Quelle: Sozialistische Politik Jahrgang 1977


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       Diskussion & Kritik
       
       Thomas Waldhubel, Silke Wenk
       (Projektgruppe Automation und Qualifikation)
       

TECHNISCHER FORTSCHRITT, ENTWICKLUNG DER PERSÖNLICHKEIT UND MARXISTISCHE THEORIE (2)

Antwort auf W. Wotschack (SOPO 37/38) *) ---------------------------------------- Fortsetzung von Teil 1 (SOPO 40) -------------------------------- IV. Die heutige Aufgabe: Anwendung des Marxschen Verfahrens ----------------------------------------------------------- Die Bedeutung der Entwicklung individueller Fähigkeiten für die Teilnahme am politischen Kampf zur Beseitigung "der Herrschaft des Produkts über die Produzenten" 67), damit die "Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst machen" 68) können, er- schließt sich auch rückblickend von den Anforderungen und Mög- lichkeiten der Individuen her, wie sie die "planmäßige bewußte Organisation" 69) der gesellschaftlichen Produktion erfordert und bedingt. Die gesellschaftliche Aktivität der Teilnahme an der Leitung und Planung der gesellschaftlichen Prozesse im Sozialis- mus "zeichnet sich durch freies, bewußtes, aus innerem Antrieb resultierendes, auf den gesellschaftlichen Fortschritt gerichte- tes Handeln aus... Jeder gesellschaftlichen Aktivität wohnt ein bestimmtes Maß an Bewußtsein, an Kenntnis und Voraussicht gesell- schaftlicher Fernwirkung inne". 70) Erfordert nicht die gesell- schaftliche Aktivität zur Überwindung der Verhältnisse herrschen- der Privatmächte ähnliche Fähigkeiten bei den Individuen? Und setzt andererseits nicht gerade der Kapitalismus der Herausbil- dung solcher Fähigkeiten enge Grenzen, indem die von den Menschen verursachten und geschaffenen Dinge zu Mächten über die Menschen werden? Wie können Fähigkeiten und Haltungen, die gesellschaftli- ches, planendes und organisierendes Handeln ermöglichen, entste- hen, wenn die Produktionsverhältnisse die Produzenten unter die Herrschaft "fremder Mächte" zwingen? Bedeutet die Herausbildung kämpferischer Persönlichkeiten unter diesen Bedingungen nicht, daß die Entfaltung gesellschaftlicher Aktivität gerade die durch die zu überwindenden Verhältnisse gesetzten Grenzen überwinden und Zukünftiges realisieren muß? Wie ist eine solch widersprüchliche Anforderung überhaupt erfüll- bar? Auf welche Art können die über die gegenwärtige Gesellschaft hinausweisenden Persönlichkeitsmomente der gesellschaftlichen Ak- tivität entwickelt werden, wo ist der Ort dieser Entwicklung, wie können diese Umwälzungsfermente auf der individuellen Ebene empi- risch erforscht werden? Innerhalb der materialistischen Geschichtsauffassung wird der menschlichen Arbeit die zentrale Rolle für die Entwicklung der Menschheit überhaupt beigemessen 71). Innerhalb der adäquaten Theorie vom Individuum wird die gesellschaftliche Arbeit als ma- terielle Grundlage der Herausbildung menschlicher Fähigkeiten an- gesehen. Der Untersuchungsort ist damit bestimmt, die Stätte der Arbeitstätigkeit ist aufzusuchen 72). Untersuchung der konkreten Arbeitstätigkeit des einzelnen Individuums! Findet nun die Arbeit nicht immer auch schon in gesellschaftlichen Verhältnissen statt und ist notwendiger Bestandteil der Reproduktion dieser Verhält- nisse? Erneut wirft der Gegenstand, die Arbeitstätigkeit in ge- sellschaftlichen Verhältnissen, das Problem der bestimmten Nega- tion auf: welches ist die zukunftsträchtige Perspektive in der individuellen Arbeit und der dazu erforderlichen Fähigkeiten etc. einer gesellschaftlichen Produktion, wie sie als widersprüchliche Einheit von Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß bestimmt ist? Wo- her ist diese Perspektive zu gewinnen? Bei der Lösung dieser Probleme kommt dem Forscher eine histori- sche Besonderheit zu Hilfe und schafft neue Möglichkeiten des Er- kenntnisgewinns. Schuf der Kapitalismus die materiellen Voraus- setzungen für eine von der Herrschaft der Dinge und Menschen über Menschen befreiten Gesellschaft, so existieren mit den verschie- denen Ländern der sozialistischen Staatenwelt unterschiedlich entwickelte Beispiele dieser zukünftigen, den Kapitalismus ablö- senden Gesellschaft. Die Diskussion um den Aufweis der Realisie- rungsmöglichkeiten der Ziel Vorstellung "Sozialistische Persön- lichkeit" in diesen Ländern muß selbst wiederum diese Zielvor- stellung als eine in der Wirklichkeit selbst begründete Entwick- lungsperspektive auf eine materielle Grundlage stellen. Wie also stellt sich der Zusammenhang von Arbeit und Persönlichkeitsent- wicklung in den sozialistischen Ländern dar? "Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die ökonomischen Epochen" 73). Erfor- dern die neuartigen Produktionsverhältnisse des Sozialismus zu ihrer Ausfüllung nicht dementsprechend eine neuartige Produkti- onsweise? Bei dem DDR-Historiker Wolfgang Jonas findet sich der Hinweis, daß die alten vom Kapitalismus übernommenen Produktiv- kräfte zu Widersprüchen führen, die mit Macht zur Lösung durch Revolutionierung der Produktivkräfte drängen 74). "So entspringen zum Beispiel der Fließbandfertigung teilweise gesetzmäßige Wir- kungen, die zwar dem kapitalistischen Profitstreben voll entspre- chen, aber unserer sozialistisch-kommunistischen Zielstellung und dem Wesen unserer Produktionsverhältnisse entgegengesetzt sind" 75). Dieser Widerspruch zwischen den sozialen Verhältnissen und der Art der Produktion sei durch die Revolutionierung der Produk- tivkräfte, "durch die Automatisierung von Routineprozessen" 76), zu lösen. "So, wie mit der Industriellen Revolution des Kapita- lismus sich eine Gesamtrevolution der Struktur und Dynamik der Produktivkräfte vollzog, bahnt sich eine solche auch mit der wis- senschaftlichtechnischen Revolution des Sozialismus-Kommunismus an" 77). Ausgehend von der Bestimmung der Automation als adäquate sozialistische Produktionsweise wurde in dem Beitrag "Wissenschaftlich-technischer Fortschritt und individuelle Eman- zipation" skizziert, auf welche Art in den veränderten Arbeitstä- tigkeiten Fähigkeiten, Kenntnisse und Haltungen erforderlich wer- den, die es den Produzenten ermöglichen, gesellschaftlich zu den- ken und zu handeln, sich zu sozialistischen Persönlichkeiten zu entfalten. Rückblickend kann die dabei vollzogene Abstraktion von den Pro- duktionsverhältnissen aus methodischen Überlegungen heraus als doppelt gerechtfertigt und notwendig erkannt werden, eine Ab- straktion, die uns von W. als Vernachlässigung der "Entwicklung der Produktionsverhältnisse" /134/ angekreidet wird und zu einer Position des "technologischen Determinismus" /130/ führe. Han- delte es sich um eine Untersuchung der Entwicklungsbedingungen von sozialistischen Persönlichkeiten, so ist vom Gegenstand her der Sozialismus immer schon mitgedacht. Darüber hinaus sind ge- sellschaftliche Verhältnisse keine "leere Abstraktion", sondern werden von den Individuen der Gesellschaft beständig reproduziert und weiterentwickelt. Wurde von uns die materielle Basis der Ent- faltung sozialistischer Persönlichkeiten untersucht und die Ent- wicklung von "Wesenszügen sozialistischer Persönlichkeiten" in der Automationsarbeit aufgespürt, so war damit das Moment gefun- den, welches auch die Verhältnisse zwischen den Individuen ver- vollkommnet und weitertreibt. 78) Von wem, wenn nicht von sozia- listischen Persönlichkeiten, sollen die sozialistischen Verhält- nisse vollzogen und weiterentwickelt werden? Führt W. aber gegen ein solches Untersuchungsverfahren ins Feld, es werde "Automation ... zu der Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung" /120/ gemacht und stattdessen müsse die "Durchsetzungsform dieses all- gemeinhistorischen Prozesses" /122/ betrachtet werden, dann trifft der darin enthaltene Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit keineswegs. Wird mit der Automation die materielle Basis der ge- sellschaftlichen Weiterentwicklung analysiert, so ist die "Anerkennung der relativen Selbständigkeit z.B. des technischen Fortschritts ... nicht gleichbedeutend mit der Behauptung seiner angeblich ursächlich determinierenden Rolle" 79), werden keines- wegs die neuen Produktionsverhältnisse negiert, durch welche, insbesondere "durch die Freisetzung der Hauptproduktivkraft Mensch... die Bedingungen für eine stürmische Entwicklung der Produktivkräfte gegeben und die notwendigen historischen Voraus- setzungen geschaffen (sind), diese Entwicklung je nach erreichtem Entwicklungsstand der Produktivkräfte in eine Revolutionierung des gesamten Systems der gesellschaftlichen Produktivkräfte über- zuleiten" 80). Spielt in dem Verhältnis von Produktionsverhält- nissen und Produktivkräften die materielle Basis in Gestalt der Produktivkräfte die "revolutionierende Rolle" (Schleifstein), so führt das bloße Starren auf die gesellschaftliche Form, in der diese gesellschaftlichen Produktivkräfte entwickelt werden, zur Auslöschung des weitertreibenden Widerspruchs und damit zur Unfä- higkeit, die Wege der gesellschaftlichen Weiterentwicklung über die Entwicklung der Individuen in der verwirrenden Landkarte der Wirklichkeit herauszufinden und zu begehen. Hätte W. den Artikel von K.H. Teßmann nur weiter zur Kenntnis genommen, und nicht nur die einleitenden Bemerkungen, die er zitiert, um den Vorwurf des "technologischen Determinismus" zu erheben /120/, er wäre darauf gestoßen, daß "die Begründer unserer wissenschaftlichen Ge- schichtsauffassung die letzten Quellen für den historischen Fort- schritt in den inneren Widersprüchen und Entwicklungsgesetzmäßig- keiten der jeweiligen, historisch konkreten, formationsspezifi- schen ökonomischen Produktionsweise aufdeckten" 81)! Den Fort- schritt zu planen und zu gestalten, erfordert daher die Auseinan- derfaltung der widersprüchlichen Einheit einer bestimmten Produk- tionsweise, in der "die Produktivkräfte das sich letztlich durch- setzende kontinuierliche Moment darstellen" 82), um die materiel- len Bedingungen der gesellschaftlichen Weiterentwicklung identi- fizieren zu können. Das Festhalten der gesellschaftlichen Ver- hältnisse als letzte Erklärungsursache führt dagegen nicht zu dieser Erkenntnis, sondern vielmehr zu einer Festschreibung des Bestehenden und zur Aufgabe der notwendigen Weiterentwicklung. Wie wir gesehen haben, wird eine solche freiwillige Abschneidung der eigenen Zukunft von den Theoretikern der sozialistischen Län- der keineswegs empfohlen. Der Aufweis der Realisierungsmöglichkeiten sozialistischer Per- sönlichkeiten in und aufgrund automatischer Produktion gestattet es, bestimmte utopisch erscheinende, weil in der Wirklichkeit noch nicht unmittelbar sichtbare Elemente der Zielvorstellung "allseitiges Individuum" von Marx, zu konkretisieren und als in der Wirklichkeit selbst gründende Entwicklungsperspektiven durch die Weiterentwicklung der materiellen Basis zunehmend zu reali- sieren. Wurde von der materiell begründeten Perspektive sozialistischer Persönlichkeiten aus die Kritik an gewissen in der DDR prakti- zierten , Veranstaltungen' zur 'Erzeugung' sozialistischer Ver- haltensweisen geführt, und als hemmende, den Zielen teilweise wi- dersprechende problematisiert, so handelt es sich dabei keines- wegs um eine "einfache Negation zu einem utopisch konstruierten Ideal" /132/. Weder stellt die Zielvorstellung sozialistische Ei- gentümer ein "utopische konstruiertes Ideal" dar, noch wurde eine lediglich "einfache Negation" geführt. Der mit dem Marxschen Ver- fahren vertraute Leser wird stattdessen in dem Aussprechen der hemmenden und zu überwindenden Einflüsse beispielsweise der Ver- mittlung äußerlicher Moralvorstellungen die "bestimmte Negation" eingesetzt finden. W. wendet gegen dies Verfahren ein: "Die Auto- ren kritisieren zwar bestimmte Entwicklungen im Überbaubereich der DDR als hemmende für die Persönlichkeitsentwicklung, geben aber grundsätzlich nicht an, ob diese überhaupt eine Relevanz be- sitzen, und wie etwa nicht hemmende vorzustellen seien". /132/ Der letzte Vorwurf erledigt sich aus dem bisherigen von selbst. Möchte der Verfasser aber sagen, daß die Politik der SED für die gesellschaftliche Entwicklung der DDR keine "Relevanz" besitzt und folglich auch die "zehn sozialistischen Gebote" des ehemali- gen Parteivorsitzenden Ulbricht irrelevant gewesen sind? - Im gleichen Zusammenhang macht W. uns eine bedenkenlose Vermischung zweier "auf unterschiedlicher Ebene angesiedelte Aspekte der Wir- kungen auf die Entwicklung der Persönlichkeit" /132/ zum Vorwurf: den "gesellschaftlichen Lebens- und Arbeitsprozeß" /133/ und den "Prozeß der Vorbereitung" durch Pädagogen u.a. Der Autor sieht bei uns eine "Identifizierung" /133/ der beiden Aspekte. Warum? Wie an unserem Beitrag überprüfbar, wurde gerade der Anspruch des sozialistischen Bildungswesens ernstgenommen, im notwendigen Vor- lauf zu der Entwicklung der Arbeit die prognostizierbaren Fähig- keiten, Kenntnisse und Haltungen den zukünftigen Produzenten zu vermitteln. Es wurden die "Aussagen von Pädagogen" /133/ über die Herstellung sozialistischer Verhaltensweisen mit den absehbaren Anforderungen der Automationsarbeit und mit der Zielvorstellung "sozialistische Persönlichkeit" konfrontiert und von den Anforde- rungen des "Lebens- und Arbeitsprozeß" her eine Kritik an diesen Vorstellungen geführt. Dient das Bildungssystem der Vorbereitung, so ist die Angemessenheit der Vorbereitung an dem, woraufhin vor- bereitet wird, zu überprüfen. Allerdings wurde damit noch keine Erklärung gefunden, die das historisch bedingte Auftreten der kritisierten "Überbauerscheinungen" aus den materiellen Verhält- nissen heraus ableitet. Dies war nicht Gegenstand unserer Skizze. Vielmehr sollten die Resultate dieser wissenschaftlichen Problem- verarbeitung am Ort ihres Wirksamwerdens auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft werden, wobei die Perspektive "Sozialistische Per- sönlichkeit" als Maßstab der Beurteilung benutzt wurde. Kehren wir, nachdem mit der "Sozialistischen Persönlichkeit" der Maßstab der bestimmten Negation gefunden wurde, zu unserer Pro- blemstellung zurück, auf welche Art in der Arbeit unter kapitali- stischen Verhältnissen Elemente der Persönlichkeitsentwicklung herausgefunden werden können, die als Vorgriff auf die "Sozialistische Persönlichkeit" für politisch Handelnde in dieser Gesellschaft notwendig sind. - Der "historische Wert" des Kapi- tals 84) liegt in der Schaffung der materiellen Grundlagen einer unmittelbar gesellschaftlichen Produktion; es ist "ein w e- s e n t l i c h e s V e r h ä l t n i s f ü r d i e E n t- w i c k l u n g d e r g e s e l l s c h a f t l i c h e n P r o d u k t i v k r ä f t e" 85). Es ist der innere Zwang der Kapitalgesetze, der zu einer beständigen "Revolutionierung" der materiellen Produktivkräfte führt. Betrachtet man nur die Güter und Genüsse, die zum alltäglichen Bedarf heutiger Menschen gewor- den sind, so ist unzweifelhaft, daß die Produktivkräfte im Laufe der letzten hundert Jahre, also seit Marxens Zeiten, in ungeheu- rem Maße vorangetrieben wurden. Führte die Einsparung lebendiger Arbeitskraft zunächst zu immer weitergehender Zerlegung der Ein- zelarbeiten bis zu den bekannten Erscheinungen des Fließbandes, so wurde über diese Entleerung und Verarmung der Arbeitstätigkei- ten auf inhaltslose und eingeschränkte Routineverrichtungen die Übernahme dieser Resttätigkeiten der Produzenten durch selbstre- gulierende Steuerungsmechanismen vorbereitet. Durch die Automa- tion wurde und wird das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine grundlegend verändert. W. scheint sich über diese grundlegende Umwälzung nicht im Klaren zu sein und führt gegen einen mißverstandenen Automationsbegriff in tiefster Ahnungslosigkeit an, Automation könne mit einem rela- tiv hohen Anteil an schwerer körperlicher Arbeit verbunden sein /124/ oder unterstellt uns einen Automationsbegriff, der die volle Freisetzung von menschlicher Arbeit beinhalte /127/. Einen entwickelteren Gegenstand, hier die Automation, in seinen wesens- mäßigen Zusammenhängen zu begreifen erfordert 86), den Prozeß der Entwicklung, der Automation, in seinen entwicklungsnotwendigen Stufen in logisch-historischer Analyse aufzuzeichnen. Erst der Nachvollzug des Entstehungsprozesses liefert den vollen Begriff des entwickelten Gegenstandes. Gemäß dieser methodischen Anforde- rung wurde in den Arbeiten des Projekts 87) ein Automationsbe- griff vorgeschlagen, der weder einseitig die Freisetzung von Ar- beit als Perspektive beinhaltet, noch sich an besonderen Erschei- nungen nicht voll entwickelter Automation festmacht, sondern das Wesen der Automation in dem geänderten Mensch-Maschine-Verhältnis sieht 88). Ein Verhältnis, welches die Produzenten aus dem unmit- telbaren Fertigungsprozeß entläßt und von ihnen die vornehmlich geistigen Tätigkeiten der Überwachung, Kontrolle und Planung for- dert. Wo also begriffliche Klarheit vorgeschlagen wurde, sollte auch W. nicht Unklarheit schaffen und sich durch Kunstgriffe An- griffspunkte schaffen, indem er z.B. unterstellt "die theoreti- sche Grundlage ihres Automationsbegriffs ist beschränkt auf Frei- setzung von lebendiger Arbeit" /122/. Von hier aus fällt es W. nicht schwer zu behaupten, in den Thesen zur individuellen Ent- faltung werde von den "Verhaltensweisen der Produzenten im unmit- telbaren Produktionsprozeß grundsätzlich" /133/ abstrahiert, üb- rig bliebe ein "sich mit der Technik einstellendes Verhaltenssyn- drom der Automationsarbeiter" /133 f./. Wird von W. die grundle- gende Umwälzung des Mensch-Maschine-Verhältnisses in der Automa- tion nicht gesehen, können die Arbeitstätigkeiten und die dazu erforderlichen Fähigkeiten und Haltungen nicht identifiziert wer- den, so muß er in deren Aufweis und der Bedeutung dieser Tätig- keiten für die Persönlichkeitsentwicklung eine Theorie sehen, die "die Persönlichkeitsentwicklung als eine besondere Form des Mensch-Maschine-Verhältnisses" /119/ darstellt. Angesichts der Doppelgesichtigkeit der Technik im Kapitalismus kann eine solche Kritik mit der oft auch noch bei fortschrittlichen Lesern beste- henden Technikfeindlichkeit rechnen, muß aber den grundlegenden Zusammenhang zwischen Arbeit, Arbeitsmittel und Persönlich- keitsentwicklung aufgeben. 89) Das Kapital schafft unter heutigen Bedingungen also nicht nur die materiellen Voraussetzungen des Sozialismus, sondern in seinem Heißhunger nach Profit entwickelt es in zunehmend umfassenderen Ausmaß die Automation als sozialistische Produktionsweise 90), wozu zum Beispiel das erste sozialistische Land ungeheure und jahrzehntelange Anstrengungen vollbringen mußte 91). Die Perspek- tive der sozialistischen Persönlichkeit, in den sozialistischen Ländern auf Grundlage der Automation zunehmend realisiert, kann nun ihrerseits als die die "bestimmte Negation" anleitende Per- spektive benutzt werden bei der Untersuchung der Automationstä- tigkeiten. Sie kann nicht nur, sondern muß es, denn unterschied- liche Ergebnisse über die durch die Automation erforderliche Qua- lifikation der Produzenten zeigen auf, daß die empirische For- schung ohne eine Perspektive dieser Arbeitstätigkeiten weder for- mationsspezifische Momente von den produktionsnotwendigen und vorwärtsweisenden noch wesentliche von den unwesentlichen Aspek- ten trennen kann und rettungslos in der Vielfalt der Erscheinun- gen versinkt 92). Die historische Gleichzeitigkeit von Kapitalis- mus und Sozialismus führt also dazu, daß bei der Untersuchung der durch den Kapitalismus geschaffenen und weiterhin vorangetriebe- nen materiellen Grundlagen der zukünftigen Gesellschaft die Re- alisierung und Entfaltung dieser Grundlagen im existierenden So- zialismus als Maßstab der Unterscheidung von fortschrittlichen und formationsspezifischen Entwicklungstendenzen in der materiel- len Produktion der kapitalistischen Länder eingesetzt werden kann. Die "Sozialistische Persönlichkeit" wird damit zum 'heuristischen Prinzip' bei der Untersuchung von Automationsar- beit und der in ihr erforderlichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Haltungen innerhalb kapitalistischer Betriebe. Ohne sich nun bewußt mit dem hier vorgeführten methodischen Ver- fahren auseinanderzusetzen, wird von W. die Möglichkeit eines solchen Vorgehens grundsätzlich bestritten. Indem er auf einer "besonderen Form der Produktivkräfte des Sozialismus" /131/ be- steht und bestreitet, "technische Errungenschaften der entwickel- ten kapitalistischen Gesellschaft... als technische Errungen- schaften überhaupt" /127/ begreifen zu können, postuliert er im- plizit eine "Verschiedenheit der technischen Ausrüstung in den gegenwärtigen Gesellschaften" /130/, so daß offenbar Erkenntnisse über die Persönlichkeitsentwicklung in der automatischen Produk- tionsweise - aus dem Sozialismus gewonnen - in keinen fruchtbaren Zusammenhang mit der Untersuchung der Automationsarbeit im Kapi- talismus gebracht werden können. Hört der Kapitalismus also auf, die materiellen Grundlagen für eine entwickeltere Gesellschaft zu schaffen, und wird dies Zukünftige das ganz andere sein? Es hat den Anschein, als sei es ein Anliegen von W., durch den Beweis einer besonderen sozialistischen Produktionstechnik die Einsicht in den Unterschied zwischen utopischem und wissenschaftlichem So- zialismus wieder vergessen zu machen. Wie wird dies Anliegen ver- wirklicht? Die Entwicklung der Produktivkräfte stellt sich dem Verfasser hauptsächlich unter dem Aspekt der "Arbeitsproduk- tivität" /120/ dar, "Entwicklung der Produktivität" wird be- griffen als "identisch mit Ökonomie der Zeit" /121/. Aber ist dies der wesentliche Gesichtspunkt, um die Revolutionierung des Mensch-Maschine-Verhältnisses in der automatischen Produkti- onsweise als materielle Grundlage der Verallgemeinerung soziali- stischer Persönlichkeiten erkennen zu können? Diese auf die Ef- fektivitätssteigerung beschränkte Sichtweise verhilft dem Autor dazu, der Herausarbeitung des neuartigen Mensch-Maschine-Verhält- nisses und seiner Möglichkeiten die Abstraktion von der "Durchsetzungsform" anzulasten. Indem er nämlich den Automations- begriff reduziert auf "Freisetzung von lebendiger Arbeit" /122/, kann er feststellen, daß wir einem solchen Automationsbegriff folgend "keiner bestimmten Gesellschaft" /122/ bedürften, da wir die gesellschaftliche Form der Durchsetzung der Reduzierung der lebendigen Arbeit mit eben diesem Inhalt identifizierten /ebd./. Eine solche "Identifikation von Reduzierung der Verausgabung le- bendiger Arbeit mit ihrer gesellschaftlichen Form" /122/ werde vermieden durch die "Betonung der Formbestimmtheit des Reproduk- tionsprozesses" /131/ und könne zu "Aufschlüssen... über die Exi- stenz einer sozialistischen Entwicklungsform der Produktivkräfte" /126/ führen. Wird also der gedanklichen Trennung der beiden Sei- ten der widersprüchlichen Einheit der materiellen Produktion von- einander die Identifikation des Inhalts, also der Produktivkräfte und der konkreten Arbeit, mit der Form, also den gesellschaftli- chen Arbeitsverhältnissen, angelastet, so erhebt W. seinerseits "die gesellschaftliche Form" der Durchsetzung der Produktivitäts- steigerung zum Primat, und sieht eine "sozialistische Form" /130/ der Produktivkräfte ("sicher erst in Ansätzen sichtbar" /130/) wachsen, identifiziert also die Art und Weise der Naturauseinan- dersetzung, wie sie durch die von der Gesellschaft entwickelten Arbeitsmittel bestimmt wird, mit den gesellschaftlichen Verhält- nissen, in denen die Arbeit geleistet wird. Der ehemals als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung, der Ablösung einer Gesell- schaftsformation durch eine höhere, erkannte Widerspruch wird derart eingeebnet, die widersprüchliche Einheit umgemünzt in eine einseitige Determination der materiellen Produktion, der Aneig- nung der Naturstoffe und ihrer Umformung nach ihren eigenen Ge- setzen, durch die Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Die Elemente und Keime der zukünftigen Gesellschaft in der bürgerli- chen müssen unerkannt bleiben, die politisch Handelnden werden auf eine bloß moralische Kritik der bösartigen Erscheinungen des Kapitalismus zurückgeworfen. Dagegen ermöglicht die von Marx vorgeschlagene und exemplarisch angewandte Methode der "bestimmten Negation", die individuelle Entwicklung der Produzenten herauszuarbeiten, wie sie durch die Weiterentwicklung der materiellen Produktivkräfte bedingt wird. Die neuen Fähigkeiten können daraufhin untersucht werden, ob sie zu einem gesellschaftlichen Handeln befähigen, und zugleich kön- nen die Einflüsse der Arbeitsverhältnisse analytisch getrennt werden, die einer solchen Entfaltung entgegenstehen. Der Wider- spruch von konkreter Arbeitstätigkeit und gesellschaftlicher Form der Arbeit kann in seiner Verarbeitung durch die Produzenten ver- folgt werden und damit Hinweise liefern, welche Seite dieses Wi- derspruchs, welche einzelnen Persönlichkeitsmomente befördert und für den Kampf um die Aufhebung des gesellschaftlichen Wider- spruchs nutzbar gemacht werden können. Wenn die von der weiter sich durchsetzenden Automation erheisch- ten Anforderungen z. B. Kritikbereitschaft, Urteilsfähigkeit, selbständiges Denken sind (und Ergebnisse unserer noch nicht zum endgültigen Abschluß gebrachten empirischen Forschung deuten dar- auf hin), somit Fähigkeiten und Haltungen für die zu meisternde Produktionstechnik auch im Kapitalismus notwendig sind, die nicht nur als Teilbestimmungen "sozialistischer Persönlichkeiten" be- trachtet werden können, sondern auch als Eigenschaften, die von den Individuen erwartet werden müssen, die die Verhältnisse zu einem Besseren wenden wollen, dann bedeutet dies zweierlei: Zunächst für das Kapital: einerseits für die Ausbildung der für die Aufrechterhaltung der Produktion, somit der Sicherung des Profits notwendigen Fähigkeiten und Haltungen, andererseits aber zugleich für ihre Einschränkung zu sorgen, da sie - eben hier zeigt sich der Widerspruch zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivkräften konkret - der unvernünftigen Form der Produktion widerstreben. Ferner dagegen für die sozialistische Bewegung: den für die Veränderung des Bestehenden, für den Aufbau einer neuen menschlichen Gesellschaft benötigten Elementen verändernder, in den Lauf der Geschichte eingreifender Individuen zum Durchbruch zu verhelfen. Sie kann und muß sich die in der wirklichen Bewe- gung, zunächst unabhängig von ihr, sich keimhaft entwickelnden Elemente des Neuen im Interesse des gesamtgesellschaftlichen Fortschritts zunutze machen. Wo sind nun die Felder, auf denen ein so bestimmter Kampf geführt werden muß: sicherlich dort, wo die neuen Fähigkeiten und Haltun- gen unmittelbar gebraucht werden und zum Einsatz kommen müssen - also in der Produktion selbst, darüber besteht kein Zweifel 94). Mit zunehmender Bedeutung neuer Kenntnisse und Fähigkeiten für die Produktion, mit produktivkraftbedingter Notwendigkeit ih- rer Verallgemeinerung gewinnen aber auch die Orte an Bedeutung, an denen diese neuen Qualifikationen vorbereitet werden, nämlich die Institutionen der Ausbildung; dies ist eine Tatsache, die Vertreter des Kapitals längst erkannt haben (es sei erinnert an die harten Auseinandersetzungen um die Berufsbildung oder auch der Hochschulbildung, wo beispielsweise die Ausbilder und Erzie- her der zukünftigen materiellen Produzenten im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen). So geht es nicht um eine Einschränkung des Kampffeldes, sondern im Gegenteil um seine Ausweitung. Nur wer die wirkliche Entwicklung mit all ihren Folgen für den Überbau nicht zur Kenntnis nimmt oder nehmen will, kann es als "Pikanterie" /136/ abtun, wenn als ein Kampffeld für Reformen die Bildungsinstitutionen angegeben werden. Er wird die historische Aufgabe versäumen, die notwendigen Reformen in diesen Bereichen voranzutreiben, den Kampf gegen die kapitalistische Beschränkung und systemspezifische Einbindung rechtzeitig und erfolgreich zu organisieren 96). Es geht darum, die konkreten Widersprüche aufzudecken; es geht ferner darum, den notwendig zunehmenden Manipulationsangeboten - sei es im Betrieb oder in der Schule - der Systemverteidiger zu begegnen und aufzuzeigen, welche widersprüchlichen Kräfte sich dahinter verbergen, um Beschränkung und Pervertierung individuel- ler Entfaltung zurückzuweisen (z.B. systemspezifische Rücknahmen, Einschränkungen von Kritikbereitschaft, selbständiges Denken). Es geht um die Aufdeckung der Widersprüche, um scheinhafte Lösungen dieser Widersprüche unmöglich zu machen 97), um also die Indivi- duen zu wappnen für die konsequente Zurückweisung solcher Lö- sungsversuche vermittels der Erzeugung von Schein. V. Welche Perspektive bietet der Sozialismus den Individuen? ------------------------------------------------------------ Erfordert es zugegebenermaßen auch harte Schulung und Anstren- gung, das Gute im Schlechten zu erkennen, also wirkliche Wider- sprüche denkend zu durchdringen, um aus ihnen die zukünftige Ent- wicklung und das vorwärtsweisende Handeln zu bestimmen, so muß dennoch erstaunen, daß W. sich gegen die Annahme einer Zielvor- stellung sogar im Sozialismus wendet; verwunderlich, weil doch hier der Blick auf die Wirklichkeit und die Richtung ihrer Ent- wicklung nicht durch die besondere Verquickung von Gutem und Schlechtem des Kapitalismus getrübt und verstellt wird. Von Marx wurde die freie Gesellschaft assoziierter Produzenten als Über- windung der "Vorgeschichte der Menschheit" begriffen, als "bewußte Rekonstitution der menschlichen Gesellschaft" 98). Be- deutet eine solche gemeinschaftliche, selbstbewußte In-die-Hand- Nahme der eigenen Geschichte nicht, daß die Individuen - von der blinden Durchsetzung der Entwicklungsgesetze der vorherigen Ge- sellschaften befreit - den Lauf der eigenen Geschichte und die Richtung dieses Laufs lenken können und müssen? In solchen und ähnlichen Bestimmungen des Sozialismus sieht W. lediglich eine "abstrakte Feststellung", die planende Lenkung der vergesell- schafteten Produktion erscheint ihm als wesentliche Bestimmung unzureichend /120 f./. Welche Merkmale des Sozialismus hält er stattdessen für die we- sentlichen? Wir erfahren, der Sozialismus sei als sich "organisch" entwickelnder Prozeß zu verstehen /121/, wissen- schaftliche Prognose im Sozialismus sei abhängig von den sich herausbildenden, dem Sozialismus eigenen Verhältnissen /134/, die Durchsetzung der Automation sei ein konkreter Prozeß, in einem konkreten Zusammenhang /122/. Ähnliche Aussagen könnten zuhauf angeführt werden, aber erfahren wir durch sie etwas über den In- halt der Prozesse, über den Inhalt der Prognosen, über den Inhalt der Produktivitätssteigerung? Mitnichten, sämtliche Gegenargu- mente des Verfassers laufen darauf hinaus, mittels der "Betonung der Formbestimmtheit des Reproduktionsprozesses" /131/ den Inhalt dieser gesellschaftlichen Form nicht zur Kenntnis zu nehmen bzw. zu erschlagen. Erinnern wir uns der Marxschen Aussage, der Sozia- lismus sei gerade die Gesellschaftsform, in der der Inhalt, das materielle Leben der Menschen, mit der gesellschaftlichen Form übereinstimmt, weil die Arbeit als unmittelbar gesellschaftliche bewußt gestaltet wird und nicht durch blinde Mechanismen regu- liert wird, dann zeigt sich die Entwickeltheit des Sozialismus an dem Ausmaß, indem die einzelnen Individuen in der Lage sind, an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzuhaben, sich die kulturellen und geistigen, wissenschaftlichen Güter der Menschheit anzueignen, schöpferisch auf das gesellschaftliche Le- ben Einfluß zu nehmen 100). All dies scheint von dem Autor so ge- ring geachtet zu werden, daß er gegen die These, aufgrund der au- tomatischen Produktionsweise werde die inhaltliche Füllung der sozialistischen Produktionsverhältnisse von allen arbeitenden Menschen geleistet werden können, nur die Durchsetzungsform der Automation, die gesellschaftlichen Verhältnisse ins Felde führen kann, welche doch nur der Ermöglichungsgrund der Entfaltung so- zialistischer Persönlichkeiten sind. Wird derart die gesell- schaftliche Form gegen die Entfaltung der Individuen als Prinzip des Sozialismus 101) ausgespielt, so scheint hier eine Verkennung vorzuliegen, was nun im Sozialismus das Ziel ist und was das dorthin führende Mittel. Erinnern wir uns der Erkenntnis, welche von Teßmann folgender Art formuliert wird: "Die Triebkräfte des historischen Fortschritts liegen weder allein in den Produktivkräften noch allein in den Produktionsverhältnissen, sondern in den objektiv-realen und ge- gensätzlichen Wechselbeziehungen zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen" 102). W. nun muß notwendigerweise im Unklaren über die Triebkräfte der Entwicklung verharren, wenn er die widersprüchliche Einheit auflöst in eine monokausale Abhän- gigkeit von den Produktionsverhältnissen. Fällt das Bewegungsge- setz des historischen Fortschritts aus der wissenschaftlichen Be- trachtung heraus, so nimmt nicht wunder, daß in der Folge Vor- stellungen über die Richtung dieser Entwicklung geleugnet werden, kein Aufschluß über Zielvorstellungen zu erhalten ist, außer derjenigen der "Effektivität... (der) Rationalität in der Ausein- andersetzung mit der Natur" /129/ als "gesellschaftlicher Ziel- richtung" /ebd./. Ist dies die sozialistische Zielstellung, so erscheint die Notwendigkeit kaum noch einsichtig, eine Gesell- schaftsform zu überwinden, die sich im Bereich der unmittelbaren Produktion durch eine höhere "Rationalität" und "Effektivität" auszeichnet, als die historischen Beispiele einer neuen, noch allgemein zu schaffenden, und die aufgrund einer auch vom Autor konstatierten höheren Produktivität /127/ größere Konsummöglich- keiten bietet als die sozialistischen Länder. Zweifellos kommt der Produktivitätssteigerung bei der Entwicklung des Sozialismus eine zentrale Bedeutung zu, aber kann der Sozialismus einzig durch die Steigerung der Konsummöglichkeiten und sozialen Sicher- heiten seine historische Überlegenheit ausweisen und entfalten gegenüber einer Gesellschaftsform, deren "historischer Auftrag" gerade in der schrankenlosen Vorantreibung der Produktivkräfte liegt? Mit dem Aufwerfen dieser Fragen ist uns weder an einer wie immer gearteten "Sozialismus-Interpretation" /134/ oder gar an einer "theoretischen Selbstbestätigung" /135/ gelegen, vielmehr ist das zugrundeliegende Problem auch eines der Darstellung des heutigen Sozialismus. Je tiefer die Einsichten in die Entwicklungsaufgaben und -ziele des Sozialismus sind, desto genauer und klarer kann die historische Überlegenheit als anzustrebendes Ziel für die Be- völkerung kapitalistischer Länder verdeutlicht werden. Die histo- rische Überlegenheit des Sozialismus ergibt sich aus seinen We- sensbestimmungen, die immer auch Aufgabe und damit Zielvorstel- lungen sind; sie dürfte kaum mittels der Betonung gegenwärtiger "Entwicklungsschwierigkeiten" zu fassen sein. Eine solche Selbst- verständigung ist unabdingbar, um die antikommunistischen Denk- formen aufbrechen zu können, die aus der Erfahrung des Faschismus und des "Kalten Krieges" gewachsen vielfältige Anknüpfungspunkte in den Erscheinungen der sozialistischen Länder finden. Bietet der Sozialismus dem einzelnen Menschen auch andere Entfal- tungsmöglichkeiten, die über die Ausdehnung des individuellen Konsums hinausgehen? Greifen wir auf das aufgewiesene Interesse des Marxismus an der Entfaltung der Individuen zurück, auf die Vorstellung eines Sozialismus, dessen Weiterentwicklung die Ent- faltung der Individuen unabdingbar erfordert, so ist daraus nicht nur eine Perspektive für die Individuen herleitbar, sondern auch der wissenschaftliche Auftrag gegeben, die Bedingungen der Ver- wirklichung dieser Perspektive zu ergründen. Welchen Weg hat eine Theorie von den Individuen und ihrer "geschichtlichen Produktion" 103) einzuschlagen? Wie von der "Kritischen Psychologie" 104) in- haltlich aufgewiesen wurde, ist nur in einer historischen Analyse Verständnis über die Persönlichkeitsstrukturen heutiger Menschen zu gewinnen. Kein anderes Verfahren vermeidet den Irrtum, sämtli- che psychischen Erscheinungen, seien sie nun Deformationen oder Entfaltungen der Individualität, auf die heutigen gesellschaftli- chen Verhältnisse zurückführen zu müssen. Die Aufdeckung der "gesellschaftlichen Natur" der Menschen erfordert nicht nur die Abstraktion von den besonderen gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern auch die Auseinanderfaltung der beiden Seiten des Men- schen: die "natürliche Natur" und die "gesellschaftliche Natur". Erst die Abklärung der biologischen Ausstattung des Menschen, die seine Fähigkeit zur Vergesellschaftung, zur Aneignung und Ent- wicklung des menschlichen Wesens begründet, führt zu einer wis- senschaftlich fundierten Auffassung des menschlichen Individuums. Aus dem Zueinander von Natur des Menschen und Entwicklung dieser Natur in der Geschichte kann eine Perspektive der individuellen Entfaltung und Entwicklung bestimmt werden, welche durch den heu- tigen Stand der materiellen Produktivkräfte, "der Kräfte der In- dividuen selbst", als Zielvorstellung "Sozialistische Persönlich- keit" konkretisierbar ist. Gegen ein solches Verfahren, dessen Ergebnisse in den "Texten zur kritischen Psychologie" überprüfbar vorliegen, hegt W. offenbar schwerste wissenschaftliche Bedenken: "Ein 'Ideal' der soziali- stischen Persönlichkeit... widerspricht zumindest den Grundthesen des Marxismus" /135/. Zweifellos wäre es unwissenschaftlich, die wirkliche Entwicklung nach einem außerhalb ihrer liegenden Ideal- vorstellung zu konstruieren, aber liegt die wissenschaftliche Auffassung vom Individuum darin, "die menschliche Persönlich- keit... als 'Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse'" /134/ zu begreifen? Hier ist schärfster Widerspruch einzulegen: die Grundthese, von der W. auszugehen scheint, ist als 6. Feuer- bachthese wohlbekannt und lautet: "In seiner Wirklichkeit ist es (das menschliche Wesen, d.V.) das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse" 105). In der verkürzten Wiedergabe dieser Kernthese der materialistischen Auffassung von den Individuen schlägt uns eine Vorstellung entgegen, die Sève in ausführlichen Überlegungen zur 6. Feuerbachthese als eine Position des theoretischen Antihu- manismus zurückweist. Besagt doch diese These nichts, als daß die menschlichen Individuen sich das menschliche Wesen, welches in Gestalt der Produktivkräfte außerhalb der Individuen liegt, in der Produktion ihres Lebens aneignen, indem sie sich vergesell- schaften. Eine Reduzierung der Individuen auf die gesellschaftli- chen Verhältnisse verstellt den Weg, die "Produktion" der Indivi- duen in der Geschichte zu verfolgen, die Entwicklungsbedingungen der Individuen zu analysieren; führt entgegen der Absicht von W. letztlich zu der Vorstellung eines "abstrakten Menschen" /135/. Der Anspruch des wissenschaftlichen Humanismus kann nicht er- füllt, ja gar nicht wahrgenommen werden, die Entwicklung der In- dividuen, ihre Aneignung menschlicher Fähigkeiten und menschli- cher Erfahrungen in der Anwendung der Produktivkräfte muß unbe- griffen bleiben. Die Aufgabe der Aufdeckung der Bedingungen vol- ler Entfaltung menschlicher Individualität stellt sich dem Wis- senschaftler nicht mehr. Bestimmt sich die natürliche Ausstattung der Menschen als Fähig- keit der Aneignung, der spezifisch menschlichen Form des Lernens, so realisiert sich die "natürliche Natur" als Aneignungsfähigkeit in eben dieser Aneignung des gesellschaftlichen Wesens durch die Herausbildung der Fähigkeiten, Kenntnisse und Haltungen, die zum Erhalt des individuellen Lebens in und durch die gesellschaftli- che Arbeit notwendig sind. Die Beherrschung der materiellen Pro- duktivkräfte setzt voraus die Aneignung der Gattungskräfte, der in diesen Produktivkräften vergegenständlichten menschlichen Fä- higkeiten. Erscheint unter diesem Gesichtspunkt individuelle Ent- faltung lediglich als Realisierung des bereits Vorhandenen, so legt ein weiteres Resultat der historischen Analyse die Ursachen des Tätigwerdens der einzelnen Menschen und damit auch die Beweg- gründe der Weiterentwicklung frei. Gemeint sind die menschlichen Bedürfnisse, deren Entstehung auf die menschliche Besonderheit zurückzuführen ist, Kontrolle über und Gestaltung der eigenen Le- bensbedingungen dadurch erlangen zu können, daß in der gesell- schaftlichen Arbeit von den Individuen ein Beitrag zur Lebenser- haltung aller geleistet wird. Diese Bedürfnisse nach Gestaltung und Kontrolle der Lebensbedingungen, "produktive Bedürfnisse" ge- nannt 106), lassen einen bestimmten Stand der Lebensgestaltung als unzureichend und verbesserungsfähig erscheinen, bedingen die Motivation, auf die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens Ein- fluß zu nehmen und zu seiner Weiterentwicklung in der eigenen Tä- tigkeit beizutragen. Mit diesem Wissen nun kann der Sozialismus als die einzig adäquate Gesellschaftsform begriffen werden, die die Verallgemeinerung der Entfaltung der produktiven Bedürfnisse und damit der individuellen Entwicklung überhaupt erlaubt. Und nichts anderes meint der Marxsche Gedanke, "erst auf dieser Stufe (der Vereinigung der assoziierten Produzenten, d.V.) fällt die Selbstbetätigung mit dem materiellen Leben zusammen, was der Ent- wicklung der Individuen zu totalen Individuen und der Abstreifung aller Naturwüchsigkeit entspricht..." 107). Mit dem Verfahren der materialistischen Forschung wurde so nicht nur eine Begründung der individuellen Entfaltung als Perspektive der zukünftigen Gesellschaft gefunden, sondern gleichzeitig der Maßstab der bestimmten Negation, um die widersprüchliche Persön- lichkeitsentwicklung im heutigen Kapitalismus aufdecken zu kön- nen. Indem mit dieser bestimmten Negation als Forschungswerkzeug erforscht werden kann, welche produktiven Bedürfnisse aufgrund der Arbeitstätigkeit und der Aneignung der gesellschaftlichen Er- fahrung bereits jetzt hervorgebracht werden und welche Grenzen ihrer Entfaltung durch die kapitalistischen Produktionsverhält- nisse gesetzt werden, werden die Ansatzpunkte für den Hebel der auf allgemeine Emanzipation gerichteten Politik bestimmbar, an denen den Individuen dieser Gesellschaft der Sozialismus als ein- zig mögliche Perspektive der ungehemmten Befriedigung ständig vorwärtstreibender produktiver Bedürfnisse und damit als notwen- diges Kampfziel einsichtig gemacht werden kann. W. dagegen vergibt sich die Möglichkeit, diese Forschungsaufgabe zu erkennen. Die krassen Fehlinterpretationen der materialisti- schen Theorie vom Individuum gipfeln in der Behauptung, die "menschliche Persönlichkeit... (könne nicht) als Summe von Fähig- keiten und Verhaltensweisen" /134/ aufgefaßt werden. Übrig bleibt ein kaum denkbares, abstraktes Menschengebilde, welches das "Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse" /134/ sei, ohne Substanz, ohne psychische Leistungen und Sinne und Nerven. Der Inhalt der menschlichen Entwicklung bleibt außer acht, nur die Form interessiert, losgelöst von den konkreten Individuen. Die Einebnung des Widerspruchs in dem Verhältnis von Produktionsver- hältnissen und Produktivkräften, die einseitige und verabsolutie- rende Betrachtung der gesellschaftlichen Verhältnisse wirkt sich also auch in der Frage der wissenschaftlichen Untersuchung der Entwicklungsbedingungen der Individuen erkenntnishemmend aus. Die Verkennung der Bedeutung der Produktivkräfte, der vergegenständ- lichten menschlichen Fähigkeiten, "der produktiven Organe des Ge- sellschaftsmenschen" (108) führt zu einer fatalen Entleerung des menschlichen Wesens von den menschlichen Wesenskräften überhaupt. Ausgangspunkt der Überlegungen war die materialistische Auffas- sung vom menschlichen Individuum, Endpunkt ist die Kritik einer fehlleitenden Anschauung der menschlichen Individuen. Rückblic- kend erhellt sich die Denkweise des Autors. Fehlt dem Theoretiker ein wissenschaftlich begründetes Menschenbild, verkennt er das grundlegende Interesse des wissenschaftlichen Sozialismus an der Entfaltung und Befreiung der konkreten Individuen, dann kann dies nur dazu verleiten, die materiellen Grundlagen dieser Entfal- tungsmöglichkeiten in der widersprüchlichen Einheit kapitalisti- scher Produktionsweise zu mißachten bzw. die Notwendigkeit ihrer Analyse nicht wahrzunehmen. Diese undialektische Betrachtungs- weise gerät notwendigerweise in Schwierigkeiten, den historischen Fortschritt und die ungeheuren Möglichkeiten der individuellen Entfaltung, wie sie mit dem Sozialismus prinzipiell gegeben sind, im politischen Kampf für die Herstellung dieser Bedingungen als Kampfziel zu antizipieren und den Individuen, die in ihrer Ge- samtheit als einzelne Subjekte diesen Kampf zu führen und durch- zustehen haben, damit einer Perspektive des Kampfes anzubieten. Nur der Sozialismus läßt die Suche der Arbeiter nach Verbesse- rungsmöglichkeiten ihrer Produktionsinstrumente sinnvoll werden, bietet die Möglichkeiten, gesellschaftliche Produktionsanlagen als gesellschaftliches Eigentum verantwortlich zu beherrschen, weist der individuellen Weiterentwicklung zur besseren Beherr- schung der Naturprozesse eine Perspektive, gibt den Raum und die Gelegenheit, die neu in der Produktion entstandenen Bedürfnisse nach schöpferischer Betätigung allseitig zu entfalten, gibt den Individuen die Chance und die Aufgabe auf, zu Trägern des gesell- schaftlichen Fortschritts sich zu entwickeln. _____ *) W. Wotschack: Automation, Gesellschaftliche Verhältnisse und Persönlichkeit. Zur Kritik eines Beitrages von T. Waldhubel und S. Wenk (Projektgruppe Automation und Qualifikation), in: SOPO 37/38 (Dezember 1976), S. 117-137. Seitenangaben in Schrägstri- chen beziehen sich auf diesen Beitrag. 67) MEW 20, S. 264. 68) Ebd. 69) Ebd. 70) H. Jetzschmann, Probleme der gesellschaftlichen Aktivität der Arbeiterklasse in der materiellen Produktion, in: Dt. Z. f. Ph., 22. Jahrgang 1974, Heft 2, S. 149. 71) Vgl. hierzu Teil III. Marxens Frage nach den Entwicklungsmög- lichkeiten des Individuums. 72) Die Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten kämpferischer Persönlichkeiten findet statt, nachdem sie sich gewerkschaftlich und politisch organisiert haben, könnte ein Einwand lauten. Die hier interessierende Frage lautet aber, wie kommt jemand zum Kampf bzw. zur Einsicht in seine Notwendigkeit? Diese Frage ist nicht für einzelne bereits Kämpfende zu beantworten, sondern es gilt, die Bedingungen herauszustellen, die alle Produzenten po- tentiell zur Teilnahme am politischen Kampf führen können. Diese alle betreffenden Bedingungen finden sich in der Arbeit. 73) MEW 23, S. 194 f. 74) W. Jonas, Zu einigen Problemen des Verhältnisses zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, in: Jb. f. Wirt- schaftsgeschichte 1976/1., S. 237. 75) Ebd. 76) Ebd. 77) Ebd. Ähnliche Äußerungen zur Automation als der adäquaten so- zialistischen Produktionsweise finden sich an unzähligen Stellen der entsprechenden Literatur aus den sozialistischen Ländern. Beispielsweise heißt es in einem Text eines sowjetischen Autoren- kollektivs: "Die maschinelle Produktion als technische Basis der gegenwärtigen Arbeit entspricht noch den kapitalistischen Produk- tionsverhältnissen. Der Kommunismus und das gesellschaftliche Ei- gentum an den Produktionsmitteln benötigen das automatisierte Produktionssystem." (Wissenschaftlich-technische Revolution und Gesellschaft, Moskau und Leipzig, 1976, S. 285). 78) "...aber neue, höhere Beziehungen zwischen den Menschen kön- nen nicht völlig siegen, solange sie keine Bedingungen für die Entwicklung mächtigerer Produktivkräfte, für die Dynamik der ge- samten Basis der Gesellschaft geschaffen haben werden als jene, die die alte Gesellschaftsordnung zur Verfügung hatte". Wissen- schaftlich-technische Revolution..., a.a.O., S. 219. 79) K.H. Teßmann, Zur Kritik des technologischen Determinismus, Dt. Z. f. Ph., 22. J., 9/1974, S. 1095. 80) W. Jonas, a.a.O., S. 238. 81) Teßmann, a.a.O., S. 1098. 82) Ebd., S. 1090. 83) entfällt. 84) MEW 23, S. 618. 85) Grundrisse..., a.a.O., S. 231. 86) Vgl. auch K. Holzkamp, Die historische Methode des wissen- schaftl. Sozialismus..., a.a.O. 87) Vgl. z. B. Automation in der BRD, a.a.O., S. 8 f. 88) entfällt. 89) Die Autoren des Artikels in Konsequent 27 sprechen hier eine deutlichere Sprache: "Unter kapitalistischen Produktionsverhält- nissen besteht kein innerer Zusammenhang zwischen beiden Momen- ten, keine notwendige Parallelität zwischen der Entwicklung der gegenständlichen Produktivkräfte und der der Produzenten." (M. Bach u.a., a.a.O., S. 84) Sofern die Autoren damit die wider- sprüchliche Durchsetzungsweise der Anforderungen weiterentwickel- ter Produktionstechnik an die Produzenten in einer ungeplanten Gesellschaft im Auge haben, kann ihnen zugestimmt werden (vgl. dazu auch die Überlegungen des Projekts Automation und Qualifika- tion in dem Band Automation in der BRD, a.a.O., S. 22 ff. oder in: Demokratische Erziehung 6/75, S. 28 ff.). Allerdings, was sich hier widersprüchlich durchsetzt, ist ein "innerer Zusammen- hang", ein gegenseitiges Bedingungsverhältnis von materiellen Produktivkräften und Produzenten, der in jeder Gesellschaft be- steht. Vgl. dazu auch G. Wolkow, Der Sozialismus, der Mensch und die wissenschaftlich-technische Revolution, in: Wissenschaftlich- technische Revolution. Die Beschlüsse des XXIV. Parteitages der KPdSU in Aktion, Moskau (APN) 1973, S. 31 f. 90) In dem bereits erwähnten Band Automation in der BRD findet sich der empirische Nachweis des Automationsgrades und seiner Perspektiven in der BRD. Der von W. als neuartige Kapitalismus- theorie beargwöhnte Artikel von H. May und R. Nemitz setzt sich mit Thesen auseinander, die von bestimmten Aspekten ausgehend wie Fall der Profitrate, Zunahme der Arbeitslosigkeit etc. zur Auf- fassung gelangen, im Kapitalismus könne sich die Automation nicht durchsetzen. Letztendlich bewegt sich diese Auseinandersetzung auf dem gleichen Problemfeld wie die vorliegende Diskussion: das Verhältnis von Marxscher Gesellschaftstheorie und Veränderungen in der kapitalistischen Gesellschaft, die empirisch zu erforschen sind. 91) "So ist der Sozialismus zuerst gezwungen, die sozialistische Industrialisierung durchzuführen; seine tiefere Wechselbeziehung mit der wissenschaftlich-technischen Revolution wird erst allmäh- lich realisiert. In einer solchen Zeit kann innerhalb der neuen Gesellschaft im Ergebnis des Widerspruchs zwischen einem unzurei- chenden Niveau der Produktivkräfte und den neu geschaffenen ge- sellschaftlichen Verhältnissen, die auf der gegenseitigen Zusam- menarbeit der Werktätigen beruhen, durchaus eine bestimmte Span- nung entstehen". Wissenschaftlich-technische Revolution und Ge- sellschaft, a.a.O., S. 224. 92) Siehe dazu unsere Auseinandersetzung mit den vorliegenden em- pirischen industriesoziologischen Untersuchungen, in: Automati- onsarbeit I (Methode). (Argument-Sonderband AS 19). 93) Vgl. zur Begründung der sozialistischen Perspektive als eine in der materiellen Entwicklung gründende Perspektive durch Marx Abschnitt II. 94) Auch wenn W. offenbar zu unterstellen sucht, wir würden dies nicht anerkennen. Allerdings gibt es einen kleinen, vielleicht nicht unbedeutenden Unterschied: keineswegs gehen wir davon aus, wie W. dies nahezulegen scheint /126/, daß die "Humanisierung der Arbeit" - verstanden als Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsplatzver- schönerung, Wechsel der Arbeit - kurzum Maßnahmen wie Job enrich- ment", "job enlargement" etc. - wichtigste Kampfaufgabe ist. Be- zieht sie sich doch notwendig in der Hauptsache auf vorautomati- sierte Arbeitsplätze (insbesondere Montagearbeitsplätze, die in geringem Ausmaß bislang der Automatisierung zugänglich sind). Mit der alleinigen Blickrichtung hierauf werden notwendige Aufgaben in automatisierten Betrieben möglicherweise unterbewertet - wie Bildungsforderungen, Rationalisierungsschutzabkommen u.a.; kurz: es besteht die Gefahr des Reformismus. 95) entfällt. 96) In diesem Zusammenhang besteht die Gefahr, daß automations- spezifische Anforderungen so unspezifisch gefaßt werden, daß auch industrielle oder gar vorindustrielle handwerkliche Anforderungen darunter verstanden werden können. So werden z.B. bei M. Bach u. a. aufgeführt: "Rechnen, Schreiben und Lesen, sowie ... Umgehen- lernen mit Werkzeugen und Werkstoffen". (a.a.O., S. 82) Derge- stalt hinkt man aus Unkenntnis der realen Entwicklungsnotwendig- keiten im Zuge der Automation hinter der wirklichen Entwicklung, her. 97) Es geht also keineswegs um "Neutralisierung" der Produktions- verhältnisse "durch Bewußtseinsakte" - wie W. /136/ unsere Vor- schläge kolportiert, sondern um die Vermittlung von Einsichten in die Veränderbarkeit und Veränderungsnotwendigkeit der Verhält- nisse, die notwendige Grundlage revolutionären Handelns. Vgl. dazu die exemplarische Analyse von F. Haug, Erziehung und gesell- schaftliche Produktion: Kritik des Rollenspiels, Frankfurt/M. 1977. 98) MEW 25, S. 99. 99) entfällt. 100) entfällt. 101) Vgl. MEW 23, S. 618. 102) K.H. Teßmann, Zur Kritik..., a.a.O., S. 1090. 103) L. Sève, a.a.O., S. 102. 104) sind die Versuche einer materialistischen Psychologie, wie sie vor allem am Psychologischen Institut der FU Berlin unternom- men werden, in denen in Anwendung der Marxschen Methode die An- sätze der sowjetischen "Kulturhistorischen Schule" kritisch auf- gearbeitet wurden. Vgl. dazu die Reihe "Texte zur Kritischen Psy- chologie" aus dem Psychologischen Institut der FU Berlin (Campus Verlag Frankfurt/M. und New York). 105) MEW 3, S. 6. 106) Vgl. dazu U. Holzkamp-Osterkamp, a.a.O. 107) MEW 3, S. 108) 23, S. 391, FN 89. zurück