in der ersten Artikulation: dort, wo "die... Verwandlung des Geldes in Kapital sich also im genauesten Einklang mit den ökonomischen Gesetzen der Warenproduktion und mit dem sich daraus ableitenden Eigentumsrecht (vollzieht)", die sie freilich völlig umwälzt (DK 1, 611). Von hier aus bis zur Formel G - G' (Kapital, das Zins "produziert", und, wie man spä- ter sehen wird, oberster Himmel der "trinitarischen Formel" oder letzte Entwicklung der "Theorie" der aliquoten Teile des Werts des Produkts, das durch "Kapital, Boden und Arbeit" geschaffen werden soll)" ist der Weg noch sehr lang. In G - G' - wird Marx schreiben - drückt sich "das fertige Kapital, Einheit von Produk- tionsprozeß und Zirkulationsprozeß" aus; in diesem "automatischen Fetisch ... (ist) d a s g e s e l l s c h a f t l i c h e V e r h ä l t n i s vollendet als Verhältnis e i n e s D i n- g e s, des Geldes, z u s i c h s e l b s t" (DK 3, 404 f., Hvbg. A.M.). IV. Bevor wir mit kurzen Textverweisen auf die beiden Linien einge- hen, die mit der Betrachtung des kapitalistischen Produktionspro- zesses "im Zusammenhang" beginnen, d.h. als Reproduktion und Ak- kumulation, und die in die "Vollendung der Mehrwerttheorie" (Wygodski) und Herstellung des "kompletten Fetischs" führen, wol- len wir zunächst festhalten, was für Veränderungen die Akkumula- tionstheorie hinsichtlich des Warenfetischismus oder einfachen Fetischismus gebracht hat. Der Schein des Austauschs von Äquiva- lenten zwischen variablen Kapital und Arbeitskraft löst sich auf, wenn "wir ... statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters die Gesamtheit, Kapitalistenklasse und Arbeiterklasse ins Auge fassen". Das ist unumgänglich, um die "kapitalistische Produktion im ununterbrochenen Fluß ihrer Erneuerung" zu begrei- fen. "Damit aber würden wir einen Maßstab anlegen, der der Waren- produktion total fremd ist" (DK 1, 612). Zwischen den "selb- ständigen und voneinander unabhängigen Warenproduzenten" schlagen sich die W i r k u n g e n des Wertgesetzes (Austausch tenden- ziell zum Wert; und vermittels dessen Proportionalität zwischen Produktion und Bedürfnissen) in den wohlbekannten Formen "fetischistischer Gegenständlichkeit" der "gemeinsamen Substanz" usw. nieder. Diese sind ihrerseits sowohl Gesetze, die "hinter dem Rücken der Produzenten" wirken, als auch, reflexiv, "gesellschaftlich gültige, also objektive Gedankenformen" für eine historisch bestimmte gesellschaftliche Produktionsweise, und schließlich, "gesellschaftliche Beziehungen von Sachen" (Waren). Nun aber, wenn Subjekte und Träger der Bewegung nicht mehr jene "Privatproduzenten" sind, sondern vielmehr "der Kapitalist... der wirkliche Warenproduzent ist" (DK 3, 34), bzw. (der Form nach) das Kapital: dann ist es d i e s e Form, die sowohl die Zirku- lation und Reproduktion der konstitutiven materiellen Bestand- teile der Produktion (einschließlich der Produzenten) reguliert als auch die Zirkulation und Reproduktion d e s W e r t s. Subsumiert unter sie und gesteuert durch sie werden sowohl die "produktive" als auch die "unproduktive Konsumtion des Arbeiters" und der auf Schein reduzierte Austausch von Äquivalenten usw.; ebenso die Warenproduktion wie die Gestalten ihrer historischen Objektivität (Warenfetischismus), die im allgemeinen ihre Gesetze sind. Kurz, die Produktion und Reproduktion bestimmter gesell- schaftlicher Wesen hat eine neue Qualität angenommen. Diese neue Qualität ist nicht einfach ein "Bruch", der sich als "Entfremdung" der "substantiellen Kräfte" der menschlichen Indi- viduen in "äußere Kräfte" ausdrücken ließe; sie ist vielmehr de- ren wirkliche Seinsweise. Der "Bruch" (wenn überhaupt) geht durch das Kapital selbst hindurch: es ist das Verhältnis von Wesen und Erscheinung (Kooperation und kapitalistische Kooperation; Akkumu- lation und kapitalistische Akkumulation, vgl. DK l, 607, Anmer- kung 21 b, gegen Sismondi); es ist der Widerspruch zwischen dem "Maßstab der Klassen" und den Gesetzen des Austauschs, die auf bloßen "Schein" reduziert und doch Moment der Reproduktion sind. Dieser o r g a n i s c h e S c h e i n ist die neue Stufe des Fetischismus. Daß er dann die "Festigkeit eines Volksvorurteils" erhält - schon dadurch, daß sich in ihm das "individualistische Bewußtsein" der Masse der Subjekte des Austauschs ausdrückt 41) - darf nicht den anderen wesentlichen Aspekt verdrängen. Jener or- ganische Schein - nicht "falsches Bewußtsein", sondern Vermitt- lung und Seinsweise der kapitalistischen Akkumulation - bezeich- net eine Bruchlinie, die a) analytisch im historischen Gesell- schaftskörper aufzufinden ist (als Übergang und/oder Kombination von einfacher Warenproduktion und kapitalistischer Produktions- weise - vorausgesetzt man erinnert sich daran, daß die ganze Dar- stellung des "Kapital I" noch eine A b s t r a k t i o n in dem von Marx bezeichneten Sinne ist); b) auch neue Strukturen mögli- cher Subjektualität charakterisiert, sowie die innere Beziehung von Warenfetischismus und Kapitalfetischismus, der den ersteren als seinen Teil und Erscheinung hat (vorausgesetzt, daß man die "Interpretation" der Wertgegenständlichkeit usw. als Verhältnis zwischen anthropologischem - "Wesen" und ihren "verdinglichten Eigenheiten" aufgibt). Die KPW ist eine neue Stufe der Vergesell- schaftung gegenüber der EWP. Aber diese intensive Vereinigung der Produzenten und ihre Vermittlung entsprechend der eigenen Form des Kapitalverhältnisses können nicht in "philosophische" Termini "rückübersetzt" werden (also in Anthropologie und/oder Ge- schichtsphilosophie). Wenn das geschieht, tilgt man den analyti- schen Zusammenhang zwischen Maßstab der Warenbeziehungen und Maß- stab der Klassenbeziehungen, der die Marxsche Konkretion des "Systems-in-der-Entwicklung", des "unmittelbaren Produktionspro- zesses des Kapitals" erst möglich macht, und in der Folge auch den Übergang zum "Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion" samt seinen Erscheinungsformen und "Oberfläche"-Gestalten, die notwendig "im Bewußtsein" der Produktionsagenten sind. Zwischen jener intensiven Vereinigung der Produzenten und der "extensiven" Vereinheitlichung des Menschengeschlechts, die vom Kapitalismus als epochale Phase hervorgebracht wird, besteht freilich ein enger Zusammenhang. Aber die Objektivierung dieser Vereinheitlichung, dieses unum, quod factum est et fit, i n s e i n e n W i d e r s p r ü c h e n, ist für die Reflexion nur deshalb möglich, weil der Kapitalprozeß "Gerippe" u n d "Fleisch" ist (Lenin), Ort der Kausationen, Schaffung von Struk- turen sowohl "materiellen" als auch "bewußten" Lebens (und daher auch möglicher Reflexion). Erst in den Kategorien des Kapitals entfalten sich hier objektive und zugleich einheitliche Gesetzmä- ßigkeiten ("Totalität" also, in nicht mehr metaphysischem Sinne): und in bezug auf diese werden die vorhergehenden Gestalten in re- bus zu "naturwüchsigen" Elementen degradiert, und zwar nach einer doppelten Dialektik: Subsumtion/Umwälzung (so das Formverhältnis von EWP und KPW) und Integration (historisches Verhältnis der partiellen Integration und Beherrschung zurückgebliebener Forma- tionen oder deren Elemente, usw.) 42). Dies führt uns auf den re- lativ abstrakten Charakter der Konkretion auf der Ebene des er- sten Bandes des "Kapitals" zurück. Das zweite wesentliche Resul- tat jener Abstraktion für den Aufbau des Kapitalfetischismus als analytische Kategorie besteht - wie oben erwähnt und worauf jetzt zurückzukommen ist - in der Tatsache, daß der Übergang von der Form der EWP zu derjenigen der KPW das Schema, nicht aber die Be- schreibung einer historischen Entwicklung ist 43). Diese Formu- lierung ist nun zu korrigieren: der historischen Entwicklungen gibt es viele verschiedenartige; die Abstraktionsebene des "unmittelbaren Produktionsprozesses" faßt die Bestimmung der "typischen Form", die in der Lage ist, sich national und weltweit die vorhergehenden Gestalten zu subsumieren. Der am weitesten entwickelte reale Kapitalismus, der bekanntlich zentraler Gegenstand der Untersuchungen von Marx war, wies eben diese Merkmale auf (sei es als konkretes kapitalistisches Land mit seiner Rolle auf dem Weltmarkt 44), sei es in bezug auf die theoretische Reflexion, wenn wir daran denken, daß die "Vollendung der Werttheorie" durch die kritische Aufhebung des in den Theorien der Klassiker s c h o n e r a r b e i t e t e n Wissens erreicht wurde, also u.a. auf der höchsten Stufe der V e r a l l g e m e i n e r u n g 45). Aber eine Andeutung des Verhältnisses von "jeweils existierenden historischen Bedingun- gen" und Konkretion des "Systems-in-der-Entwicklung" im Gesamt- aufbau der Theorie (DK 1, 2 u. 3) ist unumgänglich, wenn das Ver- hältnis zwischen "Erscheinungsformen" und historischen Strukturen der Subjektualität begriffen werden soll, jenseits der "anthro- pologischen" Mythologien, für die eine Gesellschaft eine Summie- rung von Individuen ist, die dann "das Konkrete" sein sollen, p l u s "Dinge" (aber "das Kapital ist kein Ding..."). (Solche Mythologien sind das Gegenstück in der Reflexion der tri- nitarischen Formel: sie haben gesellschaftliche Dauer und Festig- keit, gerade weil sie vom Kapital produziert werden, wie zu sehen sein wird). Die von Marx - im dritten und vierten Band des "Kapital" - ausge- arbeitete moderne Ideologietheorie ist Theorie einer phänomenalen Welt, einer Welt organischen Scheins, die "von der kapitalisti- schen Produktionsweise selbst" 46) produziert wird, nicht als Il- lusion oder "falsches Bewußtsein", sondern als notwendiger, ob- jektiver Teil der kapitalistischen gesellschaftlichen Reproduk- tion und damit der Konstituierung von möglichen widersprüchlichen Strukturen von Subjektualität in ihr. Daher wird ihre Realisie- rung in Klassen, Gruppen und Individuen (wo also ebenso die "Subsumtion" des Archaischen eine Rolle spielt wie - für das In- dividuum - die Zufälligkeit der individuellen Bildung) von For- malstrukturen regiert, die die Vorstellungen, die Idealitäten, die Werte usw. darum beherrschen, weil sie objektive Teile des widersprüchlichen materiellen Prozesses sind. Daher kann die tatsächliche Widersprüchlichkeit dieser Strukturen von Subjektua- lität nicht a priori 47) konstruiert werden, sondern ist zu ana- lysieren, indem man das D i s k r i m e n des Spiels der Formen der kapitalistischen Produktionsweise als Instrument der weiteren Konkretion benutzt ("reale Bewegung der Konkurrenz", tatsächliche Kapitalismen usw.). Aber ihre h i s t o r i s c h e W i d e r- s p r ü c h l i c h k e i t (Subsumtion der EWP unter die KPW) sowie ihre s t r u k t u r e l l e W i d e r s p r ü c h- l i c h k e i t (Rektion der Gestalten der Warenwelt durch die der Kapitalbewegung), also Einheit und Widerspruch, dessentwegen jene Gestalten dann sowohl materielle Diskretheiten (auch als Form oder Denken) sind, als auch und nur darum erkennbar (und rekonstruierbar in einer Theorie der kapitalistischen Ideologien) sind, - beide Widersprüchlichkeiten haben ihre Wurzel in der d i a l e k t i s c h e n k a p i t a l i s t i s c h e n N e- g a t i o n der EWP, in einer Expropriation der Produzenten, bei der "jeder einzelne Austauschakt... in genauester Übereinstimmung mit den Gesetzen der Warenzirkulation bleibt" 48). Auf der Abstraktionsebene, auf der Marx bei der theoretischen Konkretion des Produktionsprozesses des Kapitals vorgeht, sind die jeweils existierenden und die tatsächlich beim Übergang zur "spezifisch kapitalistischen Produktionsweise" vorhandenen histo- rischen Bedingungen im allgemeinen gerade das, was die kapitali- stische ÖGF als "System-in-der-Entwicklung" und sich selbstbewe- gende Totalität s u b s u m i e r t und zu "naturwüchsigen" An- tezedentien degradiert. Diese bestimmen allerdings immer, als "Zwitterformen", Überreste und (feudale, handwerkliche oder an- dere) Rudimente den Übergang einer gegebenen Gesellschaft zu ei- ner kapitalistischen Gesellschaft mit. Sie bleiben sogar je nach den nationalen und internationalen Entwicklungsbedingungen in je- weils unterschiedlichem Maße in der KPW bestehen, werden aber i h r e n G e s e t z m ä ß i g k e i t e n unterworfen 49). Das eigentliche - historisch revolutionäre - Merkmal der kapita- listischen Formation ist jedoch dies: jene "naturwüchsigen" Ele- mente wirken sowohl "vorher" (auf lokaler und nationaler Ebene) wie "nachher" (auf internationaler, weltweiter Ebene) als mehr oder weniger in Auflösung befindliche Subsysteme naturwüchsig i n n e r h a l b der modernen Gesellschaftsformationen und ih- rer Gesetze (und Widersprüche) weiter. In der theoretischen Kon- kretion ut sic, d.h. "vertikal" als "ideeller Durchschnitt" des "Gesamtprozesses" betrachtet, erscheint dies in einer ebenso zen- tralen (für die Kritik an Ricardo und die erst da erreichte voll- ständige Entwicklung der Werttheorie) wie typischen Gestalt: in der Marxschen Theorie der absoluten und der Differentialrente 50). Schon im "Manifest" wird die kapitalistische ÖGF als "Zerstörung" des Naturwüchsigen und "fortwährende Revolutionie- rung" der eigenen Grundlage gekennzeichnet: und durch diese Ei- genschaft stellt sie sich schon dort als Vereinheitlichung der Menschheit dar, als Entstehung der Urgeschichte und der realen Universalität des Widerspruchs. Aber auf der Abstraktionsebene des ersten Bandes des "Kapital" wird jenes Moment, auf das im "Manifest" genial hingewiesen wurde, k o n s t r u i e r t, und zwar durch die Formbestimmung, in die alle vorhergehenden aufge- nommen werden und wo das s u j e t des ganzen Werkes deswegen zum ersten Mal j u x t a p r i n c i p i a s u a als Selbst- bewegung entwickelt werden kann: die "Verwandlung von Mehrwert in Kapital", als bewegende Zelle des "kapitalistischen Produktions- prozesses im ganzen betrachtet", der "das Kapitalverhältnis selbst produziert und reproduziert" - auf der einen Seite den Ka- pitalisten, auf der anderen Seite den Lohnarbeiter". Zwischen diesen jedoch wird "das Austauschverhältnis" (das im "genauesten Einklang" mit den "ökonomischen Gesetzen der Warenproduktion" vollzogen wird) "bloßer Schein,... der dem Zirkulationsprozeß... angehört", und "die Scheidung zwischen Eigentum und Arbeit wird notwendige Konsequenz eines Gesetzes, das scheinbar von ihrer Identität ausging". Das Ganze ist ein "unvermeidbares Resultat... sobald die Arbeitskraft... als Ware verkauft wird", und "erst von da an verallgemeinert sich die Warenproduktion und wird sie typi- sche Produktionsform". Die Konkretion, d.h. die Reproduktion des realen Konkreten als ein "geistig Konkretes", das im oben angege- benen Sinne ein noch teilweise abstraktes, ideelles Konkretum ist, findet in folgender Weise statt. Einerseits werden alle vor- angehenden Formbestimmungen - vor allem die der Ware, der einfa- chen Zirkulation und ihrer Gesetze - zu abstractiones simplices degradiert 51) (oder, wie man gemeinhin sagt: die Bestimmungen der Warenproduktion werden in der kapitalistischen Warenproduk- tion dialektisch aufgehoben). Andererseits enthält auch die neue Formbestimmung, erste Formbestimmung der Selbstbewegung des Kapi- tals selbst im strengen Sinne und daher ebenso der historischen Subsumtion und Zerstörung des "Naturwüchsigen" wie auch der dia- lektischen Negation ihrer Voraussetzung (der einfachen Warenpro- duktion), mit der Theorie der erweiterten Reproduktion ein dyna- misches Moment, das real und auch begrifflich über sie hinaus- weist. Real: durch die historische Mission des Kapitals, die sich durch den "antagonistischen Charakter der Akkumulation" verwirk- licht. Begrifflich: Weil durch die Analyse des hier als Gesamtbewegung gesetzten Prozesses ("Gesamtdurchschnitt der (organischen) Durch- schnittszusammensetzungen (des Kapitals)" als "wichtigster Fak- tor" für die Untersuchung des "Einflusses, den das Wachstum des Kapitals auf das Geschick der Arbeiterklasse ausübt", und damit des Hauptwiderspruchs i m a l l g e m e i n e n), es allein möglich wird - im dritten Band und auf der Basis der im zweiten Band entwickelten Theorie der Zirkulation d e s K a p i t a l s - die "Gestalten des Kapitals" in der "wirklichen Welt" zu ent- wickeln; und zugleich wird es also möglich, durch Annäherung an die "Oberfläche der Produktion" und ihren "notwendigen" Schein, in einer neuen Richtung des Konkretionsprozesses das System-in- der-Entwicklung i n s g e s a m t zu rekonstruieren. Danach erst kann dieses Ganze zum Instrument werden für die umfassende Analyse der einzelnen, historisch verwirklichten Kapitalismen, der "wirklichen Bewegung der Konkurrenz", die an sich "außerhalb des Plans" des Werkes blieb. Diese umfassende Analyse schließlich wird f ü r u n s möglich, weil die in Band II und III vollzo- gene Konkretion eben nicht nur das "Gerippe" sondern auch das "Fleisch" liefert. So sehr, daß sie sich auch der "Form" bemäch- tigt, worin die tatsächlichen Gestaltungen d e s Kapitals und d e r Kapitale "auf der Oberfläche der Gesellschaft... und i m g e w ö h n l i c h e n Bewußtsein der Produktionsagenten" er- scheinen - d.h., n o t w e n d i g e (s u b j e k t u a l e) E r s c h e i n u n g s f o r m e n sind eines nicht "gesetzten" sondern geschichtlichen Wesens: eines Wesens, das ebenso materi- ell wie objektiv-gesellschaftliches Subjekt ist, "naturhistori- scher Prozeß" 52). Zweiter Teil folgt im nächsten Heft. _____ *) Die Übersetzung dieses in der SOPO in zwei Folgen erscheinen- den Textes aus dem italienischen Original (Il feticismo del capi- tale: una struttura storico-formale, "Quaderni di Critica marxi- sta", Rom 1976) besorgten Adria Lindt und Winfried Roth. Der er- ste, vom Verfasser übersetzte Abschnitt weicht vom Original ab. Eine ausführlichere Darstellung des hier vorgeschlagenen Ansatzes zur Ideologietheorie erscheint demnächst als Buch mit dem Titel: "Questioni di teoria dell'ideologia". Die Übersetzung ins Deut- sche ist vorgesehen. Abkürzungen: K. Marx: "Das Kapital", Buch 1, 2, 3, in MEW Berlin 1971 Bd. 23, 24, 25 = DK 1/2/3 und Seitenzahl. Hegels Werke zi- tiert mit Werksigle, Bd. Nr. und Seitenzahl der Werkausgabe, Frankfurt/M., 1969 ff. Lenin-Werke, Berlin = LW. Außerdem im Text: KPW = Kapitalistische Produktionsweise; EWP = einfache Wa- renproduktion; WZ = Warenzirkulation; ÖGF = ökonomische Gesell- schaftsformation. 1) Der Reflex i m a l l g e m e i n e n - als Möglichkeit der Widerspiegelung - ist "vor" jeder historischen Formation und soll daher als Eigenschaft der Materie - insofern sie zur Geschichte wird - vorausgesetzt werden. Erst die Ausführung kann hier ver- deutlichen, daß diese V o r a u s s e t z u n g in der Konkre- tion als abstrakt-funktionale Kategorie fungiert, nicht als Vor- aussetzung der Theorie selbst oder als ihre Selbstbegründung. Eine solche E i g e n s c h a f t d e r M a t e r i e ist et- was, das eine lange Geschichte hat; aber schon Diderot - in "D'Alemberts Traum" - sieht klar, daß hier der materialistische Standpunkt d i a l e k t i s c h ist und ebendort mit der idea- listischen Selbstbegründung der Theorie b r i c h t. In modernen Begriffen: die Ideologie als historisch-bestimmte Form oder klassenhegemoniale Gestalt ist gewiß ein bewußter Re- flex, subjektuale F o r m des g e s e l l s c h a f t l i- c h e n Lebens. (Vgl. W.I. Lenin, "Materialismus und Empiriokri- tizismus", Einleitung). Aber diese Bestimmung - subjektuale "Form" - hängt ab von der "Gestalt", d.h. dem historischen Kon- kretum und z u n ä c h s t der ökonomischen Gesellschaftsfor- mation, nicht vom "Reflex" in seiner abstrakten Allgemeinheit. Darum schreibt Lenin (LW 14,143) "Auch der Gegensatz zwischen Materie und Bewußtsein (ist) nur innerhalb sehr beschränkter Grenzen von absoluter Bedeutung", d.h. für die erkenntnistheo- retische Grundfrage: "außerhalb dieser Grenzen ist die Rela- tivität dieser Entgegensetzung unbestreitbar". Daher ist das S u bj e k t u a l e (Teil der historischen Gestalt und als solcher bestimmt) zu unterscheiden vom "Subjektischen", dem rei- nen möglichen Reflex. Dieses freilich kommt jeweils im Bewußtsein der menschlichen Individuen zur Existenz: aber von einer (philosophischen, wissenschaftlichen oder anderen) Erkenntnis zu sagen, daß sie das ist, ist entweder im banalen Sinn selbstver- ständlich oder es bedeutet, die Vermittlung jener Erkenntnis als Prozeß "im" Bewußtsein zu suchen usw. - Übrigens ist der "Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur" auf dieser Abstraktions- ebene ein zweideutiger Ausdruck: "der Mensch... tritt dem Natur- stoff selbst als eine Naturmacht gegenüber" (vgl. diese bekannte Passage in DK. 1, 192); dies sagt eben, daß in dem Prozeß, in dem überhaupt "m e n s c h l i c h e Arbeit" entstand, der "Stoffwechsel" der Natur selbst unter anderem "Arbeit", "Zweck" und "Bewußtsein" i m a l l g e m e i n e n produziert hat, also jenes abstrakte "Subjektische", das real und methodisch-lo- gisch den historisch-gesellschaftlichen Spezifikationen und De- terminiertheiten vorausgeht, in welchen allein "Arbeit", "Bewußtsein" (Subjektualität) usw. real, materiell-diskret und d a h e r auch erkennbar sind. 2) Daß nun dieses Problem: der Ort der Vermittlung, worin das Ob- jektsein der subjektiven Tätigkeit begründet wird, nun schon bald ein ganzes Jahrhundert durch die bürgerliche philosophische Dis- kussion hindurchgeht, erst einmal als theoretisches Selbstver- ständnis des Historismus, dann vornehmlich als Methodenstreit der bürgerlichen Soziologie, ist natürlich alles andere als zufällig. Vielmehr dürfte es möglich sein, durch diese Gestaltungen der wissenschaftstheoretischen Diskussion hindurch eine durchaus ob- jektive Verlagerung der Rolle historischer beziehungsweise sozio- logischer Erkenntnis im gesamtgesellschaftlichen Prozeß der bür- gerlichen Hegemonie nachzuzeichnen. Der aufsteigenden liberalen Bourgeoisie, welche die sogenannte "menschliche Sphäre" der bür- gerlichen Gesellschaft ohnehin durch scheinbar-rein ökonomische Automatismen beherrschte, war die einfache und glückliche Tren- nung von Welt der natürlichen Gesetzmäßigkeit und Welt der Frei- heit durchaus kongruent. In der Folgezeit wurde jedoch eine be- wußte Gesamtsteuerung aller gesellschaftlichen Prozesse zugleich erforderlich, durch Kapitalkonzentration, imperialistische Span- nungen, Auftreten der antagonischen Klasse, wie auch möglich durch zunehmende Verwissenschaftlichung der Institutionen der Herrschaft selbst. Nun mußte die vormalige Geisteswissenschaft zu theoretischer und praktischer Soziologie werden und der scheinbar rein philosophische Methodenstreit einer wissenschaftstheoreti- schen Diskussion weichen, welche zugleich konkrete Impulse aus der Praxis jener Soziologie aufnehmen konnte und ihren Wissen- schaftsbetrieb teils selbst steuerte, teils ideologisch ver- klärte. 3) Es ist dies nämlich das Unum und Necessarium des "wesent- lichen" Denkens, nicht der Darstellung allein: daran ist fest- zuhalten, wenn die berühmte Feuerbachsche Unterscheidung diesbezüglich, oft unbesehen, wiederaufgenommen wird. Am gleichen Ort schreibt Hegel, daß die Phänomenologie des Geistes ein "Beispiel" der Methode an einem "konkreten Gegenstande", dem Be- wußtsein, darstelle; und fügt in der Bearbeitung der Einleitung der WdL 1831 in einer Fußnote hinzu, daß er dasselbe an "anderen konkreten Gegenständen und respektive Teilen" der Philosophie durchgeführt habe. Vgl. auch WdL, 6, A. über das prinzipielle Verhältnis der Logik zum "Inhalt weiterer Teile der Philosophie, der Wissenschaften der Natur und des Geistes". 4) Vgl. L. Althusser: Lire le capital, Paris 1968, S. 160 f.; aber auch die Korrektur dieser, nicht zufällig an Feuerbach'schen Elementen anknüpfenden, Kritik der Methode eines historischen Wissens in L. Althusser: Elements d'autocritique, Paris 1974. 5) Marx an Kugelmann, 6. März 1868, MEW, Bd. 32. S. 538. 6) L. Gruppi: Gramsci, Philosophie der Praxis und die Hegemonie des Proletariats, Berlin (West) 1977, S. 165. 7) Über die Schwäche der Kategorie des "Ausdrucks" bei der Ana- lyse der Beziehungen von geschichtlichen Basis- und Überbauge- staltungen vgl. G. della Volpe: Kritik des Geschmacks (erscheint demnächst bei Luchterhand, Darmstadt). 8) Die Durchführung dieses Gesichtspunktes auf dem abstrakt-unzu- länglichen Boden der Subjekt/Objekt Dialektik im vormarxschen und vorleninschen Verständnis, d.h. als Begründung des Konkreten und nicht als einfacher Teil und Moment der Konkretion, für die d i e Subjekte nur gesetzt sind, führt notwendig zur Wiederher- stellung des Idealismus in der besonderen Gestalt der Identität von Prinzip und Gegenstand, des "historischen Resultats", das als "Begründung der Geschichte" fungiert: so klassisch bei G. Lukacs: Geschichte und Klassenbewußtsein, 1923, S. 29 ff. 9) K. Marx: Grundrisse, S. 22. Die dort folgende anti-hegelsche Entwicklung (für das Bewußtsein ... dem das begreifende Denken der wirkliche Mensch und daher die begriffene Welt erst das Wir- küche ist, - erscheint ... die Bewegung der Kategorien als der wirkliche Produktionsakt ... Dies ist ... wieder eine Tautologie ... (aber) soweit richtig, als die konkrete Totalität als Gedan- kentotalität, als ein Gedankenkonkretum in fact ein Produkt des Denkens ... ist) wird in Engels' (Brief an Mehring, 14. Juli 1893) Charakterisierung des ideologischen Prozesses verallge- meinert. 10) A. Gramsci: "Wahre Philosophien sind die ... Ideologien, wel- che durch ihre geschichtliche Expansivkraft ihre Wahrheit unter Beweis stellen". Davon sind die "abstrakt individuellen", "antihistorischen" Ideenkonstruktionen zu unterscheiden. Aller- dings haftet der "Ausführung durch Individuen" - d.h. der philo- sophischen Ideologien stricto sensu - immer ein Moment des ab- strakt-antihistorischen an. Das Mehr oder Weniger ist als histo- risch ermöglichtem und hergestelltem Grad der Wissenschaftlich- keit auszumachen. Aus dieser Sicht heraus werden hier Ideologien und Ideologiestrukturen prinzipiell als historische betrachtet, deren Gehalt in der formalen Ausformung der Texte (z.B. Wealth of Nations, Metaphysik der Sitten) n i c h t in dem Sinne erschöpfend auszuloten wäre, als ob die Texthermeneutik erklären könnte, w a r u m und w i e etwa Kant und Smith eben klassische Denker der bürgerlichen Epoche wurden. 11) Die Analyse philosophischer Texte als c o r p o r a v e r- b o r u m zeigt allgemein, daß ihre S t r i n g e n z (wenn vorhanden, versteht sich) sich für die deduktive Seite auf Konsequenzrelationen im weiten Sinne zurückführen läßt, niemals jedoch auf strenge Ableitbarkeit. Bekannt sind die "nihilisti- schen" Schlußfolgerungen aus dieser Einsicht, die in der "naiven" Phase des Wiener Kreises gezogen wurden. G. della Volpe hat dagegen versucht (Kritik des Geschmacks, Teil 2, und vor allem Logica come scienza storica, in Opere, IV, bes. S. 418 ff.) eine "geschichtliche Philologie" zu begründen, die klassische philo- sophische Texte als corpora verborum et rerum dadurch wieder- herstellt, daß ihre semantische Dimension als "omnikontextuale" (d.h. in einer endlosen Reihe von Texten) Bestimmtheit erfaßt wird. So wird z.B. möglich, das platonische Problem der Tautoheterologie mit dem gleich-ungleichen" Problem (und Lösung) bei Aristoteles analytisch zu vergleichen, und aus der Analyse geschichtlich-wahre "Ergebnisse" herauszuschälen, ohne auf irgendeine mystische Kontinuität "des" Denkens zu rekurrieren. 12) Vgl. DK 3, 838 f., und hier w.u., §§ 3 u. 4. 13) Vgl. MEW, Bd. 3, S. 37 ff. 14) "Gleichheit der Waren" erzeugt "Gleichheit der Individuen", in der Reflexion als Personen, vgl. Marx: Grundrisse, S. 154 ff., insbes. S. 160: -... der Tauschwert oder näher das Geldsystem in der Tat das System der Gleichheit und Freiheit ist..." usw. Daher die Illusionen Sismondis, Proudhons usw., bis - heute noch - zu den "marxologischen" - aber tatsächlich: neoanarchistischen - Pa- linodien über die Entfremdung d e r I n d i v i d u e n, die in Wahrheit nicht als "Individuen" gedacht werden, sondern als "Personen" im besten christlich-bürgerlichen Sinne. Über die "christliche oder ursprüngliche Person" als Kategorie der Ideolo- giegeschichte vgl. G. della Volpe: Rousseau und Marx, Darmstadt 1975, Kp. I. 15) Vgl. z.B. DK l, 593, und die Stellen aus Lenins "Volksfreunden" und "Philosophischen Heften" zit. W.K., Anm. 21. 16) DK 3, 839; und s.w.u. Anm. 20. 17) Vgl. die Skizze der Entstehung und vorwissenschaftlicher Gel- tung der "Halbdoktrin" der "Faktoren" bei A. Labriola: Über den historischen Materialismus, Frankfurt/M. 1974, S. 176 ff. Ande- rerseits wird hier die "materialistische Auffassung", welche den gesellschaftlichen Prozeß eben nicht mehr in einfach "Elemente" auflöst (S. 194), noch als "Höhepunkt" betrachtet, in dem die re- flektierte Vereinheitlichung der historischen Prozesse gipfelt (S. 190). Wir befinden uns also hier noch in der Phase der "Bekräftigung" der philosophischen Unabhängigkeit des Marxismus, noch nicht bei der Entfaltung dieser Unabhängigkeit als "wissenschaftlichen Konstruktion", die in der Phase der "theoretischen und praktischen Entwicklung des Hegemoniebegriffs" (oder des Leninismus) historisch notwendig und möglich wird (vgl. A. Gramsci: Quaderni del carcere, 1975, S. 1249). 18) Zum "Prinzip des abnehmenden Abstraktionsgrades" und seinem Verhältnis zur wissenschaftlichen Rekonstruktion der Erschei- nungsformen der Oberfläche ÖGF, s. P. Dobias: "Zur Struktur des Marxschen Systems", in: Aspekte der Marxschen Theorie, Nr. 1, Frankfurt/M. 1973, S. 230 ff.; im gleichen Band, der der "methodischen Bedeutung des 3. Bandes des 'Kapital'" gewidmet ist, s. auch Alfredo Medio: "Profit und Mehrwert, Schein und Wirklichkeit in der kapitalistischen Produktion", S. 277 ff.; eine gute Kritik der Interpretation Rosdolskys zu dem hier inter- essierenden Problem bietet W. Schwarz: "Das 'Kapital im allgemei- nen' und die 'Konkurrenz' im ökonomischen Werk von K. Marx", in: Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie, Nr. l, Frankfurt/M. 1974, besonders S. 228-230. Grundlegend sind die Arbeiten von W.S. Wygodski: Die Geschichte einer großen Entdeckung, Ber- lin(West) 1970, und: II pensiero economico di Marx, Roma 1975. Die erste Arbeit ist eine Rekonstruktion der "Vollendung der Werttheorie" durch die "Oberflächen"kategorien (Durchschnitts- profit usw.), die sich bei Marx vor allem im Manuskript von 1861/63 findet. Auf diese philologische Rekonstruktion sei für viele Momente verwiesen, die in diesem Aufsatz nur angedeutet werden. 19) DK 3, 839: "Wir (gehn) nicht ein auf die Art und Weise, wie die Zusammenhänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Zyklen der Industrie und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise... als... Naturgesetze erscheinen... weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz außerhalb unsers Plans liegt und wir nur die innere Organisation der kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen Durchschnitt, darzustellen haben". Vgl. aber auch, wie der "ideale Durchschnitt" von Aspekten des Unterschieds der Löhne absehen muß (DK 3, 152), wie die Wertstei- gerung und Entwertung usw. des konstanten Kapitals das "Kreditwesen ... und die Konkurrenz auf dem Weltmarkt, der über- haupt... Basis und... Lebenssphäre der kapitalistischen Produkti- onsweise ist", voraussetzen: auch hier bleiben "diese konkreteren Formen der kapitalistischen Produktion ... die nur umfassend dar- gestellt werden können, nachdem die allgemeine Natur des Kapitals in ihrem Begriff verstanden ist" außerhalb "des Plans... unseres Werks" (DK 3, 120). Das gilt auch für das Verhältnis zwischen den Zirkulationsformen und ihrem Sichüberschneiden mit der "wirklichen Konkurrenz" (DK 3, 53 f.). Vgl. die "Einleitung" zum dritten Abschnitt in DK 2, 351 ff. Wie die Schwierigkeit der gan- zen Theorie der Marktwerte (DK 3, Kap. 10) aus dieser "Überschneidung" folgt, wird weiter unten kurz angedeutet; s. aber A. Medio, a.a.O., S. 285 ff. 20) Vgl. DK 3, 340, sowie die "zwei Charakterzüge, welche die ka- pitalistische Produktionsweise von vornherein auszeichnen", die im 51. Kapitel des dritten Bandes resümiert werden (MEW, Bd. 25 , S. 886 ff.). 21) Vgl. W.I. Lenin: "Was sind die 'Volksfreunde' ...", in: LW 1, S. 130 ff., 158 ff., "Philosophische Hefte", LW 38, 142 (Gesetz und Wesen), 162 (Erscheinung und Wesen). 22) Vgl. A. Medio, a.a.O., S. 284. Im gleichen Band G. Pilling: "Das Wertgesetz bei Ricardo und Marx", S. 300-336. S. die Beob- achtungen von S. Casiccia: Lavoro, valore e prezzo nella teoria di Marx, Bari 1973, über die "qualitative Natur des Werts", S. 81, 85, 91, sowie die Beiträge von D.M. Nuti und L. Meldolesi in: Il dibattito su Sraffa, hrg. von F. Botta, Bari 1974. 23) Vgl. L.v.Bortkiewicz: "Zur Berichtigung der grundlegenden theoretischen Konstruktion von Marx im dritten Band des 'Kapital'", in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Jena 1907, III. Folge, 34. Band, S. 319: auch wenn 'jene einfache Beziehung zwischen q ... (Profitrate) und qo (gesellschaftliches Gesamtkapital)" - so schließt Bortkiewicz - inadäquat ist, f o l g t d o c h d a r a u s n i c h t, "daß die Profitrate von der organischen Zusammensetzung des gesellschaftlichen Ge- samtkapitals im allgemeinen nicht abhänge"; dies ist aber die Grundlage der anti-ricardianischen Analyse aus MEW 26/2, 22 ff., die später im DK 3, Kap. 8, entwickelt wird. 24) W.I. Lenin: "Volksfreunde...", LW 1, 138: "Die apriorischen Theorien... über Gesellschaft und Fortschritt im allgemeinen" be- weisen nur, daß mit solchen Fragestellungen zu beginnen, "mit dem Ende" zu beginnen heißt. - S. die brillante Analyse dieser Passa- gen, die L. Coletti: Marxismus und Soziologie, Berlin (West) 1972, zu der Zeit lieferte (ital. Ausg. S. 5), als er - unter dem Einfluß von della Volpe - sich dem dialektischen Materialismus annäherte: Wie in jenem Text die Instanz der materiellen D i s k r e t h e i t jene der materiellen E i n h e i t zu- rücktreten ließ, ergibt sich aus den Engels-Zitaten (a.a.O., S. 7). 25 W.S. Wygodski: Die Geschichte einer großen Entdeckung, Berlin (West) 1970, S. 15; vgl. W. Tuchscheerer: Bevor das 'Kapital' entstand, Berlin 1968: meines Wissens die genaueste Analyse der Verknüpfung von philosophischen Fortschritten und Fortschritten der Werttheorie bei Marx in der Periode 1843 bis 1858. 26) K. Marx: Randglossen zu A. Wagner ..., MEW 19, 358: Wagner vergißt, "daß weder 'der Wert' noch 'der Tauschwert' bei mir Sub- jekte sind, sondern die W a r e". 27) Die Existenz der KPW wird im allgemeinen durch die reale Sub- sumtion der Arbeit hergestellt. Sie ist a l s s o l c h e v o r a u s g e s e t z t zum ersten Mal in Abschnitt VII des ersten Bandes (Theorie der Akkumulation). Die ihr vorausgeschick- ten Abstraktionsklauseln (R e a l i s a t i o n des W e r t s der Ware durch den Kapitalisten, sein Eigentum am gesamten Mehr- wert; (DK 1, 590) werden später allmählich aufgehoben: vgl. das Schema der Konkretion, wo "der Form- und Stoffwechsel, den das Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre durchmacht", nicht mehr vorausgesetzt, sondern analysiert wird als Kreislauf und Umschlag individueller Kapitale und später des Gesamtkapitals - DK 2, 352. Die Klausel, die sich auf die Realisation des Werts bezieht, kann aufgehoben werden, wenn "die Verwandlungen... die wir in Buch II betrachtet", "im tatsächlichen Zirkulationsprozeß" und der Kon- kurrenz der Kapitale gesehen wen den (DK 3, 53), d.h. in den Ab- schnitten I und II des dritten Bandes. Die Klausel, die sich auf den Mehrwert bezieht, der sich ja in Unternehmergewinn, Zins und Rente aufteilt, wird in den Abschnitten V und VI des dritten Ban- des aufgehoben, wie Marx schon im ersten Band ankündigt. 28) "Worum es sich in diesem... Buch handelt", schreibt Marx am Anfang von "Kapital III", "kann nicht sein, allgemeine Reflexio- nen ... anzustellen" über die Einheit von Produktion und Zirkula- tion im "gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß"; "es gilt viel- mehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem Bewegungsprozeß des Kapitals ... hervorwachsen" (DK 3, 33). Vgl. die Ausführungen von Marx zu diesen "allgemeinen" Be- trachtungen in den "Grundrissen", S. 226. 29) Vgl. MEW 26.2, S. 161 ff. "Ricardo geht aus von der Bestim- mung der relative values" der Waren durch die "quantity of la- bour" ... und untersucht alle "übrigen ökonomischen Verhältnisse, Kategorien" usw. auf der Grundlage dieser "Bestimmung der W e r t g r ö ß e der Ware". Die "G e s t a l t, die besondere Bestimmung der Arbeit als Tauschwert ;¦ schaffend..." untersucht er jedoch n i c h t. Vgl. DK 1, 539: "Wo er (Ricardo) von der Produktivität der Arbeit spricht, da sucht er in ihr nicht die Ursache des Daseins von Mehrwert, sondern nur die Ursache, die seine Größe bestimmt." - Zum Zusammenhang von Ricardos Geldtheo- rie und den Illusionen des kleinbürgerlichen Sozialismus s. be- sonders MEW 26.3, S. 484 f., sowie die "Grundrisse", S. 160: "den Sozialisten ... die den Sozialismus als Realisation der von der französischen Revolution ausgesprochnen Ideen der bürgerlichen Gesellschaft nachweisen wollen ... ist zu antworten: daß der Tauschwert oder näher das Geldsystem in der Tat das System der Gleichheit und Freiheit ist und daß, was ihnen in der näheren Entwicklung des Systems störend entgegentritt, ihm immanente Stö- rungen sind, eben die Verwirklichung der Gleichheit und Freiheit, die sich ausweisen als Ungleichheit und Unfreiheit" (Hervor- hebungen A.M.). Zur theoretischen Bedeutung der Kritik der Ricardoschen Geldtheorie und der damit zusammenhängenden Analyse des Ricardoschen Sozialismus in der Entwicklung der Marxschen Werttheorie vgl. Wygodski, a.a.O., Kapitel 4 und 5, sowie Tuch- scheerer, a.a.O., S. 306-326. Eine Andeutung findet sich auch im sechsten Abschnitt dieses Aufsatzes. 30) MEW 25, S. 33. Auch wenn die Marx-Philologie den Legenden Lo- rias (s. aber auch Böhm-Bawerk, a.a.O., S. 96-99) über das Ver- hältnis zwischen dem ersten und dem dritten Band des "Kapital" endgültig ein Ende gesetzt hat, so ist doch das Problem der wei- teren im dritten Band vorgenommenen K o n k r e t i o n offen. Die "vertikale" Konkretion der Gestalten des Systems kann nicht u n m i t t e l b a r eine Reihe formal aus seinen Gesetzen ab- geleiteter Aussagen ergeben, welche das Verhalten der Handelnden "in" der Konkurrenz in einem formalisierten, kohärenten und voll- ständigen Aussagensystem ausdrücken könnten: denn die Gesamtheit dieser Verhaltensweisen als V e r h a l t e n s w e i s e n v o n W a r e n p r o d u z e n t e n ist in logisch-formalem Sinne w i d e r s p r ü c h l i c h. G. Pilling (a.a.O., S. 313) schließt daraus gegen Sweezy, Mandel und Dobb, daß "nur die Gesellschaft (kann) ... Rechnungsführer der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit sein". Vgl. auch die Feststellungen von J. Zeleny über den "Begriff" der kapitalisti- schen Produktionsweise in: Die Wissenschaftslogik und das 'Kapital', Frankfurt/M.-Wien 1973, S. 62 ff. Dagegen nimmt F. Eberle in: Aspekte der Marxschen Theorie 1, a.a.O., S. 363 ff., Stellung; für ihn würde eine solche Interpretation ein "Prinzip von Indeterminiertheit" implizieren. 31) Vgl. DK 1, 742 und "Grundrisse", S. 170. 32) "Mystische Vorstellung" ist hier die unbestimmte Abstraktion des Arbeitsprozesses, wo z.B. die Produktivität "der" Arbeit verglichen wird mit der "absoluten Fruchtbarkeit des Bodens", in einem Kurzschluß, der die "Naturbedingungen der gesellschaftli- chen Teilung der Arbeit" außer Acht läßt und ebenso ihre histori- sche Entwicklung in bestimmten gesellschaftlichen Formen, wodurch z.B. "mit dem Fortschritt der gesellschaftlichen Produktivität der Arbeit die Proportion (der Gesellschaftsteile, die von frem- der Arbeit leben, und der Masse der unmittelbaren Produzenten) absolut und relativ (wächst)", usw. (DK 1, 534 ff.). Bei aufmerk- samer Lektüre zeigt sich, daß schon im fünften Abschnitt des er- sten Bandes die sukzessive Untersuchung der Hypothesen über die Produktionsbedingungen von absolutem und relativem Mehrwert die verschiedenen Möglichkeiten als diskret bestimmte Momente der zum Kapital entwickelten Wertform unterschiedlich darstellt - ebenso wie später bei dem Wiederaufgreifen des Verhältnisses von Ge- brauchswert und Wert der Waren in der entwickelteren Form des M a r k t w e r t s (DK 3, Kap. 10). "Mystisch" im allgemeinen ist es, das Verhältnis von "Mensch und Natur", "Arbeit und Nut- zen" unabhängig von einer bestimmten Gesellschaft zu nehmen (philosophisch: zu begründen), also für die kapitalistische Ge- sellschaft: unabhängig von der Subsumtion/Bestimmung all dieser Momente durch das Wertgesetz. 33) Dies wird - auf der erreichten Konkretionsebene - im sechsten Abschnitt ("Der Arbeitslohn") entwickelt. Der Lohn ist "Erscheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und gerade sein Gegenteil zeigt, (worauf) alle Rechtsvorstellun- gen des Arbeiters wie des Kapitalisten (beruhn)", "alle Mystifi- kationen der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Frei- heitsillusionen, alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie". (DK 1, 562) Dies ist als direkter Verweis auf die Akkumulations- theorie (vgl. insbes. DK 1, 605-14) und über diese auf jene über die Durchschnittsprofitrate (vgl. insbes. DK 3, 177 ff.) zu le- sen. Der Verweis betrifft den fetischistischen Schein, jedoch als o r g a n i s c h e n Schein: Vgl. die Passagen in DK 3, 158-163, über das Dilemma zwischen "Wertgesetz" (der einfachen Warenproduktion) und "wirklicher Be- wegung, tatsächlichen Erscheinungen der Produktion" (s.u., Teil V). Vgl. auch die Absurdität des Ausdrucks "Preis der Arbeit", die (DK 1, Kap. 17) bezüglich der k l a s s i s c h e n Ökono- mie erörtert wird, mit der "verstandesmäßigen Verdolmetschung" der Sache im "gelben Logarithmus" der trinitarischen Formel (DK 3, Kap. 48), worin sich die Produktionsverhältnisse "auszudrücken scheinen (müssen)" (DK 3, 833 f.), wenn der einfache Arbeitspro- zeß mit Mehrwert produzierender Arbeit gleichgesetzt wird. 34) DK 3, 34. Die Passage lautet weiter: "Die Verselbständigung dieses Wertteils (des Kostpreises) macht sich in der wirklichen Produktion der Ware fortwährend praktisch geltend, da er aus sei- ner Warenform durch den Zirkulationsprozeß stets wieder in die Form von produktivem Kapital rückverwandelt werden, der Kostpreis der Ware also beständig die in ihrer Produktion verzehrten Pro- duktionselemente rückkaufen muß". Vgl. Wygodski, a.a.O., Kap. 7, zur direkten Entwicklungslinie von der Analyse des Mehrwerts zur Analyse des Profits als seiner E r s c h e i n u n g s f o r m und des K a p i t a l f e t i s c h i s m u s, wie sie sich in der Kritik an Smith und Ricardo 1862-63 herausbildet. 35) Hier liegt der Ausgangspunkt dafür, daß die Aufteilung des "jährlichen Produktionsfonds" ("Gesamtmasse der Gegenstände aller Art, worin die Gesamtsumme der Einzelkapitale oder das gesell- schaftliche Gesamtkapital im Laufe des Jahres sich verwandelt und wovon jeder Einzelkapitalist... einen aliquoten Teil in Händen hat") in Subsistenz- und Produktionsmittel sich auf der einen Seite als "stoffliche Zirkulation" vollzieht, auf der ändern als Metamorphose des Kapitalwerts, d.h. daß - unter dem Gesichtspunkt der Konkretion - die Gesamtbewegung begrifflich bestimmt wird, als Selbstbewegung des Kapitals; vgl. DK 1, 606 ff. 36) "Aneignungsweise", aber auch F o r m, vgl. DK l, 170 ("Zirkulationsform, worin sich das Geld zum Kapital entpuppt", v e r s u s "alle früher entwickelten Gesetze über die Natur der Ware, des Werts, des Geldes und der Zirkulation selbst"), die - in DK 2, Kap. 1 - in der Theorie des Kreislaufs des Geldkapitals entwickelt wird, wo Marx die Analyse von G-W wieder aufgreift als G-A: "wir können hier sagen ... Arbeit (statt Arbeitskraft), da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt" (DK 2, 34). Das bedeutet für unser Problem: die Kreislauftheorie stellt die Entwicklung des Fetischismus dar, insofern sie die Reduktion von Produktions- verhältnissen auf Austauschverhältnisse (unter Individuen) auf- zeigt. Vgl. Marx' Kritik am "vulgären Element" in Smith' Theorie, MEW 26.1, 60 f. 37) Die Gestalt der Verallgemeinerung und Umwälzung der einfachen Warenproduktion ist nicht nur für das "Kapital" zentral (vgl. z.B. DK 1, Kap. 24 über den "historischen" Prozeß der "logischen" Verwandlung von "Geld und Ware in ... Kapital"; ferner "die drei Haupttatsachen der kapitalistischen Produktion", die in bezug auf das Verhältnis von Verwertung und Krise resümiert werden - DK 3, 276 f.). Sie spielt eine bedeutende Rolle auch in den vorberei- tenden Arbeiten (vgl. K. Marx: Grundrisse, S. 167 ff. und S. 579 ff.; vgl. auch S. 565 ff. und den Kommentar Tuchscheerers, a.a.O., S. 398 u. 297 ff.: das "Individuum des Austauschs" als b e s t i m m t e s P r o d u k t der EWP). Manchen abstrakten Diskussionen über "Logisches" und "Historisches" bei Marx könnte eine Untersuchung des Verhältnisses EWP-kapitalistische Produkti- onsweise m.E. nützen. 38) K. Marx: Grundrisse, S. 157. Vgl. DK 3, 351 f., über die "natürliche Gerechtigkeit" beim Kapitalzins. Auch diese Stelle bringt nicht einfach eine Bekräftigung des Vorrangs der "Basis" gegenüber dem "Überbau": man lese im Kontrast, was Marx über die Form G-G' 1863 geschrieben hatte: In der "vollständigen Versach- lichung, Verkehrung und Verrücktheit des Kapitals als zinstragen- des Kapital ... (erscheint) ... nur die innere Natur der kapita- listischen Produktion" (MEW 26.3, 448). Über G-G' als "kompletten Fetisch" s.w.u. 39) DK 2, Kap. 4, s.w.u. Vgl. auch die Entwicklung des die pro- duktive Arbeit für die KPW fassenden Begriffs (die Bestimmung in DK 1, Kap. 5 dient zur K o n s t r u k t i o n des Begriffs "kapitalistische Form der Warenproduktion" - wie in DK 1, 211 de- finiert -, "reicht (aber) keineswegs hin für den kapitalistischen Produktionsprozeß", der jetzt (fünfter Abschnitt) a l s s o l c h e r auftritt und impliziert, daß produktive Arbeit = "Mehrwert produzierende Arbeit + Gesamtarbeiter" - DK 1, 531 f. - und wird endlich verallgemeinert in dem dialektischen Verhältnis von "Produktivgrad der gesellschaftlichen Arbeit" und organischer Zusammensetzung - DK 1, 650 ff. -). Auf die andere hier angedeu- tete "Linie" (Doppelcharakter der warenproduzierenden Ar- beit/konstantes und variables Kapital/Reduktion des fixen Kapi- tals auf einen T e i l des konstanten Kapitals/Entwicklung der F o r m u n t e r s c h i e d e in der Zirkulation) verweist Marx selbst in DK 2, 158. 40) Vgl. DK 3, Kap 10, bes. S. 186, 196, 200. Der organische Schein im Spiel von Zufuhr und Nachfrage wird entwickelt S. 203 ff.: Im Verhältnis von "Käufer und Verkäufer" als einfachen Indi- viduen setzt sich das Verhältnis der Verwertung der Kapitale durch und erscheint zugleich als ausgelöscht. 41) Dieses individualistische Bewußtsein ist g e g e b e n als Massenphänomen. Jedoch: die unmittelbare Gleichsetzung des Phäno- mens mit seinem Grund (etwa "kulturkritisch": Bürgerliche Welt = Individualismus, usw.) ist für jene Soziologie typisch, die "die beobachtete Tatsache" in "Gesetze" nur "verdoppelt" (A. Gramsci: Quaderni, S. 1433). Dagegen liefert Gramsci gerade an dieser Stelle ein Beispiel der materialistischen Anwendung einer Formal- struktur. Die der modernen Welt zugehörigen Bewußtseinsformen sind um so mehr mit archaischen und zufälligen Rückständen ver- schränkt, je vermittelter das Verhältnis einer Gruppe zur moder- nen Produktion ist (S. 1376, 1385, vgl. die Erörterung des "sensus communis" in Quaderno 10). Diese Bewußtseinsformen sind durch geschichtliche Prozesse v e r m i t t e l t, denen sie als T e i l e angehören: typisch in dieser Hinsicht ist die Analyse des sog. "italienischen Individualismus", (S. 814-816), usw. 42) Also: das "Menschengeschlecht" wird j e t z t rational denkbar jenseits der Universitas vorausgesetzter Personen der Aufklärung oder der "bürgerlichen Demokratie" (Grundrisse, S. 159) jenseits der "christlich-bürgerlichen Person". (Zum R e f l e x Charakter dieser B e g r ü n d u n g s k a t e g o- r i e s. G. della Volpe: Rousseau und Marx, a.a.O.) nämlich als naturhistorisches Wesen. Letzter Begriff ist allerdings mit jeder "Interaktion" "der" Menschen ebenso unverträglich, wie mit dem "homo oeconomicus" der klassischen politischen Ökonomie (und der ihr adäquaten Philosophen). Überwindung der philosophischen Anthropologie, Überführung des l e b e n d i g e n Erbes des klassischen Idealismus in die Kritik der politischen Ökonomie, sodann Realisierung dieses Erbes in der neuen historischen Subjektivität im Sinne der Hegemonie und des Leninismus sind m.E. unzertrennlich. Dag., s. U. Cerroni: "Cosmopolitismo e vie nazio- nali", in Rinascita 36, 1975. 43) Darum erlaubt es diese Abstraktionsebene z.B. nicht, die Be- dingungen des Überganges zur spezifischen KPW in verschiedenen Industriezweigen zu rekonstruieren, oder auch zu erklären, warum die Textilindustrie zumeist als erste den Übergang durchmachte, usw. 44) Nicht deswegen allein, weil England damals die "Weltfabrik" war. Wesentlich ist die eigengesetzliche Expansivität der KPW "einmal hergestellt" (worin auch das berühmte "de te fabula nar- ratur" im Vorwort von 1867 seinen Grund hat). Spezielle Momente der international verwirklichten KPW kommen außerdem in der Kon- kretion zum Tragen, z.B. DK 3, Kap. 35. 45) Über den in der Ausarbeitung der Marxschen ökonomischen Theo- rie durchzogenen Kreislauf "Konkret/Abstrakt/Konkret" s. Wy- godski: a.a.O., S. 122 f.: "Als Marx daran ging, seine ökonomi- sche Theorie auszuarbeiten, sah er sich genötigt, mit einer hi- storisch-kritischen Untersuchung zu beginnen, weil die Theorie und ihre Ausgangsthesen mittels der historischen Reproduktion der Theorie begründet werden müßten". Das schließt gerade n i c h t aus, daß "Ausgangspunkt der Marxschen ökonomischen Theorie... die kapitalistische Wirklichkeit selbst" gewesen, und daß im "Kapital" "die Geschichte des Kapitalismus und die Analyse der sie resümierenden B e g r i f f e" gegeben sei, gemäß der ebendort zitierten Formulierung Lenins. In der philologischen Re- konstruktion des Abstraktion/Konkretion-Prozesses (die Theorien über den Mehrwert, als Geschichte des "wirklich begreifenden Den- kens" zeigen "in der Hauptsache, wie sich die Marxsche Mehrwert- theorie entwickelt hat") erscheint dieser Prozeß d a r u m als Denkprozeß, der effektiv "Teil der Wirklichkeit" ist (ebenda), weil Abstraktion/Konkretion e b e n n i c h t als abstrakt-me- thodologisches, in Jedem Menschen" angelegten Schema hypostasiert wird, wodurch "die" Wissenschaft gegenüber "der" Empirie begrün- det werden könne. Vgl. dazu die Schlußfolgerungen Marxens (in: Grundrisse, S. 353): Das "Kapital im Allgemeinen" ist "nur Ab- straktion" zum einen, "aber nicht willkürlich" als differentia spezifica und in der Entwicklung der "abstrakten Besonderheiten", es ist "reelle Existenz" zum anderen, als Bewegungsgesetz der Einzelkapitale: Dieses Gesetz kann von der Ökonomie, die mit un- bestimmten (hypostatischen) Abstraktionen operiert, "anerkannt und n i c h t v e r s t a n d e n" werden. Vgl. die Randglos- sen zu A. Wagner .... bes. MEW 19, 364 ff, und hier Anm. 19. u. 31. Siehe dazu die Schlußfolgerungen G. della Volpes: Logica come scienza storica (übers, hier aus Opere, IV, 485): die "gegenseitige Funktionalität" von "Materie und Vernunft", die sich im "Kreislauf Konkret/Abstrakt/Konkret" ausdrückt, weist auf die Funktionalität für die Herstellung von Wahrheit, der "aktuellen, philosophischen, erkenntnistheoretischen, logischen usw. Erfahrung", und über diese auf die "zubefriedigenden histo- risch-materiellen Instanzen ... Die Wissenschaft ist... die ge- schichtliche, konkrete m e n s der Menschheit". Dem ist die oft als marxistisch mißverstandene Position L. Collettis geradezu entgegengesetzt: "Um materialistisch zu sein, muß der d i a- l e k t i s c h e M a t e r i a l i s m u s an der Heteroge- nität von Denken und Sein festhalten ... Die D i a l e k t i k d e r M a t e r i e hat aber nur Bestand wenn alle Realoppo- sition auf den Gegensatz von "Sein" und "Nicht-Sein", d.h. auf logische Widersprüchlichkeit zurückgeführt wird." (II marxismo e Hegel, Bari 1969, S. 264; vgl. dt. Ausg. Hegel und der Marxismus, 1976, S. 91). 46) Vgl. die schon zitierte Stelle DK l, 565. Es mag noch einmal betont werden, daß dies nur der erste Ort in der Darstellung ist, wo eine Entwicklung angekündigt wird, die in der Entwicklung der KPW selbst angelegt und den ihr eigenen Fetischismus ausmacht und der u.a. der letzte, VII Abschnitt von DK 3 a u s d r ü c k- l i c h gewidmet ist. 47) S.w.u., Abschn. VII. 48) Nur in diesem doppelten Rektionsverhältnis - das hier nur kurz umrissen wird - hat der Kapitalfetischismus tatsächliche Existenz, und ist eine Struktur der Subjektualität. Den Feti- schismus dagegen auf bloßen Schein zurückführen zu wollen, hat unweigerlich zur Folge, die Dialektik von Wesen und Erscheinung und die von Widerspruch und (historischer) Bestimmtheit in den F o r m e n der KPW subjektivistisch zu verflachen. (Vgl. die wiederholten Bemerkungen Lenins über die Einheit von Wesen und Erscheinung, g e g e n den Subjektivismus, z.B.: Philosophische Hefte, a.a.O., S. 162 ff., u. 198). Beispielsweise: in der KPW ist der Widerspruch von Kapital als "Schranke" (DK 3, 260) und Entwicklung der Produktivkraft v e r m i t t e l t, u.a. durch den Widerspruch von Realisation und Konsumtion. Der immer wieder in Krisenzeiten aufflammende Streit über Überproduk- tion/Unterkonsumtion verliert einerseits aus dem Blickwinkel, daß "die Produktion für die Produktion ... die historische Mission des Kapitalismus" ausdrückt ebenso wie "seine spezifische gesell- schaftliche Struktur" (LW 3, 44) usw. Andererseits: es nützt hier wenig, die Sayschen Platitüden höhnisch richtig zu beschwören (s. z.B. MEW 26.3, 116: "Says gewaltige Entdeckung, daß sich 'Waren nur mit Waren kaufen' heißt nur, daß Geld selbst die verwandelte Form der Ware", usw.). In diesem Streit wirkt allerdings der Schein fort, als ob alles auf Widersprüche des Warenaustauschs, Widersprüche von Wert und Gebrauchswert u.a.m., nicht eben auf Kapitalwidersprüche zurückzuführen sei. Die politischen, ideolo- gischen und philosophisch reflektierten Blüten dieses Scheins er- leben wir heute in Budapest, Mailand und anderswo. Es ist aber nicht möglich, diesen Schein anders als mit politisch-histori- scher Arbeit aufzulösen, weil in der KPW die Produktionsagenten in jenem Schein der Konkurrenz und der Zirkulation überhaupt n o t w e n d i g befangen sind: der "Schein" ist eben o r g a- n i s c h E r s c h e i n u n g s f o r m. Allgemein gesagt: in der Konkretion geht der Widerspruch durch sämtliche Gestalten, als Widerspruch der Formen und Übergang zur nächsten Form. Im realen Konkretum hat der Widerspruch, der sich so in der w i r k l i c h e n E r s c h e i n u n g s w e l t vermittelt, seinen allgemeinen Begriff darin, daß die Produktivkräfte sich nicht anders entwickeln, keine andere historische Existenz haben, als in den Produktionsverhältnissen; und auch die Hauptproduktiv- kraft, die Menschen, entwickelt sich und wird überhaupt konkret bewußt, nur i n jener Bestimmtheit. So wird z.B. der Grundwider- spruch (von gesellschaftlicher Form der Produktion und kapitali- stischer Form der Aneignung) zum historischen Hauptwiderspruch von "Kapital" und "Arbeit" a l s K l a s s e n, jedoch in der gesamten Vermittlung, im "Fleisch" des "Gerippes", in der "wirklichen Bewegung der Konkurrenz", in nationalen historischen Blocks von Klassen und Klassenhegemonien, politischen und sonsti- gen Beziehungen usw. - D i e B e s t i m m t h e i t d e s W i d e r s p r u c h s i s t d i e B e s t i m m t h e i t d e r G e s t a l t e n: und ebensowenig kann es glücken, auch nur eine der Gestalten ohne Dialektik zu begreifen, als "die" Dialektik "des" Widerspruchs "jenseits" der Gestalten abzuleiten. (Dies gilt nur streng genommen. Formuntersuchung und heuristische Darstellung sind trotzdem unumgänglich. Sie sind Teil der realen Vermittlung selbst.) Darum ist auch die subjektivistische Reduk- tion des Kapitalfetischismus, dieser Subjektualstruktur der Ge- stalten auf "bloßen" Schein gleichbedeutend mit einer Kapitula- tion vor der naiven und metaphysischen Theorie "des" Bewußtseins, das "sich" täuscht, des "falschen" Bewußtseins usw. Diesem muß dann in der Auseinandersetzung von episteme versus doxa das Licht der Wahrheit von oben gespendet werden. Der Kampf von Vernunft versus Verstand tritt an die Stelle des Kampfes der Klassen, an die Stelle der "wahren" oder "historisch expansiven" Ideologien im Sinne Gramscis, in welchen sich der Klassenkampf realhisto- risch vermittelt: "Die These, daß die Menschen sich auf dem Boden der Ideologien der historischen Konflikte bewußt werden, hat nicht psychologische oder moralisierende, sondern e r k e n n t- n i s t h e o r e t i s c h e Bedeutung". 49) Aus der Debatte zu diesem Aspekt (Integration früherer Mo- mente) sei hier bes. verwiesen auf C. Luporini: "Marx secondo Marx", in: Critica marxista, 2/1972), und L. Calabi: "In margine al 'problema della trasformazione'" (ebenda, 4/1972). 50) Vgl. Lenins Ausführungen zur Marxschen Rententheorie (LW 5, 114-124), und die Bemerkungen dazu bei Wygodski, a.a.O., p. 305. 51) Den Ausdruck abstractio simplex wähle ich, um festzuhalten, daß die dialektische Aufhebung hier Konkretion ist, in der die Weiterentwicklung der Abstraktionen stufenweise und als spezifi- sche Determinierung stattfindet. In d i e s e m Abschnitt benützt Marx übrigens den Ausdruck "Dialektik" nicht für die Re- produktion des Konkretum als "geistigen", sondern für den realen Prozeß selbst. 52) Vgl. die Entsprechung zwischen Marx' bildhaften Formulierun- gen in DK 1, 101 ("Am Anfang war die Tat... Die Gesetze der Wa- rennatur bestätigen sich im Naturinstinkt der Warenbesitzer"), und den Ausführungen Engels' über die objektive u n d bewußt- seinsmäßige historische Dimension der EWP, in "Ergänzung und Nachtrag zum III Buch des 'Kapitals'", DK 3, 906-909. zurück